Dienstag, 28. September 2010

Leben - und sich am Leben freuen

Gerade habe ich das Daf haShavua (Gedanken zum Wochenabschnitt) von "HaMakor" bekommen. Darin ist die Rede vom "Leben", das wir uns zu Rosh HaShana von G-tt wuenschen. Wir bitten darum, ins "Buch des Lebens" eingeschrieben zu werden.
Das Leben leben? Wie geht das eigentlich? Heisst es, einfach so vor sich hin zu leben? Solange wir nicht tot sind, leben wir doch, ohne uns grossartig dafuer entscheiden zu muessen, oder?
Geschieht das Leben automatisch? Ist es nur die Abwesenheit von Tod? Oder koennen wir es selbst derart optimieren dass sich das Leben tatsaechlich nach Leben anfuehlt? Haben wir nicht in manchen Augenblicken das Gefuehl, mehr zu leben als in anderen? Sind einige Momente nicht "das pure Leben"?
Wann geschieht Leben?
Wenn ich morgens durch meine Strassen zur Arbeit gehe, und in den Baeumen die Voegel hoere, spuere ich wahres Leben. Leben ist fuer mich stark mit Natur verbunden. Natuerlich, denn die Natur ist lebendig.
Aber allein der Genuss am Leben um uns herum muss noch nicht Qualitaet bedeuten. Was machen wir aus unserem Leben? Ist es nicht das, was zaehlt?
Unserem Leben Sinn geben - dieses Beduerfnis schlummert in vielen Menschen. Unsere Aufgaben so gut wie moeglich zu erfuellen gehoert sicher zu einem sinn-erfuellten Leben.
Was aber, wenn man in fortgeschrittenem Alter das Gefuehl hat, in vielen Bereichen versagt zu haben? Mit neuer Hoffnung "weiter zu machen" braucht viel Kraft und positive Energie. Nicht verzagen, wie Rabbi Nachman sagt.
Wir koennten auch darum bitten, dass uns diese Kraft nie verlaesst und wir jeden Tag von neuem das "Leben mit Leben fuellen" koennen.



Sonntag, 26. September 2010

Someday maybe we will understand.....

You are so young, so much before all beginning, and I would like to beg you, dear Sir, as well, as I can, to have patience, with everything unresolved in your heart and to try to love the questions themselves as if they were locked rooms or books written in a very foreign language. Don't search for the answers, which could not be given to you now, because you would not be able to live them. And the point is, to live everything.
Live the questions now. Perhaps then, someday far in the future, you will gradually, without even noticing it, live your way into the answer.

Rainer Maria Rilke

Buchtipp: "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude"

Die Autobiografie von Arye Sharuz Shalicar, der als Deutsch-Iraner in Berlin lebte, und schliesslich nach Israel auswanderte.
Demuetigungen, Beschimpfung und Bedrohungen musste Arye als Kind an seiner Schule erleiden, als er sich eines Tages naiv und nichts Boeses ahnend als Jude zu erkennen gibt.
Die Geschichte ist deshalb so interessant und gleichzeitig schockierend, weil sie in "unseren Tagen" stattfindet, und nicht zu Zeiten Hitlers.
Chaim Noll schrieb fuer die TAZ einen Artikel zur Veroeffentlichung des Buches mit dem Titel "Freigegeben zur Verfolgung" (HIER nachzulesen)

Samstag, 25. September 2010

Tag der offenen Tuer bei Shimon

Am Montag werde ich zum "Tag der offenen Tuer" des Praesidenten gehen. Shimon Peres laedt die Bevoelkerung einmal im Jahr - zu Sukkot - in seine Sukka ein. Zwischen 9h und 12h am Vormittag hat der Jerusalemer Buerger die Gelegenheit, Israels Praesidenten persoenlich kennen zu lernen, wenn auch nur fuer ein paar Augenblicke.
Shimon Peres hat nicht nur Anhaenger. Viele halten ihn fuer zu "lasch" und wenig durchsetzungsfaehig.
Unglaublich aber finde ich, dass man im Alter von 87 Jahren noch derart politisch aktiv ist.
Ich hoffe sehr, dass es im Praesidentenhaus erlaubt ist, Fotos zu machen.

