Donnerstag, 31. März 2011

Deutschland - Schluss mit der Besatzung!

Wir hoeren immer wieder, auch leider beim letzten Anschlag in Jerusalem, dass ja von vornherein klar ist, warum das passiert. Viel Verstaendnis wird fuer die Terroristen aufgebracht, weil ja die Besatzungs-"macht" Israel irgendwie selber schuld ist. Die Terroristen handeln aus einer Hilflosigkeit heraus. Man kann sich wirklich in sie hineinversetzen. Wuerde nur die Besatzung durch Israel aufhoeren, dann waere alles gut.

Wen besetzt eigentlich Deutschland, dass scheinbar - vielleicht aus einer Hilflosigkeit heraus ? - ein Sprengstoffanschlag auf das Borussia-Stadion in Dortmund geplant war? Was hat Deutschland falsch gemacht, dass Terroristen es im Visier haben? Wir sollten das schnell herausfinden, denn wenn wir den Fehler abgestellen, z.B. die besetzten Gebiete in Deutschland endlich aufgeben, verschwinden wir bestimmt aus dem Fokus der Terroristen. Wahrscheinlich ist Deutschland selber schuld!

Dienstag, 29. März 2011

Pessach-geschenk - eine Ueberraschung

Heute endete der Sozialarbeiterstreik, und da musste ich doch tatsaechlich noch an meinem letzten offiziellen Arbeitstag zum Hadassah-hospital. Das war aber auch gut so, denn ich bekam mein "Pessachgeschenk" in Form von einer Karte, die mit 600 Shekeln aufgeladen war. Es gibt kein Bargeld, aber man kann die Karte in sehr vielen verschiedenen Geschaeften einloesen. Unter anderem - im Zomet Sfarim, einem Buchladen!!!!! Und so konnte ich doch wahrhaftig meinen grossen Wunsch schon erfuellen, mir das "Milon Sapir chadash" zu kaufen, das wirklich ein Werk fuers Leben ist. Und ganz ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Da es ca. 4 kg wiegt, werde ich es mir in den naechsten Tagen nach Deutschland schicken, mit ein paar anderen restlichen Buechern.

Freitag, 25. März 2011

Shabbat shalom שבת שלום

Marathon Jerushalmi

Am Ziel gab es eine Buehne, und viele Staende mit Essen, Trinken, Sportartikeln usw. Aber von der fehlenden "Partystimmung" an der Strecke war ich doch etwas enttaeuscht. Auch wenn ich sonst sicher nicht fuer "Party" bin, beim Marathon gehoert es meiner Meinung nach zwingend dazu. Ein Teilnehmer sagte mir: "Ich komme aus den USA, da ist auch mehr Stimmung, aber fuer mich war es heute wichtig, die Strecke an sich zu laufen." Ja, fuer die schnellen Laeufer wird es nicht allzu schlimm gewesen sein, in Jerusalem einen Marathon zu laufen, ist Stimmung genug, an der Altstadtmauer entlang, das Jaffator zu passieren, das ist ein Erlebnis. Aber die, zu denen ich auch einst gehoerte, die langsamen, letzten, die taten mir doch sehr leid. Niemand mehr an der Strecke, quaelten sie sich noch durch die Gaza-strasse, einsam schnaufend.

Das ist in Berlin oder Frankfurt voellig anders. In Berlin stehen wirklich an der gesamten Strecke jubelnde Menschen, aus den Balkonen haengen Lautsprecher mit lauter Musik und man wird durch die Stimmung einfach durch die schlimmsten Kilometer "getragen", das macht unglaublich viel aus, wenn man einen Tiefpunkt hat, oder gar der "Mann mit dem Hammer" kommt. Das Wetter war fuer die Laeufer gut, nicht zu warm, aber fuer Zuschauer ungemuetlich kuehl, auf der Festwiese am Gan-Saccer versank man im Matsch.

Dennoch: Allen, die den Marathon gefinisht haben, meinen Herzlichen Glueckwunsch fuers Durchhalten, und denen, die sich eine Zeit vorgenommen und erreicht haben: Alle Achtung, kol haKavod!!!

Donnerstag, 24. März 2011

Raketenbeschuss im Sueden

"Bashetach patuach", auf freiem Feld, landen viele der Raketen aus dem Gazastreifen, die auf Israel abgeschossen werden. Heute kamen immer wieder Meldungen, insgesamt sind 11 Raketen in unsere Richtung abgeschossen worden. Es ist nicht mehr nur der Grenzort Sderot, der sowieso schon immer beschossen wird, sondern seit einger Zeit auch Ashdod, Beer Sheva, Javne ...

Es wird diskutiert, ob es wieder eine "groessere Aktion" geben sollte, um den Raketenbeschuss zu unterbinden, oder ob man diesen Raketen"tif-tuf" wie er genannt wird (Bei troepfelndem Regen sagt man tif-tuf, Spruehregen, hier und da, soll das heissen...) weiter hinnehmen soll, sich freuen, wenn kein Mensch sondern nur das "freie Feld" getroffen wird und hoffen, dass es aufhoert.

Die meisten Kommentatoren tun sich schwer, eine Antwort zu finden, zu nahe ist noch das Ereignis "Oferet Jetzuka" (die Aktion "gegossenes Blei"), im Dezember 2008. Aber wie es zurzeit ist, kann es nicht ewig weitergehen. Die Menschen im Sueden haben Angst, oft fehlen Schutzraeume und man will die Kinder ungern zur Schule und in den Kindergarten schicken, in dieser Situation.

Lila hat auf ihrem Blog ihren "Raketen-ticker", schreibt ueber jede Rakete, die zu uns vom Gazastreifen rueberkommt, und das ist gut so. Ich hatte es vor, und um ehrlich zu sein, es wurde mir zuviel, ueber jede Rakete zu berichten. Aber eigentlich sollte man es tun, wird doch sonst die uebrige Welt wieder sagen, falls es zu einem groesseren Gegenschlag kommt: Israel reagiert uebertrieben. Wie Juden eben so sind: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Licht aus! - Wer macht in Deutschland mit?

Heute um 20h wird die Bevoelkerung aufgerufen, das Licht fuer eine Stunde zu loeschen. "Die Stunde des Erdballs" heisst die Aktion.

Diese Initiative begann im Jahre 2007 in Australien. Privat- und Geschaeftsleute beteiligen sich daran. Fuer eine Stunde wird das Licht geloescht. Ein Zeichen fuer erhoehtes Bewusstsein fuer die globale Erwaermung des Erdballs. Energie sparen liegt in unser aller Hand, so soll die Botschaft lauten, die hinter dem Ereignis steht.

In Israel haben sich Stadtverwaltungen von Staedten wie u.a. Jerusalem, Tel Aviv, Petach Tikwa, Cholon, Ashdod, Eilat, Nes Ziona, Modiin, Javne und andere entschlossen, bei dem Ereignis mitzumachen.

Die freiwillige Aktion 2010 war die groesste in der Geschichte. 128 Laender, 4500 Staedte haben sich beteiligt.

Ich habe erst heute davon erfahren, und erinnere mich an letztes Jahr, wo das Ereignis auch viel zu spaet bekannt gemacht wurde. Wer hat in Deutschland schon davon gehoert, oder sich sogar beteilgt, um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns aktiv daran beteiligen koennen, mit Energie vorsichtiger umzugehen, und so unsere "Mutter Erde" etwas zu schonen?


Gerade habe ich entdeckt, dass es international "Earth hour" heisst. HIER ist die deutsche Website.

Morgen ist Jerusalem-Marathon

Da kommen Melancholien auf, und Erinnerungen, an meine Marathons vor ca. 6 Jahren, in Berlin, Frankfurt, Rom und Dortmund. Es ist ein so wunderbares Erlebnis, einen Marathon zu laufen, das man niemandem beschreiben kann. "Ist doch langweilig, mehrere Stunden so vor sich hinzulaufen..." ist die Meinung der meisten, die sich das nicht vorstellen koennen. Nein, Langeweile kommt nicht auf, vielleicht ist die Vorbereitung, die gezielt etwa drei Monate dauern sollte, aber mit einer mindestens 1 1/2 jaehrigen regelmaessigen Trainingszeit, manchmal langatmig, besonders wenn man an den Wochenende lange Laeufe trainiert, aber beim Marathon selbst gibt es soviel Eindruecke und Menschen, die am Strassenrand anfeuern, dass der Adrenalinspiegel gar nicht absinken kann. Das, was im Kopf vor sich geht, ist das Spannendste. Es gibt Hoehen und Tiefen, Hoffnungen, Berechnungen und Aengste, Schmerzen und Einteilung der Getraenke. Alles findet in diesen Stunden innerlich statt.

