Sonntag, 29. März 2009

Giur (13) - der zweite Termin beim Beit Din















Da es waehrend meines Giur-Prozesses keine weiteren "Uebertrittswilligen" gab, blieb mir nichts anderes uebrig, als allein zu lernen unterstuetzt von unserem Rabbiner, mit dem ich mich regelmaessig traf.
Sehr oft habe ich mir gewuenscht, eine Art Kurs zu besuchen, wie es scheinbar in anderen, groesseren Gemeinden der Fall war. Auch bei einigen Reform-oder liberalen Gemeinden ist wohl die Nachfrage groesser.
Der Rabbiner zeigte mir einmal, auf meine Frage, ob denn niemand zum Judentum uebertreten will, einen kleinen Stapel Briefe auf seinem Schreibtisch.
"Das alles sind Anfragen von den letzten 2 Wochen.." meinte er, und als ich mich schon freuen wollte, fuegte er hinzu, "aber sie alle sind nicht wieder gekommen, als sie hoerten, was man alles dafuer tun muss."
Das Judentum ist keine Religion, die missioniert, sondern - wie es einmal jemand zynisch ausdrueckte -- wird es einem sehr schwer gemacht, eine Mitgliedschaft fuer diesen "Club" zu bekommen, um dann zu einem ungeliebten verfolgten Volk zu gehoeren.
Man will also sicher gehen, - so sicher man sein kann- dass der Konvertit nicht aus einer Laune heraus uebertritt, sondern ein ernsthaftes Mitglied des juedischen Volkes sein wird. In manchen Buechern wird angemerkt, dass es nicht gerade der Anzahl der Juden in der Welt zutraeglich ist, wenn man die Huerden zu hoch ansetzt. Schliesslich sind 6 Millionen Juden durch die tragischen grausamen Massenmorde in der Nazi-Zeit umgekommen, da muesse man doch froh sein, wenn viele Menschen zum juedischen Volk gehoeren wollen.
Aber geht es um Zahlen? Oder eher darum, dass der Konvertit sich sehr genau damit auseinandersetzen sollte, zu welchem Volk er bald gehoeren wird und was es bedeutet, als Jude seinen Alltag zu leben?

Mein Gefuehl war trotz allem waehrend dieser ganzen Zeit bestaendig, obwohl ich mich selbst in schoener Regelmaessigkeit fragte, wie ich ueberhaupt zu diesem Punkt gekommen war. Und noch dazu mit fast 50 Jahren. Wie konnte es sein, dass man ploetzlich, nach so vielen Jahren des Lebens, meint, man glaube etwas "Falsches", man gehoere ganz woanders hin? Und was machte es ueberhaupt fuer einen "Sinn", wenn ich Juedin wuerde?
Was hatte "das Judentum", das juedische Volk, davon, wenn ich, als aeltere Frau, uebertrat?
Eine der Haupt"aufgaben" im Judentum wuerde ich nicht mehr erfuellen koennen, naemlich die Kinder das zu lehren was ich selbst gelernt hatte, mein juedisches Leben wuerde ich nicht mehr an die naechste Generation weiter geben koennen.
"....diese Worte seien in deinem Herzen, schaerfe sie deinen Kindern ein....und sprich davon, wenn du auf dem Weg bist..." so steht es schon im "Schma Israel", dem wichtigsten Gebet im Judentum. Wir beten es drei mal taeglich, im besten Falle sogar viermal, da man es auch vor dem Einschlafen spricht. Jeder glaeubige Jude sollte es als letzte Worte vor dem Tod sprechen und es ist das erste Gebet, was ein kleines Kind lernt.
Wem wuerde ich etwas weitergeben koennen? Meine Kinder wuerde ich nicht mehr verwirren wollen, ich war froh, dass sie ueberhaupt eine Verbindung zum grossen Vater im Himmel hatten.
Wenn ich eines Tages die Augen fuer immer schliessen wuerde, gaebe es keine Spur von mir als Juedin, die ich hinterlassen haette.
Durch meinen Uebertritt wuerde das Judentum in meiner Generation kurz auftauchen und nach meinem Tod genauso schnell wieder verschwunden sein.
Machte es einen hoeheren Sinn, dass ich allein davon profitierte?
Denn dass ich profitierte, dass es fuer mich einen unermesslichen Reichtum bedeutete, das war sehr schnell sicher.
Es war ein Geschenk, was mir da in meinem Alter noch beschert wurde, was unbezahlbar war, was meine Seele tief beruehrt hatte und jeden Tag neu beruehrt.
Nicht zu sprechen von einem Ausmass an geistiger Fuelle ungekannter Art, die ich durch meinen neuen Weg geschenkt bekam. Ich habe auf mehreren Ebenen hebraeisch gelernt, einmal das moderne gesprochene Ivrit, und geichzeitig das sogenannte "Bibel-hebraeisch". Wollte ich mich mit den Texten der Tora und den Gebeten beschaeftigen, so war dies unerlaesslich.
Bei unseren "Shiurim (Unterrichtsstunden) fuer Studenten ging es dann auch immer wieder um Themen der Kabbala, die unser Rabbiner uns wenigstens in Ansaetzen naeher bringen wollte. Da in den Theorien der Kabbala das meiste meine Vorstellungskraft weit ueberstieg und ins hochphilosophische stieg, spuerte ich, wie sehr meine geistigen Faehigkeiten gefordert waren.
Will man ernsthaft Kabbala lernen, so heisst es nicht umsonst, man kann erst nach Jahren des Torastudiums damit anfangen, denn ein Wissen der Kabbala ohne die Vorkenntnisse der Tora ist fast unmoeglich.

Nun hatte ich schon genug damit zu tun, mich mit den Brachot (Segensspruechen) fuer unterschiedliche Lebensmittel zu beschaeftigen.
Eine Bracha ueber Brot lautet anders als eine ueber Baum-oder Erdfruechte, Tee, Cafe oder Gebaeck. Immer aber wird eine Bracha gesprochen, da man fuer jede Nahrung dankt. Auch das ist ein Teil des Judentums der mir sehr gefaellt. Man steht quasi im staendigen Kontakt mit dem Himmel, dankbar, fuer die so selbstverstaendlich erscheinenden Dinge des taeglichen Lebens und wird auf diese Weise immer angehalten, seine Demut nicht zu verlieren.
(Brachot, Segenssprueche gibt es auch zu anderen Gelegenheiten, wie beim Zuenden der Shabbatkerzen, oder bei Naturereignissen wie Blitz, Donner und Stuermen. Auch beim Hoeren einer guten oder schlechten Nachricht wird eine Bracha gesprochen)
Die Auseinandersetzung mit dem Birkat hamason (dem grossen Dank nach einer Mahlzeit, die Brot enthielt) hat mich stundenlanges Ueben und Uebersetzen gekostet, und manchmal war ich fast der Verzweiflung nahe.
Es ist das laengste Gebet nach einer Mahlzeit, da Brot eine sehr hohe Stellung innehat als Hauptbestandteil des Essens.
Nach dem G-ttesdienst am Shabbat gibt es einen sogenannten Kiddush in den Raeumen der Gemeinde. Man nimmt ein gemeinsames Mahl ein. Nach der Mahlzeit sangen wir das grosse Tischgebet in einer wunderschoenen Melodie und ich muehte mich damit ab, es zu hause so zu ueben, dass ich in der gleichen Geschwindigkeit mitsingen konnte.
Da mein bester israelischer Freund, der mir in stundenlangen Telefonaten hebraeische Begriffe und grammatikalische Zusammenhaenge nahebringen konnte, zu dieser Zeit nicht in Deutschland war, war ich weitestgehend auf mich allein gestellt.

Irgendwann jedoch hatte ich es mir erarbeitet und das bereitete echte innere Freude.
Es war von Anfang an so, dass ich ein anderes, sehr besonderes Gefuehl hatte, wenn ich die Gebete nicht auf deutsch, sondern hebraeisch sprach.
Ich kann es mir nicht logisch erklaeren, aber obwohl es eine dem Deutschen sehr fremde Sprache ist, die noch dazu voellig andere Schriftzeichen hat und von rechts nach links geschrieben wird, hatte ich zu jeder Zeit das Gefuehl von einer unerklaerlichen inneren Vertrautheit.
Ich arbeitete mich Schritt fuer Schritt an die Texte der Tora heran, und ploetzlich war das grosse Ziel, die Tora eines Tages im Originaltext lesen zu koennen, keinesfalls mehr so unrealistisch und unerreichbar wie ich anfangs vermutet hatte.

Was mich sehr verunsicherte, war die Tatsache, dass niemand mir sagen konnte, wann der naechste Termin beim Beit Din war. Es konnte in ein paar Monaten sein, aber sicher war das nicht.
Der gesamte Prozess eines orthodoxen Giurs, so war es in Erfahrungsberichten zu hoeren, konnte 2 Jahre dauern, aber auch 3 oder 5 Jahre waren keine Seltenheit. Der Rabbiner sagte mir, in London habe der Giur manchmal 7 Jahre gedauert.
Ich haette mir einen ungefaehren Rahmen gewuenscht, in dem der Verlauf ersichtlich wuerde, um in etwa zu wissen, was auf mich zu kam. Niemand konnte mir erklaeren, woran es liegen wuerde, sollte sich der Termin verzoegern.
Zwei der Rabbiner, die beim Beit Din anwesend sein mussten, kamen aus Israel, und da sich das Beit Din (das Rabbinergericht) nur 3 mal im Jahr in Deutschland traf, konnte ich mir Verzoegerungen, die sich um ein halbes Jahr drehten, noch erklaeren. Aber was rechtfertigte eine Zeitspanne von mehr als 3 oder 4 Jahren?
Startet man den Giurprozess in Israel, so hatte man einen sehr ueberschaubaren Rahmen. Eine Freundin hatte an einem Kibbutzprogramm teilgenommen, das sich ueber 6-8 Monate hinzog, in Ausnahmefaellen auch bis zu einem Jahr.
Laenger jedoch dauerte es bis zum abschliessenden Beit Din Termin einschliesslich dem Besuch der Mikwe in den seltensten Faellen.
Dafuer war das Programm auch von grosser Intensitaet gepraegt und die enorme spirituelle Unterstuetzung der begleitenden Familie war ein Teil des Programms, das den Kandidaten ein Modell fuer den juedischen Alltag bot.

Im Januar endlich lag die heiss ersehnte Einladung zum naechsten Termin des Beit Din, der eigentlichen Pruefung, in meinem Briefkasten.
Ich war sehr aufgeregt und fragte mich, wie die Rabbiner wohl die Beantwortung ihrer Fragen bewerten wuerden. Man hatte mir erzaehlt, dass es darauf ankaeme, sich bereits mit einigen wichtigen Themen des Judentums auseinandergesetzt zu haben. Und auch das bereits gelebte juedische Leben wurde erfragt. Hierbei denke ich, wird es sehr schnell deutlich, ob die Schilderung der Umsetzung in den Alltag auf eigenen Erfahrungen beruht, oder ob es ein Wissen ist, was man sich aus Buechern angeeignet hat.

