Mittwoch, 28. April 2010

Pause




Es wird eine kleine schoepferische Pause geben zum Gedanken ordnen und um neue Kraft zu tanken.
Bist bald!

Montag, 26. April 2010

Selbsthypnose mit Arnd Stein

Ich habe mich eingedeckt!
Auf die Selbsthypnose-CDs von Dr. Arndt Stein bin ich in Zeiten der Verunsicherung und des schlechten Schlafes, bei Neuanfaengen oder Krisen immer schon angesprungen.
Wer Interesse hat, kann HIER mal etwas stoebern und eine Hoerprobe geniessen.
Mit einer speziellen Technik werden dem "Patienten" Botschaften suggeriert, die tief ins Unterbewusstsein aufgenommen werden.
Es gibt aber auch Menschen, die mit der etwas "weiblichen" Stimme von Arndt Stein nicht viel anfangen koennen.
Mir jedenfalls hilft es, bei Versagensaengsten, Ueberforderungen oder in Zeiten von uebermaessigem Stress.

Sonntag, 25. April 2010

Gmara fuer Frauen - ein Versuch

Heute habe ich mich zum ersten Mal in den Kreis "Gmara fuer Frauen" getraut. Die Frau des Rabbiners Benni Lau aus der Ramban-gemeinde gegenueber, Noa Lau, erteilt den Unterricht.
Ca. 15 Frauen, im Alter zwischen 20 und 70 treffen sich dort an jedem Sonntag, um Schritt fuer Schritt mehr Kontakt zur Gmara zu bekommen.
Kurz und sicher unzureichend erklaert bilden die Mischna und die Gmara zusammen den Talmud.
Die Mischna ist der muendlich ueberlieferte Teil der Tora, der irgendwann einmal doch schriftlich niedergeschrieben wurde. Die Gmara sind die Erklaerungen und Ergaenzugen dazu, fast nur auf Aramaeisch verfasst, weshalb ein Einstieg in die Gmara nie ohne einen qualifizierten Lehrer moeglich ist.
HIER ist eine Wikipedia-Beschreibung, fuer den, der sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen kann und wer es genauer haben will, kann HIER eine sehr schoene Erklaerung zum Talmud von Miriam Woelke nachlesen.

Ich weiss noch nicht, ob ich mit der Zeit ueberhaupt begreife, worum es geht, aber ich werde es eine Zeitlang ausprobieren, bevor ich aufgebe. Eines ist gewiss: Es ist keine leichte Aufgabe und sicher ist einiges an Geduld noetig, um einen absolut winzigen Teil in das Gehirn des "normalen Levels" zu bekommen.

Wir haben das Leben gewaehlt! בחרנו בחיים

"Bacharnu baChaim" (Wir haben das Leben gewaehlt, uns fuer das Leben entschieden..) ist der Satz, der mir heute den ganzen Tag nicht aus dem Kopf ging. Nachdem ich der Mutter eines unserer chronisch kranken Kinder meine Bewunderung ausgesprochen habe, fuer ihren unglaublich liebevollen Umgang mit dem Sohn, zweieinhalb Jahre alt und der Fertigkeit, es so zu nehmen wie es ist, nicht zu verzweifeln und nicht aufzugeben, sagte sie mir diesen Satz.
"Wir haben das Leben gewaehlt". Was heisst es, das Leben zu waehlen? Es heisst viel mehr, als nur "am Leben zu bleiben". Sich fuer das Leben entscheiden heisst in diesem Falle, mit einer Krankheit umgehen zu WOLLEN, die das ganze Leben des Kindes begleitet. Eine Krankheit, die irgendwann zum Tod fuehrt, die den gesamten Alltag beeinflusst und wichtige Koerperfunktionen beeintraechtigt. Viel Ansprache ist noetig, und viel Liebe, um ein Kind mit dieser Krankheit zu foerdern und zu begleiten. (Es ist von der genetischen Erkrankung familial Dysautonomie die Rede, die nur ca. 350 Menschen auf der ganzen Welt betrifft, alles ashkenasische Juden). Die Entwicklung des Kindes ist insgesamt verzoegert, wichtige Koerperfunktionen sind in einem kompletten Durcheinander, das Kind kann nicht richtig schlucken, verschuckt sich oft und aspiriert beim Essen und Trinken haeufig Nahrung in die Lunge, was zu Lungenentzuendungen fuehrt. Es fehlen haeufig Schmerzempfinden oder das Empfinden von Kalt und Heiss, was zu gefaehrlichen Verletzungen fuehren kann. Die Kinder haben entweder keine Traenen oder ueberfliessende sogenannte "Krokodilstraenen". Bei fehlender Traenenfluessigkeit koennen auch Fremdkoerper, die ins Auge geraten nicht herausgespuelt werden und werden, aufgrund des fehlenden Schmerzempfindens gar nicht wahrgenommen. All das kann bis zur Blindheit fuehren. Der Blutdruck ist komplett durcheinander und wenn er staendig zu niedrig ist, sind wichtige Organfunktionen nicht mehr gewaehrleistet. Die Schwierigkeiten beim Schluck-und Verdauungsakt haben zur Folge, dass das Kind eine Gastrostomie ueber sich ergehen lassen muss (das ist ein Eingang am Bauch, der es ermoeglicht, Nahrung oder Fluessigkeit durch eine kleine Leitung direkt in den Magen zu bringen). Haeufige Stoerungen sind schwere Skoliosen, der Gang ist beeintraechtigt. Gehhilfen und Rollstuhl sind nicht selten im fortgeschrittenen Alter.

All das ist nur ein Teil von den Stoerungen, mit denen die Eltern eines an Dysautonomie erkrankten Kindes konfrontiert sind. In meinem Fall von heute morgen hatten die Eltern bereit 4 gesunde Kinder. Als das fuenfte auf die Welt kam, war fast unmittelbar nach der Geburt deutlich, dass irgendetwas "nicht mit ihm stimmte", nur was, konnte niemand beantworten. Die Krankheit ist selten und niemand weiss von ihr.
Schliesslich war aber klar, was fuer eine Diagnose festgestellt wurde. Auch die Eltern des kleinen Jungen kannten die Krankheit nicht.
"Mit solch einer Krankheit in einem Jeshuw leben ist das beste was Eltern passieren kann" sagte die Mutter. Ein Jeshuw ist eine Art Siedlung, aehnlich einem Kibbutz. Die Familien kennen sich untereinander, unterstuetzen und helfen sich. Im Falle unseres kleinen Jungen war es so, dass wirklich jeder aus dem Jeshuw an seinem Werdegang teil nahm. Hilfe kommt von allen Seiten und fast alle Kinder aus der Nachbarschaft wissen Bescheid ueber die Krankheit, behandeln ihn sehr vorsichtig und mit sehr grosser Sorge.
Einen weiteren Vorteil hat das Leben in einem Jeshuw in diesem Falle. Die Eltern haben eine Art "Aufklaerungsarbeit" fuer die Krankheit uebernommen. Das fuehrte dazu, dass sich jeder hat testen lassen. ( Es gibt Gentests, die genau ermitteln koennen, ob jemand Traeger der Krankheit ist, und wenn ja, sollte er moeglichst nicht einen anderen Traeger der Krankheit heiraten... HIER mehr zu den Genetischen Tests). Anderenfalls gibt es eine 25 %ige Chance, dass das Kind krank zur Welt kommt.

"Wir haben das Leben gewaehlt", heisst, trotz der Krankheit zu versuchen, ein richtiges "moeglichst fast normales" Leben zu fuehren, auch Freude zu haben, und nicht im "Leid zu ersticken". Die Empfehlung der Mutter unseres kleinen Patienten: Jeden Tag neu leben und er-leben. Jeden Tag schauen, was ansteht und nicht zu sehr in der Zukunft und somit in Zukunftsaengsten zu "baden".

Ich glaube mittlerweile, dass ich aus dieser Arbeit viel mehr auch fuer mich mit in den Alltag nehmen kann, als ich anfangs gedacht habe, vor allem ein paar Eigenschaften, die sehr leicht untergehen: Demut, Dankbarkeit, Bescheidenheit und das Leben Tag fuer Tag moeglichst zufrieden zu bewaeltigen, eben "immer das Leben zu waehlen!"

