Freitag, 30. Dezember 2011

Hat auch das seinen Sinn?

Nach dem Schreiben des letzten Eintrags zur Parasha, fiel mir ein, dass vielleicht an den ganzen, zurzeit in Israel sehr hochkochenden Vorkommnissen zwischen Saekularen, und extremistischen Charedim doch auch etwas liegen koennte, was langfristig wichtig und positiv fuer das Volk Israel sein koennte.

Frauen zu demuetigen, Kinder zu bespucken und zu beschimpfen, Woerter zu gebrauchen, die wir als glaeubige Juden sicher nicht benutzen sollten, kann nicht im Sinne der Halacha, (der religioesen Gesetze) sein, darin sind sich inzwischen die meisten glaeubigen Menschen einig.

Diese Extremisten, die sich Charedim nennen, beschmutzen den Ruf aller Charedim, was traurig ist, denn die meisten Charedim benehmen sich nicht so. Das ist Fakt, doch diese Tatsache geht leider im Eifer des Gefechtes in der Berichterstattung schnell und gern unter.

Diese Extremisten, die behaupten, dass die Halacha ihnen das Recht gibt, in dieser haesslichen, menschenverachtenden Art zu handeln, sind keine Charedim, so drueckte es auch ein Rabbi in einem Interview aus. Er sagte, sie seien einfach "Verbrecher", und nicht etwa "besonders ultra-fromme". Wer Menschen beschimpft und bespuckt, Steine auf Polizeikraefte wirft und randaliert, kann kein Torafuerchtiger Mensch sein.

Mehr und mehr Rabbiner, die einen Namen in der national-religioesen, und auch in der charedischen Welt haben, stellen sich offen gegen eine Diskriminierung von Frauen und erst recht gegen diese Art von Gewaltausuebung im Namen der Halacha.

Und gerade das ist meines Erachtens das Gute und das Wichtige an der Eskalation. Das "Boese" hat sein Gesicht gezeigt, hat sich geoutet. Und wie heisst es doch so oft in der Tora :"Und merze das Boese in deinem Innern aus, Israel".

Wir sind gefragt, als Am Israel zu jeder Zeit das Boese, das was uns nicht aufsteigen laesst und veredelt, sondern schadet, zunaechst einmal zu identifizieren und anschliessend aus unserem Innern auszumerzen. Dadurch, dass sich immer mehr religioese, charedische, orthodoxe und nationalreligioese Menschen, von diesen haesslichen Ereignissen in einer oeffentlichen Form distanzieren, und uns erinnern, was man im Namen der Tora in keinem Falle tun sollte, dadurch entfernen wir uns innerlich und aeusserlich vom "Boesen", von Korach und seiner Gemeinde, die, wenn wir ihnen nur nahe genug kommen - was G-tt verhueten moege - uns mit in den seelischen Abrund reissen koennen, und die Erde wird uns mit verschlingen.

Das Gute an dieser derzeitigen Erscheinung ist die Tatsache, dass sich das, was so kontraer zu allem verlaeuft, was die Tora uns lehrt, outet, uns sehr einfach erkennen laesst, wovon wir uns moeglichst weit distanzieren sollten, innerlich und ganz sicher auch (das gilt fuer Rabbiner, die wichtige Vorbilder sind) in aller Oeffentlichkeit.

"Merzt das Boese aus deinem Innern, Israel!"

Es kann eine Reinigung von "falschen" Kraeften sein, eine Befreiung von einem falschen Verstaendnis des Judentums hin zu einem "sauberen, moralischen, respektvollen Judentum".

Denjenigen Saekularen, die die Situation ausnutzen, um ihre Abneigung allen religioesen Menschen gegenueber zu rechtfertigen, sei auch gesagt, dass es - selbst wenn man nichts mit der Tora zu tun hat - keineswegs menschlich gerechtfertigt ist, einem Charedi ins Gesicht zu spucken (was heute passiert ist) und zu rufen: "Charedim stinken". Wir sind alle ein Volk und auch jemand, mit saekularem Hintergrund darf sich moralisch die Frage stellen, wen er da "bekaempft und anfeindet", oder ob er die Situation fuer seinen eigenen kleinen persoenlichen Krieg ausnutzt, der sich gegen religioese Menschen richtet, und nun durch die juengsten Vorkommnisse gerechtfertigt erscheint. Auch von jemandem, fuer den die Tora nicht viel bedeutet, kann verlangt werden, sich menschlich und moralisch zu verhalten und nicht zu verallgemeinern.

Merzt das Boese also auch aus EURER Mitte, Saekulare Juden, vielleicht muesst auch ihr euch von etwas befreien, reinigen, denn letzten Endes sind wir alle EIN Volk mit EINEM Herzen. Alle Wunden, die uns zugefuegt werden, werden bei jedem von uns schmerzen!

Parashat haShavua - vajigasch

Josef gibt sich in diesem Wochenabschnitt seinen Bruedern zu erkennen. Es sind viele Jahre vergangen, seit sie ihn verkauft haben und er musste mehr als zwanzig Jahre in der Fremde verbringen, ja, sass sogar im aegyptischen Gefaengnis.

Und doch bringt er es fertig, seine Brueder zu beruhigen, als sie sich - nachdem er sich offenbart als ihr Bruder - erschrecken und schaemen, weil sie ihm dies angetan haben. Er sagt ihnen in etwa "Nicht ihr habt mich verkauft, sondern G-tt wollte, dass ich euch voraus nach Aegypten gehe, um diese Aufgabe zu erfuellen, und auch euch letzten Endes vor der Hungersnot retten zu koennen. Alles hatte also im nachhinein einen Sinn."

Die Chassidim sagen, dass Josef auf einer sehr hohen spirituellen Ebene war. Er begriff schon in jungen Jahren, dass alles was passiert, nach einem g-ttlichen Plan geschieht, und dass es so sein musste, dass er in diesen Jahren leiden musste. Andere waeren vielleicht in Rache und Wut geraten, beim Anblick der Brueder, die ihm soviel angetan hatten.

