Freitag, 30. März 2012

Danke fuer die Fuelle des Landes und Shabbat shalom

Im Garten der Dame, wo ich zurzeit wohnen darf, steht ein Grapefruitbaum. Nie habe ich in Deutschland auch nur annaehernd so saftige, weiche und schmackhafte Grapefruit bekommen. Bei den Freunden ging es dann gleich weiter. Ich bekam eine Tuete in die Hand gedrueckt und durfte mir Zitronen pfluecken. Sie riechen bereits von aussen so aromatisch, und schmecken ueberhaupt nicht sauer, sondern sehr intensiv. Mit allen Sinnen geniessen - das ist hier moeglich und ich liebe es, das wieder erleben zu duerfen. Das Land bietet eine Fuelle an Obst und Gemuese, mit Recht heisst es das Land, wo Milch und Honig fliesst.
Auch im uebertragenen Sinne - oder gerade in diesem Sinne - fliessen Milch und Honig. Die Tora scheint noch naeher und ueberall gibt es geistiges Input. Im Restaurant haben wir gestern gemeinsam das Birkat haMason (das Tischgebet nach dem Essen) laut gemeinsam gesungen. In Deutschland waere das ein "Hingucker", in Israel ist es normal und es dreht sich natuerlich niemand um und schaut einen merkwuerdig an. Wie schoen, das alles wieder erleben zu duerfen und nicht staendig darauf zu achten, nicht aufzufallen. In den Restaurants ist es auch selbstverstaendlich, dass kleine Heftchen mit den Tischgebeten an den Theken ausliegen, fuer diejenigen, die beten wollen. Im Supermarkt "Rami Levi" kann es sein, dass man sich in der Nachmittagszeit zum Einkauf in den Gaengen befindet und ploetzlich eine Stimme im Lautsprecher vernimmt: Wer noch nicht Mincha (das Nachmittagsgebet) gebetet hat, und gern moechte, kann sich am Ort "X" einfinden, dort gibt es einen Minjan. (10 maennliche Betende). Und morgens um 6h hoert man im Radio das "Shma Israel". Es ist schon eine Gnade, hier wohnen zu duerfen, wenn man Juedin ist. Ich werde den Shabbat haGadol, den Shabbat vor Pessach, sehr bewusst erleben und freue mich auf alle, die ich noch nicht treffen konnte. Am Leil Shabbat, also heute abend werde ich in der Jakar-gemeinde sein und die Melodien ueber mich regnen lassen, wie frischen Sommerregen. Morgen dann geht es in die Beit Knesset "Yehuda haLevi", wo ich viele Freunde treffen werde. Ich wuensche euch allen einen gesegneten Shabbat mit vielen tiefen Eindruecken fuer eure Seele. Shabbat shalom von Noa aus Yerushalaiym

Mittwoch, 28. März 2012

Volles Programm morgen

Morgen frueh fahre ich mit meinem Koffer (in dem sich sozusagen mein gesamtes Leben befindet) nach Ra'anana. Dort treffe ich die Frau, bei der ich in der ersten Zeit wohnen darf. Wir essen dann gemeinsam mit einer Familie aus der Nachbarschaft. (all diese Kontakte hat mir meine Freundin Ayala beschert, die mir den Anfang in Ra'anana erleichtern wollte und all ihre Kontakte hat spielen lassen...)

Wir fahren dann zusammen zu meinem Arbeitsplatz um zu checken, wie lange ich vom Haus von Shifra bis zur Arbeitsstelle brauche.

Danach werde ich dort uebernachten und am Freitag morgen geht es zurueck nach Yerushalayim. Am Shabbat haGadol (dem Shabbat vor Pessach) muss ich doch bei den Freunden sein. Ich werde abends in die Jakar-gemeinde gehen und am Morgen in die Beit Knesset Yehuda haLevi, wo ich die meisten meiner Freunde habe. Das wird eine Freude!

Motzei Shabbat wird es wieder hinunter nach Ra"anana gehen, denn Sonntag morgen beginnt die Arbeit.

Ich fuehle mich wunderbar und geniesse die Rueckkehr.

Heute sagte ein befreundeter Rechtsanwalt zu mir: Ich wusste, dass du zurueckkommst, denn mit der Zeit hattest du dich veraendert. Du warst laengst nicht mehr die, die mit der deutschen Mentalitaet klarkommt. Du bist zu jemandem geworden, der umarmt werden will, und hier hat man dich - besonders waehrend deiner Krankheit - fest umarmt.

(dazu muss man sagen, dass besagter Mann einen Vater hat, der in Deutschland geboren ist und sehr gut die deutsche Mentalitaet kennt)


Ja, ich glaube ich will umarmt werden, vom Land, von den Menschen und von der Liebe G'ttes, die ich hier tiefer als woanders spuere.

Mir geht es gut

Ich bin gut gelandet, und meine Gefuehle waren sehr merkwuerdig. Auf der einen Seite war es aufregend, zurueckzukommen und auf der anderen war ich voellig ruhig. Es war und ist so "normal" und natuerlich, dass ich hierbin, wie eine zweite Haut fast. Die Sonne schien und auf dem Weg nach Yerushalaiym fing es an zu regnen, ein herrlich frischer Regenduft stellte sich ein. Ueberall am Wegesrand blueht und gruent es, das Land sieht "gesund" und prall aus. Die Freunde machen einen Freudentanz und versichern mir, die ganze Zeit ueber gewusst zu haben, dass ich zurueckkehre. Ich habe nun ein volles Programm, bis am Sonntag der "Ernst des Lebens", die neue Arbeit in Raanana beginnt. Cafetrinken mit Freda, Mittagessen mit Ayala, heute morgen schon gefruehstueckt mit Esti, der Freundin, bei der ich gerade wohne, bis Ende der Woche.

Montag, 26. März 2012

Abschied und ein neuer Anfang

Ja, das Wochenende mit den Kids war sehr beruehrend und intensiv an Gefuehlen. Eine kleine Ecke meines Herzens fragt immer noch, ob ich wirklich an mich denken darf, oder ob nicht schon naechste Woche jemand hier mich braucht, wenn ich nicht hiersein kann. Nun, damit muss ich umgehen lernen, denn ich habe diese Entscheidung getroffen, und fuehle irgendwie schon, dass es richtig ist fuer mich.

Ich werde nun also schon morgen mittag mit meinem Koerper landen, dort, wo die Seele nie weg gegangen ist. Wir - mein Koerper und ich - werden sie morgen dort treffen und dann vollstaendig nach Yerushalaiym zu den Freunden hinauf fahren.

Es ist kein Déja Vu, auch wenn ich schon einmal 2009 Alyia gemacht habe, denn damals bin ich an einer ganz anderen Stelle in den Fluss gestiegen, niemals kann alles gleich sein.

Ich habe dieses Mal mehr Unterstuetzung und viele Menschen im Land warten auf mich - genauso aufgeregt wie ich, dass der Traum sich noch einmal wiederholen laesst.

Ich bin dankbar fuer meine Kinder, die auch meinen, ich gehoere in diese Welt und die G-tt sei dank Verstaendnis dafuer haben, dass auch ich als Mutter ein Eigenleben habe.

Ich bin dankbar fuer die Freunde in Israel, die mich auch hier in Deutschland nicht vergessen haben, und immer an meiner Seite standen.

Ich bin dankbar auch fuer die Menschen in Deutschland, die verstehen konnten, was in mir vorging, selbst wenn es etwas verrueckt klingt und sicher nicht der "normale" Lebenslauf ist, den ein Mensch geht. Aber was ist schon normal, und wer definiert das ueberhaupt?

Die Wege des Menschen sind krumm und steinig, fuehren ueber Um - und Irrwege, doch wenn wir zu jeder Zeit G-tt spueren, der uns leitet, kann es dann so falsch sein, was wir tun?