Mittwoch, 22. September 2010

Chag Sameach!!!!

Zum Fest Sukkot gehoeren so viele Mizwot und Symbole, dass es unmoeglich ist, alle Einzelheiten aufzufuehren. In Kuerze : Wir sitzen in Laubhuetten, wobei das Dach der Huette nicht ganz dicht sein darf. Man sieht die Sterne hindurch und es ist wichtig, dass Regen hindurchkommen kann. Die drei oder vier Waende sind oft aus Tuechern, oder Brettern, das Dach aber sollte "pflanzlich" sein, Holz, Stroh, oder Palmzweige werden benutzt. Es gibt viele Vorschriften, damit die Sukka "kosher" ist. Wir sitzen in der Sukka, manche schlafen sogar darin. Symbolisch sagen wir damit aus, dass wir allen Besitz und alle Reichtuemer unserer Haeuser hinter uns lassen, und uns in unserer Huette auf den Schutz G-ttes verlassen. Das Gebot stammt aus der Tora, in der steht:
Ihr sollt sieben Tage in Sukkot (Laubhuetten) wohnen, jeder, der in Israel lebt, soll in Sukkot wohnen, damit eure Nachkommen wissen, dass ich die Kinder Israel in Sukkot wohnen liess, als ich sie aus Aegypten fuehrte..(3.Buch Moses, 23:42,43)
Man laedt sich gegenseitig in die Sukka ein und wird eingeladen (wie ich). Dort isst und trinkt man und singt Freudenlieder.


Die vier Arten (siehe Foto) sind: Etrog (eine zitronenaehnliche Frucht), Lulaw (Palmzweig) drei Hadassim (Myrthenzweige) und zwei Arawot (Bachweidenzweige).

Der Etrog schmeckt und riecht gut. Er symbolisiert den Juden, der Tora lernt UND Mizwot befolgt.
Lulaw: die Fruechte schmecken gut, aber sie riechen nicht. Symbolisiert den, der Toragelehrter ist, aber wenig Gutes tut.
Hadassim: duften, sind aber geschmacklos. Ein Symbol fuer den, der viel Gutes tut, die Tora aber weniger kennt.
Arawot haben weder Geschmack, noch Geruch, sie symbolisieren den Juden, der weder Mizwot befolgt, noch die Tora kennt.
Die fuer mich schoenste Bedeutung ist die, dass JEDER EINZELNE JUDE wichtig ist, egal, wie er auch sein mag, ohne ihn ist das Volk Israel nicht vollstaendig. Gemeinsam koennen wir alle Mizwot halten und sind eine Einheit. Jeder von uns hat seine Aufgabe und ist wichtig.
Und das Wichtigste: Freut euch, Kinder Israel, an euren Festen!!!
Chag Sameach!!




Sukkot - Chag Sameach! - Eindruecke aus Jerusalem
























































Erev Chag - Vorabend des Sukkot

Heute morgen bin ich aufgewacht - durch das Geraeusch von ganz feinen Regentropfen auf den Blaettern des Baumes vor meinem Fenster. Fast ein halbes Jahr habe ich keinen Regen mehr erlebt.
Ein frischer sauberer Geruch in der Luft und wolkiger Himmel. Wolken waren auch einige Monate einfach nirgends zu sehen.
Nun sitzen die Kinder Israel also heute abend in der Laubhuette. Das Gemeinschaftsgefuehl wird gestaerkt und es wird gesungen. Einer der Psalme heisst : "Wie gut und schoen ist es, wenn Brueder zusammen sitzen..." (Hine ma tov, uma naim...)
Die Freude ist im Judentum sogar eine Mizwa, ein Gebot. Man soll sich (er-)freuen an dem, was G-tt uns geschenkt hat. (Vesamachta bechagecha... und freue dich an deinen Festen, steht schon in der Tora). Und ein weiteres Lied erinnert uns : "Mizwa gedola, lhiot beSimcha.... eine grosse Mizwa ist es in Freude zu sein!")

