Freitag, 31. Dezember 2010

"Es gibt keine zwei Arten von Buergern..."

...sagte Shimon Peres gestern, nach der Urteilsverkuendung im Prozess Moshe Katzav. "Schuldig in allen Anklagepunkten!" hiess es.
Was fuer eine Schande! lesen wir heute in den Zeitungen. Ein Praesident, der vergewaltigt.
Das Gericht hat den Aussagen der Klaegerinnen geglaubt und dies ist ein grosser Schritt fuer alle Frauen, die Angst haben, sich Gehoer zu verschaffen, Angst haben, das man ihnen - gegenueber einem maechtigen Mann im Lande - sowieso nicht glauben wird.
Ausser Vergewaltigung in zwei Faellen werden dem ehemaligen Praesidenten Israels "unanstaendige Taten" vorgeworfen. Er belaestigte mehrfach seine Untergebenen sexuell. "Er drueckte seinen Koerper an mich und wollte mich kuessen" so hiess es unter anderem.
Vor 4 Jahren beschwerte sich der ehemalige Praesident selbst bei der Polizei. Es gaebe angeblich Erpressungsversuche.
Ueber den gesamten Verlauf des Prozesses, der fast nur hinter verschlossenen Tueren gefuehrt wurde, hat Moshe Katzav alles geleugnet, ja sogar die Presse lautstark beschimpft, sie wuerden ihn unter anderem vorverurteilen wegen seiner Herkunft aus dem Iran.
Er war sich zu sicher. Alibis erwiesen sich als falsch, Moshe Katzav verstrickte sich nach Angaben des Gerichtes in Luegen. Die Aussagen und Antworten der Angeklagten seien im Gegensatz dazu aber stets spontan und glaubwuerdig gewesen.
Frauenrechtorganisationen, die vor dem Gericht den Angeklagten den Ruecken staerkten zeigten sich erleichtert.
Die Vorsitzende des Obersten Gerichts, Beinish bezeichnete den gestrigen Tag als traurigen Tag, an dem ein ehemaliger Praesident wegen derart schrecklicher Verbrechen fuer schuldig befunden wird. Es sei aber auch ein grosser Tag fuer die Demokratie, auch ein Praesident duerfe nicht ueber dem Gesetz stehen.
Nun wird gespannt das Strafmass erwartet. In Israel stehen auf Vergewaltigung 4-16 Jahre Haft.
Unklar ist aber immer noch, ob die Anwaelte Katzavs Revision einlegen.

In den Zeitungen gibt es kaum Platz fuer andere News am heutigen Tag.
Wer ein wenig mehr lesen will, als die deutsche Presse hergibt, kann sich HIER, bei Haaretz, einer englischsprachigen Zeitung aus Israel, informieren.
Wahlweise hebraeisch bei Yediot Acharonot, HIER.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Gut, dass es TV im Internet gibt..

Nun habe ich es geschafft, mein Geraet von HOT beim Putzen auf den Boden fallen zu lassen. Kein Fernsehen, nix tut sich mehr. Nach einem Anruf bei HOT habe ich erst am Dienstag Aussichten darauf, dass ein Mechaniker kommt und sich das Teil ansieht. Morgen frueh soll ich nochmal anrufen, denn - so der Vertreter von HOT - wenn es der einzige Fernseher im Haushalt ist, gibt es einen Paragraphen, dass man niemanden am Wochenende ohne Fernseher lassen darf. Wir werden sehen...
Und das alles, wo doch heute das Urteil im Falle Moshe Katzav, ehemaliger Praesident Israels, gesprochen wurde.
Eindeutig und einstimmig beschlossen die Richter, dass "A", die Anklaegerin, fuer glaubwuerdig gehalten wurde und Katzav sich in Luegen und Widersprueche verstrickt hatte. Er ist nun wegen Vergewaltigung und sexueller Belaestigung verurteilt. Die Verkuendung des Strafmasses wird noch folgen. Es duerften aber zwischen 5 und 16 Jahren Haft fuer ihn werden.
Israel ist geschockt, weil ein solch hoher Vertrauenstraeger solch schwere Verbrechen begangen hat. Es gibt aber genauso Genugtuung, dass es tatsaechlich Gleichheit vor dem hohen Gericht gibt, Zeichen einer funktionierenden Demokratie.

Gut fuer mich, dass es Fernsehen im Internet gibt, wovon ich bereits in Deutschland sehr profitiert habe. Zwar gibt es meist nur die wichtigsten Nachrichtensendungen und ein paar andere ausgesuchte Sendungen, aber es ist besser als vollkommen abgeschnitten zu sein von der Medienwelt.
HIER koennt ihr auch in Deutschland Israels Nachrichten verfolgen.

Ein gutes, gesundes, erfolgreiches Jahr 2011 fuer alle!

Das Jahr 2010 naehert sich dem Ende und ich moechte meinen Kindern, Freunden und Bekannten einen guten neuen Start ins Jahr 2011 wuenschen. Moeget ihr immer beschuetzt und behuetet sein, und moegen all eure Wuensche fuer das neue Jahr in Erfuellung gehen.
Obwohl unser religioeses neues Jahr (Rosh HaShana) bereits im Herbst stattfand, denke auch ich darueber nach, wie fuer mich das Jahr 2010 war. Ich denke an den Besuch meiner Tochter, der mir doch wieder gezeigt hat, wo eigentlich mein Platz sein sollte. Ich habe vieles ploetzlich mit ihren Augen gesehen (und mit den Augen ihrer juengeren Schwester) und fand mein ganzes Unternehmen Israel hoechst fragwuerdig. Viele Kleinigkeiten im Alltag, die ich so geliebt habe, kann ich seitdem nicht mehr so recht geniessen. Am toten Meer, wo ich mich immer gut erholen und zur Ruhe kommen konnte, war ich seitdem sie fort ist, auch nicht mehr. Ich habe Angst, dort weinen zu muessen, weil ich mit ihr dort war und die Sehnsucht mich traurig macht.
Ich setze mich immer oefter an ihre Stelle und stelle fest, wie schrecklich es sein muss, wenn die Mutter nach Israel geht. Vieles mussten meine Kinder bereits in ihrem Leben "hinnehmen". Trennung der Eltern, eine Mutter, die immer auch das tat, was ihr gut tat und nicht ihr Leben nur "ihren Kindern widmete", dann ein Uebertritt zum Judentum, was mit Sicherheit sehr fremd fuer sie gewesen sein muss. Das einzig Gute daran war, dass sie bereits aus dem Haus waren und nicht "unmittelbar" von meinem sich veraendernden Verhalten betroffen waren. Schliesslich der Wunsch der Mutter, nach Israel zu gehen. Und obwohl sie nie dagegen gesprochen haben, denke ich heute: Haben sie ueberhaupt die Chance gehabt, irgendetwas dagegen einzuwenden? Sicher nicht. Dieses mein Verhalten macht mich momentan sehr nachdenklich und traurig. Ich werde mir in den naechsten Monaten darueber Gedanken machen muessen, wie es weitergehen soll.

Montag, 27. Dezember 2010

"Es ist ja verboten"

Kurz nach unserer Teamsitzung heute morgen sprach mich meine Kollegin an: "Weisst du was? Ich finde keine Begleitung fuer heute abend, und allein, ohne jemanden, der mitfaehrt zum Shiv'a - Besuch nimmt mich Jitzchak nicht mit. Er sagte, bring mir einen Mann oder zwei Frauen mit, dann kann ich dich mitnehmen nach Nof Ayalon.... Es ist ja verboten, allein mit einer Frau zu fahren."
Tja, also mit der Aussage: "Es ist ja verboten!" habe ich doch meine Schwierigkeiten. Haeufig werde ich von Nicht-juden beispielsweise gefragt: "Ach, das ist doch bei euch verboten, oder?"
Jedes Mal straeuben sich mir dann die Nackenhaare und ich antworte meistens: "Also, wer soll mir etwas verbieten? Es steht auch im Judentum niemand hinter mir, der mir Dinge erlaubt oder verbietet. Es ist so, dass ich mich entscheide, etwas zu tun, oder nicht zu tun. Jeder Jude hat seine eigene Grenze, innerhalb der er handelt."