Mit Burka zur Purimfeier

Gestern erzaehlte eine Nachbarin, sie sei zur Purimfeier mit einer Burka verkleidet aufgetaucht. (Purim ist das Fest, bei dem Juden sich mit unterschiedlichen Kostuemen verkleiden... obwohl der Sinn ein anderer ist, aehnelt es dem Karneval und liegt auch zeitlich in der Naehe)
Sie habe nicht damit gerechnet, wie man sich in solch einem Kleidungsstueck fuehlen wuerde.
Abgesehen, dass natuerlich mit einer Vollverschleierung wirklich niemand weiss, wer man ist (sie hatte sich auch bewusst NICHT mit ihrem Mann gemeinsam auf die Party begeben) sei es eine auesserst unangenehme Erfahrung gewesen.
Die Nachbarin berichtete von einem Gefuehl der absoluten Anonymitaet und des "Nicht-wahrgenommen-werdens". Sie habe an vielen Ecken Gespraeche belauschen koennen, ohne dass jemand von ihr Notiz nahm. "Es war so, als sei ich gar nicht anwesend fuer die, die unmittelbar neben mir standen!"
Und ploetzlich habe sie sich gefragt, was solche Frauen wohl alles mitbekommen ohne dass die Umgebung das beabsichtigt.
"Der psychologische Effekt war schrecklich. Ich habe mich gefuehlt wie ein Nichts." Nach einer Weile jedoch sei eine Frau auf sie zugeschossen und habe sie wuetend angezischt: "Mi at?" (wer bist du?)
"Es geht nicht, dass du hier so rumsitzt. Gib deine Identitaet preis. Du kannst ja sonst wer sein.... wir sind besorgt und es macht uns Angst."

Samstag, 24. April 2010

Spirituelles........

Die Stunde der "Seudat Shlishit", wenn der Shabbat sich zum Ende neigt und es langsam dunkel wird, ist in der Gemeinde JAKAR eine ganz besondere.
Ca. 15 - 20 Menschen kommen in einem Raum voller Buecher zusammen und sprechen ein wenig ueber den aktuellen Wochenabschnitt.
Anschliessend wird gesungen. Aber es ist nicht nur irgendein Gesang. Jeder traegt seinen Teil bei und haeufig beginnt man sehr leise, um dann mehr und mehr an Intensitaet zu gewinnen.
Man bekommt das Gefuehl, dass jeder der Anwesenden seine ganze Seele in das Gesungene mit einbringt und es gibt Augenblicke, da scheint es, als sei G-tt selbst als Gast zugegen.

Keine Lust auf englisch...

Gestern abend war ich zum Shabbes-essen eingeladen. Es war sehr nett. Dort habe ich ein paar neue Menschen kennen gelernt, die mich dann auch gleich fuer heute mittag eingeladen haben.
Zum ersten Mal nach langer Zeit "durfte" ich kein hebraeisch sprechen. Alle Eingeladenen waren englisch-sprechende Menschen, die vor mehr als 20 Jahren eingewandert sind.
Ja, man kann hier auch mit NUR englisch zurecht kommen. Man haelt sich dann einfach in einer Art englischer Subkultur auf und kommt wunderbar klar.
Mir ist das absolut fremd. Wir sind in Israel und hier moechte ich hebraeisch sprechen lernen.
Aber heute ist mir erst einmal so richtig klar geworden, wie schlecht mein englisch ist. Erstens haben alle superschnell und undeutlich gesprochen und ich hatte mehr als einmal das Fragezeichen im Gesicht. Zweitens fehlen mir unendlich viele Ausdruecke im Englischen und ich habe so gar keine Motivation, sie mir anzueignen.
Leider werde ich es aber muessen, denn bei der Arbeit korrespondieren wir oft mit den USA und einige Patienten kommen auch zur Untersuchung aus England und Amerika (obwohl es nur ein kleiner Teil ist, oder diejenigen, die auf Urlaub hier sind, und zufaellig in die Krise fallen..)
Auch gibt es ein paar Statistikboegen, die wir in englisch ausfuellen muessen, da sie ebenfalls nach N.Y. gehen, um ausgewertet zu werden.
Und englisch ist ja nun einmal eine Sprache in der man sich international verstaendigen kann. Irgendwie ein "MUSS".
Aber Lust darauf habe ich keine.

Freitag, 23. April 2010

Kuchen zum Shabbat!

Dieses Prachtstueck von Kuchen (Kaesekuchen!!!) habe ich mir heute zum Shabbat geleistet.
Nachdem ich nun schon Monate jeden Freitag vor diesen Kuchen in der Neeman Baeckerei stehe, und mir jedes Mal sage: Was soll eine Einzelperson mit solch einem riesigen Kuchen? Oder : 35 Shekel (etwas mehr als 6 EUR) sind viel Geld fuer Kuchen, habe ich heute nicht lange nachgedacht, sondern ihn mir "liCvod Shabbat" (zur Ehre des Shabbat) geleistet.
Noch einmal Shabbat shalom an alle!

Shabbat shalom!

Donnerstag, 22. April 2010

"Juedisch - ob ihr wollt oder nicht!"

Nach meinem Deutschland-aufenthalt bekam ich von jemandem eine Rueckmeldung, die mich lange beschaeftigt hat.
"Sie hat sich benommen, als wolle sie sagen "ich bin Juedin, ob ihr wollt oder nicht!"

Ich glaubte, einen Kompromiss in Deutschland hinbekommen zu haben, was mir - aus Sicht der anderen - wohl nicht gelungen ist.
Ein Leben in Deutschland ist fuer jemanden, der juedisch leben will, viel schwieriger. Daher wird ein Aufenthalt, vor allem wenn es um "kosheres Essen" geht, immer zum Kompromiss. Man kann sich eigenes Geschirr mitbringen und versuchen, mit viel Gemuese und Obst, ohne Fleisch, einen Weg zu finden, um einerseits sich selbst und seinem neuen Weg nicht untreu zu werden, andererseits nicht ein allzu grosses "Drama" daraus zu machen, wenn eben nicht alles so moeglich ist, wie hier in Israel.
Meiner Meinung nach war mir das einigermassen gelungen, doch die Rueckmeldungen sagten anderes. Es hiess: Man koennte sich auch etwas mehr "zuruecknehmen" und "sie zieht ihr Ding durch".
Sicher kommt es - wie immer im Leben - auf die Betrachtung an und von meiner Seite her hatte ich schon auf einiges verzichtet.
Die andere Seite aber, - die sich eher von einer offenen juedischen Lebensweise genervt oder sogar belaestigt fuehlt, ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen.
Muss es nicht auch merkwuerdig anmuten, wenn man den Anruf nicht entgegen nimmt am Shabbat, oder eigene Teller benutzt? Wozu das Ganze? Wie muss es jemandem, der nichts damit zu tun hat, vorkommen, wenn man nicht Auto fahren will am Shabbat?
Verrueckt, oder?
Und ehrlich - versetzt man sich in diese Menschen, kann man ihr Kopfschuetteln absolut verstehen. Von niemandem kann man verlangen, dass er sich ein wenig tiefer mit dem Judentum beschaeftigt, und selbst wenn, dann auch versteht, warum all diese merkwuerdigen Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden.
Dass jeder Jude seine Grenzen woanders hat, macht es noch komplizierter. Und dass 80 % der Juden ueberhaupt nicht religioes leben, ist das nicht ein Beweis dafuer, dass man "uebertreibt"?

All das Verstaendnis aber macht es nicht leichter. Das Judentum so in den Hintergrund treten zu lassen, dass nichts mehr darauf hindeutet, waere nicht ehrlich und wuerde auf ein Verstellen und Verstecken hinauslaufen.
Ich muss mich nicht demonstrativ zum Gebet aufstellen, oder laut eine Bracha sprechen, das ist unnoetig.
Eine Weile kann man das auch innerlich tun.
Es kann sein, dass es bei allem Respekt und aller Toleranz nicht moeglich ist, akzeptiert zu werden. "Die spinnt doch!" werden viele denken und aus ihrer Sicht ist es ohne Sinn, was man tut. Womoeglich sieht man es sogar als Provokation, aber wie kann man einen Weg finden, ohne sich selbst zu verleugnen, zu verstecken, aus falscher Angst davor, dass man Anstoss nehmen koennte?
Ich bin fast sicher, dass es gesunder, entspannter und befreiender fuer alle Parteien ist, wenn man sich nicht zuviel und zulange gegenseitig auf die Nerven faellt und somit einer Konfrontation von unterschiedlichen Lebensweisen aus dem Weg geht.
Trotzdem ist es ein wenig traurig, auch wenn ich mir diesen Weg - und somit das "Anderssein" selbst ausgesucht habe.
"Selbst schuld!" koennten meine Bekannten also mit Recht sagen.

"...lebe in ihnen..."

Das Schoene am Juedischsein ist, dass wir IMMER Kontakt mit dem Himmel haben. Die Gebote begleiten uns den ganzen Tag. Und dadurch werden wir staendig daran erinnert, vor wem wir stehen.
Schon morgens, wenn wir die Augen aufschlagen, und uns bewusst wird, dass es uns vergoennt ist, einen neuen Tag zu beginnen, richten wir einen kleinen Moment unsere Aufmerksamkeit darauf, zu danken. Wir danken fuer unser Leben, das uns neu geschenkt wurde, um eine neue Chance zu bekommen, etwas "besser" oder "richtiger" zu machen. Sollten wir von niemandem mehr diese Gelegenheit bekommen, uns zu verbessern, ist eines gewiss, von EINEM werden wir immer wieder eine neue Chance erhalten.
Beim Aufstehen und dem taeglichen morgendlichen "Haende-uebergiessen" werden wir erneut daran erinnert, uns "zu heiligen", wie der Hohepriester im Tempel, bevor er seine Opfer darbrachte, so sollten wir uns "heiligen", bevor wir unsere Gebete sprechen, die an die Stelle der Opferung getreten sind. Dabei ist sicher weniger der Akt des Haende-uebergiessen wichtig, vielmehr sollten unsere Gedanken dabei ausgerichtet werden auf das, was dahinter steht, eine Konzentration auf den "Dienst, in den wir nun wieder treten". Ohne diese Ausrichtung waere es ein rein mechanischer automatisierter Akt, dem jede Bedeutung abhanden gekommen ist.
Die Gefahr, dass wir Rituale, die uns selbstverstaendlich von der Hand gehen, "automatisiert" ausueben ist gross, daher sagt uns das Judentum auch, wir sollen im besten Fall jedes Mal so andaechtig sein, als sei es das allererste Mal.

