Montag, 30. Januar 2012

Ich muss euch noch einmal mit Chopin "belästigen", denn ihr werdet es nicht bereuen

HIER duerft ihr noch einmal geniessen, bevor ich euch endgueltig mit der Klassik-Schiene in Ruhe lasse.
Barenboim mit dem Klavierkonzert No. 2, von Chopin.
(und es geht hier AUSSCHLIESSLICH um Musik, nicht um Politik)

Krankenhauspersonal - Shabbat im Krankenhaus

Gestern bekam ich folgende Anfrag:
Was macht man als Krankenschwester/Pfleger in Israel, wenn man religioes lebt? Arbeiten andere saekulare Juden dann am Shabbat oder muss man staendig den Shabbat brechen?

Da die Anfrage sicher auch andere Leser interessiert beantworte ich sie nicht nur persoenlich, sondern auch oeffentlich.

Dazu ist folgendes zu sagen. Zunaechst einmal ist es tatsaechlich moeglich, NICHT am Shabbat zu arbeiten, da es ausreichend Personal gibt, welches am Shabbat arbeiten moechte, und dafuer in der Woche frei nimmt.
Wenn dies nicht der Fall ist, gibt es einige "Hilfsmittel", die auch religioesen Menschen das Arbeiten mit gutem "halachischem" Gewissen ermoeglichen.
Es gibt Shabbat-aufzuege, die in jeder Etage halten. (selbstverstaendlich nicht bei Lebensgefahr, aber in diesem Falle sind ja sowieso alle "Gesetze" ausser Kraft gesetzt, das Leben hat IMMER Vorrang)
Eine Firma namens "Zomet" befasst sich mit technischen Fragen aus halachischer Sicht. Der Leiter ist Rav Israel Rosen, den ich persoenlich kenne und sehr schaetze. Er ist gleichzeitg Rabbiner und Ingenieur in einer Person, was ihm ermoeglicht hat, auf diesem Gebiet schon einige wertvolle Erfindungen anbieten zu koennen, z.B. ein "Shabbat-kuli", der das Geschriebene nach einiger Zeit (2-3 Tage) wieder verschwinden laesst. Da sich die Anweisung, dass am Shabbat das Schreiben verboten ist, nur auf bleibendes Geschriebene bezieht, ist er erlaubt. Man muss sich nach Shabbat nur die Muehe machen, das Geschriebene nachzuziehen mit einem anderen Stift. Der Stift ist fuer Sicherheitsfachkraefte, fuer das Militaer oder Aerzte und Krankenpflegepersonal bestimmt, und soll nicht etwa dazu fuehren, dass jeder nun mit diesem Stift schreibt. Nur, wer gezwungen ist, aufgrund seines Berufes am Shabbat schreiben zu muessen, verhaelt sich mit diesem Stift einwandfrei gemaess der Halacha.
Weiter hat er ein besonderes Telefon erfunden, eine Art Handy, mit dem am Shabbat telefoniert werden darf.
Wer der hebraeischen Sprache maechtig ist, kann sich auf seinen Internetseiten mal umschauen. Ich sehe gerade, dass man auch auf "englisch" umschalten kann. Auf diesen Seiten findet ihr auch das Wochenblatt "Shabbat beShabbaton", wo Rav Israel und einige andere jede Woche interessante Beitraege zur Parasha veroeffentlichen, die oft einen sehr dichten Bezug zu aktuellen Ereignissen im Land haben.

Dazu eine kurze Geschichte einer meiner Freunde.
Es war beim Militaerdienst. Meist helfen sich die Soldaten gegenseitig, der nicht religioese macht gern Arbeiten, die dem religioesen aufgrund der Halacha verboten sind, und umgekehrt in der Woche revanchiert sich der religioese Soldat dafuer mit anderen Taetigkeit.
Nun hat es besagter Freund immer so gehalten, dass er alle Taetigkeiten dennoch ausfuehrte, - auch an Shabbatot - die mit dem jeweiligen Amt verbunden und erforderlich waren. Er fuhr beispielsweise auch selbst Auto, wenn es darum ging, Grenzkontrollen durchzufuehren. Auch als seine nicht religioesen Kollegen sich anboten, diese Aufgabe fuer ihn zu uebernehmen, sagte er, er werde alles tun, was von ihm in Verbindung mit dem Dienst verbunden ist.
Spaeter am Abend, als ein Soldat Y. eine Zigarette anbot, und er diese ablehnte, gab der Kollege zu bedenken: "Aber du hast doch schon durch das Auto fahren den Shabbat gebrochen, warum rauchst du dann nicht? Ist doch jetzt eh egal."
Y. antwortete: "Genau das ist es eben nicht. Alles, was ich in Ausuebung meines Amtes hier tun muss, werde ich tun. Aber rauchen ist mein Privatvergnuegen. Ist eben nicht jetzt egal! Das ist der Unterschied!"
Leider ist das Ganze in Bezug auf das Krankenhauspersonal hier in Deutschland nicht so leicht. Man muss sich ernaehren, und ehe man auf Hartz IV angewiesen ist, ist es angesagt, die Stelle anzunehmen und zu versuchen, etwas auszuhandeln, statt Shabbatot z.B. an den Sonntagen zu arbeiten oder mal nachts, wenn andere nicht so gern arbeiten. Aber wenn es denn zwingend erforderlich ist, kommt man nicht daran vorbei.
Nicht nur in dieser Hinsicht ist natuerlich das Leben in Israel wesentlich leichter, und es gibt viel mehr Verstaendnis und Entgegenkommen.
Dennoch sollte man sich in der Galut auch nicht verrueckt machen, falls man am Shabbat arbeiten muss. Ich denke, die Menschen, die man pflegt, sind auf diese Pflege angewiesen, zwar ist es kein Pikuach Nefesh, da nicht in jedem Falle das Leben des Kranken von meiner Pflege abhaengt, aber doch wird meine Hilfe benoetigt. Ich kuemmere mich um das Wohl von Menschen, und gehe nicht in die Disco oder schaue mir einen Film an. Das ist - nach meinem Verstaendnis - ein grosser Unterschied.
Ich weiss, wie schwer es ist, eine Loesung dafuer zu finden, manchmal gibt es eine und ein anderes Mal hat man evtl. - so wie in meinem Falle - noch einen zweiten Beruf, der es nicht unbedingt erfordert, an den Shabbatot zu arbeiten. Ich bin in erster Linie Sozialarbeiterin, habe aber noch einen Beruf, den ich vor meinem Studium erlernt habe, Krankenschwester. Diesen Beruf habe ich, als ich zurueck nach Deutschland kam, auch "aus dem Aermel" zaubern muessen, um einen Job zu bekommen. Ich habe ca.3 Monate in einem Altenheim gearbeitet, bevor ich es schaffte, wieder in meinen Beruf als Sozialarbeiterin zu kommen.
Und - leider musste ich in diesem Altenheim auch an den Shabbatot arbeiten. Ich kenne das ungute Gefuehl, und auch die Tatsache, dass sich leider kein "Shabbatgefuehl" eingestellen will auf diese Weise. Aber ich bin auch von den Freunden aus Israel beruhigt worden, ich solle mir keine grossen Gewissensbisse machen, und das tun, was der Dienst von mir verlangt. Da es keine Hilfsmittel gibt in der Galut, muss ich mich damit abfinden und lediglich sehr aufpassen, dass ich nicht - sobald ich nach Hause komme - den Shabbat aus anderen Gruenden breche, weil es (wie o.a.) "ja eh egal ist".
Gleichzeitig koenne ich mich ja in aller Ruhe bemuehen, weiter nach einer Arbeit zu suchen, bei der ich den Shabbat halten kann.
So habe ich es dann auch gehandhabt und war erfolgreich.



Keith Jarrett gefaellig?

Koennt ihr noch?
Keith Jarrett mit "My song", sicher vielen bekannt, die sich Richtung Jazz bewegen. Bei mir ist das mit dem Jazz so eine Sache, ich kann nicht jede Art von Jazz "aushalten", denn es muss in meinen Ohren noch eine gewisse Harmonie zu erkennen sein. Zu "free" - das geht bei mir nicht.
Aber bei "my song" ist diese Gefahr weit entfernt.

Sonntag, 29. Januar 2012

Grieg - Klavierkonzert 2. Satz

Ich kann es euch nicht ersparen, denn auch Grieg steht hoch in meiner Gunst und 6 Minuten habt ihr sicher noch Zeit, oder?
Auch Griegs Traurigkeit kann ich mehr als gut "ertragen". Der 2. Satz seines Klavierkonzertes ist zum aktiven Zuhoeren und Abschalten hervorragend geeignet.
Schliesst die Augen, und lasst euch in das Land eurer eigenen Pantasien entfuehren...
(nicht nebenbei spuelen, buegeln, oder putzen...bitte!)

Chopin

Auch einer meiner Lieblingskomponisten - Chopin! Chopin wurde als Sohn eines Franzosen und einer Polin in der Naehe von Warschau geboren. Im Alter von vier Jahren lernte er Klavier spielen und seine erste eigene Komposition erschien, als er sieben war! Er galt wohl mit Recht als Wunderkind. Chopin lebte u.a. in Wien und Paris und war z.B. mit Heinrich Heine befreundet. Zehn Jahre lebte er mit der franzoesischen Schriftstellerin George Sand zusammen. Er erkrankte schwer an Lungentuberkulose und verstarb bereits im Alter von 39 Jahren.
Seine 24 Préludes stellte er auf Mallorca fertig, wohin er George Sand und deren Kinder begleitet hatte, als sein gesundheitlicher Zustand schlechter wurde. Zu diesen gehoert auch sein beruehmtes "Regentropfenprélude"
Auch Etude Op 25 No 11 ist virtuos und hoerenswert.
Dieses Nocturne von ihm ist meiner Meinung nach eines seiner wunderschoensten Werke.
Mit Chopins Dramatik und Melancholie kann ich gut klarkommen, sie ziehen mich nicht herunter, denn auf wundersame Weise loest sich die Tragik in seinen Werken vielfach wieder in einer unerwarteten Harmonie auf. Man wird auf einer Woge, die mir sehr gefaellt, in eine Phantasiewelt getragen.
Chopin erinnert mich an meine Klavierstunden und an die Sonntage als Kind in einer Familie, wo ausschliesslich Klassik gehoert wurde.
Viel Spass beim Genuss!

Eine gute Woche

Samstag, 28. Januar 2012

Moegt ihr Rachmaninoff?

Leider klappt das Hochladen von Videos bei mir ueber Blogspot immer noch nicht (oder ich mache etwas falsch), aber ich kann euch verlinken, mit wunderschoener Musik und beruhigenden Bildern. Habe ich schon erzaehlt, dass ich u.a. Rachmaninoff-Fan bin?
HIER koennt ihr ein wenig Ruhe geniessen.

Zuerst holten sie die Kommunisten

Zuerst holten sie die Kommunisten;
ich schwieg, denn ich war kein Kommunist.
Dann holten sie die Juden;
ich schwieg, denn ich war kein Jude.
Dann holten sie die Gewerkschaftsmitglieder unter den Arbeitern;
ich schwieg, denn ich war kein Gewerkschafter.
Danach holten sie die Katholiken;
ich schwieg, denn ich war Protestant.
Schließlich holten sie mich,
und da war keiner mehr, der für mich haette sprechen koennen.

Martin Niemoeller

Shavua tov

Umgeknickt

Direkt nach Shabbatausgang gehe ich meist hinaus, um meinen obligatorischen Lauf zu absolvieren, und mich ein wenig zu bewegen nach einem Tag auf der Couch mit vielen Buechern um mich herum.
Tja, das war heute kein erfolgreicher Lauf, denn auf dem Rueckweg bin ich so heftig umgeknickt, dass es krachte. Ich hatte das Ende des Buergersteiges in der Dunkelheit nicht gesehen. Autsch!
Nun hoffe ich sehr, dass der Knoechel nicht anschwillt und mich am Aktivismus hindert. Meine Bewegungsmoeglichkeiten sind jedenfalls in der letzten halben Stunde stark begrenzt.

