Montag, 30. November 2009

Wieviel muss man sich gefallen lassen?

Wieviel an Demuetigung muessen sich "Ueberlebende der KZs" gefallen lassen? Denn nur als Demuetigung kann ich die Aussage des Verteidigers von Demjanjuk werten. (Im Spiegel-online nachzulesen) Er sagt dreist : "Demjanjuk steht auf gleicher Stufe wie die KZ-Ueberlebenden, da er auch auf deutschen Befehl in Sobibor habe arbeiten muessen."
Darf man solche Saetze ungestraft von sich geben? Noch dazu als Verteidiger? Wie fuehlt man sich wohl, wenn man jemanden verteidigt, der am Tod von mehr als 27.000 Menschen beteiligt war?
Rechtsanwaelte verteidigen oft Menschen, von dessen Unschuld sie nicht immer ueberzeugt sind. Das ist ihr Beruf und ich beneide sie daher wahrhaftig nicht.
Aber in diesem Falle?
Warum verteidigt man solch einen Mann? Doch nicht, weil man von seiner Unschuld ueberzeugt waere... Ist es nicht eher so, dass einem Verteidiger in einem derartigen Prozess, der von der Oeffentlichkeit minutioes verfolgt wird, grosse Aufmerksamkeit zuteil wird? Womoeglich wird er nach dem Prozess ein gemachter Mann sein, jeder wird ihn kennen, auch wenn diese "Beruehmtheit" einen sehr bitteren Beigeschmack hat.
Muss man als Verteidiger sein Gewissen hinten anstellen?
Gab es nicht einen Satz : "Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen moechte.." So fuehlt es sich jedenfalls fuer mich an, wenn ich so etwas lese.

Kaum zu glauben!

Ich kann es kaum glauben, was da ueber den "Demjanjuk-Prozess" bei Spiegel-online berichtet wird.
Kann es sein, dass Demjanjuk fuer verhandlungsunfaehig erklaert wird? Kann es sein, dass aufgrund der jahrelangen Schlamperei der Justiz nun aus dem gross angekuendigten Prozess eine riesige Enttaeuschung wird? Vor allem wohl fuer die Nebenklaeger, die Nachkommen derjenigen, die durch Demjanjuks Mithilfe umkamen. Spiegel-online zeigt auf, dass die Fakten bereits seit Jahren vorlagen, die Aktenlage sich keinesfalls ploetzlich geaendert hat, sondern eher deshalb auf Demjanjuks Abschiebung gepocht wurde, weil die "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklaerung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg kurz vor den Feiern zum 50-jaehrigen Bestehen stand. Es folgte Beifall aus aller Welt und die Befoerderung des Behoerdenleiters zum leitenden Oberstaatsanwalt.
Niemand hat sich all die Jahre dafuer interessiert, bzw. wurden auch andere Verbrecher, die aehnliches wie Demjanjuk auf dem Gewissen hatten, nicht strafrechtlich verfolgt.
Was sagt das ueber uns, ueber Deutschlands Einstellung zu den Nazi-Verbrechen aus?

Der Shalit "deal" - was wir erfahren

... ist zurzeit nicht viel, ausser, dass etwa 980 Gefangene im Gegenzug fuer Gilads Heimkehr freigelassen werden. Die Liste wird nicht veroeffentlicht, jedenfalls nicht in diesem Stadium der Verhandlungen. (HIER bei Haaretz nachzulesen)
Ehrlich gesagt, wird es langsam Zeit, dass etwas passiert. Man kann so gar nicht glauben, dass der Tag wirklich nahe sein soll, an dem Gilad, der entfuehrte Soldat endlich nach Hause kommt. Und immer noch wird diskutiert, ob der Preis nicht zu hoch ist, denn schliesslich geht es nicht nur um die unglaubliche Zahl von fast 1000 Gefangenen, sondern auch darum, weswegen sie in israelischen Gefaengnissen sitzen. Die Planung von vielen Terroranschlaegen mit zahlreichen Opfern, Kindern, Frauen, Jugendlichen geht auf ihr Konto.
Und noch einmal - beide Seiten sind abzuwaegen, immer wieder fragen die Moderatoren im Radio Menschen, die gegen den hohen Preis sind: "Und wenn es Ihr Kind waere, das da seit 3 Jahren in Gefangenschaft sitzt?"

Samstag, 28. November 2009

Shabbat in Alon Shwut

Es war ein angenehmer Shabbat mit vielen Menschen, die von innen strahlen. Alon Shwut ist eine religioese Siedlung, bzw. Jeshuw.
Wie immer war es bei der Rabbinerfamilie angenehm zwanglos. Eine Tochter kam mit Mann und ihren drei Kindern zum Shabbatessen.
Dort werde ich jedes Mal herzlich empfangen, wohl auch, weil der Rabbiner Mitglied eines Beit Din ist und sich sehr fuer Menschen einsetzt und interessiert, die Giur machen oder hinter sich haben. "Es ist jedes Mal eine andere Geschichte, die dahinter steckt, und jede ist interessant." sagt er.
Er hat eine hohe Meinung von Menschen, die konvertieren und hilft gern, wo er kann. Etwas abseits, auf einem Huegel befinden sich etwa 20 Karawane. Dort wohnt zurzeit ein junges Paar, das ich ueber eine Freundin kennen lernte. Beide kommen urspruenglich aus Lettland und sind seit einem Jahr verheiratet. Der Giurverlauf des Mannes ist unglaublich steinig gewesen.
Er hat hier in Israel angefangen, in einer Jeshiwa zu lernen, die Behoerden habe ihm jeden Stein, den es gibt in den Weg gelegt, das begehrte Visum, was fuer einen Giur benoetigt wird, um im Land bleiben zu koennen, immer wieder hinausgeschoben, bis er dann des Landes verwiesen wurde, zurueck nach Lettland. Er solle nach ein paar Monaten wieder kommen, dann waere "bestimmt alles geregelt". Nichts war geregelt als er einige Zeit spaeter voller Hoffnung wieder eingereist ist. Seine Akte war "verschwunden" mit allen Papieren in Originalausfuehrung. Erst, als er sich verzweifelt an den Rabbiner wendete, der mit ihm zum Innenministerium ging, um dort beherzt nachzufragen, ging es langsam vorwaerts. Vorwuerfe wurden ihm auch noch gemacht, er habe schlecht ueber die Behoerde geredet.
Als er endlich seinen Giur hatte, konnten die beiden heiraten und leben nun in einem der Karawane, sehr einfach, aber auch sehr gluecklich.
Heute mittag war ich bei ihnen zum Essen eingeladen. Sie waren sehr stolz auf ihr kleines Reich.
Ich habe beim Gang zurueck zur Familie des Rabbiners darueber nachgedacht, was fuer ein Gesicht die meisten Menschen in Deutschland machen wuerden, wenn sie diese Einfachheit sehen wuerden. Es waere fuer viele nicht fassbar, wie man solch ein Leben fuehren kann, jenseits jeglicher Luxusgueter. Sogar mein kleines bescheidenes Heim ist dagegen Reichtum.
Die Ruhe in Alon Shwut hat gut getan. Weit reicht der Blick ueber das wunderbare Land.
Wieder zurueck im "pulsierenden Leben" hier in der Moshava Germanit nehme ich die Bilder der urspruenglichen Natur mit in die neue Woche.

Freitag, 27. November 2009

Shabbat shalom - שבת שלום


















Die Sonne scheint, es ist ein wunderbarer Tag und ich werde mich gleich auf den Weg nach Alon Shwut machen.
Ausser der Rabbinerfamilie, von der ich eingeladen bin, werde ich noch ein junges Paar besuchen, die sich dort niedergelassen haben.
Shabbat shalom!

Totmuede aber heute reich beschenkt

Totmuede komme ich von einem Konzert im "Schrein des Buches", im Israelmuseum. Es gab eine wundervolle Darbietung von Piutim (gesungene Gebete, Psalme, Shabbatgesaenge) mit sehr oestlichen Melodien.
Der Chor, in dem meine Freundin Chana auch mitsingt, stand direkt vor den " Rollen vom Toten Meer. Die Akustik war hervorragend und das Publikum trotz der spaeten Stunde zahlreich.
Vorher habe ich in einer Reform-gemeinde ein Konzert mit Chassidischen Klaengen und Gesaengen besucht.
Es war fast fuer einen Abend zuviel des Guten.
Morgen mittag fahre ich nach Alon Shwut. Dort wohnt ein Rabbiner, den ich seit einem Jahr kenne und der mir stets Hilfe angeboten hat. Er haelt sehr viel von Menschen, die Giur machen und war selbst in einem Beit Din als Rabbiner taetig. Nachdem ich im letzten Jahr wieder zurueck nach Deutschland geflogen bin, hat er und seine Familie mir sehr regelmaessig durch Mails "Staerkungen" aus Israel geschickt. Ich bin ihm und seiner Frau, die mich schon oft zum Shabbat eingeladen haben, sehr dankbar. Es sind einfach sehr menschliche Menschen.
So bin ich auch morgen eingeladen, den Shabbat dort zu verbringen. Am Motzei Shabbat werde ich wieder nach Hause, nach Yerushalaiym zurueckkehren.
Shabbat shalom an alle meine juedischen Leser. Den anderen ein wundervolles Wochenende und einen geruhsamen Sonntag!

