Sonntag, 20. April 2014

Shvi´i shel Pessach - Chag Sameach - Frohe Ostern!

Noch ein Feiertag ( ausserhalb von Israel sogar zwei) steht vor der Tuer. Shvi´i shel Pessach, der 7. Tag Pessach. Wir feiern die Teilung des Schilfmeeres, Kriyat Yam Suf, G-tt wirkte Wunder und teilte das Meer, so dass die Kinder Israel trockenen Fusses und vor allem lebend durchziehen konnten. Die Aegypter mit Pharao hingegen ertranken. 
Heute noch einmal bis 12h arbeiten, und dann ist schon wieder Erev Chag. (Festtags-vorabend). Noch einmal werde ich versuchen, so viele Hausbesuche wie moeglich zu machen, um ab uebermorgen nicht in Arbeit zu ersticken. 
Es werden hoffentlich einige alte Menschen zu Hause sein. Viel Zeit bleibt mir heute ja nicht, bis 12 das ist wenig, wenn man die Busfahrten mit einrechnet. 
So langsam sehne ich mich wirklich nach gutem Brot und Tchina. 
Ich wuensche allen einen schoenen Feiertag und fuer die christlichen Leser ein besinnliches Osterfest!!!

Freitag, 18. April 2014

Shabbat shalom! Moadim LeSimcha!


Persoenliche Grenzen - auf den Koerper hoeren

Gross ist mein Erholungsbeduerfnis und klein die Chancen, ihm nachgehen zu koennen. 
Eine Freundin riet mir, doch die kleinen Kompromisse auszuschoepfen und das tue ich zurzeit, wo es nur geht. Das bedeutet aber immer wieder auch, staendig Grenzen setzen zu muessen, Menschen abzusagen, vor den Kopf zu stossen und den Eindruck zu erwecken, sich zurueckzuziehen. 
Manche Menschen meinen, zu wissen, was gut fuer einen waere und auch da gilt es, konsequent dabei zu bleiben, was man fuehlt, was einem gut tut. 
Meine Freundin meinte vor Pessach, ich wuerde mich bestimmt gut fuehlen in Efrat, wo wir gemeinsam hin wollten, zum Pessach-Seder. Ich weiss, dass ich die Ruhe im Jeshuw immer geniesse, aber ich bin dann nicht zuhause, muss mich doch irgendwie nach einer gewissen Ordnung der Gastgeber richten, selbst wenn man mir anbietet, ich koenne machen was ich wolle. Ich habe meine gewohnten Dinge nicht um mich, kann nicht in meinem Bett schlafen und fuehle mich verpflichtet, auch verpflichtet zumindest ein wenig zu helfen. 
So hatte ich mich dagegen entschieden und es war gut. 

