Sonntag, 31. Mai 2009

Jiskor - Gedenken an die verstorbenen Seelen

Viermal im Jahr beten wir in der Synagoge "Jiskor", das Gebet im Angedenken an die verstorbenen Seelen. (jiskor kommt vom hebr. Wort sachor= erinnern, gedenken)
So auch an Shawuot. Zuhause wird ein Ner Neshama (ein Seelenlicht) entzuendet im Gedenken an den verstorbenen Vater/die verstorbene Mutter.
In der Synagoge wird das "Jiskor-Gebet" gesprochen, in welches u.a. auch die 6 Millionen ermordeten Juden einbezogen werden, die nur deshalb starben, weil sie Juden waren.
Auch ich habe dieses Jahr wieder ein Ner Neshama zuhause entzuendet, obwohl mein Vater, fuer den ich die Kerze anzuende, kein Jude war.
Nachdem mich jemand aufmerksam machte, dass es doch ein juedischer Brauch ist, mein Vater aber kein Jude war, habe ich den Rabbiner dazu befragt. Er sagte: " Die natuerlichen Gefuehle koennen nicht verdraengt werden. Da ist es egal, ob Jude oder Nicht-Jude."

Juedische Kinder waehrend des Holocaust - von der Kirche gerettet um den Preis der juedischen Seele?

Miriam Woelke schrieb bereits darueber ("Die gestohlenen juedischen Kinder"), und auch in der Shawuot-Nacht des Tora-lernens kam das Thema bei uns auf, was mich zurzeit sehr beschaeftigt. In erster Linie ist es eines der Themen, bei denen es mir schwer faellt, sie in adaequate Worte zu kleiden, weil das Unfassbare es verhindert.
Es geht um tausende von juedischen Kindern, die waehrend und nach der Nazizeit bis heute von der Kirche ihrer "juedischen Seele beraubt" wurden.
Zum Hintergrund: Viele juedische Eltern glaubten, ihre Kinder vor dem sicheren Tod in den Gaskammern retten zu koennen, indem sie sie in die Obhut von christlichen Familien oder Kloestern gaben.
Viele dieser Kinder wurden bis heute nicht ueber ihre wahre juedische Identitaet informiert, noch wurde der Versuch gemacht, noch lebende Verwandte ausfindig zu machen, um sie "zurueck zu geben". Ja schlimmer, es wurde Rabbinern, die in diversen Kloestern auf der Suche waren nach diesen Kindern, der Eintritt verwehrt.

Papst Pius XII soll 1946 in einem Brief an Angelo Roncalli (spaeter Papst Pius XXIII) angeordnet haben, dass die Kinder, die als Babies waehrend der Shoa getauft wurden, nicht wieder an die Eltern zurueck gegeben werden sollten.
Nicht immer hat sich der spaetere Papst wohl daran gehalten. Nicht immer!
Es gibt bis heute keine Stellungnahme des Vatikan zu dieser Tatsache, obwohl es zahlreiche Versuche gegeben hat, diese Kinder ausfindig zu machen.
Eine Organisation in Israel, namens "Yad leAchim", ("Eine Hand den Bruedern") die sich u.a. auch gegen Judenmission stellt und versucht, diese Kinder ausfindig zu machen, hat waehrend des Papstbesuches in diesem Monat das Oberhaupt der katholischen Kirche aufgefordert, diese Kinder "herauszugeben", ihren Verbleib aufzudecken.

Rabbi Shalom Dov Lifshitz, der Leiter der Organisation nannte es ein "Andauern des Holocaust bis heute", diese Waisen und deren Verbleib weiter zu verheimlichen.
Rabbi Israel Meir Lau berichtete, dass Papst Pius XII, der waehrend der Zeit der Shoa im Amt war, mehrfach abgelehnt hat, sich mit Rabbi Isaac Herzog waehrend und nach dem Krieg zur Klaerung dieser Frage zu treffen. Herzogs Wunsch war es, mit dem Papst zu diskutieren, wie die katholische Kirche helfen koennte, den Verbleib dieser Kinder aufzuklaeren und sie wieder ins Judentum zurueck zu fuehren.
Israel Lau erwaehnte aber auch, dass Papst Johannes Paul II ihm 1993 von einem Kind berichtet hat, bei dem er sich geweigert hatte, es zu taufen, nachdem die Eltern ermordet wurden, denn "die Eltern haetten sich ausdruecklich dazu geaeussert, dass das Kind als Jude aufwaechst".
Nun, ist es nicht bedauerlich, dass man sich dazu explizit aeussern muss, anderenfalls gibt es keinen Respekt vor der anderen Religion und keinen Halt in Sachen Mission?
Dennoch hat auch dieser Papst sich nicht bereit erklaert, die Archive des Vatikan zur Suche nach den juedischen Waisen zu oeffnen.
Vor einiger Zeit las ich dazu die Geschichte eines Rabbiners, der auf der Suche nach diesen juedischen Waisen in einem Kloster vorsprach, mit der Behauptung, er wuerde leicht deren Identitaet herausfinden koennen. Irritiert wurde ihm Einlass gewaehrt. Nachdem man gegessen hatte, betete der Rabbiner laut das "Shma Israel" und einige der Kinder brachen in Traenen aus und riefen nach ihrer Mutter. Das juedische Glaubensbekenntnis hatte Erinnerungen ausgeloest.

Die christliche Monatszeitschrift "30 Tage" stellt die Sache allerdings anders dar. Hier wird unter anderem relativiert, dass es sich bei den nicht herausgegebenen Kindern um diejenigen handelt, die getauft wurden (was ein nicht unerheblicher Teil sein duerfte, denn auch dort wird vom "Uebereifer mancher Nonnen" berichtet, wenn es um Taufen ging) wodurch die Kirche "ein Recht an diesen Kindern hat", da sie durch die Taufe ein "Recht an jedem Glaeubigen erwirbt".
Bei Bedarf kann jeder selbst diesen Artikel lesen, der m.E. ein paar wenige Faelle aufzaehlt, in denen die geforderte Rueckgabe eines Kindes auch tatsaechlich zuegig geschehen war. (jedoch waren es vorwiegend nicht getaufte Kinder)

Meine Meinung und Forderung dazu ist, diesen Kindern mindestens ihre Geschichte und Vergangenheit in vollem Umfang zu uebermitteln, um sie selbst entscheiden zu lassen, was sie mit dieser Information nun unternehmen wollen.
Jeder Mensch sollte das Recht auf das Wissen um seine Vergangenheit haben, oder kann es sein, dass man durch eine Taufe auch diese Rechte an die Kirche abtritt?
(zu diesem Thema auch interessant die Leseprobe aus dem Buch "Der Vatikan und die Juden" von Thomas Brechenmacher und der Beitrag der ARD)


Donnerstag, 28. Mai 2009

Chag Shawuot Sameach!


חג שמח ושבת שלום

Chag Sameach und Shabbat Shalom an Alle!!!

Mittwoch, 27. Mai 2009

Facebook: "Leugnung des Holocaust keine Verletzung unserer Nutzungsbedingungen"

Waere ich nicht schon abgemeldet - spaetestens jetzt waere fuer mich die Stunde gekommen.
Lest euch mal diesen Artikel durch, indem Facebook gegenueber dem Fachblog "TechCrunch" erklaert: "Die Leugnung des Holocaust ist keine Verletzung unserer Nutzungsbedingungen."
Das Unternehmen will seinen Nutzern Meinungsfreiheit bieten, wolle aber gleichzeitig dafuer sorgen, dass Individuen und Gruppen sich nicht bedroht fuehlen.

Ein amerikanischer Anwalt hatte mit seiner Beschwerde erreicht, dass zwei Nutzergruppen, in denen der Holocaust bestritten wurde, von Facebook geloescht wurden.
Nach US-Medienberichten sind aber andere noch online.

Noch etwas nicht ganz so Dramatisches, aber dennoch fuer den User laestig bis unangenehm HIER. (Das, was dort beschrieben wird, ist mir auch passiert)

Auch interessant zu lesen, was Adrian in seinem Blog dazu gefunden hat. HIER nachzulesen, warum der israelische Geheimdienst vor Facebook warnt.

Segen ueber die Baumfrucht!


ברוך אתה יהוה אלוקינו מלך העולם, בורא פרי העץ

Baruch ata haShem, Elokeinu, Melech haOlam, Bore Pri haEz!

Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, Schoepfer der Baumfrucht!

Montag, 25. Mai 2009

Vorbereitung auf Shawuot - und auf Eretz Israel

Das Volk - bevor es die Tora empfangen sollte - bereitete sich vor.
"Geh zum Volk, heilige sie zu, heute und morgen, sie sollen ihre Gewaender waschen, dass sie bereit seien auf den dritten Tag.." so gebot G-tt dem Moshe.

Wie werde ich mich vorbereiten, auf Shawuot, aber auch auf die baldige Alyia? "Alyia" heisst "Aufstieg", eine Einwanderung nach Eretz Israel ist etwas Besonderes und es gilt, sich darauf auch spirituell vorzubereiten, sich zu heiligen.

Ich moechte die Kompromisse im Bereich Kashrut reduzieren, mich bemuehen, einige Schritte vorwaerts zu kommen.
Hier in Deutschland ist es selbst mit der Kosher-Liste und wenigen Besuchen im Bistro schwierig, die Kashrutregeln umzusetzen, ohne zu verhungern. Aber es ist möglich.
Gut, dass ich am liebsten Obst und Gemuese esse, was sowieso kosher ist.

Die bevorstehende Alyia koennte dazu fuehren, weitere Schritte aufzuschieben. "Bald in Israel wird alles besser...".
Doch vielleicht ist es ja eher umgekehrt. Wir muessen uns heiligen, vorbereiten so gut es geht, das, was hier umsetzbar ist, mit allen Mitteln verteidigen.

Wie heisst es doch: Die Erfuellung einer Mizwa fuehrt zur naechsten Mizwa. Aber die Nichteinhaltung und Laessigkeit, bei der Umsetzung fuehrt dazu, dass auch die naechste Mizwa vernachlaessigt wird.
Es gilt, die eigenen Grenzen zu verteidigen und sich nicht etwa zur Nicht-einhaltung "verfuehren" zu lassen.
Eine Freundin erzaehlte mir von ihren nicht-juedischen Bekannten, die haeufig mit dem Argument kommen: "Aber wenn du doch ....isst, dann kannst du doch auch mit uns .... essen."
Nein, kannst du nicht! Es gilt, zunaechst die selbst gesteckten Grenzen fuer sich einzuhalten, um sie dann selbstbewusst auch vor den anderen zu verteidigen.