Aber ehe ich ins Schwaermen komme, sei gesagt, dass der Marathon trotz der traurigen Ereignisse gestern hier in der Hauptstadt, stattfindet. Nir Barkat, unser Buergermeister hat soeben noch einmal im Radio bestaetigt, dass alles genau wie geplant stattfinden wird. Er selbst wird den Halb-marathon laufen. Dies entspricht der allgemeinen Philosophie, die auch waehrend der schlimmsten Terroranschlaege vor einigen Jahren, stets zu spueren war. Wir machen weiter, wir duerfen uns einfach nicht den Alltag vom Terror bestimmen lassen. Die normale "Alltagsroutine" muss weiterlaufen. So lebt man hier und so ist die Einstellung.

10.000 Teilnehmer gehen an den Start, davon 1000 aus dem Ausland Angereiste.

Daher - morgen frueh wird also Marathon gelaufen in Jerusalem! Dawka!!

(und HIER ist die offizielle Internetseite dazu, nicht nur auf hebraeisch)

Mittwoch, 23. März 2011

Riesenaufgebot an Polizei heute

Nach dem Anschlag heute nachmittag, gibt es in der ganzen Stadt ein riesiges Aufgebot an Polizei und Soldaten. Wir sprechen ueber nichts anderes. Meine Bekannte aeusserte ihre Angst, weiter mit dem Bus zu fahren. Andere Freunde meinen, man solle auf keinen Fall etwas an seinen Gewohnheiten aendern, denn das sei hier in Israel besonders wichtig: sich nicht den Alltag von Terroristen bestimmen lassen. Ich persoenlich muss erstmal jetzt die bissigen hasserfuellten anti-Israel-Kommentare speziell bei Tagesschau.de verdauen. Was mich am meisten erschuettert, ist die Tatsache, dass sich wenige empoeren ueber die Terroristen, umso mehr aber darueber, dass Israel das ja alles selbst provoziert hat. "Was haben auch die Juden unter den vielen Arabern zu suchen?" heisst es da unter anderem. Insgesamt hat man - wenn man die Kommentare liest - gar nicht das Gefuehl, dass gerade ein Anschlag auf Israel stattgefunden hat. Es geht eigentlich immer nur um das, was Israel falsch macht. Jubelnde Araber im Gazastreifen, die sich ueber den Tod von Menschen freuen, werden dagegen weniger verurteilt. Das macht mich etwas stutzig. Ich habe das Gefuehl, dass viele geradezu darauf warten, um endlich gegen Israel ihre Hasstiraden loswerden zu koennen.

Aber es ist nicht neu fuer mich. Ich habe Anschlaege mitbekommen, waehrend ich hier war und auch waehrend ich in Deutschland war, und ich muss sagen, dass es wesentlich "angenehmer" ist, hier zu sein. Klingt komisch? Nun, ich erinnere mich an den Terroranschlag auf die Jeshiwa "Mercaz haRav", bei dem etliche Jeshiwastudenten brutal umgebracht wurden. Zu diesem Zeitpunkt war ich in Deutschland und konnte mich mit nur wenigen Menschen aus der Gemeinde austauschen. Die anderen Menschen um mich herum wussten entweder gar nichts ueber diese Terrorattacke, oder gingen schnell wieder zur Tagesordnung ueber, was ich sogar verstehen kann, denn es passiert genug in der Welt. Man kann nur selektiv wahrnehmen und sich meist nur mit einem Ereignis beschaeftigen, zuviel ertraegt die Seele und der Geist nicht. Somit wird man sich mit dem Ereignis beschaeftigen, was einem zu diesem Zeitpunkt am naehesten geht, oder zu welchem man einen Bezug hat, entweder, weil man dort Freunde hat oder Verwandte oder aus anderen Gruenden. Da in den letzten Jahren jedoch fast jedes Ereignis hier in Israel gegen Israel und fuer die Palaestinenser diskutiert wird, fuehlt man sich relativ einsam in Deutschland. Ist man dagegen hier, weiss man genau, was der Nachbar denkt und fuehlt, es gibt eine Art Gemeinschaft, auch ohne Worte. Man fuehlt sich nicht allein mit seinen Gedanken.

Kommentare aus Deutschland - sehr "israelfreundlich"

Wow, da kann man nur geschockt sein, ob der vielen "netten" Kommentare aus Deutschland. Hier einige aus der "tagesschau-seite"


Mi, 23.03.2011 - 15:22 — wahrheitsliebend

Nach der besonderen Wohlbehandlung doch nicht oder? Zudem ist Gaza immer noch das weltgrößte Gefängnis und aufwärts gehts dort trotz zugesagter Milliardenhilfen auch nicht.


Rache für Landdiebstahl
Mi, 23.03.2011 - 15:25 — marionata

Wie lange will Israel den Friedensvertrag noch hinausziehen... bis ganz Palästina zugebaut ist.

Da muß sich keiner wundern, wenn das immer so weiter geht; Israel müßte die illegalen Siedlungen auflösen und endlich den Palästinänsern ihre Rechte zugestehen.


Wie wäre es, wenn Israel die Grenzen der UN-Resolution 242 akzeptieren würde und die illegalen Siedlungen wieder abreißt? Wenn dann immernoch Anschläge von Palästinensern verübt würden, hätte ich dafür kein Verständnis.



Frieden im Nahen Osten zu schaffen ist doch unmöglich. Da ist erst Ruhe, wenn es Palästina bzw. Isreal nicht mehr gibt. Koexistenz mit fundamentalistischen Moslems UND Juden ist einfach nicht möglich.


Das kommt davon!
Mi, 23.03.2011 - 15:57 — BlackXS187

Ich finde nicht das die Aktion gerechtfertigt ist, kann es aber nachvollziehen.. Das was die Juden den Gaza / Palästina angetan haben .. Das wissen wir alle nun tut bitte nicht auf "Ich habe keine Ahnung"!!

Gibt denen die Rechte und hört auf immer diese Schiffe zu stoppen!! Gut das keine Menschen ums leben kamen!!!

Aber ich verstehe das..


Bei soviel "Das-kommt-davon-Kommentaren" kann man sich ja richtig auf das israelfreundliche Deutschland freuen. Ich hatte mit Kommentaren dieser Art gerechnet, aber doch nicht in dieser Heftigkeit.


Bombenanschlag in Jerusalem

In der Naehe des zentr. Busbahnhofs ging heute um 3 Uhr eine Bombe an einem Kiosk hoch. Keine Toten, G-tt sei dank, bisher 31 Verletzte, die ins Hadassah-Ein Kerem und ins Shaarei Zedek gebracht wurden. Ein Trolly wurde in der Naehe eines oeffentlichen Telefons abgestellt, und ist kurze Zeit spaeter explodiert.

Nachtrag: Eine Frau, Touristin aus Englang, ist ihren Verletzungen erlegen, sichrona livracha. Baruch Dayan haEmet.

Noch zu erledigen

Heute ist schon Mittwoch! In etwas mehr als einer Woche fliege ich nach Deutschland. Gestern war ich bei meiner "netten" Vermieterin, was ich nun tagelang vor mir hergeschoben habe, da ich stets das Gefuehl habe, ihre Gegenwart tut mir absolut nicht gut. Sie versprueht in fast jedem Gespraech Gift. Als meine Freundin eine Woche hier war, hat sie mir mehr Wassergeld abgenommen und solche aehnlichen Aktionen. Es geht ihr wirkich nur um Geld. So laeuft auch mein Vertrag mit ihr bis Ende April, da ich aber Anfang April bereits eine Arbeit in Deutschland beginnen muss, war ich gezwungen, den Vertrag eher zu verlassen. Sie weiss das seit Ende Januar, und hat um diesen einen Monat ein Riesentheater gemacht, wollte mich nicht rauslassen, was bedeutet haette, dass ich ihr fuer "Nichts" 2300 Shekel haette zahlen sollen. Nur mit wirklich harten Verhandlungen hat sie sich nun darauf eingelassen, von mir Moebel zu ueber nehmen, womit sie sich - wie ich finde - recht gut steht. Der Neuwert dieser Moebel kommt auf ca. 4000 Shekel, und nach einem Jahr "Abnutzung" duerfte der Zeitwert ungefaehr um die 2000 Shekel liegen, wenn ich richtig schaetze. So hat sie nun eine Bett-couch, ein Klappbett, noch ein Stuhl, den man zur Matratze ausfahren kann, eine stabile Holz-waeschekiste, die nicht billig war, einen Kuehlschrank, ein Buecherregal, zwei kleine Tische. Sie schielte dann noch auf meinen Laptop, und fragte mich, ob ich den nicht loswerden wolle. Also - so etwas von geldgierig habe ich ja noch nicht erlebt. Da der Laptop so ziemlich mein einziger Wertgegenstand ist, den ich besitze und auch nicht hergeben wuerde, war die Frage ueberfluessig.

