Sonntag, 31. Januar 2010

Wasserleitungstagebucheintrag

Fuer mein Tagebuch benoetige ich diesen Blogeintrag: Meine Vermieterin hat mich angerufen, um mir mitzuteilen, dass heute "alles repariert" wurde.
Da ich diesen Satz schon dreimal gehoert habe, bin ich nun gespannt auf den naechsten starken Regen.

Giurdokumente

Kann es sein, dass ein Giur-Dokument beim Beit Din verloren geht?
Im Mai 2008 habe ich meinen Giur beendet, vor der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands "in Zusammenarbeit mit dem Oberrabbinat des Staates Israels", so steht es auf meiner Kopie.
Ca. 7 Monate hatte ich nichts in der Hand, was bestätigte, dass ich zum Judentum uebergetreten war. Erst als ich einen Rabbiner in Alon Shwut, der mich gut kennt, um Hilfe bat, bekam ich ploetzlich - innerhalb von 14 Tagen - ueber ihn (per Scanner) das Dokument aus Israel. (Zwei der anwesenden Rabbiner beim Beit Din sind ja aus Israel).
Mit diesem Dokument, bzw. Kopien davon bin ich eingewandert. Meine Anfragen per e-mail, Briefe, Telefonate, blieben unbeantwortet.
Das Original habe ich bis heute nicht in den Haenden.
Der Rabbiner riet mir, mich um das Original zu kuemmern, denn es koenne ja einmal wichtig werden, es vorweisen zu koennen.
Beim Misrad haPnim (Innenministerium) war es dann zum ersten Mal so, dass man mich fragte wo denn das Original sei. Ich musste sagen, dasss ich leider nur eine Kopie besitze.
Es gab ein paar Nachfragen und fast haette man mir meine Teudat Sehut nicht ausgehaendigt.
Nun bin ich wieder mit dem Rabbiner in Kontakt getreten, da ich wieder eine telefonische Anfrage an die ORD gestellt hatte, und zur Auskunft bekam, ich solle per mail einen "Bittbrief" formulieren.
Diese Bitt-mail blieb unbeantwortet. Mein Rabbiner in Deutschland, der mich waehrend des gesamten Prozesses begleitet hatte, setzte sich ein, aber es gab keinen Fortschritt.
Irgendwann erfuhr ich, dass es sein koenne, dass das Original verloren gegangen sei.
(Gleichzeitig erfuhr ich aber auch, dass es einige Menschen in Deutschland gibt, die nicht einmal eine Kopie ihres Giurs besitzen und ebenfalls den Giur hinter sich haben)
Der Rabbiner hier in IL schrieb eine mail an den zustaendigen Rabbiner, und bat darum, mir doch - falls das Dokument tatsaechlich verloren ging - ein neues Dokument auszustellen, mit dem Datum des Giurs.
Mein Rabbiner in Deutschland schrieb mir, der zustaendige Rabbiner fordere nun, bevor er so etwas ausstellt, ein Schreiben von einem Rabbiner der mich zurzeit begleitet, und bestaetigen kann dass ich nach den Mitzwot lebe.

Da ist sie, dachte ich, die Ungleichbehandlung. Ich habe einen ordentlichen Giur abgeschlossen und nur eine Kopie in der Hand.
Um das Original zu bekommen, muss ich mich nach fast 2 Jahren rechtfertigen, wie ich lebe.
Es ist kein Problem, diese Bestaetigung von einigen Menschen, die mich kennen, zu bekommen, nur frage ich mich, ob das noetig ist?
Ist es nicht so, dass jemand, der uebergetreten ist, Jude ist, ohne wenn und aber? Das scheint dann in der Wirklichkeit doch nicht der Fall zu sein.
Ich schrieb einen Brief an den Rabbiner, und machte meinem Unmut und meiner Enttaeuschung Luft. Ich formulierte auch, dass es anscheinend doch staendig Zweifel an uebergetretenen Juden gibt.
Ich bekam die Antwort ich solle ein Treffen mit ihm vereinbaren, und dann wird man sehen, wie "man mir helfen kann".
Der Rabbiner in Alon Shwut versprach, mich zu begleiten und machte einen Termin aus, fuer letzten Donnerstag.
Dieser wurde kurzfristig abgesagt, und erstmal auf "demnaechst" verschoben.
Nun habe ich mich an einen anderen Rabbiner gewendet, und versuche, zu erfahren ob ich in dieser Angelegenheit Rechte habe und welche.
Steht mir das Original zu oder nicht? Wenn ich eine Kopie in den Haenden halte, von welchem Dokument wurde diese Kopie gemacht?
Was passiert, wenn ein solches Dokument "verloren geht"?
Und vor allem: bewegt sich solch ein Uebertritt in einem "rechtsfreien Raum", so dass man auf den guten Willen der zustaendigen Menschen angewiesen ist?

Donnerstag, 28. Januar 2010

Hadassah - die zweite....

Heute morgen habe ich G-tt um ein Zeichen angefleht, was ich tun soll, da ich eigentlich nun gar nicht mehr wusste, was das Richtige fuer mich ist.
Ich war dann bei einer der Organisationen, die Personal vermitteln und die unabhaengig sind, keine eigenen Interessen verfolgen.
Dort wurden mir Moeglichkeiten aufgezeigt, wie ich auch stundenweise - z.B. im Krankenhaus oder bei der haeuslichen Pflege - arbeiten kann.
Ich kam dann zu sprechen auf das Angebot im Hadassah-hospital, die Viertelstelle, die Sozialarbeiterinnen, die mir sehr deutlich davon abgeraten haben und meine Unschluessigkeit.
Die freundliche Dame (zurzeit sehe ich hinter jeder Freundlichkeit eine Falle) sagte mir: "Nimm die Stelle! Nimm sie, unbedingt. Eine Viertelstelle in deinem Beruf im Hadassah-hospital, das ist die beste Moeglichkeit, das System zu verstehen. Es ist egal, wo du anfaengst, du wirst immer von vorn lernen muessen, aber nimm diese Stelle an!"
Obwohl ich wirklich nicht sicher war, ob dies nun der richtige Rat ist nahm ich das als sehr eindringliches Zeichen vom Himmel und hastete hoch zum Skopusberg.
Ich wusste, dass die Professorin mich noch will, und so war es auch. Wir haben zusammen gesessen, mit der Krankenschwester des Teams und sie konnte es nicht fassen, was da gestern gelaufen ist.

Mit hundertprozentiger Sicherheit weiss ich zwar immer noch nicht, ob ich jetzt das Richtige tue, aber ich habe das Gefuehl, dass die Professorin es ehrlich meint und ich es doch wenigstens versuchen sollte.
Ein Team, Menschen um mich, die Sprache und das System besser kennen lernen, ein Arbeitsfeld was mich sehr interessiert, all das sind Gruende genug, um einen Versuch zu starten.
Nun geht es in die heisse Phase.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Verwirrt und ratlos

Heute war ich beim Sozialarbeiter-Team des Hadassah-Krankenhauses.
Was dann geschah, hat mich total verwirrt.
Erst einmal riet mir eine der Sozialarbeiterinnen davon ab, in die Abteilung zu gehen, da es eine sehr spezifische Arbeit sei, und ich nicht einmal das System kenne. Mein Plan, bei ihnen nachzufragen, ob es eventuell noch eine zusaetzliche halbe Stelle gibt im Krankenhaus, wurde dahingehend beantwortet, dass man mir anriet, es eher umgekehrt zu machen.
Eine halbe Stelle oder mehr und wenn ich das System, die Krankenkassen, Behoerden, kenne, mich auf etwas Spezifischeres einzulassen.
Man fing ploetzlich an, eine Menge Ideen fuer mich zu entwickeln, telefonierte in meinem Beisein mit mehreren Abteilungen, auch des Hadassah-hospitals in Ein Kerem und gab mir eine Liste von Organisationen, die immer Personal im sozialarbeiterischen Bereich suchen.
Ich muss sagen, alles was sie sagten, erschien mir logisch. Auch, dass die Stelle letztlich viel mehr sein wuerde als nur eine Viertel-Stelle, ich aber nur fuer eine Viertelstelle bezahlt werde.
Ich hatte wirklich das Gefuehl, da tut mal jemand etwas tatkraeftig in Punkto Arbeit fuer mich. Bisher habe ich mehrfach nach Listen gefragt, die Einrichtungen fuer Drogenabhaengige beinhalten - vergeblich.
Nun, ich habe alle Ideen mitgenommen und schon angefangen, herum zu telefonieren, als mich die leitende Professorin anrief und nachfragte wie es beim Gespraech gelaufen war.
Ich habe ihr erzaehlt, dass man mir gesagt haette, es sei nicht sehr logisch in einer speziellen Abteilung zu beginnen mit Sozialer Arbeit in Israel, sondern erst grundsaetzliche Dinge kennen zu lernen.
Da ich dachte, die Sache sei damit erledigt, (ich nahm an, es sei die Zustimmung des Sozialarbeiterstabes noetig) war ich doch sehr verwundert, als die Professorin ploetzlich meinte, es sei durchaus nicht noetig, dass der Sozialarbeiterstab mit mir einverstanden ist, denn ich wuerde in ihrem Team arbeiten.
Ich raeumte ein - schon ganz durcheinander inzwischen - dass es mir auch eher logisch erscheint, das System langsam kennen zu lernen, da warf sie ein: "Ich versichere dir, dass wir dir alle helfen und dass du nicht allein dastehst.."
Nun bin ich komplett aus dem Ruder.
Hat man die ganze Anstrengung und Muehe, sich mit mir wirklich lange zu unterhalten, Wege zu suchen, Telefonate zu fuehren, nur deshalb gemacht, um mich loszuwerden?
Wow - kann es sein, dass meine Menschenkenntnis so nachgelassen hat? Dass ich hier wirklich niemandem mehr trauen darf?
Das muss ich jetzt erst einmal verdauen, ehe ich eine Entscheidung treffe. Denn - wie die Leiterin der Abteilung mir sagte, es haengt jetzt nur von mir ab.

