Mittwoch, 31. März 2010

Nicht nur einer......


















HIER mein diesjaehriges Lieblingslied aus der Haggada. Gesungen von Jacov Shwaki und Jonathan Raz'el.
Es handelt davon, dass sie (Tora und Segen G-ttes) es ist, die unsere Vorvaeter und uns ueberleben lassen hat.
Denn - nicht "nur einer" ist gegen uns (das juedische Volk) aufgestanden, um uns auszuloeschen, sondern in jeder Generation erneut versucht man das juedische Volk zu vernichten. (in juengster Zeit ist es wohl Achmadinedschad, der ganz offen von einer Vernichtung des juedischen Volkes spricht)
HaKadosh baruch Hu rettet uns immer wieder aus den Haenden der Feinde.
Dieses Lied wurde von jemandem am Leila Seder in der Synagoge angestimmt und leise von allen mitgesungen. Ich kann nicht leugnen, dass es Gaensehaut und Traenen der Ruehrung und Zugehoerigkeit ausloeste.
Viel Freude beim Anhoeren!

Deutsche Behoerden - auch nicht viel besser ....

Ein kleiner Exkurs zur deutschen Finanzbehoerde.
Im Februar reichte ich meine letzte Einkommenssteuererklaerung persoenlich bei den Finanzbehoerden in Deutschland ein. Da ich keine Bankverbindung mehr in Deutschland hatte, wollte ich zunaechst eine eventuelle Steuerrueckerstattung auf das Konto meiner Tochter ueberweisen lassen.
Nachdem aber klar wurde, dass auch eine Auslandsueberweisung mit der entsprechenden IBAN-und Swift-nummer moeglich ist, bat man mich darum, diese Bankverbindung noch schriftlich mitzuteilen.
Noch in Deutschland schickte ich am naechsten Tag meine Bankverbindung zur Finanzbehoerde.
Nach einigen Wochen erhielt ich Post in Israel, mit der Bitte, um die Angabe meiner Bankverbindung.
Ich rief bei meiner - wirklich aeusserst netten - Sachbearbeiterin an, die mich aufklaerte, dass sie von mir keinen derartigen Brief erhalten hatte.
Ich schickte meine Bankdaten noch einmal zur Finanzbehoerde und fragte nach 10 Tagen erneut, ob mein Brief angekommen war.
War er - und mir wurde gleichzeitig mitgeteilt, dass meine Steuerrueckerstattung bereits auf mein Konto in Israel angewiesen wurde.
Wunderbar!
Nach weiteren 12 Tagen erhielt meine Tochter stellvertretend fuer mich den Steuerbescheid, auf dem vermerkt war, dass die zu erstattende Summe auf mein Konto in Deutschland bei der XX-Bank ueberwiesen wurde.
Ich rief an und fragte nach. Die Sachbearbeiterin war sich sicher, dass sie meine neuen Bankdaten an die Abrechnungsstelle weitergegeben hatte. Aber zur Sicherheit koenne sie noch einmal nachfragen.
Und - tatsaechlich wurde die Summe faelschlich auf mein altes Konto - was gar nicht mehr in der neuen Steuererklaerung von mir angegeben wurde, aber wohl noch im Computer der Finanzbehoerde war - angewiesen.
Nun wird man abwarten, wann (und vielleicht auch ob ueberhaupt....?????) das Geld zurueckkommt, um es dann (hoffentlich) zu mir nach Israel zu ueberweisen.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor und ich bin beruhigt, dass nicht nur in Israel solche Dinge passieren...

ENDLICH!!

Endlich ist meine letzte Diplom-anerkennung da und ich bin sofort mit allen Unterlagen zum Har Hazofim (Skopusberg) hochgefahren, um alle Papiere einzureichen. Nun ist es so, dass waehrend der Pessach-feiertage nichts mehr passiert und auch noch die letzte Entscheidung der Personalversammlung abgewartet werden muss.
Was fuer ein Aufwand fuer eine Viertelstelle.
Dennoch - dieser Prozess hat sich wirklich gelohnt, denn mit diesen Papieren kann ich ueberall im Land als Sozialarbeiterin anfangen zu arbeiten. (Vorausgesetzt es gibt Arbeitsangebote..)

Dienstag, 30. März 2010

Meditativer Spaziergang und "kleine Vogelkunde"


















Die unmittelbare Naehe der Natur macht mich ruhig. So kann ich am besten entspannen. Bin ich ein wenig enttaeuscht gewesen, dass in meine kleine Wohnung keine Sonne scheint, da das Nachbargebaeude sich in den Weg stellt, so gibt es doch einen echten Trost.
Vor meinem Fenster gibt es einen kleinen Garten, der von den Nachbarn gepflegt wird. Dort steht ein bluehender Baum mit einem hoelzernen Windspiel darin, was mich in die Nacht begleitet.
Alle mir aus Deutschland fremden Voegel wecken mich am morgen mit ihrem Gesang. Ausser dem wohl ueberall vorkommenden Spatzen, hier "Dror" genannt, gibt es unzaehlige Arten, und ich kann mich weder sattsehen, noch -hoeren.
Einer meiner Lieblingsvoegel ist der "Drara" (דררה), ein Vogel, der gar nicht urspruenglich aus Israel stammt. Es ist eine Art kleiner Papagei, den - so erfuhr ich - jemand vor einiger Zeit aus Indien hierhergebracht haben muss und nun vermehrt er sich hier wie wild. An fast jeder Ecke in meiner Nachbarschaft hoert man sein lautes Geschrei. HIER koennt ihr ihn sehen.
Der "Bulbul" (בולבול) - seine Schoenheit ist HIER zu sehen, weckt mich morgens und begeistert mich gerade, da er direkt vor meinem Fenster im Baum sein Nest baut. Einer aber entzueckt mich ganz besonders durch seine zarte grazile Gestalt, sein Wahnsinns-flugtempo und seinen blau-schwarzen Glanz, der maennliche Coolibri, hier "Zufit" (צופית) genannt. Sein Name kommt durch das Wort "Zuf", was Nektar bedeutet. Er "steht" naemlich, wie ihr sicher wisst, regelrecht vor den Blueten, um mit seinem spitzen langen Schnabel den Nektar zu saugen. Mit schnellen Fluegelschlaegen gelingt ihm dies meisterhaft. HIER koennt ihr ihn bewundern, und falls mir einmal gelingt, die Camera schnell genug griffbereit zu haben, werde ich ihn noch einmal praesentieren.
Der Sis (סיס) , zu deutsch Mauersegler oder Schwalbe (HIER), ist meist in Schwaermen mit lautem Pfeifen unterwegs und den Specht ( hebr. Nakar suri, נקר סורי, syrischer Specht HIER) hoere ich fast nur in den hohen Eukalyptusbaeumen. Zu sehen ist er so gut wie nie.
Vorwiegend am Toten Meer habe ich bislang den Tristramit (טריסטרמית HIER) erlebt, der eine Starenart ist, und mich sehr an meinen Beo erinnert, der 13 Jahre lang unser Haustier war. Heute denke ich, dass Voegel keine Haustiere sind, sie brauchen die Freiheit.
HIER koennt ihr euch uebrigens einige der Vogelstimmen anhoeren.

Ein Gang durch die Natur, wie am heutigen Pessachfeiertag, laesst mich an jeder Ecke staunend stehenbleiben. Was fuer ein Geschenk des Himmel doch die Vielfalt der Natur ist. Jedes Geschoepf ist ein kleines Wunder fuer sich.

Beruehrt und neu gestaerkt!

Der Sederabend war beeindruckend. Hier in Israel habe ich ihn zum ersten Mal gefeiert und sogar in einer grossen Familie mit vielen Kindern. Wie dankbar war ich, dort zu Gast sein zu duerfen.
Am tiefsten hat mich das enorme Wissen der Kinder beeindruckt. Der kleine 3-jaehrige Enkel konnte die 10 Plagen mit denen die Aegypter geschlagen wurden, besser aufsagen als ich und sein Cousin, der 13-jaehrige Bar Mizwa bot mir gleich an, mir alle Fragen zum Beit Hamikdasch (zum einstigen Tempel) zu beantworten, die mir einfielen, da er auf diesem Gebiet "Fachmann" sei.
Wunderbar, denn alles was mit dem Beit HaMikdash und den Opfern zusammenhaengt, ist mir in vielen Faellen ein Raetsel.
Wir haben gesungen, und den Sederabend wirklich so gefeiert, wie man ihn feiern "sollte", meiner Meinung nach. Und auf diese Weise kam auch jeder in die Stimmung, die erreicht werden sollte, das Nachempfinden des Auszugs aus Aegypten, so, als sei man selbst aus der Sklaverei befreit worden.
Die Enkel meiner befreundeten Familie fuehrten mit Enthusiasmus eine Szene nach der anderen auf, mit juedischen Sklaven, dem Pharao und sogar einigen nachgespielten Midraschim (Auslegungen des Toratextes).
Vieles habe ich gelernt und auch ganz anders erlebt als bisher bei unseren Sederabenden in der Dortmunder Gemeinde. Obwohl ich sagen muss, dass diese Abende vom Rabbiner immer mit grosser Sorgfalt gestaltet wurden und ich mich gern auch an diese Zeit erinnere.
Interessant ist wirklich, dass Pessach ein Fest ist, das von religioesen wie auch saekular lebenden Juden gefeiert wird. Selbst das Lesen der Haggada und alle traditionellen "Zutaten" auf dem Sedertisch sind in jedem Haushalt dabei.
Mein Sederabend endete um kurz vor 2 Uhr nachts und ich fiel noch mit den Gesaengen im Kopf total erschoepft, aber gluecklich, ins Bett.
Chag Sameach!