Donnerstag, 26. November 2009

Zusaetzliche Arbeit?

....von wegen Babysitter. Vor lauter Bewerbungen weiss ich schon gar nicht mehr, wem ich e-mails mit meinem Lebenslauf geschrieben habe.
So kam ich heute morgen in einen kleinen privaten Kindergarten. Eine Gruppe von ca. 25 Kindern erwartete mich. Die Kindergartenleiterin schickte mich gleich zu den Kindern, um zu sehen, wie ich mit ihnen umgehe.
Sie waren wirklich suess, haben gerade Kreisel fuer Chanukka gebastelt und waren sehr schnell warm mit mir.
Nun habe ich eine Entscheidung zu treffen. Die Leiterin will mich einstellen. Es koennte richtige versicherungspflichtige Arbeit werden, nur leider schlecht bezahlt. In der Stunde bekommt man netto 26 NIS. ( Ich habe in Bekleidungsgeschaeften nachgefragt, dort ist die Bezahlung aber noch schlechter, ca. 21 oder 22 NIS). Ich wuerde 20 Stunden in der Woche arbeiten.
Nachteil 1 : Auch am Freitag muesste ich arbeiten, von 9.30h bis 13h.
Nachteil 2: Ich werde viel schlechter bezahlt als bei der alten Dame. (bei ihr bekomme ich 40 NIS)
Nachteil 3: Es wird auf keinen Fall leichte Arbeit mit so vielen Kindern.

Vorteil 1: Es ist nur 2 Strassen weiter.
Vorteil 2: Ich kann noch an 4 Tagen vormittags weiter die Arbeit bei der alten Dame machen.
Vorteil 3: Es ist versicherungspflichtige Arbeit.
Vorteil 4: Ich haette zusammen mit der anderen Arbeit 3200 NIS.
Mit meinen Sal - Klita- Zahlungen, ( nochmal 1300 NIS) die noch bis Juni laufen, koennte ich mich so komplett finanzieren, muesste nur fuer Luxus meine Ersparnisse anruehren.
Noch ein Vorteil: Falls ich mich in der Zukunft irgendwo anders bewerbe, koennte ich Erfahrung vorweisen, zumindest fuer diesen Bereich.

Also denke ich, dass ich - wenn ich heute abend mit der Leiterin die Einzelheiten besprochen habe - zusagen werde.

Mittwoch, 25. November 2009

Kino - Erster Film in Jerusalem

Heute war ich zu meinem ersten Film in Jerusalem eingeladen. "5 Stunden entfernt von Paris" heisst er auf hebraeisch. "Five hours from Paris", mit Dror Keren, einem meiner Lieblingsschauspieler.
Wer hineinschnuppern moechte, hier ist ein Trailer mit englischen Untertiteln.
Ein Film ohne Happyend, mit witzigen Szenen, eine Liebesgeschichte der besonderen Art mit guter Filmmusik.
Empfehlenswert!

Babysitter - Kindermaedchen

Morgen frueh stelle ich mich in einem Haushalt ganz in meiner Naehe vor. Ich hatte mich auf eine Anzeige beworben. Man sucht eine Art "Kindermaedchen". Die Mutter hat mich gerade angerufen und eigentlich sucht sie jemanden, der Erfahrung vorzuweisen hat.
Nun - ich hatte mich deshalb beworben, weil ich denke, eine Mutter von 2 Maedels, - auch wenn sie jetzt erwachsen sind - hat genug Erfahrung mit Kindern.
Daher werden wir uns morgen frueh treffen, um zu schauen, ob es passt. Einen zweiten Job koennte ich gut gebrauchen.

Fachhochschule in Bochum

Eine freudige Ueberraschung auf dem Weg zur Anerkennung. Ich habe per e-mail meine Fachhochschule angeschrieben, um die erforderlichen Bestaetigungen der Praktika zu erhalten.
Man hat mir sofort nach einem Tag geantwortet, die Unterlagen zusammen getragen und schon auf den Postweg gebracht. Wow!
Nun warte ich und hoffe sehr, dass es nicht regnet, wenn die wichtige Post kommt, da mein Briefkasten nicht sehr dicht ist und direkt vor der Tuer im Freien haengt, ungeschuetzt vor Wasser von oben.
Nun werde ich noch 240 NIS zahlen muessen (Verwaltungsgebuehr), meine Originale einmal beim Ministry of Social Affairs vorzeigen und dann heisst es, auf den Termin am 17. Dezember warten.
Es waere schon toll, auch hier in Israel anerkannt zu sein als Dipl.Sozialarbeiterin, denn ich habe von jemandem eine Internetseite gezeigt bekommen, auf der es nur Jobangebote fuer Sozialarbeiter gibt. Und das sind nicht wenige. Wahrscheinlich zu einem Hungerlohn, aber damit hatte ich ja gerechnet.
Haeufig sind es auch keine Ganztagsstellen.

Umfrageergebnis von "Israel hajom"

Laut Umfrageergebnis von "Israel hajom" sind 73% der Befragten fuer den Gilad-Deal, 18% dagegen, 9 % "haben keine Meinung".
Geht es um den Austausch mit Terroristen die "Blut an den Haenden haben", sind noch 52 % dafuer, 25% dagegen und 23 % "haben keine Meinung".
Interessant finde ich, dass bei der Frage, ob Terroristen mit Blut an den Haenden freigelassen werden sollten, die Prozentzahl derer enorm ansteigt, die keine Meinung haben.
Es ist ja auch keine leichte Entscheidung. Schliesslich haben wir immer Gilad, den jungen Mann und seine Eltern vor Augen.
Gesagt werden sollte aber auch, dass es Menschen gibt, die Angehoerige durch einen Terroranschlag verloren haben, und dennoch dem "Deal" zustimmen.
So eine junge Frau, die ihren Vater beim Terroranschlag 2003 im "Cafe Hillel" in Jerusalem verlor.
Sie schrieb einen Brief an die Regierung, dass sie sogar zustimmen wuerde, die Moerder ihres Vaters auf freien Fuss zu setzen im Gegenzug zur Befreiung von Gilad.
"...Mein Vater wird nicht mehr zurueckkommen.Gilad Shalit lebt und wir muessen ihn zurueck nach Hause holen!"

"Shalit Deal" - dafuer oder dagegen?

Die Radios laufen sich heiss mit Sendungen, die zum Inhalt haben, den Hoerer nach seiner Meinung zum "Shalit-Deal" zu befragen. Zurzeit hoert es sich so an, als sei ein nicht geringer Teil der Bevoelkerung gegen den "Deal".
Es ist schwierig, sich von den Emotionen zu loesen, die der seit 3 Jahren in der Gefangenschaft der Hamas sitzende Gilad wohl in jedem von uns ausloest. Auch und gerade mit den Eltern kann man sich sofort identifizieren. Was fuer eine Hoelle, das Kind ueber eine so lange Zeit in den Klauen der Terroristen zu wissen. Wie lebt er? Hat er Hunger? Muss er frieren? Wie behandelt man ihn? Was denkt und fuehlt er wohl nach einem Jahr, zwei Jahren, drei Jahren? Was fuer eine Art Beziehung hat er mit denen, die ihn versorgen, ihm Essen bringen, ihn "bewachen" muessen? Mich interessiert auch diese psychologische Komponente der Entfuehrung, denn es ist erwiesen, dass Entfuehrungsopfer sich nicht selten mit den Entfuehrern - oder mit einem Teil von ihnen - identifizieren koennen.
Seit drei Jahren ist der "Alltag" fuer Gilad ein anderer, wir koennen uns das auch mit groesster Anstrengung nicht vorstellen.

Der andere Aspekt des Deals ist der Preis, den Israel zahlen wird, um Gilad freizubekommen. Die, die freigelassen werden, werden Terroristen sein, die den Tod vieler Menschen auf dem Gewissen haben, brutal geplant. Ich habe gestern mit einer Freundin ein Buch angeschaut und die Bilder noch einmal angesehen, von einigen der Anschlaege in Jerusalem. Die Terroristen kamen nicht selten mit vielen Kilogramm Sprengstoff, die Bomben enthielten tausende von Naegeln, die sich dann bei der Explosion in der Koerper, den Kopf der Opfer bohrten, die Opfer sind teilweise lebendig auf ihren Sitzen in Autobussen verbrannt. Die Taeter hat nicht interessiert, ob sie Frauen, Saeuglinge oder Kinder treffen, nein, auch das war bewusst geplant, nicht nur in Kauf genommen.
Diese Menschen sollen nun freikommen. Zumindest ein Teil von ihnen. Der Effekt ist jetzt schon vorauszusehen. Es ist effektiv, israelische Soldaten zu entfuehren, denn Israel wird grosse Opfer bringen, um sie freizubekommen.
Dieses Fazit, was die Hamas zweifellos ziehen wird, kann und wird sehr gefaehrlich sein fuer die Zukunft aller, besonders der israelischen Soldaten.
Kann man es denen verdenken, die in diesem Fall gegen den "Deal" sind?