Spiegel: "Froehliche Stunden neben der Gaskammer"

Der ganze Artikel ist HIER nachzulesen
Zwölf SS-Helferinnen sitzen fröhlich auf einem Geländer und essen Blaubeeren, die ein SS-Offizier an sie verteilt. Das Foto wurde 1944 aufgenommen in Solahütte, einem Erholungsheim bei Auschwitz für die SS-Mannschaft des Konzentrationslagers.
Ein Bild von 116 aus einem Fotoalbum, das das Holocaust-Museum in Washington nun der Öffentlichkeit vorstellte. Das Museum erhielt die Fotos zu Beginn dieses Jahres von einem pensionierten Geheimdienstoffizier der US-Armee, der 1946 in einer Wohnung in Frankfurt auf das Album stieß und es nun dem Museum schenkte. Er möchte anonym bleiben. Das Album ist bislang kein Bestandteil der Ausstellung des Museums.

Die Fotos wurden zwischen Mai und Dezember 1944 aufgenommen. Sie zeigen Offiziere und Wachleute in entspannten Situationen, während zur gleichen Zeit im Lager zahllose Menschen ermordet und ihre Leichen in Verbrennungsöfen geworfen wurden.

Auf einigen Aufnahmen singen SS-Offiziere, manche zeigen sie auf der Jagd, auf anderen schmücken sie einen Weihnachtsbaum. Museumsdirektorin Sara J. Bloomfield sagte: "Diese Fotos unterstreichen, wie sie das Leben genossen, während sie gleichzeitig unvorstellbares Leid beaufsichtigten."

"Auf den Fotos ist nichts Schreckliches zu sehen, noch nicht einmal ein Gefangener im Hintergrund", erläutert die Leiterin der fotografischen Sammlung des Museums, Judith Cohen. "Und genau das macht sie so furchtbar."

"Wir wussten von nichts....."

SPIEGEL: Frau Schücking-Homeyer, die meisten Deutschen bestritten nach dem Krieg, vom Holocaust gewusst zu haben. Sie waren von 1941 bis 1943 Helferin des Deutschen Roten Kreuzes hinter der Ostfront. Wann haben Sie erfahren, dass Juden ermordet wurden?

Schücking-Homeyer: Schon in der Bahn auf dem Hinweg. Das war im Oktober 1941. Ich sollte mit einer anderen Schwester ein Soldatenheim in Zwiahel leiten, einer Kleinstadt 200 Kilometer westlich von Kiew. Wir saßen ab Brest-Litowsk mit zwei Soldaten zusammen, wobei ich nicht mehr weiß, ob das SS-Leute oder einfache Soldaten waren. Und dann
erzählte auf einmal einer der beiden, er habe gerade in Brest eine Frau erschießen sollen. Die Frau habe um Gnade gebeten, weil sie sich um eine behinderte Schwester kümmern müsse. Da habe er die Schwester holen lassen und dann beide erschossen. Wir waren entsetzt, aber wir haben nichts dazu gesagt.

(den ganzen Artikel koennt ihr HIER nachlesen)

Shoa

"Gedenken an den Holocaust, heisst zuerst, an die Ueberlebenden zu denken."
Jewish Claims Conference zum Internationalen Holocaustgedenktag.

Weltweit gibt es noch 500.000 Ueberlebende der Shoa.
Viele von ihnen fuehren ein Leben in Armut, Krankheit und Einsamkeit und muessen sich zwischen dem Kauf von Nahrung und lebenswichtigen Medikamenten entscheiden.

"Damals waren sie von aller Welt aufgegeben, an diesem 27. Januar sollten sie Gewissheit haben, dass sie in ihren letzten Lebensjahren nicht allein dastehen. " (Greg Schneider)
Mich hat am meisten schockiert, dass es Menschen gibt, die die Shoa ueberlebt haben und heute von Israel nach Deutschland auswandern, nur um zu "ueberleben", da sie dort medikamentoes besser versorgt werden und wenigstens eine kleine Rente bekommen, was in Israel scheinbar nicht so funktioniert.
Muessen sie sich nicht von ihren eigenen Bruedern und Schwestern im Stich gelassen fuehlen, wenn die Regierung es nicht hinbekommt, sie angemessen zu versorgen?


Dienstag, 26. Januar 2010

65 Jahre erst!

Der internationale Shoa-Gedenktag nimmt hier in den Medien sehr viel Platz ein. Netanjahu wird in Auschwitz sprechen und Peres ist in Berlin. Es ist 65 Jahre her, dass Auschwitz befreit wurde. Eine Studie berichtet von Depressionen und schweren psychischen Stoerungen der Ueberlebenden.
Sie sind fuer immer - nicht nur durch die Nummer auf ihrem Arm - gezeichnet, werden nie das vergessen koennen, oder auch nur einigermassen verarbeiten koennen, was ihnen und ihren Angehoerigen angetan wurde. Wie koennte man auch ein Verbrechen, das an Systematik nicht zu ueberbieten ist, verarbeiten?
Es ist erst 65 Jahre her. Das ist erschreckend wenig Zeit und noch gar nicht lange her. Fuer mich hoert sich die Zahl 65 bedrohlich nahe an. Jeder wird sich selbst fragen muessen, wie er heute darueber denkt, was er fuehlt, wenn er sich "erinnert" (auch wenn es kein persoenliches Erinnern ist bei vielen von uns, die nach der Shoa geboren wurden). Bekommen wir die leisen Anzeichen mit, wenn es um Antisemitismus geht? Oder bagattellisieren wir Aktionen, die einen eindeutig antisemitischen Hintergrund haben? Gibt es ausreichend viele Aufschreie, wenn juedische Graeber geschaendet werden, oder einem Rabbiner auf offener Strasse das Messer in den Bauch gestossen wird?
Aber auch - gibt es genuegend intelligente Menschen, die nicht darauf eingehen, wenn Israel vorgeworfen wird, Organe von Menschen zu stehlen, die sie gerade eben aus dem Erdbebengebiet retten wollen?
Oder wird sich diese absurde Art des Judenhasses (nichts anderes ist Israelhass) wieder schrittweise zur grossen Gefahr fuer alle Juden ausweiten?
65 Jahre spaeter sind erschreckend viele Vorurteile und Abneigung Juden gegenueber in der Welt. 65 Jahre spaeter darf man "Israelkritik" sagen, wenn man grosse Abneigung gegen Juden meint.
65 Jahre spaeter ist der kollektive Suendenbock immer noch derselbe.


Achte auf dich!