Montag, 29. März 2010

Sehr gemischte Gefuehle kurz vorm Sederabend


















Alles ist auf den Beinen, die letzten Einkaeufe werden erledigt, Reste vom Chametz (Gesaeuertes, wie Brot, Kuchen, usw) wurden verbrannt, ueberall riecht es nach Feuer.
Die Blumenstaende haben Hochkonjunktur und auch ich habe eine Kleinigkeit fuer die Familie, die mich eingeladen hat, gekauft. Auch ein Straeusschen fuer mich selbst, zu Ehren des Pessachfestes musste sein.
Pessach - das ist das Fest der Familie, die mit ihren Kindern heute die Pessach-haggada lesen, die ihren Kindern das weitergeben, was sie selbst von ihren Eltern erfahren haben.
Und ich fuehle zusaetzlich zur Vorfreude ein wehmuetiges "Wie gern wuerde ich jetzt im Kreise meiner Kinder feiern..."
Aber ich bin die einzige, die zum Judentum konvertiert ist, die einer inneren Stimme nachgekommen ist, die glaubt, im Judentum "zuhause" zu sein.
Sind nicht unsere Kinder unser Zuhause?
Meine Kinder feiern nicht mehr dieselben Feste wie ich und das ist neben der Freude ein Wehrmutstropfen. Ich habe es mir so ausgesucht, habe meine "Allein-samkeit" selbst herbeigefuehrt.
Aber - waere ich jetzt in Deutschland, wuerde ich dennoch nicht Pessach mit den Kindern feiern. Sie kennen die Bedeutung dieses Festes, haben aber andere Wege. Ich wuerde heute in Deutschland sehr allein sein, mit nur wenigen Menschen aus der Gemeinde. Das oeffentliche Leben wuerde seinen Alltagsgang gehen, kein Feiertag, keine festliche Stimmung.
Die Kinder wuerden arbeiten und es gaebe keine familiaere Pessach-stimmung.
So bin ich zerrissen zwischen der grossen Freude, endlich unter all denen zu leben, die die Feste feiern, die ich seit ein paar Jahren begehe und der wehmuetigen Stimmung, dass unsere Familie nicht mehr dieselben Feste teilt. Durch meine Entscheidung.
Bei solchen Gelegenheiten komme ich immer zu dem Schluss, dass dies mein Preis ist fuer das, was ich als "Geschenk" empfinde.
Einfach ist es wirklich nicht, besonders an Tagen wie diesen...

Sonntag, 28. März 2010

חג פסח שמח


Ein schoenes besinnliches Pessachfest wuenscht Euch Noa aus Jerusalem!
Chag aviv sameach!

Freitag, 26. März 2010

Pessach - was ist Freiheit?


















Von der Sklaverei in die Freiheit, ist unser Thema zu Pessach. Von den sicheren Fleischtoepfen der Aegypter in eine unsichere Zukunft, in eine Zukunft, wo Vertrauen darauf, dass wir von unserem Vater nicht allein gelassen werden, existenziell ist.
Manchmal sagt uns unsere Stimme auch in diesen Zeiten noch, aufzubrechen, neu anzufangen, uns darauf zu verlassen, dass wir es auch ohne die bisherigen sicheren Bedingungen schaffen werden.
"Ein Schiff, das im Hafen bleibt, kann nicht untergehen - aber dazu sind Schiffe nicht gebaut!"
Dieser Spruch ist mir vor langer Zeit aufgefallen. Und ich denke, auch der Mensch ist nicht dazu geschaffen, sein Leben lang an einer sicheren Arbeitsstelle zu verbringen, nichts zu "wagen", aus Angst vor dem Untergang.
Angst ist kein guter Berater, sagt man, doch Angst ist auch eine natuerliche Warnfunktion in uns Menschen.
Nicht nur einmal heisst es in der Tora: "Hab keine Angst. Ich werde mit dir sein."

Freiheit - heisst das nicht auch, dass wir fuer unsere Handlungen die volle Verantwortung uebernehmen muessen? Niemand kann uns vorschreiben, wie wir uns entscheiden. Wir muessen selbst abwaegen, was wichtig ist im Leben. Unser Alltag ist voll von kleinen oder schwerwiegenden Entscheidungen und manchmal sollten wir uns auch gegen alle Ratgeber unserer Umgebung durchsetzen, unseren ganz eigenen Weg gehen.
Freiheit ist nicht grenzenlos. Sie endet genau da, wo die Freiheit des Mitmenschen beginnt und durch unsere Handlungen beeintraechtig werden koennte.
Moralisch handeln, den Naechsten nicht "ueberfahren", auch diese Freiheit haben wir. Wir koennen uns dagegen entscheiden, sollten aber dann die Konsequenzen in voller Verantwortung tragen.
Aus meinem Philosophie-unterricht werde ich wohl eines nie vergessen, den kategorischen Imperativ von Immanuel Kant: "Handle so, dass die Maxime deines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann."
Abgesehen vom Judentum, dass unsere Handlungen auf einen Punkt bringt: "Was du selbst nicht moechtest, das fuege auch nicht deinem Naechsten zu." kann der der kategorische Imperativ eine moralische und ethische Richtungsweisung sein fuer alle, die nicht in der Tora ihre Weisungen finden wollen.

Fuer uns, die wir ein mehr oder weniger religioeses Leben fuehren mit grossem Vertrauen in g-ttliche Fuehrung, bedeutet Freiheit auch manchmal, eigene - und einsame - Wege gehen zu muessen.
Die Wege unserer Mitmenschen muessen nicht den unseren gleichen, fuer sie koennen andere Wege - und Umwege - stimmig sein. Daher gilt es immer auch, bei aller Abgrenzung den Weg des Anderen zu respektieren und akzeptieren und nicht etwa vorschnell zu verurteilen.
Ich wuensche allen Mitmenschen ein wunderschoenes Pessachfest, in Frieden und Freiheit!

Donnerstag, 25. März 2010

Post vom Erziehungsministerium...."ist auf dem Weg"

Immer noch "auf dem Postweg per Einschreiben" scheint mein wichtigstes Dokument zu sein, ohne das ich nicht anfangen kann zu arbeiten.
Man hatte gestern morgen einem Bekannten per Telefon mitgeteilt, es sei per Einschreiben an mich unterwegs.
Da ich schon mehrere Dokumente nicht erhalten habe, und auch keine Benachrichtigung im Briefkasten darueber erhielt bin ich nun vorsichtig und habe einerseits den Brieftraeger abgefangen, andererseits in meiner Postfiliale nachgefragt, ob es etwas fuer mich gaebe.
Leider noch nicht. Morgen und am Shabbat gibt es keine Post und die naechste Moeglichkeit ist erst wieder am Sonntag.
Danach ist Pessach und ich hoffe sehr, dass ich am 1. April, wie geplant endlich anfangen kann zu arbeiten.

Misrad haPnim (Innenministerium) in Sachen "israelische Staatsbuergerschaft"

Gut, dass ich nicht mehr in Traenen ausbrechen muss, denn mein Besuch heute beim Innenministerium, um die israelische Staatsbuergerschaft zu beantragen stand unter dem inneren Motto: Es haengt nichts davon ab, wie auch immer sie reagieren!
Zunaechst war ich sogar ueberrascht. Eine recht freundliche Mitarbeiterin und ihre Vorgesetzte hoerten sich meine Ausfuehrungen an, warum ich die israelische Staatsbuergerschaft nun erwerben moechte.
Fuchtig wurden sie erst, als sie sahen, dass ich diese anfangs abgelehnt habe. "Vor ein paar Monaten haben sie sie abgelehnt. Und jetzt wollen Sie sie ploetzlich haben?" zeterte die Vorgesetzte.
Ich erklaerte ihr, warum ich sie abgelehnt habe, und dass das lediglich buerokratische Gruende hatte. (Man hatte mir vorher gesagt, dass es beim Innenministerium durchaus bekannt sei, wie die Vorgehensweise ist... nun dies schien nicht der Fall zu sein)
"Sie haetten doch innerhalb der ersten drei Monate EINMAL KURZ in Deutschland anrufen koennen, um das abzuklaeren. Duerfen Sie die deutsche behalten oder nicht? Das ist ein Anruf. Tschick-Tschack!"
Ha! Das geht genauso wenig tschick-tschack, wie hier in Israel irgendein Antrag, in welcher Behoerde auch immer, tschick tschack bearbeitet wird.

Ausserdem sei ihr noch kein einziger Fall bekannt, bei dem Deutschland die doppelte Staatsbuergerschaft genehmigt. (Stimmt nicht. Ich kenne einige...)
Ich wuerde das eh nicht genehmigt bekommen.
(Warum hoert man immer nur halb hin? Ich hatte ihr bereits gesagt, dass ich diese Genehmigung nun erhalten habe!)

"Also das weiss ich nicht, ob ich Ihnen da jetzt die Genehmigung erteilen kann. Ich werde mich erkundigen. Warten Sie vor der Tuer!"

Wie schoen, dass davon jetzt nichts, aber auch gar nichts mehr abhaengt. Anders war es am Anfang, als ich dort sass und man mir keine Teudat Sehut geben wollte. Ohne Teudat Sehut keine Bankkontoeroeffnung, somit auch keine Zahlungen .... irgendwie keine Daseinsberechtigung...

Und diese Denkweise: "Erst lehnt sie die israelische St. ab, und jetzt will sie sie auf einmal. " kann ich sogar nachvollziehen.
Nur - es gibt leider keine andere Moeglichkeit.

Nach einer Weile des Wartens rief mich die Dame wieder herein, drueckte mir einen Antrag auf die israelische Staatsbuergerschaft in die Hand, die ich mit einer Erklaerung, warum ich erst abgelehnt habe, und einer Unterschrift vom Notar wieder einreichen soll.
Nun - ich habe es mit Leichtigkeit genommen, da es nicht ueberlebenswichtig ist, ob ich nun weiterhin als Permanent Resident hier bin oder als israelische Staatsbuergerin. Ich kann arbeiten, hier wohnen und lediglich nicht bei einer Ministerpraesidenten-wahl teilnehmen.
Dennoch waere es wuenschenswert und wuerde die Integration erheblich erleichtern, wenn die Vorgehensweise allseits bekannt waere.
Auch die Botschaft in Tel Aviv hatte bereits kritisiert, dass kaum einem Neueinwanderer die Gefahr des eventuellen Verlustes der dt. Staatsbuergerschaft erklaert wird. Unnoetige spaetere Antraege, um sie wieder zu bekommen, koennten also von vornherein vermieden werden.

Mittwoch, 24. März 2010

"Alltag im Gelobten Land" - ein Buch von Ulrich Sahm

Auch wenn ich den Inhalt noch nicht kenne, es scheint ein viel versprechendes Buch zu sein ueber Israel.
Ich kenne Ulrich Sahm persoenlich, habe ihn in Jerusalem besucht.
Ulrich Sahm wohnt seit mehr als 35 Jahren in Israel. Seine Beitraege zu Zeiten des Libanon-II-Krieges 2006 bei N-TV haben mir seinerzeit sehr gefallen, da sie doch so sehr vom ueblichen "Israel schlaegt unverhaeltnismaessig zurueck"- Gebet in Deutschland abwichen. Ulrich Sahm stellt waehrend es Krieges auch die israelische Seite dar, berichtete ueber die Raketen auf Haifa und den uebrigen Norden und liess keine einseitige Stellungnahme zu.
Meiner Meinung nach war er eine wichtige Stimme, die zwar manches Mal im Eifer der Israelkritik unterging, aber es gab sie zumindest.
Daher verspreche ich mir von seinem Buch ebenfalls eine Bereicherung auf dem reichhaltigen Markt der "Israel-literatur".
Wie man sicher in meinen Blogeintraegen lesen kann, ist Israel zwar haeufig schwierig, manchmal nervig und aufregend, kein einfaches Land, aber wahrhaftig nicht unsymphatisch und schon gar nicht eines: langweilig und uninteressant!

