Freitag, 25. Februar 2011

Shabbat shalom!

(Im Tirzu, eyn so aggada) = "wenn Ihr wollt, ist es kein Maerchen" (Theodor Herzl).

Dies gilt uebrigens fuer viele Dinge im Leben.....

Donnerstag, 24. Februar 2011

Rakete auf Beer Sheva

Eine Rakete ist in Beer Sheva eingeschlagen. Ueber die anderen ueber 50 Raketen, die seit "Oferet jezuka" - dem Gazakrieg vor zwei Jahren - immer wieder im Sueden Israels einschlugen, habe ich bisher nicht berichtet. Nach dem Krieg hat Israel seine Strategie geaendert, nicht mehr gewartet bis es "genug" war, sondern jede Rakete mit einer Gegenaktion beantwortet. Schiessen die Chamas aus dem Gazastreifen nicht - schiesst Israel auch nicht. So einfach ist das.

Beer Sheva ist ein ganzes Stueck vom Gazastreifen entfernt (wer sich die Muehe machen will, schaue bitte mal auf der Karte nach). Seit dem Gazakrieg war hier keine Rakete mehr eingeschlagen.

Die Rakete ist in einem Wohngebiet gelandet, hat Schock und Schrecken (besonders bei den Kindern ) angerichtet und materiellen Schaden. Die Menschen sind G-tt sei dank beim Alarm geistesgegenwaertig in die Schutzraeume gelaufen, obwohl doch schon so lange kein Ereignis dieser Art stattfand.

Ich hoffe, die Kinder und Enkelkinder meines besten Freundes sind in Ordnung und haben das gut ueberstanden!

Ich frage mich, wieviele Medien in Deutschland vom staendigen - immer noch stattfindenden - Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf den Sueden Israels berichten? Oder denkt man in Deutschland, dass seit 2006 alles "ruhig" ist?

Mittwoch, 23. Februar 2011

Nicht mit "unzuechtiger" Kleidung!

An diejenige, die durch unsere Nachbarschaft geht!

Wir wuenschen uns von dir mit allem Nachdruck

Bitte gehe nicht durch unsere Nachbarschaft mit unzuechtiger Kleidung.

Zuechtige Kleidung: Geschlossene Bluse, mit langem Aermel - einschliesslich : langer Rock. Nicht mit enger Kleidung.

Bitte mach uns keinen Kummer durch Stoerung der Heiligkeit unserer Gegend und unserer Lebensweise als g-ttestreue und Toratreue Juden!

(In Mea Shearim)

Da das Schild an Frauen gerichtet ist, frage ich mich, ob ein Mann mit kurzer Sommerhose und bis zum Nabel offenen Hawai-hemd auch eine Stoerung darstellt? Naja, kommt wohl nicht allzu oft vor, dass sich so


Verstaendnislos....

Wenn ich morgens bei Sharon in die Wohnung komme, ist es dunkel und stickig dort. Natuerlich kann Sharon nicht wahrnehmen, dass dringend gelueftet werden muss und dass die halb herunter gelassenen Rollaeden zugunsten der Sonne weichen sollten, um nicht depressiv zu werden.

Aber die Phillippinin, die 24 Stunden bei ihr ist, fuer sie kocht und putzt und auf sie achtet, ist zu meinem Entsetzen in dieser Hinsicht nicht anders. In dem Zimmer, wo sie schlaeft, ist es IMMER dunkel, weil sie die meiste Zeit am Laptop sitzt. Die Tuer, die zur Terrasse fuehrt, wurde sicher Monate nicht mehr aufgemacht. Anfangs ist sie noch jedes Mal, wenn ich kam, raus gegangen und hat sich mit Freunden oder ihrer Schwester getroffen, die auch in Jerusalem arbeitet. Aber auch das ist vorbei und so geht sie tagelang nicht vor die Tuer.

Ich frage mich, ob ihre Einstellung schon immer so war, oder ob die jahrelange Betreuung von Sharon dazu gefuehrt hat, dass Helligkeit, Sonne und frische Luft Fremdwoerter und absolut unwichtig sind.

Ich ertrage das immer weniger, denn die Atmosphaere drueckt mich nieder, laesst mich wegen der schlechten Luft fast ersticken und nervt mich. So reisse ich - wenn ich ankomme - stets sofort die Fenster auf und ziehe die Rolladen hinauf, damit die wunderbare Fruehlingssonne eine Chance hat, zu uns herein zu schauen.

Kuerbis-suppe mit Batata

2 Batatot (Suesskartoffel)

1 Kartoffel

Kuerbis

2 mittelgrosse Moehren

Zwiebel

Sellerie (Stange und Blaetter)

Porree

frischer (!!) Koriander

Curcum (ist das Safran auf dt.?)

schwarzer Pfeffer

Gemuesebruehe

S´chuk (wer es gern scharf mag, statt S´chuk kann man in Dtland Tabasco nehmen)


Zwiebeln wuerfeln und in Olivenoel anbraten, den Rest des Gemueses in groben Stuecken dazu, mit Bruehe auffuellen und nicht zu weich kochen. Anschliessend mit einem Stab pürrieren, wuerzen mit Curcum, Pfeffer und Koriander.

Guten Appetit! BeTeavon!!!



Dienstag, 22. Februar 2011

Montag, 21. Februar 2011

Um uns herum brodelt es....

Es scheint, als wuerde die arabische Welt um uns herum voellig aus dem Ruder sein. Die Ereignisse in Aegypten sind schlimm genug gewesen, wenn auch mit einem positiven Ergebnis fuer die Bevoelkerung. (zurzeit noch..)

Was aber in Libyen stattfindet, das schlaegt alle Widerwaertigkeiten. Gaddafi war ja schon immer irgendwie - sagen wir es mal vorsichtig - "merkwuerdig". Seine gewalttaetige Seite aber toppt zurzeit alles. Er laesst seine Buerger bombardieren. Die Demonstranten werden von Militaerflugzeugen beschossen. Das sprengt meine Phantasie, muss ich sagen, und ich frage mich, wie viel Angst man haben muss, um zu solchen Mitteln zu greifen.

Auch in Libyen scheint es aber Menschen zu geben, die nicht einfach ohne Skrupel "Befehle ausfuehren". Zwei Kampfpiloten sollen sich dem Schiessbefehl widersetzt haben und sind nach Malta desertiert. Bravo!