Je mehr jemand orthodox ist, desto mehr wird er wohl einhalten, obwohl ich schon sehr orthodoxe Juden traf, die dann dort eine Grenze fuer sich zogen, wenn es ihnen zu "kompliziert" wurde. Es gibt mehr, als man denkt, die sich doch eine symphatische Offenheit fuer viele Dinge erhalten, die nicht starr danach gehen, was "verboten" ist, sondern den Eindruck erwecken, dort Kompromisse einzugehen, wo es anderenfalls ein riesiges Durcheinander gaebe und die Sache unnoetig verkomplizieren wuerde.

Meistens sage ich also als Antwort auf diese - wie ich finde, sehr provokative - Frage: "Jeder Jude entscheidet fuer sich, was er tut und laesst. Schliesslich muss er allein sich verantworten vor einem, der groesser und maechtiger ist als wir alle zusammen. "

Nun war ich - nach den Worten meiner Kollegin - aber auch verunsichert. Jemand aus dem Yeshuv des Verstorbenen wollte mich mitnehmen, wenn er den Rollstuhl abholt. Yeshuv = orthodoxe Menschen, schwirrte es in meinem Kopf und was ist, wenn dieser Mann mich auch nicht mitnimmt, weil ich die Einzige war, die mitfahren wollte?
Dann eben nicht, dachte ich und machte mich mit dem Rollstuhl auf den Weg zum Treffpunkt, der Haltestelle vor dem Hadassah-Krankenhaus.
Ein VW Transporter naehrte sich mir und - drinnen sass ein schwarz-weiss-gekleideter Mann, mit schwarzer Samt-kippa, und kurzen Schlaefenlocken. Er begruesste mich freundlich und wir wuchteten zusammen den Rollstuhl hinten in den Wagen.
"Steig ein," sagte er.
Da es noch weitere "hintere" Plaetze gab, wollte ich ihm entgegenkommen und ihn nicht in Verlegenheit bringen.
"Moechtest du, dass ich mich hinten hinsetze?" fragte ich ihn, und dachte, nun sei er erleichtert.
Aber ueberrascht hoerte ich seine Antwort: "Du steigst ganz normal vorne ein! " Ich lachte, und sagte zu ihm: "O.k. ich wusste nicht, was fuer eine Einstellung du hast..."
Er schuettelte lachend den Kopf: " Ich habe die Einstellung, dass man sich nicht unnoetig den Kopf verwirren soll! Das ist meine Einstellung. "

"Schmach ueber den, der Schlechtes dabei denkt...", das fiel mir zu dieser Situation ein.
Mein Rabbiner in Dortmund hat mir einmal gesagt, wenn man einen Mann und eine Frau in einem Raum allein zusammen sitzen sieht, so soll man immer davon ausgehen, dass sie nichts von dem vorhaben, was "man sich so denkt dabei!" Auch das ist unsere Pflicht, immer das Gute, Saubere und Aufrichtige im Menschen zu vermuten."
So ist auch meine Meinung. Ich kann es respektieren, wenn jemand mich nicht mitnehmen sollte, weil ich dann allein mit ihm bin, denn es kann sein, dass er mit dieser Einstellung aufgewachsen ist, und nie hinterfragt hat, was dahinter steht. Es kann auch sein, dass er - falls er gesehen wird, wie er mit einer Frau durch die Gegend faehrt - grosse Probleme mit seiner Umgebung bekommt, man ihn meidet oder zur Rede stellt, hinter seinem Ruecken ueber ihn Schlechtes spricht.
Aber ist es das tatsaechlich, was zaehlt? Will das Judentum von uns, dass wir mechanisch Instruktionen befolgen?
Ich bin gern bereit, mich fuer meine Einstellung beim "Hoechsten Gericht" vor IHM zu rechtfertigen und mit IHM darueber zu diskutieren. Und ich glaube fest daran, dass er sich freut, wenn Menschen mitdenken.
Jemanden nicht mitzunehmen zum Shiva-besuch - aus welchem Grund auch immer - finde ich dagegen fast grenzwertig, weil man ihn damit von einer grossen Mizwa abhaelt.


Schiva - Trost fuer die Trauernden

Heute war ich bei den trauernden Eltern unseres verstorbenen Kranken, die zurzeit Shiva sitzen. Sie wohnen in einem Yeshuv (Nof Aiyalon), nahe Modi'in.
Shiva, die siebentaegige Trauerzeit, die der Beerdigung folgt, soll dem Trauernden einen Rahmen fuer seinen Kummer geben. Das Judentum - wie ich schon so oft bemerkte - ist eine zutiefst menschliche Religion, die den "natuerlichen Gefuehlen" der Menschen meist gerecht wird.
So sollen wir die Moeglichkeit haben, unsere Trauer auszudruecken, uns zu entlasten, nicht zu verdraengen, sondern in einem "angemessenen" Rahmen leiden zu duerfen. Angemessen deshalb, weil es weder gut ist, seine Trauer gaenzlich zu unterdruecken noch kann es schaedlich sein, lange Zeit in Trauer zu zerfliessen.
Sieben Tage soll der Trauernde nicht seiner normalen Arbeit nachgehen, um die Moeglichkeit zu haben, seinem Kummer Ausdruck zu verleihen.
Aber das Judentum setzt der Trauer auch einen gewissen Rahmen. Sieben Tage - in Erinnerung an die Schoepfungstage - soll dem Hinterbliebenen die Moeglichkeit gegeben werden, sich innerlich von seinem Angehoerigen zu verabschieden. Es gibt noch einmal die "Shloshim", nach dreissig Tagen nach der Beerdigung und dann soll der Trauernde spaetestens in sein "normales" Leben zurueckkehren, denn auch die verstorbene Seele braucht dann die Moeglichkeit, sich in die andere Welt zurueckzuziehen.
Weder Unterdrueckung, noch uebermaessiges Trauern wird im Judentum gelehrt. Der Mittelweg ist der, der uns - und der verstorbenen Seele - am besten weiterhelfen kann.
Der Lebende soll wieder ins Leben zurueckkehren, nicht in Trauer ersticken, der Tote geht weiter in eine andere Welt, dies sollte man ihm ermoeglichen, ohne ihn verzweifelt festzuhalten.

An den sieben Shiva-Tagen sitzen die Trauernden in ihrem Haus auf niedrigen Stuehlen, nicht in neuer oder festlicher Kleidung, um dem Ausdruck zu verleihen, dass es wichtigere Werte gibt als Aeusserlichkeiten.
Man begeht eine der groessten Mizwot (Gebote), wenn man einen Trauernden troestet. Die Besucher werden an den sieben Tagen ein offenes Haus vorfinden. Menschen kommen und gehen, sitzen bei den Trauernden, troesten durch Worte oder gemeinsames Schweigen. Oft bringen sie den Trauernden Essen mit, so dass diese sich ganz dem eigenen Kummer widmen koennen.
In vielen Trauerhaeusern haelt man eine Pause in der Mittagszeit. Staendiger Besuch troestet, kann aber auch sehr anstrengend sein!
Die Trauernden nicht allein lassen, das ist das hoechste Gebot fuer die sieben Shiva-tage.
Auch im Trauerhaus unseres ehemaligen Patienten sassen die bewundernswerten Eltern und die Geschwister, einer der Brueder ebenfalls an Familial Dysautonomia erkrankt.
Es lagen Alben im Haus, die wir uns gemeinsam ansahen und es wurden liebevolle Worte ueber den Verstorbenen gesprochen.
Yair, hiess er. In seinem Namen steckt das Wort Or = Licht. Der Vater sagte, die Aerzte haben ihnen anfangs aufgrund der schweren Krankheit nur 15 Jahre mit ihrem Sohn gegeben. Aber letzten Endes waren es 27, so dass Yairs Licht noch weitere 12 Jahre die Familie hell erleuchtet hat.
Moege G-tt euch mit allen Trauernden Zions und Jerusalems troesten!
המקום ינחם אתכם בתוך שאר אבלי ציון וירושלים

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Ein frohes Weihnachtsfest!

