Freitag, 29. August 2014


Shabbat shalom, Chayal boded Eliahu!

Heute war ich mit meiner Freundin in Tel  Aviv am Strand - der erste Shabbat ohne Alarm im Nacken. 
Wir trafen Elliott, aus New York, juedischer Name Eliahu. 
Eliahu ist 23 Jahre alt und seit EINER Woche im Land. Baruch Haba! 
Er hat alles liegen und stehen lassen, einen gut bezahlten Job aufgegeben, um herzukommen und in der Army unser Volk zu beschuetzen. Kol haCavod, Eliahu, wirklich alle Achtung. 
Er ist das, was man hier "Chayal boded" nennt (alleinstehender Soldat, also ein Soldat der ohne Familie im Land ist). 
Ich wuensche Eliahu alle erdenklich Gute und hoffe nicht, dass er so schnell in gefaehrliche Kriegshandlungen, an welcher Grenze auch immer, geschickt wird. Bleib gesund, Eliahu, und bau dir hier ein schoenes Leben auf. 
Shabbat shalom!

Ohne Worte

(foto: jewsnews)

Donnerstag, 28. August 2014

Mit Kippa und sechs Kindern - eine Doku ueber Rabbiner Avichai Apel


Sich dem Judentum naehern - langsam langsam

Ich bekomme wieder mehr Anfragen bzgl Giur - Uebertritt zum Judentum.
Bitte seid nicht boese, wenn ich mal vergessen zu antworten, oder mir ein bissel mehr Zeit lasse, denn manches geht mir zurzeit durch.
Dann moechte ich euch bitten, mich einfach nochmal zu erinnern.

Wer sich dem Judentum naehern moechte, kann nicht ewig nur aus Buechern lernen und Dinge fuer sich allein zuhause umsetzen.
Wer irgendwann einmal zum juedischen Volk dazugehoeren moechte, kann das nicht einsam und allein. Wir sind ein Volk und ein sehr wesentlicher Bestandteil ist die Gemeinschaft.
Wer es ernst meint und lernen moechte, der sollte recht frueh zu einem G-ttesdienst gehen, vorher in der Gemeinde nachfragen, oder den Rabbiner um Erlaubnis bitten. In diesen schwierigen Zeiten fuer Juden werden die Sicherheitsvorkehrungen wohl noch ein wenig hoeher geschraubt, da man auch Angst hat, es koennte sich jemand einschleichen, der einen Anschlag plant.
Das muesst ihr einfach akzeptieren. Dennoch solltet ihr am Ball bleiben, weiter fragen, falls ihr eine Absage bekommt, und neue Anlaeufe machen.
Eine Ablehnung gehoert oft zur "Strategie", um den Willen des Giur-kandidaten zu pruefen. Laesst er sich schnell abwimmeln und meldet sich nie wieder, hat er es auch nicht ernst gemeint.
Wenn ich etwas ernsthaft will, und es mein Herzenswunsch ist, werde ich alle Mittel und Wege in Bewegung setzen und mein Ziel erreichen. Das ist meine Meinung.
Rabbiner in Deutschland haben viel zu tun. Plant das ein, wenn ihr den ersten Anruf startet. Vielleicht muesst ihr wieder und wieder anrufen, um ihn ueberhaupt ans Telefon zu bekommen. Oder aber das Sekretariat gibt euch einen Termin beim Rabbiner, das waere das Beste.
Und bitte - schreibt keine Mail und erwartet, dass man euch antwortet.
Sich hinter einer Mail zu verstecken kommt oft nicht gut an. Meist antwortet auch keiner, da nicht immer der Rabbiner selbst sich um die Mails kuemmert, sondern der Vorstand oder eine Sekretaerin.
Mails koennen untergehen und niemand kuemmert sich darum.
Daher - zum Telefon greifen und anrufen.
Das ist auch ueblich hier in Israel  - der, der was will, der ruft an. Punkt.

