Samstag, 30. Oktober 2010

RivkA

RivkA with a Capital A, bekannt vom Blog "Coffee and Chemo" ist am Freitagmorgen gestorben. Baruch Daiyan haEmet.
Heute abend wird ihre Beerdigung sein in Jerusalem auf dem Har haMenuchot. Die Familie hat weiter gepostet, so dass uns ihr Tod bekannt wurde.
Ich muss sagen, dass es mich schockiert hat, obwohl ich sie nie persoenlich kennen lernen durfte.
Aus ihren Beitraegen war sehr deutlich, dass sie ein kaempferischer und positiv denkender Mensch war, den die toedliche Krankheit nicht so leicht unterkriegen konnte.
Es ist schon seltsam, dass man doch irgendwie eine Art "Beziehung" hat zu einem Menschen, der bloggt und so Einsicht in sein Leben zulaesst.
Ich bin in meinen Gedanken mit ihrer Familie und hoffe, sie finden Trost.
RivkA, moege es dir dort, wo du jetzt bist, besser gehen...
ת.נ.צ.ב.ה

Fluechtlinge aus dem Sudan - von Aegypten "nicht erwuenscht"

Ich empfehle meinen Lesern dringend, Lila's Artikel zur Vorgehensweise der aegyptischen Regierung im Bezug auf sudanesische Fluechtlinge zu lesen. Erst gestern hoerte ich einen Vortrag von Rav Benni Lau zur Frage, ob man alle Menschen aufnehmen soll, die in Israel eine Heimat finden wollen, oder ob es Grenzen gibt. Benni Lau fuehrte aus, dass wir - auch und gerade gemaess der Tora - verpflichtet sind, Menschen, die sich in ihrem Heimatland in Lebensgefahr befinden, aufzunehmen. Andererseits gibt es Arrangements wie die vieler Fremdarbeiter, eine Zeitlang hier zu arbeiten, da ihre Arbeitskraft gebraucht wird. Es gibt dann fuer eine bestimmte Zeit ein Visum und wenn dieses ablaeuft, muss derjenige wieder in seine Heimat ausreisen. Dass viele das dann nicht mehr wollen, und mit allen Mitteln darum kaempfen, hier zu bleiben, steht auf einem anderen Blatt.
Im Falle der sudanesischen Fluechtlinge sieht die Sache anders aus. Israel wuerde solche Fluechtlinge aufnehmen, Aegypten will sich damit nicht belasten. Dennoch - so fuehrt Lila richtig aus - gibt es keine Aufschreie aus der westlichen Welt und keine Boykotte, wie wir es in Israel gewohnt sind, falls das Verhalten Israels mal wieder kein Wohlwollen in der uebrigen Welt hervorruft.
Und da liegt wohl der kleine Unterschied. Israel wird eben doch mit einem anderen Mass gemessen als andere Laender, vor allem aber, wenn es sich um einen arabischen Nachbarn handelt.
Schade!

Freitag, 29. Oktober 2010

Es ist soweit!!!

Es ist soweit - eine meiner Toechter hat sich fuer Dezember bei mir angemeldet! Ich kann gar nicht richtig ausdruecken, wieviel mir das bedeutet. Die Toechter waren noch nie in Israel, wissen nicht, was ich meine, wenn ich von diesem Land spreche und sicher sehen sie auch Bilder im TV, die leider meist negativ besetzt sind.
Auch habe ich zu Anfang wohl viel zuviel "gedraengelt" und gefragt, wann sie mich besuchen kommen. Spaeter habe ich eingesehen, dass sie wohl beide ihre eigene Zeit haben werden, wo sie sich entschliessen werden zu kommen, ohne mein staendiges Gezerre. "Irgendwann, wenn sie es wirklich selbst wollen, werden sie schon kommen" war spaeter mein Gedanke.
Aber insgeheim habe ich natuerlich staendig darum gebetet, dass ich ihnen einmal mein Leben hier zeigen darf.
Es werden nur fuenf gemeinsame Tage sein, aber sie sind schon ein solch grosses Geschenk fuer mich, dass ich den ganzen Tag jubeln koennte.
Ich werde mir an diesen Tagen frei nehmen und versuchen, sie nicht zu "ueberschuetten", denn das Wichtigste ist doch unser Zusammensein und dass wir in Ruhe etwas zusammen unternehmen koennen, was ihr nicht zuviel ist und ihr gut tut.
Ich freue mich sehr auf diese Tage und danke wieder einmal dem, der das moeglich gemacht und gelenkt hat.....


Freitag morgen zuhause

Seit ein paar Tagen fuehle ich mich schwach, wohl durch die Erkaeltung. Heute morgen geniesse ich die Ruhe und das "Herumgammeln", ohne Programm. Verabredungen fuer den Morgen habe ich abgesagt und diverse Einladungen fuer den Shabbat auch offen gelassen. (Es gibt auch Freizeitstress!)
Eine Freundin habe ich gestern gebeten, fuer mich einzukaufen, so musste ich nicht herumhetzen.
Manchmal muss man sich einfach eine Riesenportion Ruhe und Entspannung goennen. In letzter Zeit habe ich einige Arbeitsangebote gehoert, in denen die Rede war von "Pflege mit gemeinsamem Wohnen". Ich bin sehr froh, meine Mini-wohnung ganz fuer mich allein zu haben und erinnere mich an meine Volontaerszeit, in der ich auch mit anderen zusammen wohnte.
Nein, die Zeit allein ist doch zu kostbar geworden, als dass ich sie aus Kostengruenden aufgeben wuerde.
Ich freue mich auf einen Shabbat voller Ruhe (wenn die Kids ueber mir in der Wohnung es zulassen) und werde mich pflegen.
Allen einen guten erholsamen Shabbat.
Shabbat shalom!

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Vitamin D - Mangel versus Hautkrebs

In meiner Herz-Reha (Fitness-center unter kardiologischer Aufsicht) hat man meine Vitamin-D-Werte und meine Eisenwerte ueberprueft.
Besonders der Vitamin-D-Wert ist fuer die Aerzte hier von besonderem Interesse. Obwohl - so die Aerzte - bereits seit 1949 die grosse Bedeutung von Vitamin D fuer den Koerper feststeht, vernachlaessigt man diesen Wert doch meistens.
Menschen aus Nordeuropa insbesondere aus den Laendern, die an Sonnenmangel leiden, haben einen zu niedrigen Vitamin-D-Wert.
Vitamin D kann der Koerper nur durch Sonneneinstrahlung, wenig durch Nahrungsmittel produzieren. Es ist wichtig fuer die Zaehne, die Knochenstruktur (Osteoporose!) und spielt eine grosse Rolle bei der Krebspraevention. Herz-und Kreislauferkrankungen vorbeugen und das Immunsystem staerken sind weitere Vorteile des Vit. D. Es scheint auch eine Rolle beim Beginn der Alzheimerkrankheit zu spielen.
Der Vitamin-D-Wert sollte nicht unter 30 fallen, eine gute Versorgung hat man mit einem Wert von 50-80.
Mein Vitamin D Wert liegt bei 4 !! Und das, obwohl ich schon denke, ich bewege mich ZUVIEL in der Sonne, da wir ja das ganze Jahr ueber davon im Ueberfluss haben.
Ein naher Verwandter ist vor einiger Zeit an Hautkrebs erkrankt, was mich noch vorsichtiger werden liess, in punkto Sonnenbad.
Und dennoch heisst es : 3mal in der Woche mindestens fuer ca. eine halbe Stunde OHNE Sonnenschutz in die Sonne, so dass Gesicht und Arme der Sonne ausgesetzt sind.
Dunkelhaeutige sind aufgrund ihrer Haut bereits mehr geschuetzt, d.h. sie brauchen eine laengere "Wirkzeit". Bei hellhaeutigen wird relativ schnell Vitamin D gebildet.

