Dienstag, 29. September 2009

Terrordrohungen bringen den Frieden - oder doch nicht?

Heute bei der Arbeit. Eine Kollegin begruesst die andere, die aus dem Urlaub zurueckkommt.
"Hast du das mitbekommen, dass es Terrorwarnungen gab in Deutschland? Terroristen haben mit Terroranschlaegen gedroht, wenn die deutschen Truppen sich nicht aus Afghanistan zurueckziehen..."
Die Kollegin ueberhaupt nicht beeindruckt: "Ja, aber ist doch wahr! Dort haben wir ja wirklich nichts zu suchen!"

Haben die Terroristen demnach etwa Recht? Sorgen sie dafuer, dass wir uns militaerisch zurueckhalten? Dass wir friedliebenden Deutschen auch friedlich bleiben? Muessen wir ihnen vielleicht sogar dankbar sein, denn schliesslich sorgen sie mit ihren Drohungen doch im Endeffekt fuer ein "friedlicheres Miteinander" und dafuer, dass unsere Soldaten nicht ihr Leben riskieren muessen...?

"Hoffentlich macht Israel keine Dummheit!"

Heute bei meiner alten Arbeitsstelle. Dort habe ich mehr als zehn Jahre gearbeitet und es ist fast ein wenig wie in eine Art Familie zurueckzukommen.
Leider sind aber auch die Bemerkungen dieselben geblieben, gesagt von denselben Menschen.
Einer dieser Menschen, der es waehrend des Libanon-II-Krieges geschafft hat, mich immer wieder zu provozieren, hat heute nahtlos angeknuepft an diese Zeit.

"Na, wenn du bald in Israel bist, dann sorg bloss dafuer, dass sie nun nicht auch noch mit dem Iran anfangen.....das waere echt dumm."

Meine Antwort darauf war: "Dann sag das mal den Iranern!"

Weiter ging unsere Konversation nicht, denn sein Gesicht hatte einen Ausdruck wie: Ach ja, sie hat ja so ihre eigene Einstellung zu der Kriegsfreude der Israelis.

Wann werden die Menschen in Westeuropa merken, dass auch sie in Gefahr sind durch iranische Atombomben? Wann werden sie das Bild, was sie in diesem Zusammenhang haben, veraendern?
Und wann muss Israel sich nicht mehr rechtfertigen, wenn es fuer die Sicherheit seiner Buerger sorgt?

Freitag, 25. September 2009

Gmar Chatima Tova allen juedischen LeserInnen


















Ich bedanke mich bei allen Lesern meines Blogs fuer ihr Interesse und wuensche allen juedischen Lesern Shabbat shalom und Gmar Chatima tova (eine "gute Unterschrift ins Buch des Lebens").
Moegen wir alle mit neuer Energie und Hoffnung, viel Mut und guten Vorsaetzen das neue Jahr begonnen haben.
Einen wahrhaft spirituellen Tag an Yom Kippur!

Dienstag, 22. September 2009

Shiur - die zehn Tage zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur

Zwei religioese Studenten aus Israel sind Gaeste unserer Gemeinde und haben heute den Rabbiner vertreten beim Shiur (Unterricht).
Es ging um Tschuva (Rueckkehr, Busse....).
Zwei Texte wurden von uns verglichen:

"Jeder Jude soll sich fragen: wann werden meine Taten auf dieser Welt so sein, wie die von Awraham, Jitzchak und Jaakov?"
Dieser Text ist ca. 1800 Jahre alt.

Der andere, aus der chassidischen Zeit, ca. 300 Jahre alt, lautet:

Kurz vor seinem Tod sagt Rabbi Mendel, ein chassidischer Rabbiner: "Nach meinem Tod in der anderen Welt wird niemand mich fragen, warum warst du nicht wie Moshe Rabbeinu (unser Lehrer Moses)? " Man wird mich fragen:" Warum warst du nicht so, wie Mendel haette sein sollen?
Waehrend der erste Text uns nur ein vermeintlich unerreichbares Ziel vor Augen haelt, soll der zweite Text uns auf unsere eigenen, sehr individuellen Moeglichkeiten aufmerksam machen. Wir sollen uns selbst suchen, unseren eigenen Weg wiederfinden, auf unserem Level Fortschritte angehen.
Es wird fuer einen Studenten aus der Jeshiwa eine andere Herausforderung geben als fuer mich, als Gioret (zum Judentum Uebergetretene), ein Moshe Rabbeinu wird von G-tt mehr gefordert als jemand, der sich gerade entschlossen hat, Tshuva zu machen ( ein Jude, der zu G-tt und zu seinem Glauben zurueck gefunden hat und nun einen religioesen Weg geht)
G-tt liebt uns so, wie wir sind. Zunaechst einmal. Doch das soll nicht heissen, dass wir uns zuruecklehnen koennen und alles erreicht haben, was unsere innere Seele imstande ist, zu leisten.
Jeder von uns kann jeden Tag die Frage stellen: Was willst du von mir, von mir persoenlich?
Besonders in diesen sehr wichtigen Tagen des Jahres.






Montag, 21. September 2009

Ungeschminkt an Yom Kippur?

Yom Kippur - ein Tag, an dem wir ungeschminkt und ungeschmueckt vor IHM stehen. Wir bekennen uns schuldig und verstecken nichts.
"Ob ich das tun kann, weiss ich nicht", sagte gestern jemand zu mir, "dann sehen ja alle Leute, wie haesslich ich bin...."
Zunaechst einmal erschrickt mich solch ein Satz zutiefst, denn sollte man sich ungeschminkt tatsaechlich "haesslich" finden, entbehrt das nicht einer ausserordentlichen Portion von Tragik und laesst andersherum ein Mindestmass an Selbstbewusstsein vermissen.
Aber es hat noch andere Aspekte. Bei den schwierigen Anweisungen zur Lashon Hara (uebler Nachrede) heisst es auch, dass man nicht schlecht ueber sich selbst reden soll. Ein Mindestmass an Achtung sollte jeder auch und gerade sich selbst gegenueber innehaben.