Unsere morgendlichen Brachot (Segenssprueche) beziehen sich auf viele Funktionen, die uns ebenfalls selbstverstaendlich erscheinen, unser Aufrichten, unser Sehen, die Kleidung, die wir haben, und dass unser Verstand uns nicht verlaesst. (Es gibt Situationen, in denen man - beispielsweise durch einen Schlaganfall, ganz ploetzlich viele dieser Funktionen verliert....).
Unsere Nahrung zu segnen und dafuer dankbar zu sein, begleitet uns auch ueber den ganzen Tag und falls wir einmal vielleicht versaeumen sollten, ein komplettes Gebet zu sprechen, so ist uns doch wenigstens die Bedeutung sehr praesent und der Gedanke, an den, der immer dafuer sorgt, dass wir genug haben.

Es gibt - beim Verlassen der Stadt - ein Bittgebet um den Schutz auf der Reise, und wer glaubt, das sei ueberfluessig, der moege an die unzaehligen Unfaelle denken, die man nicht unbedingt selbst verursachen muss. In Israel gab es eine Zeit, in der es nicht klar, war, ob man die Eltern, oder die Kinder am Abend gesund und lebend wiedersah. Terroristen hatten Spass daran gefunden, in Bussen Terroranschlaege zu verueben.
Viele Gebete und Segenssprueche begleiten einen glaeubigen Juden ueber den Tag. Und am Abend ist
unser letzter Satz und Gedanke: Hoere Israel, der Ewige ist unser G-tt, der Ewige ist EINZIG.

Tsunamis und Vulkanausbrueche, Raketen und Erdbeben lassen uns bewusster unser kleines Leben schaetzen lernen, bewusster fuehlen, dass wir nicht fluechten koennen und nirgendwo "sicher" sind. Wir koennen nur auf G-tt bauen und unseren Alltag "heiligen" und weiter um den Schutz des Groessten beten.

Zum Wochenabschnitt

In den zwei Wochenabschnitten dieser Woche "Acharei Mot" und "Kdoschim" sprechen zwei Aussagen ganz besonders zu mir. Die eine, die gleich mehrfach wiederholt wird, lautet: "..ihr sollt heilig werden, denn heilig bin ICH, euer G-tt.." (unter anderem im 3.Buch Mose, 19.2)
und "...wahret meine Satzungen und Rechtsgeheisse, ....und lebt in ihnen..."

Immer wieder wird im Judentum betont, dass wir uns nicht in Askese zurueckziehen sollen, dass wir nicht AUSSCHLIESSLICH in unserem stillen Kaemmerchen Tora lernen sollen (ausser einigen wenigen Ausnahmen, die ein aussergewoehnlich hohes spirituelles Niveau haben..), sondern, dass wir mit und in den Geboten LEBEN sollen. Wir sollen die Heiligkeit mit in den Alltag nehmen, den Alltag heiligen.
Klingt abgehoben und nicht mehr mit beiden Beinen auf der Erde?

Ich wuerde sagen, umgekehrt. Wir koennen und sollten uns bemuehen, jeden Augenblick zu "heiligen", ihn zu einem besonderen Augenblick zu machen, denn: Er wird niemals in dieser Form wiederkommen.
Es heisst auch, bewusst zu leben, nicht nur mit abgehobenem Blick zum Himmel durch die Welt laufen, sondern im Gegenteil, unsere unmittelbare Umgebung ganz bewusst wahrzunehmen als ein Stueck Heiligkeit, etwas ganz Besonderes.
Die Anweisungen fuer unser Leben haben wir nicht erhalten, um uns theoretisch mit ihnen auseinanderzusetzen, sondern um "in ihnen und mit ihnen zu leben", d.h. um uns sehr praktisch mit ihnen zu beschaeftigen.
Einige der Gebote beziehen sich auf den Naechsten, den Mitmenschen. Ihn sollen wir so lieben "wie uns selbst".
Verurteilen wir ihn, weil er sich - unserer Meinung nach - nicht richtig, oder nicht ganz so verhaelt, wie es uns lieb ist, sagt das eine Menge ueber unseren eigenen Umgang mit uns selbst aus. Koennen wir mit uns selbst nachsichtig sein? Oder gehen wir auch mit uns "scharf ins Gericht"? Unser Urteil ueber andere Menschen - heisst das nicht auch, dass wir mit uns selbst nicht "im Reinen" sind?
Wenn wir das waeren, koennten wir dann nicht auch ueber die kleinen oder groesseren Schwaechen unserer Mitmenschen etwas grosszuegiger und mit einem "menschlichen" Auge hinwegsehen?
Lenken wir nicht nur von uns selbst ab, indem wir mit dem Finger auf den anderen zeigen, der es einfach nicht schaffen kann, in unseren Augen Gnade zu finden?
Das Richten, wer sich falsch und wer sich richtig verhaelt, sollten wir lieber jemandem ueberlassen, der es besser weiss als wir und dessen Barmherzigkeit - G-tt sei dank - immer groesser ist als seine Gerechtigkeit. Denn wuerde er NUR Gerechtigkeit walten lassen, koennte niemand von uns bestehen.(wie es schon in Psalm 130 heisst "... wenn du auf unsere Suenden achten wuerdest, G-tt, wer koennte bestehen...?")

Statt Kuchen!

Heute gibt es statt Kuchen zum Cafe bei mir einen gesunden Obstsalat. Orangen, Erdbeeren, und als Garnierung Nana-Minzblaetter. Fertig!
Wer es ganz gesund haben will, laesst den Cafe weg und trinkt Nana-minztee.

Die Sonne scheint in meine Wohnung!!!

Den ganzen Winter ueber dachte ich, wie schade es doch ist, dass zu keiner Tageszeit bei mir die Sonne hineinscheint.
Und nun habe ich mir einen Cafe gemacht, setze mich an den Tisch und - ploetzlich steht die Sonne so hoch, dass sie ueber die umstehenden Haeuser auch bei mir ins Fenster und ins Zimmer scheint!
Wie man sich ueber diese Dinge so freuen kann, wenn man sie nicht hat! (auch wenn ich mich nur auf eine Bank oder in den Park setzen muss, um Sonne und Licht zu geniessen..)
Es ersetzt glatt fast einen kleinen Balkon, nach dem ich mich so sehne.....

Mittwoch, 21. April 2010

Eine angenehme Begegnung oder "Blogbekanntschaften"

Durch meinen Blog habe ich am Yom HaAzmaut eine sehr angenehme Bekanntschaft mit einem Ehepaar aus Deutschland in meinem Alter machen koennen.
Wir haben uns auf einen Cafe getroffen und es gab sogar noch ein paar Orte, die ich ihnen zeigen konnte. So habe ich ein wenig "Reisefuehrerin" gespielt, was mir sehr viel Freude gemacht hat. Fuer mich war es eine bereichernde Erfahrung. Offene Menschen mit ehrlichem Interesse fuer das Land und seine Bewohner und ohne einfahrene Vorurteile.
Auf diesem Weg noch einmal an euch Zwei: Danke fuer die angenehmen Stunden!

Montag, 19. April 2010

Happy birthday, Israel!

Yom HaAzmaut Sameach!!!
Wir feiern Unabhaengigkeitstag. Israel wird 62!! Am Abend gab es noch eine Gedenkveranstaltung fuer die gefallenen Soldaten der Gemeinde der Beit HaKnesset Ramban, von Rabbi Benni Lau.
Insgesamt dreimal habe ich heute die HaTikwa mitgesungen, und mich wirklich als Teil des Volkes, als eine Buergerin Israels gefuehlt.
Nach dem Abendgebet und einem wahrhaft feierlichen Hallel in der "Jakar-synagoge" habe ich noch eine Runde durch die feiernde Stadt gedreht. Wenn ich nur nicht so muede vom Tag gewesen waere!
So werde ich das Feiern den jungen Leuten ueberlassen, die sicher nicht vor morgen frueh nach Hause gehen.
An jeder Ecke gibt es Volkstaenze, Rock-und Popkonzerte fuer jeden Geschmack, Zuckerwatte und dieses Jahr jede Menge Spruehdosen mit ekeligem Farbschaum. Ich habe mir gleich zwei Hot Dogs hineingestopft und mich dann auf den Heimweg gemacht.
Morgen geht es schliesslich weiter mit dem Feiern. Ich werde nur bis mittags bei meiner alten Dame sein, und den restlichen Tag habe ich freigenommen.
Yom haAzmaut Sameach!