Der Gaddafisohn droht indessen, er wuerde bis "zum letzten Mann kaempfen". Und die EU Staaten sind sich nicht einig in ihrer Libyenstrategie. Da kann man nur sagen: Gute Nacht, Marie!

Sonntag, 20. Februar 2011

Yahrzeit

"Yahrzeit" wird der Todestag eines Menschen im Judentum genannt. Ich habe heute, wie jedes Jahr, ein "Seelenlicht" fuer meinen Vater angezuendet, der sich vor zwanzig Jahren nach jahrelanger Depression das Leben nahm. Der Grenzgaenger hat es bereits mehrfach erwaehnt, dass Depressionen nicht ins Bild unserer Gesellschaft passen. Menschen, die an Depressionen leiden, leiden meist einsam vor sich hin. Aus irgendwelchen Gruenden sind Depressionen nicht "gesellschaftsfaehig" und zaehlen fast zu den Tabuthemen. Damals - vor zwanzig Jahren - war es noch schwieriger, zu dieser Krankheit offen zu stehen. Sich in einer psychiatrischen Einrichtung oder beim Psychologen behandeln zu lassen, war gleichgesetzt mit "Verruecktsein". Begriffe wie "Irrenanstalt" sind mir noch in allzu guter Erinnerung. So verstecken sich die Menschen hinter vorgeschobenen "anderslautenden" Krankheiten, um nicht stigmatisiert zu werden.

Betont werden muss aber auch, dass ein Zusammenleben mit dem an Depression Erkrankten gelinde ausgedrueckt nicht einfach ist. Wie hilft man, wenn der Erkrankte jede Hilfe ablehnt?

Nicht richtig aber ist es, die Krankheit totzuschweigen. Es gibt sie, und ich vermute, dass in heutigen Zeiten eher mehr als weniger Menschen betroffen sind. Die Tatsache, dass immer mehr (nicht nur alte) Menschen allein wohnen, wird ebenfalls dazu beitragen, dass sich Depressionen haeufen.

Sich das Leben zu nehmen ist ein aeusserst aggressiver Akt, sowohl gegen sich selbst, als auch gegenueber den Angehoerigen, die von der Wucht der Nachricht ueberwaeltigt und zutiefst schockiert werden. Selbst wenn jemand jahrelang an einer depressiven Grundhaltung leidet, sind Angehoerige doch nicht darauf vorbereitet, dass jemand fuer sich entscheidet, das Leben (und vielleicht auch das subjektive Leiden) soll nun ein Ende haben. Beim besten Willen, diese Entscheidung nachvollziehen zu wollen, bleibt doch stets grosse Verstaendnislosigkeit zurueck, mit der die Angehoerigen allein gelassen werden. Da auch der Selbsttot ein Tabuthema ist, werden die meisten Angehoerigen sich auch keine Hilfe holen, was das Gefuehl, mit allem "allein zu sein", verstaerkt und Ohnmacht hervorruft.

Daher halte ich es fuer in jedem Fall notwendig, sich schnellstmoeglichst Hilfe zu holen, mit diesem Ereignis fertig zu werden. Es gibt Beratungsstellen und frei praktizierende Psychologen, aber auch Selbsthilfegruppen. Da es auch in diesem Bereich Scharlatane gibt, empfehle ich, nach der Mundpropaganda zu gehen und auf Empfehlungen von Freunden oder Bekannten zu hoeren.

Streik der SozialarbeiterInnen - ein wahres "Reiz"-thema

Es ist ein Thema, das einen entweder zum Heulen bringt, oder dazu, grosse Wut zu entwickeln.

Eine Kollegin aus dem Sozialarbeiterstab bereitete mich heute darauf vor, dass wir spaetestens Anfang Maerz fuer bessere Gehaelter streiken werden. Ich hatte es bereits erwaehnt, aber es ist immer wieder wert, zu betonen, dass ein akademischer Beruf wie Sozialarbeiter nicht mehr als den MINDESTLOHN einbringt. Das sind ca. 23 Shekel, ein wenig mehr als 4 EUR.

Eine Sozialarbeiterin (die meisten sind Frauen, da ein Mann von diesem Lohn keine Familie ernaehren kann) verdient bei einer vollen Stelle zwischen 4000 und 6000 Shekel, abhaengig von ihrem Alter und dem Abschluss (Bachelor oder Master). Das sind zwischen 800 EUR und 1200 EUR. Ich selbst habe eine Viertelstelle (25%) und verdiene etwas mehr als 1000 Shekel netto. (ca. 200 EUR). Auf meinem Gehaltsstreifen erscheint eine zusaetzliche Summe, fuer den Ausgleich zum Mindestlohn!!

Nun geht bereits Monate diese traurige Tatsache durch die Medien. Man spricht darueber, dass Sozialarbeit eine der schwierigsten Taetigkeiten ist, die ein Mensch verrichten kann. Man hat es mit schwierigen, auffaelligen, oft gewalttaetigen Familien zu tun, kuemmert sich um die Alten, oder arbeitet mit Drogenabhaengigen. Unterm Strich kann gesagt werden : Ohne Sozialarbeit kuemmert sich niemand um die schwaechsten Glieder unserer Gesellschaft. Viele SozialarbeiterInnen machen ihre Arbeit aus voller Seele, denn wegen des Gehaltes kann man diesen Beruf bestimmt nicht waehlen.

Wenn man als Frau die Zweitverdienerin der Familie ist, kann man es fast als Hobby bezeichnen, zur Arbeit zu gehen. Alleinverdiener allerdings muessen zu ihrem schwierigen, nervenaufreibenden Job auch noch einer zusaetzlichen Arbeit nachgehen, um sich in Wuerde ernaehren zu koennen.

Da laeuft doch etwas nicht richtig....?

Bereits in Deutschland - so erinnere ich mich - waren Streikbrecher bei den Streiks, die die Tarifverhandlungen begleiteten, stets schief angesehen. Zeigen sie doch keine Solidaritaet und fallen den (mit Recht) Streikenden in den Ruecken. Laengst nicht alle koennen sich aber auch leisten, sich dem Streik anzuschliessen.

