Donnerstag, 27. August 2009

Berlin

Nun werde ich also nochmal nach Berlin fahren "muessen". Ganz so schlimm ist es nicht, denn ich werde versuchen, die Fahrt evtl. mit einem kleinen "Blogger-treffen" verbinden zu koennen.

Am 9. September habe ich nun eine relativ guenstige Zugfahrt gebucht. Ich werde um kurz vor 6h hier losfahren und bin dann um ca. 10h in Berlin. Dann geht es zur israelischen Botschaft, wo ich eine Unterschrift leisten werde - die man uebrigens NUR vor Ort persoenlich abgeben kann - dass ich auf die israelische Staatsbuergerschaft verzichte.
Dann - so empfahl der nette Mann bei der Jewish Agency - solle ich nach meiner Einreise in Israel noch einmal zum Innenministerium (Misrad haPnim), um dort, moeglichst mit "jemandem, der weiss, wie man mit israelischen Behoerden spricht!", noch einmal diese Erklaerung abzugeben, zunaechst einmal nur "Permanent resident" sein zu wollen.
Meine kompletten Rechte als Olah Chadasha (Neu-einwanderin) mit allen Leistungen bleiben mir aber erhalten.
Anschliessend zur deutschen Botschaft in Israel, um den Antrag zur Beibehaltung dort zu stellen. Der Herr meinte, ein Antrag der direkt in Israel gestellt wird, laeuft ueber ganz andere Instanzen und wird "fast immer" genehmigt.
Nachdem man die Genehmigung in den Haenden haelt, koenne man die israelische Staatsbuergerschaft annehmen.
Warum eigentlich einfach, wenn es doch kompliziert viel netter ist?

Sonntag, 23. August 2009

Schweden und die "Pressefreiheit"

Die schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" hat einen Bericht veroeffentlicht, indem von angeblichem Organdiebstahl die Rede ist. Israelis sollen Palaestinensern Organe gestohlen habe. ( HIER ein Artikel zu den Geschehnissen von Ulrich Sahm, n-tv)
Donald Bostroem, der Verfasser des Artikels, behauptet, vor siebzehn Jahren bei einem Begraebnis zugegen gewesen zu sein, bei dem der 19-jaehrige Palaestinenser mit aufgeschlitztem und wieder zugenaehtem Bauch beerdigt wurde, da man seine Organe gestohlen hatte.
Weder dafuer hat er Beweise noch fuer seine Aussage, amerikanische Juden wuerden mit diesen gestohlenen Organen Organhandel betreiben. Dennoch verlangt er eine Untersuchung der "Vorkommnisse", die ihm Verwandte von toten Palaestinensern berichtet haben wollen.
Das, was mir sofort dazu einfiel, scheint die Regierung in Israel auch angefuehrt zu haben, naemlich den Vergleich mit den Bezichtigungen aus dem Mittelalter, Juden wuerden das Blut von Christenkindern fuer ihre Mazzot benutzen.

Netanjahu hat von der schwedischen Regierung empoert verlangt, sich zu entschuldigen und sich von dem besagten Artikel zu distanzieren. Die schwedische Botschafterin in Tel Aviv hat ihre Abscheu geaeussert und dafuer prompt eine Ruege vom schwedischen Aussenminister einstecken muessen.
In Folge dessen, gab es auch innenpolitisch Stress, die Sozialdemokraten ruegten die fehlende Kommunikation mit der Botschaft in Tel Aviv und bezeichnen den Alleingang der Botschafterin als "Anarchie im Stockholmer Aussenministerium".
Die Regierung dort beruft sich auf die "Pressefreiheit".

Zu den Forderungen von Bostroem nach Untersuchungen der israelischen Regierung sagte der israelische Botschafter in Schweden, warum man dann nicht auch untersuchen muesse, ob es den Tatsachen entspricht, dass der Mossad zusammen mit Juden aus den USA hinter der Zerstoerung der Twin-towers stehe oder ob die Behauptung der Wahrheit entspricht, dass Israel absichtlich HIV - Erreger in arabischen Laendern verbreitet.
Darueber hinaus koenne man ebenfalls untersuchen, ob Juden zu Pessach tatsaechlich das Blut von jungen christlichen Kindern fuer ihre Mazzot benutzen.

Hohe Beamte des Innenministeriums haben inzwischen die Verlaengerung der Aufenthaltsgenehmigungen fuer einige schwedische Journalisten "verschoben". Es muesse noch einiges ueberprueft werden.
Auf die Anfrage aus Schweden, was denn das fuer Pruefungen seien, sagte man: " Es muesse erst herausgefunden werden, ob die Blutgruppe der Journalisten zu eventuellen Organ-empfaengern passe."

Der Streit nimmt groteske Zuege an, meiner Meinung nach jedoch kann eine Behauptung solcher Art nicht frueh genug in die Schranken gewiesen werden.
Ueber die Jahrhunderte hinweg hat es immer wieder mysterioese Vorwuerfe an Juden gegeben. Man koennte meinen, wir sind den Ritualmordvorwuerfen des Mittelalters entwachsen, doch scheint immer wieder eine neue Unterstellung um die Ecke zu kommen, mit der ganze Bevoelkerungsschichten sich freudig auf die schon immer suspekt erscheinenden Juden stuerzen.
Ist der Antisemitismus so tief verwurzelt, dass er auch in unserer modernen Zeit immer wieder seine schaebige Fratze zeigen muss?

Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft im Falle des Erwerbs der israelischen

Nach acht Wochen Wartezeit habe ich nun eine Zwischenmitteilung der Bezirksregierung Arnsberg auf meinen Antrag hin bekommen.
Man kuendigt an, den Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft im Falle des Erwerbes der israelischen abzulehnen.
Es ist zwar ausdruecklich formuliert, dass die Voraussetzung fuer eine Beibehaltung bestehende Bindungen zu Deutschland voraussetzt, jedoch scheinen Kinder und Eltern diese Bindung nicht zu rechtfertigen.

Nach dem Gesetzestext

verliert ein Deutscher gem. § 25 Abs. 1 des Staatsangehoerigkeitsgesetzes (StAG) vom 22. Juli 1913 (RGBI.I S. 583 BGBI.III 102 - 1), zuletzt geaendert durch Artikel 5 des Gesetzes zur Umsetzung aufenthalts- und asylrechtlicher Richtlinien der Europaeischen Union vom 19.08.2007 (BGBI.I S. 1970) seine Staatsangehoerigkeit mit dem Erwerb einer auslaendischen Staatsangehoerigkeit, wenn dieser Erwerb auf seinen Antrag oder auf den Antrag des Ehemannes oder des gesetzl. Vertreters erfolgt, ....(..)
Der Verlust tritt nach Satz 2 dieser Vorschrift nicht ein bei dem Erwerb der Staatsangehoerigkeit eines EU-Mitgliedstaates, der Schweiz oder eines Staates, mit dem ein voelkerrechtlicher Vertrag nach § 12 Abs.3 StAG abgeschlossen wurde.
Zu diesen Staaten zaehlt Israel nicht, so dass im Fall des Antragserwerbs der israelischen Staatsangehoerigkeit der Verlust der deutschen Staatsangehoerigkeit regelmaessig die Folge ist.

Nach §25 Abs. 2 StAG verliert die Staatsangehoerigkeit nicht, wer vor dem Erwerb der auslaendischen Staatsangehoerigkeit auf seinen Antrag die schriftliche Genehmigung der zustaendigen Behoerden zur Beibehaltung seiner Staatsangehoerigkeit erhalten hat. Bei dieser Entscheidung ueber den Antrag auf Beibehaltung sind die oeffentlichen und privaten Belange abzuwaegen...(..)


Bekommt man die auslaendische Staatsangehoerigkeit jedoch angeboten, geht die deutsche nicht verloren.
Kann mir jemand erklaeren, wieso immer alles derart kompliziert sein muss?

Somit wird mir nur Plan B uebrig bleiben, den mir die Jewish Agency bereits vorgeschlagen hat. Ich muss demnach in den naechsten Wochen einmal persoenlich in Berlin bei der Israelischen Botschaft vorstellig werden, um im Voraus auf die israelische Staatsbuergerschaft zu verzichten.
Spaeter kann mir dann in Israel diese angeboten werden und ich kann annehmen, ohne auf die deutsche zu verzichten.

Yael, Juna, Anna - ich komme!