Auf dem Weg zu mir.....

Meine Diplom-anerkennung vom Misrad haChinuch (Erziehungsministerium) soll per Einschreiben auf dem Weg zu mir sein, so berichtete mir gerade ein Freund, der sich eingesetzt hat, fuer eine etwas zuegigere Bearbeitung.
Nun muss ich nur noch hinter der Post herlaufen, da auch ein Einschreibebrief bei mir nicht sicher ankommt.
Der letzte, den ich von der Botschaft in Tel Aviv bekommen sollte, kam nicht an, noch habe ich eine Benachrichtigung im Briefkasten gefunden, so dass das Dokument zurueckgeschickt wurde.

Daher werde ich jetzt jeden Tag in der Postfiliale auftauchen, um auf den Brief zu warten.
Gestern abend habe ich das Post-portal im Internet ausfindig gemacht und dort eine lange Beschwerdemail aufgesetzt. Ob es hilft weiss ich nicht, aber wenn niemand rueckmeldet, dass jede 2. Post nicht ankommt, ist es auch nicht richtig.

So hoffe ich nun, dass ich das Dokument in den naechsten Tagen zum Hadassah hospital bringen kann, um dann am 1. April anzufangen b"h.

Alle wichtigen und dringend zu erledigenden Aemtergaenge haette ich dann hinter mir und kann etwas lockerer werden und entspannen.
Was dann noch ansteht, die Beantragung der israelischen Staatsbuergerschaft, kann ich ohne Zeitdruck angehen und langsam in die Wege leiten.
Sollte es in dieser Hinsicht Schwierigkeiten geben, da ich aus strategischen Gruenden anfangs die Staatsbuergerschaft abgelehnt habe, muss ich mich auch nicht unnoetig aufregen, denn ich koennte theoretisch auch als Permanent Resident hier leben.
Fuer einige Jobs kann es aber von Vorteil sein.

Dienstag, 23. März 2010

Joerg Kachelmann oder "die Federn sind verteilt"

Das erste was ich denke, wenn ich von Vergewaltigungsvorwuerfen gegen Menschen hoere ist meist: Da wird schon was dran sein.
Das wird nicht nur mir durch den Kopf gehen. Und falls es sich herausstellt, dass an den Vorwuerfen tatsaechlich etwas dran ist, verurteile ich eine solche Tat beinahe mehr als einen Mord. Eine Vergewaltigung ist eine derart brutale demuetigende Handlung, die das Leben der Opfer (ob Mann oder Frau) fuer immer veraendert.

Was im Falle Kachelmann zur Debatte steht, ist die Frage, ob er vielleicht unschuldig ist, wie er selbst behauptet.
Ich moechte hier nicht darauf eingehen, was es fuer Gruende gibt, einen Menschen einer derartigen Handlung zu beschuldigen, ohne dass es der Wahrheit entspricht, denn auch eine Anschuldigung dieser Art ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann.

Ich erinnere bei Themen wie "Rufmord" oder ueble Nachrede (Lashon haRa) gern an die Geschichte des Rabbiners, der von einer Frau aus dem Dorf mit ueblen Beschuldigungen bedacht wurde. Nach einer Weile kam die Frau zur Besinnung und ging zum Rabbi um um Verzeihung zu bitten. Sie fragte ihn, was sie tun koenne, um ihre ueblen Beschuldigungen ungeschehen zu machen und gestand aufrichtig, dass sie alles frei erfunden habe, um ihm zu schaden.
Der Rabbi schickte die Frau nach hause mit der Bitte, ihr Kopfkissen aufzuschneiden, die Federn auszuschuetteln und wieder zu ihm zurueck zu kommen. Einen Tag spaeter kam sie zurueck zum Rabbi und fragte ihn, was das solle? Er sagte: "Und nun geh und sammle ALLE Federn wieder auf."
Fragend sagte die Frau: "Aber das geht nicht. Der Wind hat schon alle Federn verteilt."

Ja, der Wind hat auch schon alle Federn im Falle Kachelmann verteilt und falls er diese menschenverachtende Tat nicht veruebt hat, kann er einem leid tun, denn es ist eigentlich egal. Sein Ruf und sein Ansehen sind beschmutzt, seine berufliche Karriere zerstoert.
Es wird etwas bleiben von den Anschuldigungen, auch wenn kein Wort daran stimmt.
Alles, was wir aus dieser Geschichte mitnehmen koennen ist, sehr vorsichtig mit unserer Zunge zu sein, denn sie kann toeten.
Falls die Geschichte wahr ist, ist es selbstverstaendlich richtig, sofort und ohne Zoegern eine Anzeige zu erstatten.

Montag, 22. März 2010

Buecher!


















Hier in Jerusalem gibt es sehr stimmungsvolle kleine Buchlaeden. Aber auch groessere "Ketten" wie Stimazky laden den Buecherwurm zum Stoebern ein.
Was mich aber am meisten begeistert, ist die Tatsache, dass Menschen, die ihre Buecher nicht mehr brauchen, sie einfach auf eine Mauer oder an einer Ecke deponieren, an der sich dann die sammeln, die ein "Schnaeppchen" finden wollen. Vor allem religioese Buecher, aber auch andere Literatur findet man, mit ein bisschen Glueck im wahrsten Sinne des Wortes "am Wegesrand". So habe ich gestern auf dem Weg zur Arbeit ein paar Buecher mitnehmen koennen, die andere aussortiert haben. Eine schoene Megillat Esther war dabei, sowie andere interessante Literatur.
Ein auf den Seiten von Stimazky entdeckter Spruch lautet: "Es gibt Buecher, die du in einem Atemzug liest, und es gibt Buecher, die du liest, ohne zu atmen..."

Sonntag, 21. März 2010

Das deutsche Renntempo...

...muss ich mir abgewoehnen. G-tt sei dank war heute ein relativ entspannter Tag. Morgens war ich zwar schon um 7 Uhr auf dem Weg zum Hadassah-hospital, um noch einige Einstellungsuntersuchungen hinter mich zu bringen, aber ansonsten lief der Tag sonnig und relativ entspannt weiter.
Das tut gut und ist wichtig, um neue Energie und Kraft zu tanken. Ein Freund schrieb mir, er habe mit dem Erziehungsministerium gesprochen, und sie haben versprochen, sich mit der Diplom-anerkennung zu beeilen. (Was immer das auch heissen mag)
Es schrieb mir jemand, dass es ungewoehnlich fuer Israel sei, auf all den Dokumenten zu bestehen. Dazu erklaerte mir die Personalabteilung, es sei speziell im Hadassah hospital so, dass man darauf besteht, dass alle erforderlichen Unterlagen vorliegen. Auch die medizinischen Untersuchungen scheinen mir wirklich fast uebertrieben, wenn ich daran denke, dass der ganze Aufwand lediglich fuer eine Viertelstelle betrieben wird (2 Stunden taeglich!!!).

Samstag, 20. März 2010

Was haettet IHR getan?

So lautet eine Serie im israelischen TV.
Schauspieler gestalten eine Szene von Belaestigung oder Diskriminierung in der Oeffentlichkeit und stellen fest, wieviele Menschen sich einmischen um dem bedraengten zur Hilfe zu kommen.
Szene: Eine Kassiererin an der Supermarktkasse wird von ihrem Chef bedraengt, er sagt ihr, was fuer ein suesses Maedel sie ist, fragt sie, ob sie mit ihm ausgeht, und fasst sie sogar an. Das Maedel versucht, sichtlich eingeschuechtert, weiter zu kassieren.
Die meisten Menschen an der Kasse erfassen, worum es geht und sind irritiert. Aber wer mischt sich wirklich ein?
Das Ergebnis ist erschreckend. Von 178 Menschen mischen sich nur 48 ein. 38 davon sind FRAUEN!!!
Wahre Heldinnen manche, die den Chef darauf aufmerksam machen, dass dies sexuelle Belaestigung sei und sich auch nicht einschuechtern lassen, ja, sogar der Kassiererin tatkraftige Hilfe anbieten. Eine der Heldinnen sagte: "Komm, Kleine, verlass die Kasse und komm mit zu mir, ich wohne hier um die Ecke." Eine andere hat sich als Zeugin vor Gericht angeboten.
Und das "starke" Geschlecht in Israel? Warum mischt es sich weniger ein?
Viele Maenner beantworten die Frage, warum sie sich nicht eingemischt haben, dahingehend, dass es nicht eindeutig war, dass die Kassiererin nicht vielleicht doch interessiert sei. Sie habe sich "nicht genug" gewehrt.
Andere gaben zu, mit einem schlechten Gewissen den Laden verlassen zu haben, sie fanden, die Situation war eindeutig, aber sie "trauten sich nicht".
Sind wir also, wenn es darauf ankommt, doch das staerkere Geschlecht?

Die Natur zeichnet mit den schoensten Farben


















Es ist eine Wonne, durch die fruehlingshafte Nachbarschaft zu spazieren. Ich kann mich nicht satt sehen, an den Farben der Natur und koennte alle paar Schritte staunend stehen bleiben.
Gerueche nach Rosmarin und Jasmin betoeren die Sinne und begleiten den Weg. Blueten, die ich von Deutschland nicht kenne und Vogelstimmen, die es in meiner alten Heimat nicht zu hoeren gab, ziehen meine Aufmerksamkeit magisch an, und lassen meine gestresste Seele zur Ruhe kommen.

Doppelte Staatsbuergerschaft - Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft


















Am Freitagmorgen habe ich in Tel Aviv meine "Genehmigung zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehoerigkeit", ausgestellt vom Bundesverwaltungsamt Koeln, durch die Deutsche Botschaft in Tel Aviv ausgehaendigt bekommen. 255 Euro hat das Ganze gekostet.
Mit dieser Urkunde kann ich nun in den naechsten 2 Jahren (danach wird die Urkunde ungueltig) die israelische Staatsbuergerschaft annehmen.