Dienstag, 24. November 2009

Shlomo Artzi wird 60!

.... und ich - dachte ich doch, ich bin schon recht alt - habe noch etwas Zeit, bis ich sein Alter erreiche. Wo ich wohl sein werde, wenn ich 60 bin? Wo werde ich wohnen, wo arbeiten? Bin ich gesund mit 60 und kann ueberhaupt arbeiten? Habe ich Israel hinter mir und abgehakt oder mich hier eingelebt?
Um noch einmal auf Shlomo zurueck zu kommen, auch wenn viele ihn und seine Musik nicht moegen, mir hat er einige leichte Stunden bereitet mit seiner Musik, die mir immer ein Gefuehl von Freiheit, Leichtigkeit und purem Leben vermittelt hat. Begleitet von seiner Musik bin ich in den Norden Israels gefahren, und habe in Deutschland wehmuetig an die sonnigen Tage dort gedacht.
HIER koennt ihr eine Kostprobe hoeren und auch HIER
Ich sage: Mazal tov, Shlomo und ad mea veEsrim! Bis 120!
Danke fuer das Lebensgefuehl in deinen Songs!

Montag, 23. November 2009

Terroristen bald auf freiem Fuss

Die letzten Schlagzeilen reden immer wieder vom "Shalit-Deal", der in den naechsten Tagen, mit Hilfe eines deutschen Vermittlers, stattfinden soll. Vieles findet hinter den Kulissen statt, wir erfahren nicht viel, ausser, dass es eine neue Liste von Gefangenen geben soll, die die Hamas praesentiert. Diese sollen im Gegenzug fuer die Freilassung von Gilad (irgendwie glaubt man schon gar nicht mehr daran, dass er wirklich bald bei seinen Eltern ankommen koennte....) aus den israelischen Gefaengnissen freigelassen werden. Sie freuen sich auf ihre Freilassung. Es sind unter anderem Menschen, die schwere Terroranschlaege in Israel veruebt haben.
Falls sie freikommen, werden sie sich unbehelligt neue Anschlaege ausdenken und planen koennen, die unser Leben und unseren Alltag bedrohen. Kein schoener Gedanken, auch wenn ich mir wirklich wuensche, dass Gilad endlich freikommt. Es wird - besonders in Kriegszeiten - immer sehr viel ueber die "Auge um Auge"-Mentalitaet der Israelis gesprochen (besonders in Deutschland kann man diesen Vorwurf hoeren...). Hoffentlich wird auch darueber berichtet, wieviele Gefangene denn am Ende fuer einen entfuehrten Soldaten in die Freiheit gehen. Muss der Deal nicht auch fuer die Palaestinenser seltsam anmuten? Ist ein israelisches Menschenleben so viel wert wie 70, 100, 300, 500 Leben der Palaestinenser?

Laestige Spam-Kommentare

In der letzten Zeit bekomme ich fast taeglich ueber die Kommentarfunktion franzoesische oder englische Kauderwelschkommentare, mit Links zu irgendwelchen Seiten. Eines taucht immer wieder auf: Viagra. Ich finde es ziemlich nervig und loesche sie natuerlich sofort. Hat jemand eine andere Idee, wie ich das von vornherein verhindern kann? Der Absender ist selbstverstaendlich Anonym. Vielleicht sollte ich die Anonym-moeglichkeit ausschalten.

Sonntag, 22. November 2009

Deutsches Diplom in Israel

Seit Monaten, also bereits weit vor meiner Einreise nach Israel, stehe ich im Kontakt mit dem Ministry of Social Affairs. Es gibt dort eine Abteilung, die fuer die Anerkennung auslaendischer Diplom-abschluesse zustaendig ist. Um "keine Zeit zu verlieren" hatte ich aus Deutschland zunaechst per e-mail mit der zustaendigen Sachbearbeiterin Kontakt aufgenommen. Sie hatte mir geschrieben, dass einige Dokumente eingereicht werden muessen, und ich mich entscheiden soll, ob ich das von Deutschland aus machen will oder erst in Israel diesen Prozess beginnen will. Damit ich noch die Moeglichkeit habe, erforderliche Dokumente persoenlich bei der Fachuni abzuholen, bat ich darum, den Prozess bereits in Deutschland zu beginnen. Sie versprach mir, eine Akte fuer mich anzulegen und mir mitzuteilen, was benoetigt wird. Zunaechst hiess es, ich benoetige eine Beschreibung des Diploms mindestens in englischer Uebersetzung. Bei der Fachuni haendigte man mir ein sogenanntes "Diploma Supplement" aus, was inzwischen jeder Absolvent ungefragt bekommt. Es ist ein Anhang zum Diplom in englischer Sprache, was in der EU anerkannt ist.
Ich schickte ihr dieses Dokument, zusammen mit einer hebraeischen Uebersetzung meines Diplomzeugnisses. Ich hatte es vom Ergun Jotzei Mercaz Europa schon ein halbes Jahr vorher uebersetzen lassen.
Ich bekam die Antwort es fehle ein "Tochnit Limudim" eine Art Lehrplan, welche Pflichtfaecher ich belegt habe, und mit welcher Stundenzahl.
Das gab es nicht bei der Fachuni, sondern lediglich ein Lehrplan, der aussagt, was zu dieser Zeit - vor 11 Jahren - belegt werden musste.
Ich schickte dieses Dokument per Post, da es mehr als 10 Seiten umfasste, mit der Frage, ob dies ausreicht oder ob ich die gesamten 10 Seiten uebersetzten muss.
Darauf bekam ich keine Antwort mehr, genauso wenig wie auf unzaehlige Nachfragen per e-mail oder per Post.
Es schien keine Kontakt mehr zu geben.
Nun habe ich mich zum wer-weiss-wie-vielten Male an die Sachbearbeiterin gewendet, und habe mich heute auch persoenlich auf den Weg gemacht, da gibt es ploetzlich wieder ein Lebenszeichen.
Ich war heute dort, und erfuhr, dass ich unbedingt eine Bescheinigung der Fachuni benoetige ueber die Anzahl der Stunden, die ich in Praktika taetig war waehrend des Studiums.
Haette ich das vorher gewusst, haette ich mich schon von Deutschland aus darum kuemmern koennen.
So bin ich nicht einmal sicher, dass ich solch eine Bescheinigung bekomme. Ich muss den Lehrplan zum Teil uebersetzen, genau gesagt den Teil, den ich belegt habe.
Das alles bis zum 17. Dezember, da sich an diesem Tag ein Gremium trifft, was nur alle 3 Monate zusammenkommt, und ueber die Antraege auf Anerkennung entscheidet.
Ehrlich gesagt - viel Hoffnung habe ich nicht in dieser Hinsicht.

Mein Krankenschwestern-examen ist auch kaum noch etwas wert, 1. weil ich seit 10 Jahren nicht mehr als Krankenschwester gearbeitet habe, und 2. weil ich die erforderlichen Dokumente fuer eine Anerkennung auf keinen Fall mehr bekomme. Meine Nachfrage in Deutschland ergab, dass es ueber ein Examen, was 30 Jahre her ist, keinerlei Lehrplaene mehr gibt.

Freitag, 20. November 2009

Shabbat Shalom - שבת שלום מירושלים


















Aus dem sonnigen, wieder etwas waermeren Jerusalem wuensche ich allen juedischen Lesern Shabbat shalom und den anderen ein gutes erholsames Wochenende.

Donnerstag, 19. November 2009

Idan Raichel

Am 19. Dezember wird Idan Raichel mit seinem Projekt hier im Jerusalemer Theatron auftreten. Wenn ich es schaffe, werde ich mir eine Karte besorgen. Ich bin schon sehr lange ein grosser Fan von ihm und seinem sehr vielseitigen Projekt.
Wer mag, kann sich HIER eine Kostprobe ansehen.
Oder HIER noch ein Stueck. Und HIER.

Mein Alyiatagebuch in der "Jüdischen Zeitung"

Heute habe ich von der Jüdischen Zeitung die November-Ausgabe der seit Oktober in Deutschland wieder monatlich erscheinenden Zeitung per Post erhalten. Dort ist der erste Artikel meines "Alyia-tagebuchs" enthalten. Jeden Monat wird es nun ein Update meiner ersten Eindruecke und Erlebnisse in Israel geben. Da ich dort nicht soviel Platz zur Verfuegung habe, wird es auf meinem Blog weiterhin ausfuehrlichere Berichte geben.
Leider ist die Internetpraesenz der Novemberausgabe um einiges verzoegert, so dass ich mir erst heute den Artikel ansehen konnte.

Mein soziales Netz...