Wie mir unsere Kinderaerztin auf der Station, wo ich arbeite sagte, sei die Einnahme von Vitamin D nur in Kombination mit dem Sonnenbad wirksam.
Waehrend man sich anscheinend mit der Sonne nicht an Vit. D ueberdosieren kann, ist Vorsicht bei der Einnahme von Vit. D geboten. Hier sollte man nur in Absprache mit dem Arzt dosieren.

Im Winter direkt in der Mittagssonne, im Sommer wirken auch die Stunden am Vormittag oder Nachmittag positiv auf den Vitamin D - Wert.
HIER ist noch einiges ueber Vit. D. nachzulesen. Auch dieser FOCUSARTIKEL bietet brauchbare Informationen.

Krank

Seit einer Woche laeuft die Nase und ich huste heftig. Aufgrund der Herzklappe bekam ich gleich "vorsichtshalber" Antibiotika. Nun fuehle ich mich seit vorgestern abend schwach, moechte liegen und mich ausruhen.
Bei mir heisst "Ausruhen" und zuhause bleiben aber auch immer KEIN GELD. So kann ich die gutgemeinten Ratschlaege, wie "erlaub dir doch mal die Ruhe" oder "bleib einfach zuhause" nicht so recht annehmen oder umsetzen.
Heute habe ich mit einer deutschen Einwanderin darueber gesprochen, der es ebenso ging und immer noch geht, da sie immer schon freiberuflich taetig war.
Sie kommt aus einer Freiberufler-Familie und hatte nie diese Sicherheit, die ich jetzt seit einem Jahr erst nicht mehr geniesse.
Ich dagegen komme aus einer "Beamtenfamilie", wir hatten nie Reichtuemer, aber ich kann mich auch an keine Unsicherheiten finanzieller Art erinnern.
In den letzten zehn Jahren habe ich bei der Stadt gearbeitet, wo ich mir auch jederzeit ein "Kranksein" erlauben konnte.
Hier in Israel habe ich in diesem Jahr nie so knapp dagestanden, als dass sich meine Sorge oder Angst rechtfertigen wuerde. Ich hatte immer Arbeit, und immer ein Mini-polster auf der Bank, anfangs von meinen eigenen mitgebrachten Ersparnissen, und als ich im Krankenhaus lag von Spenden aus unterschiedlichen Richtungen.
Auch jetzt muesste ich mir (noch) keine grossen Sorgen machen, denn ich habe noch Geld von den Spenden.
Und doch stellt sich sofort, wenn ich mich mal unwohl fuehle und nicht zur Arbeit gehe, dieses Gefuehl ein mit Namen "kann ich mir das erlauben?".
Sofort rechne ich im Kopf wieviel Geld mir verloren geht, wenn ich an diesem Tag zuhause bleibe.
Ich moechte einfach das "Spendenpolster" nicht so gern so runterfahren, dass ich auf den Shekel genau am Monatsende auskomme.
Aber davon bin ich noch weit entfernt. Ich verdiene das Noetigste, wovon man leben kann und habe fuer die naechste Zukunft noch diverse Jobs in Aussicht, wie abends Babysittern oder anderes.
Zu meiner Sorge kommt auf der anderen Seite die Angst hinzu, dass der Herzklappe etwas geschehen koennte, wenn ich Erkaeltungen verschleppe und mich nicht schone.
Und - ehrlich gesagt, kenne ich mich auch fast ausschliesslich als "nicht schwach", (koerperlich) und wenn, dann nur ein paar Tage, und dann auch nicht so, dass ich jemanden bitten muss, fuer mich mit einzukaufen.
Fuer heute jedenfalls habe ich erstmal die Arbeit abgesagt bei meiner alten Dame, und eine Freundin gefragt, ob sie mir Einkaeufe macht.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Reisepass

Es war nur noch eine Formsache, denn ich habe ja bereits vor einiger Zeit das Dokument erhalten, dass mich als israelische Staatsbuergerin ausweist.
Nun kam auch der israelische Reisepass, den ich bei der Aus - und Einreise in Israel benutzen muss. Den deutschen Reisepass kann ich dann bei der Ein-und Ausreise in Deutschland vorzeigen.

Israelischer Fuehrerschein

Nun habe ich endlich einen Termin fuer die "Fahrpruefung" bekommen, die man absolvieren muss, wenn man seinen deutschen Fuehrerschein in einen israelischen umschreiben lassen will.
Die Pruefung wird am 5. November um 11h stattfinden. Da angeraten wird, mindestens EINE Fahrstunde vorher zu nehmen, habe ich diese auch bereits festgemacht, am 3. November um 12.45h.
Ihr koennt also hautnahe mit dabei sein, wenn ich durchfalle. (Nein, hoffentlich nicht). Wie schon erwaehnt habe ich nur ein wenig Angst vor den Strassen Jerusalems, die heute noch offen, morgen dann abgesperrt sind, ploetzlich wird die Strasse aufgerissen und Einbahnstrassen sind da, wo gestern keine waren.
Naja, die Pruefung heisst genauer : "Pruefung, ob man ein Fahrzeug beherrscht". Das ist eigentlich alles, und dabei duerfte ja nicht allzu viel schiefgehen.

Nochmal zur Vorgehensweise fuer spaetere Einwanderer:
1. Man geht zum Optiker (es gibt spezielle Optikerlaeden, die Formulare haben) und
fragt nach dem Formular, zahlt ca. 50 Shekel (10 EUR) und wird fotografiert. Anschliessend folgt direkt vor Ort ein Sehtest.
2. Mit dem Formular geht man zum Hausarzt, der den angegliederten Fragebogen mit ausfuellen muss. (es geht darum, ob man an Krankheiten leidet, die das Fahrvermoegen beeintraechtigen)
3. Nach der Unterschrift des Arztes (Fahrtuechtigkeit ist gegeben) reicht man das Formular beim Misrad haRishui ein (Strassenverkehrsangelegenheiten usw.). Die Sachbearbeiter dort nehmen das Formular entgegen und reichen es an den Amtsarzt weiter, um von dort das O.k. fuer die Pruefung zu bekommen. Wenn das der Fall ist, wird man angerufen.
Das kann ein paar Wochen dauern, besonders, wenn Feiertage dazwischen sind.
4. Inzwischen sollte man sich schon nach einer Fahrschule umgesehen haben, und mit dem Fahrlehrer darueber sprechen, wie schnell die Pruefung stattfinden kann.
5. Mit dem Formular, was abgestempelt dann bei Misrad haRishui wieder abgeholt wird, geht man zum Fahrlehrer, der die Pruefung arrangiert.