Die Dame von der Botschaft hat mir erzaehlt, dass zurzeit eine Anregung durch die Botschaft ans israelische Innenministerium in die Wege geleitet wird, doch fuer die Neueinwanderer eine Art "Belehrung" auszustellen.
Nirgendwo naemlich wird der Oleh Chadash darauf aufmerksam gemacht, von offizieller Seite, dass er im Falle des Erwerbs der israelischen St. die deutsche verlieren kann.
So kommen regelmaessig Menschen zur Botschaft, die ihren Reisepass verlaengern wollen und dann aus allen Wolken fallen, da sie gar keine deutschen Staatsbuerger mehr sind, bzw. ihnen der Pass nicht einfach so ohne weiteres neu ausgestellt wird.
Die Botschaft versucht dann, den Menschen zu helfen, den Antrag zu stellen und im Nachhinein die deutsche Staatsbuergerschaft wieder zurueck zu bekommen.

Besser ist es in jedem Falle - und ich betone das hier fuer alle nach mir kommenden Einwanderer aus Deutschland - hier vor Ort den Antrag auf Beibehaltung zu stellen. Setzt Euch mit der Botschaft zusammen, sie werden euch beratend zur Seite stehen,was die Begruendungen fuer die Annahme der israelischen, sowie die Beibehaltung der deutschen St. betrifft.
Meine Frage, ob es auch schon in Deutschland moeglich sei, beantwortete die Dame dahingehend, dass es andere Wege sind, die der Antrag von Israel aus nimmt.
Daher - geht in den ersten Wochen zum Innenministerium und schlagt die israelische Staatsbuergerschaft erst einmal aus, ein Formular dafuer koennt ihr von der Jewish Agency bereits in Deutschland bekommen.
Danach in aller Ruhe einen Termin bei der Botschaft machen und den Antrag stellen. Innerhalb von ein bis zwei Monaten, manchmal auch etwas laenger, werdet ihr eine Antwort bekommen.
Gruende fuer die Beibehaltung sind bestehende Bindungen zu Deutschland (Verwandte, die Haeufigkeit der Besuche dort oder Telefonate muss man dokumentieren, sowie Namen und Adressen der Kinder oder Eltern in Deutschland) Auch Eigentum in Deutschland ist eine Bindung.
Gruende fuer die Annahme der israelischen sind schon etwas schwieriger, da man auch als Permanent Resident in Israel einwandern kann, mit allen Rechten eines Oleh Chadash und allen staatlichen Unterstuetzungen, einschliesslich der finanziellen.
Gruende koennen sein, dass man in seinem Beruf (z.B. als Sozialarbeiterin) bei einer eventuellen Anstellung bei der Stadt oder in staatlichen Einrichtungen, die volle israelische Staatsbuergerschaft vorweisen muss. Weiter kann es sein, dass ein Diplom nicht anerkannt wird und man noch einmal studieren muss. Auch in diesem Falle, z.B. beim Erhalt eines Stipendiums, muss man israelischer Staatsbuerger sein.

Dank dem Himmel fuer den schoenen Shabbat!


















Der heutige Shabbat hat mir gezeigt, dass es sich doch lohnt, weiter auf die Suche nach dem "richtigen", passenden Platz in der spirituellen Umgebung zu suchen.
War ich anfangs staendig in der Gemeinde, die mich wegen ihrer Lieder ansprach, so habe ich doch mit der Zeit etwas vermisst.
Mir direkt gegenueber ist eine andere Gemeinde, die von Rabbi Benni Lau. Dort gefaellt es mir sehr gut, ich gehe regelmaessig zu seinen Shiurim zur Paraschat haShavua (Wochenabschnitt), da ich sehr gut folgen kann und Rabbi Benni aeusserst interessant vortragen kann.
Auch an den Shabbatot war ich schon dort und der G-ttesdienst passt zu meinem Gefuehl, ABER - es ist unglaublich schwer, mit den Menschen dort ins Gespraech zu kommen. Jeder ist mit seinen Bekannten und Freunden beschaeftigt, es scheint kaum Platz fuer "Neue" zu sein.
Daher habe ich mich entschlossen, wieder mehr auszuprobieren. Auf der Suche traf ich Menschen, die hier geboren sind und auch suchen. Es scheint doch kein ausgesprochenes Einwandererproblem zu sein. Vielmehr veraendern sich Menschen im Laufe ihres Lebens, Gemeinden aendern sich in verschiedene Richtungen und jeder muss fuer sich entscheiden, wohin er gehoeren will.
So machen sich immer mehr Menschen auf die Suche nach einer passenderen Gemeinde.
Wie schoen, dass es hier in Jerusalem an wirklich JEDER Ecke Synagogen gibt. Der nicht Ortskundige wird sie nicht immer entdecken, denn manche sind nur kleine Betstuben, andere befinden sich in Kulturzentren und werden nur am Shabbat zu Synagogen, wieder andere sind praechtig gebaut und auch von aussen durch grosse Inschriften sichtbar als Synagogen zu erkennen.
In Jerusalem - so habe ich es einmal nachgelesen - soll es allein 1000 (ja, in Worten TAUSEND!) Synagogen geben.
Heute habe ich wieder eine neue Gemeinde besucht und war von den Menschen beeindruckt. Sie waren offen, freundlich und ich bekam gleich mehrere Einladungen, fuer heute und auch fuer den Leila Seder (den Sederabend von Pessach).
Man "belagerte" mich regelrecht und wollte wissen, woher ich komme, wie lange ich schon im Land bin, wo ich wohne, wie ich zurechtkomme.
Spaeter, nachdem ich der Einladung meiner Nachbarin beim G-ttesdienst nachkam, traf ich dort am Tisch offene, vielseitig interessierte Menschen. Meine Offenbarung, dass ich Gioret bin, war eher ein Pluspunkt. Jeder von den Anwesenden kannte Menschen, die zum Judentum uebergetreten waren.
Einer der Eingeladenen kuemmerte sich zurzeit um ein deutsches Ehepaar. Sie seien in seinen Augen bereits Juden, so sagte er, da sie sich mehr an die Mitzwot halten als manch ein geborener Jude, und auch viel mehr wissen.
Wir sprachen ueber die Schwierigkeiten, die man im Moment in Deutschland hat, wenn man uebertreten will.
Insgesamt war ich so freudig ueberrascht und bereichert von den Tischgespraechen, dass ich mich entschlossen habe, am naechsten Kabbalat Shabbat wieder dorthin zu gehen, am Shabbat Shacharit (Morgengebet) werde ich einfach mal weiter die Vielfalt der Jerusalemer Gemeinden "ausprobieren".
Man neigt doch schnell dazu, sich irgendwo zugehoerig fuehlen zu wollen, doch nur wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, und auf die Suche geht, wird man seinen Platz hier in der religioesen Vielfaeltigkeit finden.

Freitag, 19. März 2010

Mittwoch, 17. März 2010

Eine angenehme Begegnung...

Heute hatte ich ein aeusserst angenehmes Gespraech und moechte meinem Gegenueber noch einmal ausdruecklich dafuer danken.
Nach vielen intoleranten Erlebnissen (von Religioesen den Saekularen gegenueber und umgekehrt) waren die Gedanken und Einstellungen eines auesserst religioes lebenden Juden fuer mich erfrischend, bereichernd und befreiend.
Ohne erhobenen Zeigefinger den anders lebenden Juden gegenueber, ohne Verurteilung der Saekularen, mit Toleranz und Verstaendnis statt mit unterschwelliger Verachtung, ist dieser Jude fuer mich ein leuchtendes Beispiel.
In meinen Augen ist das, was ich an ihm wahrgenommen habe, die "hohe Kunst des Judentums".
Wahrhaft "menschlich" zu sein, gelingt, meines Erachtens den wenigsten von uns. (ich schliesse mich in den Kreis derer mit ein, die es oft vergeblich versuchen).
Es mag Zufall sein, aber bisher bin ich haeufig sehr intoleranten Menschen begegnet, die das, was sie leben, auch von anderen erwarten. Spoettische Bemerkungen von saekular lebenden Juden denen gegenueber, die auch auesserlich ihre Religion leben, verurteilende Worte, von Juden, die sich "niemals mit Frau X. treffen wuerden, weil der Aermel ihres Kleides nicht lang genug ist" lassen mich ebenso aufhorchen wie die provozierende Frage eines juedischen Freundes, "und wenn ich deine Hilfe ausgerechnet am Shabbat benoetige und dich anrufen will?"
Manche Juden haben anderen Juden gegenueber haeufig eine feste Vorstellung, wie sie leben "sollten", meist naemlich so, wie sie selbst leben. Andere Lebenskonzepte zaehlen nicht und werden verurteilt, leicht schnellt der Zeigefinder hoch, um auf den anderen zu zeigen. "Schau mal der, mit den komischen Pejes! (Schlaefenlocken)".
Ich sage nicht, dass ich mir nicht auch oft Gedanken mache ueber den, der meinen Weg kreuzt und kritisiere hiermit auch mich selbst.
Ich moechte unsere diskrimierende Art und Weise aber nicht einfach so hinnehmen. Vielmehr glaube ich, dass es sich fuer uns alle lohnt, wenn Klischee-gedanken in uns aufsteigen, diese noch einmal zu ueberdenken. Was wissen wir schon WIRKLICH von diesem Menschen, den wir gerade in eine Schublade stecken?
Und - heisst es nicht, dass schlechte Gedanken, zu schlechten Worten und spaeter sogar zu schlechten Taten fuehren?

Indem ich mich haeufig ueber Menschen aergere, die sich abfaellig ueber andere Lebensweisen als die ihre auessern, aergere ich mich gleichzeitig ueber mich selbst. Wie so oft im Leben regen wir uns doch meistens ueber das auf, was in uns selbst steckt. Unsere Mitmenschen halten uns einen Spiegel vor.
Wie praktisch, wenn man es einmal erkannt hat. Nur so koennen wir an uns selbst ein wenig arbeiten. Denn - ich habe hier schon mehr als einmal meinen Lieblingssatz kundgetan: Ein guter Jude ist der, der jeden Tag versucht, ein besserer Jude zu sein.

Wie wohltuend ist es dann, nach all den schlechten Beispielen um mich herum, ploetzlich jemandem gegenueber zu sitzen, der fuer mich das Modell eines "erreichbaren Zieles" bietet, naemlich moeglichst offen fuer die Begegnungen des Alltags zu sein, niemanden vorschnell zu verurteilen, in aller Religioesitaet noch kompromissbereit zu sein (ohne die eigenen "Prinzipien" zu vernachlaessigen), in kurzen Worten ein "Mensch" zu sein.
Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiss und wir leben auch als religioese Juden nicht auf einem Baum, sondern umgeben von Menschen, die ihre eigene Wertvorstellung haben. Uns in dieser Umgebung nicht nur um uns selbst zu drehen, heisst es den Mitmenschen zuzuhoeren, sie so zu akzeptieren wie sie sind und uns ueber kleine Fortschritte im Bereich "Mit-mensch sein" zu freuen.

