Montag, 29. November 2010

Nur urlaubsreif?

Meine Energie schwindet. Ich bin selbst mit mir unzufrieden, denn ich spuere, dass ich fuer die Eigenart der alzheimerkranken Sharon kaum Kraft habe. Es graut mir gleich davor, in die Familie zu gehen und abzuwaschen, zu fegen, zu wischen, die Schultaschen mit packen helfen, die Kinder ins Bad zu schicken, den Muell rauszubringen und und und...
Nach einem normalen "Arbeitstag", der ja auch Rennerei und Energie abgeben bedeutet, sich noch aufzuraffen faellt immer schwerer. Mein Arbeitstag besteht zu 80 % aus Wegen. Wegen von einer Arbeit zur anderen, wieder zurueck zur ersten, von zuhause zur Herz-reha im Krankenhaus und von dort zur ersten Arbeit des Tages... Diese Verschwendung an Energie, um von Arbeit A nach Arbeit B zu gelangen, koennte ich besser in eine kontinuierliche Arbeit stecken.
Ich bin muede, morgens und nachmittags und auch dazwischen. Im Autobus, bei Sharon und zuhause, staendig koennte ich schlafen.
Ich bin so froh, die Arbeit bei der Familie zum Teil abgesagt zu haben, so werde ich nur noch einmal die Woche in den "sauren Apfel" (und er ist wirklich sehr sauer!) beissen muessen. Diese Woche faengt Chanukka an, so dass ich nur heute abend Ueberwindung brauche.
Oder bin ich einfach nur urlaubsreif? Ich koennte mir sehr gut vorstellen, in die Wueste oder ans Tote Meer zu fahren und dort eine ganze Woche mit Nichtstun zu verbringen, oder ins Rentenalter einzutreten, vorausgesetzt die Rente wuerde reichen um zu ueberleben. All das wuerde mich gar nicht schockieren.
Zurzeit sitze ich in einem Workshop ueber "Wendepunkte im Leben" mit einigen Frauen zusammen, die alle stoehnen, weil sie ploetzlich, als Rentnerinnen einen neuen Sinn im Leben finden muessen. Ach wie gern wuerde ich mit ihnen tauschen, da es ihnen auch finanziell recht gut zu gehen scheint. Ich wuesste schon, was ich mit meiner Zeit anfangen wuerde, und einen neuen Sinn geben ohne den Druck, sich ueber Wasser halten zu muessen, stelle ich mir nicht sehr schwer vor.

Der naechste Termin, auf den ich mich riesig freue, ist erst einmal der Besuch einer meiner Toechter. Am 9. kommt sie und fuer die fuenf Tage, an denen sie hier sein wird, habe ich mir von jeglicher Arbeit frei genommen! Das bedeutet weniger Geld, aber es ist die Sache wert.

Samstag, 27. November 2010

Abgrenzung oder Grenzen der eigenen Energie

Ich habe mich am Shabbat ueber eine Auesserung einer Frau aus der Gemeinde sehr geaergert. Vorausschicken muss ich, dass besagte Dame mich vor ein paar Wochen fragte, ob ich fuer sie "mal eben" einen deutschen Brief schreiben kann. Irgendwie habe ich ohne zu Zoegern zugesagt, was liegt naeher, als dass ich deutsche Briefe schreibe?
In den darauf folgenden Tagen wurde mir klar, dass meine Zeit auch ohne deutsche Briefe schon nicht reicht, um Luft zu holen und ich rief sie schweren Herzens an, um ihr mitzuteilen, dass ich es einfach in der derzeitigen Lage nicht schaffe, ihr diesen Gefallen zu tun.
(Parallel dazu hatte ich bereits einen Job in dieser Richtung gesucht. Uebersetzungen fallen mir nicht schwer und ich kann sie mit nach Hause nehmen, um in meiner freien Zeit nach und nach daran zu arbeiten. Mich aber mit jemandem hinzusetzen und einen Brief zu formulieren, dazu fehlt mir die Zeit...)
Gleichzeitig hatte ich bereits einen Nachmittag bei einer anderen Bekannten verbracht, um mit ihr die Dokumente aus Deutschland durchzugehen, ihr bei der Uebersetzung zu helfen. Auch an diesem Nachmittag war mir klar, wie eingeschraenkt meine Zeit ist und auch ihr Anliegen habe ich auf unbestimmte Zeit verschoben.
"Ist das nicht schrecklich, dass ich gegen Bezahlung eine aehnliche Arbeit mache, aber als "Gefallen" die Arbeit ablehne..?" das ging mir durch den Kopf.
Nein! Eigentlich ist es nicht schrecklich, denn ich versuche gerade, mich einigermassen ueber Wasser zu halten, mich zu ernaehren und die Zeit fuer "Gefallen" dieser Art habe ich nicht, so leid mir das tut.

Gestern nun sprach mit besagte Dame erneut an, ob ich denn jemanden gefunden haette, da ich versprochen hatte, mich umzuhoeren, bei den deutsch sprechenden Bekannten. Ich erzaehlte ihr, dass ich eine Frau gefragt hatte, die auch beruflich ganze Buecher uebersetzt, sie hat sogar schon Preise damit gewonnen! Leider war sie gerade im Ausland und konnte auch nicht helfen.
Die Antwort, die ich bekam, als ich den Namen der Frau X nannte, haute mich dann derart vom Sockel, dass ich nicht wusste, ob ich heulen oder wuetend werden sollte. Sie sagte: "Ach, die Frau X! Nein, die wollte ich nicht ansprechen, da sie sehr assuka ist (sehr viel zu tun hat!)"
Soso, Frau X. ist also Assuka. Und bei mir scheint man den Eindruck zu haben, dass ich mir an den Fuessen herumspiele...
Nur weil ich keine Preise gewinne und keine so wichtige Arbeit mache wie ganze Buecher uebersetzen, heisst das noch lange nicht, dass ich mich im Nichtstun suhle.
Ich war wirklich tief verletzt und auch ein wenig beleidigt.
Was denken die Menschen sich eigentlich, wie man sich als Neueinwanderer abrackert und von Job zu Job rennt, um hier Fuss zu fassen, keinesfalls um Vermoegen anzuhaeufen.
Frau X gab mir dann spaeter, als ich ihr davon erzaehlte, den guten Rat, sehr klar zu formulieren, wenn es mir nicht passt und auch ohne schlechtes Gewissen. Ich solle mich sehr vor "freundlicher Ausnutzung" schuetzen. Und als ich ihr vorjammerte, dass ich so duennhaeutig sei, meinte sie nur: "Duennhaeutigkeit ist gut. An Duennhaeutigen fehlt es hier im Land! ... und du musst hier nicht die Freiwillige vom Dienst sein.... was du an Spenden bekommen hast, war fuer dich und deine Gesundheit, nicht eine Vorauszahlung fuer kommende Gegenleistungen..!"