Wem wollen wir am Yom Kippur etwas beweisen? Wen beeindrucken, mit Schmuck, einem geschminkten Gesicht und aufgelegtem Duft?
Ist an diesem Tag nicht ein voellig anderes Thema wichtig? Wir stehen nicht vor Menschen, wir stehen vor einem allmaechtigen Schoepfer, Koenig und Richter, gleichzeitig vor unserem Vater.
Glauben wir allen ernstes, ihn koennten wir durch unsere taeglichen Masken beeindrucken oder guetig stimmen?
Oder kommt es uns wirklich auf die Menschen an, denen wir auf dem Weg zur Synagoge begegnen koennten?
Was kann uns schlimmstenfalls passieren, wenn jeder dieser Menschen in der U-Bahn oder auf der Strasse sein Urteil ueber uns faellt?

Wir sollten uns fragen, wie sehr uns die Meinung der anderen doch schon beeinflusst, wenn es nicht moeglich sein sollte, an einem Tag im juedischen Jahr ohne Maskerade auszukommen?

Wenn ich mich an letztes Jahr erinnere, dann auch an eine aeltere Dame, die in der Synagoge eine Reihe vor mir stand mit viel Schmuck, geschminktem Gesicht und einer Duftwolke, die noch mehrere Meter fast stoerend wahrgenommen werden konnte. Auch wenn ich dahinter sicherlich ein jaemmerliches Bild abgegeben habe, so glaube ich nicht, dass es den, der unsere Taten an diesem Tat richtete, beeinflusst hat. Er wird uns nur nach unseren Taten beurteilen - und natuerlich kann die Dame dann trotz allem besser davon gekommen sein als ich. Nur wohl nicht aufgrund der Maske.

Sonntag, 20. September 2009

Die juedische Seele

"Niemand kann alle Mitzwot halten und alles richtig machen." So sagte unser Rabbiner in seiner kleinen Rede zum Ende von Rosh HaShana.
Wir koennen uns in den naechsten zehn Tagen bis Yom Kippur verbessern, uns vornehmen, etwas zu aendern. Perfekt werden wir niemals sein, denn wir sind Menschen.
Menschen machen Fehler, werden immer etwas falsch machen.

Etwas Besonderes aber gibt es, was das juedische Volk ausmacht. Wir sind alle ein Teil des juedischen Volkes. Ein Teil der grossen juedischen Seele. Und wir sollten und koennen stolz darauf sein.
Als eine juedische Seele koennen wir durchaus alle Mitzwot halten. Zusammen kann das gelingen.
Daher ist jeder Einzelne dieser juedischen Seele wichtig. Jeder, der sich bemueht, etwas zu verbessern, traegt zu einer gesunden juedischen Gesamtheit bei.
Genau so hoffen wir auch, besonders in unserem Gebet "Awinu malkenu" (unser Vater, unser Koenig) dass unser aller Koenig uns auch und vor allem als Vater behandelt. Ein Vater wird immer nachsichtig sein, wird uns ueber den Kopf streicheln und ermahnen, statt uns streng zu richten.
Wir koennen die kommenden Tage bis Yom Kippur nutzen, um zu uns selbst zu kommen. Wir koennen in uns gehen und die "Aufrechnung", das Urteil, was ueber uns gefaellt wird, ein wenig zu unseren Gunsten umzulenken.
Die Tage zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur sind besonders geeignet, sich ein oder zwei Dinge vorzunehmen, die bislang zu kurz gekommen sind.
Vielleicht fangen wir damit an, uns kosher zu ernaehren, vielleicht halten wir uns mehr an die Zeiten des Gebetes, oder wir oeffnen unseren Blick fuer den Menschen, der uns um Hilfe bittet.
Es wird individuell sehr unterschiedlich sein, was wir uns vornehmen.
Eines werden wir wahrscheinlich mehr denn je spueren - es ist der starke Zusammenhalt mit der gemeinsamen juedischen Seele, von der wir ein Teil sind, ein wichtiger Teil.

Donnerstag, 17. September 2009

Dienstag, 15. September 2009

Bilanz der Seele (Cheshbon Nefesh)

Wir stehen vor Gericht. Vor dem hoechsten Richter der Welt. So begeht das Judentum Rosh HaShana ( das "Haupt des Jahres") und Yom Kippur (der "Versoehnungstag"), die auf besondere Weise zusammenhaengen.
Die zehn Tage dazwischen sind die Jemei Tshuva (die "Tage der Umkehr"), in denen wir unser Urteil noch etwas abmildern koennen und zu unseren Gunsten beeinflussen koennen.
Wir stehen vor Gericht. Zwar sollten wir wesentlich oefter als nur einmal im Jahr "Cheshbon Nefesh" (eine Bilanz unseres Inneren, unserer Taten) aufstellen, jedoch ist es in dieser Zeit besonders wichtig und bringt fuer Am Israel (das Volk Israel) auch einen gemeinschaftlichen Effekt.
Je naeher der Tag des Gerichtes rueckt, desto mehr soll der Mensch sich fragen, ob seine guten oder seine schlechten Taten im letzten Jahr ueberwogen haben.
Echte Umkehr, Reue, Zdaka (Mildtaetigkeiten) und Gebet koennen das Urteil abwenden oder milder ausfallen lassen.
Seien wir ehrlich zu uns selbst. Aber vermeiden wir es auch zu verzweifeln. Rabbi Nachman von Breslaw sagt, es sollte ueberhaupt keine Verzweiflung geben. Immer gibt es einen Weg heraus aus dem "Sumpf", in dem wir uns befinden, aus der Blindheit, mit der wir manchmal geschlagen sind und aus dem Tiefschlaf, in dem wir uns haeufig befinden. Werden wir wach und aufmerksam. Es gibt G-tt sei dank immer eine Moeglichkeit sein Leben zu aendern - in jeder neuen Minute, ganz besonders aber in diesen Tagen des Neuen Jahres.