Pessach steht quasi schon "in der Tuer"!


















Die Pessachvorbereitungen laufen quasi auf Hochtouren. Da ich eine Miniwohnung mit einer "Pseudo-kueche" bewohne, konnte ich mir etwas Zeit lassen mit dem grossen Hausputz.
Wir putzen vor Pessach das Haus bis in die letzten Ecken. Alles was "Chametz" (Gesaeuertes) ist, muss entfernt werden. Chametz ist alles was saeuern, "gehen" kann. Alle Getreidearten, Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Dinkel und Lebensmittel, die Spuren davon aufweisen, werden aussortiert, und in den letzten Wochen vor Pessach moeglichst verbraucht.
Das Volk Israel hat in der Pessach-nacht (als sein Auszug aus der Sklaverei, aus Aegypten stattfand) nicht mehr die Zeit gehabt, den Teig saeuern zu lassen. Man brach in Hast und Eile auf und nahm alles so mit, wie es war.
Wir sollen in der Pessachnacht (die in etwa mehr als einer Woche stattfindet und hier in Israel und fuer alle Juden auf der Welt etwa die Wichtigkeit hat, die fuer Christen Weihnachten innehat) dem Auszug aus Aegypten gedenken.
Nicht nur das. Jeder soll Pessach so begehen, als ob er selbst aus Aegypten ausgezogen ist. Jeder soll sich auch aus seinem EIGENEN Aegypten befreien.
Was bedeutet das fuer jeden von uns?
Aegpten steht fuer uns Juden fuer Sklaverei und Unfreiheit.
In Unfreiheit zu leben macht uns abhaengig. Die Frage, die jeder sich stellen sollte, kurz vor Pessach und in den Pessachtagen ist: Wovon koennte ich persoenlich mich noch befreien? Was in meinem Leben macht mich unfrei, abhaengig?
Meist sind es die Dinge im Leben, die nicht wirklich wichtig sind. Neueste Mode, ein chices Auto, das modernste Handy, all das gehoert zu den Guetern, an die wir uns nicht unnoetig klammern sollten. Das Judentum verbietet und verteufelt die weltlichen Gueter nicht. Wir leben in dieser Welt, sollen uns nicht auf einen Berg zurueckziehen und meditieren. Die Kunst ist es, in dieser Welt voller Luxusgueter eine Selektion zu treffen. Wir sondern auch in der Vorbereitung alles Chametz aus dem Haus, sortieren.
Haben wir auch in unserem Leben, in unseren Beziehungen alles "sortiert"? Was tut uns gut, welche Beziehungen in unserem Leben machen uns eher unfrei, in einer negativen Art? Von welchen Abhaengigkeiten moechten wir uns befreien? Ist es eine Sucht, Abhaengigkeit von zuviel Alkohol, Zigaretten, immer neuer Kleidung? Oder sind es Beziehungen zu Menschen, die uns nicht gut tun, die uns auf unserem eigenen Weg zurueckwerfen?
Treffen wir eine gesunde Wahl und versuchen, uns diese Frage in der naechsten Zeit moeglichst ehrlich zu beantworten.
Uns von ungesunden Angewohnheiten oder Beziehungen zu befreien, heisst immer, auch etwas "abzugeben". Dafuer aber werden wir mit einem grossen Schritt nach Vorn belohnt, die Tuer steht offen fuer unseren eigenen Weg, unser inneres Wachstum und Vorwaertskommen.
Befreien wir uns!

Montag, 15. März 2010

Unser Lied fuer Oslo!


















Wir haben abgestimmt. (Ja, ich auch!).
Heute hat Harel Skaat seine vier zur Auswahl stehenden Songs vorgestellt. Dass er uns in Oslo bei der Eurovision vertreten wird, steht seit Dezember 09 fest.
Harel ist der Gewinner der 2. Staffel von "Kochav Nolad" ( zu deutsch: ein Stern wird geboren) eine Art "Israel sucht den Superstar" im Jahre 2004.
Ein smarter 28-jaehriger junger Mann mit jemenitisch-irakischen Wurzeln, der eine unglaubliche Stimmbreite hat.
Das Lied "Milim" (Worte) hat haushoch gewonnen und wird uns nun in Oslo vertreten, gesungen von Harel Skaat. ( HIER koennt ihr es euch anhoeren)
Uebrigens habe ich es auch gewaehlt.

Reif fuer Kishon!

Der letzte Akt, bevor ich heute endlich mein Dokument in den Haenden hielt war bis zur letzten Minute reif fuer "Kishon"! Wenn es nicht so unglaublich viel Energie ziehen wuerde und so kraefteraubend waere, koennte man glatt schmunzelnd den Kopf schuetteln. Wie gesagt - mit ein wenig Abstand in ein paar Monaten kann ich vielleicht sogar darueber lachen.
Jeden zweiten Tag habe ich in der letzten Woche per mail meine zustaendige Frau X. gefragt, ob es Neuigkeiten gibt. Ein Bekannter hat sich eingeschaltet und den Berater des Ministers direkt angesprochen, damit er sich um "die Sache" persoenlich kuemmert.
Heute kam eine Antwortmail. Frau X. schrieb, das Dokument liege fertig zur Abholung auf ihrem Schreibtisch - AAABER: leider fehle immer noch die Bescheinigung der Polizeibehoerde, dass ich nicht vorbestraft bin.
Falls ich nicht darauf warten wolle, (was fuer eine Formulierung nach all den Monaten!!!) koenne ich diese bei jeder Polizeistation einholen. Sie selbst sei aber morgen und uebermorgen nicht im Buero.
Um zwoelf, nach meiner Arbeit bei der alten Dame, habe ich mich auf den Weg gemacht nach Talpiot zum Polizeipraesidium, da dort in der Naehe auch das Ministry of Social Affairs ist. Da ich wusste, dass Frau X. meist um 13 h bereits das Gebaeude verlassen hat, musste ich mich beeilen - wie eigentlich fast jeden Tag zurzeit. Warum - so frage ich mich immer wieder - sagt man den Menschen nicht einfach ein paar Tage vorher, was noch fehlt, und was man dann wirklich IN RUHE besorgen kann?
Im Polizeipraesidium in der richtigen Abteilung angekommen bat man mich, einen Antrag auszufuellen und - stellte fest, dass leider noch zwei Steuermarken fehlen, die auf den Antrag gehoeren. Diese koenne ich "ganz einfach" bei der naechsten Poststelle kaufen fuer 30 NIS.
Schnell auf die Uhr geschaut, da die Post auch nicht durchgehend geoeffnet hat, und los.
G-tt sei dank gibt es ein paar hundert Meter weiter eine Postfiliale.
Wer die Vorgehensweise hier bei der israelischen Post kennt, der weiss, dass man zunaechst eine Nummer ziehen muss, beim Eintreten. Dann setzt man sich hin, freut sich, wenn nur 7 Leute vor der eigenen Nummer an der Reihe sind und wartet.
Endlich - die zwei Steuermarken in der Hand wieder zurueck zur Polizei, und - die Bescheinigung war in meinem Besitz.
Nun nur noch hinauf zum Ministry of Social Affairs, bei 30 Grad Hitze und Sharav-wind ( im Alter von 51 bin ich auch nicht mehr die Schnellste...) um zu erfahren, dass Frau X. bereits zuhause ist.
Ich konnte die Kollegin, die mich schon als nervige Antragsstellerin kennt, ueberzeugen, auf dem Schreibtisch der Frau X. nachzuschauen, wo dann auch tatsaechlich meine Zertifizierung lag.
Wahrscheinlich ist Frau X. auch sehr froh, mich nicht mehr selbst sehen zu muessen.

Die Vorgesetzte der beiden sass dort, fragte mich laechelnd, ob ich nun alles habe und ich konnte nicht umhin, den beiden noch einmal zu erklaeren, wie zeitraubend es ist, wenn man von Anfang an nicht erklaert bekommt, an welche Stellen man sich insgesamt wenden muss. Es sei fuer die nachkommenden Antragssteller aeusserst hilfreich beispielsweise einfach gesagt zu bekommen, dass man sich parallel um eine Anerkennung des Erziehungsministeriums kuemmern muss.
Die Antwort: "Aber das hat gar nichts mit uns zu tun!" war fuer mich nicht wirklich logisch, denn schliesslich wissen sie ja, dass eine weitere Anerkennung noetig ist. Es scheint ihnen lediglich voellig egal zu sein.

Unglaublich aber wahr - eines der Dokumente ist da

Freitag, 12. März 2010

Donnerstag, 11. März 2010

Ausflug nach Tel Aviv


















Ein Nachmittag in Tel Aviv am Meer ist immer wieder wie Urlaub. Das Meer hat, wenn man eine ruhige Stelle findet, eine meditative Wirkung und etwas von Ewigkeit. Es war immer und wird immer sein. Unermuedlich rollen die Wellen an den Strand, tagein und tagaus, Jahr fuer Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert. Und nie ist es langweilig. Die Luft riecht nach Meer und die Menschen sitzen und geniessen. Ein leichter Wind macht die Hitze ertraeglich, auch wenn es heute wirklich schon aussergewoehnlich heiss war fuer die Jahreszeit.

Mittwoch, 10. März 2010

Unerwartete Hilfe

Unerwartete Hilfe habe ich in all dem Behördenstress letzte Woche vom Ergun Jotzei Mercaz Europa bekommen, einer Organisation der "Einwanderer aus Westeuropa". Der Leiter des Büros in Jerusalem hat mit mir zusammen mein Diplom übersetzt. Ein befreundeter Rechtsanwalt übersetzte mein letztes Arbeitszeugnis aus Deutschland und beglaubigte alles notariell, ohne von mir auch nur einen Shekel zu verlangen. Im Gegenzug helfe ich dann bei deutschen e-mails.
Der Schwiegersohn meiner alten Dame, die ich betreue, versucht zurzeit, im Erziehungsministerium ein paar Kontakte aufzufrischen, um eventuell den Prozess der Anerkennung etwas voranzutreiben.
Nicht zu vergessen, die resolute Hilfe meiner Bekannten, die sich mit meinen gesamten Unterlagen dann auf den Weg gemacht hat. Ihre Hoffnung war, noch alte Kollegen anzutreffen, die sie um schnelle Bearbeitung haette bitten koennen.
Solche tatkraeftige Hilfe ohne wenn und aber weiss ich sehr zu schaetzen. Sie ist unbezahlbar und nimmt ein wenig Druck aus der ganzen Geschichte.