Ich sitze (mal wieder) auf der Couch, habe mir heute ein Bier besorgt und gucke irgendeine Fernsehsendung, nicht anspruchsvoll, nicht lehrreich, einfach nur STAM. Da es hebraeisch ist, lerne ich wohl trotz allem etwas...
Das Leben in Jerusalem (ob es in ganz Israel so ist, kann ich nicht sagen..) ist anstrengend und kann zehren, wenn man nicht wirklich gut auf sich acht gibt. Man hetzt zum Bus, wartet endlos, quetscht sich hinein, gewinnt oder verliert den taeglichen Kampf um einen Platz (auch Stehplaetze sind manchmal kaum zu ergattern) und hoert die Nachbarn lautstark streiten. Der Busfahrer uebertont mehr oder weniger seine eigene Musik, die IMMER laeuft, weil er uns dazu anhaelt, weiter nach hinten aufzuruecken... das ist sozusagen jeden Tag zu jeder Stunde das selbe Spiel.
Daher kommt man schon am ersten Ziel des Tages oft gehetzt und geschwitzt an, wenn man nicht die wunderbare Idee hat, - und es ueberhaupt moeglich ist - in aller Ruhe zu Fuss zur Arbeit zu gehen. Beim derzeitigen Wetter (Regen und Sturm) ist das allerdings kein Vergnuegen.
Es gibt viele Veranstaltungen, Shiurim, Konzerte, die ich hier besuchen moechte und viele Menschen um mich herum sind 10 Jahre aelter, und dennoch scheinen sie viel mehr Energie als ich zu haben.
Ich bin abends, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, einfach nur muede und freue mich auf eine Dusche. Anschliessend noch in einem Buch blaettern, etwas Gutes essen, fernsehen.... das war es dann.
Das sieht mit Sicherheit von aussen ziemlich langweilig aus, aber ich brauche die Kraft, brauche die Ruhe in meinen vier Waenden und den gemuetlichen "Hausanzug".
Hier braucht man wirklich - in meinem Alter - die Ruhe die Entspannung, um sich am naechsten Tag wieder in die Hektik stuerzen zu koennen.
Haushalten mit den eigenen Kraeften, nenne ich das und ich kann es nicht aendern, dass ich dabei viele Verabredungen absagen muss.

Vorstellung im Hadassah - Hospital

Morgen frueh stelle ich mich beim Sozialarbeiterteam des Hadassah-Hospitals vor. Grundsaetzlich ist ja die leitende Professorin der Abteilung "familiaere Dysautonomie" fuer mich zustaendig, da ich zu deren Team gehoeren werde.
Organisatorisch jedoch gehoere ich zum Gesamtteam Hadassah / Hadassah Ein Kerem.
Zum Tragen kommt diese Zugehoerigkeit aber nur in Vertretungsfaellen, Kriegsfaellen oder Katastrophen-uebungen.
Die Leiterin und die Gesamtleiterin des Sozialarbeiterstabs Hadassah Mount Skopus / Hadassah Ein Kerem wollen mich morgen kennen lernen.
Sie haben auch ein Vetorecht, falls ihnen an mir etwas nicht passen sollte.
Grosser Aufwand fuer eine Viertelstelle.

Montag, 25. Januar 2010

Luftschloesser...

Heute hat sich ein befreundetes Ehepaar mit meiner Vermieterin in Verbindung gesetzt. Sie haben es sich auf die Fahne geschrieben, Olim Chadashim zu helfen, wenn sie Probleme haben.
In ihrem Telefonat mit ihr haben sie auch erwaehnt, dass meine Wand, die schon Schimmelflecken aufweist, sicherlich nicht der Gesundheit zutraeglich ist. Meine Vermieterin hat sich gewunden, so wie sie es bei mir auch immer tut. Man koenne die Wasserleitung ja bei dem Regen nicht reparieren usw.
Am Abend dann rief mich die Vermieterin an, und meinte, sie wolle nicht Schuld daran sein, wenn ich krank wuerde, und ich koenne gern zum Ende des Monats ausziehen. Sie wuerde mir dann die ausgehaendigten Schecks zurueck geben und so waeren wir quitt.
Ich habe mich gewundert, anscheinend ist ihr nicht so daran gelegen, das Problem zu loesen.
Ich habe erst einmal gesagt, dass ich nicht vorhabe, auszuziehen, sondern vorziehe, dass das Problem geloest wird.
Aber - als ich spaeter im Internet einfach mal nach Wohnungen suchte, habe ich eine Ein-Zimmer-Wohnung eine Strasse weiter gefunden, nicht viel teurer und komplett renoviert. Die Bilder waren sehr ansprechend und das Zimmer ist viel groesser als meine jetziges.
Mit der Tochter der Vermieterin habe ich auch schon telefoniert, um noch ein paar Fragen zu stellen. Morgen werde ich mir die Wohnung mal unverbindlich ansehen. In der Zwischenzeit traeume ich davon, in diese sonnendurchflutete Wohnung umzuziehen.
Mit der neuen Viertelstelle im Hadassah-hospital koennte ich sie mir sogar leisten.

"Hier wird geschrien..."

So habe ich es schon oft erlebt. Es wird geschrien, nicht "normal" diskutiert oder sich auseinander gesetzt. Und so riet mir ein Bekannter aus Israel auch, das Problem mit meiner Wasserleitung etwas "lautstarker" anzugehen.
Mir ist das in der Regel zuwider, da bin ich dann doch zu hoeflich (zu deutsch?) und eher auf Harmonie aus.
Aber das Mass ist auch bei mir einmal voll. Es dauert, zugegeben, aber wenn es voll ist, kann auch ich laut werden und meinem Aerger dann Luft machen.
So war es heute morgen, als ich meiner Vermieterin die freudige Mitteilung per Telefon machte, dass es die ganze Nacht aus denselben Stellen, die angeblich repariert wurden, tropfte.
Sie wollte dann, nachdem sie rueberkam, mit mir ueber die Menge diskutieren. Es sei ja nicht viel, und "hier kommt bei starkem Regen das Wasser durch alle Loecher".
Sie verstehe das selbst nicht, es sei ja repariert worden. Ich habe mich gar nicht mehr darauf eingelassen, sondern ihr gesagt, ich werde mich nun nach meinen Rechten als Olah Chadasha hier erkundigen und mir Hilfe holen, da ich nicht weiter weiss.
Wahrscheinlich ist es so, dass sie den Winter immer mit ein paar notduerftigen Reparaturen uebersteht, der Mieter dann nach dem Sommer auszieht und ein naechster kommt, der von diesem Problem noch nichts weiss.
So hoffe auch ich, dass nach Ablauf des Vertrages im November, ich immer noch ausreichend Geld verdiene, um mir irgendwo etwas anderes (trockenes) suchen zu koennen.

Wasserleitungsdefekttagebuch! "Nach der letzten Reparatur"


















Meine Vermieterin hatte ja beim letzten Regen "heroisch" alles repariert, obwohl - so ihre Worte - man es "eigentlich nicht waehrend des Regens beheben kann, aber weil Sie sich so sorgen, habe ich es reparieren lassen ..."
Nun, was soll ich sagen? Mir fehlen die Worte. Denn - es tropft!
Soll ich mich einfach damit abfinden, dass ja bald Sommer ist? Und dass bis dahin einfach ein paar schlaflose Naechte einzuplanen sind? (Denn wenn der Regen staerker wird und das Tropfen eine Frequenz von alle 3 sec. erreicht foerdert das nicht gerade den Schlaf.
Oder soll ich so richtig ausrasten? Was meinem Schlaf auch nicht zutraeglich ist.

Sonntag, 24. Januar 2010

"Todesursache Pneumonie oder unbekannt..."

"Gut", dass die Nazis so gruendlich alles dokumentiert habe. Auf diese Weise kann im Grunde genommen niemand behaupten, es habe die Shoa nicht gegeben.
Meine Freundin bekam vor ein paar Tagen die Papiere, in denen auf die Minute genau der Tod ihres Grossvaters, der Grossmutter, der Tante und des Onkels in Auschwitz und in anderen KZs dokumentiert wurde.
Die genaue Uhrzeit, "verstorben am...." und "Todesursache: unbekannt" oder "Pneumonie".
Was fuer ein Hohn. Das Wort "verstorben" loest in mir wuetende Hilflosigkeit und Verzweiflung aus. Ich habe das Beduerfnis, etwas zu tun, kann es aber nicht. Aber eigentlich hat das, was ich bei diesem Thema fuehle, gar keine Worte, denn schliesslich war es auch mein Volk, von dem das schlimmste Verbrechen mit System ausgedacht, ausging.
Und dieses Papier ist der Gipfel der Demuetigung.
Trotzdem sagt meine Freundin: "Ich werde 100 Kopien davon machen und eine immer mit mir tragen. Wenn mir dann wieder einmal jemand sagt, er habe Zweifel, ob das alles ueberhaupt stattgefunden hat, werde ich ihm das Dokument zeigen. Mit Stempel und Unterschrift ist hier alles festgehalten - von den Moerdern selbst!"

Lebe den Tag - heute!


















