Mittwoch, 29. Februar 2012

Ein Rabbiner und ein wahrer "Mentsch" מאנטש אמיתי

Als ich meinen Giurprozess vor 6 Jahren begann, war ich so manches Mal neidisch auf die Gemeinden, in denen ein Kurs fuer Giurkandidaten stattfand. Nur leider gab es bei uns niemanden der ausser meiner Wenigkeit uebertreten wollte. Ich war voll und ganz auf meinen Rabbiner angewiesen, musste oft von Mal zu Mal um ein Treffen mit ihm "kaempfen", da er mit seinen Aufgaben - das war sichtbar - doch sehr ueberlastet war. Ich hatte den besten Rabbiner, den man sich fuer eine Begleitung dieses wichtigen und auch oft schwierigen Prozesses vorstellen kann. Wenn ich von einem unserer gemeinsamen Gespraeche nach Hause ging, fuehlte ich mich bereichert und verstanden. Ich brauchte keine grossen Worte, um ihm zu erklaeren, wie es in mir aussah und was ich fuehlte, und er brauchte nur ein paar Saetze sagen, und mir war klar, was er mich lehren wollte. Ein Blick, ein bedeutungsvolles Nicken - all das stroemte zwischen uns ungefiltert von Seele zu Seele.
Damals schon wurde mir klar, was die Menschen meinen, wenn sie sagen, "Setze dich zu einem Gelehrten, und du wirst in seiner Gegenwart und durch seine Naehe zu G-tt ebenfalls erhoben." Er war noch sehr jung und doch hatte ich dieses Gefuehl, das Gefuehl, dass er eine ganz exklusive Beziehung zum Himmel hat und ich in seiner Gegenwart davon profitierte.
Die sehr spirituelle Ausstrahlung meines Rabbiners hielt noch Tage nach dem Gespraech in mir an und doch - ich war wieder allein.
Allein mit meinen Fragen, mit meinen Gefuehlen und mit den tiefen Ueberlegungen, die sich in mir ausbreiteten.
Oft sass ich dann in meiner Wohnung und dachte neidisch an die Gemeinden, in denen ein Kurs stattfand. Wie schoen musste es sein, regelmaessig jede Woche Neues zu lernen, sich auszutauschen und gemeinsam zu diskutieren.

Eine Freundin, dich ich leider erst jetzt, kurz bevor ich wieder nach Israel gehe, kennenlernte, machte mir gestern sehr deutlich klar, dass ich es bin, die beneidet wird. Sie erzaehlte mir von ihrem Kurs, der zwar regelmaessig stattfand, in dem man sich jedoch nicht immer so bereichert und aufgehoben fuehlte, wie ich es kenne. Das Gefuehl, lange Zeit nicht richtig wahrgenommen zu werden, kann es auch in einer Gruppe geben, die sich regelmaessig trifft, und die Eloquenz und Gelehrtheit eines Rabbiners gibt keine Garantie fuer tiefes Verstehen und Verstandenwerden.
"Du glaubst gar nicht, wie sehr ich dich beneidet habe, als du von deinem Rabbiner erzaehlt hast," sagte sie "weisst du eigentlich, was fuer ein grosses Glueck du hattest, von ihm begleitet zu werden?"
Ja, das hatte ich. Ich bin dem Himmel zutiefst zu Dank verpflichtet fuer alles, was er mir auf dem Weg bereitet hat.
Und dann erzaehlte sie mir noch zwei kleine Episoden mit "meinem" Rabbiner, dem menschlichsten, den ich kenne.
Da er inzwischen ein Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz ist, war auch er bei ihren Gespraechen vor dem Beit Din zugegen.
Als erstes wurde sie von den Mitgliedern des Beit Din nach Einzelheiten ihrer kosheren Kueche gefragt, und an einer bestimmten Stelle, druckste sie scheinbar ein wenig herum, weil es ihr unangenehm war, zuzugeben, dass sie nicht viel Fleisch isst, auch am Shabbat nicht.
Er laechelte, und stoppte ihre Rechtfertigungen. "Sie muessen sich gar nicht entschuldigen dafuer, denn es gibt sogar einige Rabbiner, die Vegetarier sind, ich gehoere zu ihnen..." beruhigte er sie.
Und spaeter, als es schon auf das Ende des Gespraeches zu ging, schaltete er sich erneut ein: "Ich habe ihnen noch etwas zu sagen," begann er und fuhr fort: " Sie sind doch Krankenschwester, oder?"
Alle moeglichen Dinge schossen ihr durch den Kopf, auf was wuerde er sie nun ansprechen? Was war falsch, was sollte sie als Juedin beachten oder vermeiden? Was wollte er?
"Ich moechte Ihnen sagen, dass sie eine ganz heilige und wichtige Arbeit tun, und dass ich Hochachtung davor habe, was sie tagtaeglich fuer den Menschen leisten."
Ja, das ist "mein" Rabbiner, wie man auf jiddisch sagt, "ein Mentsch halt!"

Dienstag, 28. Februar 2012

Antisemitische Parolen gegen Itay Shechter vom FC Kaiserslautern

"Solche Szenen sind beaengstigend und in hohem Masse zu verurteilen!" sagt Trainer Marco Kurz vom 1. FC Kaiserslautern und bezieht sich damit auf antisemitische Vorfaelle beim Training, die dem israelischen Spieler Itay Shechter galten.
Am Sonntag soll Shechter von einem Zuschauer in rassistischer Form beschimpft worden sein. An anderer Stelle im Bericht von n-tv ist von mehreren Personen die Rede. Klubsprecher Gruber berichtet dort, dass es sich um "einschlaegig vorbestrafte, mit Stadionverbot belegte Personen aus der Hooligan-szene handelt".
Weiter heisst es, man habe darauf verzichtet, sie aus dem Stadion zu fuehren, um eine Eskalation zu vermeiden.
Das wiederum stoesst mir merkwuerdig auf. Wieso verzichtet man darauf, Personen, die Stadionverbot haben, aus dem Stadion zu fuehren? Angst vor Eskalation kann man sicher auch haben, wenn man diese Personen im Stadion belaesst.

Ich wundere mich gar nicht mehr ueber solche Berichte, und doch kommt es mir vor, als lese man in den letzten Monaten gehaeuft ueber antisemitische Vorfaelle und Nazis.
Was loesen diese Meldungen eigentlich beim Normalbuerger aus? Ist es Traurigkeit oder Scham, dass in Deutschland immer noch Antisemitismus existiert? Laut der letzten Antisemitismusstudie soll es ja sogar 20 % latenten Antisemitismus in der deutschen Bevoelkerung geben. (HIER ein interessanter Audio-kommentar zur Studie)
Wie nimmt der Buerger diese Meldungen wahr oder anders - nimmt er sie ueberhaupt zur Kenntnis? Eine Bekannte jedenfalls wuerde sagen: "Meinst du wirklich, dass es Antisemitismus gibt? Ja, Hass auf Moslems, Auslaender, den gibt es hier zuhauf, aber gegen Juden? Wer ist denn gegen Juden?"

Auf mindestens einem Auge muss man also blind sein, wenn man diese Tatsachen nicht wahrnimmt (oder nicht wahrnehmen will?). In den Augen derer sind auch die Sicherheitsvorkehrungen vor juedischen Einrichtungen eine Hysterie der Juden. Uebertrieben eben!


Ra´anana

Ra´anana ist eine kleine Stadt in Israel, nahe Tel Aviv. Es grenzt an Herzliya und Kfar Saba und hat nur ca. 70.000 Einwohner, ab 1. April 2012 eine Einwohnerin mehr.
Die Stadt wirkt, wenn man die Achuza-street, die Haupteinkaufsstrasse, entlang schlendert, entspannt und gemuetlich. Wenn man Jerusalem gewohnt ist, meint man in Ra´anana, es sei ein Dorf. Ra´anana hat einen kleinen Park mit einem See und sehr viel Gruen.
Es gibt viele Einfamilienhaeuser und reiche Leute, weshalb Ra´anana sicher nicht zu den guenstigsten Staedten Israels, was das Wohnen anbelangt, gehoert.
Das Wort Ra´anana kommt vom Wortstamm "frisch, Erfrischung" (meraanen )
Auch hat sie einmal eine Preis als die "gruenste Stadt Israels" gewonnen. Von der WHO erhielt sie den Status einer "sicheren Gesellschaft".
In Ra´anana leben viele Einwohner aus Grossbritannien, USA und Suedafrika und Frankreich.
Man braucht ca. 10 km bis zum Meer und eine halbe Stunde mit dem Bus nach Tel Aviv.
Nach Jerusalem ist es eine gute Stunde.
HIER koennt ihr euch ein nettes Video (eigentlich nur Fotos mit Musikuntermahlung) von youtube ueber Raanana anschauen.