Die Erde auf der wir leben....

Ich weiss nicht, ob es anderen auch so ging, aber eine Meldung in der letzten Woche hat mich sehr erschuettert. Die Achse der Welt, auf der wir leben, hat sich nach dem letzten furchtbaren Erdbeben in Haiti verschoben, um acht Zentimeter. (HIER eine der Quellen, die darueber berichteten.)
Acht Zentimeter, mag man sagen, bei unserer riesigen Weltkugel ist das doch egal. Nun - Experten haben ausgerechnet, dass sich nicht nur die Achse um ein paar Zentimenter verschoben hat, sondern die Erde auch einen neuen "Drall" bekommen hat, sich gewissermassen "schneller dreht", was zur Folge hat, dass unsere Tage kuerzer werden. Auch unwesentlich, wird man sagen, da wir es nicht spueren werden, allenfalls unsere Atomuhr muss korrigiert werden, um 1,26 Mikrosekunden.

Unser Planet dreht sich im Weltraum, in einer bestimmten Lage, was zur Folge hat, dass es immer wieder Tag wird nach der dunklen Nacht. All das scheint gut "durchdacht" sein fuer uns Menschen und die Natur.
Durchdacht, sage ich deshalb, weil ich der festen Ueberzeugung bin, dass all diese Tatsachen, die wir bis ins Kleinste wissenschaftlich erklaeren koennen, von oben gelenkt worden sind.
Nun ist die Erde also gewissermassen "erschuettert" worden. Sie ist nicht mehr so, wie sie war.
Aber auch wir Menschen sind nicht mehr so, wie wir waren. Alles ist schneller geworden, moderner und vermeintlich besser. Wir haben Waelder ausgebeutet und die Erde "missbraucht" fuer unsere Zwecke. Wir treiben Raubbau mit der uns anvertrauten Erdkugel. Das ist nicht nur mir klar, die staendig scheiternden Klimakonferenzen zeichnen ihr eigenes Bild.
Warum geschehen so viele Naturkatastrophen in den letzten Jahren? Warum gibt es Opferzahlen, die das Vorstellungsvermoegen sprengen?
Dass die Erde einen Drall bekommen hat, und ihre Achse verschoben ist, finde ich unvorstellbar und bedrohlich.
Und - auch wenn ich keine Prophetin bin - es scheint doch, als sei die Zeit, bevor "Mashiach" kommt, bevor also unsere Erloesung beginnt, kurz bevor steht oder bereits angefangen hat.
Das Szenario scheint mir doch ein wenig dramatischer als noch vor ein paar Jahrzehnten.
Naturkatastrophen geschehen auch, wenn der Mensch zu sehr in die Natur eingreift und sie koennen, meiner Meinung nach, eine Warnung sein. Eine Warnung zur Demut. Eine Warnung, dass uns ein wenig Bescheidenheit ganz gut zu Gesicht stehen duerfte.
Mit den uns zu Verfuegung stehenden Ressourcen koennten wir gut leben, ohne die Natur auszubeuten. Mit unseren Gehirnen, die uns gegeben sind, schaffen wir es, alternative Energien zu entdecken.
Ja, es ist sogar anscheinend genug Nahrung fuer alle da, sie ist nur falsch verteilt. Da, wo Firmen ihre Abfallkontainer abschliessen, damit die Bettler sich nicht etwa von dem ernaehren koennen, was fuer andere Muell ist, weil das Verfallsdatum einen Tag ueberschritten ist, da ist die Frage erlaubt: ist die Menschlichkeit so abhanden gekommen?
Wir sprechen in unserem Tischgebet: Hu noten lechem lechol Basar. (er gibt Brot fuer alles Fleisch, also fuer jeden Menschen) und Hasan et hakol (der ALLE ernaehrt).
Eine Freundin fragte mich einmal: Wie koennt ihr das sagen? Das stimmt doch nicht. Viele Menschen hungern.
Ja, sie hungern aber nicht weil G-tt nicht genug zur Verfuegung stellt. Sie hungern, und ein paar Kilometer entfernt werden Lebensmittel weg geworfen. Und gibt es seit einiger Zeit eine Einrichtung in Deutschland "Die Tafel", wo abgelaufene noch voellig intakte Lebensmittel aus den Supermaerkten an Arme verteilt werden, macht sich eine neue Unart des Menschen breit. Die Reichen versuchen Geld zu sparen fuer ihren Luxus und haben die Dreistigkeit, sich auch dort einzureihen, wo das Essen verteilt wird.
Ich will nicht abschweifen, aber all das gibt mir sehr zu denken. Zurueck zur Erdachse stelle ich mir die Frage: Haben wir Menschen es "geschafft", (denn in letzter Konsequenz ist es auf unsere Lebensweise zurueckzufuehren, dass es so viele Naturkatastrophen gibt) die Erde, ueberspitzt gesagt zu erschuettern?
Und - was viel wichtiger ist: Lernen wir etwas daraus? Weichen wir nun vielleicht erschrocken zurueck und werden etwas demuetiger?

Dienstag, 9. März 2010

"Viel Spass in deiner Welt!"

...mit diesen Worten endete eine letzte e-mail, die ich von einem Bekannten aus Deutschland vor einem Jahr erhielt. Er wollte sich nicht mehr mit mir unterhalten, ueber die boesen Israelis und die armen Opfer, die Palaestinenser, da ich seinen Meinung nicht teilen konnte. Alle Versuche, auch einmal die "andere Seite" zu hoeren, scheiterten und als ich dann Anti-israelismus mit Antisemitismus gleichsetzte, war die Diskussion beendet.
Ich solle weiter viel Spass in "meiner Welt" haben, so lautete sein letzter Satz.
Ganz abgesehen von politischen und religioesen Meinungen, leben wir nicht alle in "unserer Welt"? Gibt es vielleicht einen Planeten, aber mehrere kleinen Mikro-welten? Wenn wir ehrlich sind, wird uns niemand in unserer Welt so richtig verstehen, denn jeder Erklaerung unserer Welt ist von Worten abhaengig, Worte, die haeufig nicht ausreichen, um eine ganze Mikro-welt zu erklaeren.
Worte sind - meiner Meinung nach - dilettantische Versuche, dem anderen klarzumachen, was in uns vorgeht, wem gegenueber wir uns warum fuer solidarisch erklaeren. Worte sind ein gutes Hilfsmittel, aber laengst nicht die Loesung fuer alle Verstaendigungsschwierigkeiten. Sie koennen annaehernd ausdruecken, worum es uns geht, aber koennen sie bis ins letzte Detail unser Innenleben darstellen?
Ich lebe in meiner eigenen Welt. Ich bin Juedin, aber eine "besondere Spezies" von Juedin, eine konvertierte. Ich bin Deutsche, aber eine Deutsche, die nicht NUR deutsch ist. Ich bin Buergerin im israelischen Staat, aber eingewandert. Ich lebe ein mehr oder weniger juedisches Leben, das nur ich definieren kann. Ich singe Lieder, die andere in ihrer Kindheit lernten, ich aber erst seit ein paar Jahren kenne.
Wie soll jemand mich verstehen, nur ueber Worte?
Ich habe ein deutsches Erbe und meine Vorfahren (ob nun in der Verwandtschaft oder nicht..) haben vor nicht allzu langer Zeit das Volk ausrotten und vernichten wollen, zu dem ich nun gehoere.
Schwierig, aber scheinbar werde ich mich dem zuwenden muessen, was bleibt, naemlich: Spass zu haben in "meiner" Welt.

Neue Diskriminierung von Konvertiten zum Judentum im Anmarsch?

Zurzeit gibt es eine Debatte um den Vorschlag, das Chok haShwut (Gesetz "der Rueckkehr") zu aendern. Demgemaess wuerden Juden, die zum Judentum konvertiert sind, nicht automatisch die israelische Staatsangehoerigkeit bekommen, sondern nur noch die, die juedisch geboren sind.
Wie soll das gehen und was wuerde man - falls das Gesetz durchkommt - machen, wenn es um jemanden geht, der von einer konvertierten Grossmutter abstammt, also als Jude geboren ist. Unzaehlige Juden stammen von konvertierten Juden ab, ohne den Giur waere auch das juedische Volk um ein "paar" Juden aermer. Und eventuell nicht nur um die, die sich aus unlauteren Motiven "eingemogelt" haben, sondern um aufrichtige Juden, die sich dem Volk Israel angeschlossen haben.
Gerade habe ich in Radio Yerushalaiym den Knessetabgeordneten Rotem (Israel Beiteinu) sagen hoeren, dass es viele Soldaten gibt, die liebend gerne Giur machen wollen, man ihnen aber die Konversion verweigert.
Er sagte: "Da sind Menschen bereit, fuer unser Volk zu sterben, und sie werden nicht als Juden anerkannt?"
Rabbiner Hartmann hat einmal einen Vortrag gehalten zum Thema "Wer ist Jude?" und er fuehrte an, fuer ihn sei Jude der, der fuer sein Volk sterben wuerde, als schon einmal in jedem Falle der, der als Soldat in Israel kaempft.
Rotem sagte weiter: "Meine Guete, wer will schon einfach so konvertieren, ist es so erstrebenswert, Jude zu sein? Man soll den Konvertierten mit einem Laecheln empfangen, ihn umarmen, und im Volk aufnehmen, wie es schon in den Schriften steht."
Aber nach dieser Aussage verstehe ich erst recht den Gesetzesvorschlag nicht.
Avi Razon, der Moderator warf ein, es gaebe aber auch ein anderes Zitat aus den Schriften, naemlich dass "Konvertiten schlecht fuer Israel sind wie Aussatz." Rotem sagte, dass dieser Satz fuer die gilt, die aus unlauteren Motiven uebertreten.
Daher wird es ja uebertrittswilligen Menschen nie leicht gemacht, und sie werden eine mehr oder weniger lange Zeit in ihren Absichten "geprueft", so gut man das denn tun kann.
Ein Uebergetretener soll nicht daran erinnert werden, dass er einmal konvertiert ist, so steht es auch in den Schriften. Er ist ein vollwertiges Mitgied des Volkes Israel.
Wie ist das aber vereinbar damit, dass - falls es diese Gesetzesaenderung gibt - ihm die Einwanderung verweigert wird?
Ein Jude, - auch der Uebergetretene - sollte immer den Schutz des "Judenstaates" geniessen duerfen. Das Gesetz hatte bisher die Bedeutung, dass, was auch passiert, ein Jude immer eine Zuflucht, eine Heimat, einen Heimatstaat haben wird.
Was faellt den Politikern noch ein, um Menschen zu diskriminieren? Und nicht nur wir Konvertiten fuehlen uns oft diskriminiert. Sepharden fuehlen sich diskriminiert gegenueber den Ashkenasen, die Aethiopier fuehlen sich am Rande der Gesellschaft, Menschen die Reformkonvertiten sind, fuehlen sich von der Orthodoxen Gesellschaft beaeugt, und jeder behauptet von sich, der "bessere Jude" zu sein.
Mir faellt auf, dass ich schon sehr oft dieses Thema zur Diskussion gestellt habe. Es scheint mich zu begleiten.
Ich kann es einfach nicht gut ertragen, wenn der Saekulare Jude den Chassid, der voruebergeht, belaechelt und umgekehrt nicht, wenn der Orthodoxe meint, die Aermel der Nachbarin seien nicht lang genug, um "richtig" juedisch zu sein.
Wann hoeren wir endlich auf, uns gegenseitig zu kritisieren und Teile des Volkes auszugrenzen oder ausgrenzen zu wollen? Warum stehen wir nicht einer fuer den anderen ein, wie es heisst: Einer ist fuer den anderen Buerge, im Volk Israel.