Das ist es naemlich, was mich beschaeftigt, wenn ich den Menschen eine Absage erteilen muss. Das schlechte Gewissen, was mir suggeriert, dass so viele Menschen mir geholfen haben, als es mir schlecht ging. Eigentlich hatte ich mir gesagt, es wird die Zeit kommen, wo ich von dieser Zuwendung auch etwas zurueck geben moechte. Nur - diese Zeit scheint einfach noch nicht gekommen zu sein, ich kann noch nichts von meiner Energie abgeben, die nicht in grossen Vorraeten zu meiner Verfuegung steht. Ich kann es mir noch nicht erlauben, ausser bei sehr kleinen Dingen, etwas fuer andere zu tun. Dafuer fehlt mir selbst noch der feste Stand, die vollstaendige Gesundheit und die mentale Basis.

Auf-der-Stelle-treten?

Das Tote Meer klingt in mir nach. Der Shabbat ist vorbei und ich war am Mittag eingeladen bei netten Freunden. Dort sprach ich mit vielen Menschen, auch ueber meine Arbeit und meine Wohnsituation.
Irgendwie fuehlt es sich zurzeit an wie ein "Auf-der-Stelle-treten". Ich habe Arbeit, um mich zu ernaehren und eine Unterkunft. Die Basis ist da und doch muss ich - meiner Meinung nach - zu viel Energie investieren fuer zu wenig Entgelt.
Ich denke, dass es ein normaler Vorgang ist, den alle Einwanderer erleben.
Meine Arbeit bei der Familie habe ich wenigstens zum Teil gekuendigt. Einmal pro Woche kann ich mir das "Joch" am Abend vorstellen, zweimal jedoch ist entschieden zu viel. Es ist auch nicht - wie anfangs gesagt - ein reiner Babysitterjob, sondern es erwartet mich jedes Mal eine lange Liste mit Dingen, die erledigt werden muessen. Darunter sind Waesche aufhaengen und falten, einen Berg von Geschirr spuelen (ohne Maschine), fegen und manchmal den Boden wischen, die Kinder erinnern, die Schultaschen zu packen, die Kinder ins Bad schicken und zu Bett. Das alles gleichzeitig auf dem Schirm zu haben ist mir ehrlich gesagt ein wenig zuviel. Fuer meine Begriffe ist das nicht "Kindersitten" sondern schon "Ozeret Bait" (Haushaltshilfe).
Dazu kommt sicher, dass ich diese Arbeit abends, nach einem vollen Arbeitstag mit zwei Jobs, erledigen muss und meine Motivation dafuer haelt sich wirklich in Grenzen.
Es ist zurzeit nichts wirklich Attraktives in Sicht, wofuer ich einen Teil meiner bisherigen Jobs aufgeben koennte, daher muss ich erst einmal ganz in Ruhe so weitermachen wie bisher.
Auch in der Wohnung geht es mir zwar gut, aber es fehlt der Platz fuer eine Waschmaschine, was auf die Dauer sehr teuer wird. Die Waesche mit der Hand waschen ist keine gute Loesung, aber eine normale Waesche in der Waescherei kostet ca. 45 Shekel.
Aber erst einmal werde ich mich jetzt auf meine Tochter freuen, die schon in knapp zwei Wochen hier bei mir sein wird.


Freitag, 26. November 2010

Totes Meer - Erholung von der Woche

Wie muede war ich doch heute morgen, als um 6.15h der Wecker klingelte und wie froh bin ich, dass ich es dennoch geschafft habe, aufzustehen, um mit dem ersten Bus um 8h zum Mineral Beach am Toten Meer zu fahren.
Die Luft, das Wasser, die Stimmen der Voegel, der Schlamm und die Berge - all das sorgt fuer innere Ruhe und eine Entspannung, die ich anderswo in dieser Art nicht erlebe. Heute habe ich auch ausgiebig in einem heissen Schwefelbad gelegen, das aus einer natuerlichen unterirdischen heissen Quelle der Gegend gespeist wird. Sehr reich an Mineralien, und unbehandelt wird es in einem Becken aufgefangen. Das Wasser ist fast 40 Grad heiss. Ich freue mich schon darauf, in zwei Wochen dort mit meiner Tochter zu sitzen und bin sehr gespannt, wie sie das Tote Meer erlebt.
(Uebrigens steht das Tote Meer mit auf einer Liste, bei denen man fuer die "New 7 wonders" abstimmen kann. STIMMT HIER ab, damit das Tote Meer auf einen der besten Plaetze der neuen 7 Weltwunder kommt!)
Nun kann es entspannt und ruhig in den Shabbat gehen.
Shabbat shalom!

Donnerstag, 25. November 2010

Ein Wannenbad in Sicht

In den letzten Tagen, von Rueckenbeschwerden geplagt und nach Entspannung lechzend, beschaeftigte ich mich mit den sehnsuechtigen Erinnerungen an meine "Wannenzeiten" in Deutschland. Das ist etwas, was mir hier, in Israel wirklich wahnsinnig fehlt.
Ein Wannenbad hat mir oft geholfen, meine Rueckenverspannungen loszuwerden, hat mich in Winterzeiten vor dem Zubett-gehen gewaermt und entspannt.
Und jetzt? Ein winziger Raum, wo Dusche und Klo ganz eng nebeneinander sind - da kann keine Entspannung entstehen. Von Genuss beim Duschen kann auch keine Rede sein. Es ist einfach ein "Saeubern des Koerpers", nicht weniger, aber auch nicht mehr. Denn auch unter einer schoenen Dusche kann man mal laenger stehen und "geniessen".
Gestern dann habe ich mir Gedanken gemacht, wen ich bitten kann, mal ein Wannenbad zu nehmen - natuerlich gegen eine kleine Geldzahlung, wegen der Verschwendung (wir haben seit April keinen Regen und er Kinneret hat immer weniger Wasser....).
Und nun habe ich mich getraut und sogar sofort eine positive Antwort erhalten. Eine Freundin, die auch aus Deutschland eingewandert ist, kann meine Entspannungswuensche gut verstehen und will mir gern ab und zu ihre Wanne zur Verfuegung stellen - aber OHNE Bezahlung, so sagt sie.
Ich freue mich wie verrueckt, auf das erste Mal in einer richtigen Wanne mit heissem Wasser.
Und - ich werde mir fuer meine naechste Wohnungssuche merken, dass eine Badewanne nicht schlecht waere!
Wie man sich doch ueber Dinge freuen kann, die in Deutschland einfach selbstverstaendlich sind....

Antisemitismus

War ja klar, wen man mit einem Thema wie "Generkrankung unter juedischer Bevoelkerung" auf den Plan ruft und geradezu animiert zu boshaften rassentheoretischen Aussagen voller Hass auf Juden. Die Antisemiten! Ueber derartig menschenverachtende Kommentare kann man nur bedauernd sagen, dass er immer noch "lebt", der Antisemitismus und unter einigen Gestalten noch zugenommen hat. Schade, in diesem Falle schaeme ich mich fuer diese Menschen, die leider auch wie ich deutschsprachig sind.