Freitag, 21. August 2009

Shabbat shalom - שבת שלום

Giur - Uebertritt zum Judentum / FAQ

Immer wieder gibt es Anfragen an mich, was den Prozess des Uebertritts zum Judentum betrifft.
Ich moechte hier haeufig gestellte Fragen aufgreifen, die von allgemeinem Interesse sein koennen, wenn man sich mit dem Wunsch, zum Judentum ueberzutreten beschaeftigt. Meine Ausfuehrungen sind rein subjektiver Art, und beziehen sich auf einen orthodoxen Uebertritt in Deutschland.
Hier einige der Fragen, die mir gestellt werden mit einer Beantwortung, die nur auf meinen eigenen Erfahrungen beruht.

(DIESER POST WIRD STAENDIG AKTUALISIERT UND ERGAENZT)

1. Ist es nicht komisch, als Deutsche/r, uebertreten zu wollen, bzw. werde ich evtl.schief angesehen, wenn ich Kontakt zu einer juedischen Gemeinde mache?

Es ist ein ganz normaler Wunsch, auch als Deutsche/r, zum Judentum uebertreten zu wollen, genauso wie zum Islam oder anderen Religionen. In keiner juedischen Gemeinde, sowie auch nicht in Israel, bin ich als Deutsche jemals "schief" angesehen worden. Es gibt sehr wenige Ausnahmen, die vorwiegend aus einer sehr ungebildeten "Unterschicht" stammen, das ist in jeder Gesellschaft aehnlich.
In der Regel wird man eher bewundernd angesehen und es wird einem Hochachtung entgegengebracht, da fast jeder Jude weiss, wie schwer einem ein Uebertrittsprozess gemacht wird. Und jemand, der "freiwillig" 613 Gebote auf sich nimmt, der muss entweder "meschugge" sein, oder man sollte ihn sehr dafuer achten.

2. Kann ich denn einfach Kontakt zu einer juedischen Gemeinde aufnehmen?

Ja, DU musst den ersten Schritt tun, niemand wird auf dich zugehen, da das Judentum eine Religion ist, die nicht missioniert. Such dir eine Gemeinde in deiner Naehe, (vielleicht googlest du danach) und rufe dort an. Frage, ob du an einem Freitag abend oder Samstag morgen am G-ttesdienst teilnehmen kannst (fuer den "Einstieg" ist ein G-ttesdienst am Freitag abend ideal, "Kabbalat shabbat" genannt)
Frage nach den G-ttesdienstzeiten, sie variieren von Ort zu Ort ein wenig. Es kann sein, dass man dich fragt, wie du aussiehst, damit man sich auf den "neuen Gast" einstellen kann. Das ist nichts Persoenliches etwa gegen dich, sondern es entspringt den unterschiedlichen Sicherheitsvorkehrungen. Du wirst sicher vor der Synagoge dann auch den Polizeischutz bemerken.


3. Muss ich den Rabbiner ansprechen?

Falls die Gemeinde einen Rabbiner hat, sprich ihn an. Nicht jede Gemeinde hat einen, da man im Unterschied zum Christentum keinen Rabbiner braucht, um einen G-ttesdienst abzuhalten, man braucht lediglich 10 Maenner, einen sogenannten "Minjan", um gewisse Gebete sprechen zu koennen, waehrend des G-ttesdienstes und um aus der Tora lesen zu koennen.
Mein Rabbiner sagt immer : "Ich habe keinen Zaun um mich. Sie koennen mich immer ansprechen!"
Nur Mut also!
Du kannst auch ganz einfach sagen, dass du mehr ueber das Judentum lernen moechtest, und ob es moeglich ist, ab und zu herzukommen.

4. Sollte ich vorher nicht erst verstehen, was in so einem G-ttesdienst vor sich geht, um ausreichend vorbereitet zu sein?

Nein. Meiner Meinung nach kannst und solltest du getrost einfach zu einem G-ttesdienst erscheinen und das, was dort passiert auf dich wirken lassen. Allerdings solltest du damit rechnen, dass du kein Wort verstehst. (es sei denn, du sprichst hebraeisch)
Das ist aber auch nicht wichtig. Es geht vorrangig um das Gefuehl, was sich einstellt. Fuehlst du dich mit den Gesaengen und Gebeten gut, oder ist es dir unangenehm? Eventuell - so habe ich es gemacht - suchst du einfach auch mal andere Gemeinden in der naeheren Umgebung auf, um einen Vergleich zu haben. Dort wo du dich wohlfuehlst, bleib!
Im G-ttesdienst ein kurzer Tipp: stehe dann auf, wenn die Gemeinde aufsteht und setz dich hin, wenn es alle um dich herum tun! So machst du nichts falsch, verletzt niemandes Gefuehle, ohne schon wissen zu muessen, WARUM man an bestimmten Stellen aufsteht.

5. Wann muss ich mich denn entscheiden?

Gar nicht. Du kannst einfach als Gast, so oft du willst zum G-ttesdienst erscheinen und dir dort Kraft holen oder nur die Gesaenge geniessen. Niemand wird dir "zureden" oder dir gar Druck machen.
Falls es in deiner Gemeinde Schwierigkeiten geben sollte, (z.B. dass man dir sagt, du darfst nicht am G-ttesdienst teilnehmen) suche dir eine andere! Ich habe so etwas aber noch nicht gehoert, meist ist jeder willkommen. Solltest du darueber hinaus an Shiurim (das sind Unterrichtsstunden ueber juedische Themen) teilnehmen wollen, so kann es sein, dass dort die Teilnahme nur fuer Mitglieder der Gemeinde moeglich ist. Aber auch das war in meiner Gemeinde durchaus erlaubt.

6. Gibt es so etwas wie einen Kurs für Menschen, die sich entscheiden, zum Judentum ueberzutreten?

Ja, in vielen liberalen Gemeinden, wo der Zulauf groesser ist, gibt es Kurse. Viele, die orthodox uebertreten wollen, haben es leider nicht so gut, da es sehr wenige "Mitstreiter" gibt. Frag den Rabbiner, denk daran: er hat keinen Zaun um sich!

7. Wenn ich mich entschieden habe, wie geht es dann weiter?

Dann solltest du auf jeden Fall einen Rabbiner als Ansprechpartner haben, der dich durch den gesamten Giur-Prozess begleitet. Er wird dir mit Rat und Tat zur Seite stehen und dir den naechsten Schritt erklaeren.
Es wird irgendwann dann ein Antrag an das Rabbinergericht (BEIT DIN) gestellt, das dann darueber entscheidet und dich persoenlich kennen lernen wird.

8. Kann ich dann nicht mehr zurueck, wenn ich einmal einen Antrag gestellt habe?

Keine Sorge, du kannst es dir waehrend des gesamten Prozesses noch anders ueberlegen und niemand wird dir boese sein. Da es eine grosse und wichtige Entscheidung ist, und der Uebertritt zum Judentum auch ein Wechsel in eine andere Volkszugehoerigkeit bedeutet, dieses Volk noch dazu ein im Laufe der Jahrtausende immer wieder verfolgtes, haeufig gehasstes Volk war und ist, solltest du als Giur- "Kandidat" lange Zeit haben, dir darueber klar zu werden, ob du tatsaechlich zu diesem Volk gehoeren moechtest.

9. Was kann ich lesen, um mehr Einblick in das juedische Leben zu bekommen?

Donin: Juedisches Leben,
Donin: Juedisches Gebet heute
Rabbi Wagschal: Kosher durch das Jahr
Israel Lau: Wie Juden leben

Ein Lesetipp von einer Leserin HIER

10. Kostet es etwas, ueberzutreten?

Ja, leider. In Israel ueberzutreten ist mit keinen Kosten verbunden. Da aber die Rabbiner des Beit Din aus Israel sich nur 3mal im Jahr in Deutschland treffen, kostet ein orthodoxer Uebertritt in Deutschland ca. 800- 1000 Euro.
Ich habe den Rabbiner gefragt, ob ein Mensch in finanziellen Schwierigkeiten nicht uebertreten kann. Er sagte mir, es gaebe dann Moeglichkeiten wie Ratenzahlungen oder andere Optionen. Frag bitte den Rabbiner, falls Geld ein Problem sein sollte.

11. Kann ich uebertreten, wenn ich noch nicht volljaehrig bin?

Diese Frage habe ich aktuell mit meinem Rabbiner geklaert. Es ist folgendermaßen: Grundsaetzlich wird niemand konvertiert bevor er 18 Jahre alt ist.
Falls deine Eltern auch vorhaben zu konvertieren koennt ihr das gemeinsam als Familie tun und du kannst auch vor deinem 18. Lebensjahr konvertieren.
Sind deine Eltern Nicht-juden, musst du warten bis du einen eigenen Haushalt hast, der es dir ermoeglicht, die Kashrut-gesetze zu halten.