Montag, 8. März 2010

Eine resolute Hilfe

Heute morgen war eine Bekannte, die mal in frueheren Zeiten im Erziehungsministerium gearbeitet hat, fuer mich dort, mit all meinen Unterlagen. Welch ein Luxus!!
Sie hat leider nicht die Menschen angetroffen, die sie gehofft hat, zu treffen, da sie noch einige ehemalige Kollegen dort hat, aber dafuer die zustaendige Dame, die die Antraege auf Anerkennung auslaendischer Diploma annimmt und weiterleitet.
Diese Dame hat zunaechst die Annahme verweigert mit den Worten: " Wie schade, leider sind sie nicht zu den offiziellen Oeffnungszeiten erschienen, die sind in einer Stunde!" (Solch ein Satz koennte eher aus Deutschland stammen, wie ich finde...).
Meine Bekannte liess sich aber nicht abwimmeln. Sie legte ihr die Sachen auf den Tisch und sagte: "Nun bin ich aber hier und jetzt koennen sie mich auch mit dem Antrag meiner Freundin annehmen!"
Die Sachbearbeiterin habe dann die Unterlagen geprueft, laut den Erzaehlungen meiner Bekannten und gemeint, es fehle nichts, ausser der Teudat Sehut (der Personalausweis). "Schade, leider fehlt der Ausweis!" habe sie eingeraeumt.
"Nun, " so erwiderte meine Bekannte, "hier ist doch die Kopie des Ausweises von Frau X. , sie wollen doch nicht im Ernst von ihr erwarten, dass sie das Originalpapier abgibt, um dann ohne Teudat Sehut herumzulaufen?"
Somit war der Fall geklaert, die Sachbearbeiterin versicherte, alle Unterlagen an die Abteilung die fuer deutsche Diploma zustaendig ist, weiterzuleiten, und ich bekaeme dann in etwa vier Wochen meine Genehmigung.

In vier Wochen ist Pessach, vorher duerften viele Angestellte ihren Urlaub nehmen und ich werde vorsichtshalber das gleiche Spielchen wie beim Sozialministerium spielen, naemlich staendig dort persoenlich vorbeischauen, um mich zu erkundigen, wo das Dokument sich gerade befindet.
Wie man sieht, habe ich die Unterlagen vom Sozialministerium nach mehr als drei Monaten ja auch noch nicht. Und wenn ich nicht nachgefragt haette, waere erst einmal nicht herausgekommen, dass sie nie bei der zustaendigen Stelle ankamen.
Was ich aber noch nicht richtig glauben mag, ist, dass meine Unterlagen vollstaendig sein sollen. Das ist Premiere und ich bin gespannt, ob nicht doch noch eine Nachfrage nach diversen Dokumenten kommt.
Ich waere sehr froh, wenn sich meine Skepsis nicht bestaetigt.

Ist die Welt gegen mich?

Kennt ihr solche Tage? Tage, an denen man ein Erlebnis nach dem anderen hat, was einem beweist, dass die Welt gegen einen sein muss?
In einer Woche kann ich bestimmt darueber lachen, aber heute habe ich den Kaffee auf.
Ich sitze auf den Stufen zu meinem bescheidenen Heim, draussen, damit ich die Tuer offen lassen kann zwecks Belueftung der beissend stinkenden Wohnung.
Meine Tomatensuppe habe ich mir aufgewaermt und den Teller mit auf die Treppe genommen.
Dort loeffle ich meine Suppe waehrend ich noch darueber grueble, ob der Gestank wohl heute abend einigermassen verzogen ist.
Da kommt die Nachbarin mit ihrem Hund vorbei. Er bleibt stehen vor dem Eingang zu meiner Wohnung, schaut mich mit grossen Augen an, dreht mir sein Hinterteil zu, und waehrend ich meinen naechsten Loeffel mit Tomatensuppe in den Mund schiebe, drueckt er mir einen grossen Haufen Hundekacke (Konsistenz fest bis breiig) mitten in den Weg.
War ich schon aus der Wohnung gefluechtet, weil es dort nicht auszuhalten war, so bekam ich nun die zweite Lektion des heutigen Tages mit der Botschaft: Wir kriegen dich schon!

"Reparaturen"

Ich weiss nicht, was fuer ein Zeug meine Vermieterin mit ihrem "Helfer" auf meine Wand geschmiert hat, die feucht war vom Regen, ich weiss nur eines: ich habe keine Ahnung wie ich die naechste Nacht ueberleben soll hier. Das Zeug stinkt beissend, so sehr, dass ich nach einer Minute Kopfschmerzen hatte. Zusaetzlich habe ich asthmatische Beschwerden seit Jahren und muss mich fern von solchen Reizen halten, ansonsten muss ich staendig Kortison spruehen.
Aber wo soll ich hin?
Da habe ich lieber eine nasser Wand, als das jetzt.

Sonntag, 7. März 2010

Preisvergleich


















Ich trinke gern loeslichen Kaffee.
Im "Shupersal"-supermarkt kostet der Tchibo-Gold-Nescafe 11.90 NIS (das 100g-Glas). Bei mir um die Ecke, im teuren Supermarkt der German Colony hingegen legt man ganze 29.90 NIS (auch fuer 100g!!!) hin fuer Nescafe.
In Punkto Obst und Gemuese muesste ich eigentlich jedes Mal, wenn ich NICHT im Shuk Machane Yehuda einkaufe, Pruegel beziehen, denn so guenstig wie dort kann man sich einfach nirgendwo mit Frischkost eindecken.
Das Problem ist oft die Zeit und die Schlepperei. Aber auch da gibt es Loesungen. Meine naechste Anschaffung wird solch ein "Grossmutter-shopper" zum hinterherziehen sein, damit macht man sich wenigstens nicht den Ruecken kaputt.

Der Minister hat Urlaub

Der Sozialminister, der meine Urkunde (Anerkennung der Fachhochschule, an der ich studiert habe) unterschreiben muss, ist bis uebermorgen im Urlaub, habe ich gerade von einem Bekannten erfahren, der heute fuer mich mit dem Sekretariat des Ministers telefoniert hat, da er dort ein paar Leute kennt. Also nuetzen in diesem Falle auch Beziehungen nicht viel.
Klartext: in den naechsten 2-3 Tagen tut sich mal GAR NICHTS.

Diplomanerkennung - ein Update

Nichts ist passiert inzwischen, seitdem ich erfahren habe, dass ich mein Diplom zusaetzlich beim Erziehungministerium anerkennen lassen muss. Naja, etwas mehr als nichts, denn ich habe bei einem Rechtsanwalt, dem ich manchmal mit deutschen mails helfe, mein Diplom uebersetzen lassen und eine Beurkundung (Beglaubigung) dafuer bekommen. Weiter hat mir der Ergun Jotzei Mercaz Europa mit der Uebersetzung des letzten Arbeitszeugnisses geholfen.
Diese Uebersetzungen brauche ich fuer das Erziehungsministerium und die Anerkennung des Diploms. "
Ich habe zusaetzlich zu meinem Diplom von meiner Fachhochschule ein Dokument namens "Diploma Supplement" erhalten, welches in englischer Sprache verfasst ist und dazu dient, dass der Diplomant in ganz Europa als Sozialarbeiter arbeiten darf. Unterscheiden sich denn die Bestimmungen in Israel so sehr von denen in Europa? Schade, denn dafuer ist das Dokument ja gedacht, dass man es im Ausland einfacher hat. Aber wer geht schon nach Israel?
Nun will mir eine Bekannte, die mal vor langer Zeit im Erziehungsministerium gearbeitet hat und noch ein paar Menschen dort kennt, helfen. Sie wird morgen mit meinen gesamten Unterlagen dort erscheinen, und sich erkundigen, was noch fehlt. Zu meiner "Freude" ist es ihr auch nicht gelungen, unter der im Internet angegebenen Telefonnummer zu irgend jemandem durchzukommen, der Auskunft geben kann. Sie ist lediglich ins Internet verwiesen worden, nach einer endlosen automatisierten Ansage.

Heute war ich noch einmal im Hadassah-Hospital, um einige Patienten aus Deutschland, die an dieser seltenen Krankheit leiden, kennen zu lernen. Diese Stunden dort haben mir solch einen Spass gemacht, dass ich beinahe aengstlich bin, zu tief in die Materie einzutauchen. Falls etwas schief geht mit meiner Diplom-anerkennung wird die Enttaeuschung umso groesser. Gleichzeitig habe ich dann viel wertvolle Zeit verloren, um mich anderweitig nach Arbeit umzusehen, denn bis Juni noch laueft meine Unterstuetzung vom Staat, danach wird es nur noch mit meinen Ersparnissen weitergehen.

Samstag, 6. März 2010

מוצ"ש עם מירי מסיקה


















Ein Abend mit Miri Messika im Theatron Yerushalaiym. Die schwangere Miri bot uns mit einem bodenlangen schwarzen Abendkleid einen sehr weiblichen Anblick. Und natuerlich das Wichtigste - ihre Stimme!
Einer der Hoehepunkte des heutigen Abends duerfte ihr "Birkat HaMelech" gewesen sein, der "Segen des Koenigs" (noch einmal HIER zu hoeren) und "al Taschlicheni" (HIER)
Ich werde die Melodien mit in die Woche nehmen und wuensche allen Shavua tov!