Mittwoch, 24. November 2010

Familiaere Dysautonomie - "Klinken putzen" fuer einen guten Zweck

Zurzeit laufe ich virtuell in Deutschland "von Tuer zu Tuer", um meinen Artikel ueber Familiaere Dysautonomie an moeglichst vielen Orten, wo er von der juedischen Bevoelkerung gelesen werden koennte, zu veroeffentlichen. Netterweise hat ihn Chaim Guski schon in Talmud.de aufgenommen, Hagalil hat sich bereit erklaert, ihn zu veroeffentlichen sowohl auf den Hagalil-Seiten als auch auf pharmacon.net. Medbrain ist ebenfalls einverstanden. Auch der Grenzgaenger und Yael haben ihn inzwischen veroeffentlicht. Arye auf seinem Blog seit heute ebenfalls.
Ihr seid toll! Ich danke Euch!

In der Juedischen Zeitung ist er bereits in der November-Ausgabe erschienen und nun hausiere ich bei allen Blog-kollegen.
Durch die Geschichten, die wir waehrend der Arbeit von unseren Erkrankten hoeren, bin ich entsetzt, wie wenige Menschen - eben auch Aerzte - von der Krankheit Kenntnis haben und wie lang oft der Marathon ist, den Eltern mit ihren kranken Saeuglingen laufen muessen, bis sie - meist durch Zufall - auf jemanden treffen, der die Krankheit kennt. Ist die Krankheit erst einmal klar diagnostiziert, wird man entweder mit Frau Dr. Axelrodt, USA oder mit meiner Chefin Prof. Dr. Maayan, Jerusalem, Kontakt aufnehmen, die meist sofort bei den Kindern eine Gastrostomie vorschlagen (ein auesserer Zugang zum Magen), womit endlich moeglich ist, dass der obere Verdauungstrakt umgangen wird. Weiter Therapievorschlaege folgen und meist kommen selbst die Familien aus Deutschland und Europa mindestens einmal im Jahr bei uns "vorbei", um Verbesserungsvorschlaege zu erhalten.
Ich habe mich an die Zeitung "Juedisches Berlin" gewendet, hatte jedoch den Eindruck, man denkt, ich erzaehle Unsinn (seltene Gen-erkrankung, unter ashkenasischen Juden, das klingt doch zu mysterioes...). Ich hoffe, meine mail mit dem Artikel kann die Redaktion noch ueberzeugen, dass meine Ausfuehrungen serioes sind.
Ich werde also weitermachen, da es eine Art "moralische" Verpflichtung ist, Kenntnis ueber die Krankheit wenigstens in meiner Muttersprache zu verbreiten. Das ist das mindeste, was ich tun kann.
Falls es jemanden gibt, der mir noch Vorschlaege machen kann, wohin ich mich wenden kann, oder der mir evtl. sogar bei der Veroeffentlichung und weiteren Verbreitung helfen kann, bitte ich um moeglichst viele Kommentare. (ich denke an Gemeindeblaetter, Broschueren etc... )
Danke im Voraus an Alle, im Namen aller Dysautonomie-Kranken. HIER ein You-tube- Video einer Erkrankten aus den USA.

Dienstag, 23. November 2010

Erwischt!

So, nun ist es passiert! Da gehe ich EINMAL bei Rot ueber die Strasse, naemlich heute mittag, um den Bus zum Hadassah-hospital noch zu kriegen, der schon um die Ecke bog. .... und schwupp! stehe ich vor einer Hand, die mich aufhaelt. Ein junges Maedel, blau gekleidet und ich habe schon die Shekel-zeichen in den Augen!
Ich stottere noch : "Ach, ich wollte doch den Bus zur Arbeit... " da sagt sie die eingespulten Saetze wie, ich wuerde mein Leben gefaehrden und ueberhaupt, es gaebe immer noch einen naechsten Bus (tja... als ob sie nicht wuesste, dass es in Jerusalem dann oft lange dauert, bis der naechste kommt..) und im uebrigen wuerde sie jetzt einen Bericht schreiben und ich muesse 100 Shekel latzen.
Na, toll! Da gehe ich wirklich so gut wie NIE bei Rot, schon wegen der Vorbildfunktion gegenueber kleinen Kindern und so weiter. Dieses Mal kommt erschwerend hinzu, dass die Autos mitten auf dem Fussgaengerueberweg standen. Niemand konnte weiterfahren oder anfahren, und kein Fussgaenger, der zwischen den Autos herging, waere gefaehrdet gewesen.
Ein junger Mann, der wohl kurz vor mir "geschnappt" wurde, versuchte noch sein Glueck: "Ich und diese Frau, wir bekommen voellig zu Unrecht jetzt eine Strafe aufgebrummt. Die Autos standen! In was fuer einem Staat leben wir denn?"
Aber eigentlich, so sagte ich dann zu ihm, sind doch wir die Dummen! Was muessen wir auch bei Rot rueberlaufen? Wir regen uns in Wirklichkeit doch nur ueber unsere eigene Dummheit auf... oder etwa nicht?

Die Woche und ein neues ernstzunehmendes Arbeitsangebot

Die Kinder sind nett, die Eltern dankbar und freundlich und eigentlich sind es doch nur zweimal zwei Stunden abends in der Woche. Dennoch fuehlt sich die Woche vollgepackt an und am letzten Shabbat habe ich fast nur geschlafen. Es ist, als ob der Koerper weiss: Jetzt kann ich! und was ich schaffe, ist am Leil' Shabbat zur Synagoge zu gehen. Am Morgen allerdings bekomme ich meinen mueden Koerper nicht frueh aus dem Bett.
Der gestrige Tag war der anstrengendste der Woche, wenn er vorbei ist, geht es ja schon aufwaerts, denn Montags sind im Hadassah Hospital 5 Std und anschliessend bei Sharon 2 Std. zu leisten, kurz nach Hause etwas essen und um kurz vor 8 wieder los bis 10.
Heute nur 2 Std. mittags im Hadassah und wie immer morgens und nachmittags bei Sharon. Das ist leichter anzugehen.

Es steht noch eine Verhandlung mit der Frau des befreundeten Rechtsanwaltes aus, die plastische Chirurgin ist und jemanden fuer ihr Buero sucht. (Termine absprechen, Menschen auf Eingriffe vorbereiten). Mittwochs ist sie in ihrem Buero in Jerusalem und Donnerstags in Tel Aviv. Was ich noch klaeren muss, ist die finanzielle Seite und um wieviele Stunden es sich handelt. Gesprochen wurde ueber die Nachmittage und das wuerde bedeuteten, falls es sich finanziell fuer mich "lohnt", muesste ich ein paar Stunden bei Sharon und einen Abend in der Familie absagen zugunsten einer Taetigkeit mit einer "richtigen Abrechnung", wie ich sie auch im Hadassah-Hospital bekomme.
Das waere fuer meine spaerliche Rente nicht schlecht und eine weitere relativ "sichere" Arbeit.
Vom Arbeitsfeld her wuerde es meine Sprachkenntnisse im medizinischen Bereich weiter ausbauen und ich koennte mir eine solche Arbeit gut vorstellen. Ein paar Stunden weniger bei Sharon - muss ich zugeben - waeren auch nicht schlecht, weil es immer schwieriger wird, mit ihr zu kommunizieren. Wenn ich es schaffe, sie zum Verlassen des Hauses zu bewegen laeuft der Aufenthalt entspannter ab, da ein kleiner Gang sich sowohl fuer sie, als auch fuer mich guenstig auswirkt.