Am letzten Shabbat haben wir Vajikra (und er rief) gelesen. Wenn wir oft innehalten, um den Ruf zu hoeren, koennen wir doch im Grunde genommen nichts falsch machen, oder?


So werde ich heute meinen letzten Arbeitstag hinter mich bringen und sehr aufgeregt und nachdenklich zu meiner Freundin zurueck fahren, denn eine eigene Wohnung habe ich seit Freitag nicht mehr.

Morgen frueh um 5 Uhr geht es los in Richtung Bahnhof, dann mit dem Zug nach Koeln/Bonn und um 8.35h hebt der Flieger ab in Richtung Tel Aviv, Richtung Heimat.

Ich wuerde mich sehr ueber ein kleines Gebet von euch fuer mich freuen, dass alles gut geht und ich gut lande und einen sanften Neuanfang erlebe.


Ein Dank an alle fuer die Treue, und denkt daran: Wir haben seit Shabbat den Monat Nissan, der Monat der Erloesung aus aller Sklaverei und allen Zwaengen, die uns an der Stelle festhalten und uns daran hindern, uns weiter zu entwickeln.


Bis dann, von Eretz Israel aus!

G-tt sei mit euch, mit mir, mit dem ganzen Volk Israel und mit der ganzen Welt!

Sonntag, 25. März 2012

Shavua tov

Noch mit den Kindern getroffen, gegessen, gelacht und ein letztes Mal am Morgen einen Spaziergang gemacht. Mein bester Freund ist extra fuer mich aus Frankfurt gekommen, um noch ein paar Stunden mit uns zu verbringen, in der Sonne, am Rhein.
Nun rueckt es immer naeher und naeher, aber morgen muss ich noch ein letztes Mal arbeiten.
Ich bin nachdenklich und aufgeregt, freudig und melancholisch gestimmt.
Und auch erschoepft und muede.

Freitag, 23. März 2012

Shabbat shalom - שבת שלום

Letzte Nacht vor der Schluesseluebergabe

Ich bin muede vom putzen, wegraeumen, runterschleppen, ordnen.
So langsam stellt sich zu dem Gefuehl derAnspannung, ob die Wohnungsuebergabe ohne Probleme verlaufen wird, auch ein anderes Gefuehl ein, das Gefuehl der tiefen Dankbarkeit.
Ich kann es kaum fassen, dass es eine neue Chance fuer mich in Israel gibt, dass ich zurueck kehren darf und dort leben darf, wo sich die Seele schon lange hinsehnt.
An diesem Shabbat, wenn ich endlich zur Ruhe komme, wird es wohl langsam von mir verinnerlicht werden, was mir zuteil wird.
Die Freunde warten, schreiben taeglich Mails, wie sehr sie sich freuen, und wie "normal" sie es finden, dass ich zurueck komme.
Ja, es ist richtig, auch wenn es etwas verrueckt klingt, was ich tue.
Morgen schon werde ich bei einer Bekannten aus der Gemeinde schlafen, nach der Schluesseluebergabe an meine Nachmieterin. Ich werde dort sein, bis zu meiner Abreise am Dienstag morgen, um 8.35h, wenn das Flugzeug in Richtung Tel Aviv abhebt.
Shabbat shalom an alle.

Donnerstag, 22. März 2012

Vorletzte Nacht in meiner Wohnung - Parashat Vajikra

Die kommende Nacht wird die letzte, in meiner eigenen Wohnung. Wie eine Wohnung sieht sie schon nicht mehr aus, die letzten Moebelstuecke werden heute von einem Second-hand-unternehmen abgeholt und morgen tut der Sperrmuell sein Uebriges.
Gut, dass ich nie so viel besitze, es reicht schon so aus!
Morgen mittag findet die Schluesseluebergabe statt, und wie ich es aus der Vergangenheit kenne, ist das der Moment der merkwuerdigsten Merkwuerdigkeiten. Gibt man einen Schluessel ab, ohne einen anderen in der Tasche zu haben, ist man wie es hier heisst "wohnungslos", frueher sagte man "obdachlos".
Nun, ein Obdach werde ich bei einer Freundin aus der Gemeinde haben, bis Dienstagmorgen, wenn mein Flieger nach Eretz Israel geht. Sogar ein kosheres, welcher Luxus!
Ich hoffe, dass bei der Uebergabe alles glatt laeuft und dass es keine Zwischenfaelle gibt, die mir noch Sorgen bereiten koennten.
Mein letztes Gehalt ist netterweise schon ueberwiesen worden, da muss ich meinem Arbeitgeber wirklich danken fuer die Muehen!
Auch der Finanzbeamte sagte mir, meine Steuererklaerung sei bearbeitet und wuerde gegen Ende naechster Woche dann rausgehen. Ich werde zwar dann schon in Israel sein, habe aber vorsichtshalber mein Bankkonto noch hier behalten. Das loese ich dann von Israel aus in ein oder zwei Monaten auf.
Ich gehe mit einem (!) Koffer und einem Rucksack, sowie meinem Laptop.
Da ich nicht weiss, wie mein Zugang zum Internet sein wird in den naechsten Tagen, verabschiede ich mich schon heute aus Deutschland und wuensche allen Lesern einen guten erholsamen Shabbat.
Ein paar Worte fuer euch zum Wochenabschnitt sollen aber hier nicht fehlen.

Sefer Vajikra (er rief) beginnt mit einem Ruf. Bevor wir eine Aufgabe bekommen, oder erfahren, was G-tt uns auftraegt zu tun, muessen wir den Ruf hoeren.
Das erfordert grosse Aufmerksamkeit und immer auch ein Innehalten.
Innehalten ist in unserer heutigen Gesellschaft ein seltener Luxus geworden. Dennoch sollten wir versuchen, uns solche Momente des Innehaltens zu bewahren. Nur sie fuehren uns zu uns selbst, denn bevor wir einen Ruf hoeren koennen, muessen wir zunaechst einmal bei uns sein. Der Shabbat ist ein wichtiger Punkt des Innehaltens im Juedischen Leben und erdet uns wieder, obwohl er doch auch in "hoehere Gefilde" fuehrt. Meiner Meinung nach schliesst sich das jedoch nicht aus, sondern eines fuehrt ganz natuerlich zum anderen.
Indem wir in die hoeheren Gefilde vordringen, unserer Shabbatseele folgen, kann auch spaeter wieder eine bessere "Erdung" erfolgen. Ein ruhiges Zurueckkehren in den Alltag, mit viel mehr Kraft und Mut.
Shabbat shalom an alle!

Dienstag, 20. März 2012

Achmadinedschad als "ernsthafter und entspannter" Gespraechspartner, der den Holocaust leugnet

Wie ist es moeglich?
Ein Spiegelartikel, der ueber das seltene und seit 4 Jahren angestrebte Interview mit Achmadinedschad berichtet, laesst uns wissen, dass Achmadinedschad erneut offen behauptet, dass "der Holocaust eine Luege sei, auf der Israel aufgebaut ist..".
Einige Saetze weiter bezieht sich der Spiegel darauf, dass sich der Iran im ZDF-Interview als "ernsthafter und entspannter Gespraechspartner" gezeigt hat.
Wie geht das zusammen? Wie kann das ZDF einerseits berichten, dass Achmadinedschad die Shoa als Luege ansieht, und ihn spaeter als "ernsthaften" Gespraechspartner bezeichnen?
Da passt mir sowohl das Wort "ernsthaft" nicht, als auch die Bezeichnung "Partner".

Nun wissen wir also, dass der Iran keinesfalls eine Atombombe bauen will, weil das "zwecklos und unmoralisch" sei, laut Achmadinedschad.
Dass ausgerechnet er einen Begriff wie Moral in den Mund nimmt, laesst einen schon sprachlos zurueck.
Nun werden sicher einige beruhigt sein, dass der Iran nicht an der Atombombe baut. Da Achmadinedschad sich ja als ernsthafter Gespraechspartner zeigte, kann man seinen Ausfuehrungen durchaus Glauben schenken. Und Israel? Israel ist wirklich von Paranoia gezeichnet.