Auch wird von ihnen betont, dass zwar die Brueder, dadurch dass sie alle Hirten waren, die Zeit hatten, sich mehr um ihr spirituelles Wachstum zu kuemmern, den Weg ihrer Vaeter Awraham, Jitzchak und Jaakov fortfuehrten, und staendig in Kontakt mit G-tt standen, dass jedoch Josef, obwohl er sich Tag fuer Tag in Aegypten mit materiellen Problemen beschaeftigen musste, eine noch hoehere Ebene erreicht hatte. Er konnte materielle und spirituelle Ebene verbinden und fuer ihn gab es keine Grenze. Die Verbindung zu G-tt hatte Josef stets, auch in materiellen Dingen sah er den g-ttlichen Plan. Und auch im Gefaengnis, in scheinbar auswegloser Lage, riss Josefs Verbindung mit G-tt nie ab.

Das soll auch der Grund gewesen sein, warum gesagt wird, dass die Brueder ihn "nicht erkannten", denn schliesslich haetten sie ihn erkennen muessen, hatten sie doch 17 Jahre mit ihm verbracht. Das Erkennen ist, wie so oft in der Tora, ein psychologisches Erkennen. Er war ihnen fremd geworden, da er sich nach ihrer Einschaetzung doch ausschliesslich um Materielles kuemmern musste, als Stellvertreter des Pharao.

Wir haben es da wesentlich schwerer, denn in der Regel brauchen wir die Ruhe und den Abstand zu den alltaeglichen Problemen, um eine Verbindung zu G-tt zu spueren. Aber manchmal, wenn wir uns bemuehen, koennen wir auch in den vermeintlich profanen Dingen des Lebens die Verbindung spueren. Mehr und mehr werden wir dann erkennen, dass nicht nur die grossen Geschehnisse gelenkt werden von einem, der mehr weiss als wir, sondern dass auch unser kleines Schicksal in seinen Haenden liegt, unser Weg genau so, wie er ist, verlaufen musste, um dahin zu gelangen, wo es wichtig ist, dass wir dort sind.

Im Rueckblick gelingt es uns daher so manches Mal eher, Zusammenhaenge zu erkennen, wo wir uns in der Vergangenheit gefragt hatten: Warum muss das jetzt passieren? Wozu musste ich mich von dieser Frau, oder diesem Mann trennen? Warum war mir nicht vorher klar, dass dies und das passieren muss, warum bin ich erst diesen langen Weg gegangen, um eine bestimmte Erkenntnis zu gewinnen, war nicht der Irrweg ueberfluessig? Haette G-tt mich nicht sofort diesen Weg fuehren koennen?

Nicht immer, aber doch das eine oder andere Mal gibt uns G-tt diesen Erkenntnis-einblick in sein Wirken, dass naemlich der Irrweg oder gewisse Fehlentscheidungen sehr wohl wichtig waren. Waeren wir nicht zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten gegenwaertig gewesen, waeren einige Erkenntnisse uns nicht zuteil geworden, haetten wir vielleicht mit bestimmten Menschen nicht ein (fuer ihn oder fuer uns) wichtiges Gespraech gefuehrt oder andere Dinge.

Nicht immer offenbart sich der Weg als "logisch" fuer uns, auch nicht im Rueckblick. Doch auch dann sollte uns das Vertrauen an die g-ttliche Fuehrung und Fuegung nicht verlassen, sollten wir eine innere Gewissheit behalten, dass in allen "Irrwegen", in allem Leid und Schmerz doch noch das Gute im Keim verborgen liegt und dass nichts ohne Sinn und Zweck geschieht.

Diese Aufgabe jedoch ist sicher eine der schwersten im Leben eines Menschen. Versuchen wir doch hin und wieder, ein wenig "Josef zu sein".

Shabbat shalom!


Montag, 26. Dezember 2011

הדרת נשים וכמה הרהורים

אף על פי שהדיון בתקשורת על "הדרת נשים" כבר די מגעיל אותי, אני חייבת להוציא כמה מילים עליו מפי
הרהרתי על מה שקורה עכשיו באוכלוסיה ישראלית, ואני רוצה לומר גם לחרדים הקיצוניים האלה, שהם מסוגלים לרוק על אנשים ולזלזל כנראה בבני אדם, מכיוון שהם לא חיים את חייהם כמו שזה מוצא חן בעיניהם, שאני די מתפלאת. אני מתפלאת וכואב לי הלב, כשאני חושבת על כך, מה שלמדתי מהרב, שגייר אותי לפני כמה שנים. הוא לימד אותי, שהאדם נברא מהקב"ה ואם - חס וחלילה - אנו מעיזים, לזלזל בזולת או - חס ושלום שבעתיים - לרוק או לפגוע בזולת, הן באופן פיזי והן באופן נפשי, הרי זה זילזול בהקב"ה, כי היה לכאורה טוב בעיניו, לברוא את הבן אדם הזה, והוא - ככה למדנו כבר בספר בראשית - ברא את האדם בצלם אלוקים. דהיינו, אנו מזלזלים בקב"ה, ברגע שאנו מזלזלים בשכן כל שהו. גם לחילונים צריך לומר שלא כל החרדים תומכים בתופעה זו, ההפך הוא הנכון, יש רק בודדים, שיש להם גישה כזו קיצונית אך הבעיה היא, שהם עלולים לגרום לנזק כבד דווקא לאוכלוסיה החרדית עצמה, שביניה יש אנשים כל כך טובים לפי נסיוניי
ואהבת לרעך כמוך" זה לא סתם משפט ללא משמעות, אלא הוא דווקא היסוד של כל התורה כולה, כפי שכבר למדנו מהלל . שלא נשכח את זה לעולם וננהג בהתאם בסייעתא דשמיא

Deutsche.Leben in Israel - im Januar in Israel!!!