Gestern Ein Kerem und vorgestern Tel Aviv waren kleine Inseln des Durchatmens fuer mich, wenn auch der Aufwand fuer Tel Aviv recht gross war (Schlangen am Zentralen Busbahnhof, Fahrt mit Staus...) 
Ich merke, dass ich haushalten muss mit den Kraeften und mich in der Natur und Stille immer am besten erhole.
Wenn ich zurueckblicke auf die letzten zehn Jahre, dann waren es fast die intensivsten Jahre, die ich je erlebt habe. Gleichzeitig die emotionalsten, schoensten und dennoch am meisten kraefteraubend.
Ich hatte so gut wie keinen normalen Erholungsurlaub seit zehn Jahren. 
Seit ich israelischen Boden betreten habe und fuer mich klar war "Hier bin ich zuhause angekommen", habe ich mich bemueht so oft es ging, herzukommen, und fast meinen gesamten Jahresurlaub dazu genutzt, hier in Israel zu volontieren (d.h. arbeiten, nur gegen Kost und Logis, keine Privatsphaere, manchmal mit 5 Maedels in einem grossen Raum, manchmal in einer gemeinsamen Volontaerswohnung). So kam ich von der Arbeit in Deutschland, zur Arbeit in Israel, aber Arbeit war es dennoch, wenn auch in der Umgebung, die ich mir wuenschte. 
So war aber auch die Freizeit hier in Israel sehr beschraenkt, als Volontaerin bekommt man nichts geschenkt und es bleibt wenig Zeit zum Reisen und das Land kennen lernen. 
Dann der Giur und das Vorhaben "Volontaerin fuer ein Jahr", was daneben ging, und wo ich nach 3 Monaten wieder in Deutschland neu anfing, da ich alles aufgegeben hatte. 
In Deutschland habe ich dann die Alyia geplant und dafuer braucht man Geld (zumindest fuer die ersten Monate). Das hiess noch mehr arbeiten. Ich habe im Therapiezentrum Nachtdienste gemacht und bin am Morgen wieder in der Drogenberatung meiner "normalen" Arbeit als Sozialarbeiterin nachgegangen. Das Ziel war klar vor mir, ich hatte etwas, worauf ich hinarbeiten konnte. Nur so konnte ich diese enorme Energie aufbringen. 
Nach einem Jahr war es soweit, wieder bei NULL anfangen, mit 2 Koffern und sonst nichts.
Viel viel Energie wird von einem Neueinwanderer gefordert, psychisch und physisch. Und dann ein paar Monate spaeter die Herz-OP, die mit vielen Komplikationen absolut kein Zuckerschlecken war und mir bis heute im Ruecken-Schulterguertelbereich Probleme macht. 
Ein Jahr spaeter in Deutschland noch einmal mit Nichts anfangen. Aber Arbeit hatte ich mir bereits von Israel aus organisiert, d.h. in Israel ein paar Tage vor der Abreise aufhoeren zu arbeiten, und nach der Landung in Deutschland gleich am naechsten Tag eine koerperlich zehrende Arbeit im Altenheim beginnen. 
Von einem Altenheim ins naechste, was auch nicht besser war und wo alle Arbeitskraefte bis aufs Aeusserste ausgenutzt und ausgelaugt wurden. 
Bis ich endlich eine Arbeit wieder als Drogenberaterin fand, in der Duesseldorfer Drogenberatung. 
Dann die Erkenntnis, dass es ein Fehler war, zurueckzukommen, dass ich kein juedisches Umfeld, keine Freunde habe und so nicht leben moechte. 
Wieder zurueck nach Israel, und wieder bis zum letzten Tag in Deutschland und gleich am naechsten Tag in Israel gearbeitet. 
Irgendeine boese Zunge in Deutschland sagte einmal ueber mich, weil ich ueber die Arbeit klagte :"Naja, die hat die Arbeit auch nicht erfunden...." was mich wirklich bis heute aergert. Wenn man mir eines nicht nachsagen kann, ist es, dass ich faul bin oder nicht arbeite. Ich glaube ich war in meinem Leben 2 Monate arbeitslos und bekam Hartz IV. 
Und wieder ging es von einer Arbeit zur naechsten, eine kraefteraubender als die naechste und bis auf eine Arbeit mit absolutem Stress. 
Seit einem Jahr nun die Arbeit bei einer privaten Firma die alten Leuten Haushaltshilfen, PflegerInnen und Gastarbeiter aus verschiedenen Laendern anbietet, in Zusammenarbeit mit der Sozialversicherung Bituach Leumi. 
Die Aufgabe: Hausbesuche, 120 im Schnitt im Monat. Mit Zeitvorgabe, wann man wen gesehen haben muss, damit es nicht als "Fehler" im System auftaucht. Vorteil: Arbeitseinteilung obliegt uns allein, und wir bewegen uns in freier Natur, niemand steht neben uns und hetzt uns, aber die Zeit laeuft dennoch. Gegen Ende des Monats werden wir als Verstaerkung fuers Buero eingesetzt, um den Arbeitsaufwand schaffen zu koennen (Gehaltsabrechnungen fuer die israelischen Pfleger sowie die Gastarbeiter). 
Tja, und so kommt es dazu, dass ich mich oft an den Shabbatot so kaputt fuehle, dass nicht viel "drin" ist, ausser Synagoge und ausruhen, sich ein wenig pflegen, einen Spaziergang machen, auf keinen Fall aber stundenlang an irgendeinem Tisch sitzen und essen. Das ermuedet mich noch mehr, ehrlich gesagt. 
Eine Einladung am Leil Shabbat nehme ich immer gern an, aber das ist auch genug. 
Wenn ich einmal phantasiere, dann sehe ich mich mit einem Lottogewinn, der ausreicht, um einen Monat unbezahlten Urlaub zu nehmen, ein Mietauto zu nehmen und da zu bleiben wo es mir gefaellt. Am liebsten im Norden, auf den Golanhoehen oder im Jeshuw Amirim (erstes veganes Dorf..
am See Kinneret oder in den Bergen in Zfat, in Naharryia oder in Rosh haNikra, wo ich noch nie war, im Sueden in Mizpe Ramon oder im Kibbutz Lotan, wo mir die Ruhe gut tat einst, als ich dort einmal zu Gast war, sowie am Toten Meer im Kibbutz Guesthouse Ein Gedi. 
Einfach liegen, ausruhen, nichts sagen, nichts tun, nur wenn mir danach ist spazieren und die Natur bewundern. 
Bei solchen Wuenschen handelt es sich nicht um einen Lottogewinn von Millionen, aber dennoch ist es ein Wunsch, den man ohne eine gewisse Summe nicht realisieren kann. 
Ich bin nicht undankbar, freue mich jeden Tag, hier zu sein und ein juedisches Umfeld zu haben. 
Ich denke aber auch, dass das Alter sich bemerkbar macht, und werde versuchen muessen, fuer meinen gestressten Ruecken eine Loesung zu finden. Heute werde ich - obwohl es eigentlich viel zu teuer ist - wieder ins Schwimmbad gehen. 
Ich habe etwas nachgelesen ueber Hydrotherapie, weiss aber noch nicht, ob die Krankenkassen das bezahlen. Meine neue Aerztin jedenfalls hat sich nicht einmal genau erkundigt WO eigentlich mein Schmerz ist. Sie war sehr sehr nett, aber meinte, ich bin es allein, die sich selbst helfen muss. (mehr Sport usw..). Was sie vergisst ist, dass alles Geld kostet und meine Energie auch nicht grenzenlos ist. 
Also suche ich weiter, was zu machen ist, um noch bis zum Rentenalter durchzuhalten. 
Und tue das was mir die Freundin riet: Viele kleine Oasen im Alltag (was fuer mich schon ein kleiner Ausflug nach Ein Kerem ist oder an Freitagen mal Tel Aviv mit Spaziergang am Strand, sowie bei etwas mehr Geld ein Ausflug zum Toten Meer, der wirklich ABSOLUTE Entspannung bedeutet, aber auch incl. Fahrt und Eintritt ca150 Shekel)

