Dienstag, 31. August 2010

Israelische Staatsbuergerschaft

Ganz feierlich bekam ich am Sonntag mit etwa 12 anderen Menschen im Innenministerium meine israelische Staatsbuergerschaft ueberreicht. Wir wurden belehrt, dass man uns diese durchaus wieder entziehen koenne, falls wir straffaellig werden oder aber mit unserem israelischen Pass in ein feindliches Land reisen wuerden.
Dann musste jeder von uns einzeln die rechte Hand heben und eine Art Treuegeloebnis dem Staat Israel gegenueber sprechen.
"Ich, Noa A., deklariere, dass ich dem Staat Israel gegenueber eine treue Buergerin sein werde.."

Es gab einige, die auf diesen Tag jahrelang gewartet hatten, und dementsprechend war auch die Stimmung.
Der Grund fuer die Verzoegerung war bei den meisten die Tatsache, dass sie einen israelischen Ehepartner geheiratet hatten, und kein eigenes Recht auf Einbuergerung beanspruchen konnten. Bei ihnen - so die Mitarbeiterin des Innenministeriums - wurde immer wieder, auch vom Inlandsgeheimdienst geprueft, ob sie "noch verheiratet" waren und sich nichts zuschulden kommen liessen.

Somit bin ich also jetzt mit Brief und Siegel Israelin und besitze zwei Staatsbuergerschaften.
Wenn das kein "Mazal tov" wert ist!


Eine Woche vor Rosh HaShana - ein Geschenkpaket fuer alle Mitarbeiter!

Das Hadassah-Hospital hatte heute fuer alle Mitarbeiter ein Rosh Hashana-Geschenk-Paket bereit. Eine wirklich nette Geste, wie ich fand. Nescafe, Nutella, viele Suessigkeiten, Honig und ein ganzes Set mit Handtuechern (Badehandtuch, 2 normale Handtuecher und 2 Gaestetuecher) fanden sich darin. Es gibt immer wieder einige, die sich lieber Geld schenken lassen, auch vom Arbeitgeber. Ich jedoch - auch wenn ich mit Geld wahrhaftig zurzeit nicht gesegnet bin - freue mich sehr ueber dieses Geschenkpaket. Shana Tova!

Donnerstag, 26. August 2010

Shuli Rand - "Aiecha"

Shuli Rand, geboren und aufgewachsen in Bnei Brak in einer nationalreligioesen Familie, ist als Jugendlicher ein sogenannter "Jotze beSheela" (das Gegenteil vom Choser beTschuva, jemandem, der wieder religioes wird oder sich zum ersten Mal in seinem Leben der Religion zuwendet). Jemand der Jotze beSheela ist, wendet sich von der Religion ab, wie der Ausdruck sagt "mit Fragen". Vielleicht hat er zuviele Fragen, auf die es keine Antworten gibt...?
Hier in Israel gibt es eine Menge von Menschen, die sich zur Religion hinwenden, von ihr abwenden und das auch durchaus mehrfach im Leben.
Shuli Rand wendet sich mit Mitte 30 dann wieder der Religion zu, findet sich bei den Breslover Charedim.
Er ist Schauspieler, Regisseur, Komponist und einer der herausragenden Rueckkehrer zur Religion, (so wie Etti Ankri und einige andere). Ich moechte eines seiner wunderbaren Lieder vorstellen, es heisst "Aiecha" (wo bist du?)
Viel Spass beim Hoeren!

Dienstag, 24. August 2010

Wie ist der Mensch im Grunde seiner Seele?