Selbst wenn es nicht logisch erscheint, weil wir andere Dinge (noch) nicht einhalten, so sollten wir dennoch das, was wir uns vorgenommen haben, weiterfuehren.
"Heiligt euch, heute und morgen und seid bereit auf den dritten Tag....!"

Shawuot - die Uebergabe der Tora am Berg Sinai

Am Donnerstag abend feiern wir Shawuot, das Fest der Tora-uebergabe. am Berg Sinai. Wie wir lesen, sollten wir uns gut vorbereiten, wie es damals das Volk Israel auch tun sollte.
Sind wir nicht in der heutigen Zeit weit von einem so hohen Niveau entfernt, das uns befaehigt, zu begreifen, was im einzelnen diese Uebergabe beinhaltet?

Am letzten Shabbes habe ich ein sehr deutliches Beduerfnis der Vorbereitung registriert und ich werde die verbleibende Zeit nutzen, um die tiefere Bedeutung ganz bewusst zu erleben.
Das Volk Israel, so sagt man, wollte sich ebenfalls spirituell vorbereiten, nur hat es dabei einen Fehler gemacht, es schlief ein, noch bevor G-tt am Morgen die Tora uebergab.
G-tt selbst musste sie wecken.
Um diesen Fehler wieder "gut zumachen" sollen wir diese Nacht zur Nacht des Tora lernens machen. Es ist Brauch, zu lernen, solange man kann, wenn moeglich bis zum Morgen.
Ich erinnere mich an Jerusalem. Im letzten Jahr war ich zu Shawuot dort und es wimmelte noch mitten in der Nacht von Maennern, Frauen und Kinder n auf den Strassen. Die Nacht wurde zum Tag, es war ein unbeschreibliches Gefuehl des gemeinsamen Erlebens, ueberall waren Menschen unterwegs zum Lernen der Tora, fast so, als wuerden wir alle am naechsten Tag noch einmal die Tora erhalten.

Das Buch Ruth wird gelesen unter anderem deshalb, weil Ruth zum Judentum uebertrat als Ger Zedek und das gesamte Volk Israel bei der Tora-uebergabe ebenfalls als gerechter Ger betrachtet wird, da es dort erst zum "Volk" wurde mit all seinen Gesetzen. Es akzeptierte alle Gebote am Tag der Uebergabe, wie jeder Ger sie auf sich nimmt, "ohne Ausnahme".

Weiter heisst es in der Tora, dass dieser Bund nicht nur mit denen geschlossen wird, die damals vor dem Ewigen standen, sondern mit "allen kommenden Generationen". Auch von den Uebergetretenen heisst es, dass ihre Seelen damals schon am Berg Sinai dabei waren, nach Ueberwindung von Zeit und Raum. Diese Seele wird nun irgendwann im Laufe des Menschenlebens so aktiv, dass der Mensch, in dessen Koerper sie sich befindet, gar nicht anders kann, als dem starken Wunsch, zum Volke Israel zu gehoeren, nachzugehen und sich auf den Weg zu machen.

Gab es nicht ein "Auf-der-Stelle-treten" in der letzten Zeit und ist die Zeit nun reif fuer einen Schritt vorwaerts?
Was das genau und konkret fuer mich bedeutet?
Zunaechst einmal sehr viel mehr Zeit fuer meine spirituelle Entwicklung. Einen Satz trage ich immer in mir, den ich versuchen moechte, umzusetzen: "Ein guter Jude ist der, der jeden Tag neu versucht, ein besserer Jude zu sein."
Dass das nicht immer gelingt, ist nur menschlich, doch den Versuch zu unterlassen, kann Stillstand bedeuten.

Sonntag, 24. Mai 2009

"Mission"?

Ich habe mit einer Freundin am Shabbat ueber meine Artikel " Das Judentum in deinem Alltag" diskutiert. Mit einem Mal stellte sie die Frage in den Raum, ob nicht das, was ich da schreibe, bereits "missionieren" ist.
So habe ich mich die letzten Stunden damit herum getragen und ueber meine Intention nachgedacht, die mich dazu gebracht hat, diese Artikel zu schreiben.
Zuerst einmal moechte ich klarstellen, dass das Judentum keinesfalls missioniert, und falls das in meinen Artikeln in irgendeiner Form so angeklungen hat, war das in keinem Fall beabsichtigt, da mir Mission in jeglicher Form zuwider ist
Ich bin in der Regel ein toleranter Mensch, der sich das Gleiche von Andersglaeubigen wuenscht.

Nun, aber was habe ich dann mit meinen Artikeln beabsichtigt und wen wollte ich ansprechen?
Auf keinen Fall sollten sich Christen, Moslems oder Menschen anderer Religionszugehoerigkeiten angesprochen fuehlen, sich nun juedisches Verhalten anzueignen.
In erster Linie hatte ich den Juden im Sinne, der sich entfernt hat von seiner Religion, oder noch nie religioes gelebt hat. Ist das nicht dann auch missionieren innerhalb der eigenen Religion?
Aber ich sah auch den Uebertrittswilligen, von denen ich selbst ja einmal eine war, der an der Riesenaufgabe der 613 Gebote fast verzweifelt. Ihn wollte ich ebenso ansprechen, um ihm Trost und Mut zuzusprechen, um zu sagen: "Nein, es ist keine zu schwere Aufgabe. Gehe deinen Weg weiter. Verzweifle nicht. Du wirst es, mit G-ttes Hilfe schaffen."

Mit G-ttes Hilfe, nicht mit meiner....
Kann es sein, dass ich zuviel Ermutigung geaeussert habe, dass das, was ich als Ansporn sah, schon in eine falsche Richtung wies?
Da ich mir Menschen vorstellte, die bereits "auf dem Weg" sind, - als solcher habe ich mich immer vor meinem Giur bezeichnet - bin ich auf den Gedanken einer Mission, nicht einmal selbst gestossen.
Muesste ich den, der verzweifelt, und aufgibt, nicht mit allem Respekt auch "gehen lassen" koennen?
Schliesslich ist es sein ureigener Weg. Auch ich musste mich durch diverse Schwierigkeiten kaempfen und so manches Mal habe ich selbst den Eindruck bekommen, dass derjenige, der in seinem tiefsten Inneren ein Teil des juedischen Volkes werden moechte, es auch schaffen wird. Und wer bei kleinen Steinen auf dem Weg bereits mutlos umkehrt, will er es ueberhaupt von ganzem Herzen?
Und vor allem : Sollte ich mich in seinen Findungsprozess einschalten?
Zurzeit habe ich noch keine Antwort darauf und werde weiter darueber nachdenken.

Freitag, 22. Mai 2009

Das Judentum in deinem Alltag - Teil 2

Du moechtest noch einen Teil des juedischen Lebens in deinen Alltag bringen? Das Geben von Zdaka an Beduerftige hat dir gezeigt, dass ein Anfang gemacht ist und du nicht alles auf einmal tun musst, dass es doch nicht ganz so aussichtslos ist, ein juedisches Leben zu fuehren?
Dann darfst du heute einmal ein Stueck vom Shabbat kosten. Goenne dir etwas, was du noch nie getan hast, um auszuprobieren, warum der Shabbat auch dir selbst etwas an Freiheit gibt.
Unermuedlich laeuft der Fernseher oder das Radio, um dich abzulenken von dir selbst, um Zerstreuung zu suchen.
Aber was passiert eigentlich, wenn du fuer 25 Std. einmal ohne diese Zerstreuung auskommen sollst?
Genau - du wirst dich auf dich selbst besinnen, musst es nun mit dir als Mensch "aushalten". Automatisch wirst du etwas anderes suchen, ein Buch, einen Spaziergang, ein Gespraech mit der Familie.
All das hat sowohl den Aspekt der Ruhe, des "zu-dir-selbst-kommens" als auch einen hohen Anteil an sozialer Wichtigkeit.
Wann hast du dich in der letzten Zeit fuer die Sorgen deiner Kinder interessiert oder dich vom Internet geloest, um einen gemeinsamen Spaziergang mit deiner Frau oder deinem Mann zu unternehmen? Nun gibt das Judentum dir einen Vorgeschmack davon, wie befreiend ein Shabbat sein kann. Du bist nicht laenger Sklave deiner Gewohnheiten, sondern tust bewusst etwas, was dir gut tut. Und schon wieder hast du einen Teil des Judentums in dein Leben geholt.
Shabbat shalom!

"Bamidbar" - Jeder Jude ist wichtig

Schon wieder wird das Volk Israel gezaehlt in unserem Wochenabschnitt. Und kein einziges Gebot ist erwaehnt. Warum erneut? Hat G-tt nicht schon einmal beim Auszug aus Aegypten und nach der Suende mit dem goldenen Kalb alle gezaehlt?

Wenn du etwas sammelst, und es ist dir sehr viel wert, wirst du immer wieder zaehlen, was dir so lieb ist.
G-tt hat das Volk beim Auszug aus Aegypten gezaehlt, wie ein Lehrer beim Klassenausflug zaehlt, ob auch alle beisammen sind. Er hat es gezaehlt, nach der Suende mit dem goldenen Kalb, um festzustellen, wer noch an G-tt festhaelt. Und nun zaehlt er erneut.
Das haeufige Zaehlen soll uns zeigen, wie lieb ihm jeder Einzelne seines Volkes ist. Und da in diesem Wochenabschnitt kein Gebot erwaehnt ist, will er uns wissen lassen, dass er uns liebt, auch wenn wir ein Gebot nicht einhalten. Wir haben bis zu unserem Tode von unserem Vater die Moeglichkeit der Tschuwa (der Umkehr) erhalten. Wer in Liebe zurueckkehrt zum richtigen Weg, der wird niemals verstossen.
Jeder Jude mit seinen Eigenarten ist G-tt lieb. Niemand von uns kann sich erheben ueber den anderen und ihn ver-oder be-urteilen. Das ist allein G-tt vorbehalten. Wer weiss schon, wie tief der andere, der unserer Meinung nach kein religioeses Leben fuehrt, mit G-tt verbunden ist, was er schon getan hat, um die Welt zu retten, um Licht in die Welt zu bringen.
Nur eines wissen wir nicht - naemlich wann unsere Todesstunde sein wird. Daher sollten wir immer bereit sein, vor unserem Schoepfer zu stehen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Alyia - und was dann?