Montag, 14. September 2009

Die drei Bücher

An Rosh HaShana (der Neujahrstag, der Tag an dem die Welt, bzw. der Mensch erschaffen wurde) werden drei Buecher geoeffnet.
Die wahrhaft Gerechten, an deren Verdiensten es keinen Zweifel gibt, werden sofort ins Buch des Lebens eingeschrieben.
Die "Boesen" werden hingegen ins Buch des Todes eingeschrieben. Beide Urteile werden, laut Talmud, sofort besiegelt.
Die "Mittelmaessigen", also so gut wie wir alle, die sowohl gute als auch schlechte Taten vollbracht haben, bekommen eine einzigartige Chance bis Yom Kippur. Zehn Tage lang bleibt abzuwarten, ob der Mensch Tschuva macht (sich zur Rueckkehr besinnt) und ehrlich seine schlechten Taten bereut, oder nicht.
Reue allein, um nach Yom Kippur weiterzusuendigen, reicht nicht aus. Es muss eine ehrlich gemeinte Rueckkehr, eine Abkehr vom Boesen sein. Wir sollten uns ernsthaft vornehmen, gewissen Dinge in unserem Leben, die verbesserungswuerdig sind, zu aendern. Nur mit diesem Vorsatz werden wir ins Buch des Lebens eingeschrieben und das Urteil wird besiegelt.
Interessant ist, dass G-tt von uns verlangt, schlechte Taten, die nicht zwischen ihm und uns passiert sind, DIREKT mit dem zu klaeren, dem wir etwas angetan haben. Haben wir jemanden sehr beschaemt, beleidigt, in den letzten Wochen oder Monaten? Dann sollten wir zu ihm selbst gehen, und ihn um Verzeihung bitten Leichter ist es, um Vergebung G-tt anzuflehen, als persoenlich jemanden um Verzeihung zu bitten. Aber G-tt verlangt es von uns, er will, dass wir moralisch wachsen, dass wir das Beste aus uns herausholen.
Der, der um Verzeihung gebeten wird, sollte aber auch nicht allzu "grausam" reagieren. Falls er vom Mitmenschen dreimal um Verzeihung gebeten wird, und sich hart zeigt, so sagt man, dass es dem Mitmenschen dennoch verziehen wird, was er dem anderen angetan hat.
Vorausgesetzt, die Reue war echt.
Wir sollten diese letzten Tage vor Rosh HaShana nutzen, um Cheshbon Nefesch (eine Art Rechnung, eine Bilanz) aufzustellen, was im letzten Jahr gut war, und was in unserem Leben veraenderungswuerdig ist, was wir uns vornehmen, zu verbessern.

Sonntag, 13. September 2009

Rosh HaShana

Mit Riesenschritten geht es nun auf Rosh HaShana zu. (Das juedische Neujahrsfest). Ich nehme es als gutes Zeichen, dass das "Neue Jahr" fuer mich quasi auch ein neues Leben bedeutet. Ein ganz neuer Anfang, der viele Chancen und Moeglichkeiten mit sich bringen wird, aber sicher auch Nackenschlaege und Enttaeuschungen. Nun, da ich eigentlich vom letzten Aufenthalt "ent- taeuscht" (im positiven Sinne von "nicht mehr getaeuscht) zurueck kam, stellt sich auch keine naive rosarote-Brille-Erwartung mehr ein. Und das ist gut so. Naivitaet und Verklaerung der "neuen Heimat" waere sicher fehl am Platze.
Ich werde Donnerstag abend ankommen, am 15. Oktober und nach einer ersten Nacht in der Heimat, ist schon Freitag und ich werde mich auf meinen ersten Shabbat vorbereiten. Es ist der "Shabbat bereshit". Das heisst, dass an ihm die Tora von neuem beginnt, wieder von Anfang an gelesen wird. Der allererste Wochenabschnitt wird gelesen, wenn ich komme.
Irgendwie schoen.
Und trotz aller Aengste, Sorgen, ob ich eine Arbeit finden werde, oder eine Bleibe nach den ersten drei Wochen, will ich versuchen, darauf zu vertrauen, dass dort oben jemand ist, der ueber uns wacht, der auch ueber mich wacht, und acht geben wird, dass ich nicht untergehe.
Schliesslich hat er die Kinder Israels auch auf ihrer Reise durch die Wueste ernaehrt und dafuer gesorgt, dass sie immer Nahrung hatten, dass es ihnen immer gut ging. Und letzten Endes muss es einen Sinn darin geben, dass ich diese Entscheidung getroffen habe, so ganz allein bin ich wohl nicht auf die Idee gekommen. Jemand hat mich sehr deutlich auf diesen Weg gefuehrt.
Wenn ich nur genuegend Vertrauen aufbringe, und meine Ruhe finde, Tag fuer Tag zu schauen, was getan werden muss, wird es - mit G-ttes Hilfe - gelingen.

Freitag, 11. September 2009

"Ihr steht heute, Ihr alle, vor G-tt.."