Auch bei diesem Termin begruesste man mich wieder sehr herzlich. Man fragte mich nach Fortschritten und nach Neuerungen, die ich in meinem Alltag umgesetzt hatte.
Als dann noch ploetzlich mein Rabbiner abgehetzt zur Tuer herein stuermte, war ich gluecklich. Es bedeutete mir sehr viel, seine spirituelle Naehe in dieser Situation zu spueren. Das gab mir Kraft und die Sicherheit, alle Fragen bewaeltigen zu koennen.
Nachdem man kurz meine haeusliche Situation erfragt hatte, und ob es Aenderungen gegeben habe, klappte einer der Rabbiner seinen Laptop auf. Man erklaerte mir, es gaebe ca. 300 Fragen fuer den Giur-kandidaten. Schmunzelnd meinte einer der Rabbiner dann, alle Fragen wuerden sie mir nicht stellen.
Sie begannen mit Fragen zu den juedischen Festen, Rosh haShana, Yom Kippur und Sukkot, Pessach und Shawuot wurden besprochen.
Es ging weiter um denn juedischen Kalender und um einige der Shabbatgebote. Man fragte mich, ob ich mit den Reinheitsgeboten vertraut sei und stellte Fragen zur Tora, die Akeda (die "Bindung") von Jitzchak wurde angesprochen und man fragte mich nach den Menschen in der Tora, die ebenfalls zum Judentum uebergetreten waren. Zu meiner Ueberraschung fragte man mich noch, ob ich vorhabe, erneut zu heiraten.
Nachdem ich ca. 20 Fragen beantwortet hatte, ging es um meine Plaene nach dem Giur. Ich erzaehlte von meinem Vorhaben, als Volontaerin ein Jahr nach Israel zu gehen und langfristig Alyia machen zu wollen.
Man fragte mich, ob ich auch hier in Deutschland Familien habe, bei denen ich den Shabbat verbringe, so wie ich es in Israel kennen gelernt hatte. Nachdem ich erklaerte, dass alles was "gelebtes Judentum" bedeutete, durch die Besuche bei orthodoxen Familien in Israel angelernt war, gaben sie sich unzufrieden. Ich kaeme nicht um eine "Adoptiv-familie" in meiner Gemeinde herum.
Gut, dass mein Rabbiner anwesend war, und ihnen nun klarmachte, dass es observant lebende Juden in unserer Gemeinde nicht gibt. Wohl halten einige die Kashrutregeln und ernaehrten sich ueberwiegend kosher, aber den Shabbat hielt niemand. Man feierte und ass gemeinsam, telefonierte aber und schaute Fernsehen.
Sie steckten die Koepfe zusammen und sprachen leise und schnell auf hebraeisch. Ich begriff nur, dass es ein Problem zu sein schien, dass ich niemanden als positives Beispiel vor Ort hatte. Ich denke, mein Rabbiner hat mich "gerettet", da ich zwischendurch mitbekam, dass er ihnen berichtete, wie regelmaessig ich die G-ttesdienste und die Shiurim fuer juedische Studenten besuchte.
Zu guter Letzt wurde dann mein Rabbiner und seine Familie dazu verpflichtet, mich in der kommenden Zeit zu Shabbatot bei sich einzuladen, wenn es schon keine Beispiele fuer mich im Gemeindeleben gaebe.

Dann schickte man mich vor die Tuer, um ihre Beratung abzuwarten.
Nachdem man mich wieder hereinrief, sah ich meinem Rabbiner ins strahlende Gesicht und sie verkuendeten mir, ich habe alles zufriedenstellend beantwortet. Man versicherte mir, beim naechsten Termin wuerde mein offizieller Uebertritt erfolgen. " Wir werden sie beim naechsten Mal konvertieren!"
Vor der Tuer sagte mein Rabbiner noch mit frohem Gesicht, dass er unglaublich stolz auf mich sei.

Beim naechsten Termin also wuerde es soweit sein, und jetzt hiess es erst einmal wieder warten.



Montag, 23. März 2009

Versuchter Terroranschlag in Haifa Mall

Am Samstagabend, nach Shabbat-ausgang, war in der Mall in Haifa, auf einem offenen Parkdeck eine Explosion zu hoeren. Nachdem man das Gelaende abgesperrt hatte, fand die Polizei ein Fahrzeug, in dessen Innenraum sich weitere Sprengsaetze befanden, die nicht detoniert waren. Diese waren nicht von ausssen sichtbar, sondern z.B. in den Tueren versteckt.

Es wurde niemand verletzt, doch man fragt sich nun, wie ein mit Sprengstoff beladenes Auto an den Sicherheitskontrollen vorbeikam.
Heute ist in den israelischen Tageszeitungen zu lesen, dass man vermutet, dass die vom Iran unterstuetzte Hisbollah hinter dem versuchten Attentat steht, da sie zu Terroranschlaegen in Israel aufgerufen hat.

Freitag, 20. März 2009

1000 Tage schon - Gilad immer noch nicht frei!

1000 Tage ist Gilad nun in Gefangenschaft. Man hat sich in dieser Woche nicht auf die geforderten Freilassungen von 450 Terroristen einlassen koennen.
Fuer die Politik und etwaige zukuenftige Entfuehrungen von Soldaten durch radikale Gruppen sicher eine richtige Entscheidung.
Menschlich fuer die Eltern schon ueber Jahre mehr als eine Geduldsprobe.
Wir hoffen und beten, dass Gilad bald gesund und unversehrt heimkehren wird.

Wo finden wir das G-ttliche?

Heute las ich auf den Seiten von "Chabad" eine Auslegung ueber den Wochenabschnitt, die "Parashat haShavua". Es heisst dort, dass man die Erleuchtung oder "Naehe zu G-tt" auf verschiedene Arten suchen kann. Man kann sich in Meditationen ueben, zu spirituellen Orten fahren, oder aber man entdeckt, dass all das alltaegliche Tun in sich bereits G-ttlichkeit hat. Unsere taegliche Ordnung, das Wiederkehren des Shabbat, der Jahreslauf mit seinen immer wieder kehrenden Festen - all das spiegelt uns die G-ttlichkeit.
Es braucht nichts Aussergewoehnliches, in der taeglichen "Routine", wenn sie BEWUSST erfahren wird, liegt die G-ttlichkeit.
Erkrankt man ploetzlich schwer, oder steht vor grossen Existenznoeten, spuert man sie, die grosse Bedeutung, die die selbstverstaendliche Alltaeglichkeit innehat.
Das Judentum fuehrt uns diesen Weg, segnet den Augenblick, das Stueck Brot, den Apfel, dankt dem Schoepfer morgens beim ersten Erwachen fuer einen neuen Tag, den wir beginnen durften.

So werde ich auch am heutigen Erev Shabbat (dem Tag VOR dem Shabbat) mit Freude und ganz bewusst das tun, was ich immer tue. Morgens die Musik im Radio geniessen, das Haus putzen und vorbereiten fuer den Shabbat, etwas Besonderes einkaufen und mich freuen auf das Kerzenzuenden, wenn der von G-tt verordnete Ruhetag beginnt, in der Gewissheit, dass Juden auf der ganzen Welt das Gleiche tun. Das verbindet uns als Volk, zu dem ich gehoeren darf, weil G-tt mir diesen Weg gezeigt hat.

Donnerstag, 19. März 2009

Giur (12) - Shabbat shalom

Es gibt viele Dinge, die man am Shabbat nicht tun sollte, um dafuer wiederum viele Dinge tun zu koennen, fuer die man an "normalen" Tagen nicht die richtige Ruhe hat.
Heisst es immer wieder von Nicht-juden: Wie kann man sich so sehr beschraenken am Shabbat... so meine ich, dass es ein grosses Geschenk ist, am Shabbat nicht eingeschraenkt, sondern im Gegenteil eher "befreit" zu sein von den taeglichen Verpflichtungen des Alltags. Wir befreien uns von dem Zwang, immer und ueberall telefonisch erreichbar zu sein, von dem Beduerfnis, zu jeder Minute ueber das Internet von den aktuellen Geschehnissen aus dem letzten Winkel der Erde informiert zu werden, von der Schnelllebigkeit der Zeit, der Hektik des Freizeitstresses, der Zerstreuung, die wir immer und ueberall benoetigen, um ja nicht mit uns selbst allein sein zu muessen.
Wir widmen uns 25 Stunden lang den geistigen Werten des Lebens, kommen zur Ruhe, tanken auf, singen und beten zusammen, um auf ein hoeheres spirituelles Niveau zu kommen, wo wir G-tt naeher sind.

Die Dinge, die am Shabbat verboten sind, haben viel mit dem Bau des Mishkan zu tun (das tragbare Heiligtum, das Zelt der Begegnung, was die Kinder Israels in der Wueste mit G-ttes Anleitung gebaut haben). Unglaublich, wie genau in der Tora die "Bau-anleitung" beschrieben ist, Material, Stoffe, Stangen, jegliches Zubehoer fuer die Opferstellen, die Kleidung der Cohanim (der Priester) und alles detailgenau.
Die Arbeiten, die noetig waren, um das Mishkan ab zu bauen, und an einem neuen Lagerplatz wieder aufzubauen, werden am Shabbat nicht getan, sowie alle Arbeiten, die sich von diesen Taetigkeiten ableiten.
Wenn das Mishkan abgebaut wurde, mussten zum Beispiel Bretter markiert werden, um sie spaeter an der richtigen Stelle wieder einsetzen zu koennen. Daher sind Taetigkeiten wie schreiben, radieren, markieren, verboten.
Stoffe mussten auseinandergetrennt, und zusammen genaeht werden. Daher ist auch naehen eine nicht erlaubte Taetigkeit am Shabbat.
Es musste auch gegraben werden, um Balken zu befestigen, daher ist auch das Umgraben im Garten verboten.
Das Bewaessern von Pflanzen ist ebenfalls eine nicht erlaubte Taetigkeit.
Stoffe mussten gewaschen werden, aus diesem Grund ist auch das Waschen der Waesche am Shabbat nicht angezeigt, genauso wie das Faerben, Bauen, Feuer entfachen oder loeschen.
Das sind nur einige der nicht erwuenschten Taetigkeiten.

Auch ist nicht nur schwere Arbeit, bei der man sich koerperlich anstrengt, verboten, sondern alles, womit man etwas neues "erschafft". G-tt hat von seinem "Schaffen" auch am 7. Tag geruht, daher sollen wir es ihm nachmachen und uns auf diese Weise mit der G-ttlichkeit verbinden.
Dieser eine Tag ist zu Ehren G-ttes, und kommt doch auch uns selbst zu einem grossen Teil zugute, indem wir in der Ruhe wieder neue Kraft finden, um in den Alltag zu gehen.
Mit der Tora sollten wir uns am Shabbat selbstverstaendlich auch beschaeftigen. Wir lesen den Wochenabschnitt und im besten Falle noch einen Kommentar dazu, z.B. den von Raschi (einer der bedeutendsten Tora-Kommentatoren).
Da wir am Shabbat eine zusaetzliche Seele erhalten, koennen wir ein geistiges Niveau ereichen, wofuer wir an anderen Tagen nicht die gleiche Voraussetzung haben.
Am Shabbat wird nicht ueber einen etwaigen Mangel nachgedacht, an dem wir leiden, daher fallen auch in der Amida (dem Achtzehn-gebet) die Bitten weg, in denen wir "um etwas" bitten, nach etwas fragen. Die Shabbatfreude ist ein Gebot, (Oneg Shabbat). Wir sollen den Shabbat mit besonderem Essen, schoener Kleidung, die nur fuer den Shabbat bestimmt ist, und einem geschmueckten Tisch ehren, so gut wir nur koennen.
Selbst wenn man nicht viel Geld besitzt, soll man doch wenigstens eine kleine Besonderheit in der Woche fuer den Shabbat kaufen, z.B. eine besondere Frucht, oder Kuchen.

Die ersten Shabbatot in meinem Leben werde ich sicher nie vergessen. Auch wenn ich allein war, habe ich es geschafft, den Shabbat zu zelebrieren. Ich habe am Donnerstag Challe gebacken (das Shabbatbrot) und eingekauft, um dann am Freitag nach der Arbeit die Wohnung zu putzen, den Tisch zu decken, und meine letzten Vorbereitungen fuer den Shabbat zu treffen, z.B. die Lampen zu programmieren und den Micham (ein Heisswasserkocher) zu fuellen und einzuschalten.

Kurz vor der Synagoge dann habe ich die Kerzen angezuendet.
Shabbat shalom!

Mittwoch, 18. März 2009

Die Golan - Höhen

Syriens Präsident Assad hat der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" berichtet, dass Herr Olmert, der israelische Ministerpräsident in indirekten Friedensverhandlungen auf die gesamten Golanhoehen verzichten will.
Die Golanhoehen werden seit dem 6-Tage-Krieg 1967 von Israel besetzt.
Dazu muss man wissen, dass ein großer Teil Nordisraels von dort aus beschossen werden kann, was Syrien regelmaessig immer wieder vor der Besetzung getan hat.
Wenn man einmal das Gebiet dort besucht, bekommt man einen ziemlich plastischen Eindruck, wie leicht es ist, falls die Golan-Hoehen wieder in syrischen Besitz kommen wuerden, israelisches Gebiet anzugreifen.
Nun wird argumentiert, dass das ja Teil der Friedensverhandlungen sei, und in Friedenszeiten kein Grund bestehe, Israel anzugreifen, aber leider wissen wir im Nahen Osten bei der Ueberzahl an arabischen "Nachbarn" ja nie, wem es nun gerade wieder einfaellt, Raketen auf Israel abzuschiessen.
Ein Besuch in einem Kibbutz dort zeigte mir sehr eindrucksvoll die Situation. Dort leben die Menschen in einem Tal, ringsherum die Golanhoehen, von denen aus man ohne grosse Hindernisse die Ebene angreifen kann.
Wird der Rueckzug von den Golan Hoehen dann tatsaechlich den Frieden bringen mit den arabischen Nachbarn, die immer wieder auch vom Iran mit Waffen versorgt werden? Vom iranischen Praesidenten jedenfalls wissen wir ja genau, was das Ziel seiner Wuensche ist - Israel von der Landkarte zu streichen. Und die Terrororganisation Hamas hat in Damaskus ihr Hauptquartier.
Kann es also wirklich sein, dass Israel solch ein Risiko eingeht?