WICHTIG: Man sollte sich erkundigen, in welcher Zeit man den Fuehrerschein umschreiben lassen kann, denn verpasst man den Zeitpunkt, muss die gesamte Fahrpruefung (theoretisch und praktisch) neu gemacht werden. Das ist auch der Fall, wenn man zweimal durchfaellt.
Es hiess einmal, man habe nur EIN JAHR nach der Einwanderung Zeit, den Fuehrerschein umschreiben zu lassen. Heute heisst es DREI Jahre.
Es lohnt sich aber immer, sich neu zu erkundigen, da sich in Israel wirklich haeufig etwas aendert.

Eine Fahrstunde kostet zurzeit ca. 130 Shekel (25 EUR) und die Pruefung 400 Shekel (80 EUR), die Gebuehr wenn anschliessend der Fuehrerschein ausgestellt wird, noch einmal 60 Shekel (ca. 12 EUR)

Montag, 25. Oktober 2010

Magen David Adom

Vor etwa einer Woche bekam ich ein Schreiben von Magen David Adom, (Israels Ambulanz). Ich haette am 17.7.10 die Ambulanz benoetigt, um ins Ichilow-Krankenhaus gefahren zu werden. Man stellt mir einen Betrag von 419 Shekel in Rechnung fuer den Transport. (das sind etwa 80 EUR)
Das scheint ueblich zu sein, wenn man anschliessend an den Transport zur Notaufnahme NICHT stationaer aufgenommen wird.
Ich habe mich an meine Krankenkasse gewendet (Maccabi), die mir den vollen Betrag zurueckerstattet, da ich im Ichilow-Krankenhaus in Tel Aviv aufgenommen wurde, nach Transport.
(Zur Erinnerung: Ich war in der Reha in Tel Aviv, im Haus "Assuta", als ich nach etwa 5 Tagen Fieber bekam. Da das Personal meinte, mit Fieber sei ich in der Reha nicht gut aufgehoben, rief der zustaendige Arzt einen Krankenwagen, um mich stationaer aufnehmen zu lassen, und die Ursache des Fiebers abzuklaeren).

Was in der Krankenkasse lediglich Verwunderung hervorrief, war der zeitliche Abstand zur Rechnung. Normalerweise - so sagte man mir - kaeme die Rechnung hoechstens bis zu zwei Monaten nach dem Transport.


Donnerstag, 21. Oktober 2010

Echad Haja Awraham - EINER war Abraham

Was fuer ein Zufall. (Zufall?). Da sinne ich heute ueber das Alleinsein nach und begegne diesem Zustand wieder in den Ausfuehrungen von Rabbi Benni Lau.
"Echad haja Awraham. EINER war Abraham"....(Jechsekiel, ל"ג כ"ד),

Dazu sagt Rabbi Nachman von Breslev, dass Awraham nur G-tt dienen konnte (Avodat haShem), weil er sich dessen bewusst war, dass er der Einzige auf der Welt war. Er hat sich absolut nicht darum gekuemmert, was andere Menschen meinten.
Awraham musste sich von allen Goetzenanbetern distanzieren, er war allein, und musste allein sein, um seinen Weg zu gehen. Er distanzierte sich von seinem Vaterhaus.
Noch mehr - als G-tt zu Awraham sprach, er solle aus seinem Land gehen und sein Vaterhaus verlassen, war Awraham ganz allein in seiner Welt, ohne irgendeine Hilfe oder Unterstuetzung von Angehoerigen oder Freunden.

כל יהודי הוא בנו יחידו של הקב"ה

Jeder Jude ist der einzige Sohn von Hakadosh Baruch Hu
Jeder hat seine eigene Aufgabe. Auch deshalb sollen wir den "Anderen" nicht beneiden, nicht um seine weltlichen Gueter, noch um seine geistigen Faehigkeiten. Jedem von uns ist etwas Besonderes gegeben. Daraus, was uns gegeben ist, das Beste zu machen, ist unsere Aufgabe.


Awraham hat sich nicht beirren lassen, in seinem Gefuehl und seinem Glauben. Manchmal muss man eben einen Weg allein gehen, und ein anderes Mal ist es wichtig, sich auszutauschen. Manchmal hat man eine "Verabredung" mit G-tt, ein Treffen einzuhalten, wie mit einem guten Freund, den man auch nicht versetzt. Es gibt Freunde, mit denen man Dinge besprechen kann, die man mit niemand anderem teilen kann. Und es gibt G-tt, mit dem wir alles besprechen koennen. Er antwortet uns sogar, sicher nicht persoenlich mit einer gewaltigen Stimme von oben, sondern auf anderen Wegen. Manchmal in dem, was wir im Alltag hoeren oder lesen, und ein anderes Mal finden wir die Antwort durch eine Auslegung zur Parasha.
Es gibt diese Art von Zwiegespraech, nur ist es manchmal schwer, richtig hinzuhoeren. Auch dafuer kann das Alleinsein gut sein. Es schaerft die inneren Ohren wieder fuer das, was wichtig ist.

Allein sein..

Ich habe immer schon viel Zeit gebraucht, um mit mir allein zu sein. Gereist bin ich auch oft allein, und fand es, entgegen vieler Meinungen, ueberhaupt nicht "schrecklich". Im Gegenteil.
Im Alleinsein entsteht etwas voellig anderes als in Gesellschaft von Freunden, Bekannten. Gedanken koennen sich ausbreiten, ohne gebremst oder gelenkt zu werden, der Genuss in der Natur ist einanderer.
"Aber es ist doch schoener, das Erlebnis in der Natur mit einem lieben Menschen zu teilen." ist der Einwand, den ich am meisten hoere.
Sicher, Erlebnisse zu teilen ist schoen. Man spricht darueber, was man gerade sieht, hoert oder fuehlt. (sicher nur, wenn der Mensch sehr vertraut ist...)
Das Alleinsein mit sich bringt jedoch ein voellig anderes Erleben mit sich. Ich moechte es gar nicht als "besser" oder "schlechter" bezeichnen, es ist einfach anders.
Auf dieses Erleben moechte ich nicht verzichten. Die Stille, das "Nicht sprechen muessen", der ungestoerte Kontakt zum Himmel, all das ist wichtig und setzt Energien frei, die ich sonst nicht erlebe.
Auch bin ich selbst ein Mensch, der in Gesellschaft viel redet. Ich fliehe gar nicht vor dem "Gerede" der anderen, sondern vielmehr vor meinem eigenen Unvermoegen, den Mund zu halten.
Erst im Alleinsein werde ich ganz ruhig, spuere kein Beduerfnis nach Sprechen oder danach, das Gesehene und Gefuehlte zu teilen.
Ich bin im Kontakt mit dem Schoepfer und fuehre ein inneres Zwiegespraech mit ihm. Das ist mir nur im Alleinsein moeglich. Oft sind es Dankesworte oder Fragen, und andere Menschen wuerden mich dabei stoeren.
Ich brauche das Alleinsein, um wieder zu mir zu kommen, zu spueren, wer ich wirklich bin und wo ich hinwill.
Gebete, die keine Form haben, kommen aus meinem Herzen und sind unvergleichbar wichtig fuer mich.
So werde ich mich morgen frueh entscheiden, wohin ich fahre, aber eines ist sicher - ich werde allein mit mir und IHM sein.