So wird es auch mir ergehen, wenn Anfang Maerz die Sozialarbeiter das Hadassah-hospital fuer eine bis zwei Wochen (so wird vorausgesehen...) nicht betreten. Ich werde, wenn es eben moeglich ist, weiter arbeiten, denn von meinem Hungerlohnauch noch die Haelfte abzuziehen, ist einfach nicht drin.

Zusaetzlich werde ich noch frustriert darueber sein, dass ich es mir nicht leisten kann, ebenfalls an einem Streik teilzunehmen, der mehr als hundertfach gerechtfertigt ist.

Hat sich mal irgendjemand diese absurde Situation durch den Kopf gehen lassen, oder denkt man nicht ueber die Tatsache hinaus, dass ein Streik noetig ist und eine Gehaltserhoehung laengst faellig? Auch heute in den Nachrichten wurde darueber geschimpft, dass es nicht einfach eingesehen wird, dass Sozialarbeiter viel zu wenig verdienen, und die Gehaelter, - ohne grosse Drohungen und Arbeitsniederlegungen - erhoeht werden, wie es sich gehoert. Ich jedenfalls finde es eine Schande, wie mit denen umgegangen wird, die sich um die aermsten und schwaechsten Menschen im Lande kuemmern, und nicht selten durch Ueberstunden und Ueberlastungssituationen ihr eigenes Wohl hinten anstellen.

Freitag, 18. Februar 2011

Donnerstag, 17. Februar 2011

Mandelbluete

Die Mandelbaeume bluehen. Es ist wunderbares Sonnen-Fruehlingswetter und ich koche Suppe. Das Wochenende naehert sich schon wieder mit Riesenschritten und ich bin nicht die Einzige, die das Gefuehl hat, dass die Zeit immer schneller vorbeifliegt.

Montag, 14. Februar 2011

Eine "nette" Kollegin

Eine Kollegin aus dem Hadassah hospital, die heute erst erfuhr, dass ich gekuendigt habe, sprach mich heute an: "Soll ich dir mal ganz ehrlich erzaehlen, was ich gesagt habe, als X. erzaehlte, du bist konvertiert und hast Deutschland verlassen, um nach Israel zu kommen? Ich habe gesagt, dass du verrueckt sein musst. So ein Quatsch! Irgendwas kann psychisch nicht in Ordnung sein, wenn jemand auf solch eine Idee kommt." Sie redete mit einer aggressiven Lautstaerke und ehe ich den Mund zu einer Antwort oeffnen konnte, sprang mein religioeser Kollege ins Gespraech (es ist wohl nicht erforderlich, dass ich erwaehne, dass besagte Kollegin NICHT religioes ist) und antwortete ihr erbost: "Es ist absolut unverschaemt und nicht nett, so etwas zu sagen. Sie hat sich entschlossen, ein Teil unseres Volkes zu werden, ernsthaft und ganz aus sich heraus! Wie kannst du so reagieren darauf? Du solltest vielleicht einmal einen Vortrag von Noa hoeren, und kannst daraus vielleicht noch etwas lernen..."
Kiebig entgegnete sie ihm: "Ich habe genug gelernt. Dass ich nicht religioes bin, heisst nicht, dass ich nicht genug gelernt habe, ueber das Judentum. Ich weiss viel und lerne staendig weiter..." Beleidigt drehte sie sich um.
Nun - ich war schon erstaunt ueber dieses heftige Wortgefecht. Man braucht sich keine Vortraege von mir anzuhoeren, wie mein Kollege empfohl, jedoch waere es wirklich anstaendig, erst einmal etwas mehr ueber mich und meine Beweggruende zu wissen, ehe man eine so massive Verurteilung von sich gibt. Was ich ihr gesagt habe, - spaeter, als ich zu Wort kam - ist, dass ich ihre Einstellung achte, aber dass ich mir von den Mitmenschen auch wuensche, ebenso geachtet zu werden in meiner Lebenseinstellung. Solange ich niemanden umbringe, kann es doch anderen egal sein, wie ich mein Leben gestalte, oder? Um es vorweg zu nehmen: eine derartige Reaktion ist mir bisher in dieser Heftigkeit noch nicht vorgekommen, und wenn es negative Reaktionen gab, kamen die stets von NICHT religioesen Menschen. Sehr gefreut hat mich die Einmischung meines Kollegen, mit dem ich spaeter noch eine sehr gute Unterhaltung hatte.

Danke Chelsea

Ich weiss gar nicht, ob ich deinen Namen richtig erinnere, und ob er auch noch richtig geschrieben ist. (wenn es nicht der richtige Name ist, ist es sicher auch nicht schlimm..)
Jedenfalls muss ich mich bei dir herzlich bedanken, fuer deine Sorge. Eine befreundete Frau aus Deutschland ist deine Mutter und sie rief mich an, weil sie von dir erfahren hat, dass ich friere. Du hast es aus meinem Blog erfahren! Es ist manchmal wirklich erfreulich, ueber welche Wege Hilfe angeboten wird. So habe ich nun noch ein Hilfsangebot mehr, wenn es gar zu schlimm wird. Zurzeit komme ich irgendwie mit meiner Klimaanlage klar, die ich auf "warm" stelle. Auch von anderen Freunden hatte ich bereits das Angebot, dort zu uebernachten. Ich freue mich ueber die zahlreichen Hilfsangebote. DANKE!

