Donnerstag, 30. Juli 2009

Lesen















" Nicht wer Zeit hat, liest Buecher, sondern wer Lust hat, Buecher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."
(Ernst R. Hauschke)

Mittwoch, 29. Juli 2009

Gedanken zum Tisch' a beAw - neunter Aw















Herodes bekaempfte die Tora-gelehrten, bis nur noch einer von ihnen, Bawa ben Buta am Leben war.
Herodes ging eines Tages zu dem auf seinen Befehl geblendeten Bawa, um ihn zu einer Verwuenschung zu verleiten.
Ohne sich zu erkennen zu geben, provozierte er den Toraweisen, indem er sagte, Herodes sei nur ein boeser Sklave.
Bawa ben Buta antwortete ihm aber:"Was geht das mich an?"
Herodes versuchte es weiter, auf jede erdenkliche Art und Weise. Immer aber zitierte Bawa ben Buta nur Toraverse, die es verbieten den Koenig zu verleumden. Nicht eine Beschimpfung kam ueber seine Lippen.

Herodes gab sich schliesslich zu erkennen und sagte: "Haette ich gewusst, dass die Tora-gelehrten so umsichtig in Worten und Taten sind, haette ich sie nie getoetet. Wie kann ich fuer meine Suenden buessen?"
Bawa ben Buta gab ihm daraufhin den Hinweis, dass mit dem Tod der Gelehrten das Licht der Welt geloescht worden war. Herodes solle den Tempel wieder aufbauen, da durch ihn die Welt wieder neu erleuchtet wuerde.

Das Thema, was mich zurzeit am meisten beschaeftigt, naemlich Lashon haRa, (die boese Zunge) tritt in dieser Geschichte deutlich zu Tage.
Umsichtig in Worten und Taten sein, diesem Ziel koennen wir jeden Tag ein Stueckchen naeher kommen, wobei wir uns ihm sicher nur annaehern koennen.
Schliesslich sind wir Menschen und aufgrund unserer Schwachheit anfaellig fuer Suenden in jeder erdenklichen Form.
Zdaka zu geben, zu beten, Tora zu lernen oder sogar die Shabbatgebote einzuhalten mag vielen - mich eingeschlossen - wesentlich leichter gelingen als das umsichtige Agieren der eigenen Zunge.
Jeder, der sich selbst ein wenig kritisch beobachtet, wird schon festgestellt haben, wie schnell wir in "Lashon haRa" abgleiten. Bagatellisiert ausgedrueckt koennen wir es als "Klatsch und Tratsch" bezeichnen.
Den wahren Schaden, den wir damit anrichten koennen, werden wir jedoch nicht gewahr werden, wie die Geschichte mit dem Rabbi und den Federn schon erzaehlt (HIER koennt ihr sie noch einmal nachlesen)

Wir werden es nicht abstellen koennen, das Reden ueber andere Menschen, doch wir koennen versuchen, bei der naechsten Gelegenheit, wenn es um Frau Y. oder Herrn X. geht, uns zurueck zu halten mit dem, was wir noch zusaetzlich zu seinem oder ihrem schlechten Ruf beitragen koennen.

(Vor einiger Zeit hatten wir bei der Arbeit eine Jahrespraktikantin. Sie war noch sehr jung, etwa Anfang zwanzig. Was mir an ihr positiv auffiel, war, dass sie sich nie an Gespraechen ueber andere Kollegen beteiligte. Dafuer habe ich sie bewundert und als sie uns verliess, habe ich ihr das als Rueckmeldung mit auf den Weg gegeben.
Ich habe sie fuer mich als Beispiel und Vorbild gesehen und ihr gesagt, dass ich mir wuensche, eines Tages diese geistige Groesse zu erreichen, die sie bereits innehat.
Auf diese Art konnte ich, als Frau von damals Mitte vierzig, von einer zwanzig Jahre juengeren Frau eine entscheidende Lektion des Lebens lernen.)


Wie es heisst, "eine gute Tat zieht eine naechste nach sich", so koennte ich mir vorstellen, dass unsere Rede sich im Laufe von vielen Jahren aendern wird, umsichtiger werden kann, wenn wir jetzt damit anfangen. (heute noch wird sich die naechste Gelegenheit bieten!)

Um es nicht zu schwer zu machen, koennten wir zunaechst einmal eine Antenne dafuer entwickeln, was Lashon haRa ist und uns als ersten Schritt in diese Richtung "nicht immer" an solchen Gespraechen beteiligen.
Sollten wir uns nicht trauen, offen zu sagen: "Ich moechte nicht weiter ueber X. oder Y reden" koennten wir z.B. die Szenerie aus irgendeinem Grund verlassen oder das Gespraech auf ein anderes Thema bringen. Auch so werden wir etwas dazu beitragen koennen, dass "die Federn nicht so weit verteilt werden".
Und ich bin fest davon ueberzeugt, dass es jedes Mal ein bisschen heller wird, das Licht, was wir als Juden in die Welt bringen sollen und was uns dem Bau des dritten Tempels naeher bringen wird.

Dienstag, 28. Juli 2009

Ein Zadik?















Es scheint das Grab eines Zadiks zu sein, da einige Menschen offenbar nur seinetwegen nach Frankfurt pilgern.
Vielleicht kann einer der Leser mir weiter helfen?
(Wenn ihr auf das Bild klickt, duerfte es stark vergroessert erscheinen und ihr koennt den Namen deutlich erkennen)

Rabbiner Samson Rafael Hirsch















Auch das Grab von Samson Rafael Hirsch ist in Frankfurt auf dem juedischen Friedhof zu finden.
Laut Orthodox Union ist Rabbiner Hirsch der Vater der modernen deutschen Orthodoxie.
Es gibt von Rafael Hirsch unter anderem einen deutschen Kommentar zu den Tehillim, dem Buch der Psalmen.

Ein Besuch auf dem juedischen Friedhof ist fuer mich immer mit einem besonderen Gefuehl verbunden.
Oft habe ich - waehrend meines Giur-Prozesses - gehofft, nicht durch einen ploetzlichen Tod vor meinem Uebertritt woanders beerdigt zu werden, als dort, wo ich begraben sein moechte.
Fuer viele mag es unbedeutend sein, wo sie nach ihrem Tod sein werden. Ich hingegen finde es wichtig, auch im Tod mit meinem Volk vereint zu sein.



Sonntag, 26. Juli 2009

"Die weisse Stadt"















.....noch bis zum 13. September in Frankfurt im Architekturmuseum (DAM): "Die weisse Stadt", eine Ausstellung ueber die Bauhaus-architektur Tel Avivs.
Fotos, Erklaerungen, Bilder aus der Gruenderzeit und kurze Dokumentarfilme veranschaulichen, was "Bauhaus" beinhaltet.

In Skizzen und Modellen wird dem Besucher die Besonderheit dieser Bauweise naehergebracht. Vor allem das Spiel von Licht und Schatten und die Funktion, die diese Art der Architektur fuer das heisse Mittelmeerklima hat werden anschaulich dargestellt.
Abgerundete Ecken an Kreuzungen, zurueckversetzte Haeuserfronten ergeben eine freundliche, offene Atmosphaere, die insgesamt eine positive Stimmung hervorruft.
Praegnant fuer diese Architekturform sind ihre klaren Formen ohne jeglichen Schnick-schnack.
Einfluesse aus vielen Teilen der Welt sind in den Gebaeuden Tel Avivs verewigt.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Antisemitismus in Deutschland - Monat Aw

Miriam schreibt in ihrem aktuellen Artikel ueber einen schockierenden Vorfall, der sich in Deutschland ereignet haben soll. Eine juedische Familie aus Israel wird bei der Zwischenlandung auf dem Weg nach Israel in Deutschland von einem deutschen Grenzpolizisten beleidigt. Zunaechst soll der Mann Gesten gemacht haben, als wolle er schiessen. Schliesslich, nachdem er den israelischen Pass der Frau sah, soll er darauf gespuckt haben.
Die Familie wollte kein Aufsehen erregen und Aerger vermeiden, hat aber Zeugen und wird den Vorfall zur Anzeige bringen.

Bilde ich es mir nur ein, oder mehren sich in letzter Zeit Vorkommnisse dieser Art, offen antisemitische Haltungen oder solche, die unter dem Deckmantel des "Anti-Israelismus" oder "Anti-zionismus" getarnt dasselbe ausdruecken?
Ist es Zufall, dass wir gerade im Aw, dem traurigsten Monat des juedischen Jahres sind, in dem wir die Zerstoerung des 1. und 2. Tempels beweinen und beklagen?