Yom HaSikaron auf dem Skopusberg

Heute morgen konnte ich an einer Veranstaltung bei meiner neuen Arbeit auf dem Skopusberg teilnehmen. Direkt nach der Sirene, die die Schweigeminuten ankuendigte, wurden von verschiedenen Aerzten und Krankenschwestern, Tehillim (Psalme) vorgetragen, Lieder gesungen und das "El Maale Rachamim" gebetet.
Es war sehr berührend und für mich eine ganz neue, andere Form des Gedenkens. In einer Arbeitsumgebung, in der es egal ist, woher man stammt, weil man sich gemeinsam um das Wohl der Kranken kuemmert. Araber, Juden, Christen, Moslems, stehen taeglich nebeneinander am OP-Tisch, liegen Bett an Bett im Krankenzimmer. Hier verschwimmen die Grenzen und Menschen arbeiten "fruchtbar" zusammen, ergaenzen und helfen sich, egal mit welchem Hintergrund.
Drei Flaggen wurden gehisst, die israelische, die des Hadassah-hospitals und die amerikanische. Letztere deshalb, weil eine sehr enge Zusammenarbeit - besonders in meiner Abteilung - mit Amerika besteht, und es viele Foerderfonds und finanzielle Unterstuetzungen aus Amerika gibt.
Nun gegen Nachmittag werden wir uns ganz langsam auf den Unabhaengigkeitstag einstellen, der heute abend mit seinen Feierlichkeiten beginnt.

Yom HaSikaron und "auch Gilad ist ein Soldat"

Wie immer wurde auch heute ein Lied ganz besonders Gilad Shalit gewidmet, unserem entfuehrten Soldaten, der sich seit 1393 Tagen in der Gefangenschaft der Chamas befindet. Er wird nicht vergessen.
Vor ein paar Tagen, war ich in einem kleinen Kino in der Moshawa (German Colony). Dort war ein Stuhl folgendermassen beschriftet: Dieser Stuhl ist reserviert fuer Gilad Shalit, der sich immer noch in Gefangenschaft befindet.

Bei mir brennt heute auch ein SeelenLicht fuer alle gefallen Soldaten und alle Opfer von Terroranschlaegen.

Yom HaSikaron

Es war ein bewegender Abend, drausssen vor dem Gemeindezentrum. Wir haben ein Lied nach dem anderen gesungen und sind nicht - wie wir es vorhatten - zur Knesset hochgefahren. Auch dort fand ein Liederabend statt, in groesserem Rahmen.
Manchmal aber sind die kleinen intimeren Veranstaltungen die, die viel mehr an Gemeinschaftsgefuehl vermitteln.
Einige junge Menschen haben von ihren Angehoerigen erzaehlt, die in Israels Kriegen gefallen sind, Eltern haben ihre Kinder verloren, was fuer die meisten von uns unfassbar ist.
Wenn die Sirene ertoent um die Schweigeminuten anzukuendigen, muss ich jedes Mal weinen. Es entsteht eine ganz besondere Atmosphaere des gemeinschaftlichen Trauerns, die nicht erklaerbar ist. Man muss sie vielleicht einmal selbst erleben.
Ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die so empfindet. HIER koennt ihr Aryes Eindruecke vom Yom HaSikaron nachlesen.

Samstag, 17. April 2010

Yom HaSikaron ....... Yom HaAzmaut

Morgen abend beginnt der Yom HaSikaron (der Gedenktag) fuer die in Israels Kriegen gefallenen Soldaten und die Opfer der Terroranschlaege.
Wieder wird es Gedenkminuten geben, dieses Mal gleich zweimal. Einmal am Sonntag abend um 8 Uhr p.m. (eine Minute lang) und am darauffolgenden Montag, um 11h.
Wenn der Tag sich langsam gegen Abend neigt, geht die Trauer fast ploetzlich und unmittelbar in Freude ueber. Freude ueber den Unabhaengigkeitstag.
Trauer und Freude liegen oft dicht beieinander, sowie es Traenen der Freude und auch der tiefen Traurigkeit geben kann.
An diesem Tag ist das hier sehr deutlich spuerbar und ich bin froh, hier zu sein.
Am Unabhaengigkeitstag selbst (von Montag abend bis Dienstag) wird es unzaehlige Veranstaltungen geben, Popkonzerte und Liederabende in den Gemeinden.
Ich werde wohl am Montagabend in der Gemeinde Jakar zum Abendgebet und Liederabend gehen, am Dienstag selbst muss ich bis mittags bei der alten Dame arbeiten. Danach werde ich versuchen, zu einem Besuch beim Haus des Praesidenten Shimon Peres zu erscheinen, da man mir sagte, dass dann dort fuer die Bevoelkerung ein Tag der offenen Tuer ist.
Spaeter gibt es auf der Mamilla-einkaufsmeile eine Art Freiluft-museum. Darsteller werden zeigen, wie es an diesem Ort zu Zeiten der Gruendung des Staates Israel aussah.

Freitag, 16. April 2010

Shabbat shalom!

Shabbat shalom!

Independence - Day

Am Dienstag (Beginn Montag abend) ist Unabhaengigkeitstag und das Land ist "beflaggt". Autos fahren mit Faehnchen herum, Fahnen haengen an den Gebaeuden, die Strassenlaternen sind geschmueckt. Ein regelrechtes Feiertagsgefuehl.
Ich mag diese Stimmung, habe schon einige Male hier den Tag gefeiert, mit vielen Freiluft-konzerten und Veranstaltungen.
Mich erinnert das zurzeit an eine Zeit der Weltmeisterschaft in Deutschland. Das Land war so im Jubel, dass es sogar in Deutschland ploetzlich moeglich war, Fahne zu zeigen, "stolz" auf Deutschland sein zu duerfen. Der Trubel war echt, es war mit einem Mal nichts mehr von Scham, Zurueckhaltung oder Hemmung zu spueren. Und das nach einer langen Zeit, in der es fast unmoeglich war, die deutsche Fahne zu flaggen, ohne einen sehr faden peinlich "rechten" Beigeschmack zu erzeugen.
Von all dem war nicht mehr zu spueren, Deutschland zeigte Fahne ohne Hintergedanken und mit viel Freude.
Es war in meiner Erinnerung eine gesunde Entwicklung.
Hier in Israel ist der Nationalgedanke sehr viel ausgepraegter, man ist stolz auf das kleine Land. Die Pioniere haben mit ihrer "Haende Arbeit" eine unfassbare Aufbauarbeit geleistet. Wer die Bilder kennt vom Strand in Tel Aviv, als noch kein Haus stand (und das ist gerade mal 100 Jahre her!) der kann in Etwa ermessen, welch enorme Aufbauleistung dahinter stand.
Und eines der unzaehligen Lieder zum Yom HaAzmaut heisst: Ein li Eretz acheret. (Ich habe kein anderes Land auch wenn meine Erde brennt....mit schmerzendem Koerper und hungerndem Herzen, hier ist mein Zuhause... )
HIER koennt ihr es euch anhoeren.
Eine traurigere Version mit Uebersetzung ins Englische und Bildern von den unzaehligen Terroranschlaegen koennt ihr euch HIER ansehen. Vielleicht wird mit diesen Bildern einigen noch einmal etwas vor Augen gefuehrt, was leicht in Vergessenheit geraet....

IKEA - ein "Schnaeppchen"

Gestern war ich zum ersten Mal bei IKEA in Rishon leZiyyon. Eine Busfahrt von kaum einer Stunde bis zum zentralen Busbahnhoft nach Rishon, anschliessend noch eine Fahrt von 5 Minuten bis zu IKEA mit einem anderen Bus, das kann man durchaus bewaeltigen.
Ohne Auto ist der Einkauf - abgesehen vom finanziellen Etat - sehr begrenzt. Ich habe ein Buecherregal gesucht, was nicht teuer ist und so leicht, dass ich das Paket im Bus transportieren kann.
Dieses weisse Metallregal "Lersberg" habe ich fuer 95 Shekel (keine 20 EUR) ) erstanden, so wie ein paar Kerzen und einen neuen Duschvorhang.
Endlich ist mein Buecherbestand, der sich doch erheblich erweitert hat in der letzten Zeit, gut untergebracht, ohne dass das Zimmer zu voll ist.
Viele andere schoene Moebelstuecke habe ich entdeckt, doch die muessen warten, bis ich in eine andere Wohnung umgezogen bin. (Vielleicht im November?)