Was ist noch zu tun? Am naechsten Donnerstag werde ich fuer die letzten Tage zu meinen Freunden ziehen, die um die Ecke wohnen. Und vorher muss ich aussortieren und "wegwerfen", worin ich ja in den letzten Jahren Uebung habe. Dann bleibt mir nur noch eines. Meine Abmeldung von HOT, der Fernseh-Telefon-Internet-Gesellschaft, die immer noch eine "Strafe" fuer den vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag nimmt. (In Deutschland war das gleiche Spiel, als ich hierher zog, die Telefongesellschaften wollen einen einfach nicht rauslassen). Ich werde so schweren Herzens wohl 2400 Shekel zahlen, wenn nicht noch irgend jemand fuer mich mit HOT verhandelt. Ich habe es bereits erfolglos probiert, aber ich braeuchte jemanden, der "sprachliches Verhandlungsgeschick" hat, und sich nicht abwimmeln laesst. Das Argument von HOT ist: Da koennte ja jeder kommen.

Noch will ich aber nicht auf TV und Internet verzichten, das Telefon ist nicht ganz so wichtig. Daher werde ich alles in der naechsten Woche ab Sonntag in Angriff nehmen.

Heute morgen in Beer Sheva

Eine Grad-Rakete faellt heute morgen um 5.30h in ein Wohngebiet in Beer-Sheva (Stadt im Negev). Es gibt einen Verletzten, der auf dem Balkon seiner Wohnung im dritten Stock war. Weitere Menschen stehen unter Schock.

Montag, 21. März 2011

Danke Toechter!

So sehen die suessen Karten aus, die ich von meinen Toechtern bekomme. Nun geht es in den Endspurt, und ich freue mich, dass sie sich freuen.

Streik der SozialarbeiterInnen - 16. Tag

25 % zusaetzlich zum Gehalt, stufenweise innerhalb von vier Jahren. Das ist der Kern des Angebotes vom Finanzministerium. Das wuerde fuer mich statt 1300 brutto (fuer eine Viertelstelle) 1600 Shekel bedeuten. Eine "Verbesserung" von 250 EUR umgerechnet auf ca. 320 EUR innerhalb der naechsten Jahre. Hochgerechnet auf ein volles Gehalt ca. 1400 Shekel mehr (= keine 300 EUR), wie gesagt, stufenweise innerhalb der naechsten Jahre. Das halten die meisten fuer nicht ausreichend, da das Gehalt der unteren Lohngruppen (und das sind die meisten, schaetzungsweise) sowieso durch einen "Mindestlohnausgleich" ergaenzt werden muss, auch nach der Erhoehung!! Die Gewerkschaft der Sozialarbeiter moechte eine "wesentliche" Verbesserung der Loehne, nicht solch ein beschaemendes Angebot.

Daher geht der Streik nun in den 16. Tag und es soll weitergekaempft und weiterverhandelt werden. Aussicht auf mehr wird es aber gemaess der Meinung von vielen wohl nicht geben.

Ich habe mich schon irgendwie "eingerichtet" auf die freien Stunden, und brauche gar nicht mit Gehalt vom Hadassa-Hospital zu rechnen, in meinem letzten Monat.

Kreuze an: "Ja", "nein", "ich weiss nicht"

Ja, ein "Nein" waere besser gewesen, als eine Enthaltung. "weiss nicht", "keine Ahnung" oder "hmm, egal.." faellt mir dazu ein, und das ist einfach kein klarer Standpunkt. Eine schwammige Enthaltung finde ich empoerend, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen, wo die Menschenrechte mit Fuessen getreten werden, wo Menschen von der eigenen Regierung in Lybien bombardiert werden. Aber ich bin wohl nicht die Einzige, SPD, Gruene und die Union sollen, laut n-tv die Enthaltung ebenfalls kritisieren. Ein Politiker wie Westerwelle sollte gewusst haben, dass ein "Ja" zur Flugverbotszone nicht gleich bedeutet haette, deutsche Soldaten zu beteiligen. Und falls er es nicht wusste, umso schlimmer.

Von "Deutschland isoliert" ist die Rede, und genauso empfinde ich es auch. Wenn es darauf ankommt, Farbe zu bekennen, zieht man eben doch lieber den Schwanz ein, Das ist mehr als armselig.

Sonntag, 20. März 2011

Milon Sapir in drei Baenden - herrlich!!

Seit einiger Zeit habe ich das Gefuehl, mein hebraeisches Woerterbuch genuegt meinen Beduerfnissen nicht mehr. Vor ein paar Tagen entdeckte ich nun bei Steimatzky (hier die Internetseite fuer Interessierte) das sogenannte "Milon Sapir", eine Enzyklopaedie Ivri-Ivri (Hebraeisch-Hebraeisch). Aehnlich wie das englische Woerterbuch "Oxford-Dictionary", welches wir in der Schulzeit als Fortgeschrittene benutzten, sind dort die Begriffe auf hebraeisch erklaert. Es gibt das Milon Sapir Chadash (das Neue Milon Sapir), in einem einzigen dicken Band, welches jedoch gegenueber dieser 3-baendigen Enzyklopaedie den Nachteil hat, dass keine Beispielsaetze vorkommen. Das Milon Sapir kostet 3 baendig 639 Shekel, ca. 130 EUR. Da es eine "Anschaffung fuers Leben" ist, ist der Besitz dieses wunderbaren Werkes mein naechstes erklaertes Sparziel. Ich werde es mir dann von Steimatzky nach Deutschland bestellen.
Vielleicht bin ich nicht ganz "normal", ich koennte stundenlang "Woerterbuch lesen". (Aber nicht in allen Sprachen)

Purim sameach!

Ja, so bunt sieht es zu Purim in der Synagoge aus. Auch die Menschen im Kibbutz, wo gestern abend Raketen einschlugen, haben gefeiert. Das Motto: Wir muessen das machen, was wir immer machen. Wir duerfen uns nicht unseren Alltag von den Feinden beeinflussen lassen. Heute abend und morgen feiert Jerusalem Purim, waehrend die anderen Staedte schon heute, bzw. gestern abend mit dem Feiern begonnen haben. "Shushan Purim". (Shushan hiess die Stadt in Persien, heute Iran) Alle Staedte, die zu Zeiten der Ereignisse um Koenigin Esther eine Stadtmauer hatten, feiern Purim einen Tag spaeter.
Es ist eine Mizwa (eine Pflicht), die Megilla (die Geschichte , woertlich "die Rolle") zweimal zu hoeren, und zwar kein Wort zu verpassen, einmal am Vorabend, und ein zweites Mal am naechsten Morgen. Wenn das Wort "Haman" faellt, beim Vorlesen, ist es Brauch, vor allem fuer die Kinder grossen Laerm zu machen mit einer Art "Ratsche". Haman ist der "Boesewicht", der Minister des Koenigs Achaschwerosch, der vorhatte, alle Juden an einem einzigen Tag zu vernichten. Um zu ermitteln, an welchem Tag genau das stattfinden sollte, sollte das "Pur" geworfen werden. Pur ist persisch, und heisst "Los". Per Los sollte also der Tag der Vernichtung aller Juden entschieden werden.
Nicht erst zu Zeiten Hitlers also, wurde beschlossen, die Juden in ihrer Gesamtheit zu vernichten, schon damals wurde ihnen Boeses nachgesagt und immer wieder gab es Pogrome gegen dieses Volk. Warum eigentlich immer wieder Juden, nur weil sie Juden sind, abgelehnt und gehasst werden ist mir immer noch nicht so ganz klar. Als Feindbild taugt das juedische Volk aber auch in heutigen Zeiten noch. Und wenn es indirekt gegen "Israel" oder das israelische Volk geht, z.B. bei Boykotten. "Kauft keine Erzeugnisse aus Israel" heisst es in der juengsten Zeit in manchen Staedten, wenn Menschen sich mit den Palaestinensern identifizieren, und systematisch Angriffe auf Israel verdrehen und mit "Hilflosigkeit" rechtfertigen. Mit Aufklaerung kommt man leider nicht weit, weil diese Menschen sich konsequent weigern, eine andere Sichtweise zu hoeren. Wieso eigentlich? Drohen Juden oder Israelis mit heiligem Krieg oder mit Terror in vielen Laendern? Enthaupten sie Menschen, weil sie eine andere Meinung haben oder steinigen sie vermeintliche Ehebrecherinnen? Begehen sie Ehrenmorde, um die Familienehre wieder herzustellen oder verteufeln und bedrohen sie Andersglaeubige? Wieviel Juden sind eigentlich als Terroristen aufgefallen bislang?