Immer mal wieder (so wie HIER) beschaeftigt mich das Thema, ob der Mensch im Grunde seiner Seele schlecht ist?
Die aktuellen Ereignisse im Pakistan (HIER nachzulesen) tragen nicht dazu bei, meine Befuerchtungen zu entkraeften, der Mensch koenne ohne eine Instanz wie "Polizei", Gerichte, Gesetzgebung usw. ein triebhaftes Wesen ohne innere Kontrollinstanz sein. In diesem Falle sieht die Polizei sogar einem Lynchmord zu. Zwei Jugendliche, 15 und 17 Jahre alt, waren spontan in den Augen der Bevoelkerung als Diebe "erkannt" worden. Zwei grosse Sporttaschen, mit denen die zwei unterwegs zum Cricket waren, wurden als Beweis fuer den Diebstahl abgestempelt und so wurde dann das Todesurteil sofort vollstreckt. Ein Polizist steht untaetig daneben. Man pruegelt brutal auf die Jugendlichen ein, auch als sie laengst tot sind, und haengt sie dann an den Fuessen auf, stellt sie zur Schau.
Zu was ist der Mensch faehig, frage ich mich dann wieder? Was ist, wenn alle Kontrollinstanzen wegfallen, was im Falle von Pluenderungen ja haeufig der Fall ist. Es haeufen sich dann Vergewaltigungen, Diebstahl, Mord.
Schon in der Tora steht: "...und macht euch Richter.... ".
War es immer schon klar, dass wir Kontrolle brauchen und ohne sie "wie Wilde" sind, wie es die spektakulaere Schlagzeile bei N-tv fragt?
Ist der Mensch wirklich im Grunde seines Herzens schlecht und braucht enge Grenzen, Gesetze und Vorschriften?
Im Monat Elul, vor dem "grossen Gericht", das das Judentum zu Rosh HaShana (Neujahr) und Yom Kippur begeht, ist die Frage nach Kontrollinstanzen und was der Mensch im "Grunde seines Herzens" ist, fuer mich aktueller denn je.
Was wuerden wir tun, wenn alles erlaubt waere? Gibt es Mitleid, Erbarmen und Liebe als fest angelegte menschliche Anlagen wirklich?

Freitag, 20. August 2010

Shabbat shalom!

Feldenkrais, 2. Std. - es arbeitet!

Ich glaube, es wirkt. Viele Koerperteile, die ich nicht in eine Bewegung mit einbezogen habe, werden nun angesprochen und wieder "zur Zusammenarbeit" aufgerufen. Das erzeugt Beweglichkeit, die einfach nur angenehm und natuerlich erscheint. Ich denke, dass man so eine viel groessere Harmonie der Bewegungen erreicht und nicht staendig mit verhaerteten Muskelgruppen herumlaufen muss. Einige Schonhaltungen habe ich mir wohl durch den Schrittmacher eingehandelt, aber ich arbeite daran. Das, was mir an der Methode besonders gefaellt, ist, dass man auf der Stelle merkt, dass es wirkt. Und noch dazu, kann man es staendig mit den Alltag nehmen. Es ist keine Methode nur fuer einen Gruppennachmittag in der Woche.

Donnerstag, 19. August 2010

Feldenkrais und Reflexzonenmassage - 1. Stunde

Hach wie herrlich! Ein Engel in Menschenform kam herein geflattert und gab mir die erste Stunde "Feldenkrais". Die nette Dame, mit viel Erfahrung, hat mir erklaert, dass die Muskeln nach solch einer OP, wo alles verschoben wird, sich erinnern, und da sie auf keinen Fall solch ein Trauma mehr erleben wollen (kann ich verstehen.. ich auch nicht!) verstecken sie sich staendig ein wenig, wollen sich schuetzen, und das heisst, sie ziehen sich zusammen. Wenn der Schmerz sich summiert, so wie es bei mir vor 2 Naechten der Fall war, dann gibt es Hoellenschmerz und nichts geht mehr.

Sie hat mir ein paar sehr zarte Uebungen gezeigt, wie ich mit ganz wenig Bewegung viel erreichen kann. Fuer mich Trampeltier nicht schlecht, zu lernen, dass gerade sehr feine Bewegungen viel bewirken koennen.
Anschliessend hat sie noch Reflexzonenmassage bei mir gemacht und auch das war wunderbar.
Morgen kommt der Engel wieder, weil er dann fuer ein paar Tage zum Lehrgang faehrt. (Auch Engel muessen sich fortbilden!).
Ich bin sehr gespannt, ob und wie die fuer mich neue Methode auf meinen Koerper wirkt.