Wie schon oft erwaehnt, soll die spirituelle Unzulaenglichkeit des juedischen Volkes, "Sinat chinam" ( unbegruendeter Hass) zu diesem Ausmass an Zerstoerung gefuehrt haben.
Das juedische Volk war nicht geeint, war nicht "einer fuer den anderen" da, hat sich nicht gegenseitig respektiert, wie es eigentlich sein sollte, auch damit wir fuer Feinde ausserhalb unseres Volkes nicht auf eine Weise angreifbar werden, die erst Zerstoerung ermoeglicht.
Es ist auch heute nicht so, dass Juden andere Juden respektieren. Fuer manche Juden ist der Nachbar "nicht juedisch genug", fuer andere wiederum "zu frumm". Wir alle wollen uns einordnen, suchen Gleichgesinnte, die "zu uns passen", uns verstehen mit dem, wie wir den Alltag leben.
Und das ist auch zutiefst natuerlich und nicht zu verurteilen. Dass sich auf diese Weise "Gruppen" bilden, die einen gewissen Grad an Observanz teilen, ist ebenfalls nicht verwerflich.
Erst der veraechtliche Blick ueber den Zaun macht uns zu Juden, die sich gegenseitig nicht ehrlich und aufrichtig respektieren.
Jeder Jude hat seinen eigenen Weg. Eventuell ist mein Nachbar, der ein wildes ausuferndes Leben fuehrt, morgen auf dem Weg, Tschuva zu machen. Niemand kann in die Seele des anderen schauen. Niemand hat das Recht, den anderen zu belaecheln, auf ihn herabzuschauen.
Ein verzweifelter Blick zum Himmel kann fuer einen saekular lebenden Juden der erste ehrlich gemeinte Kontakt zu seinem Schoepfer sein und einen Prozess einleiten, der zu einem zutiefst observanten Leben fuehrt.
Nur ER kann in unsere Herzen schauen, kennt unsere Gedanken. Daher sollten wir das Richten auch IHM ueberlassen, um nicht selbst so hart gerichtet zu werden.
Und vielleicht schaffen wir es ja durch "Ahavat Chinam" (Liebe ohne Grund, kostenlose Liebe) zu einem Volk zu werden, dass unangreifbar zusammenhaelt gegen alle Feinde um uns herum, die uns zu zerstoeren drohen.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Heute beim Physiotherapeuten

Mein Physiotherapeut konnte es kaum fassen: " Wie, du willst nach Israel? Also, irgendwie kann ich das nicht verstehen."
H. kommt aus Holland, ist ein netter Typ und hat es echt drauf. Ein paar Handgriffe, ein Krachen - und er hat es wieder mal hinbekommen, dass alle Blockierungen geloest sind.
Aber das Ding mit Israel - das war doch eine Nummer zu krass fuer ihn.
Heute kam er erneut auf das Thema, und wollte wissen, wie man denn um G-ttes Willen darauf kommt, ausgerechnet nach Israel einzuwandern.
Ich versuchte ihm zu erklaeren: " Weisst du, du siehst eben - wie die meisten hier, die zu Israel keine Verbindung haben - nur das, was im deutschen Fernsehen gezeigt wird, und das ist vorwiegend negativ."
" Nee, also ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, ueberhaupt mal dorthin zu wollen", fuhr er fort.
"Und wieso?" wollte ich wissen.
"Also, die Israelis, die hier in Deutschland leben (aha, nun wurde es interessant - meint er vielleicht nicht Israelis, sondern Juden?) sind irgendwie total arrogant."
"Ach", sage ich ueberrascht, "findest du?"
"Arrogant, ja. Die meisten die ich bisher kennen lernte, bei Sportveranstaltungen ueberwiegend, weil wir dort arbeiten, waren total arrogant, kamen sich alle vor, als seien sie was Besseres."
"Hm, " antworte ich ihm, "das ist deine Erfahrung. Aber arrogante Menschen gibt es ueberall."
" Ja, aber auch der Judenrat hier in Deutschland, immer dieses mit dem Finger in die Wunde der Deutschen. Immer wieder :denkt ja immer daran, was ihr damals getan habt im 2. Weltkrieg. Ich meine, das war schlimm, klar, aber...."
"Aha, so denkst du also", ging mir ploetzlich durch den Kopf und in mir kam dieses ernuechternde Gefuehl hoch, was sich immer einstellt, wenn das Thema Shoa auf so eine Art kommentiert wird. Eigentlich ist meist durch ein paar Worte oder Saetze klar, wie der andere ueber Israel denkt. Und ueber Juden.
"Es gibt auch heute noch manchmal Differenzen zwischen Hollaendern und Deutschen, die noch vom Krieg her ruehren.." wende ich ein und " immerhin ist das Thema Shoa ein wahnsinnig sensibles...."
Aber ich spuere, dass ich schon nicht mehr richtig nachdenke, nicht mehr aktiv am Gespraech beteiligt bin und jeder Satz, den ich ab jetzt von mir gebe, nur Unsinn werden kann.
Ich bin in meinen Gedanken gefangen, zum Teil wie gelaehmt. Und ernuechtert. Dass es immer wieder solche Gespraeche geben muss.
Auch wenn er mir dieses Mal - wie immer eigentlich - sehr geholfen hat, ist er nun in einer besonderen "Kategorie" gelandet, ich kann es nicht aendern.
Wenn so etwas passiert - und es passiert haeufig hier - spreche ich nicht mehr viel ueber Israel. Weil ich spuere, dass der Andere es nur als willkommene Gelegenheit wahrnehmen wird, um seinen Unbill gegenueber diesem Land bei mir zu entladen. Und jedes Mal aergere ich mich, dass es genau das Falsche ist, so zu reagieren, wie ich es tue.

Hoffnung und neue Tipps















Von der Ramban-Gemeinde, die ich wegen meiner Problematik "Wo wohne ich die ersten Tage oder Wochen in Israel?" angeschrieben habe, erhielt ich heute morgen die e-mail-Adresse eines ihrer Mitglieder, der mir vielleicht helfen kann.
Gleichzeitig habe ich mit Arye, dem jungen Mann, ueber dessen neuen Blog ich gestern HIER berichtete, telefoniert. Auch er gab mir ein paar wertvolle Tipps, wen ich noch fragen koennte.
Vor allem aber gab er mir einen fuer mich sehr wichtigen Hinweis, die Frage betreffend, WO ich denn nun hin soll am Anfang. Ich schwanke zwischen meinem Herz und meinem Verstand, zwischen dem starken Beduerfnis, in Yerushalaiym leben zu wollen, und dem Rat von Bekannten, dass es in Haifa einfacher sein duerfte, eine Arbeit zu finden und auch Wohnungen preiswerter seien.
Arye riet mir: "Wenn es dich nach Yerushalaiym zieht, dann versuch es auch!"
und im Laufe des Gespraeches spuerte ich, dass ich meine gesamte Kraft in den Versuch, dort Fuss zu fassen, hineingeben sollte. Bisher habe ich mit "Herzens-entscheidungen" eigentlich auch noch nie falsch gelegen.
So gibt es wieder ein paar Hoffnungsstrahlen, die meinen bewoelkten Skeptik-Himmel erhellen.

Naturgewalten

Seit einer Stunde blitzt und donnert es heftig. Ich muss sagen, seit ich ein kleines Kind war, habe ich Gewitter geliebt. Diese Kraft der Natur, die sich in einem Schauspiel ohnegleichen entlaedt.... sie ist immer wieder in gleicher Intensitaet beeindruckend fuer mich.
Baruch ata haShem, Elokeinu, Melech, haOlam, Ose maAse beReshit.
Gelobt seist du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, der das Schoepfungswerk vollbracht hat.
(sagen wir, wenn es blitzt)



Bei Donner gilt folgende Bracha:

Baruch, ata haShem, Elokeinu, Melech haOlam, scheKocho uGwurato male Olam
Gelobt seist du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, dessen Kraft und Macht die Welt erfuellt.

Dienstag, 21. Juli 2009

Iran - waere die Bombe wirklich "nur" eine Gefahr fuer den Nahen Osten?

"Ueblicherweise kuendigen die Israelis ihre Ueberraschungsangriffe nicht vorher an.." sagt Ulrich Sahm in seinem Artikel bei n-tv zu den wilden Spekulationen ueber einen eventuell bevorstehenden Angriff auf iranische Atomanlagen.
Sowohl die Saudis, als auch Aegypten scheinen das Interesse Israels zu teilen, die Gefahr, die von einer iranischen Atombombe ausgehen wuerde, moeglichst einzudaemmen.
Jedenfalls gab es die Meldung, eins von drei israelischen U-Booten vom Typ Dolphin sei im Suez-kanal gesichtet worden. Militaerkorrespondenten wollen wissen, dass Aegypten mit Israel seit November "enger denn je" zusammenarbeitet, da sich herausgestellt hat, dass eine Untergrundzelle der Hamas, die vom Iran finanziert wird, mit Hilfe von Terroranschlaegen die Regierung Hosni Mubarak stuerzen will.
Ein Satz im Artikel von Ulrich Sahm schockiert mich besonders und weckt in mir unmittelbare Horrovisionen: "Die Dolphin-U-boote gelten als ideale Plattform fuer einen toedlichen Zweitschlag gegen Iran, falls Teheran Tel Aviv mit einer Atombombe zerstoeren sollte."

Juden, baut nicht in Ostjerusalem!

Was habe ich neulich noch gesagt:"Lasst Obama mal machen. Wir werden an den Taten sehen, was er tatsaechlich vorhat."
Mit seiner letzten Forderung an Israel, bin auch ich hellhoerig geworden. Werde ich mich bald doch denjenigen anschliessen muessen, die schon lange sagen, dass Obama einseitig die Interessen der arabischen Welt vertritt?
In jedem Falle bleibt mir der Mund offen stehen, wenn ich hoere, dass "Juden doch bitte nicht in Ostjerusalem bauen sollen", weil Ostjerusalem demnaechst die Hauptstadt eines Palaestinenserstaates werden soll.