Ich wurde in der letzten Zeit haeufig um etwas gebeten, oder fuehlte mich gefordert, Freunde im Krankenhaus zu besuchen. Immer wieder muss ich aber meine persoenliche Grenze ausloten und einen Kompromiss finden, nicht JEDEN Tag ein Krankenbesuch und nicht ALLE Bitten erfuellen. (leider).

Donnerstag, 17. April 2014

Halbfeiertage in der Natur

Heute war ich nach der Arbeit lange spazieren, wieder in Ein Kerem, aber auf anderen Pfaden, die ich vorher nicht kannte. Jemand zeigte mir den Pfad zum Gorny-Kloster, in dem eine Nonnengemeinschaft wohnt, eine schoene Kirche auf dem Hang, ueber Ein Kerem, die mit goldenen Tuermchen. (Es ist ein wunderschoenes Grundstueck, wo es sich lohnt, ein wenig zu verweilen und Ruhe zu finden. Niemand stoert einen dort oder fragt, was man dort will. Vom Hadassah-Hospital aus nimmt man den oberen Parallelweg des "Shwil Hadassah"  an den Studentenwohnheimen, der zum Grundstueck fuehrt.
Anschliessend bin ich den Shwil Hadassah, den ich schon oft genommen habe, hinunter nach Ein Kerem gewandert. Ein kleiner Rundgang im Dorf, um dann einen Wanderpfad hinauf zum Har Herzl zu nehmen, den ich ebenfalls noch nicht kannte. Es ging ganz schoen steil hinauf und irgendwann ging mir das Wasser aus. Auf dem Weg dann traf ich auf ein Paerchen, das am Wegesrand sass. Sie sahen meine leere Wasserflasche in der Hand und haben mir doch tatsaechlich ihre volle Flasche Eistea (1.5 l) ueberlassen. Welche Zadikim!
Viele Familien waren unterwegs, oder grillten in den Waeldern.
Aber am schlimmsten muss es wohl am Kinneret (See Genezareth) gewesen sein, 30.000 Menschen sollen dorthin gefahren sein. Die Polizei warnte bereits gestern:"Fahrt NICHT zum Kinneret! Es gibt wirklich keinen Platz dort!"
Der Kinneret zieht mich immer sehr an, weil ich dort selten hinkomme, aber zu Pessach muss man sich das wirklich nicht antun.
So ganz langsam fehlt mir das normale Brot, denn zu Pessach darf ja kein Chametz gegessen werden. Das erste, was ich mir kaufen werde, nach dem Fest ist wohl ein gutes Vollkornbrot und Tchina, die ich jetzt auch nicht esse.
Ich koche viel Suppe mit Zucchini Kartoffeln, Dill und Petersilie, Moehre usw...