Montag, 27. Februar 2012

Fuegungen

Es fuegt sich wieder einiges in meinem Leben. Meine Freunde aus Jerusalem versuchen gerade, mir vorhandene Verknuepfungen nach Raanana weiterzuleiten. Freunde von Freunden von Freunden, die man kennt, werden darueber informiert, dass in vier Wochen jemand kommt, der ganz von vorn anfaengt, der Hilfe und Unterstuetzung benoetigt, bei allem, was man sich vorstellen kann. Vor allem aber ist wichtig, dass die, die kommt nicht allein ist, nicht einsam irgendwo sitzt, in einer Stadt, wo sie niemanden kennt.
Ja, so kenne ich sie, meine Freunde, immer besorgt um das Wohl des anderen.
Es gibt eine Frau in Raanana, die gerade Shiv´a fuer ihren geliebten Mann gesessen hat. Er ist vor zwei Wochen verstorben.
Meine Freundin Ayala aus Yerushalaiym sprach mit ihr vor einigen Tagen ueber mich. Sie erwaehnte, dass ich noch niemanden kenne in Raanana und fragte sie, ob sie sich evtl. nach einer Wohnung fuer mich umschauen koenne.
Die freundliche Dame war sofort daran interessiert, mir zu helfen und erzaehlte meiner Freundin, sie wuerde sich unglaublich freuen, wenn ich in der ersten Zeit bei ihr wohnen wuerde, bis ich eine eigene Wohnung gefunden haette. Sie haette ein grosses Haus und es wuerde ihr sowieso zurzeit sehr schwer fallen, dort allein zu sein, nach dem Tod ihres Mannes.

So bekomme ich die Moeglichkeit, in Ruhe selbst nach einer Wohnung zu schauen, wenn ich vor Ort bin. Es ist doch besser, sich die Wohnungen selbst anzusehen, sie zu fuehlen, und dann zu entscheiden.
Zusaetzlich habe ich einen neuen Kontakt zu einem Ehepaar in Raanana, das auch bereit ist, mir zu helfen.
Ich habe heute abend mit Baruch und Ruchama telefoniert, und dabei haben wir festgestellt, dass wir sogar gemeinsame Bekannte haben in Alon Shwut.
Manchmal denke ich, Israel ist ein Dorf.
Esti schrieb mir: "Ayala bereitet wahrhaftig den roten Teppich fuer dich aus."

Samstag, 25. Februar 2012

Zur Ehre des Shabbat - auch als Staatsmann

Als der britische Premierminister Winston Churchill starb, flog der israelische Praesident Zalman Shazar (3. Praesident Israels, von 1963 - 1973) im Namen Israels zu seiner Beerdigung. Diese wurde fuer den Shabbat vorbereitet. Die offizielle Trauerfeier sollte in der Kirche St. George stattfinden. Zur Ehre der Heiligkeit des Shabbat lehnte er es ab, mit dem Auto zur Trauerfeier zu fahren. Stattdessen ging er zu Fuss von seinem Hotel zur Kirche St. George.
Die englische Koenigin lud anschliessend alle Staatschefs, die sich zur Trauerfeier eingefunden hatten, zu einem Mittagessen in den Buckingham Palast.
Shazar lehnte die Einladung ab, da sich der Buckingham Palast 6 km von seinem Hotel befand, eine Distanz, die man am Shabbat nicht zuruecklegt.
Der israelische Botschafter liess ihn entschuldigen.
Der leitende Beamte des britischen Hofes, Lord Chamberlain, rief daraufhin den Botschafter des Staates Israel an und sagte: "Die Koenigin wuenscht sich sehr, dass auch der israelische Praesident am Essen teilnimmt, und da er am Shabbat ja kein Auto benutzt, sind wir bereit, ihm die koenigliche Pferdekutsche zur Verfuegung zu stellen."
Der Botschafter Arthur Lourie erklaerte Lord Chamberlain, dass am Shabbat nicht nur das Fahren in einem motorisierten Fahrzeug verboten ist, sondern auch in Kutschen.
Nach einer Stunde traf eine Nachricht aus dem Koenigshaus in der israelischen Botschaft ein.
"Wir sind bereit, dem israelischen Praesidenten das kleine koenigliche Boot der Koenigin zur Verfuegung zu stellen. So koenne er nahe seinem Hotel auf der Themse ins Boot steigen, und den Fluss entlang bis in die Naehe des Buckingham Palast fahren."
Der israelische Botschafter bedankte sich fuer das Entgegenkommen und erklaerte, dass auch das am Shabbat verboten ist fuer Juden, die den Shabbat halten. So blieb der israelische Praesident in seinem Hotel.
Was sagt uns diese Geschichte?
Dass man seine Grenzen durchaus selbstbewusst darlegen kann, selbst wenn sie der restlichen Welt sehr merkwuerdig erscheinen duerften.

Haneshek haAdin - die sanfte Waffe

Das Buechlein "Haneshek haAdin" (die sanfte Waffe) bekam ich von Freda, einer Freundin aus Jerusalem, mit der ich mich oft zu unserem sogeannten "Melawe Malka" traf, am Motzaei Shabbat, bei Tal Bagels. Wir assen eine Kleinigkeit, und diskutierten ueber G-tt und die Welt und unsere kleinen oder groesseren Sorgen.
Haneshek haAdin, die sanfte Waffe, ist das Gebet und es ist eine Sammlung von sehr kurzen Gebeten, von Rabbi Nachman von Breslaw.
Eines der Gebete sprach mich heute ganz besonders an, weil es fuer meine momentane Situation sehr passend scheint.
Neuanfang
Lehre mich, mein lieber G-tt,
neu anzufangen -
den gestrigen Druck zu zerbrechen
nicht zu sagen "ich kann nicht" -
wenn ich doch kann;
nicht zu sagen "ich bin nicht da"-
wenn ich doch hier bin;
nicht zu sagen dass ich feststecke -
in der Stunde, in der ich doch absolut frei bin.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Buecher - wohin damit?

Gerade ergab sich eine sehr schoene Loesung fuer meine Buecher, die ich ja nicht alle mitnehmen kann. Ein paar wichtige, (Parashat haShavua von Benni Lau usw.) werde ich mir selbst zuschicken, in der Hoffnung, dass sie ankommen, die anderen (Machsorim fuer Rosh Hashana und Yom Kippur mit Transkription, der Rashi-kommentar auf Deutsch und der Kizzur Shulchan Aruch) werde ich einer Freundin geben, die sich freut, darin blaettern zu koennen, bis ich sie nach und nach abhole oder von ihr mitgebracht bekomme. Diese Moeglichkeit freut mich am meisten, denn ein "Unterstellen" ist auch in Ordnung, und hilft mir weiter, wenn aber jemand mit diesen Buechern etwas anfangen kann, ist das noch eine viel bessere Loesung.
Auch gibt es noch eine ganze Loseblatt-sammlung von Parashot haShavua von Hamakor. Diese Blaetter enthalten Worte der Tora, daher darf man sie nicht in den Muell werfen. Auch diese werde ich ihr ueberlassen.
Das ist eine freudige Nachricht fuer heute!

Zwischenstand Ausreise

Die Rechtsschutzversicherung ist gekuendigt, sowie die Haftflicht. Der GEZ habe ich geschrieben und bekam einen Fragebogen zurueck. Dort wird erfragt, ob ich - wenn ich ins Ausland gehe - meine Wohnung noch behalte, denn die Rundfunkgebuehren werden auch faellig, wenn die Rundfunkgeraete nicht genutzt werden. Weiter wird gefragt, falls eine Haushaltsaufloesung stattfindet, was man mit den Rundfunkgeraeten gemacht hat, bzw. wo sie sich zurzeit befinden.
Es bestehen berechtigte Hoffnungen, dass ich einen Nachmieter zum 1. April habe, denn morgen wird die Hausverwaltung entscheiden und hat mir signalisiert, dass ich die Wohnung nicht noch einmal in die Zeitung setzen muss.
Die Lohnsteuerrueckzahlung wird wohl noch eine Weile dauern, da die Steuererklaerungen fuer 2011 erst ab Mitte Maerz bearbeitet werden.
Die Rentenversicherung hat mir einen aktuellen Rentenbescheid geschickt und die Krankenkasse mein Versicherungsende zum Ende Maerz bestaetigt.
Mein Rheinbahn-Abo kann ich evtl. ohne Verluste kuendigen, wenn ich eine Bestaetigung des neuen Arbeitgebers in Israel einreiche. Ansonsten haette ich die Differenz zahlen muessen, die sich aus dem normalen Preis fuer ein Ticket 2000 und dem Abo-preis ergibt.
Heute konnte ich noch einmal Papiere ordnen, d.h. nur diejenigen Dokumente behalten, die ich unbedingt aufbewahren muss.
Die Phase: "Reduzieren" ist angebrochen und das laeuft, nach meiner bisherigen Erfahrung immer in mehreren Phasen ab.