Dienstag, 13. April 2010

Israelische Urlauber im Sinai in moeglicher Gefahr und Syrien liefert Waffen an Hisbollah

Israelische Urlauber koennten das moegliche Ziel von Entfuehrungen sein...so wurde heute abend gewarnt. Urlauber, die sich im Sinai befinden, sollten moeglichst schnell zurueck kehren. Die Gefahr von Entfuehrungen - und zwar nicht nur von Soldaten, sondern auch normaler israelischer Buerger - durch Terrororganisationen sei zurzeit enorm hoch.
Gleichzeitig wird bekannt, dass Syrien an die Hisbollah im Libanon Waffen liefert, die eine Reichweite haben, die es moeglich macht, jeden Ort in ganz Israel anzugreifen.
Scud-Raketen, von denen die Rede ist, gibt es in mehreren "Ausfuehrungen", die sogenannte Scud B-Rakete hat eine Reichweite von 300 km, was bedeutet, fast jeder Ort in Israel kann erreicht werden, die Scud C und D-Rakete gar ist faehig, Eilat zu attackieren.
Wirklich wirkungsvolle Sanktionen gegen den Iran sind nicht in Sicht, obwohl nicht erst seit gestern klar ist, was unser Feind Achmadinedschad mit seinem Uran tun will. Niemand - aussser Israel - nimmt ihn ernst.
Heute morgen dachte ich, wenigstens Sarkozy haette verstanden, wie gefaehrlich der Iran ist - und das uebrigens nicht nur fuer Israel, sondern fuer die gesamte westliche Welt, was niemand so recht wahrhaben will.
Aber was er von sich gab, war nicht etwa: "Eine Atombombe im Iran wuerde schreckliche Folgen haben..." sondern " Ein israelischer Angriff auf den Iran wuerde ein Disaster bedeuten. "
Warum koennte es moeglich sein, dass Israel den Iran angreift?
Israel wird dann angreifen, wenn seine Zurueckhaltung das Ende der meisten Teile des Landes bedeuten wuerde, und das wird spaetestens dann der Fall sein, wenn klar ist, dass der Iran unmittelbar vor der Fertigstellung von Atombomben ist. So einfach ist das deshalb, weil der iranische Praesident keinen Zweifel an seinem grossen Hass auf Israel laesst. "Israel von der Landkarte..." hat er nicht nur einmal von sich gegeben.
Aber Sarkozy ist besorgt, dass ein israelischer Angriff ein Desaster wird, nicht etwa dass ein Atomstaat Iran zum Showdown fuehrt.
Die westliche Welt scheint zu denken: Lass doch Achmadinedschad seinen Krieg mit Israel fuehren, dann haben wir zwei Probleme weniger, 1. ohne Israel wird endlich Ruhe im Nahen Osten sein, 2. auf einen Streich ist man wieder etwa 6 Millionen Juden los.
Und wer jetzt von meinen Bekannten in Deutschland wieder denkt:"Die leidet doch an Verfolgungswahn." moege sich einmal den Artikel von Ulrich Becker (HIER) auf Aryes Blog zur Gemuete fuehren.

Montag, 12. April 2010

Nach dem zweiten Arbeitstag im Krankenhaus

Die Arbeit belebt und weckt auf. So empfinde ich es, wenn ich vom Har Hazofim zurueck in die Stadt fahre ( ein erster Eindruck!). Ich muss meinen Kopf anstrengen, neue Fachausdruecke lernen und versuchen, auch den Menschen zu folgen, die sehr schnell, undeutlich oder mit Akzent hebraeisch sprechen. Das Team macht einen netten, hilfsbereiten Eindruck und meine erste (offizielle) Patientin (ich habe ja schon informell einige kennen gelernt), 10 Jahre alt, hat sich sofort auf mich eingelassen. Ich werde in Zukunft unter anderem auch buerokratische Aufgaben haben, die mich sicher mehr fordern werden als die zwischenmenschlichen.
Chronisch kranken Kindern und Jugendlichen stehen vom Staat und von den Krankenkassen besondere Verguenstigungen zu, aehnlich wie in Deutschland. Da gibt es Spezialnahrung, Gehhilfen, persoenliche Begleiter, die oft von bestimmten Fonds gestellt werden (in Person von Volontaerinnen oder jungen Menschen, die Ersatzdienst ableisten) und regelmaessige Physiotherapie, die nicht von allen Kassen bezahlt werden.
Behindertengerechte schwellenfreie Wohnungen sind ein Idealfall. Auch diese Moeglichkeiten muessen geprueft, bzw. Aenderungen vorgeschlagen werden.
All diese Besonderheiten werde ich in der naechsten Zeit lernen muessen, einschliesslich der Antragsformulare und Krankenakten.
Die Buerokratie wird sicherlich die groesste Herausforderung fuer mich werden und ich hoffe, alles mit der Zeit bewaeltigen zu koennen.
Die Patienten mit all ihren - zum Teil wirklich erheblichen - Handycaps zu erleben, laesst wieder Dankbarkeit und Demut in Anbetracht der eigenen und der Gesundheit der Kinder aufleben.

Gedenkminuten

Gedenkminuten sind ein Symbol. Nicht, dass wir im Alltag die Toten vergessen, aber zwei kollektive Gedenkminuten pro Jahr sind das mindeste, was wir tun koennen, in Anbetracht des Unfassbaren.
Heute um 10h schien die Welt hier in Israel still zu stehen. Ich hatte es bereits vor ein paar Jahren erlebt, dass der Umgang mit Schweigeminuten hier voellig anders ist, als ich es von Deutschland gewohnt bin.
Die Sirene beginnt zu heulen und die Umwelt scheint wie eingefroren. Menschen auf den Buergersteigen bleiben in dem, was sie gerade tun, stehen. Autos und Busse halten mitten auf der Strasse an, die Menschen steigen aus und stellen sich daneben, still im Gedenken. Alles kann warten. Was sind zwei Minuten?
Anders habe ich es vor ein paar Jahren in Deutschland erlebt, als es zwei Gedenkminuten zu Ehren der Opfer des Amoklaufes in einer Schule geben sollte. Ich hatte mich darauf eingestellt und befand mich zu dieser Zeit aus beruflichen Gruenden im Buero der Sozialarbeiterin einer JVA. Als die Sirene erklang, hielt sie nicht inne, sondern sagte zu mir, sie habe "fuer so etwas keine Zeit". Schliesslich sei in den letzten Tagen genug Arbeit liegengeblieben.
Spaeter habe ich mich sehr geaergert, dass ich - vielleicht aufgrund meiner Verblueffung, vielleicht aber auch aus Feigheit - nicht darauf bestanden habe. Ich habe mich gefragt, was man in zwei Minuten wohl fuer "Arbeit" erledigen kann. Zwei Minuten Innehalten, um ermordeten Menschen eine Ehre zu erweisen, an sie zu denken - ist das zuviel verlangt?

Sonntag, 11. April 2010

Jom haShoa - Holocaustgedenktag

Heute abend beginnt der Jom haSikaron leShoa velaGwura, der israelische Gedenktag fuer die sechs Millionen ermordeten Juden waehrend des zweiten Weltkrieges. 1951 unter David Ben Gurion und Jitzchak ben Zwi eingefuehrt wird es im Laufe des morgigen Tages etliche Gedenkveranstaltungen geben. Um 10 Uhr frueh, werden die Sirenen heulen und die meisten Menschen halten inne, auf der Strasse, auf ihren Wegen wohin auch immer. Autos halten an und die Menschen steigen aus, erweisen den ermordeten Bruedern und Schwestern die Ehre des Gedenkens. Wer dies einmal in Israel miterlebt hat, kennt die tiefgreifende bedeutungsvolle Stille der Schweigeminuten. Und wer - wie ich - nicht ins juedische Volk hineingeboren wurde, aber durch eigenen Willen konvertiert ist, wird das nicht zu beschreibende Gefuehl nachvollziehen koennen, was sich einstellt. Eine Mischung aus tiefer Trauer fuer die, die wir jetzt als unsere Brueder bezeichnen und Scham oder Hilflosigkeit in Anbetracht der deutschen Vorfahren.
Wir sind nicht schuld, da wir noch nicht gelebt haben in diesen Jahren der schrecklichen Geschehnisse, aber wir sind Nachkommen einer Generation, die das Schreckliche wenn vielleicht auch nicht mit ausgefuehrt, so doch zugelassen und weggeschaut hat.
Wir haben die Verantwortung fuer das Heute, tragen ein schweres Erbe. Und sicher wird der eine oder andere wie ich fuehlen, naemlich, dass es fast unmoeglich ist, die Gefuehle, die sich im Angesicht der Shoa in einer Person eingestellen die als Deutsche zum juedischen Volk konvertiert ist, weder den Ueberlebenden und deren Angehoerigen, noch den deutschen Mitbuergern mitzuteilen.
Mithilfe einer Konvertierung kann man nicht aus der Geschichte der Vorfahren "aussteigen". Wer aus diesen Gruenden konvertieren moechte sollte noch einmal gut darueber nachdenken. Er wird sich nicht der unangenehmen Gefuehle entledigen koennen, vielmehr wird er ein neues erstickendes Gefuehl hinzugewinnen.