12. Muss ich hebraeisch lernen fuer den Giur?

Es ist moeglich, dass du einen punktierten Text - wie er im Siddur (Gebetbuch) steht - vortragen musst, einen Gebetsabschnitt, oder Tehillim (Psalme).
Ivrit (das ist neu-hebraeisch, wie es in Israel gesprochen wird) wird nicht geprueft. Ich selbst musste keinen Text vortragen. Da mein erstes "Vorstellungs"-gespraech bei den Rabbinern fast komplett auf hebraeisch war, wussten sie, dass ich mich schon laengere Zeit mit der Sprache beschaeftige.
Wenn du langsam beginnst, der Toralesung zu folgen, im G-ttesdienst, wirst du mehr und mehr in die Sprache eintauchen. Du wirst selbst das Bestreben haben, die Tora eines Tages in ihrer Urschrift lesen zu koennen.
Sehr viel unterscheidet sich das Ivrit vom Alt-hebraeisch nicht. Nicht umsonst sagt man : wuerde Moshe (Moses) heute ins Heilige Land kommen und um ein Stueck Brot bitten, man wuerde ihn verstehen!

13. Ich habe schon viel allein gelernt, und setze auch das, was ich lese, zuhause um, ich zuende Shabbat-kerzen und halte einige der Kashrut-gesetze. Warum kann ich mich nicht nach einiger Zeit zur "Pruefung" anmelden?

Dazu solltest du verstehen, dass das Judentum keine Religion ist, die man fuer sich allein ausuebt. Du brauchst dringend eine Familie, oder einige Personen, die dir Vorbild sind, die dir praktisch zeigen, wie du alles in deinen Alltag umsetzt. Wird man als Kind einer juedischen Familie geboren, lernt man ja auch von den Eltern.
Das fehlt dir als Ger natuerlich. Auch die Rabbiner des Beit Din verlangen (so war es bei mir), dass du eine Art "Adoptivfamilie" hast, die observant lebt. In Israel in einem "Kibbutz-Ulpan-Giur" wirst du einer Familie zugeteilt, bei der du die Shabbatot erleben wirst.
Es reicht nicht aus, dein Wissen aus Buechern "anzusammeln", um dann abgefragt zu werden.

14. Ich habe gehoert, dass es eine Art "Schnellverfahren" gibt. Man muss nicht so einen langen Prozess durchlaufen und es wird dem Giur-kandidaten viel einfacher gemacht.

Finger weg von solchen "Instant-giurim". Ich kann nur vehement warnen vor diesen "Machenschaften". Es gibt tatsaechlich solche Angebote, nicht selten muss man eine nicht unerhebliche Summe Geldes dafuer zahlen, mit dem Versprechen, dass alles sehr schnell geht. Uebertritte dieser Art sind nicht anerkannt! Weiter oben habe ich die Hoehe der Gebuehr aufgefuehrt, die bei einem Giur faellig wird. Falls du wesentlich mehr bezahlen sollst, erkundige dich an authorisierter Stelle, ob das ein serioeser Uebertritt ist.

15. Kann ich direkt nach meinem Giur in Israel einwandern? Jeder Jude hat doch das sogenannte "Rueckkehrrecht", wie ich gehoert habe.

Leider gibt es nach einem Giur im Ausland andere Regelungen. Du musst in dem Land, in dem du deinen Giur beendet hast, noch ein Jahr als Mitglied einer juedischen Gemeinde bleiben, bevor du berechtigt bist, Alyia zu machen. (Alyia ist das hebr. Wort fuer die Einwanderung nach Israel). Man will anscheinend verhindern, dass der Kandidat nur konvertiert, um danach nach Israel einzuwandern.
Was du in jedem Falle schon tun kannst, ist, dich nach deinem erfolgten Giur bei der Jewish Agency zu melden und einen Antrag auf Alyia zu stellen. Die Vertretungen der Jewish Agency befinden sich in Deutschland in Berlin und in Frankfurt.

16. Ich bin verheiratet, aber meine Frau / mein Mann ist ChristIn und will es auch bleiben. Sie/Er hat aber nichts dagegen, wenn ich konvertiere.

In diesem Fall wird ein Giur nicht moeglich sein. Dein Umfeld ist sehr wichtig, besonders der gemeinsame Haushalt. Es faengt schon bei den Kashrut-gesetzen an, die du nicht umsetzen kannst mit einem nicht-juedischen Partner.
Eines der wichtigsten Kennzeichen des Judentums ist das Halten des Shabbat. Wie willst du das realisieren?
Selbst, wenn das Beit Din dem zustimmen wuerde, kann ich mir bei aller Toleranz nicht vorstellen, wie ein solches Leben aussehen sollte.

17. Was soll ich meinen Freunden/Kollegen erzaehlen, wenn ich anfange, die Kashrut-und Shabbat-gesetze zu halten?

Das musst du selbst entscheiden. Im besten Falle kannst du offen und ehrlich mit deinem sozialen Umfeld sprechen und vielleicht wirst du ueberrascht sein, wie verstaendnisvoll die meisten sind. Da viele Gesetze aber fuer Nicht-juden "seltsam" anmuten, musst du auch damit rechnen, dass manche mit Unverstaendnis oder sogar Ablehnung reagieren. Letzten Endes werden dich die "wahren" Freunde unterstuetzen auf deinem Weg und die Veraenderungen, die sich ergeben, akzeptieren. Auf andere, die dich evtl. verurteilen oder belaecheln, wirst du verzichten koennen und dich fragen muessen, ob es tatsaechlich "Freunde" waren. Andererseits wirst du auch neue juedische Kontakte machen, die dich weiter staerken und dir im besten Falle Vorbild sein koennen.

18. Was mache ich, wenn ich bei nichtjuedischen Freunden bin, und etwas zu Essen angeboten bekomme?

Als ich anfing, die Kashrut-gesetze umzusetzen, hat mir jemand geraten, sehr langsam und Schritt fuer Schritt vorzugehen. Ich solle zunaechst versuchen, bei mir zu hause nach und nach die Kashrut einzuhalten. (Anfangs fleischig und milchig trennen, kein Schweinefleisch, usw..) Ausserhalb des Hauses, z.B. nur vegetarisch essen, um kein unkosher geschlachtetes Fleisch zu essen.
So habe ich dann auch angefangen. Du wirst entscheiden muessen, wo deine Grenzen sind, und wo du Kompromisse machen willst, fuer den Anfang. Ueberfordere dich nicht, sonst kann es sein, dass du die Lust verlierst, weil es dir unmoeglich erscheint, dich kosher zu ernaehren. Es ist ohnehin unmoeglich in Deutschland ausserhalb des Hauses kosher zu essen, da in jedem Restaurant das Geschirr und die Kochtoepfe sowohl fuer fleischige als auch fuer milchige Speisen verwendet werden.
Versuche, einen kosheren Laden in deiner Stadt zu finden, wo du einige Lebensmittel einkaufen kannst, die dir wichtig sind. Ansonsten bestelle dir die "kosher-liste" bei der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands. Du kannst sie auch online einsehen. Es ist ein Hilfsmittel fuer Menschen, die in Deutschland leben und sich kosher ernaehren moechten. Auf der Liste stehen Produkte, deren Inhaltsstoffe ueberprueft wurden vom Rabbinat. Besorge dir immer eine aktuelle Version, da die Lebensmittelfirmen auch von Zeit zu Zeit ihre Inhaltsstoffe veraendern.
Nebenbei: Gemuese und Obst sind immer kosher (nur ist es sehr wichtig, sie sorgfaeltig nach Tieren abzusuchen)
Bei Suessigkeiten, die haeufig mit Gelatine hergestellt werden (Weingummi z.B.) gibt es die Moeglichkeit im "Baerenland", was es inzwischen in vielen Staedten gibt, gelatinefreie Produkte zu kaufen, die auch gern von Vegetariern oder Moslems gekauft werden.

19. Ich werde haeufig von religioesen Christen angesprochen, die mir sagen, es sei doch ein Rueckschritt, wenn ich mich zum Judentum bekenne.

Das wird dir noch oft passieren. Lasse dich nicht auf eine religioese Diskussion ein. Es wird kaum moeglich sein, dass Christen, die ihre Religion ernst nehmen und daran glauben, dass J. der Erloeser oder Sohn G-ttes war, dich in deinem Glauben verstehen. Es reicht, wenn ihr euch auf gegenseitigen Respekt einigen koennt, bei dem keiner den anderen verurteilt. Vielleicht koennt ihr euch auch darauf einigen, dass es sehr unterschiedliche Wege eines Menschen gibt, sich G-tt zu naehern.
Das Judentum sagt, dass auch Nicht-juden Anteil an der kommenden Welt haben, wenn sie ein g-ttgefaelliges, wahrhaft menschliches Leben fuehren. Fuer Nichtjuden gelten (zumindest nach dem Judentum) die 7 Noachidischen Gesetze.

