Montag, 31. Oktober 2011

Hochzeit auf der "Tayelet"

Heute waere ich besonders gern in Jerusalem. Eine Tochter von Freunden heiratet und ich bin eingeladen. Auf diese Weise beziehen sie mich immer wieder ein in ihre Freuden und ihre Feiern, symbolisch gewissermassen. Denn es war klar, dass ich nicht teilnehmen kann, um mit ihnen zu feiern. Dennoch bekam ich eine offizielle Einladung zum Ereignis.
Die Chuppa wird auf der Tayelet stattfinden, ein Aussichtspunkt ohnegleichen in Jerusalem. Wie oft war ich dort und habe den Blick ueber den gesamten "Har haBeit" genossen, fast ueber ganz Jerusalem. Es ist ein fast unwirklicher Blick von dort oben, und fuer mich war es immer meine "3D-Buehne".
Jerusalem liegt ausgebreitet wie auf einer riesigen Buehne dort fuer den Betrachter parat.
Dort oben fand die Chuppa statt, um 18h, und ich war selbstverstaendlich in meinem Herzen anwesend, und habe gehoert, wie der Braeutigam sagte: "Harej at mekudeshet li beTabaat zo, keDat Moshe veIsrael."
Und :" Im Eshkachech Jerushalaiym, tishkach Jemini..."
(Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, vergesse ich meine rechte (Hand)!"

Mazel tov, Ariela und Sarel!!!!

Freitag, 28. Oktober 2011

Shabbat shalom

Ein kleiner Gedanke, aus der Auslegung von Rav Benni Lau, zur heutigen Parashat Noach

Wo finden wir die Menschen, die mit G-tt sprechen, die zu ihm schreien, ihn um Hilfe anflehen? Bei den Armen, den Benachteiligten und Kranken, dort ruft und fleht man, dort gibt es echten und intensiven Kontakt zum Himmel.
Bei denen, denen es gut geht, die viel erreicht haben im Leben, manchmal sogar fast den Himmel (z.B. beim Turmbau zu Bavel), erinnert man sich haeufig nicht mehr daran, dass es etwas ueber uns gibt, jemanden, der der Herr der Erde ist, dass wir uns bei ihm bedanken koennten, denn nur durch seine Gnade ist alles, was wir "geschafft" haben.

Vergesst ihn nicht, auch wenn es euch gut geht, ihr erfolgreich seid und zu den "Gewinnern" im Leben gehoert. Gerade dafuer gilt es, ein Gebet "nach oben" zu schicken.
Danke sagen, ist nicht immer einfach. Aber es tut gut und gibt Frieden und Bescheidenheit.
Shabbat shalom in alle Welt!

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Samstag, 22. Oktober 2011

Wohnen in Israel - oder im Ausland?

לעולם ידור אדם בארץ ישראל אפילו בעיר שרובה נוכרים, ואל ידור בחוצה לארץ ואפילו בעיר שרובה ישראל


Rambam, "Mishne Tora"

uebersetzt in etwa:

immer soll der Mensch in Eretz Israel wohnen, sogar in einer Stadt, in der die meisten Fremde (Nichtjuden) sind, und wohne nicht ausserhalb von Israel, selbst nicht in einer Stadt, wo die Mehrheit Juden (Volk Israel) sind.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Gilad ist zuhause!

Gilad, den die Bevoelkerung ueber Jahre emotional begleitet hat, ist zuhause, bei seiner Familie, bei seinem Volk.

Es ist schwer, sich hier in Deutschland ueber diese Aktion auszutauschen, mitzuteilen. Wie immer habe ich es dennoch versucht, bin aber meiner Meinung nach gescheitert. 1. versteht wirklich niemand das besondere Verhaeltnis, was wir in Israel zu unseren Soldaten haben. Soldaten? Ein Soldat, fuer den ueber Jahre ein Stuhl zu jedem Ereignis reserviert war? War das denn ein besonderer Soldat?

Nein, es war EIN Soldat, aber dazu muss man irgendwie nachvollziehen koennen, warum Israelis ihre Soldaten auf diese besondere Art ehren, ihnen gegenueber dankbar sind. Sie schuetzen uns, die Bevoelkerung, unsere Grenzen und lassen uns etwas ruhiger schlafen. Dafuer setzen sie taeglich ihr Leben ein. Die Gefahr, von Terrororganisationen gekidnappt zu werden, ist ebenfalls hoch.