Gemuetlich gemacht!

Der Donnerstag ist fuer mich der schoenste Tag der Woche (ausser dem Shabbat natuerlich). Meine Arbeit auf dem Skopusberg im Krankenhaus ist nur So,Mo und Di. Am Mi und Do bin ich nur morgens und nachmittags bei der aelteren Dame. Die anspruchsvollsten Tage sind also Di am Nachmittag vorbei und die Arbeit bei Sharon ist im Vergleich dazu entspannend und so gut wie heimisch. Am Donnerstag kann ich meist ausschlafen, d.h. bis ca. 8 Uhr, oder ich lege Arzttermine oder Behoerdenbesuche in diese Stunden. Um zehn muss ich bei Sharon sein, bis zwoelf. Dann schlendere ich nach Hause und putze zum Programm von Galei Zahal. So habe ich freitags die Freiheit, weg zu fahren, nach Tel Aviv oder ans Tote Meer.
Einkaufen im Supermarkt steht danach auch noch auf dem Programm. Um 4 geht es dann wieder bis 6 zu Sharon.
Und den ganzen Tag ueber liegt schon der Duft und Vorgeschmack des Shabbat in der Luft, man nimmt den Donnerstag einfach gar nicht mehr richtig fuer voll.
Donnerstag abend dann mache ich es mir "gemuetlich", lese, schaue die Nachrichten und gehe meistens um 20.30h rueber zur Ramban-Synagoge. Dort gibt es eine dreiviertel Stunde einen Vortrag zur Parashat HaShavua von Rabbi Benni Lau.
Allen ein gutes Wochenende!

Die Guave entdeckt!

Bei uns ist sie gerade massenweise im Supermarkt und auf dem Shuk zu bekommen. Ich habe sie erst vor einer Woche so RICHTIG entdeckt. Die Guave. HIER sind einige Informationen zur Frucht. Sie sieht nicht besonders spektakulaer aus, etwa wie eine Birne, verstroemt aber einen absolut betoerenden aromatischen Duft und ist sehr geschmacksintensiv. Die Guave hat einen Vitamin C-Gehalt von 273 mg pro 100 mg. Das ist das 6-fache einer Orange!
Ausserdem enthaelt sie noch Provitamin A, Mineralstoffe, Calcium, Phosphor und Eisen.
Somit steht sie jetzt bei mir gemeinsam mit Clementinen, Avocados, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, und Granatapfel auf dem taeglichen Speiseplan. (Beim Granatapfel muss ich zugeben, dass ich die "fertig gepuhlten" Kerne kaufe, und nicht die ganze Frucht, da ich absolut unfaehig bin beim Kernepuhlen... Und - meine Minikueche incl. Kleidung kann ich danach vergessen)
Wir sind schon wirklich gesegnet mit einer Fuelle von Fruechten, oder?

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Sharav

Im Fruehling habe ich den Sharav nicht so anstrengend empfunden wie heute. (Sharav oder Chamsin ist ein heisser Wind, der aus der arabischen Wueste herueberweht)
Fuer mich war es heute der schwierigste Tag des Jahres, im Hinblick auf das Wetter. Die Zunge klebte am Gaumen, Nase und Lippen waren voellig ausgetrocknet. Die Augen fuehlen sich sandig an. (Es mag sein, dass ich durch meine Erkaeltung alles noch etwas dramatischer empfand).

Heute morgen stieg das Termometer in Tel Aviv auf 40 Grad und ca. 5% Luftfeuchtigkeit, also staubtrocken. Innerhalb von 2-3 Stunden sank die Temperatur auf "nur" um die 30 Grad und ueber 60 % Luftfeuchtigkeit. Der Meteorologe hat uns gerade im Fernsehen aufgeklaert, dass nun die gesamte Luftfeuchtigkeit aus dem aufgewaermten Meer nach oben steigen kann.
Immerhin bei uns in Jerusalem in den Bergen steigt die Luftfeuchtigkeit noch auf 30 %.
Sobald der Wind dreht, und vom Meer landeinwaerts weht, ist der Sharav "gebrochen".
Wir sind alle erstaunt und jeder fragt sich: Sharav Mitte Oktober? Das hat es ja selten gegeben. Normalerweise ist der Sharav typisch fuer den Fruehling.
Auch in dieser Hinsicht korrigiert der Meteorologe. Es sei fast in jedem Oktober so gewesen, dass es Sharav gab, nur wuerden wir das schnell wieder vergessen, sobald es November wird und kaelter.
Dass der belastende Sharav jetzt vorbei ist, heisst aber nicht, dass es kuehl wird. Immer noch werden es morgen um die 30 Grad bei uns in Jerusalem werden, aber ohne Sharav ist es unvergleichlich ertraeglicher.

Die Polizei - dein Freund und Helfer!

Wer denkt, nur die Polizei in Deutschland nimmt es mehr als genau, der hat sich gewaltig getaeuscht. Heute sah ich von weitem einen Freund neben dem Polizeiwagen stehen und fragte mich, was passiert war. Beim Naeherkommen fragte ich ihn, ob er einen Unfall hatte. Er platzte fast vor Wut : "Ach, Quatsch, ich bin mit meiner Mofa gefahren und da hoere ich an der Strassenecke den Lautsprecher aus dem Polizeiwagen: Mofafahrer, rechts ranfahren, Mofafahrer, rechts ran, bitte!" Und was habe ich gemacht? Mein Gurt vom Helm war nicht geschlossen..so ein Idiot, jetzt stellt der mir ein Knoellchen aus, deswegen.." Beim Wort "Idiot" zuckte ich gleich zusammen, denn wir standen direkt am offenen Polizeiwagen. Konnte also gut sein, dass gleich noch "Beamtenbeleidigung" dazu kam. J. war das egal: "Ach, so ein Scheiss, die spinnen doch. Jetzt drueckt der mir 200 Shekel auf (= 40 EUR), aber mir geht es gar nicht ums Geld. Das ist doch idiotisch, er haette mir ja sagen koennen, dass das nicht in Ordnung ist.."
Nun - ich musste doch etwas schmunzeln, weil ich selbst auch dachte, solche Sachen leistet sich nur die deutsche Polizei.
Dabei war ich anfangs hier in Israel auch - wie viele meiner Mitbuerger - bei Rot ueber die Ampel gegangen, in der inneren Gewissheit, dass das "hier im Nahen Osten" sicher nicht so schlimm sei. Weit gefehlt. Ein guter Freund machte mich damals darauf aufmerksam, an welcher Ecke "sie" immer stehen, um den Menschen Geld abzuknoepfen, zweimal bereits war er selbst 150 Shekel losgeworden fuer dieses "Vergehen". Und nach ein paar Wochen konnte ich es selbst beobachten. Ein Polizist unterhielt sich vermeintlich sehr vertieft mit seiner Kollegin auf der anderen Strassenseite, waehrend alles um mich herum bei Rot ueber die Ampel lief - nur ich nicht, weil ich an die Worte meines Freundes dachte. Und tatsaechlich - die zwei drehten sich abrupt um und sprachen die Verkehrssuender unvermittelt an. Was dabei herauskam, konnte ich nicht mehr verfolgen, nur bin ich seitdem sehr vorsichtig und kann es anderen auch nur anraten.
Lustig war noch der letzte Satz meines Freundes heute nachmittag: "Da tue ich soviel fuer dieses bloede Land hier.... das ist einfach aergerlich.."
Ich bin nicht sicher, ob dieser Satz den Polizisten ueberzeugt haette.....