Ich sitze bei offenem Fenster auf der Couch und lausche "Reshet Gimmel", einem israelischen Radiosender. Dort werden heute, zum Yom Yerushalayim, der abends beginnt, die schoensten Lieder, die sich auf die Heilige Stadt beziehen, gespielt. Das weckt wieder die Sehnsucht in mir und in Gedanken laufe ich ueber die Wege Yerushalaiyms. Alle paar Minuten bleibe ich stehen, um den Blick ueber Yerushalaiym zu geniessen.
Nun bekam ich zu meinem Artikel "Alyia" einen Kommentar mit Fragen und ich habe entschieden, dass die Beantwortung einen eigenen Artikel verdient.
"Was wirst du in Israel machen? Die Arbeitssituation ist schlecht wie ueberall auf der Welt."

Zu dieser Frage mache ich mir wohl fast jeden Tag Gedanken.
Ich bin hier in Deutschland Sozialarbeiterin und werde bei meiner Alyia einen sehr sicheren Job bei der Stadt zurueck lassen fuer eine sehr unsichere Zukunft.
Rational ist das sicher nicht zu erklaeren. Die meisten Menschen verstehen das nicht, soviel ist klar.
Vielleicht ist es auch ein Fehler und dennoch werde ich es versuchen, denn mein Gefuehl, dass es einen "Wink" vom Himmel gibt, ist stark.
Ich lasse zurzeit vom Ministry of Labour and Social Welfare, Committee on "Authorization of Social Workers" mein Diplom pruefen. Das Wichtigste ist, dass es in Israel anerkannt wird, dann koennte ich versuchen, Arbeit im Sozialen Bereich zu finden. (Trotzdem wird es in JEDEM Fall wesentich schlechter bezahlt werden als hier. Das muss einem klar sein)
Ich bin ein sehr genuegsamer Mensch geworden, habe im Laufe der letzten Jahre meinen Lebensstandard ziemlich herunter gefahren (Mini-Wohnung, kein Auto, ... man braucht so wenig, was WIRKLICH wichtig ist) zugunsten der Aufenthalte in Israel und zurzeit, um moeglichst viel Geld zurueckzulegen fuer die ersten Monate in Eretz Israel.
Und so sehe ich mich auch in Israel eher in einem sehr kleinen Appartement. Im besten Falle werde ich eine Arbeit finden, die mir ermoeglicht, in Jerusalem zu wohnen und auf niedrigem Level mein Leben zu gestalten.
Dadurch, dass Jerusalem sehr teuer ist, werde ich wohl anfangs versuchen, in Haifa nach einem Job zu suchen.
Ich bin offen fuer viele Arten von Arbeit, es muss nicht unbedingt Sozialarbeit sein. Und fuer den Anfang werde ich versuchen, mir ein paar Putzstellen zu suchen, um mich ueber Wasser zu halten. Auch davor scheue ich nicht zurueck. Ich denke, wenn man etwas wirklich will, wird es Mittel und Wege geben, es umzusetzen. (wenn der Himmel mitmacht!)

(Jemand, der mir ein guenstiges Appartement vermieten kann in Haifa oder Jerusalem, oder der Verwandte hat, die eine Arbeitskraft suchen, kann mir gern schreiben und mir dadurch wirklich unglaublich helfen. * grins* )

Mein groesster Wunsch ist es, immer soviel Geld zu haben, dass ich meine Kinder so oft es geht in Deutschland besuchen kann, soviel sei gesagt zu der Frage, ob meine Alyia eventuell eine Flucht sei, nach dem Motto: Moeglichst weit weg von der nicht-juedischen Familie.
Ich meine, wenn man mit sich selbst "im Reinen" ist, und tief im Innern grosse Zufriedenheit herrscht, muss man nicht fluechten.
Auch verteufle ich Deutschland keinesfalls, ich bin mir im Klaren, dass es grosse Vorteile gibt, hier zu wohnen, zu leben und alt zu werden. Und doch spuere ich einen gewissen Mangel, vor allem auf spiritueller Ebene, den ich in Israel fuellen konnte. Juedisches Leben ist eben in Israel doch etwas leichter. Ich moechte da nur ans Kosher einkaufen erinnern, was hier keinen Spass macht und immer nur ein Kompromiss sein kann.

In jedem Fall gehe ich nicht mit Naivitaet und nicht ohne ein gewisses Mass an Sorge, ob es klappen wird. Wenn man aber so wie ich, einen Weg gefuehrt wurde, der wahrhaft ungewoehnlich ist, und man ihn als Geschenk betrachtet, sollte man auch weiterhin an die Unterstuetzung und Hilfe von "oben" glauben und darauf fest vertrauen.
Den Teil, den ich dazu beitragen kann, dass es gelingt, z.B. Bescheidenheit, Durchhaltevermoegen und die Bereitschaft, ein einfaches Leben zu fuehren, werde ich versuchen, umzusetzen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Berlusconis Zunge

Sie scheint es immer wieder nicht so genau zu nehmen, die Zunge Berlusconis und macht jetzt nicht einmal halt davor, die Fluechtlingslager in seinem Land mit KZs zu vergleichen.
Ich frage mich schon, was in einem Menschen vorgeht, dem solch ein Vergleich leicht ueber die Lippen geht.
Ein KZ war Hauptteil einer Todesmaschinerie unglaublichen Ausmasses. Wir koennen heute noch schwer begreifen, was dort fuer Grausamkeiten geschahen.
Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht eines jeden Ueberlebenden solcher Lager, wenn Menschen heute voreilig diesen Vergleich stellen?

Kann Berlusconi sich tatsaechlich bildhaft vorstellen, wie der Alltag in einem KZ aussah? Macht er sich ueberhaupt Gedanken darum, welche Worte seinen Mund verlassen, um dann durch die ganze Welt zu gehen?
Berlusconi ist nicht irgendein Mensch, dessen unsinniges Gerede der Welt egal sein kann. Er hat als Politiker eine Verantwortung und soll fuer das Volk ein Vorbild sein, im besten Falle.
Hoffen wir nicht, dass zuviele ihm nacheifern.

Dienstag, 19. Mai 2009

Deiner Umwelt zuliebe - die Loesung unserer Wasserprobleme!

Jeden Tag hoere ich im israelischen Radio ueber das Internet Schlagworte wie: Wasser sparen, wir duerfen kein Wasser verschwenden, der Kinneret trocknet aus..
Und da es in diesem Winter in Israel wieder zuwenig Niederschlag gegeben hat, wird das Problem sich eher verschlimmern.
Auch in Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die an Energie und Wasser sparen interessiert sind, selbst wenn wir hier in unseren Gefilden genug Wasser haben.

Bei dieser Gelegenheit moechte ich Euch die Erfindung eines guten Freundes vorstellen. Nachdem er sich seinen klugen israelischen Kopf zerbrochen hat, wie man das Wasserproblem in den Griff bekommen koennte, gelang ihm die Entdeckung einer Wasserspar-idee in Form eines gaenzlich neuen Ventiles.

Seine Erfindung, "IZI-flow" genannt, besteht aus einem Ventil, mit dem jeder seinen bestehenden Wasserhahn nachruesten kann, und da ich von der Idee begeistert bin, sie noch dazu sehr guenstig ist und keinerlei grossartige Umbaumassnahmen erforderlich macht, habe ich mich entschlossen, ein wenig Werbung dafuer zu bloggen.

Man stellt seinen Wasserhahn auf die gewuenschte Durchflussmenge ein, und betaetigt ihn danach nur noch ueber ein Pedal, was auf dem Boden liegt. (Fuer Einbaukuechen gibt es ein schickes Sockel-pedal)
Das erlaubt einem, die exakt genaue Wassermenge zu entnehmen, die benoetigt wird, und keinen Tropfen mehr.
Zusaetzlich ist es eine sehr hygienische Art der Wasserentnahme, da man freihaendig arbeitet und bei verschmutzten Haenden den Wasserhahn nicht beruehren muss.
Ihr sagt "das kennen wir doch schon"? Nun, im Unterschied zu den Patenten, die ihr kennt, arbeitet das Ventil rein mechanisch. Es funktioniert ohne jegliche kostspielige Elektronik und ist somit quasi wartungsfrei.

Und das Schoene an der Sache: Jeder kann es sich leisten! Belohnt wird er mit einer deutlich niedrigeren Wasserrechnung (bis zu 70 % Wasserersparnis!)
Ehe ich nun vollstaendig ins Schwaermen gerate, schaut euch selbst einmal die website an und fuer Technikfreaks, die es genau wissen wollen, ist die exakte Beschreibung, wie es funktioniert gleich mit dabei. Auch ein Video, welches die Bedienung verdeutlicht koennt ihr Euch ansehen.
Viel Spass beim Wasser sparen in Israel, Deutschland und ueberall, wo umweltbewusste Menschen leben!

Montag, 18. Mai 2009

Aliya - Einwanderung nach Israel

Um berechtigt zu sein, Alyia zu machen, d.h. nach Israel einwandern zu duerfen, muss ein Mensch, der nicht von Geburt an juedisch ist, sondern ausserhalb von Israel zum Judentum uebergetreten ist, noch ein ganzes Jahr im Land wo der Uebertritt erfolgt ist, als Mitglied einer Gemeinde aktiv am juedischen Leben teilnehmen.
Hat man vor, in Israel Giur zu machen, so ist das in den meisten Faellen guenstiger, vor allem, wenn man bis 35 Jahre alt ist. Es gibt Programme (auch im Kibbutz), die den Giur-kandidaten innerhalb von 5 - 8 Monaten auf die Pruefung vor dem Beit Din vorbereiten.
Aber auch um dafuer zugelassen zu werden - so wurde mir gesagt - sollte man schon ein Jahr in Israel gelebt haben, entweder als Volontaer in einem Kibbutz oder woanders.
Das Programm des religioesen Kibbutzes sieht vor dass der Giur-kandidat die Haelfte des Tages im Kibbutz arbeitet, und die andere Haelfte Unterricht in Tora, Talmud, Halacha usw. erhaelt.
Untergebracht ist man meist in einem Mehrbettzimmer. Kost und Logis sind frei, es ist spaeter beim Beit Din eine geringe Gebuehr von ca. 40 Euro umgerechnet faellig.
Nach dem erfolgreichen Giur im Lande Israel, muss man das Land nicht mehr verlassen und kann sofort einen Antrag auf Alyia (Einbuergerung) stellen.