Wir sind ihnen dankbar, und ehren sie. Das kann und will man in Deutschland nicht verstehen. Der "Wert" eines Soldaten soll ueber 1000 Menschenleben wert sein? Wie hochnaesig!

Manche Menschen kehren die Wahnsinnsforderung der Chamas einfach um. Als haette Israel sich selbst angeboten, nicht weniger als 1000 Gefangene freizulassen. Es ist absolut grotesk. Menschen, die einem nach dem 2. Satz ueber die Freilassung des Soldaten vorsichtig (oder schonungslos) mitteilen, dass sie aber auch Symphatien fuer die Palaestinenser haben. Daran, dass sie das dann, ohne fuer die Seite Israels auch nur ein Wort des Verstaendnisses auesser, merkt man dann schnell, dass sie nicht "auch" Symphatie" empfinden fuer die Palaestinenser, sondern eher ausschliesslich. Im Gespraech wird schnell klar, ob sich das Gegenueber wirklich interessiert, oder die "andere" Seite gar nicht hoeren will.

Es macht einsam, wenn man Israel liebt, wenn Israel die Heimat ist.

Und was ich heute, bei all der Freude ueber Gilads Heimkehr nicht verstehen konnte, und wohl nie nachvollziehen kann, sind die Freudenjubel im Gaza-streifen ueber heimkehrende Massenmoerder. Ich kann mir nicht vorstellen, mich ueber einen mordenden Vater oder Ehemann und dessen Rueckkehr ins freie Leben so furchbar zu freuen.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Gilad kommt nach hause

All die Jahre hat die israelische Bevoelkerung keinen einzigen Tag vergessen, dass Gilad Shalit immer noch in Gefangenschaft der Chamas sitzt. Ueberall war fuer ihn ein Stuhl reserviert, auf verschiedenen Veranstaltungen, im Kino oder Theater. In den Nachrichten wurde seit mehr als 5 Jahren taeglich auf den Tag genau verkuendet, wie lange er nun schon gefangen ist. Lieder wurden geschrieben und so wurde er "das Kind von uns allen". Das Protestzelt der Eltern von Gilad kennt wohl jeder. Es steht (oder ist es schon abgebaut?) vor Netanyahus Sitz, um ihn stets daran zu erinnern, was er noch fuer eine Aufgabe hat.

Nun soll es uebermorgen soweit sein. Die ersten paarhundert palaestinensische Gefangene sind bereits auf dem Weg ins Sharongefaengnis, von wo aus sie dann zum Uebergabepunkt gebracht werden. Dieser soll - nach meinen Informationen - am aegyptischen Grenzuebergang Rafia sein.

Die Presse ist in Mizpe Hila und beobachtet die Familie Shalit bei ihren Vorbereitungen fuer den Empfang des Sohnes. Eine Party wird es aber sicher nicht geben, denn Gilad wird schwer traumatisiert sein. Man spricht darueber, dass er allem Anschein nach ausser der Gruppe, die sich um sein Wohl sorgen sollte, und ihn mit Nahrung versorgt hat, nie einen anderen Menschen gesehen hat. Fuenf Jahre lang dieselben Menschen, die ihn vielleicht gut behandelt oder aber, im schlimmsten Falle auch gequaelt haben. Zurzeit koennen wir das noch nicht wissen.

Aus frueheren Geiselnahmen ist aber eine Erscheinung bekannt, die bei Geiseln auftreten kann, das sogenannte "Stockholm-Syndrom".

Es handelt sich darum, dass die Geisel sich aus verschiedenen Gruenden sogar mit dem Geiselnehmer und dessen Einstellungen und Zielen solidarisieren kann. Manchmal passiert dies, weil der Gefangene sich abgeschnitten von seiner frueheren Welt fuehlt, alleingelassen, die Geiselnehmer jedoch physisch erlebt und jedes positive Zugestaendnis ueberbewertet. Somit kommt ihm in der Zeit der Gefangenschaft nur durch die Geiselnehmer "Gutes" zu.

Aber es ist gibt noch andere Thesen, weshalb sich dieses Stockholm-Syndrom entwickeln kann. Wie immer es auch bei Gil´ad sei, jetzt schon wird diskutiert, wieviel Ruhe die Presse der Familie lassen kann und welche Bilder der Bevoelkerung einfach nicht vorenthalten werden duerfen.