Jetzt wird der Dokumentarfilm von Helmut Simon ueber Deutsche, die aus unterschiedlichen Gruenden in Israel leben, bei dem ich die Ehre hatte, auch mitwirken zu duerfen und ueber den ich HIER schon ausfuehrlicher berichtet habe, endlich auch in Israel gezeigt werden.
Die Daten sind wie folgt:
Jerusalem, Goethe Institut, 25.1.2012 um 19h
Tel Aviv, Goethe Institut, 26.1.2012 um 19h
Es ist sinnvoll, Karten vorzubestellen, unter der Telefonnummer: 030 6060 500/508

פרסום : הסרט "גרמנים.חיים בישראל" יוקרן במכון גתה בינואר

הסרט על "גרמנים, שחיים בישראל" יוקרן אוטוטו גם בישראל, אמנם במסגרת קטנה, במכון גתה בירושלים, וגם בתל אביב. התאריכים הם

במכון גתה, ירושלים: ב25 בינואר 2012 בשעה 7 בערב
במכון גתה בתל אביב: ב26 בינואר 2012 בשעה 7 בערב

מומלץ להזמין כרטיסים מראש
להזמנת כרטיסים : 036060500 או 036060508

Samstag, 24. Dezember 2011

Wem dient unser Gebet?

Am heutigen Shabbat Chanukka, habe ich mir u.a. wieder das Buch "Tfilat Jesharim", Betrachtungen ueber das Gebet, von Eli Adler, vorgenommen.
In den ersten Kapiteln geht es darum, fuer wen das Gebet wichtig ist. Scheint es nicht in der heutigen Zeit laecherlich, ueberhaupt das Wort an "Jemanden" zu richten, ueber den wir nicht mit Gewissheit wissen, ob es ihn gibt? Wofuer koennte G-tt unser Gebet "brauchen"? Benoetigt er unser Gebet wirklich, oder ist es wichtig fuer uns selbst?
Awoda shebaLev (Arbeit des Herzens), nennt man das Gebet auch. Und wieso Arbeit? Es heisst, das Gebet ersetzt das fruehere "Opfer", als der Tempel noch stand. Opfer heisst auf hebraeisch "korban" und die Wurzel des Wortes ist "karev", was "sich naehern", oder nahe bedeutet. Wir haben ein Ziel, wenn wir Opfer bringen, naemlich uns G-tt zu naehern, ihm nahe zu sein. Da wir keine Opfer mehr bringen, naehern wir uns heute im Gebet, das Gebet soll eine Naehe zu G-tt herstellen, die wir sonst nur schwer erreichen koennen.
Die einfache Vorstellung, wir koennten im Gebet den Willen G-ttes beeinflussen und veraendern, ist gepraegt von der Idee, dass ueberhaupt irgendetwas den "Willen" G-ttes beeinflussen kann, was ueberhaupt nicht moeglich ist. Niemand und nichts kann G-tt zu etwas bewegen.
Das Gebet dient uns selbst, es soll unseren eigenen Willen beeinflussen und "erhoehen", auf eine andere Ebene erheben. Auf dieser hoeheren Ebene kann es sein, dass wir etwas ganz anderes "wollen" als ohne das Gebet.
Es wird der Vergleich hergestellt zu einer anderen Mitzwa, das Geben von "Zdaka" (Wohltaetigkeit, Spenden..). Wir geben Zdaka, weil wir uns um den Armen kuemmern, damit er das bekommt, das er ohne uns nicht bekaeme, wir gleichen gewissermassen das aus, was an Mangel in der Welt ist.
Ist das wirklich so? Falls das stimmen sollte, waere der Arme, der, der im Fokus steht, der der etwas erhaelt.
Auch das ist eine Vorstellung, die so nicht zu stimmen scheint. In Wirklichkeit, so steht es im Sefer haChinuch, ist der Arme fuer uns da, um uns in den Eigenschaften Chessed und Rachamim (Gnade und Barmherzigkeit) zu ueben.
Der Arme tritt in Erscheinung, um in uns das Gute zu wecken, uns zu verbessern in den g-tt gefaelligen Eigenschaften.
Eine hoehere Ebene noch erreichen wir, wenn wir diese Mizwa mit Freude ausfuehren und mit Guete im Herzen, und nicht rein "mechanisch", weil es so von uns verlangt wird. Fuer den Armen wuerde das auf das Gleiche herauskommen, nicht jedoch fuer uns selbst und unser geistig-seelisches Wachstum.

Mich erinnert das an einen Satz, den eine (nicht religioese) Nachbarin in Jerusalem zu mir sagte, als ich nach meiner OP aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Sie ermahnte mich, zu fragen, wenn ich etwas brauche, denn "anderenfalls", so sagte sie, "hinderst du uns daran, eine gute Tat zu tun!"
Meine Freunde sagten mir zum Abschied etwas ganz Aehnliches, als ich mich bei ihnen fuer all das Gute bedankte, was sie mir getan hatten. Sie sagten: "Du bist zu uns gekommen, um in uns bestimmte Eigenschaften neu zu wecken, unter ihnen vor allem "Ohev et haGer" (liebe den "Fremden"), "Hachnassat Orchim" (Gastfreundschaft) und "Bikur cholim" (der Krankenbesuch).

Freitag, 23. Dezember 2011

Ein frohes Weihnachtsfest

fuer alle Leser, die Weihnachten feiern. Manche tun es - wie nicht religioese Juden Pessach feiern - nur aus traditionellen Gruenden und vielleicht wegen der schoenen Atmosphaere und den Geschenken, manche, weil sich die Familie mal wieder sehen laesst, andere dann aber doch mit Kirchgang und dem Bewusstsein, was dieser Tag fuer Christen bedeutet.
Bei dieser Gelegenheit frage ich mich immer wieder: Woher kommt eigentlich die Weihnachtsbaum-tradition? Einen religioesen Hintergrund kann er ja nicht haben, oder? Vielleicht kann mir ja ein Leser in diesem Jahr auf die Spruenge helfen.
Bis vor ca. 5 Jahren habe auch ich das Weihnachtsfest gefeiert. Meine Kinder und ich hatten wirklich immer einen schoenen Heiligen Abend, wobei weder die riesigen Geschenke, noch das Jesuskind im Vordergrund standen, sondern das gemeinsame Essen, oft mit Freunden meiner Toechter, oder manchmal auch mit Oma und Tante. Keiner musste unnoetig in der Kueche stehen, denn es gab immer Fondue, was die Familie um den Tisch vereinte. Wir hatten viel Spass und ich blicke auf diese Weihnachtsfeiern mit den Kindern mit einer warmen Erinnerung zurueck.
Auch spaeter noch gab es ein Beisammensein an diesem Tag, zwar etwas komplizierter mit mitgebrachtem Einmalgeschirr und unterschiedlichem Fleisch, aber es hat dennoch geklappt.
An alle, die heute noch hektisch durch die Gegend laufen und Vergessenes einkaufen muessen, ich wuensche allen Frieden am Weihnachtstisch und viele warme Begegnungen, Frieden und Gesundheit. Geniesst das Beisammensein und vergesst teure Geschenke, denn sie sind doch das nebensaechlichste bei diesem Fest.
Habt nicht zu hohe Erwartungen an das Fest, es kann nicht all das reparieren, was im Laufe des Jahres nicht gestimmt hat in der Familie. Erste Traenen habe ich gestern schon bei einer Kollegin erlebt, die kurz vor dem Fest schon Stress in der Familie hatte. Je gelassener ihr an diesen Tag herangeht, umso schoener, stressfreier und friedlicher wird er sich gestalten. Lasst den Familienangehoerigen ihren Freiraum und verdonnert nicht alle, am Tisch zu sitzen. Auch Kinder moechten sich manchmal von der dichten Atmosphaere mit der (eventuell) ganzen Familie zurueckziehen und werden von Zeit zu Zeit in ihren Zimmern verschwinden.
Ein paar schoene besinnliche Tage und danke fuer die Treue, die mir auch christliche Leser gehalten haben, wuenscht euch Noa!
HIER ist nur fuer euch speziell von mir Katie Melua