Sonntag, 13. Februar 2011

אתנחתא - A(e)tnachta

A(e)tnachta - aramaeisch, mit der Bedeutung von "kurzer Pause". So heissen zwei interessante Baende mit Auslegungen der Parashat haShavua (des Wochenabschnitts) von Rav Benni Lau.(HIER kann man etwas ueber ihn lesen) Ich berichtete bereits ueber den symphatischen Rabbiner aus der Ramban-synagoge - direkt bei mir gegenueber. Sowohl an jedem Donnerstag abend in der Synagoge, als auch Freitags kurz vor Shabbatbeginn im Fernsehen, gibt er Shiurim zum Wochenabschnitt. Seinen Ausfuehrungen zuzuhoeren, war von Anfang an fuer mich aeusserst interessant. Er spricht ein sehr deutliches klares hebraeisch. Darueber hinaus gestaltet er seine Ausfuehrungen mit Spannung, sodass jeder Shiur ein Vergnuegen ist. Wenn Benni Lau spricht, sieht man ihm an, dass seine Ausfuehrungen aus tiefster Seele kommen. Benni Lau ist uebrigens - wie schon in einem anderen Post erwaehnt, der Neffe von Rav Israel Meir Lau, Oberrabbiner von Tel Aviv, Autor des Buches "Al Tishlach Jadcha el haNaar", in dem es um seine Erlebnisse als kleiner Junge im KZ Buchenwald geht. Israel Meir (Gerim sicher bekannt durch das Buch: "Wie Juden leben") ist der Bruder von Naftali, dem Vater von Rav Benni Lau)
(HIER eine kleine Youtube-kostprobe) Leider sind diese beiden Baende, die ich nur zu gern nach Deutschland mitnehmen wuerde, verhaeltnismaessig teuer. Es gibt sie bei Yediot-Sfarim, jeder Band kostet 98 Shekel (20 EUR). Vielleicht finde ich ja jemanden, der mir unbedingt eine Freude bereiten will, dann weiss ich, was ich mir wuensche.

Es gibt uebrigens auch ein Cafe "Aetnachta" in Tel Aviv. (HIER mehr darueber)


Die aegyptischen Nachbarn

Man weiss gern, mit wem man es zu tun hat. Das ist bei Nachbarn "nebenan" nicht anders, als bei Nachbarstaaten. Ich freue mich fuer die Aegpter, dass sie und ihre Hartnaeckigkeit, ihre Ausdauer und Hoffnung dazu gefuehrt haben, dass Mubarak nun endlich zurueck getreten ist.

Aber - mit wem haben wir es nun zu tun? Mit wem verhandelt man, wer ist der Ansprechpartner aussenpolitisch? Es kann einem schon ein wenig Angst werden, wenn man an "Machtvakuum", Muslimbruderschaft und aehnliche Schlagwoerter denkt, vor allem, wenn man im Nahen Osten wohnt. Mit Aegypten hat Israel seit mehr als 30 Jahren einen Friedensvertrag, eine relativ stabile Nachbarschaft gewissermassen. Auch in Sachen Vermittlung ueber den von der Hamas entfuehrten, und immer noch im Gazastreifen gefangen gehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit hat Aegypten eine entscheidende Rolle gespielt.

Die Aegypter muessen sich jetzt organisieren und Wahlen vorbereiten. Es steht ihnen keine einfache Zeit bevor.

Aber auch die Nachbarn sind - mit Recht - verunsichert, was nun folgt. Wie wird es weitergehen?

Samstag, 12. Februar 2011

Am Shabbat krank zuhause

Das war ein Shabbat, wie ich ihn nicht liebe. Nicht einen Schritt vor die Tuer gemacht und krank im Bett gelegen. Dabei war das Krank-werden schon vorprogrammiert, ohne Heizung und nur mit der Moeglichkeit, die Klimaanlage auf warm zu schalten. Man kann sich da aussuchen, ob man Schluckbeschwerden bekommt, wegen trockener warmer Luft, die ins Zimmer geblasen wird oder wegen eiskalter Luft, die beim Atmen weh tut. Wenn man den ganzen Tag zuhause ist, merkt man erst, dass es sehr schwer oder fast unmoeglich ist, sich normal im Zimmer hinzusetzen. Die Haende sind am schnellsten ausgekuehlt und vom Fliesenfussboden steigt die Kaelte in die Fuesse.

Auszuhalten ist es unter zwei Decken, auf dem Couch-bett, mit zwei Waermflaschen rechts und linksflankiert. Der jerusalemer Winter und die so gar nicht winterfeste Wohnung machen es mir gerade sehr leicht, Abschied zu nehmen. Ich erwarte nicht, dass es vor meiner Abreise noch eine Besserung in Sachen Waerme geben wird, da ich vom letzten Winter weiss, dass diese Mauern sich nur ganz langsam wieder Ende April erwaermen.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Schlaganfall!

Im Alter von 81 Jahren hat meine Mutter nun einen Schlaganfall erlitten, kann weder laufen, noch deutlich sprechen. Zusaetzlich scheinen sich demenzielle Episoden zu haeufen, die ich nur zu gut von "meiner" Sharon kenne.

Da es in der Leserschaft nicht nur vereinzelt Menschen gab, die mir aufgrund meiner Schilderungen ueber Sharon schrieben, teile ich nun dieses sehr persoenliche Ereignis mit den Bloglesern. Was ich ebenfalls zur Anregung geben moechte, ist meine Frage, wie man mit solchen schrecklichen Ereignissen umgeht, wenn das Verhaeltnis mit dem Angehoerigen alles andere als "normal" war.

Sicher werde ich nicht auf Einzelheiten eingehen, die das Verhaeltnis mit meiner Mutter gekennzeichnet haben, und doch wird es nicht wenige Menschen geben, die wissen was ich meine. Als vor 20 Jahren mein Vater starb, ploetzlich und unvorhergesehen, befand ich mich gerade in einer psychologischen Beratung. Die Therapeutin sagte mir, dass es - obwohl es uns andersherum erscheint - erheblich schwieriger ist, mit einem Verlust umzugehen, wenn das Verhaeltnis ambivalent war. Ein geliebter Mensch, mit dem das Miteinander harmonisch und liebevoll war, wird nach seinem Tod heftig betrauert und beweint. Aber das ist nicht das Schlimmste, sondern ein natuerlicher Vorgang, ein Abloeseprozess. Jemand, mit dem das Zusammenleben aber aeusserst problematisch war, loest nach seinem Tode die unterschiedlichsten und schwierigsten Gefuehlsregungen aus.

Genauso sehe ich es mit Ereignissen wie einem Schlaganfall. Eine ganz natuerliche Reaktion der naeheren Umwelt ist Schock und Mitgefuehl. Jedoch kommen - bei einem sehr belasteten Verhaeltnis - immer noch weitere Gefuehle hinzu, mit denen man umgehen muss. Entferntere Personen moegen sagen koennen: "Bei diesem Menschen haelt sich mein Mitgefuehl in Grenzen! Wenn man bedenkt, wie er stets zu seiner Umwelt war...."