Juden und Muslime

Sitzen wir jetzt in einem Boot, nach den Anschlaegen von Toulouse? Einer der Soldaten, die ein paar Tage vor dem Anschlag auf die juedische Schule ermordet wurden, ist Moslem.
Zurzeit werden juedische und muslimische Einrichtungen verstaerkt in Frankreich geschuetzt. Man geht von einem rassistischen Hintergrund des Taeters aus.
Ein wenig makaber, dass Juden und Muslime in diesem Fall im selben Boot sitzen, in einem Boot, das von aussen beschossen wird.
Wuerde man nicht die traurige Wirklichkeit kennen, koennte man fast ein wenig ins philosophieren kommen. Die, die von aussen angegriffen, gehasst werden, sie sitzen nebeneinander, sind das Ziel feiger Morde. Muesste sich nicht bei diesem Bild eine Art Solidaritaet - wenn auch gegen einen gemeinsamen Feind - einstellen? Wie wir in der Geschichte bereits erfahren haben, ist dieses Boot gross genug fuer viele, fuer "Andere", fuer Juden, Muslime, Behinderte, Regimegegner, Sinti, Roma.... in diesem Boot ist leider viel Platz.

Feiger Mord vor einer juedischen Schule

Mit "Schiesserei" bezeichnen einige Zeitungen das Schreckliche, was gestern morgen vor einer juedischen Schule in Toulouse geschehen ist. Ein kaltbluetiger Mord von vier Menschen, darunter drei unschuldige Kinder. Sie waren 3, 6 und 8 Jahre alt.
Das Wort "Schiesserei" stiess nicht nur bei mir seltsam auf. Einige Kommentare beschrieben es, dass dieses Wort im ueblichen Sprachgebrauch eine Schiesserei zwischen zwei bewaffneten Parteien bezeichnet. Wenn ich dieses Wort in der Schlagzeile lese, komme ich nicht auf die Idee, dass hier ein Anschlag, ein Mord passiert ist, ich stelle mir zwei Parteien vor, die sich eine Schiesserei liefern.
Zu kleinkraemerisch?
Wer tut so etwas? Wer sieht, dass Kinder und ihre Eltern vor einer Schule stehen, und schiesst wahllos auf alles, was sich bewegt?
Und - bedeutet das jetzt im Klartext, dass noch mehr als bisher juedische Einrichtungen bewacht und geschuetzt werden sollten?
Ist es ein Einzelfall - was man klar mit nein beantworten kann - oder eher ein Zukunftstrend, dass sich Juden in Europa und eigentlich auf der ganzen Welt wieder mehr in Acht nehmen muessen?
In jedem Fall wird niemand das Leid der Eltern nachvollziehen koennen, da helfen auch keine Beileidsbekundungen oder Versprechungen, den Taeter so schnell wie moeglich ausfindig machen zu wollen.
Und - was mich wieder nachdenklich stimmt, dass schon Kommentare auf einigen Internetportalen der Zeitungen von der Redaktion gesperrt werden mussten. Warum wohl? Gibt es selbst bei diesem feigen Mord Stimmen, die in eine Richtung gehen, die in meiner Phantasie aufsteigen?

Montag, 19. März 2012

Mit Boellern und Hakenkreuzen gegen Israel?

Eine 40 jaehrige Frau naehert sich der israelischen Botschaft in Berlin und versucht einen Koffer voller Boeller (Boeller? ) sowie Zeitungen voller Hakenkreuze auf das Gelaende zu werfen. Sie wird festgenommen.
Ob ein rechtsextremer Hintergrund vorliegt, weiss man noch nicht. Es wird auch erwogen, dass es eine Linke Aktivistin gewesen sein koennte. HIER der Artikel bei n-tv.
Vor einer Woche hoerte ich noch in meiner naeheren Umgebung den Satz: "Man kann die "Geschichten" aus der Nazizeit aber auch nicht mehr hoeren. Irgendwann muss doch mal Schluss sein damit. "

Sonntag, 18. März 2012

Die Wohnung leert sich

Die Wohnung leert sich so langsam und nun wird es ernst und rueckt immer naeher. Ich kenne das Gefuehl ja bereits vom letzten Mal und doch ist es wieder anders.
Der letzte Shabbat in der eigenen Wohnung ist vorbei und nach Motzei Shabbat habe ich angefangen, es sehr sehr ungemuetlich zu machen hier um mich herum. Bilder abhaengen und Sachen zusammenraeumen, das letzte Paket packen, das ich mir selbst schicken werde und die wichtigsten Papiere und Dokumente sortieren. (Uebrigens kostet ein Paket nach Israel bis zu 10 kg 47 EUR!!)
Morgen - eine Woche vor der Ausreise - kann ich mich beim Einwohnermeldeamt abmelden. Die Abmeldung benoetige ich noch fuer einige vorzeitige Kuendigungen, z.B. beim Handy-vertrag und bei der Telekom fuer den Festnetzanschluss, sowie bei der GEZ.
Beide Telefongesellschaften haben mir ein faires Angebot gemacht, um vorzeitig aus dem Vertrag auszusteigen, anders als beim letzten Mal. (o2 ist gegenueber BASE hier wirklich zu empfehlen, Antwort kommt prompt und verstaendlich und inzwischen scheint es auch Vertraege zu geben, die monatlich kuendbar sind)
Am Donnerstag kommt ein second-hand-Unternehmen, einige Sachen abholen, die dann in deren Laden fuer kleines Geld verkauft werden. Und alles, was ich nicht abgeben konnte, wird dann am Freitag vom Sperrmuell abgeholt.
Freitag mittag ist Schluesseluebergabe mit der Nachmieterin und dann ziehe ich wohnungslos mit einem Koffer an der Hand zu einer Bekannten aus der Gemeinde, um dort die letzten Tage und Naechte und den letzten Shabbat zu verbringen, bevor es Dienstag dann Richtung Eretz Israel geht.
Meine Toechter treffe ich noch einige Male, sowie ein paar wichtige Freunde.

Es ist nie zu spaet - fuer gar nichts oder "Eretz Israel als Verjuengungskur"

Heute lese ich in "Israel hayom" von einem Mann, der am letzten Wochenende Alyia nach Israel gemacht hat. Er hat sich fuer seinen 100. Geburtstag einen Herzenswunsch erfuellt. Der Mann, Moshe Ledderman wanderte bereits von Polen, seinem Geburtsland nach Brasilien aus. Dort war er Mitglied einer kleinen juedischen Gemeinde in Recife.
Moshe sagt: "Auch wenn ich ein alter Mann bin, bin ich doch sicher, dass ich noch ein neues Leben in Israel beginnen kann.."
Natan Scharanski, der Vorsitzende der Jewish Agency (dessen eigene Geschichte sehr lesenswert ist) erklaert:

" Ich habe mehrere tausend neue Einwanderer getroffen, aber eines ist bei jedem bemerkbar, ob er 10 oder 100 Jahre alt ist, das Land Israel macht ihn jung!"

Mail von meiner Freundin aus Yerushalaiym

"...morgen kehren die Schueler im Sueden wieder in die Schule zurueck. Hoffen wir mal das Beste. Hier im Zentrum des Landes und im Norden laeuft das Leben wie immer, wie in jedem anderen Land auch. Das macht mich nachdenklich. Die Situation ist schmerzlich. Aber so ist der Lauf der Welt...."

Mittwoch, 14. März 2012

Die sogenannte Waffenruhe

Sie sieht so aus, dass heute abend schon wieder 3 Gradraketen auf Beer Sheva geworfen wurden. Zwei wurden vom Iron Dome abgefangen und 1 landete im Aussenbezirk.
Wenn jemand sich nicht vorstellen kann, wie man sich bei so einem Alarm fuehlt, der moege sich den Bericht von Ruth aus Beer Sheva durchlesen. Wirklichkeitsnaher geht es tatsaechlich nicht.