Noch schaerfer formuliert es der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, (HIER ausfuehrlich in einem Bericht von n-tv nachzulesen).
Die deutschen Politiker meinen, dass durch die Bautaetigkeit in Ostjerusalem "die Gewalt weiter ansteigen werde und der Friedensprozess erheblich behindert wird". Aber es geht noch besser. Falls der Siedlungsbau in den Palaestinensergebieten nicht gestoppt wuerde, laufe "Israel Gefahr, als demokratischer Staat schrittweise Selbstmord zu begehen".

Somit duerfte klar sein, wer fuer zukuenftige Attacken von palaestinensischer Seite wieder einmal verantwortlich gemacht werden wird.
Uebrigens denken anscheinend die arabischen Israelis auf der Strasse nicht unbedingt, dass Ostjerusalem unbedingt zum Palaestinenserstaat gehoeren sollte. Im Gegenteil!
Wie Arye in seinem Blogpost von einem eindruecklichen Gespraech mit "Abdullah", einem Jerusalemer Taxifahrer, zu berichten weiss, sind sich die Araber durchaus dessen bewusst, was dann mit ihren Geldern passieren wird.
Einer korrupten Palaestinenser-autoritaet einschliesslich Abu Mazen will kein einziger Araber in Jerusalem das Geld in den Rachen werfen, so jedenfalls die Meinung von Abdullah.
Die Sache hat nur einen Haken - niemand (besonders in Deutschland) wird das glauben. Bequemer ist es doch, wenn das Bild der boesen unnachgiebigen Juden bestehen bleibt.

Zweisprachiger Blog von Arye aus der heiligen Stadt

.. vor ein paar Minuten bekam ich von NOAM den Tipp, mal in den Blog von Arye hineinzuschauen.
Das Foto kannte ich doch! Dieser nette junge Mann hat mir letztes Jahr mal geholfen, als ich von der J.A. eine Info benoetigte.

Der Autor ueber sich:


..(..)Seit ueber 7 Jahren lebe ich nun in Jerusalem, der Hauptstadt Israels. Mittlerweile kann ich mir nicht vorstellen, zurueck nach Berlin, noch sonstwo hin zu ziehen. Ich bin ein stolzer (21.Jahrhundert) Zionist geworden - soll heissen, bin gluecklich, dass ich meine Heimat Israel entdeckt und besiedelt habe. Israel - ein Land, dessen Wasser und Wetter, Sand und Steine ich langsam aber sehr sicher zu lieben gelernt habe..(..)


Schaut mal in seinen Blog! Es lohnt sich. Ich habe ihn gleich in meine Blogroll aufgenommen. HIER kommt ihr auf seine Site.
Viel Spass!

Muellcontainer der (ir-)realen Aengste

Ich habe eingesehen, dass ich die Aengste, die in mir um das Thema "Alyia" kreisen, formulieren muss und werde sie danach auf einem grossen Muellhaufen "entsorgen". Zu dieser Zeremonie lade ich euch herzlich ein, nicht ohne euch zu warnen. Lasst bitte alles, was auf dem Haufen landet, dort, wo es ist. Es ist wirklich "verseuchtes" Material.
Es wird nun ungefiltert von mir gegeben:

Was, wenn ich keine Arbeit finde, in Israel? Wie soll ich es anfangen, soll ich erst eine Wohnung suchen, oder erst Arbeit, aber wenn ich keine Arbeit habe, weiss ich nicht, was ich an Miete ausgeben kann.
Wo werde ich die ersten Tage verbringen? Ein Hostel ist zu teuer.
Soll ich zuerst in Haifa nach Arbeit und Wohnung suchen, da es dort viel billiger ist als in Jerushalaiym?
Aber an Jerushalaiym haenge ich, dort gibt es 2 Synagogen, die meine Seele beruehren. Andererseits - wie soll ich es schaffen, in der Naehe (Fussweg bis ca. 30 min.) eine Wohnung zu finden, denn die Gegend ist auch teuer?

In Haifa gibt es einen tatkraeftigen guten Freund, der mir helfen koennte bei vielem. Andererseits: ich kenne mich in Haifa gar nicht so gut aus, und ausser dem Strand, dem Aussichtspunkt am Platz wo Stella Maris ist, und dem Zentralcarmel fuehle ich mich nirgends so richtig heimisch.
Der Zentralcarmel ist zu teuer zum Wohnen.

Was will ich ueberhaupt arbeiten? Zur Not eben als Kupait im Supermarkt. Aber da muss ich ja auch den ganzen Tag sitzen, fuer nicht mehr als 500 Euro umgerechnet.
Wenn ich in 5 Monaten all mein Geld verbraucht habe, und immer noch keine Wohnung habe, gibt es kein Sal Klita mehr und ich muss betteln gehen, oder aber wieder gescheitert nach Deutschland. Meine armen Kinder!

Apropos Kinder - was, wenn sie krank werden ? Schwer krank werden? Dann bin ich dort und nicht bei ihnen. Was, wenn ich krank werde? So krank, dass ich nicht arbeiten kann?
Und wenn Achmadinedschad seine A-bomben verteilt auf Jerushalaiym, Haifa und Tel Aviv wirft und alles verseucht ist? Meine armen Kinder! Was tue ich ihnen dann an?
Und wenn es wieder Krieg gibt und Katjuschas fallen, meine Kinder mir am Telefon zuhoeren, wie ich mich sorge, den naechsten Tag zu erleben?
Und wenn ich Arbeit finde, auch eine Wohnung, was, wenn ich ploetzlich arbeitslos werde und in einer heruntergekommenen Hinterhofwohnung mit Kakerlaken hausen muss?
Was, wenn ich mir nicht einen Flug nach Deutschland leisten kann, um meine Toechter zu besuchen?
Ist es nicht unverschaemt, dreist und egoistisch, wieder mal an mich selbst zu denken, und nicht dort zu sein, wo die Familie ist?
Andererseits: Ich fuehle, dass ich es tun muss.
Will ich vielleicht nur eine "Veraenderung" im Leben, ohne zu ahnen, was da auf mich zukommt? Halte ich das hektische Leben und das manchmal maschinengewehrgleiche Geschimpfe vieler Israelis ueberhaupt aus?
Bin ich dem Druck in Jerushalaiym gewachsen?


Gibt es noch mehr Horror-visionen oder kann ich mich langsam von dem Muellhaufen entfernen?
O.K. ich mache es wie zu Pessach: Alles, was ich noch an vergiftetem Schrott in mir trage, und was heute nicht auf diesem Haufen vernichtet wurde, soll nicht in meinem Besitz sein, ist gleich dem Staub der Erde und gehoert nicht mehr zu mir!

.....und nun wird der Inhalt des Containers feierlich verbrannt........


...und nach vorne geschaut, mit positiven Visionen

Jewish Agency - Sochnut

Ja, es nervt, in der Luft zu haengen. Vor zwei Tagen habe ich eine Mail an die wirklich nette Frau bei der J.A. geschrieben, um sie zu fragen, ob es Schwierigkeiten geben koenne, oder warum ich nichts hoere. Schliesslich muesse ich ja auch noch kuendigen...
Sie antwortete: "Nein, es gibt keine Schwierigkeiten, nur haben wir sehr viel zu tun. Zurzeit bearbeiten wir die Leute, die im Sommer nach Israel wollen"
(Im Sommer? Haben wir nicht schon Sommer?)
Das letzte Mal, als ich nachfragte, im April, sagte sie mir, zurzeit wuerden gerade die Akten der Leute vorbereitet, die im April einwandern.

Das hoert sich alles sehr knapp an und wahrscheinlich bin ich selber schuld, dass ich als "gewuenschtes Datum fuer die Alyia" September/Oktober angegeben habe.
Haette ich vorsichtshalber Juli oder August gesagt, dann waere noch viel mehr Zeit, um Wohnung, Arbeit, Telefon und andere Dinge zu kuendigen.
Wie machen das wohl andere Menschen? Kuendigen sie einfach, zu dem Zeitpunkt, den sie als "Alyia-datum" angegeben habe, ohne das "O.K." abzuwarten?
Ich jedenfalls haette Angst, ohne Wohnung und ohne Arbeit hier in Deutschland zu stehen, um dann das Geld auszugeben, was ich fuer Israel gespart habe.


Es geht nicht mehr!