...weitet sich aus. Heute habe ich eine Frau aus Deutschland getroffen, die seit mehr als 20 Jahren hier in Israel lebt. Den Kontakt hat mir ein Mann vorgeschlagen, den ich durch einen anderen Mann aus der Gemeinde kenne. Ihm wiederum wurde ich von einer Frau vorgestellt, die mir von einer anderen Frau vorgestellt wurde.
Kompliziert?
Nein, auesserst wichtig. Nur mit einem moeglichst weit verzweigten sozialen Netz kann ein Einstieg in die israelische Gesellschaft gelingen. So schaetze ich die Lage ein, was mir auch von einigen Einheimischen bestaetigt wurde, die durch Freunde oder Bekannte z.B. ihre Arbeit gefunden hatten oder bessere Chancen hatten, eine Wohnung zu bekommen.

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine Jahreskarte bei der Cinemateque geleistet. Ich habe noch einen Preisnachlass fuer Neueinwanderer bekommen, so dass ich nur 235 NIS zahlen musste. ( ca. 42 EUR)
So werde ich auch im Laufe der Zeit etwas Kultur mitbekommen. Weiter habe ich jetzt erst die Zeitung "Israel hajom" (Israel heute) entdeckt, die UMSONST verteilt wird. Das ist wunderbar, nachdem ich schon oft 5 NIS fuer eine Tageszeitung wie "Jediot Acharonot" oder "Maariv" ausgegeben habe.

Durch einen Bekannten erfuhr ich auch, dass man jeden Montag im Theatron Jerusalem Kammermusik erleben kann, ohne etwas zu zahlen.
Und - ich warte immer noch sehr ungeduldig auf meinen Fernsehanschluss. Auch mit relativen "Schund-serien" oder "Israel sucht den Superstar" kann man Sprache lernen. Ausserdem macht es mehr Spass.
Bei den Einzelheiten des Vertrages ist mir die Schwester eines Freundes behilflich. Daher werde ich mich noch in Geduld ueben muessen.

Mittwoch, 18. November 2009

Tel Aviv und IZI-flow

Wow! Ich bin noch ganz aufgekratzt vom Tag. Meinen Ulpan habe ich heute geschwaenzt, dafuer gab es eine andere Art des Sprachkurses. Ein guter Freund von mir hat in Tel Aviv auf der Messe sein Produkt vorgestellt. Ihn habe ich besucht, und ich haette nicht gedacht, dass ich sogar ein wenig hilfreich sein kann. Eine Zeitlang habe ich neben ihm gestanden, wenn er interessierten Kunden sein Produkt vorstellte, schnell aber tummelten sich die, die Wasser sparen wollen um den Messestand, so dass ich gefragt wurde. Nach kurzem Zoegern habe ich einfach drauflos geredet. Es hat geklappt und sogar richtig Spass gemacht. Bei der Gelegenheit moechte ich auch hier noch einmal auf sein Produkt aufmerksam machen, ein Ventil, das vollstaendig mechanisch funktioniert (was sogar die Datiim (die religioesen Messebesucher) unter Gesichtspunkten des "Shomer shabbat" anlockte!), die gewuenschte Wassermenge per Pedal punktgenau durchlaesst und zu jedem bestehenden Wasserhahn montiert werden kann. Dazu ist es sehr preiswert und sozusagen wartungsfrei. In punkto Hygiene sei gesagt, dass es handfrei zu bedienen ist. Fuer interessierte Wassersparfuechse (die werden wohl nicht in Deutschland, sondern mehr in Israel zu finden sein) HIER der Link zu seiner Seite.
Mit vielen Menschen konnte ich sprechen, die meisten waren interessiert und humorvoll. Und ich habe gedacht, wie wundervoll es waere, wenn ich solch einen Job bekaeme. Ich liebe die Sprache und was fuer ein Gewinn muesste es sein, jeden Tag sprechen zu MUESSEN. In "null-komma-nichts" koennte man so ein Level erreichen, fuer das man sonst Jahre braeuchte.

Und Tel Aviv - was soll ich sagen? Der Grenzgaenger hat es ja schon mehrfach gesagt, es sind einfach verschiedene Welten. Und - wow! Tel Aviv ist immer ein Erlebnis. Manche, die meinen Blog verfolgen werden jetzt anmerken: Aber vor nicht langer Zeit hat sie sich noch gewehrt, dort zu wohnen....?
Richtig. Dort zu wohnen, kann ich mir (zurzeit) nicht vorstellen. Aber ich liebe es, dorthin zu fahren, die Luft, das Licht der Sonne, die Temperatur, ja sogar das Lebensgefuehl ist voellig anders als in Jerusalem, fuer mich nicht besser oder schlechter, einfach anders.
Aber dann - auf dem Weg hinauf nach Jerusalem - freue ich mich wie ein kleines Kind, nach Hause zu kommen.
Im Vergleich mit Tel Aviv komme ich dann in ein gewisse vertraute Beschaulichkeit, die mir gut tut.

Dienstag, 17. November 2009

Der Muezzin

Heute nacht habe ich zum ersten Mal in dieser Gegend den Muezzin gehoert. Ich habe keine Ahnung, woher die Stimme kam. Was man wahrnimmt, haengt sehr davon ab, wie der Wind steht.
Da ich den Ruf nur von Weitem hoerte, hat er mich nicht gestoert und in der Regel finde ich, dass sowohl der Muezzin, als auch das Laeuten der Kirchenglocken zur Jerusalemer "Szenerie" dazu gehoert. (ich muss zugeben, dass ich nicht direkt neben einer Moschee wohnen moechte. Jede Nacht durch einen derart durchdringenden Gesang geweckt zu werden, noch dazu sehr frueh, waere nicht nach meinem Geschmack). Von weitem aber hat es durchaus etwas, was Jerusalem ausmacht.
Hier trifft alles aufeinander. Hier lebt der Christ und der Moslem "neben" dem Juden. Sie leben kein Miteinander, aber die meiste Zeit der 365 Tage des Jahres doch ohne grosse Vorkommnisse ein Nebeneinander.
Wer mehr erwartet, wird enttaeuscht. Aber - muss es denn unbedingt ein "Miteinander" geben?
Ich finde, bei all den wirklich grundlegenden Unterschieden der Religionen ist ein relativ friedliches "Nebeneinander" schon fast ein kleines Wunder.
Niemand aber nimmt das wahr. Niemand beachtet das kleine Jerusalem in seiner Multi-kulti-kunst, es sei denn, es passiert mal wieder ein schreckliches Ereignis. Dann jedoch ruft alle Welt, wie aus einem Mund: Jerusalem! Wie kann man dort ueberhaupt leben?

Anna Ticho Haus


Das "Anna-Ticho-Haus" ist heute ein bekanntes Gartenrestaurant in Jerusalem. Dort finden kulturelle Veranstaltungen statt und im Haus befindet sich eine Ausstellung der Werke von Anna Ticho.
Anna Ticho, Kuenstlerin und Frau von Dr. Albert Awraham Ticho, einem beruehmten Augenarzt in Jerusalem, eroeffneten in diesem Haus eine Augenklinik, die fuer reich und arm gleichermassen offenstand.
Anna studierte Kunst in Wien, Awraham Augenmedizin. Als beide 1912 nach Jerusalem kamen, heirateten sie.
Anna und Awraham waren aktiv am sozialen und kuenstlerischen Leben Jerusalems beteiligt.

Das Haus von Rav Kook


















































Abraham Isaac Kook war der erste ashkenasische Oberrabbiner waehrend des Britischen Mandates ueber Palaestina, Gruender der zionistischen Jeshiwa "Mercaz haRav", (dort hat "mein" Rabbiner gelernt) Halachist, Kabbalist.... alles in Kuerze HIER nachzulesen.


Ein Video ueber Rav Kooks Biographie koennt ihr HIER ansehen.

Museum of Psalms





















































































Einer meiner Lieblingsorte ist das "Psalm-museum" im Kellergeschoss des Hauses von Rav Kook.
Dort findet man eine Ausstellung, die ihresgleichen sucht.
Der Kuenstler, Moshe Zwi Berger, geboren in Transsilvanien hat vor 20 Jahren als Zahnmediziner angefangen, in Rom und Paris Kunst zu studieren. Er hat sein Vorhaben, alle Psalmen - es sind hundertfuenfzig! - bildlich darzustellen in 16 Jahren umgesetzt. Laut eigenen Aussagen "benutzt er nur die Farben des Regenbogens und jede Farbe hat ihre Bedeutung auf der Basis des Hauptwerkes der Kabbala, des Sohar.
2005 habe ich ihn persoenlich kennenlernen duerfen und seine Erklaerungen zu den Werken waren faszinierend.
Er hatte enge Verbindung zur Chabad-Gemeinde in Amerika.
Moshe Zwi ist vor 12 Jahren nach Israel eingewandert.

























Ohne Worte

Montag, 16. November 2009

Die neue Waermflasche..

...wird heute zum Einsatz kommen. Es ist ziemlich kalt geworden, besonders am Abend und in der Nacht.
Da ich meine Stromkosten noch gar nicht einschaetzen kann, werde ich mit dem Anstellen der Heizung noch eine Weile warten. Was soll denn erst in den Wintermonaten Januar und Februar werden?......