Die Kinder in Ashdod, Ashkelon, Beer Sheva und Kiriat Gat haben wieder schulfrei.

Was indessen passierte

Waehrend die Welt entsetzt auf die Eskalation in Israel schaute, und fleissig Israel beschuldigt, wenn es seine Buerger verteidigt, geht eine Meldung, auf die Yael in ihrem Blog "Zwischenwelten" aufmerksam macht, total unter. Im Irak werden in den letzten Wochen 90 junge Menschen gesteinigt, weil sie im sogenannten "Emostyle" gekleidet waren, zu westlich fuer die Moral, mit Nietenguerteln, engen Hosen und gefaerbten Haaren. Arme und Beine gebrochen und der Schaedel "bis zur Unkenntlichkeit zertruemmert"...... ich muss wohl nicht noch deutlicher werden?
Wer die Bilder aushaelt, kann es HIER in der Berliner Zeitung nachlesen.
Ein Grund mehr, warum die Menschenrechtsorganisationen oder die Linke auf die Strasse gehen koennten, oder?

Zurzeit gibt es auch Warnungen vor Attentaten auf Israelis, die auf tuerkischem Staatsgebiet geplant sein sollen.

Waffenruhe - wie lange?

Nach vier Tagen mit 300 Raketen, die von Gaza auf israelisches Gebiet niederregneten, ist nun Waffenruhe, und die Schueler in Ashkelon, Ashdod, Beer Sheva kehren in ihre Klassen zurueck.
An vier Tagen hat die Welt aufmerksam nach Israel geschaut, aber auch nur, weil die israelische Armee sich den staendigen Beschuss nicht mehr gefallen liess und einen Terroristen erschossen hat. Selbstverstaendlich war die Schlagzeile wie immer nicht etwa: Nach staendigem Beschuss des Suedens Israels konnte die israelische Armee heute einen der Maenner ausschalten, die fuer diese Angriffe verantwortlich sind, sondern "Angriff auf den Gazastreifen. Die israelische Armee toetet 5 Menschen. Als Antwort darauf beschiessen Palaestinenser den Sueden Israels."
Wie wird es weitergehen? Jetzt, nachdem relative Ruhe ist, wird die auslaendische Presse weiterhin auch die naechsten Raketen, die auf Sderot fallen oder vom Abfangsystem abgefangen werden, verzeichnen? Oder wird es wieder bis zur naechsten Eskalation dauern, bei der man dann wieder den israelischen "Angriff" auf die Menschen in Gaza an erste Stelle stellen kann?
Wer ausserhalb von Israel sieht wirklich den Beschuss, dem die Anwohner in Sderot und Umgebung ausgeliefert sind?
Wer registriert die staendige Angst der Menschen, die nahe am Gazastreifen wohnen?

Wer nun sagt: Dann sollen die Menschen doch dort wegziehen, dem kann man nur antworten: Ist es nicht genug, dass sich Israel 2005 (einseitig!) aus dem Gazastreifen zurueckgezogen hat?

Manchmal habe ich den Eindruck, diese Tatsache ist laengst vergessen.

In Lilas Blog sind die Ereignisse noch einmal synchron aufgefuehrt, fuer den, der es bereits heute beim Fruehstueck vergessen hat.

Dienstag, 13. März 2012

Waffenstillstand ab 1:00

In Kairo und Israel wird ueber einen Waffenstillstand gesprochen. Dennoch fielen heute morgen wieder 2 Raketen. Abwarten, was heute passiert.

Montag, 12. März 2012

Ashkelon - die Menschen kommen nicht zur Ruhe

Drei Kassamraketen ueber Ashkelon am heutigen Abend. IAF greift im Norden des Gazastreifens eine Terrorzelle an, von denen der Raketenbeschuss ausgeht.
Waehrenddessen geben aegyptische Diplomaten bekannt, sie erwarten einen Waffenstillstand innerhalb der naechsten 48 Stunden.
Warten wir den morgigen Tag ab.

40 Raketen heute, Montag, 12. Maerz 2012

ca. 40 Raketen fielen heute auf israelisches Gebiet, Richtung Ashkelon, Ashdod . Sogar bis Gedera, 40 km suedlich von Tel Aviv gelangten diea Geschosse.Die Chamas spricht von Beruhigung, der islamische Dshihad distanziert sich von einem Prozess, der Waffenstillstand zum Ziel haben koennte.
Das beweist einmal mehr, dass die Chamas zurzeit nicht Herr der Lage im Gazastreifen ist.
Eine Bodenoffensive von seiten Israels steht wohl anscheinend (noch) nicht zur Debatte.

Tagesschau und ihre Berichterstattung

Wenn man die Artikel der tagesschau liest, wird auch in etwa klar, warum die Berichterstattung in diese Richtung geht. (Israelis beschiessen den Gazastreifen, aus dem Nichts heraus, 15 Menschen sterben, - keine naehere Bezeichnung, dass dies keine Zivilisten waren - usw).
Es soll der Eindruck entstehen, dass Netanyahu all diese wagen Gruende nur anfuehrt, um endlich seinen Militaerschlag auf Iran begruenden zu koennen.
Leider berichtet die deutsche Presse auch nicht darueber, dass all die Raketen, die vom Iron Dome abgefangen werden, anderenfalls in dicht besiedeltem Wohngebiet niedergegangen waeren. Dort haette es - ich betone es noch einmal - dann NUR und AUSSCHLIESSLICH Zivilisten das Leben gekostet.

11 Raketen

Eine Rakete von vier, die in Richtung Beer Sheva abgefeuert wurden, hat das System Kipat Barsel (Iron Dome) abgeschossen. Die anderen fielen im freien Feld im Umkreis von Gaza. Die Chamas scheint nicht involviert zu sein. Haaretz berichetet von 2 getoeteten Terroristen des Islamischen Jihad durch die IAF. Wer sich genauer als durch die deutsche Presse informieren will, sollte HIER bei Haaretz nachschauen oder bei Jerusalempost, beide gibt es auf englisch.
Galej Zahal berichtet in hebr. Sprache.

Lesenswert ist auch das Blog ARO1, wo von der irrefuehrenden (? oder bewusst falschen??) Darstellung der ARD die Rede ist, die mir gestern auch merkwuerdig aufstiess. ARO1 hat leider recht, wenn er behauptet, dass die armen deutschen Zuschauer einfach keine Chance haben, sie halten die tagesschau fuer serioes, und verlassen sich darauf, dass Israel 15 Palaestinenser getoetet hat, ohne dass die Tagesschau genauere Angaben macht, dass dies allesamt Terroristen waren, die Angriffe auf israelische ZIVILISTEN (IMMER Zivilisten!!) vorbereiten!
Genau deshalb habe ich auch auf Haaretz (uebrigens eine linksgerichtete Zeitung in Israel, aber wenigstens steht dort mehr Wahrheit als in den deutschen) und Jerusalempost aufmerksam gemacht.

Auch serioes sind immer die Berichte von Ulrich Sahm bei n-tv, Ulrich wohnt in Jerusalem, ist also wirklich aus erster Hand informiert und nicht ueber Spekulationen und Falschmeldungen.
Er beschreibt in seinem Artikel auch die Gruende, warum die Chamas nicht sehr interessiert ist an einem groesseren Schlagabtausch mit Israel. Interessant zu lesen.

Zurzeit ist Ruhe

Seit zwei Stunden verzeichnet der Sueden Israels Ruhe, nachdem am heutigen Tage sage und schreibe 40 Raketen gezaehlt wurden.
Es wird berichtet, dies sei der Vermittlung Aegyptens zu verdanken.
Moege auch die Nacht ruhig bleiben und die Menschen im Sueden ein wenig Schlaf finden.