997 Tage - Gilad Shalit

997 Tage und Naechte nun ist Gilad Shalit, der israelische Soldat, in Gefangenschaft der Hamas. Zurzeit wird immer noch verhandelt - Deutschland bekommt davon sehr wenig mit - wieviele Terroristen denn nun fuer ihn freigelassen werden.

Im Libanon II - Krieg wurde immer wieder ein "Bibel-Zitat" faelschlich widergegeben, "Auge um Auge - Zahn um Zahn, ein Leben fuer ein Leben", da die Israelis ja in den Augen der uebrigen Welt ach so rachsuechtig sind. Dabei ist das Prinzip "Auge um Auge" ein uralter Vorlaeufer unseres Prinzips des Schadenersatzes, was immer noch angewendet wird. Es geht um den Gegenwert eines Auges, eines Koerperteils, der gezahlt werden soll, sollte ein Teil des Koerpers verletzt werden. Und daran findet auch niemand etwas auszusetzen. Mit Rache hat es nichts zu tun, sondern mit dem ungefaehren Wert eines Teils des Koerpers, bei Verlust. Niemals koennte man dem Geschaedigten durch finanziellen Gegenwert sein verlustiges Koerperteil voll ersetzen.

Nun gehen in diesen Tagen die Verhandlungen ueber Gilad Shalit WEIT ueber das Prinzip "Ein Leben fuer ein Leben, Auge um Auge" hinaus.
450 Terroristen stehen auf der Liste der Hamas, die befreit werden sollen, im Gegenzug fuer Gilads Freilassung. Und die Regierung der "rachsuechtigen" Israelis denkt schon ernsthaft darueber nach, mindestens 350 davon freizulassen, vielleicht sogar alle der 450 geforderten. Denn wenn auch nicht der uebrigen Welt, so ist wenigstens der Hamas bekannt, dass den Israelis meist kein Preis zu hoch ist, fuer die Befreiung einer ihrer Soldaten.
Wer rechtfertigt solch eine Zahl? Man koennte meinen, die Hamasregierung denkt selbst, dass das Leben eines israelischen Soldaten 450 Leben wert ist....

Ganz davon abgesehen, dass es diejenigen Terroristen sind mit dem meisten "Blut an den Haenden", die die schlimmsten Terrorattentate auf Busse und Cafes veruebt haben. Diese Menschen sollen also dann frei gelassen werden.
Fuer die Angehoerigen der Opfer, deren Koerperteile zum grossen Teil auf der Strasse verteilt waren durch die grausamen Sprengsaetze, eine unertraegliche Vorstellung.

Die Eltern von Gilad Shalit kann jeder, der selbst Vater oder Mutter ist, sehr gut verstehen. Jede Mutter von uns wuerde alle Terroristen der Welt freilassen, nur um das eigene Kind endlich wieder in die Arme schliessen zu koennen.
Wie wird sich Gilad wohl fuehlen, nach fast 1000 Tagen fort von zuhause?

Sonntag, 15. März 2009

Giur (11) - "Noa" - mein neuer Name

Ich erfuhr, dass jeder Konvertit bei seinem Uebertritt einen juedischen Namen erhaelt, den er sich in der Regel selbst aussuchen darf.
Es konnte nicht schaden, wenn ich mir fruehzeitig darueber Gedanken machen wuerde, welchen Namen ich waehle.
Mit einer Freundin aus dem Kibbutz durchforschte ich ein Buch mit juedischen Vornamen. Anfangs kam ich immer wieder auf den Namen "Lea" zurueck, der mir gut gefiel.
Doch als ich auf "Noa" stiess, hatte ich gleich das Gefuehl, dieser Name passt zu mir. Allein vom Klang des Namens war ich angezogen.
Die Wurzel des Namens stammt vom hebraeischen Wort fuer "Bewegung", womit ich mich durchaus identifizieren konnte.
Als ich aber in der Tora von "Noa" las, und wer sie war, war endgueltig klar, es wuerde bei diesem Namen bleiben.
Die meisten Menschen in Deutschland fragen, wenn sie den Namen "Noa" hoeren: " Aber das ist doch ein Maennername!" und denken dabei an Noah und die Sintflut.
Dieser Noah jedoch ist nur in deutscher Uebersetzung Noah, sein Name im hebraeischen Original der Tora ist Noach.
Noa hingegen ist in Israel ein rein weiblicher Vorname und in der Tora kommt er gegen Ende des 4. Buches Mose vor.
Als das Land Israel unter die Staemme verteilt werden soll, kommen die Toechter von Zlofchad ( Machla, Noa, Chogla, Milka und Tirza) - aus dem Stamme Menasche, der ein Sohn Josefs war - zu Moshe (Moses) und beschweren sich darueber, dass sie leer ausgehen sollen, da ihr Vater in der Wueste gestorben ist und keinen maennlichen Erben hatte.
Nachdem Moshe die Sache an G-tt heran getragen hat, beschliesst der folgendes: Ab sofort sollen auch die weiblichen Nachkommen erben, wenn es keinen maennlichen Erben gibt. Und er gibt ihnen Anteil am Land Israel.
Mit dieser winzigen "Emanzipations-geschichte" in der Tora war ich vollends bestaetigt, dass Noa mein Name werden wuerde.

Giur (10) - und wenn ich sterbe?

Monate spaeter beschaeftigte mich eine Frage fast taeglich: Wie wuerde ich beerdigt werden, wenn ich ploetzlich aus dem Leben gerissen wuerde, BEVOR ich zum Judentum uebergetreten war? Keinesfalls wollte ich mehr auf einem christlichen Friedhof enden, das war mir wichtig. Kann es einem nicht egal sein, wo man begraben ist?
Nein, ich fuehlte mich nicht mehr zur einstigen Religion zugehoerig. Mein Platz war im Volk Israel, auch nach meinem Tod sollte dort mein Platz sein.
Ich befragte den Rabbiner zu diesem Thema und er erzaehlte mir die Geschichte von einem Mann, der ebenfalls Giur machen wollte. Er hatte seinen letzten Termin beim Beit Din, nahm die Mitzwot (die Gebote) auf sich und an einem der naechsten Tage sollte der Termin fuer die Mikwe stattfinden.
Ein nach der Halacha gueltiger Uebertritt besteht aus der Uebernahme der Mitzwot UND dem Untertauchen in der Mikwe. (Bei Maenner auch die Beschneidung)
Nur wenn beide Termine wahrgenommen wurden, gilt man als Jude.
Dieser Mann nun hatte die Beschneidung hinter sich und die Gebote auf sich genommen. Bevor aber der Mikwentermin stattfand, starb er.
Der Rabbiner erklaerte mir, dass sein Uebertritt streng genommen noch nicht vollendet war, dass man ihn aber trotzdem juedisch beerdigt hat, da das Untertauchen eine letzte Formalitaet war.
Ich fragte, was passieren wuerde, wenn ich morgen sterben wuerde. Waere es denkbar, dass ich eine juedische Beerdigung bekaeme?
Man wuerde sicherlich beruecksichtigen, dass ich einen bestimmten Weg eingeschlagen haette, antwortete der Rabbiner, und es waere unter gewissen Umstaenden moeglich, dass ich juedisch beerdigt wuerde. Ganz gewiss sei das aber nicht.

Giur (9) - Warum tue ich das?


Auf Anraten des Rabbiners hatte ich mir ausser dem Buch "Wie Juden leben" von Israel Lau, auch den "Kizzur Shulchan Aruch" gekauft, in dem die Gesetze der Halacha beschrieben waren. Wie setzt man sie in den Alltag um, warum sprechen wir bestimmte Gebete, wann sind die Gebetszeiten und wie unterscheiden sich die Gebete des Alltags von denen, die am Shabbat gebetet werden?
Ich verfolgte Shiurim von verschiedenen Rabbinern aus Israel (Machon Meir-Videos) und gelangte so tiefer in alle Fragen des Glaubens.
Mir fiel auf, dass ich laengst nicht mehr nur das umsetzte, was mir "logisch" erschien. Und ich begann, mich zu fragen, warum ich das tat. Was war mit mir geschehen, dass ich Dinge tat, die ich vor Jahren noch belaechelt haette, die mir wie ein "unnoetiger Verzicht" vorgekommen waeren? Und wie so oft, wenn mich eine Frage eine Zeitlang beschaeftigt hatte, bekam ich an einem Shabbat durch die Ausfuehrungen des Rabbiners auf den Wochenabschnitt meine Antwort.
Naasse veNishma ( Wir tun es und wir hoeren....) . In dieser Reihenfolge hatte das Volk Israel die Gebote akzeptiert. Nicht etwa: Wir hoeren uns in Ruhe an, was ER zu sagen hat und entscheiden dann, ob wir es tun, sondern, wir tun es zunaechst einmal, in der Gewissheit, dass ER weiss, was gut fuer uns ist und weil wir grenzenloses Vertrauen zu IHM haben.
Vielleicht geht uns irgendwann der Sinn und die Logik fuer das eine oder andere, was wir tun, auf, oder aber es bleibt uns verborgen.
War das eine Art Gehirnwaesche oder ein blindes Ausfuehren von Geboten? Aber niemand hatte mich zu irgendetwas gezwungen. Weder der Rabbiner noch eine andere Person hatten mir "auferlegt", etwas bestimmtes zu aendern.
Aber dieses Naasse veNishma aehnelte schon sehr dem, was ich tat. Und ich fuehlte mich ploetzlich noch mehr mit dem Volk Israel verbunden.
Die Weisen sagen, damals am Berg Sinai, als G-tt dem Volk Israel die Gebote gab, waren die Seelen ALLER Juden anwesend, auch die derjenigen, die irgendwann einmal zum Judentum uebertreten. Nach Ueberwindung von Zeit und Raum waren sie alle dort am Berg und haben die Worte gehoert.
Ein schoener Gedanke.
Ich hatte viele Fragen, zum Wochenabschnitt, zu den Ausfuehrungen im Kizzur Shulchan Aruch, zur Umsetzung in den Alltag. Alle besprach ich mit dem Rabbiner, bei unseren Treffen und jedes Mal wenn ich von solch einem Shiur (Unterricht) nach Hause ging, fuehlte ich mich tief in meiner Spiritualitaet gestaerkt und angesprochen.

Ein Jahr nach meinem Antrag an das Beit Din lag in meinem Briefkasten eine Einladung zum ersten Gespraech dort.
Aufgeregt lief ich zum Rabbi und fragte ihn, was denn wohl bei diesem ersten Treffen auf dem Programm stehen wuerde. Er sagte, es sei ein erstes Erforschen meiner Motive. Die Rabbiner haetten sehr viel Erfahrung im Umgang mit Menschen, die vorhaben, Giur zu machen und wenn sie am Ende dieses Termins zu dem Schluss kaemen, dass es eine ausreichende innere Motivation gaebe, wuerde eine Akte eroeffnet ueber meinen Giur. Offiziell waere ich dann Kandidatin fuer einen Uebertritt.
Man wisse aber nie, ob nicht doch bereits bei diesem Treffen einiges an "Wissen" ueberprueft wuerde. Daher solle ich mich gut vorbereiten, und soviel lernen, wie ich nur koenne.