(An dieser Stelle moechte ich aufgrund einer Anregung von Miriam Woelke, die in Jerusalem lebt, folgendes erwaehnen:
Es gibt in Israel beim Innenministerium offenbar eine eigene Abteilung, die darueber entscheidet, ob der Kandidat Giur in Israel machen darf oder nicht. Selbst nach erfolgreichem Giur entscheidet man dort, ob man Aliya machen darf oder nicht. Auch ein bereits erfolgter Giur kann wieder aberkannt werden, zumindest kann der Prozess, bis zur Alyia-bewilligung sehr lange hinausgezoegert werden - siehe auch im Kommentar!-)

Ich selbst habe - nachdem ich letztes Jahr wieder aus Israel zurueckkam - bei der Jewish Agency in Berlin meinen Antrag auf Alyia gestellt. Es gibt Niederlassungen der Jewish Agency in Berlin und Frankfurt. An eine von beiden kann man sich wenden, um den Prozess zu starten.
Es wurde mit mir gemeinsam ein Antrag ausgefuellt mit vielen persoenlichen Fragen.
Zusaetzlich wurde ich gebeten, einen Lebenslauf, moeglichst auf englisch zu schreiben. Hebraeisch ist nicht unbedingt erforderlich.
Da die Jewish Agency dann alle Unterlagen nach Israel schickt an die Einwanderungsbehoerden, kommen in der Regel in den naechsten Wochen einige Rueckfragen.
Der gesamte Prozess des Giur muss beschrieben werden, d.h. wie oft hat man Unterricht gehabt und wie lange dauerte der Prozess insgesamt.
Die Giurpapiere werden von den israelischen Behoerden dann auf Gueltigkeit ueberprueft. Nicht jeder Uebertritt ist anerkannt, um eine Alyia-berechtigung zu erhalten.

Heirats-und Scheidungsurkunden muessen genauso eingereicht werden, wie ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass man die alleinige Verantwortung traegt im Falle dass die Alyia Kosten verursacht.
(Wozu das gut sein soll, weiss ich nicht, denn wer ausser mir selbst sollte wohl dafuer aufkommen?)
5 Passbilder sind erforderlich und man wird gefragt, wann man ungefaehr vorhat, einzuwandern.
Die Behoerden sorgen dann dafuer, dass dem Oleh Chadash (Neueinwanderer) ein Platz im Mercaz haKlita (Heim fuer Einwanderer, absorption center) zur Verfuegung steht.
Leider nicht in meinem Fall, da ich weit ueber der Altersgrenze liege. (auch hier gilt in der Regel: bis zu einem Alter von 35 Jahren, ein paar Jahre darueber ist in Ausnahmefaellen noch in Ordnung)
Bekommt man dann irgendwann das "o.k." von Israel, ueber die Jewish Agency mitgeteilt, wird man gefragt, wann der Abflug sein soll.
Dann wird die Jewish Agency einen Flug buchen (oneway natuerlich), den man nicht bezahlen muss.
Man hat das Recht, 60 kg Gepaeck mitzunehmen und falls man Moebel oder einige Sachen vom Hausrat mitnehmen will, bekommt man eine Adresse genannt von Organisationen, die beim Transport behilflich sind. (Container, Verschiffung etc.)
Kommt man als Oleh Chadash am Flughafen an, wird man in einen Raum gefuehrt, wo man die vorlaeufige Tehudat Sehut (eine Art Personalausweis) ausgehaendigt bekommt und entscheiden muss, in welcher Krankenkasse man als Mitglied aufgenommen werden moechte.
Man ist dann SOFORT krankenversichert und muss erst nach einem halben Jahr Mitgliedsbeitraege entrichten.
Es gibt einen sogenannten "Sal klita" (sal= Korb, klita= einwanderung. Sal Klita= Einwanderungskorb), der verschiedene Verguenstigungen und Geldleistungen fuer den Neueinwanderer beinhaltet.
Direkt am Flughafen gibt es die 1. Rate dieses Sal Klita in Hoehe von ca. 250 Euro umgerechnet (1200 - 1300 NIS).
Nachdem man in den naechsten Tagen sein Bankkonto eroeffnet hat, werden alle weiteren Raten, die ein halbes Jahr gezahlt werden und NICHT zurueck gezahlt werden muessen, darauf ueberwiesen.
Leben kann man davon natuerlich nicht, aber es ist eine Starthilfe, die man wohl sonst nirgends auf der Welt als neuer Einwanderer erhaelt.
Ein Ulpan (intensiver Sprachkurs) kann und sollte ebenfalls in Anspruch genommen werden. Auch fuer diesen muss der Einwanderer nicht bezahlen.

Hat man die israelische Staatsbuergerschaft angenommen, so verliert man im selben Augenblick "automatisch" die deutsche Staatsbuergerschaft. Um das zu vermeiden - es ist mir wichtig, auch weil meine Kinder hier bleiben werden - kann man VOR der Annahme einer anderen Staatsbuergerschaft einen Antrag bei der Bezirksregierung auf "Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft" stellen. Es gibt spezielle Vordrucke dafuer, die man entweder im Internet herunterladen kann, oder beim Einwohnermeldeamt bekommt. Dort muss man 1. formulieren, warum man unbedingt die israelische Staatsbuergerschaft annehmen will (z.B. aus religioesen Gruenden, oder weil es bei bestimmten Arbeitgebern vorteilhafter ist) und 2. aus welchen Gruenden man die deutsche behalten will. Hierbei zaehlen offenbar nur "bestehende Bindungen zu Deutschland, (das koennen Kinder oder andere Verwandte sein) oder auch Eigentum (ein Haus, ein Geschaeft, etc.)
Diese Genehmigung muss man VOR der Annahme einer anderen Staatsbuergerschaft in den Haenden halten.
Leider ist sowohl eine Erlaubnis, als auch die Ablehnung gebuehrenpflichtig. Es kostet ca. 250 Euro, wenn dem Antrag stattgegeben wird, und sage und schreibe noch 200 Euro, falls er abgelehnt werden sollte.

Diesen Antrag habe ich vor ca 6 Wochen gestellt und bisher noch keine Antwort. Da ich erst im Oktober Alyia machen werde, - b"h - ist das nicht so schlimm, denn eine Genehmigung ist dann bis zu 2 Jahren gueltig.

Interessiert man sich fuer die Vorgehensweise und alle Fragen um das Thema Alyia, sollte man die Seite www.noam.org.il aufsuchen.




Freitag, 15. Mai 2009

Das Judentum in deinem Alltag - ein Anfang!

Du bist daran interessiert, das Judentum "praktisch" kennen zu lernen? Alles was du in den Buechern liest, erscheint dir so fern und theoretisch? Auch hoert es sich nach einer Unmenge von Geboten an, die doch kein normaler Mensch in sein Leben integrieren kann, denkst du?
Ausserdem kennst du noch keinen einzigen "frommen" Juden, der dir ein paar Anweisungen geben koennte und einen Rabbiner moechtest du auch (noch) nicht aufsuchen?
Dann bitte lege deine Buecher nicht frustriert beiseite und hake dein Verlangen, dich mehr mit dem Judentum zu beschaeftigen nicht unter "verrueckte Idee" ab.
Ein Marathon ist auch eigentlich eine verrueckte Idee. Wer kann schon 42, 195 km laufen? Und doch ist es moeglich, aber nicht heute.
Heute ist es moeglich, 10 Minuten zu beginnen, und diese 10 Minuten im Laufe der naechsten Monate ganz langsam zu verlaengern.
Und beim Marathon selbst sagen die meisten "Koenner": denke nicht, dass du jetzt 42 km laufen musst. Sage dir: Ich laufe 4 mal 10 km.
Wo ist der Unterschied?
Nun - unser Geist ist faul und scheut Anstrengungen, die von vornherein scheinbar zum Scheitern verurteilt sind. Wir koennen manche Dimensionen einfach nicht begreifen, weil unser Geist begrenzt ist.
Aber eine kleine Aufgabe, von der wir wissen, dass wir sie in jedem Fall umsetzen koennen, gehen wir mit einer gewissen Leichtigkeit an.
Der trainierte Marathonlaeufer weiss, dass er 10 km leicht schaffen kann. Daher laeuft er - im Geiste - erst einmal diese 10. Und dann weitere 10.
Das macht er 4 mal, ohne dass er ein einziges Mal an die ganze Strecke von 42, 195 km denkt.
Und das ist das ganze Geheimnis des Erfolges.

Was hat das alles mit der Umsetzung juedischer Inhalte in dein Leben zu tun?
Nun, sehr viel. Denn das Judentum ist eine unendlich vielfaeltige und reiche Religion. Reich an Bedeutungen, an Inhalten, an Riten und Symbolen, aber auch reich an Mizwot (an Geboten) und Gesetzen.
Mizwot sind nicht dazu da, um dich zu quaelen, sondern um dich G-tt ein wenig naeher zu bringen.
Deshalb vollbringen wir sie gern und mit Freude. Wenn du einen guten Freund besuchst, freust du dich wahrscheinlich auf ihn und darauf, ihm eine Zeitlang nahe zu sein. Du nimmst ein Geschenk mit, um ihm eine Freude zu machen und dadurch ihm noch ein Stueckchen naeher sein zu koennen.
Erst recht moechtest du G-tt naeher sein, doch wie geht das? Ist er nicht so unendlich weit weg?
Das Gegenteil ist der Fall. Er ist nur so weit weg, weil du keinen Schritt machst, um dich ihm zu naehern.

Nun moechte ich dir ein Geheimnis verraten. Du brauchst sicher spaeter viel Unterstuetzung von anderen Juden, denen du nacheifern kannst und einen Rabbiner wirst du als geistigen Begleiter auch brauchen.
Aber einige Mizwot in den Alltag hineinbringen kannst du ganz allein, ohne dass jemand davon etwas wissen muss. Probier es aus.