50 Geschosse im westlichen Negev

Ich dachte erst, ich haette mich verhoert, aber es waren tatsaechlich 50 (!!!!) Geschosse, die im westlichen Negev aus Richtung Gazastreifen herunter kamen. Gestern abend wurde im TV ein Kibbutz gezeigt, der u.a. betroffen war. Eine Familie konnte nicht schnell genug das Eisen(schutz)fenster schliessen und so schlug ein Geschoss auch durch das Fenster ein. Es kamen G-tt sei dank insgesamt "nur" zwei Menschen mit einer leichten Verletzung davon, aber 50 Geschosse auf einmal - das hatten wir sehr lange Zeit nicht mehr. Seit dem Gazakrieg sind es immer nur einzelne. Jede einzelne Aktion wird aber dafuer auch von der israelischen Armee "beantwortet" mit einer Gegenaktion. So kann auch die Welt nicht ignorieren, was hier passiert, denn wenn man lange Zeit die Angriffe hinnimmt, und es dann irgendwann einmal "genug" ist, ein Krieg entfacht, wird schnell gesagt "Israel reagiert uebertrieben". So aber - indem jede Aktion beantwortet wird, kann man sehr gut beobachten: Schiesst die Hamas nicht, schiesst Israel nicht. So einfach ist das.

Aber da fand ich doch soeben wieder einmal eine leichte Verdrehung der Tatsachen, in Sachen Israel ja nicht unueblich. Im "Handelsblatt" heisst es naemlich woertlich: "

Samstag, 19. März 2011

פורים שמח? - קשה לי

פורים - עת לשמח. אבל בתוכי בוער כאב של פרידה. פרידה מהמולדת של נשמתי, מולדתי האמיתית. אני מסתובבת ברחובות, שאני כל כך אוהבת. נשבר לי הלב, אבל הבנות שמחות מאד, וזה מראה לי שההחלטה היתה נכונה. למרות זאת אני במצב רוח ממש לא טוב, ואני לא רואה מוצא.

בחלומותי אני מתארת לעצמי, שתהיה לי עבודה עצמאית (לדוגמה במחשב), שמאפשרת לי,לגור פה, בארץ וגם בגרמניה, אצל הבנות. אך ברור לי, שזה רק חלום, וקשה או אפילו אי אפשר, להגשים אותו. אני שואלת את עצמי: איך? איך להסתדר בגלות? בלי החברים, בלי תחושה של שבת, בלי שמש כל השנה ובלי ירושלים? כשאחזור - לחופש מתי שהו - אני יודעת שזה לא אותו הדבר. עכשיו אני עדיין חלק מהיום יום של העיר, אני שיכת לפה. אבל אז, בעתיד? הדבר היחיד שנותר לי,זה להתפלל לקב"ה. להתפלל, שהוא יעזור לי, למצוא פתרון, על מנת לחבר את הכל

קשה הדבר - הרבה יותר קשה, ממה שאני ציפיתי מלכתחילה

בכל זאת - פורים שמח לכולנו

(סלחו לי, שאני מתמקדת במאמר הזה בצערי הפרטי, אף על פי שאני יודעת, איזה דברים מזעזעים מתרחשים בעולם)

Freitag, 18. März 2011

Shabbat shalom!

Purim - gemeinsam sind wir stark!

An Purim wird an die Errettung des juedischen Volkes zu Zeiten des Koenigs Achashwerosch in Persien gedacht. Haman, der Minister, hatte den Plan, an einem einzigen Tag alle Juden zu "vernichten". (356 v.d.Zeit)

Dank dem klugen Juden Mordechai und seiner Nichte Esther wurde das juedische Volk gerettet, Haman hing selbst an dem Galgen, der fuer Mordechai vorgesehen war.

Wir feiern Purim in diesem Jahr, da es ein Schaltjahr ist, im Adar II, da das Fest in naher Verbindung zur Befreiung des juedischen Volkes aus der aegyptischen Sklaverei - also Pessach- stehen soll.

Es gibt verschiedene Gebraeuche an Purim, zu denen unter anderem das sogenannte Mishloach Manot gehoert. (ein Geschenk, das aus zwei Portionen essfertiger Nahrung besteht, an mindestens eine Person. Oft laesst man das Geschenk durch einen Boten ueberbringen)

Man verkleidet und maskiert sich. Dieser Brauch hat wohl verschiedene Begruendungen. Einer duerfte sein, dass G-ttes Name in der Megillat Esther (der Esther-rolle, die an Purim zweimal gelesen wird) kein einziges Mal ausdruecklich vorkommt, er die Geschicke aber sichtbar im Hintergrund lenkt. (also verborgen, wie hinter einer Maskerade..)

Man gibt mindestens zwei beduerftigen Personen Geldgeschenke. Maimonides sagt sogar, dass diese Mizwa alle anderen Purim-aktivitaeten an Wert uebersteigen soll. Interessant ist, dass auch der, der selbst beduerftig ist, etwas spenden soll. Jeder nach seinen Moeglichkeiten.

Da die Einigkeit des juedischen Volkes, der Zusammenhalt, zu seiner Errettung gefuehrt hat, feiert man mit Freunden. Die Gemeinschaft steht also auch hier - wie an vielen anderen juedischen Festen, im Vordergrund und wird besonders geehrt. "Gemeinsam sind wir stark".

Man trinkt Wein, und an Purim sogar viel, so viel, dass man nicht mehr zwischen dem boesen Haman und Mordechai unterscheiden kann, wie es heisst.

Meine Gedanken zu Purim kreisen stets um die Tatsache, dass wir tatsaechlich GEMEINSAM stark sind. Das juedische Volk ist EIN Volk und sollte auch versuchen, den Nachbarn nicht zu verurteilen, nur weil er ein "anderes" juedisches Leben fuehrt. Wir koennten versuchen, alle "Stroemungen" zu akzeptieren und zu achten, ohne dass wir auf unsere Prinzipien verzichten und sie aufgeben. Ein gar oeffentliches Anprangern fuehrt nur dazu, dass das juedische Volk keine Einheit mehr bildet und Feinde von aussen diese Tatsache schnell fuer ihre Zwecke ausnutzen koennen. Auch zu Sukkot wird in Verbindung mit den "vier Arten" betont, dass JEDER Jude wichtig ist. Jeder hat seine bestimmten Eigenschaften und Aufgaben im juedischen Volk und es kann sein, dass der Tag kommt, an dem der, den wir zu unrecht verurteilt oder gar verachtet haben, faehig ist, durch seine Eigenschaften das juedische Volk zu retten.

Purim sameach! Ein froehliches Purimfest!

Donnerstag, 17. März 2011

Checkpoint

Gestern am Checkpoint auf der Strasse Nr. 60. (Ich habe den Grenzort vergessen). Wir waren nach unserem Aufenthalt in Hebron suedwaerts gefahren, und irgendwo hinter Meitar gab es den Checkpoint vom Westjordanland auf israelisches Gebiet. An diesem Checkpoint bin ich gefilzt worden, wie noch nie zuvor.

Wir fuhren mit dem Auto an den Checkpoint heran, wurden gebeten, unsere Paesse vorzuzeigen. An dieser Stelle muss ich betonen, dass alle Kontrollen IMMER sehr freundlich und hoeflich vorgenommen werden, mir persoenlich ist noch nie eine Situation untergekommen, wo ich schlecht behandelt wurde. Meine beiden Freunde aus Deutschland und ich wurden gefragt, woher wir kommen, wo wir wohnen etc. Die Paesse wurden einbehalten, mit der Erklaerung, wir muessen auf den Parkplatz fahren, wo wir und das Auto kontrolliert werden und nach der Kontrolle bekaemen wir unsere Paesse wieder. Wir wurden angewiesen, das Auto zu oeffnen, auch den Kofferraum und den Motorraum, alle Rucksaecke mit herauszunehmen und durch das Roentgengeraet zu schicken.