Angehoerigen gehen solche Reaktionen in der Regel nicht so leicht ueber die Lippen. Falls sie es dennoch denken, meldet sich bei Menschen mit einem "normal funktionierenden Gewissen" sogleich ein Schuldgefuehl, was mit erhobenem Zeigefinger und Kopfschuetteln zu sagen scheint: "Wie kannst du!? Schliesslich handelt es sich um deinen Vater (Mutter, Bruder...) Hast du gar kein Mitgefuehl?"

Das schlechte Gewissen wird dafuer sorgen, dass diese Gedanken, die nicht gesellschaftsfaehig sind, auesserst unsozial erscheinen, und doch so menschlich sind - verdraengt werden. Durch die Schuldgefuehle fuehlt man sich noch schlechter und denkt, irgendwie nicht "normal" zu funktionieren. Warum koennen andere ihre Eltern aufopferungsvoll pflegen, sich in "ruehrender Weise" um sie kuemmern, und man selbst nicht? Was ist bei einem selbst "nicht in Ordnung"? Und in diesem Zusammenhang fallen mir immer die Faelle ein, in denen Angehoerige ihre pflegebeduerftigen Verwandten vernachlaessigen, und im schlimmsten Falle quaelen. Kann es sein, dass solche Verhaltensweisen dann auftauchen, wenn man sich selbst nicht seine Abwehr eingesteht und NUR aus einem Schuldgefuehl heraus die Pflege uebernimmt? Kann es sein, dass sich Gefuehle der Abneigung, die durch die "Altlasten" aus frueheren Zeiten entstanden, Luft machen in einer voellig anderen Weise? Ist es vielleicht gesunder - fuer beide Seiten - sich seine Altlasten einzugestehen und dementsprechend zu entscheiden, ob es aus einer echten Zuneigung heraus moeglich ist, die Pflege zu uebernehmen, oder konsequent seine Grenzen zu erkennen und sich seine ambivalenten Gefuehle einzugestehen?

In heutigen Zeiten geht es aus anderen Gruenden nicht mehr so haeufig um das Uebernehmen der Pflege, denn wenige Menschen koennen - selbst wenn sie es sich wuenschen - ihre Arbeit aufgeben, um ganz fuer den Angehoerigen da zu sein. Die finanzielle Situation erlaubt es nur einer Minderheit, diesen Schritt zu tun. Und vielleicht ist das ja auch gut so. Denn Besuche, die wirklich aus ganzem Herzen moeglich sind, koennen sicher wirkungsvoller sein, als eine halbherzige, aus Schuld-und Verantwortungsbewusstsein geborene Entscheidung, eine Vollzeitpflege zu uebernehmen.

Ich habe in meiner Arbeit bei einem ambulanten Pflegeteam vor vielen Jahren unzaehlige Menschen kennen gelernt, deren anfangs schnell getroffene Bereitschaft, ihren Angehoerigen zu pflegen, im Laufe der Zeit in grosse Frustration und nicht selten auch in Aggression umgeschlagen ist. Schon damals habe ich mir Gedanken ueber das Alter und seine schrecklichen Begleiterscheinungen gemacht, und bin zu keinem vernuenftigen Ergebnis gekommen, was denn nun das Beste fuer alle Beteiligten sein koennte.

Ich weiss, dass ich mit diesem Thema einen ganz heissen Bereich (vielleicht sogar ein Tabu-thema) angeruehrt habe. Aber mir ist auch bewusst, dass viele Menschen sich nur im Geheimen mit dieser Art von komplizierten Gefuehlen beschaeftigen.

Ein recht guter Tag

Das Gespraech mit meiner Chefin war ueberraschend gut. Das von mir erwartete Geschrei blieb aus. Sie sprach ihre Traurigkeit aus und sagte gleichzeitig, sie koenne verstehen, dass man wegen der Familie geht. Sie selbst habe einen Sohn im Ausland, und es waere immer wieder unglaublich schwer - obwohl sie ihn durch ihre Taetigkeit im Ausland auch immer wieder kurz besuchen kann, wenn sie Patientenbesuche mit dem Besuch bei ihm verbindet. Und doch ist es eben etwas anderes, als in der Naehe zu wohnen, hinzukoennen, wenn Schwierigkeiten auftauchen.

Einer unserer Patienten aus Deutschland war gestern zur Kontrolle bei uns, so war ich auch gut in meiner Funktion als "Dolmetscherin" gefragt. Das hat wieder Spass gemacht, und bei diesen Aktionen merke ich immer, wie sehr mir das "Spielen und Jonglieren mit Sprache" gefaellt.

Nachmittags traf ich mich noch mit zwei sehr netten Menschen, die ich ueber meinen Blog kennengelernt hatte. Ein junges Paar aus Deutschland, die auch konvertieren wollen. Wir haben uns ausgetauscht und ihr Beispiel hat mir wieder vor Augen gefuehrt, wie schwierig es ist ueberhaupt eine Moeglichkeit des Austausches mit anderen Menschen zu finden, wenn man in Deutschland zum Judentum konvertieren moechte. Das ist auch der Grund, warum ich meist zu solchen Treffen bereit bin, oder auf emails immer antworte. Ich kenne das grosse Beduerfnis, jemanden zu treffen, der in etwa dasselbe erlebt und gefuehlt hat, der weiss, wovon man spricht. Ich hatte irgendwann das Gefuehl, ein wenig von dem, was ich vermisst habe, an andere weiter geben zu wollen, ihnen Mut zu machen, sie zu bestaerken.

Sonntag, 6. Februar 2011

Mehr Bewegung

Ich bin zwar staendig unterwegs, z.B. von einer Arbeit zur anderen, aber irgendwie fand ich dennoch, dass mir regelmaessige Bewegung fehlt. Daher habe ich entschieden, mein Monatsticket (ca. 50 EUR) einzusparen und nur noch von Sharon zum Har HaZofim zum Krankenhaus hochzufahren, und morgens und abends zu Fuss zu laufen. Es ist am Morgen etwas mehr als eine halbe Stunde (fast nur bergauf) und abends etwas weniger, aber bergab. Dafuer habe ich mir nur eine Zehner-karte gekauft, die mich dann den ganzen Monat ueber nicht mehr als 30 EUR kostet. Wenn ich Lust habe - so wie heute - kann ich vom Krankenhaus in die Stadt auch laufen, denn da geht es auch fast nur bergab.