Meine erste Feldenkrais-Stunde steht vor der Tuer

Juchhu. Meine erste Feldenkrais-Stunde steht sozusagen direkt vor der Tuer. Um fuenf Uhr kommt meine bereitwillige Lehrerin hier vorbei und wird mir zeigen, was Feldenkrais bedeutet. Ich bin mehr als gespannt und immer wieder beeindruckt von Israel, was alles mit Spenden oder "ohne Bezahlung" moeglich ist, wenn man in Not ist.
Die Lehrerin ist zuversichtlich, da sie bereits einer Frau mit der gleichen Vorgeschichte (voellige Verspannung nach einer offenen Herz-OP im Brustkorb-Schulter-Nacken-Bereich) helfen konnte.

Mittwoch, 18. August 2010

"Feldenkrais" oder Es gibt noch etwas "umsonst" auf der Welt...

Durch Lila's Beitrag zum Thema Hitzewelle in Israel und den Senf, den ich dazu tat, indem ich ueber meine Nacken-Schulter-Rueckenprobleme jammerte, die mir zusaetzlich zur Hitze nachts zu schaffen machen, bekam ich von einer Kommentatorin den Tipp, doch einmal einige Stunden "Feldenkrais"-Methode auszuprobieren, wenn ich schon im Land von Moshe Feldenkrais wohne. Schoener Tipp, dachte ich, so wie viele andere, nur alle kosten Geld und Geld habe ich zurzeit nicht, wenigstens nicht mehr, als zum Leben. Es gibt ein paar Spenden, und ich kehre langsam zur Arbeitsroutine zurueck, aber das, was mir zur Verfuegung steht, reicht gerade zum Ueberleben.
Ich habe ein wenig gegoogelt aus Interesse, wieviele Angebote es hier in Jerusalem gibt.
Nachdem ich einfach einmal mehrere Lehrer anschrieb und meine Lage schilderte, mit der Bitte um Stunden ohne Bezahlung, bekam ich bereits zwei Antworten. Eine direkt von einer Lehrerin, die sich bereit erklaerte, mit mir eine gewisse Anzahl an Stunden ohne Entgelt zu machen und eine von der Feldenkrais-Guilde.
Die dort zustaendige Frau stellte mir ein paar Detailfragen ueber meine Beschwerden und die OP und schickte dann an alle Jerusalemer Feldenkrais-Lehrer eine Sammelanfrage, mit dem Aufruf, zu helfen.
Ich war platt, ueberhaupt - und dann innerhalb von nur wenigen Stunden - eine Antwort zu bekommen und bereits ein Angebot in Anspruch nehmen zu koennen. Es gibt doch noch Ueberraschungen in dieser Welt, und Menschen, die ein "Herz" haben fuer jemanden, dessen Herz gerade "renoviert" wurde.
Danke an alle, die bereit sind, solche aussergewoehnlichen Anfragen anzunehmen, auch wenn es nicht fuer mich ist.

Sonntag, 15. August 2010

Tag fuer Tag fuer Tag fuer Tag......