Als mich meine Tochter einmal in Deutschland zu einem G-ttesdienst in die Synagoge begleitet hat, erzaehlte sie mir hinterher etwas ganz Interessantes. Sie sagte, sie habe das starke Gefuehl gehabt, dass Menschen, die Juden "ablehnen", wahrscheinlich Neid auf die grosse Freude empfinden, die selbst in einem "normalen" G-ttesdienst spuerbar ist und die z.B. im Christentum fuer sie nirgends zu finden ist.
Ob da etwas dran ist?

Chag sameach!

Dienstag, 21. September 2010

Sommerzeit - Winterzeit - Sommerzeit??? - Winterzeit

Das kann alles nicht wahr sein! Da gab es Unterschriftslisten und Aktionen gegen die absolut fruehe Umschaltung auf Winterzeit, nichts hat geholfen. Wir in Israel mussten ja unbedingt schon im September die Zeit wieder zuruecksetzen was bedeutet: Bereits um kurz nach 6 am nachmittag geht man im Stockdunkeln nach Hause. Ganz Europa stellt erst im November um, aber wir muessen ja unbedingt aus der Reihe tanzen, und warum? Weil es eben einmal beschlossen wurde. Nun, nachdem wir murrend bereits einige Tage mit dem Dunkel leben, gibt es eine neue Initiative von Dalia Itzik in der Knesset. Da Netanyahu grundsaetzlich die spaetere Zeitumstellung unterstuetzt, kann es durchaus sein, dass wir ruck zuck, in bereits ein oder zwei Tagen, unsere Uhren wieder auf Sommerzeit umstellen, um dann 5 Wochen spaeter, Anfang November wieder an den Zeigern zu drehen. Dann aber endgueltig - Winterzeit!
Ich kann das gar nicht glauben, denn natuerlich bin ich auch fuer die laengere Sommerzeit, aber nun haben wir doch einmal umgestellt, mussten unsere Koerper an den anderen Rhythmus gewoehnen. Soll das jetzt alles wieder rueckgaengig gemacht werden?
Da soll man sich nicht wundern, wenn wir bald ueberhaupt nicht mehr klarkommen, von dem ganzen Hin und Her. Verrueckt!

Montag, 20. September 2010

Es geht mir gut....

Ja, ich wage es auszusprechen. Koerperlich und seelisch fuehle ich mich gut und habe das Gefuehl, taeglich Fortschritte zu machen. Ich arbeite seit 6 Wochen wieder im Hadassah-Hospital und auch bei der alten Dame. Zurzeit suche ich nach einem dritten Job. Morgen werde ich mit einem Arzt hier um die Ecke sprechen, der eine Sekretaerin fuer 10 Stunden in der Woche sucht. Das Problem wird sein, meine schon mit Arbeit besetzten Stunden und seine Beduerfnisse aufeinander abzustimmen. Ich hoffe, es klappt. Das waere wieder eine Arbeit mit Abrechnung, die mir mehr Sicherheit bietet als die Arbeit bei der alten Dame. Es gibt noch ein paar andere Optionen, z.B. sucht jemand nach Deutschunterricht, um seine Kenntnisse aufzupolieren. Ich bin guter Hoffnung, dass eine der Moeglichkeiten klappen wird.
Im Oktober bin ich ein Jahr hier und nach 13 Monaten bekommt der Neueinwanderer Wohngeld, d.h. jeder, der nur zur Miete wohnt, bekommt einen Zuschuss vom Staat in Hoehe von ca. 250-300 Shekel ( etwa 50-60 EUR). Das ist viel Geld, z.B kann man damit seine Monatskarte fuer den Bus zahlen, die 244 Shekel kostet.