Geh in die Stadt und schau dich um. Sicher wirst du einen Menschen finden, der an der Erde sitzt mit einem Hut oder einer Dose vor sich. Bisher hat man dir gesagt: "Es gibt Hartz IV! Er muss nicht dort sitzen. Ist seine eigene Schuld, dass er mit dem Geld nicht auskommt. Wahrscheinlich gibt er alles fuer Alkohol oder Drogen aus. "
Und ehrlich - das mag in vielen Faellen zutreffen.
Aber, sagt uns die Tora, warte! Ein Mensch, der dort sitzt und um Geld bettelt, tut das nicht, ohne es zu brauchen. Dir steht es nicht zu, zu be-urteilen, ob dieser oder jener dein Geld "sinnvoll" einsetzt. Wenn sich eine Hand oeffnet, sollst du geben!
Gib ihm das, was du entbehren kannst und - warte noch einmal - gib es ihm mit Freude.
Die Weisen sagen, es ist nicht nur entscheidend, DASS du gibst, sondern auch WIE du gibst.
Wirf nicht die Muenze von oben in den Hut und geh weiter, ohne das Gesicht des Menschen anzusehen.
Bleibe einen kleinen Moment bei ihm, beuge dich zu ihm und sprich ein paar Worte, und wenn du kein Geld hast, sprich NUR mit ihm.
Er ist - wie du - ein Geschoepf G-ttes. G-tt wollte dass er in diese Welt kam. Und mehr - G-tt steht an seiner Seite, wenn er die Hand nach einer Gabe ausstreckt. Ignorierst du ihn, so ignorierst du G-tt.
Hast du Angst, er wird sich Alkohol von deinem Geld kaufen? Dann kaufe ihm ein Broetchen oder einen Café.
Du wirst noch lange an sein dankbares Laecheln denken.

Und schon hast du eine riesengrosse Mizwa erfuellt. Du hast einen Teil des Judentums schon in dein Leben geholt. Und bist G-tt ein ganzes Stueck naeher gekommen. Spuerst du, dass Geben nicht aermer macht, sondern auf wundersame Weise bereichert?
Das ist eines der Geheimnisse des Judentums. Du hast begonnen, sie zu entdecken.
Shabbat shalom!


Mittwoch, 13. Mai 2009

Der Papst und das juedische Volk

Da bereits viele Menschen kluge und weniger kluge Saetze zum Papstbesuch in Israel geaeussert haben, von mir nur einige Gedanken.
Ein Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche in Israel ist wichtig. Auch aus einem scheinbar ganz banalen Grund. Israel ist wie selten in den letzten Monaten in den Medien als ein Gastgeberland, als Heimat von Juden, Muslimen und Christen und nicht als Land, das gerade Krieg fuehrt.
In einer relativ friedlichen Zeit werden schoene Bilder aus der heiligen Stadt gesendet, die auch den normalen Fernsehzuschauer, der gar nicht an Israel interessiert ist, erreichen.
Positive Bilder aus diesem Land zu sehen ist nun wirklich nicht sehr oft der Fall. Das zum einen.

Weiter ist das, was der Papst geaeussert hat, wie Avi Primor, der ehemalige israelische Botschafter, sagt, nicht so schrecklich, wie manche Kritiker es darstellen.
Fettnaepfchen gab es genug und nicht immer war er umsichtig, doch im Grossen und Ganzen konnte man nicht viel mehr von ihm erwarten, als er bislang von sich gezeigt hat.
Benedikt ist kein Mann der Emotionen, das wurde wieder einmal klar, als uns die Bilder aus Yad Vashem erreichten. Auch mir hat an dieser Stelle eine klare Aeusserung ueber die Verantwortung der Kirche zur Nazi-zeit gefehlt. Nicht unbedingt eine Entschuldigung, nein das Anerkennen der grossen Schuld, die die Kirche zur damaligen Zeit auf sich geladen hat, haette mir gereicht.
Darueber war bedauerlicherweise kein Wort von ihm verlautbar.

Ich bin kein Freund von Benedikt, aber Hassauesserungen oder Verwuenschungen liegen mir auch fern. Da ich gerade von den Christen immer Respekt erwarte, werde ich mich ihrer Religion - und auch ihrem Oberhaupt gegenueber - respektvoll aeussern, einhergehend mit dem Wunsch, der Papst moege auch unserem Volk gegenueber in Zukunft denselben Respekt walten lassen und seine subtile Verachtung, die in Karfreitagsfuerbitten fuer die "verblendeten Juden" ihren Ausdruck findet, unterlassen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Der Rucksack im Zug

Heute im Zug:
Ich sitze mit Kopfhoerern in der Bahn, auf dem Weg zur Arbeit. Auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein junger Mann und telefoniert.
Irgendwann steht er auf, zeigt auf seinen Rucksack auf dem Sitz und fragt mich freundlich: "Koennen Sie bitte kurz darauf aufpassen?"
Ich antworte: "Klar, gern."
Er verlaesst das Abteil.
Ploetzlich kommen mir andere Gedanken: Ich passe hier auf einen herrenlosen Rucksack auf, in dem alles Moegliche sein kann. Der junge Mann war sehr freundlich, aber ..
Was, wenn dieser Rucksack gleich explodiert?
Sehr unruhig geworden rasen alle Klischees durch meinen Kopf, aber was heisst schon Klischee? In heutigen Zeiten wird jeder Buerger dazu angehalten, wachsam zu sein und gerade auf Bahnfahrten auf herrenlose Koffer zu achten. Und ich biete mich noch dazu an, seinen Koffer zu bewachen...
Der junge Mann kommt zurueck, nickt mir dankend zu und setzt sich.
Ich sage zu ihm: "Ich habe gerade schon darueber nachgedacht, dass das nicht richtig ist, was ich hier tue, von wegen Rucksack, der nun herrenlos hier rumliegt..."
Er laechelt und sagt: "Stimmt. Eigentlich haben Sie recht. Aber ich haette doch keine Moeglichkeit gehabt, zu fliehen, bevor die Bombe hochgegangen waere... Andererseits mein Aussehen ist auch schon verdaechtig" (er sieht nicht deutsch aus, hat tiefschwarze Haare und Augen )
Ich sage: ".. bei der naechsten Station haetten Sie aussteigen koennen und dann den Rucksack zur Explosion bringen.."

Der junge Mann geht auf mein Szenario ein: "Naja, aber wenn schon, dann muss ich doch eher mit in die Luft fliegen, sonst bin ich ja auch dran! In diesen Zeiten gibt es das haeufig, Leute sprengen sich in die Luft und all das... Aber mal ehrlich, jeder der so etwas macht, ist doch eigentlich verzweifelt. Die Menschen machen das, meiner Meinung nach, weil sie unterdrueckt werden."
Mir wird es eng im Hals und mein Magen David (Davidstern) um den Hals scheint sich in meine Haut einzubrennen.
Er faehrt fort: "Zum Beispiel in Sri Lanka. Das was dort passiert ist doch, weil die Menschen unterdrueckt sind... Oder im Nahen Osten. Meine Meinung ist, dass den Palaestinensern das Land weg genommen wurde und sie sind zu schwach, gegen eine der maechtigsten Armeen anzukommen."
Ich muss vorsichtig sein und frage ihn nur: "Aber ist denn Gewalt ein Mittel?"
"Nein, sicher nicht, aber niemals wird der Maechtigere verhandeln und Zugestaendnisse machen. Das glaube ich nicht."
Ich frage ihn, woher er kommt. "Aus Afghanistan" sagt er "und Afghanistan ist fuer mich Geschichte. Ich werde nie mehr dorthin zurueck koennen."
Ich wuensche ihm noch "Frieden" und steige aus.

Ein Mensch aus Afghanistan, der mit grosser Wahrscheinlichkeit Moslem ist, hat sein Bild von Israel. Den Palaestinensern wurde das Land weg genommen, Israel ist eine der maechtigsten Armeen und Selbstmordattentaeter handeln so, weil sie in Not sind und unterdrueckt werden.
Denken alle muslimischen Menschen so, auch wenn sie keine Palaestinenser sind? Solidarisieren sich vorwiegend muslimische Laender eher mit Selbstmordattentaetern als mit Demokratien? Im Kontakt mit muslimischen Menschen vermisse ich oft ein eindeutiges Verurteilen der Gewaltausuebung.
Die meisten von uns schaffen es doch auch, sich eindeutig von der Gewalt und den menschenverachtenden Worten, die haeufig von extremistischen juedischen Siedlern kommt, zu distanzieren, oder um ein unverfaenglicheres Beispiel zu nennen von der linksextremen Gewalt in Deutschland, die von der Baader-Meinof-Gruppe ausging.

Extremismus in jeglicher Form, der nicht vor Gewaltausuebung zurueckschreckt, kann nichts mit religioesen Menschen zu tun haben.

Demjanjuk - bekommt er seine "gerechte Strafe"?

Was ist eine "gerechte" Strafe fuer einen Mann, der am grausamen Tod von mehr als 29.000 - in Worten neunundzwanzigtausend - Menschen beteiligt war?
Muesste er nicht 29.000 fache Qualen erleiden, damit es "gerecht" waere? Gibt es ein "gerecht" in seinem Falle ueberhaupt?
Oder kann jedes noch so harte Urteil nur ein winziger Versuch sein, den Opfern und deren Familien einen Hauch von "Genugtuung" zu geben?

Was waere ein hartes Urteil fuer einen ueber 80-jaehrigen Mann, der noch vor ein paar Tagen klaeglich und jaemmerlich versucht hat, sich aus der Affaire zu ziehen, seinen Gesundheitszustand vorschob, nicht einmal an seinem Lebensende dazu bereit ist, sich fuer das, was er getan hat, richten zu lassen?
Verfolgt man dieses feige Verhalten von ihm und seiner Familie, so kommt man zu dem Schluss, dass dieser Mann weder Scham, Schuld noch Reue empfinden kann.
Wie koennen Frau und Kinder noch zu ihm stehen? Wie lebt es sich an der Seite eines Mannes, der an einer Todesmaschinerie nie gewesenen Ausmasses aktiv beteiligt war?

Es ist schwierig, im Fall "Demjanjuk" nicht auf Rachegedanken zu kommen. Doch mag das "Menschengericht" noch so hart ausfallen, - was hart schon im Angesicht seiner Taten bedeuten kann - an eines glauben wir: G-tt ist der wahre Richter, an dessen Urteil auch Demjanjuk nicht vorbeikommen wird.