Wird meine Freundin Chana gefragt, wie es ihr geht, dann sagt sie: " Heute morgen bin ich aufgewacht, habe mich gesund gefuehlt und als ich nach draussen schaute, sah ich die Sonne. Es gibt nichts, was mir fehlt. "
Ja, dass die Sonne hier fast jeden Tag scheint, ist ein Geschenk, sorgt fuer positive Energie und verhindert eine "Winterdepression", wie sie in Europa haeufig bei vielen Menschen vorkommt.
(Dennoch wird hier bereits nach ein oder zwei trueben Tagen ueber Winterdepression gesprochen.....fuer mich nicht nachvollziehbar, denn alles ist relativ)
Wir sind gesund, koennen uns bewegen und dafuer danken wir unter anderem auch in den Brachot (Segensspruechen) am Morgen unserem Schoepfer.
Es gibt viele Vorkommnisse, ueber die wir uns Tage oder Wochen vorher bereits Gedanken und Sorgen machen koennen, was ich nur zu gut kenne.
Doch mache ich mir immer mehr Gedanken darueber, dass die Lebensweise, die hier - jedenfalls bei vielen Menschen - ueberwiegt, wesentlich mehr zur inneren Gesundheit beitraegt.
Was aendert es, wenn wir uns heute sorgen, was in einer Woche ist? Wie viele Ereignisse sind in den letzten Tagen auf mich eingeprasselt? Es gab Neuigkeiten, die andere "abgeloest" haben oder nach einigen Stunden ueberholt waren.
Ich habe eine Antwort per SMS auf meine Nachricht bekommen, da hatte ich bereits andere "Sorgen".
Das Leben hier ist schnelllebig und ein Ereignis jagt das andere.
Wichtig ist daher mehr der Augenblick oder mindestens der heutige Tag, den wir doch so gut wir koennen, bewaeltigen und auch geniessen sollten.
Immer mehr beginne ich zu verstehen, dass dies ein Ziel sein kann, was zu erreichen ausserordentlich lohnend und sinnvoll ist.

Alzheimer - die grausame Krankheit


















....die dem Menschen alles nimmt. Ein wenig abfangen kann man sie, wenn die Familie sich Pflege leisten kann, so wie meine alte Dame.
Sie hat eine Philippinin, die Tag und Nacht bei ihr wohnt, und die ich wahrhaftig nicht beneide. Tag und Nacht die selben Fragen beantworten, Stunde um Stunde wie ein Kindermaedchen sorgen, dass S. nicht die Wohnung verlaesst und bei den Nachbarn schellt, um sich ueber irgendetwas zu beschweren, was gar nicht existiert, Nacht um Nacht aus dem Bett zu springen, wenn S. wieder einmal ploetzlich im Zimmer steht und nicht weiss, wo sie ist. Es ist harte Arbeit, mit einem Menschen, der an Alzheimer leidet, so eng zusammen zu wohnen.
Meine Arbeit - ein paar Stunden pro Tag mit ihr zu verbringen - ist dagegen Nichts. Ich kann nach ein paar Stunden wieder gehen und bin der Krankheit nicht staendig "ausgeliefert".
Was fuer eine grausame Krankheit!
Von Zeit zu Zeit - so erzaehlte mir die philippinische Pflegerin, meint S., sie sei nicht zuhause und will sich auf den Weg machen zum Haus ihrer Kindheit. Es ist G-tt sei dank nicht allzu weit vom Stadtzentrum entfernt, aber fuer die alte Dame ist es doch ein anstrengender Gang.
Nichts und niemand kann sie dann davon abhalten "nach Hause" gehen zu wollen. "Schliesslich", so sagt sie dann, " ist das ja nicht meine Wohnung, wo ich mich befinde."
So habe ich heute zum ersten Mal erlebt, wie sie sich ploetzlich in den Kopf setzt, "nach Hause" zu gehen. Bekomme ich sie sonst sehr schwer nur fuer einen Cafe vor die Tuer, so war sie heute in Null-komma-nichts mit ihrer Tasche und einer viel zu duennen Jacke startbereit.
In punkto Jacke musste ich dann doch energisch werden, denn um 5 Uhr nachmittag wehte ein sehr kalter Wind und ich sah sie schon mit einer Lungenentzuendung im Krankenhaus.
Den ganzen Weg ueber habe ich versucht, sie mit ruhigen Worten davon zu ueberzeugen, dass das Haus und die Konditorei ihrer Eltern nicht mehr existiert. Aber das machte sie nur wuetend und sie meinte, sie werde ja wohl noch wissen, wo sie zuhause sei.
In der Regel ist es dann besser, man laesst sich darauf ein, geht einfach mit und wartet, bis sie - traurigerweise - wieder vergisst, wozu wir auf dem Weg sind.
Es wehte ein eisiger Wind und als wir fast am Ziel waren, zeigte sie auf die gegenueberliegende Strassenseite. " Wo ist das Haus?" fragte ich.
Mit trauriger Gewissheit sagte sie ploetzlich: " Hem hiziu oto (sie haben es entfernt...)"
Alle Ernuechterung der Welt lag in diesen drei Worten und es konnte einem das Herz brechen.
Mit einem Mal war ihr klar, dass unser kleiner Ausflug kein Ziel hatte.
Und sie tat mir unendlich leid.
Wir konnten ein Taxi rufen und dorthin zurueckkehren, wo ihrer Meinung nach nicht ihr Zuhause war.


Eine Wiese voller Wunder


















Kleine knallrote Wunder, und davon eine ganze Wiese voll. So praesentiert sich zurzeit unsere Natur. Die knallroten Tuper, die das Herz erfreuen heissen Anemonen, oder hebraeisch "Kallaniot".
Geht man dort spazieren, tritt alles andere in den Hintergrund. Man freut sich einfach nur an den zarten Wundern, die uns umgeben und uns unglaublich bereichern.


Rakafot - Alpenveilchen - alles andere als langweilig!


















Bisher waren Alpenveilchen fuer mich die langweiligen Topfblumen, die zuhauf auf den Fensterbaenken von deutschen Grossmuettern stehen.
Als ich hier in Israel zum ersten Mal ein schmeichelhaftes Lied ueber Alpenveilchen hoerte, und man mir ehrfuerchtig und schwaermerisch erzaehlte, sie stehen unter Naturschutz, war mein erster Gedanke : "Ach, Alpenveilchen halt...., kenne ich doch von Omas Fensterbank."

Am Samstag auf meinem Spaziergang habe ich mich ploetzlich heftig in sie verliebt, in die kleinen zarten Blueten, die hier aus den Steinen herauszuwachsen scheinen. So sehr, dass ich heute in den Park zurueckkehrte, um sie von allen Seiten zu fotografieren.
Ich bin dankbar, dass es doch noch Dinge gibt, die man auf einmal mit anderen Augen sieht und ploetzlich zu schaetzen weiss. Nicht, wenn man sie im Blumentopf auf der Fensterbank sieht, sondern in der Natur, wo sie wie ein kleines Wunder hinter jedem Stein hervorschauen.

Samstag, 23. Januar 2010

Fruehlingsspaziergang am Shabbat

Meine Hueften schmerzen etwas, aber meine Seele ist voller Fruehlingseindruecke. Was haben wir doch fuer eine wunderbare Natur.
Mein Spaziergang begann mit der dicken Winterdaunenjacke in der German Colony. Zuerst zum Giv'at haTanach in der Naehe der Cinemateque, weiter ueber Jemin Moshe und Mishkenot Shaananim durch das Jaffator zur Kotel (Klagemauer). Dort habe ich den Minjan von Rabbi Machlis noch mitbekommen. Sein Kiddusch mit Plaetzchen, Nuessen und Getraenken tat gut und war eine kleine Staerkung fuer den Weitermarsch. Es ging durch das Zionstor am Gehinnomtal vorbei wieder zur Windmuehle bei Jemin Moshe. Nach einer kleinen Pause auf der Bank in der Sonne, ueber die King David und King George in Richtung Jabotinski Street, vorbei am Presidents Residence in die Palmach.
Von hier aus in Richtung Tchernichowsky ins Tal des Kreuzes, vorbei an der griechischen Kreuzkirche links in den Park hinein der zum Israelmuseum fuehrt. Und was erwartete mich dort? Die Belohnung fuer den langen Spaziergang. Ein Teppich voller Kallaniot (Anemonen) mit dem knallrotesten Rot, das ich jeh gesehen habe, die grossen Felssteine voller Rakafot (Alpenveilchen) in zartem Lila oder Rosa, bluehende Mandelbaeume und kleine gelbe Fruehlingsblumen. Was fuer ein Farbenfest!!!
Liebespaare, Familien mit Kindern auf der Wiese, auf Decken und Steinen genossen den Fruehlingstag und bestaunten die Natur.
Nach einem kleinen Gang in den Rosengarten an der Knesset noch einmal zurueck zum Fruehlingspark und die Seele mit Farben auftanken.
Anschliessend langsam wieder ueber die Aza (Gaza-)street zurueck nach Hause. Und nun hoffe ich, dass ich unter der Dusche knallheisses Wasser vorfinde, um meine mueden Beine etwas zu verwoehnen.

Freitag, 22. Januar 2010

Gefuehle rauf und runter...(Staatsangehoerigkeit!)