20. Ich kann also auch diese Noachidischen Gesetze einhalten. Ist das ein eigener Weg oder ein Pfad im Christentum?

Die Bnei Noach haben mit dem Christentum nichts zu tun. (hier nachzulesen)
Es kann sein, dass die Rabbiner des Beit Din dich auch fragen werden, ob es nicht genug ist, die Noachidischen Gebote einzuhalten. Du kannst dich mit der Tora beschaeftigen hast aber nicht dieselbe "Verpflichtung" wie ein Jude, ALLE Mizwot (Gebote) einzuhalten, welche du bei einem Giur auf dich nimmst.
Da es im Judentum das Prinzip von Belohnung und Strafe gibt, hat ein Jude fuer sein Verhalten Konsequenzen zu erwarten.

21. Kann ich ein juedisches Leben fuehren, ohne zum Judentum zu konvertieren?

Sicher. Du kannst die Kashrut-gesetze umsetzen, so wie es dir fuer dich richtig erscheint, kannst den Shabbat halten und vieles andere. Wenn du nicht konvertierst, wird dir dein Verhalten hoch angerechnet, jedoch hast du nicht mit einer "Strafe" zu rechnen, solltest du dich nicht an alles halten. Man sagt sogar, ein Nicht-jude sollte (darf) nicht ALLE Gebote halten (abgesehen davon, dass die Einhaltung wirklich ALLER Gebote sehr sehr schwierig sein duerfte, auch fuer Juden. Wer kann das schon von sich behaupten?)
Beispielsweise soll ein Giur-kandidat beim Hueten des Shabbat "einmal uebertreten", da er noch nicht auf die Gebote verpflichtet ist.
Du bist aber kein Jude, nur weil du ein juedisches Leben fuehrst. Dazu gehoert ein ordentlicher Uebertritt vor einem Beit Din nach dem juedischen Gesetz, der Halacha.

22. Wenn ich mich wie ein Jude verhalte, aber nicht zum Judentum uebertrete, kann ich dann Mitglied einer juedischen Gemeinde werden?

Nein. Mitglied kannst du in der Regel nur als halachische Juedin oder Jude werden.
(Wie wir im Shiur zu Shawuot lernten, kann selbst jemand, dessen Vater Jude ist, kein Mitglied werden, da sich die Mitgliedschaft nach der Halacha richtet.)
Du wirst mit dem Rabbiner besprechen koennen, inwiefern du an Aktivitaeten ausserhalb der G-ttesdienste teilnehmen darfst. Vielleicht wird es dir gestattet, an Shiurim (Unterrrichtsstunden) teilzunehmen. Auch bei Purimparties oder anderen Festivitaeten wird es nach Absprache meist kein Problem sein, wenn du als Nicht-mitglied teilnimmst. Bei uns in der Gemeinde gibt es dann die Unterscheidung beim Beitrag, Mitglieder zahlen fuer das Essen beispielsweise weniger als Nicht-mitglieder, was ja gerecht ist, da die Mitglieder der Gemeinde Steuern zahlen, oder bei Nicht-erwerbstaetigen Mitgliedsbeitraege.
Wenn es dir unangenehm ist, fuer laengere Zeit auf Kosten der Gemeinde zu essen oder an Aktivitaeten teilzunehmen, frage den Rabbiner nach einer Moeglichkeit der Spende. Waehrend meines Giurprozesses habe ich einige Male auf ein "Tora-spendenkonto" einen Betrag eingezahlt, um mich besser zu fuehlen.

23. Wo gibt es Informationen, wenn ich in Israel Giur machen will?

Miriam schrieb dazu einen interessanten Artikel, auch ueber die Schwierigkeiten, die sich haeufig ergeben koennen. Lest HIER nach.

to be continued soon

Dienstag, 18. August 2009

Am Tisch einer Auschwitz - Leugnerin

Gestern Auschwitz und heute am Tisch einer Leugnerin - bleibt mir hier etwas erspart?
Die Schnapsidee, das Dorf zu sehen, in dem meine Mutter geboren ist, endete mit einer Flucht.
Der erste Eindruck war der von einem verschlafenen idyllischen Doerfchen. Ich traf gleich in den ersten Minuten auf eine Frau, die mir helfen wollte und mich zu einer alten Frau begleitete. Diese, so meinte sie, muesse die Familie meiner Mutter noch kennen.
Eine fast 80-jaehrige, sehr resolute, ruestige Frau oeffnete die Tuer. Sowohl sie als auch die Dame, die mich hergebracht hatte, sprachen deutsch.
Wie sie mir erklaerte, gehoerten sie zur inzwischen auf 200 Mitglieder geschrumpften "deutschen Minderheit".
Die polnischen Dorfbewohner hatten so gut wie nichts mit den deutschen gemeinsam. Seit dem Krieg sei sie niemals in ein polnisches Haus eingeladen worden und selbst habe sie auch nichts mit "denen" zu tun haben wollen.

Sie nahm noch einmal das Foto der Familie meiner Mutter vom Tisch, das ich mitgebracht hatte und betrachtete es laechelnd: "Ein schoenes Foto! Alle mit schoenen Kleidchen und Hemden! Wissen Sie, das erinnert mich an das Familienfoto vom Göring! Auch alle damals mit weissen Blüschen!"
(Göring? Ab sofort war etwas im Raum, was mich schaudern liess)

Ich weiss nicht wieso, aber ploetzlich nahm das Gespraech eine Wende, die mit der Familie meiner Mutter nichts mehr zu tun hatte. Sie schimpfte auf die Behauptungen der Polen, dass die Deutschen sie "ueberrumpelt" haetten mit dem Ueberfall. Aber von ueberrumpeln koenne gar keine Rede sein, denn es seien ja schon Monate vor dem Angriff Bunker gebaut worden.

Und weiter ging es: " Und auch dieses ganze Auschwitz! Eine einzige Luege!"
Als ich meine Haende vor das Gesicht schlug und mehr zu mir selbst sagte: "Das kann alles nicht wahr sein, was hier passiert.." meinte sie: " Diese Zahlen! Nie im Leben stimmen die. Und das waren auch nicht alles Juden. Da waren auch andere bei."
"Es waren hauptsaechlich Juden" sagte ich.
"Und auf keinen Fall hat es Gaskammern gegeben" fuhr sie fort, "selbst ein Jude hat davon berichtet....."
Ich unterbrach sie und sagte: "Ich war gestern in Auschwitz. Haben Sie mal den Berg von Schuhen und Haaren der Ermordeten gesehen dort?"
"Ach, das ist doch alles nachtraeglich dort hingebracht worden."

Ich stand auf und sagte: "Ich kann das gar nicht fassen, wie koennen Sie so etwas sagen? Wissen Sie uebrigens, dass ich inzwischen Juedin geworden bin?"
Sie meinte nur, als habe ich eine Krankheit: " Ach, wie kommt das?" und ohne auf ihre Frage einzugehen sagte ich, dass ich das schwer ertragen koenne, was sie da von sich gaebe.

"Nun, ich wollte gerade Caffee machen. Dann lassen Sie uns das Thema wechseln.." sie liess sich nicht aus der Ruhe bringen.

"Nein, das geht jetzt nicht mehr" ich raffte meine Sachen zusammen und verliess ihr Haus, waehrend sie mich fast grinsend beobachtete und noch einmal hinter mir herrief: " Aber es hat sogar ein Jude dazu ein Buch geschrieben..."

Ich war voellig ausser Atem und musste mich in einem nahen Waldstueck erst einmal fangen.
Soviel Kontrastprogramm ist selbst mir zuviel.
Das Dorf konnte mir gestohlen bleiben und auf weitere Gespraeche hatte ich keinerlei Bedarf.
Wie viele Menschen laufen herum und denken tatsaechlich, dass es so etwas wie eine "Auschwitz-Luege" gibt?
Ist es bei all der bis ins kleinste dokumentierten Akribie der Nazis tatsaechlich moeglich, dass es einen Zweifel an den Massenmorden gibt?
Und - warum nur nimmt mich die Konfrontation mit dieser Einstellung immer derart mit, dass ich voellig blockiert bin?