Saetze dieser Art aus der Tora sind es, die mir ganz tief in die Seele gehen, sie bringen mich an meine Traenen. Besonders zurzeit, wo ich sowieso sehr duennhaeutig bin. Es geht mir sehr nahe, dass ich zu diesem Volk gehoeren darf, diese Gemeinschaft spuere.
Der Shabbat vor dem Monat Tishri ist ein besonderer Shabbat. Im ganzen Jahr segnen wir in der Synagoge den neuen Monat einen Shabbat bevor er beginnt.
Am Shabbat vor Rosh HaShana (das juedische Neujahrsfest) tun wir dies nicht, denn an diesem Monat segnet G-tt selbst den Neubeginn, der gleichzeitig soviel Staerkung bringt, dass das Volk Israel die anderen Monate selbst segnen kann.
Wir stehen alle vor G-tt, jeder mit seiner Einzigartigkeit, jeder mit seinen ganz besonderen Faehigkeiten, die jede einzeln wichtig fuer das gesamte Volk sind, oder es eines Tages werden koennen.
Daher sollten wir - in all unserer Individualitaet - achtsam schauen, wer da neben uns steht und diesen Menschen einmal in einem ganz anderen Licht sehen, als wichtigen Teil des Volkes Israel.
Vielleicht hat er ja eine Faehigkeit, die das gesamte Volk eines Tages retten kann?
Es ist nicht einfach, seine Mitmenschen ganz ohne Vorurteile und Be-urteilungen zu sehen, und dennoch koennen wir es jeden Tag versuchen. Rosh haShana bietet uns die Gelegenheit, mit den Mitmenschen wieder "neu anzufangen", den um Verzeihung zu bitten, den wir verletzt haben, ob mit oder ohne Absicht. Denn die "Fehler", die zwischen Mensch und Mitmensch passiert sind, kann uns G-tt nicht verzeihen. Der verletzte Mitmensch muss uns selbst vergeben.
Wir sollen im Judentum dazu erzogen werden, dass wir nicht - der Einfachheit halber - nur zu G-tt beten, wenn wir etwas falsch gemacht haben, denn das geht nur bei Fehlern, die im Kontakt zu G-tt passiert sind, diese kann - und wird - er uns vergeben, bei aufrichtiger Reue.
Es ist sehr schwer, zu seinem Mitmenschen zu gehen und ihn um Verzeihung zu bitten. Aber das will G-tt von seinen Kindern, sie dazu erziehen, diesen schweren Schritt zu gehen.
Er will uns naeher ruecken lassen, die Verantwortung fuereinander wieder spueren lassen.
Dieser Zusammenhalt des Volkes Israel ist so unglaublich maechtig und ein riesiges Geschenk! Wir koennen unendlich stark sein, wenn wir jeder einzeln nur unser kleines Umfeld lieben und achten und vorsichtiger behandeln als wir es manchmal tun.
Ich hoffe, dass ich die Gemeinschaft dieses Volkes auch in Israel spueren darf, es hat schon begonnen, dass Menschen, die ich wenig kenne, sich um mich gesorgt und mir geholfen haben, im Vorfeld.
Auch ich will mich einbringen, mit meinen Faehigkeiten, und versuchen, herauszufinden, in welchem Gebiet ich gebraucht werde, wo MEIN Platz ist.
Shabbat shalom

Donnerstag, 10. September 2009

Eine "Bleibe" fuer die erste Zeit in der neuen Heimat

Endlich habe ich mich entschlossen, mir den kleinen Luxus eines Appartments zu leisten. Fuer die ersten drei Wochen werde ich ein wirklich schnuckeliges Appartment, mit Kuechenecke, Bad und Schlafzimmer im Stadtteil Baka mieten.
Ich freue mich sehr darauf, denn dadurch brauche ich nicht ins Mercaz Klita nach Haifa, und ich kann mich in Ruhe sofort in den ersten Tagen nach dem Shabbes auf die Arbeitssuche stuerzen.
Ein nicht zu unterschaetzender Genuss wird es fuer mich sein, ganz in der Naehe meiner beiden Lieblingssynagogen zu wohnen.
Wie wunderbar waere es, wenn ich spaeter meine endgueltige Wohnung auch dort finden wuerde. Das wird nicht leicht sein, denn die Gegend ist teuer!

Nun moechte ich erst einmal geniessen, dass ich drei Wochen ganz nahe zu meinen Lieblingsplaetzen wohnen werde, und alles weitere werde ich dann sehen.
Mit G-ttes Hilfe und dem bestmoeglichen Einsatz von meiner Seite, wird es hoffentlich gelingen!

In der Botschaft

Es war schon fast ein kleines Abenteuer, in der Visa-abteilung der israelischen Botschaft ueberhaupt nur anzukommen, nach einem Sicherheitscheck, der fast noch ueber das hinaus ging, was ich vom Flughafen kenne.
Es warteten 3 Menschen im ersten Eingangsbereich, verglast mit Sicherheits (panzer?)glas. Jeder wurde einzeln in die erste Schleuse gebeten. Tasche gefilzt, mein Handy nicht nur begutachtet, sondern auch bis auf den Akku auseinander genommen (!), meine Camera eingeschaltet und geprueft.
Schliesslich musste ich durch den "Bogen" gehen, mehrfach, denn immer wieder piepste irgend etwas. Nacheinander Uhr, Ohrringe, Armband abgenommen und erst nachdem ich die Schuhe auszog war kein Piepsen mehr zu hoeren. (waren es die Naegel in den Absaetzen?)

