Freitag, 24. Mai 2013

Gedicht "Astrophysika"

Ein Gedicht von Dror Elimelech

אסטרופיזיקה

בכוכב רחוק
בגלקסיה רחוקה
נתגלה פתאום
כי יש אלוקים
ממש כאן
אצלנו

Astrophysik

Auf einem weit entfernten Stern, 
in einer anderen Galaxie
wurde ploetzlich entdeckt, 
dass es G-tt gibt, 
wirklich hier
bei uns. 

 

Shabbat shalom mit der Bilanz einer anstrengenden Woche fuer Israel

Die Bilanz der Woche in Israel ist traurig und erschuetternd. 
Es gab viele toedliche Verkehrsunfaelle und die Bewohner von Yehuda und Shomron sehen sich taeglicher Gewalt (fliegende Flaschen, Steine) gegenueber, die sehr zurueckhaltend vonseiten der Soldaten beantwortet werden. Es gibt anscheinend Anweisungen mit SEHR viel Zurueckhaltung zu handeln. Mit Recht sehen sich die Anwohner so zu wenig geschuetzt. 

Es gab einen furchtbaren Vorfall in einer Filiale der Bank HaPoalim in Beer Sheva. Ein Kunde der Bank richtete ein Blutbad an, lief Amok und vier unschuldige Menschen mussten ihr Leben dabei lassen, unter anderem der Filialleiter, der erst seit einer Woche dort war. 
Der Amoklaeufer hatte zuletzt kein Geld mehr vom Automaten ziehen koennen, man hatte ihm die Kreditkarte gesperrt. Das soll der Ausloeser fuer seine grausame Tat gewesen sein. Schon wurden Stimmen laut, wie die Banken denn Menschen zu solchen Verzweiflungstaten treiben koennen. aber auch Gegenstimmen, die sagen, dass eine derartige Tat mit nichts, aber auch gar nichts, zu rechtfertigen ist. Viele Menschen leben am Rande des Existenzminimums oder gar darunter, und werden nicht zu Amoklaeufern. Was koennen die Kunden der Bank dazu? Und - was hat er jetzt damit gewonnen? 
Am Ende des Amoklaufes, nachdem er seine Geisel freiliess, die 50 min. Todesaengste ausstand in seiner Gegenwart (er hielt die gesamte Zeit ueber seine Waffe auf ihren Kopf gezielt), erschoss er sich selbst. 
Die kleine Filiale war nicht besetzt mit Sicherheitsbeamten, daher konnte der Taeter mit seiner Waffe ungestoert seinen Rachezug vollenden. "Jetzt zeig ich es euch!" soll er gerufen haben. 

Ein junger Soldat ist in den Golanhoehen beim Raeumen von Panzerminen auf tragische Weise umgekommen. Bisher ist nicht bekannt, warum die Mine explodierte und wieder werden Proteststimmen laut, wie man solche "Kinder" auch eine derartig gefaehrliche Arbeit machen lassen kann. Der junge Mann war noch nicht lange bei der Army. 

Ein frueherer Kommandant der IDF verstoert uns mit seiner Aussage: "Sollte das Regime Assad fallen, muessen wir innerhalb von wenigen Stunden auf Krieg gefasst sein und moeglichst schnell die Luftoberheit gewinnen." Waffen sind unterwegs von Russland zum Assadregime mit deren Hilfe Extremisten sich weniger bedroht fuehlen koennten und so Dinge tun koennten, die sie ohne nicht wagen wuerden. 
Diese Aussage haben einige meiner alten Menschen falsch verstanden und wurden in unnoetige Panik versetzt. Eine alte Dame empfing mich mit den Worten: "Weisst du, dass wir uns in ein paar Stunden im Kriegszustand befinden mit Syrien? Ich habe gehoert, die Bevoelkerung soll sich in Sicherheit bringen. Aber wie?"
Alle Kriegsszenarien machen unnoetig Angst, vor allem alten hilflosen Menschen. Warum handelt man nicht und ist wachsam (wie es sowieso geschieht) aber spricht nicht laut darueber? 
Assad hat angekuendigt bei einem erneuten Angriff auf Waffenlieferungen werde er ohne Gnade uns gegenueber handeln. Sicher wird sich Netanyahu durch solche Drohungen nicht erpressen lassen. 

Die Woche war heftig in Israel und wir muessen jeden Tag G-tt danken, dass wir leben, dass der kleine juedische Staat und jeder einzelne Mensch in ihm lebt. 
Grenzt es nicht sowieso an ein Wunder, dass es das juedische Volk ueberhaupt noch gibt? 