Kurz vor dem "Zusammenklappen" habe ich mich nun doch entschieden, besser fuer mich zu sorgen und zum Arzt zu gehen. Nachdem ich gestern zu Hause geblieben bin, wegen bohrender Rueckenschmerzen, hatte ich mir vorgenommen, heute wieder brav zu Arbeit zu gehen.
Ich hatte auch eine relativ gute Nacht mit einer Waermflasche im Ruecken und das tat unglaublich gut.
Ich bin ohne Schmerzen, um 4.45h aufgewacht und sogar schon - vermeintlich frisch und ausgeschlafen - aufgestanden. (Mache ich sonst nie!). Es daemmerte irgendwann langsam und ich hatte das starke Beduerfnis, sofort das Shacharit zu beten. (mache ich sonst zu dieser Zeit auch nie)
Es war eine gute Idee, ich hatte ein ganz besonderes Gefuehl von "Naehe" und war ruhig in meiner Seele.
Nachdem ich mir Fruehstueck gemacht hatte, den Cafe genoss, stellte sich ploetzlich von Minute zu Minute wieder dieser Druck ein, der Druck, der bei der Arbeit herrscht, der alle Mitarbeiter, die noch nicht krank sind, zu beherrschen scheint mit einer eisernen Kralle. Sie bearbeiten im Rekordtempo die Akten, die aufgestapelt auf dem Tisch liegen, greifen waehrend sie sich in die Mietberechnungen stuerzen zum Telefonhoerer, denn es ruft ja gerade ein Kunde an, den man auf keinen Fall warten lassen darf. Selbstverstaendlich klopft es auch parallel zu diesen zwei Aktionen an die Tuer. Ein Arbeitsloser hat sein Geld "verloren" und um ihn nicht verhungern zu lassen, wird zwischen all dem Theater mal eben ein Lebensmittelgutschein erstellt.
Zwischen all diesen Aktionen komme ich in der Regel noch an und frage nach Hilfe, bei einer Aufgabe, die ich noch nicht bewaeltige.
Tja, so sieht es aus. Dass einem da jedes Fragen vergehen kann ist verstaendlich, oder?
Ich schob den Gedanken, zur Arbeit zu gehen ganz weit von mir und legte mich wieder ins Bett, um sofort in einen todesaehnlichen Schlaf zu fallen. Um 8 Uhr begab ich mich dann zum Arzt an der Ecke und da er leider nicht da war, musste ich zu seinem Vertreter.
Der sah mich einmal an und bot mir sofort eine AU-Bescheinigung bis zum 31. Juli an.
Wow - dieser Luxus! Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor mehr als 4 Tage am Stueck krankgeschrieben worden zu sein.
Ich haette ihn kuessen koennen, er verstand!
Es fiel in diesem Augenblick alles Schwere von meinen Schultern. (im wahrsten Sinne)
Danach bin ich in aller Seelenruhe zum Briefkasten, habe meine Krankmeldung eingeworfen, bin in ein Cafe (!!) und habe mir dort einen Cappuccino gegoennt.
45 min. gelaufen bin ich nun auch, um meinen Ruecken zu staerken. Gleich werde ich ein paar Yoga-uebungen machen, waehrend die Sonne mir durch's offene Fenster zulaechelt.


"Lesen ist wie atmen"


"Wir lesen", sagt Alberto Manguel, "um zu begreifen, wer wir sind und wo wir sind. Lesen ist wie atmen."

Montag, 20. Juli 2009

....al Netilat Jadaijm















Das Foto habe ich in einer Jugendherberge in Jerushalaiym in der Rechov Agron gemacht, gegenueber dem Gan haAzmaut (Independence Parc)

"Baruch, Ata haShem, Elokeinu, Melech haOlam, asher kideshanu beMizwotaw, veziwanu al Netilat Yadaim"

( Gelobt seist du, Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, der uns durch seinen Gebote geheiligt hat und uns befohlen hat, die Haende zu waschen)


Das Haendewaschen ist ein rituelles Haendewaschen, nicht mit der Absicht, die Haende zu saeubern. Wir nehmen es (in diesem Falle) vor, bevor wir Brot essen von mindestens der Groesse eines Eies. (Falls wir weniger als diese Menge an Brot essen, sprechen wir keine Bracha ueber das Haendewaschen)

Nachdem unsere Haende sauber sind und wir sie von Schmuck befreit haben (denn es soll nichts Trennendes zwischen dem Wasser und unseren Haenden sein) uebergiessen wir sie abwechselnd mit Wasser. Dies sollte so geschehen, dass wir die Finger leicht oeffnen, wiederum um das Wasser ueberall, auch zwischen die Finger gelangen zu lassen.
Wir nehmen das Gefaess zum Uebergiessen in die rechte Hand, fuellen es mit Wasser, geben es in die linke Hand und uebergiessen zunaechst zweimal die rechte Hand, anschliessend wechseln wir das Gefaess in die rechte Hand und uebergiessen zweimal die linke Hand.
Beim Uebergiessen achten wir darauf, dass das Wasser bis zum Handgelenk (Anfang des Armes) gelangt.
Anschliessend reiben wir ein wenig die Haende aneinander, trocknen sie und sprechen dabei die Bracha (Segensspruch) wie oben.

Nach einiger Zeit kann es passieren, dass man die Bracha mechanisch aufsagt. Dies sollte im Idealfall nicht so sein. Wir sollten uns bemuehen, sie aufrichtig und bewusst zu sprechen, so, als sei es das erste Mal, dass wir sie rezitieren.
Wir stellen uns vor, dass das Haendewaschen ja auch ein Ritual der Cohanim im Tempel war, welches sie mit groesster Konzentration und Andacht vornahmen.
Das Haendewaschen ist ein zutiefst ritueller Akt.


Vor einem Jahr in Jerushalaiym















Vor genau einem Jahr war ich in Jerushalaiym, und werde es - b"h - hoffentlich auch bald wieder sein. Die Parashot haShavua in den letzten Wochen erinnern mich an das enorme geistige Input, was ich geniessen durfte.
Es gibt an jeder Ecke die Moeglichkeit, weiter zu lernen, der Spiritualitaet Nahrung zu reichen, sich selbst weiter zu erfuellen mit mehr Verstaendnis ueber die Tora.
Am Shabbat war ich meist erst in der Beit HaKnesset Ramban von Rabbiner Benni Lau. Die Gemeinde dort ist jung und lebendig, der Rabbiner ist der Neffe vom bekannten Rabbi Israel Meir Lau aus Tel Aviv.(hier ein interessantes Video von ihm)
In der Woche gab es stets einen gut besuchten Shiur zur Parashat haShavua von Rabbi Benni Lau.
Am Shabbat mittag dann war ich an der Kotel (West-oder Klagemauer) wo der letzte Minjan der von Rabbiner Machlis war. Er lud alle Gaeste nach Maalot Dafna ein, wo er und seine Familie zuhause sind.
Manchmal war ich nachmittags in der Orthodox Union, wo auch interessante Shiurim auf englisch stattfinden.
Kurz vor Mincha (dem Nachmittagsgebet) gibt es in der Beit haKnesset Yeshurun, nicht weit von der OU einen Shiur mit Rabbi Herschler, anschliessend gemeinsame Seudat Shlishit (die dritte Mahlzeit am Shabbat) mit einem Dwar Tora (einem Wort zur Tora) von einem anderen Rabbiner.
Nach Hawdala (der Zeremonie zum Shabbatende) und dem Arawit (dem Abendgebet) bin ich dann oftmals zwar muede, aber dennoch mit erfuellter Seele durch den Abend nach "hause" gegangen.
Was fuer ein geistiges Festmahl fuer die hungrige Seele gibt es doch in Jerushalayim, und wie gluecklich kann ich mich schaetzen, daran teilgenommen zu haben.

Verzeihen - auch sich selbst

Ein Beitrag zum naechsten Wochenabschnitt auf den Seiten von Chabad sprach mich heute an. Er heisst : Bitte verzeihen Sie sich.
Dort geht es um den Abschnitt "Dwarim", den 1. Abschnitt im 5. Buch Moshe der Tora, den wir am kommenden Shabbat lesen.
Moshe zaehlt in diesem Abschnitt die Stationen in der Wueste auf, und schliesst auch die Suenden mit ein, die dort begangen wurden. Die Verbindung mit den Orten, an denen diese Verfehlungen geschahen, sollen auch die besonderen Umstaende aufzeigen, warum es dazu kommen konnte.
Wir werden aufgefordert, ehrlich und echt unsere eigenen Suenden zu bereuen, aber uns dann auch wieder dem Guten, der Zukunft zuwenden, um auf einem besseren Weg weiter zu machen.
Es wird gesagt, Moshe erwaehnt alle Suenden, die das Volk begangen hat, "hackt aber nicht darauf herum".
"Nutzen Sie Ihre Energie fuer das Gute, und ueberlassen Sie die Vergebung G-tt" heisst es weiter.

In den meisten Faellen kann ich das auch so sehen, naemlich dass unnoetiges "sich quaelen" vertane Zeit ist, die man besser nutzen kann, indem man sich mit dem Streben nach dem Guten, befasst, versucht, einen besseren Weg zu finden. (mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang, der viel Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt und aufzeigt, dass auch das Bemuehen belohnt wird heisst: "Ein guter Jude ist der, der jeden Tag versucht, ein besserer Jude zu sein.")

Manche "Verfehlungen" der Vergangenheit jedoch, Unzulaenglichkeiten, Naivitaeten, die im Zusammenhang mit der Erziehung meiner Kinder stehen, sind schwer zu vergessen. An manchen Tagen wuenschte ich mir, noch einmal die Chance zu haben, mit dem Verstand und dem Wissen von heute meinen Kindern Vorbild zu sein.
Vieles tut mir leid, was sie erleben mussten, vorwiegend weil ihre Mutter zu jung, egoistisch und naiv war.
Es stimmt - zum damaligen Zeitpunkt, an diesem Ort war es nicht anders moeglich, war es zumindest MIR nicht anders moeglich.
.(..)...nutzen Sie Ihre Energie fuer das Gute... und ueberlassen Sie die Vergebung G-tt...(..)