IKEA Deutschland - IKEA Israel

Diese Allzweck"wuerfel" von IKEA sind in meiner Wohnung im Wohnzimmer und in der Kueche zu finden. Sehr praktisch und vor allem - preiswert!!
Sie kosteten pro Stueck 20 EUR.
Da ich ja nichts mitnehmen kann nach Israel, dachte ich mir "Schau doch mal im Internet, wie teuer diese Regale bei IKEA, Israel sind." Und - ich muss sagen, ich bin geschockt. Da kostet der Expedit-Wuerfel 249 Shekel, das sind 50 EUR!!
Schade! So werde ich wohl doch lieber auf Moebel aus 2. Hand zurueck greifen muessen.
Warum ist IKEA Israel eigentlich so viel teurer als IKEA in Deutschland?

Mittwoch, 22. Februar 2012

Da lacht sich einer ins Faeustchen....

Finanzminister Yuval Steinitz aeussert sich heute bei "Galej Zahal" zur iranischen Bedrohung dahingehend, dass der Iran, seiner Einschaetzung nach innerhalb der naechsten drei Jahre in der Lage sein wird, die Ostkueste der USA anzugreifen. Nach seinen Worten habe der Iran Milliarden von Dollar in die Entwicklung von Interkontinentalraketen investiert, mit dem Ziel, die USA und Europa mit atomaren, wie herkoemmlichen Waffen zu bedrohen.
Russland ruft derweil Israel dazu auf, von einem Angriff auf den Iran abzusehen.

Inzwischen sind die "Sanktionen", zu der sich die westliche Welt und die EU entschlossen haben, soweit fortgeschritten, dass man langsam und schrittweise bis Juni/Juli die Oelimporte aus dem Iran stoppen will.
Da lacht Praesident Achmadinedschad doch laut, waehrend er sich stolz in seinen Atomanlagen umschaut, und kommt der EU mal ganz schnell zuvor, dreht uns allen eine lange Nase und drosselt ab sofort den Oelhahn nach England und Frankreich.
Bei ihm klappt das, was wir nur schleppend entscheiden und umsetzen, wohl leider viel schneller.
Und immer noch begreift niemand im Westen, dass ein mit Atomwaffen bestueckter Iran die ganze Welt erpressen koennte. Der Iran wird nicht haltmachen, nachdem er Israel vernichtet hat, wie die meisten sich das wuenschen, nein, er wird nicht zu stoppen sein, in seinem Wahn, die gesamte westliche Welt zu zerstoeren.
Dass ihn bisher niemand davon abhaelt, duerfte nur weiterer Ansporn sein, an seinem Programm festzuhalten.

Purim steht vor der Tuer

Purim - es ist ehrlich gesagt nicht so ganz MEIN Fest. Verkleidungsfeste sind nicht unbedingt mein Fall. Die spirituelle Bedeutung jedoch, die das Fest fuer uns hat, gefaellt mir immer sehr und beruehrt mich jedes Jahr von Neuem.
In der Megillat Esther, die jedes Jahr zu Purim gelesen wird, wird nicht ein einziges Mal der Name G-ttes ausdruecklich erwaehnt. Dennoch hat man staendig das Gefuehl, er ist da, er ist immer mit uns, verdeckt, versteckt, unbeachtet manchmal - aber er ist mit uns. Das juedische Volk wird zum Schluss vor der Vernichtung gerettet, wieder einmal ist ER zugegen, ohne dass man grosse Worte von IHM hoert. Man spuert, wie beim Auszug aus Aegypten seine starke Hand, die uns leitet, fuehrt und herauszieht aus jeder Bedraengnis.
Auch ich habe die starke Hand schon oft zu spueren bekommen, und war jedes Mal tief beeindruckt. ER hat mich nicht vergessen, er sieht meine Trauer, und hoert mein Jammern und Rufen nach IHM. Er hoert mein Gebet und erbarmt sich immer wieder.
Und wenn es scheint, als sei ich in einem dunklen Tal, verlassen und allein, kommt ploetzlich auf wundersame Weise Hilfe, Rettung und Trost.
Wenn wir rufen, gibt er uns Antwort, wenn wir auf IHN vertrauen, werden wir nicht verlassen, auch wenn alle Zeichen gegen uns stehen.
Das ist es, was mir an Purim so gut gefaellt. Immer wieder ist es wichtig, das juedische Volk fuer seinen G-tt zu sensibilisieren, alle Menschen aufzuruetteln, dass es jemanden gibt, der ueber uns wacht, auf dass wir der "Einmischung" G-ttes in unser Leben mehr und mehr gewahr werden.

Dienstag, 21. Februar 2012

Swastika - Hakenkreuz

X. hat in seinem Buero ein Bild aus Indien. Ein schoenes buntes Bild mit einem Elefanten in der Mitte, und - an den oberen zwei Ecken rechts und links, jeweils ein - Hakenkreuz.
Ein Schock! Aber "Ach nein, " klaert mich der Kollege von X. auf, " das ist doch ein ganz altes Symbol aus Asien, das "Sonnenkreuz . Das ist so, wie es dort ist, legal"
Aha, wie kommt es, dass mich das nicht froehlicher stimmt? Ich fange an zu googlen und finde das Sonnenkreuz oder wie es dort heisst "Swastika", das sich, wie es dort beschrieben wird, meist dadurch von dem Hakenkreuz der Nazis unterscheidet, dass es nicht auf der Ecke steht, sondern gerade. Und - in manchen Darstellungen sind auch die Haken in die andere Richtung gewendet.
In Asien wird es also - voellig normal - als Glueckssymbol verwendet. Aber muessen wir uns solche Symbole ins Buero haengen, selbst wenn sie in einem eindeutig NICHT- rechtsradikalen Kontext stehen?
Meine eigene Reaktion macht mich stutzig, denn ich gruebele den ganzen Nachmittag darueber nach, fuehle mich ein wenig wie gelaehmt und rufe mich selbst dazu auf, "mich nicht so anzustellen".
Bin ich zu empfindlich, oder sollte man vielleicht doch darueber nachdenken, wer in diesem Buero sitzen koennte, und mit diesem Bild konfrontiert wird. Sicher wird nicht jeder den Inhaber des Bueros dazu befragen, der dann erklaeren kann, dass das kein Hakenkreuz ist, sondern es koennte doch durchaus sein, dass jemand den Eindruck aufnimmt, sich seinen Teil denkt, und dann in seiner Umgebung bekannt gibt: "In der Einrichtung XY hat ein Mitarbeiter Hakenkreuze in seinem Buero haengen."
Selbst wenn das dann nicht der Wahrheit entspricht fuehrt es doch zu Irritationen.

Auf den Seiten "Alltag-rassismus" sind verschiedene verbotene Abzeichen beschrieben. Unter anderem ist dort zu lesen, dass jegliche Form eines Hakenkreuzes, selbst wenn es rund dargestellt wird, strafbar ist in Deutschland.
Selbst "Keltenkreuze" und "Odalrune", die ich ehrlich gesagt, nicht ohne Erklaerung identifiziert haette, sind strafbar.

Die naechste Dame, die ich daraufhin ansprach, wie sie das findet, dass dieses Bild sich in einem Buero befindet, laechelt mich nur an, als wolle sie sagen: "Meine Guete, du bist aber empfindlich." und erklaert mir ebenfalls, dass dies doch ein Glueckssymbol ist.
Bin ich also nur ueberempfindlich wenn ich konstatiere, dass ich das Aufhaengen solcher Symbolik auch bei all dem harmlosen Kontext einfach nur geschmacklos finde?
Darueber hinaus beruehrt mich das Anschauen eines Hakenkreuzes - ob krumm, gerade, gebogen oder stilisiert oder in einem asiatischen Glueckskontext - zutiefst und schmerzlich.
Sobald dieses Symbol in einem anderen Kontext auftaucht und man eine "zufriedenstellende" Erklaerung dafuer bieten kann, scheint sich niemand mehr grossartig "beruehrt" zu fuehlen, das ist eine Tatsache, die ich schwer nur verdauen kann, und die mich nachdenklich stimmt.
Bin ich unnormal?