Montag, 11. Mai 2009

Kavana im Gebet - Andacht und Ausrichtung

In letzter Zeit ertappe ich mich dabei, so manches Mal im Gebet die noetige "Kavana" (Andacht) zu verlieren. War es anfangs schwierig, "mitzuhalten" mit dem g-ttesdienstlichen Tempo, was oft vorgelegt wird, wenn die Amida gebetet wird oder auch andere Gebete, da alles hebraeisch vorgetragen wird, so gibt es nun ein anderes Problem, das der Kavana.
Im juedischen G-ttesdienst werden viele Gebete - der Zeit halber - sehr schnell vorgetragen und es gibt etliche Diskussionen darueber, ob mit fortschreitendem Tempo noch die erforderliche Kavana beibehalten werden kann.
Kavana, meist mit Andacht, Konzentration uebersetzt, aber auch in der Bedeutung von "Richtung" und "Hinwendung" sollte stets die Grundlage und Grundeinstellung des Betenden sein.

Nun ist es leider durch die Laenge eines juedischen G-ttesdienstes so, dass viele Worte, die der Kantor vorbetet, von den Betenden nicht gehoert werden. Irgendwann gewoehnt man sich dann das "schnelle Beten" so sehr an, dass man selbst zuhause, wo es Zeit genug gaebe, in diesem Tempo betet.

Als ich in Jerusalem war, gab es zu diesem Thema einen Shiur (eine Unterrichtsstunde) bei Aish HaTora (ein Institut fuer Torastudien).
Der Rabbiner erzaehlte uns, dass die Chassidim (fromme Juden aus Osteuropa) bevor sie beten, erst einmal eine Stunde lang meditieren, um schrittweise zur Kavana zu gelangen, um im Herzen bestmoeglichst vorbereitet zu sein auf das folgende Gebet.
Auch waehrend des Gebetes sprechen sie jeden Satz sehr bewusst und langsam aus.
Mir scheint diese Herangehensweise zumindest ein Ziel fuer unser Gebet zu Hause zu sein, das man immer wieder einmal praktizieren sollte. Es lohnt sich sehr, denn ein sehr besonderes Gefuehl der G-ttesnaehe wird sich einstellen.

Unser Koerper, das "Haus der Seele"

Das Judentum erinnert uns daran, dass auch dem Koerper eines Menschen grosse Aufmerksamkeit zusteht, ist er doch das Haus fuer den wichtigsten Teil in uns, die Seele.
Daher sollten wir ihn gut behandeln, uns gesund ernaehren und in Bewegung bleiben, um Schaeden vorzubeugen.
Ich zwinge mich zurzeit, 2-3 mal in der Woche zu laufen. Vor 5 Jahren habe ich noch am Marathon in Berlin teilgenommen, wovon ich heute Lichtjahre entfernt bin.
Das eigentliche Marathon laufen ist nicht wirklich gesund fuer die Gelenke, das Training, um dorthin zu kommen aber schon. Waehrend eines Marathontrainings fuehlt man sich topfit und auf dem Zenit seiner Kraft, man ernaehrt sich automatisch richtig und trinkt wenig bis gar keinen Alkohol. Die Haut ist straff und gut durchblutet und man nimmt intuitiv genug Fluessigkeit zu sich, ueber den Tag verteilt.
Leider braucht es nur einige Wochen, um die gesamte erarbeitete Kondition zunichte zu machen und man faengt von vorn an.
(Aehnlich ist es auch beim Tora lernen, vernachlaessigt man das Studium ein paar Tage oder gar Wochen, ist auch das bereits Gelernte fast vergessen)

Spuert man dann, wie schnell es auch wieder vorwaerts geht, neigt fast jeder dazu, sich zu ueberfordern, denn Gelenke und Sehnen kommen nicht so schnell nach wie das Herz-Kreislauf-System.
Daher halte ich mich zurzeit an die Empfehlung des "Mass haltens" und laufe nur sehr langsam (um neue sauerstofftransportierende Haargefaesse in den Lungen auszubilden) und auch nur 30 min., dafuer aber mehrmals in der Woche.
So, wie es beim Lauftraining heisst, dass jeden Tag 30 min. Training besser fuer die Ausbildung einer "Grundausdauer" sind, als einmal in der Woche eine Stunde, so kann man es auch beim Lernen der Tora auf den Punkt bringen. Lieber jeden Tag eine feste Zeit zum Lernen einplanen, auch wenn es nur fuer einige Saetze reicht, oder einen Abschnitt, statt eine Woche lang die Tora beiseite zu legen. Auch hier brauchen wir eine gewisse "Grundausdauer", ein Grundlevel.
Geistige Gesundheit, in Form von Tora lernen, und physische Gesundheit, setzen also etwas Gemeinsames voraus, Beweglichkeit.
Es sollte fuer uns ein staendiges Ziel sein, spirituell und koerperlich in Bewegung zu blieben.

Sonntag, 10. Mai 2009

Geburtstag einer juedischen Seele

ט"ז אייר תשס"ח
(Dies ist das Datum meines Uebertritts)

Heute vor einem Jahr (nach juedischer Zeitrechnung) bin ich in der Mikwe untergetaucht, um eine Seele des Volkes Israel zu werden.
Ich feiere also meinen 1. Geburtstag und tief in mir ist grosse Freude darueber, nun "Noa bat Awraham Awinu" zu sein. Was fuer ein grosses Lebensgeschenk habe ich bekommen! Es ist so ueberwaeltigend, dass ich mich immer wieder frage, ob ich auch wuerdig genug bin, es zu bekommen.
Eine weitere Frage, die mich begleitet war ja die Frage nach dem Sinn meines Uebertritts. Es kann doch nicht sein, dass ich Juedin geworden bin, "nur" weil es fuer mich selbst ein wichtiger Schritt war. Als 50-jaehrige Frau, die keine Kinder mehr bekommt, deren eigene Kinder schon erwachsen sind und ihr eigenes Leben fuehren, kann ich das Judentum an niemanden "weitergeben".
Eine der wichtigsten Gebote im Judentum "und erzaehle es deinen Kindern....." kann ich nicht erfuellen.
Hat mein Uebertritt irgendeine hoehere Bedeutung? Kann ich dem Judentum etwas bieten? Kann ich etwas weitergeben ohne juedische Kinder?

Es scheint in der letzten Zeit immer klarer zu werden, dass ich doch etwas geben kann, wenn es auch nicht an eigene Kinder ist.
Wir haben seit Kabbalat Shabbat in der Gemeinde eine Frau, die mich sehr an meine erste Zeit in der Gemeinde erinnert. Sie sass dort im G-ttesdienst und versuchte, im Siddur (Gebetbuch) zu folgen. Sichtlich beruehrt liess sie sich von niemandem um sich herum stoeren.
Spaeter beim Kiddush, als wir sie ansprachen, hat sie uns erzaehlt, sie habe lange gebraucht, um diesen Schritt zu tun, um den Mut zu finden, dort zu erscheinen. Sie ist hungrig, zu lernen, mehr zu wissen, liebt die hebraeische Schrift und Sprache und hat sich schon sehr damit befasst.

Sie konnte ein paar Worte mit unserem Rabbiner sprechen, der sie - wie damals auch mich - einlud, weiter zu den G-ttesdiensten zu kommen und auch zu anderen "Studententreffen", bei denen juedisches Leben vermittelt wird.
Es wird ein langer Weg und sie war sich nicht einmal sicher, ob man ueberhaupt orthodox uebertreten kann. Ich konnte ihr ein wenig vom meinem Weg berichten, da ihr bisher niemand erzaehlt hatte, wie die Vorgehensweise eines Uebertritts formal aussieht.
Und da sagte meine Freundin ploetzlich zu mir: "Siehst du, du gibst doch etwas weiter!!"
Ja, es kann sein, dass darin meine Aufgabe besteht. Ich fuehle fast so etwas wie eine innere Verpflichtung in mir, Menschen ein wenig auf dem Weg zu begleiten, den ich auch gegangen bin. Ich kann mit ihnen das teilen, was ich selbst erlebt habe und wo es moeglich ist, auch helfen.
Es ist eine wunderbare Art, etwas weitergeben zu koennen, was ich selbst reichhaltig bekommen habe.
Auch mein Blog scheint zu einem Teil dazu beizutragen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die mich um Rat fragen, wie sie an einen Uebertritt herangehen koennen.
Das macht mich froh und ich bitte euch, habt keine Hemmungen, mir weiter (auch gern mails) zu schreiben, ich werde sie alle beantworten und so gut ich kann, meine Meinung dazu aeussern. Sollte ich an meine Grenzen stossen, werde ich euch das wissen lassen.
Vielleicht hat G-tt mich ja diesen Weg nur deshalb gehen lassen, um ausgerechnet euch Mut zu machen!


Freitag, 8. Mai 2009

Donnerstag, 7. Mai 2009

Israelische Filmwoche in Koeln

Koelns Partnerstadt in Israel ist Tel Aviv. Zum 100. Geburtstag der Partnerstadt gibt es in Koeln eine "Israelische Filmwoche". Am Sonntag ist der Kurzfilm auf dem Programm. Das Koelner Filmhaus wird vom 07. -13. Mai Dokumentarfilme, Filme der "neuen Generation" des israelischen Kinos und Beitraege ueber Austauschprojekte zeigen.

ISRAEL-Tag auch bei uns

Morgen ist Israeltag. Unsere Stadt ist zum ersten Mal dabei und wir hatten nicht mehr als satte 2 Monate Zeit zur Vorbereitung.
Dennoch kann sich unser Programm - meiner Meinung nach - sehen lassen. Wir haben eine grosse Buehne, auf der Moti ben David singen wird, Taenze vorgefuehrt werden und der Oberbuergermeister um 18h ein paar Worte sprechen wird, da er die Schirmherrschaft uebernommen hat.
Es wird eine Strandlandschaft, Staende mit Info-material ueber Tourismus, Bildung, Jugendaustausch und Staedtepartnerschaft (in unserem Fall Netanya) geben. Israelische Souvenirs wird es genauso geben wie Weine aus Israel, Lebensmittel und Judaica.
Wir feiern Israels 61. Geburtstag und Tel Avivs 100., wollen den Menschen in unserer Stadt zeigen, was man in Israel machen kann. Von Tauchurlaub in Eilat, bis zu Volontariaten in Guesthaeusern ist alles moeglich.
Ein anderes Bild zeigen als das, was im TV uebermittelt wird, das ist unser Ziel. Denn in Israel ist nicht nur Krieg, es gibt auch jede Menge Spass, Sport, Sonne satt und Straende am Mittelmeer.
Ich freue mich auf unsere Premiere!