Ja, es heisst sogar, dass die Familie Shalit ueber all die Jahre die Presse auch gut fuer ihre Zwecke nutzen konnte, um die Erinnerung immer wach zu halten, dass es noch israelische Soldaten auszuloesen gilt, dass er nicht in Vergessenheit geriet. Im Umkehrschluss sei die Familie der Presse "etwas schuldig".

Es ist unglaublich, dass es in dieser Hinsicht wohl keine Zurueckhaltung geben wird. Ich wuensche Gilad jedenfalls von weitem eine sichere Rueckkehr, moege er zumindest physisch gesund sein, und die psychische Heilung sei mit G-ttes Hilfe moeglich und erreichbar. Moegen auch seine Eltern und die Verwandten bald ruhiger schlafen koennen, wenn sie zumindest wissen, dass er nun bei ihnen - zuhause - ist.


Donnerstag, 13. Oktober 2011

Sukkot - Bescheidenheit, Einschraenkung und Vertrauen

Das Laubhuettenfest - Sukkot - vermittelt uns eine eindeutige Botschaft. "Geh hinaus, verlasse dein sicheres Heim, und wage dich in eine Huette, die nur voruebergehend gebaut ist, nicht fuer "die Ewigkeit".
Noch dazu in einer Zeit, wo der Sommer zuende geht und es kaelter, regnerischer und unbestaendig wird, sollen wir unseren persoenlichen Luxus einmal aufgeben, uns in unsicheres Gelaende begeben.
Die Botschaft ist klar, auch wenn wir nicht dauerhaft in dieser Huette leben, waehrend der Sukkot-woche, und es gerade in unseren deutschen Gefilden, beim symbolischen Charakter bleibt. Wir nehmen die Mahlzeiten, so oft es geht in der Laubhuette ein, und sitzen dort zusammen, singen Lieder und unterhalten uns.

Ueber die Tatsachen hinaus, und unabhaengig davon, ob wir dies tatsaechlich ausfuehren, was von uns verlangt wird, regt der Ruf zum Nachdenken an.
Was ist so schlimm daran, sich einzuschraenken, den normalen Luxus, von dem man glaubt, ihn unbedingt zu brauchen, auf ein niedrigeres Niveau abzusenken?
Als ich in Israel neu anfing, hatte ich mich schon gefreut, ueberhaupt nach nur einer Woche Suche, eine primitive Wohnung gefunden zu haben. Und auch dies ist nur deshalb zustande gekommen, weil mir ein Freund als "Buerge" zur Seite stand, denn fuer die Vermieterin waere es sicher zu riskant gewesen, eine Neueinwanderin, die noch keine Arbeit hat, ohne Sicherheiten als Mieterin zu akzeptieren.
Es war fast ein kleines Heiligtum fuer mich, meine allererste eigene kleine Bleibe in Israel! Man braucht nicht viel, um gluecklich zu sein, erst recht nicht viel, was WIRKLICH noetig ist, um zu "(ueber-)leben".
Ein Schlafplatz, ein Tisch, Stuhl, Kleiderschrank und ein Kuehlschrank, eine Toilette und Waschmoeglichkeit. Alles zusaetzliche ist Luxus.
Aber so sind wir Menschen - sobald im Winter das erste Mal an der Wasserleitung etwas entlangtropfte in mein Heim, fing ich an, mich aufzuregen, einen Standard zu erwarten.
Daran musste ich denken, als ich heute im Gilajon "Shabbat beshabbato" auf einen Artikel von Rav Jikhat Rosen stiess, mit dem Titel "Graupensuppe"

Ich moechte ihn hier uebersetzt widergeben, weil er mich sehr beruehrt hat. (ich werde in nicht in Gaenze uebersetzen, nur das fuer mein Dafuerhalten Wichtigste. Der hebraeisch sprechende Leser kann ihn in Originalsprache HIER nachlesen. (Machon Zomet, hier in der oberen Leiste "Shabbat beShabbato" anklicken und das aktuellste Gilajon runterladen, auf Seite 4 findet ihr die Geschichte "Marak Grisim")