Am Shabbatausgang war ich zusaetzlich eine 3/4 Stunde unterwegs und habe 5 Min. laufen mit 5 Min. gehen abgewechselt. Waere doch gelacht, wenn ich mich nicht langsam etwas fitter bekomme.

Freitag, 4. Februar 2011

Danke, Naomi!

Waehrend ich mich doch haeufiger dabei ertappe, wie ich darueber nachdenke, ob ich diesen Blog weiterfuehren soll und ob sich ueberhaupt noch Menschen dafuer interessieren, passieren immer wieder Dinge, wie heute, die mir zeigen, dass es doch nicht wenige sind, denen der Blog Freude macht.

Eine aeltere Dame aus der naeheren Umgebung von Jerusalem, vor vielen Jahren eingewandert, hat wirklich alle moeglichen Anstrengungen unternommen, und mich wochenlang versucht zu finden, um mit mir am Telefon zu sprechen. Schliesslich hat sie meinen vollen Namen in einer deutschen Zeitung gefunden, fuer die ich einen Artikel geschrieben habe ueber Familiaere Dysautonomie. Mit dem vollen Namen war es ihr dann moeglich, meine Telefonnummer herauszubekommen. Ich bin platt und erstaunt, ueber soviel Einsatz und nochmehr ueber den Einfallsreichtum. Sie hatte sich um mich gesorgt, da ich den Artikel ueber meine kalte Wohnung schrieb, und erzaehlte mir, wie sie damals, kurz nach der Einwanderung auch in diversen "Loechern" gewohnt hat. Wir haben lange gesprochen und ich moechte sie gern treffen, um sie persoenlich kennen zu lernen. Ueber den Sinn oder Unsinn, den Blog weiterzufuehren, sagte sie mir: "Nein, schreib weiter! Denk daran, dass dir kuerzlich jemand einen Kommentar schrieb, wie du durch deine Geschichten ueber Sharon ein wichtiges Gespraech zwischen den Familienangehoerigen angeschoben hast..."

Ich bedanke mich, Naomi, fuer unser schoenes Gespraech und ich freue mich sehr auf einen Cafe mit dir in Jerusalem! Schoen, dass du mich gefunden hast! Es scheint zu stimmen: Der Adar mehrt die Freude...

Shabbat shalom, auch fuer dich, Naomi und Chodesh tov!!!

Freunde

In Deutschland habe ich genau drei WIRKLICH gute Freunde. Es ist ja oft schon schwierig, einen wahren Freund zu finden, der fuer einen da ist, und der einen versteht.

Hier in Israel haben sich die Freunde waehrend meines Krankenhausaufenthaltes als wahre Freunde erwiesen, die mich nicht im Stich liessen. Ich werde also eine ganze Menge an wirklichen "Mit"-menschen vermissen, wenn ich von hier fortgehe.

Da sind in erster Linie Esti und Roni, die von mir und meinem Leben wohl am meisten wissen, aber ich auch von ihnen und ihrer riesigen Familie. Sie wohnen fast nebenan, und so war ich von Anfang an aufgefordert, jederzeit bei ihnen anzuklopfen. Der Kontakt entstand ueber Rabbi Israel Rosen aus Aloh Shwut, der meinte, diese Familie wuerde wirklich zu mir passen. Die Familien vom Rabbiner und Esti kennen sich schon seit der Kindheit.

Esti und Roni sind warme gastfreundliche Menschen, die immer da sind und gern helfen. Menschen mit Herz eben. Und da Esti schon lange Jahre Freunde auch im Ausland hat, mit denen sie treu den Kontakt haelt, habe auch ich die Hoffnung, dass unsere Verbindung nicht abreissen wird.

Familie Marocco, Ayala und Jair gehoeren ebenfalls inzwischen zu meinen engen Freunden. Ayala - die auch Lehrerin fuer hebr. Sprache ist - ist immer darauf aus, mir ein vielseitiges Hebraeisch beizubringen. Wir haben oft telefoniert und sie hat mich upgedatet in verschiedenen Sprachfeldern. Eine kurze Frage meinerseits per sms wurde direkt und ausfuehrlich von ihr beantwortet. Aber nicht nur das. Viele Einladungen zu Shabbatot im Hause Marocco und tatkraeftige Hilfe bekam ich zusaetzlich. Hatte sie einmal viel Arbeit und ich sagte: "Ach, du Arme!" antwortete sie mir mit dem Satz: "Sag niemals, dass ich arm bin. Ich bin nicht arm, ich habe alles und ich mache gern etwas fuer andere Menschen. Fuer das, was ich habe, bin ich dankbar. " Mit dieser positiven Einstellung habe ich sie auch immer erlebt, obwohl ich weiss, dass es auch in dieser Familie ein paar Sorgen gibt.

Miri, eine ehemalige Sozialarbeiterin hat sich - seit ich sie in der Yehuda-HaLevi-Synagoge kennen lernte - immer nach meinem Wohl erkundigt. Sie hat mir die kostenlose Teilnahme an ihrem Workshop "Wendepunkte im Leben" ermoeglicht und mit mir im Cafe Aroma morgens Cafe getrunken. Ihr Mann ist Astrophysiker und gerade bei ihm habe ich mich oft gefragt, wie tiefe Religioesitaet und Wissenschaft so miteinander funktionieren koennen. Er hat einmal in Mizpe Ramon einen Vortrag vor der Gemeinde gehalten, in dem klar wurde, dass er sich die Welt gerade aufgrund seines Wissens ueber das Universum nur durch G-tt erklaeren kann.

Rachel war die Sozialarbeiterin, die fuer mich auf der Herzstation im Shaarei-Zedek-Hospital zustaendig war. Obwohl sie es zu ihren Prinzipien gemacht hat, sich nicht mit Patienten anzufreunden, sind wir seitdem gut befreundet. Sie ist ein Buendel an Positivitaet und hatte immer fuer mich neue Ideen parat. Wir werden sicher in Verbindung bleiben, obwohl sie wohl niemals nach Deutschland kommen wird. Durch ihre Familiengeschichte hat sie sich geschworen, nicht einen einzigen Schritt in ihrem Leben auf deutschen Boden zu setzen.