Dienstag, 19. Oktober 2010

Wir gedenken ....

Wir begehen heute abend nach juedischem Datum den 15. Todestag von Jitzchak Rabin, erschossen 1995 ausgerechnet auf einer Friedensveranstaltung in Tel Aviv. Ermordet von einem juedischen Rechtsextremisten, Jigal Amir.
Nach einer Rede fuer den Frieden und gegen die Gewalt, wurde er beim Gang zu seinem Auto angeschossen. Kurze Zeit spaeter starb er im Ichilov-Krankenhaus von Tel Aviv. Praesident Shimon Peres erinnerte heute abend daran, dass das "Vergessen unser schlimmster Feind ist."

Montag, 18. Oktober 2010

Odelyias faszinierende Geschichte in der J.Z.

In der Oktober-ausgabe der Juedischen Zeitung habe ich dieses Mal etwas mehr Platz bekommen, um noch einen Artikel ueber eine Frau zu veroeffentlichen, die ich vor 2 Jahren in Jerusalem kennen lernte. Sie hat bis zu ihrem 51. Lebensjahr nicht gewusst, dass sie Juedin ist und nach der "Entdeckung" der Wahrheit, immer weiter geforscht, bis sie schliesslich Angehoerige in Israel fand, sowie die Graeber ihres Grossvaters und ihrer Grossmutter. Eine weitere Ueberraschung war dann die Neuigkeit, dass Grossvater Chaneles ein Nachfahre des beruehmten Baal Shem Tov ist. Fuer Odelyia fast ein wenig zu viel zum Verdauen!
(Klickt man das Bild an, muesste es sich zweimal vergroessern lassen und mit etwas Anstrengung ist der Text so lesbar!)

Sonntag, 17. Oktober 2010

Tel Aviv

Haeuser wie diese, im Bauhausstil, sind typisch fuer das Stadtbild Tel Avivs. Es gibt der Stadt eine gewisse Frische, Helligkeit und sonnendurchflutete Positivitaet. Wer mehr Bauhausstil sehen moechte, kann HIER fuendig werden.
Ich muss zugeben, dass Tel Aviv fuer mich Liebe auf den zweiten Blick war, denn anfangs habe ich die Stadt nur mit Laerm, rund um die Uhr verbunden. Ausser dem Meer und der alten Stadt Jafo war fuer mich nicht viel attraktives dort zu finden. Inzwischen weiss ich den besonderen Liebreiz, der so ganz anders ist als der Jerusalemer, zu schaetzen. Man kann diese beiden Staedte eben nicht vergleichen, muss sich dem jeweiligen Charakter oeffnen, nur dann wird man auch in dieser pulsierenden Stadt grosse Anziehungskraft finden. Es gibt fuer alles eine richtige Zeit, und das gilt bei mir besonders fuer Tel Aviv. Ich muss in einer besonderen Stimmung sein, um sie zu geniessen.
Frische und Urlaubsflair, aber auch sehr attraktive Wohngegenden verbinde ich mit Tel Aviv, das grosse weite Meer natuerlich, das immer schon da war und die offene , freundliche und tolerante Art der Menschen.
Ist es nicht wunderbar, dass wir hier nach relativ kurzen Anfahrten alles haben koennen, wonach uns der Sinn gerade steht? Wueste, das schoene Jerusalem, Taucherparadies Eilat und Schnee auf dem Hermon, Haifa mit der wunderschoenen Hafenbucht, mit Blick bis zum Libanon, den See Genesareth mit seiner paradiesischen Vegetation, das Tote Meer, mit seiner einzigartigen Heilwirkung, 400 Meter unter dem Meeresspiegel und Tel Aviv, die Stadt am Mittelmeer, die niemals schlaeft.

Freitag morgens in Tel Aviv am Strand

Freitags schon ganz frueh morgens zum Meer nach Tel Aviv zu fahren ist wirkich ein Vergnuegen. Dort habe ich mein "Jahr in Israel" mit einem Eiscafe gefeiert und das angenehm kuehle Wasser genossen. Einfach entspannen und den Tag geniessen, tut gut. Waehrend eine Fahrt zum Toten Meer um die 60 Shekel kostet (etwa 12 EUR) (hin und zurueck) zahlt man nach Tel Aviv nur knapp ueber 30 Shekel.(6 EUR). Entscheidet man sich dann am Toten Meer fuer einen "Strand" mit Infrastruktur, um evtl. auch einen Sonnenschirm zu benutzen und es etwas komfortabler zu haben, zahlt man einen Eintritt von ca. 45-50 Shekel (Mineral beach z.B. ). Es gibt aber dort auch Badeplaetze, ohne Schnickschnack, z.B. Ein Gedi oder andere.
Tel Aviv ist ein Stadtstrand und bringt ein ganz anderes Gefuehl. Die Hochhaeuser im Ruecken, Strandcafes mit Musik, vollere Straende, mehr Touristen.... es kommt darauf an, welcher Stimmung man ist, und was man gerade sucht.
Touristen, die freitags wieder zurueck nach Jerusalem wollen, sollten beachten, dass der letzte Bus vor Shabbatbeginn relativ frueh zurueck faehrt. Egged, DIE hervorragende Busgesellschaft Israels, bietet einen besonderen Service an. Man stellt seine Anfrage (wann faehrt der letzte Bus nach Jerusalem? Welche Linie faehrt vom Jaffa-tor, Jerusalem zum Hadassah-hospital?) per sms, auf hebraeisch, arabisch oder englisch, schickt die sms zur Service Nr. 2800 und bekommt auf der Stelle (wirklich keine 3 sec. spaeter) eine Antwort aufs Handy.