Dienstag, 20. Dezember 2011

חנוכה שמח Frohes Chanukka!

חנוכה שמח לכולם! שיהיה הרבה אור בחייכם ושיתרחשו המון ניסים וניפלאות בימינו

Frohes Chanukka-fest! Moege es viel Licht in eurem Leben geben und uns viele Wunder in diesen Tagen geschehen!

Samstag, 17. Dezember 2011

חנוכה שמח

כשהאחות בבי"ח שערי צדק שמעה את השם שלי, היא אמרה : "את חייבת לדעת, שפרושו של השם שלך, הוא "נסים ונפלאות עשה השם, נועה" כמה התרגשתי ובימים אלו, אני מהרהרת הרבה על הניסים שעשה השם איתי בפרט בשבע שנים האחרונות, מאז, שנהייתי יהודיה. בנסיעה הראשונה לארץ נתקלתי בחג החנוכה, שעליו לא ידעתי כלום. כמה זמן לאחר מכן, התחלתי ללמוד על היהדות, על השפה העברית ועל התורה הקדושה
נס גדול עשה הקב"ה איתי ובסופו של דבר הצלחתי בבית הדין והדיינים האמינו בי ואחרי שטבלתי במקווה, נולדתי מחדש כיהודיה. ב2009 עליתי לארץ ונסי ניסים - אחרי שבוע ימים היתה לי עבודה ודירה קטנטנה. תמיד חשתי את ההשגחה הפרטית של הקב"ה וכשגילו הרופאים בירושלים, שאני צריכה להתנתח בלבי, חתפתי הלם, אך בדיעבד אני משוכנעת, שהדרך שלי היתה מתוכננת מלכתחילה מאת הקב"ה. בסופו של דבר היה לי נס גדול, ששרדתי ורק מכיוון שעליתי לארץ ישראל
ניסים ונפלאות אין ספור יש בעולם שלנו, רק צריך לשים לב להם. בתוך כל יהודי בוערת להבה קטנה ויש לנו החובה להאיר את כל פינות שבעולם עם האש של התורה. חנוכה שמח לכל בית ישראל

Chanukka - immer wieder Wunder

In der letzten Zeit beschaeftigen mich die kleinen und groesseren Wunder unserer Zeit. Abgesehen von der Chanukka-geschichte, gibt es immer wieder kleine stille Flaemmchen, die zu grossen lodernden Feuern werden.
Man sagt, in jedem Juden, egal ob er religioes oder weniger religioes sein Leben ausrichtet, brennt ein kleines Licht, das das ganze Volk vereint. Sind wir in Israel, wird es oft zur grossen Flamme, wenn wir gemeinsam trauern und uns gemeinsam freuen. In der Galut trifft unser bescheidenes Flaemmchen manchmal auf ein anderes, und auch dann ist die Freude gross, oder die Trauer ueber Geschehnisse in Israel, vereint uns, wir koennen darueber sprechen, wie mit sonst kaum einem anderen Menschen.
Als ich gestern durch unsere Einkaufsstrasse ging, und in jedem Geschaeft die Schilder und den Schmuck mit "Froehliche Weihnachten" sah, stolperte mein Blick mit einem Mal ueber ein Schild, auf dem "Chanukka sameach" in hebraeischer Sprache stand. Im Schaufenster einer Apotheke war das Schild angebracht, und darueber hing ein Blatt mit der Erklaerung, was Chanukka bedeutet, und warum wir Juden es feiern.
Fuer mich ein kleines Wunder, dass es moeglich ist, wieder Schilder in hebraeischer Sprache anzubringen, in Deutschland, nur etwas mehr als 60 Jahre nachdem andere Schilder die Schaufenster schmueckten, wie "kauft nicht beim Juden", oder "Juden unerwuenscht" oder "Zutritt fuer Juden verboten".
In der naechsten Woche werden die Chabadniks in aller Oeffentlichkeit in der Stadt auf einem grossen Platz das zweite Licht an der riesigen Chanukkia entzuenden, um mit einem Saenger aus den USA, Tanz und Musik und Sufganiot, das Fest wie selbstverstaendlich vor den Augen aller zu begehen.

Aber auch ich bedanke mich ueber unzaehlige kleine und groessere Wunder, die mir in den letzten sieben Jahren zuteil wurden.
Chanukka ist das erste juedische Fest, ueber das ich stolperte, bei meiner allerersten Reise nach Israel, eine Reise, die ich fuehlte, machen zu MUESSEN, warum auch immer und die mein komplettes weiteres Leben veraenderte.
Ich wusste so gut wie nichts vom Judentum und erst recht nicht, warum in der Halle des Guesthouses ein grosser Kerzenstaender errichtet war, an dem nur eine mittlere und die ganz rechte Kerze brannte. Das war in Tel Aviv. Ein paar Tage spaeter fuhr ich weiter nach Jerusalem und als ich durch die Altstadt ging, musste ich laecheln beim Anblick der vielen Glaskaesten vor den Haustueren, in denen ebenfalls die Lichter brannten, die an das Wunder von Chanukka erinnern sollten.
Chanukka war dann auch das erste Fest, was ich ein Jahr spaeter ganz bewusst mit meiner Gemeinde in Deutschland feierte.