Habt keine Angst - wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Versucht, eine Zeitlang regelmaessig in den G-ttesdienst zu gehen und so zu lernen, wie ein G-ttesdienst aufgebaut ist. Lernt die Lieder, die Gebete und versucht zu lernen was dahinter steckt, welche Bedeutung jeder Teil des G-ttesdienstes hat.
Versucht, ein wenig Hebraeisch zu lernen, denn die Sprache des G-ttesdienstes und des Gebetes ist hebraeisch. Es ist frustrierend, wenn man auf Dauer nichts versteht.
Anfaengerkurse werden oft angeboten in der VHS. Oft kommt ein Folgekurs dann nicht mehr zustande. Aber wenigstens kann man so die Buchstaben lernen und ein wenig Grammatik.

Und zuhause?
Fangt mit einer kleinen Sache an, die schon etwas SEHR Grosses und Starkes innehat.
Zuendet am Freitagabend, zu Shabbatbeginn, 2 Kerzen an. Ihr braucht keine silbernen Leuchter zu kaufen, es reichen 2 Teelichte auf dem Teller auf der Fensterbank.
Sucht euch den Segensspruch heraus, zum Kerzenzuenden und bittet um Kraft.

Im Bereich "Kosher leben" koennt ihr auch versuchen, eine grobe Regel umzusetzen. Bitte nicht zuviel auf einmal, es verwirrt nur, und man verliert evtl. schnell die Geduld, da es viele Mizwot gibt, die man auf keinen Fall alle auf einmal umsetzen kann. Das langsame Herangehen hat den Vorteil, dass man sich sehr bewusst ans Judentum annaehert. Macht alle mit grosser Andacht und versucht, Automatismus zu vermeiden.
Beim Kosher leben kann man als erste Massnahme das Schweinefleisch weglassen, falls man dieses vorher gegessen hat.
Oder/Und milchige Lebensmittel und fleischige Lebensmittel nicht zusammen in einer Mahlzeit essen.
Nach dem Fleisch essen wartet man 6 Std. um wieder Milchiges essen zu koennen,.
Nach einer milchigen Speise warten einige 1/2 Std. ,es reicht aber auch aus, sich den Mund zu spuelen oder die Zaehne zu putzen, und ein wenig zu warten, bis man Fleisch isst.
Der naechste Schritt koennte sein, sich ein paar Teller zu kaufen zum Trennen. z.B. weisser Teller NUR fuer milchige Speisen, roter Teller nur fuer fleischige Speisen.
Das ist schon recht viel.
Versucht, in der Woche etwas Besonderes fuer den Shabbat-tisch zu kaufen, eine Speise, die ihr gern esst oder eine besondere Frucht.

All das solltet ihr vielleicht ein paar Monate durchhalten, und fuehlen, ob es wirklich das Passende fuer euch ist, was ihr da tut und keine momentane Laune.
Ich wuensche euch einen guten Rabbiner, wo ihr lernen koennt.
Ich hatte wohl den besten, den es in Deutschland gibt. (nein, ich uebertreibe nicht). Rabbiner Avichai Apel aus Dortmund ist einer der reinsten Menschen die ich kenne. Er mag Menschen und empfaengt jeden mit einem freundlichen Gesicht.
Vielleicht koennt ihr euch einmal etwas von ihm anschauen.(hier ein Interview mit ihm)
Er kann auch Tipps geben, da er im Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz ist. Im Uebrigen hat er viele Verbindungen und kann euch sagen, wer in eurem Ort der zustaendige Rabbiner, Ansprechpartner ist.



Mittwoch, 27. August 2014

Shlomo Artzi und Rita mit "Schnaim" (Zwei)


Shlomo Artzi - Besheket besheket

Zu diesem Lied von Shlomo Artzi bin ich 2004 mit meinem gemieteten Auto durchs Land in Richtung Norden gefahren. Es fuehlte sich so frei an, so voller Lebenslust an der Kueste entlang bei blauem Himmel zu singen... 
Ich bin dann kurz vor Tiberias abgebogen zum Berg Arbel, von dem aus man den Kinneret (See Genesaretz) ueberblickt. Gigantisch, diese Aussicht. 
Ich werde das Gefuehl niemals vergessen und werde bei diesem Lied immer wieder neu an diesen Tag erinnert und die grenzenlose Freiheit, die ich in mir spuerte. 
Und - das erste Mal das Gefuehl: Ja, hier bin ich zuhause, hier gehoere ich hin. 
Gute Nacht, mein Israel - gute Nacht auch nach Deutschland!