Ich suche nach einer anderen Wohnung, wenn auch nicht zwingend. Schoen waere eine, die ein klein wenig groesser waere, (evtl. ein Zimmer mehr, um mal wieder in einem RICHTIGEN Bett zu schlafen) mit einer Kueche, die mehr Bewegung zulaesst und Platz fuer einen Ofen bietet. Richtiger Luxus aber waere ein kleiner Balkon, von dem ich traeume!
Die Mieten sind in meiner Gegend, in der ich auch bleiben moechte, unverschaemt teuer. Die einzige Wohnung, die ich in den letzten Wochen besichtigt habe, die "bewohnbar" war, sollte 2900 Shekel an Miete kosten, das sind fast 600 EUR. Dabei handelte es sich um eine EIN-Zimmer- wohnung, mit Balkon und etwas groesser als meine jetzige.
Abgesehen davon, dass ich sie mir eh nicht haette leisten koennen, sollte man solche Wucher-forderungen nicht unterstuetzen. Auch wenn es sich um eine der besten Wohngegenden Jerusalems handelt.
Also werde ich weitersuchen.

Sukkot steht vor der Tuer (oder in der Strasse, auf den Balkonen.....)

Nicht alle Sukkot (Laubhuetten) sehen so schoen aus, viele sind einfach nur aus Brettern zusammengebastelt und haben ein Laubdach, oder Palmwedel-dach. Innen sind sie bis Mittwoch abend aber alle festlich geschmueckt, mit Trauben, Zitronen (auch aus Plastik), bunten Girlanden und vielem mehr. Die Kinder koennen sich beim Basteln auslassen und meiner Meinung nach ist es eines der schoensten Feste des Judentums. Man sitzt in der Sukka, laedt Gaeste ein und geniesst und lebt das Gemeinschaftsgefuehl, wie an keinem anderen Fest. Ich habe dieses Fest auch in Dortmund in der grossen Sukka der Gemeinde erlebt und genossen, aber selbstverstaendlich bin ich auf den Dortmunder Strassen keiner anderen Sukka begegnet. Die Menschen laufen aufgeregt umher und kaufen die letzten wichtigen Details fuer das Fest, welches bereits uebermorgen abend beginnt und sieben Tage andauert.
Am 27. September dann, laedt unser Praesident Shimon Peres die Bevoelkerung wie jedes Jahr zu einem Tag der offenen Tuer in seine Sukka ein. Das werde ich mir - auch wenn viele das nicht verstehen koennen - nicht entgehen lassen. Man kann ueber Shimon Peres sagen und denken, was man will, eines bewundere ich jedenfalls an ihm, dass er noch im Alter von 87 (!) Jahren politisch aktiv ist. Das muss man ihm erst einmal nachmachen.

Samstag, 18. September 2010

Zwischen Yom Kippur und Sukkot

Yom Kippur liegt hinter uns. Ich habe das Fasten geschafft, sogar relativ gut. Meine erste Mahlzeit habe ich bei Freunden genossen, wobei - wie jedes Jahr - das erste Glas Tee immer das wohltuendste ist. Merkwuerdigerweise sehne ich mich nach 25 Fastenstunden nicht in erster Linie nach kalten Getraenken, sondern selbst hier, im noch warmen Jerusalem nach einer heissen Tasse Tee.
Es war ein wirklich erhebendes Erlebnis, Yom Kippur zum ersten Mal hier in Israel zu begehen.
Hier gibt es wirklich Dinge, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Ein Tag fast ohne Autos.
Nach dem G-ttesdienst am Samstag abend schlenderte ich durch die leisen Strassen. Nein, voellig leise waren sie nicht, denn Kinderlachen und Menschengemurmel war hoerbar, sowie das Rauschen der Blaetter an den Baeumen und Hundegebell, dessen Echo in der Umgebung schallte. Die Seitenstrassen waren voellig ruhig, manchmal menschenleer, fast ein bisschen unheimlich.
Als ich zur - sonst stark befahrenen - Emek Refaim kam, sah ich von weitem einen Riesenaufgebot an Menschen, nicht auf den Buergersteigen, nein, mitten auf der Strasse. Bevor ich naeher kam, sah es fast wie eine Demo aus.
Ich konnte mich gar nicht satt sehen an dem ungewohnten Bild, spazierte mehrere Male auf und ab, beobachtete die Kinderwagen, Puppenwagen, Dreiraeder und Skateboards, die die einzigen Fahrzeuge waren. Selten kam ein Polizeiwagen im Schritttempo vorbei gefahren, ansonsten standen Menschengruppen beisammen, unterhielten sich mitten auf der Strasse.
Es kam in mir ein unbaendiges Gefuehl von Sehnsucht auf, Sehnsucht nach einer Zeit ohne Autos. Wie schade in diesem Fall, dass man Fortschritt nicht rueckgaengig machen kann. Diese wohltuende Stille, und am naechsten Morgen das Gefuehl, als sei die Luft klarer, reiner, nach einer Nacht ohne Auspuffgase.