"Jedem das Seine" - Nazisprache

In den letzten Wochen habe ich es so oft gehoert, dass ich das Gefuehl habe, darueber einen kleinen Post verfassen zu muessen. Es sind jedes Mal Menschen, die sich nach meinem Dafuerhalten ueberhaupt nicht darueber bewusst sind, dass auch dieser Satz aus der Nazisprache entstammt.
Daher sei es hier noch einmal ausdruecklich fuer diejeningen erwaehnt, die aus "Unachtsamkeit" oder Unwissen folgende Begrifflichkeiten gebrauchen, die seit der Nazizeit sehr belastet sind.
"Jedem das Seine" steht auf dem Eingangsschild zum KZ Buchenwald, und sollte damals die Bedeutung haben, jedem was er verdient.
"Arbeit macht frei"ist sicher viel bekannter als Propagandaspruch der Nazionalsozialisten, dieser Spruch steht am Eingang zum KZ Auschwitz, Dachau, Theresienstadt.

"Jedem das Seine" hatte seinen Ursprung bereits in der Antike, wo es als Begrifflichkeit im Zusammenhang mit Gerechtigkeit oder Verteilungsgerechtigkeit stand.
Seit der Zeit des Nationalsozialismus bekam der Spruch dann aber einen grausamen Beigeschmack, da er missbraucht wurde fuer eine perfide Begruendung, dass jeder eben das bekommt, was er verdient.

Ein anderer Satz faellt mir ein, den ich in meiner Kindheit mehr als haeufig hoerte, heute dagegen weniger oder gar nicht. "....bis zur Vergasung..".
"Ich habe heute geputzt bis zur Vergasung" oder aehnliche Zusammenhaenge waren nicht selten.

2009 wurde im Spiegel berichtet, dass eine bildungspolitische Kampagne der Schuelerunion den Begriff "Jedem das Seine" als Slogan fuer den Erhalt des gegliederten Schulsystems verwenden wollten. "Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine" sollte der Slogan lauten. Die Jusos in der SPD kritisierten, dies "zeuge von einer unsaeglichen Unkenntnis ueber unsere eigene Geschichte, dass so etwas in einer politischen Jugendorganisation nicht eingeordnet werden kann."
Die Landes - CDU liess die Verwendung von "Jedem das Seine" stoppen.
Die Schuelerunion entschuldigte sich, so wie kurz vorher schon Tchibo und die Tankstelle Esso, da sie ebenfalls in einer gemeinsamen Werbekampagne den Begriff "Jedem das Seine" verwendet hatten.
REWE verwendete in einer Werbung den Begriff "Grillen: Jedem das Seine" und entschuldigte sich ebenfalls, so wie der Burgerking in Erfurt und die Muenchner Merkurbank, die mit diesem Satz fuer verschiedene Kontomodelle geworben hatte.

Also, der Begriff ist, auch wenn sein Ursprung nicht von den Nazis kommt, sehr belastet, und koennte, falls ihr ihn in Gegenwart etwa des Enkelkindes eines Ueberlebenden von Buchenwald benutzt, sehr missverstanden werden.

Montag, 20. Februar 2012

Ein kleines Bisschen Glueck vom Shabbat!

Karneval

Ich habe nichts gegen Spass und Humor, im Gegenteil, ich bin in der Regel ein optimistischer Mensch, der es liebt, viel zu lachen.
ABER - wie es der Grenzgaenger so schoen als "organisierte Froehlichkeit" beschreibt, das ist etwas, was mir so gar nicht passt. Der Deutsche ist froehlich auf Knopfdruck, ansonsten hat er wenig Humor. (Man verzeihe mir meine Klischees).
Da ich heute noch eine Freundin besuchte, war ich auf die Bahn angewiesen und was ich da schon mittags am Hauptbahnhof traf, war einfach nur - wie immer - peinlich.
Der Startschuss zum Karneval ist auch immer gleichzeitig eine Garantie fuer Bierflaschen und groehlende Menschen. Ich werde das nie verstehen, wie tief das Niveau selbst bei sonst einigermassen "normal" wirkenden Menschen sinken kann. Nach ein paar Flaschen Bier scheint einem nichts mehr peinlich und man poebelt froehlich vor sich hin. Wer nicht mitgroehlt, wird als Spassbremse angesehen, auch wenn man selbst 363 Tage keinen Schimmer von Humor zeigen kann.
Letzte Woche Fussballfans, heute die Jecken, und man hat den Eindruck, es gibt in Deutschland nur biertrinkende Menschen, die nicht bis drei zaehlen koennen.
So jedenfalls muss es auf Aussenstehende wirken.
Morgen sei jedem, der kein Karnevalsfan ist, angeraten, das Haus nicht zu verlassen. Auf diese Weise kann man vielleicht doch noch einen netten freien Tag geniessen.

Freitag, 17. Februar 2012

Shabbat Shalom - שבת שלום

Paraschat Mischpatim

In unserer heutigen Parascha steht unter anderem „Du sollst nicht der Menge folgen, um Boeses zu tun“ (Ex. 23:2).
Wenn wir das, was wir tun, und wovon wir ueberzeugt sind, deshalb aufgeben, weil die Menge anders denkt, ist das vielleicht noch nicht das, was man „Boeses tun“ nennt.
Wir haben jedoch in diesem Fall bereits die Grenze unseres Selbstbewusstseins, unserer Ueberzeugung ueberschritten, meinen, weil so viele anders denken, muesse unsere Einstellung falsch sein.
Als Jude stehen wir sowieso schon als Minderheit da. Es gibt 2.1 Milliarden Christen und 1.3 Milliarden Moslems, der Hinduismus zaehlt 800 Millionen.
Auch der Buddhismus und andere traditionelle chinesische Religionen sind zahlenmaessig mit fast 400 Millionen dem Judentum weit ueberlegen. Selbst die Atheisten zaehlen 1.1 Milliarde auf der Welt.
Wuerden wir uns als Juden immer nach der Meinung der Mehrheit gerichtet haben, gaebe es das juedische Volk nicht mehr.
Nicht wenige Menschen um uns herum meinen, dass wir mit unserem Festhalten an dem EINEN und EINZIGEN G-tt auf dem Holzweg sind.
Sie belaecheln uns, verurteilen uns, werfen uns den Mord an ihrem Sohn G-ttes vor und versuchen auf missionarische Art und Weise, uns von dem zu ueberzeugen, was sie selbst glauben. Wenn das alles nicht hilft, beschliesst man als „Endloesung“ , die Juden zu vernichten, damit es sie nicht mehr gibt.
Es ist schon erstaunlich, dass das juedische Volk allein zahlenmaessig bis heute ueberlebt hat. Die Tora gilt auch als Grundlage fuer die zahlenmaessig groessste Religion, das Christentum. In der Tora wird immer wieder daran erinnert, dass G-tt der einzige und alleinige Herrscher der Welt ist, somit muesste diese Vorgabe auch fuer die gelten, die die Tora als Grundlage anerkennen.
Ist es deshalb fuer sie so unbequem, dass sich Juden an diese Grundlage halten? Oder ist es der Bund, den G-tt mit dem juedischen Volk geschlossen hat, und der immer ein ganz besonderes Verhaeltnis zur Folge hatte zwischen dem Koenig der Welt und seinem Volk? Was ist der Grund fuer die grosse Abneigung, oder wenigstens Skepsis dem juedischen Volk gegenueber?
Wir schwimmen nicht mit dem Strom, sagen nicht „wenn 2.1 Milliarden auf der Welt an Jesus glauben, muss das ja die Wahrheit sein“
Die Wahrheit liegt nicht immer bei der Mehrheit, das haben wir gelernt, und wir sehen sogar an uns Gerim, dass es Menschen gibt, die sich ganz bewusst und ueberlegt von einer Mehrheit verabschieden, um zu einer oft abgelehnten Minderheit zu gehoeren.
Wenn wir ueberzeugt sind, das Richtige zu tun, duerfen wir uns durch unsere Umgebung, die unter Umstaenden in der Ueberzahl ist, nicht verunsichern lassen.
Es ist sicher ungleich schwerer, einer Minderheit anzugehoeren und nicht dem Mainstream zu folgen, in jeder Hinsicht, nicht nur auf die Religion bezogen.
Doch es verfeinert auch unsere Individualitaet, unser selbststaendiges Denken, das sich nicht beirren laesst, egal, wie unsere Umgebung auch argumentiert.
Sich der Mehrheit anzuschliessen, weil sie eine Mehrheit ist, kann dann dazu fuehren, auch das „Boese“ mitzutun, ohne Hinterfragung.
Waeren in Nazideutschland mehr Menschen mutig gegen die vermeintliche Mehrheit vorgegangen, haette es die Shoa vielleicht nicht, oder zumindest nicht in diesem Ausmass moeglich gemacht.
Das Gute waere von einem zum naechsten uebergesprungen, und man haette sich gegenseitig ermutigen koennen. „Du sollst nicht der Menge folgen, um Boeses zu tun.“
Unsere Speisegesetze werden von vielen um uns herum, besonders in Europa und Deutschland, belaechelt. Was soll diese Abgrenzung? Warum geisseln sich die Juden mit diesen Gesetzen? Es lebt sich doch viel einfacher, wenn man alles essen kann.
Ja, es lebt sich einfacher, doch wir sind unserem Bund mit G-tt verpflichtet.
Zugunsten einer leichteren Umgehensweise mit der uns umgebenden Mehrheit, duerfen wir unsere innere Ueberzeugung, das Richtige als Jude zu tun, nicht aufgeben.
„Du sollst nicht der Menge folgen, um Boeses zu tun.“