Ein wertvoller Tipp : HaMakor - "an der Quelle"

An der Quelle - haMakor.de - die Seite ueber juedisches Leben, bringt euch hier das "Shma" naeher, das wichtigste juedische Gebet, das wir morgens und abends sprechen. Mit diesem Gebet druecken wir den Glauben an den EINEN und EINZIGEN G-tt aus.
HaMakor bietet unter anderem Informationen zu den Feiertagen, Shabbat und Kashrut, ausserdem ein ausgezeichnetes Daf Parashat haShavua.
In der Rubrik: "Ask the Rabbi" koennt ihr Fragen stellen und sie werden kompetent beantwortet.
Eine grosse Bereicherung fuer alle, die nach serioesem Wissen ueber das Judentum suchen.

Musik von Idan Raichel

HIER wieder eine neue CD von Idan Raichel. ENDLICH!!
Geniesst das Lebensgefuehl, was sie vermittelt!

Sonntag, 19. Juli 2009

Shiur per Video

An dieser Stelle moechte ich noch einmal auf den unueberbietbaren Schatz an Shiurim aufmerksam machen, den die Seite von Machon Meir birgt. (In der Video und Audio Library)
Als ich mich auf meinen Termin beim Beit Din vorbereitete, habe ich mich - auf Anraten des Rabbiners - mit diesen englischsprachigen Shiurim beschaeftigt. Zunaechst dachte ich, mein Englisch wuerde nicht ausreichen, denn fliessend ist es keinesfalls, aber ich moechte jeden ermutigen, es einmal zu versuchen. In der Regel versteht man die Rabbiner, die dort lehren sehr gut. Und wenn einmal das eine oder andere Wort fehlt, so macht das am Gesamtzusammenhang nichts aus.
Themen der Halacha, Emuna, Pirkej Awot werden dort in kleinen Video-portionen dem Interessierten naeher gebracht.
Hat man sehr wenig Zeit, ist es sinnvoll, sich einen Shiur nach der angegebenen Zeit auszusuchen. So gibt es "Mini-portionen" mit einer Laenge von 15 min.
HIER koennt ihr beispielsweise einen Shiur ueber die "Morning blessings" ansehen.

Sicherlich ersetzt diese Art des Lernens nicht die "Live-Version" mit dem Rabbiner vor Ort, in der man Fragen stellen und diskutieren kann, doch sind wir in der Galut haeufig auf solche Moeglichkeiten angewiesen und es ist wundervoll, dass daran gedacht wurde und wir auf diese Art zuhause weiterlernen koennen.
Wer einmal in Yerushalaiym ist, sollte sich ein Seminar an diesem Institut goennen, es gibt sowohl fuer Maenner, als auch fuer Frauen ein grosses Angebot. Die Rabbiner dort schaffen es, mit viel Freude und Spannung die Lerninhalte zu vermitteln.

Freitag, 17. Juli 2009

Matot - Masej Shabbat Shalom















Es gibt Parashot haShavua (Wochenabschnitte), die mich zutiefst ruehren, ohne dass ich genau beschreiben kann warum.
Die Aufzaehlung der Lagerplaetze des Volkes Israel gehoeren dazu.

Sie zogen von Libna und lagerten in Rifsa
Sie zogen von Rifsa und lagerten in Khelata.
Sie zogen von Khelata und lagerten am Berge Shafer.
Sie zogen vom Berge Shafer und lagerten in Charada....
..und ich sehe sie deutlich vor mir, in meinen Gedanken, diese grosse Menge von Menschen, jeder mit seinen eigenen Sorgen, Noeten und auch grossen Aengsten. Aengsten vor allem Neuen, was ihnen begegnete, denn sie wussten nie, wohin ER sie fuehren wuerde, durch Moshe, seinen demuetigen g-ttesfuerchtigen Diener, der das Ziel der grossen Reise leider nur aus der Ferne sehen und nicht mit ihnen ankommen durfte.

Immer und an jedem Lagerplatz
, auf jedem Weg war ER bei Ihnen, hat sie nie verlassen, egal wie widerspenstig und undankbar sie sich auffuehrten.
Ich sehe - gerade in meinem Alter - auch auf etliche "Lagerplaetze" meines Lebens zurueck. Was ist schon alles passiert, was habe ich alles erlebt, wieviele Jahre liegen hinter mir, und wieviele werden wohl noch folgen?
Alles liegt in SEINER Hand und nie hat er mich verlassen, auch wenn ich mich an manchen Tagen "verlassen" gefuehlt habe.
Wie oft war ich auf "dem falschen Weg" und habe nicht begriffen, worum es im Leben in Wirklichkeit geht...
Die Lagerplaetze meines Lebens waren bunt. Sie waren eines nie, naemlich niemals langweilig.
All das, was ich WIRKLICH wollte, habe ich irgendwie - beEsrad haShem - erreicht, und wenn auch manches Mal nicht so, wie ich es mir gedacht habe, dann doch so, dass es "richtig" fuer mich war.
Viele Traenen habe ich geweint und an den meisten Lagerplaetzen mein lautes Lachen nicht verloren. Es war ein intensives Fuehlen, ob Schmerz oder heftiges Glueck.
Und mein groesstes Geschenk war der Weg zum Lagerplatz des juedischen Volkes, den ich ohne ein deutliches Zeichen vom Himmel wohl nicht gefunden haette. Dort hat man mich aufgenommen und ich durfte von da an gemeinsam "mitgehen".
Unsere Lagerplaetze des Lebens sind manchmal muehselig, doch nie "g-tt-verlassen", denn etwas lernen wir durch seine Tora: Niemals verlaesst er sein Volk.
שבת שלום

Mittwoch, 15. Juli 2009

Die Luft ist raus















...im Moment. Seit ich innerhalb der Stadtverwaltung einen neuen Job begann, plagen mich hoellische Rueckenschmerzen. Der Arbeitsplatz scheint (noch?) nicht in der besten Position ausgerichtet zu sein, Stunde um Stunde verspanne ich mich mehr und der Schmerz wird bohrender.
Seit einigen Monaten habe ich mein Lauftraining wieder aufgenommen, dreimal die Woche 30 - 45 min. Das tut gut und ist ein Rettungsanker. In Zeiten, in denen ich mich viel bewegt habe, ging es mir immer am besten.
Trotzdem ist auch das nicht genug, um den Schmerzen den Garaus zu machen. Nun hat meine Tochter mir ein paar Yoga-uebungen gezeigt, die ich auch regelmaessig zu Hause mache. Einige Uebungen kannte ich noch aus meiner eigenen aktiven "Yogazeit".
Auch das scheint nicht genug zu sein.
Nun habe ich nach drei Wochen Wartezeit in der letzten Woche endlich einen Termin bei einem Physiotherapeuten meines Vertrauens bekommen. Er macht einige Griffe, es kracht ganz fuerchterlich... und nichts schmerzt mehr. Man fuehlt sich frei und beweglich.
Jedoch war es nicht wie frueher von langer Dauer. Genauer gesagt, habe ich heute fast heulend auf dem Schreibtisch "gelegen", und eine Position gesucht, die mich entspannen koennte, sehnsuechtig auf den Nachmittag wartend, an dem ich den 2.Termin bei ihm hatte.

Mein Gefuehl ist, dass ich mich im neuen Team nicht eingewoehnen kann. Und unterschwellig laufen Gedanken ab wie: lohnt es sich ueberhaupt noch, sich "einzugewoehnen?". Wann kommt endlich der Bescheid von der Jewish Agency, so dass ich kuendigen kann?
Zehn Monate bin ich nun in meiner winzigen Wohnung. Es gibt ein Mindest-level an Gemuetlichkeit, was ich - egal wo ich bin - um mich brauche, um mich wohl zu fuehlen. (Blumen, Kerzen, ein paar entscheidende Dekos), aber die Zeit waere nun reif, ein bisschen mehr fuer diese Wohnung zu tun, was mich heimisch werden laesst. (wichtige Fotos rahmen und aufhaengen usw.)
Die Tatsache, dass es sich nicht wirklich lohnt, und darueber hinaus nur Geld verschwendet, was ich in ein paar Monaten dringend in Israel brauchen werde, haelt mich auch davon ab.
Daher fuehle ich mich momentan ein wenig "luftleer", ohne grosse Energien.

"Kaum Kontrolle ueber eigene Daten" Facebook und Co abgemahnt

HIER koennt ihr den gesamten Artikel bei "n-tv" lesen. Verbraucherschuetzer sind nun eingeschritten.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat gegen die Betreiber der Internetseiten "Facebook", MySpace und Xing ein Unterlassungsverfahren eingeleitet.
Die Datenverarbeitung erfolge oft "ohne Einwilligung des Nutzers und weit ueber den eigentlichen Zwecke hinaus".
"Die Anbieter" so heisst es dort weiter, "koennen oft ohne Wissen der Nutzer beispielsweise Verhaltensweisen der Nutzer auswerten oder die Profildaten auch DRITTEN ZUGAENGLICH machen."

Dienstag, 14. Juli 2009

Die "drei Wochen" vor Tisch' a beAw haben begonnen

An Tisch' a beAw (am 9. Aw) betrauern wir die Zerstoerung des ersten und zweiten Tempels. Es ging damals anscheinend auch um eine spirituelle Unzulaenglichkeit des juedischen Volkes. "Sinat chinam" (unbegruendeter Hass, Hass "umsonst") soll der tieferliegende Grund fuer die Zerstoerung gewesen sein.
Das juedische Volk war sich nicht einig untereinander, es gab keine spirituelle Kraft, die zusammenhielt. Durch diese Umstaende wurde es angreifbar fuer Feinde von aussen.