Mittwoch, 16. April 2014

Pessach - Halbfeiertage

Der erste und der letzte Tag von Pessach sind Vollfeiertage, hingegen die dazwischen liegenden Tage nur "Halbfeiertage". Das heisst, die Kinder haben sowieso Ferien, die Eltern nehmen sich in der Regel auch frei oder die Firma schliesst ueber Pessach. Unsere Firma leider nicht. Wir koennen uns Urlaub nehmen, aber natuerlich auf unsere Kosten. Zu Pessach ist sozusagen das ganze Land unterwegs, zu Freizeitparks, Vergnuegungsparks, zum Kinneret, in dern Sueden, zum Toten Meer usw. Ich musste bis 14h arbeiten, wie an allen Halbfeiertagen und hatte mir vorgenommen, sofort zur Tachana Mercazit (dem zentralen Busbahnhof) zu fahren, um in den Bus nach Tel Aviv zu springen. Oben in der Halle erwartete mich erstmal ein kleiner Schock. Die Schlange zum Bus nach T.A. war bis zur Rolltreppe lang. Irgenwann reagierten aber die zustaendigen Menschen und setzten sehr viele Busse ein, so dass es zuegig voran ging.
Was mich aber ein wenig beunruhigt, ist die Tatsache, dass seit Monaten und sogar bei der jetzigen angespannten Lage KEINERLEI Kontrollen im zentralen Busbahnhof stattfinden. Keine Taschenkontrolle. Bei diesen riesigen Menschenmengen sicher auch logistisch schwierig, aber ich darf mir nicht vorstellen, wie gelegen das einigen kommen koennte, wenn sie vorhaben, viele Menschen auf einmal zu ermorden. (Chas vechalilla)
Endlich auf der Strasse Nr.1 - STAU!!!
Und doch haben sich fuer mich die "geklauten Stunden" gelohnt. Es war ein wenig wie "Mallorca-Strand" , und doch fanden sich ruhigere Strandabschnitte, an denen ich es sehr genoss, aufs Meer zu schauen, ein Eis zu essen und einfach nur die Meeresluft zu schnuppern. 
Ich bin wieder zuhause, morgen ist noch einmal Arbeit bis 14h angesagt und dann ist ja auch schon wieder Freitag.

Statt Sederabend tot

Die erste Meldung gestern nach dem Festausgang des 1. Pessachtages war gleich ein Schock. Eine Familie war in der Naehe von Hebron auf dem Weg zum Pessachseder. Das Auto wird von einem Terroristen beschossen, der Vater, ein 47-Jahre alter Offizier bei der Polizei, ist tot. Die Mutter, mittelschwer verletzt, sowie der 9-jaehrige Sohn, werden ins Shaarej Zedek Hospital eingeliefert. 
Der Taeter ist verschwunden und wird seitdem gesucht. - verstaerkt im naheliegenden arabischen Dorf Idna, wovon wohl schon Terroranschlaege in der Vergangenheit ausgingen. 
Die Meldung hat es - nach meinen Recherchen - nicht in die deutsche Presse geschafft.

Montag, 14. April 2014

Kurz vor dem "Fest der Freiheit" - Mord in juedischen Einrichtungen in Kansas

In Kansas wurden drei Menschen umgebracht, in einem juedischen Gemeindezentrum und in einer juedischen Seniorensiedlung. Der Taeter hat angeblich zuerst gefragt: "Bist du Jude?" und hat dann geschossen. 

In unserer Pessach-Aggada werden wir wie in jedem Jahr unter anderem singen: ..... dass nicht nur einer sich gegen uns erhob um uns zu vernichten, sondern Generation fuer Generation werden sie sich gegen uns erheben, um uns zu vernichten. Und der Ewige, gelobt sei sein Name, rettet uns aus ihrer Hand.... 

Es ist in jeder Generation, seit mehr als 2000 Jahren wahr, man will Juden vernichten, ausloeschen, ermorden. Beschimpft sie fuer alles, was auf der Welt nicht rund laeuft und hat ein Feindbild. 
Leider ist das so, und so sind unsere Zeilen - traurigerweise - in jedem Jahr neu aktuell... 
Wir haben nur einen, dem wir WIKRLICH vertrauen koennen.