Nachmieter

Einen Nachmieter suchen zu muessen macht Druck. Andererseits ist es auch wirklich spannend, welch unterschiedliche Menschen in der Wohnung auftauchen, um sie sich anzuschauen. Und nur eine war dabei, die etwas unangenehm auffiel.
Einem Studenten, dem die Wohnung so gut gefiel, der aber leider seine finanziellen Grenzen ueberschritten sah, als ich ihm mitteilte, dass die Nebenkosten erhoeht wurden, haette ich die Wohnung wirklich sehr gegoennt. Er fragte mich, wohin ins Ausland ich denn genau ziehe. Als ich Israel nannte, riss er die Augen auf: "Wow! Womoeglich nach Tel Aviv? Ich studiere Modedesign und Tel Aviv hat mich in dieser Hinsicht schon sehr angezogen. Dorthin will ich unbedingt in den naechsten Jahren."
Ebenfalls einen netten Eindruck machte mir die Perserin mittleren Alters, die fuer ihren Sohn eine kleine Wohnung suchte. Sie muss der Arbeit wegen die Stadt verlassen und ihr Sohn steht kurz vor dem Abitur, muss also bleiben. Auch der Sohn, mit stylischer Brille und wirklich vorzueglichem Benehmen, war angetan von der Wohnung und sogar von meiner Moeblierung, die ja eher spaerlich ist. "In der Schule besprechen wir gerade die Bedeutung, die Jerusalem fuer alle Religionen hat!" meinte er.
Ob er die Wohnung bekommt?
Eine Dame in meinem Alter, die sich bereits schon einmal wohnungsmaessig stark verkleinert hatte, kam ebenfalls schnell mit mir ins Gespraech, ueber die Frage: Was hindert einen eigentlich daran, einfach "mal ins Ausland zu gehen"? Sie gab an, schon lange einmal davon getraeumt zu haben, aber sich immer selbst an der Ausfuehrung gehindert zu haben. Ihren Fokus habe sie oft darauf gelegt, was NICHT klappen koennte. Und den Gedanken dann ganz verworfen.
Auch sie beschaeftigte sich im Augenblick - nach einer erfolgreichen Karriere - mit Gedanken, was denn im Leben WIRKLICH wichtig sei, und worauf man gut auch verzichten koenne. Sich beispielsweise von Dingen zu trennen, falle ihr nicht leicht, sagte sie.
Nun bin ich gespannt, ob ich die Wohnung noch einmal in die Zeitung setzen muss, oder ob bereits jemand dabei war, der Gunst in den Augen des Vermieters, bzw. der Hausverwaltung findet, und mich so 400 EUR sparen laesst.

Freitag, 27. Januar 2012

Shabbat shalom שבת שלום

Ist es gefaehrlich, sich an Israels Seite zu stellen?

Gestern hoerte ich ein Statement, was mich mehr beunruhigte, als das, was ich bisher zum Thema Naher Osten, Iran, muslimische Nachbarlaender von Israel vernommen hatte.
Wir sprachen ueber Israel, die USA, den Iran, und irgendwie kam die Rede auf die Aussagen von Achmadinedshad, Hisbollah und Chamas und anderen netten Mitmenschen auf dieser Erde, dass nicht ausschliesslich Israel, sondern die gesamte westliche Welt der "Feind" sei.
Es ist lange klar, dass die Welt sich nicht nur um Israel sorgen muss, wenn der Iran die Atombombe in den Haenden haelt, auch Europa und die gesamte westliche Welt ist gefaehrdet. Es ist ein Trugschluss, dass es damit erledigt sein wird, wenn Israel "von der Landkarte verschwindet". Danach ist NICHT alles gut, und die Erde ist keineswegs eine bessere oder friedlichere.
Da warf eine Frau das in den Raum, was evtl. viele Menschen in Europa denken: "Ja, natuerlich ist die westliche Welt gefaehrdert. Wenn sie sich auch alle immer lautstark hinter Israel und die USA stellen, gefaehrden sie sich doch dadurch!"
Also, liebe friedvolle Mitmenschen, wollt ihr euch nicht gefaehrden, dann haltet euch raus, oder sprecht gegen Israel. Das wird euch in den Augen der Extremisten sicher wie ein Freund erscheinen lassen, und in Anbetracht dessen, was zurzeit bei unseren Nachbarn im Nahen Osten vor sich geht, kann es geschickt sein, sich gegen Israel und die USA zu stellen.
Nur - glaubt ihr tatsaechlich, dass euch das im Endeffekt rettet vor den Feinden der Demokratie, vor denen, die die Rechte des Menschen - besonders die Freiheit - mit Fuessen treten? Gestern las ich, dass verstaerkt dazu aufgerufen wird, in Deutschland Anschlaege zu verueben, man ruft dazu auf, das Trinkwasser zu vergiften, chemische Anschlaege oder biologische sind geplant. Vor allem wenden sich die Videos, die zu diesen Taten aufrufen, an muslimische Konvertiten.
Glaubt ihr wirklich, wenn unsere Politik sich offen gegen die USA und Israel stellen wuerde, bliebe uns diese Gefahr erspart und wir wuerden auf der Insel der Gluecksseligen weiterleben?

Dienstag, 24. Januar 2012

Nicht nur fuer Juden: Annaeherung zum Judentum - was ist das Judentum fuer Euch, fuer dich?

In den letzten Tagen denke ich ueber ein Projekt nach. Ich wuerde gern von euch allen wissen, was das Judentum (oder EUER Judentum) fuer euch bedeutet.
"Was bedeutet dein Judentum fuer dich?" Ist meine Frage an Euch, liebe Leser. Ich habe vor, falls ich genug Menschen finde, die sich aktiv an meiner Frage beteiligen, alles zusammenzutragen zu einem Buch.
Dafuer brauche ich eure rege Mitarbeit, euer Interesse und ein wenig Bereitschaft, euch mit eurem ganz privaten, eigenen Zugang, eurer Annaeherung zum Judentum auseinanderzusetzen.
Das kann fuer einen saekularen Juden, die Annaeherung ueber die Shoa sein, wie ich letztens hoerte. Jemand sagte mir:
"Was fuer dich deine Religion, als Gioret, ist fuer mich die Shoa. Meine Eltern haben beide Auschwitz ueberlebt und seit fruehester Kindheit beschaeftige ich mich damit, warum ich keine Grosseltern hatte, ja, nicht einmal ein Foto von irgendeinem Vorfahren. Ich hatte keine Vergangenheit. Fuer mich ist das Judentum eng mit der Shoa verbunden."
Jemand anderer - auch nicht religioes - war stolz, ein Jude zu sein, er liebt die juedische Kultur, Philosophie, den geistigen Reichtum der Juden, auch seiner eigenen Vorfahren.
Ich bin also, wie ihr seht, auch besonders neugierig auf eure Einstellung, liebe nicht-religioese Juden, eurem Judentum gegenueber. Seid ihr "gern" Juden? Seid ihr stolz darauf, oder habt ihr Zeit eures Lebens unter dem "Joch", Jude zu sein, gelitten, aus unterschiedlichen Gruenden.
Was bedeutet euer Judentum also auch konkret in eurem Leben, in eurem Alltag?

Selbstverstaendlich auch die religioesen Juden sind gefragt, denn ueber den religioesen Zugang wird es meist noch andere Blickwinkel geben.
Ich bitte auch die nicht juedischen Leser, sich Gedanken zu machen, was fuer sie das Judentum bedeutet. Wie und ob sie mit Juden in Kontakt sind, und warum sie ueberhaupt mit ihnen Freundschaften pflegen, wie sich die Beziehung gestaltet und wie sie zustande kam. (Zufallsbekanntschaft oder anderer Kontext)
Jeder Mensch, so habe ich den letzten Jahren festgestellt, hat seinen ganz eigenen persoenlichen Zugang zum Judentum, die Annaeherungen geschehen aus sehr verschiedenen Richtungen. Israel, Shoa, Religion, Musik, Kultur und Geschichte, alle Annaeherungen sind moeglich. Es kann mit einer speziellen Annaeherung beginnen, z.B. von dem starken Interesse an der Shoa, und auf ganz anderem Wege sich weiter entwickeln.

Liebe Leser, wenn das Projekt eines Tages zu einem "Werk" werden soll und es sich lohnt, alle eure Statements und persoenlichen Einstellungen auszuwerten, ist eure Mitarbeit gefragt. Ich wuensche mir von euch, euch in der naechsten Zeit einmal mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und hoffe sehr, dass auch fuer jeden Einzelnen von euch dieser Prozess ein spannender wird, vielleicht ein aufschlussreicher, falls ihr euch noch nie naeher mit dieser Frage beschaeftigt habt.
Mir ist bewusst, dass dafuer eine hohe Bereitschaft an Introspektion noetig ist und fuer einige die Beantwortung auch schmerzlich sein kann, weshalb ich respektieren muss, wenn ihr euch gegen eine Mitarbeit entscheidet.
Falls ihr euch aber bereit erklaert und mir Antworten geben moegt, werde ich diese mit dem groessten Respekt und der hoechstmoeglichen Vertraulichkeit behandeln.
Ich stelle mir vor, dass ihr mir e-mails schreibt, in denen ihr mir zu diesem Thema etwas erzaehlt. Falls ihr auf keinen Fall identifiziert werden wollt, koennt ihr eine neue mailadresse einrichten mit einem Namen, der mir nicht ermoeglicht, euch zu identifizieren. Gleichzeitig bitte ich euch, dass ihr euch einen Namen ausdenkt, unter dem ich eure Aussagen veroeffentlichen darf, wenn die Zeit gekommen ist, und wenn ich genug "Material" gesammelt haben sollte.
Ihr koennt euch zu erkennen geben, z.B. mit Vornamen und einem Buchstaben des Nachnamen oder voellig anonym bleiben. ( ich denke an Lea F. oder Alex G. usw.) Bitte falls moeglich, unter der Angabe in welchem Land ihr lebt.
Eure Informationen koennt ihr mir an folgende Mailadresse schicken.
noahmishan@googlemail.com

Ich freue mich ueber jeden kleinen Einblick in eure persoenliche Annaeherung zum Judentum!
Danke im Voraus fuer eure Mitarbeit.
Von Zeit zu Zeit werde ich euch - mit eurer Erlaubnis - mit einem Post an dieses Projekt erinnern.

Montag, 23. Januar 2012

Alles ueberschlaegt sich....... Jetziat Mizraim?

Die Ereignisse ueberschlagen sich. Mein Arbeitsvertrag wurde bis Maerz verlaengert. Nun steht eine Entscheidung an.
Donnerstag: Meine Freundin Esti schreibt mir, ich solle das Geld sparen nicht als Hindernis sehen, um nach Israel zu kommen. Wenn die Zeit reif sei, so sagt sie, solle ich zu ihr kommen und von Jerusalem aus eine Arbeit suchen. sie gibt mir Rueckendeckung.
Freitag: Ich will noch mindestens einen Monat laenger arbeiten, um noch ein wenig Geld zurueckzulegen fuer den Neuanfang in Israel und frage meine Chefin, ob sie sich vorstellen koenne, noch einmal beim Verein eine einmonatige Verlaengerung fuer mich zu erwirken. Sie will sich kuemmern.
Die Kuendigung meines Mietverhaeltnisses ist unproblematisch nur moeglich zum Ende April, das wuerde gut passen.
Also Anfang Mai - nun wird es konkret. Ich stelle wilde Rechnungen und Finanzplaene auf. Einkommenssteuer machen ist zwingend notwendig, vielleicht gibt es ja noch ein "Zubrot" auf diese Weise.
Sonntag morgen: die Chefin der Firma aus Raanana, bei der ich mich "just for fun" in meinem Urlaub im Dezember vorstellte, ruft mich an und fragt mich, wann ich denn nun nach Israel komme. Ich sage ihr, dass ich im Mai komme, und frage, ob sie denn noch an mir interessiert sind.
Sie sagt: "Ja, das sind wir. Aber komm schon im April!"
Wow. Nun will ER dort oben mich aber wohl wirklich aus der Galut "schubsen". Es scheint, als wuerde er sagen: "Nun geh jetzt endlich!"
Ich verspreche, es zu versuchen, rufe die Hausverwaltung an, kuendige, und habe nun alle Haende voll zu tun, einen Nachmieter fuer den letzten Monat zu finden. Ansonsten stehe ich mit einer ueberfluessigen Mietzahlung da, ohne in der Wohnung zu wohnen.
Also April schon.
Der neue Arbeitgeber will mir helfen bei der Wohnungssuche.
Wenn das alles so klappt, werde ich in Raanana wohnen, nicht in Jerusalem. Aber die Shabbatot werde ich wohl bei den Freunden- reihum - verbringen.
Noch kann ich das so gar nicht recht glauben, dass ich noch einmal eine Chance bekommen soll, in die Heimat zu kommen.
Und das alles noch vor Pessach. Passender koennte es nicht sein.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Gut Shabbes - שבת שלום

Unser "persoenliches Aegypten" oder "wieviel ist noetig, um frei zu sein?"