In der Synagoge gab es einen regelrechten Gebets-marathon. Von meiner Gemeinde in Dortmund war ich schon 5 stuendige Yom-Kippur gebete am Morgen gewohnt, hier waren es fast 7. Eine halbe Stunde vor Ende des Shacharits (Morgengebetes) habe ich aufgegeben und bin nach Hause, um noch wenigstens eine Stunde Schlaf zu tanken, bevor das Nachmittagsgebet begann.
Das Fasten ist am Yom Kippur nie sehr schwer, denn an diesem Tag fasten viel mehr Juden als an den anderen Fastentagen, auch die, die sonst nicht religioes leben. Es entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefuehl.

Und wer glaubt, mit diesem Tag geht das Besondere, was es nur in Israel so gibt, zuende, der hat sich getaeuscht. Heute bereits, kurz nach Ende des Yom Kippur, wird angefangen, die Sukka zu bauen fuer das Sukkot-fest (Laubhuettenfest). Hier und da sind schon auf den Terrassen und Balkonen Aufbauten zu sehen. Auch diese Erscheinung wird es sicherlich in dieser Anhaeufung nirgends sonst geben, als in Israel.
Sukkot beginnt in ein paar Tagen und auch darauf freue ich mich wie ein Kind. Da es sieben Tage andauert, und abgesehen vom ersten und letzten Tag auch Halbfeiertage gibt, werde ich auch Fotos machen koennen.

Freitag, 17. September 2010

Yom Kippur - letzte Eindruecke aus Jerusalem vor dem Fest

Yom-Kippur-Atmoshpaere ist bereits spuerbar, seit ein, zwei Stunden. Auf den Strassen erstaunlich wenige Menschen, wenige Autos. Im Fernsehen gibt es KEINE Sendung, bis morgen abend um 6.18h p.m. (Jerusalem) ist sowohl im Radio, als auch im Fernsehen Funkstille. Ich werde gleich zu Freunden zur letzten Mahlzeit vor dem Fasten gehen. Danach ist Kerzen-zuenden und um 5.07h p.m beginnt das Fasten. Das Gemeinschaftsgefuehl ist schon jetzt, 2 Stunden vorher greifbar. Ich freue mich auf diesen Tag, der uns Stille, Innehalten und einfach einen kompletten Ausstieg aus allen Alltagsangelegenheiten bietet. Ein Tag, der uns als Volk verbindet wie kein anderer sonst im Jahr.

Yom Kippur - moegen wir alle eingeschrieben werden ins Buch des Lebens!

Ich wuensche allen Lesern ein wuerdiges Yom Kippur, so, wie jeder es begehen will. Sei es in der Synagoge, sei es allein fuer sich zuhause mit der ureigenen "Buchhaltung der Seele", sei es mit oder ohne Fasten.
Interessant finde ich es jedoch immer wieder, dass an Yom Kippur auch viele, die sich als nicht religioes bezeichnen fasten, und ein "Cheshbon Nefesh" machen. (Eine Bilanz der Seele ziehen..)
Ich freue mich sehr auf diesen Tag und werde ihn zum ersten Mal in Israel erleben! Allen ein leichtes Fasten und eine ehrliche Bilanz!