Ich wuensche meinen Kindern, Freunden und Bekannten und den christlichen Lesern ein frohes Weihnachtsfest. Ich habe wunderbare Erinnerungen an die gemeinsamen Weihnachtsabende mit den Kindern. Essen, Lachen, Geschenke auspacken, all das war unsere Art, das Weihnachtsfest zu begehen. Der religioese Gedanke war dabei eher weniger existent. Fuer all die Jahre danke ich meinen Kindern, und bin in Gedanken bei euch am Tisch!
Feiert, seid beisammen und habt Spass!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Buchtipp: VeOhev Ger - liebet den Ger (zum Judentum Uebergetretenen...)

Gerade habe ich die Nachricht bekommen, dass Rav Israel Rosen aus Alon Shwut sein Buch ueber Gerim fertig gestellt hat. "Und liebet den Ger..." heisst es. Rav Israel Rosen habe ich vor einigen Jahren bei der Hochzeit einer Freundin - ebenfalls Gioret - kennen gelernt. Er und seine liebe Frau sind ganz aussergewoehnliche Menschen, die sich staendig mit Menschen unterhalten, die vorhaben zum Judentum ueberzutreten. Rav Israel tritt dafuer ein, dass man den Ger nicht nur "akzeptiert" und mit offenen Armen im Judentum empfaengt, sondern ihn oder sie auch heiratet. Es scheint immer noch viele Juden zu geben, - besonders wohl aus sehr orthodoxen Kreisen - die keinen Ger oder keine Gioret heiraten wuerden. Rav Israel sieht das anders und plaediert dafuer, den Ger auch bei der Frage der Heirat gleich zu behandeln.
Nicht nur einmal habe ich erlebt, wie Rav Israel Menschen tatkraeftig half, wenn es Schwierigkeiten mit den israelischen Behoerden gab. Auch mir hat er schon sehr geholfen und ich schaetze ihn und seine Frau sehr.
Das Buch werde ich mir natuerlich zulegen. Ich bin sehr gespannt darauf, was er schreibt.


Die Heizung laeuft ....

Juchhu! Baruch haShem, die Heizung ist an. Eine kleine Ueberraschung, beim Nachhausekommen. Obwohl in den letzten Tagen das Termometer wieder auf 17 Grad klettert und das auch so bleiben soll, sind die Jerusalemer Naechte doch ziemlich kalt.
In Haifa und Tel Aviv brauchen die Menschen das ganze Jahr ueber keine Heizung. Und hier in Jerusalem, auf dem Berg, ist es so, dass, wer eine Heizung hat, oft eine zentrale Regelung in Kauf nehmen muss. So wie ich. Unsere Heizung wird zentral um 5 Uhr p.m. angestellt und geht ca. um 10 Uhr aus.
Aber das ist schon besser als gar nichts. Im letzten Jahr habe ich - aus Unsicherheit wegen der Kosten - auch den Heizkoerper ausgeschaltet und es wurde doch Woche um Woche klammer und kaelter in der Wohnung. Das ist unangenehm.
So, jetzt wird noch eine heisse Dusche genommen (die Sonne schien den ganzen Tag, somit ist der Dud Shemesh, der Sonnenboiler, warm) und dann lege ich ganz trivial die Beine hoch, trinke ein Glas Rotwein und schaue ein wenig Fernsehen. Mein Harry-Potter-buch habe ich uebrigens auch staendig bei mir und bereits 50 Seiten gelesen.
Die Mittwoche und Donnerstage muss ich noch richtig geniessen, bevor ich ab Januar bei der plastischen Chirurgin arbeiten werde. Dafuer habe ich ein paar Stunden nachmittags bei meiner Sharon aufgegeben. Ich kann es mir leisten, denn bei der neuen Arbeitsstelle bekomme ich doppelten Stundenlohn.
Falls ich mich im Januar in ihrer Praxis in Jerusalem bewaehre, kann ich weitere 3 Stunden am Donnerstag in Tel Aviv machen.
Zurzeit bereite ich mich sprachlich ein wenig auf den Job vor, indem ich mir auf ihren Internetseiten die "Angebote der plastischen Chirurgie" ausgedruckt habe.
Von Fett absaugen ueber Ohren anlegen bis Brustverkleinerung oder -vergroesserung ist alles drin. Schaurig!

Dienstag, 21. Dezember 2010

Ein trauriger Arbeitstag...

Heute ist ein junger Patient (30 Jahre alt), der an Familial Dysautonomie litt, verstorben. Die furchtbare genetische Erbkrankheit, die nur ashkenasische Juden betrifft, beeintraechtigt viele der Systeme des Koerpers. Besonders leiden die Erkrankten an einem Blutdruck, der nicht berechenbar ist. Mal schnellt er in unglaubliche Hoehen, im naechsten Moment kann er voellig absinken. Probleme bei der Koordination im Verdauungssystem, haeufiges Verschlucken, Aspirieren von Nahrung in die Lunge mit folgenden Lungenentzuendungen, fehlende Traenenfluessigkeit und daher weniger geschuetzte Augen, fehlendes Schmerz-empfinden, was das Leben gefaehrdet, all dies sind nur einige der Symptome. Unser Patient war in den letzten Wochen stationaer. Er sollte in den naechsten Tagen mit grossem technischen Aufwand nach Hause entlassen werden, was seine Mutter, die sich aufopfernd um ihn und seinen ebenfalls an F.D. erkrankten Bruder kuemmert, stark beaengstigt hat, zumal er auch zu Hause weiter beatmet werden sollte. "Und was, wenn er mir zuhause stirbt?" wiederholte sie staendig.
Nun hat ihn der Tod - g-tt sei dank - nicht zuhause erwischt, sondern noch im Krankenhaus. Die resolute Mutter, die bewundernswert zwei sehr kranke Soehne umsorgte, sagte noch "Baruch, Daian haEmet" (gelobt sei der gerechte Richter), bevor sie zusammenbrach und ihren Traenen freien Lauf lassen konnte.
Was fuer eine Liebe, was fuer eine Staerke diese Muetter und Vaeter der schwerkranken Kinder doch immer wieder beweisen, beeindruckt mich fast jeden Tag. Manche haben sogar vier erkrankte Kinder und zusaetzlich weitere 6 gesunde. Wie machen sie das? Wie schaffen sie den Alltag, ohne zusammenzubrechen unter der grossen Last? Wie behalten sie ihre Positivitaet, ihr Laecheln und ihre Lebensfreude?
Ich kann nur immer wieder den Hut ziehen vor diesen Eltern!
Und Yair, ruhe du nun in Frieden, es war schoen, dich kennen gelernt zu haben. Baruch, Daiyan haEmet!

Mein Tag..

Auch wenn es sehr wichtig fuer meine Gesundheit ist, faellt es mir zurzeit unglaublich schwer, zwei Tage in der Woche um 5 Uhr aufstehen zu muessen. Um sechs muss ich in den Bus steigen, um dann kurz vor sieben auf "dem Laufband" in der Herz-reha-abteilung des Shaarei-Zedek-Hospitals zu stehen.
Im Laufe des Tages werde ich dann immer mueder und kann mich gegen Abend kaum noch auf den Beinen halten.
Morgen ist Mittwoch, d.h. wieder Reha-morgen.
Ich habe es schon erwaehnt, dass ich mir nichts lieber wuenschen wuerde zurzeit, als eine oder zwei Wochen Urlaub, ohne dabei weniger Geld zu verdienen.
Urlaub, den ich nur fuer mich nutzen koennte, um zur Ruhe zu kommen, am Toten Meer, am See Genesareth oder in der Gegend Machtesch Ramon.
Rueckenschmerzen, Muedigkeit und Kraftlosigkeit machen mir zu schaffen. Im Moment lohnt es sich wirklich, nicht nur von Tag zu Tag zu schauen, sondern von Stunde zu Stunde, da sich im Laufe des Tages meine "Beschwerden" und mein psychischer Zustand doch sehr aendern koennen.
Ich halte mich sehr fuer mich und vermeide auch den "Freizeitstress". Dennoch habe ich heute einen Freund getroffen, mit dem ich lange nicht mehr einen "Cafe getrunken" habe. Der Austausch mit ihm hat mir gut getan und ich habe nicht vergessen, dass er mir - ganz besonders am Anfang - sehr tatkraeftig geholfen hat. Nur ein Beispiel: Wer buergt schon im Mietvertrag fuer eine Neueinwanderin, die noch keine Arbeit gefunden hat? Ich weiss es selbst nicht, ob ich das getan haette...
Was ich an ihm besonders schaetze, ist seine grosse Toleranz anderen Menschen gegenueber, es gibt fuer ihn nicht "den besseren oder schlechteren Juden", er meidet nicht "den Naechsten", sondern interessiert sich fuer ihn, egal zu welcher "Stroemung" dieser sich zugehoerig fuehlt. Ich habe es schon einmal betont, soweit ich mich erinnere, dass meiner Meinung nach dieser Freund ein Vorbild fuer jeden Juden, nein, fuer jeden Menschen sein kann.
Danke noch einmal, fuer deine grosse Offenheit und Bereitschaft zu helfen!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Harry Potter - etwas verspaetet..