In dieser Woche lesen wir in der Parasha ueber die Plagen, mit denen Aegypten geschlagen wurde, um Pharao unter Druck zu setzen, das Volk Israel ziehen zu lassen. Die Weisen sagen uns, dass nach all den Plagen das Volk trotzdem in Hast und Eile das Land verlassen musste. Ansonsten, so geben sie zu bedenken, haette es sein koennen, dass der richtige Zeitpunkt zum Auszug verpasst worden waere, und das Volk es sich zu guter Letzt noch anders ueberlegt haette.

Der Mensch ist von Natur aus bequem, und hat die Not erstmal ein Ende, hoert die Qual und Zwangsarbeit auf, waere es doch wirklich gar nicht so schlimm, dort zu bleiben. Ist es nicht viel zu anstrengend, aus der Gefangenschaft herauszufluechten und ein komplett neues, unsicheres Leben zu beginnen? Man konnte sich darauf verlassen, dass G-tt da sein wuerde, um beim Neubeginn zu helfen und seine schuetzende Hand ueber jeden einzelnen halten wuerde, aber war man sich da wirklich so sicher? Gab es nicht Zweifel bei vielen?

Jeder Jude - so sagt es die Aggada zu Pessach - soll sich zu jeder Zeit so fuehlen, als sei er selbst aus Aegypten ausgezogen.
Jeder von uns hat sein persoenliches Aegypten, seine Zwaenge und Abhaengigkeiten. Dies kann ein Kaufzwang sein, ein Verharren in einer unbefriedigenden oder gar gewaltvollen Partnerschaft, eine Arbeit, die uns seit Jahren keinen Spass mehr macht, von der wir uns aber aus Bequemlichkeit nicht befreien wollen, und mehr. Es gibt einen guenstigen Augenblick fuer den Befreiungsschlag, und der ist jetzt. Verpassen wir ihn, kann es sein, dass wir uns in der Unannehmlichkeit einrichten und es immer unwahrscheinlicher wird, dass wir jemals aus unserer persoenlichen Zwangslage herausfinden.
Habt keine Angst, zoegert nicht! In dem Moment, wo wir uns entscheiden, sollten wir es tun. Es wird einen Augenblick geben, wo uns klar wird, dass die richtige Entscheidung nicht bleiben, sondern "gehen" heisst, nicht resignieren und aufgeben, sondern aktiv werden und handeln. Wenn dieser gekommen ist, werden wir es spueren und sollten nicht lange hin -oder herueberlegen. ER wird uns zur Seite stehen, und uns nicht im Stich dabei lassen. ER wird fuer unser taegliches Brot sorgen, so wie er fuer die Kinder Israel Man vom Himmel fallen liess. Fuer einen Neuanfang benoetigen wir keinen Luxus. Im Gegenteil, je weniger wir an Ballast haben, desto klarer wird uns, was wir brauchen, was noetig ist fuer unser kuenftiges Leben. So, wie das Volk Israel nur sein Buendel mit dem Teig mitnahm, der nicht einmal Zeit zum Saeuern hatte, so sollten wir nur das Noetigste mitnehmen, sprichwoertlich.

Ein Weniger an materiellem "Ballast" bewirkt haeufig ein hundertfaches geistiges Wachstum, ein Mehr an innerem Reichtum, an erfuellter Seele. Aus dem Nichts entstehen Ideen und Kreativitaet, nicht wenn wir inmitten des Chaos stecken, und umgeben sind von unnoetigen Dingen.
Befreien wir uns aus dem persoenlichen Aegypten, ziehen wir Bilanz, was wir wirklich brauchen in unserem Leben. Und - verlassen wir uns so gut es geht auf Hilfe von "Oben", statt krampfhaft am Materiellen festzuhalten.
Halten wir uns an IHM fest, kann nichts schiefgehen, hingegen, wenn wir uns an falschen Werten festklammern, wird es nicht selten passieren, dass wir abstuerzen.

Sind wir zu klein, um die Welt zu aendern?

Auf den Seiten von Chabad fand ich einen Artikel, der sich mit den "bescheidenen Dingen der Welt" beschaeftigt. Er bezieht sich darauf, dass G-tt sich der Bestrafung der Aegypter annahm, und sogar Laeuse und Froesche ueber sie kommen liess, als er die Plagen schickte, um auf Pharao Druck auszuueben.
Hier heisst es weiter, dass auch wir uns manchmal zu "schade" sind, uns um die kleinen bescheidenen Belange zu kuemmern. Wir streben nach grossen Veraenderungen, wollen die Welt veraendern und verbessern, aber die sehr kleinen Dinge des taeglichen Lebens erscheinen uns zu profan, uns damit auseinander zu setzen.
Gibt es wirklich etwas, was "zu klein" ist, zu unbedeutend?
Wenn G-tt sich auch den allerkleinsten Belangen annimmt, sollten wir es ihm gleichtun, und mit offenen Augen und Ohren, und vor allem - einem offenen Herzen durch die Welt laufen. Wir koennen als Einzelne sicher nicht gleich die ganze Welt aendern, aber es gibt Dinge, die wir tun koennen, und die eine positive Energie in die Welt abgibt.
Da sitzt der Bettler in unserer Einkaufsstrasse, dem wir einen Euro geben. Was ist schon ein Euro? Werden wir uns fragen. Die grossen Armuts-probleme in der Welt koennen wir damit nicht bekaempfen. Aber wir koennen versuchen, weniger in den Kuehlschrank zu packen, und nicht der grossen Panik zu erliegen, die uns manchmal erfasst, vor dem Shabbat, vor den Wochenenden. Der Panik, nicht mit dem Essen hinzukommen. So packen wir unseren Kuehlschrank voll, und werfen spaeter die Haelfte weg. "Falls die Kinder vorbeikommen" oder "falls sich Gaeste einstellen", diese sind oft Gruende unseres unverhaeltnismaessigen Kaufens.
Dies ist nur ein kleiner Teil. Es gibt mehr, was wir tun koennen. Ein Anruf, bei einem Kranken, der laengst faellig ist, ein liebes Wort, ein Trost.
Sogar ein Laecheln oder ein Dank an die Kassiererin des Supermarktes ist ein positives Zeichen, ein minimales Geschenk, in der Hektik und Anonymitaet des Alltags. Der alten Dame aus der Bahn helfen, und registrieren, wie schwer sie es hat, mit ihrem Gehwaegelchen die Stufen zu nehmen. Wenn wir blind durch die Gegend laufen, werden wir diese Dinge nicht wahrnehmen, wir sind in unserem Film, haben Kopfhoerer auf und sind in Gedanken beim naechsten Arbeitstag.
Schade - so entgehen uns viele Gelegenheiten, eine Mizwa zu tun, anderen einen kurzen Augenblick zur Seite zu stehen.
Was koennen wir schon bewirken? Auch ich denke das oft, und alles was ich tun kann, erscheint mir zu unbedeutend, zu klein.
Vor ein paar Tagen bekam ich eine Anfrage von einem Leser, der sich um die deutschen Uebersetzungen der Internetseiten von Chabad kuemmert. Er bat mich um Hilfe bei den Uebersetzungen aus dem Englischen. Erst dachte ich, da mein Englisch wahrlich nicht so gut ist wie mein Hebraeisch, und ich auch viel mehr Lust auf die hebraeische Sprache habe, dass ich wohl nicht dafuer geeignet bin. Aber nach zwei Probeartikeln, die sich mit der Parashat haShavua beschaeftigen, stellte sich heraus, dass es doch viel besser klappt als ich dachte, und darueber hinaus es noch Freude macht, sich mit den Themen der Parasha zu befassen.
Spaeter bekam ich von dem Verantwortlichen noch einen wichtigen Hinweis. Er bemerkte, dass jede seiner Stammuebersetzerinnen ihre Arbeit als heilige ansehe, gleichzusetzen mit der Mizwa von Zedaka. Man gibt seine Kraft und Zeit, das ist mit dieser Mizwa gleichzusetzen. Auf diese Weise wird anderen Juden die Chance gegeben, wieder mehr ueber ihr Judentum zu erfahren, und es kann sein, dass bei einigen Juden durch die Uebersetzungsarbeit ein Funke ueberspringt, so dass sie inspiriert werden, mehr ueber ihr Erbe zu lernen.
So hatte ich das noch gar nicht betrachtet, und der Gedanke gefiel mir.
Ich dachte darueber nach, wie oft ich schon geplant hatte, irgendwann einmal etwas zurueckzugeben, fuer all das, was ich in den letzten Jahren vom juedischen Volk bekam. Bisher war mir nicht klar, wann das sein wuerde und vor allem - wie es aussehen wuerde. Viel Geld ist bei mir nicht in Aussicht, und meine Arbeitssuche muss ich meist unter dem Gesichtspunkt: wie kann ich mich selbst ernaehren? angehen und nicht etwa: Wo kann ich am meisten helfen? (Beides vereinen zu koennen, waere ein Traum...)
Auf diese Weise jedoch, ist es auch mir moeglich, einen kleinen Beitrag zu leisten fuer das spirituelle Wohl von anderen Juden. Ich kann meinem Volk ein wenig helfen, mit einem unbedeutend kleinen Beitrag, aber immerhin gibt es ein wenig das Gefuehl, etwas zu tun.
Wir sind also doch gar nicht so klein, schwach, und unfaehig, uns um die grosse Welt zu kuemmern. Die ganze Welt faengt ja vor unserer Haustuer an, und in unserem kleinen Umkreis wird es bestimmt etwas geben, was wir leisten koennen.
Ein Beitrag an die Welt, ein Zurueckgeben, Weitergeben.

Sonntag, 15. Januar 2012

Erinnert ihr euch an "meine" Sharon?