Ich fuhr mit klopfendem Herzen nach Köln, wo ich mich in der juedischen Gemeinde einfinden sollte.
Der Sekretaer des Beit Din holte mich am Eingang ab und beruhigte mich: "Ach, nur ganz ruhig! Wie sagt man doch? Es wird alles halb so heiss gegessen, wie es gekocht wird...".
Ich betrat den Raum und blickte in gleich 5 fremde Rabbiner-gesichter. Zwei der Rabbiner kamen aus Israel, einer war der Gemeinderabbiner der Synagoge und weitere 2 Rabbiner, die ich nicht einordnen konnte waren anwesend.
Sie schauten mich ermunternd an und deuteten an, ich solle mich setzen. Dann fragten sie zunaechst einmal nach meinen Lebensumstaenden, ob ich alleine wohne, Kinder habe, was meine Eltern zu diesem Vorhaben sagen, wie ich aufgewachsen bin usw.
Anschliessend diskutierten wir die Frage, warum ich denn konvertieren moechte. Ob ich nicht wisse, dass man auch als Christ ein guter Mensch sein kann, oder die Moeglichkeit in Betracht ziehen koennte, die 7 Noachidischen Gesetze zu erfuellen, was nicht zum Uebertritt fuehren muss.
G-tt hat mit Noach nach der Sintflut einen Bund geschlossen. Da Noach der einzige Ueberlebende war, war es gleichzeitig ein Bund mit allen Menschen, Juden und Nicht-juden. Es sind dies folgende Ge-und Verbote
1.Verbot von Goetzendienst
2.Verbot der Blasphemie
3.Verbot zu Toeten
4.Verbot von Inzest
5.Verbot von Diebstahl
6.Verbot, Fleisch lebender Tiere zu verzehren
7.Soziale Gerechtigkeit

Sie fragten mich, ob mir bewusst sei, dass das Judentum nicht nur eine Religionszugehoerigkeit, sondern auch eine Volkszugehoerigkeit sei, und ob ich das tatsaechlich wolle, zu diesem - haeufig abgelehnten oder missverstandenen, manchmal unbeliebten - Volk gehoeren?
Was fuer eine Bedeutung denn Israel fuer mich habe und was ich in Israel gefuehlt haette? Ob ich einen Unterschied spuere, wenn ich hebraeisch bete und was fuer mich der Unterschied zwischen meiner urspruenglichen Religion und dem Judentum sei. Welche Gebote ich bereits umsetzen wuerde und wie ich mich damit fuehle, all das wurde von ihnen angesprochen.

Auch sprachen wir darueber, wie das Judentum zu Konvertiten steht. Dabei vernachlaessigten sie die negativen Meinungen, wie etwa eine Talmudstelle aussagt " Proselyten sind fuer Israel so schlecht wie Aussatz" ( Jebamot 47b). Die Rabbiner hoben im Gegenteil die positiven Einstellungen hervor, naemlich dass "Der Fremde, der sich den g-ttlichen Gesetzen unterwirft, G-tt lieber noch ist als das Volk Israel am Sinai, denn er kommt ohne die einschraenkende Angst vor Donner und Blitz, sondern unterwirft sich freiwillig der Einheit mit dem Einzigen". So steht es auch im Talmud (Tanchuma Lech Lecha, 6).
Zu keinem Zeitpunkt kann ich sagen, dass mein Anliegen argwoehnisch betrachtet wurde. Ich hatte schon viele Geschichten vom Beit Din gehoert, bei denen Menschen sich sehr unwohl gefuehlt hatten und in irgendeiner Weise abgelehnt oder misstrauisch beaeugt wurden.
Immer wurden mir warme, wohlwollende Blicke zugedacht und ich fuehlte mich angenommen. Sie bestaetigten dann auch am Ende des Gespraeches, was ca. eine Stunde gedauert hatte, meinen Eindruck. Ich sei ihnen als "wuerdige Kandidatin" erschienen und ich moege weiter lernen. Einer der Rabbiner gab mir mit auf den Weg, dass ich "mit G-ttes Hilfe bei unserem naechsten Treffen eine Juedin wie seine Tochter waere, die als Juedin geboren sei."
Im Zug nach Hause fragte ich mich, wie es wohl sein wuerde, wenn ich eines Tages als Juedin heimfahren wuerde.



Dienstag, 10. März 2009

Giur (8) - Reaktionen auf den Krieg und mein Besuch im Kibbutz



Meinen Lebenslauf in ausfuehrlicher Weise zu Papier zu bringen, war nicht schwer. Um wieviel schwieriger jedoch war es, eine Begruendung dafuer zu formulieren, WARUM ich zum Judentum konvertieren wollte.
Obwohl man mir sagte, diejenigen, die einen juedischen Mann heiraten wollen, haben es schwerer, da sie glaubhaft machen muessen, dass sie auch aus sich selbst heraus eigene Gruende fuer diesen Schritt haben, beneidete ich sie doch. Schliesslich hatten sie einen wirklich handfesten Grund und ein Rabbinergericht wuerde sicherlich zufrieden sein, wenn durch die Familie des baldigen Ehepartners ein juedisches Leben "live" erlernt werden koennte. Auch hatte ich schon gehoert, dass man bei einer bestehenden Schwangerschaft den Prozess etwas erleichtern wuerde, damit das Kind des Ehepaares auch als Jude zur Welt kommt. Zumindest bei den Frauen, denn sie geben die Juedischkeit ja durch die Geburt an ihre Kinder weiter. So sagt es die Halacha (das jüdische Recht). Halachisch gesehen ist nur der Jude, der von einer juedischen Mutter geboren wurde, oder zum Judentum konvertiert ist (und nicht aus dem Judentum heraus konvertiert ist). Diese Definition stammt noch aus der Zeit, als man nicht sicher wusste, wer denn der Vater ist. Wer die Mutter ist weiss man hingegen immer. In den heutigen Tagen gibt es Gen-tests, die die Vaterschaft beweisen.

Daher sind doch viele juedische Eltern sehr daran interessiert, falls ihr Sohn eine nicht-juedische Frau heiraten will, dass sie zum Judentum uebertritt, denn falls sie das nicht tut, sind die Enkelkinder KEINE Juden mehr. So waere die Linie unterbrochen.

Der Rabbiner sagte : "Schreib, was du in dir fuehlst. Und wenn es schwierig ist, zu erklaeren, schreib auch das."
Ich setzte mich also an einem Sonntag an den Schreibtisch und fing einfach an. Ich erzaehlte von meiner Verbindung zu G-tt, die ja immer bestanden hatte, von meinen Gedanken, die ich schon als Christin hatte, dass es schwer vorstellbar ist, dass G-tt einen Sohn haben soll. Da dieser Mensch, den Christen als Sohn G-ttes bezeichnen, Jude war, konnte doch eigentlich nur jeder Christ, wenn er sich ihn als Vorbild nahm, ein juedisches Leben fuehren.
Dann die Tora, die niemals geaendert werden wird, und diese Missachtung ihr gegenueber- so empfand ich es - zu behaupten, es gaebe ein "Neues Testament", was das "alte" abloest, oder gar ersetzt. Wie kann auch nur eines dieser bedeutungsvollen Worte der Tora ploetzlich keine Bedeutung mehr haben?
(Noch einmal moechte ich fuer Nicht-Juden, die meine Ausfuehrungen eventuell lesen, hier klarstellen, dass alles, was ich von mir gebe, MEINE Erkenntnisse sind, die mich auf diesen MEINEN Weg gefuehrt haben. Es mag fuer andere anders sein, was ich respektiere).

Aber all diese Gruende waren nicht alles, es gab noch eine andere Dimension, die des Volkes. Ich wollte Teil dieses juedischen Volkes werden. Dorthin gehoerte ich, das fuehlte ich sehr genau tief in meiner Seele.
Meine Liebe zu Israel war anders als zu irgendeinem Urlaubsland.

Als der Krieg Libanon II begann im Sommer 2006 war ich ploetzlich von Menschen umringt, die alle meinten, ich sei die richtige Ansprechpartnerin fuer ihre Vorwuerfe und Anschuldigungen Israel gegenueber. Man wusste, dass Israel mindestens meine zweite, wenn nicht sogar meine erste Heimat war, und so schlug mir fast eine feindliche Atmosphaere entgegen, wenn es um Israels Position ging.
"Israel schlaegt unverhaeltnismaessig zurueck.."
"... und das alles wegen 2 Soldaten!! "
" Ja, so sind die Israelis schon immer gewesen, Auge um Auge!!" ( es war so viel einfacher, zu sagen, so sind die Israelis, statt: So sind die Juden! Das ist in Deutschland doch nicht so angebracht)
"Hast du gesehen, was "deine" Israelis machen? Die meinen man kann alles mit Gewalt loesen."

Arbeitskollegen sagten : " Ich bin gegen jede Gewalt, egal von wem sie ausgeht!"

Nun, ich spuerte, dass keiner von ihnen jemals etwas zu Raketen auf Sderot oder auf den Norden Israels gesagt hatte. Das war erst Thema, als Israel sich wehrte. Und ich spuerte auch, dass ich mehr in die Isolation kam mit meiner Meinung fuer Israel.
Eines Morgens, als ich zur Arbeit fuhr war ein Gedanke in meinem Kopf : Ich stehe fest an Israels Seite!
Mit einem Mal begriff ich. Niemand war daran interessiert zu hoeren, was zum Krieg gefuehrt hatte. Im Gegenteil, auch viele die sich fuer die Ereignisse in Israel nie interessiert hatten, schimpften ploetzlich lautstark.
Es stimmte, es ist ein Volk, das stets unter Beobachtung der ganzen Welt steht, die bereit ist, sehr schnell zu urteilen, zu ver-urteilen. Und zu diesem Volk wollte ich gehoeren?

Ich spuerte aber auch den inneren Zusammenhalt, diese enorme Kraft untereinander, unter dem grossen Druck von aussen. Und ich sah mich als ein Teil des Ganzen, als jemand, der mit Freude zu diesem Volk gezaehlt werden wollte.
Hier gehoerte ich hin, hier war mein Platz.

Im November fuhr ich nach Israel, und besuchte unter anderem eine Freundin, die in einem religioesen Kibbutz Giur machte. Sie war in den letzten 10 Jahren mehr in Israel, als in Deutschland gewesen, hatte in Beer Sheva, einer Stadt im Negev, studiert und in einigen Kibbutzim als Erntehelferin gearbeitet.
Nun nahm sie an einem Programm fuer junge Erwachsene teil, die zum Judentum uebertreten wollten (kibbutz hadati). Man arbeitet die Haelfte des Tages, die andere Haelfte lernt man. Zum Angebot gehoert auch ein Ulpan (ein hebraeischer Sprachkurs), in dem sehr intensiv die hebraeische Sprache erlernt wird. Man ist in Mehrbettzimmern untergebracht und bekommt fuer seine Arbeit im Kibbutz die Verpflegung und freies Wohnen.
Als geistige Unterstuetzung wird jeder einer Mishpacha melawa zugeteilt ( das ist eine Art "Adoptiv"-Familie), die ein Vorbild fuer juedisches Leben sein soll. Mit ihr feiert man den Shabbat und alle juedischen Feste des Jahres.
Fuer Leas Familie war es sofort klar, dass ich an diesem Shabbat auch als Gast kommen wuerde. Diese unglaubliche Gastfreundschaft immer wieder!
Ich kam an einem Freitagmittag an und nahm gleich zusammen mit Lea am Mittagessen im grossen Speisesaal des Kibbutz Sde Eliahu teil.
Das war es, was ich vermisst hatte. In der Mitte eines jeden Tisches standen die Kaertchen fuer das Tischgebet, was man nach jedem Essen spricht. (Birkat haMason).
Diese Selbstverstaendlichkeit des Kontakts zur Religion hier in Israel ist so wohltuend.
Wir putzten die Etage noch vor Anbruch des Shabbat, bereiteten den Tisch vor und zogen uns um.
Nachdem wir die Kerzen gezuendet hatten, machten wir uns auf den Weg in die kibbutzeigene Synagoge.
Nach dem G-ttesdienst versammelten sich alle Mitglieder des Kibbutz, Frauen, Kinder, alte Menschen, in der Dunkelheit auf der Wiese vor der Synagoge. Anschliessend liefen wir langsam zum Haus von Leas Familie. Es war ein wunderschoener Shabbat-abend, an dem wir sangen, beteten und uns austauschten.
Den ganzen Shabbat ueber hielt die besondere Stimmung im Kibbutz an. Die Kinder spielten auf dem Platz, Eltern und Jugendliche spazierten auf dem Gelaende und an vielen Ecken sassen junge Maenner, die die Tora diskutierten.
Es gab auch einen kleinen Shiur ueber den aktuellen Wochenabschnitt mit einem der Rabbiner. All das war nach langer Zeit Nahrung fuer meine Seele, die ich viel zu lange vermisst hatte.
Als ich am Sonntag wieder nach Jerusalem zurueck fuhr, nahm ich die Bilder und Eindruecke mit mir.

Montag, 9. März 2009

"Alles fuer meinen Vater" ( Sof Shavua beTel Aviv)

TRAILER ZUM FILM


Ein wundervoller Film, vielschichtig und beruehrend. Es gab hier sogar eine Version im hebraeischen Original mit dt. Untertiteln.
Tarek, ein Palaestinenser aus Tulkarem, geht als Selbstmordattentaeter nach Tel Aviv, um die angekratzte Ehre seines Vaters wieder herzustellen. Der Zuender seines Guertels funktioniert aber nicht, als er sich auf dem Shuk haCarmel in die Luft sprengen will.
Waehrend er auf einen neuen Zuender wartet, lernt er die Menschen kennen, die er umbringen will und verliebt sich in die flippige Keren, eine Juedin.
Leider gibt es kein Happyend.
Nach meiner Meinung sehr empfehlenswert, da alle Seiten der schwierigen Situation im Land beleuchtet werden, und klar wird, wenn man erst "den Feind" persoenlich kennen lernt, und er noch dazu symphatisch ist....was dann?

Donnerstag, 5. März 2009

Purim


Naechste Woche ist Purim und wer die Geschichte der Esther nachlesen möchte auf deutsch, fuer den habe ich einen Link erstellt. (MEGILLAT ESTER)

Eine der Besonderheiten an der Purim-Geschichte ist, dass - ganz im Gegensatz zu anderen Teilen des Tanach - der Name G-ttes nicht ein einziges Mal auftaucht. Ist er etwa ueberhaupt nicht involviert? Hat er sich nicht eingeschaltet damals?
Nun, wie wir von der Geschichte wissen, hat sich fuer die Juden, die damals schon als GANZES VOLK vernichtet werden sollten, doch noch alles zu Guten gewendet. Esther hatte dazu aufgerufen, dass sich das Volk sammelt, betet und fastet, um sie in ihrem Vorhaben, zu unterstuetzen. Die Juden waren gefragt, zusammen zu halten, ihre Gemeinschaft wieder zu entdecken, den starken spirituellen Zusammenhalt zu spueren und zu nutzen, der auch Feinde, die in der Ueberzahl sind, besiegen kann.
Als sie sich wieder darauf besonnen haben, EIN VOLK zu sein, wendete sich die Geschichte zum Guten. Ganz besonders wichtig war es, weil die Begebenheit in der Galut, in der Diaspora geschah, wo die Gefahr der Assimilation besonders groß ist, die weltlichen Verfuehrungen (damals in Form von der Lebensweise des Koenigs Achaschwerosch und seinen Festen) grosse Anziehungskraft besitzen und es schwieriger ist, als Jude ein juedisches Leben zu fuehren als im Land Israel, wo der Tempel stand.
So sollen wir wissen, dass G-tt sich immer einschaltet, auch wenn es so scheint, als sei er nicht zugegen. Selbst wenn er nicht unmittelbar mit uns spricht, wie einst mit den Vorvaetern, so laesst er uns dennoch nicht allein.
Auch heute ist es nicht einfach, sich ausserhalb von Israel auf das zu besinnen, was ein juedisches Leben ausmacht, da die Umwelt ein anderes Leben lebt.
Wenn wir aber die starke Beziehung untereinander spueren und das, was uns verbindet - die Tora - nicht vergessen, werden es die Bedraenger, - und davon wird es immer wieder zahlreiche geben - nicht schaffen, dieses kleine Volk zu besiegen.

Zum Purimfest, das am Montag abend beginnt, (nach dem Fastentag der Esther) gibt es vier Vorschriften, die wieder einmal das zutiefst Menschliche, was im Judentum verlangt wird, betonen, vor allem zwei davon: Mishloach Manot ( das Verschicken von etwas Essbarem an den anderen...) und Matanot laEwjonim ( Gaben fuer die Armen). Das Verschicken oder Verschenken von etwas Essbarem, ein Stueck Kuchen oder ein paar Suessigkeiten, ist auch ein Zeichen, dass wir alle untereinander verbunden sind.
Und auch der Arme, der nichts besitzt, gehoert zu uns, wir sind fuer ihn verantwortlich. Wenn jeder nur einen kleinen Teil den Armen geben wuerde, gaebe es keine derart grosse Armut auf der Welt. Rabbi Machlis in Jerusalem steht fuer mich beispielhaft fuer die Vorschrift, sich stets - nicht nur an Purim - um die Armen zu kuemmern. Sein Haus ist Tag und Nacht fuer die Beduerftigen geoeffnet. Er und seine Familie geben jedem, selbst wenn er mitten in der Nacht klopft, Herberge. Er hat uns an einem Shabbat - an denen uebrigens auch JEDER willkommen ist - gelehrt, dass die Weisen uns sagen: Wenn ein Armer um etwas bittet, steht G-tt an seiner rechten Seite. Und schickst du ihn fort, so schickst du auch G-tt weg von dir.

Zu den Geboten des Verschickens von Essbarem und Gaben fuer die Armen kommen das Feiern eines Mahles, im Gedenken an die Geschichte der Esther und der Rettung des juedischen Volkes und das Anhoeren der Megillat Esther in der Synagoge.
Zweimal sollen wir die Geschichte hoeren, am Montag abend und Dienstag morgen.

Was wir mit in den Alltag nehmen koennen: Nicht zu vergessen, dass wir "ein" Volk sind, uns fuer den anderen interessieren und sorgen sollten, die Kraft der Verbundenheit zu spueren, denn nur wenn wir auch untereinander nicht einig sind, sind wir angreifbar.

Meiner Meinung nach passiert das schon, wenn die unterschiedlichen Stroemungen sich gegenseitig ver"urteilen", wer der "bessere" Jude ist. Jeder haelt fuer sich bestimmte Gebote ein, fuer jeden gibt es eine andere Grenze dessen, was er NIEMALS uebertreten wuerde. Aber auch Juden, die gar nicht nach den Geboten leben, sind Juden, schliesslich ist das Judentum auch eine Volkszugehoerigkeit. Wenn wir uns gegenseitig be-und ver-urteilen, lassen wir eine Spaltung zu, die uns fuer "Feinde" von aussen angreifbar macht. Wir verlieren aus dem Auge, dass wir Brueder und Schwestern eines Volkes sind.
Wenn wir auch innerhalb des Volkes den anderen so sein lassen koennen wie er ist und Achtung vor seinen guten Taten haben, und uns nicht etwa als "besserer" Jude einschaetzen, nur weil wir eine "orthodoxere" Synagoge besuchen als er, dann koennen wir auch weiterhin als kleines Volk mit grosser geistiger Staerke ueberleben.

Mittwoch, 4. März 2009

"Ein Leben für ein Leben - Adam resurrected"

TRAILER

Ich war heute in dem Film "Ein Leben für ein Leben" (Adam resurrected). Ein Film von Paul Schrader, deutsch-israelisch-amerikanische Co-Produktion.

Eine Psychiatrie in der Wueste Negev, in der Menschen leben, die schwere psychische Schaeden aus den Lagern davon getragen haben. Unter anderem Adam Stein, der einst vom Lagerkommandanten Klein verschont wurde, da er ihm in der Vergangenheit das Leben gerettet hatte. Adam muss aber fortan für ihn den Hund spielen. Er schafft das nur, weil er glaubt, so seine Familie retten zu koennen, die jedoch nicht von Klein verschont wird.
Spaeter in der Psychiatrie trifft Adam auf einen kleinen Jungen, der glaubt, ein Hund zu sein. Niemand kommt an ihn heran...ausser Adam.

Ich kann kaum in Worte fassen, wie ich den Film fand. Heftig, krank, irre.... ? Wohl alles. Und all das sind auch Beschreibungen, die man dem Grauen in Nazi-Deutschland zuschreiben koennte.
Sehenswert ist er auf jeden Fall.

Shir lamaalot - Ein Stufengesang (Psalm121)

VIDEO

Ein Stufengesang:
Ich erhebe meine Augen zu den Bergen,
woher soll meine Hilfe kommen?
Meine Hilfe (kommt) vom Ewigen,
der Himmel und Erde macht.
Er wird deinen Fuss nicht wanken lassen,

niemals schlummert dein Hueter
siehe, niemals schlummert oder schlaeft der Hueter Israels.
Der Ewige ist dein Hueter,
der Ewige ist dein Schatten zu deiner rechten Hand.

Bei Tag schlaegt dich die Sonne nicht, noch der Mond bei Nacht.
Der Ewige behuete dich von allem Boesen, behuete deine Seele.
Der Ewige behuete dein Hinausgehen und deine Heimkehr
von jetzt an bis in Ewigkeit.

Dienstag, 3. März 2009

Giur (7) - Der Antrag

Als ich aus Israel zurueck kehrte, war ich so gestaerkt in meiner Spiritualitaet, dass ich einige Neuerungen umsetzte. Ich besorgte mir fuer den Shabbat Zeitschaltuhren, nachdem ich den Rabbiner gefragt hatte, ob diese Moeglichkeit besteht. Ich wollte nicht - wie es viele Familien in Israel tun - den ganzen Tag das Licht anlassen.
Dann kam es dazu, dass meine juengste Tochter, mit der ich noch zusammen wohnte, auszog und ich mich neu orientierte. Ich beschloss, dass dies der richtige Zeitpunkt war, um in die Naehe der Synagoge zu ziehen. So koennte ich endlich am Shabbat auf das Auto verzichten und alle Muehen machten mehr Sinn.
Ich fand schnell eine sehr kleine Dachwohnung, nur eine Strasse entfernt von der Gemeinde. Das ermoeglichte mir, am Kabbalat Shabbat und auch am Shabbat morgen zu den G-ttesdiensten zu erscheinen. Auch zu den Shiurim oder anderen Veranstaltungen in der Woche war es nicht weit. Ich hatte einen Fussweg von 7 Minuten.
Ich schaffte mein Auto ab, um Geld fuer Israel zu sparen, denn ich hatte vor, ein Jahr als Volontaerin dort zu arbeiten, nach meinem Giur, um endlich einmal fuer laengere Zeit in einer spirituelleren Umgebung leben zu koennen. Das religioese Leben ist einfach wesentlich selbstverstaendlicher in Jerusalem, kosher einkaufen um vieles leichter.
Ich fuhr also von nun an mit der Bahn zur Arbeit 25 km entfernt in den naechsten Ort. Das bedeutete, einen entspannten Arbeitsweg zu haben, und sogar waehrend der Bahnfahrt noch lernen zu koennen.
Da ich noch einen Kredit mit mir herum schleppte, nahm ich mir vor, diesen in moeglichst kurzer Zeit, spaetestens aber bis zu meinem Israel-aufenthalt loszuwerden.
Ich nahm einen Nebenjob als Nachtdienst in einer Suchttherapieeinrichtung an, wo ich 3 bis 4mal monatlich arbeitete. Es war nicht einfach, zumal meine tägliche Arbeit in der Beratungsstelle fuer Drogenabhaengige auch nicht gerade anspruchslos war. Aber mit einem so starken Ziel, waechst die Motivation und die Kraft ins Unermessliche. Ich hielt mir jedes Mal, wenn ich alles hinwerfen wollte, Israel vor Augen. Dafuer lohnte sich jede Muehe.

Eines Tages wagte ich es, meinen Rabbiner auf den Giur anzusprechen. Ich war fest entschlossen. Er sagte, dass ich nicht uebertreten muesse, dass man als Christ auch Anteil an der kommenden Welt habe, wenn man als "guter Mensch" lebt und sich seinen Mitmenschen gegenueber als wahrhaft menschlich erweist. Ich solle es mir genau ueberlegen, denn das Leben als Jude sei nicht einfach. Immer noch ist das juedische Volk ein wenig beliebtes, abgelehntes Volk, was haeufig missverstanden wird.
Im uebrigen sei es ueblich, dass man ein psychologisches Gutachten erstellen laesst, worauf er aber bei mir verzichten wuerde, da er mich schon laenger kennt und es nicht fuer noetig hielte. Der Grund dafuer sei, dass es viele Menschen gibt, die zum Judentum uebertreten wollen aus sehr fraglichen Gruenden. Manche, gerade Deutsche versuchen auf diese Art vom "Taetervolk" zum "Opfervolk" zu gelangen, so meinen sie, die deutsche Vergangenheit besser verkraften zu koennen.
Eine Verwandte eines ehemaligen SS-Offiziers soll in Israel leben als konvertierte Juedin. Auf diese Art wollte sie sich von den grausamen Taten ihrer Vorfahren distanzieren.
Ich hatte bei meinem Besuch in Buchenwald nicht das Gefuehl, nun zum "Opfervolk" gewechselt zu sein.
Es war alles sogar viel komplizierter als vorher. Ich spuerte keine Schuld, aber ein sehr schweres grausames Erbe, was wir Deutschen von unseren Vorfahren hinterlassen bekamen. Verantwortung dafuer uebernehme ich, ich weise es nicht von mir, dass mein Volk unvorstellbare Dinge getan hat.
Gleichzeitig war in mir dieser tiefe Schmerz. Was hatte man den Bruedern und Schwestern des Volkes, zu dem ich nun gehoeren wuerde, nur angetan? Immer wieder wuenschte ich, ich koennte viele der gepeinigten Wangen streicheln, die geweinten Traenen wegwischen..

Man kann auf andere Weise "Suehne" tun, wenn man denn meint, das tun zu muessen. Das Wort "Wiedergutmachung" finde ich in diesem Zusammenhang vollkommen unzureichend. Es wird niemals etwas wieder "gut gemacht" werden koennen, auch wenn wir uns noch so anstrengen. Man kann versuchen, in Altenheimen, den Ueberlebenden der Shoa etwas Gutes zu tun, ihnen in ihrem Alltag Unterstuetzung bieten, aber es wird nie dazu fuehren, dass solche Taten "wieder gut gemacht" sind.

Dann gibt es Menschen, die in einem Jahr zum Hinduismus uebertreten, im naechsten wollen sie sich zum Judentum bekennen. Fuer solche Menschen ist es sicher richtig, dass der Prozess des Giurs doch relativ lange dauert. Man kann sich so nach einiger Zeit fragen, ob es wirklich das Richtige ist, ob es Bestaendigkeit hat.
Auch ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob mein neuer Weg bestaendig ist.

Frueher habe er den Menschen, die Giur machen wollten empfohlen, ein paar Minuten von einem Film zu sehen, der ueber die Opfer von Selbstmordattentaten berichtet. Es werden schonungslos Leichenteile gezeigt, die von der Strasse gesammelt werden. Das sollte ihnen mehr als deutlich vor Augen fuehren, wie ungeliebt das juedische Volk ist.

Irgendwann sagte der Rabbiner ernst zu mir: "Ja, ich bin sicher, dass Sie gern mit mir nach Auschwitz gegangen waeren."
Naja... GERN wohl nicht, aber ... ja, was denn, aber?

In den naechsten Wochen dachte ich oft daran, was eigentlich waere, wenn es heute wieder eine Shoa geben wuerde, wenn Juden verfolgt wuerden. Dann wuerde ich auch verfolgt, ich wuerde dazu gehoeren.
Ja, ich waere vor mehr als 60 Jahren auch ins Gas geschickt worden, wenn ich nicht grosses Glueck gehabt haette.
Es war ein merkwuerdiges Gefuehl, sich darueber Gedanken zu machen. Ich kam immer wieder zu dem Schluss: ja, ich will trotzdem Teil des juedischen Volkes werden, aber ich war auch sicher, wenn solch eine Zeit wieder kaeme, waere ich wohl die erste, die in Panik geraten wuerde.

Und doch macht die Gemeinschaft stark, auch und gerade bei Druck von aussen, bei Anfeindungen, Ablehnung. Es gab dieses "Wir-Gefuehl" in unserer Gemeinde waehrend des Libanon-Krieges II und auch in der juengsten Vergangenheit, kurze Zeit nachdem die Gaza-Offensive begonnen hatte, als man hier fast ausschliesslich Israel verurteilte, weil es sich gewehrt hatte, die Raketenangriffe auf israelische Staedte nicht mehr hinnehmen wollte. Wir rueckten naeher zusammen, fuehlten uns nur von den anderen juedischen Mitmenschen verstanden.
Der Rabbiner trug mir auf, wenn ich tatsaechlich bei meiner Entscheidung bleiben sollte, muesse ich in der naechsten Zeit einen Antrag schreiben, der dann von ihm an das Beit Din weiter geleitet wuerde. Ein ausfuehrlicher Lebenslauf und eine Begruendung, WARUM ich den Giur machen wolle, wuerde dazu gehoeren. Zusammen mit einer Empfehlung von ihm, wuerde das Ganze dann zum Beit Din geschickt.

Das Beit Din ist ein Rabbinergericht, das fuer Uebertritte und auch Scheidungen zustaendig ist. Im Judentum gibt es religioese Scheidungen, denn auch in diesem Bereich ist die Einstellung zutiefst menschlich. Eine Scheidung ist sehr bedauerlich, aber wenn es denn gar nicht mehr geht, ein Zusammenleben nicht mehr moeglich ist, dann soll man sich besser trennen, als sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.
Das orthodoxe Beit Din besteht aus 3 Rabbinern, 2 davon kommen aus Israel und ein Rabbiner ist aus Deutschland. Das Beit Din arbeitet zusammen mit dem Oberrabbinat des Staates Israel und trifft sich ca. 3 mal im Jahr. Es hat seinen Sitz in Koeln in der juedischen Gemeinde. Dorthin wird man auch zum ersten Gespraech eingeladen, nachdem der Antrag geprueft ist. In diesem Gespraech soll die Motivation des "Kandidaten" auf Herz und Nieren geprueft werden. Was sind es fuer Motive, gibt es Kinder oder einen Ehemann, die etwas gegen den Uebertritt einzuwenden haben, fuehlt man sich durch eventuelle Schwiegereltern in spe genoetigt, Giur zu machen, weil man vorhat, einen juedischen Mann zu heiraten oder liegen ausreichende eigene Gruende vor, die spiritueller und religioeser Art sind? Erweist sich dann der Antragssteller als ausreichend gefestigt in seinem Wunsch, faengt der eigentliche Prozess des Giur erst offiziell an, man ist akzeptiert als "wuerdiger" Kandidat.
Aber bis zu diesem Tag sollte es noch ein weiteres Jahr dauern.


Rabbi Israel Lau

Rabbi Lau with his story

Rabbi Israel Lau mit seiner beruehrenden Geschichte ..........

Aviv Geffen fuer Gilad Shalit

VIDEO AVIV GEFFEN fuer GILAD SHALID

Ein Video von Aviv Geffen fuer den seit 2006 von der Chamas entfuehrten Soldaten Gilad Shalit.
( seit 981 Tagen in Gefangenschaft)

Du wirst zurueck kommen....
du wirst zurueck kommen
du bist doch das Kind von uns allen.
Du wirst zurueck kommen
dein Herz wird ohne Pause in unseren Herzen schlagen...

Montag, 2. März 2009

Rabbi Daniel Katz from Aish haTora with a true story

Rabbi Daniel Katz from Aish haTora

Rabbi Daniel Katz ist einer der Rabbiner, die bei Aish haThora Shiurim geben. Er hat die Gabe, auch jungen Menschen die Thora naeher zu bringen, in spannenden Geschichten. Ich hatte waehrend meines letzten Aufenthaltes in Jerusalem die grosse Ehre, mit Freude persoenlich seinem Unterricht folgen zu duerfen.
Ueberzeugt euch selbst!

"Wir stehen zu Israel"


Am Donnerstag wird es in unserer Gemeinde eine grosse Veranstaltung geben mit dem Thema: "Wir stehen zu Israel". Eldad Beck, der Journalist der grossen israelischen Tageszeitung "Yediot acharonot" wird unser Gastredner sein. Es soll um die Medien und die deutsche Berichterstattung im Bezug auf Israel gehen. Seit dem Gaza-Krieg hat sich die Meinung der Oeffentlichkeit - beeinflusst durch eine sehr einseitige Berichterstattung - dramatisch gegen Israel verschaerft. "ILI" und "Keren Hayesod" werden ihre Arbeit in Deutschland vorstellen.
Der Abend hat das Ziel, eine regionale Aktionsgruppe zu bilden, die sich um die oeffentliche Wahrnehmung von Israel kuemmern soll.
Waehrend des Krieges hatten sich, ausgeloest durch unzaehlige pro-palaestinensische Demos, die haeufig in Anti-Israel-Demos ausarteten, eine nicht geringe Anzahl von Gemeindemitgliedern gewuenscht, sichtbar etwas fuer Israel tun zu koennen.
Ich werde dort hingehen und vom Abend berichten.

Giur (6) - Shabbat

Der Shabbat ist eine Verbindung zwischen G-tt und seinem Volk, ein Bund. Wir koennen G-ttes Beispiel folgen, wenn wir - wie er - am siebten Tage ruhen. Wir gedenken im Shabbat der Schoepfungsgeschichte (.."denn in sechs Tagen hat G-tt Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehoert; am siebten Tag ruhte er. Darum hat G-tt den Shabbattag gesegnet und ihn fuer heilig erklaert. 2.Mose 20.11), aber wir gedenken auch des Auszugs aus Aegypten (aus der Knechtschaft in die Freiheit). Der Shabbat hebt uns aus der alltaeglichen Routine gleich mehrere Ebenen hoeher aus dem Profanen in die Heiligkeit, vorausgesetzt wir begehen ihn mit Bedacht. Es ist ein Tag, der nur auf geistige Werte ausgerichtet ist.
Ich habe ihn von Anfang an geliebt, diesen Shabbat, nur es gab so viele Aspekte - wo sollte ich anfangen?
Da ich noch 20 km von "meiner" Gemeinde entfernt wohnte, musste ich die erste Zeit mit dem Auto am Shabbat zur Synagoge fahren. Ich versuchte, meine Samstage umzustellen, mir mehr Ruhe zu schenken und begann damit, nicht mehr zu telefonieren, keine Musik mehr zu hoeren und kein TV zu schauen, auch mein Laptop liess ich unberuehrt. Dafuer lernte ich, las viel und versuchte, dem Tag so viel Heiligkeit wie moeglich zu geben.
Am Freitag abend fuhr ich in die Synagoge und danach liess ich das Auto stehen. Das war fuer mich viel Veraenderung. Und ich spuerte, dass es gut tat, dass es keine Beschraenkung, sondern Bereicherung war. Einmal nicht erreichbar zu sein, Ruhe zu finden, Kraft zu schoepfen.
Was ich mir noch nicht vorstellen konnte, war die Tatsache, dass orthodoxe Juden am Shabbat auch kein Licht an-oder ausschalten. ( Du darfst in deiner Wohnung kein Feuer am Shabbat anzuenden...2.Mose 35.3) Ich war mir fast sicher, dass ich das nicht umsetzen wuerde.
Doch dann fuhr ich ein paar Wochen nach Israel, um Freunde zu besuchen. Itai, ein guter Freund von mir, nahm mich mit in eine Synagoge in Jerusalem, wo ich mich sofort wohl und beseelt fuehlte. Wie schoen war es, dieselben Lieder zu singen, in derselben Sprache, nur dieses Mal im Mittelpunkt der Welt.
So kam mir Jerusalem vor und so ist es heute noch fuer mich. Nach dem G-ttesdienst am Freitagabend lud er mich ein und wir gingen zusammen durch das dunkle Treppenhaus in seine Wohnung, wo die Shabbat-kerzen brannten und alles auf der Plata (einer Waermeplatte) zum Essen vorbereitet war.
"Der Shabbat soll keine Einschraenkung sein, er ist im Gegenteil eine Befreiung. Wir sind befreit von den taeglichen Sorgen und Verpflichtungen. " schwaermte Itai.
Lange haben wir ueber den Sinn des Shabbat philosophiert und Itai sagte: "Lass dich von niemandem zu etwas draengen. Du MUSST gar nichts. Setze nur das um, was du wirklich willst." Spaeter erzaehlte er mir, dass die traumatischen Erinnerungen an seine religioese Erziehung der Grund fuer seine Warnung gewesen war und seine Sorge, ich koennte mich zu etwas gezwungen fuehlen. Er selbst war mit Schlaegen zur Befolgung der Gebote genoetigt worden, von einem Vater, der in Mea Shearim gross geworden war. Die Mutter hatte ihm nicht geholfen, sie war froh, wenn sie selbst nicht das Ziel der Aggressionen des Ehemannes war.
Solche Extreme gibt es leider auch im Judentum.
Wie furchtbar, wenn man so an eine Religion heran gefuehrt wird, die Liebe beinhaltet. Liebe den Eltern gegenueber, aber auch Liebe fuer die Kinder, die ein Geschenk sind.
Wie soll ein Mensch mit Gewalt lernen, mit G-tt in Liebe in eine Verbindung zu treten?
Es tat weh, ihn mir vor zustellen, als kleinen hilflosen Jungen. Und ich war verwundert, dass er trotz der negativen Kindheit seinen eigenen Umgang mit der Religion gefunden hatte, der voll von Froehlichkeit war. Es war deutlich spuerbar, dass er es liebte, Jude zu sein. Wie leicht haette er sich auch gegen ein orthodoxes juedisches Leben entscheiden koennen, im schlimmsten Falle sogar zu dem Ergebnis kommen koennen, dass Religion etwas ist, was einem Menschen nicht gut tut.

Wir sangen Shabbat-lieder, und diskutierten den Wochenabschnitt, der gerade gelesen wurde.
Aus den Fenstern in der Umgebung schallten die froehlichen Stimmen der Familien und wir versuchten, die zweite Seele, die uns am Shabbat gegeben wird, zu spueren.
Erfuellt von meinen Eindruecken, ging ich unter dem leuchtenden Mond zurueck zu meinem Zimmer.



"Spielzeugland"

Alexander Freydank aus Berlin ist in der Nacht mit einem Oskar fuer den dt. Kurzfilm : "Spielzeugland" ausgezeichnet worden. Die ARD hat ihn soeben gezeigt, 14 min. ist seine volle Laenge.
Beeindruckend auf den Punkt gebrachte Realitaet der Nazi-zeit. 2 kleine Jungen, Freunde, einer der beiden ist Jude. Die juedische Familie weiss, dass sie am naechsten Tag deportiert werden soll. Als der kleine deutsche Junge seine Mutter fragt, warum denn die Mutter des juedischen Freundes so traurig ausgesehen hat, antwortet sie ihm: "Weil sie morgen verreisen wollen." "Wohin denn?" fragt der kleine Heinrich. "Ins Spielzeugland" sagt die Mutter, die ihm nicht die Wahrheit sagen will.
Nun will der kleine Heinrich mit, ins Spielzeugland. Er packt die Koffer aber seinen Mutter erwischt ihn.
Am naechsten Morgen ist er fort. Die Mutter ist in Panik und rennt zum Bahnhof, wo sie 2 SS-Offiziere bekniet, die Waggons zu durchsuchen. Nachdem sie ihren Pass gezeigt hat, und klar ist, dass sie keine Juedin ist, helfen sie ihr. In einem der Waggons stehen dicht gedraengt die Menschen, unter ihnen die juedische Nachbarsfamilie. Von hinten sieht der kleine Junge, der sein Gesicht im Mantel des Vaters vergraebt, aus wie ihr Heinrich und sie ruft erleichtert: "Heinrich!!" Als der Junge sich umdreht ist es David, der Sohn der Familie. Was dann geschieht und wie die Mutter reagiert, werde ich hier nicht verraten. Schaut selbst.
Mich hat der Film in seiner Kuerze und deutlichen Botschaft sehr beruehrt.

Sonntag, 1. März 2009

Die Woche der juedisch-christl. Bruederlichkeit

Wie ich hoere, beginnt morgen die Woche der christl.-juedischen Bruederlichkeit. Fast waere sie geplatzt, durch die Vorkommnisse der letzten Wochen, in denen Thema war, wie der Vatikan die Hand denen entgegenstrecken kann, die die Shoa leugnen. In Deutschland eine Straftat, nach Kirchenrecht, wie ich erfuhr, KEINE Straftat.
Es wird viele Veranstaltungen zum Thema Dialog zwischen Christen und Juden geben, dabei benoetigt es doch wenig grosser Worte, das Zusammenleben, das Sich-leben-lassen. Solange in Bibelkreisen noch gebetet wird um jemanden der sich dem Judentum zuwendet, dass G-tt die arme Verirrte doch wieder auf den "rechten Weg" fuehren moege, solange gibt es meiner Meinung nach keine wahre gleichberechtigte respektvolle Bruederlichkeit.

Maktesh Ramon

Endlose Weite
erreicht das innere Sehnen,
das sich wie auf Fluegeln davon tragen laesst.
Farben fuer das Aquarell der Wueste
Unaufdringlich zart.

Hoerbares Nichts,
das im Wind vorbeizieht
und dir fluesternd von der Ewigkeit erzaehlt.
Verlorener Blick
von fuehlbarer Freiheit
der immer und immer verweilen will
Bleiben will
Der war,
ist
und sein wird,
grenzenlos
zeitlos.

So viel, weil so wenig,
so spuerbar, weil so still,
so tief beruehrt
vom Fragen der Natur.

Wer kennt die Antwort?
Wer hoert das Flehen der Seele,
die fuer Augenblicke
die Tore oeffnet,
denn G-tt und die Welt sind hier eins.

Juni 05

Goldene Nacht

Gedanken
schweben ins Heilige Land
kreisen gierig
über der fragenden Stadt.

Verwundert
doch voller Leben
gepeinigt
und doch voll Stolz
verblutet
und dennoch Quelle
und Ursprung
allen Sehnens dieser Welt.

Nur du kannst stillen
unser Hoffen
Nur du wirst troesten
jede Qual
nur du musst dich
verzweifelt wehren
es schreit nach dir
zehntausendmal.

Im Schmerz der Nacht
fuehlst du die Haende
die traenenrufend zu dir fleh´n
erschoepft, doch laechelnd,
endlos gebend
huellst du uns
in Dein ew´ges Lied.


Juli 05

Giur (5) - Der Alltag mit G-tt


Es war ein anderes Leben, das ich seit einiger Zeit fuehrte. Der Kontakt zu G-tt war im gesamten Tagesablauf spuerbar.
Einige christliche Bekannte fragten damals: Aber wenn man das Christentum richtig lebt, dann hat man doch auch Kontakt zu G-tt.
Das stimmt, und doch war es anders.
Wenn man glaeubiger Jude ist, schlaegt man am Morgen die Augen auf und sagt die erste Bracha (Segensspruch).
Uebersetzt: Ich danke dir, Koenig, Lebender und immer Bestehender, dass Du mir in Barmherzigkeit meine Seele wieder gegeben hast, gross ist deine Treue.

Die Seele, die uns am Morgen wieder gegeben wird, bekommt eine neue Moeglichkeit. Wir sind dankbar dafuer, ein neues Kapitel aufschlagen zu koennen, neue Chancen zu bekommen, wir leben. Und den neuen Tag sollten wir in den Dienst des Schoepfers stellen.
Es gibt den ganzen Tag ueber viele solcher Brachot, in denen wir G-tt danken. Unter anderem ein Segensspruch nach dem Gang zur Toilette, was erst einmal fuer einige verwunderlich sein duerfte. Hoert man sich den Inhalt an, so wird man als glaeubiger Mensch den Sinn schnell verinnerlichen. Wir bedanken uns fuer diese komlizierte "Maschinerie", die sich in unserem Koerper verbirgt.
Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, der den Menschen mit Weisheit geformt und an ihm viele Oeffnungen und Hoehlungen erschaffen hat. Es ist vor dem Thron Deiner Herrlichkeit offenbar und bekannt, dass, wenn eine von ihnen sich oeffnet oder eine von ihnen sich schliessen wuerde, es nicht moeglich waere zu existieren und vor Dir zu stehen. Gelobt seist Du, Ewiger, der alles Fleisch heilt und wunderbar wirkt.

Wir sehen, dass jede winziges Zelle unseres Koerpers mit Bedacht erschaffen wurde und ihre Aufgabe hat. Sollte auch nur ein Teil davon in Unordnung geraten und Oeffnungen sich ploetzlich schliessen (z.B. Darmverschluss, Nierenversagen....) oder umgekehrt sind wir in Lebensgefahr.
Zugegeben, das wissen wir alle, aber der juedische Alltag stellt immer wieder den Kontakt her, zum Himmel, laesst uns wieder und wieder die Dankbarkeit ausdruecken, fuer das, was wir sind und wie wir sind. Der Koerper wird geehrt, da er das Haus fuer die Seele ist.

Es gibt vor jedem Essen eine Bracha, je nachdem, woraus die Speise in ihren Hauptanteilen besteht. Eine Bracha fuer Brot ist anders, als eine Bracha fuer Obst oder Gemuese.
Nach dem Essen ist der Dank fuer das Genossene etwas laenger als die Bracha davor, da das Judentum eine sehr menschliche Religion ist. Man soll erst essen und satt werden, denn wenn man Hunger hat, faellt es vielleicht schwer, noch ein langes Tischgebet zu sprechen. Aber danach zu danken, wird doch verlangt.
So begleiten den Menschen viele dieser Brachot und Gebete durch den Tag. Staendig wird man sich der g-ttlichen Gegenwart bewusst, wie es sehr anschaulich in einem Psalm heisst: Ich habe den Ewigen stets vor Augen.

Und dieser immer wieder kehrende Dank faellt einem dann auch auf, wenn man zum ersten Mal einem juedischen G-ttesdienst folgt. Er besteht zum groessten Teil aus Psalmen des Danks, des Lobes und der Verherrlichung.
Natuerlich ist es nur zu menschlich, dass wir auch Sorgen, Kummer und Bitten haben, die wir vortragen duerfen und sollen. Jedoch geht immer der Dank voran.

Das hat mir von Anfang an gefallen. Das, und die Tatsache, dass es im Judentum immer um Taten geht, noch vor dem Lernen. Der Babylonische Talmud sagt "Das wichtigste Torastudium ist jenes, das zu Taten fuehrt" .
Man geht davon aus, dass ein intensives Lernen der Tora immer dazu fuehrt, dass man sich menschlich gegenueber dem Naechsten verhaelt.


So lernte ich, mehr zu integrieren in meinen Alltag von dem, was das Judentum ausmacht. Regelmaessig traf ich mich mit dem Rabbiner, um meine Fragen zu stellen, die sich im Laufe der Zeit anhaeuften. Immer ging ich beseelt nach Hause, wieder gestaerkt fuer neue Studien und immer sicherer, dass es genau das Richtige ist, was ich im Begriff war, zu tun.
Ich spuerte die tiefe Verwurzelung, spuerte meinen Ursprung und es wurde von Tag zu Tag deutlicher, dass ich den Antrag auf Giur stellen wuerde.

Volontaere unter sich


Will man ein Volontariat in Israel machen, so bieten sich sicher mehr Moeglichkeiten als in einem anderen Land.
Die meisten, von Deutschland aus gestarteten Projekte, sind christlicher Art. Es gibt Gaestehaeuser in Jerusalem, Tabgha am See Genezareth und in anderen Staedten. (heilig-land-verein) (Ö.H), aber auch juedische Einrichtungen, in denen behinderte Menschen leben (San Simon) oder Altenheime (Mishan), in denen ein Volontariat moeglich ist, sowie Kibbutzim. Am besten man forscht einmal auf den Volontaers-seiten (Volontariate) und sucht sich dann etwas aus, was am besten zu einem passt.
Volontaers-unterkuenfte sind in der Regel einfach und schlicht, bis "herunter gekommen", da das Geld fuer Renovierungen fehlt. Man arbeitet immer nur gegen Kost und Logis und im besten Fall gegen ein kleines Taschengeld von umgerechnet nicht mehr als 120 €.
Das Essen ist fast immer reichlich, nur wird es problematisch, wenn man sich kosher ernaehren will. Fuer diese Faelle sollte man schon vorher genau nachfragen, wie die Gegebenheiten sind. Denn auch wenn es eine juedische Einrichtung ist, arbeiten dort meistens christliche Jugendliche oder Aeltere aus dem Ausland und daher wird in den Gemeinschaftskuechen der Volontaersunterkuenfte dann nicht auf einen kosheren Haushalt geachtet.

Die Volontaere kommen aus der ganzen Welt und im besten Fall koennen sie sich mit ihren sehr unterschiedlichen Beweggruenden fuer solch eine Aktion bereichern. Im schlimmsten Fall koennen sie sich auch das gemeinsame Leben schwer machen.
Ich habe sowohl das eine, als auch das andere erlebt und ich kann nicht sagen, dass es dadurch, dass ich Juedin geworden bin, leichter geworden ist, im Gegenteil.

Bei meinem ersten Volontariat war ich noch Christin in einem christlichen Guesthouse. Meine VolontaerskollegInnen waren wunderbare Menschen (siehe"Mein erstes Volontariat in Jersualem") und wir sind alle mit sehr viel Respekt und Achtung vor der Geschichte des anderen umgegangen. Ich glaube auch, dass unser Miteinander nicht anders gewesen waere, wenn ich schon damals Juedin gewesen waere. Wir hatten ein ehrliches Interesse fuereinander und ein großes Maß an Ruecksicht. Selten habe ich solch eine Kombination wieder erlebt.