(HIER ist noch einmal die wunderbare Melodie des Unetane tokef in der Fassung von haGevatron zu hoeren)

Donnerstag, 16. September 2010

Ein Dank

Danke, dass ich das Leben fuehlen darf.
Danke fuer den Wind, den Himmel und die Wolken.
Danke dafuer, dass ich erleben darf, wie ueberall Sukkot "wachsen".
Danke fuer die Stimmen aus der Jeshiwa bei Nacht.
Danke fuer das Shofar, was mich erinnert, wo ich bin.
Danke dafuer, dass ich bin, wo ich bin.

Danke fuer den Colibri, das Gruen und die leise Umarmung.
Danke fuer den Augenblick, den zu wuerdigen ein Geschenk ist.
Danke fuer das Lachen und mein Herz.
Danke auch fuer die Traenen der Ruehrung und der Freude
Danke, weil ich bin, wo ich bin.

Danke fuer den Augenblick der Naehe,
Danke, weil mein Blick nach oben fuehrt,
Danke, fuer die Stimme in meinem Innern,
Danke, wenn ich verstehe, was sie meint.
Danke, weil ich bin.

Mittwoch, 15. September 2010

Bald ist Yom Kippur

Yom Kippur ist ein besonderer Tag. Man fastet bereits vom Abend davor an und geht mehrere Stunden zum G-ttesdienst. Dort wird man Stunde um Stunde muerber, weicher, duennhaeutiger. So erlebe ich es immer. Es ist anstrengend, aber sehr ergreifend.
Hier in Israel habe ich all die Jahre noch kein einziges Yom Kippur miterlebt, zu allen anderen Festen war ich schon einmal hier, aber Yom Kippur habe ich immer in der Heimatgemeinde in Dortmund erlebt. Auch dort war immer feierliche, erhebende, tragisch-schoene Stimmung, weil unser Rabbiner den G-ttesdienst stets in einer Weise gestaltet hat, die uns in die richtige Stimmung trug. Der Kantor, ein maechtiger Mann mit viel "Volumen" (daher auch Volumen in der Stimme) erbrachte Hoechstleistungen und beim "Sich-auf-die-Erde-werfen" hatte ich immer Sorge, er steht nie wieder auf, so sehr hat er geschwitzt.

Anders als in Deutschland, wo die Yom Kippur Stimmung da aufhoert, wo die Synagogentuer sich hinter einem schliesst, und der normale Verkehr fliesst, ist es hier - und ganz besonders in Jerusalem - still auf den Strassen. Kaum ein Auto faehrt, Busse sowieso wie an jedem Shabbat nicht, und der Taxi-verkehr ist auch eingeschraenkt. Auf den Autobahnen gehen die Menschen spazieren oder die Kinder fahren Fahrrad.
Auf diese Stimmung freue ich mich unglaublich, wenn es auch fuer mich sehr hart werden wird, mehrere Stunden am Stueck in der Synagoge zu stehen...
Das O.K. vom Kardiologen fuer das Fasten habe ich. Ich soll auf die Zeichen des Koerpers hoeren und falls es nicht geht, essen. Da ich mehr als niedrigen Blutdruck habe, soll ich bei Unwohlsein anfangen, Wasser zu trinken.
Ich moechte es schon gern "schaffen", da einfach die komplette Umwelt um mich herum fastet, und es ein ganz besonderes Fasten ist, nicht wie die anderen Fasttage. Auch das Fastenende, wenn es das erste Glas Tee gibt und man wieder anfaengt zu essen, ist etwas Besonderes.
Ich werde mich daher gut auf den Shabbat (bzw. Freitagnachmittag) vorbereiten und mir vornehmen, nicht allzu enttaeuscht zu sein, falls es gesundheitlich nicht klappt.