Ich muss viel an Sharon denken, die alte Dame, die ich in Jerusalem betreut habe. Sie war an Alzheimer erkrankt, und einige Leser schrieben mir auf meine Artikel hin, da sie selbst jemanden in der Verwandtschaft hatten, und sich in meinen Beschreibungen von ihr und dem Umgang mit ihr, wiederfanden.
Nun besuche ich meine Mutter seit ich wieder hier in Deutschland bin, im Altenheim, da sie einen Schlaganfall hatte. Sie ist zwar - wie ich vermute - nicht Alzheimer krank, sondern hat eine Art Altersdemenz, was wohl fast auf das Gleiche herauskommt, nur nicht so fortschreitend schlimmer wird, wie bei Sharon.
Sie war immer absolut gesund und meinte ihr Leben lang, sie "brauche niemanden", lebte ein (fast zu) unabhaengiges Leben. Nun will die Ironie des Schicksals es, dass sie gar nicht mehr allein leben koennte.
Die Besuche bei ihr sind frustrierend. Es ist furchtbar deprimierend, wie sie dort mit ihrem Rollstuhl die Runde dreht, und von den dort sitzenden Damen ist sie diejenige, die am "klarsten" im Kopf scheint. Die anderen sitzen am Tisch, schmieren die Butter und den Rest des Mittagspuddings auf dem Tisch herum, reden mit einer nur fuer sie existierenden Person mit Schimpfwoertern, die ich nicht wiederholen moechte. Die Atmosphaere ist bedrueckend. Das Warten auf irgendetwas (den Tod?) steht im Raum, und wenn man zu Besuch kommt, ist es keine schoene entspannte Zeit, die man nett miteinander verbringt, man hat eher das Gefuehl, man bringt sie noch mehr durcheinander.
"Wo gehen wir gleich hin?"
"Wir gehen gleich eine Runde in der Sonne spazieren."
"Aber ich kann nicht wieder zurueck, ich finde mich nicht zurecht...."
"Ich bin doch da. Ich bringe dich zurueck. Keine Sorge."
"Wohin?"
"Hierhin, in dein Zimmer."
"Aber ich will doch nach hause? Lass uns doch deine Schwester anrufen, dass sie uns zu mir nach Hause bringt."
"Du wohnst doch jetzt hier."
"Ach ja. Aber doch nicht immer. Hab ich denn gar kein anderes Zuhause mehr?"

Ich schweige und stelle mir vor, wie es sein wird, wenn ich dort sitze, auf jemanden warte, um ihn dann mit sovielen Fragen und Befuerchtungen zu loechern, dass er lieber wieder gehen will.
Sie kann die Stunden nicht geniessen, in denen ich dort bin. Kann in der Cafeteria nicht den Kuchen mit Genuss essen.
"Das ist doch teuer. Ich hab ja gar kein Geld dabei!"
"Aber ich. Das ist doch jetzt egal, es sind 5 EURO fuer uns beide."
"Hach, ich weiss, ich bin schlimm. Lieber G-tt, lass mich anders werden..."
"Wie willst du denn werden?"
"Ja, anders, ich hab immer Angst."
"Wovor hast du Angst?"
"Davor, dass ich nicht nachhause finde. Bringst du mich denn gleich nachhause?"
"Ja, wir sind ja nur eine Etage entfernt von deinem Zimmer."
"Und du kannst dann auch dort uebernachten?"
"Nein, ich muss zurueck mit der Bahn."
"Ach, mein G-tt, das ist ja furchtbar, dann bin ich ja allein."

Dialoge wie diese wiederholen sich und es macht traurig, wie ein Menschenleben verwelkt, wie das Gehirn degeneriert und wie sehr alte Menschen ploetzlich wieder Kleinkindern aehneln. Am Nebentisch wird die Mutter "gefuettert", (ja, ich weiss, man sagt nicht mehr fuettern "Essen reichen" klingt besser, ist aber doch egal, es ist schrecklich!!)
Ich will mit ihr Fotos anschauen. "Nein, guck du allein die Bilder an, mich macht das nur nervoes."
Ja, aber was macht sie dann den ganzen Tag?
Ich weiss von Sharon, dass das, was wir als schoen ansehen, ein Spaziergang in der Sonne, das Cafe trinken in der Cafeteria, das gemeinsame Zeitung lesen, in Wirklichkeit nur UNSER Wunsch ist. Wir meinen, das muesse doch eine Freude fuer die alten Menschen sein, wollen ihnen etwas "anderes" bieten, als die vier Waende, auf die sie tagtaeglich starren oder die Runde, die sie mit ihrem Rollstuhl von morgens bis zum Schlafen gehen, drehen.
Aber das ist UNSER Beduerfnis, nicht das der Menschen im Altenheim. Sie moechten das nicht, wollen die Sicherheit des Zimmers, manchmal auch einfach nur ins Bett. Wir koennen uns nur schwer damit abfinden, dass sie oft einfach GAR NICHTS mehr wollen.
Haben sie abgeschlossen?
Ist alles, was ueber das Zimmer hinausgeht, schon Reizueberflutung, die zu Verwirrung und grosser Angst fuehrt?
Mein Vater hat sich vor 20 Jahren, im Alter von 60 das Leben genommen. Es war ein erschuetterndes brutales Ereignis, aber oft muss ich daran denken, dass er sich dieses Vor-sich-hin-leben im Heim erspart hat. War das damals schon seine Absicht? Konnte er den Gedanken nicht ertragen, eines Tages wieder wie ein kleines Kind bevormundet zu werden?
Es ist traurig, dass ein Mensch im Altenheim in anonymer Umgebung seine letzten Jahre verbringen muss, aber wer kann diese schwere Aufgabe auf sich nehmen? Selbst wer nicht arbeiten muss, wird sich schwer tun, nicht die Geduld zu verlieren, im Umgang mit alten Menschen mit Demenz. Und die Geduld zu verlieren, wuerde auch bedeuten, dass man ihnen nicht mehr gerecht werden kann, sie an irgendeinem Punkt nicht mehr mit der Wuerde und Achtung behandelt, die sie verdient haben.
Machen es die Schwestern und Pflegerinnen aber besser?
Sie sind oft gar nicht anwesend, unterhalten sich in ihrem Aufenthaltsraum ueber die letzte Woche. Man kann es ihnen nicht verdenken, ich kenne diese Arbeit, ich habe selbst im Altenheim gearbeitet.
Das Heim, in dem meine Mutter lebt, ist freundlich, sauber, in gruener Umgebung und man hat nicht den Eindruck, dass die BewohnerInnen vernachlaessigt sind. Aber moechten wir so unseren Lebensabend verbringen?
Ich habe keine befriedigende Loesung fuer die Frage des Alterns, besonders, wenn der Kopf nicht mehr mitmacht, oder ein Schlaganfall fuer Bewegungseinschraenkung sorgt. Ich weiss es einfach nicht, wie man fuer alte Menschen ein angenehmes Leben hinbekaeme.

Ein paar Worte zur Parasha - Sefer Shmot (2.B.M.)

Im letzten Satz der Parasha "Vajigash" (die vorletzte Parasha des Buches Bereshit, 1.B. Mose 47.27) heisst es schon

וישב ישראל בארץ מצרים בארץ גשן ויאחזו בה ויפרו וירבו מאד

= so sass das Volk Israel im Lande Aegypten, im Lande Goshen. Sie setzten sich darin fest, und mehrten sich und wurden sehr zahlreich.

Im Buch "Etnachta" von Rav Benni Lau wird betont, dass dieser Satz auf den menschlichen Charakter hinweist, sich schnell an einen neuen Ort zu gewoehnen, sich darin einzurichten.

Sie kamen wegen der Hungersnot, aber laengst haetten sie zurueckgehen koennen, in die Heimat. Die Not war vorbei. Benni Lau schreibt, dass in diesem Satz ein grosser Aufschrei steckt. Der Mensch will mit aller Kraft dazugehoeren, auch wenn es sich gar nicht um seinen "Platz" handelt.

Benni Lau zitiert Rabbi Zadok haCohen von Lublin

.. sie sind aufgenommen worden in der "Schale" Aegyptens (also nicht wirklich in der Mitte des Volkes) WIE EIN EMBRYO im Bauch der Mutter...
Der richtige Moment ist noch nicht gekommen. Er weilt noch am sicheren Ort im Mutterleib, die Medizin kann sich einmischen, wenn das Kind nicht zur rechten Zeit zur Welt kommen will und so wie sich die Medizin einschaltet, schaltet auch G-tt sich ein, als die Kinder Israel zoegern. Sie werden mit sanfter Gewalt geholt.

Auch in der Parasha vom Shabbat (ein neues Buch hat begonnen, Sefer "Shmot")
finden wir folgende Worte:

וימת יוסף וכל אחיו וכל הדור ההוא: ובני ישראל פרו וישרצו וירבו ויעצמו במאד מאד ותמלא הארץ אתם.

Josef starb und all seine Brueder und all jenes Geschlecht. Die Soehne Israels fruchteten, sie wimmelten, sie mehrten sich, sie erstarkten sehr, gar sehr. Das Land fuellte sich mit ihnen.

Eine Steigerung ohne Gleichen. Es hoert sich an, als wuerden sie sich sehr wohl fuehlen, bevor das Schreckliche passiert, bevor das fremde Land sie "ausstoesst", sie unterdrueckt und quaelt.
In der gesamten juedischen Geschichte haben sich die Juden stets so sehr an das Land, in dem sie gerade weilten, angepasst, dass sie darin regelrecht aufgingen. Sie unterschieden sich kaum noch von dem anderen Volk, in dessen Land sie "zu Gast" waren. Auch kurz vor der Shoa gab es mehr Assimilation, als viele dachten. Und doch - da kam ein Pharao, der "die Kinder Israel nicht kannte", oder es war derselbe, der sie nicht kennen wollte, ploetzlich eine andere Einstellung hatte, sich fuerchtete davor, dass die Juden, weil das Land sich doch schon fuellte mit ihnen, evtl. auch die Weltherrschaft an sich reissen koennten. Zu keiner Zeit waren Juden "gleichwertige" Mitbuerger, sie wurden immer mit Argusaugen betrachtet, und irrationale Aengste peitschten die Angst vor ihnen, und somit spaeter den Hass an. Eine Bekannte sagte gestern zu mir: "Schau mal, ich moechte auch gern nach Israel, aber ich habe so einen schoenen, sicheren Job...."
Ja, die wirtschaftlichen Bedingungen sind verfuehrerisch, und das ist der Grund warum auch die heutigen Kinder Israel sich "festhalten" am Land, sich darin festsetzen.
Es ist schwer, all das aufzugeben, um in Israel zu leben. Und doch wird man auf eine ganz andere Art und Weise belohnt, dort, in Israel, wo das juedische Volk immer eine Heimat hat.
Man muss sich nicht fuerchten, dass eine neuer "Pharao" in Erscheinung tritt, ein neuer Koenig, (ein neuer Hitler?). Man lebt innerhalb des Volkes Israel und fuehlt sich doch sicherer als irgendwo anders auf der Welt. Sicher nicht vor Terrorattacken, vor Kriegen oder vor dem ewig waehrenden Streit...
Aber da es ein juedischer Staat ist, bietet er jedem Juden zu jedem Zeitpunkt Zuflucht und Schutz.
Fremde Laender sind verfuehrerisch mit ihrer scheinbaren Sicherheit, den Fleischtoepfen Aegyptens gleich. Auch als die Kinder Israel laengst aus Aegypten gezogen sind, jammern sie noch viele Male Moshe die Ohren voll, weil sie sich nach diesen vollen Toepfen sehnen.
Das ist heute, so viele tausend Jahre spaeter, nicht anders als damals....