Im Rahmen des Gedenktages moechte ich noch einmal an das Buch von Rabbi Israel Meir Lau erinnern. Wer hebraeisch lesen kann, moege es tun, denn es ist ein Buch mit einem sehr persoenlichen Schicksal. Ein damals kleiner Junge, der juengste im KZ Buchenwald und seine Erinnerungen an diese Zeit.
Da es leider keine deutsche Uebersetzung zu geben scheint, habe ich mir vorgenommen, dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Ich rechne mit einer Zeit von mindestens einem Jahr und hoffe sehr, nicht auf dem Weg aufgeben zu muessen.
HIER noch einmal der Link zum Buch.
Rabbi Israel Meir Lau erzaehlt HIER in diesem Video die bewegende Geschichte ueber die Rede, die sein Leben rettete.

Samstag, 10. April 2010

Nicht nur Spirituelles...

Morgen ist mein erster Arbeitstag im Hadassah Hospital auf dem Skopusberg. Nach meinen zwei Stunden bei Sharon, der alten Dame, werde ich also mittags in den Bus zum Skopusberg springen.
Ich freue mich sehr darauf und hoffe, dass ich meine neue Aufgabe gut bewaeltigen kann. Eine der Herausforderungen wird die Buerokratie und das Gesundheitssystem sein, die zweite die Sprache.
Aber mit viel Einsatz und Engagement und vor allem G-ttes Hilfe, hoffe ich, beides mit der Zeit zu schaffen.
Was mich sehr motiviert, ist die Tatsache, dass es eine Arbeit ist, die Sinn macht. Dem Himmel sei Dank!

Mein Platz..... schon gefunden?

Habe ich meinen Platz hier etwa schon gefunden? Meine Suche nach einer Gemeinde, die zu meiner Seele passt, fuehrte mich zu einer Synagoge, die ich vor zwei Jahren bereits aufgesucht hatte. Damals hatte ich mich gewundert, dass kaum jemand in meinem Alter dort war. Spaeter stellte sich heraus, dass ich den falschen Eingang genommen hatte. Es gab zwei Minjanim, einen fuer sehr junge Menschen und einen fuer die aelteren, wie mich.
Die Gemeinde heisst Jakar und ist wirklich etwas ganz besonderes. Ich weiss nicht warum, aber was ich suchte war ein hauptsaechlich gesungenes Gebet.
Im Gesang stellt sich eine ganz eigene Naehe ein, es ist mir eher moeglich, mich zu konzentrieren und zu zentrieren auf das, was mit Devekut, (Hinwendung, Andacht) bezeichnet wird.
Vielen Menschen die ich dort traf, scheint es genauso zu gehen. Die Atmosphaere, besonders am Freitag abend zum Kabbalat Shabbat ist einzigartig spirituell und eine Frau sagte zu mir: "Denken Sie nicht, dass ich verrueckt bin, aber manchmal ist es so intensiv, dass man im Raum einen "besonderen Geist" (im Sinne von geistiger Atmosphaere) spueren kann. "
Nein, ich halte sie nicht fuer verrueckt, vielmehr bin ich froh, eine Gemeinde gefunden zu haben, die gemeinsam genauso fuehlt wie ich. Auch heute morgen beim Morgengebet stellte sich eine sehr dichte Atmosphaere ein, die Menschen waren offen und ernsthaft.
Beim Kiddush im Anschluss an das Gebet habe ich gleich mehrere interessante und warmherzige Menschen kennen gelernt, die fuer neue Gemeindemitglieder sehr offen scheinen.
Es hat sich doch gelohnt, noch einmal auf die Suche zu gehen.

Freitag, 9. April 2010

Shabbat shalom


















Aus dem sonnigen, heute etwas kuehlen Jerusalem wuensche ich allen Shabbat shalom! Moeget ihr diesen einen Tag der Woche nutzen, um mehr die geistigen Aspekte des Lebens zu betrachten, aber auch die Verbindung zur Familie zu staerken.
An diesem Tag sind wir nicht gezwungen, Neues zu produzieren. Wir halten inne und duerfen uns in und an der Natur neu staerken. Ein Ruhetag, an dem wir uns der kleinen Dinge um uns herum erfreuen koennen. Und "danke" sagen.
טוב להודות לשם

Donnerstag, 8. April 2010

Alzheimer und die Philippininnen...

Alzheimer. Eine schreckliche Krankheit fuer die Umwelt. Ich schrieb bereits darueber, aber nachdem ich nun einige Monate mit meiner Sharon (der Name ist frei erfunden) verbracht habe, muss ich sagen, dass die Phillippinin, die 24 Std. mit ihr verbringt, Schwerstarbeit leistet. Geistige und nervliche Schwerstarbeit.
Koerperliche Arbeit ist es nicht, denn Sharon kann laufen, zieht sich selbst an und duscht sich selbst. Das einzige Problem in dieser Hinsicht ist, dass sie meint, sie habe sich bereits geduscht, und nicht versteht, warum es "noch einmal" noetig sein sollte.
Ich bin zweimal zwei Stunden am Tag bei ihr, am Morgen und am Nachmittag. Das ist nicht viel und doch kann es anstrengend und nervig sein.
Sharon ist naemlich der Typ, der staendig redet. Sicher gibt es auch Demenzkranke, die nicht viel sprechen, aber Sharon gehoert nicht dazu.
Auch mit viel Geduld und dem staendigen Sich-daran-erinnern dass sie nun einmal krank ist, passiert es mir doch, dass manche Verhaltensweisen schwer auszuhalten sind.
Am schwierigsten faellt es mir, wenn sie ueber voruebergehende Menschen spricht. "Die ist aber dick, schau mal. Schau doch mal, hast du gesehen?" ist ein haeufiger Satz.
Vor einigen Tagen habe ich den Enkel gefragt, ob sie schon immer eine Aversion gegen religioese Menschen hatte, deutlich nach aussen sichtbare religioese Menschen, mit Pejes, Zizit oder schwarzem Hut.
Er bejahte. Schon immer sei es ihr sehr schwer gefallen, die religioese Gesellschaft in Israel zu akzeptieren.
Und so kann es sein, dass sie mich mehrmals in den zwei Stunden anstoesst und sagt: "Schau mal, der mit der Kippa. Also diese Kippottraeger immer! Ich kann das nicht verstehen. Und guck mal der, mit den heraushaengenden Faeden. Das muss doch nicht sein. Also das ist eine Art, schrecklich!!"
Es tut mir innerlich fast weh, das zu hoeren, auch wenn ich mir dann sage, dass sie krank ist, und nicht weiss, was sie sagt.
Schwer ist es, eine Reaktion zu finden, mit der auch ich leben kann. Wenn sie sich lustig macht, kann ich nicht mitlachen, bei allem Verstaendnis. Und wenn sie sich aufregt, ueber das "Outfit" der Religioesen, sage ich manchmal: "Vielleicht ist das ein sehr netter Mann. Wenn du ihn kennen lernen wuerdest, waerest du vielleicht ueberrascht."
Oder ich sage: "Mich stoert es nicht, wenn er Kippa traegt."
Dann sagt sie: "Nein, stoeren nicht, aber ist das eine Art?"

Wenn ich ihre Saetze ignoriere, insistiert sie weiter und will wissen, was ich dazu meine. Daher ist "nicht hinhoeren" auch kein Weg.

Nun, was ich aber am meisten bewundere, sind die Philippininnen. Ich kann nach zwei Stunden gehen, Luft holen, entspannen. Die bei ihr wohnende Phillippinin aber muss die Verhaltensweisen, die sehr wechseln, 24 Stunden aushalten.
Sharon ist ein Mensch, der mehrfach in der Nacht aufzuwachen scheint, so berichtete mir die Phillippinin. Auch kommt es vor, dass sie nicht mehr weiss, wer da bei ihr wohnt, und sie anschreit. Anschliessend wirft sie sie hinaus. X. wartet dann im Hausflur eine Weile, bis Sharon die Episode eventuell vergessen hat, und klingelt dann. Wenn sie Glueck hat, macht Sharon ihr auf, als sei nichts gewesen.

Gestern habe ich im Park eine alte Frau mit Rollator beobachtet. Sie wurde von ihrer phillippinischen Pflegerin begleitet. Was ich im Vorbeigehen an Beschimpfungen und Frechheiten hoeren musste, war schrecklich. Kann man - auch bei allem Verstaendnis fuer die Krankheit - sich pausenlos beschimpfen lassen, ohne dass man reagiert?

Ich dachte darueber nach, dass es seit einiger Zeit immer wieder Faelle von Misshandlungen gibt gegenueber alten hilflosen Menschen. Oft wurden diese Faelle durch heimlich installierte Cameras entdeckt. Es wurden Ausschnitte gezeigt, in denen die alten Menschen mit Kissen zum Schweigen gebracht wurden, oder der Rollstuhl wurde gegen die Wand gefahren.
Es war kaum zum Aushalten, sich diese Filme anzusehen und ich habe mich gefragt, welcher "Unmensch" so etwas tun kann.
Ich denke nicht, dass alzheimerkranke Menschen, die sich ihrer Umwelt gegenueber unsozial verhalten das brutale Verhalten rechtfertigen, keine Frage.
Aber - ich glaube inzwischen, dass ein permanentes Umgehen mit Menschen, die einen - aus welchen Krankheitsgruenden auch immer - beschimpfen und verdaechtigen, unsere schlechtesten Eigenschaften wecken koennen und Aggressivitaet hervorrufen koennen.
Ich kann mir nur vorstellen, wenn man in sich den kleinsten Hinweis einer aggressiven Reaktion spuert, waere es heilsam eine solche Arbeit nicht zu tun. Aber wer bleibt dann, um diesen Menschen zu helfen? Gibt es noch genug einfuehlsame, geduldige Menschen, an denen diese "Symptome" abprallen, die damit adaequat umgehen koennen, auch 24 Std. lang, jeden Tag, jede Woche, gar Jahre?