Obwohl dann der Inhalt meiner Tasche durch ein Roentgengeraet fuhr, musste ich diese in einem Schliessfach lassen, und durfte nur meine Dokumente herausnehmen.
Dann endlich oeffnete sich die Tuer und ich war auf einem Innenhof. Dort ging es dann zur naechsten Tuer.
In einem kleinen Raum mit 2 "Schaltern", konnte man sein Anliegen vortragen und dann ging es ans Warten. Auf 2 - 3 Stunden wurde ich vorbereitet.
Die wirklich freundliche Dame meinte, sie sei heute allein und muesse alle Visa ausstellen.
Da sassen wir nun - ein serbischer Jude, der in zwei Wochen ebenfalls Alyia macht, ein junger israelischer Mann, ein 20 - jaehriges Maedel, das unbedingt nach 8 Jahren Israel wieder hier beim Vater leben will und ich.

Nach etwa 2 Stunden bekam ich ein paar Dokumente, auf denen der Verzicht auf die israelische Staatsbuergerschaft unterschrieben wird.
Ausfuellen durfte ich sie, aber unterschreiben erst in Gegenwart des Konsuls, der spaeter erschien, um meine Unterschrift zu beglaubigen.
Dann bekam ich meinen Reisepass zurueck mit dem Visum fuer Einwanderer!

8 Stunden Berlin

Um 6 Uhr fuhr ich los nach Berlin und um 6 pm sass ich schon wieder im ICE zurueck. 3 1/2 Stunden dauert eine Fahrt.
Es war ein wenig anstrengend, aber ich habe es erst abends im Bett gespuert. Viele unterschiedliche Eindruecke sind innerhalb von 8 Stunden dort auf mich eingeprasselt und es hat sich wirklich gelohnt, nicht nur wegen meines Einreisevisums nach Israel, die Fahrt gemacht zu haben.
Ankommen in dieser immer wieder beeindruckenden gigantischen Stadt, Sonnenschein, eine Fahrt im Doppelstockbus (ganz oben, ganz vorn!!!), bei der ich mich gefreut habe wie ein kleines Kind, die Stunden des Wartens in der Botschaft, in denen ich auch ein paar ganz interessante Menschen kennen lernte, und schliesslich unser "Blogger-treffen" mit Juna, was ich gern noch ausgedehnt haette.
Beim Rueckweg zum Bahnhof habe ich noch Halt gemacht an der juedischen Gedenkstaette mit den Stelen, bevor ich den Tag bei strahlendem Sonnenschein ausklingen liess.
Nach einem solchen Tag liegt man abends im Bett und es kommt einem vor, als sei man mehrere Tage fort gewesen.

Juna - ein "Bloggertreffen" in der schoenen Stadt

Danke, Juna!
Danke, dass ich dich kennenlernen durfte. Deine offene Art hat es uns moeglich gemacht, sofort eine Verbindung zu spueren und ich haette noch stundenlang mit dir reden koennen.
Ich freue mich, dass es doch noch geklappt hat, unser kleines "Blogger-treffen" in die Tat umzusetzen.
Ich schicke noch einmal viele warme Gruesse nach Berlin, einer Stadt die wirklich immer wieder beeindruckt und werde spaeter mehr zu meinem Besuch dort schreiben. Zunaechst aber soll mein Gruss nur dir gelten!

Dienstag, 8. September 2009

"Ich verbitte mir jegliche Einmischung, und zwar vom In- und vom Ausland!"

...sagte die Bundeskanzlerin, nachdem der Natoluftangriff in Afghanistan mittlerweile riesige Wellen schlaegt.
So schlimm das alles ist, irgendwie steht die Bundesregierung ploetzlich einer Kritik gegenueber, die Israel sich seit Jahren anhoeren muss. Vor allem aus dem Ausland, hagelt es regelmaessig Verurteilungen wegen irgendwelcher Luftangriffe, aus welchen Gruenden auch immer.

Wenn Taliban-Kaempfer zwei Tankwagen stehlen in der Naehe des deutschen Stuetzpunktes, und damit Menschenleben in Gefahr sind, ist das dann keine ausreichende Rechtfertigung fuer den Einsatz, der angefordert wurde? Hat der deutsche Offizier wirklich einen "folgenschweren Fehler" gemacht, wie man lesen kann?
Wenn unter 56 Toten 54 Taliban-kaempfer sind ( was sicher noch nicht ganz geklaert sein duerfte), so war der Einsatz doch auf irgendeine Weise "erfolgreich", auch wenn ich meine, dass jedes unschuldige Menschenleben zaehlt.
Im Kriegszustand wird es immer zivile Opfer geben, und erst recht, wenn Terroristische Organisationen die Zivilbevoelkerung als lebende Schutzschilde benutzt.
So war es auch in Gaza. Und genau, wie die israelische Regierung und die beteiligten Soldaten sich bis heute unfassbarer Kritik gegenueber sehen, so geht es nun den deutschen Offizieren.
Israel ist von vielen Laendern heftig kritisiert worden, ohne dass eines dieser Laender einer derartigen Bedrohung ueber Jahre und Jahrzehnte ausgesetzt ist.
Nun steht die Bundesregierung im Fokus der Kritik.
Aber die Bundeskanzlerin verbittet sich "jegliche Einmischung, und zwar vom Inland und vom Ausland!"

Israelische Botschaft

Morgen fahre ich nun nach Berlin. Um kurz vor 6h wird es mit dem ICE losgehen und um 9.40h werde ich ankommen.
Dann geht es mit allen Unterlagen, die die Jewish Agency mir zugeschickt hat, zur Botschaft des Staates Israel. Dort muss ich zur Visa-abteilung, wo man mir ein Einreisevisum ausstellen wird. Ich werde ein Dokument unterschreiben, worin ich erklaere, zunaechst auf die israelische Staatsangehoerigkeit zu verzichten. Mein Status wird dann zwar Olah Chadasha (Neueinwanderin) sein, aber erstmal als "Permanent resident".
Dennoch werde ich alle Rechte einer Olah Chadasha wahrnehmen koennen.
Nach ein paar Wochen im Land soll ich zum Innenministerium, um dort noch einmal zu erklaeren, zunaechst als Permanent Resident in Israel sein zu wollen.
Nach einiger Zeit wird es dann zur deutschen Botschaft gehen, um den Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft noch einmal zu stellen.
Falls er dann genehmigt wird, kann ich die israelische Staatsbuergerschaft annehmen.
Kompliziert? Nicht doch.

