Die Schoepfung ist in ihrer Grundlage eine Einheit und jedes Teil der Wirklichkeit hat eine organische Verbindung zueinander.
Der Einheitsblick auf die Realitaet gewoehnt uns daran, die Welt als ein Koerper mit verschiedenen Organen zu sehen, die unterschiedliche Qualitaeten besitzen, genau wie der Bau des menschlichen Koerpers.
Der Mensch ist das zentrale Organ des Weltenkoerpers und es besteht ein tiefes Verhaeltnis zwischen der Funktion des lebendigen Organes und dem Rest des Koerpers der Welt. Zweimal pro Tag sagen wir in unseren Gebeten den Abschnitt ".. und es wird sein, wenn ihr auf meine Gebote hoeren werdet..." . In diesem Abschnitt ist die Rede von unserer grossen moralischen Verantwortung, G-ttes Willen zu tun. Es geht um die Verbindung zwischen der moralischen Funktion des Menschen und der Funktion der Natur im allgemeinen.
Es gibt zwei Erklaerungen, zunaechst die einfache:
..."und es wird sein, wenn ihr auf meine Gebote hoeren werdet....so werde ich den Regen eures Landes zur richtigen Zeit geben.."
Es gibt eine Welt, die ihre eigenen Naturgesetze hat, wie die der Physik, der Chemie, der Biologie, usw. Naturgesetze der Realitaet
Zusaetzlich, so sagt der Glaube, die Emuna, gibt es eine g-ttliche Vorsehung, die das System der Natur beherrscht und beeinflusst. Diese Herrschaft ist in der Tat eine aeusserliche Herrschaft, in der jedes Mal, wenn der Mensch seine Taten verbessert oder verschlechtert, G-tt sich in die Geschehnisse einschaltet, in Form einer Art "Wunder". Eine g-ttliche Einmischung in die Naturgesetze von aussen, um Belohnung oder Strafe zu geben, je nach den Taten des Menschen.
Eine vollstaendigere Betrachtungsweise ist die folgende:
In der Welt gibt es Naturgesetze und es gibt ein g-ttliches hoechstes Gesetz fuer die Wirklichkeit, das moralische Gesetz. Das Gesetz des g-ttlichen Willens ist nicht weniger wichtig als irgendein physikalisches oder chemisches Gesetz.
Wenn der Mensch nicht gemaess dieses g-ttlichen Willens handelt, verletzt er die Funktion der Wirklichkeit, der Realitaet, und wenn er seine Bestimmung, seine g-ttliche Lebensaufgabe erfuellt, gibt er der Natur Raum fuer das Gute und die Fuelle, zum Wohle der Schoepfung.
Dem Menschen ist die schwere Verantwortung auferlegt, den g-ttlichen Plan zum Vorschein zu bringen durch sein Handeln.
Er ist dazu faehig. Dies ist das riesige Potential seiner Willenskraft, den absoluten (perfekten) Willen der Realitaet zu wollen, den g-ttlichen Willen zu wollen.
Alles, was bisher in der Geschichte der Menschheit bewegt wurde, ist nur die Spitze des Eisberges der unglaublichen (versteckten) Willenskraft des Menschen.
Wenn sich in der menschlichen Willenskraft mehr und mehr die g-ttliche Absicht mit der Schoepfung offenbart, so wird die Schoepfung verwirklicht.
Dies ist die riesige Verantwortung, die auf den Schultern des Menschen liegt, nicht einfach nur zu leben, sondern die Welt in Richtung ihrer urspruenglichen Absicht zu stellen.
Wenn der Mensch will, will auch die ihn umgebende Wirklichkeit, dies ist das Schicksal des Menschen und der Realitaet um ihn. Die Wirklichkeit verlangt vom Menschen, sie (die Wirklichkeit) zu ihrer wahren Funktion zu bringen.
Die Wirklichkeit braucht den Menschen. Der Mensch, seine Faehigkeiten, sein Wille - all dies ist wie das Herz der gesamten Schoepfung.
Vom moralischen Leben und dem menschlichen Willen haengt die Wirklichkeit ab, denn sie steht nicht fuer sich allein.
Der Wille des Menschen kann viel mehr, als nur das eigene persoenliche Leben zur Funktion zu bringen.
Der Wille des Menschen ist ueberhaupt nicht begrenzt, nicht in seinen Faehigkeiten und schon gar nicht in seinem grossen Einfluss.
Der menschliche Wille ist faehig, mit dem tiefen Willen der gesamten Wirklichkeit zusammenzutreffen, und sowieso alles zu beeinflussen.
Er kann den g-ttlichen Willen umsetzen. Der Mensch kann Schoepfungseigenschaften entwickeln.
Im Talmud ist erwaehnt, dass "wenn die Gerechten nur wollen, koennen sie eine ganze Welt schaffen.."
Ein reiner Mensch kann sich aktiv an der Schoepfung beteiligen.
Dies zu erreichen und zu vervollstaendigen ist die wahre Tiefe dessen, was im Gebet geschieht.
(aus dem Buch: Tfilat Yesharim, Gebet der Aufrichtigen)

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