Wir sprechen ueber die Bedrohung mit chemischen Waffen und die wiederholten Angriffe auf Grenzpatrouillen von Syrien aus. 
Wir haben Gasmasken - aber die Mehrheit meiner Bekannten weiss gar nicht, wie sie im Ernstfall aufzusetzen sind. Meine Freundin Esti hatte eine Bekannte, die waehrend des Golfkrieges in Tel Aviv ein wenig panisch die Maske aufsetzte, anscheinend einige Fehler machte und darunter erstickte. 
Wir sollen das Paket mit der Maske nicht oeffnen, bevor wir tatsaechlich von Pikud haOref (dem Zivilschutz) dazu aufgefordert werden, aber viele Menschen wuerden doch einfach gern VORHER wissen, wie sie diese handhaben muessen. 
Theoretisch ist es in etwa klar, aber praktisch?

Der Shabbat kehrt langsam ein, es ist noch einiges an Zeit, aber wir werden ruhiger und lassen die Probleme hinter uns, hoffen auf einen friedlichen Shabbat fuer das ganze Land und Ruhe an den Grenzen. 
Wir tun das, wozu wir von G-tt aufgefordert werden, lassen alles fuer 25 Stunden liegen, als ob es vollendet waere und beschaeftigen uns mit geistigen Themen, staerken unsere Spiritualitaet und unsere Verbindung zum Himmel. Der Shabbat ist ein Bindeglied, ein fester Bund, der die Kinder Israel mit G-tt verbindet auf einzigartige Weise. 
  ביני ובין בני ישראל אות היא לעולם
(zwischen mir und den Kindern Israel ist er (der Shabbat) ein Zeichen auf ewig...)
so singen wir jeden Shabbat in der Synagoge. 
Fuer mich ist dieser Satz seit meinem Giur mit tiefer Dankbarkeit und Aufregung verbunden. Ich schaue mich bei diesem Satz jedes Mal um, sehe die Menschen, die neben mir stehen und weiss: Dies ist mein Volk, und durch dieses Zeichen sind wir alle miteinander verbunden, und gemeinsam sind wir an IHN gebunden. Ein wunderbares Gefuehl, dass ich dieses Geschenk erhalten durfte.
Shabbat shalom


At Cheruti - du bist meine Freiheit

Freitag, 17. Mai 2013

Die Tora - spannend, tiefgruendig, weise und zeitlos

Seit ich die Buchstaben der Tora zum ersten Mal betrachtete, ohne auch nur von einem einzigen zu wissen, was er bedeutet, oder wie man ihn ausspricht, hatte ich dieses merkwuerdige Gefuehl, dass vor meinen Augen etwas Tiefes, Bedeutungsvolles, Altes und gleichzeitig Zeitloses liegt. Ich habe mehrere Sprachen in der Schule gelernt, und spaeter auch einen Spanisch- und Italienischkurs gemacht. Sprachen lernen fiel mir nie schwer. Aber nie habe ich an einer Sprache vom ersten Augenblick so "gehangen", mich so vertieft und in tiefer Verbundenheit "verliebt". 
Die Tora ist so viel. Sie kann ein Buch mit sieben Siegeln sein, fuer den, der sie nicht kennt. Und sie kann sich dem offenbaren, der gewillt ist, einzutauchen in die Sprache der Tora, die "Suesse" der Tora. Sie kann fuer den Literaturliebenden ein gewaltiges poetisches, aesthetisches Werk sein und fuer den Kalligraphen dazu anregen, ihre Buchstaben nachzuzeichnen. Der Kabbalist weiss um die Bedeutung jedes einzelnen Buchstaben, ja jeder Punktierung. 
Nein, all das war mir nicht klar, aber ich hatte das Gefuehl es handelt sich um etwas Grosses, das ich nicht verstehe. 
Ein guter Freund von mir, nicht religioes lebender Jude, sagte einmal zu mir: "Wenn du mich fragst, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen wuerde - es wuerde die Tora sein. Jedes andere Buch wuerde ich zweimal, dreimal oder zehnmal lesen, aber irgendwann waere es nicht mehr interessant. In der Tora koennte ich jeden Tag Neues entdecken - und das ueber Jahre."
Die Tora ist zeitlos und man kann intellektuell an sie herangehen oder emotional. Ich las einmal bei Buber/Rosenzweig, die die beste und genaueste Tanach-uebersetzung ins Deutsche erstellten, dass man sich der Tora oeffnen solle, als lese man sie zum allerersten Male, als kenne man keine der dort erzaehlten Ereignisse. Mit offenem Herzen und laut solle man lesen, und wach sein fuer das, was sich in einem regt, waehrend man die Buchstaben betrachtet und die Worte hoert. Was einen "anfliegt", beim Lesen der Tora wird bei jedem etwas anderes sein und selbst nach Jahren kann es sein, dass man ploetzlich einen Passuk in seiner Tiefe begreift. Faengt man an, die Sprache der Tora zu lernen, zunaechst einmal die Worte zu verstehen, so hat man das Gefuehl, man tauche in ein grosses Geheimnis ein, eine neue Welt tut sich auf. Man will mehr und mehr und in keiner Weise ist sie mit der deutschen Uebersetzung zu vergleichen. Alles was man bis dahin in deutscher Uebersetzung zu lesen bekommen hat, wird weniger als zweitrangig. 
Werde ich gefragt, so gebe ich unter anderem ein kleines Beispiel an. 
אדם (Adam) Adam,  ist der erste Mensch und 
אדמה (Erde) Adama,  ist die Erde, aus der er entstanden ist. 
Diese Wurzelverwandtschaften wird man in deutschen Uebersetzungen vergeblich suchen und so werden einem viele Verbindungen nicht zugaenglich. 

