Mittwoch, 1. April 2015

Was mir gestern passierte....

Ich fuhr auf der "Begin-road", einer Schnellstrasse innerhalb von Jerusalem in Richtung Norden, wollte in Ramot eine Klientin besuchen. 
Kurz nachdem ich auf die Schnellstrasse fuhr befindet sich ein Fahrzeug direkt neben mir, der Fahrer winkt mir zu, ich soll das Fenster aufmachen. 
Dann zeigt er in Richtung Auto, meiner Meinung nach auf die Reifen, und ich denke: "Oh je... jetzt habe ich sicher einen Platten.."
Ich fahre rechts ran. Der weisse Wagen mit dem jungen glatzkoepfigen Mann haelt auch an und der Fahrer steigt aus. Ich sehe keinen Platten und er ruft mir zu: "Ihr Wagen verliert Wasser!Machen Sie mal die Motorhaube auf!"
Dann oeffnet er den Deckel der Wasserleitung und ich sehe, wie das Wasser tatsaechlich daran runterlaeuft. 
"Hmm, und was kann das sein?"
Der Mann hat einen starken arabischen Akzent und strahlt mich an: "Zufaellig habe ich auch eine Werkstatt. Willst du dass ich dir helfe? Ich kann das reparieren."
Aha, denke ich. Bei solchen Saetzen klingeln bei mir alle Alarmglocken. 
Ich frage ihn, was das denn wohl kosten wuerde. 
"Nicht unter 2000." sagt er. 
"2000????" frage ich ihn. Ob ich damit wohl bis zur naechsten Werkstatt fahren kann, frage ich ihn. 
"Das ist gefaehrlich. Lieber nicht." 
"Ok. Vielen Dank. Ich rufe dann meinen Abschleppdienst an"
"Ich habe auch die Moeglichkeit, dich abzuschleppen. " bietet sich der junge Mann an."Meine Werkstatt ist in Sheich Jarrach.." (das ist in Ostjerusalem, Naehe Skopusberg)

"Nein, danke, ich habe eine Versicherung incl. Abschleppservice," sage ich zu ihm. 
Er gibt noch nicht auf. "Das dauert aber total lange, bis die kommen." 
Ich sage ihm, dass ich warten will und frage ihn, ob er mir evtl. doch mal seine Karte geben kann. 
"Eine Karte habe ich nicht," meint er, "aber warte mal, gib mir mal eben deine Telefonnummer, dann ruf ich dich an. So hast du meine Nr."
(hahaaaa, das wuerde noch fehlen, dass er so auch meine Nr. hat..)
Ich will ihn nicht unbedingt gegen mich aufbringen und sage hoeflich: "Ich gebe niemandem mehr meine Telefonnummer, habe genug Patienten, die mich zu jeder Tageszeit nerven..."
Nochmal bedanke ich mich und er faehrt weiter. 
Ich rufe meine Werkstatt - Shimon -an und frage ihn, ob ich zu ihm fahren kann, wenn ich Wasser verliere. "Lieber nicht, " meint er, " lass dich abschleppen zu mir. Ich schau mir das an."

Also rufe ich meine Versicherung an und bestelle den Abschleppdienst. Meinen Hausbesuch muss ich auch canceln, sowie einen anderen Besuch am Nachmittag. 
Ich warte am Strassenrand und da kommt doch nach einer halben Stunde tatsaechlich der junge Mann noch einmal vorbeigefahren, haelt wieder neben mir und fragt, ob ich klarkomme. 
Wieder danke ich ihm hoeflich und dann faehrt er davon. 
Spaeter kommt der Abschleppdienst, der den Wagen nach Matitiahu (Modiin Ilit) zu Shimons Werkstatt bringt. Ich kann nicht mitfahren, da der Mann vom Abschleppdienst noch weitere Autos einsammeln muss. 
Nach ein paar Stunden erkundige ich mich bei Shimon. 
"Dein Auto ist o.k. Da ist nichts dran." sagt Shimon zu meinem Erstaunen. 
"Wie, da ist nichts dran??? Wie kann das sein? Es verlor doch Wasser." 
"Gar nicht, " sagt Shimon, ich bin ihn gefahren, habe geprueft ob er sich erhitzt, habe einen Drucktest gemacht, aber das Auto ist o.k. du kannst ihn gleich abholen."

Ich kann es nicht fassen. Dass der Typ mich ueber den Tisch ziehen wollte, und viel Geld mit mir machen wollte, war mir ja klar. Dass er aber alles inszeniert haben sollte - das war schon ein starkes Stueck. Ob er wohl als ich die Motorhaube oeffnete, Wasser dort hineingespritzt hat?
Diese Frage stelle ich Shimon und der sagt, dass das gar nicht noetig sei, denn wenn man den Deckel aufmacht, direkt nach einer Fahrt, spritzt es von allein heraus, da das Wasser ja kochend heiss ist.
Ich bin fassungslos, wirklich. So viel Ausgekochtheit!
Da hat der Typ sicher gedacht
Frau allein am Steuer. Dumm. Naiv. Europaeisch aussehend, und daher nicht die Trickserei des Nahen Ostens gewohnt.. 