Montag, 17. August 2009

Auschwitz (8) - Sonderkommando (ein Video)

Nehmt euch bitte 52 min. Zeit, um dieses Video anzusehen.
HIER

Auschwitz (7) - Rudolf Hoess

Rudolf Hoess, Lagerkommandant in Auschwitz von 1940 - 1943 wohnte mit Frau und Familie in unmittelbarer Naehe des Lagers.
Seine Frau sagt spaeter ueber die Zeit in Auschwitz, sie sei die schoenste in ihrem Leben gewesen, der "Himmel auf Erden".
Frau Hoess hatte eine Putzfrau, eine Naeherin, einen Gaertner und eine Kinderfrau.
Hoess wurde an dem Galgen aufgehaengt, den er fuer die Menschen im Lager aufgestellt hatte, mit dem Blick auf das, was sein "Werk" war.

Auschwitz (6)

Auschwitz (5)


Auschwitz (3)



Auschwitz (2) - Eindruecke

..und G-tt sprach zu Kain: Die Stimme des Blutes deines Bruders schrie zu mir von der Erde!..(..)

Auschwitz (1)


















Ich moechte niemanden sprechen, nicht telefonieren und nicht "erzaehlen".
Meine Meinung hat sich nicht geaendert. Wenn es um das Thema "Shoa" geht, ist jeder Satz nur ein dilettantischer Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist. Es mag Menschen geben, die dem Unfassbaren Ausdruck verleihen koennen und dem Leser sogar einen sehr genauen Eindruck der Gefuehlswelt vermitteln.
Ich gehoere nicht dazu und bin mir bewusst, dass jedes meiner Worte nur Unsinn werden kann.
Und doch widerstrebt es mir zu schweigen, was mir am liebsten ist, wenn ich vor diesen Tatsachen stehe, die meinen Verstand und meine Seele einfach weit ueber jedes Mass ueberfordern.
Nach diesem sehr anstrengenden heissen Tag spuere ich meine Fuesse nicht mehr, aber meine Seele auch nicht.
Wie auch in Yad Vashem oder in Buchenwald habe ich das Gefuehl, als lege sich eine riesige Hand auf meine Brust und hindert mich am Atmen. Ich moechte weinen und kann es nicht.
Ein riesiger Berg von Frauenhaar brachte mir dann doch die "Erleichterung" von Traenen.
Frauenhaar, abgeschnitten. Haeufig ganze geflochtene lange Zoepfe. Sie wurden "weiter verwertet" - wie ueberhaupt alles verwertet wurde, um noch Gewinn aus den entrechteten Koerpern zu schlagen. Verwertet fuer die Herstellung von Stoffen. Stoff aus Menschenhaar.
Es muss Firmen gegeben haben, die dieses Haar in grossen Mengen kauften. Wer waren sie? Wie sind sie mit dem "Material", was sie erwarben umgegangen? Gab es ueberhaupt einen Gedanken dazu oder stellte man jedes Gefuehl ab, was dazu fuehren musste, dass man sich einen Menschen, eine Frau vorstellte, die sich diesen Zopf geflochten hat.

Ich moechte nicht sehr viel mehr sagen, ausser, dass ich die Art der Informationsvermittlung hier in Auschwitz sehr angenehm empfand. Es gab Guides in verschiedenen Sprachen und Kopfhoerer mit einem kleinen Empfangsgeraet. Die Frau, die uns durch die Anlagen fuehrte, musste sich nicht anstrengen, dass jeder sie verstand, sondern konnte ganz entspannt beim Gehen vor sich hin reden. Ihre Stimme wurde auf unser Geraet uebertragen und wir selbst konnten die Lautstaerke regeln.
In Buchenwald war es anders, staendig versuchten wir, moeglichst nahe zu kommen um alles mit zu bekommen.
Einen weiteren, nicht zu verachtenden Vorteil hatte diese Technik: jeder war fuer sich selbst mit dem Gehoerten, niemand sprach mit dem anderen und so entstand eine wuerdige, ernste und stille Atmosphaere, die viele Gedanken ermoeglichte.

Sonntag, 16. August 2009

Der Gaon Natan Neta - ein Schueler des "Gaon von Vilna"















Der Gaon Natan Neta - ein Schueler des "Gaon von Vilna", Kabbalist und Oberrabbiner von Krakau. Von ihm wird gesagt, der Prophet Eliyahu haNavie habe mit ihm von Angesicht zu Angesicht gesprochen.
Rabbi Natan Neta ist besser bekannt als "Megaleh Amukot" (Entdecker der Tiefen) nach dem Titel seines Hauptwerkes, indem er 252 Kommentare schreibt zu Moses Flehen zu G-tt, ihn doch ins Land Israel kommen zu lassen.
Wie wir wissen, hat G-tt sich leider nicht erweichen lassen.

Polen (3) - Die Tempelsynagoge der progressiven Juden


Polen (2) - Impressionen aus der Stara-Synagoge (16. Jh.)





Polen (1) - Katowice und Kazimierz in Krakau




































Kann es sein, dass ich irgendwann einmal behauptet habe, "open-minded", weltoffen zu sein?
Nun - dann nehme ich das hier und heute zurueck oder schraenke diese Behauptung zumindest entschieden ein.
Katowice ist furchtbar.
Schon lange habe ich mich in einem Land nicht mehr so fremd und unwohl gefuehlt. Ich mag den Klang der Sprache nicht, verstehe kein Wort und habe auch nicht vor, daran etwas zu aendern.

Eine Bahnfahrt von Katowice nach Krakau, (fast zwei Stunden eine Fahrt!) mit vorsintflutlichen Zuegen in vollbesetzten, unbeluefteten, stickig-heissen Abteilen auf rot gestrichenen Stahl-baenken sitzend ist kein Spass. Spaetestens nach einer halben Stunde bohren sich die Sitzhoecker auch bei gut gepolsterten Gesaessen durch die Haut - zumindest fuehlt es sich so an.
Das Schienennetz scheint teilweise nicht Ordnung zu sein, es wird fast Schritt gefahren bei ohrenbetaeubendem Rappeln.
Ja, ich bin eine verwoehnte Noerglerin.
"In Sahne geboren!" wie mein Freund Jacob jetzt wieder sagen wuerde.

In Krakau gibt es zugegebenermassen einige nette Eckchen, einen Park und das juedische Viertel "Kazimierz", in dem ich kurz fuer zwei Stunden auflebte. Ganze sieben Synagogen befinden sich dort.
Auf dem alten juedischen Friedhof - sehr stimmungsvoll - war ich auch. Dort habe ich das Grab eines Gaons gefunden und einen Zettel auf seinem Grab deponiert.

Der Stadtteil Kazimierz wurde 1335 als eigene Stadt gegruendet (1791 in Krakau eingemeindet). Von 1495 an mussten Juden mehr als 300 Jahre lang in das ummauerte Kazimierz umziehen. Zur Zeit der Krakauer Republik durften sie erst ihren Wohnort wieder frei waehlen.
Die Nazis wollten Kazimierz in eine Museumsstadt vewandeln, um den "Untergang einer Rasse" zu dokumentieren. Daher liessen sie verhaeltnismaessig viele Gebaeude unzerstoert.
Im Viertel Kazimierz wurden einige Szenen des Spielberg-Filmes "Schindlers Liste" gedreht.

Samstag, 15. August 2009

Auschwitz - Wie fuehlt man als Konvertit?

Morgen frueh werde ich meine geplante Reise nach Polen starten. Vier Tage lang werde ich in Katowice wohnen, um in erster Linie Auschwitz zu besuchen. Das juedische Viertel in Krakau moechte ich mir ansehen und den Geburtsort meiner Mutter, Zbroslawice (frueher Dramatal) sehen.

Es gibt boese Zungen, die behaupten, mit einem Uebertritt zum Judentum wuerden Deutsche "vom Taetervolk zum Opfervolk wechseln", und das nicht ohne Hintergedanken. Man wuerde nun nicht mehr laenger die Scham oder Schande der Taten spueren, die das eigene Volk vor etwas mehr als 60 Jahren (was sind 60 Jahre?) veruebt hat an Millionen von Juden.
Zunaechst einmal spueren die meisten vor allem jungen Menschen, die ich bislang zum Thema befragt habe, nicht Scham oder Schande, auch kein Schuldgefuehl, da sie, wie sie selbst sagen nichts mit den Taten der Vorfahren zu tun haben. Warum sollten sie so etwas wie eine kollektive Schuld fuehlen?
Womit sie natuerlich Recht haben. Wir sind nicht verantwortlich fuer die Taten unserer Vorfahren.
Wofuer wir verantwortlich sind ist die Gegenwart, und wie wir HEUTE zu dem stehen, was hier vor 60 Jahren unter den Augen der Bevoelkerung geschehen konnte. Aber darauf moechte ich an anderer Stelle eingehen.