So, nun mache ich mich mit mehr als 13 Jahren Verspaetung endlich auch an Harry Potter, den ich bisher konsequent ignoriert habe, da ich Fantasyromane in der Regel nicht mehr so toll finde. Die Euphorie um Harry Potter habe ich auch nicht so recht verstanden, viele behaupteten, weil ich eben nicht einmal eine Seite darin gelesen habe. Man prophezeite mir, falls ich das tun wuerde, koenne ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Nun bin ich heute in der Buchhandlung ueber die hebraeische Fassung von Harry Potters' "Stein der Weisen" gestolpert und habe sie mir kurzerhand mitgenommen. Vielleicht sollte ich mich zunaechst einmal mit den "Spezialausdruecken" in Harrys Welt auseinandersetzen, es koennten sonst zuviele Fragezeichen aufsteigen.
Nun bin ich gespannt auf's Lesen. Erst einmal aber muss ich mein Buch "Nituach lev Patuach" (zu deutsch: OP am offenen Herzen, ein Roman) zuende lesen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Geschwindigkeit

Als ich mit meiner Tochter hier in Jerusalem unterwegs war, hat sie mich mehrfach wegen meines Tempos "zurueck gepfiffen". " Meine Guete, du rennst ja... ". Dabei hatte ich schon einen langsameren Gang drauf, da ich nicht von Arbeit zu Arbeit rennen musste. Und dennoch - sie hatte recht. Selbst mein "normaler Gang" ist schnell. Ich bin so in meinem Renntempo, dass ich es gar nicht merke. Und dabei weiss ich, wie gut mir die Langsamkeit tut, wie wichtig Ruhe fuer den Koerper und die Seele ist, wie sehr ich dann auch die "richtigen" Pausen, z.B. am Toten Meer geniesse und suche.
Dann sitze ich einfach nur da, schaue aufs Meer und die Berge, lasse die Ruhe einkehren.
Aber - das reicht nicht. Je mehr ich im Alltag renne, umso noetiger brauche ich diese Ruhestunden. Es muss aber auch moeglich sein, die Ruhe in den Alltag mitzunehmen. Das muss mein Ziel sein und daran will ich arbeiten.
Schwer wird es im Hadassah-Hospital werden, denn meine Kollegen und meine Chefin empfangen mich schon wenn ich in der Tuer stehe mit: "Gut, dass du endlich da bist (obwohl ich genau zur vereinbarten Zeit erscheine...), geh mal schnell in die Behandlung, die Familie wartet schon und muss gleich gehen. "
Oder es ist schon passiert, dass meine Chefin mich aufgeregt anrief, waehrend ich im Bus zum Krankenhaus sass, ich solle aussteigen und mir ein Taxi rufen, sie brauche mich JETZT und dringend.
Es war im Rueckblick dann voelliger Bloedsinn, weil Bus und Taxi im Supermittagsstau von Jerusalem gleich lange brauchten, um anzukommen. Das habe ich mir abgewoehnt. Ich lasse mich da einfach nicht mehr hetzen.
Aber oft genug falle ich wie von selbst in einen Rennschritt von A nach B. Manchmal ohne Grund.
So gibt es doch immer etwas, woran wir arbeiten koennen.
Der Shabbat, den ich ganz allein mit viel Ruhe und lesen verbracht habe, hat mir gut getan und wird mir hoffentlich Kraft fuer die Woche geben.
Kraft ist naemlich zurzeit nicht genug vorhanden und ich wuerde mir - wenn ich einen Wunsch frei haette - zwei oder drei Wochen Ferien am Toten Meer wuenschen, mit viel "Nichtstun" und einfach nur SEIN.
Oder den Eintritt ins Rentenalter.....

Freitag, 17. Dezember 2010

Massage und der "gute Rat" einer Bekannten

Kurz vor Shabbat war ich noch auf dem Shuk haIkarim (einem Agrar-markt in der German Colony). Dort bieten immer auch ein oder zwei Masseure ihren Dienst an und ich war froh, noch etwas fuer meine geplagte Nacken-und Schultergegend tun zu koennen. Es dauert immer noch an, das Ergebnis der OP, so sagte man mir. Ein geoeffneter Brustkorb vergisst nicht so schnell, was ihm geschah an Verziehungen und Dehnungen. Er steht immer noch maechtig unter Spannung.
Nach der Massage, die wie Balsam fuer meinen Koerper war, traf ich noch eine Bekannte. Wir tauschten bei einem Cafe in der Emek Refaim unsere momentanen Stimmungslagen aus und zu meiner gab sie mir den guten Rat: "Du darfst nicht zur Ruhe kommen, mach es wie am Anfang. Renn hier und dahin, arbeite, und renne weiter, nur nicht zur Ruhe kommen, dann kommen wir auch nicht auf komische Gedanken...."
Schon waehrend sie redete, wurde mir ganz schlecht und ich stellte mir vor, wie ich von A nach B renne, (was ich ja oft genug MUSS...). Nein, das kann nicht die Loesung fuer innere Konflikte sein, jedenfalls nicht fuer mich.
Ich muss dringend immer wieder Ruhe suchen und in mich gehen, fuehlen, was wirklich in mir vorgeht. Rennerei und ein "Sich-voll-Stopfen" mit Arbeit kann meiner Meinung nach nur ein Ablenken von sich selbst zur Folge haben.
Ich wuensche allen einen geruhsamen Shabbat mit viel Zeit fuer sich selbst...

Interessant...

Bcuhtsbaen

Einfach drauflos lesen, auch wenns komisch ausschaut!
Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unvirestiät ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sien, und du knasnt es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnaezs.


Ich frage mich nur gerade, ob mir das auch auf hebraeisch gelingen wuerde, oder nur in der Muttersprache....

Mit "Krise" in den Shabbat

Seit meine Tochter wieder fort ist, komme ich nicht so recht wieder in den "Alltagstrott" hinein. Mir fehlt die Kraft, weiterzumachen. Ich stecke fest, fuehle eine Krise, die ich bisher so nicht hatte, auch nicht, als ich erfuhr, dass ich operiert werden muss. Ich stelle vieles in Frage. Waren meine Entscheidungen richtig?
Vor ein paar Wochen hatte meine juengste Tochter Probleme, bei denen ich ihr sicher haette helfen koennen, wenn ich nur in der Naehe gewesen waere. So musste ich es aushalten, dass mir die Haende gebunden sind, dass ich lediglich am Telefon eine Art seelische Unterstuetzung bieten kann, wenn ueberhaupt.
Wir sprachen am letzten Morgen darueber und meine Tochter meinte, NUR wegen der Kinder zurueck zu kommen, faende sie nicht richtig. Wenn es so ist, weil ich das Leben hier nicht aushalte, oder mit der Hektik nicht zurechtkomme, dann sei das etwas anderes.
Ein "Schnellschuss", wie vor drei Jahren, wird sicher nicht passieren. Damals hatte ich geplant, ein Jahr Volontariat zu machen, und war nach drei Monaten ueberraschend zurueck gekommen. Der Grund: ich hatte versucht, einer richtigen Arbeit nachzugehen, nachdem meine Volontaersstelle mir furchtbar zu schaffen machte. Dort im Altenheim, ging man nicht sehr menschlich mit den Heimbewohnern um, aber eine Alternative fand ich nicht, da es in anderen Einrichtungen nicht moeglich war, ein Zimmer allein fuer sich zu bekommen.