Dienstag, 14. September 2010

Giur

An Rosh HaShana wurde in der Gemeinde "Jakar" ein besonderes Ereignis kundgegeben und gefeiert. Es wurde ein "Mi sheberach" gesprochen, geklatscht und gesungen. Und fuer wen? Fuer eine 50 jaehrige Frau, die einen Tag vor Rosh HaShana hier in Jerusalem zum Judentum uebergetreten ist.
Ja, die vielen Fragen, die ich bekomme, zum Thema : "Wie behandelt man dich denn, als Gioret dort in Israel? Erkennt man dich ueberhaupt an?" eruebrigen sich, wenn man diese Freude mitbekommt.
Die Gemeinde hat sich einfach riesig fuer die frischgebackene Juedin gefreut und ihr wirklich alle Ehre gegeben.
Die Frau kam aus Duesseldorf und hatte dort bereits viele Jahre gelernt und sich ernsthaft vorbereitet auf den Uebertritt. Stets war sie auch hier in Israel und hat bei einer Frau aus der Gemeinde "Jakar" geistige Unterstuetzung gefunden. Als es dann hiess: "Es kommt ein Beit Din zusammen und sie ist herzlich dazu eingeladen" hat sie nicht lange gezoegert, sondern den naechsten Flug genommen.
Spaeter haben sich alle uebergetretenen Juedinnen aus Deutschland, Norwegen und Holland, die jemals Unterstuetzung bei Frau X. erfahren haben, dort zum Essen getroffen und ich wurde auch eingeladen.
Auf diese Weise erfuhr ich, wie viele Giorot es wirklich in meiner Umgebung gibt und wie sehr sie unterstuetzt wurden und werden von den "geborenen" Juden hier.

Mittwoch, 8. September 2010

Stimmung des Tages

Ich weiss nicht, wie es den anderen geht, mich jedenfalls ueberfaellt seit heute morgen eine Gaensehaut am ganzen Koerper nach der anderen. Mit grosser Regelmaessigkeit schiessen mir die Traenen der Ruehrung in die Augen und ich fuehle mich gut hier.
Ach, es war auch in Deutschland in meiner Gemeinde ein besonderes Gefuehl, wenn Rosh HaShana und Yom Kippur sich naeherten. Unser Rabbiner hat es immer geschafft, uns in die "richtige" Stimmung zu versetzen und der Kantor war stimmlich sehr begabt und brachte besonders beim Yom-Kippur-G-ttesdienst wirklich Hoechstleistungen.
Aber hier - es ist so anders, mit allen "mitzuschwingen". Die letzten Einkaeufe, Geschenke fuer den Abend, Vorbereitungen zuhause fuer die vollen drei Tage. Die meisten Lieder, die seit heute morgen im Radio zu hoeren sind, stammen aus der Lithurgie und tragen uns foermlich in den Erev Rosh HaShana.
Hier weiss ich, dass alle um mich herum Rosh Hashana feiern, ich bin keine Exotin mehr, die der Umwelt bei Nachfragen klarmachen muss, was fuer einen Stellenwert das Fest hat. Hier kann ICH lernen und nachfragen, um spirituell vielleicht auf eine andere Stufe zu gelangen.
Ich freue mich, mein allererstes Rosh HaShana ueberhaupt hier in Israel zu erleben. Chag Sameach! Shana tova!

Dienstag, 7. September 2010

שנה טובה - SHANA TOVA UMETUKA

Ich wuensche allen Lesern ein gutes, vor allem gesundes NEUES JAHR 5771!