Gerade heute habe ich daran gedacht, dass es sich wirklich lohnt, nur immer von Tag zu Tag zu denken und zu leben. Es gibt immer wieder kleine Rueckschritte, wo ich mich hinlegen muss und die Muedigkeit fuehle. - Nach der Arbeit bin ich kurz bei den Freunden vorbei und hoere, dass der Fleck auf der Stirn des Mannes meiner Freundin ein Melanom ist. Alles ist relativ und die Auswirkungen meiner Herz-OP sind gegen solch eine Diagnose natuerlich verschwindend unwichtig. Dabei hat auch er vor ca. 20 Jahren eine grosse Herzoperation durchstehen muessen. Wer von uns weiss, was morgen auf uns zukommt? Wer kann ahnen, womit wir uns auseinandersetzen muessen?
Unsere Plaene sind doch recht schnell kaputt zu kriegen, unsere Gesundheit ist fragil und will beachtet und gepflegt werden. Wir danken G-tt im Judentum an jedem Morgen mit einem sehr demuetigen Satz. Wir danken, dass wir aufwachen durften, dass wir eine neue Chance bekommen, dass uns ein neuer Tag geschenkt wird.
Nichts ist selbstverstaendlich und die Plaene, was wir in 10 oder 15 Jahren vorhaben, koennen schneller als wir denken in den Hintergrund treten, bzw. gar nicht mehr auszufuehren sein.
Es gibt einen Spruch, an den ich mich gerade erinnere. "Leben ist das, was passiert, waehrend du dastehst und andere Plaene machst...."

Seit ich in Israel bin, bin ich mehr mit aelteren Menschen zusammen. Viele, die ca. 10-20 Jahre aelter sind, gehoeren zu meinen engsten und besten Freunden. Und ich fuehle mich besser mit ihnen, als noch vor einem Jahr mit den juengeren, die um mich waren.
Ich fuehle mich - erst recht jetzt, nach der Herz-OP - zugehoerig, obwohl ich mich nicht alt fuehle. Aber aelter!
Und es ist absolut kein schreckliches Gefuehl, sondern der normale Lauf der Welt. Vor ein paar Monaten habe ich eine Frau kennen gelernt, die mir beim ersten Treffen sagte, wie alt sie sei (sie war so alt wie ich) und sehr schnell, fast hektisch, hinzufuegte, dass ihr biologisches Alter aber auf KEINEN FALL dem auf dem Papier entspreche, und dass sie sich nicht so fuehle!
Ich kann nur sagen: Doch, ich fuehle mich auch oft wie 52, und spuere, dass es sich anders anfuehlt als 40.
Ich freue mich, wenn ich Ruhe finde und mich mit Menschen treffen kann, die nicht mehr mit allen Mitteln beteuern muessen, dass ihr Alter "nur auf dem Papier" so stimmt.
Ich moechte mich und mein Alter nicht verstecken und bin auch nicht mehr erpicht darauf, dass die Umwelt mich "flippig" und "in jedem Falle juenger" einschaetzt.
Nein, ich gebe zu, dass ich langsamer geworden bin und dieses Tempo auch halten moechte. Abgesehen davon, dass ich sicher wieder aktiv Sport treiben will und werde, tut mir und meiner Gesundheit der neue "Lebenstakt" viel besser.
Lasst uns jeden Tag freuen und geniessen, dass wir leben duerfen!