Zewa Adom - 15 sek. in Sderot

"Zewa Adom" heisst rote Farbe, und ist das Codewort in Sderot fuer einen Raketenalarm. In verschiedenen Staedten gibt es unterschiedliche Arten des Alarms, entweder Sirenen oder eine Stimme, die "Zewa Adom" oder andere Codesaetze durchgibt.
Bei einer Durchsage wie "Zewa Adom" in Sderot, haben die Menschen (aufgrund der Naehe zum Gazastreifen, von wo die Raketen abgefeuert werden) noch 15 sek. Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, in ihre Schutzraeume zu laufen, oder im Treppenhaus Schutz zu suchen, am besten nicht in der Naehe von Fenstern.
15 sek.! Wer nicht genau weiss, wie schnell sie vergehen, kann sich DIESEN FILM ansehen, und miterleben, was fuer die Kinder in Sderot Alltag ist.
HIER wird der Iron Dome erklaert.

Sonntag, 11. März 2012

Iron Dome - Kipat Barsel

Das, was sich seit Freitag im Sueden Israels abspielt, hat Lila sehr chronologisch und dezidiert wesentlich besser aufgelistet, als ich es jemals tun koennte, daher verweise ich auf ihre Beitraege, die sehr informativ und exakt sind.
Es ist nichts Neues, dass Staedte wie Sderot, Ashkelon, Ashdod und Beer Sheva u.a. immer wieder mit Raketen vom Gazastreifen aus beschossen werden. Die Menschen im Sueden sind gebeutelt, vor allem in Sderot ist kein normales Leben moeglich und die Menschen haben bei einem Alarm genau 15 sek. Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.
Von klein auf, sogar schon im Kindergarten, wissen die Kinder, wie sie sich bei einem Alarm vorschriftsmaessig zu verhalten haben, um sich moeglichst gut zu schuetzen.
Auch wenn es immer wieder heisst, dass es keine Verletzten gibt, und die Raketen oft im freien Feld landen, - den Psychoterror kann wohl niemand nachvollziehen. Angst, Panik, Schlafstoerungen und Depressionen werden erst gar nicht erwaehnt. Immer wieder wird Israel vorgeworfen, wenn bei Aktionen gegen Terroristen auch Zivilisten Opfer werden, aber niemand betont in Europa, dass die Raketen, die vom Gazastreifen aus auf Israel geschossen werden, AUSSCHLIESSLICH fuer Zivilisten bestimmt sind.

Nun gibt es seit einiger Zeit den "Iron Dome" (Kipat barsel), ein Raketenabwehrsystem, das im Sueden stationiert ist. Wird eine Rakete abgeschossen, rechnet das System innerhalb von Sekunden die Fflugbahn aus, die die Rakete nimmt. Falls die Rakete im freien Feld landen wird, wird nichts unternommen (aus Kostengruenden), falls jedoch die Bahn in ein Wohngebiet fuehrt, schiesst Iron Dome die Rakete, bevor sie landet in der Luft ab.
Dieses Abwehrsystem hat sich in den letzten Tagen sehr bewaehrt im Sueden Israels. Es gab eine 90 %ige Trefferquote.
Der Unterricht fiel heute im einigen Staedten des Suedens aus, und womoeglich wird dies auch morgen noch der Fall sein.

o2 zeigt sich sehr kulant

Meinen Handyvertrag mit o2 vorzeitig zu kuendigen, stellte ich mir wesentlich schwerer vor und auch viel teurer. Offiziell bin ich noch bis Juli 2013 gebunden, mit einem Vertrag, der Internetflatrate beinhaltet und mit ca. 30-35 EUR monatlich zu Buche schlaegt.
Nun habe ich aufgrund des Umzugs ins Ausland den Vertrag vorzeitig gekuendigt und man schrieb mir folgendes: Es sei keine ausserordentliche Kuendigung wegen Umzug ins Ausland in den AGBs vorgesehen, somit koenne der Vertrag nicht vor Juli 2013 gekuendigt werden. Man koenne mir jedoch trotzdem entgegenkommen und mir anbieten 1. eine Abmeldung vom Wohnort einzureichen, und 2. einen Einmalbetrag von 80 EUR zu bezahlen (pauschal 5 EUR Grundgebuehr pro Monat fuer die restlichen anfallenden Monate bis Juli 2013).
Damit bin ich doch recht gut bedient und vor allem bekam ich auf meine Fragen innerhalb von einem bis zwei Tagen eine Antwort.
Meine Ratenzahlung fuer das iPhone (25 EUR pro Monat) die auch noch bis Juli 2013 laufen wuerde, kann ich ebenfalls beenden, indem ich das iPhone abloese, d.h. die noch anstehenden 400 EUR auf einmal zahle. So bleibt mir in jedem Falle erspart, noch mehr als ein Jahr von Israel aus jeden Monat weiterzuzahlen.
Da bin ich mit Base vor 3 Jahren wesentlich schlechter gefahren. Eine vorzeitige Kuendigung wollten sie gar nicht akzeptieren, nicht mal mit einer Abmeldung vom Wohnort, und es gab keinerlei Kulanzangebot.
Es kann sein, dass zurzeit ein Umdenken stattfindet, bzgl. der langen Vertraege, denn o2 bietet jetzt auch Vertraege an, die monatlich kuendbar sind. Das ist zeitgemaess und wirklich vernuenftig.

Bezalel - Inbegriff des wahren Kuenstlers

Auszuege aus dem Buch von Rav Benjamin Lau (Etnachta)

Nachdem es in den letzten zwei Parashot haShavua um die genaue Beschreibung der Errichtung des Mishkan ging, betritt in dieser Woche der die Buehne, der das Projekt ausfuehren soll.

Siehe, ich berufe mit Namen Bezalel, Sohn Uris, Sohns Churs vom Stab Jehuda.
Ich fuelle ihn mit G-ttesgeist
in Weisheit, in Geschick, in Kenntnis,
in allerhand Arbeit Planungen zu planen,
sie zu machen in Gold, in Silber, in Erz
im Schnitt von Steinen zum Einfuellen, im Schnitt von Holz
sie in allerart Arbeit zu machen. (Uebersetzg.Buber/Rosenzweig)

"Bezalel" wurde zu einem juedischen Markenzeichen fuer Kuenstler. Als die Schule "Bezalel" durch den Bildhauer Boris Schatz gegruendet wurde, Anfang des 20. Jhdts. ,wurden seine Aufgaben wie folgt beschrieben: "Israelische Juden im Handwerk foerdern, Kuenstlerinnen und Kuenstlern Ausdruck des freien Geistes ermoeglichen."
Die Wahl Bezalels, als Ursprung der Inspiration fuer urspruengliche Kuenstler erweckt in uns Fragen. Denn die Anleitung des Baus des Mishkans war bis ins Letzte vorgeschrieben. Also lag lediglich die Ausfuehrung in Bezalels Haenden. Er war ein wunderbarer Kuenstler, aber womit hat er verdient, ein Modell fuer jeden israelischen Kuenstler zu sein?
Im Talmud gibt es eine These, warum Bezalel zu dieser Ehre kam."G-tt hatte Moshe angewiesen, er solle zu Bezalel sagen: Mache mir das Mishkan, den Schrein und die Gefaesse". Moshe ging zu Bezalel und verdrehte die Anweisung. "Mache mir einen Schrein und Gefaesse und ein Mishkan." Da antwortete ihm Bezalel: Moshe, unser Lehrer, Fuehrer der Welt - der Mensch baut ein Haus und danach setzt er die Gefaesse hinein, und du sagst: Mach mir einen Schrein, Gefaesse und ein Mishkan? Gefaesse, die ich mache, wohin soll ich sie stellen? Hat nicht G-tt zu dir gesagt, : mach mir ein Mishkan, einen Schrein und Gefaesse?" Moshe antwortete ihm: Warst du im Schatten G-ttes (beZel El) dass du es wusstest!?

Eine Erklaerung fuer einen freien urspruenglichen Kuenstler ist dies dennoch nicht, nur fuer eine organisierte Weisheit.
Harav Kuk schrieb zur Eroeffnung der Bezalel-Schule seine Glueckwuensche.