Fernsehspende fuer mich


















Mein Fernseher ist da. Ich habe ihn geschenkt bekommen und bin nun ehrlich gesagt auch etwas "auf Entzug". Leider kann ich immer noch nichts anschauen, da kein Anschluss im Zimmer ist.
Ich hoffe sehr, dass es nicht allzu viel kostet, einen zu legen.
Zurzeit pruefe ich die Angebote von HOT. Ich werde wohl das Triple - paket mit Telefon, Internet und Fernsehen nehmen.
Es wird ca. 55 EUR umgerechnet pro Monat kosten.

"Alles wieder in Ordnung, Bubale!"

Buba heisst Puppe. Nun, Bubale ist etwas skeptisch gewesen, aber anscheinend ist der Schaden behoben. Wenn auch noch ab und zu aus einer Stelle ein Tropfen kommt, der eventuell - wie ich hoffe - noch vom Rest kommen koennte, der sich unter der Umwicklung der Leitung gestaut hat, so ist das doch schon eine enorme Verbesserung meiner Lage von gestern.
Einige Menschen hier aus Israel hatten mir schon versichert, dass es keinesfalls meine deutsche Mentalitaet ist, die ueber solche Vorkommnisse besorgt ist.
Auch hier in Israel meinen die meisten, diese Art von Schaden muss moeglichst sofort behoben werden. Manche schuettelten sogar den Kopf und sagten, so etwas haetten sie ja ueberhaupt noch nie gehoert, dass man nicht stehenden Fusses fuer Abhilfe sorgt.
Ich wollte aber auch nicht gleich einen Streit mit der Vermieterin vom Zaun brechen, schliesslich muessen wir miteinander auskommen und wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, moechte ich es im "Guten" versuchen.

Sonntag, 15. November 2009

Nach 4 Tagen tropft es immer noch - nun an drei Stellen

Die Vermieterin weiss Bescheid, es tropft nun nicht nur an zwei Stellen aus der Wasserleitung, sondern an drei. Dort, wo meine Mini-garderobe ist, meine Lederjacke hing, ein paar Buecher auf einem Mini-regal standen ist nun alles nass. Meine kleine Lederausgabe der Tora - nass und wohl zerstoert. Ein Englischwoerterbuch - komplett nass und kaputt, meine Jacke - nass.
Und das Schlimmste ist - es ist keine Abhilfe in Aussicht und es scheint bereits von der Leitung in die Wand zu laufen, da ein grosser Wasserfleck an der Wand ist. Also ist bald auch ihre Wand zerstoert.
Sie ist hilflos, die Vermieterin, man sieht es ihr an. Da die Nachbarin ueber mir nicht zuhause ist, koennen wir auch nichts machen. So ihr Statement.
Was aber, wenn die gute Nachbarin fuer mehrere Wochen im Urlaub ist? Da bin ich wieder mit meiner "deutschen Mentalitaet" sehr ueberrascht, da es ja schliesslich im Sinne der Vermieterin sein muesste, dass ihre Waende nicht Tag fuer Tag, Nacht fuer Nacht nasser und nasser werden.
Ich kann auch an dieser Stelle nicht noch einen Topf unterstellen, denn es ist zu nahe an der Wand, so dass das Wasser nicht aufgefangen wuerde.
Ich muss nicht betonen, dass das Leck genau neben der Stromleitung liegt.....

Samstag, 14. November 2009

Shabbat voller angenehmer Menschen

Gleich zwei spontane Einladungen zum Shabbat, am Freitag abend und Shabbat mittag, enorm spannende Geschichten und wahrhaft menschliche Menschen. Meine "Bilanz" von diesem Shabbat ist nur positiv.
Am Freitag abend war ich von der Tochter meiner aelteren Dame Sharon eingeladen, um die ganze Familie kennen zu lernen. Es war nicht klar, ob ich kommen kann, denn es hatte am nachmittag mehrfach heftige kurze Regenschauer gegeben. Das Essen fand beim Enkel der alten Dame statt, ein Fussweg von ca. 20 Minuten.
Dann war es doch trocken, und obwohl ich ziemlich muede war von der Woche, zwang ich mich, hinzugehen.
Ich haette auch einiges verpasst, waere ich zu Hause geblieben.
Die spannendste Geschichte, worueber ich am meisten nachgedacht habe, war die des Enkels. Seine Mutter hatte mir schon vor einiger Zeit erzaehlt, dass er saekular aufgewachsen war und ploetzlich Choser beTshuva wurde (ein Jude, der ploetzlich sein Judentum entdeckt und beginnt, religioes zu leben, gemaess der Halacha). Die Mutter sah sich gezwungen, seinetwegen den ganzen Haushalt umzukrempeln, von unkosher auf kosher, um zu verhindern, dass er von nun an nie wieder im Elternhaus essen wuerde.
Er hat schliesslich eine sehr religioese Frau geheiratet, und sie haben seit zwei Monaten ein Baby.
So, wie ich die Familie zusammen erlebt habe, kann ich nur sagen, sie haben es anscheinend hervorragend gemeistert. Es kann doch nicht einfach sein, wenn der Sohn ploetzlich mit Kippa herumlaeuft, nur noch kosher isst und am Shabbat nicht mehr telefonisch zu erreichen ist.
Diese Familie schien es mit viel Toleranz (von beiden Seiten!) und liebevollem Zusammenhalt zu schaffen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Die Oma, meine demenzkranke Sharon, war mitten im Geschehen und stellte natuerlich mindestens 20 mal an diesem Abend die Frage, wann das Urenkelkind geboren sei. "September, Oma!"
Es war ein ruehrendes Bild, diese Familie mit all ihren Besonderheiten zu erleben. Ich muss gestehen, dass ich mich etwas geschaemt habe, es nie geschafft zu haben, in meiner Familie Kinder, Oma und Schwester so zu vereinen, dass ein Zusammentreffen zumindest ab und zu moeglich war.

Auch heute mittag wieder war ich mit angenehmen Menschen zusammen, die sich nicht daran stoeren, ob jemand konvertiert ist oder nicht. Die Gastgeberin hatte mich vor 2 Wochen in der Gemeinde kennen gelernt und erzaehlt, sie habe sich schon den Kopf zerbrochen wie sie mit mir in Kontakt treten koenne. Nun sahen wir uns im G-ttesdienst wieder und sofort lud sie mich zu sich ein.
Sie selbst ist vor einer Ewigkeit aus Amerika eingewandert. Die anderen Gaeste waren zum Teil in Israel geboren oder auch urspruenglich aus Amerika.
Neulich hat mich jemand gefragt, wie die Menschen hier auf mich reagieren. Ob sie mich spueren lassen, dass ich "die Deutsche" oder "die Konvertitin" sei.
Ich kann nur vom Augenblick sprechen, und es mag sein, dass sich alles noch aendern kann aber bisher habe ich mich in keinem Moment als Deutsche oder als Konvertitin unwohl oder gar unerwuenscht gefuehlt.
Sicher liegt es aber auch daran, dass ich die Menschen, die damit Probleme haben, niemals naeher kennen lernen werde, einfach weil sie den Kontakt zu mir nicht suchen werden.
Israel ist aber auch ein Land voller Einwanderer. Aus Spanien, Frankreich, Amerika, Deutschland und Russland kommen die Menschen die hier wohnen, manchmal schon sehr lange. Viele koennen sich noch an ihre holperigen Immigrationsversuche erinnern, wissen, wie man sich als Neueinwanderer fuehlen muss und versuchen alles, es dem neu eingewanderten Menschen leichter zu machen. Dafuer bin ich sehr dankbar.

Freitag, 13. November 2009

Shabbat Shalom


















Es ist fast einen Monat her, dass ich hier in Israel ankam, voller Unsicherheiten, innerer Zweifel und Aengsten, ob ich in meinem Alter es schaffen werde, hier Fuss zu fassen.
Aber auch mit einem Wegweiser in der Seele. Ich wuerde es versuchen. Es war wie ein inneres GPS, was mich hierher dirigierte.
Die Unsicherheiten gibt es noch in mir - wie koennten sie auch in so kurzer Zeit vergehen? Aber die Aengste sind zugunsten einer Ruhe gewichen, die schwer erklaerbar ist.
Nicht einmal ein Bruchteil der Integration und der Eingewoehnung liegt hinter mir, und doch bin ich fest davon ueberzeugt, dass diese allererste Zeit ueberaus wichtig ist, um einen kleinen Grundstein zu legen.
Das, was ich bisher erreicht habe, eine winzige Ein-Zimmer-wohnung fuer mich allein, in der ich mich wohlfuehle und in die ich gern abends heimkomme, 14 Stunden Arbeit in der Woche, die ich nicht einmal als Arbeit empfinde und die es mir ermoeglicht, nicht ausschliesslich von Ersparnissen zu leben, eine Tages-und Wochenstruktur, die mir Halt und Sicherheit und einen Hauch von Alltagsgefuehl in Jerusalem gibt, zweimal in der Woche ein Ulpan (Sprachkurs) und die woechentliche Paraschat haShavua in der Synagoge von Benni Lau, all das ist nicht wenig und traegt sehr zu einem Gefuehl des "angekommen seins" bei, was sich wohlig in meinem Inneren ausbreitet.
Aber was heisst eigentlich "erreicht haben"?
Ich bin mir sicher, dass wir nichts erreichen aus unserer eigenen Kraft. Die Kraft, weiterzumachen, zu suchen, organisieren, sie ist uns von hoeherer Stelle geschenkt worden, um sie dann sinnvoll umzusetzen.
Ich bedanke mich fuer diese ersten Wochen, in denen ich sehr viel Unterstuetzung bekam, manche Dinge sich fast wie "durch Zufall" entwickelt haben und viele kleine Wunder geschahen, die es mir moeglich machen, in einer inneren Ruhe weiterzumachen.
Der Shabbat ist unser Bund mit G-tt. Er ist uns geschenkt worden, um innezuhalten, um eine Bilanz zu ziehen und uns, falls es in der Hektik der Woche in den Hintergrund getreten sein sollte, wieder dem zuzuwenden, der uns all dies ermoeglicht hat, der uns unsere Begabungen geschenkt hat, all die Dinge zu erreichen, die uns wichtig sind.
Es ist nicht etwa ein Tag, der verloren ist, weil wir nichts "produktives" leisten koennen, sondern ein Tag, der durch die Beschaeftigung mit geistigen Werten neue Kraft gibt, die Kraft, weiterzumachen mit G-ttes Hilfe.
Shabbat Shalom aus Jerusalem, der Stadt auf dem Berge!