Bei dieser Gelegenheit zeige ich immer meinen Herzschrittmacher-Ausweis vor, da ich nicht durch den "Bogen" gehen darf. 1. Piepse ich sowieso und 2. soll man diese Kontrollen meiden. Es steht auch an den Sicherheitsanlagen angeschrieben. Ich weiss aber, aus Erfahrung z.B. beim Haus des Praesidenten, dass man stattdessen dann eben koerperlich genauer gefilzt werden kann.

So war es dann auch hier. Man bat mich zu warten, die Freunde wurden durch den Bogen geschickt, das Auto war bald gefilzt und nun suchte man nach einer Frau, die mich in einem gesonderten Raum "abtasten" koenne. Ich kam in den Raum, die junge Frau sagte: "Zunaechst moechte ich mich vorstellen. Ich bin Osnat (Name geaendert), und ich bin Wachposten. Da du einen Schrittmacher hast, muss ich dich koerperlich abtasten....?" Ich stellte mich auch vor und sagte ihr, dass ich das kenne, und es sei kein Problem, schliesslich sei es zu meiner Sicherheit. Sie strahlte und sagte erleichtert: " Ach, danke! Das ist schoen, dass du das so siehst."

Ich wurde wirklich genau abgetastet, nur die Schuhe musste ich dieses Mal nicht ausziehen. Das, was mir bei dieser Prozedur immer wieder angenehm auffaellt, ist die Freundlichkeit und das Erklaeren, warum man dies tun muss.

Wir bekamen unsere Paesse wieder und fuhren weiter.

Mittwoch, 16. März 2011

Ein Ovdat - ein Ort der Stille

































Die Machpela Hoehle in Chevron

Es war ein wunderschoener Tag, mit vielen Eindruecken. Als wir an die Wegbiegung zur Machpela-Hoehle kamen, fragten wir einen Soldaten, der an der Tankstelle gerade sein Fruehstueck einnahm, wie wir nun weiterfahren muessen, um zur Hoehle zu gelangen. Er fing an, uns den Weg dorthin zu erklaeren, und mittendrin meinte er: "Ach, wisst ihr was? Ich bring euch hin. Mein Kollege und ich haben diesen weissen Jeep hier, wir fahren gleich vor, wenn ihr wartet, bis wir gegessen haben."

In der Tat war es doch noch eine Weile von der Hauptstrasse entfernt und wir waren froh, dorthin geleitet zu werden. Direkt vor der Hoehle, beim Sicherheitsmenschen wurden wir gefragt, welcher Religion wir angehoeren. Dann stellte sich heraus: "Die beiden Christen duerfen hier herein und auch auf die arabische Seite. Sie, als Juedin duerfen nicht auf die arabische Seite."

Auf der rechten Seite, sind die Graeber von Sarah, Awraham, Jaakov und Leah, von der arabischen Seite her kann man Jitzchaks und Rivkas Grab sehen. Direkt an das Grab kommt man nicht, es gibt lediglich einen Sarkophag als Zeichen, dass dort unter vielen Schichten unsere Vaeter und Muetter begraben liegen.

Es war ein erhebender Augenblick und ich musste staendig daran denken, dass es bei meinem Uebertritt hiess: Noa Bat Awraham Awinu veSarah Immenu (Noa, Tochter von Abraham, unserem Vater und Sarah, unserer Mutter). Ein Ger und eine Gioret verlieren mit dem Uebertritt gemaess der Halacha ihre urspruenglichen familiaeren Herkuenfte, ihre Eltern sind ab sofort Abraham und Sarah. Im kleinen Gebetsraum, von wo aus man in einen Raum mit dem Schrein sehen kann, war ich sehr bewegt und fuehlte das erste Mal diese neue starke Verbindung.

Ein Schild gibt einen Spruch von Rabbi Nachman aus Breslov wieder:


"... der Platz der Machpela-hoehle ist das Tor zum Paradies (Garten Eden), durch das alle Seelen aufsteigen und sein Licht ist sehr gross.."

Maarat haMachpela - die Machpela - Hoehle in Chevron



































Freiter Tag - Hebron und weiter in den Sueden

Ein Luxus! Ich habe mir noch einen freien Tag genommen, und werde gleich von zwei Freunden aus Deutschland abgeholt, die ich ueber meinen Blog kennen lernte. Wir waren alle noch nicht in Hebron, in der Hoehle Machpela, wo ja Vater und Mutter eines jeden begraben liegen, der Giur gemacht hat, Awraham und Sarah. Also fuer mich zumindest eine aufregende Reise. Ich hoffe, dass wir hineinkoennen, denn es gibt Stunden, an denen keine Juden, sondern nur Moslems hinein duerfen. Wir werden dann weiter in Richtung Sueden fahren, nach Ein Ovdat.

Das Wetter spielt mit und ist sogar noch etwas waermer als gestern, die Sonne ist unser Begleiter.

Ich wuensche allen einen sonnigen Tag!

Erdachse verschoben

Durch das schwere Beben, so berichtet n-tv heute, seien riesige Erdmassen in Bewegung gekommen, so sei unter anderem die Erdachse nun um zehn Zentimeter verschoben.

Mir wird bei diesem Gedanken ganz schwindelig, denn ich kann mir vorstellen, dass zehn Zentimeter eine ganze Menge sind.

Dienstag, 15. März 2011

Wieder ein Schiff auf dem Weg nach Gaza...

Alles sehr merkwuerdig. Es ist schon wieder ein Schiff gestoppt worden, das auf dem Weg nach Gaza war. Und - natuerlich mal wieder mit Waffen an Bord. In drei von 39 Containern wurden Waffen, sowie sogar Raketen mit einer Reichweite bis zum Hafen von Ashdod gefunden.

Was sehr merkwuerdig ist, ist der Weg, den das Schiff genommen hat. Angeblich vom Iran kommend nach Syrien, anschliessend ueber die Tuerkei nach Aegypten. Das ist alles sehr verworren. Die Raketen sind ein chinesisches Erzeugnis. Fuer die Benutzung dieser Raketen gab es eine iranische Anleitung. Also internationaler kann es ja nicht sein. Es wird nicht angenommen, dass die Tuerkei oder Aegypten von der Schmuggelfracht wusste.

Irgendwie klingt das Ganze schon sehr mysterioes.

5 Minuten fuer Gil´ad - was soll das?

Die Botschaft?

Die israelische Bevoelkerung wird heute gebeten, zu zeigen, dass wir ein gemeinsames Herz haben, das schlaegt. Wir vergessen unsere Soldaten nicht. Wir sind alle Vaeter und Muetter und es koennte unser Sohn sein, unser Bruder, oder Neffe. Die Familie Shalit wird den Franzoesischen Platz schliessen, und dort stehen. (in der Naehe des Ministerpraesidenten)

Jeder Buerger und jede Buergerin moege anhalten in ihrem Tun, Autofahrer werden aufgerufen, vorsichtig an die Seite zu fahren, und sich neben das Auto zu stellen, um Identifikation zu demonstrieren. Jene, die in Cafes sitzen, werden gebeten, aufzustehen. Dort zu stehen, soll ausdruecken, dass wir da sind.

Auch Knesset-abgeordnete und der Praesident haben angekuendigt, an der ungewoehnlichen Aktion teilzunehmen.

Montag, 14. März 2011

5 Minuten fuer Gil´ad!

Morgen um 11 Uhr soll es fuer jedes Jahr, in dem Gil´ad Shalit, der von der Chamas verschleppte israelische Soldat, gefangen gehalten wird, eine Demonstrations-minute geben. Wir werden aufgerufen, um diese Zeit auf die Strasse zu gehen, und gemeinsam inne zuhalten. Aus Solidaritaet und um zu demonstieren, dass wir zusammen dafuer plaedieren, ihn endlich nach Hause zu holen, wie auch immer.

Die Verhandlungen mit der Chamas scheinen fuer die Oeffentlichkeit schon laengere Zeit stagniert zu sein. Sie muessen auf alle Faelle wieder aufgenommen werden, mit echten Bemuehungen.

Wer also vielleicht sogar in Deutschland mitmachen moechte, der sollte um 10 Uhr deutscher Zeit 5 Minuten innehalten und gemeinsam mit uns in Israel Solidaritaet demonstrieren. Ich glaube, dass unser innerer Zusammenhalt viel positive Energie in Richtung Gazastreifen zu Gil´ad schicken kann.

Wir haben dich nicht vergessen, Gil´ad.

Reaktionen, Berichte aus Deutschland

Nun habe ich einen Bericht ueber das grausame Geschehen auf den Seiten von n-tv entdeckt (HIER)

Wie N-tv berichtet, loest die Tat "internationale Bestuerzung" aus. Es werden aber auch die Al-Aqsa-Brigaden zitiert, der bewaffnete Arm der radikalen Palaestinenserorganisation Islamischer Dshihad. "Dies ist ein normaler Vorgang" sollen sie sich geaeussert haben, da es ein "Recht auf Widerstand gegen die israelische Besatzung und deren Verbrechen" gaebe.