Nun - G-tt sei dank hat mich das Ganze keinen Shekel gekostet, aber viel Aerger und Unannehmlichkeiten. 
Shimon hat fuer die gesamte Pruefung kein Geld verlangt. 
Und ich bin begeistert von ihm. 
So was ist wirklich fair. Er haette auch eine Menge Geld mit mir machen koennen. 
Ein Charedi, der gerade sein Auto dort ueberprueft, sagt zu mir: "Ja, das ist Shimon. Daher gehen wir seit Jahren nur zu ihm." 
Danke Shimon! Du bist wirklich ein Zadik und ich werde nie mehr zu einer anderen Werkstatt fahren.

Mittwoch, 25. März 2015

Sterbebegleitung

Ein Vortrag vom heutigen Tage hat mich sehr beruehrt. Die Dozentin war eine Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin, die mit Sterbenden arbeitet. Die  Beschreibung ihrer Arbeit strahlte trotz des schwierigen Themas eine besondere Art von "Ruhe" aus. Die Gespraeche, ueber die sie berichtete und der Prozess der Sterbebegleitung des Kranken und seiner Familie beeindruckten sehr. 
Mich stiess es mal wieder auf die Frage, ob ich diese meine Arbeit noch viele Jahre tun moechte. 
Im Grunde ist der Inhalt unserer Arbeit - die Hausbesuche - wirklich wichtig und nicht uninteressant. Was mich an der Arbeit lediglich stoert ist die Art und Weise, wie wir sie verrichten (muessen). 
Wir sind gewissermassen dazu gezwungen, im Renntempo von Familie A nach Familie B zu hasten und oft sind wir nur 20 min. bei einer Familie. 
Wir sind in der Hauptsache damit beschaeftigt, von Punkt A nach Punkt B zu laufen, an Haltestellen die Zeit zu verschwenden und sehen die Familien in der Regel nur einmal in zwei Monaten. 
Der Arbeitgeber stellt uns keine Autos zu Verfuegung und beteiligt sich auch nicht an den Haltungskosten eines Privat-pkws. 
Ich sehe lediglich den grossen Unterschied, wenn ich mir mal den Luxus leiste, mit dem Auto den Tag zu bewaeltigen (auf meine Kosten!) Ein Tag, an dem man mit dem Auto zu Hausbesuchen faehrt, ist ungleich entspannter und man ist am Ende des Tages nicht voellig erledigt vom Laufen, hat noch Energien. 

Optimale Arbeitsbedingungen fuehren eben meist zu optimalen und professionelleren Ergebnissen. 
Der allgemeine Trend ist, in moeglichst wenig Zeit moeglichst viel zu schaffen.
Ideen zu Arbeitsoptimierungen sind weniger erwuenscht und das was im Fokus ist, ist die Anzahl der Patienten, die gewissermassen Kunden sind. 
Das ist es, was mich stoert und ich bin nicht sicher, ob ich als "Arbeitstier" noch weitere 10 Jahre so weitermachen will. Nicht umsonst ist diese Arbeit - insbesondere die Hausbesuche - nicht sehr beliebt und es gibt eine enorme Fluktuation in unserem Bereich. 

Wovon ich traeume, ist eine Arbeitsstelle, die mehr Ruhe ins Leben bringt. Das hoert sich nach Utopie an, oder? 
Dieses Hasten von A nach B und das Ziel, moeglichst viele neue Patienten zu gewinnen, ist ein hartes "Geschaeft", und nicht nur Wohltaetigkeit. Zudem ist die Konkurrenz gross und schlaeft auch nicht. Es gibt unzaehlige private Firmen, die diesen Bereich bedienen und nur einige wenige "gute".
(wie wird gut gemessen? Moeglichst wenige Fehlerpunkte, d.h. der Firma gelingt es, dass der Sozialarbeiter die Familien alle zwei Monate sieht (alles was einen Tag darueber ist, ist ein Fehlerpunkt. Es ist auch ein Fehlerpunkt, wenn man jedes 2. Mal NICHT den Metapel, den Hauspfleger sieht. )
Bei dieser Arbeit etwas angenehmere Arbeitsbedingungen zu haben, wuerde ganz sicher sogar zu besseren Ergebnissen (also auch besseren Zahlen!) fuehren.
So aber bleibt es ein Rennen gegen die Zeit. 