Freitag, 13. August 2010

Cheshbon Nefesh - Zeit zum Nachdenken

Rosh HaShana und Yom Kippur stehen vor der Tuer, ja fast sogar schon "in" der Tuer. Wir ziehen Bilanz. Was war im vergangenen Jahr? Was haben wir recht gut, was aber auch falsch gemacht? Was nehmen wir uns vor fuer das kommende Jahr? Wen haben wir verletzt? Im Judentum reicht es nicht aus, G-tt fuer die Suenden gegenueber dem Naechsten um Verzeihung zu bitten. So einfach ist das nicht. Eine pauschale "Beichte" reicht nicht aus. Juden muessen ihren Naechsten schon selbst ansprechen und ihn darum bitten, dass er ihnen verzeiht. So will das Judentum uns Menschen auch wieder einander naeher bringen, verhaertete Fronten aufweichen.
Zugleich aber gibt es auch dem Gegenueber klare Regeln fuer das "Verzeihen". Wir sollen nicht "grausam" reagieren, sollen die Bitte nach Verzeihung nicht abschlagen. Sollte jemand dreimal unsere Bitte nach Versoehnung abgeschlagen haben und unversoehnlich ablehnen, so ist uns dennoch vom grossen Koenig das "Vergehen" verziehen.
Es gibt Juden unterschiedlichster Art. Jeder setzt die Feiertage anders um. Saekulare Juden sind doch nicht immer 100 %ig saekular.
Ich habe einen guten, saekular lebenden Freund, der auch "Cheschbon Nefesch" macht, er zieht eine Art "Seelenbilanz". Auch er macht also eine Rechnung, wie auch immer die aussehen mag.
Er fastet meist an Yom Kippur, ohne richtig erklaeren zu koennen, warum. Er arbeitet an diesem Tag auf keinen Fall und laesst sein Auto stehen. Selbst wenn der Sohn ihn darum bittet, mit dem Auto fahren zu duerfen, da es ja sonst doch nur in der Garage steht, lehnt er ab.
Seine Begruendung: Mein Auto wird am Yom Kippur nicht bewegt, egal von wem.
So gibt es die unterschiedlichsten Abstufungen unter Juden. Und an Sukkot lernen wir durch den Lulaw, dass es nicht nur verschiedene Juden mit zahlreichen Vorzuegen und Nachteilen gibt, sondern dass JEDER Jude wichtig ist, in der Gemeinschaft der Juden. Jeder hat seine eigene Aufgabe. Wir wissen nicht, welche wichtige Aufgabe unser Nachbar vielleicht in seinem Leben erfuellen darf. Eventuell kommt diese Aufgabe ja sogar der Gemeinschaft ALLER Juden noch einmal zugute. Daher koennten wir uns fuer das kommende Jahr auch vornehmen, vorsichtiger mit unserem Urteil anderen gegenueber zu sein. Der grosse Koenig soll ja ueber uns selbst auch mit Nachsicht urteilen.
In diesem Sinne wuensche ich allen einen besinnlichen Schabbat und einen spirituellen Monat Elul, an dem der Koenig uns naeher ist als sonst im Jahr!

Armes Deutschland!

Das Verwaltungsgericht Hannover hat einen Neonazi-marsch genehmigt und eine DGB-Gegendemo verboten. Man begruendet das damit, dass man nicht genug Polizei fuer zwei Demos hat, die Rechten ihre "Veranstaltung" zuerst angemeldet haetten und von den Linken "mehr Gefahr ausgehe".
HIER koennt ihr die bittere Wahrheit nachlesen.
Ich kann nur sagen: Armes Deutschland!

Mittwoch, 11. August 2010

Unglaublich, aber wahr!

Der Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), Maulana Azam Tariq, sagte: "Alle Unterstützung, die kommt, ist von den Christen und Juden, die die Feinde des Islams sind. Die Menschen sollten gewarnt sein, dass die Ungläubigen uns versklaven wollen, indem sie die Hilfe stellen.


Soviel zur Reaktion der pakistanischen Taliban, die doch wahrhaftig nach der verhehrenden Flut zum Verzicht auf internationale Hilfe aufrufen. ( HIER nachzulesen)

Ich wuesste eine "Loesung". Wenn Hilfe nur von Christen und Juden kommen sollte, koennten die islamischen Laender doch versuchen, diese Hilfe zu ueberbieten. Haette den wunderbaren "Nebeneffekt", dass es die Rettung fuer viele Menschen waere. Also los! Nur zu, fuer diesen "guten Zweck.

Freitag, 6. August 2010

Siehe!