"Und vergiss nicht die Graupen", sagte Zion, waehrend er den Stuhl hinueber in die Sukka schob".
"Natuerlich nicht. "anwortet Mazal, seine Frau, "einfache Graupen, nur mit Wasser. Wie immer."
Seit vielen Jahren kommt er schon dieser Gewohnheit nach. Kein Sukkotfest vergeht, an dem nicht Graupen serviert werden, und so sind Kinder und Enkelkinder gezwungen, Graupensuppe zu essen. Und es war nicht etwa eine besonders delikate Suppe, sie bestand aus Graupen und Wasser und war sehr wenig gewuerzt, weit entfernt von einem Leckerbissen.
"Opa, warum muessen wir immer diese Graupensuppe essen? Oma macht so gute Leckerein zum Fest, aber immer bestehst du darauf, dass wir vorher jeder unbedingt einen Teller von dieser Graupensuppe essen. Warum?"
"Es wird der Tag kommen, an dem ihr verstehen werdet..."
Und der Tag kam. Nach vielem Gedraengel gab Opa nach, und nach dem Essern versammelten sich die Enkelkinder um ihn herum in der Sukka, als er begann, seine Geschichte zu erzaehlen.
"Es war vor mehr als fuenfzig Jahren, einige Jahre nach Entstehen des Staates Israel. Von Ueberall aus der Welt sammelten sich die Neueinwanderer, und fuellten das Land. In unserem kleinen Staat war gar nicht soviel Platz fuer alle. Es gab keine Gebaeude, und Arbeit war auch nicht genug da.
Aber - wir haben uns nicht beschwert. Meine Eltern und ich bekamen ein altes Armeezelt, in dem wir uebergangsweise eine sehr lange Zeit wohnten. Was soll ich euch sagen? Es war absolut nicht leicht. Ueberall durch die Naehte kam im Winter der Wind durch, die Sonne kochte uns im Sommer und die Enge, sie war furchtbar. Aber wir freuten uns, dass wir in Eretz Israel waren, im heiligen Land. Und wir erwarteten keinesfalls, dass alles in absehbarer Zeit besser wuerde.
Es gelang uns nicht, Arbeit zu finden, und ich fuehrte kleine Notarbeiten durch, einen Tag hier, zwei Tage dort. Nicht selten gingen wir hungrig zu Bett, aber manchmal, wenn wir wirklich Glueck hatten, erstanden wir einen kleinen Sack Graupen, von dem wir duenne Suppe machten, die uns einige Tage mit Essen versorgte. Ein Essen dieser Art, war fuer uns schon "koenigliches" Essen, denn nicht jeden Tag konnten wir es geniessen.
Trotz der Armut und der schwierigen Bedingungen, war die Atmosphaere in unserem Uebergangslager erhebend. In jedem einzelnen Moment war uns bewusst, dass wir das Recht genossen, in Israel zu leben. Und was war dabei, dass unsere Bedingungen schwierig waren? Der gute G-tt wuerde uns helfen, und uns Schutz vor allem Uebel geben, sowohl in einem festen sicheren Haus, als auch in einem nur zeitweilig aufgebauten duennen Zelt.
Ein Fest gab es, dass uns das liebste von allen war, das war Sukkot. Waren wir in der Galut aus unserem schoenen Haus in eine duenne und einfache Huette ausgezogen, so sahen wir doch hier, im Uebergangsheim absolut keinen Unterschied. Auch unser "festes" Heim war ein voruebergehendes und die Sukka war sogar angenehmer und bequemer als unser Zelt. Wenn wir in der Sukka zusammensassen und die duenne Graupensuppe loeffelten, konnten wir G-ttes Hand mehr als in den ganzen Jahren fuehlen. Er beschuetzt uns und gibt uns zu jeder Zeit Kraft.
"Ich weiss nicht, ob ich dafuer gewesen waere, in solch einem Zelt zu wohnen, " warf Moshiko, einer der Enkel ein, " wenn ihr im Ausland ein praechtiges Haus gehabt haettet und hier in Eretz Israel ein Zelt, haettet ihr dann nicht das schoene und sichere Haus vorgezogen?"
"Jedes feste Haus kann zusammenbrechen." antwortete Zion, "jede Mauer, jeder Schutz. Nichts hat unseren Feinden standgehalten, als sie uns umbringen wollten, uns berauben wollten. Keine Kraft der Welt konnte sie aufhalten. Aber die Sukka ist staerker als alles, sie gibt uns Hoffnung und Kraft auch in schwierigen Zeiten. Sie bietet uns G-ttes Schutz auch zu einfachsten und primitivsten Bedingungen. Und wir haben tatsaechlich gewonnen, sind weitergekommen, und ein richtiges Haus haben wir schon lange. Auch geistige Nahrung haben wir bekommen, gelobt sei sein grosser Name!"
"Und nun wisst ihr, " fuhr der Grossvater fort, "warum ausgerechnet Graupensuppe solch ein passendes Sukkot-festmahl ist."