All die Wunder, die mir dann zuteil wurden, sind immer noch sehr praesent in meiner Seele und in meiner Erinnerung. Das Lernen - Wollen, der Erfolg bei der Suche nach einem Rabbiner, der mir helfen koennte, die Gemeinde, die Menschen, die mir begegneten und die hebraeische Sprache.
Es ist fuer mich im Nachhinein ein Wunder, dass mein Wunsch, einmal die Tora in Originalsprache lesen zu koennen, sich Schritt fuer Schritt erfuellt, und ich immer noch faehig bin, voller Begeisterung weiterzulernen.
Das Judentum als Geschenk im fortgeschrittenen Lebensalter - mehr als ein kleines Wunder! Und es begleitet mich Tag fuer Tag, Stunde um Stunde. Seitdem ich dieses Geschenk bekam, ist mir vieles deutlich geworden, habe ich einiges ueber das Leben dazu gelernt, und blicke anders auf jeden Tag der Woche.
Immer wieder Israel, und dort das Judentum als selbstverstaendlich zu erleben, - auch ein Wunder, dass es heute einen Staat gibt, der jedem Juden Zuflucht ist, wann immer er sich unter die schuetzenden Fluegel des Staates fluechten will.
Meine Einwanderung und die damit verbundenen Anfangsproblemchen, alles in allem ein Wunder fuer sich. Ich wurde mit weit geoeffneten Armen empfangen von Menschen, die mir bis heute in der Galut die Freundschaft halten. Ich hatte wie durch eine Wunder nach einer Woche ein Dach ueber dem Kopf und eine Arbeit. Immer war ich "knapp bei Kasse", aber stets geschah mir auch das Wunder, dass ich jeden Tag zu essen hatte, weitermachen konnte, wenn auch so manches Mal durch Spenden, zum Beispiel waehrend meiner Krankheit.
Der grosse Schock bei der Nachricht, am Herzen operiert werden zu muessen, und nichts mehr "in der Hand" zu haben, ausser der tiefe Glaube daran, dass der, der uns die Huerden und Schwierigkeiten schickt, uns gleichzeitig auch die Kraft und Faehigkeit zuteil werden laesst, mit ihnen fertig zu werden und staerker daraus hervor zu gehen.
Wenn ich eine Bilanz ziehe und die letzten sieben Jahre an mir vorbeiziehen lasse, kann ich nur immer wieder feststellen, dass es die besten sieben Jahre waren, die ich persoenlich hatte, abgesehen von meinen wunderbaren Kindern, die eines der groessten Geschenke des Lebens sind.
Ich habe in den letzten Jahren nur Gutes erfahren und die meisten meiner Wuensche sind erfuellt worden. Flehen und Bitten, Gebet und Traenen sind letzten Endes von einem, der groesser ist als wir uns vorstellen koennen, erhoert worden und so manches Mal war es mir fast unheimlich, wenn ich die g-ttliche Vorsehung so ganz persoenlich zu spueren bekam. Ja, ER begleitet uns, ER ist wirklich immer da, stellte ich nicht nur einmal fest. Und er hat mich zu einem Volk gefuehrt, dass jetzt meines ist und von dem ich noch eine Menge lernen kann, jeden Tag.
Fuer all die Wunder, die mir zuteil wurden, fuer all die Menschen, die ich treffen durfte und von denen ich lernen konnte, verneige ich mich in Demut und freue mich auf die kleinen und grossen Flaemmchen, die wir in dieser kommenden Woche entzuenden.
Chanukka Sameach! Moegen die Flaemmchen der Freude und des Ueberlebens alle Winkel der Erde mit ihrem Licht erhellen.

Montag, 12. Dezember 2011

Bewegung, Vitamin D und Ernaehrung

Ich habe zuviel gegessen und mich zuwenig bewegt. Trotz Winter, der mich nicht gerade herauslockt, habe ich nun angefangen, ein paarmal in der Woche wieder 20-25 min. langsam zu laufen. Die Suessigkeiten muessen unbedingt weg oder weniger werden und mein sowieso hoher Obst-und Gemuesekonsum laesst sich noch aufbauen. Mein Vitamin D -Wert ist wieder im Keller, da ich nicht weiter Vitamin D zugefuehrt hatte, seit Juni. Und endlich habe ich einen Arzt in Deutschland gefunden, der nicht zoegert, auch sehr hohe Einheiten von Vitamin D zum schnellen Auffuellen der Speicher zu verordnen.
Seine Adresse habe ich von Prof. Dr. Spitz, der im Bereich Vitamin D viel geforscht hat und Autor des Buches "Krebszellen moegen keine Sonne" (sowie auch des Buches "Krebszellen moegen keine Himbeeren") ist. Schreibt man ihm eine mail, bekommt man sofort eine ausfuehrliche Antwort, das Beste aber ist es, sein Buch zu lesen. Dann wird auch der Zusammenhang vieler Krankheiten mit Vitamin D - Mangel klar. Nicht nur, wie man frueher dachte, im Bereich Osteoporose, Knochenaufbau, Zaehne, sondern eine grosse Rolle soll das Vitamin D auch im Bereich von Depressionen, Herzkrankheiten, Alzheimer, Krebs spielen.
HIER koennt ihr euch ein Video von Prof. Spitz zum Thema anschauen.
In Israel, nach meiner OP, bin ich durch die Aerzte dort zum ersten Mal auf das Thema Vitamin aufmerksam gemacht worden und nach einer Testung erfuhr ich, dass mein Wert mehr als zu wenig ist, wie es uebrigens in der gesamten Bevoelkerung zu wenig zu sein scheint. Wir leben und arbeiten in geschlossenen Raeumen, und selbst in Israel, wo die Sonne mehr als 330 Tage im Jahr scheint, leiden 80 % der Bevoelkerung an Vitamin-D Mangel. Die Sonne nuetzt nicht viel, wenn man sie nur von innen durch die Fenster scheinen sieht.
Ein Gesamtkonzept von mehr Bewegung, einer guten Gemuese-und Obstreichen und Brot armen Ernaehrung gemeinsam mit Substitution von Vitamin D scheint einen erfolgreichen Schutz gegen viele Krankheiten zu bieten, vor allem fuer aeltere Menschen.
HIER ein wunderbares Video der ARD Mediathek, das mir Dr. Teutemacher aus Wuppertal empfohlen hat, zum Thema "Wir sind Steinzeitmenschen, in moderner Verkleidung" oder wie wenig wir an das moderne Leben angepasst sind.