Ich freue mich, meine "Mission" mit einem Bloggertreffen verbinden zu koennen. Ich werde mit Juna einen Kaffe trinken! Wie schoen, sich mal persoenlich zu sehen!
Vielleicht wird es noch ein anderes Treffen geben, aber das steht noch nicht fest.
Berlin - immer wieder eine Reise wert, wenn es nicht so furchtbar kurz waere. Aber da ich leider nicht mehr Urlaubstage (und auch nicht mehr Geld) zur Verfuegung habe, muss es dann schon um 17h wieder zurueck gehen.
Mehr als 7 Stunden sitze ich dann also im Zug.
Ich hoffe, dass es nicht so langweilig wird und die Mitreisenden nicht nerven. Denn das ist meistens das Schlimmste. Ansonsten fahre ich doch relativ gern Zug.

Sonntag, 6. September 2009

Das Spiel des Lebens ist nicht grau!

Ich bin schon mein ganzes Leben lang sehr oft gegen den Strom geschwommen und es hat mir nie etwas ausgemacht.
Das, was mir in den letzten Monaten jedoch begegnet, beeinflusst mich sehr und ich weiss noch nicht, wie ich damit umgehen soll.
Der Punkt, um den es sich dreht, sind meine grauen Haare. Genau genommen sind sie weiss.
Seit 20 Jahren (da war ich 30 und es ueberwog das Grau) faerbe ich mir nun meine Haare, bis ich in juengster Zeit zu dem Entschluss kam, dass es 1. sehr laestig ist, staendig nachzufaerben, 2. aeusserst ungesund sein muss, sich alle 3-4 Wochen die pure Chemie auf den Kopf zu schmieren und 3. es eine Art von Abhaengigkeit bedeutet, die mir nicht mehr gefaellt. Von den Kosten will ich gar nicht reden, denn: was tut man (oder Frau) nicht alles, um schoener, juenger oder attraktiver zu sein?

Es war ein Versuch, das war mir von Anfang an klar, mir die grauen Haare herauswachsen zu lassen, um zu sehen, wie ich damit klarkomme.
Nun stellt sich - anders als ich vermutet hatte - heraus, dass nicht etwa ich selbst damit nicht leben kann, sondern meine Umwelt die allergroessten Probleme damit hat.
Ich werde mindestens einmal pro Tag von irgend jemandem angesprochen, wie schrecklich ich doch aussehe, wie sehr es demjenigen missfaellt und wie dringend ich doch mein Aussehen in moeglichst naher Zukunft aendern soll.
Abgesehen davon, dass ich es ziemlich unverschaemt finde, wundere ich mich doch ueber die unverbluemte, fast aggressiv-freche - und doch auch sehr ehrliche Art - wie man mit mir umgeht.
Ich scheine nur noch aus Haaren zu bestehen, nicht mehr als Persoenlichkeit unter diesen Haaren wahrgenommen zu werden und als blanke Provokation durch die Welt zu stolzieren.
Ich muss gestehen, dass mir diese penetrante Weise, wie mir klargemacht wird, dass ich mich so auf keinen Fall der Umwelt praesentieren darf, sehr zusetzt. Und - ich ertappe mich zum ersten Mal dabei, dass ich in naher Zukunft eventuell mein Aussehen nur aufgrund der Rueckmeldungen meiner Umwelt aendern werde. Ich kapituliere sozusagen.(vielleicht!)
Es scheint eine bodenlose Frechheit zu sein, sich in der Haarfarbe zu praesentieren, die man tatsaechlich hat. Diese ist bei mir nun einmal weiss.
Ich dachte, als ich mich entschloss, einen Versuch zu wagen, mit einem flotten pfiffigen Haarschnitt koenne man weisses Haar auch schon in meinem Alter offen und selbstbewusst tragen.
Bin ich nicht ein Mensch, der sich trotz grauer Haare noch irgendwie verhaelt? Eine Frau aus der Gemeinde sagte: "Naja, du hast ja ein junges Gesicht, aber irgendwie guckt doch sofort jeder auf die grauen Haare!"
Eine andere Bekannte meinte an diesem Shabbat bereits zum 3. Mal mit einer sehr gequaelten Stimme, dass ihr das so gar nicht gefalle. Erst nachdem ich ihr klarmachte, dass das auch gar nicht noetig sei, denn nur ich muesse ja den ganzen Tag so herumlaufen, wurde sie ruhig.
Ein sehr guter Freund meinte gar, wenn ich schon nach Israel auswandere, um dort ein neues Leben aufzubauen, muesse ich mich nun auch an die "Spielregeln" halten, in dem Spiel, in dem ich mitspielen wolle.
Dazu gehoere es, zu einem Vorstellungsgespraech auf keinen Fall mit grauen Haaren aufzulaufen. Das sei etwa mit einem Menschen zu vergleichen, der sich mit einem Kakaofleck auf der Bluse vorstellt, oder mit kurzen Hosen erscheint.

Am Freitag abend setzte eine Freundin das I-Tuepfelchen, indem sie in schallendes Gelaechter ausbrach, als sie mich sah.
Ausgelacht und abgelehnt. Was kann es Schlimmeres geben?