Freda, die treue Seele. Sie habe ich in der Jakar Synagoge kennen gelernt. Jedesmal, wenn sie im Krankenhaus zur Tuer hereinkam, mit Unterstuetzung ihres Stocks, hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass sie mich trotz einiger Probleme bei Gehen regelmaessig mit guter Laune, Obst und Saft und ihrer grossen Zuneigung versorgte. Diese Frau ist wirklich unermuedlich in ihren Taten und fand immer neue "Ausreden", fuer mich den Bagel zu bezahlen, wenn wir uns an Motzei Shabbat zum Essen trafen.

ShaaltiEl, dessen neue Wohnung ich gestern zum ersten Mal bewundern durfte, wird wohl auch mit mir in Verbindung bleiben. Er hat mich damals davon ueberzeugt, noch einmal zur Jakar Synagoge zu gehen, wo ich dann geblieben bin. Von ihm habe ich vor meiner OP diesen wunderbaren Stein geschenkt bekommen, mit der Aufschrift: Ana El na refa na la... (G-tt heile sie doch bitte...... ein Zitat aus der Tora, von Moshe gesagt, seine Schwester Miriam betreffend). Auch ihn zeichnet ein grosses G-ttvertrauen aus. "Niemals verzweifeln, sich stets am Leben freuen..." diese Einstellung nimmt man ihm ab.

Talia ist die Tochter von meiner Sharon. Sie sagte mir bestuerzt, als sie von meiner Entscheidung erfuhr: "Ach, wie schade! Dabei bist du doch schon so gut wie ein wichtiger Teil unserer Familie geworden." Nicht nur, dass sie meine "Chefin" ist in Sachen Sharon, auch waehrend meines Krankenhausaufhaltes hat sich die Familie um mich gekuemmert. Ich bekam spontan das Angebot, mir eine Summe leihen zu wollen, falls ich in finanzielle Schwierigkeiten kommen sollte, aufgrund der Tatsache, dass ich nicht arbeiten kann. Ich war bei ihrem Sohn eingeladen, der Choser BeTshuva ist (Rueckkehrer zum Judentum sozusagen, religioes geworden...) und fuer den sie ihren gesamten Haushalt kosher gemacht hat, obwohl sie nicht religioes lebt. Ihr Mann Jack hat mir mit seinen Kontakten zum Sozialministerium geholfen, als es mit meiner Diplomanerkennung so gar nicht weiter gehen wollte.

Marc ist eigentlich mein Kardiologe, aber er und seine Frau haben mich eher wie eine Freundin behandelt. Die zwei habe ich auch - wie viele andere aus der Yehuda-HaLevi-Synagoge - auf dem Ausflug nach Mizpe Ramon naeher kennen gelernt. Er war der Ausloeser, dass ich mich nicht fuer eine OP im Hadassah-Krankenhaus entschied und hat sich mehr als ein Arzt um mein Wohl auf der Herzstation gekuemmert. Marc und seine Frau sind als Jugendliche aus Frankreich eingewandert. Die Liebe zur klassischen Musik begleitet seinen Tag. "Ich lebe den Tag mit Musik!" sagt er strahlend. Bei seinem wirklich erschoepfend langen Tag im Krankenhaus und einigen zusaetzlichen Abenden in der Krankenkasse als behandelnder Kardiologe habe ich immer bewundert, dass er den Tag mit dem morgendlichen Gang zur Synagoge beginnt. Seine von innen strahlende positive Lebenseinstellung machen seinen herzkranken Patienten Mut und schicken einen ansteckenden Funken von Mensch zu Mensch. Ich bewundere seinen Glauben und seine warme Menschlichkeit.

Und Acharon Acharon Chaviv - mein jahrelanger bester Freund Jacov, der mich, meine Hoehen und Tiefen im Leben, seit ich das erste Mal nach Israel flog begleitet hat. Eine merkwuerdige Geschichte, wie er - der absolut saekular lebende Jude - mich auf eine gewisse Art zum Judentum gebracht hat und - ohne es zu wollen - zur Erkenntnis gefuehrt hat, dass ich im Christentum nicht weitermachen kann. Durch unsere stundenlangen Telefonate habe ich Wurzelverwandschaften von hebraeischen Worten verstanden, philosophiert ueber sprachliche Verbindungen und politische Zusammenhaenge in Israel verstehen gelernt. Wir haben gemeinsam ueber der Tora und der deutschen Uebersetzung gesessen, und der saekulare Jacov sagte, auf eine einsame Insel wuerde er, wenn er nur einen Gegenstand mitnehmen duerfe, den Tanach mitnehmen. (Die "Bibel"). Meinen Giur hat er allerdings mit grosser Skepsis verfolgt, da er wohl stets Sorge hatte, ich lande irgendwann in den Armen eines Mannes aus Mea Shearim und werde somit sicher nicht mehr eine Freundschaft zu einem Mann pflegen.

Dass beide Eltern von ihm Auschwitz erleben mussten, tut mir bis auf den heutigen Tag weh und ich schaeme mich fuer das, was mein Volk in der Vergangenheit verbrochen hat an der Menschlichkeit. Auch zu mir sagt Jacov oft: "Du musst fuer mich keine Juedin sein. Ich liebe dich als Mensch!" Und doch hat er stets meinen Weg und meine Entscheidungen unterstuetzt und begleitet, und so weiss ich auch mit Sicherheit, dass wir weiter befreundet sein werden, ob ich in Israel oder Timbuktu bin.

Fuer viele dieser Verbindungen wird das Internet unser Medium sein, in Kontakt zu bleiben.

Shabbat shalom und Chodesh tov an alle Freunde und an die Leser "da draussen"!


Schmuddelwetter

Ich habe jetzt die Klimaanlage auf "Waermen" aktiviert. Der Stromzaehler scheint nicht so zu rasen, wie bei dem kleinen Heizluefter.