Montag, 22. November 2010

Terrorwarnungen in Deutschland

"Wenn schon die Reichstagskuppel fuer Besucher gesperrt wird," dachte ich mir, "dann muss wirklich eine ernsthafte Bedrohung fuer Deutschland bestehen.."
Hin und wieder gab es auch in Deutschland eine vage Gefahr und die Kofferbomben am Dortmunder Hauptbahnhof sorgten fuer helle Aufruhr.
So richtig aber - das ist meine Meinung - kann sich in Deutschland keiner den Terror und seine Auswirkungen vorstellen.
Ich nehme mich davon nicht aus, denn auch ich habe am eigenen Leib im eigenen Land noch nie Terror erlebt.
Was mir aber aus Israel sehr bekannt ist, sind die Aengste der Menschen NACH unzaehligen Terrorattacken blutigster Art.
Zerfetzte Leichen nach Bomben in vollbesetzten Bussen sind nur ein Szenario aus Israels juengster Vergangenheit. Menschen, die sich morgens verabschiedet haben, waren sich sehr bewusst darueber, dass es nicht selbstverstaendlich ist, sich abends wiederzusehen.
Wer sich das in Erinnerung holen will, kann HIER nachlesen. 23 Tote und 130 Verletzte ergab der Terroranschlag auf einen Bus in Jerusalem. Und das ist nur ein einziger Angriff. Der Terror war taegliche Realitaet.
Vielleicht werden die Menschen in Deutschland nun besser verstehen, was es heisst, mit dem Terror zu leben.
Bisher allerdings habe ich meist nur eine Reaktion kennen gelernt: "Der palaestinensische Terror hat ja einen Grund. (der Grund ist selbstverstaendlich Israel selbst) und ist Ausdruck fuer grosse Hilflosigkeit."

Freitag, 19. November 2010

Shabbat shalom!

Mit einem schoenen Lied von Arik Einstein "Jatzanu at", das ihr HIER anhoeren koennt, wuensche ich allen einen guten, erholsamen Shabbat mit viel Ruhe.
Shabbat shalom!

Donnerstag, 18. November 2010

Familiaere Dysautonomie - eine seltene Gen-erkrankung unter ashkenasischen Juden

Da ich bei der Arbeit in der letzten Zeit mehrfach erlebt habe, wie lange der Aerztemarathon unserer Patienten dauert, bis endlich ein Arzt Kenntnis von der seltenen Gen-erkrankung unter juedisch ashkenasischer Bevoelkerung hat, versuche ich zurzeit, Wissen ueber das Bestehen der Krankheit zu veroeffentlichen. Bei der Juedischen Zeitung ist mir dies gelungen. Schade finde ich nur, dass andere Zeitungen bei einem bereits woanders erschienenen Artikel dankend ablehnen. Es waere eine gute Moeglichkeit gewesen, einen grossen Teil der juedischen Bevoelkerung in Deutschland zu erreichen und ueber die Krankheit aufzuklaeren.

Dienstag, 16. November 2010

Wagner in Israel!

Das Unvorstellbare ist geschehen. Ein Wagnerverband in Israel ist gegruendet und ich habe heute ein Interview mit dem Hauptinitiator Jonathan Livny gefuehrt, Rechtsanwalt in Jerusalem und ein guter Freund von mir.
Sein Telefon steht seit gestern nicht still und es gibt Fragen aus aller Welt. Deutschland, die USA, Brasilien und Japan meldeten sich bei ihm mit interessierten Anfragen.
Jonathan, der strahlend die Genehmigung des Verbandes in den Haenden hielt, gibt an, von seinem Vater, einem Shoa-ueberlebenden aus Deutschland, die Liebe zu Wagner "gelernt und geerbt" zu haben. Auf meine Frage, ob man Wagners Antisemitismus von seiner Musik trennen kann, gibt er an, dass man es trennen MUESSE, da seiner Meinung nach die Musik, die jemand schreibt, nicht mehr ihm selbst gehoert, sondern der Welt. Seit seiner Jugend faehrt Jonathan ueberall hin, wo Wagner aufgefuehrt wird und der "Ring des Nibelungen" ist sein absolutes Lieblingswerk. Um den "Ring" zu sehen, ist er in Toronto gewesen, in Los Angeles, Wien, Berlin, Bayreuth und Dresden. Ein Aufschrei ging gestern durch die israelische Bevoelkerung, nachdem der Verband nun anerkannt ist. Wagner in Israel? Verboten war es nicht, aber einen unausgesprochenen Boykott, Wagner zu spielen, gab es schon. Daniel Barenboim hat zuletzt 2001 versucht, in Israel Wagner zu spielen.
Entgegen der Geruechte, dass Barenboim dies tat, ohne das "ahnungslose" Publikum vorzuwarnen, hat er nach dem offiziellen Teil seines Konzertes die "Zugabe" angekuendigt. Wer bleiben wollte, sollte bleiben. Viele jedoch standen auf und verliessen den Saal. Wagner ist fuer viele Shoa-Ueberlebenden eine Qual fuer die Seele. Manche geben an, zu Nazizeiten gezwungen worden zu sein, Wagner zu spielen und Wagner selbst gilt als Antisemit, der juedische Komponisten immer verhoehnt und Musik von Juden als oberflaechlich abgestempelt hat.
Jonathan will niemanden zwingen, Wagner zu hoeren und es soll auf keinen Fall ein Teil eines Theaterabbonnementes werden, vielmehr soll es Sonderkonzerte geben. Der erste Schritt aber soll ein landesweiter Diskussionskreis ueber Wagners Musik sein.
Die Anerkennung des israelischen Verbandes im Wagnerverband International e.V. steht unmittelbar bevor.