Wenn ich mich umschaue in Israel, aber auch in der Diaspora unter der juedischen Bevoelkerung, scheint es immer noch haeufig um Feindschaft innerhalb der juedischen Gemeinschaft zu gehen. Es gibt Empoerung gegen die Synagoge um die Ecke, gegen die Einstellung der "ultra-orthodoxen", gegen die, die (noch) nicht so leben, wie es die Tora erfordert....

(ich wiederhole einen Witz, der mir zu diesem Thema immer wieder einfaellt: Ein Jude wird auf einer einsamen Insel, auf der er jahrelang lebte, gefunden. Stolz zeigt er auf ein Haus und erklaert den Leuten, dass dies seine Synagoge ist. Jemand fragt ihn: "Und die Huette dort hinten?" "Das ist die Synagoge, in die ich niemals einen Schritt tun wuerde!" empoert er sich)

Ich wuerde mir eine Zeit wuenschen, in der jeder Jude in jede Synagoge gehen kann, um dort eine Zeitlang schauen zu koennen, ob ihm die Art, wie dort G-ttesdienst abgehalten wird, zusagt, ohne einen Kommentar des Nachbarn, der Freunde. Eine Zeit, in der der eine den anderen beim "Lashon haRa" (sprechen ueber einen anderen, ueble Nachrede, Tratsch) unterbricht und ihn milde aber bestimmt zurechtweist mit den Worten: "Auch er ist unser juedischer Bruder, unsere juedische Schwester."
Einer ist dem anderen oft "nicht juedisch genug, nicht fromm genug" oder aber andersherum "zu fromm".
Es ist nicht einfach, sich "einzureihen", Menschen zu finden, die einen spirituell staerken und foerdern koennen, ohne zu "ueberfordern". Daher sollten wir ein wenig Nachsicht ueben mit unseren Mit-juden, und einen grossen Vorschuss an "Ahawat Chinam" (die "grundlose" Liebe, die Liebe umsonst) walten lassen, denn sie wird es sein, die uns vor grossem Unheil bewahren kann, die uns mindestens schuetzt, weil sie unseren Zusammenhalt staerkt, denn so werden wir unangreifbar fuer Feinde von aussen und auf ein hoeheres spirituelles Niveau gelangen.

Sonntag, 12. Juli 2009

Eine "andere Reise" - Auschwitz und Spurensuche in der Vergangenheit

Ich habe nun fuer Mitte August noch eine kurze Reise nach Polen geplant. Wenn ich erst einmal in Israel bin, werde ich sicher nicht mehr so schnell dazu kommen.
Vor ein paar Jahren war ich in Buchenwald. Auch wenn es dort keine Gaskammern gab, so war es schlimm genug fuer den Verstand und das Gefuehl, zu begreifen, was damals dort geschah. Elie Wiesel hat eindruecklich von seinen Erlebnissen sowohl in Auschwitz, als auch in Buchenwald berichtet.
Mich hat damals, in Buchenwald eine "Genickschussanlage" sehr lange Zeit beschaeftigt.
Man erzaehlte uns, die Menschen seien in den Raum gefuehrt worden, in dem Glauben, eine medizinische Untersuchung stehe ihnen bevor. Sie mussten sich ausziehen, um dann "gemessen und gewogen" zu werden.
Die Menschen mussten sich an eine Wand stellen, wo eine Art Messlatte an den Kopf gelegt wurde. Hinter ihrem Genick aber, befand sich ein Schlitz, und hinter diesem Schlitz sass in einem gesonderten Raum einer der Nazis - die sich uebrigens freiwillig zu dieser Sonderaktion gemeldet hatten - und machte nichts anderes als schiessen.
Wie feige, hinterruecks einem Menschen, der nichts ahnt, ins Genick zu schiessen.
Es gibt Augenblicke, da versuche ich mit aller zur Verfuegung stehenden Kraft wenigstens einen Bruchteil von den Grausamkeiten zu "be-greifen", aber es will nicht in den Verstand gelangen.

Nun werde ich in Kattowitz wohnen und unter anderem nach Auschwitz fahren. Lange schon ist in mir das Beduerfnis und nun werde ich es umsetzen. Auch das juedische Viertel in Krakau interessiert mich, doch es koennte sein, dass die Zeit nicht reicht.

Als ich meine Mutter, die im heutigen Polen geboren ist, fragte, welches KZ denn in der Naehe ihres Heimatortes war, sagte sie, sie wuesste es nicht.
Spaeter, als ich mir die Karte ansah, entdeckte ich, dass es Auschwitz war.

Vieles in meiner Familie ist mir nicht so ganz klar. Es gibt zwar Papiere, die ausgestellt wurden, als meine Mutter mit ihren Eltern und Geschwistern fluechten musste, aber Papier ist geduldig.
Und so werde ich diese Reise verbinden mit einem kurzen Besuch in der Geburtsstadt meiner Mutter, Dramatal. Das Dorf heisst heute Zbroslawitz und ist ganz in der Naehe von Tarnowitz und Kattowitz.

Ich hatte bereits darueber geschrieben, dass ich vor einem Jahr einen DNA-Test bei Igenea gemacht habe, und als Ergebnis erhielt: Urvolk Juden.
Man erklaerte mir, dass man bei bestimmten Gruppen, die sich frueher eher isoliert haben, Gemeinsamkeiten in den Genen finden kann, auch gibt es ein Cohen-Gen.
Weiter fand man eine bestimmte Haplo-gruppe (die Haplo-gruppenforschung soll speziell in Israel sehr gefoerdert werden) , die besagt, wo die Urahnen sich einst aufhielten.
In meinem Falle ging man von Syrien, Israel oder Osteuropa aus. Da war ich dann doch - bei aller Skepsis, ob das Verfahren wirklich serioes ist - etwas geschockt. Sollte es moeglich sein, dass man fuehlt, wo seine Wurzeln sind, auch wenn es tausend Jahre her ist?
Wie dem auch sei, ich werde die Papiere, die ich besitze, mitnehmen und falls ich Gelegenheit dazu habe, im Archiv nachschauen lassen.
Selbst wenn ich nichts Neues entdecke, wird es dennoch spannend sein, den Ort kennen zu lernen, wo meine Mutter geboren ist.


Freitag, 10. Juli 2009

Donnerstag, 9. Juli 2009

Parasha Pinchas - Emanzipation in der Tora

Die Parascha, in der es um die fuenf Toechter Zlofchads geht ist eine meiner Lieblingsparaschot, da eine der Toechter Noa heisst. Diesen Namen hatte ich mir kurz vor meinem Giur ausgesucht, ohne zu wissen, wer diese Noa war in der Tora. Als ich mir diesen Wochenabschnitt aufmerksam durchlas, war ich mehr als bestaetigt, diesen Namen tragen zu wollen. Denn die Geschichte der Toechter Zlofchads ist eine kleine Emanzipation, die in der Tora dokumentiert wird.

Als das Land Israel aufgeteilt wird auf die Staemme, kommen die fuenf Toechter Zlofchads zu Moshe. Sie heissen Machla, Noa, Chogla, Milka und Tirza.
Sie sagen: "Unser Vater ist gestorben und hat keine Soehne hinterlassen. Nun sollen wir leer ausgehen. Wir wollen aber auch einen Anteil an Eretz Israel haben!"

Moshe traegt die Bitte an G-tt heran und der gibt den Toechtern Zlofchads Recht. "Von nun an", so bestimmt er, "sollte ein Mann keine Soehne hinterlassen, werden die Toechter erben."
Das war bis zu diesem Zeitpunkt nicht der Fall.

Wir wollen alle einen Anteil an Eretz Israel haben, auch die Frauen. Das macht deutlich, dass G-tt sich jede Bitte anhoert, egal ob sie von einer Frau oder einem Mann formuliert wird. Jedes Gebet ist vor G-tt gleich und jede Bitte ist es wert, vor ihn gebracht zu werden.
Erst recht, wenn es sich um keine profane Bitte handelt, sondern um ein Hungern nach mehr Spiritualitaet.
In Eretz Israel ist die Ausuebung unserer Mizwot auf einem wesentlich hoeheren Niveau, so sagen die Weisen. Wir koennen uns - wenn wir uns ehrlich bemuehen - auf eine tiefere Verbindung zu G-tt freuen, denn seine Augen ruhen immer mit besonderer Aufmerksamkeit auf dem Land unserer Vaeter.


Dienstag, 7. Juli 2009

Arutz Sheva : "60 missionierende Konvertiten"

Was fuer ein Schock!
Laut "Arutz Sheva" wurde dem Rabbinat in Israel eine Liste von 60 Konvertiten praesentiert, die weiterhin an J.C. glauben und aktiv missionieren.
HIER der Artikel.
Ich finde, diese Tatsache kann den Ruf von uns Konvertiten enorm in Zweifel ziehen und hoffe sehr, dass Moeglichkeiten gefunden werden, solche "unehrlichen" zum Judentum uebergetretenen Menschen, die durch einen Giur in Wirklichkeit das Ziel verfolgen in juedischen Kreisen zu missionieren, zu entlarven.

Noch einmal Michael

Man kann sicher darueber streiten, ob es angebracht ist, eine Trauerfeier in solch riesigem Rahmen zu veranstalten, wie es heute fuer Michael Jackson geschieht.
Scheinbar wollten es die Fans, Angehoerigen und Freunde so, und das ist auch zu respektieren.
Es gab viel Fuer und Wider in den letzten Tagen, wenn es darum ging, was Michael getan oder nicht getan hat.