Bis heute wusste ich nicht, wie es sich anfuehlt, wenn man sich selbst gefaellt, beim Blick in den Spiegel und beinahe das gesamte Umfeld eine voellig andere Wahrnehmung hat.
Ich wusste nicht, wie sehr es beeintraechtigen kann, wenn staendig jemand das Aussehen kommentiert. Mir ist es eher umgekehrt sehr oft so ergangen, dass ich mich selber schrecklich fuehlte, waehrend die Umwelt sagte :"Du siehst doch gut aus!"

Es bringt mich dazu, zu forschen, ob es ueberwiegend Frauen oder Maenner sind, die so auf mich reagieren, aber es sind sowohl die maennlichen, als auch die weiblichen Zeitgenossen, die sich daran stoeren. Und selbst ein 8-jaehriges Kind fragte mich heute, warum ich denn nun grau bin. Nachdem ich sie fragte, ob sie das schlimm faende, nickte sie ernst und betreten.
Ist es entgegen der Spielregeln, wenn man sich als Frau in der Haarfarbe praesentiert, die die "echte" ist? (denn Maenner scheinen dieses Problem nicht zu haben, sie duerfen scheinbar ungestraft ihre weisse Haarpracht praesentieren)
Was macht die Menschen ploetzlich so ungehemmt, so gnadenlos "ehrlich", wo doch sonst kaum jemand dem anderen eine ehrliche Meinung zu sagen wagt. Kommen eigene Aengste vor dem Alt-werden in den Mitmenschen hoch, beim Anblick von grauen Haaren?
Und ueberhaupt - warum scheinen in dieser Welt nur Auesserlichkeiten zu zaehlen?
Was ist das Phaenomen, das die Menschen dazu bewegt, sich in einer Weise einzumischen, die ich selten so heftig erlebt habe?
Noch habe ich keine Antwort auf diese ungewohnte Reaktion, noch bin ich aber auch noch nicht eingeknickt. Aber ich gebe zu, das Argument, auf keinen Fall eine Arbeit zu bekommen, wenn man sich mit grauen Haaren irgendwo vorstellt, zieht bei mir am meisten.
Denn wer kennt nicht die Studien ueber unterbewusste Entscheidungen der Arbeitgeber, bei gleicher Qualifikation eben NICHT den dicken Menschen oder den "haesslichen", sondern den attraktiveren oder schlankeren zu waehlen?
So koennte es mit grauen Haaren auch laufen, denn grau = alt, und alte Menschen bekommen keinen Arbeitsplatz.

Dennoch - ich komme sehr schlecht damit klar, dass ich bei jedem Blick in den Spiegel nun denke: Du findest dich gut so. Aber das kann eigentlich nicht die Wahrheit sein.


Freitag, 4. September 2009

Ein wahrer Segen

Es gibt Menschen, die einem hundert mal versprechen, dass sie helfen, und es dann, wenn man ihre Hilfe tatsaechlich braucht, nicht tun. Aber es gibt wunderbare Verbindungen, die sich urploetzlich auftun, ohne dass man die Menschen sehr lange kennt, manchmal nicht einmal persoenlich, sondern ueber unser noch relativ neues Medium, das Internet.
Solche Menschen sind ein Segen. Sie bieten mit einem Mal konkrete Hilfe an, tun etwas fuer dich, was dir wirklich weiterhilft.
Fuer solche Menschen moechte ich mich bei unserem Schoepfer bedanken. In den letzten Tagen habe ich viel das Internet durchforstet nach Wohnungen in Jerusalem, um zu sehen, was es an Angeboten gibt.
Wichtig aber war auch ein Zimmer, wo ich ein paar Wochen bleiben und in Ruhe ankommen und mich orientieren kann, um nach Arbeit und einer Wohnung zu suchen. Da taucht ein Mensch auf, den ich ausschliesslich ueber mein Blog "kenne", und er bietet mir konkrete Hilfe an.
Er wird in den naechsten Tagen fuer mich ein paar Moeglichkeiten vor Ort in Jerusalem abchecken. Es ist unglaublich wichtig und hilfreich, wenn jemand die angebotenen Zimmer einmal sieht, um groessere Reinfaelle zu vermeiden und ich bin ihm unendlich dankbar fuer diese grosse Mitzwa, die er da tut fuer mich.
Fuer mich ist es so, dass ER dort oben, der in den Tagen des Monat Elul seinem Volk am naechsten ist (man sagt, der Koenig ist im Land... und nicht sehr weit entfernt, wir koennen ihn etwas leichter als sonst im Jahr "antreffen", um mit ihm zu reden) mir eine Hand gereicht hat und mir mit dieser Hilfe sagen will, dass ich nicht verzweifeln und mich aengstigen soll, dass sich zu gegebener Zeit immer Menschen zeigen, die auf dem Weg weiterhelfen.
Mit dieser Gewissheit werde ich in den Shabbat gehen und dankbar sein. Danke auch noch einmal auf diesem Weg an den Menschen, der sich soviel Muehe macht fuer jemanden, den er so gut wie gar nicht kennt.
Shabbat shalom!

Mittwoch, 2. September 2009

Abmeldung und Fuehrerscheinstelle - trotz hohem Einsatz nicht viel erreicht

Ich war beim Einwohnermeldeamt heute morgen. Es ist gar nicht so einfach, sich abzumelden. "Nein, das geht nicht vorher. Haben Sie niemanden, der Ihre Abmeldung nach Ihrer Abreise erledigen kann?"
Nein, habe ich nicht, bzw. kann es doch nicht so schwer sein, als unabhaengiger Mensch auch unabhaengig von anderen Menschen seine eigene Abmeldung irgendwie vorzunehmen. Ich moechte nicht schon wieder jemanden beauftragen mit Dingen, die ich selbst machen sollte. Schliesslich habe ich das alles zu verantworten.