Donnerstag, 12. November 2009

Es tropft......


















Irgendetwas scheint undicht zu sein. Ich kam gestern nach Hause und entdeckte zwei Wasserflecken am Eingang zum "Wohnschlafraum". Gleichzeitig war wieder draussen vor dem Fenster das Tropfgeraeusch zu hoeren, was ich bereits in der Nacht wahrgenommen hatte.
Nach weiterem Forschen sah ich, dass es aus einer Leitung, die durch den Flur fuehrt, tropft. Meine Vermieterin war leider nicht da. Ein Nachbar, der gerade vorbeiging, meinte, es sei entweder die Leitung der Heizung oder die der Klimaanlage. Damit konnte ich nicht viel anfangen. Da sich aber zu dieser abendlichen Stunde eh niemand mehr darum kuemmern wuerde, stellte ich nun zwei Schalen unter die tropfenden Stellen und war (relativ) beruhigt, dass nach ein paar Stunden nicht sehr viel Wasser aufgefangen war.
Eines beunruhigt meine deutsche Mentalitaet dennoch immer wieder. Es ist die Tatsache, dass in vielen Wohnungen - so auch in meiner an zwei Stellen - Stromleitungen und Wasserleitungen froehlich nebeneinander existieren, ueber Putz!
Nun hat sich heute morgen meine Vermieterin die Sache angesehen, und wird sich darum kuemmern. Da ich eventuell bis morgen Freunde in Haifa besuchen werde, bin ich gespannt, ob die Ursache in meiner Abwesenheit behoben wird.

Mittwoch, 11. November 2009

Ben - Yehuda - Street


















Sie ist die Haupt-einkaufsmeile in Jerusalem, und jeder Tourist wird sie kennen. Dort sitze ich manchmal, bevor ich zur Arbeit gehe. Wenn ich noch etwas Zeit habe, kaufe ich mir eine Zeitung und setze mich dort in die Sonne fuer ein paar Minuten. Spaeter am Tag ist auf dieser Strasse wesentlich mehr Einkaufshektik.

Sonntag, 8. November 2009

Tagesstruktur oder "ich bin zufrieden"

Tagesstrukturen sind wichtig. Ein Vor-sich-hin-doesen sollte moeglichst nicht zu lange dauern in einem neuen Land.
Ich bin froh, ueber meine kleine Wochenstruktur, die ein paar Verpflichtungen beinhaltet. Fuenf Tage in der Woche bin ich morgens zwei Stunden bei Sharon, an zwei Tagen zwei zusaetzliche Stunden am nachmittag.
An zwei anderen Tagen bin ich nachmittags fuer je drei Stunden im Ulpan und an einem Abend zur Parashat HaShavua (ein Beitrag zum Wochenabschnitt) in der Synagoge nebenan.
Das bedeutet, an vier Tagen je vier bis fuenf Stunden verplante Zeit, an einem Tag nur zwei und am Freitag und Shabbat frei.
Das fuehlt sich gut an. Ich lebe nicht einfach in den Tag hinein, und dennoch bleibt noch ausreichend Zeit, um mich um eine Arbeit fuer die restlichen Stunden des Tages zu kuemmern.
Manchmal fahre ich abends mit dem Bus zurueck nach Hause, an anderen Abenden geniesse ich die laue Luft, den Jasminduft und die schoene Nachbarschaft zu Fuss.
Und - ich bin zufrieden.

"Warum denn hierher?.."

Es gibt Menschen, die muessen unbedingt das Gesicht verziehen, als haetten sie gerade in eine Zitrone gebissen, wenn sie hoeren, dass jemand aus Deutschland nach Israel eingewandert ist. Aufgefallen ist mir, dass die meisten dieser Menschen nicht religioes leben. Nur mal so nebenbei bemerkt.
Es scheint in ihren Augen einfach "nicht vernuenftig" zu sein. Was willst du in Israel? Was ist in Deutschland so schlimm? Falls du dich nicht wohl gefuehlt hast in deiner Stadt, gibt es doch genuegend Orte in Deutschland, wo es schoener ist....oder? Du wirst sicher - wie alle - schnell wieder zurueck gehen nach Deutschland.
Jeder darf seine Meinung zum Thema Einwandern nach Israel haben, jeder darf sie mir auch kundtun. Dann jedoch moege er schweigen und mich einfach leben lassen. Man muss mich nicht bewundern, aber bitte auch nicht verurteilen oder mir immer wieder deutlich machen, wie abwegig diese Entscheidung war. Aeussere ich mich in dieser Deutlichkeit ueber meine israelischen Mitmenschen, die sich danach sehnen, in Deutschland zu wohnen?
Jeder muss seinen Weg allein finden und ja, es kann sein, dass ich eines Tages hier stehe und sage: Israel war nicht mein Ding.
Dann werde ich erneut Entscheidungen treffen muessen, aber bis dahin - bitte lasst mich einfach vor mich hinleben, liebe israelische Mitbuerger.

Geschichten um die deutsche Staatsbuergerschaft

Ich habe nun einige sehr unterschiedliche Geschichten um die Beibehaltung, bzw. Wiedererlangung der deutschen Staatsbuergerschaft gehoert.
Unter anderem berichtet eine junge deutsche Frau, sie habe eine Arbeit in einem israelischen Orchester begonnen, als Violinistin. Sie sei ca vor drei Monaten eingewandert, habe das Dokument unterschrieben, worin man auf die israelische Staatsbuergerschaft (zunaechst) verzichtet um anschliessend einen Antrag bei der Deutschen Botschaft zu stellen, auf Beibehaltung der deutschen St.
Da man in diesem Antrag 1. seine bestehenden Beziehungen zu Deutschland ausfuehrlich darstellen muss, 2. begruenden sollte, warum man beabsichtigt, die israelische St. anzunehmen, hat sie fuer Punkt 2 ein Schreiben von ihrem Orchester bekommen, dass es fuer ihre Arbeit notwendig ist, die israelische St. zu haben. Bestehende Bindungen gibt es zur Familie in Deutschland. Ihr Antrag ist genehmigt worden.
Der zweite Fall stellt sich ganz anders dar, ist aber nicht weniger interessant. Diese Bekannte hat naemlich die israelische St. vor 3 Jahren angenommen und sofort die deutsche verloren.
Nun, ein paar Jahre spaeter hat sie den Antrag auf Wiedererlangung gestellt. Auch ihr Antrag ist bewilligt worden.

Hilfe von allen Seiten

Zurzeit kann ich mich nicht ueber mangelnde Hilfe beklagen. Ein wahrer Segen von Angeboten regnet auf mich herab.
Zunaechst einmal werde ich wohl ein Fernsehgeraet geschenkt bekommen, von der netten Studentin, in deren Wohnung ich die erste Zeit wohnen konnte. Da sie einen riesigen Fernseher hat, der wohl zu gross fuer meine kleine Ein-Zimmer-wohnung waere, hat sie ihren Bruder gefragt, ob er seinen kleinen gegen ihren grossen eintauschen moechte. Den kleinen wuerde ich dann bekommen.
Heute war ich mit ein paar Dokumenten, die ich fuer die Deutsche Botschaft benoetige im Irgun Jotzei Mercaz Europa (eine Organisation, die sich um eingewanderte Juden aus Deutschland und Westeuropa kuemmert), wo ich den Leiter schon seit Jahren kenne und immer einen Besuch abstatte. Oft hat er gute Ideen, so auch dieses Mal. Ich benoetige fuer diese Dokumente eine notarielle Beglaubigung und Y. wusste gleich Rat. Er schickte mich zu einem sehr entgegenkommenden Rechtsanwalt und Notar, der mir die Beglaubigungen glatt umsonst machte. Dafuer haben wir dann darueber gesprochen, wie man so verrueckt sein kann, nach Israel auszuwandern. Er selbst ist in Israel geboren, sein Vater aber und die Generationen davor, in Deutschland.
Es war ein lustiges, angenehmes Gespraech und er sagte mir, das, was ihn am meisten an der deutschen Mentalitaet stoert, ist der fehlende Humor.
Ansonsten liebt er Deutschland, faehrt oft dorthin um sich Opernauffuehrungen anzusehen.
Es kann sein, dass ich ein paar Schreibarbeiten in der Zukunft fuer ihn erledigen darf und mit ihm von Zeit zu Zeit deutsch sprechen werde, da er niemanden hat, der ihn verbessern koennte.
So faengt die Woche recht entspannt an. Ich werde gleich meinen Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft mit allen angeforderten Dokumenten zur Botschaft nach Tel Aviv schicken und dann darauf warten, einen Termin fuer ein persoenliches Gespraech dort zu bekommen.