...kurz vor Shabbat nochmal wieder hinauf mit den Gefuehlen. Der Grund?
Ein Schreiben von der Botschaft. Ich zitiere:

"Aushändigung Ihrer Genehmigung zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehoerigkeit"
Sehr geehrte Frau X. , die von Ihnen beantragte Urkunde einer Genehmigung zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehoerigkeit konnte ausgestellt werden und liegt in der Botschaft fuer Sie bereit....."
Des weiteren ein Merkblatt ueber Mehrstaatigkeit und die Aufforderung, 255 EUR zu zahlen.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Shabbat shalom!


















Es gibt Situationen, in denen man sich fuehlt, als sei jegliche Energie aus dem Koerper gezogen worden.
Es faellt schwer, sich zu konzentrieren und man ist kraftlos.
Menschen koennen enttaeuschen, auch vermeintlich sehr wichtige hochrangige Menschen, die grosse Entscheidungen treffen und die das Schicksal von Menschen beeinflussen.
Sich davon nicht herunterziehen zu lassen, ist eine schwierige Aufgabe. Ich bewaeltige sie noch nicht so richtig, das muss ich zugeben.
Aber was letzten Endes zaehlt, ist nicht der Mensch, denn wie schon der Psalm sagt: " Was kann der Mensch mir tun?...." ich fuerchte nicht den Menschen und seine Meinung, sondern nur IHN. Ich verneige mich nicht vor denen, die Einfluss haben, sondern lediglich vor dem Koenig aller Koenige.
Was ER von mir haelt, ob er mir traut und vertraut, das muss das Wichtigste sein und bleiben. Nur ER kann in die Herzen schauen und weiss als einziger wirklich, was darin vor sich geht.
Und eines ist mir immer sicher: SEINE Gegenwart und Hilfe auf all meinen Wegen. Nur diese Tatsache kann Trost und Halt geben.
Shabbat Shalom!

Dienstag, 19. Januar 2010

Urlaub in Deutschland - ich freu mich drauf!

Am 9. Februar ist es soweit. Ich fliege zum ersten Mal nach Deutschland - gewissermassen "auf Urlaub". Ich werde meine Toechter besuchen und ein paar Zeugnisse von der letzten Arbeitsstelle persoenlich abholen sowie eine Einkommenssteuererklaerung fuer 2009 beim Finanzamt abgeben.
Ich freue mich auf ein paar Wannenbaeder bei der Tochter, bei der ich uebernachten werde und auf gemeinsame Stadtbummel. Eine Woche ist geplant, die auch schon sehr "verplant" ist. Ich werde sicher nicht alle Freunde treffen koennen, die mich sehen wollen, denn das Wichtigste wird die Umarmung meiner Toechter sein.
Ich habe einen relativ guenstigen Flug bekommen, denn ab Maerz steigen die Flugpreise doch sprunghaft an.
Sehr gespannt bin ich darauf, wie ich Deutschland nach ein paar Monaten Alltag in Jerusalem erleben werde und wie es sich anfuehlt "auf Urlaub nach Deutschland" zu fliegen. In jedem Fall ist es spannend und ich freue mich auf "eine Woche Deutschland"! (mit sehr sehr wenig Gepaeck)

Diplom - Anerkannt in Israel!!!

Juchuu, man darf mir gratulieren. Gerade habe ich erfahren, dass mein Diplom anerkannt wurde.
Das bringt mich enorm weiter und gibt mir das Gefuehl, nicht laenger eine "Null" im Lande zu sein. Jetzt wenigstens eine Null mit Diplom!
Ich weiss, dass ich auch ohne die Anerkennung keine Null bin, nur ist es schon etwas anderes, wenn man eine Beruf hat, der Hand und Fuss hat, ein Examen aus dem Ausland, das auch hier etwas gilt.
Seit einiger Zeit stehe ich wieder in Kontakt mit der Professorin der Abteilung fuer familiaere Dysautonomie am Hadassah-Hospital auf dem Skopusberg. So ganz hat mich diese Viertel-Stelle nicht losgelassen und ich werde wohl nun, wenn alles klappt, zusagen.
Es wird einiges an Stress auf mich zukommen, da ich jeden Tag mehr als eine halbe Stunde (eine Fahrt!) unterwegs sein werde, um zwei Stunden zu arbeiten, aber es ist auf der anderen Seite eine Arbeit, die mich sehr interessiert und "aufweckt".
Weiter sind es immerhin 2000 NIS brutto mehr, was bedeutet, dass ich mich zusammen mit der Arbeit bei der aelteren Dame ganz ohne die Unterstuetzung vom Staat ernaehren kann.
Das ist doch was, oder?

Montag, 18. Januar 2010

Ist der Mensch im Grunde seines Herzens schlecht?

Bei solch unvorstellbaren Katastrophen wie zurzeit in Haiti schockiert mich nach dem grossen Elend immer besonders eine Tatsache. Wie kann es sein, dass in Folge von chaotischen Zustaenden Anarchie herrscht?
Wie kommt der Mensch dazu, abgesehen vom "Mundraub" bei eigenem Hunger, zu stehlen und zu vergewaltigen?
Wenn es keine Instanz mehr gibt, die den Menschen kontrolliert, keine Polizeigewalt, keine Regierung, ist der Mensch dann aus sich heraus nicht faehig, eine eigene Ordnung, ein Gefuehl fuer das was richtig und das was falsch ist, zu entwickeln? Muss man Menschen mit Strafe drohen, Gesetze durch Polizisten ausfuehren lassen, damit das Chaos vermieden wird, was der Mensch durch seine Triebhaftigkeit anrichtet?
Und vor allem - warum sind es ueberwiegend Maenner, die sich dann das nehmen, was der "Trieb" ihnen vorschreibt? Ich weiss, dass es auch eine Vielzahl an weiblichen Taetern gibt, da ich selbst eine Diplomarbeit ueber Verbrechen, die von Frauen ausgehen geschrieben habe, und dennoch ist die Zahl nicht zu vergleichen.
Ist der Mensch doch von Natur aus schlecht?
Ich kann mir vorstellen, dass es in einer Extremsituation wie bei einem Erdbeben oder einem Tsunami existentiellere Sorgen geben muss, als die, dass ich nun ganz leicht eine Frau vergewaltigen kann. Dass mich Hunger dazu treiben kann, in einem Geschaeft einzubrechen und zu stehlen ist hingegen nachvollziehbar. Aber Frauen Gewalt antun? Ist das ein existentielles Beduerfnis?
Es ist schon enttaeuschend, dass es keine eigene natuerliche Instanz zu geben scheint, die uns zeigt, was gut und was boese ist, die uns dort, wo die Grenze des Anderen ist nicht innehalten laesst. Ohne die auessere Ordnung scheint es irgendwann nur noch um die Befriedigung unserer niedrigsten Triebhaftigkeiten zu gehen. Ist der Mensch im Grunde seines Herzens gar nicht menschlich?

Regen, Sturm und Ueberschwemmungen im Sueden


















....und der Busfahrer hatte Erbarmen mit mir, als ich - nachdem er schon anfuhr, angerannt kam, mit verbogenem Regenschirm und letzter Kraft.
(nicht immer oeffnen sie dann noch, aber bei dem Hundewetter hatte er ein Einsehen..)
Meine Vermieterin war etwas pikiert, weil ich auf ihr "sorg dich nicht, ich kuemmere mich darum" nicht so eingegangen bin, sondern gesagt habe, wenn das nicht repariert wird - und es ist ja das 3. Mal, dass ich Wasser an denselben Stellen der Leitung melde - muesse ich mir wohl eine andere Wohnung suchen.
Ich habe zwar einen Jahresvertrag, aber ich denke, mit den Maengeln staendig, werde ich alle Rechte der Welt haben (auch hier in Israel!) , um eher umziehen zu koennen, von Mietminderung will ich gar nicht reden.
Nun hat sie mich heute nachmittag etwas beleidigt angerufen, sie haette, obwohl es das Regenwetter nicht erlaubt, meine Stellen repariert. Ich solle morgen frueh melden, ob alles in Ordnung ist.
Nichts ist in Ordnung und es sind dieselben Stellen, unter die ich nun Schalen stelle, damit die Tropfen aufgefangen werden.
Es aergert mich einfach.

Was mich noch aergert, sind die Behoerden. Gestern hat der Ausschuss getagt, bei dem uber die auslaendischen Diploma entschieden wird (anerkannt oder nicht anerkannt in Israel...) und man darf ja nicht glauben, man wuerde mal per Telefon informiert, damit man sich darauf einstellen kann. Nein, auch wenn man anruft, meldet sich niemand.
Ich habe es mir vom letzten Monat angewoehnt, persoenlich dort aufzutauchen. Das habe ich heute mittag dann getan, denn normalerweise ist die Sachbearbeiterin Montags den ganzen Tag im Haus.
Heute nicht! Und niemand konnte mir etwas sagen.
So werde ich morgen erneut dort auflaufen.