"...das kleine geliebte Maedchen die liebe Tochter, die nach langer zehrender Krankheit mit kalkblassem Gesicht und blauen Lippen, Fieber wie ein Ofen und Schuettelfrost ihre Augen oeffnet, ihre Haende bewegen sich, die duennen Knochen gehen hin und her, eine kranke Stimme erklingt: Mama, Mama, die Puppe, gib mir die Puppe, die suesse Puppe, ist es doch so lange her, dass ich sie gesehen habe." Die Stimme der Freude, und alle anderen freuen sich auch. Vater, Mutter, Brueder und Schwestern und auch die Alten.... Shoshana die Kleine bittet um die Puppe, G-tt sei dank - ein gutes Zeichen....

In den Augen des Rav Kuk ist "Bezalel" ein Ort, wo sich der Geist des Menschen erhebt. Jahre der Krankheit liessen das Judentum ein Leben des physischen Ueberlebens fuehren. Und erst die Rueckkehr nach Zion erweckt die Kranke, sie sucht nach ihrer geliebten Puppe.
Auch dieser Brief des Rav Kuk spricht nur ueber eine ausgefuehrte Kunst, nicht ueber ein urspruengliches freies Erschaffen.

Und noch einmal der Talmud: Sagt Rabi Jehuda, Bezalel konnte Buchstaben, aus denen der Himmel und die Erde erschaffen wurden, zusammenfuegen.....und er war erfuellt mit g-ttlichem Geist, mit Weisheit, mit Einsicht und mit Wissen.....

Bezalel ist also nicht nur ein ausfuehrender Unternehmer, sondern ein Koenner, der Einsicht in die Tiefen der g-ttlichen Kreationen hat. Der Midrash beschreibt die drei Eigenschaften, mit denen Bezalel gesegnet ist: חכמה, תבונה, דעת (Weisheit, Einsicht und Wissen)
Im Abschnitt des Buches "Sprichwoerter" werde die drei Eigenschaften des Bezalel mit G-tt selbst verglichen.
Raschi erklaert die drei Eigenschaften als drei Richtungen der Fuelle, mit denen der Mensch sich anreichert.

...mit Weisheit - das was der Mensch von anderen hoert und daraus lernt
...mit Einsicht - das, was er in seinem Herzen versteht, von den Dingen, die er gelernt hat
...mit Wissen - heiliger Geist

Es gibt hier drei Stufen
1. Einer, der weise ist und von jedem Menschen lernt.
Offenheit und Neugier, Erfuellung mit allem, was dich umgibt, offene Ohren und ein offenes Herz fuer alles was sich ereignet, all das gibt dem Menschen Weisheit.

2. Nachdem der Mensch Weisheit erworben hat, beginnt die Stufe der Aussortierung. Einsicht erfordert eine Betrachtung. Was ist wuerdig, und was weniger? Was ist das Wichtigste, und was nebensaechlich?
Aber Weisheit und Einsicht reichen nicht aus, um den Menschen am Schoepfungswerk von Himmel und Erde zu beteiligen. Die 3. Ebene von Bezalel aehnelt der des Schoepfers, das "Wissen", oder in Rashis Worten "heiliger Geist"
Anders ausgedrueckt, kann man sagen, dass ein freier urspruenglicher Kuenstler etwas innehat, was ueber das Material und die Zusammenstellung hinaus geht. Es gibt etwas Zusaetzliches, das ihn zu einem "Anderen" werden laesst. Es gibt auf der Welt viele Kuenstler, aber nur wenige mit einem freien Geist, die in sich Weisheit, Einsicht und Wissen vereinen.
Bezalel - der im Schatten G-ttes (beZel El) stand, verdiente es, Modell fuer diesen Geist zu sein, der den weisen und einsichtigen Menschen zu einem Mitwirkenden seines G-ttes beim Schoepfungswerk macht.

Mittwoch, 7. März 2012

Purim - Amalek, Haman und die Erben

Purim.

Amalek, Haman, Hitler, Achmadinedschad und mehr, die es nicht deutlich aussprechen, aber genauso unsere Vernichtung wuenschen.

Die Geschichte ist voll von ihnen, die das juedische Volk lieber tot als lebendig sehen. Und einige von ihnen sagen es nicht so klar wie andere, und haben sogar die Chuzpe, sich nach der Vernichtung hinzustellen und zu sagen: "Wir trauern um die Opfer."

Es gibt auch politische Parteien, ohne Namen zu nennen, die einerseits mit Vehemenz dazu aufrufen "Kauft nicht von Israel (kauft nicht beim Juden!)!" , die Demonstrationen gegen Israel aus dem Boden stampfen, aber heute jeden Tag zusehen, wie Syrer abgeschlachtet werden von der eigenen Regierung, ohne einen Aufruf zum Protest.

Andererseits, wenn man ihnen ihren Antisemitismus (aeh, Verzeihung, Antiisraelismus...) vorhaelt, werden sie boese und laut und verkuenden:" Gerade UNS bezichtigt ihr des Antisemitismus? Gerade UNS? Wo wir doch so unglaublich gute Beziehungen zu juedischen Gemeinden halten, wir sind quasi mit jedem Vorstand auf DU und DU. Wir bedauern die Opfer des Holocaust, also wer will UNS an die Karre? Wir kennen sogar persoenlich Juden, die selbst gegen Israel schimpfen!"

Ja, das alles gibt es. Wobei mir die, die es offen aussprechen, oder die die Springerstiefel tragen, fast lieber sind als - wie drueckte es ein guter Freund aus? "die, die nebenan wohnen, die mit den beigefarbenen Gardinchen vor dem Kuechenfenster...."

Versteckt oder offen, es gibt sie immer noch die Hamans, die Amaleks, und solange es Juden gibt, wird es auch Judenhasser geben.

Was wuerde die Welt wohl ohne Juden machen? Wenn der Traum in Erfuellung ginge, wenn es Israel irgendwann nicht mehr gaebe und der letzte Jude auch aus USA verschwinden wuerde, waere dann das grosse Friedenshindernis aus der Welt geraeumt? Koennten dann die Menschen aus Europa mit Wohlwollen und mit Laecheln in den Nahen und Mittleren Osten schauen, und alle wuerden in Frieden miteinander leben?

Haman und seine unzaehligen Nachfolger erinnern uns aber auch daran, dass wir wachsam sein muessen, denn die, die uns umgeben sind es nicht fuer uns. Sie spielen es herunter, weil "der Jud" paranoid ist, er uebertreibt, er sieht Gefahren wo gar keine sind.

Nein, niemand wird fuer uns Wache stehen, (ausser einem, dessen wir uns GANZ sicher sein koennen). Wir muessen selbst wachsam sein und die kleinen Andeutungen sehr ernst nehmen. Das ist unsere einzige Ueberlebensstrategie.

Purim sameach an Alle

Purim sameach

Ich denke an Purim im letzten Jahr und betrachte die Fotos der Freunde aus Jerusalem. Wie schoen, dass ich sie bald wieder umarmen kann und mit ihnen Pessach feiere.

Im letzten Jahr, 2011 war ich kurz vor Pessach gerade wieder aus Israel hier gelandet. Ich musste arbeiten, schwer arbeiten in einem Altenheim als Krankenschwester, mein erster Beruf.

Ich hatte dann zwar an Pessach frei, aber die Synagoge war so weit weg, dass ich nicht dorthin laufen konnte, und mitten in der Nacht wieder zurueck. Der einzige, der sich um mich gesorgt hat, wo ich sein werde, mit wem ich feiern werde, war der Rabbiner von Chabad. Auch wenn ich seine liebe Einladung nicht annehmen konnte, aufgrund der Distanz, hat mich sein Anruf auf meinem Handy unglaublich gefreut. Da war jemand, der sich Sorgen machte, es koenne ein Jude zu Pessach allein sein, was nicht gut ist.