"Siehe, ich gebe euch heute Segen und Fluch..!" So beginnt die Parasha dieser Woche. Siehe! Mach die Augen auf! Schau RICHTIG hin. Dann kannst du auch all das Schoene sehen, was sich um dich herum befindet. Es gibt eine einzigartige Natur, mit exakt durchdachten Systemen, und es gibt uns Menschen als "Krone der Schoepfung", die wir, zusaetzlich zu einem bis ins Detail durchdachten Koerper auch den Geist erhalten haben, der uns wahrhaft "sehen" laesst, richtig "hinsehen" erlaubt. Ob wir davon Gebrauch machen, haengt von uns selbst ab. Haeufig "uebersehen" wir, wie wertvoll unser Gegenueber eigentlich ist, weil es den Anschein hat, als sei nichts Besonderes an ihm. Wenn wir jedoch genau "hinsehen", - und damit ist nicht nur das Sehen mit den Augen gemeint - werden wir seine einzigartigen Qualitaeten entdecken, das, was ihn so besonders macht.
Auch unser eigener Koerper verlangt Beachtung, genaues Hinsehen und Respekt.
Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die ihrem Koerper gegenueber reichlich wenig Achtung und Pflege zukommen lassen. "Ach, das ist nicht so wichtig. Ich kuemmere mich um andere Menschen, das scheint mir eine wichtigere Aufgabe." Es ist wunderbar, wenn man sich um den Naechsten kuemmert, aber eines sollten wir nicht vergessen. Erstens, dass unser Koerper das Haus fuer die kostbare Seele ist, die uns eingehaucht wurde. Zweitens, dass wir - indem wir den Koerper missachten und vernachlaessigen - gleichzeitig G-ttes Schoepfung missachten, denn unser Koerper ist Schoepfung.
Auch uns selbst lieben und achten heisst in erster Linie "richtig hinsehen". Entdecken, wer wir wirklich sind, was ins uns steckt und welche Herausforderungen wir noch nehmen koennen. Dabei wird es nicht die Everest-Besteigung sein sondern die vermeintlich kleinen Herausforderungen des Lebens, die viele nicht als solche wahrnehmen sondern darueber laecheln.
Das Vermoegen, am Wegrand den Strauch voller Ehrfurcht zu bestaunen oder die kleinen Gluecksmomente des Tages (ein Cafe in der Sonne, begleitet von Vogelgezwitscher) in Gesundheit geniessen und als Geschenk wuerdigen zu koennen, betrachte ich als Herausforderung "fuer Fortgeschrittene". Sicher werden die juengeren Generationen noch nach (vermeintlich!) Groesserem, Spektakulaererem streben, aber mit den Jahren wird immer klarer, dass es die kleinen Dinge sind, die uns immer mehr Dankbarkeit entlocken.
Shabbat shalom!

Montag, 2. August 2010

Ein Arbeitsversuch und Hoellenhitze

Nach einem Arbeitsversuch im Hadassah-Hospital von 5 Std. bin ich doch recht erschoepft.
"Du siehst doch gut aus!" ist meist mein Verhaengnis, denn so wie ich - anscheinend wirke - fuehle ich mich noch nicht.
Teamsitzung, Interview unserer chronisch Kranken, der uebliche Kleinkrieg der Abteilungen untereinander - all das ist doch noch sehr viel mehr, als ich ertragen und verdauen kann.
Gut dass es morgen nur 2 1/2 Stunden sind. Fuer den Anfang reicht das wirklich. Auch die Busfahrt zum Skopusberg und zurueck will bewaeltigt werden und alles in allem war ich froh, mich nachmittags sofort ins Bett legen zu koennen.
Die Muskeln meiner Beine tun weh und verlangen nach einer heissen Dusche, ebenso wie meine hoellisch schmerzende Schulter (man sagt, all diese extremen Verspannungen kommen von der OP). Es klingt verrueckt, aber trotz mehr als 36 Grad Hoellenhitze hat mir gestern eine Waermflasche (!!!!) die Schmerzen ertraeglicher gemacht.
Eine riesige Portion Geduld ist noetig, gepaart mit der Faehigkeit, auf den Koerper zu hoeren und ihn nicht zu ueberfordern.
Keine einfache Aufgabe, besonders wenn es sich jetzt schon um wochenlange Arbeitsunfaehigkeit handelt.
Alles wird relativ und zurzeit gibt es nur einen Wunsch: einen schmerzfreien Alltag im gestaerkten Koerper, der es moeglich macht, uneingeschraenkt seiner Arbeit nachzugehen.