שנה טובה ומתוקה לכולנו. כתיבה וחתימה טובה לחיים טובים

Freitag, 3. September 2010

Ein Tag am Toten Meer

Heute habe ich - seit meiner OP - zum ersten Mal wieder etwas ganz "Besonderes" unternommen. Ich war mit einer Freundin am Toten Meer, in Ein Gedi. Es tut doch immer wieder an Koerper und Seele so gut, dort zu sein, an diesem speziellen Ort, 400 m unter dem Meeresspiegel, wo es manchmal nach Schwefel riecht und doch nie unangenehm sein kann. Das Wasser, der Schlamm, die Entspannung und die Ruhe sind einzigartig und wohl nirgends auf der Welt in dieser Mischung zu finden. Ab jetzt werde ich mir diesen Luxus wohl wieder oefter goennen. Wie gut habe ich es doch, hier leben zu duerfen, mit all den besonderen Plaetzen der Natuer direkt vor der Tuer. Shabbat shalom!

Donnerstag, 2. September 2010

Rosh HaShana in Jerusalem

"Diese melancholische Stimmung in der Luft... jedes Jahr dasselbe, vor Rosh haShana!" sagt eine Freundin. Und tatsaechlich, es liegt etwas in der Luft, zwischen Ehrfurcht, Spannung und letzten Vorbereitungen. Die Sonne steht tiefer, besonders bei mir kann ich es gut beobachten, da am morgen die Sonne kaum noch ueber die angrenzenden Gebaeude steigen kann. Die Schatten werden laenger und sprechen schon vom Winter. Jeder fragt, wo man denn eingeladen ist. Eine Bekannte faellt in Panik, weil sie sich - puenktlich vor dem Fest - mit ihrem Bruder ueber finanzielle Angelegenheiten gestritten hat und nun "auf keinen Fall zu ihm nach Tel Aviv fahren will". Der Punkt ist nur, wohin sonst?
Rosh Hashana besteht dieses Jahr aus sage und schreibe drei Tagen, da nach den zwei Neujahrstagen sofort der Shabbat folgt. Alles will gut geplant und vorbereitet werden, man kocht fuer mehrere Tage vor. Fuer mich als Alleinstehende ist das kein Problem, aber Muetter von vielen Kindern und Enkelkindern stehen vor einer riesigen logistischen Herausforderung.
"Auch diese merkwuerdige Stimmung" jammert meine Freundin, "die Unsicherheit, was wohl das neue Jahr uns bringen wird..."
Diese Frage beschaeftigt mich auch. Niemals im Leben waere ich im letzten Jahr auf die Idee gekommen, dass mich eine grosse Herz-OP erwartet und ich bis in die Grundfesten meiner Psyche erschuettert werde.
Was bringt das neue Jahr? Wird alles "zum Guten entschieden"? Und "was haben wir verdient?"
Was nehmen wir uns vor, um uns moralisch und menschlich weiter zu entwickeln? Wir haben noch eine knappe Woche Zeit, uns spirituell vorzubereiten und eine Bilanz der Seele, Cheshbon Nefesh, zu ziehen. Das Wichtigste duerfte wohl dabei sein, uns selbst gegenueber ehrlich zu sein.

Mittwoch, 1. September 2010

Zu viel ueber den Holocaust gelehrt?

Eine franzoesische Geschichtslehrerin ist vom Dienst suspendiert worden. Ihr wird vorgeworfen, zuviel Zeit mit dem Thema Holocaust verwendet zu haben. Vorbereitungen zu Klassenfahrten in KZs haben dafuer gesorgt dass andere Inhalte zu kurz kamen, so der Vorwurf an sie. Ihre Anwaeltin spricht den Verdacht aus, der eigentliche "Fehler" ihrer Mandantin sei wohl, dass sie Juedin sei.
Die "Geschichte" ist bei n-tv nachzulesen und wirft - meiner Meinung nach - eine Menge Fragezeichen und den starken Drang nach Klaerung auf. (Man spricht von "Gehirnwaesche"..)
Andererseits kann man Kinder und Jugendliche sicher auch ueber das Mass hinaus mit Berichten aus der Nazi-zeit "ueberschuetten" und so eventuell das Gegenteil von dem erreichen, was man sich erhofft hat, naemlich ein echtes Interesse an dem was in Europa einst geschah.
Oder kann man gar nicht genug darueber lehren? Ich stelle mir die Frage ernsthaft...