Samstag, 14. Januar 2012

Eigene Erfahrungen zum "menschlichen Willen und seiner enormen Kraft"

Meine persoenlichen Erfahrungen mit der ungeheuren Kraft des menschlichen Willens, und somit mit dem im vorigen Artikel erwaehnten Inhalt des Buches "Gebet der Aufrichtigen" waren Teil meiner Gedanken am heutigen Shabbat.
Wenn wir schon im privaten Bereich allein mit dem Willen fast alles erreichen koennen, - was ich aus eigenem Rueckblick behaupte - was erst koennen wir dann fuer die Allgemeinheit erreichen? In welch hohem Masse muss es moeglich sein, die uns umgebende Realitaet zum Guten zu veraendern?
In meinem Blick zurueck auf die letzten Jahre meines Lebens kann ich nur bestaetigen, dass der Mensch sehr viel erreichen kann, wenn er nur will.
Ein profanes Beispiel aus der Welt des Sports gab mir einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns Menschen moeglich ist, obwohl wir anfangs behaupten, es nicht zu koennen. Der Marathon.
Ich habe erfahren, dass - wenn der Wille vorhanden ist - auch die Disziplin, das Durchhaltevermoegen und die Kraft und Ausdauer sich von selbst einstellen. Allein der Vorsatz: "Ich will es schaffen, einen Marathon zu laufen" versetzt einen Menschen in die Lage, sich einen Plan zu machen, auf das Ziel hinzuarbeiten und mit Disziplin dieses Ziel zu verfolgen, sich an jedem Schritt in diese Richtung zu freuen und sich aufzubauen.
Es gibt Rueckschlaege und Enttaeuschungen, nicht nur Erfolg und Fortschritt. Diese gehoeren jedoch genauso zum Prozess, wie das Zweifeln am eigenen Koennen, an den eigenen Faehigkeiten.
Nimmt man sie mit Gelassenheit als einen Teil des Weges, der zum Ziel fuehrt, so haelt die zwischenzeitliche Entmutigung oder die Angst vor dem Scheitern sich in gut ueberschaubaren Grenzen.
Und dann ist es soweit. Gut vorbereitet, punktgenau das Ziel angepeilt, begibt man sich auf die Strecke, und Stunde um Stunde geht man durch Himmel und Hoelle. Man will aufgeben, rafft sich aber wieder auf und macht weiter, spuert Schmerzen und Kraftlosigkeit, hoert Gedanken wie "gibt auf, wozu das alles?", die sich abwechseln mit neuer Kraft und der Hoffnung, dass es klappen wird. Das, was in einem vorgeht waehrend des langen Laufes, ist ein grosses Erlebnis, was man nicht vergessen wird. Schafft man es, laeuft man durch das Ziel, reichen sich voellige Erschoepfung und enormer Stolz und Zufriedenheit die Haende.

Ein voellig anderes Thema in meinem privaten Erfahrungsschatz ist der Weg zum Judentum und meine Alyia. Ich habe den Weg zum Beit Din oft mit einem Marathon verglichen. Diejenigen unter meinen Lesern, die im Prozess zum Giur stecken, werden wissen, was ich meine. Manchmal steht man kurz davor, frustriert aufzugeben, aber dann spuert man wieder den grossen Drang, es durchzuhalten, des Zieles wegen, aber auch die Wichtigkeit des Weges dorthin erkennend. Man denkt oft, dass es gar nicht weiter geht, dass man auf der Stelle tritt, und dann geschieht wieder etwas, was einem die Kraft gibt zum Weitermachen. Und ist man am Ziel, ist alle Muehe vergessen. Es zaehlt nur noch, dass man es geschafft hat.

Fuer meine Alyia, und die Vorbereitung darauf, habe ich viel getan. Ich musste mich von finanziellen Schulden befreien, habe daher zu meiner Vollzeitstelle noch Nachtdienste in einer Therapieeinrichtung angenommen, mein Auto verkauft und eine kleinere Wohnung genommen, auf den Kauf von unnoetigen Dingen verzichtet und alles dafuer getan, um das Ziel zu erreichen, um zu sparen, damit ich die ersten Wochen ohne Arbeit ueberleben kann.
Ein Nebeneffekt war es, dass ich erleben durfte, mit wie wenig man wirklich auskommen kann, wie sehr man sich einschraenken kann, ohne sich "arm" zu fuehlen. Im Gegenteil, es war eine grosse Bereicherung, jeden erdenklichen unnoetigen Ballast und vermeintlich wichtigen Luxus loszuwerden, ueber Bord zu werfen. Eine innere Befreiung, die nur der verstehen wird, der dies einmal selbst erlebt hat.

Was ich eigentlich damit ausdruecken will, ist folgendes.
All das, worauf ich zurueckblicke, was durch einen festen Willen umgesetzt werden konnte, war mein persoenliches Ziel.
Aber wie erhebend muss es sein, wenn es sich um ein Ziel handelt, das der Allgemeinheit dient, gewissermassen der Vervollstaendigung der Schoepfung?

Teil IV - GEBET .....wie kann unser Wille zum g-ttlichen Willen werden?" oder "die unfassbare Kraft unseres Willens"

Heute las ich ueber die Funktion und die Erhebung der geschaffenen Welt, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.
Die Schoepfung ist in ihrer Grundlage eine Einheit und jedes Teil der Wirklichkeit hat eine organische Verbindung zueinander.
Der Einheitsblick auf die Realitaet gewoehnt uns daran, die Welt als ein Koerper mit verschiedenen Organen zu sehen, die unterschiedliche Qualitaeten besitzen, genau wie der Bau des menschlichen Koerpers.
Der Mensch ist das zentrale Organ des Weltenkoerpers und es besteht ein tiefes Verhaeltnis zwischen der Funktion des lebendigen Organes und dem Rest des Koerpers der Welt. Zweimal pro Tag sagen wir in unseren Gebeten den Abschnitt ".. und es wird sein, wenn ihr auf meine Gebote hoeren werdet..." . In diesem Abschnitt ist die Rede von unserer grossen moralischen Verantwortung, G-ttes Willen zu tun. Es geht um die Verbindung zwischen der moralischen Funktion des Menschen und der Funktion der Natur im allgemeinen.

..."und es wird sein, wenn ihr auf meine Gebote hoeren werdet....so werde ich den Regen eures Landes zur richtigen Zeit geben.."
Es gibt zwei Erklaerungen, zunaechst die einfache:

Es gibt eine Welt, die ihre eigenen Naturgesetze hat, wie die der Physik, der Chemie, der Biologie, usw. Naturgesetze der Realitaet
Zusaetzlich, so sagt der Glaube, die Emuna, gibt es eine g-ttliche Vorsehung, die das System der Natur beherrscht und beeinflusst. Diese Herrschaft ist in der Tat eine aeusserliche Herrschaft, in der jedes Mal, wenn der Mensch seine Taten verbessert oder verschlechtert, G-tt sich in die Geschehnisse einschaltet, in Form einer Art "Wunder". Eine g-ttliche Einmischung in die Naturgesetze von aussen, um Belohnung oder Strafe zu geben, je nach den Taten des Menschen.

Eine vollstaendigere Betrachtungsweise ist die folgende:

In der Welt gibt es Naturgesetze und es gibt ein g-ttliches hoechstes Gesetz fuer die Wirklichkeit, das moralische Gesetz. Das Gesetz des g-ttlichen Willens ist nicht weniger wichtig als irgendein physikalisches oder chemisches Gesetz.
Wenn der Mensch nicht gemaess dieses g-ttlichen Willens handelt, verletzt er die Funktion der Wirklichkeit, der Realitaet, und wenn er seine Bestimmung, seine g-ttliche Lebensaufgabe erfuellt, gibt er der Natur Raum fuer das Gute und die Fuelle, zum Wohle der Schoepfung.
Dem Menschen ist die schwere Verantwortung auferlegt, den g-ttlichen Plan zum Vorschein zu bringen durch sein Handeln.
Er ist dazu faehig. Dies ist das riesige Potential seiner Willenskraft, den absoluten (perfekten) Willen der Realitaet zu wollen, den g-ttlichen Willen zu wollen.
Alles, was bisher in der Geschichte der Menschheit bewegt wurde, ist nur die Spitze des Eisberges der unglaublichen (versteckten) Willenskraft des Menschen.
Wenn sich in der menschlichen Willenskraft mehr und mehr die g-ttliche Absicht mit der Schoepfung offenbart, so wird die Schoepfung verwirklicht.
Dies ist die riesige Verantwortung, die auf den Schultern des Menschen liegt, nicht einfach nur zu leben, sondern die Welt in Richtung ihrer urspruenglichen Absicht zu stellen.
Wenn der Mensch will, will auch die ihn umgebende Wirklichkeit, dies ist das Schicksal des Menschen und der Realitaet um ihn. Die Wirklichkeit verlangt vom Menschen, sie (die Wirklichkeit) zu ihrer wahren Funktion zu bringen.
Die Wirklichkeit braucht den Menschen. Der Mensch, seine Faehigkeiten, sein Wille - all dies ist wie das Herz der gesamten Schoepfung.
Vom moralischen Leben und dem menschlichen Willen haengt die Wirklichkeit ab, denn sie steht nicht fuer sich allein.

Der Wille des Menschen kann viel mehr, als nur das eigene persoenliche Leben zur Funktion zu bringen.
Der Wille des Menschen ist ueberhaupt nicht begrenzt, nicht in seinen Faehigkeiten und schon gar nicht in seinem grossen Einfluss.
Der menschliche Wille ist faehig, mit dem tiefen Willen der gesamten Wirklichkeit zusammenzutreffen, und sowieso alles zu beeinflussen.
Er kann den g-ttlichen Willen umsetzen. Der Mensch kann Schoepfungseigenschaften entwickeln.
Im Talmud ist erwaehnt, dass "wenn die Gerechten nur wollen, koennen sie eine ganze Welt schaffen.."
Ein reiner Mensch kann sich aktiv an der Schoepfung beteiligen.

Dies zu erreichen und zu vervollstaendigen ist die wahre Tiefe dessen, was im Gebet geschieht.

(aus dem Buch: Tfilat Yesharim, Gebet der Aufrichtigen)

Freitag, 13. Januar 2012

Shabbat!








Shabbat

Dem Alltag ade
zwei Flammen zum Gruss
ein Segensspruch
und eine Seele geschenkt.

Die Welt steht still
und ich eile
dorthin
wo sie singen,
DIR jubeln
DICH preisen
Elokhim.

Sie schreitet durch die Tuer
wir neigen das Haupt
vereint
in Freude
die Braut,
sie bleibt.


Menschen,
mit ihnen geteilt das Brot
und ein Wort
gelacht
umarmt
und die zweite Seele
sie blueht.

Die Nacht
und der Morgen so still.
Atmen im Geist
und das Sprechen mit IHM

Shabbat!


Noa A.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Niemals allein

Für immer
Kind vom Kindeskind
der Väter
zeitenlos
uns hält und trägt
der ew´ge Bund,
wie einst das Volk
am Wüstengrund
Und nimmer
fürchtet euch.

Denn ER
geleitet uns gewiss
durch Sturm und Angst
Sein Segen ist
uns sicher allezeit

So, wie ER da war
Tag und Nacht
fuer Moshe
seinen Knecht
so wacht
bei uns ER
Zeit um Zeit…

Noa A.

Montag, 9. Januar 2012

Maktesh Ramon

Endlose Weite
erreicht das innere Sehnen
das sich wie auf Flügeln davontragen lässt.
Farben, für das Aquarell der Wüste
unaufdringlich zart.

Hörbares Nichts,
das im Wind vorbeizieht
und dir flüsternd von der Ewigkeit erzählt.
Verlorener Blick
von fühlbarer Freiheit,
der immer und immer verweilen will
Bleiben will,
der war,
ist
und sein wird,
grenzenlos
zeitlos.

So viel, weil so wenig,
so spürbar, weil so still,
so tief berührt
vom Fragen der Natur.

Wer kennt die Antwort?
Wer hört das Flehen der Seele?
Die für Augenblicke
die Tore öffnet
denn G-tt und die Welt sind hier eins.

Noa A.

Sonntag, 8. Januar 2012

"Passen Sie mal auf meinen Koffer auf?"

Ich glaube, ich bin doch etwas "Israel-geschaedigt". Als mich die junge Dame heute im Zug auf den Sitzen gegenueber fragte, ob ich gleich, wenn sie zur Toilette geht, auf ihren Koffer achten kann, gab ich keine Antwort, sondern alle Alarmglocken, die ich jemals schrillen hoerte, fingen an, sich zu melden. Ich glaube, ich habe sie angeschaut wie von einem anderen Stern.
"Das koennte dir so passen, dass ich hier auf die Bombe in deinem Koffer achte, und du sie dann vom Klo aus fernzuendest....Sie will ihren Koffer hier stehen lassen, waehrend sie abhaut....o.k. aber wir sind in Deutschland, mach dich mal locker. ....Aber, ganz so abwegig ist das nicht, schliesslich gab es da die verhinderten Kofferbomber in Dortmund. .. Was fragt sie mich auch so eine schwere Frage? Niemand in Israel wuerde auf ein fremdes Gespaeckstueck aufpassen. Da muesste man ja lebensmuede sein."
Geschaut habe ich wie ein Kaninchen und gesagt habe ich: "Aber garantieren kann ich fuer nix. Alles ohne Gewaehr."
Autsch, was fuer ein Satz. Vielleicht ohne Gewaehr, aber mit Gewehr?
Bloede Panik. Deutschland ist terrorimmun, oder?