Ein Artikel, auf den man mich aufmerksam machte, aus der online-ausgabe der "yediot acharonot" hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Dort schreibt Rabbiner Levi Brackman darueber, wie falsch es ist, materiellem Ruhm hinterherzujagen. Er schreibt, dass Michael doch alles hatte, was ein Mensch sich wuenschen kann, und dennoch war er undankbar und nicht zufrieden mit sich selbst.
Diese Tragik konnte die ganze Welt mit verfolgen, seine unzaehligen Operationen sprachen Baende darueber, wie sehr er uneins mit sich selbst war, wie sehr im wohl ein "wahrer Sinn" im Leben fehlen musste.

Aber er schreibt auch folgendes, was mich besonders traurig macht. Ich zitiere einige Saetze aus seinem Artikel, den ihr HIER vollstaendig lesen koennt.

People like Warren Buffet and Bill Gates should be admired for their ability to build personal wealth but they should be venerated, respected and revered primarily for the good they have done with their wealth.

Conversely one who has earned massive amounts of money and uses it mainly for their own aggrandizement and gives only tiny fractions of it for the betterment of others should be pitied and looked down upon.

..."and looked down upon"...

Es haben in den letzten Tagen einige Menschen oeffentlich erzaehlt, dass Michael unzaehlige Hilfsorganisationen unterstuetzt hat und vieles "im Stillen" getan hat, was Menschen half. "Er hat sich immer um andere gekuemmert.." war nur ein Zitat von Menschen, die ihn sicher besser kannten, als wir alle.

Nun mag es sein, dass das alles nur "Publicity posthum" ist, aber was, wenn es stimmen sollte?
Was, wenn wir manchmal Menschen verurteilen, weil wir gar nicht wissen, wem sie in welchem Ausmass helfen, ohne dass sie es an die grosse Glocke haengen?
Und damit meine ich nicht nur beruehmte Menschen wie Michael, sondern auch die Menschen in unserer Umgebung.
Auf niemanden sollten wir herabschauen, weil wir uns nach dem "Offensichtlichen" richten und jeder Mensch in unserer Naehe kann insgeheim ein "Wohltaeter" sein, ohne dass wir es je erfahren.

Und - man kann auch mit Musik vielen Menschen Freude bringen, Menschen vereinen. Ist das etwa gar nichts "wert"?
Ich muss nicht betonen, dass es immer traurig ist, wenn ein Mensch von uns geht, sei er beruehmt oder "scheinbar unscheinbar".

Montag, 6. Juli 2009

Sommerflieder, Schmetterlinge und Jasmin! ב"ה















Zurzeit werden alle unsere Sinne befluegelt, wenn wir nur achtsam durch die Natur gehen.
Auch wenn ich fast den ganzen Tag in meinem Buero verbringe, so reicht doch der Weg zur U-Bahn, um mich fasziniert an jeder Ecke staunen zu lassen.
Farben, die nur die Natur hervorbringt, gemalt mit g-ttlicher Hand beeindrucken unsere Augen.
Es scheint zurzeit keine Farbnuance zu geben, die sich nicht auf der Palette des Schoepfers befindet.

Aber eines habe ich tatsaechlich noch nie in dieser Intensitaet wahrgenommen - es ist ein betoerender Duft von Jasmin, der seit fast zwei Wochen die Luft in meinem Wohnviertel erfuellt. Sobald ich meine Fenster oeffne, gelangt er in meine kleine Wohnung und erfreut meine Seele.
Er empfaengt mich am nachmittag, sobald ich aus der U-Bahn steige und begleitet mich nach Hause. Nachts darf ich mit diesem suessen Duft um mich herum einschlafen.

Wie dankbar koennen wir doch sein, fuer solche Geschenke, die man sich nicht kaufen kann und die doch das Herz mehr erfuellen als alle materiellen Gueter der Welt.

Leicht und koestlich kosher















Zutaten:

1 grosse Tomate
Je eine rote, gruene und gelbe Paprika
1 Schalotte
2 hart gekochte Eier
3-4 Scheiben Raeucherlachs
(alternativ: geraeuchertes Forellenfilet)
Pinienkerne
fuer das Dressing: frische Zitrone und Olivenoel,
Salz und Pfeffer
wer es scharf mag: nach Belieben Arissa-Paste


Das Gemuese und die Eier klein schneiden
den Raeucherlachs in kleine Streifen teilen
die Pinienkerne zerstossen

Alles auf einem schoenen Glasteller anrichten
Saft von einer frischen Zitrone darueber geben
Olivenoel dazu
mit Salz u Pfeffer (und evtl. Arissa-Paste) abschmecken.

(Fuer kosheren Genuss nicht vergessen:
nach dem Pellen der Eier evtl. Blutstippen herausschneiden!)

Guten Appetit!

Heute in der Mittagspause oder "Einer ist nicht besser als der andere da unten"

Ich treffe einen frueheren Kollegen in der Pause.

Er fragt mich: "Hoer mal, da unten sind doch wieder Unruhen, oder?"
Ich: "Meinst du die Proteste wegen des Parkplatzes am Shabbat oder was genau?"
Er: "Ja, irgend sowas. Und man munkelt auch, dass Israel plant, den Iran anzugreifen. Mensch, das kann doch wieder nur provozieren..."
Ich: "Der Iran wird in unmittelbarer Zukunft die Atombombe haben. Und was er damit machen will, sagt Achmadinedschad nun fast alle paar Wochen oeffentlich, ohne dass irgend jemand sich darueber aufregt ausser Israel. Dann ist naemlich Ende mit Israel."

Er: "Hach ja, immer dieses gegenseitige Aufschaukeln da unten. Da ist auch einer nicht besser als der andere."

Ich gebe es auf, da er schon genervt in die andere Richtung schaut und ploetzlich keine Zeit mehr hat.

So so. Da ist also "da unten "einer nicht besser als der andere." Das heisst, die einzige Demokratie im Nahen Osten wird mit einem Achmadinedschad in einen Topf geworfen.

Sonntag, 5. Juli 2009

Gesunder Erfrischungsdrink fuer heisse Tage















Man nehme:

Ein Bund frische Naana-Minze (gibt es beim Araber u. beim Tuerken um die Ecke)
Zitrone
Wasser
eine leere Plastik-getraenkeflasche

Wasser zum Kochen bringen
In einer grossen Tasse mehrere Stengel Naana mit kochendem Wasser uebergiessen.
Kurz ziehen lassen
Das Gemisch in die Getraenkeflasche fuellen
einige Stengel Naana hinzufuegen
mit Wasser auffuellen

Die Plastikflasche nach Belieben ins Gefrierfach legen.
Wenn sich Eis gebildet hat, herausnehmen
schuetteln und ein paarmal auf den Tisch schlagen
bis das Eis kleingeschlagen ist
Zitronensaft von frischer Zitrone hinzufuegen.
Fertig
תהנו
Geniesst die Erfrischung!

Donnerstag, 2. Juli 2009

Shabbat shalom! - שבת שלום ומבורך

Shabbat

Dringend brauche ich den Shabbat - besonders in den letzten Wochen, seit ich wieder eine volle Stelle habe. Ich arbeite viel, gehe morgens um 7h aus dem Haus und bin erst um 7h wieder zurueck, nur um am Yom shishi (Freitag) eher gehen zu koennen. Dann naemlich kann ich in aller Ruhe den Shabbat vorbereiten, mein winziges Heim aufraeumen, eine frische Tischdecke auflegen, beim Putzen laut "Arutz sheva" hoeren (HIER koennt ihr alle Sender Israels waehlen) und mich in die wahre Shabbat-stimmung bringen. Ich mache noch ein paar Einkaeufe, um den heiligen Ruhetag gebuehrend zu begehen und zuende dann die Kerzen an.
In den letzten Wochen bin ich von der Woche derart erschoepft, dass ich den Kabbalat shabbat nicht in der Synagoge, sondern bei mir zuhause "gefeiert" habe. Das macht mich etwas unzufrieden, ist aber im Moment fuer meinen geplagten Ruecken besser als stundenlanges Sitzen.
Ich komme endlich dazu, in der Tora und in meinem neuen Buch von Maimonides zu lesen und ein wenig mehr Spiritualitaet zu spueren als in der Woche.

Vor ein paar Wochen habe ich mich am Shabbes nach der Synagoge dazu hinreissen lassen, mit einer Bekannten einen kleinen Umweg nach Hause einzuschlagen. Der Umweg fuehrte durch die Geschaeftsstrasse des Viertels, das ich sonst am Shabbat nicht so wahrnehme.
Meist ist mir am Shabbat gar nicht richtig bewusst, dass meine gesamte Umwelt einen normalen Tag begeht. An diesem Tag jedoch habe ich mich durch den "Umweg" voellig aus dem Shabbatgefuehl heraus katapultieren lassen und mich danach furchtbar geaergert. Am meisten ueber mich selbst.
Ich wusste genau, dass das passiert, habe aber nicht immer ablehnen wollen. So habe ich sie begleitet und einmal mehr festgestellt, dass es nicht das ist, was ich am Shabbat suche und brauche.
(Besser ist es, sich nicht zu aergern, sondern Konsequenzen fuer die Zukunft daraus zu schliessen und besser auf sich zu achten)

Zurzeit sehen also die Shabbatot so aus, dass ich lieber allein, dafuer aber sehr in Ruhe bin. Nach einer derart turbulenten Arbeitswoche geniesse ich das Alleinsein.
Selbst in Israel gab es Shabbatot, an denen ich keine Einladungen angenommen habe.
Ich sass dann auf dem Balkon und genoss die Stimmen aus den Fenstern von gegenueber, die Shalom Aleichem sangen, die Menschen, die sich auf den Strassen "shabbat shalom" wuenschten und fuehlte mich eins mit dem juedischen Volk, was gemeinsam den Shabbat beging.
Wirklich einsam habe ich mich dabei nie gefuehlt.