Freitag, 15. Oktober 2010

EIN JAHR ISRAEL

Heute ist es ein Jahr her, dass ich auszog und dem "Lechi lech" - Ruf, den ich meinte, zu hoeren, folgen konnte.
Ich war nie ganz sicher, ob ich auch richtig verstanden hatte, was ER mir sagte, aber es gab einen gewissen "Automatismus", den ich auch waehrend meines Giurs vorher spuerte, ein Handeln, das fast wie eine Art "Ferngesteuertsein" beschrieben werden kann. So manches Mal fragte ich mich: "Was tue ich hier eigentlich?" Aber nie hatte ich das Gefuehl, dass es falsch ist.
Als ich hier ankam, mit nur zwei Koffern als Hab und Gut, bekam ich bereits nach einigen Tagen nur die Hand, die fuehrt, beschuetzt und beruhigt zu spueren. Ich fand ein paar Strassen weiter eine Wohnung, in der ich immer noch bin. Und eine Woche spaeter, begann ich die Arbeit bei der alten Dame, der ich heute noch nachgehe. Es war ein Stueck Grundlage, auf der ich aufbauen konnte. Die Hand von "oben" hatte mich nicht allzu lange im Nichts schweben lassen. Wahrscheinlich, weil ich - trotz der Riesenportion Mut, die man fuer diesen Schritt braucht - doch ein ganzes Stueck Angst hatte, unterzugehen. ER wusste, dass ich diese Teilsicherheit brauche, um weitermachen zu koennen.
Wieviele Menschen habe ich kennen gelernt, wieviele Moeglichkeiten boten sich an Hilfe und wie sehr kuemmerten sich meine Mitmenschen hier um mich... es war ein Segen, was mir geschah und ich kann nicht aufhoeren, mich dafuer zu verneigen, und zu danken.
Als ich meine Freunde und Bekannte hatte, zu denen ich eingeladen wurde, und die sich um mein Wohl erkundigten, kam die Schreckensbotschaft mit meinem Herzen, und auch all das, was dann geschah, war bis ins Letzte durchgeplant. Meine Freunde waren wahre Freunde, die Gemeinde bot mir Stuetze und besuchte mich sogar zu Fuss am Shabbat, um mit mir zu singen, mir Trost auf die Intensivstation zu bringen.
Was fuer ein Segen an Menschen! Haette ich die Diagnose bereits kurz nach der Einreise bekommen, waere ich doch sehr allein mit allem gewesen, und waere in ein Loch von Unsicherheiten gefallen. All das ist nicht passiert, sondern erst, als es bereits um mich herum kleine Sicherheiten und grosse Naechstenliebe gab, die auch und gerade Gerim (zum Judentum uebergetretene) betraf.
Ich bin am richtigen Ort, soviel ist sicher und ich bin auf wunderbare Weise geheilt worden.
Ich gehe mit tiefem Dank und geneigtem Kopf in diesen Lech-Lecha-Shabbat hinein. Danke fuer ein Jahr Segen!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Parashat haShavua - Shabbat shalom

Wir haben uns in der heutigen "Paraschat haShavua" - Betrachtung, bei Rabbi Benni Lau, mit der Frage beschaeftigt, warum Awraham anscheinend jeden gesegnet hat, nur einen nicht, und das war sein geliebter Sohn Jitzchak.
Was mich sehr beruehrt hat, aus persoenlichen Gruenden, war die Betrachtung von Shlomo Buber zu dieser Frage, Grossvater von Martin Buber (geb. in Lemberg, Galizien), der sich mit der Erforschung von Midrashim beschaeftigte.

Jitzchak ist gesegnet worden, hat seine Bracha bekommen, da geschrieben steht: ויהי אחרי מות אברהם ויברך אלוקים את יצחק בנו
(בראשית, חיי שרה כה - יא
Es geschah nach Awrahams Tod: G-tt segnete Jitzchak, seinen Sohn...(1. B.Mose, 25.11)

G-tt selbst also segnete Jitzchak.
Awraham segnete Jitzchak nicht, weil er in ihm immer den kleinen Sohn sah, egal wie alt er war. Er brauchte den Segen nicht, weil er sowieso unter den Fittichen von seinem Vater war. Den Segen erteilt man in vollem Bewusstsein, dass der Sohn ein "eigener Mensch" ist, sein eigenes Leben lebt. Awraham fuehlte dies nicht. Und erst als er starb, war "Platz fuer das Leben Jitzchaks" auf dieser Welt und er wurde von G-tt selbst gesegnet.

Diese Ausfuehrungen haben mich sehr beruehrt. Wenn wir den Segen sprechen, wie fuehlen wir dann in Bezug auf unsere Kinder? Lassen wir sie wirklich mit ganzer Seele ihr eigenes Leben leben, oder sind wir - wie Awraham - der Meinung, dass nur wir wissen, was gut fuer sie ist, dass wir sie in Gedanken immer noch unter unseren Fittichen haben?
Es waere traurig, wenn wir erst sterben muessen, damit "Platz in dieser Welt ist" fuer das Eigen-leben unserer Kinder, fuer ihre Entscheidungen und ihre Gestaltung ihres Lebens.
Bemuehen wir uns, den Segen fuer die Kinder zu sprechen, in vollem Bewusstsein, dass sie eigenstaendige Menschen sind.
Shabbat shalom!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Immer noch nicht verinnerlicht!

Dass ich die Herz-OP und die damit verbundenen Ereignisse immer noch nicht als einen Teil meines Lebens integriert habe, bewies mir wieder einmal meine heutige Reaktion auf einen Satz unserer Aerztin, die unser Team im Hadassha-Hospital seit einiger Zeit ergaenzt, nachdem sie 2 Jahre mit der ganzen Familie in Kanada lebte. Sie wollte wissen, was mit mir passiert ist und welche meiner Herzklappen ausgetauscht wurde. Ich erzaehlte ihr, wie man bei der Einstellungsuntersuchung "durch Zufall" alles feststellte und beschrieb ihr meine Diagnose. Zunaechst einmal bemerkte ich ihre grossen feucht gewordenen Augen, als sie staunend sagte: "Du meine Guete, alles von oben gelenkt....!" Um sich dann meiner Kollegin zuzuwenden mit den Worten:"Aortic stenosis, das sind die Menschen, die einfach tot umfallen!"
Ich zuckte unwillkuerlich zusammen und obwohl ich das schon tausendmal gehoert hatte, war es so, als wuerde mir jemand etwas voellig Neues erzaehlen. Immer wieder erschrecke ich mich aufs Neue, wenn ich mir vergegenwaertige, wie mein Leben gelenkt, gefuehrt und gerettet wurde.
Das kann doch alles ueberhaupt nicht wahr sein, was mir da passiert ist und - man bekommt tatsaechlich den Eindruck, als habe bereits der allererste Anfang meiner Israel-verbundenheit und der anschliessende Giur-Prozess seinen Sinn und Zweck in dieser Geschichte. Dezember 2004 war meine erste Reise nach Israel als ganz normale Touristin.
Und diese Reise sollte ein tiefes Erlebnis in meinem Leben werden, fuehlte ich mich doch fast im ersten Moment hier in Israel "zuhause". War mein weiterer Weg konsequent geplant und durchdacht? Und wenn ja, wie wunderbar, dass ich auf den Ruf "meines Herzens" und meiner Seele gehoert habe...und ihn nicht unterdrueckt habe, obwohl ich nicht nur einmal den Gedanken hatte: Was mache ich hier eigentlich und warum? Bin ich vielleicht verrueckt?
Ich kann nur sagen, es ist ueberwaeltigend, was mir durch den Kopf und durch die Seele geht und immer wieder frage ich mich: Wie lange haette ich noch gelebt, wenn ich in Deutschland geblieben waere?
Fuer mich bedeutete die Tora von Anfang an Wahrheit und Leben. Israel hiess fuer mich auch "leben".
Und nun sogar ganz konkret und koerperlich "Leben"?
Es ist gleichzeitig beaengstigend, erschreckend und tief ergreifend fuer mich.
Ist es uebertrieben, die Dinge in diesem Licht zu sehen?