Donnerstag, 4. März 2010

Jeder ist wertvoll und wichtig















Eines der Themen im Wochenabschnitt dieser Woche ist die Zubereitung des Weihrauchs, der im Heiligtum verbrannt wurde. Die Weisen erklaeren, dass eines der elf Bestandteile einen unangenehmen Geruch hatte, aber dieser dennoch nicht fehlen darf, um die Mischung vollkommen zu machen. Es wird erklaert, dass die einzelnen Bestandteile die verschiedenen Arten von Juden symbolisieren sollen. (siehe CHABAD zum Wochenabschnitt).
Wie schon beim Fest Sukkot, wo die "vier Arten" die vier verschiedenen Charaktere von Juden darstellen sollen, so wird auch hier wieder eines betont: Jeder Jude ist wichtig. Jeder Jude in seiner Einzigartigkeit, seiner Besonderheit, hat seinen Platz. Wenn wir einzelne ausschliessen, weil sie uns "nicht fromm genug" sind, oder "nicht observant genug" erscheinen, sind wir nicht vollstaendig. Die Juden sind am Berg Sinai zu einem Volk geworden, haben vollzaehlig dort gestanden und ohne Ausnahme auf das, was Moshe ihnen erklaert hat, gehoert.
Jeder von uns, in seiner Schwaeche und Staerke, kann der Gemeinschaft von Nutzen sein.
Auch unsere eigenen verschiedenen Seiten sollten wir anerkennen und bejahen. Auch ich habe meine Zerrissenheit, meine zwei Seiten, die es anzunehmen gilt. Die eine Seite ist die, die sich in Israel zuhause und wohl fuehlt, die weiss, dass hier ihr Platz ist, ihre Heimat der Seele. Die andere fuehlt sich von den Kindern getrennt und daher zerrissen. Kinder sind untrennbar mit uns verbunden, sie sind die Weiterfuehrung unseres Lebens. Daher ist es schmerzhaft, raeumlich so weit entfernt zu sein, und doch leben Kinder und Eltern auch ihre eigenen Leben. Die Lebenswelten sind nicht immer in Uebereinstimmung und das gilt es auszuhalten. Es ist nicht einfach, eigene Wege zu gehen. Gefuehle wie Schuld oder schlechtes Gewissen, Sehnsucht und Verantwortung koennen in uns wirken und wir muessen es aushalten.
Wichtig ist es den eigenen Weg zu finden und seine verschiedenen Seiten anzuerkennen und anzunehmen. Denn eines ist sicher: Von IHM werden wir so, wie wir sind, geliebt.

Totes Meer - "Mineral Beach" - Eindruecke vom Tag

























































Zwei Stunden "Urlaub" am toten Meer


















Ich bin ruhig, gluecklich und zufrieden, nach einem erholsamen Nachmittag am Mineral Beach, am toten Meer.
Hatten mir Freunde noch abgeraten nach der Arbeit dorthin zu fahren, da es sich nur fuer einen vollen Tag lohnt, bin ich doch froh, es einfach versucht zu haben.
Um 13h bin ich endlich in den Bus nach Ein Gedi gestiegen. Mein eigentliches Ziel war die Fahrt selbst, denn ich wollte doch unbedingt noch vor dem Fruehling die mit einem seidig-gruenen Teppich ueberzogenen Wuestenberge geniessen. Da es in den letzten Wochen recht gut geregnet hat, konnte man ueberall kleine sattgruene Flecken und sogar ganze Berge unter gruener Decke erleben. An manchen Stellen haette es fast Irland sein koennen.
Die Busfahrt bis zum Mineral beach dauert eine Stunde, der Fahrer hatte ein freundlich warmes Wesen und am Eingang des "Badestrandes" empfingen mich Ruhe und froehlich umherfliegende Voegel.
Die Natur dort ist ausgepraegt, krasse Gegensaetze zeichnen die Landschaft aus. Die Luft riecht mineralhaltig schwefelig und die Oberflaeche des Wassers beruhigt. Im Hintergrund riesige Wuestenberge kennzeichnen die Maechtigkeit der Natur, die sich seit Jahrhunderten dort wohl nicht geaendert hat. Es hat einen Hauch von Ewigkeit, dort zu sitzen und Ehrfurcht ergreift den Menschen, der im Vergleich zur kraeftigen bestehenden Natur ein kleines vergaengliches Licht ist.
Ich darf hier, in diesem schoenen Land wohnen, dachte ich und kann, wann immer ich will und es mein Geldbeutel erlaubt, hierher kommen, um aufzutanken.
Was brauchen wir mehr, auf diesem Fleckchen Erde?
Auch wenn es nur zwei Stunden waren, bis die Sonne sich dann hinter den Bergen verabschiedete, habe ich jede Minute in vollen Zuegen geniessen koennen. Die Behoerdenalltag-in-Jerusalem-gestresste Seele hat einen tiefen Atemzug voller Dankbarkeit getan.

Dienstag, 2. März 2010

Mein Filmtipp: "Kirschblueten"

...lange nicht mehr so geweint.
Der preisgekroente Film von Doris Dörrie : "Kirschblueten" ist ein Film, der auch in Israel gesehen wird.
Ein Film, der einem das Herz oeffnet, voller Traurigkeit und Melancholie. Ein Film ueber Eltern, die nichts vom Leben ihrer Kinder wissen, von Kindern, die keine Ahnung haben, was in ihren Eltern vor sich geht, von Ehepartnern, die nicht wissen, was der andere fuer sie aufgibt und von verpassten Chancen.
Die Hauptdarsteller Elmar Wepper und Hannelore Elsner transportieren die Gefuehle, die im Laufe des Lebens jeder kennt.
Ein Ehepaar im Lauf der Routine, ein Tag wie der andere. Ploetzlich erfaehrt Trudie, die Ehefrau, von der toedlichen Krankheit ihres Mannes. Sie fahren noch einmal zu den Kindern, ausser zum geliebten Sohn in Japan. Die Kinder haben ihr eigenes Leben, finden keinen Zugang zu den Eltern, ja, sind sogar froh, als sie wieder abreisen. Trudie und Rudi fahren noch einmal an die See, wo Trudie unerwartet stirbt. Rudi, der nach ihrem Tod erfaehrt, wieviel sie fuer ihn aufgegeben hat, macht stellvertretend die Reise nach Japan, wo Trudi immer hin wollte. Auch der Sohn, der dort wohnt, scheint keinen Zugang zu den Gefuehlen des Vaters zu haben. Rudi lebt einige Zeit in Japan und erlebt durch eine junge Buto-taenzerin Dinge, die ihn Trudie auch im Tod noch naeher bringen...bevor auch er stirbt.
Tief beruehrend und sehr zu empfehlen! (HIER koennt ihr den Trailer sehen)

Theatron Yerushalaiym


















Anders als in Deutschland finden im Theater auch Pop-konzerte statt. Es gibt mehrere Saele, auch ein Kino ist im Gebaeude.
Dort werde ich am Motzei Shabbat Miri Messika geniessen koennen.

Mittags in der Sonne...


















War das ein schoener Tag. Die Sonne ist endlich wieder da und gar nicht so schwach. Mittags war ich im "Rosengarten Wohl" zwischen Beit HaMishpat haElijon (Oberster Gerichtshof) und der Knesset.
Dort stehen viele Baenke in jeder Ecke und ueberall sassen Menschen, verbrachten ihre Mittagspause, lagen in der Sonne.
Auch ich habe gemeinsam mit dieser Katze, die sich wohlig auf den warmen Steinen raekelte, eine Stunde schlafend auf der Bank verbracht.

Einen schoenen Tag!

Montag, 1. März 2010

Konzert von Miri Messika

Eine suendhaft teure Karte habe ich heute von meinem Guthaben beim Theatron erstanden, das ich schon seit Dezember mit mir herumtrage. Man hatte mir eine Karte doppelt abgerechnet, und konnte es nicht umgehend auf mein Konto zurueckbuchen.
Die Karte kostet 168 Shekel, das sind ca. 34 EUR, fuer deutsche Verhaeltnisse fuer ein Konzert durchaus ueblich, fuer hiesige Verhaeltnisse jedoch sehr teuer.
Nun - ich freue mich darauf, da meine allererste CD aus Israel eine von Miri Messika war. Von ihrer CD habe ich damals viele Lieder muehevoll versucht zu uebersetzen. Miri Messika ist in Israel eine beruehmte Saengerin und Schauspielerin.
HIER kann man sich einen Song von ihr anhoeren, hebraeisch und arabisch gesungen.
Viel Spass beim Hoeren!

Schwarzfahren in Israel

Schwarzfahren in Israel kostet sage und schreibe 500 Shekel, das sind ca. 100 EUR umgerechnet!! Nein, ich bin nicht schwarz gefahren, ich besitze ein Monatsticket, das ist bequem und ich kann von A nach B und durch die gesamte Stadt fahren, ohne staendig einen Fahrschein loesen zu muessen.
Uebrigens ist auch das "als Fussgaenger bei Rot ueber die Ampel gehen" viel teurer als in Deutschland. Ganze 150 Shekel (ca. 30 EUR) kann man rausruecken, wenn die Polizei wachsam ist.
Ein guter Freund von mir ist zweimal diese Summe in recht kurzen Zeitabstaenden los geworden und berichtete mir davon, als ich - in der irrigen Annahme, dass man in Israel nicht auf solche "Vergehen" achtet - mal wieder bei Rot ueber die Strasse hasten wollte. Es war kein Kind in der Naehe, dem ich ein schlechtes und gefaehrliches Vorbild haette sein koennen, also dachte ich: "naja..."
A. zeigte mir dann das Auto, was neben dem grossen Kaufhaus an der Ecke Ben Yehuda, King George stand. Von da aus scheint die Polizei die Fussgaenger zu beobachten, um dann ganz gemuetlich aus dem Auto zu steigen, und den Uebeltaeter anzusprechen.
Auch eine Ecke weiter habe ich es schon erlebt, dass zwei Polizisten scheinbar ins Gespraech vertieft waren, als zwei junge Frauen wie selbstverstaendlich die rote Ampel ueberquerten. Als sie auf der anderen Seite ankamen, drehten sich beide Polizisten ploetzlich um und sprachen die Maedels an, die dann doch sehr erstaunt waren.
Naja, das ist schon ziemlich dreist, in Gegenwart von deutlich erkennbaren Polizisten, oder?