Samstag, 7. Januar 2012

Teil III - GEBET (ueber das Gebet)

Diesmal moechte ich nicht aus dem besagten Buch zitieren und berichten, aber ich verwende das Foto jetzt immer, wenn es um "Gebet" geht.
Der Shulchan Aruch beschreibt uns genau, wie wir uns wuerdig auf unsere Gebete vorbereiten. Wir sollten nicht auf einem Bett oder einer Liege beten und den geschlossenen Raum der freien Natur vorziehen, uns um eine "saubere" Umgebung sorgen, nicht in der Naehe von Muell oder Abfall stehen oder dort, wo wir schlechte Gerueche wahrnehmen. Selbstverstaendlich sollten wir nicht im Bad beten oder eine Bracha sprechen. (Wer keine andere Moeglichkeit fuer die Netille hat, kann dort die Haende nach dem Toilettengang uebergiessen, aber die Bracha ausserhalb des Bades sprechen!! Tuer schliessen vorher)
Ebenso sollte man keine heiligen Buecher, oder Siddurim mit ins Bad nehmen oder ueber Heiliges nachdenken. Den Namen G-ttes darf man ebenfalls nicht dort aussprechen. Auch darf man an einem Abort nicht jemand anderen mit "Shalom" gruessen, denn Shalom ist einer der Namen G-ttes. Morgens vor dem Aufstehen ist es erlaubt, "Mode ani" zu sagen, denn darin kommt nicht der Name G-ttes vor. Alle anderen Brachot des Morgens sagt man erst, wenn man sich den Mund ausgespuelt hat von der Nacht.
Ich neige dazu, bei wenig Zeit nicht das Gebet herunterzurasen, sondern lieber nur einen Teil des Gebetes zu sprechen, dafuer mit der vollen Bedeutung im Herzen, das auch "meinen", was man sagt.

Sarah, Rivka und Rachel konnten erst gebaeren, nachdem sie vor G-tt ihr Herz ausgeschuettet hatten.

Im Talmud Yebamot 64h fragt Rabbi Yitzchak: Warum waren unsere Patriarchen (und Matriarchen) unfruchtbar? Weil G-tt das Gebet der Gerechten wuenscht.
Das bringt uns zurueck zu der Frage, die wir zu diesem Thema im "Tfilat Yesharim" gelesen haben. Kann man den Willen G-ttes durch Gebet beeinflussen? Tfilat Yesharim sagt eindeutig :Nein.
Denn G-tt ist durch nichts Aeusseres beeinflussbar, er ist nicht steuerbar. Wie ist dann aber zu erklaeren, dass wir sagen: "G-tt hat meine Gebete erhoert", denn oft empfinden wir es so, dass nach langen unzaehligen Gebeten sich unser Wunsch erfuellt.
Ist das dann aber eine Aenderung G-ttes Willen? Oder war es vielmehr von vornherein der Wille G-ttes, dies geschehen zu lassen?
Dazu fiel mir ein, dass wir haeufig sagen "Jehi Razon, HaShem Elokeinu, ....she.." (moege es DEIN Wille sein, Ewiger, unser G-tt, ....dass..")
Wir beten also darum, dass das, was wir begehren und erstreben auch SEIN Wille sein moege, anderenfalls wuerde unser Gebet "um etwas.." gar keinen Sinn machen. Dass es sehr viel mit der Aenderung und der "Veredelung" unseres eigenen Willens zu tun hat,darauf werden wir zu einem spaeteren Zeitpunkt zurueckkommen.

Auch ein einziges Wort, mit Andacht gesprochen, mitten am Tag, kann einem Gebet gleichkommen. Ein Schrei zum IHM, ein Flehen um Hilfe, all das ist Gebet, so wie auch Piutim die gesungen werden und oft nur aus einem oder mehreren Saetzen bestehen, wie einer meiner Lieblingspiutim, aus dem "Hallel"-gebet.
Eli Ata, veodecha, Elokaj, Aromemecha....(Du bist mein G-tt, und ich danke dir, mein G-tt, ich will dich erheben...) HIER in einer wunderschoenen Version mit Awraham Fried.
Oft haben wir es am Shabbatnachmittag zur "Seudat Shlichit" in der Yakar-gemeinde gemeinsam gesungen, im Halbdunkel, jeder fuer sich versunken und doch gemeinsam verbunden mit IHM.

Ueblicherweise jedoch, wenn im Judentum die Rede von "Gebet" ist, ist das Shmone-Esre gemeint (das so heisst wegen der Achtzehn (eigentlich neunzehn) Segenssprueche) oder mit der Bezeichnung AMIDA, weil es im Stehen gebetet wird.

Nach vielen Jahren Amida-beten muss man sehr genau aufpassen, es noch mit derselben Andacht zu beten wie am Anfang.




נשמה יתרה die zusaetzliche Seele am Shabbat und die Suesse der Tora

In den Spruechen Salomons steht, dass die Kerze G-ttes die Seele des Menschen ist.
Man sagt, jeder Jude bekommt waehrend des Shabbat eine zusaetzliche Seele geschenkt, die "Neshama Jetera". (נשמה יתרה)
Diese Seele ermoeglicht es uns, auf eine hoehere geistige Ebene aufzusteigen und an so manchem Shabbat habe ich das Gefuehl, sie ganz bewusst zu bemerken. Es kann aber durchaus sein, dass die auesseren Bedingungen am Shabbat ganz besonders gute Voraussetzungen fuer mehr Erkenntnis, geschaerftes Verstaendnis fuer die Schriften und besondere Aufnahmefaehigkeiten bieten. Ohne Fernseher, ohne Musik aus dem Radio oder Telefonanrufe, ohne staendiges Forschen im Internet oder andere Stoerfaktoren der Alltagswoche ist es eben viel einfacher, sich in Texte zu vertiefen und in sich hineinzuhoeren, als an den uebrigen Tagen der Woche. Bei der Beschaeftigung mit den Worten der Tora passiert es dann manchmal, dass nicht nur die einfache Bedeutung des Wortes den Verstand erreicht, sondern sich ploetzlich ein tieferer Sinn ergibt, der aber nicht kognitiv erklaerbar ist, und den ich nicht einmal in Worte fassen koennte, wenn ich wollte. Es ist eine Art "Aha-Erlebnis" der ganz besonderen Dimension und wenn das passiert, muss ich oft erst einmal innehalten, um das zu verinnerlichen, was mir soeben zuteil wurde. Ich werte es als grosses Geschenk, und es ist auf einer solch spirituellen Ebene, dass ich manchmal denke, es kann nur durch die "Neshama Jetera", die zweite Seele erreicht werden.
Buber und Rosenzweig beschreiben im Nachwort zu ihrer deutschen Bibeluebersetzung einen aehnlichen Zustand. Sie sagen, der Mensch solle versuchen, die "Bibel" so zu lesen, als habe er sie nie zuvor gelesen. Wir sollen uns das Staunen eines Kindes bewahren, und uns darauf einlassen, welches Wort uns besonders "anspricht" oder zu unserer Seele redet. Das kann bei jedem etwas anderes sein und sich auch von Zeit zu Zeit aendern. Wichtig ist dabei, die "Leseroutine" loszuwerden und ohne Hintergrund"wissen" sich ganz neu auf den Text einzulassen.

Bei der Beschaeftigung mit dem hebraeischen Text ist das fuer einen Anfaenger viel leichter, und gleichzeitig schwerer.
Leichter, da man nicht wie jedes israelische Kind vorgepraegt ist vom Wissen um das, was geschrieben steht, und schwerer, da man erst einmal eine sehr lange Zeit damit beschaeftigt sein duerfte, sich in die besondere Art des Tora-hebraeisch hineinzufinden, die einfache Uebersetzung der Worte verstehen lernen muss und sich freut an jedem Abschnitt, den man ohne Woerterbuch oder deutscher Version begreift, bis dann, wahrscheinlich erst Jahre spaeter, das passiert, was ich beschrieben habe. Dann wird die Geduld und Ausdauer Fruechte tragen und wir werden grosszuegig belohnt mit einer tieferen Erkenntnis, wohl gemerkt, an manchen Tagen, ganz vereinzelt!
Aber dass es ueberhaupt passiert, deutet ja darauf hin, dass es zu schaffen ist, dass uns - wenn wir uns nur genug anstrengen und bemuehen - geholfen wird und unsere Muehen "belohnt" werden mit der Suesse der Tora.
Meine Kollegin fragte mich vor ein paar Wochen, als ich Datteln ass, wie sie schmecken. Ich sagte ihr: "Probier mal! Du kannst dich bedienen."
"Nein," wehrte sie ab, "ich will nur wissen, wie sie schmecken." Ich machte ihr ein neues Angebot: "Du darfst probieren, und ich bin nicht boese, wenn du sie, falls sie dir nicht schmecken, sofort wieder ausspuckst."
Mehr konnte ich ihr nicht anbieten. Fand ich. Aber sie liess nicht locker und wollte, dass ich den Geschmack beschreibe.
Es ist moeglich, den Geschmack einer Frucht so genau zu beschreiben, dass man sich in etwa vorstellen kann, wie sie schmecken koennte. Suess oder sauer, bitter oder mit einem Nachgeschmack, weich und cremig oder mit Biss, Beschreibungen gibt es ohne Ende - ABER! Das eigene Erleben ist so vielfaeltig und individuell, dass man es durch keine Beschreibung ersetzen kann.
Wenn ich wirklich wissen will, wie etwas schmeckt, dann komme ich nicht umhin, meine Angst zu ueberwinden, mich zu "trauen". Ich wuerde mich nicht trauen, eine gegrillte Ameise zu probieren (ganz abgesehen davon, dass sie nicht kosher ist), aber ich habe auch nicht das Beduerfnis zu wissen, wie sie schmeckt.
Falls ihr in den Genuss kommen wollt, die Suesse und den Geschmack der Tora zu erfahren, muesst ihr dies selbst angehen, eure Vorbehalte ueberwinden, und moeglichst schon morgen beherzt anfangen, hebraeisch zu lernen. Lasst euch von Rueckschlaegen nicht entmutigen, und nicht irritieren, falls es nicht gleich mit Tempo vorangeht. Habt Geduld mit euch und fangt an, die Schoenheit der Buchstaben zu erkennen. Freut euch ueber kleine Schritte und fangt gleich heute an - nur mit einem einzigen Satz.
Nur so werdet ihr wissen, wie die Tora schmeckt, und bald schon werdet ihr auf diesen Geschmack nicht mehr verzichten koennen. Denn - die Tora ist wie das Wasser fuer den Menschen, sie ist fuer uns lebenswichtig. Sie IST unser Leben und die Laenge unserer Tage....

Donnerstag, 5. Januar 2012

Parashat Vajechi

Jacov hatte sich im Gegensatz zu seinen Kindern, nicht durch die Fuelle von Eretz Goshen durcheinanderbringen und blenden lassen. Er war sich stets seiner Wurzel bewusst. Rabbiner Benjamin Lau beschreibt uns in seinem Buch "Etnachta" (was Pause bedeutet) ueber die Parashot haShavua, dass wir diese Tatsache u.a. daran erkennen, was Jacov zu Josef, seinem Sohn sagt.

"ועשית עמדי חסד ואמת אל נא תקברני במצרים ושכבתי עם אבותי
nach der Uebersetzung von Buber/Rosenzweig :

"tue Huld und Treue an mir, nimmer doch begrabe mich in Aegypten! Bei meinen Vaetern will ich liegen..."