Was noch nervt, ist meine Internet-Telefon-Verbindung bei HOT. Zum 3. oder 4. Mal innerhalb eines Monats ist es unmoeglich, ins Internet zu kommen. Mein Modem wurde bereits ausgewechselt, dann wurde Bezeq die Schuld in die Schuhe geschoben, die meine Leitung liefern, und schliesslich wurde gestern aussen am Haus die Leitung ueberprueft, die - weil alles ueber Putz liegt - voller Wasser war. Endlich dachte ich, das Problem sei nun geloest, da es sofort am nachmittag moeglich war, zu surfen, da gab die Leitung heute morgen erneut ihren Geist auf.
Nach einem Telefonat, bei dem ich alle Stecker ziehen sollte und man die Leitung erneut aufgebaut hat, geht nun (vorerst) alles wieder.
Ach ja, das telefonieren ist auch Glueckssache. Es kann sein, dass es klappt, es kann aber auch sein, dass ploetzlich, ohne ersichtlichen Grund, die Leitung stumm ist.
Nun darf man gern wieder sagen, ich sei "empfindlich" und den deutschen Standard gewohnt.

Regen - leider auch wieder in meiner Wohnung!

Ich finde keine Worte. Es tropft wieder aus denselben Stellen meiner Wasserleitung. Die Reaktion meiner Vermieterin heute morgen auf meinen Anruf: "Verstehe ich nicht. Das war vorher noch nie!"
Ehrlich gesagt, haette ich spaetestens jetzt normalerweise angefangen, die Miete zu kuerzen. Nur als Olah Chadasha traue ich mich das nicht. Zumal ich keine Geld habe fuer einen Rechtsanwalt.
Also werde ich darauf hoffen, dass sowieso bald die Regenzeit vorbei ist. Weiter traeume ich, dass es eventuell eine andere Wohnung in der Naehe geben wird in die ich nach dem Jahr umziehen kann.
Trotzdem freue ich mich ueber den Regen. Er war und ist noetig!

Freitag, 15. Januar 2010

Shabbat Shalom!


















Unter schlechten Bedingungen zu bluehen, das ist wohl die groesste Herausforderung, die man uns stellen kann. Das Leben in der Galut (oder wie in unserem Wochenabschnitt in Aegypten) zaehlt wohl zu den unguenstigsten Bedingungen fuer einen observant lebenden Juden. Hier in Israel ist es keine grosse Kunst, den Glauben zu leben. Wir sind sozusagen "in fruchtbarer Erde" und muessen uns nicht sehr anstrengen.
Josef, Jakob und seine Familie - so sagt man - ist der Tora auch in Aegypten treu geblieben.
Als Moshe von G-tt seinen Auftrag bekommt, das Volk aus Aegypten herauszufuehren, kann er das zunaechst nicht glauben, er fuehlt sich "ungenuegend". Und doch wissen wir nicht, welche Aufgaben G-tt fuer uns vorgesehen hat, und vor allem nicht warum.
Was wir tun koennen, ist die Augen und Ohren aufhalten, auf unsere innere Stimme hoeren, oder die Zeichen am Wegrand registrieren, die uns sagen, wo der Weg weiter geht. Aber wichtiger noch scheint es zu sein, das Vertrauen nicht zu verlieren, dass G-tt immer mit uns sein wird, welche Aufgabe wir auch immer zu bewaeltigen haben.
Shabbat shalom!

Mittwoch, 13. Januar 2010

Gehen nur wir auf die Barrikaden?

Die Zeitungen sind voll davon, das Radio dreht den Vorfall von hinten nach vorne und jeder ist entsetzt.
Ja, der stellvertretende israelische Aussenminister Daniel Ayalon hat sich so richtig was geleistet. Er hat den tuerkischen Botschafter auf einem niedrigen Stuhl Platz nehmen lassen, nur die israelische Flagge auf den Tisch gestellt und und ihn so vorgefuehrt und gedemuetigt, und das alles vor laufenden Kameras.
Der Ausloeser sei eine antisemitische Fernsehserie, die in der Tuerkei laeuft (Nach dem Motto: Israelis schlachten moslemische Kinder... ).
Wir entsetzen uns, sind empoert ueber das Niveau der israelischen Politik, das offenbar nun auf einem Tiefstpunkt gelandet ist.
Fast die komplette Medienwelt und Bevoelkerung geht auf die Barrikaden ueber das Verhalten des stellvertretenden Aussenministers. Und mit Recht.
Israel ist eine Demokratie. Wir duerfen unsere Meinung offen sagen, wir duerfen die Regierung kritisieren so oft und so lange wir lustig sind. Wir melden uns zu Worte, wenn wir meinen, es geht etwas nicht mit rechten Dingen zu.
Das ist gut so und fuer uns alle nur allzu normal.
Ich frage mich allerdings, ob in der Tuerkei auch Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn sie antisemitische Propagandaserien im TV vorgesetzt bekommen oder wenn es mal wieder "Israel-hetze" von Seiten Erdogans gibt.
Falls dem so sein sollte, waere ich ueberrascht, aber auch beruhigt.

Wird der Vorfall nun zu einem endgueltigen Zerwuerfnis zwischen Israel und der Tuerkei fuehren?
Wie der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor heute morgen sagte, geht es in der Zusammenarbeit zwischen den Staaten nicht um gemeinsame Ideologien, sondern immer um gemeinsame Interessen. Diese gemeinsamen Interessen duerften von beiden Seiten fuer so wichtig erachtet werden, dass sich die Aufregung (hoffentlich) bald legen wird.

Montag, 11. Januar 2010

"Arbeit?"


















Darf ich das noch Arbeit nennen, in der Sonne in einem Cafe mit meiner aelteren Dame zu sitzen und die Plaetzchen zu geniessen?
Was fuer ein unverschaemtes Glueck habe ich doch! Waehrend Europa im Schnee versinkt, darf ich mich hier am "Platz an der Sonne" freuen.
Und dafuer bin ich wirklich dankbar.

Farb-und Lichttherapie


















....und die noch gratis, bekommen wir hier in Jerusalem zurzeit aus dem Malkasten vom lieben G-tt geliefert.
Heute bade ich geradezu in Farben und Geruechen. Die Farben kann ich euch in etwa uebermitteln, aber die Gerueche?
Heute ist ein ganz aussergewoehnlich schoener und entspannter Tag fuer mich. Das liegt zum grossen Teil daran, dass das Wetter so sonnig ist, zum anderen aber auch an meiner Entscheidung, nicht den Bus zu nehmen.
So konnte ich der Hektik entkommen, habe vermieden, mich in einem vollgestopften Bus anniesen zu lassen und den Spaziergang zur Arbeit in vollen Zuegen genossen.
Es faengt an allen Ecken an zu bluehen. What a wonderful world. Eize achla Olam!

16.244 Juden wanderten 2009 in Israel ein

.....davon waren 2600 aus Westeuropa. 17 % mehr als im Jahr 2008. Wer mehr nachlesen will, kann das HIER tun.

Freitag, 8. Januar 2010

Shmot - Namen


















Die Kinder Israel wurden mit ihrem Namen genannt, auch noch einmal nach ihrem Tod.
Namen bedeuten Identitaet, ein Name ist mehr als nur ein paar Buchstaben. Warum erhaelt jemand, der einen Giur macht, uebertritt zum Judentum, einen neuen Namen?
Es ist unter anderem darin begruendet, dass der Uebergetretene quasi eine neue Identitaet bekommt. Eine Identitaet, die ihn mit diesem Namen nun auf immer mit seinem neuen Volk, mit dem juedischen Volk verbindet.
Eine Verwandte schrieb mir einmal voller Aerger einen Brief, indem sie mich in jedem Satz mit meinem Taufnamen ansprach: " Auch wenn es dir nicht passt, aber so heisst du nun einmal! Da kannst du nichts dran aendern. "

So ist es aber nicht. Vielen ist nicht bewusst, dass die Annahme eines neuen Namens im Judentum eine sehr grosse Bedeutung hat.
Mehr als man am Anfang denkt, aendert sich das Leben, die Lebensfuehrung, der Alltag und das sogenannte Wochenende, was sich nun in Form des Shabbat auf einer ganz anderen Ebene bemerkbar macht.
Nicht unbedingt nur in Abgrenzung zum bisherigen Leben, sondern vor allem als Zeichen der neuen Zugehoerigkeit bekommt man einen juedischen Namen, der dann in Israel auch - auf Wunsch - im Personalausweis erscheint.
Die juedische Seele, die, wie man sagt, schon lange darauf gewartet hat, dass sie sich zeigen darf, ist nun mit diesem Namen fuer immer verbunden.
Shabbat Shalom!