Mittwoch, 15. Februar 2012

Wunder

Der Bruder der verletzten Frau des Botschafters, die beim Anschlag auf das Fahrzeug ihres Mannes in Neu Delhi verletzt wurde, sagt: "Uns ist ein Wunder geschehen!" Ja, es ist wohl ein Wunder, dass man sie noch aus dem brennenden Auto ziehen konnte und dass ihre Kinder, die sie von der Schule abholen wollte, noch nicht im Auto hatte.
Wovon auch in den deutschen Medien kein Wort erwaehnt wird, ist die Tatsache, dass die Frau mehrere Operationen hinter sich bringen musste, um die Splitter in ihren Organen und der Wirbelsaeule zu entfernen.
Ein zweites Wunder geschah gestern. Der geplante Anschlag in Bangkok ist misslungen, einer der Attentaeter riss sich quasi selbst beide Beine ab, da die Bombe, die er in Richtung Polizei warf, an einem Gegenstand abprallte, und ihn selbst so schwer verletzte.
Ohne Zweifel sind die auslaendischen Vertetungen Israels im Visier der Terroristen gewesen.

Zwei der Festgenommenen mit iranischem Pass

Nun steht es fest, dass zwei, der festgenommenen Attentaeter in Bangkok, einen iranischen Pass haben. Iran bestreitet unterdessen jegliche Verwicklung in das Geschehen.

Dienstag, 14. Februar 2012

Die (Nicht-)berichterstattung der deutschen Medien

Also, ich bin etwas verwirrt. Der Anschlagsversuch heute in Bangkok scheint irgendwie nicht ins Konzept der Medienlandschaften zu passen. Er wird einfach kurz gesagt totgeschwiegen, oder soweit nach hinten gepackt, dass man ihn kaum finden kann.
Warum nur?
Die Berichterstattung gestern, zu den Anschlaegen in Neu Delhi und Georgien auf israelische Botschaften hoert sich auch - wie eigentlich immer - mehr als merkwuerdig an.
Der Spiegel spricht flapsig von einer "Fehde zwischen Israel und Iran" und fragt, ob die "Attacken" in Indien und Georgien Vergeltungsschlaege waren, da sie "verblueffende Aehnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern aufweisen, fuer die Teheran Israel verantwortlich macht."

Dann folgt eine Beschreibung des Attentates wie aus einem Actionfilm, und man resümmiert, dass "der Tathergang einem seltsam "bekannt" vorkommt.
Weiter geht es. "Die Methode wurde in den letzten Jahren wiederholt angewandt, um in Teheran zumeist tödliche Attentate auf iranische Atomwissenschafter...zu verueben. Dabei hatte Iran jedes Mal den israelischen Geheimdienst Mossad der Urheberschaft bezichtigt. Israel nun hat Iran und dessen Handlanger Hisbollah bezichtigt, hinter dem Anschlag von Neu Delhi zu stecken. "

Und nun die Folgerung:
"Liefern sich da zwei Geheimdienste einen verdeckten Krieg, bei dem GLEICHES MIT GLEICHEM vergolten wird?"

Liest man diesen Artikel so koennte man meinen man schaut einer Raeuberpistole zu, bei dem sich zwei Streitende bekriegen. Spannend schaut man aus der ersten Reihe zu, und weidet sich noch in Vergleichen wie "Gleiches mit Gleichem vergolten", was ueblicherweise ansonsten immer mit "Auge um Auge" beschrieben wird.
Ja, die Juden (aeh... verzeihung, die Israelis..), so sind sie. Rachsuechtig wie ihr G-tt aus ihrer Tora. Und nun liefern sich zwei Geheimdienste Schlag und Gegenschlag.
Gähn! Da kann man sich getrost im Fernsehsessel zuruecklehnen, denn wenn zwei Streithaehne sich zanken, freut sich immer der dritte, in diesem Falle Europa und der Rest der Welt, der gerade dabei ist, wieder einmal jedes Vorzeichen zu ignorieren zu einem erneuten Versuch, die Juden zu vernichten.

Man koennte meinen, bei dem Attentat sei niemand zu Schaden gekommen. Dass die Frau des israelischen Botschafters aus dem brennenden Wagen gezogen werden musste, wird dann netterweise doch kurz erwaehnt.
Ich frage mich gerade, was hier zurzeit vor sich geht. In jedem Fall ist es wohl kein Zufall, dass das missglueckte Attentat von heute in Bangkok so dermassen ignoriert wird, bzw. dass man danach sehr lange suchen muss, um es in den Medien zu finden.
Will man gezielt vertuschen, dass der Iran beginnt mit seinem Krieg gegen israelische Staatsbuerger, die im Ausland leben? Will man verschweigen, was zur Eskalation fuehren koennte, um dann nach alter Art Israel zu beschuldigen, "unverhaeltnismaessig" zu reagieren? Braucht man Gruende, um sich nach ueblicher Manier im Fernsehsessel zuruecklehnen zu koennen?
Man hat ja von nichts gewusst.
Das kommt mir doch sehr bekannt vor.

Interview mit Avi Primor zur iranischen Bedrohung

HIER ist ein Interview von letzter Woche mit dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland. Er spricht zur iranischen Bedrohung und wird nach seiner Einschaetzung zu einem geplanten Angriff Israels auf den Iran gefragt. Seine Antworten sind - wie immer - ueberlegt, ruhig, ausgewogen und informativ zugleich.
Morgen wird Avi Primor in Konstanz einen Vortrag zur Lage in Nahost halten. Er wird dabei auch auf die Geschehnisse in den Nachbarlaendern Israels eingehen, waehrend des sogenannten arabischen Fruehlings.

Terroranschlag in Bangkok

Warum lese ich diese Meldung ueber den heutigen Terroranschlag in Bangkok, zunaechst in der Haaretz und im Internetauftritt von Galej Zahal, waehrend im Spiegel ganz unten unter "Politik" der Artikel gesucht werden muss. Dass deutsche Professoren zu wenig verdienen, ist dagegen eine Riesenschlagzeile wert. (Bei der Tagesschau auch noch keine Meldung zu finden diesbezueglich. auf den n-tv-Seiten muss man sich durchsuchen bis zum "Panorama-Teil", um die Meldung zu finden.)
Dem Taeter aus dem Iran riss der Sprengsatz, den er zuendete, beide Beine ab. In einem Haus in einem Wohngebiet explodierte die erste Bombe. Die Beamten, die am Tatort eintrafen sahen dann drei Verdaechtige aus dem Haus eilen, einer von ihnen warf den naechsten Sprengsatz auf ein Taxi. Mit einer anderen Bombe soll dann die Polizei angegriffen worden sein. Das Ziel war dann aber der Attentaeter selbst, dem beide Beine abgerissen wurden.
Ein Tag nach dem Anschlag in Neu Delhi, Indien auf den israelischen Botschafter, hat man jedoch in den israelischen Nachrichten klargestellt, dass es keine israelische Botschaft in der Naehe der Explosionen gibt.