Als ich das sah, war mir klar, dass keine noch so gute Uebersetzung uns das geben kann, was die Ursprache der Tora uns zu verstehen geben will. 
Aber den grossen Reichtum der Tora muss man sich erarbeiten, manchmal muehselig. Doch es lohnt sich immer, in diese neue Welt einzutauchen. 
Fuer den einen ein grossartiges literarisches unsterbliches Werk, fuer den anderen Aesthetik und fuer den dritten die Art sich mit dem Schoepfer zu verbinden, sowie herauszulesen, was er von uns erwartet. Die Tora ist fuer viele die Gebrauchsanleitung fuers Leben geworden, die auf alle Fragen eine Antwort bereithaelt. 
Auch an diesem Shabbat, mit etwas mehr Musse und Zeit, koennen wir uns aufs Neue mit ihr verbinden, in sie eintauchen und sie auf uns wirken lassen. 
Shabbat shalom an alle!

Makor Rishon - Zeitungsabo zum Geburtstag

Puenktlich zu meinem heutigen 55. Geburtstag nach saekularem Kalender lag heute zum ersten Mal die Freitagsausgabe meines frisch ins Leben gerufenen Abos vor der Tuer. (nach juedischem Datum hatte ich bereits an caf zajin beIjjar, jeder kann uebrigens auf den Seiten von Chabad (unter jued.Feiertag, Kerzenzuenden, Date Converter) das juedische Datum seines Geburtstages ausrechnen, Tag der Geburt und Jahr eingeben, und der Rechner rechnet aus, was das damals fuer ein juedisches Datum war. Dieses aendert sich ja dann von Jahr zu Jahr. Mein juedischer Geb.tag ist immer einen Tag vor Yom Yerushalaiym). 

Makor Rishon (מקור ראשון) ist eine israelische Tageszeitung mit nationalreligioesem/religioesem Blickwinkel. In der Woche lese ich meist die kostenlos verteilte "Israel Hayom", wenn ich ueberhaupt dazu komme. 
Die Internetausgaben von Yedioth Acharonoth und Haaretz (eine sehr linksgerichtete Zeitung) ueberfliege ich auch waehrend ich fruehstuecke. 
Bei Makor Rishon (was uebrigens uebersetzt "erste Quelle" heisst) mag ich besonders die Wochenend - ausgabe, die noch eine Shabbatbeilage hat. (die ihr oben im Bild sehen koennt), meist sehr ansprechend gestaltet und voll von Interpretationen der Parasha und Gedichten, Tatsachenberichten von verschiedenen Menschen und und... 
Taeglich kann ich mir das Abo nicht leisten, aber es gibt die Moeglichkeit, nur die Wochenendausgabe zu abbonieren. Sie kostet die ersten drei Monate 59 Shekel (ca. 12 EUR), danach, falls man sich weiter ein Jahr verpflichtet, 79 Shekel. (ein wenig mehr als 15 EUR). 
Makor Rishon hat nach meiner Anfrage telefonisch Kontakt aufgenommen und mir die Preise vorgestellt. Ein Buchgeschenk durfte ich mir auch aussuchen, aus einer Auswahl von 10 Buechern. 
Da heute zum ersten Mal ausgeliefert wurde, wurde mir um 7h eine sms geschickt, mit der Nachfrage, ob ich die Ausgabe erhalten habe. Auf diese sms muss ich mit 1 fuer ja, oder mit 2 fuer nein antworten. So wollen sie sichergehen, dass alles geklappt hat. 
Hat es! - Und es war wirklich wie ein kleines Geburtstagsgeschenk, die Zeitung vor der Tuer zu haben. 
Leider kann ich euch die Zeitung nicht im Internet in englischer Sprache vorstellen, aber wer hebraeisch kann, kann HIER ein wenig schnuppern.
Fuer die englischsprachigen Leser kann ich Ynet (Yedioth Acharonoth, was soviel heisst wie "letzte Nachricht, letzte Info") empfehlen, Jerusalem-Post oder die linksgerichtete Haaretz, (dt.: das Land) die es alle in englischer Sprache im Internet gibt, gedruckt nur Jerusalem-Post.
Wer jederzeit im Laufe des Tages up to date sein will, sollte Galej Zahal im Internet lesen. 