Donnerstag, 7. Januar 2010

Endlich auf der Couch....

Mit letzter Kraft habe ich meine alte Dame besucht, und die Deutschschueler hinter mich gebracht. Sogar ein wenig putzen fuer den Shabbat war noch drin.
Dann ging gar nichts mehr und nun bin ich froh, nur auf der Couch zu liegen mit einer Tasse heissem Tee und den Fernseher einzuschalten, um zu erfahren, was wieder alles passiert ist, hier bei uns und in der Schneewelt Deutschlands und Englands....
Die Grippe, die mich vor ein paar Wochen erwischt hat, scheint zurueck gekommen zu sein. Kopfschmerz, wohl auch etwas Fieber, Husten und laufende Nase und Gliederschmerzen, da fehlt wirklich nichts.
So werde ich heute auch nicht zum Shiur gehen, sondern mich hier mit meiner Waermflasche pflegen.

Die Post in Israel

Jetzt bin ich richtig sauer! Man koennte manchmal meinen, hinsichtlich der Post (speziell wenn es um Paeckchen geht) sind wir hier noch vorsintflutlich.
Da warte ich nun mehr als drei Wochen auf ein Paeckchen. Gestern, welche Freude, finde ich im Briefkasten eine Benachrichtigung. Ich koenne es bei der Post abholen. Freudestrahlend reiche ich der Postangestellten meinen Abholschein rueber, sie schaut nach und sagt: "Das war bereits die zweite Benachrichtigung. Nach einer Lagerzeit von 14 Tagen geht das Paeckchen dann wieder zurueck. "
Na toll! Ich habe nie eine Benachrichtigung erhalten und bin nun richtig sauer.
Das ist nicht das erste Mal, dass Paeckchen nach Israel wundersame Wege gehen, die nicht nachvollziehbar sind.
Im letzten Jahr, als ich als Volontaerin in Jerusalem war, schickte mir eine Freundin ebenfalls ein liebevoll zusammengestelltes Paket. Jede Woche neu fragte sie nach, ob es endlich angekommen sei. Nichts.
Als ich wieder in Deutschland war, rief mich meine Freundin ein Jahr nachdem sie das Paket abgeschickt hatte an, es sei eine Benachrichtigung in ihrem Kasten in Deutschland. Das Paket kam nach einem Jahr (das ist kein Witz!!) wieder zu ihr zurueck. Und - natuerlich musste sie auch noch dafuer zahlen, ca. 20 Euro. Somit kostete die Verschickung des Paketes sie insgesamt etwa 40 Euro, ohne den Inhalt.
Ich habe festgestellt, dass alles was etwas groesser als eine Karte oder ein Brief ist, problematisch werden kann.
Auch mein Autorenexemplar der "Juedischen Zeitung", November-ausgabe (!!) kam ca. vor einer Woche hier an.

Mittwoch, 6. Januar 2010

מרק דלעת - Kuerbissuppe


















Ich habe meine erste Suppe "nachgekocht". All die Shabbatot mit den herrlichen Suppen ueberall, da kann ich einfach nicht mehr widerstehen. Und nun hat mich das Suppen-koch-fieber gepackt.
Hier ein Rezept fuer eine delikate Kuerbissuppe:

Ein Stueck Kuerbis
2 Batatas (ich glaube das sind in Deutschland rute Rueben)
2 Karotten
1 gr. Zwiebel
Suppenpulver mit Gefluegelgeschmack (parve) (keine Ahnung ob es das in Deutschland gibt, wenn nicht, dann eben Suppenwuerze
schwarzer Pfeffer
Curcum (keine Ahnung was das ist, ich vermute eine Art Safranfaelschung
da es der Suppe die typische Safranfaerbung verleiht)

Zwiebeln etwas anbraten, alles andere in Stuecke geschnitten dazu, Wasser hinzufuegen.
Alles weichkochen lassen und anschliessend mit dem Puerrierstab saemig machen.
Mit schwarzem Pfeffer abschmecken.

Wer es scharf mag, - wie ich - gibt einfach eine gehoerige Portion Pfeffer hinzu.
Guten Appetit!

Dienstag, 5. Januar 2010

Gestern gehoert..

Sitzt ein Jude in einer Bar und ploetzlich entdeckt er am Nebentisch einen Chinesen. Er steht auf, holt aus und ohrfeigt den Chinesen mit den Worten: "Das ist fuer Pearl Harbor!"
"Pearl Harbor?" sagt der Chinese irritiert. "Aber das waren die Japaner."
"Aaach, egal, Chinese, Japaner... ist doch eh alles gleich..."
Er sitzt wieder ein paar Minuten an seinem Platz, als der Chinese auf ihn zukommt und ihn ohrfeigt. "Das ist fuer die Titanic!" sagt er.
"Die Titanic? " fragt der Jude, "aber das war doch ein Eisberg, der sie zum Sinken brachte."
"Aaach, ob Eisberg oder Goldberg... "

Sonntag, 3. Januar 2010

אל תשלח ידך אל הנער


















Zurzeit "kaempfe" ich mich durch das Buch von Israel Meir Lau, (aufgrund meiner sprachlichen Defizite), frei uebersetzt "Ruehr den Jungen nicht an" (oder: schicke deine Hand nicht aus zu dem Jungen, uebrigens ein Zitat aus der Tora. Die Stimme G-ttes erreicht Awraham mit diesen Worten, kurz bevor er seinen einzigen Sohn Jitzchak (Isaak) gemaess der Forderung G-ttes zu opfern bereit ist).
Es ist die Geschichte des heutigen Oberrabbiners von Tel Aviv, die im Alter von 5 Jahren beginnt, als er mit seinen Eltern und dem Bruder nach Buchenwald kommt. Die Ereignisse dort und sein Ueberleben, sowie das des Bruders Naftali, dessen Sohn Benni Lau auch Rabbiner in Jerusalem ist, werden sehr eindringlich von ihm in Worte gefasst.
Ein erschuetterndes Buch. (Ich habe bisher nirgends entdecken koennen, ob es eine deutsche Uebersetzung gibt, vielleicht kann das einmal jemand herausfinden...)
HIER koennt ihr Israel Meir Lau hoeren, wie er schildert, welchen Mut und welche Kraft er einst in Buchenwald aufgebracht hat, um die Nazis davon zu ueberzeugen, dass Kinder keine unnuetzen Esser sind, sondern Arbeitskraefte.

Spiritualitaet und Tora lernen


















In der letzten Zeit gibt es auch auf spiritueller Ebene eine Menge "Staerkung". Ich besuche regelmaessig die Ausfuehrungen von Rabbi Benni Lau zur Paraschat haShavua am Donnerstag abend, die immer sehr gut besucht sind. Sehr unterschiedliche Menschen finden sich dort ein, - auch Menschen, die nicht religioes sind - um etwas mehr aus der Tora zu lernen.
Der Unterricht ist ansprechend, Rabbi Benni Lau spricht ein sehr deutliches, klares hebraeisch, in ausreichender Lautstaerke, auch fuer Neueinwanderer verstaendlich. Seine Erklaerungen sind oft mit einer Portion Humor gewuerzt, was die Stunde wirklich bereichert.
Zusaetzlich treffe ich in einem Haus in der Nachbarschaft nach Shabbat ein paar Menschen, die gemeinsam "Melawe Malka" feiern. ( Woertlich uebersetzt "Begleitung der Koenigin" (Shabbat)) Mit einer zusaeztlichen Mahlzeit, nach Shabbatausgang soll der Shabbat, auch als Koenigin oder Braut bezeichnet, begleitet werden, waehrend er sich langsam von uns entfernt und der Alltag naeherrueckt.
Dabei wird ueber den Wochenabschnitt, die Parashat haShavua diskutiert und gesungen. Eine angenehme Atmosphaere, bei sehr menschlichen Menschen.
Ich kaufe mir zum Lernen zusaetzlich die Buecher, die fuer Kinder vorgesehen sind. Auch dort sind ausser den Erklaerungen zur Parashat HaShavua Midrashim und Auslegungen von Rashi kindgerecht eingeflochten.

Arbeit - ein Update

Heute habe ich meine Stelle bei der 2. Dame, die ich mehr oder weniger betreut habe, abgesagt, zugunsten einer Erhoehung der Stundenzahl bei meiner lieben Sharon. (Der Name ist frei erfunden). Dort arbeite ich nun 18 Std. pro Woche.
Es war einfach zu chaotisch, zu oft wurde abgesagt, nie war so richtig klar, was eigentlich meine Aufgaben sind.
Auf diese Weise kanalisiere ich auch meine Aktivitaeten wieder nur auf einen Arbeitsplatz, und falls Mitte Januar das "O.K." fuer meine Diplom-anerkennung eintreffen sollte, wuerde ich noch einmal ueber die 2 Std. im Krankenhaus nachdenken. Sie sind dort immer noch daran interessiert, dass ich anfange, und ich wuerde ehrlich gesagt, eine Menge lernen, auch wenn es nur eine Viertelstelle ist, und eigentlich nicht des Aufwands wert.