Samstag, 10. Dezember 2011

Entscheidungen - Verurteilungen, oder "wissen wir immer genau um die Wege, die G-tt mit einem Menschen vorhat?"

Vor einiger Zeit stolperte ich in einem anderen Blog ueber Kritik an mir und meinen Entscheidungen.(Alyia, dann zurueck nach Deutschland) Hier ein Zitat

So ein Hin und Her braucht man doch auch nicht, oder? Ich habe mir auch schon überlegt, ob ich Aliyah machen soll, hab mich aber dagegen entschieden. Da bin ich eher so wie Du vorgegagen, habe genau überlegt, was ich erwarte und ob meine Erwartungen auch erfüllbar sind. Ich sehe nämlich keinen Sinn darin, hier alle Zelte abzubrechen, Wohnung und festen Arbeitsplatz aufzugeben, nur um dann in Israel bald wieder alles aufzugeben und in Deutschland wieder alles neu aufzubauen. Ich fände es auch nicht richtig, in Israel Aliyah-Geld gezahlt zu bekommen, wenn ich dann das Land doch wieder verlasse. Oder hier Hartz IV in Anspruch nehmen zu müssen, wenn ich nach der Rückkehr nicht so schnell wieder einen Job finde, von dem ich mich ernähren kann
meine erste Reaktion war es, mich zu aergern. Da die Kommentarfunktion der Bloggerin laengst gesperrt war, konnte ich zu den Punkten nichts sagen, ausser mich bei einer der Kommentatorinnen, die ich durch Mailkontakte "kenne", zu bedanken fuer ihre Fuersprache. Sie schrieb naemlich

warum äußerst du dich nicht direkt bei Noa? Das wäre nämlich das normale. Das hier ist kein guter Stil.
Außerdem denke ich, dass man alles in der Theorie durchdenken kann, die Realität ist dann oft eine ganz andere. Ich finde es sehr legitim, nach Israel zu gehen und dann vielleicht erst dort zu bemerken, dass man sich vielleicht etwas vorgemacht hat, obwohl man überzeugt ist, das richtige zu tun. Ein Wiederneuanfang in Deutschland ist auch kein Zuckerschlecken und auch das erfordert Mut. Alles immer vorher wissen zu können, ist unrealistisch.
Was hatte mich eigentlich so geaergert? fragte ich mich spaeter. Koennen und sollen doch andere von mir denken, was sie wollen.

Aber das war es gar nicht. Es war etwas, was mir immer wieder auch selbst passiert. Es ist das schnelle (Ver-)urteilen ueber die Entscheidungen anderer Mitmenschen, ohne alle Details seiner Abwaegungen zu kennen. Wenn ich spaeter Einzelheiten darueber erfahre, was den Menschen zu seiner Entscheidung bewogen hat, und wie dann die Entscheidung de facto umgesetzt wird, bin ich haeufig erstaunt und schaeme mich ueber meine erste Reaktion, in der ich meine, genau zu wissen, was ich an der Stelle des anderen getan oder gelassen haette.

Es heisst im Judentum: Urteile nicht ueber den anderen, bevor du nicht selbst in seine Lage gekommen bist.

Ich musste schon oft an diesen Satz denken, wenn ich selbst in eine Lage kam, in der ich dann im Nachhinein dem anderen beipflichtete, und ihn verstand. Ja, auch mir konnte DAS passieren, was ich nie fuer moeglich gehalten hatte.

Um noch einmal auf die Vorwuerfe zurueckzukommen, sei gesagt, dass ich genau das, naemlich "von Hartz IV leben" nicht wollte, daher hatte ich mich noch in Jerusalem an den Computer gesetzt, um die Arbeitsangebote in Deutschland in der Stadt, in der ich beabsichtigte, mich niederzulassen, zu durchforsten. Tag fuer Tag sass ich dort, schrieb Bewerbungen und verschickte Lebenslaeufe, und es gab - oh Wunder - tatsaechlich Reaktionen, bis eines Tages sogar von mir vorgeschlagene Vorstellungsgespraeche per Skype akzeptiert wurden und ich schliesslich noch in Jerusalem einen Arbeitsvertrag in einem Altenheim als Krankenschwester in den Haenden hielt, was sicher nicht meine erste Wahl war, da ich lange Zeit nicht als Krankenschwester gearbeitet hatte. Doch hier hiess es, wie umgekehrt auch anfangs in Jerusalem, "nimm jede Arbeit an, die sich dir bietet, um dich ueber Wasser zu halten."