Die richtige Entscheidung?

Ein wenig unruhig werde ich schon, denn ich hoere nichts von der Sochnut (Jewish Agency). Zwar hat mir die freundliche Dame aus Berlin, die meinen Alyia-Antrag bearbeitet, gesagt: " Wenn Sie nichts hoeren, ist das ein gutes Zeichen."
Denn gerade direkt nach Antragsstellung gab es die meisten Rueckfragen von den israelischen Behoerden. Schliesslich, als alle Papiere vorlagen, herrschte Stille.

Die Alyia ist fuer Oktober geplant und nun ist bereits Juli. Ich kann erst meine Wohnung und den Job kuendigen, wenn ich eine Einreiseerlaubnis habe. Und diese Kuendigungen werden auch noch einmal Zeit in Anspruch nehmen.
Wann werde ich von der Bezirksregierung Arnsberg endlich das "O.K." bekommen, die deutsche Staatsbuergerschaft behalten zu koennen, auch bei Annahme der israelischen?
Und - mache ich alles richtig?
Ich werde die "vollen Fleischtoepfe Aegyptens (in diesem Falle Deutschlands) verlassen", um mich ins Ungewisse zu begeben, in ein Land, aus dem viele "Kundschafter" wiederkommen, die mir Angst machen wollen.
Aber es gibt auch die, die wie Jehoshua und Kaleb sagen: "Tova haAretz meod meod"( Das Land ist sehr sehr gut) und "wir koennen es schaffen".
Ich sollte auf den Himmel vertrauen und sicher sein, dass das, was mich auf diesen Weg trieb, das Richtige ist.
Und schliesslich - sagt man nicht, dass die Aufmerksamkeit G-ttes immer besonders auf Eretz Israel ruht, dass er uns nicht aus den Augen laesst und uns immer helfen wird?

Was wird sein? - מה יהיה

Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht in Gedanken in Israel bin, durch die Strassen gehe, die Aussicht geniesse, in den Bus steige, um nach Haifa zu fahren, am Strand von Tel Aviv nach Jaffo spaziere....
und mich frage, wo ich sein werde in ein paar Monaten, wenn ich - b"h - als Olah Chadasha ankomme. Werde ich Arbeit finden, wo wird mein Heim sein? Wird es mir gelingen, in Jerushalaiym zu wohnen, oder muss ich einen "Umweg" ueber Haifa nehmen, weil es dort billiger ist, zu wohnen, und sich mehr Moeglichkeiten bei der Arbeitssuche bieten?
Wann werde ich fuer meinen Lebensunterhalt aufkommen koennen und nicht mehr vom "Gesparten" leben?
Und bei all den Gedanken weiss ich, dass es nicht richtig ist, die meiste Zeit in der Zukunft zu leben. Wir sollen da sein, wo wir gerade sind, und das richtig. Denn es hat einen Sinn, dass wir in diesem Moment da sind, wo wir sind. Es waere wichtiger, zu erkennen, was ich hier noch tun sollte.
Aber es faellt schwer, nicht in Zukunftsvisionen zu leben, sich nicht ein ungefaehres Wunschbild zu malen von dem, was sein wird in ein paar Monaten.....

Warmer Sommerregen

Als ich im letzten Jahr um diese Zeit in Jerushalaiym war, habe ich mich eigentlich nach nichts gesehnt, was ausserhalb von Israel war - ausser nach warmem Sommerregen.
Gerade einsetzender Regen im Sommer hat einen eigenartig dunstigen Geruch. All der Schmutz aus der Luft wird mit zur Erde genommen und es ist ploetzlich wieder moeglich, frei zu atmen.
Wisst ihr, was ich meine?

Mittwoch, 1. Juli 2009

Chukat, Balak

Raschi sagt zum Wochenabschnitt "Chukat" folgendes:

...weil der Anklaeger und die Voelker der Welt Israel verhoehnen, indem sie sagen, was bedeutet dieses Gebot, und welche Begruendung hat es? Darum schreibt er dabei Satzung; es ist ein Gesetz von mir, und du hast nicht das Recht, dagegen Einwaende zu machen (Tanch).....
Wir lernen den Unterschied zwischen Chukim und Mischpatim. Chukim sind Mitzwot, die man nicht logisch erklaeren kann und dazu gehoeren die komplizierten Vorschriften die Asche der roten Kuh betreffend.

...alljeder, der einen Gestorbenen beruehrt, ein Menschenwesen, das sterben musste, und entsuendet sich nicht, .....(..)..gerodet wird jenes Wesen aus Jisrael, denn Entsondrungswasser wurde ueber ihn nicht
gesprengt, maklig bleibt er, noch ist sein Makel an ihm. ...
ohne die Asche der roten Kuh konnte es zu keiner Reinigung kommen.
Ich kenne niemanden, der von sich behauptet, die Vorschriften der Asche der roten Kuh wirklich zu verstehen, aber wie unser Rabbiner sagt, ist es auch nicht so wichtig, sie zu verstehen.
Anhand dieser Gesetze sollen wir vielmehr lernen, dass es Vorschriften gibt, deren Bedeutung wir nicht logisch erfassen koennen, die wir aber dennoch, oder gerade deshalb, genauso befolgen sollen wie die, die uns verstaendlich und plausibel erscheinen.

Mischpatim werden Mitzwot genannt, die uns logisch erscheinen, z.B. dass wir nicht stehlen sollen oder ehebrechen. Es erscheint uns vernuenftig, so zu handeln. Warum wir jedoch Milchiges nicht zusammen mit Fleischigem essen sollen, ist schon schwieriger zu erklaeren. Es steht in der Tora. G-tt schreibt es dem juedischen Volk vor. Das ist der Grund.
Schon manch ein Ernaehrungswissenschaftler hat versucht, unsere Kashrut-Gesetze logisch zu erklaeren, z.B. damit, dass manches bekoemmlicher fuer den Koerper ist, oder dass der Verzehr von Schweinefleisch deshalb verboten ist, weil es in suedlichen Laendern leichter verdarb.
Fuer uns sind und bleiben es aber Gebote, die wir mit der Logik nicht erklaeren koennen, und die wir nur deshalb befolgen, weil wir G-tt lieben und fest darauf vertrauen, dass er weiss, was fuer uns, unseren Koerper und die Seele richtig ist. Die Befolgung dieser Art von Mizwot erst stellt unser Vertrauen auf die Probe. Und die Weisen sagen, es ist durchaus moeglich, dass wir irgendwann begreifen, warum uns manche Speisen verboten sind. Doch ist es auch moeglich, dass wir es erst in der kommenden Welt verstehen.

Als ich mich dem Judentum zuwendete, und anfing einige Vorschriften umzusetzen, nahm ich mir vor, jede Vorschrift genau zu durchdenken, und sie nur dann umzusetzen, wenn mir die Bedeutung logisch erschien. Keinesfalls wollte ich einfach etwas tun, weil es von mir verlangt wurde.
Dieser Zeitraum dauerte nicht sehr lange, bis ich an die Grenzen stiess und darueber hinausging. Ploetzlich stellte ich fest, dass ich Dinge veraenderte in meinem Alltag, fuer deren Bedeutung es keine Erklaerung gab. Und so manches Mal habe ich mich gefragt: Warum tue ich das eigentlich?
Es fuehlte sich an wie "ferngesteuert", wie durch eine nicht sichtbare Hand "geleitet" und war zumindest anfangs erst einmal ungewoehnlich.

Als ich spaeter diese "Chukim" lernte und erfuhr, dass wir sie aus Liebe befolgen, wurde mir klar, wer mich da geleitet und an die Hand genommen hatte.

Um noch einmal auf Raschis Kommentar zurueck zu kommen, sei erwaehnt, das man Chukim Nicht-juden erst recht nicht erklaeren kann.
Grosses Unverstaendnis schlaegt einem anfangs entgegen, wenn sich der Alltag veraendert, insbesondere, wenn es um die Speisegesetze geht. Die Voelker der Welt wollen uns vielleicht sogar klarmachen, dass es unsinnig ist, was wir tun.
"Aus Liebe zu G-tt" etwas zu tun oder zu lassen, ist fuer unsere heutige Welt, in der G-tt meist keinen Platz mehr bekommt, unverstaendlich.
Doch wichtig ist, was wir, das juedische Volk fuehlen und dass wir weiter fest darauf vertrauen, dass es jemanden gibt, der ueber uns wacht, der weiss, was unserer juedischen Seele gut tut.
Befolgen wir diese Chukim mit Freude, so entsteht eine tiefe Naehe zur g-ttlichen Gegenwart.