Ein "normaler Vorgang" also, wenn man unter anderem einen Saeugling ersticht. Ein normaler Vorgang, eine Familie feige im Schlaf zu ueberraschen und sie kaltbluetig zu ermorden. Menschen, die solche Taten als "normalen" Vorgang bezeichnen, werden aber mit europaeischen Geldern in ihrem sogenannten Widerstand finanziert.

Die grausame Wahrheit - kaltbluetig ermordet, weil sie Juden waren

Zum ersten Mal veroeffentlicht Israel solche Photos (HIER zu sehen, aber es ist nichts fuer schwache Nerven..). Bisher war es immer so, dass Israel aus Achtung und Wuerde vor toten Menschen Photos in dieser Art prinzipiell nicht veroeffentlichte. Vielleicht ein Fehler? - denn, eines ist klar, seit Jahren "arbeiten" unsere Feinde mit genau diesen Mitteln, um der Welt zu zeigen, wie "brutal" Israel ist. Nur, dass viele ihrer Photos im Nachhinein retuschiert wurden und nicht erst in den letzten Kriegen kamen diese Faelschungen ans Licht.

Nun hat Israel entschieden- mit Genehmigung der Familie Vogel, die 5 ihrer Angehoerigen verloren hat durch einen grausamen Mord im Westjordanland, sind diese Bilder freigegeben worden und auch wenn es kaum zu ertragen ist, sie anzuschauen, glaube ich, dass es richtig ist.

Diejenigen, die "Siedler" mit einem gewissen Unterton aussprechen, sehen hier wirklich klar vor sich, wer diese Siedler sind. Ein Ehepaar mit drei Kindern, davon einer drei, der andere elf Jahre alt, und was keiner hier so richtig fassen kann, ein 3 Monate alter Saeugling.

Ich habe gestern im Radio die Trauerfeier mit verfolgt und war wie gelaehmt. Rabbiner, die Ansprachen hielten, weinten und es waren tausende, die zur Beerdigung auf den Friedhof in Jerusalem kamen, um Anteil zu nehmen, am furchtbaren Schicksal dieser Familie. "Du wusstest sehr genau, G-tt, wen du da zu dir geholt hast, eine so gute Familie..." sagte einer der Angehoerigen.

Furchtbar auch die Vorstellung, dass eines der Kinder die ueberlebt haben, ein Maechen im Alter von 12 Jahren, als erste nach Hause kam und ihre Eltern und Geschwister ermordet vorfand.

Ich erinnere mich an die Bluttat - ebenfalls im Adar, dem juedischen Monat, - in der Jeshiwa Mercaz haRav. Damals sass ich in Deutschland und wusste gar nicht so recht, wohin mit meinem Schmerz und meiner Verzweiflung. In Deutschland gab es ein paar Zeilen zu der Tat, und niemand in meinem Umkreis wusste ueberhaupt, dass "etwas" geschehen war dort, in Israel. Das sind die Augenblicke, wo man am besten hier aufgehoben ist, umgeben von Menschen, die das gleiche denken, denselben Schmerz fuehlen. Man muss mit niemandem reden, weiss aber auch ohne Worte, was der andere denkt.

Fuer viele wird es sich merkwuerdig anhoeren, aber es ist im Judentum tatsaechlich hervorstechend. Wenn einem vom juedischen Volk etwas geschieht, trifft es die gemeinsame juedische Seele aller Juden. Eine enorme Verbundenheit, wird ploetzlich wieder belebt. Nicht umsonst heisst es "Kol Israel Arewim, se lase!" (Ganz Israel Buergen, einer fuer den anderen) und das sind keine leeren Worte, es wird ganz praktisch gelebt. Ich durfte es selbst am eigenen Leib erleben, waehrend es mir so schlecht ging, wie noch nie im Leben zuvor.

Ich bin sehr dankbar dafuer, zu dieser gemeinsamen juedischen Seele zu gehoeren.

Sonntag, 13. März 2011

Die Welt steht Kopf

Ich glaube, es ist nicht uebertrieben, wenn ich mein Gefuehl, dass die Welt Kopf steht, zum Ausdruck bringe. Sicher wird es noch mehr Menschen geben, die diesen Eindruck haben. Eine regelrechte Reizueberflutung erfasst einen, wenn man die Nachrichten liest. Das Gehirn muss sortieren. Ein brutaler Mord direkt hier in einer Siedlung. Jemand, der faehig ist, unter anderem einen Saeugling zu erstechen. Wer kann so etwas fertigbringen? Das Erdbeben, der Tzunami, die Bilder dazu im Fernsehen, unfassbar, dann die Angst vor dem SuperGAU, der sicher schon begonnen hat. Unschuldige Menschen, die nicht wissen, wohin sie fliehen sollen, vor Verstrahlung. Aufstaende in der arabischen Welt, die brutal niedergeschlagen werden. All das will einfach nicht gleichzeitig im Gehirn aufgenommen werden.

Haben wir auch ohne noch vom Mord an der juedischen Familie zu wissen, am Shabbat viel ueber eine Art "Endzeitstimmung" diskutiert und uns gefragt, ob das alles Vorzeichen fuer das Kommen des Mashiach sind, so jetzt erst recht.

Es macht Angst, was passiert und wir fragen uns vielleicht: Wann wird bei uns in unmittelbarer Naehe etwas passieren? Wann steht die Erde endgueltig Kopf? Es wirkt jetzt schon wie ein absolutes Chaos. Wichtig duerfte es nun sein, nicht in Panik zu verfallen und unseren Alltag, so gut es geht, weiter zu leben, die Stunden und Tage sinnvoll auszufuellen und weiter Vertrauen zu haben in den Hoechsten, der alles lenkt, obwohl es sehr schwer faellt, dem Geschehen einen Sinn abzuringen.

Samstag, 12. März 2011

Zwei schreckliche Ereignisse

Nach dem Shabbat den Fernseher anzuschalten, kann manchmal schockierend sein. Bereits vor Shabbat war schon klar, dass es ein furchtbares Erdbeben mit verheerenden Folgen in Japan gegeben hat. Man ist irgendwie voellig gelaehmt, wenn man die Bilder von Autos sieht, die wie Spielzeugautos von Riesen-tzunami-Wellen mit gerissen werden, so wie alles, was sich diesen Wassermassen in den Weg stellt. Es werden sicher tausende von Opfern werden und zu allem Ueberfluss scheint es nun auch noch im AKW eine Kernschmelze gegeben zu haben. Panikgefuehle und Gedanken an "Tchernobyl" kommen auf. Ich kann mich daran erinnern, dass ich kleine Kinder hatte, als der Super GAU passierte. Uns wurde damals gesagt, dass die Wolke auch ueber Europa "abregnet" und Caesium sich dann in den Sandkaesten und auf den Wiesen befinden wuerde, was eine Halbwertszeit von geschaetzten 20 oder 30 Jahren hat (komischerweise spricht niemand mehr darueber, obwohl es ja nur eine Halbwertszeit war, das Gift muss sich also immer noch unter uns befinden... oder?).

Das zweite Horror-ereignis passierte heute wohl in der Siedlung Itamar, hier in Israel. Eine ganze Familie wurde regelrecht "hingerichtet", Eltern und 3 Kinder wurden im Schlaf von Palaestinensern erstochen (mir faellt nur das Wort abgeschlachtet dazu ein.. ). Sie waren ins Haus eingedrungen, und haben nicht gezoegert, auch einen kleinen Saeugling von 4 Monaten zu ermorden. Die drei anderen Kinder schliefen im Nebenzimmer und werden nun aufwachen ohne Eltern und drei ihrer Geschwister.

Netanyahu hat Abu Mazen dazu aufgefordert, Worte der Distanzierung und Verurteilung zu sagen, da das bisher nicht passiert ist. Auch die Welt solle diese Tat verurteilen, nur die ist verstaendlicherweise mit einer Naturkatastrophe beschaeftigt.

Netanyahu spricht gerade, und sagt, er habe viele Situationen erlebt, wo andere Staaten nicht schnell genug ihre Verurteilung ausdruecken konnten, wenn es um ein geplantes "Haus" in Israel ging, aber werden wohl auch palaestinensische Moerder nun so schnell verurteilt? Wir werden sehen..