Ich kenne sehr viele Menschen, die nicht nur eine Zeitung lesen, sondern sich breit informieren, die sowohl die sehr linke Haaretz lesen, als auch regierungsfreundliche Israel Hayom oder gar Makor Rishon. Von der saekulaeren Bevoelkerng gibt es meines Wissens nicht sehr viele die Makor Rishon lesen. 
Es lohnt sich jedoch meist, sich ein umfassendes Bild von den unterschiedlichen Blickwinkeln in unserem Land zu machen. Was ich bei mir ueberraschend feststellte, ist uebrigens, dass ich in Deutschland politisch nie sehr interessiert war, ich haette nicht freiwillig eine politische Sendung angeschaut. Hier in Israel ist das ganz anders. Die Politik begleitet uns ob wir wollen oder nicht, Wahlen, Steuererhoehungen, unsere Sicherheitslage, die nie stabil sein wird - all das fuehrt zu groesserem Interesse. 
Aber die junge Bevoelkerung ist oft schon politik-muede, will einfach nur ihre Ruhe haben, leben, ein normales Einkommen nach Hause bringen und ansonsten ihr Leben leben.

Dienstag, 14. Mai 2013

Chag Shavuot Sameach!

Shavuot steht schon laengst in der Tuer, 49 Tage Omerzaehlen sind seit Pessach vergangen und wir feiern ab heute abend das Fest der Tora-uebergabe am Sinai. 
Unsere Weisen sagen, dass die Seele eines jeden, der irgendwann einmal in seinem Leben zum Judentum uebertritt, damals am Sinai mit dabei war, nach Ueberwindung von Zeit und Raum. 
Zu Shavuot wird die Megillat Ruth gelesen, die Geschichte einer Gioret aus dem Stamm der Moabiter, die sich ihrer Schwiegermutter anschloss und zum Judentum uebertrat. Koenig David ging also aus der Familie einer Gioret hervor und auch Onkelos, der Tora-kommentator war Ger Zedek. 
Ich habe in den letzten Wochen viel Entgegenkommen und offene Arme gespuert, ausgerechnet in der charedischen Bevoelkerung, zu der ich mich taeglich aufgrund meiner Hausbesuche begebe. Niemals bin ich auf Ablehnung gestossen und alle haben warme Worte fuer mich. 
Erwartet hatte ich dies nicht und es tut gut, zu sehen, wie vielfaeltig die Welt der Charedim ist. Viele in der Oeffentlichkeit kursierende Vorurteile kann ich nicht bestaetigen, auch Maenner sprechen mit mir und schenken mir sogar ein wohlwollendes Laecheln, wenn ich in den Familien bin. 
Auch wenn ich selbstverstaendlich nicht auffallend oder offenherzig gekleidet bin, habe ich immer noch manchmal die Phantasie, jeden Moment koennte mich jemand ansprechen, der mich fragt, was ich eigentlich dort jeden Tag zu suchen habe. 
Ich trage weder Scheitl (Perruecke) noch eine andere Kopfbedeckung und schon das ist in meinem Alter in der charedische Welt nicht ueblich. Selbst als Geschiedene traegt man das Haar bedeckt. 
Aber selbst gemaess der Halacha muss ich nicht mein Haar bedecken, denn ich war nicht mit einem Juden verheiratet. 