Jacov begnuegt sich nicht mit der Bitte um Chessed, (um Gunst, Gnade, Gefaelligkeit), sondern er verlangt, dass er begraben wird bei seinen Vaetern, im Namen der Emet (Wahrheit, Treue).
Rabbiner Lau (hier in einem seiner unverwechselbaren Vortraege) verweist auf Rashi, der ausfuehrt, dass jede Gefaelligkeit, die wir fuer die Verstorbenen tun, "chessed shel Emet" (חסד של אמת) genannt wird, was mit letzte Ehre, selbstlose Guete uebersetzt wird.
Warum?
Weil diese Gefaelligkeit keine Antwort bekommen kann, keinen Gegenwert. Es ist das reinste "Geben", ohne einen Gegenwert zu erwarten. Der Tote kann uns nichts zurueckgeben.
Aber wir koennen auch aus dem, was er seinen Kindern mit auf den Weg gibt, die Wahrheit und Treue heraushoeren.
In etwa will er sagen, dass alle Realitaet, die sie in Aegypten erlebt haben, all die Fuelle, eine grosse Illusion ist. Der auessere Reichtum und der Ueberfluss betaeubt uns, sagt Jacov, denn unsere Wurzeln liegen an einem anderen Ort.
Daher bittet er Josef, "bitte fuehre mich wieder zurueck zu meinem Ort, meinen Wurzeln, nicht nur von Seiten der Gefaelligkeit, sondern auch im Namen der Treue, der Wahrheit.
In der gesamten juedischen Geschichte - so fuehrt Rabbi Benni Lau an - haben Juden zu allen Zeiten es Jacov nachgemacht. Sie haben schon zu Lebzeiten darum gebeten, sie einmal in Eretz Israel zu begraben, wo ihr wahres Zuhause liegt, wo ihre Vaeter, die Vorvaeter aller Juden, begraben liegen.
Ein Midrasch erzaehlt uns, dass Rabbi Bar Kori´i und Rav Elasar zusammen in Tiberias sassen und Tora lernten, als sie einige Saerge bemerken, die gerade vom Ausland nach Eretz Israel gebracht wurden. Sagte Rabbi Korii zu Rabbi Elasar,
ich rufe ueber jene:

in eurem Leben "machtet (ihr) mein Eigen zum Greuel" und in eurem Tod "ihr kamt herein, ihr bemakeltet mein Land. (Jeremiahu 2.8)
Eine schwere Kritik an denen, die nicht zu Lebzeiten das Joch gemeinsam mit den Bruedern zu tragen bereit sind, sondern ausserhalb von Israel ein Leben in Sicherheit geniessen. Anstatt in Eretz Israel zu leben und ihr Leben in ihren Koerpern so zu "heiligen", waehlen sie, die Erde Israels zu bemakeln mit ihren toten Koerpern.

Genau ueber diese Tatsache unterhalte ich mich in der letzten Zeit mit vielen Israelis, hier in Deutschland, als auch im Land Israel. Viele Israelis, die sich hier in Deutschland eingerichtet haben, den Wohlstand und die Sicherheit geniessen, koennen sich ein Leben in ihrer Heimat immer weniger vorstellen, und mit jedem Jahr, das vergeht, wird der Abstand zu Israel groesser. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, denn Israel ist kein leichtes Land. Wie schrieb mir heute eine Frau aus dem Goethe-Institut in Tel Aviv:
"Ich fand es in der Galut gar nicht so uebel. Allein die Tatsache, dass man von A nach B fahren kann, mit Bus und Bahn, ohne aufgeschnitten oder in Stuecke geschnitten zu werden, finde ich herzerfrischend. Oder dass man bei einem Strassenkonzert stehen kann, ohne sich Sorgen zu machen, was im Rucksack des Nachbarn wohl stecken mag. Fast 70 Jahre Frieden machen einen beruhigenden Unterschied, der der Seele auch gut tun kann!"


Kann man ihr diese Einstellung uebelnehmen? Das Land ist schwierig und nicht ungefaehrlich, es ist keine Selbstverstaendlichkeit - wie in Deutschland - ohne Angst aus dem Haus zu gehen, oder sich auf den Weg zu machen.
"In Sahne geboren...!" sagt mein Freund Jacov, und er hat recht.
Und doch - trotz all der Einschraenkungen und grossen Schwierigkeiten, die das Land ohne Zweifel tagtaeglich erlebt, gibt es eine Stimmung, die fuer Nahrung der Seele bodenbereitend ist. Das Leben und der Tod, Freude und Trauer liegen in diesem kleinen Land unserer Vaeter so dicht beieinander, dass eine Unmittelbarkeit des Lebens daraus entsteht. Die Menschen leben das Wesentliche, kommen auf den Punkt und lassen sich nicht in Nebensaechlichkeiten aus.
Gemeinsame Freude und die kollektive Trauer liegen mehr als dicht beieinander und vereinen die Buerger. Der Feind von aussen tut ein uebriges und laesst uns noch enger zusammenruecken.
Auf dieser Erde ist viel passiert, wir lesen jede Woche darueber in der Parashat haShavua. Unsere Vorvaeter Awraham, Jitzchak und Jacov haben uns in Sachen Spiritualitaet und G-ttesnaehe ein grossartiges Beispiel hinterlassen, das es wert ist, ihm nachzueifern, am besten schon zu Lebzeiten, denn wenn es auch vielleicht nicht ganz so sicher und bequem ist, so ist es doch einfacher fuer unsere Seele, einige Stufen aufzusteigen, in einer Atmosphaere wie dieser.
Shabbat shalom!

Mittwoch, 4. Januar 2012

Fuer alles gibt es eine (richtige) Zeit! - Kohelet

Inspiriert durch die mail eines Freundes mit DIESEM Lied von Ayala Ingedashet, moechte ich die Leser noch einmal daran erinnern, dass es fuer alles eine (richtige!) Zeit gibt im Leben!

Alles hat seine Zeit und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit.

Zeit zum Gebären und Zeit zum Sterben,
Zeit zum Pflanzen und Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten.

Zeit zum Töten und Zeit zum Heilen,
Zeit zum Niederreißen und Zeit zum Bauen.

Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen,
Zeit zum Klagen und Zeit zum Tanzen.

Zeit zum Steinewerfen und Zeit zum Steinesammeln,
Zeit zum Umarmen und Zeit zum Fernhalten vom Umarmen.

Zeit zum Suchen und Zeit zum Verloren gehen lassen,
Zeit zum Bewachen und Zeit zum Wegwerfen.

Zeit zum Zerreißen und Zeit zum Zusammennähen,
Zeit zum Schweigen und Zeit zum Reden.

Zeit zum Lieben und Zeit zum Hassen,

Zeit für Krieg und Zeit für Frieden.


(Aus dem Buch Kohelet. Es lohnt sich, auch den "Rest" zu lesen!)

Fuehrt Religion zu Komplikationen, Intoleranz und Krieg?

Heute gehoert beim Radiosender "Galej Zahal". Ein Mann will einen Club in Tel Aviv betreten, wo er sich mit seinen Freunden oft zum Tanzen und Feiern trifft. Am Eingang, nach erfolgter Taschenkontrolle, fordert man ihn auf, seine Kippa vom Kopf zu nehmen. Er berichtet, er habe gedacht, er hoere nicht richtig. Im Jahr 2012 in Israel will man ihm den Zutritt mit Kippa verweigern. Als er nachfragt, warum er dies tun solle, gibt man an, man koenne keine Verantwortung fuer das, was im Club passiert, uebernehmen, falls er die Kippa auf dem Kopf belaesst. Er moege diese in seine Tasche stecken, koenne sie ja wieder aufsetzen, wenn er den Club spaeter verlaesst. Beim nochmaligen Nachfragen, sagt man ihm, dies sei das uebliche Prozedere in diesem Club.

Galej Zahal fragt den Clubbesitzer, und bekommt zur Antwort, man wisse nicht, wer diese Aufforderung gestellt hat, und auch nicht, was dahinter stecken solle. Kippa-traeger seien jederzeit mehr als willkommen gewesen in diesem Club und dies sei keineswegs eine Massnahme, die von der Clubschaeftsfuehrung initiiert war. Man wuerde der Sache auf den Grund gehen.

Man kann nur hoffen, dass dies mehr als ein schlechter Scherz war, und nicht nach all den Kriegserklaerungen zwischen Saekulaeren und Religioesen ein weiterer ver-rueckter Schritt in Richtung Unbegreiflichkeit.

Eine Bekannte, die sich aus privaten, wirklich abschreckenden Erfahrungen mit einer Religion (nicht wichtig, welche) von jeglicher Religion abgewendet hat, wuerde jetzt sagen: Siehst du, aus diesem Grunde will ich gar nichts mehr von Religion wissen. Religion fuehrt nur zu Streit und Krieg. Da will ich nichts mehr mit zu tun haben.

Kann das wirklich die Loesung sein? Ist es denn sicher, dass ohne Religion das Miteinander reibungsloser verlaeuft? Fuehrt das Leben ohne Religion tatsaechlich zu groesserem Frieden und mehr Liebe in der Welt? Koennen wir auf das Gefuehl, nicht die Herren der Welt zu sein, verzichten?

Und - macht das Leben mit Religion alles nur komplizierter?

Es ist, meiner Meinung nach, tatsaechlich ein schmaler Grat zwischen der ernsthaften Ausuebung der eigenen Religion und der Ablehnung Andersdenkender bis hin zu Streitigkeiten aufgrund der Religionen. Mein Rabbiner hat einmal gesagt, man solle nicht einmal "diskutieren", mit Menschen anderer Religionen. Warum? Habe ich ihn gefragt, denn das fuehrt doch zu mehr Verstaendnis.

Seine Antwort: Es ist moeglich, dass es zu mehr Verstaendnis fuehrt. Aber wahrscheinlicher ist es, dass die Beteiligten sich gegenseitig den Beweis dafuer liefern wollen, dass die eigene Religion die "richtigere" ist, jeder ernsthaft von seiner Religion ueberzeugte Mensch ist der Meinung, ausschliesslich seine Religion erhebe Wahrheitsanspruch. Wenn nun zwei sehr unterschiedlich gebildete Menschen aufeinandertreffen, ein sehr einfacher Mensch, der tief glaubt, aber keinerlei theoretisches "Grundwissen" hat und somit nicht in der Lage ist, zu argumentieren, und ein hochgebildeter Professor, so ist es leicht moeglich, dass der einfache, aber tief glaubende Mensch, sich ueberzeugt fuehlt, da er keine oder wenige schlagkraeftige Argumente besitzt fuer die "Richtigkeit" seiner Religion. Er wird zu dem Schluss kommen, dass der andere Recht haben muss, und im schlimmsten Fall an seiner eigenen Religion zweifeln. Dies kann zu tiefen Krisen und Verzweiflung fuehren.

Daher sollte man sich selbst mit Diskutieren zurueckhalten.

Meine Meinung dazu ist, dass der einfache Mensch eine wesentlich tiefere Verbindung zu G-tt haben kann als der Hochschulprofessor, der alles mit Eloquenz erklaeren kann. Man sollte sich nicht durch Worte einschuechtern lassen. Das beste Argument ist doch letzten Endes der eigene Glaube, der nicht in die schoensten Worte gekleidet werden kann. Wenn wir niemanden ueberzeugen wollen, - und das will das Judentum in der Regel sowieso nicht - benoetigen wir keinem anderen Menschen gegenueber irgendein Argument, lediglich uns selbst gegenueber. Unser Glaube befindet sich aber so tief in uns und benoetigt keine Worte, noch Argumente. Wir wissen einfach, dass es Wahrheit ist, was wir in uns tragen.

Montag, 2. Januar 2012

"Jewish Voice from Germany" - neue juedische Zeitung aus Deutschland

Rafael Seligmann in den ARD-Nachrichten: "Es passiert viel Gutes zwischen Deutschen und Juden. Wir wollen, dass die Welt dies erfaehrt!"