Ich muss mir die Zeit geben, in Ruhe wieder in den Alltag zu finden, nachzudenken und vor allem den Kopf zu ordnen. An diesem Shabbat werde ich keine Einladung annehmen, sondern zu Hause bleiben und die Ruhe nutzen um das Durcheinander im Kopf zu ordnen.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Auf dem Weg in den Schnee

Der Hermon hat fuer diese Wintersaison seinen Betrieb eroeffnet und viele Menschen stecken gerade im Stau dorthin. Schnee! Das Zauberwort zieht auch meine Freunde auf den Berg und gestern waren sie dann im weissen Wunderland.
Die Lifte haben geoeffnet und man faehrt Ski oder Snowboard.
Was fuer ein Spass, am Morgen auf dem Hermon Ski zu fahren und am Nachmittag im Toten Meer zu schwimmen. Das ist Israel!
Hier ist eben alles moeglich, manchmal sogar an nur einem Tag. Das kleine Land bietet Mittelmeer, im Winter Schnee, Totes Meer und Wueste, Stadt, Tauchparadies Eilat und See Genesareth.
Die Naechte sind hier in Jerusalem inzwischen ziemlich kalt und ich schlafe unter Fleecedecken mit Waermflasche. Die Heizung, die zentral ab-und angeschaltet wird, wurde noch nicht angestellt. Wenn dies dann geschieht, sind sowieso nur die Stunden zwischen 5 pm und 10 pm abgedeckt.
In Deutschland gibt es zwar schlimmere Kaelte, aber man muss in der Regel nicht frieren, im Haus. Auch kann man mal ein heisses Wannenbad nehmen, was hier fast einer Todsuende gleichen wuerde. (Haette ich eine Wanne - ich wuerde diese Suende dennoch begehen, wenigstens ab und zu ...)

Dienstag, 14. Dezember 2010

Gemeinsame Tage in Israel

Viel zu schnell sind sie vergangen, die fuenf Tage mit meiner grossen Tochter. Sie hat viel gesehen und erlebt. Eindruecke, die sie sicher noch nie erlebt hat, nimmt sie nun mit sich nach hause. Auf engstem Raum haben wir zusammen gewohnt und uns doch wohl gefuehlt. Wir sind in die Altstadt spaziert, haben den Blick von der Tayelet (Haas-Promenade) genossen, waren im Oesterreichischen Hospiz und sind die Via Dolorosa entlang gegangen. Wir haben die vom Sturm verwuestete Promenade in Tel Aviv angeschaut und sind von einem meiner Freunde nach Haifa kutschiert worden, um den Bahai-Tempel und den Blick auf die Hafenbucht von Stella Maris aus zu geniessen. Wir haben uns am Toten Meer mit Schlamm eingeschmiert und uns bei mir zuhause am Abend mit Waermflaschen aufgewaermt. Am Shabbat waren wir in der Jakar-Synagoge und sind von Freunden zum Shabbat-essen eingeladen worden.
Es waren gelungene Tage, auch wenn das Wetter nicht immer so mitspielen wollte. Und nun? Nun sitzt sie im Flugzeug und ich fuehle mich, als sei ich in ein Loch gefallen...

Mittwoch, 8. Dezember 2010

"Urlaub" bis Dienstag

So, nun ist es also morgen frueh soweit. Ich werde meine Tochter vom Flughafen Ben Gurion abholen und wahrscheinlich werde ich es erst glauben, wenn sie durch die Tuer kommt mit ihrem strahlenden Lachen.
Das Wetter haben wir natuerlich nur fuer morgen und einen Teil von Freitag "klarmachen" koennen, denn danach gibt es richtig heftigen Winter. Toll, dass es endlich regnen soll und auch heftige Stuerme wird es geben, aber musste es unbedingt an den einzigen 5 Tagen im Jahr sein, an denen meine Tochter das Land zum ersten Mal betritt?
Ja, ich weiss, verboten, zu klagen, nach der monatelangen Duerre.
Nun muessen wir den Tag morgen nutzen, falls es dann eventuell gar nicht mehr moeglich ist, vor die Tuer zu gehen....
Jedenfalls freue ich mich wie verrueckt, und hoffe auf entspannte Urlaubstage mit viel Spass.
Bis bald!

Montag, 6. Dezember 2010

Der Regen ist da - ein wenig zu spaet, aber er ist da

... nein zu spaet sicher nicht, denn Pflanzen und Baeume - auch Menschen - lechzen danach, sind ausgetrocknet von monatelanger Hitze.
Und - es ist ungemuetlich kuehl. Ich stehe vor dem Kleiderschrank und muss mal schauen, was ich anziehe, um heute nicht zu bibbern.
Aber - es wird Winter, und das wird auch Zeit.
(Nur fuer meine Tochter ist es nicht so schoen. Sie kommt am Donnerstag zum ersten Mal in ihrem Leben nach Israel, fuer nur 5 Tage. Ich hoffe zwar, dass das Land weiter Regen bekommt, aber dass in diesen 5 Tagen fuer uns auch die Sonne scheinen wird, wir nicht klatschnass durch die Gegend traben muessen. Und ich erinnere mich, dass ich damals Anfang Dez. 2004 auch Jerusalem im stroemenden Regen zum ersten Mal erlebte..)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Aiecha? - Wo bist du?

...heisst ein aktueller Song von Shuli Rand. Aiecha? Wo bist du? werde nicht nur ich mich gefragt haben, angesichts der schrecklichen Ereignisse.
In den TV-Programmen wird immer und immer wieder berichtet und es kommt ein unbaendiges Beduerfnis auf, die Bilder - auch wenn man sie nur im Fernsehen verfolgt hat - irgendwie zu begreifen.
Shuli Rand wurde heute abend kurz zu seinem Song befragt. Ob er glauben wuerde, dass sein Lied gerade in diesen Tagen einen sehr aktuellen Text hat. Shuli fuehrte dazu an, dass wir uns wohl immer wieder fragen: "Wo bist du?" oder "manchmal ist es schwer in deiner Welt zu leben..." wie es im Song weiter heisst. Wir schauen fragend nach oben, in den Himmel, obwohl doch klar ist, dass ER nicht dort oben ist, sondern mitten unter uns. Wenn er aber mitten unter uns ist, wo war er dann, als die Menschen um Hilfe schrien?
Was soll der grausame Tod von ueber 40 Menschen fuer einen Sinn gehabt haben? Oder ist es muessig, in allem einen Sinn zu suchen?


"Es waermt das Herz..".

..so sagte einer der Feuerwehrmaenner, "wenn man sieht, mit wie vielen Kleinigkeiten die Bevoelkerung sich gegenseitig staerkt und auch an uns Feuerwehrmaenner denkt."
Chabad-Anhaenger laufen mit Kisten voller Sufganiot (in Deutschland als "Berliner Ballen" bekannt) durch die ausruhenden Feuerwehrmaenner, um sie wenigstens "seelisch zu staerken" und ein wenig positives zu verbreiten. Frauen aus dem Jeshuw Ayala kochen Nudeln und verteilen sie in Aluschaelchen, um die Feuerwehrmaenner und Helfer mit Nahrung zu versorgen. Die Helfer werden in ihren kurzen Pausen auf einer Liege massiert. Jede nur erdenkliche kleine Hilfe wird mit Freude gegeben, um die Moral aufzufrischen. Man bringt Lippenfett, um die aufgeplatzten Lippen zu versorgen und Augentropfen gegen die rot-entzuendeten Augen.
An alles wird gedacht. Es sind nur kleine Gesten, aber sie ruehren die Helfer und staerken sie von innen.
"Solch einen Zusammenhalt hat es im letzten Krieg hier oben im Norden nicht gegeben, aber jetzt... unglaublich, was die Bevoelkerung an Solidaritaet und Hilfe leistet..." so einer der Feuerwehrleute.