Dazu kommt, dass z.B die Mobilfunkmenschen, wo ich mit einem Internet-stick noch bis September 2010 vertraglich gebunden bin eine Abmeldung sehen wollen, schon um nur zu akzeptieren, dass eine Endrechnung erstellt wird, die dann keinen Cent weniger sein wird. Nur, dass ich alles auf einmal zahlen "darf". (Wie kulant oder?)
Als ich das der wirklich netten Frau von der Behoerde erzaehlte, hat sie gemeint, ich koenne mich ja heute schon abmelden, dann sei ich aber hier in Deutschland ab sofort nicht mehr gemeldet.

Nun - das waere mir auch egal (wobei ich nicht erahnen kann, ob das einen Nachteil bringen koennte...), wenn da nicht der Antrag auf Umschreibung meines Fuehrerscheins waere, den ich heute abgeben wollte. Ich habe einen Kartenfuehrerschein beantragt, da ich nur diesen grauen "Lappen" besitze, in dem tausendmal durchgestrichen wurde. Ich vermute, die israelischen Behoerden wuerden den auf keinen Fall akzeptieren.
Und dafuer muss man doch wohl irgendwo in Deutschland gemeldet sein, oder etwa nicht?
Als sie nicht mehr weiter wusste, bin ich dann zaehneknirschend eine Etage hoeher zur Fuehrerscheinstelle, um meinen Antrag zu stellen. Ploetzlich kam die freundliche Dame vom Einwohnermeldeamt um die Ecke gerannt - ganz ausser Atem war sie. Sie hatte mich schon auf der Strasse gesucht, bis ihr einfiel, wo ich hin wollte.
"Kommen Sie nochmal zu mir. Ich habe nachgefragt. Es geht doch!"

Ich war tief beeindruckt vom Engagement der netten Dame und lief nach der Antragsstellung zu ihr hinunter.
Nun wollten wir alles ausfuellen, als eine Kollegin ihr dann sagte, sie habe da etwas voellig missverstanden, im Vorhinein wuerde das nicht gehen.

Sie war geknickt und auch etwas peinlich beruehrt, denn schliesslich hatte sie mir falsche Hoffnungen gemacht.
Eines aber muss ich trotz allem Frust sagen: Ich danke ihr wirklich fuer ein Engagement, was ich noch bei keiner Behoerde in dieser Form erlebt habe. Danke.

Ehrlich gesagt, graut mir jetzt schon vor dem Innenministerium in Jerusalem, das ich in sehr schlechter Erinnerung habe vom letzten Jahr, als ich mein Volontaersvisum verlaengern wollte. Eine Superlative an Unfreundlichkeit und Frechheit ist mir in Form einer blonden Sachbearbeiterin begegnet. Man hat mich derart schlecht behandelt und mit Worten wie :"Ich wuesste nicht, warum ich jetzt mit Ihnen reden soll!" abfahren lassen. Nie zuvor habe ich in einer Behoerde mit den Traenen gekaempft.

Dienstag, 1. September 2009

Vorbereitungen - der "Countdown" laeuft!


















Einige Punkte habe ich noch "abzuarbeiten" von meiner Liste, und andere sind bereits zumindest halbwegs geregelt.
Mein Telefonanschluss mit Internet ist zum Ende September gekündigt.
Die Bahnfahrt nach Berlin ist gebucht. (Wegen Termin bei der Botschaft)
Bei der Krankenkasse habe ich mich erkundigt, wie ich mich freiwillig fuer 14 Tage versichern kann, wenn ich nicht mehr arbeite, aber noch in Deutschland bin. Es wird 70 Euro kosten. Das ist besser, als das Risiko einzugehen, 14 Tage ohne Krankenversicherungsschutz herum zu laufen.
Morgen frueh werde ich zum Einwohnermeldeamt gehen, und fragen, ob ich mich schon VOR meiner Ausreise abmelden kann. Die Abmeldebescheinigung benoetige ich dringend fuer einige Kuendigungen.
Ich werde morgen den Antrag stellen, meinen Fuehrerschein umschreiben zu lassen. Da ich noch einen "uralten Lappen" besitze, werde ich auf Nummer Sicher gehen, und eine Karte beantragen.
Der Stromlieferant macht ein paar Zicken, denn man ziert sich ein wenig, mir eine "Vorab-rechnung" auszustellen, sprich: den Strom ein paar Tage frueher abzustellen. Ich werde das noch in Angriff nehmen muessen.
Die GEZ hat eine Kuendigung von mir zugeschickt bekommen. Mal sehen, was denen noch einfaellt, um Komplikationen zu machen.

Vorwiegend die Telefonanbieter, Mobilfunkanbieter draengen darauf, meine Adresse im Ausland zu wissen. Da ich ausser dem Einwandererheim selbst nicht weiss, wo ich wohnen werde, ist das schwierig.
Auch eine deutsche Bankverbindung haette man gern. (Wahrscheinlich, um grenzenlos Summen abbuchen zu koennen...)

Zurzeit stehe ich mit einem Altenheim in Jerusalem in Verbindung, dessen Traeger der Irgun Jotzei Mercaz Europa ist ( eine Organisation der europaeischen Einwanderer). Dort hatte ich mich beworben.
Morgen soll ich die Leiterin anrufen, damit wir zusammen abklaeren, ob man meine Arbeitskraft brauchen kann.
Staendig suche ich im Internet bei "Yad2" oder "Janglo" nach einer Schlaf-Moeglichkeit fuer die ersten Wochen. Bisher ohne Erfolg.