Ist es tatsaechlich so, dass man vollkommen zum juedischen Volk uebertreten kann, und fortan nichts mehr fuehlt von dem "Erbe" einer Deutschen?
Ist es eine neue Identitaet, die sich nur zu gern von der abscheulichen Vergangenheit distanzieren kann und gar nicht mehr deutsch ist?
Gemaess der Halacha und den Worten eines Rabbiners aus Alon Shwut, den ich letztes Jahr kennen lernen durfte, ist es so, dass wir, die auch und in erster Linie zu einem anderen Volk uebergetreten sind, tatsaechlich die deutsche Vergangenheit ablegen duerfen. Wir duerfen uns so erleben, als seien wir "neu geboren". Unsere Abstammung von den Eltern ist so gesehen fast nichtig und wir sind eine neue juedische Seele, wir sind die Kinder von Abraham und Sarah. So lautet auch mein juedischer Name: Noa bat Awraham ( Noa, Tochter Abrahams).

Aber ganz so leicht ist es nicht. Gefuehle kann man nicht einfach ablegen wie einen alten Mantel. Und ich bin mir auch fast sicher, dass ich es gar nicht moechte. Es waere doch zu einfach.
Als ich in Buchenwald war, habe ich erlebt, wie sich mit einem Male zwei Seiten in mir erhoben und mich zutiefst erschuetterten.
Die eine war die der Deutschen, die sich bewusst darueber ist, dass sie selbst es nicht zu verantworten hat, und dennoch in sich ein grausames schweres Erbe spuert, das Erbe eines Volkes, das im besten Falle zugesehen oder aus Angst geschwiegen hat, im schlimmsten Falle mitmachte bei einem Verbrechen, das in Worte zu fassen unmoeglich ist. Es tat weh ein Nachkomme dieser Menschen zu sein und doch bin ich es.
Die andere Seite stand neben denen, zu deren Volk ich nun gehoere, wollte sie umarmen, ihre wunde Haut streicheln, die gepeinigten Koerper beweinen. Sie sind tief in meiner Seele und ich gehoere zu ihnen. Sie sind deshalb gequaelt und ermordet worden, weil sie Juden sind.

Meiner Meinung nach stielt man sich nicht durch einen Uebertritt zum Judentum bequem auf die Seite der Opfer, sondern bekommt eine neue Zugehoerigkeit hinzu. Als Deutsche muss und werde ich mich immer darum bemuehen muessen, dass ich nicht schweige, wenn neben mir einem Menschen Unrecht getan wird.
Als Juedin gehoere ich nun zu einer auch heute noch nicht sehr be-und geliebten Minderheit, und doch bin ich stolz darauf, zu diesem Volk zu gehoeren.
Ich werde versuchen, so gut es geht von meinem Aufenthalt in Polen - insbesondere vom Besuch in Auschwitz - zu berichten.


Freitag, 14. August 2009

Mittwoch, 12. August 2009

Hitler- und andere Vergleiche mit der Nazizeit

Aufgrund seiner Gesundheitsreform wurde der amerikanische Praesident Obama laut Bericht von n-tv (HIER) von einigen Republikanern mit Hitler verglichen. Ich moechte gar nicht genau wissen, wieso, aber kein Grund rechtfertigt einen Vergleich mit den Nazis oder mit Hitler.
Ein guter Freund von mir, der Israeli ist und dessen Eltern beide Auschwitz ueberlebt haben, sagte einmal zu mir: "Weisst du, warum man nichts mit den Graeueltaten der Nazis und niemanden mit Hitler vergleichen darf? Nicht etwa, weil man den schuetzen will, der so beschimpft wird, sondern weil man die Opfer der Nazizeit auf eine ganz besonders tiefe Weise beleidigt und verletzt. Vergleiche mit der Shoa machen aus ihr ein Verbrechen, was keine absolute Einzigartigkeit mehr hat. Und die Shoa ist einzigartig grausam. Deshalb sollten wir, aus Ehre den Opfern gegenueber, Vergleiche mit KZs, Hitler und den Nazis vermeiden. Verstehst du diese Herangehensweise?"
Ja, ich verstand und zucke jedes Mal zusammen, wenn ich derartige Vergleiche, die inzwischen vielen, allen voran Menschen aus der Politik, sehr leicht ueber die Lippen gehen, vernehmen muss.

Die ganze Welt ist ein schmaler Steg - die Hauptsache ist, du fuerchtest dich nicht!

Alles ist sehr aufregend zurzeit. Ich telefoniere staendig wegen neuer Informationen mit der Jewish Agency. Einige Papiere gab es auch noch auszufuellen.
Auf den Seiten von Yad2 und Homeless gibt es interessante Wohnungsangebote zum "Stoebern".
Aber auch Janglo ist eine tolle Seite mit vielen Infos zur Wohnungs- und Jobsuche, Angebote fuer WGs und Events fuer Jerusalem und Tel Aviv.

Da ich nur in den ersten 14 Tagen einen Platz haben werde im Absorption Center Haifa, muss ich sehr schnell eine Loesung finden, wo ich wohnen kann. Meine Entscheidung, es doch in Jerusalem zu versuchen, steht fest und so werde ich in den ersten Tagen viel Busfahrerei in Kauf nehmen muessen. Die freundliche Dame von der Jewish Agency empfahl mir, alles in der Stadt zu regeln, wo ich wohnen will, zum Beispiel ein Bankkonto eroeffnen oder die regionalen Aemter aufzusuchen.
Da es nicht so sehr angenehm sein soll, im Absorption Center zu wohnen, versuche ich doch, in Jerusalem privat ein Zimmer zu mieten fuer die ersten Wochen, um in Ruhe auf Wohnungs-und Jobsuche gehen zu koennen.

Ueber e-mail habe ich auch schon ein paar Organisationen wegen eines Jobs angeschrieben, aber ich mache mir nicht viel Hoffnung, dass sich etwas ergeben koennte, BEVOR ich nach Israel komme und mich dort persoenlich vorstelle.
Und immer noch denke ich, dass es sinnvoll ist, sofort am Anfang einige Putzjobs anzunehmen, um mich wenigstens nicht vollstaendig durch Erspartes zu finanzieren. Natuerlich gibt es noch die Leistungen aus dem "Sal Klita" ( dem Einwandererkorb), aber davon kann man nicht leben, sondern allenfalls Lebensmittel kaufen. Es sind umgerechnet ca. 280 Euro monatlich ein halbes Jahr lang.

Bei all der Jobsuche darf ich nicht ausser Acht lassen, dass es noch Zeit geben muss fuer den Ulpan (einen sehr intensiven Sprachkurs, den Neueinwanderer kostenlos bekommen, aber nur dann, wenn sie ihn auch in den ersten 1 1/2 Jahren in Anspruch nehmen). Sprache ist das A und O und ich moechte nicht versaeumen, eine solide Ausbildung in dieser Hinsicht zu erhalten.

Nun beginnt auch die letzte Phase des "Aussortierens" und Reduzierens. Die ganzen letzten Jahre bestand mein Leben im Hinblick auf Israel eigentlich aus Reduzierung auf das Wesentliche, und dennoch gibt es immer noch einige Dinge, von denen ich mich trennen muss. 60 kg sind nicht viel.

Meine besten Freundinnen aeussern ihr Bedauern, sagen mir, dass ich ihnen fehlen werde. Und das tut gut. Aber sie versichern auch, mich zu besuchen in Israel.
Meine Kinder? Nun, das Thema muss ich noch ein wenig wegschieben von mir, denn es ist doch das, was mir am meisten weh tun wird. Auch aus diesem Grund werde ich immer mit all meiner Kraft dafuer sorgen muessen, genug Geld zu verdienen, um mir die Besuche in Deutschland leisten zu koennen.

Ich fange an, mehr von Israel zu traeumen, sehe mich in den Strassen, die ich so liebe und habe auch eine gehoerige Portion Angst.
Gehoert das aber nicht auch dazu? Und waere es nicht unnormal, ganz ohne Zweifel und Fragen zu gehen?
Ist es nicht eine ungeheuere Veraenderung im Leben eines Menschen, in einem anderen Land noch einmal "von vorn" anzufangen, mit nicht viel mehr als ein paar Ersparnissen, die nur einige Monate reichen werden, maximal ein halbes Jahr?
Mit Anfang 20 ist das alles nicht ganz so schwer, vermute ich. Man kann noch neue Ausbildungen beginnen und sein ganzes Leben gestalten.
Ich hingegen habe schon einen grossen Teil meines Lebens gelebt, die wichtigsten Lebensziele wie Ausbildung, Studium, Kinder, erreicht.

