Dienstag, 29. Mai 2012

Die ersten zwei Arbeitstage

Der erste Tag war furchtbar anstrengend, obwohl ich so gut wie nichts getan habe, ausser zu lernen, wo welche Steine liegen, wie man die Diamanten morgens aus dem Tresor holt und wieder in die Schaukaesten drapiert, wie man den Kunden die Rechnung macht mit Preisnachlass usw.
Wir sind eine Filiale der Diamantenboerse in Ramat Gan (Tel Aviv), daher gibt es Haendlerpreise, oft 40 %. Das lohnt sich also. Man verliert so jede Dimension fuer das, was teuer ist. 
Da ist es natuerlich ein Unterschied, wenn man statt 10.000 EUR "nur" 6000 EUR fuer einen Ring zahlen muss.

Mir wird es immer fremd bleiben, wie man fuer einen Ring am Finger soviel ausgeben kann wie fuer einen Kleinwagen. 
Heute hatte ich bequemere Schuhe an, und der Ruecken tat nicht mehr so weh.
In den naechsten Tagen werden ein paar deutsche Gruppen erwartet, und da komme ich dann zum Einsatz. Der Gruppe wird erklaert, was es fuer Diamanten gibt, dass das Gewicht in Carat angegeben wird, dass Diamanten nach 4 Kriterien beurteilt werden (Schliff, Farbe, