Donnerstag, 30. April 2009

Buchtipp: Feindbild Judentum

Feindbild Judentum. Antisemitismus in Europa

von Rensmann und Schoeps

Gerade habe ich bei Hagalil einen Buchtipp entdeckt, der interessant erscheint. Lest selbst HIER die Buchbeschreibung.
Unter anderem heisst es dort:

„Wer“, so schreiben Rensmann und Schoeps im Vorwort, „Antisemitismus aus dem realen Verhalten von Juden oder Israelis ableitet oder darin begründet sieht, folgt selbst einer antisemitischen Logik, welche die falsche Verallgemeinerung übernimmt.“

Ein Zitat von Sartre, das ich noch nicht kannte: "Wenn es den Juden nicht geben wuerde, wuerde der Antisemit ihn erfinden"

Israel weg von der Landkarte

Wie Haaretz meldet, hat die Britische Airline BMI sich dafuer entschuldigt, dass auf einer elektronischen Landkarte, die waehrend des Fluges erscheint, Israel nicht vorhanden war.
Kurz vorher hatte ein Radiosender von der Army mitgeteilt, dass auf den Fluegen London-Tel Aviv Israel und seine Staedte nicht eingezeichnet waren, um Aerger mit den muslimischen Fluggaesten zu verhindern. Lediglich Haifa war zu erkennen, unter seinem arabischen Namen Khefa.
BMI aeusserte, dass eine jetzt nicht mehr bestehende Airline, die vorwiegend arabische Staaten im Mittleren Osten anflog, die Maschine, in der sich die Landkarte befand, uebernommen hatte. Dort wurden Ort wie die Heilige Stadt Mecca markiert.
Nach Aussagen von BMI hatte man gefordert, die Landkarte zu entfernen, es hatte aber technische Fehler gegeben.

Nun will BMI fuer neue Landkarten sorgen und in der Zwischenzeit andere Flugzeuge fuer Fluege nach Israel benutzen.
Immerhin wird Israel von BMI zweimal taeglich angeflogen.
BMI will keinesfalls die Gefuehle seiner Passagiere verletzen und keine politische Position beziehen.
BMI fliegt von England aus diverse muslimische Zielorte an, unter anderem Syrien, Libanon, Iran, hat aber auch ein Abkommen mit dem Tourismusministerium, um Israel in seinen Flugplan mit aufzunehmen.


Nachdenklich - ein Israelposter als Provokation?

Heute beim Anbringen der Poster.
Nachdem ich heute und gestern ca. 20 Poster in kirchlichen Gemeindehaeusern, Cafés und Buchhandlungen, anbringen durfte (einige waren generell gegen ein "Zukleben" ihrer Fenster-und Tuerscheiben, aber das war bevor ich mein Poster zeigte und hatte nichts mit dem Thema "Israel" zu tun) kam heute ein Einwand, der mich nachdenklich stimmte, ein wenig traurig und wuetend zugleich machte.
Ich frage in unserem kleinen Café um die Ecke den Besitzer, ob ich mein Poster anbringen kann. Er willigt ein und ich mache mich an die Arbeit, packe die Klebestreifen aus und lege das Poster vor mich hin.
Da kommt er auf mich zu und sagt: "Sag mal, ist das nicht unguenstig vor morgen? Am 1. Mai sind doch immer die Kundgebungen, wo auch Autonome und die Neo-nazis sich tummeln. Letztes Jahr war gerade hier im Viertel richtig Randale, brennende Muelltonnen und rausgerissene Steine hier vor der Tuer. Also ich habe keine Lust auf 'ne eingeschmissene Fensterscheibe, nur weil ich ein Israel-Poster am Fenster habe!"
Tja, da war es also wieder. Die ganze Zeit habe ich auf irgend einen Kommentar gewartet und war positiv ueberrascht, dass nichts kam. Und jetzt das. Und ich konnte ihn sogar ein bisschen verstehen.
Ich sagte: " Das musst du entscheiden." Er bot mir dann einen Platz "auf dem Weg zur Toilette" an, wo oefters Plakate haengen.

Ich habe nichts gegen diesen Platz, weil jeder mal zur Toilette muss und so auf die Veranstaltung aufmerksam wird.
Es kamen mir nur die Erinnerungen an eine Demo gegen den Gazakrieg im Ruhrgebiet, wo von Polizisten eine Israel-fahne aus dem Fenster einer Privatperson entfernt wurde, da sich die Anti-Israel-Demonstranten dadurch provoziert fuehlten. Das sollte zur Deeskalation beitragen, wie sie erklaerten. Spaeter hat sich der Polizeichef entschuldigt und zugegeben, dass es eine voellig falsche Maßnahme war.
Daran musste ich also denken. Ich frage mich, ob wir Steine werfende Demonstranten provozieren, wenn wir ein Israelposter im Fenster haengen haben. Und ich frage mich, ob es richtig ist, wenn man sein Handeln nach den poebelnden gewalttaetigen Extremisten richtet. Ich frage mich aber auch, wie wir sonst damit umgehen sollten, denn wie wuerde ich handeln, wenn ich Sorge um meine Scheiben haette, und das nicht ungerechtfertigt.
Ich will mich einfach nicht damit abfinden.
Und ich weiss, dass meine Kinder dazu sagen wuerden: "Ja, Mama, aber dann bist du selber schuld, wenn dir was passiert. Was musst du den Poebel auch erst aggressiv machen?"
Ist das tatsaechlich so? Sind sie nicht sowieso schon aggressiv, auch ohne einen Anlass?
Mein bester Freund Jacov aus Israel sagte dazu: " Er hat hundert Prozent richtig gehandelt, der Besitzer. Und ich habe dir bei deinem Giur gleich gesagt, dass du in eine komplizierte, angefeindete Welt eintrittst!"
Ich aergere mich nicht ueber den Besitzer des Cafés, ich aergere mich darueber, dass ich keine andere Loesung weiss.

Am 7.Mai ist Israeltag - deutschlandweit!

Heute werde ich meine "Poster-aktion" fortsetzen. Den Israeltag gibt es deutschlandweit schon in ca. 60 Staedten.
Wir sind zum ersten Mal dabei und hatten nur wenig Zeit zur Vorbereitung. Im Maerz war bei uns eine Veranstaltung von ILI, bei der der Anstoss gegeben wurde.

In einigen Buchhandlungen, Kirchen und Cafes haengt seit gestern unser Poster. Ich bin sehr gespannt, wie es wird, und ob viele kommen. Klappt wohl alles, haben wir an alles gedacht? Werden die Helfer, die zugesagt haben, auch wirklich da sein? Wie wird unser Buehnenprogramm mit Moti Ben David und wie kommt die Aktion bei der Bevoelkerung an?
Und vor allem: Bleibt es trocken?
Wird es gelingen, den Besuchern ein Bild von Israel mit zu geben, das sich von den Bilder im TV unterscheidet? Die meisten wissen nichts von Israel als Urlaubsland, als Moeglichkeit zum Studieren, anderen Dienst im Ausland und Volontariate zu absolvieren.
Ich wuensche uns ein gelungenes Fest mit viel Sonne!

Mittwoch, 29. April 2009

1038 Tage - Gilad

Gilad Shalit - wir haben dich nicht vergessen, auch wenn wieder einmal kaum ein Wort verloren wird ueber eine Rueckkehr, die Befreiung und das groesste Glueck der Eltern, endlich wieder ihren Sohn gesund und heil in die Arme schliessen zu koennen.
Gibt es noch Verhandlungen hinter verschlossenen Tueren?
Werden wir bald deine Rueckkehr miterleben koennen?

Filmtipp: "Geh und lebe"

Der Film von Radu Mihaileanu handelt von einer Minderheit innerhalb der Minderheit der Juden. Schwarze Juden aus Aethiopien, die ihre Identitaet geheim halten mussten, um zu ueberleben.
In zwei Nacht-und Nebelaktionen des israelischen Geheimdienstes - Operation Moses und Operation Salomon - wurden 8000 und 15000 aethiopische Juden nach Israel eingeflogen und so geretttet.
Eine christliche Aethiopierin gibt ihren Sohn als Juden aus, damit er - ohne sie - nach Israel fliehen kann und so dem Hungertod entgeht.
Der Junge erlebt die vielfaeltigen Diskriminierungen, mit denen man die schwarzen Juden aus Aethiopien bedachte und darf auf keinen Fall sein Geheimnis preisgeben, gar kein Jude zu sein.
Ein bedeutungsvoller Film ueber eine der juedischen Gruppierungen in Israel, deren Existenz vielen Menschen gar nicht bekannt ist.

Dienstag, 28. April 2009

Yom haAzmaut - Unabhaengigkeitstag (Video)


Wenn Ihr wollt, ist es kein Maerchen...


sagte Theodor Herzl schon, und meinte damit seine Vision von der Gruendung eines Judenstaates. 50 Jahre spaeter - leider hat er es nicht mehr erleben duerfen - war es dann soweit. Am 14. Mai 1948 gab es endlich eine Heimat fuer alle Juden auf der ganzen Welt.
Heute feiert Israel seinen 61. Geburtstag. Ein Volk hat endlich ein eigenes Land. Es ist die Lebensversicherung fuer alle Juden.
Seit mehreren tausend Jahren wurden Juden immer wieder das Ziel von Verfolgung, Diskriminierung und Antisemitismus, der dann in Nazi-deutschland in einer bis heute nicht vorstellbaren Grausamkeit gipfelte.
Die Taeter waren keine Monster, sie waren Menschen wie du und ich. Sie waren meist Familienvaeter wie der Nachbar von nebenan.

Solch ein Ausmaß an Grausamkeiten und Mordmaschinerie ist heute nicht mehr denkbar (obwohl ich auch da nicht ganz so sicher bin) und doch sind Juden nicht beliebt, es gibt Vorurteile, Misstrauen und Unwissen.
Umso wichtiger ist der Fortbestand eines Landes, das uns als juedischem Volk Schutz bieten kann.
An Tagen wie diesen waere ich lieber dort, bei meinem Volk, als hier in der Diaspora, wo ich nur in der Gemeinde Gleichgesinnte finde und meine Gefuehle teilen kann.
Wir haben den Abend mit Gebet, Musik, Freude und Falafel gefeiert.
Happy birthday, Israel. Du bist unsere geliebte Heimat!

Yom haSikaron - Tag des Gedenkens

Wir gedenken heute aller in Israels Kriegen gefallenen Soldaten und der Menschen, die durch Terroranschlaege ums Leben kamen.
Im Radio kommen Eltern zu Wort, die ihre Kinder verloren und deren Leben seitdem zerstoert ist. Manche gehen taeglich ans Grab, sitzen Stunden dort, um ihrem Kind nahe zu sein und ihm von ihrem Leben zu erzaehlen.
Um 11:00 israelischer Zeit (MEZ ist dann 10:00) wird in Israel 2 Minuten die Sirene erklingen, und das oeffentliche Leben, auf den Strassen, in den Schulen und bei der Arbeit steht absolut still.
Gegen Sonnenuntergang geht die Trauer in die Freude und den Anfang des Yom haAzmaut ueber, des Unabhaengigkeitstages, den Israel feiert.
Trauer und Freude gehen manchmal Hand in Hand und sind sehr oft wie Geschwister.
Wir werden uns immer an Euch erinnern!

Montag, 27. April 2009

Von Mensch zu Mensch

Ein Nichtjude kam zu Rabbi Shammai und fragte ihn: "Lehre mich die Tora, waehrend ich auf einem Bein stehe!" Rabbi Shammai stiess ihn fort.
Der Schueler ging zu Rabbi Hillel und stellte seine Frage: "Lehre mich bitte die Tora, waehrend ich auf einem Bein stehe!"
Hillel antwortete ihm: "Das werde ich: Behandele niemanden so, wie du selbst nicht behandelt werden willst. Das ist die ganze Tora. Der Rest ist Auslegung. Nun geh' und lerne!"

Ich wuensche mir von Andersglaeubigen, dass sie mich respektvoll meinen Glauben ausueben lassen, dass sie die Unterschiede unserer verschiedenen Religionen achten und nicht ver-achten, den Charakter, den meine Religion ausmacht nicht verurteilen und als falschen Weg bezeichnen, nur weil er nicht der ihre ist.
Ich wuensche mir, dass sie mich als Mensch sehen, als Mit-mensch.

Ich wuensche mir, dass die Menschen, zu deren Volk ich nun seit einiger Zeit gehoere, mir und anderen das Leben nicht unnoetig erschweren, indem sie im eigenen Volk verachten, be-und verurteilen und sich dazu berufen fuehlen, entscheiden zu koennen, wer der "bessere Jude" ist. Ich wuensche mir, dass die Menschen meines Volkes mich unabhaengig davon achten, welche Synagoge ich besuche, welche Kleiderlaenge ich trage, mit wem ich Kontakt habe und ob ich bereits von Geburt an, oder "nur" durch Giur Juedin bin.
Ich wuensche mir, dass sie mich als Mensch sehen, als Mit-mensch.

Ich wuensche mir, dass ich es schaffe, mich jeden Tag neu zu bemuehen, Menschen, die eine andere Religion haben als ich, zu achten und ihre Sitten und Gebraeuche zu respektieren, Menschen, die zu meinem Volk und meiner Religion gehoeren, nicht danach einzuschaetzen, welche Gebote sie umsetzen und in welche Synagoge sie gehen, ob sie kosher leben oder saekular.
Ich wuensche mir, sie immer als meine juedischen Geschwister zu sehen, und in erster Linie als Mensch, als Mit-mensch.

Sonntag, 12. April 2009

Israel mit meinen Augen

"Was liebst du denn so an Israel?" ist eine Frage, deren Beantwortung fuer mich lange Zeit beanspruchen kann, spreche ich mit jemandem, der wahrhaft interessiert gefragt hat.
Bei der Beschreibung und der Suche nach Worten tauche ich immer wieder ganz tief in meine inneren Bilder von Israel ein. Wie gern wuerde ich denen, die mich fragen, genau erklaeren, was ich meine, wenn ich von Israel spreche, aber nur wer einmal dort war, kann es wirklich im Detail nachvollziehen.

Ich erinnere mich an die ersten Tage in diesem heiligen, unheiligen Land. Ich hatte mir Tel Aviv ausgesucht, fuer meine ersten Schritte im Mittleren Osten. Ein wenig war ich schon verunsichert worden durch die Fernsehbilder, wie jeder hier, der noch nie dort war.
Es war die Vorstellung, an jeder Ecke wuerde Gefahr lauern, die durch die Berichte hervor gerufen wird.
Ich wollte in einem "normalen" Hotel wohnen, und die ersten Tage in einer pulsierenden Grossstadt verbringen, bevor ich mich an "gefaehrlichere" Ziele, noch dazu als allein reisende Frau, wagte.
Dieses gefaehrliche Ziel war Jerusalem. Eine Freundin eines Bekannten hatte mir eingeschaerft: " In Jerusalem wohnen? Auf keinen Fall!! Am besten, du wohnst die gesamten 3 Wochen in einer Wohnung in Tel Aviv, und machst von dort aus alle Ausfluege."
Auch bevor ich zum ersten Mal dort war, war mir klar, dass ich auf diesen Rat nicht hoeren wuerde.

Ich sehe mich, wie ich am ersten Tag den weissen Strand von Tel Aviv entlang gehe, Richtung Jaffo, um dann fasziniert dort in einem kleinen Park zu sitzen und auf die Hochhaeuser der modernen Stadt zurueck zu schauen. Es war, als ob ich mithilfe einer Zeitmaschine in eine andere Zeit blicken wuerde.
Auf dem Shuk haCarmel gab es die buntesten Obst-und Gemuesestaende, die ich je gesehen hatte, Tomaten schmeckten nach Tomaten und nicht nur nach Wasser. Israel ist auf keine Einfuhr von Obst angewiesen. Alle Farben, die man auf dem Markt sieht, sind im Land gewachsen.
In der Nacht gibt es keine Ruhe vor hupenden Autos. Tel Aviv schlaeft nie, sagt man und so empfand ich es auch.

Ich hatte ein Leihauto und lernte erst einmal, dass man in Tel Aviv wenig Moeglichkeiten hat, zu parken. Es grenzt an ein kleines Wunder, wenn gerade jemand weg faehrt.
Ich beobachtete interessiert das Entzuenden der ersten Chanukka-kerzen in der Hotel-lobby. Haette mir damals jemand gesagt, dass ich ein paar Jahre spaeter als Juedin die Kerzen meines eigenen Chanukkaleuchters anzuenden wuerde, ich haette ihn fuer verrueckt erklaert.
Die zweite Stadt, die ich von Tel Aviv aus besuchte, war Haifa. Ein Mann, den ich im Flugzeug kennen lernte, wohnte dort mit seiner Familie und versprach mir, mir einen kleinen Einblick von Haifa geben zu wollen.
Ich fuhr die Kuestenstrasse entlang und sah schliesslich schon von Ferne die Berge des Carmel.
Am Strand unterhielten wir uns erst einmal bei Cafe und Bier. Wir sprachen ueber die Angst vieler Menschen, nach Israel zu kommen und Itai sagte: "Ich sage immer, wenn man mich fragt: Ja du hast Recht. Israel ist gefaehrlich! Es ist tatsaechlich sehr gefaehrlich, uber die Strasse zu gehen hier."
Das sagte er, weil man durch all die Meldungen von Terror-anschlaegen leicht vergisst, dass die meisten Menschen in Israel durch Verkehrsunfaelle umkommen.

Itai zeigte mir anschliessend einen der schoensten Plaetze in Haifa, hoch auf dem Carmel am oberen Eingang zum Bahai-Tempel.
Der Begruender der Bahai-Religion liegt hier begraben und man hat ihm einen riesigen Schrein errichtet, inmitten von peinlich sauber gepflegten Parkanlagen. Oberhalb des Schreins gibt es 9 Terrassen voller Blumen, Wiesen und Pflanzen, die man unterhalb des Schreins stehend nicht sehen kann.
Unterhalb des Schreins gibt es ebenfalls 9 Terrassen. Diese sieht man nicht, wenn man sich oberhalb des Schreins befindet.
Der Bick von oben gibt die Sicht - bei klarem Wetter - bis zum hoechsten Berg Israels, dem Hermon frei, auf dem es im Winter sogar moeglich ist, Ski zu fahren und man sieht bis zum Libanon ueber die grosse eindrucksvolle Hafenbucht hinweg.

Voller Erwartung war ich allerdings, weil es 4 Tage spaeter nach Jerusalem weiter gehen sollte. Jerusalem war die Geheimnisvolle, die Verwundete und Umkaempfte.
Alle drei monotheistischen Religionen beanspruchen sie als die ihre, als koenne sie jemandes Eigentum sein..
Wie wuerde es sein, durch die Gassen zu gehen? Wuerde ich etwas von der spirituellen Energie spueren, ueber die alle sprachen?

Nun, der Tag begann wenig spirituell mit Regen.
Trotzdem war ich sprachlos, wie sehr die Landschaft zwischen Tel Aviv und Jerusalem sich ploetzlich veraenderte. Immer bergiger wurde es rechts und links der Strasse und Saeulenzypressen saeumten kerzengerade den Weg, als wuerden sie dem Reisenden stolz die heilige Stadt ankuendigen.
So bergig hatte ich es mir nicht vorgestellt, um Jerualem herum.

In meiner grossen Naivitaet hatte ich mir keinen Stadtplan besorgt. "Man kann sich ja durchfragen", dachte ich. Schliesslich suchte ich meine Bleibe gegenueber einem der bekanntesten Stadttore, dem Damaskustor. Das kannte sicher jeder. Und Jerusalem war ja nicht so gross.
Woher ich das hatte, dass Jerusalem nicht gross ist, weiss ich nicht. Ich bekam es an der ersten Tankstelle zu spueren, wie sehr sich ein Stadtplan bezahlt gemacht haette.
" Do you know the way to the damaskus-gate?" Ich wurde angeschaut, als haette ich gesagt ich wolle direkt zu Olmerts Privatresidenz.
Niemand kannte das "Damaskus-gate" als Damaskus-gate. Heute weiss ich, haette ich gesagt: "Shaar schchem", haette sicher jeder gewusst, wohin ich will.

Irgendwann habe ich mein Auto in der King-David-Street abgegeben und fuhr per Taxi weiter. Der Taxifahrer wusste wo ich hinwollte, machte aber - wohlweislich dass ich eh nicht nachvollziehen konnte, woher er fuhr - ein paar Ehrenrunden, die ich dann natuerlich bezahlen musste.
Beim Auspacken der Koffer in Ostjerusalem in meiner Herberge, hoerte ich den Muezzin rufen.
Man vergisst bei all den Horror-meldungen im Fernsehen, dass in Jerusalem Christen, Juden und Muslime den groessten Teil des Jahres mehr oder weniger friedlich nebeneinander her leben. Der orthodoxe Jude geht meist unbehelligt neben dem arabischen Obsthaendler und dem Franziskanerpater die Gassen der Altstadt entlang zur Klagemauer.
Jerusalem bedeutet fuer mich, die Stunde kurz vor Sonnenuntergang, wenn sich die Daecher der Stadt scheinbar mit samtenem Gold ueberziehen. Das Geheimnis des Lichtes ist es, was viele fasziniert. Morgens ist es hart und weiss, frueh schon steht die Sonne hoch am Himmel, um am Nachmittag dafuer zu sorgen, dass die Stadt auch "die goldene Stadt" genannt wird.
Die Menschen an der Klagemauer auf dem grossen Platz zu beobachten, wird niemals langweilig. Man kann so Stunden verbringen und jede Minute andere Bilder erleben. Eine Frau, die laut zum Himmel schreit in Verzweiflung und Schmerz, genauso wie die Kinder, die von einem Rabbiner erfahren, wie man Tefillin legt, die energischen Sicherheitskraefte, die fotografierende Touristen darueber belehren, dass es am Shabbat verboten ist, mit Respekt auf die observante juedische Bevoelkerung, die Touristenschlangen an einem der Eingaenge zum Vorplatz der Klagemauer und die geduldigen freundlichen Soldaten an den Sicherheitskontrollen.

Betritt man die Altstadt durch das Damaskustor, taucht man in eine andere Welt ein, orientalische Musik und der betoerende Geruch der Kraeuter auf der Erde sorgen dafuer, dass man wie in Trance den Weg fortsetzt.
Die meisten Touristen kennen nur einen Quadratkilometer von Jerusalem, und zwar die Altstadt. Vor allem diejenigen, die in einer Gruppe herkommen.

Eine meiner Lieblingsstrecken ist die Busfahrt von Jerusalem hinab zum Toten Meer.
Kaum verlaesst man die Stadt, beginnt eine unglaubliche Wuestenlandschaft, die den Weg begleitet. Wie eine Decke, deren grosszuegiger weicher Faltenwurf sich ueber die Landschaft breitet, so liegt die Wueste greifbar nahe. Ruhe strahlt sie aus und Ewigkeit. Beduinenfamilien ziehen mit Bergziegen ueber die Landschaft. Baracken dienen als Unterschlupf.
Faehrt man weiter, liegt zur Linken die Stadt Jericho. Hat man die Moeglichkeit, vor Jericho anzuhalten und ein keines Stueck von der Strasse entfernt in die Wueste zu schauen, so ergibt sich ein maerchenhafter Blick auf das Georgs-kloster im Wadi Qelt, das wie ein Schwalbennest am Berg klebt, umringt von einer unwirklichen Palmenoasen-kulisse.

Weiter geht es hinunter zum Toten Meer. Schon sieht man seine Auslaeufer und die Strasse fuehrt an Palmenhainen und wenig spaeter an riesigen Felsmassiven vorbei. Bei klarer Sicht sieht man bis auf die andere Seite nach Jordanien hinueber. Ein leichter diesiger Film haengt oft ueber dem Wasser und es scheint nach Brom und Schwefel zu riechen. Das Tote Meer bietet unzaehligen an Rheuma und Schuppenflechte Erkrankten Heilung, die sie in keinem Medikament finden koennen.
Man hat die besondere Zusammensetzung, die dafuer sorgt, dass die Beschwerden gelindert werden noch nicht chemisch entwickeln koennen.
Fuer Heilung sorgt letztendlich eine Mischung aus Salzwasser, Sonneneinstrahlung mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel, die mineralhaltige Luft und der Schlamm.

In Jerusalem hat mich etwas beruehrt, was ich bis heute nicht erklaeren kann und was mich nie wieder los liess.
Ich bin nicht verklaert und sehe den Alltag in Jerusalem als den an, der er ist, nicht einfach und unter einem gewissen Druck.
Es ist keine Stadt, in der man Leichtigkeit lebt, wie in Tel Aviv, und dennoch liebe ich sie.

Nachdem ich die Stadt verliess, in Richtung See Kinneret (Genezareth) blieb mir etwas in der Kleidung, in den Haaren und in der Seele haengen.
Der See und seine Ufer waren in paradiesische ueppige Natur gekleidet. Dort ein Bad zu nehmen, kam fast einem spirituellen Reinigungsbad gleich.
Die Ruhe tat gut, nach dem hektischen Treiben in der Hauptstadt und ich genoss es, am Ufer zu sitzen und einfach auf den See zu schauen.

Am fruehen Morgen tummeln sich die Klippdachse auf den grossen Steinen am See, lassen die Menschen ganz nahe kommen.
Die Natur platzt hier aus allen Naehten und tut der Seele so gut, und dennoch spuerte ich, dass mir etwas fehlte was ich nur in Jerusalem finden wuerde.
Beschreiben laesst es sich nicht, es ist ein Gefuehl, alles um sich herum zu haben, was das Herz begehrt.

Jemand nahm mich mit auf die Golan-hoehen und ich konnte von dort aus fast ueber den ganzen See schauen.
Nach dem Aufenthalt am See waren noch ein paar Tage in Ein Gedi geplant und auch dort konnte ich damals nicht die Besonderheit der Landschaft erfassen, staendig sehnte ich mich nach Jerusalem.
Viel spaeter erst, nach einigen weiteren Aufenthalten im Land, war das Herz nicht mehr so besetzt, hatte ich die ersten Eindruecke verdaut und wieder Platz geschaffen in mir, fuer die Entdeckung, dass jeder Ort in Israel seine Besonderheiten besitzt, seinen eigenen Charme.
Tel Aviv, anfangs nur begriffen als grosse laermende Grossstadt am Meer, liebe ich heute genauso wie die Wueste und ich habe den eigenen Charakter der Stadt zu sehen gelernt, auch wenn er nicht so offensichtlich sichtbar ist, wie ein Wuesteneindruck am Maktesh Ramon-Krater.
Dennoch beansprucht Jerusalem immer noch ein wenig mehr Platz in meiner Seele als alle anderen Orte.

Mein groesster Wunsch ist es, dass meine Toechter eines Tages das Beduerfnis verspueren, zu sehen und zu verstehen, was ihre Mutter an Israel so sehr bewegt hat, dass es ihr ganzes Leben veraenderte, mein zweitgroesster Wunsch, dass dies noch zu meinen Lebzeiten geschieht und sie ihre eigenen Eindruecke mit mir teilen koennen.

Dem Gast die hoechste Ehre

Gastfreundschaft in seiner reinsten Form habe ich in Jerusalem bei der Familie des Rabbiners Mordechai Machlis kennen gelernt. An diese besonderen Shabbatot muss ich in diesen Tagen denken.
Rabbi Machlis - ich kannte ihn nur von seiner Internetseite (Chessed L'Orchim)- erkennt man sofort, wenn man sich z.B. am Shabbat morgen (ca. 12h mittags) an der Kotel (der Westmauer) einfindet. Dort ist sein Minyan (ein G-ttesdienst bestehend aus mindestens 10 erwachsenen Maennern) einer der letzten, zeitlich betrachtet.

Daher hat man auch noch nach einem Shacharit (Morgeng-ttesdienst) in einer anderen Gemeinde die Gelegenheit, dorthin zu gehen.
Rabbi Machlis platziert sich nach dem G-ttesdienst mit seinen Freunden auf der Plaza am Eingang zur Frauenseite, wo es einen Kiddush gibt. Der Rabbi kommentiert den Wochenabschnitt und laedt anschliessend alle ein, ihn nach Hause zu begleiten, um gemeinsam Shabbat zu feiern.
"Everyone is welcome" sagt er und meint das auch. Jeder kann teilnehmen, ob orthodoxer Jude, interessierter Tourist oder Nicht-Jude. Voraussetzung ist, dass nicht missioniert wird.
Es beginnt ein 40-minuetiger Gang zum Stadtteil Maalot Dafna, wo die Familie wohnt.
Jeden Freitag abend und Samstag mittag und nachmittag finden sich Gaeste ein, und zwar zwischen 50 - 80, manchmal auch mehr.
Der Rabbi hat kein riesiges Haus, nur ein riesiges Herz, worin alle Platz finden.
Tische stehen eng aneinander in einem Raum, der nur aus Buechern zu bestehen scheint. Buecher und Herzlichkeit.
"Wenn jemand, der beduerftig ist, an deine Tuer klopft" , so sagen die Weisen, "steht G-tt an seiner Seite", und Mordechai Machlis lebt sie wirklich, diese fast grenzenlose Gastfreundlichkeit und Guete.
Man erzaehlt sich, dass Rabbi Machis und seine Familie sogar nachts die Tuer oeffnen, wenn jemand kein Dach ueber dem Kopf hat.
Niemand wird fort geschickt.
Es bietet sich, wenn man zum ersten Mal an einem solchen Shabbat teilnimmt, ein Erlebnis, was man sicher nie vergessen wird. Menschen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund finden sich dort ein. Der Tourist, so wie der orthodoxe Jude mit Schlaefenlocken, Nicht-juden, Menschen, die keine Familie haben, wo sie Shabbat feiern koennen.

Kaum haben alle Platz gefunden, stimmt der Rabbi bereits Shabbatlieder an und es wird laut gesungen und im Takt auf den Tisch geklopft. Immer weiter fuellt sich der Raum und Mordechai Machlis fragt jeden, der ihn an seinem Tisch begruesst nach seinem Namen und woher er kommt. An seinem Gesichtsausdruck ist lesbar, dass es keine Floskel ist, sondern echtes Interesse am Menschen.
Henny Machlis, die Ehefrau des Rabbiners und ihre Kinder sorgen in der winzigen Kueche, die Unmengen an Essen hervorbringt, dafuer, dass die Tische schnell gefuellt werden. (Die Familie ist nicht reich, wie man denken koennte sondern lebt von Spenden, weshalb auch die Mengen variieren..)
Nie zuvor habe ich solche riesigen Challot (Shabbat-brote) gesehen, ueber die der Rabbi den Segen spricht, nachdem unzaehlige Schuesseln mit Wasser die Runde an den Tischen gemacht haben, damit sich jeder vor dem Segen die Haende waschen kann.
Da man nach dem Segen ueber das Haende-waschen bis zum Segen ueber das Brot nicht mehr spricht, wird es immer stiller, je mehr Menschen bereits das Haende-waschen vollzogen haben.
Mehr und mehr geht der Gesang in Summen ueber, bis die Melodien verstummen und der Hausherr den Segen spricht.
Schliesslich kreuzen Unmengen von Schuesseln mit allen Leckereien die Tische und niemand geht hungrig nach hause.
Aber auch der Hunger nach Tora und und weisen Worten wird gestillt.
Waehrend des Essens spricht Mordechai Machlis sein Dwar Tora (sein Wort zum aktuellen Tora-abschnitt) und fordert alle Gaeste auf, einen eigenen Beitrag zu sprechen, sei es zum Tora-abschnitt, oder zu anderen Themen - wieder mit einer Einschraenkung: Es wird nicht ueber Politik geredet und selbstverstaendlich nicht versucht, zu missionieren.
So stehen dann Menschen aus allen erdenklichen Laendern auf und tragen bei zur aussergewoehnlichen Machlis-Atmosphaere. Jemand singt ein Lied, ein anderer erzaehlt seine persoenliche Geschichte, alles ist erlaubt, gewuenscht und geachtet.
Dazwischen werden gemeinsam Shabbatlieder gesungen und man lernt eine Unmenge an bunten, facettenreichen Menschen kennen, aus allen moeglichen Laendern.
Ich habe dort einen Mann aus Spanien kennen gelernt, dessen Vorfahren wohl zwangsweise zum Christentum konvertieren mussten, ihre juedische Religion aber immer noch heimlich ausgeuebt haben, die sogenannten "Marannos" (obwohl dies eigentich ein abfaelliger Begriff ist). Er kam, um zu bleiben, da er sich in Israel zu Hause fuehlt. Jedoch ohne Papiere wird er um eine offizielle Konvertierung nicht herum kommen. "Wenn nicht bis Mittwoch ein Wunder geschieht, werde ich das Land verlassen muessen, um so schnell wie moeglich wieder zu kommen.", erwaehnte er in seinem Beitrag an alle.
Eine blonde Frau aus England sass neben mir, die mir von ihrem Aufenthalt im Westjordanland erzaehlte. Dort lebt sie und arbeitet in einer juedischen Siedlerfamilie gegen Kost und Logis, nur damit sie hier bleiben kann. Sie ist keine Juedin, fuehlt aber eine unerklaerliche Anziehungskraft zum Judentum und ueberlegt, zu konvertieren.
Rabbi Machlis erzaehlt die Geschichte von einer Frau, die zum Rabbiner kam und fragte: "Rabbi, ich heirate in ein paar Wochen. Was kann ich an Zdaka (gute Taten, gute Werke) tun? Wie kann ich die Armen bedenken?"
Der Rabbiner soll kurz ueberlegt haben und antwortete wie folgt: "Du kannst an die und die Organisation spenden, oder in der Stadt den Beduerftigen persoenich bechenken. Das Groesste aber, was du tun kannst, ist, lade arme Menschen von der Strasse zu deiner Hochzeit ein. Sie sollen an deinem Tisch mit dir essen und trinken!"

Das ist wohl das aller Schwerste, wenn wir ehrlich sind. Wuerde ich es schaffen, Arme und Beduerftige zu mir einzuladen, als "meine Freunde"?
Da ich diese Frage zurzeit ehrlich nur mit "nein" beantworten kann, habe ich fuer Rabbi Machlis und seine Familie die aller groesste Bewunderung und Achtung und wenn es einen Platz in der Ewigkeit ganz nahe am Tisch des Schoepfers gibt, so wird er schon fuer den Rabbiner und seine guetige Familie reserviert sein, da bin ich gewiss.
Denn wir koennen noch so viel Tora lernen - was wahrhaft zaehlt, im Judentum, sind die Taten.
Schon unser aller Vater Awraham (Abraham) hat sogar sein Gespraech mit G-tt unterbrochen, um den drei Wanderern, die nahe an seinem Zelt vorbei gingen, entgegen zu eilen mit der Aufforderung, seine Gaeste zu sein, bei ihm zu essen und auszuruhen.
Er hat nicht gewartet, bis sie bei ihm anfragten, sondern ging ihnen entgegen!

Das sollte unser grosses Vorbild fuer Gastfreundschaft sein - und ich kenne niemanden, der diesem Vorbild in so hohem Masse entspricht wie der Rabbiner und seine Familie.
Jedem, der nach Jerusalem faehrt, auch wenn er nicht besonders religioes lebt, kann ich wirklich nur empfehlen, sich einmal ein Erlebnis der ganz besonderen Art zu "goennen", einen Besuch bei Rabbi Machlis an einem Shabbat.

Dienstag, 7. April 2009

Pessach!


Chag sameach an Alle!

Froehliche Pessachtage

wuenscht Euch

Noa

Giur (15) - Noa Bat Awraham Awinu

Da ich zu diesem Termin, fuer den mich das Beit Din nun einlud, nach Frankfurt und nicht nach Köln musste, war es dann auch so gut wie sicher, dass dieses Treffen sich von allen anderen vorher unterscheiden wuerde.
Es wuerde tatsaechlich so sein, dass ich nun zur Noa Bat Awraham wurde, eine neue juedische Seele wuerde geboren werden. Wie unglaublich aufregend und beruehrend das war. Ich haette zu jeder Zeit weinen koennen, so tief traf mich die Ruehrung und die Dankbarkeit, dass ich so etwas Grosses geschenkt bekam, 4 Tage nach meinem 50. Geburtstag. Es bedeutete mir mehr, als alle Geburtstagsgeschenke in meinem bisherigen Leben.
Und selbst jetzt, wo ich darueber schreibe, treibt es mir die Traenen in die Augen, fast ein Jahr nachdem ich Juedin wurde.
Die Menschen die diesen Weg auch gegangen sind werden wissen, was ich meine.

Ob ich auch wuerdig war, dieses groesste aller Geschenke in Empfang zu nehmen?
Ich wuerde mit aller mir zur Verfuegung stehenden Ernsthaftigkeit und Andacht die Gebote nun offiziell auf mich nehmen und erklaeren, dass ich fuer immer Juedin sein moechte.
Und ich wuerde in der Mikwe im Wasser stehen und untertauchen. Ist es verstaendlich, dass sich heute noch in mir ganz tief empfundene Freude breit macht?

Der Rabbiner riet mir, wegen des Mikwe-besuches mit seiner Frau zu sprechen, sie wuerde mir wichtige Hinweise und Tipps geben, was noetig waere zur Vorbereitung und was ich wissen sollte ueber diesen heiligen Vorgang, den alle juedischen Frauen, die religioes leben, jeden Monat erleben.
Die Fingernaegel sollten moeglichst kurz geschnitten, in der Hauptsache aber sehr sauber sein, ebenso die Fussnaegel. Ich solle mir einen feinzinkigen Kamm mitnehmen, da ich mich nach dem Haare waschen in einer Weise kaemmen muesse, die keine Verknotungen hinterlaesst, da das Wasser der Mikwe ueberall hin gelangen muss.
Die Zaehne sollten vor dem Gang in die Mikwe gruendlich geputzt werden, auch wenn der Mund beim Untertauchen geschlossen sei. Er muss locker geschlossen werden, keinesfalls zusammengepresst. So auch die Augen, sie bleiben nicht geoeffnet, werden aber auch nicht fest zusammen gekniffen. Alles muss vermieden werden, was Falten erzeugen koennte, in die das Wasser nicht gelangen kann.
Die Rebbezin erklaerte mir, dass ich zuerst einmal untertauchen muesse, um dann die erste Bracha zu sprechen. (Ein Segensspruch)
Sie lautete : Gelobt seist du, Ewiger, unser G-tt, der uns durch seine Gebote geheiligt hat und uns befohlen hat, unterzutauchen.

Die Balanit, das ist die Frau, die beaufsichtigt, ob das Untertauchen auch ein kosheres Untertauchen war und somit "gueltig" ist, wuerde mir jedoch behilflich sein bei allen aufkommenden Unsicherheiten.
Nach dem ersten Untertauchen, was vollkommen sein musste, weder durfte man den Beckenrand beruehren, noch durften die Haare auf der Wasseroberflaeche schwimmen, wuerde ich zum zweiten Mal untertauchen.
Anschliessend wuerde mir eine Art "Badeumhang" gereicht, den ich im Wasser ueberwerfen sollte. Er war dafuer gedacht, die Frau zu bedecken, da an dieser Stelle die Rabbiner des Beit Din noch einmal den Raum betreten wuerden.
Wie bitte? Die Rabbiner in der Mikwe mit mir?

"Keine Sorge" sagte die Rebbezin laechelnd, " sie werden dich nicht sehen. Sie bleiben in der Tuer stehen und werden dir noch einmal eine oder zwei Fragen stellen. Dann wirst du noch einmal die Gebote im Wasser stehend auf dich nehmen und musst ein weiteres Mal untertauchen mit Bracha (Segensspruch). Sie werden dann fragen, welchen Namen du dir ausgesucht hast, und nach einem weiteren Untertauchen bist du Juedin."


Ich besorgte mir eine Fahrkarte nach Frankfurt und buchte fuer eine Nacht ein Hotel, da ich die 3 stuendige Fahrt nicht an einem Tag zweimal machen wollte. Es sollte alles in Ruhe und mit Bedacht geschehen, keinesfalls wollte ich mich abhetzen.
Ich entschied mich, niemandem, ausser meiner Tochter, die den Brief bekommen hatte, und Bescheid wusste, etwas ueber das bevorstehende Ereignis zu erzaehlen, obwohl einige Menschen um mich herum, Freunde und Kollegen, den gesamten Prozess mit verfolgt hatten und mit mir "fieberten". Ploetzlich hatte ich das Gefuehl, dass ich dieses Ereignis mit niemandem - ausser mit unserem G-tt - teilen wollte. Es ging nur IHN und mich etwas an, ich wuerde vor IHM stehen, und niemand hatte etwas dazu zu sagen.
Spaeter koennte ich noch frueh genug berichten, wie es fuer mich war.
Mein Innerstes war unter Hochspannung und ich war sehr aufgeregt. So kam ich dann in Frankfurt an, suchte mein Hotel und machte mich anschliessend auf den Weg zu einem kleinen Hotel in der Naehe der Synagoge, wo ein Raum fuer die Uebertritte hergerichtet war.
Erleichtert sah ich meinen Rabbiner, der mir beruhigend und aufmunternd zunickte, waehrend man mich aufforderte, mich zu setzen.
Man fragte mich, ob ich an den Shabbatot bei meinem Rabbiner gewesen war und was ich in der Zwischenzeit gelernt hatte.
Dann sollte ich aufstehen und man erklaerte mir, ich solle nun einen Text nachsprechen, mit dem ich das "Joch" der Gebote auf mich nahm. Von nun an waere die Erfuellung der Gebote nicht mehr freiwillig, sondern ich wuerde dafuer eine Belohnung vom Himmel erhalten, fuer die Nicht-erfuellung eine Strafe.

Es war ein hebraeischer Text, den ich Satz fuer Satz nachsprechen sollte. Es war wie ein Eid, mit dem ich das Judentum auf mich nahm.
Wichtig war, falls ich ein Wort nicht verstehen wuerde, solle ich sofort nachfragen, denn der Konvertit muss alles was er sagt, auch verstehen.

Ich werde den Inhalt des Textes, den ich mir spaeter habe geben lassen, da ich ihn besonders liebe, widergeben, jedoch nicht Wort fuer Wort, denn das soll doch jeder allein fuer sich erleben.

Es begann damit, dass ich die volle Ueberzeugung beteure, mit der ich an den einen einzigen G-tt glaube, der einzigartig in allen Welten ist.
Dann erfolgte das "Shma Israel, der Ewige ist unser G-tt, der Ewige ist einer."

Ich nahm auf mich, Gerechtigkeit und Gnade zu lieben, und in Demut zu leben. Ich nahm das "Joch" der Tora und der Gebote der Tora und der Weisen auf mich, wie alle Juden fuer alle Tage meines Lebens.
Und ich verpflichtete mich, alle Gebote ohne Ausnahme zu halten, sowie alle Gebraeuche Israels zu halten.

Und in diesem Moment vergass ich alles um mich herum, und meinte all das genau so, wie ich es rezitieren musste.
(Auch wenn mir klar war, dass kein Mensch IMMER ALLE Gebote halten kann, sonst waere er kein Mensch...)

Es war ein unglaublich bewegender Moment und alle Beteiligten befanden sich in ernsthafter Konzentration.
Man gratulierte mir und einer der Rabbiner aus Israel sagte, das sei ein ganz besonderer Augenblick und ich sei ein besonderer Mensch.
Dass dieses Ereignis gerade hier in Deutschand stattfindet sei noch ein weiterer ganz besonderer Aspekt!
Sie waren so ernsthaft und beruehrt, und doch so freudig. Moege ich niemals diesen Augenblick vergessen, wuenschten sie.
Nein, das werde ich bestimmt nicht. Dieser Moment hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen.

Nun wurde beratschlagt, wann der Mikwentermin stattfinden sollte. Es gab ein Problem, naemlich dass die Balanit nicht da war. Erst am naechsten Tag wuerde sie wieder arbeiten. Ob ich mir vorstellen koennte, noch zu bleiben, oder ob ich ein Schriftstueck mit nach Israel nehmen wolle, denn dann koenne ich die Mikwe dort aufsuchen.
Mein Rabbiner, den ich kurz verunsichert anschaute, schuettelte den Kopf und auch in mir war ein Gefuehl, dass ich dieses Ereignis nicht zerreissen sollte.
Kurz ging mir durch den Kopf, warum der Rabbiner das eventuell nicht befuerwortete.
Ein Giur ist nur gueltig wenn beides statt gefunden hatte, das Auf-Sich-nehmen der Gebote UND das Untertauchen in der Mikwe.
Er hatte mir einmal von einem jungen Mann erzaehlt, der zwischen dem Geluebde der Gebote und dem Mikwenbesuch gestorben war. (ich habe darueber im Artikel "und wenn ich sterbe?" geschrieben)
Nein, obwohl ich mir keine wuerdigere Umgebung vorstellen konnte als das heilige Jerusalem, so hatte ich doch dieses grosse Ereignis hier begonnen und ich wollte es so kurzfristig wie moeglich auch hier zuende bringen.
Wir einigten uns darauf, dass ich morgen im Laufe des Tages angerufen wuerde, sobald die Balanit ihren Dienst wieder aufnahm. Dann sollte ich mich in der Mikwe einfinden.
Noch ganz erfuellt von dem, was bereits war, verliess ich den Raum und mein Rabbiner kam mir hinterher.
Er sagte, dass er leider noch Verpflichtungen haette, weshalb er nicht bis zum naechsten Tag bleiben koenne. Das war fuer mich auch nicht so schlimm, denn schliesslich war er beim ersten Teil dabei, was mir enorm viel bedeutet hatte.
Ich dankte ihm fuer seine staerkende Gegenwart und musste ihm versprechen, sofort anzurufen, denn seine Frau und die Kinder wuerden die ganze Zeit an mich denken und in Gedanken mit mir sein.
Ach, er war ruehrend, der kleine Rabbi, wie sehr er doch Anteil nahm! Mit ihm und seiner Unterstuetzung und Begleitung hatte ich wirklich das grosse Los gezogen.
Hacol min haShamaim, wie man sagt, alles kommt vom Himmel.

Geschlafen habe ich kaum, immer wieder fand ich mich im Traum vor den Rabbinern wieder.
Der naechste Tag hiess warten. Aber wenn ich eines waehrend des Giur-prozesses gelernt hatte, dann warten!

So strich ich mit meinem Koffer und der Tasche fuer die Mikwe durch Frankfurt, nahm alle paar Minuten mein Handy aus der Tasche in der Angst, den Anruf zu verpassen.
Um die Mittagszeit klingelte es endlich. Der Sekretaer des Beit Din sagte: "Wie geht es Ihnen, Frau A.?"
"Ich bin soo aufgeregt!" gestand ich ihm.
"Dann zuerst mal: nur die Ruhe!! und dann noch: bitte kommen Sie um 15h zur Mikwe in der Westend-Synagoge. Wir treffen uns am Eingang."

Wow!!
Ich setzte mich sofort in Bewegung und mein Herz begann laut zu klopfen.
Viel zu frueh kam ich dort an und nutzte die Zeit, um noch einmal im Park nebenan unter einem Baum ein Gebet zu sprechen und zu danken.

Dann stand ich in der Strasse der Synagoge und nahm das Telefon, um meinen Rabbiner anzurufen. Er sagte: "Sei stark! Wir werden mit dir sein. Rufe sofort an, wenn du rauskommst! Liebe Gruesse von Selda und den Kindern!"

Die Balanit kam die Strasse entlang und nahm mich mit sich.
Auch die Rabbiner waren angekommen. Wir gingen zusammen die Stufen zur Mikwe hinunter und sie fuehrte mich in den Raum zur Vorreinigung. Dort lag alles bereit, Duschgel, Shampoo, Kaemme. Es gab eine Dusche und eine Toilette. Die Balanit gab mir Hinweise, die ich schon von der Rebbezin bekommen hatte und fragte mich, ob ich einen Umhang oder Bademantel mitgebracht haette, um mich bedecken zu koennen, wenn die Rabbiner herein kommen wuerden.
"Nein," sagte ich, "ich hatte gehoert, dass es hier Umhaenge gibt fuer diese Zwecke."
Ein kleiner entsetzter Aufschrei von ihr und schon flitzte sie davon.
Nach einer halben Ewigkeit kam sie mit einem Riesenbadetuch wieder. Das koenne ich benutzen, meinte sie, damit ich nicht mein Handtuch nass machen muesse.
Sie draengte mich: "Sind Sie fertig? Wartet Ihr Mann draussen?"
Ich erzaehlte ihr, dass ich allein uebertrete und geschieden sei.
"Oh, sie machen das ganz allein fuer sich? Kol haKawod" (was "alle Achtung" heisst)

Ich huellte mich in ein Handtuch und sie fuehrte mich in den Raum mit der Mikwe. Es war ein kleines Bassin, das mich an ein Tauchbecken in der Sauna erinnerte.
Die Balanit nahm mir das Handtuch ab und ich musste ein paar Stufen hinab steigen. Gut, dass das Wasser angenehm warm war.
"Und nun," richtete sie sich an mich, "tauchen Sie einmal vollstaendig unter!"

Ich ging in die Knie, wie die Rebbezin es mir erklaert hatte, und merkte, wie ich mit den Beinen abhob. Ich taumelte durch das Wasser, stiess an die Beckenwand und kam wieder hoch.
Gleich wurde ich mit einem: "Unkosher!!" empfangen. Klar, war das unkosher, das hatte ich selbst gemerkt. Warum nur konnte ich nicht untergehen?

Dann fiel mir mein Tauchkurs ein und es war klar, ich musste ausatmen, waehrend ich untertauchte, damit die Lungen nicht voller Luft waren.
Naja... die Aufregung!

Beim zweiten Mal klappte es und als ich wieder auftauchte, wies mich die Balanit an, die Bracha zu sprechen. "Und nun gleich noch einmal untertauchen" fuhr sie fort.
Sie reichte mir das grosse Handtuch und ein kleines Tuechlein, was ich mir auf den Kopf legen sollte. (Aehnlich einer Kippa soll man es vor der Rezitation des Textes auflegen)
Nun rief sie die Rabbiner herein und jetzt war mir auch klar, dass sie mich nicht sehen konnten, selbst wenn sie zu mir hinschauen wuerden. Ich stand so tief im Becken, dass nur meine Augen von der Tuer aus zu sehen sein wuerden.
Als die Rabbiner den Raum der Mikwe betraten, fragten sie die Balanit sofort: "Hat sie etwas ueber?" Etwas genervt antwortete sie: "Jaja!"

Die Rabbiner hielten mich dazu an, den Text vom Vortag noch einmal nachzusprechen, Satz fuer Satz.
Als ich alles noch einmal wiederholt hatte, wurde hier noch ein Satz zugefuegt:
"Und mit diesem Untertauchen trete ich unter die Fluegel der g-ttlichen Gegenwart."
Was fuer eine schoene Vorstellung.
Ja, da wollte ich sein und bleiben, unter den Fluegeln SEINER Gegenwart.

"Mazal tov, mazal tov" riefen die Rabbiner, "und ... welchen Namen haben Sie ausgesucht?"
"Noa" strahlte ich.
"Mazal tov, Noa. Brucha habaa leAm Israel" (Herzlichen Glueckwunsch und willkommen im Volk Israel!)
Sie verliessen den Raum und ich wurde gleich von der Balanit weiter gescheucht.
"Sie sollen nochmal dorthin, wo sie gestern waren" richtete sie mir von den Rabbinern aus.
Schnell zog ich mich an und da es keinen Foen gab, und auch keine Zeit, verliess ich mit nassen Haaren die Mikwe.
Das Hotel, in dem ich gestern war, lag ein paar Strassen entfernt und ich glaube, mein Strahlen auf dem Gesicht hat die Sonne fast uebertroffen, die zur Feier des Tages schien.
Als ich den Raum betrat, riefen die Rabbiner laut und froehlich: "Brucha habaa, Achoteinu!!" (Willkommen, unsere Schwester!).
Es stand Kuchen auf dem Tisch und Saft.
Sie deuteten mir, mich zu setzen, sagten noch einmal, was fuer ein besonderer Tag heute sei und forderten mich auf, mir ein Stueck Kuchen zu nehmen und die Bracha darueber zu sprechen.
"Baruch ata, ad..., elokeinu, Melech haOlam, Borei Minei Mesonot" ( Gelobt seist du Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, Schoepfer verschiedener Speisen) sagte ich und alle Rabbiner antworteten mit: "Amen".
Anschliessend sollte ich mir Apfelsaft nehmen und auch darueber die Bracha sprechen.
"Baruch ata, Ad...Elokeinu, Melech haOlam, shehakol nihjie biDwaro" ( Gelobt seist du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, durch dessen Wort alles entstand)
Wieder antworteten alle: "Amen!".
Sie stimmten ein Lied an und wiederholten noch einmal, das sei, damit ich den Tag nie vergessen moege.
"Ihr Rabbiner hat schon ein paarmal ganz aufgeregt angerufen, waehrend Sie in der Mikwe waren!" sagte einer der Rabbiner. Er laesst Ihnen auch Glueckwuensche ausrichten.
Nachdem ich das Hotel verlassen hatte, hoerte ich meine Mailbox ab. Mein Rabbiner hatte darauf gesprochen: "Hallo Noa, die ganze Familie wuenscht dir mazal tov. Brucha habaa leAm Israel."
Ich rief ihn noch einmal an und hoerte die ganze Familie im Hintergrund rufen. Unbeschreiblich, war dieses Gefuehl, nun als ein Teil des Volkes Israel aufgenommen zu sein.
"Wenn Du jetzt ein Mann waerest, " so sagte mein Rabbiner, "wuerdest Du einen Aufruf zur Tora bekommen! Aber so bekommst Du ein Mi, sheberach am Shabbat"
Das "Mi sheberach" war ein Segensspruch, den man fuer den zur Tora Aufgerufenen sprach.
Und am kommenden Shabbat nach dem G-ttesdienst wurde mir eine grosse Ehre zuteil. Der Rabbiner sagte in seiner Ansprache vor der versammelten Gemeinde, es habe in dieser Woche ein ganz besonders schoenes Ereignis statt gefunden. Er betonte, dass ich einen schwierigen langen Weg gewaehlt hatte, und nun die notwendige Pruefung vor dem Beit Din hinter mich gebracht haette. Er begruesste mich ganz offiziell als neues Mitglied der Gemeinde und als Schwester aller im Volk Israel.
Die Gemeinde sang "siman tov umazal tov" fuer mich und der Rabbiner sprach fuer mich den Segen:

Wer unsere Vaeter Awraham, Jitzchak und Jakov segnete, er segne Noa Bat Awraham Awinu. Es behuete sie der Heilige, gelobt sei er, und rette sie vor jedem Leid und Not, vor jeder Plage und Krankheit und schicke Erfolg in all ihrer Haende Werk, und wir sagen Amen.








Spirituelle Katalysatoren














Als Katalysatoren werden in der Chemie Stoffe bezeichnet, die die Reaktionsgeschwindigkeit einer chemischen Reaktion beschleunigen, ohne selbst verbraucht zu werden, wobei sie selektiv wirken, d.h. bestimmte Reaktionen benoetigen bestimmte Katalysatoren.

Was das mit Religion, G-ttesnaehe und Spiritualitaet zu tun hat?
Nun, ich habe, besonders in der juengsten Vergangenheit, Katalysatoren in menschlicher Gestalt kennen gelernt, die auf spiritueller Ebene wirken und be-wirken.
Im besten Falle hat der Leser auch in seinem Leben schon solche Menschen kennen gelernt, die etwas bewirken, was sich schwer in Worte fassen laesst. Einer dieser Menschen in meinem Leben ist der Rabbiner, der mich ueber den Prozess des Giurs begleitet hat.
Wie soll ich erklaeren, wofuer ich in der Hauptsache nur ein Gefuehl habe, aber kaum Worte, weil Worte begrenzen und dieses Gefuehl ist grenzenlos.
Ich werde es trotzdem versuchen, auch wenn jeder Versuch nur eine dilettantische Beschreibung werden kann, die nur die Menschen nachvollziehen koennen, die es selbst erlebt haben.

Es gibt eine Spiritualitaet in mir und wohl (hoffentlich) in jedem Menschen, die ich persoenlich als Art von G-ttesnaehe bezeichne.
Jemand, der nicht glaeubig ist, wird vielleicht sagen, es ist eine Ebene, die nicht rational ist, sondern sich im Gefuehlsbereich auf einer transzendenten, Ebene abspielt, die irgendwo zwischen Himmel und Erde liegt und Dinge betrifft, die fuer den normalen Menschen nicht erklaerbar sind.
Es wird auch Menschen geben, die ueberhaupt nicht daran glauben, dass es etwas gibt, was man nicht erklaeren kann.

Trifft man solch einen spirituellen Katalysator, wie ich ihn bezeichne, wobei ich nicht weiss, ob ich diesen Begriff erfunden habe, oder ob es ihn bereits gibt, (Falls es ihn bereits gibt, moege man mir verzeihen, wenn ich ihn als "Erfinderin" beansprucht habe), so passiert etwas Ungewoehnliches. Man wird, in einem oder zwei Worten oder Saetzen, oder auch nur mit einem Blick ein paar Ebenen "nach oben" befoerdert.
Es braucht, merkwuerdigerweise auch keiner grossen Worte oder besonderen Inhalts, um das zu erleben, sondern gehe ich davon aus, dass es in der der Person eigenen Spiritualitaet liegt, die dem Gegenueber hilft, mit "aufzusteigen", um einen Begriff aus dem Judentum zu benutzen.
Wenn das passiert, ist eine Art "da-ist-es-wieder"-Gefuehl in mir, und ich fuehle etwas Besonderes, etwas beinahe Heiliges.
Und ich fuehle, dass es nicht von mir ausging, sondern mithilfe des spirituellen Katalysators mir gegenueber habe ich diese Ebene erreicht, er hat mich "mitgenommen".
Vielleicht kommt es auch darauf an, sich mitnehmen lassen zu "wollen", das entzieht sich meiner Kenntnis.
Vielleicht gibt es auch fuer verschiedene Menschen verschiedene menschliche Katalysatoren, das vermute ich fast.
Ich jedenfalls habe ueberdeutlich mehrfach in unserem Rabbiner diese Art Katalysator im spirituellen Bereich gefunden. Und mit der Zeit habe ich die Chassidim verstehen koennen, die ja sehr bezogen auf ihren Rabbiner leben, immer in seiner Naehe sein wollen, um ein kleines bisschen von seiner "Heiligkeit" abzubekommen.

Noch etwas tiefer, wage ich zu behaupten, dass es Menschen gibt, durch die G-tt zu uns spricht. Vielleicht sagen jetzt einige der Leser "Nein, das geht mir zu weit, sie spinnt!" und das respektiere ich, denn eventuell ist es tatsaechlich zu gewagt.
Ich wage es dennoch und bin mir fast sicher, dass es so ist.
In der Buber-Rosenzweig-Uebersetzung gibt es ein Nachwort ueber den G-ttesnamen J-H-W-H, den manche faelschlich als "Jahwe" aussprechen.
Dort legen die Autoren dar, dass dieser UNAUSSPRECHLICHE Name (fuer uns Juden ist es der unaussprechliche Name) durch das Einsetzen von Vokalen keineswegs die Aussprache erleichtern soll.

Wir sollten uns bewusst machen, dass J-H-W-H aus der Wurzel von Haja, howe und jhije stammt, was soviel heisst wie : ER war, ER ist, ER wird sein und ER selbst am Dornbusch zu Moshe sagte: Ehje ascher ehje. (Ich werde sein, als der ich sein werde) oder wie Buber und Rosenzweig weiter ausfuehren: Ich werde da sein, als der, als der ich eben dasein werde.
Was soviel heissen soll wie : In welcher Form auch immer ich dasein werde, wie auch immer ich dir Botschaften zukommen lasse, ob es in Form eines Menschen ist, den du triffst, der dir eine g-ttliche Botschaft uebermittelt, oder ob es eine Situation ist, die dir bestimmte Informationen gibt auf deinem Weg, fuer deinen weiteren Weg, ich werde da sein bei dir.

Und an dieses "ehje asher ehje" glaube ich immer ueberzeugter, einfach weil ich auf diese Art schon viele Botschaften erhalten habe, oder Antworten auf meine Fragen bekommen habe. Fragen die teilweise in mir nicht einmal formuliert waren, und auf die ich auch keine formulierte Antwort bekam.
Vielmehr war es so, dass ein fragendes Gefuehl ein antwortendes Gefuehl uebermittelt bekam.
Jedoch auch auf konkrete Fragen oder Entscheidungen, die getroffen werden mussten, gab es diese Antworten, manchmal durch einen Text, den ich las, aber immer wieder auch durch diese Menschen, die wie spirituelle Katalysatoren wirkten.
Kann es sein, dass ein paar Menschen verstehen, was ich meine, oder habe ich, wie so oft, wieder einmal nicht in Worte fassen koennen, was ich weitergeben will?
Wie die Anwort auch lautet, hoffe ich, dass wir alle die meiste Zeit offen fuer diese Art von Botschaften sind, da es schade waere, wenn wir sie ueberhoeren oder uebersehen, sind sie doch meist wichtige Hinweise dafuer, wo unser ganz eigener Weg weitergeht.



Giur (14) - Vorbereitungen und Vorfreude















Es war Januar und ich hatte bei der Arbeit einen Antrag auf ein Jahr unbezahlten Urlaub gestellt. Das war nicht so einfach, da es im Gegensatz zu früher keinen gesetzlichen Anspruch mehr darauf gab.
Ich plante, ab Juni ein Jahr lang in Israel zu sein und als Volontaerin dort zu arbeiten. Inzwischen hatte ich meinen Kredit tatsaechlich abgeloest und war sehr stolz darauf. Es hatte mich Disziplin und Opfer gekostet, in relativ kurzer Zeit die Summe zusammen zu bekommen.
Ein juedischer Freund, der nicht religioes lebt, sagte in dieser Zeit zu mir: " Ich habe das Gefuehl, dass du dich durch das Judentum in jeder Hinsicht positiv veraendert hast. "
Und ich selbst empfand das auch. Ich hatte viele Opfer gebracht, eine zusaetzliche Arbeit angenommen, mein Auto abgegeben, eine winzige Wohnung bezogen, mich sehr eingeschraenkt in meinem Kaufverhalten und - was das groesste persoenliche Opfer war, ich war in dieser Zeit des Sparens NICHT nach Israel gefahren.
Das war das Schlimmste, denn in meiner Seele war ein grosser Durst nach spiritueller Umgebung, nach mehr Input, nach Gleichgesinnten.
Daher sollte es ein Jahr lang nach Israel gehen, um das grosse Defizit aufholen zu koennen, um in Ruhe zu geniessen, dass ich dort war, wo meinem Gefuehl nach meine Wurzeln lagen.


Ich war im Internet ueber ein Institut aus der Schweiz gestolpert, das Gentests machte im Hinblick darauf, wo vor vielen tausend Jahren die Urahnen gelebt hatten und welches Urvolk man hatte.
Nun - das klang alles sehr merkwuerdig. Man sollte anhand einer Speichelprobe herausfinden koennen, zu welchem Urvolk man gehoerte. Es standen unter anderem Kelten, Germanen, Wikinger, Juden und Slawen als Urvoelker auf der Liste der Moeglichkeiten.
Wenn ein Volk viele Jahre hindurch meist separat von anderen Voelkern gelebt hatte, bildeten sich Gemeinsamkeiten in deren Genen, so sagte das Institut "Igenea".
Man wuerde demnach erfahren koennen, zu welchem Volk die Urahnen vor ca. 1000 Jahren gehoerten.
Gleichzeitig koenne man das Ursprungsland ausfindig machen, von wo aus die Vorfahren "gewandert" waren.
Da ich mich staendig fragte, woher mein starkes Heimatgefuehl zu Israel kam, machte ich den Test. Da mein Vater aber nicht mehr lebte, und auch von dieser Seite kein maennlicher Verwandter mehr existierte, konnte ich nur meine muetterliche Linie testen, wozu ich eine eigene Speichelprobe einschicken musste.
Das war schade, weil ich gerade von meinem Vater wusste, dass er immer nach Israel wollte, es aber zu Lebzeiten doch nicht geschafft hatte. Wie haette er wohl reagiert, wenn er israelischen Boden betreten haette?
Bei seinen Sachen hatte ich eine dt. Uebersetzung des sogen. "Alten Testamentes" gefunden, was mich aeusserst nachdenklich stimmte. Er hatte vieles unterstrichen und Ausrufezeichen am Rand vermerkt.
All das, was unterstrichen war, war nicht das, was man als Christ unterstrichen haette, wenn man von seiner Religion ueberzeugt war.
Im Vorwort bereits war angestrichen: .. "Die Bedeutung und Wuerde des A.T. beruht darin, dass es G-ttes Wort enthaelt. G-tt selbst ist der Urheber des A.T.s in allen seinen Teilen und in seinem ganzen Inhalt..."
Im 5. Buch waren folgende Stellen angestrichen. .."seid unparteiisch beim Gericht! Schenkt dem Kleinen wie dem Grossen Gehoer. Fuerchtet euch vor niemand! Denn G-ttes Stelle vertritt der Richter...(5.B.M 1.17 )

Wenig spaeter geht es um die Gesetzestreue. Dort ist folgendes unterstrichen:
.."Beobachtet und haltet sie! Denn das wird euch in den Augen der Heidenvoelker weise und klug machen. Wenn sie von all diesen Satzungen hören, werden sie sagen: Wahrlich, ein weises und kluges Volk ist diese grosse Nation."..(5.B.M. 4.6-7)

.."Nehmt euch also wohl in acht! Es gilt euer Leben! Damals, als der Herr am Horeb zu euch aus dem Feuer redete, habt ihr keine Gestalt gesehen. So handelt denn nicht verderbt und fertigt euch denn niemals ein Schnitzbild in Gestalt irgendeiner Figur an, ...."(5.B.M. 4.15-17) ( an der Seite sind 4 Ausrufezeichen vermerkt) .. kurz darauf heisst es .."hütet euch nun, ... euch ein Schnitzbild anzufertigen in Gestalt von irgend etwas.... "(5.B.M. 4.23-24)
Auch hier wieder Unterstreichungen.
Ein paar Saetze spaeter wieder: .. ..."und euch dann versuendigt, indem ihr ein Schnitzbild in irgendeiner Gestalt anfertigt..."(5.B.M. 4.25)


..."von dort aus wirst du den Herrn, deinen G-tt suchen und ihn auch finden, wenn du mit ganzem Herzen und ganzer Seele nach ihm verlangst......"ja, der Herr, dein G-tt ist ein barmherziger G-tt.."(5.B.M. 4.29-31)

"...halte seine Gebote und Satzungen, die ich dir heute gebe, auf dass es dir und nach dir deinen Kindern wohlergehe und du lange in dem Land weilen darfst, das der Herr, dein G-tt dir geben will für alle Zeiten." ( 5.B.M. 4.40)

"..lernt sie (die Gebote) und bemüht euch, sie zu halten!" (5.B.M. 5.1)

"..denn ich, der Herr, dein G-tt, bin ein eifernder G-tt, der die Missetat der Vaeter an ihren Kindern straft, an den Enkeln und Urenkeln derer, die mich hassen, Barmherzigkeit hingegen bis ins tausendste Glied denen erweist, die mich lieben und meine Gebote halten.." (5.B.M. 5.9 -10)

"...moechte dies doch immer ihre Gesinnung bleiben, mich allezeit zu fuerchten, und all meine Gebote zu halten. Dann soll es ihnen und ihren Kindern immer wohl ergehen. ...habt also acht, so zu tun, wie euch der Herr, euer G-tt, befohlen hat! Weicht weder nach rechts noch nach links davon ab..." (5.B.M. 5.26-30)

Spaeter heisst es .."Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle anderen Voelker, wandte sich der Herr euch zu, erwaehlte er euch - ihr seid ja das kleinste von allen Voelkern - , sondern weil der Herr euch liebt und den Schwur haelt den er euren Vaetern geschworen hat." (5.B.M. 7.7)
Unglaublich, dass er diesen Satz unterstrichen hat!

Die naechste Stelle ist folgende. ..."So erkenne denn in deinem Herzen, dass dich der Herr, dein G-tt, so erzieht, wie jemand sein Kind erzieht!"( 5.B.M. 8.5)
Auch gibt es zusaetzlich wieder Ausrufezeichen.

.."Bedenke wohl, dass der Herr, dein G-tt, dir dieses schoene Land nicht ob deiner Rechtschaffenheit zum Besitz gibt, denn du bist ein halsstarriges Volk." (5.B.M. 9.6)

.."So beschneidet denn die Vorhaut eures Herzens und seid nicht fernerhin halsstarrig." (5.B.M. 10.16)

.."Nur das Blut duerft ihr nicht geniessen. Giesst es wie Wasser auf die Erde aus." (5.B.M. 12.16)

.."nur bleibe dabei, kein Blut zu geniessen; denn im Blut ist die Seele. Die Seele darfst du nicht mit dem Fleisch geniessen." (5.B.M. 12.23)

Eine Stelle, bei der es um das Verbot unreiner Speisen geht, ist vollstaendig angestrichen.
.."dies sind die Tiere die ihr essen duerft: Rind, Schaf, Ziege, Hirsch, Gazelle, Damhirsch, Steinbock, Antilope, Wildochs und Bergziege. Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, und zwar beide Klauen ganz durchgespalten, und zugleich Wiederkaeuer sind, duerft ihr essen. Nicht essen jedoch duerft ihr von den Wiederkaeuern und den Spalthufern folgende: Kamel, Hase und Kaninchen. Sie sind zwar Wiederkaeuer, aber sie haben keine gespaltenen Hufe. Sie muessen fuer euch als unrein gelten. Ferner das Schwein. Es hat zwar gespaltene Hufe, aber es ist kein Wiederkaeuer.Es muss euch als unrein gelten. Ihr Fleisch duerft ihr nicht essen und ihr Aas nicht beruehren.Von allen Tieren, die im Wasser leben, duerft ihr diese essen: Alle, die Flossen und Schuppen haben, duerft ihr essen. Aber alle, die keine Flossen und Schuppen haben, duerft ihr nicht essen. Sie muessen euch als unrein gelten.
Alle reinen Voegel duerft ihr essen..." (5.B.M. 14.4-12)