Spaeter wird doch eingeraeumt, dass sich nur vier Haeuserblocks entfernt von den Explosionen die israelische Botschaft befindet.
Also doch ein Zusammenhang mit den Ereignissen gestern in Neu Delhi und Georgien mit dem Hintergrund, israelische Vertretungen im Ausland zu terrorisieren?
In einer israelischen Zeitung jedenfalls heisst es inzwischen, die Botschafter schlafen nicht mehr ruhig, und spaetestens seit gestern mit der Waffe unterm Kopfkissen. Ihre Kinder werden scharf bewacht und fuehlen sich zurzeit wie im "goldenen Kaefig".

Sonntag, 12. Februar 2012

Noch Termine frei - Ulrich Sahms wichtige Vortragsreisen zum Thema Israel

Ulrich Sahm, Nahostkorrespondent und Sohn eines deutschen Diplomaten, der seit ueber 30 Jahren in Jerusalem wohnt, ist mir zum ersten Mal positiv aufgefallen durch seine ausgewogene Berichterstattung bei n-tv waehrend des Libanon-II-Krieges im Jahr 2006. Waehrend alle Medien Israel aufgrund angeblich "ueberzogener Reaktionen" beschuldigte, fuhr Ulrich Sahm unermuedlich fort, die Ereignisse in der richtigen chronologischen Reihenfolge darzulegen, in der sie geschahen. Zusaetzlich zu dieser wichtigen Aufgabe, fliegt Ulrich Sahm von Zeit zu Zeit nach Deutschland, um aus erster Hand, als in Israel lebender Deutscher ueber die Lage vor Ort zu berichten. Ich hatte das Vergnuegen, seine Gastfreundschaft kennen zu lernen, da er mich nachdem ich zu ihm Kontakt aufgenommen hatte, spontan und herzlich zu sich ins Haus einlud. Ich sah Ulrich vor seinen unzaehligen Bildschirmen sitzen, stets einsatzbereit, schnell "auf Sendung zu gehen", um bei aktuellen Ereignissen dem deutschen Publikum die Lage vor Ort in Israel zu erklaeren. Ulrich Sahm plant im Mai und im November wieder Vortragsreisen und hat noch Termine frei. Wer also Bedarf hat kann sich auf seiner Internetseite umsehen. Zwischen dem 20. Mai und 1. Juni gibt es viele Moeglichkeiten, ihn einzuladen, im Bereich Frankfurt und Umgebung. Sollte es Interessenten in der Schweiz oder in Oesterreich geben, waere er bereit, ueber Wien oder Zuerich nach Deutschland zu fliegen.
Ich denke, seine Vortraege werden von Jahr zu Jahr wichtiger fuer Deutschland und Europa, je mehr das Bild Israels sich verzerrt zum Schuldigen der gesamten Nahostregion, dem inzwischen nachgesagt wird, "das Hindernis" fuer Frieden im Nahen Osten zu sein.
Ulrich Sahm traegt erheblich dazu bei, dem Bild der Deutschen von Israel ein paar wichtige Aspekte hinzuzufuegen, die noetig sind, um Israels Aktionen und Reaktionen in ihrer Gesamtheit zu verstehen.


Deutschlands Verteidigungsminister gibt Israel einen guten Rat

Auf den Internetseiten von Galej Zahal wird berichtet, dass Deutschlands Verteidigungsminister Thomas de Maizière Israel vor einem Angriff auf den Iran warnt. Diese Aktion waere sehr wahrscheinlich nicht von Erfolg gekroent und wuerde nur zu schweren politischen Folgen fuer Israel fuehren. Er bezog sich damit auf die Ankuendigung aus den USA, Israel werde in den naechsten Monaten Iran angreifen.
Gestern, auf der Veranstaltung "33 Jahre islamische Republik" sprach der Premierminister der Chamas, Jismail Chanija davon, dass endlich ein Schlussstrich gezogen werden muesse, gegen die Bedrohung des Staates Iran durch die Amerikaner und die Zionisten. Der Stellvertreter des Praesidenten, Muhammad Reza Rahimi drueckte sich in aller Schaerfe gegen Israel aus und drohte damit, dass Israel "schon bald bestraft werden wird fuer seine Taten!"
Praesident Achmadinedschad kuendigte an, in den naechsten Tagen wuerde die Welt Zeuge werden, wenn einige sehr beeinruckende Errungenschaften in punkto seines Atomprogramms offen gelegt werden. In keinem Falle wuerde er sein Programm der Anreicherung von Uran stoppen.
Bei einem Treffen des Botschafters der Vereinten Nationen in New York in der letzten Woche, hatte Avigdor Lieberman, Israels Aussenminister seine Hoffnung darueber ausgdrueckt, dass die letzten Sanktionen gegen Iran zu ihrem Ziel, das Atomprogramm des Iran zu stoppen, fuehren, aber "falls nicht," so Lieberman, "liegen alle Optionen nach wie vor auf dem Tisch."

מה אומרות עינייך - Was sagen deine Augen

Esther Ofarim, mit einem wunderschoenen Stueck.
Was sagen deine Augen?

Whitney Houston ist tot

Ganze 48 Jahre alt, ist sie gestern abend in Beverly Hills gestorben. Fuer mich ist es immer wieder tragisch, wenn ich vom Tod der grossen und schillernden Beruehmtheiten hoere. Ein begnadetes Talent, eine riesige Karriere und Weltruhm - all das kann letzten Endes doch nicht das ersetzen, nach was der Mensch sich sehnt. Liebe, Geborgenheit und Glueck, all das kann jemand wie Whitney nicht in einem Masse erfahren haben, dass es gereicht haette, die Seele zu fuellen. In den letzten Jahren mehr und mehr Drogen-und Alkoholgeschichten, und nun ihr tragischer Tod.
Nach Amy Whinehouse nun wieder ein grosser Star, der seiner Sucht erlegen ist.
Scheinbar ist eine grosse Karriere und Weltberuehmtheit doch nicht das, was eine kleine Seele ertragen kann.
Ich erinnere mich, dass mein Vater, - sel. And. - , der nie ein Fan der Popmusik war, ein Lied von Whitney besonders mochte, "One moment in time", HIER zu hoeren.

I´m only one, but not alone
my finest day is yet unknown...
Wer weiss, wie allein sie wirklich war.
Danke, Whitney fuer deine grossartige Stimme, die wir erleben durften.

Samstag, 11. Februar 2012

Demnaechst in Haifa - "Deutsche. Leben in Israel."


Noch einmal moechte ich Werbung machen fuer die naechste Vorstellung des Filmes "Deutsche. Leben in Israel." von Helmut Simon. Der Film ist nun mit nicht vorhersehbarem Erfolg im Goethe Institut von Jerusalem und Tel Aviv gezeigt worden und am 5. Maerz folgt die naechste Auffuehrung in Haifa in der Uni. Es wird auch noch einige Vorstellungen in Deutschland geben, in der naechsten Zeit. Wer naeheres wissen moechte, bekommt von mir die Mail des Regisseurs.

Ausgewandert aus Israel oder nur voruebergehend im Ausland?

Auf den Internetseiten von "Israelnetz" las ich heute, dass fuer die Statistik ein Israeli als ausgewandert gilt, wenn er sich ein Jahr lang ausserhalb von Israel aufhaelt. Ulrich Sahm bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass somit ein junger Mensch, der zwei Jahre lang in den USA studiert, als ausgewandert gilt, sowie ein tatsaechlich vor 30 Jahren ausgewanderter Israeli nicht als abgewandert gezaehlt wird, wenn er jedes Jahr zu Pessach Verwandte besucht.
Bei dieser Art der Statistik falle ich auch nicht unter die Ausgewanderten, denn ich bin am 3. April 2011 wieder nach Deutschland gekommen und werde am 27. Maerz 2012 wieder "aufsteigen".

Jitro - der "Fremde" kommt ins Spiel

Die Ausfuehrungen von Rav Benjamin Lau (Etnachta, 1. Band) zur heutigen Parasha haben mich heute wieder gefesselt.

Ich moechte euch teilhaben lassen an seinen Worten.

Rav Benni erzaehlt uns folgendes:

Die Parasha wird eroeffnet durch das Geruecht, welches Jitro, dem Schwiegervater von Moshe, zu Ohren kommt, ueber den Auszug des Volkes Israel aus Aegypten. Ihm kommt ebenfalls zu Ohren dass es gelungen ist, den allmaechtigen Pharao zu besiegen. Nun haelt ihn nichts mehr an seinem Platz.