Montag, 15. November 2010

Ein spannender Tag bei der Arbeit

Zwei sehr interessante Aufgaben standen heute bei der Arbeit im Hadassah Hospital auf der Tagesordnung.
Ein Gespraech nach Deutschland, zu den Eltern einer an F.D. - Erkrankten (Familial Dysautonomia, eine seltene Gen-erkrankung die nur ashkenasische Juden betrifft, 350 bekannte Faelle auf der ganzen Welt...HIER einiges darueber nachzulesen), die beide wenig englisch koennen, hebraeisch schon gar nicht.
Meine Aufgabe bestand darin, zu dolmetschen. Unsere Professorin ging gemeinsam mit dem Vater alle Untersuchungsergebnisse durch und versuchte, in Zusammenarbeit mit ihm, eine Ursache fuer die sich haeufenden Anfaelle (Krisen der Krankheit) zu finden. Dabei konnte ich gleichzeitig meinen Wortschatz fuer medizinische Ausdruecke ueberpruefen. Es hat gut geklappt und ich war sogar ein bisschen stolz auf mich. Abgesehen davon, dass ich nach einer Viertelstunde mit unserer Professorin deutsch sprach und mit dem Gegenueber am Telefon hebraeisch, verlief alles wunderbar.
Irgendwie hat mir das wieder einen Anstoss gegeben, doch mehr in Sachen "Sprache" zu machen, in der Zukunft, da mir jeder Fortschritt in Punkto hebraeisch unglaublich Spass macht. Ich liebe sie einfach immer noch - die hebraeische Sprache!
Zumal - mit unseren Patienten und deren Eltern eine Bindung aufzubauen, ist schwer, kommen sie doch meist nur ein-bis zweimal pro Jahr zur Kontroll-untersuchung. Stationaer sind sie nur, wenn es sich um akute Krisen und Anfaelle handelt.

Der zweite Termin war ein Erstgespraech unserer Professorin mit einer Mutter, die den Verdacht hatte, dass ihr Kind an F.D. erkrankt ist. Das zu frueh geborene Kind war 10 Monate alt, winzig klein und seit der Geburt stationaer, da es nicht essen und gedeihen "will". Viele der Merkmale der Krankheit F.D. hatte die Mutter eines Tages im Internet entdeckt, und wollte nun Klarheit.
Das war die erste diagnostische Untersuchung, die ich in unserer Abteilung erlebt habe und es war hoechst "spannend", wenn man mir den Ausdruck nachsehen mag, da es sich ja wirklich um eine schreckliche Krankheit handelt.
Schliesslich kam unsere Professorin durch den abschliessenden - meist Klarheit bringenden - Histamintest zu der Diagnose, dass es sich um eine der Mutationen der Krankheit handeln kann. Endgueltige Klarheit bringt dann erst das Ergebnis der Blutuntersuchung. Zur Diagnose wird es in die USA geschickt.

Dennoch war der Tag sehr lang, und noch ist er nicht zuende, da ich gleich noch zwei Stunden im Haushalt helfen muss, und dafuer sorgen muss, dass die Kinder rechtzeitig ins Bett gehen.
Ab morgen ist wieder "Land in Sicht", und das Schlimmste der Woche an Arbeitsintensitaet ist ueberstanden.

Samstag, 13. November 2010

Nochmal Totes Meer

Ja, wer meine ewigen, staendig sich wiederholenden Lobpreisungen auf das Tote Meer nicht mehr hoeren oder lesen kann, der ueberspringe diesen Eintrag einfach.
Immer wieder bin ich beeindruckt, nicht nur von der starken Wirkung auf die Psyche, sondern auch immer wieder auf den grossen Einfluss, den das Tote Meer auf Haut - und Rheumaerkrankungen hat.
In der letzten Zeit habe ich wieder Probleme mit meiner Haut, wie ich es aus meiner Jugendzeit kenne. Sicher liegt das auch mit am Stress, den ich zurzeit fuehle.
Was sofort hilft und sogar nachhaltig, d.h. der heilende Effekt haelt noch ein paar Tage an, ist ein Besuch am Toten Meer.
Ich finde das Phaenomen "Totes Meer" einfach bewundernswert, denn kein Mediziner kann bislang den Effekt eindeutig erklaeren. Es ist lediglich klar, dass es die besondere Mischung ist aus gesunder Sonneneinstrahlung (400 m unter dem Meeresspiegel), dem mineralhaltigen Luftgemisch in der Atmosphaere, dem 30%igen Salzwasser (das Mittelmeer hat 3%) und dem heilenden Schlamm.
Allein der Aufenthalt am Toten Meer hat heilende positive Auswirkung auf die Gesundheit und eine Kombination von Schlamm, Salzwasser und Sonne bewirkt bei Rheuma - und Psoriasis-Kranken (Schuppenflechte) langanhaltende Heilung, die kein noch so gutes Medikament erreicht.
HIER kann man einige Kommentare nachlesen, die Betroffene zum Thema "Kur am Toten Meer" geschrieben haben. In vielen Faellen zog der Aufenthalt am Toten Meer jahrelange Beschwerdefreiheit nach sich, wogegen eine Behandlung mit Cortison heftige Schuebe nach sich zog, nach der Absetzung der Tabletten.
Keine noch so hochwertige Kur in Deutschland oder gar in Davos scheint mit dem Toten Meer als "Medikament" mithalten zu koennen.
Im Sueden des Toten Meeres gibt es einige Hotels unter aerztlicher Leitung fuer all diejenigen, die sich zur Behandlung dorthin begeben.
Wie schoen, dass ich das Privileg habe, in einer halben bis einer Stunde an vielen Plaetzen am Toten Meer Behandlung an Koerper und Seele zu geniessen.


Auf sich achtgeben oder "mein neuer Wochenplan"

Seit ich eine Dritt-arbeit angenommen habe, sieht mein Wochenplan doch etwas anders aus als vorher - irgendwie vollgestopft. Da muss man schon aufpassen, wenn einem jemand die - eigentlich harmlose - Frage stellt: kannst du mir mal an einem Nachmittag / Abend bei den deutschen Briefen meiner Grosstante helfen?

Ich habe mich, nachdem ich mich in einem Fall bereit erklaert hatte und einen meiner zwei einzigen freien Nachmittage dort verbracht hatte, dazu entschlossen, nicht mehr so schnell und ohne zu Ueberlegen "ja" zu sagen.
Ich habe ja nicht einmal Zeit, regelmaessig Freunde zu treffen, oder mal zwei Tage am Stueck zum Toten Meer zu fahren. Da sollte man sich die freie Zeit, die noch uebrigbleibt, moeglichst auch freihalten, wenn es nicht in Richtung Hungertuch geht.

Meine Woche sieht zurzeit so aus:

So:
7 - 8.30 Herz-Reha im Shaarei-Zedek Hospital
9. 30 - 11.30 Betreuung der alten Dame in Rechavia (Stadtzentrum)
12.15 - 14.45 Arbeit im Hadassah-hospital (Skopusberg)
(Fahrt dorthin zw. 30 - 45 min.)
16 - 18 Betreuung der alten Dame

Mo:
9 - 14 Teamsitzung und Arbeit Hadassah Hospital
16 - 18 Arbeit bei der alten Dame
20 - 22 Haushaltshilfe und Kindersitting

Di:
10-12 Arb. b.d. alten Dame
12.30 - 15h Arb. im Hadassah Hospital
16 - 18 Arb. b.d. alten Dame

Mi:
7 - 8.30 Herz-Reha im Shaarei Zedek Hospital
9.30 - 11-30 Arb. b.d. alten Dame
16 - 18 Arb. b.d. alten Dame
18.30 - 21 Haushaltshilfe und Kindersitting

Do:
10 - 12 Arb. b.d. alten Dame
16 - 18 Arb. b.d. alten Dame

Donnerstag mittag nutze ich zum Einkauf und zum Shabbat-putz, um freitags WIRKLICH frei zu sein, weg zu fahren.