Ich habe in den letzten Wochen viel mit Menschen korrespondiert, die geradezu "angeekelte" hasserfuellte Gesichter machen, wenn sie ueber "Siedler" sprechen. Ich kann nur dazu sagen, dass ich einige der warmherzigsten Menschen kenne, die sogenannte Siedler sind. Ich weiss nicht, ob diese Menschen so sprechen wuerden, wenn sie persoenliche Beziehungen dorthin pflegen wuerden. Ich hoere jetzt schon die Verurteilungen, nicht etwa der Moerder, sondern der Opfer. "Dieser grenzenlose Hass hat doch seine Ursache, es gibt doch Gruende fuer diese Gewalt, Gewalt entsteht doch nur aus Hilflosigkeit...."

Ehrlich gesagt, bin ich der festen Ueberzeugung, dass keinerlei Gewalt durch Hilflosigkeit gerechtfertigt werden kann. Eine derartige Grausamkeit kann nicht ausgeuebt werden, nur aufgrund von Unfaehigkeit, sich anders auszudruecken. Es gibt auch Menschen, die fuer ihre Ziele FRIEDLICH auf die Strasse gehen und dennoch etwas erreichen, manchmal sogar mehr.

Ich verabscheue eine solche hinterlistige, feige Tat.

Freitag, 11. März 2011

Donnerstag, 10. März 2011

Sozialarbeiterstreik - Tag 5!

Die Woche ist so gut wie vorbei, Ergebnisse oder gar Abkommen gibt es keine. Der Finanzminister hatte noch gemeint, darauf hinweisen zu muessen, dass es schliesslich Sozialarbeiter gibt, die eine Menge Geld verdienen. In der Tat gibt es sie, die im Ministerium fuer Sicherheit arbeiten, oder aber leitende Postitionen haben. Sie verdienen dann sogar bis zu 15.000 Shekel (3000 EUR).

Aber - dies sind Ausnahmen. Viele der Sozialarbeiter werden "beschaemt", indem auf ihrem Gehaltszettel ein Zuschlag auftaucht, um den Mindestlohn zu erreichen. (auf meiner Abrechnung taucht dieser Zuschlag auch auf).

Nun haben sich die oertlichen Behoerden eingeschaltet und geben ihre Solidaritaet kund. Sie setzen dem Schatzminister ein Ultimatum: Falls bis Anfang naechster Woche keine Vereinbarung unterschrieben ist, werden die Behoerden ab Dienstag streiken. Es wird keinen Buergerservice geben, und gereinigt wird nur in Schulen. Somit fahren die Behoerden dann gewissermassen auf "Shabbat modus".

Damit solidarisieren sie sich mit uns, mit der Begruendung, dass Sozialarbeit schliesslich das Herzstueck der Angebote unserer Gesellschaft fuer die Buerger ist.

Dienstag, 8. März 2011

"Es ist das Land der Geschichten..."

betonte Shoshana, die mich mit ihren immer noch wachen, neugierig strahlenden Augen fragend ansah.

In der Tat hat hier jeder seine ganz persoenliche Geschichte, vor allem die, die ihn oder sie mit dem Land verbindet. Und diese Geschichten sind so unterschiedlich, wie Menschen nur sein koennen. Jeder bringt seinen eigenen Hintergrund mit. Und es scheint, als kaeme jeder aus einer anderen Ecke auf das kleine Land zu. Es gleicht einer Art tiefer Liebesbeziehung, die, einmal begonnen, den Lebensweg begleitet. Sie schleicht sich in unterschiedlichen Altersstufen ins Herz, um sich dort auf immer einzurichten, ob man will oder nicht. Sie ist nicht austauschbar und aeusserst kompliziert, keine leichte, oberflaechliche Liebelei, sondern ein Geflecht intensiver Gefuehle.

Treffen sich Menschen, wie Shoshana und ich, so kann es passieren, dass man sich in der Geschichte des anderen wiederfindet, oder aber neue, andere Gesichtspunkte dieser Liebe zu hoeren bekommt. Eines aber ist sicher, naemlich dass es immer ein tiefes Verstehen gibt, selbst wenn sich die Geschichten nicht gleichen.

Keine Sorge, Shoshana, ich werde nichts von unseren Gespraechsinhalten preisgeben, jedoch muss betont werden, dass unser Treffen zu denen gehoert, die es wert sind, erwaehnt zu werden und auf die ich um nichts in der Welt haette verzichten wollen.

Montag, 7. März 2011

Sonntag, 6. März 2011

Kehrt der Terror zurueck in die Hauptstadt?

Heute morgen gab es im Stadtteil Gilo, im Sueden Jerusalems, nahe der Kreuzung, die nach Beit Lechem (Betlehem) fuehrt eine Explosion. Ein Arbeiter der Stadtverwaltung wollte einen Abfallsack wegraeumen, als der Gegenstand in seiner Hand explodierte. Er wurde sofort ins Hadassah-Krankenhaus, Ein Kerem, gefahren, wo versucht wurde, in einer langen OP seine Hand zu retten.

Hier fragt man sich, ob der Terror, der nun relativ lange Zeit die Hauptstadt Jerusalem verschont hat, oder besser gesagt, auch oft verhindert wurde, wieder zurueckkehrt, und ob die heutige Terrorattacke der Anfang einer Gewaltwelle sein koennte.

Die Taeter jedenfalls, - so wird vermutet - koennten aus Beit Lechem gekommen sein.

Mittwoch, 2. März 2011

Tragisch - oder "noch einmal Alzheimer"