Das Unmoegliche wurde moeglich, sogar eine voruebergehende "Musterwohnung" bot man mir an, fuer die Zeit, in der ich noch keine richtige Wohnung gefunden hatte.
Ich kam nach Deutschland am 3. April 2011 und konnte direkt in diese Wohnung, am 5. April war mein erster Arbeitstag. Ich musste also dem geneigten Leser, der Steuerzahler ist, keinen Tag auf der arg gehueteten Tasche liegen, was mich sehr freute, denn meine Muehen hatten sich ausgezahlt. Was dann folgte, war nicht lustig, denn mein gesundheitlicher Zustand auch noch nach fast einem Jahr nach einer Herzoperation war keineswegs so stabil, um 8-9 Stunden lang im Renntempo pflegebeduerftige Menschen zu heben, zu wenden und zu waschen. Ich habe es getant, weil ich mich irgendwie ernaehren wollte. Erst nach 3 Monaten haertester Arbeit gelang mir der Sprung zurueck in die Sozialarbeit, wo ich mich Schritt fuer Schritt koerperlich erholen konnte. Wussten das alles die Kritiker? Sicherlich nicht.
Ich beabsichtige hier nicht, mich zu beklagen, nein, im Gegenteil. Erstens hatte ich diese Entscheidungen alle selbst und eigenverantwortlich getroffen, daher musste ich meiner Meinung nach auch nun einige Dinge "ausbaden", zweitens hatte mir der, der uns allen stets zur Seite steht, auf so unglaubliche Art geholfen, dass es fast unheimlich war.
Natuerlich - um auf die zweite Anschuldigung zurueckzukommen - habe ich Alyia-Unterstuetzung vom Staat Israel bekommen, eine finanzielle Unterstuetzung, die jedem Neueinwanderer zusteht, egal ob er irgendwann das Handtuch wirft oder aus sonstigen wichtigen Gruenden zurueck in seine vorherige Heimat geht. Diese Unterstuetzung werde ich kein zweites Mal bekommen. Ob andere nach Jahren wieder auswandern, bekommt man - wenn sie nicht gerade darueber bloggen - nicht immer mit.

Was ist die Intention meines Blogeintrags? Mich reinzuwaschen, oder den warnenden Zeigefinger zu erheben?
Mitnichten. Vielmehr ist es so, dass ich an mich selbst adressiere, wenn ich einen Gedankenanstoss in Bewegung setzen moechte.
Wie wenig wissen wir ueber die Hintergruende einer Aktion, einer Entscheidung, es genuegen uns oft ein oder zwei Aspekte, die uns zum Urteil fuehren.

Weiter hiess es in einem der Kommentare zur selben Sache

So ein Hickhack – heute hier und morgen dort – wäre nichts für mich. Wenn ich mich entscheiden würde, nach Israel zu gehen, dann wäre es für immer. Und da ich mich dazu nicht entschließen kann, bleibe ich eben hier.

Auch dazu kann ich etwas beitragen. "Wenn ich ...dann wuerde ich" gibt es nicht. Niemand von uns weiss, was waere, wenn ich.....und ob ich dann wuerde, steht erheblich in Frage.
Ich freue mich einerseits fuer andere Menschen, die immer so genau wussten, was sie taten, die stets ihre Entscheidungen bis ins allerletzte abwaegen und sich dann doch lieber entscheiden, gar nichts zu tun. Ja, es stimmt, gar nichts zu tun, ist nie falsch, zumindest nicht von aussen betrachtet. Aber es hindert uns auch daran, Erfahrungen zu machen, selbst wenn sie von einem Risiko begleitet sind. "Schiffe im Hafen koennen nicht untergehen", heisst es, "aber dazu sind Schiffe nicht gemacht."

Die Wege, die G-tt uns fuehrt - und ich bin fest davon ueberzeugt, dass ER es ist, der uns fuehrt, sind manchmal sehr merkwuerdig und nicht selten fuehren sie uns scheinbar zeitweilig in eine "falsche" Richtung, oder ueber einen Umweg. Spaeter, im nachhinein betrachtet, kann es sich jedoch als durchaus sinnvoll erweisen, dass wir diesen Umweg gegangen sind, ohne ihn waeren wir sicher nicht da, wo wir jetzt stehen, und ohne ihn waeren uns wichtige Erfahrungen entgangen.
Auch unsere Wochenabschnitte, die von den Vorvaetern handeln, zeigen uns, wie G-tt seine Kinder hin-und herschickt, ohne dass sie immer wissen, wozu das gut sein soll. Er hat mit uns etwas vor, mit jedem von uns etwas anderes, und wir tun gut daran, uns um unseren eigenen Weg zu kuemmern, bevor wir kopfschuettelnd den Weg der anderen verurteilen.
Wir tun ebenfalls gut daran, nicht die wichtigen Hinweise zu verpassen, die G-tt uns durch andere Menschen gibt, die, die uns den Hinweis geben, wohin unser Weg fuehren soll. Das muss fuer die meisten Menschen nicht bis nach Israel und zurueck heissen, sondern kann eine ganz andere Wegstrecke beinhalten, eine neue Arbeitsstelle, ein anderer Partner, ein Losloesen von Konventionen und Selbsteinschraenkungen, ein persoenliches Jetziat Mizraim (Auszug aus Aegypten, aus der Sklaverei, die wir uns manchmal selbst auferlegen) oder einfach ein neues Hobby, was uns erfuellt.
Oft sind wir so beschaeftigt, dass wir die leisen Hinweise nicht hoeren, oder auch nicht hoeren wollen, weil das Hinhoeren und Befolgen uns zuviel Mut abverlangen koennte, den wir (noch) nicht haben oder die Ueberwindung existentieller Aengste erfordern wuerde.
Jeder von uns hat seinen Weg und sollte hin und wieder ueberpruefen, ob dieser Weg, den er gerade geht, noch passt, oder ob er ihn nur aus Gewohnheit und Bequemlichkeit noch weitergeht. Vielleicht hat er laengst die Hinweise auf eine Abzweigung uebersehen, oder die Augen davor verschlossen, weil die Abzweigung zuviele Unsicherheiten barg.
Nur Mut! Wer nichts wagt, kann auch keine neuen Erfahrungen machen, und nicht immer sind diese Erfahrungen so negativ, wie ihr befuerchtet.
Zu meiner Person muss ich nun den Kritikern noch "einen drauf setzen", denn die letzten Monate haben mir persoenlich gezeigt, dass mein Weg auf keinen Fall in Deutschland weitergehen kann, ja, auch wenn es fuer die meisten unvorstellbar klingt, ich werde zurueck nach Israel gehen.
In meinem kurzen Urlaub in Jerusalem, hatte ich zwei Vorstellungsgespraeche bei deutschen Firmen.
Ich hatte mich dort beworben, nachdem mir eine Bekannte unaufgefordert Arbeitsangebote geschickt hatte. Auf zwei dieser Angebote hatte ich mich "nur mal so" beworben und oh Wunder, bekam ich am naechsten Morgen bereits Einladungen zu Vorstellungsgespraechen, die ich, da ich diese Reise geplant hatte, sogar wahrnehmen konnte.
Glaubt ihr immer noch, eure Wege werden NICHT von G-tt bereitet?
Aus einem dieser Angebote scheint etwas zu werden, aber selbst wenn nicht, ist mir klar, dass mein schlechter Zustand in den letzten Monaten und diese Angebote Hinweise darauf sind, dass es doch noch einen Weg zurueck gibt, geben muss fuer mich, um wieder im Einklang von Koerper und Seele zu leben.
Ueber meine weisen Kinder habe ich mich am meisten gewundert. Nein, sie hatten mich nicht gebeten, Israel aufzugeben. Das, was mich zurueck gefuehrt hatte, war ein schlechtes Gewissen, das Gefuehl, keine gute Mutter zu sein, wenn ich sie hierlasse und meinen eigenen Weg gehe. Sie haben gespuert, dass ich mich nicht wohlfuehle hier, doch ich meinte, ein "Opfer" bringen zu muessen.
Ich hatte grosse Angst, ihnen nun zu sagen, dass ich es nicht schaffe, dass ich, um nicht ernsthaft krank zu werden an Leib und Seele, doch dahin muss, wo die Seele immer geblieben ist.
Die Angst war unnoetig und als ich erwaehnte, wie oft ich schon gesagt hatte: "Wie dumm bin ich gewesen, alles in Israel aufzugeben, wie konnte ich so eine falsche Entscheidung treffen" sagten sie, dass sie gar nicht denken, es sei so falsch gewesen, sondern eher der Weg, den ich gehen musste, um mich 1. persoenlich davon zu ueberzeugen, dass sie ihr Leben beide, trotz manchmal schwieriger Umstaende, eigenverantwortlich leben koennen und um 2. zu spueren, dass ich meinen ureigenen Weg gehen muss und dass dieser Weg, trotz relativem Luxus, einer kleinen feinen Wohnung und einem Job, der mir (im Gegensatz zu Israel) viel Geld einbringt, auf Dauer nicht in Deutschland weitergehen kann.
Mag das den meisten Menschen als Wirrwarr vorkommen, so kann ich nur sagen, ich bin demuetig in Ehrfurcht vor den Wegen, die wir gehen muessen, auch den (scheinbaren!) Irrwegen. Und ich bin fest in dem starken Glauben daran, dass alle Pfade durch IHN vorgeplant und bereitet sind.