Donnerstag, 5. November 2009

Wie gut, dass es den Shabbat gibt!

... gerade in der momentanen Situation ist er ein Segen, da er immer Innehalten und Ruhe beinhaltet. Es gibt an ihm nichts zu erreichen, oder nach etwas zu suchen. Im ganzen Wirrwarr des neuen Anfangs tut es unendlich gut, eine Pause zu haben, die wieder zur Spiritualitaet zurueckfuehrt. Schliesslich ist diese Spiritualitaet ein wichtiger Grund gewesen, hierher umzusiedeln.
Bei all der Buerokratie tritt das leider manchmal in den Hintergrund.
Aber ich spuere auch ein ruhiger werden. Langsam organisiere ich mich, lebe auch Alltag und freue mich einfach, hier zu sein. Was fuer ein Geschenk.
Ich weiss nicht, ob sich jemand vorstellen kann, wieviel Unsicherheit am Anfang im Kopf und im Herzen ist. Und wie wohltuend es ist, wenn man sich ein wenig organisiert hat, einen Fortschritt sieht und sich einrichtet in seinem neuen Leben. Ich weiss, dass noch lange nicht die schwierigste Phase der Integration ueberwunden ist, und dennoch spuere ich so langsam ein erstes Aufatmen. Falls man mit Unverstaendnis die Stirn runzelt bei meiner ganzen Aufregung moege man einen kurzen Augenblick Nachsicht ueben, denn - ich bin auch keine zwanzig mehr!

Sharon und ich

Sie ist gesundheitlich fit, immer freundlich, entgegenkommend und hoeflich, meine Sharon. (hier nenne ich sie Sharon, um ihren wahren Namen nicht preiszugeben). Sie hat eine Philippinin, die 24 Stunden mit ihr zusammen wohnt und sie lebt in einer recht schoenen Nachbarschaft. Demenz - in jedem Falle eine furchtbare Krankheit, besonders aber, wenn man sieht, wie intelligent und vielseitig interessiert sie einst gewesen sein muss. Ein Jammer! Ihre Buecher erzaehlen von einer Zeit geistiger Bluete.
Viele geschichtliche Werke ueber Jerusalems Strassen besitzt sie, Bildbaende und andere interessante Buecher.
Sie ruehrt mich sehr oft und ich habe sie bereits tief in mein Herz geschlossen. Sie erinnert sich nicht an meinen Namen, wenn ich in der Tuer stehe, freut sich aber und fragt am Sonntag, wo ich denn am Wochenende war.
Ein paar Zaehne fehlen ihr, und das faellt auf, wenn sie mit ihrer tiefen Stimme laut lacht. Meist ueber die Stellen, die ich schon kenne. Manchmal benutze ich die eingespielten Dialoge bewusst, um sie lachen zu sehen.
Jeder vierte Satz von ihr ist: "Aber ich bin beeindruckt von deinem Hebraeisch. Meine Guete, was sagen denn die Leute, wenn sie dich reden hoeren? Sicher fragen sie, ob du hier geboren bist, oder?"
Dann fragt sie noch einmal nach, wie lange ich im Land bin. Darauf folgt unser Dialog ueber "Mameloshen" (Muttersprache auf jiddisch. Mame= Mama, Loshen kommt von Lashon= Zunge oder Sprache).
Sie hat mir das Wort beigebracht. Gehoert hatte ich es schon, wusste aber nicht, was es bedeutet.
Und so weiss ich inzwischen schon, worueber sie am liebsten lacht.
Wir lesen Teile aus der Zeitung und sie kommentiert auf ihre eigene Art das Tagesgeschehen.
So reden wir entspannt und ich versuche vergeblich, sie Tag fuer Tag davon zu ueberzeugen, wie schoen es doch waere, wenn wir einen Spaziergang machen wuerden, einen Cafe im Strassencafe trinken. Nein, sie habe genug Bewegung, wenn sie tagtaeglich morgens zum Schwimmen geht, meint sie. (Ihre Tochter sagt, sei sei frueher tatsaechlich regelmaessig schwimmen gegangen, aber seit langem stimmt dies nicht mehr)
Schlimm wird es, wenn jemand anruft, der ihr eine Zeitung verkaufen will oder um eine Spende bittet fuer eine Organisation. Dann scheint es so, als wuerden ihr ihre eigenen Defizite auffallen und sie wird fahrig und nervoes, laeuft durch das Zimmer mit dem Telefon und sucht die Telefonnummer ihres Ehemannes, der seit Monaten tot ist. Fuer sie lebt er noch und jeden Tag fragt sie wo er ist. Mit der Tocher haben alle, die mit ihr umgehen eine Absprache, ihr zu sagen, er sei in Tel Aviv und kaeme morgen zurueck. Das ist die Antwort, die sie beruhigt.
Es tut fast weh, sie so zu erleben, wie sie ins Schleudern kommt und versucht, hoefliche Floskeln anzubringen und das Gegenueber nicht vor den Kopf zu stossen. Wahrscheinlich versucht sie auch ihr eigenes "Vergessen" so zu ueberspielen.

Heute hat ihre Tochter es geschafft, sie zum Friseur zu bringen. Dort habe ich sie dann abgeloest und darauf gewartet, dass sie fertig wurde. Sie hat den Laden wirklich unterhalten, leider hatten die Menschen dort nicht ganz so viel Humor fuer sie. Spaeter sind wir eingehakt zu ihr nach Hause gegangen und leider war sie auch dieses Mal nicht zu einem Cafe in der Sonne zu ueberreden.
Wenn ich mich verabschiede, gibt es auch eine Art Ritual. Jedes Mal sagt sie, sie muesse sich unbedingt meine Adresse und Telefonnummer aufschreiben und nun steht in der ganzen Wohnung sicher schon 10 mal wo ich wohne.
Warum sie mein Herz ruehrt, kann ich nicht sagen, aber sie hat ein ganz besonderes Wesen, was es sehr leicht macht, mit ihr umzugehen. Aber das ist es nicht nur...

Post und Haushaltskleinkram

Wie oft werde ich noch Dinge kaufen wie Eimer, Putzlappen, Hammer und Naegel? Bald bin ich relativ gut ausgestattet, was die Basiseinkaeufe betrifft.
Wie schoen ist es, wenn man den Briefkasten oeffnet und es flattert wieder eine Karte auf den Boden? Danke Moenlein!
Hier hat Post wieder eine ganz wichtige Bedeutung. Es ist die Verbindung zu den Lieben.

Montag, 2. November 2009

Arbeitssuche vom Tag

Heute morgen war ich auf Arbeitssuche. Beim Goethe-Institut, bei einem Frauentreff, bei einem Hotel, bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, einem kleinen Geschaeft, und bei Yad Vashem, wo man mir zwar keine Arbeit anbieten konnte, da man im Moment rumaenische, englische und russische Muttersprachler sucht, ich aber meinen Lebenslauf schicken sollte, da doch oft in verschiedenen Abteilungen neue Mitarbeiter gesucht werden.

Ein Ulpan wie fuer mich gemacht!