Die Abschnitte ueber den Zehnten (5.B.M. 14.22) und ueber das Ablassjahr (5.B.M. 15) sind unterstrichen, sowie folgender Abschnitt ueber das Fest Shawuot.
.."zaehle dir sieben Wochen ab! Von dem Tage an, da man die Sichel an das Getreide legt, fange mit der Zaehlung der sieben Wochen an. Dann feiere das Wochenfest zu Ehren des Herrn, deines G-ttes...(5.B.M. 16.9)

.."keine Frau darf Maennerkleidung tragen, und kein Mann ziehe Frauenkleidung an. Denn wer solches tut, ist dem Herrn, deinem G-tt, ein Greuel. (5.B.M. 22.5)

.."Ziehe keine Kleider an, die aus zweierlei Stoff, aus Wolle und Flachs, gewoben sind." (5.B.M. 22.11)

.."auch den Aegypter sollst du nicht verabscheuen, da du in seinem Land Gast gewesen bist. " (5.B.M. 23.8-9)

.."jeder soll nur wegen seines eigenen Vergehens getoetet werden.."(5.B.M.24.16)

Mit diesen Textstellen also hatte mein Vater sich wohl eingehend beschaeftigt und das, obwohl man als Christ doch eher das sogenannte "Neue Testament" las.
Trotz allem machte ich den Test, da es auch in meiner muetterlichen Linie - wie ich fand- einige Ungereimtheiten gab.
Damals habe ich am ehesten damit gerechnet, dass mein Urvolk Germanen waren.
Auch zweifelte ich daran, dass es ueberhaupt moeglich sein sollte, auf diese Art sein urspruengliches Volk ausfindig zu machen. War das nicht alles nur Geldmacherei?
Nach 4 Wochen kam das Ergebnis und es hiess dort : Urvolk : Juden.
Ehrlich gesagt, klopfte mir das Herz und selbst wenn ich bis heute Zweifel an der Serioesitaet des Ergebnisses habe, war es doch ein "Zufall". Schliesslich haetten es genauso gut Slawen oder Kelten, Germanen oder sonst ein Volk sein koennen.
Ausgerechnet Juden?
Dann kam das Ursprungsland. Es gab eine Haplogruppe, eine Art Code, die auf bestimmte Laender schloss.
Auf meine Nachfrage teilte man mir mit, dass das Ursprungsland in meinem Falle entweder in Osteuropa, Syrien oder Israel zu finden sei.

Ich kann nicht behaupten, dass ich dem KEINE Bedeutung zumass. Syrien oder Israel. Konnte es tatsaechlich moeglich sein, dass jemand ueber ein Jahrtausend hinweg seine Wurzeln "spueren" wuerde? Dass er, wenn er in ein Land kommt, das Gefuehl hat, dort zuhause zu sein?
So habe ich mich in der Tat gefuehlt, als ich zum ersten Mal nach Israel kam. Es war wie ein "nach Hause kommen".

Nun zweifle ich zwar immer noch, obwohl ich bisher nirgendwo einen Hinweis darauf fand, dass diese Methode fragwuerdig ist und die Ergebnisse unserioes, aber genauso stelle ich mir die Frage, ob nicht doch etwas Wahres daran sein kann.
Was wohl heraus gekommen waere, wenn man die Linie meines Vaters noch haette testen koennen?

Aber letzten Endes war es egal, was solch ein Test aussagte. Ich hatte - auch ohne ein Testergebnis - meine innere Heimat gefunden und fuehlte im Judentum meine ureigene Wurzel, die Wahrheit sozusagen.
Denn das, was Christen das Alte Testament nennen, die Tora, war schliesslich die Grundlage aller, das erste und urspruenglichste Dokument, worauf alles basierte. Warum sollte G-tt, der gesagt hatte, dass die Tora niemals veraendert werden wuerde, dann kurz nach der Zeitenwende ploetzlich sagen, dass es nun ein neues Dokument gaebe was das "alte" in seiner Bedeutung abloest? Worin es ploetzlich heisst, dass die Einhaltung der Gebote nicht so wichtig sei?

Ich traf meinen ehemaligen Pfarrer und unterhielt mich mit ihm ueber meinen Weg. Sehr deutlich war spuerbar, wie sehr er diesen Weg anzweifelte. Ueber den Shabbat sagte er: " J. hat gesagt, dass nicht die Menschen fuer den Shabbat da sind, sondern der Shabbat fuer die Menschen." Als ich ihm sagte, dass das bereits in der Tora steht und es deshalb auch heisst, wer sich in Lebensgefahr befindet oder auch, wenn es nur einen Verdacht auf Gefahr gibt, darf den Shabbat brechen, weil das Leben das hoechst angesehene Gut im Judentum ist, wofuer alle Gesetze ausser Kraft gesetzt werden, betonte er schliesslich meinen "Rueckschritt", den ich seiner Meinung nach mit der Hinwendung zum Judentum machte.
Ich sagte ihm, er moege meinen Schritt vielleicht als einen Schritt rueckwaerts bezeichnen, ich jedoch betrachte ihn als "Schritt zu meinen Wurzeln."
Er versuchte noch einmal dieses Bild aufzugreifen und sagte: "Aber wer vom Baum eine Frucht pfluecken will, der muss nicht zur Wurzel gehen."
Und als er merkte, dass es kein Argument gab, was mich schwanken liess, verabschiedete er sich.
Spaeter erfuhr ich von einer Freundin, dass in dem "Bibelkreis", an dem ich einst auch teilgenommen hatte, fuer mich gebetet wurde, dass ich doch wieder auf den "richtigen" Weg zurueck kommen moege.


Ich bereitete mich auf Israel vor, schrieb Institutionen an, wo man Volontariate absolvieren konnte, und fragte Freundinnen aus Israel, ob sie mir bei der Suche nach einer geeigneten Stelle behilflich sein koennten.
Schliesslich fand ich durch Sharon ein Altersheim in Jerusalem, wo ich sogar ein eigenes Zimmer haben wuerde.
Ich sparte weiter jeden Cent, den ich verdiente, um ein Jahr in Israel leben zu koennen. Kost und Logis bekam man ja von der Volontaersstelle, daher musste ich lediglich fuer ein paar Leckereien, Busfahrten im Land oder fuer Cafebesuche Geld zurueck legen.
Meine Wohnung wuerde ich aufgeben muessen, da ich es mir nicht wuerde erlauben koennen, die Miete ein Jahr lang zu zahlen.

Aber was wuerde ich tun, wenn der letzte Beit-Din-Termin nicht vor meiner Abreise stattfand?
Ich entschloss mich, fuer alle Faelle Geld fuer einen Flug zurueck zulegen, um diesen Termin dann von Israel aus wahrnehmen zu koennen und hoffte nur, dass ich nicht sofort nach ein oder zwei Wochen in Israel die Einladung bekam.
Alles was ich tat, war in irgendeiner Form eine "Reduzierung auf das Noetigste". Auch im Hinblick auf meine Rueckkehr, bei der ich quasi "von vorn anfangen" muesste, in punkto Moebel, Einrichtung usw. , waren all meine Gedanken beim Wesentlichen.
Man brauchte doch so wenig zum Leben. Ein Dach ueber dem Kopf, ein Bett, einen Kuehlschrank, eine Kochgelegenheit... das war eigentlich schon das Wesentliche.
Da ich im Mai 50 werden wuerde, sagten viele, die in meinem Alter waren: "Aber du kannst doch nicht in deinem Alter von vorn anfangen! Was ist mit deinen Moebeln, deiner Einrichtung?"
Manche, und davon gab es nicht wenige, meinten aber auch : "Ich beneide dich schon ein wenig. Du trennst dich von vielen Dingen, die man gar nicht dringend braucht im Leben und das Wesentliche, so scheint es, traegst du in dir."

Das war es auch, was ich fuehlte. Das Wesentliche hatte ich auf meinem neuen Weg gefunden. Es brauchte keine neuen Moebel oder ein neues Auto, um gluecklich zu sein. All das waren doch nur Ersatz. Ersatz fuer eine grosse Leere in der Seele, die man versuchte, mit Luxus und immer neuen Gegenstaenden zu fuellen. Hatte man sie aber eine Zeitlang, und das Neue daran war vergangen, so machte man sich schon wieder auf die Suche nach dem, was einen vermeintlich dann WAHRHAFTIG erfuellen moege.

Nein, man brauchte sehr wenig. Und alles was ich mir wuenschte, war nach Israel zu gehen, eine sehr lange Zeit dort zu leben, wo ich mich zu hause fuehlte, wo meine Seele hin gehoerte.
Ob ich fuer immer dort leben koennte und wollte? Nun, das wollte ich waehrend dieser Zeit herausfinden. Damals dachte ich, ich koenne das Leben in Israel auf Probe leben, mir ein Bild davon machen, ob ich es schafffen koennte.
Wie ich spaeter erfuhr, war das probeweise Leben nicht in allen Konsequenzen moeglich. Eine Volontaerin ist keine Neu-einwanderin und das Leben und die Bedingungen von beiden unterscheiden sich enorm und grundsaetzlich voneinander.

Meine aelteste Tochter, zu der bereits ein paar Wochen vor meiner Abreise die Post geleitet wurde, bekam die Einladung zum Beit-Din-Termin zeitgleich zu einem Anruf vom Rabbiner, den ich erhielt.
In 8 Tagen, 4 Tage nach meinem 50. Geburtstag sollte ich in der Frankfurter Gemeinde erscheinen.
Es war eine Punktlandung. 9 Tage vor meinem Flug nach Israel wuerde ich zur Juedin werden und als Noa Bat Awraham Awinu (.."Tochter Abrahams, unseres Vaters", wie man als Konvertitin genannt werden wuerde) im Flugzeug nach Israel sitzen.
Ich musste weinen vor Freude, Aufregung und tiefer Dankbarkeit.