Internationale Hilfe fuer Israel

Die Zeitungen sind voll davon und in fast jeder Nachrichtensendung wird die umfassende internationale spontane Hilfe betont und geschaetzt, die Israel in den letzten Tage aufgrund der Brandkatastrophe erhielt.
Heute morgen hat der "Supertanker", ein wirklich beeindruckendes Loeschflugzeug aus den USA, gemeinsam mit ueber 35 anderen Flugzeugen und Loeschhubschraubern, grossartige Arbeit geleistet. Es wurde betont, wie gut die Mannschaften und Feuerwehrmaenner zusammenarbeiten. An jeder Ecke sprach man eine andere Sprache, aber die gemeinsame Aufgabe wurde bravouroes geloest. Eine fast perfekte Szenerie - Menschen mit voellig verschiedenen Hintergruenden, aus unterschiedlichsten Kulturen machen sich an eine gemeinsame Aufgabe: Einen schrecklichen Brand zu loeschen und somit Leben zu retten. Ein Geruch nach Frieden ueberlagert den Brandgeruch und man koennte fast ein wenig wehmuetig werden. Wenn es doch nur der Anfang einer internationalen "Freundschaft" werden koennte...
Im Falle der Beziehungen Israels zur Tuerkei spricht man sogar davon, dass diese Hilfeleistung aus der Tuerkei eine kleine Oeffnung fuer Wiederannaeherung sein koennte...
Ist man zu naiv, wenn man diese Szenerie ein wenig geniesst und von einer Welt traeumt, mit Menschen, die sich gegenseitig mit ihren Faehigkeiten bereichern und helfen, statt sich zu bekaempfen?



Die Saekulaeren sind schuld!

Nachdem ich mich die ganzen letzten Tage frage, warum solch ein schreckliches Unglueck ueber die Menschen im Norden kommen konnte, mit einem Ausmass, das nicht vorhersehbar war, bekam ich heute morgen beim Aufschlagen der Zeitung die Antwort: "Meine saekularen Freunde sind schuld! Die, die den Shabbat nicht halten, sie haben das Unglueck ueber uns gebracht und sind schuld!" Wie schoen, dass ich nun endlich weiss, an wen ich mich wenden kann mit meinem "Nu,nu, nu!".
Meine Freunde, die zutiefst menschlich und hilfsbereit sind, sie sind die Ausloeser der Braende. So will es Ovadija Josef, Oberhaupt der Sepharden aus der Gmara herauslesen.
Heute morgen in einer Radiosendung wurde dann auch gleich ein religioeser Jude interviewt, und er wurde gefragt, was er davon haelt, dass nun die Saekularen schuld sein sollen.
Er redete sich heraus: "Keinesfalls hat Ovadja Josef die Saekularen gemeint. Er hat die religioesen Juden gemeint, den Shabbat besser und genauer zu halten."
Der Moderator ironisch: "Also, wollen sie mir weissmachen, dass Sie, als religioeser Mensch den Shabbat nicht halten?"
"Ich halte den Shabbat, "antwortete der Interviewte, "schauen Sie, die Gesetze des Shabbat gehen so tief, wir sind aufgerufen, sie noch intensiver zu beachten. Nein, nein, nicht die Saekularen sind gemeint, sondern ich und alle anderen Charedim.."
Der Moderator platzte fast vor Unverstaendnis und man konnte sein Kopfschuetteln foermlich sehen.
Waehrend unzaehlige Menschen sich die Frage stellen, warum 41 junge Menschen, die helfen wollten, umkommen mussten, bei lebendigem Leib verbrannten, macht sich Ovadija Josef das Leben anscheinend leichter, er hat die Antwort und das macht mir richtig Laune.
Falls jetzt nicht wenige im Ausland sagen: "Die spinnen, die Juden!" dann kann ich gar nichts dagegen einwenden.
Ueber vierzig Tote, grausam umgekommen, ein ganzes Oekosystem ist zerstoert, Tiere umgekommen und Baeume tot - und alles nur wegen meiner saekularen Freunde!

"Supertanker kommt..."

Heute morgen wird der "Supertanker", ein riesiges Loeschflugzeug aus den USA erwartet, das 80.000 Liter Wasser aufnehmen und verteilen kann. Preis fuer seinen Einsatz soll 200.000 Dollar in der Stunde (!) sein! Ich hoffe, ich habe mich nicht verlesen, der Preis ist unglaublich. (HIER nachzulesen, wer hebr. kann)
Insgesamt werden 30 Flugzeuge aus 15 Laendern kommen, um uns bei Loeschen zu helfen.
Es scheint noch 4 Hauptbrandherde zu geben, darunter wieder das Naturschutzgebiet Chai Bar und Nir Etzion.
Stimmen in der Presse wie "Eli Jishai kann gehen..." werden laut und die Kritik wird lauter.
Dennoch - geloescht ist der Brand immer noch nicht.
Laut Rabbi Ovadija Josef ist das Feuer ueber uns gekommen, weil der Shabbat entheiligt wurde. Er habe die Gmara zitiert, so wird berichtet...

Samstag, 4. Dezember 2010

Das Feuer und die Hilfe aus dem Ausland...

In der internationalen Presse fragt man sich: "Wie kann es sein, dass Israel auf solch eine Feuerkatastrophe nicht vorbereitet ist?" Manche schicken sogar noch einen Zusatz hinterher: "Da ruehmen sich die Israelis, die staerkste Armee im Nahen Osten zu haben, und muessen nun vor einem Grossbrand klein bei geben und um Hilfe rufen.."
Ja, wir hier in Israel fragen uns das natuerlich auch. Wobei es nicht so entscheidend ist, um Hilfe rufen zu muessen, denn andere Laender bitten schliesslich auch bei solch grossen Katastrophen um Unterstuetzung. Vielmehr wird es zu klaeren sein, warum die schon lange geforderte Aufstockung der Feuerwehr immer noch nicht umgesetzt wurde, und dafuer wird sich massgeblich Eli Jishai verantworten muessen, der als Innenminister Chef der Feuerwehr ist.
Wir werden sehen, was er zu sagen hat, und vor allem, was er fuer die Zukunft plant, um zumindest ein wenig bessser auf solch ein Ereignis reagieren zu koennen.

Gedanken nach dem Shabbat

Auch Deutschland hat jetzt Hilfe angeboten, (laut N-TV) in Form von zwei Transporthubschraubern. Ein Vorauskommando der Bundeswehr wird morgen, am Sonntag zu uns geschickt, um den Einsatz vorzubereiten. Montag folgen dann die Hubschrauber. Auch sind uns von Deutschland 18 Tonnen Loeschmittelzusaetze angeboten worden.
Die Lage scheint sich durch die enorme Hilfe aus dem Ausland doch sehr zum Positiven geaendert zu haben. Dennoch gibt es immer noch Brandherde.
Was mich ziemlich schockiert, ist die Tatsache, dass es einige arabische Zeitungen geben soll, die ihrer Schadenfreude freien Lauf lassen. Dafuer fehlen mir einfach die Worte.
Andererseits bin ich doch beeindruckt, wie bereitwillig geholfen wurde, auch und sogar aus der Tuerkei und von den Nachbarstaaten Jordanien und Aegypten. Auch die Palaestinenser sollen Hilfe angeboten haben.

Am Shabbat, nachdem der Fernseher ausgestellt wurde, und wir unsere Shabbatlichter anzuendeten, war erst einmal eine grosse Unglaeubigkeit fuehlbar. Bis dahin war jeder vor seinem Fernseher, besprach mit den Nachbarn das Unfassbare und irgendwie war man von den eigenen Gefuehlen abgelenkt. Ploetzlich ging es ans "Verdauen", ans Begreifen und an den Versuch, das ganze Ausmass zu verinnerlichen.
Irgendwie ging das ueberhaupt nicht.
Was ich gleich zu Anfang des Ausbruchs des Brandes dachte, aber nicht auszusprechen wagte, wurde dann in der Synagoge zum Thema. Die Ironie des Tages, an Chanukka, dem Lichterfest ploetzlich ein Flammenmeer statt einer ruhigen Flamme zu erleben.
Jeder dachte es, doch einer hatte es zuvor ausgesprochen.