Fr und Sa frei.


Wie man sieht, sind die freien Zeiten, zum Luftholen, Cafe trinken in der Stadt, Zeitung lesen auf einer Bank im Park, Mittwochs und Donnerstags in der "Mittagspause", wie ich es nenne.
Diese Zeit ist so kostbar, dass ich aufpassen muss, mir diese freien Stunden nicht auch noch zuzupacken.
Wenn man den Plan so anschaut, sind die effektiven Arbeitszeiten gar nicht einmal so heftig. Was bei mir am schlimmsten ist, sind die Pendeleien von einer zur anderen Arbeit, besonders aus der Stadt heraus zum Skopusberg ins Krankenhaus. Mit Studenten vollgestopfte Busse, Busse, die im Stau stehen, all das ist kein Picknick. Und irgendwie wirkt es am Abend dann so, als sei ich staendig hin oder hergerannt. Mit dieser dritten Arbeit an zwei Abenden in der Woche kann ich mich gut ernaehren und mein Fernziel ist jetzt, evtl. irgendwann eine halbe Stelle zu finden, mit der ich einen Teil der jetzigen Arbeit ersetzen kann. Ich glaube jedoch, dass es ein Fernziel ist, was wirklich in weiter Ferne liegt, denn die Stellen liegen nicht auf der Strasse.
Und - wer denkt, dass ich meine Herz-reha absichtlich auf 7 Uhr gelegt habe, weil ich so gern am fruehen Morgen trainiere, der hat sich vertan. Ich hasse es, frueh aufzustehen, doch leider gab es in der gesamten Woche keine andere Zeit, in der das Cardio-training angeboten wird.

Totes Meer

Jedes Mal, wenn ich am Toten Meer war, haelt die Wirkung und Stimmung noch lange an. Die Ruhe "ueberfaellt" mich bereits auf der Busfahrt dorthin, wenn ich die Wuestenberge der Judaeischen Wueste beobachte. Ein Bild der Beruhigung.

Es zieht mich doch sehr an, vor allem nach einer arbeitsintensiven Woche. Neulich fragte mich eine Psychiaterin, die in einem Hotel am Toten Meer arbeitet und waehrend der Woche auch dort wohnt, warum ich mich nicht bewerbe? Ich haette sicher gute Chancen, denn in dem Hotel finden sich vor allem Deutsche, Schweden und Menschen aus Norwegen.
Mit meinem Hintergrund als Krankenschwester und der deutschen Sprache, so meinte sie, koennte ich sicher auf eine Einstellung hoffen.
Dort zu wohnen und zu arbeiten - irgendetwas haelt mich davon ab. Ich bin nicht sicher, ob ich den Jerusalemer Alltag entbehren koennte, so auf Dauer. Im Unterschied zu ihr habe ich keinen Zweitwohnsitz hier in der Stadt, in den ich jederzeit fluechten koennte oder den Shabbat verbringen koennte.
Und moechte ich mich tatsaechlich den ganzen Tag ueber mit Deutschen oder anderen Europaeern umgeben? Sicher nicht.
Meine Hebraeisch-fortschritte koennte ich dann vergessen.
Vielleicht ist es ja so, wie ein bekannter Spruch sagt: Man kann nur das geniessen, worauf man sonst verzichten muss....

Freitag, 12. November 2010

Chof Kalia - Kalia Beach am Toten Meer

So, heute habe ich zum ersten Mal den Kalia-beach am Toten Meer ausprobiert. Bisher war ich immer in Mineral Beach oder Ein Gedi Beach.
Ein Gedi
Ein Gedi Beach ist oeffentlich und kostet keinen Eintritt, dafuer hat man ausser ein paar Cafe-Eis-Buden, Umziehgelegenheiten und Toiletten keine besondere Infrastruktur. Sonnenschirme fehlen besonders, da die Sonne doch schon mal sehr auf den Kopf droehnen kann.
Ein Gedi Beach ist ca. 1 1/4 Std. mit dem Bus von Jerusalem entfernt. Die Fahrt kostet hin und zurueck etwa 75 Shekel (15 EUR)
Nicht zu verwechseln mit Ein Gedi Spa, kurz hinter dem Ein Gedi Beach, angegliedert am Ein Gedi Kibbbutz Guesthouse und teurer, da es mehr Anwendungen bietet.

Mineral Beach
Mineral Beach hat eine schoene ansprechende Infrastruktuer, Cafe, ein Laedchen, ordentliche Toiletten und Umkleideraeume, Massagen sind moeglich. Am Wasser sind Stuehle und Sonnenschirme und es gibt ein Extra-Schwefelbad.
Im Hintergrund die judaeischen Berge sind einfach malerisch. (auch in Ein Gedi). Der Eintritt kostet 45 Shekel (9 EUR), vor ein paar Jahren noch 40 Shekel. Nicht jeder Bus zu jeder Tageszeit faehrt direkt vor den Eingang, manchmal muss man bis zur Hauptstrasse, die am Toten Meer entlangfuehrt gehen, zur Haltestelle.
Die Fahrt kostet etwas ueber 60 Shekel hin und zurueck (12 EUR) und dauert etwa eine Stunde von Jerusalem.

Kalia Beach (leider nur hebr., falls jemand eine engl. Seite findet, bitte melden)
Kalia Beach ist nur eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt, was im Winter an Shabbatot bequem ist, da man ja dann wieder bis 4 pm. wieder in Jerusalem sein muss (vorausgesetzt man haelt den Shabbat).
Es ist direkt hinter der Tankstelle, bei der man rechts abbiegt in Richtung Sueden. Die Fahrt kostet nur 44 Shekel hin und zurueck ( 9 EUR) und der Eintritt 40 Shekel (8 Shekel) was der absolute Tiefstpreis ist am Toten Meer.
Aber - es gibt keine Berge als Hintergrundkulisse und am Wasser ist es auch nicht ganz so nett wie an den bereits beschriebenen Straenden. Dafuer gibt es ein nettes Cafe, Umkleideraeume, Sonnenschirme und sogar die Moeglichkeit zu uebernachten in einem riesigen Zelt auf Matratzen. Vorher anmelden ist noetig. (siehe Internetpraesenz der Straende am Toten Meer).
Und - soviel Schlamm wie am Kalia Beach habe ich noch nirgends gesehen. Eigentlich muss man - waehrend man im Wasser "sitzt" nur unter sich greifen und man hat Mengen an Schlamm. Aber aufgrund der Schlammmengen ist es auch etwas rutschig beim hineingehen. Vorsicht ist geboten, damit man nicht ausrutscht oder mit Badeschuhen steckenbleibt.
Mir fehlt dort eindeutig die Bergkulisse.
Aber fuer den Winter ist es freitags aufgrund der kurzen Anfahrtszeit wirklich praktisch.