Die offenen Arme dieses Volkes, fuer das ich mich entschieden habe, tun mir gut, lassen mich wissen, dass ich willkommen und erwuenscht bin. "Du gehoerst zu uns" oder "du bist doch unsere Schwester!" sind Saetze, die ich sehr oft zu hoeren bekomme. 
Ich fuehle mich rundherum wohl, und danke dem Schoepfer, dass er fuer mich nach all der muehsamen Suche nun eine Arbeit bereitgehalten hat, die scheinbar wie fuer mich geschneidert ist. 
Ich geniesse die Strassen, die Parkbaenke, auf denen ich meine Hausbesuche telefonisch terminiere und mein "Pausenbrot" essen, die laechelnden Gesichter, wenn ich nach dem Weg frage und die Menschen, die ich besuche. 
Ich freue mich hier zu sein, und spuere, dass sich alle Muehen gelohnt haben. Israel ist kein einfaches Land, manchmal hart, rauh und herausfordernd. Und doch spuert man durch alle Rauhheit die Waerme, die Zugehoerigkeit und das Gefuehl, eine Familie zu sein. 
Wir sind alle Juden, mit einem riesigen gemeinsamen Herz, dessen Herzschlag wir, wenn wir gut hinhoeren, spueren. Alle gehoeren dazu, die Religioesen und die Saekularen, die Spharadim und Ashkenasim, die Nationalreligioesen und Chassidim, sowie die, die an der Klagemauer als Frauen mit einem Tallit und Gebetsriemen beten. 
Wir haben ein wunderschoenes Land, klein und doch reich an Gegensaetzen, ein Land in dem Milch und Honig fliesst, wenn wir nur richtig hinschauen. 
Ich wuensche allen Lesern, hier in Israel und im Ausland ein bedeutungsvolles Shavuot und inspirierendes Lernen heute Nacht. Moeget ihr die Suesse der Tora kosten!
Chag Shavuot sameach!

Liest der "Staat Israel" etwa meine mails? - eine dieser Fragen....

Ich spuere, dass ich mich nicht mehr aufrege, oder wuetend werde, oder empoert bin ueber manche Fragen. Und doch verursachen sie in mir etwas. Es ist, als wuerde ich ploetzlich ein riesiges Fragezeichen auf der Stirn tragen. 
Heute bekam ich eine an sich nette mail von einer ehemaligen Kollegin. Der letzte Satz jedoch rief in mir dieses Fragezeichen hervor.
"Wird meine mail jetzt im uebrigen vom Staat Israel gelesen?"

Ja, weisst du, liebe X., es ist so, dass ich mich schon laenger wundere ueber den Mann, der bei mir jeden Morgen an der Ecke steht und sich Notizen macht, wenn ich zum Bus renne, der zweite, der mich dann kurz vor dem Buero aufhaelt, stellt mir merkwuerdige Fragen ueber mein Privatleben und als ob das nicht genug waere, werde ich in Romema oder Geula gebremst, nein, nicht von den Charedim, die mich zielsicher als eine Nicht-Charedi erkennen, sondern von einem Sicherheitsbeamten der im Auftrag des Staates Israel arbeitet und mich fragt, warum ich mich in der letzten Zeit ausgerechnet in Gegenden herumtreibe, die nicht meiner religioesen Richtung entsprechen, denn selbstverstaendlich weiss er dies nicht nur wegen meines Outfits, das nicht charedisch ist, sondern auch aufgrund meiner Mails, die er taeglich zu lesen hat. 
Die Mails von X. sind besonders beliebt, denn eventuell geben sie Aufschluss darueber, ob ich mich tatsaechlich nur wegen meiner Arbeit in diesen Stadtteilen bewege. 
Die Frage meiner Tante, ob ihr Paeckchen aus Deutschland evtl. deshalb nicht bei mir ankam, weil ich (unter anderem) Deutsche bin, ergibt jetzt doch einen Sinn und wie eine meiner Verwandten mir zu verstehen gab, hat man sich ja schon damals, bei meiner Herz-OP gefreut, endlich eine Deutsche unterm Messer zu haben. 
 
Aber, wer ist eigentlich deiner Meinung nach, liebe X. der "Staat Israel?" Meinst du, der gesamte Staat Israel liest meine mails (vielleicht gibt es einen nationalen Verteiler?) oder nur eine Art Abordnung fuer "Noa-mails"?

Ich kann fuer all diese merkwuerdigen Gedanken irgendwie nur noch ein Kopfschuetteln hergeben und mich muede fragen: "Glauben diese Menschen eigentlich alle, dass der Staat Israel sowas wie Ueberwachungsstaat ist, a lá  Stasi? "

Aber ich bin zu muede, auf solche Fragen mit einer normalen Antwort zu reagieren, und denke mir nur noch in meinem Herzen: "Ach, du auch?"

Aergern, nein aergern lohnt sich wirklich nicht, denn im Grunde genommen ist es doch einfach nur dumm, was man in dieser Richtung zu hoeren bekommt.