Als Moshe auszog, um das Volk Israel zu retten und aus Aegypten zu fuehren, sind Zippora, seine Frau, sowie die zwei Soehne bei Jitro geblieben. Jitro nimmt sich nun alle drei und plant die Zusammenfuehrung der Familie.

Waehrend sie auf dem Weg sind in die Wueste, laesst Jitro seinem Schwiegersohn eine Botschaft zukommen.

ויאמר אל משה אני חתנך יתרו בא אליך ואשתך ושני בניה עמה

(und er sagt zu Moshe, ich, dein Schwiegervater Jitro komme zu dir, und deine Frau und ihre zwei Kinder mit ihr (auch)..)


Dieser Passuk wird auf drei verschiedene Arten im Midrash der Halacha erklaert (Mechilta Rav Jishmael)

Rav Yehoshua sagt:

er hat ihm einen Brief zukommen lassen

Rav Elasar haModai sagt:


er schickte es ihm durch einen Boten und sagte ihm: tu es fuer mich (empfange mich), und wenn du es nicht fuer mich tust, dann tu es fuer deine Frau, und wenn nicht fuer sie, dann fuer deine Soehne, ...
Rav Elieser sagt
es wurde Moshe gesagt "ICH", ich bin der, der gesprochen hat, und die Welt entstand, ich bin der, der annaehert und nicht entfernt, wie es heisst (Jeremia) der G-tt, der nahe ist, so lautet die Rede G-ttes, und nicht der G-tt, der fern ist...
Ich bin der, der Jitro zu dir nahe brachte, und nicht entfernte, und auch du sollst es so tun, wenn ein Mensch kommt, von dir zum Judentum konvertiert zu werden, denn er kommt im Namen des Himmels, er kommt von G-tt, auch du sollst ihn naeher bringen, nicht ent-fernen (fortschicken)
Die zwei ersten Auslegungen hoeren sich nach der einfachen Auslegung an (Pshat). In der ersten hoeren wir, dass Jitro sich anscheinend recht sicher war, dass er empfangen wird. Er schickt lediglich eine Botschaft, um Moshe auf sein Kommen vorzubereiten. Schliesslich ist er der Priester von Midian. Moshe soll Gelegenheit bekommen, sich selbst vorzubereiten.
Die zweite Erklaerung laesst vermuten, dass Jitro berechtigte Zweifel hatte, dass Moshe vor lauter Freude aus dem Haeuschen sein koennte, hatte er doch erfahren, dass sein Schwiegervater nicht gerade jemand war, der ihm etwas goennt. Daher nimmt er diesen Fall vorweg und betont, vielleicht wuerde sich ja Moshe in jedem Fall ueber das Erscheinen seiner Frau freuen, und wenn er sich selbst darueber nicht freuen sollte, dann doch in jedem Falle ueber seine Soehne.
Die Tora faehrt auch in diesem Sinne fort und sagt:
Und Moshe zog aus, seinem Schwiegervater entgegen
Kein Wort ueber vergangene Zeiten, kein Vorwurf, er geht ihm entgegen, um ihn zu empfangen.

Die dritte Auslegung ueberrascht und faellt voellig aus dem Rahmen. Da betont Rabbi Elieser den folgenden Satz in ganz anderer Weise:

Ich, dein Schwiegervater Jitro komme zu dir
wird ploetzlich zu
"ICH" ! Dein Schwiegervater Jitro kommt zu dir..
Dieses ICH ist, nach den Ausfuehrungen von Rabbi Elieser, niemand anderer als G-tt selbst, der spricht. Es ist dasselbe ICH, wie aus dem Buch Jeremia (Der G-tt, von nahem bin ICH, so lautet die Rede G-ttes, und nicht der G-tt der Ferne)
Der Prophet Jeremia legt die Behauptung G-ttes in dessen Mund, dass die, die an ihn glauben, denken, dass er in einem sehr begrenzten Radius handelt, wenn er nahe ist. G-tt stellt sich als "ICH" vor, der auch aus der Ferne handelt.
Und da Jitro "alles zu Ohren kam, was G-tt getant hatte" , so erklaert uns Rabbi Elieser, ist es G-tt selbst, der ihn aufwachen liess, der dafuer sorgte, dass Jitro das Beduerfnis hatte, dem Volk Israel nahe zu sein, sich zu naehern.
Ich bin der, der Jitro sich naehern liess, und ihn nicht sich entfernen liess. Und so sollst auch du, Moshe, genau wie ich, die naeher bringen, die entfernt stehen, und wuenschen, sich zum Volk Israel zu gesellen.
Ein wundervoller Aufruf, die Gerim nicht abzuweisen, sondern sie naeher zu bringen, ihren Wunsch zu respektieren und davon auszugehen, dass G-tt selbst sie hergebracht hat. Nichts geschieht ohne den Willen G-ttes, und so koennen wir davon ausgehen, dass ER uns, die Gerim zu irgendeiner Zeit "aufgeruettelt" hat, uns selbst schickte zum Volk Israel, weil ER die Zeit fuer reif hielt.
(מוצ"ש יתרו)

Menschliche Gesten

Ach, wie schaetze ich doch die kleinen, gern uebersehenen Begebenheiten, die das Herz zum laecheln bringen.
Heute morgen in der Synagoge von Chabad. Wie sicher allen bekannt ist, werden Synagogen und andere juedische Einrichtungen in Deutschland polizeilich geschuetzt. So haben auch wir stets zwei Polizisten vor der Tuer, wenn wir beten, oder danach uns zum Kiddush einfinden.
Sie - die Polizei - hat es in diesen Tagen nicht leicht. Es ist bitterkalt, und sie duerfen leider nur vor dem Tor stehen, bis auf kurze Augenblicke des Aufwaermens. Wir sorgen meistens gut fuer "unsere Polizei", an Chanukka in der Stadt bekamen sie Tee und Sufganiot, und freuten sich sichtlich darueber.
Auch heute war ein heisser Tscholent fuer sie bereitgestellt. Ich hatte es gar nicht bemerkt, aber irgendwann, als unser Rebbe ein Dwar Tora (ein Wort zum Toraabschnitt) sagte, steckte die Polizistin den Kopf herein und sagte: "Vielen Dank. Es hat sehr gut geschmeckt." Sie warf den Plastikteller in den Abfall und ging wieder hinaus.
Es war unmenschlich kalt, und ich freute mich, dass sie sich wenigstens von innen ein klein wenig aufwaermen konnten - mit liebevoll gekochtem kosheren Tscholent und beim Verlassen des Gelaendes auch, wie immer, Dankesworte von unserer Seite fuer den Schutz, den sie uns geben.
Ein Gruss und ein Dank fuer die leider notwendige Arbeit an all unsere Beschuetzer.