Das juedische Leben in Deutschland will er der Welt zeigen mit der neuen Zeitung "Jewish voice from Germany", die alle drei Monate in Amerika, Kanada, Israel, Grossbritannien und Deutschland erscheinen soll. Einen Internetauftritt hat das Blatt auch, die Seite wird haeufiger aktualisiert

Die Zeitung wird 3 Euro kosten und in englischer Sprache herausgegeben.

1985 bereits rief Seligmann die "Juedische Zeitung" ins Leben.

Seligmann ist Politikwissenschafter, Buchautor und Journalist. Seine neue Zeitung soll redaktionell und politisch unabhaengig sein und wird u.a. finanziert durch Inserate der deutschen Wirtschaft und Abonnentenerloese.

Bei Henryk M. Broder kommt Seligmann uebrigens gar nicht gut weg. Er will den "Schmock der Woche" nicht schon wieder an "Raffi", - wie er ihn freundlich nennt - verleihen, dessen Romane sich - so Broder - "wie Leitartikel lesen und dessen Leitartikel so klingen wie ein Text von Juergen Drews, der sich nicht reimt".

Der "Musterjude", so Broders Meinung ist zum "Musterdeutschen" mu(s)tiert.

Und Broder geht noch weiter:

Gleich 15 mal sagt er "wir Deutschen", "unsere Interessen", "unser Land", "unser Vaterland" und ähnlichen Stuss, nur weil "unser Raffi" so gern einen Platz am Fenster haben möchte, falls das neue Deutschland eines Tages wieder Sonderzüge auf die Reise schickt. Raffi sorgt vor, obwohl er seine Platzkarte längst in der Tasche hat.

Ich kann nicht umhin - ich liebe Broders Sarkasmus, besonders wenn es um die akribischen Versuche geht, sich als Jude in Deutschland derart zu assimilieren, dass es peinlich wird.

Hatten wir das alles nicht vor vielen Jahren schon einmal? Und wo hat es hingefuehrt?

Sonntag, 1. Januar 2012

Yaffa Yarkoni ist tot - die Saengerin "der Kriege"

Shimon Peres zum Tod von Yaffa Yarkoni: "Als unser Militaer die Stellungen des Feindes eroberten, eroberte Jaffa Jarkoni die Herzen des Militaers"
Yaffa Yarkoni, HIER mit dem Lied "unser kleines Land", Artzenu haKtantonet.
Verteidigungsminister Ehud Barak: "Sie war ein "Symbol" fuer unser schoenes Land und hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, ihre Meinung kundzutun."
Dan Almagor: "Als das Publikum erfuhr, dass Yaffa am Unabhaengigkeitstag auftreten wuerde, war die Nachfrage so groß, dass man drei weitere Konzerte stattfinden liess, bei denen 7000 Karten verkauft wurden."
Wie Barak weiter ausfuehrte, begleitete Yaffa Yarkoni eine ganze Generation mit ihren Liedern seit den Anfaengen des kleinen Staates Israel. So haetten Soldaten vor ihrem Einsatz auf dem Boden zwischen Panzern gesessen, und den Anweisungen ihres Kommandanten gelauscht, der ueber ein sehr primitives Lautsprechersystem zu ihnen gesprochen habe, und waehrenddessen habe Yaffa mit ihrem Akkordeon fuer sie gesungen.
"Solche Erlebnisse" so Barak, "schweissen zusammen und geben ein Gemeinschaftsgefuehl, ohne Gleichen. Es wird ewig eine Erinnerung in uns bleiben."

Yaffa Yarkoni starb nach einem langen Kampf gegen ihre Alzheimer-krankheit.
HIER noch einmal ein Lied von ihr "Al Na Tomar li Shalom", sag mir nicht Shalom!

Soeben bin ich noch ueber Songs in jiddischer Sprache von ihr gestolpert. HIER koennt ihr in die CD hineinhoeren. Lieder wie "Papirossen" (Zigaretten) und "Ich hob dich tzufil lieb" koennen angespielt werden.

Teil II - GEBET (Betrachtungen aus dem Buch "Gebet der Aufrichtigen")

Ich moechte euch weiterhin an meinem Buch "Tfilat Jesharim" von Eli Adler teilhaben lassen, soweit es moeglich ist, da ich dieses Buch bereits nach dem ersten Durchblaettern als grundlegende Lektuere im Bereich "Emuna" (Glaube, juedische Grundlagen des Glaubens) ansehe.
Stellten wir uns in den ersten Seiten die Frage, "wofuer ist unser Gebet gut und wichtig?" "Wer braucht unser Gebet?" so fuehrt der Autor im naechsten Kapitel weiter an, dass das Ziel, den Willen des Schoepfers aendern zu wollen durch unser Gebet, unsere Avoda ShebaLev (Arbeit des Herzens), irrefuehrend ist. Der RaMBaM erinnert uns bereits daran, dass G-tt keine Gestalt, noch eine Form hat, weder groesser noch kleiner ist als irgendetwas, dass es nicht moeglich ist, ihn mit irgendetwas, was uns Menschen begreiflich ist, zu vergleichen, noch dass er einer bestimmten Zeit oder einem Ort zuzuordnen waere. Und - ER ist keiner Aenderung irgendwelcher Art unterworfen, es existiert kein Faktor, der bei IHM Veraenderung hervorrufen koennte.
Und doch haben wir eine gewisse Neigung, dem Gebet diese Kraft zuzuschreiben, eine Veraenderung unserer Realitaet zu bewirken.
Anders sieht es aus beim Willen des menschlichen Wesens.
Der Wille und die Entscheidungsfreiheit sind die Eigenschaften im Menschen, die ihn von anderen Lebewesen unterscheiden. Ein Tier hat keinen Willen, handelt nach seinem (Ueberlebens-)trieb.
Der Mensch kann sich entwickeln durch Intelligenz und seinen Willen. Ein Tier hat diese Stufe des lebendigen Wesens nicht in sich.
בהמה - בה מה - מה שיש בה.

In deutscher Uebersetzung heisst das Wort Tier (Bhemah) und weist auf etwas hin wie "das, was ist" (ba ma), und das, was heute ist, war auch immer so. Es gibt und gab in der Tierwelt keine Entwicklung und auch keinen Willen hierfuer. Eine Katze ist heute, was eine Katze auch vor 500 Jahren war, es gibt keine Entwicklung, und kein Bestreben nach Entwicklung.

Der Mensch hingegen, ist heute Lichtjahre von dem Menschen entfernt, der er vor tausenden von Jahren war, nur aufgrund seiner Intelligenz, seines Bestrebens nach Erneuerung und Entwicklung, dies ist seinem Willen nach Entwicklung unterworfen. Wie gut der Mensch sein Potential ausnutzt, ist dem Willen und seiner Entscheidungsfreiheit unterworfen. Auch das unterscheidet ihn vom Tier.

Der Mensch kann nicht "nicht wollen". Auch wenn er sagt "Ich will x oder y nicht", so ist das ein Ausdruck dessen, was er will. Ohne den Willen des Menschen ist kein Schritt denkbar, selbst wenn ich jetzt aufstehe und mir einen Cafe mache, ist dies nur moeglich, weil der Handlung mein Wille vorausgeht.
Der Kopf des Menschen weist "nach oben", aufwaerts, waehrend der Kopf des Tieres in Richtung Erde weist. Der Mensch gehoert zu den "oberen, den hoeheren Ebenen", was nicht heisst, dass er dies auch nutzt, aber er ist dessen faehig, auf hoehere Ebenen aufzusteigen.

Der Mensch kann durch den g-ttlichen Willen, der ihn in g-ttlichem Ebenbild geschaffen hat, aufsteigen zu seinem Ursprung, sich erweitern zum eigentlichen urspruenglichen und ewig waehrenden Wert des Lebens. Er kann das wollen, was die hoechste zu erreichende Realitaet des Lebens ist, er kann das wollen, was dem g-ttlichen Willen fuer ihn am naechsten kommt.

Die Umsetzung und Verwirklichung dieses Prozesses haengt von seiner Entscheidungsfreiheit ab, von seinem freien Willen.
Dies ist die wesentliche Vision die in der Zukunft liegt. Aber wir sehen in der Geschichte die hinter uns liegt bereits Beispiele dieser Eigenschaft, Beispiele, die dafuer stehen, wie gross der Einfluss des Willens auf eine menschliche Wirklichkeit sein kann.
(aus dem Buch "Tfilat haJesharim" (Gebet der Aufrichtigen) von Eli Adler.

Berg Sinai

Wenn meine Seele brennt
trägt mich ein Traum dorthin
Hin, zu den Wurzeln des Seins
Meines Seins.

Mein Spiegel
so fern von der Welt
und ihr doch nirgends so nahe
berührt mein Gesicht
und war immer da.

Der Pulsschlag der Erde
wird eins mit dem meinen.
Ein Sandkorn,
in dem die Ewigkeit wohnt
erzählt mir von G-tt.

...von dem, der auf dem Berge stand
wartend,
voller Dankbarkeit.

In Demut
berührt er die Tafeln
Unfassbar
Unermesslich
die große Bürde
das heiligste Geschenk.

Dort stand ich im Traum
und wagte kein Atmen.
Zu groß zum Begreifen
zu klein, mein Geist.

Und heute noch
lausche ich dem,
was einst geschah.

(Noa A.)

Frieden mit Aegypten? Nicht selbstverstaendlich in Zukunft

Die Moslembruderschaft sagt uns klipp und klar, dass eine "Anerkennung des Staates Israel" nicht zur Debatte steht. Punkt. Weiter deutet der Anfuehrer der Moslembrueder in einem Interview an, dass der Friedensvertrag der Aegypter mit Israel neu unterschrieben werden muss, eine Volksbefragung wird angedacht.

Wenn ich mir die Meinungen "auf den Strassen Aegyptens" im TV so anschaue, habe ich nicht viel Hoffnung, dass das Volk hinter einem Frieden mit Israel stehen moechte. Auch die Geschehnisse um die israelische Botschaft in Kairo sprechen von grossem Hass und deuten so gar nicht in Richtung Frieden mit dem Nachbarn.

Warten wir also ab, wie es weitergeht um unser kleines Land herum, in der unmittelbaren, wie auch weiteren Nachbarschaft...

"A priori" - ein Kunstprojekt von Angelika Rinnhofer

Angelika Rinnhofer hat es sich zur "Aufgabe" gemacht, Menschen aufzuspueren, die sich ihrer juedischen Vergangenheit lange nicht bewusst waren oder vor denen die Eltern die Wahrheit geheim hielten, die jedoch im Laufe der Jahre herausfanden, dass sie juedische Wurzeln haben, oder sogar eine juedische Mutter, was bedeutet, dass sie selbst Juden sind.

Das Projekt "a priori" von Angelika Rinnhofer ist in erster Linie kein journalistisches, sondern ein Kunstprojekt. Angelika fotografiert und filmt und verbindet in ihrem Projekt Aussagen der Menschen, die sie interviewt mit Fotos von ihnen. Ausgeloest durch die Geschichte ihres ehemaligen Freundes, ist sie auf die Tatsache gestossen, dass es mehr Menschen gibt, als allgemein bekannt, die eine juedische Vergangenheit haben.

Wenn sich jemand fuer ihr Projekt interessiert, und bereit ist, sich interviewen zu lassen, seine Geschichte zu erzaehlen, der moege sich an Angelika wenden. Sie wohnt in der Naehe von New York, ist aber bereit, ueber Skype zu kommunizieren und wird im Fruehjahr fuer das Fotoshooting nach Deutschland kommen, um sich mit den Menschen zu treffen.

HIER ist die Website von Angelika zu finden..

Juna schreibt parallel ueber dieses Projekt, unser Gedanke war, dass wir so mehr Menschen erreichen koennen, die sich evtl. beteiligen moechten.