Montag, 11. Oktober 2010

Lech Lecha - geh!

Der kommende Wochenabschnitt ist fuer mich immer "mein Wochenabschnitt" gewesen und bleibt es auch.
Awraham wird von G-tt gesagt:

Geh vor dich hin aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft, aus dem Haus deines Vaters, in das Land, das ich dich sehen lassen werde...((1.Buch Mose, 12.1)
Als ich meinen Giur begann, habe ich mich schon ein klein wenig in Awraham wiederfinden koennen. Auch ich betrat Neuland, sonderte mich durch meine neue Zugehoerigkeit und mein fuer die Umwelt seltsames Verhalten ab. Alle um mich herum waren Christen, so wie es bei Awrahm der Vater war, der Goetzen diente. Immer wenn es mir schwerfiel, z.B. wenn ich aus Israel wiederkam und mich allein fuehlte, sagte mein Rabbiner zu mir: "Denk mal an Awraham! Der war GANZ allein. Du gehst ab und zu nach Israel, staerkst dich dort, wirst dort verstanden, sprichst mit mir und kommst in die Synagoge, die doch in der Galut unsere Verbindung zu Israel darstellt! Aber Awraham musste alles allein bewaeltigen. Meinst du nicht, dass er oft an sich gezweifelt hat, ob er alles richtig tat?"

Er hatte recht. Aber schwer war es dennoch, gegen den Strom zu leben, Shabbat zu halten, waehrend die anderen andere Dinge tun, die ich frueher auch getan habe. Anderen zu erklaeren, dass ich ploetzlich einen neuen Weg einschlage, nicht mehr das esse, was ich frueher ass, und dann im Alter von fast 50! Dass das niemand "normal" fand, war zu verstehen. Aber wer verstand mich?
Nach meinem Giur kam ein noch krasseres "Geh vor dich hin!"
Nach Israel fuehrte mein Weg, weg von allem Bekannten, in Neuland, ohne dass ich wusste, was mich erwartete.
Gestern hoerte ich noch einmal eine Auslegung der Parascha, in der gesagt wurde, dass Awraham unsere Staerkung, unsere Unterstuetzung ist. Fuer alle, die einen sehr eigenen neuen Weg gehen, ist er der, der uns zuruft und innerlich staerkt.
Awraham ging sogar einen Weg, der noch unsicherer war. Er ging "in das Land, das ich dich sehen lassen werde", das hiess, er kannte es noch gar nicht.
Ich kannte das Land, in das ich ging, war mehrmals hier, wusste, wie ich mich fuehlen werde, es war auf irgendeine Weise bereits heimisch.
Was fuer ein G-ttvertrauen musste Awraham gehabt haben, einfach weg zugehen, und nicht zu wissen, wohin.
Bis hierhin bin ich beschuetzt und begleitet worden, und doch faellt es schwer, die Familie, die fuer mich emotional vorwiegend aus meinen Kindern besteht, hinter mir zu lassen, die Verbindung nur telefonisch aufrecht zu halten und nur dann zu Besuch nach Deutschland zu reisen, wenn das Geld reicht.
Ich bin begleitet worden, habe deutlich in vielen Dingen die schuetzende Hand von oben gespuert, und dafuer bin ich dankbar!


Dienstag, 5. Oktober 2010

Aufschwung

Zurzeit stimmt alles. Ich fuehle mich stark und mache Fortschritte. Die "verrueckten" Arbeitstage mit Hin-und Herfahrerei, das abendliche Pflicht-walking und die immer noch andauernden Arztbesuche machen mir so gut wie nichts aus, auch wenn solch ein Tag locker 12 Stunden lang sein kann. Ich finde noch Zeit und Musse, zwischen der Arbeit im Krankenhaus und den Stunden bei meiner alten Dame in Ruhe auf der Ben-Yehuda ein Eis zu geniessen und fuehle mehrfach am Tag grosse Dankbarkeit. Die Arbeit im Hadassah-Hospital ist seit ein paar Tagen wirklich fruchtbar und auch Sharon macht mir Freude. Gestern habe ich ihr wieder einmal die Haare gefaerbt, was wir beide immer sehr geniessen.
Meine Freundin Ayala, die auch Lehrerin fuer Ivrit ist, versorgt mich regelmaessig mit neuen und vielseitigen Ausdruecken, was mir ganz besondere Freude bereitet und ich habe es heute sogar geschafft, zwei Aushaenge fuer das schwarze Brett der Altersheime vorzubereiten, um fuer zusaetzliche Arbeit zu werben.
Am Morgen hat mich der Physiotherapeut des "Shaarei Zedek-Hospitals" angerufen, um mit mir die Termine fuer das nun endlich beginnende Cardio-training (Reha) abzusprechen. Zweimal in der Woche soll es stattfinden, unter kardiologischer Aufsicht und mit stufenweiser Steigerung. Meiner Meinung nach sind die Wartezeiten (ich warte nun drei Monate auf den Beginn) nicht gerade geeignet, eine schnelle Rehabilitation zu foerdern. Haette ich nicht selbst bereits einiges an Grundlagen aufgebaut, waeren nun Monate des Stillstandes ins Land gegangen.
Ich bekam zunaechst einmal einen kleinen Schock, denn keine der von ihm vorgeschlagenen Zeiten konnte ich wahrnehmen, da ich arbeite. Er schlug mir vor, ich solle "die Arbeit fuer drei Monate so organisieren" dass es passt, was natuerlich nicht geht.
Als ich ihm - wirklich fast am Rande einer grossen Enttaeuschung - meinen Tagesablauf schilderte, und beteuerte, dass ich nichts davon verschieben kann, weil ich sonst meinen Lebensunterhalt nicht verdiene, verstand er endlich meine Lage und erklaerte sich bereit, den zustaendigen Kardiologen nach einer Ausnahme zu fragen. Nun ist es mir erlaubt, in einer "anderen Gruppe", morgens um sieben Uhr zu trainieren, was optimal fuer mich ist, abgesehen davon, dass ich mich nun zweimal die Woche in aller Herrg-ttsfruehe aus dem Bett schwingen muss.
Ich freue mich darauf, endlich weiter Kraft aufbauen zu koennen, und bin guter Hoffnung, dass es doch moeglich sein koennte, nicht nur zur "frueheren" Form zu gelangen, sondern noch darueber hinaus zu kommen.
Das Einzige, was zurzeit noch nicht klappt, ist das Schlafen, denn seit meiner OP habe ich sowohl Ein-als auch Durchschlafstoerungen. Aber auch das duerfte sich mit der Zeit einpendeln. (Hoffe ich sehr!)