Freitag, 3. Dezember 2010

Kurz vor Shabbat

Schon lange ist es mir nicht mehr so schwer gefallen, mich vom Fernseher zu loesen und die "Ruhe" des Shabbat einzuleiten. Menschen wollen informiert sein, wollen wissen, was in der Welt - und besonders im eigenen Land - vor sich geht. Wir bleiben mit unseren Sorgen nun fuer die Laenge des Shabbat abgeschnitten von den Ereignissen. Durch die starke Medienpraesenz unserer Zeiten ist es zu jeder Zeit moeglich, ein Update der Ereignisse zu bekommen. Dass das nicht immer positiv ist, ist unnoetig zu betonen.
Unsere Gedanken sind heute bei den jungen Leuten, die im Laufe des Tages beerdigt wurden, die ihr Leben verloren haben, um Gefangene - egal mit welchem Hintergrund - zu evakuieren, dafuer zu sorgen, dass ihnen nichts passiert. Diese Organisation wird immer dann eingesetzt, wenn es Ausnahmesituationen wie Grossfeuer oder Erdbeben gibt.
Auch fuehlen wir mit denen, die wirklich alles verloren haben, die in Beit Oren nichts mehr so finden, wie sie es verlassen mussten. Diese Menschen muessen von vorn anfangen, Kraft aufbringen, die sie vielleicht angesichts dieser schrecklichen Ereignisse gar nicht haben.
Dennoch wuensche ich allen Menschen in Israel und der uebrigen Welt - besonders natuerlich den Menschen im Norden - Shabbat shalom und Chanukka sameach!
Ich hoffe, dass es uns trotzdem gelingt, innere Ruhe an diesem Shabbat zu finden!

Beit Oren - die Menschen kehren zurueck

Die Menschen aus dem Kibbutz Beit Oren kehren zurueck in ihre Haeuser, oder, besser gesagt, das, was davon uebrig ist. Die meisten sind erst einmal bei Verwandten untergekommen, was sie in den naechsten Tagen machen.... ein grosses Fragezeichen. "Es ist schwer, zu sehen, wie ein ganzes Lebenswerk zerstoert ist.." erklaert ein Mann aus Beit Oren den Journalisten, die ihn in das Haus seiner Tochter begleiten. Er ist zurueck gekommen auch um nach den Hunden, Katzen und dem Pferd zu sehen, die bei der Evakuierung nicht mitgenommen werden konnten. Ueberall laufen Pferde verwirrt umher, sie sind entkommen, haben aber keine Orientierung und muessen nun zurueck gebracht und beruhigt werden. Hunde und Katzen werden vermisst.

Unterdessen werden die Schaulustigen, die in der Naehe der Kreuzung Atlit anhalten und ihre Cameras auspacken, um die Loeschflugzeuge zu beobachten, gebeten, doch bitte den Sicherheitskraeften nicht noch mehr Schwierigkeiten zu machen, als sie ohnehin schon haben. Die Sicherheitskraefte muessen sich voll und ganz darauf konzentrieren, dass nicht noch mehr Leben gefaehrdet wird.

Gemeinsam gegen die Flammen - Das Feuer in Israel ist nicht unter Kontrolle...

Wir sprechen zurzeit von drei Hauptbrandherden, Kreuzung Oren, Moradot haCarmel und Michlaf Atlit, mehr als 24 Std. nach Ausbruch des Feuers, gestern mittag.
Wir sprechen keinesfalls ueber die Kontrolle des Feuers, sondern nur ueber das Verhindern einer weiteren Ausbreitung.
Das Naturschutzgebiet HaChai Bar ist zurzeit gefaehrdet und ein Teil der Tiere wird evakuiert.
Man spricht von einer "oekologischen Katastrophe", ernsthaftem Schaden am Wald-und Tierbestand auf dem Carmel.
In meiner grenzenlosen Naivitaet waermt es mir dennoch das Herz ein wenig, wenn ich sehe, wie Hilfe kommt, wie die Feuerwehrmaenner inzwischen auch aus vielen anderen Laendern zusammenarbeiten, gegen die Flammen.
Aus dieser Naivitaet heraus entsteht in mir immer ein Gedanke: Wenn es moeglich ist, dass Laender sich gegenseitig in ihrer Not helfen, muesste es doch auch moeglich sein, im normalen Alltag menschlich miteinander umzugehen anstatt sich zu bedrohen, zu beschuldigen oder Aktionen darueber hinaus zu starten, um dem anderen zu schaden.
Eines steht jetzt schon fest und wird immer wieder betont: Ohne die zahlreiche Hilfe aus dem Ausland, haetten wir keine Chance gegen das Feuer...
Israel hat in der Vergangenheit haeufig Hilfe ins Ausland geschickt, vor ein paar Jahren erst nach Griechenland, nun scheint es so, als bekaeme es doch einiges an Hilfeleistungen zurueck...
(HIER noch einmal der Link zur Online-ausgabe der Haaretz, auch auf englisch!)

Die Feuerwehr leistet "heilige Arbeit" - unermuedlich

Die Feuerwehrmaenner leisten "Avodat Kodesh" (heilige Arbeit), so heisst es inzwischen. Ein Sprecher der Feuerwehr berichtet, dass sie nicht geschlafen, noch gegessen haben. Man muss sie draengen, zu einer Pause, ein Sandwich, ein Anruf zu Frau und Kindern, dass es ihnen gut geht, eine Stunde ausruhen, um dann wieder an ihre Arbeit zu gehen. Ihnen, die ihr Leben gefaehrden, gebuehrt unser ganzer Dank, unsere Bewunderung und Hochachtung.

Der Carmel brennt - Hilfe aus vielen Laendern

Wir werden sogar Hilfe aus Aegypten und Jordanien erhalten. Russland schickt ein riesiges Loeschflugzeug , wahrscheinlich das groesste auf der Welt. Auch die Tuerkei schickt Flugzeuge, obwohl unser Verhaeltnis - vorsichtig ausgedrueckt - nicht gerade das beste ist zurzeit. Man spricht sogar ueber einen grossen Schritt, und dass man diese Geste nutzen kann fuer eine Wiederannaeherung der beiden Staaten.
Die Hilfe aus Zypern, Griechenland und England ist eingetroffen.
Netanyahu dankt gerade in einer Kabinettssitzung allen Laendern fuer die schnelle Hilfe und ist nun auf dem Weg in den Norden.

Es scheint, bei Ausbruch des Feuers, eines an Verzoegerungen und Versaeumnissen gegeben zu haben, das erste Loeschflugzeug traf erst mehr als eine Stunde nach Ausbruch des Feuers ein. All dies wird in einem Sonderausschuss geprueft werden, so wie die Konsequenzen, die man aus diesem Feuer ziehen kann.
Aber zurzeit ist das Loeschen von hoeherer Wichtigkeit, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Um das zu erreichen, bieten weitere Laender, so wie Japan, Hilfe an.

Es sei noch gesagt, dass die Str. Nr. 2 Sichron Jaacov nach Haifa gesperrt wurde, aufgrund des Feuers.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind 13.000 Menschen aus ihren Haeusern evakuiert worden.

Wer auf englisch aktuell informiert sein moechte, HIER ist der Link zur englischen Haaretz-Seite.

Hilfe-kultur in Israel - Kol Israel Arevim....

Das ist dann wieder typisch fuer Israel: Wenn es eine Not gibt, Hilfe benoetigt wird, sind wirklich ALLE da. (ich habe es selbst bei meiner Krankheit erlebt, was ja "nur" eine kleine persoenliche Katastrophe war).
Die Bewohner von Tirat haCarmel verlassen - laut Weisung - ihre Haeuser. Manche sind bestueckt mit etwas Geschirr, um den Shabbat irgendwie zu begehen.
Wer nicht bei Verwandten Unterschlupf findet, der ist eingeladen in die Raeumlichkeiten, die die Stadt den Evakuierten bietet. Es gibt schon Initiativen, den Shabbat auszurichten und vorzubereiten, und staendig stellen sich neuen Menschen zur Verfuegung, um Evakuierte aufzunehmen.
An Freiwilligen mangelt es dann, wenn solche Ausnahmezustaende auftauchen, nie in Israel. Es ist eine ganz besondere Kultur des Hilfe anbietens hier. Sie ist spontan und ohne Nachzudenken wird einem die Hand entgegengestreckt. Einer ist tatsaechlich fuer den anderen da.