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wieder Israelgegner bei der Linken

Hermann Dierkes trat im Februar als Duisburger Oberbuergermeister-Kandidat der Linken zurueck.
Der Grund: er hatte dazu aufgerufen, israelische Produkte zu boykottieren. Seine Partei hatte sich daraufhin von ihm distanziert.

Nun gibt es neue, sehr befremdliche Schlagzeilen in der Partei.
Chris Sedlmair aus Dachau soll kandidieren fuer ein Mandat im Bundestag. Nun gibt er Parolen wie "die Kriminalisierung von Organisationen wie Hamas und Hisbollah in der EU muss beendet werden" und "Solidaritaet mit dem irakischen Freiheitskampf" von sich. Das laesst aufmerken.
Weiter sagt er, dass es "eine zentrale Aufgabe der linken Aussenpolitik sei, das "Regime in Deutschland" daran zu hindern, das rassistische Siedlerregime Israel mit Hightech-Bewaffnung und politischer Parteinahme in internationalen Gremien und Organisationen zu unterstuetzen.

Auf seiner Homepage gibt es Verweise auf eine der aktivsten militanten Gruppen im Irak.
Die USA werden von ihm als das "grausamste und moerderischste Imperium seit Hitler" bezeichnet.
Seine Partei sieht in ihm ein Problem. Er soll daher von seiner Kandidatur abgebracht werden.
Man kann nur hoffen, dass das auch geschieht. (nachlesen könnt ihr das alles hier)

Der "bessere" Jude

Wenn wir eines Tages alle vor dem Thron des Allerhoechsten Richters stehen, bin ich gespannt, wie G-tt das Verhalten von meinem besten Freund Itzik beurteilt. Nach meinem Giur fragte Itzik mich: "Nu, was meinst du? Ob du jetzt der bessere Jude von uns beiden bist?"
Darueber, was G-tt wohl von ihm erwartet, weil er Jude ist muss ich oft nachdenken. Ich stelle mir das "Stirnrunzeln" vor, wenn er von Itziks Menschlichkeit und Gastfreundschaft erfaehrt, von seinen guten Taten und seinem staendigen aufrichtigen Bemuehen, niemanden absichtlich oder unabsichtlich zu verletzen.

Stirnrunzeln deshalb, weil er sich selbst fragen koennte: "Was mache ich nur mit diesem Juden, der da vor mir steht? Er hat sich nie darum gekuemmert, kosher zu essen, beten ist ihm auch reichlich fremd, aber die Taten, die ich so gern bei meinem Volk sehe, und die ich bei manchem Toragelehrten vermisse, die hat er zu meiner Zufriedenheit geboten. Das kann ich unmoeglich ignorieren..."
Ich stelle mir vor, dass er vielleicht in die Runde fragt, ob es Menschen gibt, die fuer Itzik gute Worte sagen koennen, und es werden etliche sich zu Wort melden, denen er geholfen hat, mit troestenden Worten UND konkreten Taten. Da werde ich mich dann auch zu Wort melden, um zu erzaehlen, was ich mit ihm erlebt habe, und wie oft er mir einen Rat gab und Unterstuetzung in verzweifelten Stunden.
Ich werde G-tt auch von den Stunden erzaehlen, als wir ueber Tora und Bibeluebersetzung sassen und ich feststellte, dass ich hebraeisch lernen muss, um die "Wahrheit" lesen zu koennen, und ihm mein zerfleddertes Woerterbuch zeigen, was ich von Itzik geschenkt bekam.
(Vielleicht war es gar er, der den Anstoss dafuer gab, dass ich mich dem Judentum zuwendete? Oder hat G-tt ihn, den saekular lebenden Juden mir ueber den Weg geschickt, um mich zum Judentum zu bringen?..)

Seine Kinder werden sagen, dass er immer fuer sie da war und dass die Familie immer an erster Stelle fuer ihn stand, was meine Kinder, wenn ich "an der Reihe sein werde", wahrscheinlich nicht behaupten koennen. Auch meine Gastfreundschaft haelt sich in Grenzen, dafuer habe ich mich oft genug allein zurueck gezogen, um mehr Tora zu lernen.
Ich weiss, dass Tora lernen eine Mizwa ist, aber nur, wenn mit dem lernen auch die guten Taten verbunden sind, oder besser, daraus resultieren. Schliesslich hat Awraham sogar das Gespraech mit G-tt abgebrochen, um seinem hohen Anspruch an Gastfreundschaft gerecht zu werden und die drei Menschen zu bewirten, die an seinem Zelt vorbei gingen.
Gut, dass ich nicht G-tt bin, der diese schwierigen Entscheidungen treffen muss.

Waffenstillstand mit Hamas in Sicht?

Laut Hamas-Fuehrer Chaled Mascha'al ist ein Waffenstillstandsabkommen fuer zehn Jahre mit Israel moeglich. Er benennt als Voraussetzungen die Errichtung von zwei Staaten in den Grenzen von 1967, die Aufgabe von Ost-jerusalem und die Rueckkehr der palaestinensischen Fluechtlinge nach Israel.
(nachzulesen hier).
Gleichzeitg betont er, dass Israel nach wie vor nicht anerkannt wird. Dass in der "Hamas-Carta" zur Vernichtung Israels aufgerufen wurde, sollen "Aussenstehende" jedoch ignorieren, da sie bereits 20 Jahre alt sei.
Was das konkret bedeuten soll ist nicht klar, denn zu einer Aenderung der Satzung ist er nicht bereit.
Wird sich Israel auf die Aufgabe von Ost-jerusalem einlassen koennen und die Rueckkehr der Fluechtlinge akzeptieren?

Dienstag, 5. Mai 2009

"Koshere Kompromisse" oder kompromisslos kosher?

Seit ich wieder in Deutschland bin, ist das "koshere Leben" so, wie ich es vorher kannte - eine Herausforderung und eine Frage der Finanzen.
Macht man sich in Israel gegenseitig verrueckt mit der Frage: "Welcher Kashrutstempel ist denn nun kosherer?" so gibt es hier schon innere Freudenspruenge, dass es ueberhaupt einen Kosherladen gibt.

Ein Mitglied unserer Gemeinde betreibt seit einiger Zeit einen Mini-laden mit einer kleinen Auswahl an Wurst, Kaese, Chumus, Suppen, Weinen und Fleisch.
Alle Produkte sind kosher und decken den Bedarf unserer Gemeinde.
Ist man ein Normalverdiener, so kann man es sich nicht leisten, NUR dort einzukaufen.
Wenn man nicht gerade in Berlin wohnt, wo es kein Problem ist, kosher einzukaufen, entscheidet man sich irgendwann, wo die eigene Grenze ist, und wo persoenliche Kompromisse gemacht werden.(oder man hat es sehr schwer)
Keine Kompromisse mache ich bei Fleisch. Da ich auch vor meinem Uebertritt kein grosser und leidenschaftlicher Fleischesser war, faellt es mir noch dazu nicht schwer, mich vorwiegend von viel Obst, Gemuese und Salaten, die sowieso kosher sind zu ernaehren. Fleisch kaufe ich nur in unserem Kosherladen, da gibt es keine Kompromisse.

Es gibt eine Kosherliste, die von Zeit zu Zeit aktualisiert wird, ("Rabbi, ist das kosher?" von Rabbiner Hod) herausgegeben von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands.
Mit ihrer Hilfe ist es moeglich, in unseren gaengigen Supermaerkten Produkte einzukaufen, die geprueft und fuer kosher befunden wurden.
Doch was macht man, wenn man "ausser Haus" essen will? Man geht entweder so gut wie nie ins Restaurant, da ueberall "milchiges" und "fleischiges" in den selben Toepfen gekocht und auf den selben Tellern serviert wird, oder macht - wenn man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann - Kompromisse und Ausnahmen.
Kein normales Restaurant ist kosher , doch zumindest kann man einen Salat , Fisch oder Obst essen, wenn man sich auf einen Kompromiss einlaesst.
Ein Besuch bei nichtjuedischen Freunden oder Juden, die nicht kosher leben, ist auch immer eine Herausforderung. Entweder nimmt man sein eigenes Essen von zuhause mit, oder es werden auch in diesem Fall Kompromisse gemacht.
Es ist immer eine neue, sehr persoenliche Entscheidung von Noeten, um sich irgendwie durch den unkosheren deutschen Dschungel zu kaempfen.
Sieht man einmal ab vom eigenen Gewissen, sind die Einwaende und Kommentare der Mitmenschen am unangenehmsten. Von "davon wirst du aber auch jetzt nicht sterben" bis "aber das ist alles sehr gruendlich gespuelt" , oder "findest du das nicht ein bisschen uebertrieben?" ist alles drin.
Und irgendwie kann ich sie sogar verstehen, die nichtjuedischen Mitmenschen. Wie soll man es ihnen auch begreiflich machen, wozu das Ganze gut ist? Die Erklaerung, dass alles, was Juden essen duerfen, in der Tora steht, wird meist nur belaechelt Daher ist es in manchen Faellen einfach leichter, zu sagen, man ist Vegetarier oder Allergiker, da dann keine unangenehmen Nachfragen oder gar Vorwuerfe folgen.
Am schoensten ist es einfach in Israel, wo es - in den meisten Geschaeften - einfach ganz normal ist, dass alles kosher ist. Dort gibt es eine andere Diskussion, die ueber den "richtigen" Kashrutstempel, aber ehrlich gesagt bin ich schon froh, wenn ueberhaupt einer zu finden ist. Fuer mich, die ich in Deutschland lebe, ist die Frage, "welcher" Kashrutstempel kosherer ist, noch ein "Luxusproblem".