Ja, aber ich war dann tatsaechlich allein. Bin allein in Gedanken aus der Sklaverei in die Freiheit gezogen, habe die Pessach-aggada allein gelesen und allein gegessen und getrunken.

Der Satz, der mich am meisten troestete, war der, dass G-tt zu Pessach immer dort ist, wo er am meisten gebraucht wird.

ER und ich am Tisch, das war mehr als Trost.

Und ich fragte mich: Wie soll das weitergehen? Wo werde ich naechstes Pessach sein?

Dass ich wieder in Jerusalem sein wuerde, war so weit weg.

Von der Sklaverei in die Freiheit.

Und nun wird es doch wahr.

Dienstag, 6. März 2012

Die Juden waren Suendenbock, sind Suendenbock und werden Suendenbock bleiben...

Sieht man sich ab und zu die Kommentare auf diversen Internetseiten an, zum Thema Iran und die Bedrohung, die von einem mit Atomwaffen bestueckten Iran ausgeht, weiss man schon jetzt, was passieren wird, und wer beschuldigt werden wird, am Ende, falls es einen Angriff auf den Iran gibt, oder falls etwas anderes vom Iran gegen Israel geschieht (ich will mich da nicht naeher ausdruecken).
Hier ein Kommentar von der Internetseite des Spiegels, der sicher stellvertretend fuer viele in Deutschland steht.

Ist es nicht auch berechtigt, dass der Iran sich verteildigen möchte gegen tägliche Drohungen der Israelis und der Amerikaner? Haben sie sich ausserdem mal die Frage gestellt, wer eine Interesse an einem Konflikt mit dem Iran hat? Kann das etwa die ÖLINDUSTRIE ODER DIE WAFFENLOBBY in DEN USA sein ?? DENKEN Sie mal darüber nach!

Sonntag, 4. März 2012

Der Geruch des Landes Israel

Ich freue mich auf den Geruch des Landes, wenn ich aus dem Flughafengebaeude kommen werde. Das Land Israel hat einen ganz eigenen Geruch, der sich von dem in Deutschland ganz deutlich unterscheidet. Es gibt Menschen - und zu denen gehoere ich - die diesen Duft lieben und der sie gesund werden laesst, an Koerper und Seele.
Jerusalem hat darueber hinaus einen anderen Geruch als Tel Aviv oder andere Staedte. Dieser ist fast ein wenig "muffig", man koennte meinen, die alten Mauern geben diesen Geruch ab und versetzen alle Besucher in eine besondere "antike" Stimmung. Sie haben ja soviel zu erzaehlen, Freud und Leid, Blut und Gewalt, Gold und Trauer, Lachen und Kampf.
Ich freue mich auf den Geruch des Landes, der den Kommenden sofort empfaengt, und auf das Schild "Bruchim haBaim" (Herzlich willkommen, gesegnet seien die Kommenden) am Eingang der alten Stadt auf dem Berge.

Freitag, 2. März 2012

Shabbat shalom - שבת שלום

Der Shabbat ist ein Geschenk an uns. Er hilft uns, neue Kraft fuer die kommende Woche zu sammeln, uns zu zentrieren, wieder zu spueren, wer wir wirklich sind und frei zu sein von allen Erledigungen und weltlichen Pflichten. Wir haben das Privileg uns voll und ganz unserem spirituellen Wachstum zu widmen, der Seele das zu geben, wonach sie ruft und die Beziehung mit unserem G-tt zu pflegen. Um die spirituelle Kraft zu haben, ein wenig tiefer in das Verstaendnis der Tora zu tauchen, bekommen wir die zweite zusaetzliche Seele mit dem Beginn des Shabbat. Mit ihrer Hilfe kehrt die Ruhe ein in jedes juedische Haus. Shabbat shalom!

Donnerstag, 1. März 2012

Meine Gedanken zu Jossi Goldmans Dwar Tora

Ich sitze hier und denke ueber Jossi Goldmans Worte nach. Es klingt so einfach - und doch ist es so furchtbar anstrengend, eine Juedin zu sein, die ihre Identitaet ernst nimmt, sich aber unter einer ueberwaeltigenden Mehrheit an Nichtjuden befindet. "Stell dich nicht so an" oder "da kannst du doch einmal eine Ausnahme machen.." oder "glaubst du, der liebe G-tt misst deine Guete daran, ob du einmal den Lichtschalter nicht betaetigst am Shabbat", all diese Einwaende werden viele kennen, die mehr von sich und ihrem juedischen Alltag preisgeben als das Noetigste.
Ich gebe Jossi Goldman recht, dass es in einem hohen Masse darauf ankommt, wie verbissen, oder wie ganz natuerlich und dennoch geradlinig man die Eigenarten und Anforderungen seiner juedischen Identitaet transportiert. Verbissenheit bis zur Zwanghaftigkeit, womoeglich mit einem duesteren Gesicht kann kein Verstaendnis hervorbringen. Und das ist es ja auch nicht, was das Judentum kennzeichnet. Mit Leichtigkeit und Lebensfreude, ganz selbstverstaendlich leben wir unseren juedischen Alltag. Man kann am Tisch eine Bracha sehr dezent, kurz und leise sprechen, ohne sich dabei verstecken zu wollen. Andererseits kann man aber auch seinen Mitmenschen maechtig auf die Nerven fallen mit einer aufdringlichen Demonstration der juedischen Gesetze. Hierbei muesste man sich die Frage gefallen lassen: Wofuer brauche ich das? Wem will ich etwas beweisen?
Ich kann mich unterscheiden, ohne mich bissig abzuwenden von der Umwelt.
Und doch kann ich - und muss ich - meine Grenzen achten und so meine Identitaet nicht verlieren oder verwaessern mit dem, was meine Umgebung fuer "normal" erachtet. Ich kann anders sein, ohne das staendig zu erwaehnen.

Dennoch - ich behaupte, dass es grosse innere Staerke und eine religioese Sicherheit und Standfestigkeit erfordert, um das Leben in der Galut in angemessener Weise meistern zu koennen.
Mein Rabbiner sagte einmal zu mir: "Denk mal an Awraham. Er war wahrhaft allein, unter Goetzenanbetern und dennoch so stark, sich in dieser nichtjuedischen Umgebung weiterzuentwickeln, nicht vom Weg abzuweichen, egal, was um ihn herum geschah."

Der Punkt ist, dass Awraham das geschafft hat, und dass ich nicht Awraham bin. Ich bin weit davon entfernt, mich mit erhobenem Kopf durch das Dickicht der anderslebenden Umgebung zu kaempfen. Und ich bin ein kleines Licht, das sehr angewiesen ist auf eine Menge geistigen Inputs, damit ich mich spirituell weiterentwickeln kann. Das geht nicht nur ueber Buecher, im direkten Kontakt zu Menschen, die eine tiefe Verbindung zu G-tt haben und zur juedischen Identitaet, nimmt man mehr und auf andere Weise auf, als das reine theoretische Lernen bieten kann. Ganz vereinzelt bin ich hier in der Galut auf diese Menschen gestossen, aber sie sind rar und schwer zu finden. In Israel hingegen gibt es fuer Menschen wie mich, die noch so viel tiefer in das juedische Leben eintauchen moechten, an jeder Ecke Lehrstuben, Shiurim und Rabbiner, die Freude an Gerim haben und ihnen die erforderliche Hand reichen, damit aus den kleinen zarten Pflaenzchen, die wir sind, vielleicht eines Tages starke Baeume werden, denen der Sturm so leicht nichts anhaben kann.
Daher gebe ich zu, dass ich fuer die Galut, fuer das Leben unter den "anderen" Voelkern, einfach geistig zu schwach bin. Vielleicht ist es mir aber auch zu anstrengend, muehsam nach diesem Input ausserhalb von Israel zu suchen, und freue mich ueber das geistige Schlaraffenland, wo uns die spirituelle Nahrung und die Fruechte fuer die juedische Seele einfach so auf dem Weg in den Mund wachsen.