Es brennt weiter - Hilfe ist eingetroffen

Waehrend die eingetroffenen Loeschflugzeuge aus England und Griechenland ihre ganze Arbeit auf Tirat haCarmel konzentrieren, damit das Feuer nicht die Haueser erreicht (in der Nacht sind die Bewohner dort evakuiert worden..) tobt das Feuer neu angefacht in der Naehe Beit Oren. Der Wind hat sich gedreht und da er so stark ist, wird die Arbeit der unermuedlichen Feuerwehrmaenner staendig erschwert.
Gerade habe ich vernommen, dass es 20-40 Jahre (Jahre!!!) dauern wird, bis der nun schwarze, und nicht mehr gruene Carmel sich wieder einigermassen erholt hat, bis die Pflanzen wieder wachsen, bis der Tierbestand sich erholt hat.
Beim Kibbutz Beit Oren haben die meisten Menschen wohl vom Tourismus gelebt.

Bezueglich der Entstehung des Feuers, sagt man, es habe in Israel noch kaum ein Feuer gegeben, das ohne Brandstiftung entstanden ist. Entweder durch unvorsichtige Touristen, mit brennenden Zigaretten, oder aber - was eine neue Art des Terrors sein koennte - mit voller Absicht an verschiedenen Orten, um moeglichst viel Schaden anzurichten.
Das scheint ja nun der Fall zu sein. An 3 verschiedenen Orten scheint der Brand ausgebrochen zu sein, und das spricht immer fuer Brandstiftung. Noch hat man die Ursache nicht vollstaendig geklaert.

Heute werden die jungen Menschen (alle zwischen 20 und 30), die im Autobus gefangen, bei lebendigem Leib verbrennen mussten, beerdigt. Sie sind inzwischen identifiziert und ich will mir gar nicht das Leid der Familien vorstellen. Nicht nur, dass es sie zu frueh aus diesem Leben gerissen hat, sondern auch noch auf die brutalste Art, die man sich denken kann.
Wer einen Brand legt, kalkuliert das bewusst mit ein, ja, vielleicht hat er sogar Freude an dieser Vorstellung?

Donnerstag, 2. Dezember 2010

10 Loeschflugzeuge auf dem Weg nach Israel...DANKE

Aus Russland, Kroatien, der Tuerkei, Frankreich, Asserbajjan, Spanien, Griechenland und Zypern sind Loeschflugzeuge zu uns unterwegs. Um 6 Uhr werden sie bei uns landen und uns helfen gegen das Feuer zu kaempfen. Wir scheinen selbst nur 13 relativ kleine Loeschflugzeuge zu haben. Auf eine solche Katastrophe ist Israel nicht vorbereitet. Viele andere Staaten haben zugesagt, weitere Loeschflugzeuge zu schicken.
Zurzeit ist das Schlimmste der Wind im Norden, der das Feuer immer weiter anfacht.

Was die Feuerwehr und Magen David Adom-Ambulanzen auch in ihre Planungen mit einbeziehen muessen, ist die Tatsache, dass es hier bei uns immer auch eine Unberechenbarkeit gegenueber Angriffen oder Vorkommnissen an anderen Orten geben kann. Leider koennen deshalb nicht wirklich alle Kraefte zusammen gezogen werden, ansonsten waere der Rest des Landes bei einem ploetzlichen Attentat ungeschuetzt.

Feuer auf dem Carmel.......

Seit heute mittag tobt im Norden auf dem Carmelberg in den Waeldern ein riesiges Feuer, das bis jetzt noch nicht unter Kontrolle ist, im Gegenteil, es gibt einen neuen Feuerherd.. Die Feuerwehr arbeitet unermuedlich und zurzeit spricht der Sprecher der Feuerwehr und berichtet, dass die Feuerwehrmaenner bald 1 - 2 Std. zum Ausruhen benoetigen, um dann wieder weiterzuarbeiten. Alle Feuerwehrkraefte des Landes werden gebeten, sich zu melden, um den Kollegen zu helfen.
Die Baeume sind voellig ausgetrocknet und durch den Wind breitet sich das Feuer immer weiter aus.
Ein Bus, mit 40 jungen Auszubildenden der JVA, die helfen sollten, ist in die Feuerfalle geraten. Die Flammen haben mit unglaublicher Geschwindigkeit den Bus ergriffen, 40 Menschen sind tot.
Man raet den Menschen, im Haus zu bleiben, wegen der Gefahr, Rauch einzuatmen und drei Orte haben die Meldung erhalten, evakuiert zu werden, darunter zurzeit Ein Hod und Ein Chud, Nir Etzion.
Der Kibbutz Beit Oren, der als einer der ersten Ortschaften evakuiert wurde, ist komplett abgebrannt.
Unser Premierminister Netanyahu hat in Russland, Italien, Zypern und Griechenland um Hilfe in Form von weiteren Loeschflugzeugen und logistischer Unterstuetzung gebeten, einfach deshalb, weil diese Laender viel Erfahrung mit dem Loeschen grosser Braende zu haben scheinen.
Es sind entsetzliche Bilder, die wir im Fernsehen verfolgen koennen und die Feuerwehrmaenner erscheinen verzweifelt.
Der Feuerwehrsprecher sagte gerade: "Wenn das Feuer so weiter wuetet, wird erst das Wasser des Mittelmeeres es stoppen.."

Shimon Peres hat wuerdigt die uebermenschliche Arbeit der Feuerwehr und sagt: "Wir beten um ihre Gesundheit, wir beten um ein Wunder!"

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Chanukka - ein Lichterfest

Chanukka, das Lichterfest der Juden. Ein Fest, das ich ganz besonders in mein Herz geschlossen habe. Einerseits, weil es das Fest ist, was ich unmittelbar nach meiner Ankunft in Tel Aviv, bei der ersten Israelreise, staunend und fragend erlebt habe, andererseits, weil es ein froehliches, langes Fest ist, was in seiner Bedeutung das Ueberleben des juedischen Volkes und der juedischen Werte symbolisiert. Der Sieg ueber die Griechen und deren Kultur, das Brennen einer Flamme weit ueber die erwartete Zeit hinaus spiegelt auch unsere innere Flamme wieder. Wenn sie nicht nur ein "kurzes Aufflackern" ist, sondern ruhig und kontinuierlich in uns weiterbrennt, haben wir unser wirkliches Selbst gefunden, unsere juedische Seele.
Anscheinend hatte dieses Kerzenzuenden an Chanukka, was ich vor 6 Jahren in der Hotellobby des Prima-Kings-Hotels in Tel Aviv erlebte, bereits das "Entfachen" meiner innersten juedischen Seele zur Folge. Ich wusste wirklich nichts ueber das Judentum, kannte kein Fest, und hatte noch keine Synagoge von innen gesehen. Auch war mir nicht klar, warum das Judentum viel mehr als eine Religion ist. Mit dem Chanukka-fest fing alles an und es ist das Fest, was ich bisher am haeufigsten erlebt habe.
Nachdem meine juedische Seele "angezuendet" war, durch den ersten Aufenthalt in Israel, habe ich etliche Chanukka-feste recht allein fuer mich zuhause in Deutschland erlebt. Ich habe meine Chanukka entzuendet und kannte nur einige wenige Menschen aus der Gemeinde, die das gleiche taten.
Hier in Israel ist es voellig anders. An jeder Ecke begegnen uns die Lichter und es entsteht eine wunderbare Atmosphaere. Vor den Hauseingaengen stehen Glaskaesten mit Chanukkiot, es leuchtet an jeder Ecke von riesigen Chanukkaleuchtern der Chabad-Bewegung und es regnet Einladungen zum Ner Rishon oder Ner Sheni (Erste Kerze, Zweite Kerze...)
Zu Chanukka koennen wir uns wieder einmal vergegenwaertigen, wie stark das innere Licht, die innere Kraft sein kann. Auch wenn wir denken, unsere Kraft reicht nicht mehr, unsere Spiritualitaet ist zu schwach, so geschieht doch immer wieder einmal ein kleines oder groesseres Wunder. Unser Licht brennt laenger als erwartet, unsere Spiritualitaet dauert an, wird eher sogar staerker und wurzelt tiefer.
Ich bin immer wieder erfuellt von diesen Gedanken, die ganz besonders zu Chanukka entstehen und mich mit neuer Tiefe bereichern.
Chag Chanukka sameach!