Montag, 4. Mai 2009

Der Papst, der Mossad und Achmadinedschad

Im Mai kommt der Papst zu Besuch nach Israel. Es ist vorgesehen, dass er am 14.Mai in seinem Papamobil auch durch Nazareth faehrt, um die Naehe zur Bevoelkerung zu suchen. Auch soll eine aufwändige Messe dort stattfinden.(mehr Infos zu Nazareth hier)

Dagegen hat der Mossad entschiedene Einwände. Es lägen Hinweise auf einen geplanten Anschlag auf das Leben des Oberhauptes der katholischen Kirche vor. So kann man es im Nachrichtenueberblick von "Die Presse" nachlesen. In Nazareth leben hauptsaechlich Araber, einer grosser Teil von ihnen sind arabische Christen.
Der 14. Mai gilt fuer die Palaestinenser im Land als Trauertag, es wird der "Naqba", der Katastrophe gedacht, die aus Palaestinensersicht am 14.Mai 1948 mit der Staatsgruendung Israels stattfand.
Und zur Erinnerung: Der Generalstabschef des Iran hat gestern die "Zerstoerung Israels in 11 Tagen" angekuendigt - das waere dann auch am 14. Mai!

Verurteilt wegen Teilnahme an Terrorcamp

Ein Londoner Gericht verurteilte (gem. Artikel aus Hagalil, hier zu lesen) am 29. April Waheed Ali (25) und Mohammed Shakil (32) aus Leeds wegen der Teilnahme an einem Terroristenlager zu sieben Jahren Haft.
Der Richter belehrte die Verurteilten unter anderem mit folgenden Worten:

“Sie können nicht die Vorteile des Lebens in Beeston in einer anständigen und toleranten Gesellschaft genießen, wenn Sie sich für diejenigen, die unsere Soldaten töten entschieden haben und sich zu ihnen gesellen.
Die simple Realität ist, Sie haben ein Terrorlager gesucht und besucht, und damit das Land verraten, das Ihren Familien eine Heimat gegeben hat. Sie wurden nicht hier geboren, sie haben gewählt, hier zu leben. Leider lassen Sie jegliche Loyalität vermissen.”

Ein bemerkenswertes Urteil.

Der Iran droht konkret - Zerstoerung Israels in 11 Tagen

Ihr koennt es bei n-tv hier nachlesen. Es gibt eine neue, sehr konkrete Drohung des Iran.
In einem Interview kuendigt der iranische Generalstabschef Attalah Salihi die Zerstoerung Israels "in elf Tagen" an.
Was soll man davon halten? Es scheint das erste Mal zu sein, dass nicht nur - wie von Ahmadinedschad inzwischen bekannt - vage gedroht wird, sondern dieses Mal eine konkrete Zeitangabe benannt wird.
In 11 Tagen ist der 14. Mai. Wenn man nicht nach juedischer Zeitrechnung rechnet, ist das der Tag der Gruendung Israels.
Aber mit welchen Waffen sollte Israel zerstoert werden? Ist der Iran vielleicht doch inzwischen im Besitz von Atomwaffen?
Es ist kaum vorstellbar, dass es dort Nuklearwaffen gibt, ohne dass der israelische Geheimdienst davon Kenntnis hat.
Oder ist es eventuell eine Taktik, um einen Praeventivschlag rechtfertigen zu koennen, den die USA nicht befuerworten, wie zu lesen ist?
Auf alle Faelle reicht diese Meldung aus, um wieder einmal besorgt Richtung Iran zu schauen.

Sonntag, 3. Mai 2009

Nach Giur auf der "anderen Seite"?

Vor einiger Zeit machte ich einer Freundin ein "Baumgeschenk". Bei KKL, dem juedischen Nationalfonds ist es moeglich, einen Baum in Israel pflanzen zu lassen. Will man diesen Baum verschenken, erhaelt der Beschenkte eine Urkunde darueber.
Ein paar Tage spaeter bekam ich von ihr einen Anruf, bei dem sie sich zunaechst bedankte, dann aber einfuegte: " Ach ja, ich wollte dich aber bitten, das in Zukunft nicht mehr zu tun!"
Ich war neugierig und fragte, nach dem Grund.
"Nun", meinte sie, "ehrlich gesagt, moechte ich da nicht mit hinein gezogen werden."

Nun war ich noch neugieriger und etwas verwirrt.
"In was wirst du hinein gezogen? Ich verstehe nicht...."
"Naja, Israel, das Judentum und all das..."
Aha, nun daemmerte mir etwas, aber ich konnte es noch nicht ganz glauben. Besagte Freundin wohnt mit ihrem Verlobten zusammen, dessen Mutter Deutsche und Vater Aegypter ist.
Konnte es sein, dass es mit Y. zu tun hatte?
Ich fragte nach: " Wenn ich dir einen Baum in Israel schenke, hast du das Gefuehl, ich wolle dich in "etwas" hineinziehen, was mit Judentum und Israel zu tun hat? "

"Du weisst doch, dass Y. nun mal auf "der anderen Seite" steht!"
Ich fragte sie: "Von welcher "anderen Seite" sprichst du?"
"Naja, er hoert eben auch das, was seine Familie in Aegypten dazu zu sagen hat, zu Israel, meine ich. Und dass du mir einen Baum in Israel schenkst, ist wie eine Provokation fuer ihn."
Ich konnte kaum fassen was ich da hoerte.
Innerlich fasste ich zusammen. Seit meinem Uebertritt schien ich also fuer ihn, der genau wie ich eine deutsche Mutter hat, und in Deutschland geboren ist, auf der "anderen Seite" zu stehen. War ich nun sein Feind? Und warum eigentlich?
Ich fragte meine Freundin, ob sie wisse, dass es zwischen Aegypten und Israel nicht nur einen Friedensvertrag, sondern auch gemeinsame Interessen gibt, und das nicht seit gestern, obwohl das auch nichts mit unserem zwischenmenschlichen Miteinander zu tun haben sollte.
Noa= Jude= Israel= Feindin von allen arabischen Mitmenschen?
War das so?
Ich versuchte es noch einmal: "Ich hoffe, dir ist klar, dass ich in Y. nach meinem Uebertritt, genau wie vorher, KEINEN Feind sehe? Er ist derselbe Mensch wie vor ein paar Jahren und ich bin auch nach wie vor Noa.
Und selbst wenn er mich seitdem Israel zuordnet, ist es nicht traurig, dass es zwei Regierungen schaffen, Frieden zu machen, waehrend wir von Mensch zu Mensch von Feinden oder "anderer Seite" sprechen? "

Seit dem Telefonat beschaeftigt mich das Thema und ich frage mich, warum ich fuer manche Menschen eine "von der anderen Seite" geworden bin, seitdem ich Juedin bin. Dabei haetten wir - ein muslimischer Mann mit einer deutschen Mutter und einem aegyptischen Vater und ich als deutsche Juedin- ein Musterbeispiel von "religioeser Vielfalt im Freundeskreis" bieten koennen, ein Beispiel von Toleranz Andersglaeubigen gegenueber.
Ich bedaure es sehr, dass das nicht moeglich ist, obwohl mir immer noch nicht klar ist, warum eigentlich? Oder bin ich einfach zu naiv?


" Asher jatzar", "Moda ani" - und Krebs

Seit es in meiner Familie bei einem sehr jungen Mann eine Krebsdiagnose gab, spreche ich die Bracha (den Segensspruch), die wir im Judentum nach jedem Gang zur Toilette sprechen, mit noch tieferem Bewusstsein Wort fuer Wort. Wie selbstverstaendlich nehmen wir alle Funktionen des Koerpers Tag fuer Tag, bis irgendwann eine Stoerung auftritt, bei der uns bewusst wird, dass nichts selbstverstaendlich ist. Fuer die Gesundheit aller Koerperteile lohnt es sich, zu danken.

Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, der den Menschen mit Weisheit geformt und an ihm viele Oeffnungen und viele Hoehlungen erschaffen hat. Es ist vor dem Thron Deiner Herrlichkeit offenbar und bekannt, dass, wenn eine von ihnen sich oeffnet oder eine von ihnen sich schliessen wuerde es nicht moeglich waere zu existieren und vor Dir zu stehen. Gelobt seist Du, Ewiger, der alles Fleisch heilt und wunderbar wirkt.

Genau so bedeutungsvoll ist fuer mich die morgendliche Bracha, sofort nach dem Aufwachen, bei der wir dafuer danken, dass wir aufgewacht sind, dass G-tt uns unsere Seele fuer diesen neuen Tag wieder schenkt, wir neue Moeglichkeiten und Chancen bekommen.

Ich danke Dir, Koenig, Lebender und immer Bestehender, dass Du mir in Barmherzigkeit meine Seele wiedergegeben hast, gross ist Deine Treue.

Samstag, 2. Mai 2009

Shidduch - juedische Heiratsvermittlung

Vor ein paar Wochen telefonierte ich mit dem Rabbiner. Irgendwann sagte er: " Ach, uebrigens, ich wollte noch etwas fragen. Wissen Sie, was ein Shidduch ist?" (Shidduch ist eine Heiratsvermittlung)
Ich sagte etwas genervt: "Jaaa.... aber ich will nicht!!"
"O.K., kein Problem, aber auch wenn ich Ihnen sage, dass derjenige Giur gemacht hat, und nach Israel will?"
"Ja, auch dann."
Also, ehrlich gesagt, haette ich mit dieser Art, einen Partner zu finden, grosse Probleme. Gut, dass ich schon 50 bin und bereits zwei Kinder habe.
Bei einem Shidduch, der in der juedischen Orthodoxie durchaus ueblich ist, trifft man sich, auf den Vorschlag des Shadchans hin (des Heiratsvermittlers). Dieser hat nach gruendlicher Recherche jemanden ausgesucht, der nach gewissen Kriterien zum Heiratswilligen passen koennte. Alter, Observanz, gleiche Interessen, all das sind Faktoren, die beruecksichtigt werden.
Auf den Vorschlag des Shadchan hin findet dann ein "Date" statt, um sich kennen zu lernen. Nach mehr oder weniger kurzer Zeit (manchmal schon nach einigen Treffen) entscheidet man sich, ob man zueinander passen koennte oder nicht. Faellt die Entscheidung positiv aus, wird geheiratet.

Sicher ist es auch nach laengerem Kennen lernen nicht sicher, ob die Ehe bestand hat, aber kann es sein, dass man bereits nach zwei oder drei Treffen die richtige Wahl trifft?

Ich kann mir nicht vorstellen, ohne den Partner im "Alltag" eine Zeitlang erlebt zu haben, solch einen grossen Schritt zu wagen. Wird er bei Streitigkeiten aggressiv sein, vielleicht sogar gewalttaetig?
Wie lebt jeder seine Interessen aus im taeglichen Miteinander und wieviel Ruecksicht und Achtung hat man fuereinander?
Kann man das tatsaechlich schon nach wenigen Treffen beurteilen?