Jahrestreffen der SozialarbeiterInnen - wirklich nicht mein Tag

Es war im Ganzen nicht mein Tag, obwohl ich mich im Grunde auf dieses Jahrestreffen mit einigen interessanten Vortraegen zum Thema "Lebensende" gefreut hatte. 
Es fing schon am Morgen damit an, dass die fuer uns Sozialarbeiter organisierten Mitfahrmoeglichkeiten um 7:30 am Stadteingang auf uns warten wollten. Wir 4 Sozialarbeiter, die recht nahe beieinander wohnen, wollte mit einem Taxi zu diesem Treffpunkt und da zwei nicht puenktlich waren, mussten wir in Eile in ein Taxi steigen, in dem der Fahrer geraucht hatte. 
Waere ich allein gewesen, waere ich nicht eingestiegen, denn meine asthmatischen Beschwerden stellten sich sofort ein. 
Kurz vor Tel Aviv, wo das Treffen stattfand standen wir im Stau und als wir endlich mit einer halben Stunde Verspaetung eintrafen hatten die Vortraege noch nicht begonnen. Es wurde Cafe, Tee und Gebaeck gereicht, wobei fuer Veganer natuerlich nichts dabei war, bzw. man nicht sagen konnte, ob das Gebaeck nun parwe oder chalawi (milchig) war. Einen Cafe wollte ich schon gern trinken, da es aber keine Sojamilch oder aehnliches gab, rannte ich erstmal los in das Einkaufszentrum in der Naehe. 
Die Vortraege waren interessant, die aeusseren Bedingungen im gebuchten Saal des Kulturzentrums sehr schlecht. 
Die Praesentationen der Vortragenden wurden auf dem Laptop einer Sozialarbeiterin gezeigt, wobei der Hintergrund so dunkel war, dass man die Schrift kaum lesen konnte. Das Problem wurde dahingehend "geloest", dass man den Raum abdunkelte, was zu einer mueden einschlaefernden Atmosphaere fuehrte. 
Ich glaube ich war die Einzige, die das enorm stoerte und meinen Genuss wirklich schmaelerte. 
Das, was dann als "Mittagessen" angesagt wurde, waren abgepackte Sandwiches - nur Kaese oder Ruehrei, also wieder nichts fuer Veganer - und das hiess wieder losrennen, sich etwas eigenes organisieren - und das in einer 20-minuetigen Pause. 
Der Nachmittag endete damit, dass uns eine andere Kollegin mit nach Jerusalem nahm, die in einem absolut halsbrecherischen Tempo nach Hause jagte, um ihre Kinder "rechtzeitig" abzuholen. Mein Kollege und ich standen Todesaengste aus, da sie auch noch staendig im Auto telefonierte - nicht etwa mit einer Freisprechanlage, sondern mit dem Hoerer am Ohr. 
Ich bin nun froh, zuhause zu sein und fand diesen Tag ziemlich anstrengend.

Dienstag, 24. März 2015

Flugzeugabsturz

Wie furchtbar! Ich kann gar nicht sagen, wie mich der Absturz der Germanwings-Maschine schockiert. Wie schrecklich muss es sein, wenn man auf seine Angehoerigen wartet, der Flug auf der Tafel steht - und die Mitarbeiter schon wissen, dass dieser Flug nie ankommen wird. 
Duesseldorf - von Duesseldorf aus sind meine Kinder und ich unzaehlige Male geflogen, meine Toechter wohnen dort. 
Ein Flug von Barcelona nach Duesseldorf ist nicht weit, ein Klacks, ein Routineflug, wie man sagt. 
Niemand macht sich grossartig Gedanken, dass etwas passieren koennte. 
Und doch - wir kleine Menschen haben es nicht in der Hand. Gar nichts haben wir in der Hand. 
Wie ich gerade hoerte, soll der Sinkflug der Maschine bis zum Absturz 8 min. gedauert haben. 8 lange Minuten. Ob den Passagieren schon klar war, dass ihr Flugzeug abstuerzen wird? Ausgerechnet in den Alpen. Niemand soll ueberlebt haben. Woher weiss man das? 
Unwahrscheinlich ist es sicher, aber doch nicht 100% geklaert. 
Wie schrecklich. 
Ich fuehle mit den Angehoerigen, unter denen auch eine ganze Schulklasse mit 16 Kindern sein soll, die von einem Austausche zurueck kehrten. Ein Israeli soll auch unter den Passagieren sein. 
Mein tiefes Mitgefuehl ist mit den Angehoerigen. 
Moegen die Seelen der Verunglueckten Ruhe finden. 
יהי זכרם ברוך
 

Freitag, 20. März 2015

Shabbat Shalom

An alle Leser Shabbat shalom und ein schoenes ruhiges Wochenende nach Eurem Geschmack. Fuer die, die gern in Israel waeren und nun in Deutschland Shabbat feiern sei folgendes gesagt: Mein Rabbiner sagte mir einmal: Wenn du dich nach Israel sehnst und kannst im Moment nicht dort sein  - Die Synagoge ist unsere Verbindung zu Israel, sie ist gewissermassen "dein kleines Israel" hier in der Galut." Das war mir oft Trost. Shabbat shalom!