Und doch denke ich, dass es richtig ist, was ich vorhabe. Wenn auch einige - inclusive meiner Kinder - Angst davor haben, dass es so laeuft wie letztes Jahr, als ich bereits nach drei Monaten wieder zurueck kam, da nichts mehr moeglich war in meinen Augen als Volontaerin.
Aber jetzt komme ich nicht als Volontaerin ohne Rechte, sondern als neue Buergerin des Staates Israel, mit allem was dazu gehoert, vor allem mit dem Recht, mir eine Arbeit zu suchen.
Und ohne die Hilfe des Himmels, wird es sowieso nicht gehen. Ich werde viel Kraft und viel Vertrauen in den guten Ausgang meiner Plaene setzen muessen.
Wie Rabbi Nachman von Breslov sagt: Die ganze Weg ist ein schmaler Steg, aber das Wichtigste ist, sich ueberhaupt nicht zu fuerchten!!

Montag, 10. August 2009

Eta und Hamas - Ein interessanter Beitrag

Nach den Terroranschlaegen auf Mallorca regiert wieder die Angst. Angst vor Terroristen, denen ein Menschenleben egal zu sein scheint.
Gibt es Parallelen zwischen der Terrororganisation Eta, die in Spanien seit langer Zeit Angst und Schrecken verbreitet und der Hamas, die dieselben Ziele in Israel verfolgen? Will man diese Parallelen in der Weltoeffentlichkeit ueberhaupt ziehen?
Aryes interessanter Beitrag zum Thema gibt Anstoss zum Nachdenken. HIER nachzulesen.

Sonntag, 9. August 2009

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!

Nicht nur in meinem Leben geht es um einen Neuanfang in Eretz Israel, sondern auch in unserer Tora.
Die Kinder Israel sind sogar mit weniger als 60 kg Gepaeck ins Heilige Land gefuehrt worden. Aber sowohl sie, wie auch ich, wir alle sind gefuehrt worden und werden weiter gefuehrt.
Die Tora sagt uns, dass wir immer daran denken sollen, dass alles von IHM kommt. Wir sollen uns weniger Sorgen um das taegliche Brot machen, da ER immer dafuer sorgen wird, dass wir nicht verhungern.
Dazu gehoert eine gehoerige Portion Vertrauen. Vertrauen, das die Kinder Israel nicht immer hatten. Aber habe ich dieses Vertrauen? Bin ich bereit, mich von einer relativ sicheren Gegenwart in Deutschland in ein Leben voller Unabwaegbarkeiten in Israel zu begeben?
Oder werde ich - wie das Volk Israel - mich jammernd nach den "aegyptischen Fleischtoepfen" sehnen, nach der Sicherheit, dem finanziellen Standard?

Die Tora sagt uns auch, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt.
Mit wenigen Ausnahmen wird niemand, der nach Israel einwandert, dies aus finanziellen Gruenden tun, sondern, weil er sich nach einem Wachsen auf spiritueller Ebene sehnt. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", sondern er kann in Israel fuer seine geistige Nahrung sorgen. Verhungern wird er nicht, und so wie er sich vermehrt mit Tora beschaeftigen wird, wird G-tt dafuer sorgen, dass auch das "Man" jeden Tag vom Himmel faellt.

Es ist schwer zu beschreiben, aber manchmal fuehlt es sich so an, als seien meine Gedanken noch nicht den Gefuehlen hinterher gekommen. Sie versuchen es zu fassen, zu er-fassen, aber sie laufen immer ein wenig zu langsam.
Der starke Wunsch, nach Israel einzuwandern, ist das Resultat der g-ttlichen Fuehrung, wie ich meine. Und ich habe ihn fast wie "fern"-gesteuert umgesetzt. Nur mein Verstand muss noch begreifen, was vor sich geht.

Szenario der Gerechtigkeit

Als es an die Auslieferung von Demjanjuk ging, habe ich mir bereits viele Gedanken zu einer "gerechten Strafe" gemacht. Einen Auszug daraus teilte ich euch HIER mit.
Nun beschaeftigt mich der Artikel auf dem Titelblatt der "Juedischen Allgemeinen" von letzter Woche.
Alan Dershowitz, Anwalt, Harvard-Professor und Publizist, schreibt ueber den "Sieger Demjanjuk". In seinen Augen sei Demjanjuk, egal wie der Prozess auch immer ausgehen mag, bereits jetzt ein Sieger.
In Anbetracht der Tatsache, dass der fast Neunzigjaehrige ein erfuelltes Leben im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder hatte, von denen er geliebt und geschuetzt wurde, ist das wohl die traurige Tatsache.
Alan Dershowitz machte sich auch Gedanken ueber eine "gerechte Strafe", die es niemals geben kann fuer ein derartiges Verbrechen an Millionen von Menschen.
Er beschreibt den Inhalt seines Buches "Anwalt der Gerechtigkeit", in dem sein Hauptdarsteller, ein Professor an einer amerikanischen Universitaet mit 18 Jahren mit ansehen musste, wie seine gesamte Familie in Litauen erschossen wurde.

..(...)..Jahrzehnte spaeter begegnet er dem Moerder in der Nachbarstadt. Wie Demjanjuk ist dieser alt und krank. Der Professor erkennt, dass die einzige Moeglichkeit wirkliche Gerechtigkeit zu erzielen, darin bestuende, den Moerder genau das erleben zu lassen, was er, der Professor mit 18 Jahren erlebte: mit anzusehen, wie seine Familie ermordet wird. Daraufhin entwirft er ein Szenario, das er die "Maimonidische Loesung" nennt: Er entfuehrt den Massenmoerder und fuehrt ihm Videos vor, in denen die Ermordung seiner Kinder und Enkel gezeigt wird. Weil der Professor nicht in der Lage ist, die unschuldigen Nachkommen schuldiger Eltern tatsaechlich zu ermorden, inszeniert er diese Morde mit Videotechnik. Der Massenmoerder haelt sie jedoch fuer echt und stirbt schliesslich in dem Glauben, alle seine Nachkommen seien aus Rache fuer seine Taten ebenfalls ermordet worden. Diese Geschichte ist rein fiktiv, aber Gerechtigkeit fuer etwas so Grauenvolles wie den Holocaust gibt es eben nur in der Fiktion...(..)
Ebenso spricht Dershowitz an, dass Deutschland nicht genug getan hat um die deutschen Haupttaeter zu verfolgen. Viele sind entweder freigesprochen worden oder nach kurzer Haftzeit entlassen worden, manche wurden gar nicht vor Gericht gestellt. Dafuer sei man sehr bemueht, einen ukrainischen Holocaust-mittaeter vor Gericht zu stellen.

Ist Deutschland seit 60 Jahren bemueht, die Taeter zu schuetzen oder eine "milde Strafe" fuer sie zu erwirken? Und wenn das so ist, warum dann? Koennen wir den Tatsachen einfach nicht ins Auge sehen, oder ist es der unterschwellige Antisemitismus, der in Deutschland weiterhin fuer gewisse Beeinflussung sorgt?
Statements wie "Irgendwann muss es aber genug sein mit Schuldzuweisung" oder die Behauptung, Deutschland haette wahrhaftig genug getan, um seine Taten aufzudecken und zu suehnen, tragen dazu bei, dass diese Vermutung erhaertet wird.
Wie denkt der Grossteil der deutschen Bevoelkerung wirklich ueber die grausamen Taten waehrend der Shoa? Und ich meine damit nicht die "offizielle" Meinung, die man von sich gibt bei einer Umfrage, sondern das, was ein deutscher Buerger ganz tief in seinem Herzen fuehlt, wenn er an die schreckliche Vergangenheit denkt oder sich gar in hohem Alter sogar noch erinnern kann.
Will er sich ueberhaupt erinnern? Oder ist es bequemer, die Vergangenheit "ruhen" zu lassen, mit der Begruendung, man habe bereits ausreichend "gebuesst" und wolle nicht staendig daran erinnert werden?
Wie denkt und fuehlt der deutsche Buerger wirklich? Wie haeufig machen wir uns als Deutsche ueberhaupt Gedanken zur Shoa? Und wenn wir daran denken, mit welchem Gefuehl sind unsere Gedanken verbunden?

Mittwoch, 5. August 2009

Es wird Ernst!