Es scheint so, als gaebe es im Moment keine Wohnungsangebote und wenn, dann nur mit Wuchermiete. Ich habe mich - da mein Vertrag Ende des Monats verlaengert werden muesste, falls ich keine Wohnung finde - nun aber sogar damit abgefunden, noch ein halbes Jahr hierzubleiben, denn so schrecklich ist es nun auch nicht und vernuenftiger waere es ohnehin. Ich kenne meine Ausgaben genau, wohne im Gruenen und habe eine ruhige Umgebung. (abgesehen von einem regelmaessig schreienden Nachbarkind ueber mir). Irgendwann aber moechte ich doch ein Bett haben, einen Herd und eine Waschmaschine, was ich alles zurzeit nicht unterbringen kann. Aber - wie es schon bei Kohelet heisst - gibt es fuer alles eine richtige Zeit und sich noch eine Zeitlang einzuschraenken kann nur eine gute Uebung in "Bescheidenheit" und nicht "allzu viel auf einmal wollen" darstellen.
Schliesslich habe ich innerhalb eines Jahres Enormes erreicht und will nicht nach den Sternen greifen.


Montag, 4. Oktober 2010

Spannender Job fuer ein paar Stunden...

Heute abend habe ich mit viel Spass in etwas mehr als 2 Stunden 300 Shekel verdient (das sind etwa 60 EUR). Ein junger israelischer Nachwuchsregisseur war fuer drei Monate in Berlin, um einen Kurzfilm zu drehen.
Einige letzte Szenen sind noch nicht vertont oder synchronisiert. Unter anderem eine Frau am Telefon, die sich mit ihrem Mann unterhaelt. Sie ist in einer sehr depressiven Verfassung und fuehlt sich unverstanden.
Diese Frauenstimme durfte ich heute abend synchronisieren. Es hat sehr viel Spass gemacht, obwohl wir auch lange daran gesessen haben, bis es einigermassen "passend" war.
Ich bin sehr gespannt auf den Film, der in etwa zwei Monaten dann fertig sein soll. Auf diese Weise kommt man doch immer einmal wieder an sehr ungewoehnliche Jobs, die einen aber "wach" halten und das Alltagsleben wuerzen.
Ich wuensche mir mehr solcher kleiner Herausforderungen.

Freitag, 1. Oktober 2010

Shabbat Bereshit

Shabbat Bereshit wurde auch gelesen, als ich in Israel eingewandert bin, vor - ihr hoert richtig - vor nun EINEM Jahr. Ich kann es selbst kaum glauben, dass es schon so lange her ist. Ich blicke zurueck auf ein schmerzvolles, aber auch freudiges Jahr, mit vielen neuen Freund-und Bekanntschaften. Ich habe trotz der auch schwierigen Zeit der Krankheit viel erreicht, habe Wurzeln geschlagen und bin in einer Gemeinde "gelandet", die mich auffaengt und spirituell unglaublich bereichert. Shabbat Bereshit war auch ein symbolischer Anfang fuer mich vor einem Jahr. Bereshit ist der erste Abschnitt der gesamten Tora, auch ein Neuanfang. Fuer mich war es ein starkes Symbol dafuer, dass nun ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt.
Ich bin sehr dankbar fuer all das, was ich erleben durfte und was ich mit Hilfe vieler guter Freunde lernen durfte. HaKadosh Baruch Hu hat mich nie im Stich gelassen, er war immer an meiner Seite, soviel habe ich gespuert. Auch in den dunkelsten schmerzvollsten Stunden gab es bewegende Momente, in denen er Freunde an meine Seite schickte, so war es an einem der schrecklichsten Tage auf der Intensivstation. Eine kleine Gruppe von 6 oder 7 lieben Menschen hatten sich zur Seudat Shlishit-Stunde, die in der Jakar-Gemeinde immer mit Liedern begangen wird, auf den langen Fussweg ins Krankenhaus gemacht - eine Stunde laeuft man ungefaehr! - um mit mir diese Seudat Shlishit zu begehen. Am Krankenbett haben sie mit mir gesungen - das wohl staerkste bewegendste Erlebnis in diesen Stunden. Ich werde es ihnen nie vergessen, dass sie das fuer mich getan haben. Und ich danke dem, der es sicher initiiert hat, dass man sich auf den Weg zu mir machte - Chananel Rosen, der Sohn des verstorbenen Rabbiners der Gemeinde, und nicht zuletzt dem, der seine schuetzende Hand ueber mich hielt und fuer solch eine wunderbare Erfahrung erst sorgte.
Shabbat shalom an alle!

Simchat Tora

Ich muss noch etwas von Simchat Tora erzaehlen. Simchat Tora ist das Fest, an dem Juden sich freuen, dass wir unseren Kreis schliessen und wieder neu anfangen. Die Tora wurde im Laufe eines Jahres einmal vollstaendig gelesen. (Jede Woche ein, manchmal auch zwei Wochenabschnitte). Wir lesen den letzten Abschnitt, um sofort darauf mit dem ersten im ersten Buch Mose wieder zu beginnen. So begleitet die Tora uns wie ein guter Freund das ganze Jahr, gibt uns Rat wie ein guter Freund und wir entdecken, im Laufe der Jahre auch immer Neues (wie auch bei einem guten Freund) an ihr und in ihr. Beim Fest Simchat Tora werden die einzelnen Sifrei Tora aus dem Aron haKodesh (aus dem Toraschrank, dem heiligen Schrank) herausgeholt und mit ihnen getanzt. In meiner Gemeinde ist es so, dass eine Torarolle oder zwei auch auf die Frauenseite herueber gereicht werden. (das ist normal in orthodoxen Gemeinden NICHT ueblich, aber bei uns ist es auch gaengig und "erlaubt", dass Frauenstimmen laut erklingen, dennoch gibt es eine Trennung von Maennern und Frauen, kein gemeinsames Gebet, was ich persoenlich befuerworte. Aus einer Gemeinde bin ich weg gegangen, weil dort auch Frauen zur Toralesung aufgerufen wurden. Fuer diese Art Emanzipation bin ich dann doch zu altmodisch)
Nach anfaenglichem Zoegern legte mir dann jemand eine der kleinen Torarollen mit einem gruen-samtigen Maentelchen in den Arm und ich war voellig aufgeregt. Sie lag direkt ueber meinem Herzen und vielleicht haltet ihr mich fuer verrueckt - aber ich habe diese Naehe wie eine nochmalige tiefe Heilung empfunden. Ich habe schon von Anfang an einen Bezug zu den Buchstaben - zu jedem einzelnen Buchstaben - empfunden und glaube auch daran, dass ihnen etwas ganz eigenes Heiliges innewohnt, daher war es fast ein wenig ueberwaeltigend, nun die ganze Torarolle so nahe zu spueren. Diesen Augenblick werde ich sicher nicht so schnell vergessen. Nachdem ich sie wieder abgab, habe ich gezittert und es war fast so, als muesse ich mich erst einmal ausruhen von einem tief bewegenden Erlebnis.