Als ich zum zweiten Mal in diesem Haus war, war mein Weg zum Judentum schon weiter fortgeschritten und es war fast schon VOR Antritt des Volontariats klar, dass es sehr schwierig sein wuerde fuer mich.
Meine Volontaers-kollegInnen hatten nicht viel Verstaendnis fuer meinen Lebensweg, von dem ich ihnen dann aber auch nicht viel erzaehlt habe, nachdem ich eine Schluesselsituation erlebte, im Hausflur, beim Flur wischen.
Ich hatte bemerkt, dass Selma, eine der Volontaerinnen, zwei Shabbatlichter auf dem Fenstersims stehen hatte, und fragte sie nun: " Kann es sein, dass du auch zum Judentum konvertieren willst, ich habe deinen Shabbatleucher gesehen..?"
Sie meinte: "Nein, ich interessiere mich nur dafuer, weil das Judentum ja die Wurzel des Christentums ist. Aber ich lebe beides."
"Ach, interessant", sagte ich zu ihr, "es gibt so viele unterschiedliche Arten, Religion zu leben, und die Hauptsache ist fuer mich, den anderen so sein lassen zu koennen, wie er ist. Vor allem nicht missionieren zu wollen."
Sie hob den Kopf und als haette ich etwas ganz Furchtbares gesagt, blitzte sie mich an: "Nein, wenn du mit Missionieren meinst, den anderen die Moeglichkeit zu geben, auch erloest zu werden, dann gebe ich dir nicht recht."
Ich schuettelte den Kopf und verstand nicht.
"Ich weiss, dass unser Herr J.... uns erloest hat. Das sollen die Juden auch wissen, und daher werde ich ihnen immer davon erzaehlen, damit auch sie diese Moeglichkeit haben, dahin zu kommen."
Meine Antwort kam aus tiefstem Herzen:"Und wenn sie es gar nicht hoeren wollen?..." sie schwieg dazu und von da an, sprachen wir nicht mehr viel miteinander.
Ich wollte es nicht glauben, dass es fast unmoeglich ist, sich so sein zu lassen wie man ist, vor allem oder eher gesagt fast nur in einem Bereich wo sich Menschen begegnen, die religioes leben.

Spaeter hoerte ich noch Saetze wie: " Wenn den Juden endlich klar wird, was fuer einem großen Irrtum sie unterliegen..."
und diese Art von Hochmut machte mich sprachlos. War es nicht Hochmut, der daraus sprach? Wer kann derart ueberzeugt sein von seiner Art zu glauben, dass er dem anderen nicht seinen Raum laesst, seinen eigenen Weg mit G-tt zu gehen?

Von meinem Rabbiner wurde mir gesagt: "Du musst nicht Giur machen. Du kannst Christ bleiben. Jeder, der ein guter Mensch mit guten Taten ist, hat Anteil an der kommenden Welt. Es ist also gar nicht noetig, dass du dafuer Juedin wirst."
Aus diesen Saetzen habe ich soviel Respekt und Achtung gehoert, wie ich es leider umgekehrt nie erlebt habe, es sei denn von Menschen, die zwar an G-tt glauben, aber sich nicht als sehr religioes bezeichnen.

Ein Jahr spaeter war ich in einer juedischen Einrichtung fuer behinderte Menschen. Ich hatte mir diese Einrichtung ausgesucht, um ein juedisches Umfeld zu haben, um kosher essen zu koennen, wenigstens im grossen Speisesaal. Im privaten Bereich der Unterkuenfte musste ich dann so fuer mich sorgen, dass ich mir eigenes Geschirr anschaffte und auch im Kuehlschrank ein Fach fuer mich hatte.
Es war die Zeit vor Pessach und die Leiterin der Einrichtung sagte, wir sollen unsere Unterkunft frei von Chametz machen. ( Zu Pessach isst man nichts Gesaeuertes, 7 Tage lang kein Brot, keine Nudeln, kein Kuchen usw. dafuer wird statt Brot Mazze gegessen, eine Art "Knaecke-brot", was bei der Herstellung bestimmte Zeiten nicht ueberschreiten durfte, damit es nicht saeuert. Der Hintergrund liegt darin, dass Pessach das Fest des Auszugs aus Aegypten ist und die Juden damals schnell aufbrechen mussten. So hatten sie keine Zeit ihren Teig saeuern zu lassen und nahmen ihn so mit auf die Reise. Im Gedenken daran und auf G-ttes Geheiss : Sieben Tage sollst du kein Gesaeuertes essen.., macht man den Haushalt vorher voellig frei von Chametz=Gesaeuertes).
Mit mir zusammen wohnten 2 Daeninnen, eine Finnin und eine Hollaenderin, die sich absolut nicht daran hielten. Sie fragten nicht einmal nach dem Ursprung, ignorierten die Bitten der Leiterin und kauften weiter ihr Brot. Es gab keinen Dialog mit mir, obwohl sie wussten, dass ich ein juedisches Leben fuehre.
Am letzten Morgen vor dem Seder-Abend (das ist der Abend, an dem man den Auszug aus Aegypten in der Familie nachvollzieht mit einer ganz bestimmten Ordnung und einem gedeckten Seder-Tisch) wird das uebrige Chametz was noch im Haushalt war, symbolisch verbrannt. An jeder Ecke der Stadt stehen Container und die Menschen treffen sich dort. Ueberall riecht es nach Feuer und Verbranntem. Die Menschen stehen an den Feuern und sprechen die Bracha (den Segensspruch, den man ueber das Verbrannte spricht).
Meine Kolleginnen schafften es, sich auch darueber aufzuregen, "wie kann es denn sein, dass man Essen verbrennt. Das ist Suende."
Es gab nicht einmal eine interessierte Frage, wozu das alles gut ist, oder woher dieser Brauch stammt. Es ist ja nicht so, dass willkuerlich Mengen an Chametz verbrannt wird. In den Haushalten wird in den letzten Tagen und Wochen vor Pessach alles verbraucht, um dann den Rest in einem symbolischen Akt zu verbrennen.
Ich werfe ihnen nicht die Unwissenheit vor, sondern die Tatsache, wie uninteressiert sie waren, obwohl sie sich ein juedisches Haus in einem juedischen Staat ausgesucht hatten, fuer ihr Volontariat.
Eines der Maedchen kam immer mit grosser Freude von ihren Treffen aus einer Kirche in Jerusalem. Sie sagte mir, wo sie hinging, und ich habe ihr auch erzaehlt, wenn ich einen schoenen Shabbat hatte, in meiner Lieblings-synagoge.
Anfangs hatte ich die Hoffnung, mit ihr sei es anders, sie respektiert, dass ich in meiner Religion die Erfuellung finde, die sie auf ihrem eigenen Weg empfindet. Bis sie dann mit einem Buch in der Hand ankam und mir die Stelle zeigen wollte, die beweist, dass Christen doch recht haben. Sie hatte einen Satz parat, der in etwa aussagte, "wenn die Juden merken, wen sie da umgebracht haben..." woraufhin ich doch entsetzt war.
Hatte es der Vatikan geschafft, schon vor Jahrzehnten, diesen Vorwurf an die Juden als falsch zu erklaeren, so gab es junge aufgeklaerte Menschen im Alter von Anfang 20, die dieses Vorurteil weiter schuerten.
Wollte ich beten, so musste ich in den Park fluechten. Es gibt im Judentum ein Gebet, wo man sich nicht stoeren lassen darf, nicht auf Fragen antwortet, sondern sich nur dem Zwiegespraech mit G-tt widmet. Es ist die Amida oder Shmone-Esre, und wie der Name Amida (=Stehen) es schon sagt, spricht man es im Stehen. Nachdem ich ein paarmal angesprochen worden bin, habe ich es ihnen erklaert, aber meine Bitte, mich wenigstens diese paar Minuten nicht zu stoeren, blieben ungehoert. So stand ich entweder schon um 5 Uhr auf um allein zu sein oder ich ging in den Park.


Mein letztes Volontariat im Altenheim war sehr gemischt, was meine Erfahrungen mit den Mit-bewohnern anbelangte. Anfangs gab es einen Juden aus Kanada, der die zwei Maedels aus Holland schon gut "eingefuehrt" hatte in ein paar juedische Sitten und Gebote. Sie schauten noch etwas befremdet, wenn einer von uns eine Bracha sprach oder am Shabbat die Lichter angelassen wurden, trauten sich aber - zumindest solange er da war - nicht, eine Bemerkung zu machen.
Erst, als ich allein war als Juedin, versuchten sie, mir klarzumachen, dass die Ausfuehrung der Gebote doch wirklich ueberfluessig war. Die Aeltere der beiden sagte auch an einem Tag unmissverstaendlich zu mir, sie glaube nicht, dass es G-tt darauf ankaeme, und schliesslich stuende im "Neuen Testament" auch, dass man sich von den Geboten befreien soll.
Als ich ihr entgegnete, dass es fuer uns Juden kein "Neues Testament" gibt, weil es auch kein "Altes" gibt, wir nennen es Tora und die Tora wird immer bestehen, sie wird niemals ersetzt werden koennen durch eine etwaige "Neue Version", war sie fast beleidigt.
Beide Frauen, - auch die, die spaeter in einem Kibbutz Giur machen wollte - beschwerten sich dann an einem Shabbat bei mir, sie wuerden in Angst leben, seit ich meinen Micham aufstelle (das ist ein Geraet, was das Wasser heiss haelt am Shabbat...) . Die elektrischen Leitungen in Jersualem seien mit Sicherheit veraltet, so dass irgendwann ein Feuer ausbrechen koenne, wenn der Stecker auch unbeobachtet in der Steckdose steckt.
Auf meine Frage, was sie denn glauben, wie die religioesen Familien hier in Jerusalem das machen, die ja auch in alten Haeusern leben, wussten sie dann auch keine Antwort.

Als sie beide abgereist waren konnte ich aufatmen und 2 Wochen spaeter wurde mir eine neue Volontaerin angekuendigt.
Odelya hiess sie und unsere Sozialarbeiterin sagte mir: "Die Geschichte dieser Frau wird dich interessieren. Sie hat erst vor ein paar Jahren entdeckt, dass sie Juedin ist und sie ist in deinem Alter."
Mit Odelya verband mich gleich eine freundschaftliche Verbundenheit. Sicher kam es auch dadurch, dass wir ein gemeinsames Thema hatten, aber es war auch ihre Art, mit viel Achtung und Respekt dem anderen zu begegnen. Wir haben uns gegenseitig sehr vorsichtig behandelt, waren jeder an der Geschichte des anderen interssiert und hatten doch unser Eigenleben in der Unterkunft.
Odelya hatte in den letzten Jahren, nachdem klar war, dass sie Juedin ist - ihre Mutter hatte es ihr verschwiegen bis ueber den Tod hinaus - Verwandte in Israel kennen gelernt, und das Grab ihres Grossvaters in Jerusalem gefunden. Alles war sehr aufregend fuer sie und sie hatte nie ein juedisches Leben gefuehrt. Sie hat immer geglaubt, sie sei Christin.
Mit ueber 50 ploetzlich zu erfahren, dass man Juedin ist, das musste erst verarbeitet werden. Durch die Entdeckung ihrer Vergangenheit war sie natuerlich sehr an juedischem Leben interessiert und ueber vieles, was ich im Alltag umsetzte, haben wir stundenlang geredet. Sie war eine wirkliche Bereicherung in meiner Unterkunft und wir haben immer noch Kontakt.

Jeder wird und muss sicher seine eigenen Erfahrungen sammeln mit den Menschen, die ihm begegnen, waehrend eines Volontariates.
Wenn ich eine Bitte an alle zukuenftigen Volontaere richten darf, dann ist es die, den anderen mit dem groesstmoeglichen Respekt zu behandeln, und bei Unverstaendnis ehe er ein Urteil faellt, mit ehrlich gemeintem Interesse nachzufragen.
Wird es dann gelingen, - auch wenn einem der Sinn mancher Ungereimtheit nicht klar wird- den anderen so sein lassen zu koennen, wie er ist, ohne zu versuchen, ihn von der Richtigkeit seiner Religion und Anschauung ueberzeugen zu wollen, kann es ein gelungenes Miteinander mit großer menschlicher Bereicherung werden.