Auch ist es schneller im Raum warm, waehrend der kleine Luefter nur einen Bruchteil des Zimmers erwaermt hat. Draussen ist es kalt und regnerisch und ich bin froh, gestern schon fuer den Shabbat Einkaeufe gemacht zu haben. Der Freitag ist ein idealer "Gammeltag", an dem ich spaet aufstehe, in aller Gemuetlichkeit fruehstuecke und ein paar Aufraeumaktionen starte, die ich waehrend der Woche vernachlaessigt habe.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Luxus-nacht

So, nun habe ich mich ein wenig abregen und erholen koennen. Freunde haben mich zu sich in ihre kuschelige geheizte Wohnung eingeladen, um dort eine Nacht zu verbringen. Vorher haben sie mich noch zum Konzert ins Theatron eingeladen - so war es ein Luxus-abend und eine wirklich angenehme Nacht.
Die Vermieterin will sich bis zu 100 Shekel an den Heizkosten beteiligen, falls ich nicht ausziehen will.
Diese Heizstrahler, und auch andere Oefen, einschliesslich Klimaanlage, sind stromfressende Moeglichkeiten, daher bin ich nicht sicher, dass ich da mit 100 Shekeln auskomme. Jetzt ueberstuerzt irgendwohin zu ziehen, so kurz vor der Abreise ist aber auch nicht geschickt.
Wir werden sehen, wie es weiter geht.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Und wieder mal meine Wohnung....

Ein Rechtsanwalt, fuer den ich ab und zu etwas uebersetze, riet mir nun, ich solle meine Vermieterin auffordern, dass sie die Heizung repariert, oder mir die zusaetzlichen Ausgaben fuer das Heizen mit einem Heizluefter ersetzt. Schliesslich habe ich die Wohnung ja mit Heizung angemietet und im letzten Jahr nichts fuer die Heizung zahlen muessen.
Nun ist sie im Krieg mit mir. Sie hat herumgekeift und meinte, so sei das nun mal wenn man in Jerusalem wohnt. Es sei eben kalt im Winter. (In meinem Zimmer sind es 9 Grad tagsueber)
Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, und ich ihr ankuendigte, mir Rechtsbeistand zu holen, bot sie mir an, ich koenne, wenn ich wolle, innerhalb einer Woche ausziehen.
Das werde ich mir in der Tat ueberlegen, denn auch wenn es die letzten zwei Monate sind, kann es noch schrecklich kalt bleiben.
Dabei faellt mir auf, dass es im letzten Winter auch um Probleme mit der Wohnung ging, damals tropfte Wasser aus der Leitung, die durch die Wohnung fuehrt, in meine Wohnung. Zu Beginn meines Hierseins also dieselben Probleme wie nun zum Schluss.
Eine schreckliche Frau, wie ich ihresgleichen hier in Israel nie traf.

Nicht winterfest!

Meine Wohnung, die absolut nicht jerusalem-winterfest ist, macht es mir gerade sehr leicht, dass ich in zwei Monaten in ein zwar kaelteres, aber mit funktionierenden Heizungen ausgestattetes Deutschland ziehe.

Es ist kalt, zurzeit ca. 3-4 Grad nachts, tagsueber keine 10 Grad, und feucht. Sehr feucht. Die Mauern sind voellig ausgekuehlt und die Heizung funktionierte in diesem Winter gerade mal einen Tag.

Seitdem gibt es keine Heizung bis heute. Auf meine Frage, was denn mit der Heizung los ist, gab meine Vermieterin vor, die Heizung sei kaputt, und keiner habe zurzeit Heizung im Haus. Die anderen Leute koennen sich aber stattdessen einen Heizstrahler leisten. Freunde stellten mir netterweise auch solch ein Geraet zur Verfuegung, nur wenn ich sehe, wie der Stromzaehler rast, bei Betrieb, lasse ich das lieber sein.

So laufe ich wie letzten Winter mit zwei Waermflaschen und einer umgewickelten Decke herum. Morgens frueh ist die Kleidung feucht-kalt beim Anziehen. Ein wahrer Genuss also. Und sicher nicht gesund.

Dienstag, 1. Februar 2011

Reaktionen

Insgesamt nehmen die Menschen um mich herum meine Entscheidung, wieder nach Deutschland zurueck zu gehen, sehr ernsthaft und differenziert auf. Enge Freunde auessern ihr Bedauern, mich nun bald nur noch in der Ferne als Freundin zu haben, gleichzeitig muessen sie aber zugeben, mich aus tiefstem Herzen zu verstehen. Die meisten finden auch nicht, dass ich "gar nicht erst haette kommen muessen", oder mir das doch "frueher haette ueberlegen sollen", sondern versuchen, diese Schritte nachzuvollziehen.

Das Leben ist eben nicht immer so vorhersehbar und gerade, sondern vielmehr braucht es manchmal Umwege, um Dinge zu begreifen und zu erkennen, wobei die Umwege nie umsonst sind, sondern fuer sich genommen einen eigenen hohen Wert haben. Vielleicht lernen wir manchmal sogar mehr durch die Umwege?

Heute war ich bei meinem alle zwei Wochen stattfindenden Workshop "Wendepunkte im Leben" und habe von einer anderen Reaktion berichtet, die mich gestern morgen fast ein wenig geaergert hat. Eine Frau, mit der ich nicht mehr viel zu tun habe, seit meiner Operation, da ich mich absolut unverstanden fuehlte, warf mir mit einem genuesslich zynischen Laecheln entgegen: "Und - dann war die ganze Geschichte also einfach nur so....?" (STAM, sagte sie und STAM kann man schlecht uebersetzen, es ist "nur so", mit dem Sinn von "ohne Bedeutung"..)

Ich habe dann laut darueber nachgedacht, dass sie das wohl auch deshalb sagen konnte, weil sie nie Kinder hatte, als eine Frau aus der Gruppe einwarf: "Mir scheint, dass sie noch ganz andere Dinge NIE hatte!"

Aber diese Reaktion ist eine Ausnahme, die meisten verstehen, welche Gedanken ich mir dazu gemacht habe, und dass ich es mir nicht "einfach so" leicht gemacht habe. Es mag von aussen so aussehen, und wer mich nicht kennt, wird vielleicht vermuten: Sie ist mal eben so eingewandert und genauso mal eben wieder zurueck gegangen.

Ich sehe jedoch, dass alles einen Sinn gehabt hat, und dass auch diese Zeit in Israel eine tiefe Bedeutung fuer mich hatte.

Ohne die Dinge, die uns passieren, die wir erleben, waeren wir doch gar nicht an dem Punkt, an dem wir zurzeit stehen, waeren nicht derselbe Mensch, sondern ein durch andere Erfahrungen voellig anders gepraegtes Wesen.