Mittwoch, 12. Oktober 2011

1000 Terroristen fuer einen Soldaten - Auge um Auge?

Ich werde nicht die einzige sein, die immer wieder von den Nichtjuedischen Mitmenschen zu hoeren bekommt, wie sehr die Juden (pardon, die Israelis) Auge um Auge, Zahn um Zahn leben. Sie vergelten - so wie es in ihrer Tora, dem sogenannten "alten Testamtent" mit dem rachsuechtigen G-tt steht - immer eins zu eins.
Nun - der Deal um Gil´at Shalit sieht anders aus, und ich hoffe, dass man auch hier in Deutschland registriert, dass fuer einen Soldaten, der endlich nach jahrelanger Gefangenschaft bei der Chamas freikommen soll, tausend Terroristen freigelassen werden sollen.,
Tausend - das muss man erst mal schlucken. Und es sind viele dabei, die Blut an den Haenden kleben haben, die Israelis kaltbluetig in den Tod schickten, die schlimmsten Terrorattentate planten. Auch Bargouti wird nun freikommen, wem der Name etwas sagt. (gerade hoerte ich etwas anderes, es ist also nicht sicher, ob er dabei sein wird..)
Die Freude darueber aber, dass Gil´d nun in den naechsten Tagen freikommen soll, ist gross.
Noch nie habe ich ein Bild von Aviva Shalit, der Mutter des gekidnappten Soldaten in der Zeitung gesehen, das sie laechelnd -gar strahlend - zeigt.
Jetzt lacht sie und Vater Noam freut sich, das Protestzelt, was seit Jahren vor des Premierministers Buero steht - abbauen zu koennen.
Mein gelbes Baendchen, was bei mir zuhause haengt, - ein Symbol fuer die Solidaritaet mit der Familie - hat nun auch hoffentlich seine Schuldigkeit getan. Erst in den letzten Tagen noch habe ich mich gefragt, wie lange es wohl noch seine Bedeutung behaelt.
Ich kann mir ueberhaupt nicht vorstellen, wie Gilad seine Freilassung psychologisch verkraften wird und ob es ihm irgendwann moeglich sein wird, einen Teil des Erlebten zu vergessen, ein "normales" Leben zu fuehren.
Ich freue mich, dass Gilad nach Hause kommt und besonders mit seinen Eltern und Verwandten!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Yom Kippur - Versoehnungstag

Yom Kippur steht vor der Tuer. Ab morgen abend fasten und beten wir, den ganzen Tag, ziehen noch einmal die Bilanz unseres letzten Jahres und begehen miteinander den Shabbat aller Shabbatot. Es ist der einzige Shabbat, an dem auch gefastet werden darf und muss, an allen anderen Fastentagen, die auf einen Shabbat fallen, wird das Fasten auf den Tag danach verschoben. Yom Kippur ist ein starker Tag, ein spirituelles Ereignis. Unsere Andacht und "Empfindsamkeit" wird durch das Fasten sehr verstaerkt. Das lange stundenlange Stehen in der Gemeinde beim Gebet, tut sein Uebriges dazu, dass wir gegen Ende des Tages "muerbe" sind, zerknirscht, und doch stellt sich zum Schluss eine positive, hoffnungsvolle Stimmung ein, denn was wir auch getan haben, unser G-tt verzeiht uns immer, wenn wir nur mit ganzem Herzen Tshuva machen (Rueckkehr zu den richtigen Werten in unserem Leben), uns vornehmen, etwas zu veraendern, zu verbessern. Es ist nicht ratsam, sich zuviel vorzunehmen, vielleicht eine einzige Sache, an der wir im kommenden Jahr arbeiten koennen. Zu viele Vorhaben verlaufen zu schnell im Winde und schon nach ein oder zwei Monaten gibt man alles auf.
Eine kleine Sache zu verbessern ist aber moeglich und fuer jeden zu schaffen.
Ich wuensche uns allen ein Yom Kippur voller Andacht und Spiritualitaet, voller Nahrung fuer die Seele, waehrend der Koerper sich enthaelt, ich wuensche uns eine Rueckkehr und Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die so klein und einfach sind, im Gegensatz zu allem materiellen, schnell Vergaenglichem. Moegen wir lange mit wenig - aber Wichtigem - zufrieden und gluecklich sein, und das Teuere und Wertvolle im Einfachen stets erkennen.
Ein leichtes Fasten und eine gute Zeit!