Shabbat shalom!

Donnerstag, 11. November 2010

Juchhu - geschafft!

Eine Erleichterung! Es ist geschafft. Nun kann ich mir in den naechsten Tagen die israelische Ausgabe des Fuehrerscheins beim Strassenverkehrsamt abholen.
Nach der Arbeit war ich auch schon auf dem Shuk und habe fuer das Wochenende eingekauft, daher kann jetzt meine Shabbat-Putz-Aktion starten.
Morgen - falls ich frueh aus dem Bett komme - habe ich naemlich keine Zeit dafuer, da ich zum Toten Meer will. Es tut meiner Haut und meiner Seele so gut.
Und fuer die, die es noch nicht wissen: Das Tote Meer und seine Umgebung hat ein einzigartiges Klima. 400 m unter dem Meeresspiegel bietet es eine gesunde Sonneneinstrahlung, heilenden Schlamm und Salzwasser mit einem Salzgehalt von 30 % (das Mittelmeer hat 3 %!). Viele Mineralien in der Luft machen die komplette Gegend zu einer heilsamen Mischung, die die Wissenschaft noch nicht fuer Medikamente oder Salben "kopieren" konnte.
Auch diese Erscheinung ist einzigartig auf der ganzen Welt!
Shabbat shalom

Fahrpruefung - (israelischer Fuehrerschein)

So, die Pruefung liegt hinter uns. (2 Maenner absolvierten mit mir gemeinsam diesen Test ueber die "Beherrschung des Fahrzeugs", so nennt sich das).
Ich habe vorher eine Fahrstunde genommen, zur Sicherheit und weil es empfohlen wird. Der Verkehr war schrecklich, Donnerstag mittags in Jerusalem (Talpiot!). Der Fahrlehrer hat mich verrueckt und unsicher gemacht. "Hier rueber", "dort wird es einspurig", "bremsen!" und ich hatte ein sehr ungutes Gefuehl.
Dann stieg der Pruefer vom Strassenverkehrsamt ein, ein Pokerface, nichts war ihm anzusehen, weder zum Guten noch was nicht in Ordnung war.
Einer meiner Mitstreiter, ein sehr junger Mann, hat beim Anfahren an einer Steigung den Wagen etwas zurueckrollen lassen und der Pruefer hat bremsen muessen.
Ich habe keine Ahnung, wie und ob wir es geschafft haben, denn wir muessen um 4 Uhr im Buero der Fahrschule anrufen, um zu erfahren, ob wir es hinter uns haben.
Ich hoffe es sehr. Es war eine bloede Situation, und obwohl wir alle seit 30 Jahren Auto fahren, waren wir doch aufgeregt.
So werde ich in einer halben Stunde wissen, was "die Stunde geschlagen hat". Daumen halten. (Obwohl es jetzt schon zu spaet waere)

Sonntag, 7. November 2010

Fruechte-suechtig!

Ich glaube, wenn ich so weiter mache, werde ich mich bald ausschliesslich von Fruechten und Gemuese ernaehren. Hier in Israel macht es einfach noch viel mehr Spass, Fruechte zu kaufen und zu essen, als in Deutschland, obwohl ich schon immer viel Obst und Gemuese verzehrt habe. Es ist schon ein Genuss, zum Shuk zu gehen und in dieser Fuelle von Farben zu baden. Und auch wenn das Obst und Gemuese in letzter Zeit wirklich teurer geworden ist, so ist es immer noch unvergleichlich billig, wenn man die Preise mit Deutschland vergleicht. Diese drei wie gemalten Rimonim (Granataepfel) zum Beispiel, habe ich auf dem Shuk fuer keine 2 EUR gekauft.
Und ein ganzes Koerbchen voller Guaven kostet ebenfalls keine 2 EUR.
Was ich sicher nicht betonen muss, ist die Tatsache, dass unsere Fruechte voellig anders schmecken als die in Deutschland. Eine Zwiebel schmeckt aromatisch nach Zwiebel und ist nicht nur scharf. Eine Tomate schmeckt vollmundig und nicht nur nach Wasser waehrend Zitronen nicht nur sauer sind.
....es ist wirklich das Land, wo Milch und Honig fliesst..

Samstag, 6. November 2010

Granatapfel die II. - klappt doch!

So, nachdem ich nicht so schnell aufgeben wollte, habe ich am Shabbat eine weitere Pomgranate in Angriff genommen und dieses Mal ein wenig fester "zugeschlagen". Und - es klappt! Unglaublich gut sogar und wirklich - wenn man eine grosse Schale nimmt - ohne Spritzer. Wer es nachmachen will, ein Kommentator hat mir einen Link zum You-Tube-Video geschickt, HIER ist es. Viel Spass!

Freitag, 5. November 2010

Donnerstag, 4. November 2010

Stimmt einfach nicht!!

Die meisten Menschen hier behaupten, es gehe "ganz leicht", die Kerne aus einem Granatapfel heraus zu bekommen, indem man den Granatapfel halbiert, ihn umgekehrt ueber eine Schale haelt und auf die Aussenhaut klopft (mit einem Loeffelgriff o.Ae.)
Nachdem ich immer die fertigen Kerne gekauft habe bisher (schoen fertig gepuhlt in einem Plastikschaelchen, fertig zum Verzehr und ohne Spritzer in der Kueche...) habe ich mich heute mal an die Arbeit gemacht und..... es stimmt einfach nicht. 3-4 kleine Kerne kamen herausgekullert, das war`s! Es kann meiner Meinung nach doch auch gar nicht funktionieren, denn dafuer gibt es in der Frucht einfach zuviele "Gaenge", die noch mit einer kleinen Haut voneinander getrennt sind. Wie sollen die Kerne denn so "ganz einfach herausfallen"?
Ich glaube das erst, wenn ich es sehe und solange werde ich weiter die fertigen Kerne kaufen!
Vielleicht bin ich auch einfach zu dumm dafuer oder eben nicht genug "Israelin".... wer weiss...

Froh bin ich natuerlich, dass es Rimonim (Granataepfel) bei uns in rauhen Mengen und in unglaublicher Riesengroesse gibt!

Totes Meer statt Fahrpruefung

Da der Fahrlehrer sich mit dem Fahrzeug vertan hat (er hat zur Uebungsfahrt und auch fuer die Pruefung ein Automatik-Auto bestellt) ist die Pruefung erstmal verschoben. Ich will nicht auf einem Automatik-Auto die Pruefung absolvieren, denn dann gaebe es einen Eintrag im Fuehrerschein, dass ich NUR mit Automatik fahren darf. Das hilft mir nicht weiter und schraenkt mich zu sehr ein. (Im Uebrigen fahre ich immer noch lieber mit Gangschaltung)
Also heisst es noch ein wenig Geduld.
Statt Pruefung morgen geht es nochmal zur Entspannung zum Toten Meer. Herrlich! Allen Shabbat shalom und ein gutes erholsames Wochenende!