Ich jedenfalls moechte nicht mit ihnen tauschen. Oft sind sie Jahre im Land, um Geld fuer ihre Familien zu verdienen, das sie dann Monat fuer Monat nach Hause schicken. Wenn sie Glueck haben, achtet die Familie der kranken Person auf die Rechte der Phillippininnen, z.B. ein freier Tag am Sonntag und die Einhaltung der Feiertage.
Wenn nicht, trauen sich die meisten von ihnen nicht, bei der Agentur ihre Rechte einzufordern, aus Angst, dass sich die Familie dann jemand anderen nimmt.

Ein schwieriges Thema und ein trauriges zugleich. Denn wer von uns kann schon wissen, ob er nicht selbst einmal in die Lage kommt. Demenzkrank zu sein ist ein schweres Schicksal. Fuer die Familien und die Umwelt ist es eine Geduldsprobe und meiner Ansicht nach eine fast nicht zu bewaeltigende Aufgabe.

Sonntag, 4. April 2010

Jiskor

Jiskor, d.h. das Gedenken an verstorbene Elternteile, findet am letzten Tag Pessach (bei uns der 7. Tag, in der Galut der 8. zusaetzliche Tag) statt, hier in Jerusalem also heute abend.
Aber nicht nur zu Pessach, sondern auch an Shawuot, Jom Kippur und Shmini Azeret, dem letzten Sukkot-tag wird der Toten gedacht.
Ich werde wieder eine Ner Neshama (Seelenlicht) fuer meinen Vater anzuenden. Da er kein Jude war, habe ich meinen Rabbiner vor einiger Zeit befragt, und er sagte mir, dass es durchaus ueblich ist, auch fuer nicht-juedische Eltern das Seelenlicht zu zuenden.
Wir gedenken auch all derer, die durch die grausamen Massenmorde der Nazis umgekommen sind, unsere juedischen Brueder und Schwestern.
Das Seelenlicht wird VOR dem Kerzen zuenden der Shabbat-oder Yom-tov-lichter angezuendet.
Pessach sameach an alle!!

Herzlichen Glueckwunsch!


















Ich wuensche meiner Tochter - natuerlich nicht NUR auf diesem Wege - alles Liebe, Gesundheit, Glueck, Erfolg zu ihrem 30. Geburtstag.
Glauben kann ich es noch nicht so richtig, dass ich eine Tochter habe, die 30 ist.
Eine wunderschoene Geburtstagsfeier mit viel Kuchen, Spass und Luftballons wuensche ich und bin ein wenig neidisch, nicht dabei sein zu koennen, ausser in Gedanken.
Moegest du immer deiner inneren Stimme folgen, und weiter deinen ganz eigenen Weg gehen, ohne Angst, denn es wird immer jemanden geben, der ueber dich wacht, auch wenn du einmal ganz allein auf dem Baum sitzen solltest, wie die kleine Taube hier.
Geniesse das Leben!

Aviv Geffen


















Ein schlechtes Foto, aber ein sehr gelungener Abend. Im kleinen neuen Saal des Theatrons Yerushalaiym hat Aviv heute fast nur seine sehr langsamen gefuehlvollen Songs gesungen.
Viel junges Publikum, aber auch ein paar "Alte" meiner Liga waren begeistert. So kann die Woche immer starten.
HIER koennt ihr sein Lied "Bischvileich" (fuer dich) hoeren.

Samstag, 3. April 2010

Heute abend AVIV GEFFEN in Yerushalaiym!


















Heute abend steht wieder etwas sehr "weltliches" auf dem Programm, Aviv Geffen, einer meiner Lieblingssaenger kommt nach Yerushalaiym, ins Theatron! Und ich werde dabei sein, ich Glueckliche!
Einmal habe ich ihn schon live erleben duerfen, vor zwei Jahren beim Chuzot hajozer im Sommer im Sultans-pool.
Mein derzeitiges Lieblingslied von ihm ist das Lied fuer Gilad Shalit, (HIER) der entfuehrte israelische Soldat, der immer noch von der Chamas in Gaza gefangen gehalten wird.
"Du wirst zurueck kehren, du bist doch unser aller Kind. Du wirst zurueck kehren, dein Herz schlaegt doch ohne Unterlass in unseren Herzen.." so heisst es dort.
Zur Erinnerung: Gilad ist bereits seit 1378 Tagen in Gefangenschaft.

Auch das Lied, das Aviv gesungen hat, um Abschied von Premierminister Itzchak Rabin zu nehmen, ist eines meiner liebsten. HIER koennt ihr es anhoeren.

Fuer immer, mein Freund, werde ich mich an dich erinnern, und wir werden uns am Ende wiedersehen...
Aviv Geffen ist - auch aeusserlich - eine sehr bizarre Gestalt, schminkt sich fuer seinen Auftritte meist und engagiert sich in der linken Friedensbewegung.
Seine Musik ist einzigartig und meist von ihm selbst komponiert.

Auf der Suche....

Seit einigen Wochen auf der Suche nach einer anderen Synagoge, bin ich gestern abend scheinbar fuendig geworden.
Bisher habe ich sehr oft in einer Synagoge gebetet, die den Gesang in den Vordergrund stellt. Das war es auch, was mich anzog. Andere Dinge haben mich teilweise gestoert und waren nicht das, was ich "gelernt" habe.
Daher habe ich mich auf die Suche gemacht, nach einer Gemeinde, die passender fuer mich ist. Das gesungene Gebet ist immer noch das, was ich suche, denn irgendwie ist es der Schluessel der Annaeherung fuer mich.
Im gesungenen Gebet habe ich das Gefuehl, mich leichter "zu naehern", es ist meine Art der "Erhebung", eine spirituelle Erfahrung. Es faellt nicht leicht, das in Worte zu fassen, was ich im vorwiegend gesungenen G-ttesdienst empfinde.
Musik war schon seit ich denken kann ein Katalysator fuer tiefe Gefuehle.
Und so ist es auch im Gebet eine Art "Hilfsmittel" fuer "Andacht", Konzentration, Hinwendung, Devekut.

Es gibt in meiner Naehe unzaehlige Synagogen, daher mache ich mir keine grossen Sorgen, dass ich nicht etwas finden werde, wohin ich "passe" und was zu mir passt. Ein paar Alternativen habe ich bereits an den letzten Shabbatot "ausprobiert". Aber gestern abend bin ich auf eine Synagoge gestossen, die ich bereits vor zwei Jahren einmal besucht hatte. Der Gesang war dort ebenfalls vorrangig nur hatte ich vor zwei Jahren den falschen Eingang genommen. Es gibt dort zwei Minjanim, einer fuer die sehr jungen Leute und einer fuer die "Aelteren" wie mich.
Dieses Mal gesellte ich mich zu meiner Altersgruppe und war doch sehr ueberrascht und angetan.
Meine nette Nachbarin erzaehlte mir auch gleich, dass sich dienstags abends der Chor der Gemeinde trifft. Das koennte etwas fuer mich sein und ich werde es gleich am Dienstag ausprobieren.
Nach dem G-ttesdienst war ich bei einem befreundeten Paar eingeladen und habe dort gegessen. Auf dem Heimweg roch es nach Jasmin.
Heute habe ich lange im Bett verbracht, gelesen, gebetet und meine "Natur vor dem Fenster" genossen.
Ein Spaziergang mit Rast in einem kleinen Park in der Naehe tat der Seele gut und ich bin sehr froh, meine innere Ruhe wieder gefunden zu haben.

Freitag, 2. April 2010

שבת שלום! חג פסח שמח


















Shabbat shalom!
Chag sameach!

Pessach und Ostern


















Meiner Familie, Freunden und Bekannten in Deutschland und allen Lesern, die das Fest feiern, wuensche ich ein frohes Osterfest, besinnliche Tage und Zeit fuer die Familie!