Freitag, 9. Dezember 2011

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Eine Woche in Israel

Es war eine volle, reiche Woche mit vielen endlosen Gespraechen. Ich habe all das, was moeglich war, nachgeholt, nach Monaten der fehlenden geistigen Inputs hier in Deutschland . Um 8 Uhr mit Ayala und Yair fruehstuecken, um 10.30h dann mit Rachel in einem anderen Cafe. Sie schimpft mit mir, weil ich nicht mehr viel bestelle, ausser einem Nanatee. Am Nachmittag zu Shulamit und Sammy, die sich freuen, mich wieder zu sehen. Shulamit hoert nicht auf, in die Kueche zu rennen, um immer neue Koestlichkeiten aufzufahren. Kraecker mit Tchina, Orangenkuchen und heisse Suppe. "Egal, wann immer du kommst", sagt Sammy ," du musst wissen dass das Haus für dich stets auf ist!" Esti schreibt eine SMS , wann ich "nach Hause" komme und ich schreibe zurueck, dass ich schon zu Abend esse, sie soll nicht auf mich warten.
Ich kaufe Granatapfel und Yoghurt und werde dafuer von Esti mit Kopfschuetteln gestraft "Wenn ich mal bei dir zu Gast bin, dann kannst du dich revanchieren, aber lass das Einkaufen jetzt!"
Man wartet auf mich in der Teamsitzung meines alten Arbeitsplatzes im Hadassa-Hospital und ist enttaeuscht, weil ich den Besuch nicht mehr schaffe zum Schluss.
Jonathan und seine Angestellten jubeln, als ich der Kanzlei einen Besuch abstatte. Fuer ihn habe ich des oefteren Urkunden vom hebraeischen ins deutsche uebersetzt. Was fuer ein Empfang. Fast fuehle ich mich beschaemt. Ob ich soviel Freude verdient habe?
Meine Sharon kann ich, bevor ich mit Freda ins Cafe Hillel gehe, auch noch sehen. Ihre Philippinin oeffnet die Tuer und meint :"Als ob du erst gestern hier raus gegangen waerest " und als ich Sharon umarme, fuehle ich dasselbe. Freda wartet auf mich am Gan haPaamon und kann es nicht fassen, mich zu sehen.
Am Freitag kehrt nachmittags Ruhe ein und Esti fragt mich, wen ich einladen möchte. Sie begleitet mich zur Jakar Synagoge und als wir singen, muss ich weinen . Gabi und Chawa, Mark und Ilana, Ayala und Yair warten schon zuhause mit Roni, wir singen Shalom Aleichem und Eshet Chail, das Loblied auf die tuechtige Ehefrau . Gabi spricht tief versunken den Segen fuer all seine Kinder, deren Ehepartner und die Enkel. Die wohl geformte Challe kommt auf den Tisch und wir machen Kiddush.
Am naechsten Morgen geht es zur Synagoge Yehuda haLevi, wo wir anschliessend Nechama und Amos, Miri und Shoshana mit zum Kiddush mir zu Ehren mitnehmen. Es ist so warm, dass wir auf der Terrasse in der Sonne sitzen koennen und ich muss mich nun beeilen, da ich zum Essen bei Ayala sein soll. Was fuer ein Segen, dieser Shabbat.
2 Tage spaeter geht es mit Esti auf einen langen Spaziergang zur Tayelet. Ich frage nach 1967 und 1973. Wo war sie als die Kriege ausbrachen. Bei Estis Erzaehlungen werde ich still. Viele Freunde hat sie verloren.
Ein Abend im Theatron steht noch an. Die Darsteller sind alle ueber 50, und haben Gesang, das Spielen eines Instrumentes und Tanz erst im fortgeschrittenen Alter erlernt. Esti singt im Chor und freut sich dass ich Photos mache
Und als ich am Flughafen stehe, ist der Zauber vorbei. Der Zauber einer Woche in Israel !
Danke fuer die grosse Liebe und Gastfreundschaft!