Mittwoch, 3. November 2010

Ein hoechst zufriedenstellender Tag

Vor einigen Tagen sah ich im 3sat, das ich hier empfangen kann, einen Beitrag ueber den Film "Nel Giardino Dei Suoni" , der von einem blinden Musiktherapeuten, namens Wolfgang Fasser handelt.
Wolfgang Fasser wurde als Jugendlicher blind und entdeckte die Welt der Klaenge und Stimmen, lebt heute in einem Dorf in der Toscana und ist als Therapeut fuer behinderte Kinder und Erwachsene taetig.
Es war nur ein sehr kurzer Einblick, doch dieser hat mich so beruehrt, dass ich tagelang darueber nachdachte.
"Ach, wie gern wuerde ich auch solch eine Arbeit machen, " dachte ich, und damit meine ich die Verbindung von Therapie und Klaengen. Auch ich habe eine besondere Verbindung zur Musik und ueberhaupt zu den Klaengen der Natur, die Wolfgang Fasser auch regelmaessig mit einem Mikrophon aufnimmt und fuer seine Arbeit nutzt.
Es kam der Augenblick, wo ich den Gedanken hatte: Warum so weit schweifen, ich habe doch jeden Tag mit einer schwer dementen Sharon zu tun, warum nicht die Verbindung zur Musik gleich bei ihr nutzen? Schliesslich weiss ich, dass auch sie eine direkte Verbindung zur Musik hat. Wir hoeren regelmaessig all ihre CDs von "Sharti lach Artzi", und meist singt sie mit und kommt in eine gute Stimmung.

So habe ich heute meine Klarinette, die seit meiner Einwanderung auf dem Schrank liegt, mitgenommen, um die Wirkung auszuprobieren.
Und es war ein wirklich gelungener Nachmittag. Als "gelungen" bezeichne ich die Tage immer, wenn Sharon in gute Laune geraet und innerlich ruhig wirkt. Es ist ein Gradmesser dafuer, ob ICH es hinbekommen habe oder nicht. (nein, es ist sicher nicht IMMER, jedoch sehr oft von mir abhaengig und meinem momentanen Vermoegen oder Unvermoegen, mit ihr und ihrer Stimmung umzugehen)
Mein Ziel ist es, diese Arbeit - auch wenn sie manchmal nervig oder anstrengend ist - so gut wie moeglich zu machen. Sicher gelingt mir das nicht immer und dann bin auch ich mit mir selbst unzufrieden.

Ich habe all die Lieder, die auch auf der CD-Serie sind, versucht nachzuspielen und merkte schon recht frueh, dass Sharon darauf reagierte. Sie sang mit, und ich spielte und spielte.
Als ich irgendwann das Lied: "Eli, Eli, shelo jigamer leOlam..." spielte, betonte sie immer wieder, wie schoen das doch sei. (Auch fuer mich ist es uebrigens eines meiner Lieblingslieder)
Sie war konzentriert dabei und genoss die Musik und irgendwann sagte sie, die nichts Religioeses mag, "Das klingt wie ein Gebet, oder sogar besser als ein Gebet. Und auch deshalb, weil du es so spielst, als wuerde G-tt dir dabei helfen..."
Wow! Das aus ihrem Mund. Ich war tief beeindruckt und irgendwie doch sehr beruehrt.
So habe ich immer weiter und weiter gespielt und wie es bei Alzheimerkranken so ueblich ist, war die Melodie alle paar Minuten "neu" fuer sie. Und jedes Mal betonte sie wieder, wie schoen das doch sei und was fuer ein wunderbares Stueck das ist.
Sie hat weder staendig den Fernseher anmachen wollen, noch alle paar Minuten unruhig nach ihrer Mutter gefragt.
Und so bin ich dann um sechs Uhr mit einem wahrhaft wunderbaren Gluecksgefuehl und der Zufriedenheit darueber, dass sie ein wenig Freude hatte, nach Hause gegangen.

Dienstag, 2. November 2010

....noch ein Job

Heute morgen habe ich mich mit der Tochter einer Freundin getroffen, die fuer ihren Haushalt zweimal in der Woche abends jemanden sucht, der hilft, waehrend sie und ihr Mann ausser Haus sind und arbeiten.
Die Kinder, im Alter von 16, 11 und 7 sind zwar recht selbststaendig, da zwei der Kinder aber hyperaktiv sind, ist es ihr lieber, es sorgt jemand fuer eine gewisse Ordnung am Abend. Das beinhaltet helfen beim Essen vorbereiten, Geschirr spuelen, die Kinder zu einer bestimmten Zeit ins Bad und anschliessend ins Bett schicken, evtl. Waesche falten usw.
Festgelegte Stunden sollen montags 2 Std. und Mittwochs 3-4 Std. sein. Zusaetzlicher Verdienst ist moeglich, falls es an dem einen oder anderen Abend zu Engpaessen kommt oder die Eltern mal ausgehen wollen.
Der Stundenlohn liegt bei 30 Shekel, was nicht schlecht ist.
Dieser Job wird mir mindestens 600 weitere Shekel einbringen, was mir ermoeglicht, nicht nur das Noetigste zum Essen zu kaufen, sondern ohne schlechtes Gewissen mal ans Tote Meer zu fahren, oder mir einfach oefter einmal "etwas leisten" zu koennen.
Wir haben jetzt vereinbart, dass ich einen Abend mit den Eltern zusammen dort bin, um den Haushalt kennen zu lernen, und dann anfange. Falls es nicht passt, von welcher Seite auch immer, gibt es keine Beleidigten, wenn wir uns trennen sollten.

Fuer den Rechtsanwalt mache ich immer noch hin und wieder Uebersetzungen von Heiratsurkunden, Vaterschaftsanerkennungen oder Geburtsurkunden ins Deutsche und die eine oder andere Deutschstunde wird auch weiterlaufen.
Jetzt bin ich wesentlich beruhigter und mache mir erst einmal keine Sorgen mehr ueber mein finanzielles Ueberleben. Jobangebote gibt es zurzeit wirklich mehr als der Tag Stunden hat!

Kein Streik im oeffentlichen Dienst

Die gute Nachricht des Morgens: es gibt KEINEN Streik im oeffentlichen Dienst. Die Verhandlungspartner Finanzministerium und Gewerkschaften haben sich in der Nacht, nach Verhandlungen von sage und schreibe 12 Stunden auf eine stufenweise Lohnerhoehung fuer die Angestellten des oeffentlichen Dienstes geeinigt. 6.25% mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 2000 Shekel soll es geben. Muetter bekommen einen Zuschlag. Na, G-tt sei dank. Denn ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie ich - wenn keine Egged-Busse fahren - auf den Har HaZofim komme, zum Arbeiten. Das waere auf einen freien Tag oder aber eine teuere Taxifahrt hinausgelaufen und niemand haette gewusst, wann eine Ende in Sicht ist.
So war der erste Satz der Nachrichten heute morgen der beste: KEIN STREIK!