Seit einiger Zeit nun ist Sharons Tochter auf der Suche nach jemandem, der mich bei ihrer Mutter ersetzen kann, wenn ich nicht mehr im Land bin.
Es war bereits ein eher junges Maedchen da, die dann aber im Wohnzimmer mit Sharon sass, und nicht wusste, was sie mit ihr anfangen soll. Ich denke auch, ein sehr junger Mensch waere sicher nicht so geeignet, als jemand, der wenigstens ein wenig Verstaendnis fuer aeltere Menschen hat. Bereits am naechsten Tag kam sie nicht mehr puenktlich, am dritten Tag gar nicht mehr.
Dann gab es eine Frau, die angab, bereits Erfahrung mit Alzheimer zu haben. Sie sorgte bereits fuer einen alzheimer-erkrankten Mann. Die Tatsache, dass dieser jedoch nie sprach, und sie lediglich neben ihm sass, um ihn zu beaufsichtigen, fuehrte dazu, dass sie auch bei Sharon wenig oder gar nicht sprach. Sharon jedoch ist ein Mensch, der pausenlos, ohne Punkt und Komma spricht, und sehr ungeduldig wird, wenn sie keine Antwort bekommt.
Die dritte Frau, die vor ein paar Tagen zum ersten Mal bei uns war, gefiel mir persoenlich sehr gut. Sie war freundlich zugewandt, nahm Sharon ernst und zeigte keine grosse Ungeduld, beim soundsovielten Beantworten der selben Frage. Auch Sharon reagierte auf sie positiv. Man merkt es ihr meist an, wenn sie jemanden von vornherein ablehnt. Dann steht sie auf, sagt, sie sei muede und geht langsam in ihr Schlafzimmer. Irgenwann dreht sie sich um und fragt dann, ob der andere nicht auch lieber "nach Hause gehen" moechte (der sanfte Rausschmiss), um sich ebenfalls auszuruhen.
Wir verbrachten also zu dritt die Stunden, in denen ich bei Sharon bin, schafften es sogar, Sharon zum Spaziergang zu bewegen und schauten uns dann mit ihr die "Endlos-Disc" an, die immer im DVD-Player ist. "Sharti lach Artzi", eine Serie mit sehr schoenen Liedern aus Israel.
Als Miri dann ging, begleitete ich sie zur Tuer. Sie fragte mich noch, wieviele Stunden ich taeglich bei Sharon verbringe, und was ich so mit ihr mache. Aber irgendwie schien sie mir bedrueckt und niedergeschlagen. Ploetzlich meinte sie zu mir: "Ich weiss, ehrlich gesagt, nicht, ob ich den Job annehme. Sie erinnert mich sehr an meine eigene Mutter und ich gehe hier nicht leichten Herzens weg. Ich verlasse die Wohnung mit einem dicken Kloss im Bauch, und bin frustriert."
Ich war schockiert. Wie schade fuer Sharon! Und doch wusste ich genau, was Miri meinte. Es ist insgesamt fuer die Umwelt schrecklich bedrueckend, deprimierend und oft auch nervenaufreibend, mit einem alzheimerkranken Menschen zusammen zu sein. "Wie hast du das bisher ueber ein Jahr ausgehalten? " fragte Miri mich noch.
Nun - hatte ich eine Wahl? Wenn ich ehrlich bin brauchte ich das Geld, und haette sich mir eine genauso gut bezahlte Alternative geboten, waere ich wohl gegangen. Es gibt kein vorgefertigtes Programm, was man mit Sharon unternehmen koennte. Man muss von Tag zu Tag schauen, wie ihre Laune ist, in welcher Form sie ist und was gerade "passt". Manchmal, wenn sie arg unruhig ist, hilft nur eines: das kleine Kinderpuzzle mit 6 (!) Teilen herauszuholen und es ihr vorzulegen. Dann ist sie abgelenkt, kann ihre Unruhe kanalisieren und macht ein kleines Puzzle nach dem anderen. Jedesmal bin ich innerlich neu entsetzt,dass 6 Puzzleteile die hoechste machbare Aufgabe ist, die man ihr zutrauen kann. Im Hintergrund lasse ich manchmal das Radio laufen, und stelle erstmal die Dauerberieselung durch den Fernseher ab, wenn ich komme. Es gibt schoene Radiosendungen wie "Arba Acharei haZohoraim" bei Galeij Zahal, Volkslieder, die jeder im Land mitsingen kann.
Unterhaltungen laufen darauf hinaus, dass sie fragt, wo eigentlich ihre Mutter und ihre verstorbener Mann sind, der in ihrer Welt noch lebt. Weiter fragt sie mich, ob morgen ein Feiertag ist, weil sie ja ansonsten zur Arbeit muss, ins Schulsekretariat. "Nach Hause" will sie auch des oefteren, und wenn das Wetter stuermisch oder regnerisch ist, zu kalt fuer sie, kann man sie nur ablenken, oder ihr sagen, dass man morgen mit ihr "nach Hause" gehen wird. Dieses zuhause gibt es aber nicht mehr, sie meint ihr Elternhaus, das laengst nicht mehr steht. Ist es moeglich, nach draussen zu gehen, hat sie ihr Ziel meist schon nach wenigen Metern vergessen und fragt, wo wir denn hingehen. Dann kann man mit ihr noch einen Cafe irgendwo trinken.
Was sehr schmerzt - auch wenn man sich immer wieder sagen muss, dass sie krank ist, und man sie nicht ernst nehmen darf - ist die Tatsache, dass sie sich ueber viele Menschen auf der Strasse lustig macht. "Schau mal, der Dicke da!" und wenn ich den Satz geflissentlich ueberhoere, dringt sie weiter in mich und stoesst mich an: "Schau doch mal, der dort, den meine ich! Nicht, der ist doch furchtbar dick und haesslich"
Ein beliebtes Opfer fuer ihre Kritik sind "die Datiim" (die Religioesen, in schwarz gekleidet, mit Zizit oder/und Kippa). "Schaul mal, wie schrecklich, dass die immer mit den Baendern draussen rumlaufen muessen. Das ist doch keine Art." Es faellt mir am schwersten, auf diese Art von "Kritik" irgendwie angemessen zu reagieren. Wenn es eben geht, ignoriere ich es inzwischen, aber in der Regel will sie ja eine Antwort oder Zustimmung von mir.
Ich kann also ingesamt nicht sagen, dass es leicht ist, oder ich mich auf die Besuche freue. Es gibt kleine Lichtblicke, Momente, die friedlich sind oder gar irgendeine Form von Naehe verkoerpern. Aber eine echte "Beziehung" ist es natuerlich nie, denn Sharon weiss ja nicht einmal, dass es mich ueberhaupt gibt. Wenn sie mir die Tuer oeffnet, sagt ihr Gesicht, dass sie mich von irgendwoher kennt, und sich freut, weil sie anscheinend meine Anwesenheit mit positiven Gefuehlen verbindet. Die einzige Person aber, die sie noch wirklich kennt, ist ihre Tochter. Auf Fotos erkennt sie noch ihren verstorbenen Mann.
Die Reaktion von Miri ist also ganz natuerlich, und im Kontakt mit einem Menschen, der an Alzheimer leidet, stellen sich die verschiedenartigsten Gefuehle ein. Traurigkeit, Wut, "Genervtsein" und Ungeduld, sind nur ein paar der Seiten, die in jemandem angesprochen werden, wenn er sich mit demenzkranken Menschen beschaeftigt. Zusaetzlich gibt es noch gratis das schlechte Gewissen, falls man sich genervt fuehlt, denn immer ist der Kontakt auch von der Angst begleitet: "Und wenn ich selbst einmal so werde? Dann moechte ich doch auch nicht, dass meine Umgebung ungeduldig ist..."
Niemand also scheint diese Arbeit "gern" zu machen, und die Philippinin, die rund um die Uhr bei ihr wohnt, ist wahrhaft nicht zu beneiden. Es ist ein Trauerspiel und man weiss genau, dass - wenn dieser Prozess einmal begonnen hat - er unaufhaltsam weiter fortschreitet. Das richtige "Leben" ist also schon vorbei fuer Sharon, denn Leben heisst auch Persoenlichkeit, Interessen, "echte" soziale Kontakte und eine gewisse Art von Qualitaet im Alltag. Trotz guter koerperlicher Verfassung in einem hohen Alter von 87 Jahren, ohne Brille und Hoergeraet, scheint also der qualitativ hochwertige Teil des Lebens laengst vorbei zu sein.
Ist es nicht furchtbar, auf diese Weise seine letzten Jahre zu verbringen?

Nicht mal Mindestlohn fuer schwere Arbeit

Es ist die Arbeit mit schwierigen Familien, mit Menschen, die Gewaltopfer wurden, Adoptiveltern, drogenabhaengigen Menschen und deren Realitaet, alten Menschen und deren Familien. Die Reihe laesst sich endlos weiter aufzaehlen.

Heute morgen wurde im israelischen Radio ueber die Forderungen der SozialarbeiterInnen nach mehr Lohn und dem eventuell bevorstehenden Streik in der naechsten Woche diskutiert.

Seit ca. 17 Jahren gab es keine entsprechende Erhoehung mehr. SozialarbeiterInnen arbeiten bis an die Grenzen ihrer Kraft und bekommen nicht selten auf ihrem Gehaltsstreifen einen "Ausgleich zum Mindestlohn", da sie nicht einmal an diese Summe kommen. (So war es auch bei mir und anfangs fragte ich mich, ob meine komplette Abrechnung ein Versehen war)

Wenn dann so etwas passiert wie in den letzten Tagen gleich zweimal (Familienvater bringt seine Frau um und toetet anschliessend sich selbst... es gab bereits in einem Fall vor Jahren Klagen von seiten der Frau wegen Gewaltandrohung und - ausuebung...) wird vorwurfsvoll gefragt: "Wo waren denn die Behoeren?" (sprich: die SozialarbeiterInnen)

Nicht selten hat ein Sozialarbeiter 200 Faelle zu betreuen, macht Ueberstunden, die nicht bezahlt werden und arbeitet aus "ideologischen" Gruenden. Viele Sozialarbeiterinnen (ein fast reiner Frauenberuf) muessen sich nebenbei an der Supermarktkasse das dazuverdienen, was sie zu wenig zum Leben haben. Ein Gehalt von 1100 EU (umgerechnet) bei einem Masterabschluss an der Uni, 15 Berufjahren und etlichen Zusatzausbildungen ist mehr als unverschaemt.

Besser sieht die Situation nur bei leitenden Sozialarbeiterinnen aus, und bei denen, die z.B. in Krankenhaeusern Bereitschaftsdienst machen.

Die psychische Belastung wird ja gar nicht einmal erwaehnt, denn bei der Arbeit in Familien, in denen Gewalt ausgeuebt wird, kann man schon einmal Schlafstoerungen entwickeln.

Sollten die Forderungen der Sozialarbeiter nach 25 % mehr Gehalt (und das ist mehr als recht und billig nach den vielen Jahren, in denen sie ignoriert wurden) nicht zu einer Einigung fuehren (, was sehr wahrscheinlich ist) wird es naechste Woche einen unbegrenzten Streik aller Sozialarbeiterinnen im Lande geben, an dem ich mich gezwungenermassen doch auch beteiligen muss. (Mein Problem ist nur, dass ich dann am Ende des Monats noch weniger Geld in der Tasche haben werde... ), was traurigerweise zeigt, dass man sich Solidaritaetsbekundungen auch leisten koennen muss. Fuer mich ist es der letzte Monat in Israel und ich haette mein Gehalt Ende Maerz wirklich gut gebrauchen koennen.