Freitag, 10. Februar 2012

Shabbat shalom שבת שלום

Parashat Jitro

In der Parascha der Woche, „Jitro“, bekommt Mosche von Jitro einen wichtigen Rat. Mosche reibt sich sichtlich auf, indem er alle Streitigkeiten und jede Anklage des Volkes selbst bearbeitet. Er ist scheinbar erschoepft, ohne dies selbst zu spueren, denn er wird auch als sehr selbstlos beschrieben. Jitro nimmt wahr, dass Mosche dabei ist, sich selbst bis an die Grenzen zu ueberfordern und raet ihm, sich Richter zu suchen fuer die alltaeglichen „kleineren“ Dinge, ueber die es zu richten und zu entscheiden gilt.
Ich nehme diesen Aspekt der Parascha fuer uns als Wegweiser. Ja, es ist wichtig, an das Volk, also an seine Mitmenschen zu denken, und viel fuer sie zu tun. Aber es ist nicht so gedacht, dass ich mich selbst vergessen soll darueber. Wenn ich vor Erschoepfung umfalle, werden die, denen ich helfen wollte, gar nichts mehr von mir haben und ich bin mit einem Male selbst von der Hilfe anderer abhaengig.
Hilfe holen, Aufgaben delegieren und somit meine eigene Last verteilen, kann also nicht negativ sein. Wir muessen nicht immer alles selbst erledigen, denn dann werden wir eventuell nicht lange durchhalten. Ein Funken Egoismus ist also lebenswichtig, um unsere eigene Funktion zu erhalten.
Haette Mosche so weitergemacht, und waere eines Tages vor Erschoepfung umgefallen, haette das juedische Volk ganz ploetzlich ohne ihren so wichtigen geistigen Fuehrer dagestanden.
Sicher hat Jitro dies erkannt und sich darum genoetigt gefuehlt, Mosche anzusprechen.
Und noch etwas koennen wir aus dieser Begebenheit lernen. Es ist manchmal in unserer heutigen Zeit nicht angesagt, sich „einzumischen“. Und doch kann es wichtig sein, den Mitmenschen zu warnen. Manchmal sieht man seine eigene Ueberforderung gar nicht, und macht ohne Pause weiter. Ein positiv formulierter Ratschlag, etwas besser auf sich aufzupassen, und Aufgaben auch delegieren zu lernen, kann dazu fuehren, dass der Mitmensch ploetzlich aufgeruettelt wird, aus seinem „Hamsterrad“ aussteigt und sich selbst mit einem Male mit den Augen des Anderen betrachtet. So ist es moeglich, eine neue Erkenntnis vom eigenen Verhalten zu bekommen und einen ersten Schritt der Aenderung zu gehen.
Mosche hat den Rat nicht abgewehrt, er hat nicht gesagt, Jitro solle sich nicht einmischen, dies sei allein seine Sache. Er hat den Rat angenommen und seine Last verteilt.
Jitro hat sich nicht gescheut, sich einzumischen, auch auf die Gefahr hin, dass Mosche ihn in seine Grenzen weisen koennte. Er hielt es offenbar fuer seine menschliche Pflicht, seinem Schwiegersohn eine wichtige Rueckmeldung ueber seine belastende Situation zu geben, um zu verhindern, dass dieser vor Erschoepfung zusammenbrach.
Manchmal kann man getrost etwas von seiner Last abgeben, Aufgaben delegieren, auch an die eigenen Kinder (Muell wegbringen, Spuelen, Waesche aufhaengen).
Und ein anderes Mal koennen wir ein wenig Jitro spielen, uns einmischen, unsere Sorge um das Wohl des anderen aeussern, und einen guten Rat erteilen.
Auch auf die Gefahr hin, abgewiesen zu werden. Wenn wir die richtigen Worte waehlen und es „gut“ meinen, wird diese Gefahr jedoch sehr gering sein.
Shabbat shalom!

Donnerstag, 9. Februar 2012

Alles schon mal gehabt.... אין חדש תחת השמש

Alles schon mal erlebt, vor ein paar Jahren. Und dennoch kann eine derartige Aktion niemals so etwas wie "Routine" werden, Normalitaet.
Nein, die Vorbereitung auf den Auszug aus der Diaspora ist doch nie gleich, und gleichzeitig wird sie immer aufregend sein, egal wer diese wie und wann erlebt.
Die Krankenkasse ist angeschrieben und informiert ueber die baldige Ausreise. Die Rentenversicherung weiss Bescheid. Die Wohnung ist gekuendigt und noch immer kein ernsthafter Nachmieter in Sicht. Die letzte Steuererklaerung ist abgegeben und nun hoffe ich instaendig, die Rueckzahlung noch vor der Abreise zu erhalten. Das wuerde mir enorm weiterhelfen auf der finanziellen Ebene.
Die GEZ ist zum Ende Maerz gekuendigt und abgemeldet und auch die Rechtsschutzversicherung, sowie die private Haftpflicht. Meine Bankverbindung muss noch bestehen bleiben, da ich leider - wie immer - meine Telefonvertraege nicht kuendigen werden kann und diese weitere Monate mit mir herumschleppe.
Ich werde mir ein paar Dinge, inclusive Buecher selbst vorausschicken, denn wieder werde ich mit sehr kleinem Gepaeck reisen. Ein Koffer - das wird mein Hab und Gut sein, mit dem ich mich nun so ganz langsam innerlich schon von der sicheren Bodenhaftigkeit in der Galut zum duenneren Eis bewege. Durch den Job, den ich in Aussicht habe, ist das Eis dieses Mal nicht ganz so duenn, dafuer hatte ich beim letzten Mal mehr finanzielle Mittel als Polster.
Ich kenne die merkwuerdigen Naechte in den letzten Wochen vor der Alyia nur zu gut. Die Sorge, ob ich an alles gedacht habe, und nichts Wichtiges uebersehen wurde. Aengste, ob es auch das Richtige ist, was ich tue, wechseln sich mit aufgeregter Vorfreude ab. Das Heimatgefuehl zieht mich und die bevorstehende Trennung von den Toechtern wird wieder nicht einfach werden. Das ist einfach so, und ich muss lernen, damit besser umzugehen, meinem weiteren Lebensweg zu folgen, meinem ureigenen.
Ich hoffe, wie beim letzten Mal, auf die Hilfe von "oben", ohne die ich doch sowieso keinen einzigen Schritt tun kann und moechte. Ich brauche diese spirituelle Hilfe und Stuetze, muss mich auf jemanden verlassen koennen, der mich nicht verlassen wird.
Der Flug ist gebucht und am 27. Maerz wird es zurueck in die Heimat gehen, fast genau ein Jahr, nachdem ich zurueck nach Deutschland flog.
Meine Freunde in Israel sind sich einig: "Es war wichtig, dass du noch einmal zurueck bist. Und du hast nichts ausser Geld verloren dabei. Im Gegenteil, du hast wichtige Erkenntnisse gewonnen, ohne die du hier nicht haettest deinen Weg gehen koennen."
Wahrscheinlich haben sie recht, denn auch ich glaube, dass dieser erneute Umweg nicht ueberfluessig war.
Jeder unserer Wege - auch und manchmal gerade der vermeintliche Irr-und Umweg - ist wichtig, um festen Schrittes weiter unseren Weg zu gehen, den ER uns weist.


Donnerstag, 2. Februar 2012

Shabbat shalom שבת שלום

Parashat haShavua - Beshalach

Die Kinder Israel bekamen in der Wueste, nach ihrem Auszug aus der aegyptischen Sklaverei, Man, das vom Himmel fiel.
Es fiel jeden Tag, und sie konnten es einsammeln und davon leben. Wer es aufbewahrte, aus der Befuerchtung heraus, dass er fuer morgen nicht genug haben wuerde, dem verfaulte es.
So wollte G-tt die Kinder Israel zu absolutem Vertrauen erziehen. Vertrauen darauf, dass ER uns versorgt, jeden Tag aufs Neue. Er gibt uns unser taegliches Brot.
An diese Stelle in der Tora musste ich oft in Israel denken, als ich krank war und nicht wusste, ob das Geld reicht. Immer hatte ich mein Ein-oder Auskommen, es ging immer weiter, ob es von meinem Ersparten kam oder aus Spenden von wahren Menschen aus der Gemeinde, die sahen, dass es mir noch nicht gut ging, nach der Herz-OP. Ohne grosse Kommentare bekam ich eine Spende, die mir ermoeglichte, meine Miete zu zahlen. Ganz unproblematisch hatte die Gemeinde beschlossen, Spendengelder fuer mich zu mobilisieren, damit ich nicht sofort nach dem Krankenhausaufenthalt arbeiten musste.
Vor der OP hatte ich mir auch Gedanken gemacht, wovon ich leben sollte, und ploetzlich kam eine Steuernachzahlung aus Deutschland.
Es ging immer irgendwie weiter, nie hatte ich Sorge, dass ich hungern muss, immer bekam ich mein "Man", mein Brot.
Ich bin der festen Ueberzeugung, dass G-tt uns nie allein in der Wueste des taeglichen Lebens laesst. Wir sind jeden Tag in SEINER Hand und koennen darauf vertrauen, dass er fuer SEINE Kinder sorgt.
Es ist gut, fuer schlechte Zeiten vorzusorgen und zu sparen, aber es ist nicht noetig, in Panik zu versuchen, sich gegen alle Eventualitaeten des Lebens zu versichern.
Das, fuer das wir meinen, vorzusorgen, wird eventuell nicht eintreten, dafuer werden ganz andere Dinge passieren, fuer die wir kein Muster haben, nicht Vorsorge getroffen haben. Aber auch dann - wenn das nicht Vorhersehbare passiert - wird ER uns nicht im Stich lassen.
Darauf zu vertrauen ist nicht immer einfach, es ist eine Herausforderung.
Aber es kann auch eine Aufgabe sein.
Das Wichtigste ist, dass wir einen Kompromiss finden zwischen vorsorgen ohne Panik und absoluter Leichtsinnigkeit.
Der Weg, den wir gehen, - wir gehen ihn nie allein.