Wie froh bin ich. Hatte ich mich doch schon darauf eingerichtet, in einen gaehnend langweiligen Ulpan zu kommen, und war mir sogar vom Misrad haKlita von einem Abendkurs, der nur zweimal die Woche stattfindet, abgeraten worden, mit den Worten: "Da sind nur Aeltere...", war ich doch umso mehr ueberrascht, wie passend das alles fuer mich war.
Zunaechst musste ich mich im Sekretariat vorstellen und die zustaendige Dame schickte mich in Kita Gimel.
Und dort kam ich in eine Klasse mit nur ca. 16 Leuten, alle sehr motiviert und konzentriert, aus Kanada, Amerika, England, Frankreich, Aethiopien und Deutschland. Die anderen sind ueberwiegend schon mehr als ein bis zwei Jahre zusammen in dieser Klasse. Die Lehrerin ist eine Bereicherung und hat viel Abwechslung in ihren Unterricht eingebaut. Wir machen Grammatik, unterhalten uns viel ueber ein Thema der Woche, hoeren anschliessend einen Teil der Nachrichten vom Tage vom Band und nehmen die Saetze auseinander. Und das Wichtigste - ich bin wirklich gefordert. Keine Spur von Langeweile, aber auch keine enorme Ueberforderung. Das Mass ist tatsaechlich passend.
Das ist wesentlich mehr, als ich von diesem Kurs erwartet hatte und ich glaube ich werde dort eine ganze Menge lernen.
Nebenbei habe ich eine junge Frau kennengelernt, die aus Deutschland kommt. Sie ist 27 Jahre alt und war bereits mit 13 Jahren mit ihrer Familie von Russland nach Deutschland eingewandert. Mit ihr habe ich mich gut verstanden und da sie bereits seit zwei Monaten hier ist, hat sie mir noch ein paar wertvolle Tipps geben koennen, wie der Prozess weiter gehen kann, wenn man seine deutsche Staatsbuergerschaft behalten will. Ich will jetzt nicht naeher darauf eingehen, nur soviel: es wird einem nicht leicht gemacht. Der einzige Lichtblick an der Geschichte: Die Menschen in der Deutschen Botschaft, mit denen man unter anderem auch sprechen muss, scheinen sehr nett und entgegenkommend zu sein.
Jedenfalls war dies absolut kein verlorener Abend.

Sonntag, 1. November 2009

Sofa gegen Klappbett

Heute kommt meine Schlafcouch und ich freue mich tierisch darauf. Endlich kein Klappbett mehr, endlich hoffentlich ein bequemeres Schlafen und keine Rueckenschmerzen mehr.
Ein wenig Sorge habe ich, dass die Couch eventuell nicht durch meine sehr enge Eingangstuer passen koennte.

"Hilfe fuer Einwanderer" - nuechterne Bilanz

...die gibt es meiner Meinung nach ausschliesslich in Form von Geldleistungen. Das scheint allerdings gut zu klappen. Man ist sehr darauf aus, dass die Zahlungen puenktlich auf dem Konto sind.
Das ist natuerlich beruhigend, denn mit das Wichtigste ist eine finanzielle Unterstuetzung.
Die anderen angeblichen Hilfeangebote fuer Einwanderer - wie Hilfe bei der Arbeitssuche, tatkraeftige Unterstuetzung bei der Suche nach einer Wohnung, Sprachkursberatung etc, - kann ich (noch?) nicht bestaetigen.
Meiner Meinung nach wird der Neueinwanderer hier ins kalte Wasser geworfen. Der, der einem "am Anfang in den ersten Wochen an die Seite gestellt wird", der auch noch die Muttersprache sprechen soll, ihn kann ich auch nach intensivem Suchen nirgends entdecken.
Und auch auf Nachfragen hin scheint niemand zu existieren, der mir helfen wuerde, der z.B. mit mir GEMEINSAM zum Innenministerium gegangen waere, was mir wirklich geholfen haette.
Ich frage mich mehrfach am Tag, was eigentlich junge Menschen machen, die einwandern und kein Wort hebraeisch sprechen? Viele Sachbearbeiter hier koennen kein englisch.
Wie soll man eine Wohnung finden, wenn viele Vermieter gar kein englisch sprechen? Nicht dass ich von den Einwohnern hier verlange, dass sie englisch sprechen. Nein, ich haette erwartet, dass tatkraeftige Hilfe darin besteht, dass es jemanden gibt, der dem Neueinwanderer bei der Suche hilft und mit Vermietern spricht.
"Du bekommst Hilfe bei der Suche nach Arbeit und bei der Wohnungssuche, da brauchst du keine Sorge haben." das hoerte ich von der Jewish Agency vor meiner Einwanderung.
Ich bin daran gewoehnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und genau das habe ich hier gebraucht. Anderenfalls haette ich noch keine Wohnung und auch keine Arbeit.
Aktiv werden, handeln und nicht unnoetig Zeit vergehen lassen, ist mein erster Rat an diejenigen, die vorhaben, in Israel einzuwandern.
Die Hilfe von guten Freunden ist das zweitwichtigste. Ohne diese waere es mir ebenfalls nicht moeglich gewesen, meine Wohnung anzumieten, bzw. den Mietvertrag zu verstehen und mit relativ gutem Gefuehl zu unterschreiben.
Auch, dass man sich bereits in Deutschland - vor allem sprachlich - bestmoeglich vorbereitet, bevor man einwandert, kann ich nur jedem DRINGEND ans Herz legen.
Jemand, der nicht auf andere zugeht, der sich zurueckhaelt und die Dinge "auf sich" zukommen laesst, kann es hier meiner Meinung nach nur sehr schwer schaffen, Fuss zu fassen. "Auf ihn zukommen" wird naemlich gar nichts, ausser einer grossen Verunsicherung.

Sprachkurs - Ulpan

Eigentlich hatte die Frau, die mit mir den Test gemacht hat, versprochen, dass ihre "Kollegin" beim Misrad haKLita (Einwanderungsministerium) mit ihr in Verbindung stehe und mir dann auch empfehlen koenne, in welchen Kurs genau ich passen wuerde.
Dem war nicht so. Die nette Kollegin meinte, sie wisse von nichts, ich solle die Frau anrufen, die den Test auswertet und im uebrigen wuerde sie mir in jedem Fall den Morgen-ulpan empfehlen. Dieser findet an 5 Tagen von 9 bis 14h statt.
Der Abendkurs, der mich mehr interessiert, da er nur an zwei Tagen abends von 16h bis 19h stattfindet, sei nicht in gleicher Weise anzuraten, da dort ueberwiegend "Aeltere" lernen.
Nun, wenn ich nicht eine "Aeltere" bin, wer dann?
Von einem Bekannten, der bereits vor 3 Jahren eingewandert ist, erfuhr ich, dass der Ulpan ihm nicht sehr viel gebracht hat, obwohl er 5 Monate dort teilgenommen hat. Die Mehrzahl der Teilnehmer waren nicht Neueinwanderer sondern arabische Jugendliche, deren Handys staendig klingelten, und die den ganzen Kurs nicht besonders ernst nahmen.
Ich habe sowieso das Gefuehl, dass ich zu einem Grossteil meine Sprache im Alltag verbessern werde. Dabei ist mir aufgefallen, dass in der Gemeinde doch einige Amerikaner sind, die unter sich auch noch nach Jahren am liebsten englisch sprechen.
Andere, die ich kenne, sind vor Jahren aus Frankreich oder der Schweiz eingewandert. Am Shabbattisch untereinander wird aber immer hebraeisch gesprochen.
Eine mir bekannte Frau aus Deutschland, vor 3 Jahren eingewandert, sagt von sich selbst, sie spreche nur sehr schlecht hebraeisch. Wenn man genau hinschaut, hat sie aber auch fast nur amerikanische Bekannte und geht fast ausschliesslich in Vortraege, die in englischer Sprache stattfinden.
Ich bin sehr froh darueber, dass meine Sharon (die Frau, die ich betreue) nur hebraeisch mit mir spricht. Auch habe ich einen etwas intensiveren Kontakt zu einer Frau aus der Gemeinde, die Lehrerin war. Heute, nachdem sie aus dem Arbeitsleben ausgeschieden ist, malt sie und verkehrt viel in Kuenstlerkreisen.
Mit ihr spreche ich auch nur hebraeisch. Ich gehe am Shabbat nachmittag in den Vortrag von Rabbiner Benni Lau in der Ramban-Synagoge, da ich ganz in der Naehe wohne. Auch am Donnerstag ist dort ein Vortrag von ihm ueber den aktuellen Wochenabschnitt.
Sicher verstehe ich nicht immer alles, aber langsam wird es mehr und nur so kann es gehen, dass mir die Integration gelingt.
Meine Ueberzeugung ist, - und das behaupten auch viele Sprachprogramme - dass zu einer wirklich gelungenen Integration die Sprache gehoert.
Ich suche Orte, an denen hebraeisch gesprochen wird und versuche die eher zu meiden, an denen die Menschen nur englisch oder gar deutsch sprechen.
Daher waere ich - auch wenn ich es mir nicht aussuchen koennte - gar nicht so erfreut darueber, wenn ich einen Job in irgendeiner deutschen Abteilung bekaeme.
Ich muss zugeben, dass es muehselig ist. Wie lange lerne ich nun schon? Wie lange schaue ich mir die hebraeischen Internetseiten an und bemuehe mich wirklich, nicht die Geduld zu verlieren? Wie lange schon hoere ich pausenlos Radiosender aus Israel und versuche, die Texte zu uebersetzen? Und immer noch ist es so, wenn jemand sehr schnell spricht oder in den Nachrichten ungewohnte Worte benutzt werden, dass ich nicht viel verstehe.
Der Alltag hier ist aber ausschlaggebend. Jeden Tag hoert man neue Ausdruecke, oder liest etwas nicht Bekanntes auf einem Schild. Laesst man sich darauf ein und gibt nicht auf, kann es gelingen.
Ich kann mir meine Geduld nur mit meiner sehr grossen Liebe zu dieser Sprache erklaeren.