Donnerstag, 1. April 2010

Hadassah university hospital mount skopus


















Das Hadassah-hospital auf dem Skopusberg wird meine zukuenftige Arbeitsstelle sein, leider nur fuer eine Viertelstelle als Sozialarbeiterin, aber immerhin ein Anfang, und - wie man hier sagt - "ein Fuss in der Tuer..".
Es gibt zwei Hadassah-krankenhaeuser, eines in Ein Kerem - was eher an eine Fabrik, als an ein Krankenhaus erinnert, und eines auf dem Har HaZofim, dem Skopusberg.
Das Krankenhaus auf dem Skopusberg ist familiaerer, kleiner und ueberschaubarer als das in Ein Kerem.
HIER kann man sich die Website von beiden Hadassah-Centren ansehen. Die Abteilung, in der ich arbeiten werde, nennt sich Dysautonomia Mishpachtit ( familiaere Dysautonomie, kurz F.D.) oder Riley-Day-Syndrom, nach den Entdeckern der Krankheit.
Meine zukuenftige Chefin, Prof. Chani Maayan, widmet sich mit Hingabe seit 30 Jahren dieser seltenen Gen-erkrankung, die nur ashkenasische Juden betrifft. HIER kann man etwas ueber ihren Lebenslauf erfahren.
Weltweit gibt es nur 350 Erkrankte, 2 davon in Deutschland. Heilung gibt es nicht, man kann die chronisch Kranken lediglich begleiten und die Symptome zu lindern versuchen.
Es gibt auf der ganzen Welt nur zwei F.D.- Zentren, eines in New York und eines in Jerusalem auf dem Skopusberg.
Die Krankheit betrifft - wie der Name schon sagt - vorwiegend das Autonome Nervensystem. Funktionen, die man willentlich nicht beeinflussen kann sind gestoert. Beispielsweise ist in den meisten Faellen die gesamte Koordination des Verdauungstraktes schwer gestoert. ( Schlucken ist schwierig, bei der Nahrungsaufnahme passiert es oft, dass Nahrung in die Lunge aspiriert wird, was zu Lungenentzuendungen fuehrt, Nahrung wird nicht richtig von der Speiseroehre in den Magen befoerdert, so dass es zu Erbrechen oder Reflux kommt, haeufig noetige OPs sind Gastrostomien, bei der das kranke Kind einen direkten Zugang von aussen zum Magen gelegt bekommt, um den Schluckakt zu umgehen... ) aber auch Stoerungen des Skeletts, wie schwere Skoliosen, oder Gleichgewichtsstoerungen treten auf.
Bei einem akuten F.D. - Anfall wird minutenlang, stundenlang oder laenger erbrochen, was schnell zu enormen Elekrolytverschiebungen fuehrt, Kraempfen und Ohnmacht. Dann wird der Patient kurzzeitig stationaer behandelt.
Laeuft alles einigermassen, kommen die Patienten regelmaessig zur Kontrolle und Beratung, was Ernaehrung, Medikamentoese Therapie oder noetige OPs betrifft.

Das Team besteht aus der leitenden Professorin, einer Krankenschwester, einem Physiotherapeuten, einer Diaetassistentin, einer Kunsttherapeutin und einer Sozialarbeiterin.

אבא, שבשמים - ein Vater fuer uns alle..


















Als mein Vater vor fast 20 Jahren starb, hinterliess er einen grossen Bildband ueber Israel und die Geschichte des Volkes. Er hatte immer vor, einmal nach Israel zu kommen. Leider hat er es in diesem Leben nicht mehr geschafft.
Als ich dann - 13 Jahre spaeter - mich zum ersten Mal aufmachte, um nach Israel zu fliegen, sagte meine Tochter: "Vielleicht triffst du ja auf irgendeine Weise dort deinen Vater..."
Ich traf meinen Vater, aber nicht den weltlichen. Ich habe unseren Vater gefunden, durch das Land, durch die heilige Stadt und durch das Gefuehl des "nachhause kommens", das ich damals nicht einordnen konnte.
Es war der Anfang einer Serie von Geschenken, die ich vom Himmel zugeteilt bekam, sicher nicht immer verdient.
Dem Gefuehl, hier zu hause zu sein, folgte die Liebe zu den Buchstaben der Tora, den heiligen. Ich konnte nicht erfassen warum, aber die hebraeischen Buchstaben hatten von Anfang an etwas ganz Besonderes fuer mich. Und als ich zum ersten Mal der Toralesung folgen konnte, fuehlte ich mich wieder reich beschenkt.
Meine Suche nach den Wurzeln, den Urspruengen und der Wahrheit wurde mit dem grossen Geschenk des Judentums beantwortet und zufriedengestellt.
Das war in den letzten 5 Jahren mehr, als ich je zu allen Geburtstagen meines doch schon recht fortgeschrittenen Lebens geschenkt bekam und ich kann dafuer nicht genug danken, selbst wenn ich dies mehrmals am Tag taete.
Mein Interesse und meine Liebe zur Natur wurden noch von meinem weltlichen Vater gefoerdert. Ihm gilt es, auch wenn ich mit vielem nicht einverstanden war, dafuer zu danken.
Der Vater aber mit der hoechsten Autoritaet, dem unsere Liebe, die ganze Kraft unserer Seele und unseres Verstandes gebuehrt, laesst uns nie allein, ist in jeder Blume und Bluete fuer uns erlebbar und es gibt keine weltlichen Worte, die ihn beschreiben koennten.
אבה Abba duerfen wir ihn nennen.

Komplizierte Schoepfung und Dankbarkeit..


















Genau wie jede Pflanze, jedes Insekt, ist auch der Mensch eine unvergleichlich durchdachte, komplizierte Schoepfung. Jede Zelle in uns hat eine eigene unverwechselbare Aufgabe und jedes Organ seine Sinnhaftigkeit. Ein "defektes" Teil in uns kann zum Zusammenbruch des gesamten Systems fuehren. Aber wird uns dies in Dankbarkeit bewusst, oder bemerken wir die Bedeutung jedes Koerperteils nur in Zeiten von Krankheit und Unwohlsein?
Wenn alles seinen "gewohnten Gang" nimmt, faellt es schwerer, sich bewusst zu bedanken.
Im Judentum tun wir dies jeden Morgen, wir bedanken uns, dass unsere komplizierte Maschine namens Koerper ihre Aufgaben wieder wahrnehmen darf, dass wir einen neue Chance bekommen, erneut aufgewacht sind.
Und - eine der wichtigsten Brachot (Segenssprueche) die ein Jude spricht, ist die, nach dem Gang zur Toilette.
Vor nicht langer Zeit erzaehlte mir eine junge Frau, dass es fuer sie sehr seltsam und ungewohnt klang, nach dem Gang zur Toilette einen Segensspruch aus Dankbarkeit ueber die Funktionen des Koerpers zu sagen.
Warum eigentlich?
Ist es nicht mehr als logisch, dass - wie wir sagen - jede Oeffnung und Hoehlung ihren Sinn hat und, dass wenn eine Oeffnung sich schliesst, oder eine Hoehlung sich oeffnet, dies Lebensgefahr bedeutet.
Eine geplatzte Gallenblase, die sich in die Bauchhoehle ergiesst, fuehrt zu spaet entdeckt zum Tod. Und eine Niere, die ihren Dienst aufgibt fuehrt zu Nierenversagen und somit zu einer Vergiftung des Koerpers in kuerzester Zeit.
Daher ist es mehr als logisch, dass wir fuer die reibungslose Arbeit jeder Zelle waehrend unseres langen Lebens jeden Tag mehrfach danken koennen.

Unsere Bracha:
Gelobt seist du, G-tt, unser G-tt, Koenig der Welt, der den Mensch mit Weisheit geschaffen hat und in ihm viele Oeffnungen und Hoehlungen. Offenbar und bekannt ist es vor dem Thron deiner Herrlichkeit, dass wenn eine von ihnen sich schliesst, und eine von ihnen sich oeffnen wuerde, es nicht moeglich waere zu existieren und vor dir zu stehen. Gelobt seist du Ewiger, der alles Fleisch heilt und wunderbar wirkt.

Was ist "Natur"?


















Endlich habe ich das Gefuehl, dass eine lange Strecke voller Stress und Druck von mir abfaellt. Seit fuenf Monaten bin ich zum ersten Mal voller Ruhe und entdecke und geniesse die Natur. Nein, die Natur beruehrt mich zutiefst. Ich hoere die Vogelstimmen und suche das Gruen. Und es faellt mir schwer, zu beschreiben, wie jedes Detail aus der "Natur" mich anspricht. Wenn wir Natur sagen, ist das doch nichts anderes - in meinen Augen - als G-ttes unvergleichliche Schoepfung. Jedes Insekt, jede Bluete ist so kompliziert und durchdacht aufgebaut, dass es nicht einfach eine "Entwicklung" sein kann.
Und jedes Detail ist es wert, dass wir es wuerdigen. Daher komme ich zurzeit auch nicht sehr weit, denn jede Pflanze zieht mein Interesse auf sich, jede Vogelstimme kommt mir wie ein grossartiges Konzert vor, jedes Insekt ist eine unvergleichliche einmalige Komposition.
Ich freue mich, dass ich wieder Augen und Ohren habe, die wirklich sehen und erkennen, eine Seele habe, die alles neugierig wie ein Kind in sich aufsaugt und versucht zu verstehen.
Vertieft man sich in all die Schoepfungen, so verbindet sich Verstand, Gefuehl und Glaube mit all den kleinen und groesseren Wundern am Wegesrand auf eine ganz unbeschreibliche Weise.
Und echte Dankbarkeit entsteht.