Nun ist in den letzten Tagen mehr passiert als normalerweise in einigen Monaten. Ich habe eine Nachricht von der Jewish Agency, dass soweit alles klar geht mit der Alyia zum gewuenschten Zeitpunkt. Sie werden fuer mich einen Flug am 14. Oktober buchen.
Bei einer Alyia wird immer mit El Al geflogen. Daher werde ich ab Frankfurt fliegen.
Man hat nun sogar endlich eine Unterkunft fuer mich fuer die ersten 14 Tage gefunden. Ich werde ein Mini-Zimmer im Mercaz Klita "Aba Chushi" in Haifa bekommen.
Von dort aus werde ich dann auf Wohnungssuche gehen koennen. Ich werde doch versuchen, eine kleine Wohnung und Arbeit in Jerusalem zu finden, so sagt mir mein Herz. Zur Not werde ich in den ersten Wochen Putzstellen annehmen.
Aber ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um in Jerushalaiym Fuss zu fassen.

Die Dame bei der J.A. sagte mir, jemand der deutsch spricht, wuerde mich am Flughafen als Neu-einwanderer willkommen heissen und mir die Teudat Sehut ueberreichen, einen vorlaeufigen Personalausweis.
Auch eine Art "Einwandererausweis" (Teudat Oleh) wird mir ausgehaendigt, auf dem alle Verguenstigungen vermerkt sind, die ein Einwanderer erhaelt.
Bereits zu diesem Zeitpunkt werde ich auch gefragt, welche Krankenkasse ich gewaehlt habe, denn von dem Moment an bin ich krankenversichert, ein halbes Jahr lang auf Kosten des Staates.
Vom Flughafen aus wird dieser Mensch mich nach Haifa ins Absorption Center begleiten. Weitere Schritte, die ich tun muss in den ersten Tagen (Bankkonto eroeffnen, Sozialversicherung anmelden...) wird er mit mir besprechen.

Meine Wohnung habe ich zum Ende Oktober gekuendigt und es hat sich sogar schon ein Nachmieter gemeldet, der eventuell auch eher einziehen kann.
Bei der Arbeit habe ich um einen Aufloesungsvertrag gebeten, dem auch zum Anfang Oktober entsprochen wird.
So kann es eigentlich bald losgehen und nun hoert sich alles schon viel naeher an als noch vor ein paar Wochen.
Wow! Es wird Ernst!

Sonntag, 2. August 2009

Tel Aviv - Anschlag auf Homosexuelle

Ein abscheulicher Anschlag auf ein "Zentrum fuer Homosexuelle" in Tel Aviv endet mit 2 Toten und 15 Verletzten.
Der Taeter hat nach dem Betreten der Einrichtung wahllos in die Menge gefeuert. Was wollte er ausdruecken? Eine grenzenlose Intoleranz, die selbst vor Mord nicht zurueckschreckt?
Oder war es gar keine Ueberzeugungstat, sondern die Tat eines psychisch kranken Amoklaeufers? Alles ist moeglich und die Polizei scheint in alle Richtungen zu ermitteln.
Laut "Haaretz" gibt es Eltern, die ihre verletzten Kinder im Krankenhaus nicht besuchen. Schaemen sie sich fuer die "Neigung" ihrer eigenen Kinder?

Wie Zipi Livni sagte, sollte dies nicht nur ein Tag der Trauer sein, sondern vor allem ein Tag der "Selbstreflexion".
Wie weit geht unsere eigene Abneigung, Intoleranz oder Verurteilung von Homosexualitaet? Oder haben wir keinerlei Vorbehalte anderen Lebenskonzepten gegenueber?
Selbst wenn wir es als Heterosexuelle nicht nachvollziehen koennen, uns in das gleiche Geschlecht zu verlieben, haben wir auch nur annaehernd eine Ahnung davon, was in einem jungen Menschen vor sich gehen muss, der zunaechst einmal entdeckt, dass er "anders" fuehlt, als die heterosexuelle Nachbarschaft?
Kennen wir die Not dieses Menschen, seinen Eltern zu offenbaren, was in ihm vorgeht?
Die Antwort darauf koennen wir uns nur selbst geben und sollten dabei sehr ehrlich sein.


Aufregende Post - Knochenmarkspende

Vor ca. neun Jahren habe ich mich als freiwillige Knochenmarkspenderin untersuchen lassen und bin in der Datei der Stefan Morsch Stiftung registriert. Als ich den Absender des Briefes erkannte, der in meinem Kasten lag, war fast klar, was das bedeutete.
Und tatsaechlich - man schrieb mir, dass das Zentrale Knochenmarkspenderregister fuer Deutschland (ZKRD) in Ulm, das alle Spendersuchen koordiniert, die Stiftung darueber informiert hat, dass ich als moegliche Spenderin fuer einen an Leukaemie erkrankten Menschen in Frage komme.
Um nun die notwendigen Typisierungen vornehmen zu koennen, benoetige man weitere Proben von mir. Da man mich telefonisch nicht erreichen konnte, bittet man auf diesem Wege darum, dass ich mich schnellstmoeglich melde.

Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf - oder eher durch mein Herz - schoss, war, was fuer eine besondere Situation das doch ist.
Auch wenn ich weiss, dass es viel zu viele kranke Menschen gibt, die auf eine Knochenmarkspende warten, so geht es doch ploetzlich um einen speziellen Leukaemiekranken, der irgendwo auf einen Spender hofft, dessen Knochenmark zu dem seinen passen koennte, der ihn retten koennte, ihm zumindest sein Leben verlaengern wuerde durch eine Spende.

Was fuer eine grosse Ehre es ein muss, wenn man sich tatsaechlich als der "passende" Spender herausstellt. Es hat mich derart beruehrt, dass ich in den folgenden Stunden damit beschaeftigt war, die Situation zu verdauen.

Ich rief sofort bei der Stiftung an und man klaerte mich ueber die folgenden noetigen Schritte auf.
Zunaechst einmal stimmen die ersten Werte mit denen des Empfaengers ueberein. Ob weitere Typisierungen ebenfalls erfolgreich ausfallen, wird man pruefen, nachdem ich eine Speichelprobe abgegeben und eingeschickt habe. Die freundliche Dame erklaerte mir, dass es meistens mehrere in Frage kommende Spender gaebe. Es kann also durchaus moeglich sein, dass ich bereits mit der naechsten Typisierung als moegliche Spenderin "rausfalle".
Falls es aber eine weitere Uebereinstimmung gibt, wird eine weitere Untersuchung erfolgen.
Eine letzte sogenannte CT-Typisierung, bei der alle Werte erneut bestaetigt werden UND eine Infektionsserologie folgen (um auszuschliessen, dass der Spender dem Empfaenger eigene Infektionskrankheiten uebertraegt), bevor die Transplantationsplanung mit dem Empfaenger beginnt.

Eine Transplantation kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen, einmal durch die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm oder durch eine Blutstammzellspende (letztere - so erklaerte man mir - wird entnommen, indem man an eine Maschine angeschlossen wird, die aus dem entnommenen Blut diese Zellen herausfiltert, und dem Spender anschliessend sein Blut wieder zufuehrt.)

Natuerlich kam auch zur Sprache, wo ich mich in den naechsten Monaten befinden werde, wobei mein Umzug nach Israel kein groesseres Problem werden sollte. Man habe schon haeufiger Spender "eingeflogen", so sagte mir die zustaendige Mitarbeiterin. Die Kosten wuerden durch die Krankenkasse des Empfaengers uebernommen.

Eines wollte ich noch wissen. Duerfen Spender und Empfaenger sich kennen lernen? Wenigstens NACH dieser Transplantation?
Man sagte mir, 2 Jahre nach erfolgreicher Transplantation wuerde es Spender-Empfaenger-Treffen geben, zu denen man dann kommen koenne.
Warum erst so spaet hat sie mir nicht erklaert und ich habe auch keine Idee, was der Grund sein koennte.
Ich haette vermutlich das ganz starke Beduerfnis - falls der Empfaenger auch einwilligen wuerde - ihn oder sie so schnell wie moeglich kennen zu lernen. Ist es nicht so, dass durch eine solch "grosse Sache" eine ganz aussergewoehnliche Verbindung entsteht?
Jedenfalls finde ich das alles ziemlich aufregend und hoffe sehr, dass es gelingt, diesem Menschen nachhaltig zu helfen, wenn auch vielleicht nicht durch meine, dann doch durch die Spende eines anderen Menschen, dessen Merkmale im Laufe der naechsten Zeit ueberprueft werden.
Sollte ich es sein, so waere es mir eine Ehre, auf eine solche Weise einem kranken Menschen helfen zu duerfen.

Und zu diesem aktuellen Anlass hier mein persoenlicher Aufruf an alle LeserInnen: Lasst Euch typisieren, denn je mehr Menschen sich registieren lassen, umso groesser ist die Chance einen passenden Spender fuer einen leukaemiekranken Menschen zu finden. (EINZELHEITEN KOENNT IHR HIER NACHLESEN)