Parashat Tezawe - eine Uebersetzung des Artikels von Jossi Goldman

Identitaet oder „nicht existieren“?

In erster Linie Juden, und erst danach Buerger der großen weiten Welt.

Heutzutage isolieren uns nicht mehr die Tore der Ghettos vom Rest der Welt. Wir befreunden uns mit den Voelkern der Welt und machen mit ihnen taeglich Geschaefte. Wir haben uns absolut an die westliche Kultur gewoehnt und die Frage, die bleibt ist folgende: Wie ist es moeglich, unsere juedische Identitaet zu bewahren und zugleich Buerger der großen Welt zu sein, vor allem im Hinblick darauf, dass diese Welt sich dem Judentum gegenueber ignorant, ja sogar feindlich verhalten kann.
Wir lesen im Wochenabschnitt „Tezawe“ über das reine Olivenoel, das Mosche Rabbenu auf Befehl G-ttes besorgen soll, um damit die Menora im Zelt der Begegnung anzuzuenden. Der Lubavitcher Rebbe lehrt uns eine grundlegende Formel für das Oel. Wenn wir sie lernen, sind wir in der Lage, in einer fuer jeden Juden herausfordernden Umgebung ein erfolgreiches Leben als stolze Juden zu fuehren.
Es gibt beim Oel ein Paradox. Auf der einen Seite verteilt es sich sehr schnell, wenn es in die Erzeugnisse eindringt, mit denen es in Beruehrung kommt. Habt ihr mal versucht, den Ueberschuss an Oel von Pfannkuchen aufzusaugen? Mit Erfolg? Dann Glueckwunsch. Sekundenschnell werden das Papier oder die Serviette mit Oel durchtraenkt. Auf der anderen Seite, wenn wir Oel mit anderen Fluessigkeiten mischen, bleibt es hartnaeckig an der Oberflaeche. Es will sich einfach nicht mit anderen Fluessigkeiten vermischen. (Ich erinnere mich an die Zeit in der Jeschiwa, als ein Zimmernachbar keine Chanukkia hatte. In Windeseile besorgte er acht Flaschen, goss das Wasser fast komplett aus, und fuellte in jede ein wenig Oel. Ich war wie bezaubert, als ich sah, wie das Oel an der Oberflaeche des Wassers trieb, oder als er die Dochte hinzufuegte und sie anzuendete, fast wie ein Zaubertrick! Ein modernes Chanukkawunder)

Wie das Oel, so finden sich auch die Juden oft vermischt in einer großen Palette von Kreisen, auf gesellschaftlicher, geschaeftlicher, buergerlicher, politischer oder Gemeindeebene. Und da ist absolut nichts Schlimmes dran. Aber zugleich muessen wir uns immer daran erinnern, niemals unsere Identitaet zu verlieren. Niemals duerfen wir uns derart vermischen, dass unsere juedische Persoenlichkeit verschwindet oder sich verringert. Oft spueren wir einen starken Druck – sei es tatsaechlich oder eingebildet – uns gemaess der allgemein ueblichen Normen unserer Umwelt zu verhalten. Dabei ist es auch eine Tatsache, dass andere uns ausgerechnet mehr schaetzen, wenn wir uns selbst ehren und ernst nehmen. Wenn wir unseren eigenen Werten und Grundlagen gegenueber Verachtung demonstrieren, koennen andere Voelker sogar fuerchten, dass wir eines Tages auch sie verraten. Hier ein Beispiel: In jeder groesseren Stadt in der ganzen Welt gibt es einige koschere Restaurants, voll mit juedischen Geschaeftsleuten, die ihre nichtjuedischen Kollegen zum Essen einladen, Kunden, oder potentielle Kunden. Bestimmte Transaktionen sind erfolgreich, andere weniger, aber alle kommen im Endeffekt klar und die Geschaefte nehmen Formen an.
Es ist also moeglich, gesellschaftlich und sozial zu sein, ohne seine eigenen Prinzipien aufzugeben. Die meisten Menschen werden sich freuen, mit den Beduerfnissen oder Empfindlichkeiten anderer vertraut zu werden. Es scheint mir, dass es die Juden sind, die sich mehr ueber die Erreichbarkeit von guten kosheren Restaurants aufregen. Unsere Aengste, offen auf die Anforderungen unserer Religion zu bestehen, sind oft grundlos und uebertrieben. Unter der Bedingung, dass wir dies in einer respektvollen Form tun, konsequent und geradlinig, wird dies unsere Kollegen eher beeindrucken, und fuehrt zu einem groesseren Vertrauen uns gegenueber, mehr als jeder Geschaeftsbereich das erreichen kann.

Ein befreundeter junger Arzt wurde eines Tages zu einem Militaereinsatz nach Suedafrika einberufen. Es war offensichtlich, dass er religioes war, er trug eine Kippa und einen langen Bart. Der Bart aber entsprach nicht den Vorschriften des Militaers, und nur mit grossen Schwierigkeiten schaffte er es, eine Ausnahmeerlaubnis zu bekommen, sich nicht rasieren zu muessen. Dieser Freund hatte nicht nur in keiner Weise die Militaerordnung „gestoert“, sondern sich sogar mit Hingabe und Geradlinigkeit seiner Aufgabe gewidmet. Am Ende seines Einsatzes bekam er eine Auszeichnung vom seinem Vorgesetzten. Dies war „Kiddush Shem Shamaim berabim“ (in hoher Weise den Namen G-ttes heiligen) durch einen stolzen Juden, der Mizwot haelt und der sich in einer so gar nicht juedischen Umgebung aufhaelt.
Kompromisse im Bezug auf unsere Werte und Grundprinzipien sind der sicherste Weg, an Achtung zu verlieren. Dabei sehnen wir uns doch so nach Achtung durch die uns umgebenden Menschen. Auf eine sehr feine Art, mit Stolz und Selbstachtung ernten wir Wertschaetzung und Bewunderung durch unsere Umgebung, durch Juden – und Nichtjuden! Dies ist eine bewiesene und erprobte Methode.
Alles, was du tun musst, ist vom Oel zu lernen. Oeffne dich und baue Beziehungen mit dem Rest der Welt auf, aber erinnere dich immer an deine Einzigartigkeit. Unterscheide dich und sei stolz, und wisse, wo du deine Grenzen setzen musst.

Jossi Goldman (Originaltext HIER auf den Chabadseiten)

Schnee auf meiner Stadt - שלג על עירי

In Anbetracht der Schneelandschaften im Norden Israels, HIER ein wunderschoenes Lied gesunden von "Schokolad Menta Mastik". (Text und Melodie: Naomi Shemer)
Die Bilder sind aus Kiriat Arba (Hebron) 2007/2008

Schnee auf meiner Stadt
ruht die ganze Nacht
in die warmen Laender
ist mein Geliebter gegangen
Schnee auf meiner Stadt
und die Nacht ist kalt
aus den warmen Laendern
wird er mir eine Dattel bringen.

Honig der Feige
die Suesse des Karob (Johannisbrotbaum)
Kamele beladen mit all dem Guten
hierher wird zurueckkommen die Sonne meines Herzens
und von dort bringt er mir einen goldenen Apfel

Schnee ruht auf meiner Stadt
wie ein Tallit
was hast du mir aus den heissen Laendern
mitgebracht?
Schnee auf meiner Stadt
Schnee auf meinem Gesicht
und in allen Fruechten steckt meine Sehnsucht


Das Lied soll anscheinend nicht nur ein junges Maedchen beschreiben, dessen Liebster weit weg ging, sondern auch das Volk Israel symbolisieren, das sich in der Galut nach Eretz Israel, nach dem warmen Land sehnt, und durch das Essen der Fruechte aus Eretz Israel (vielleicht an Tu beShwat) wird die Verbindung mit Israel gefunden.