Samstag, 2. Januar 2010

Wie sind sie eigentlich, "DIE Juden"?

Viele Menschen wissen nichts ueber die Vielfalt an juedischem Leben und Lebensweisen in der Welt, die auch und gerade in Israel existiert.
Jude ist nicht gleich Jude und man sieht es auch nicht gleich jedem an der "Nasenspitze" an. (Obgleich manche schon dem Stereotyp der "juedischen Nase" entsprechen...). Aber im Ernst. Viele Menschen z.B. in Europa wissen gar nicht, dass der Nachbar ein Jude ist. Was sagt man, wenn man es durch einen Zufall erfaehrt? "Ach, der ist auch Jude? Dabei ist er ganz nett..."
Es gibt Juden, die ihre juedische Identitaet gaenzlich verschweigen, und denen man auch nicht anmerkt, dass sie Juden sind. Weder durch eine religioese Lebensweise, noch durch einen siebenarmigen Leuchter auf der Fensterbank.
Vor ein paar Tagen gab es einen Film ueber eine juedische Gemeinde in China. Wer dort auf dem Bildschirm zu sehen war, waren chinesische Menschen. Niemand haette ihnen angesehen, dass sie Juden sind.
Es gibt aethiopische Juden, deren Hautfarbe schwarz ist, Juden, die blond und blauaeugig sind und Juden, die von weitem durch einen Pelzhut und Gamaschen auffallen.
Viele Menschen glauben, dass alle Juden mit Schlaefenlocken und schwarzem Mantel herumlaufen und kosher essen. Nebenbei strangulieren sie sich noch die Arme mit einer Art Lederband und binden sich ein Kaestchen auf die Stirn, was auf sehr mysterioese Praktiken schliessen laesst. Naja, die Juden waren ja schon immer etwas seltsam. Wer weiss, welchen Woodoo-zauber sie dadurch wieder ausfuehren?

Aber nun mal ernsthaft. Gerade hier in Israel treffen Juden, die sich strikt an die Kashrutgesetze halten und andere, die liebend gern "Serrano-schinken" essen, aufeinander. Hier seinen Platz zu finden, ist nicht ganz einfach. Jeder Jude, ausgenommen die, die eindeutig saekular leben oder diejenigen, die z.B. in Mea Shearim ein Leben fuehren, das ich persoenlich als absolut orthodox bezeichne, hat fuer sich und seine Familie seine "Grenze" an einer anderen Stelle.
Das zentrale Gemeinsame fuer jeden religioes lebenden Juden duerfte der Shabbat sein. Der Shabbat als Bund zwischen G-tt und seinem Volk, der von jedem Juden, der sich als religioes bezeichnet eingehalten wird.
Wie? Das bleibt wieder der Entscheidung des Einzelnen ueberlassen. (Sicher nicht gemaess der Halacha, da gibt es klare Vorgaben...) Manche Menschen halten es fuer uebertrieben, kein Toilettenpapier am Shabbat abzureissen, manche schreiben, auch wenn das am Shabbat gemaess der Halacha nicht erlaubt ist.
Als ob es nicht schon schwierig genug waere, in dieser Vielfalt seinen Platz zu finden, machen es einem manche Menschen noch ein wenig schwerer, indem sie mit dem Finger auf "andere Juden" zeigen, die nicht so leben wie sie selbst.
Sehr oft hoere ich abfaellige Worte von saekular lebenden Juden den religioesen gegenueber.
Was ich verstehen kann, ist die Empoerung denjenigen gegenueber, die ebenfalls keine andere Lebensweise gelten lassen als die ihrige, die sich offenbar an alles halten, was es einzuhalten gibt, und diejenigen verurteilen, die "nicht religioes genug " leben.
Was ich hingegen nicht mag, ist eine sofortige Vorverurteilung, sobald diese Menschen Juden sehen, die weithin sichtbar "juedisch gekleidet" sind. Nase ruempfend heisst es nicht selten dann: "Schau mal! Die Datiim! (Religioesen). Wie sie schon rumlaufen. Das ist doch nicht normal."
Wer gibt uns das Recht, ueber einen Menschen zu urteilen, der gerade vorbeigeht, nur weil er schwarz gekleidet ist und eine Pelzhut traegt?
So gesehen koennen Menschen, die saekular leben und sich selbst - im Gegensatz zu den Religoesen natuerlich - als auesserst tolerant einstufen, die Intoleranz in Person sein.
Wer von uns weiss schon, was in dem Menschen, ueber den wir gerade die Nase ruempfen vorgeht. Wer von uns kennt seine "guten Taten", seine vielleicht freundlichere Seele als unsere?
Wenn wir wahrhaft im Einklang mit uns selbst leben - egal was der Nachbar tut - glaube ich, werden wir weniger die Augen verdrehen, uns weniger daran stoeren, wie der andere lebt. Vielmehr koennen wir dann den anderen auch anders sein lassen.
Es sollte doch nicht so schwer sein, als Jude andere Juden ihre Juedischkeit auf welche Weise auch immer ausdruecken zu lassen, wenn es nicht die Grenze von koerperlicher oder verbaler Gewalt ueberschreitet.

Freitag, 1. Januar 2010

Parashat Vajechi! - ויחי


















Juna hat es vor ein paar Tagen in ihrem ARTIKEL berichtet, wie Menschen uns sagen wollen, wo wir am besten zu leben haben.
Dabei hat jeder von uns eine innere Stimme, die ihm sagt, wo er bleiben soll und wohin er ziehen muss. Wir koennen uns, wenn wir in gutem Kontakt mit dieser Stimme sind, fest darauf verlassen, dass sie uns ein Signal geben wird, wenn die Zeit gekommen ist fuer ein "Lech lecha..", oder aber nichts dergleichen geschieht, weshalb es sein kann, dass wir genau an dem Ort, wo wir sind, eine bestimmte Aufgabe zu erfuellen haben.
Jakob befand sich endlich bei Josef, er war in Aegypten, mit seinen Kindern. Aber er wusste auch, dass er weit vom Land seiner Vaeter entfernt war, und deshalb bittet er seinen Sohn Josef kurz vor seinem Tod, nein, er verpflichtet ihn auf einen Schwur, um sicher zu gehen, nicht in diesem Land begraben zu werden.
Aegypten stand fuer Ueberfluss, materielle Genuesse und das pure, aber oberflaechliche Leben.
Warum war Josef in diesem Land, das doch alles andere als eine spirituelle Umgebung gewesen sein duerfte?
Er hatte eine Aufgabe. Josef musste diese Aufgabe erfuellen, er hat das Land und seine Familie vor dem Hungertod gerettet.
Josefs Glaube und seine Verbindung zu G-tt war aber so gross und stark, dass er selbst tief im Brunnen, allein und verlassen, spaeter im Gefaengnis, vergessen vom Mitgefangenen, nie die Gewissheit verloren hat, dass G-tt mit ihm ist.
Und erst als er seine Brueder wieder trifft ist ihm auch klar, dass alle seine Wege von G-tt geleitet wurden, dass er seine Familie vor dem Hungertod gerettet hatte, indem er ihnen voraus "geschickt" wurde.
Josef und auch Jakob konnten den g-ttlichen "Funken" mit sich tragen, konnten im Exil an der Tora und an ihrem juedischen Erbe festhalten.
Mein Rabbi sagte einmal zu mir, als ich mich so sehr nach Israel sehnte: " Wir haben es nicht schwer. Was sollte erst Awraham sagen, der allein war mit seinem Glauben? Die ganze Umgebung war unglaeubig, nur er hat gewusst, dass er die Wahrheit in sich traegt. Wenn wir uns im Exil einsam fuehlen, koennen wir unsere Heimat, unser Israel dort finden, wo sich Menschen einfinden, die wie wir sind. In der Synagoge. Das ist unser kleines Israel, unsere Verbindung zum heiligen Land."
Wir sollten herausfinden, was wir an Ort und Stelle fuer eine Aufgabe haben, als Jude, als Juedin. Schliesslich haben wir die Faehigkeit, den Funken in uns weiter in der Welt zu verteilen, aus ihm eine Flamme zu machen, die von weitem zu sehen ist. Wenn jeder von uns auf seine eigene innere Stimme hoert, und die Zeichen im Alltag beachtet, kann er gar nicht an einem falschen Ort sein, er wird immer da sein, wo er gerade als Jude "seinen Einsatz" hat.
Shabbat Shalom!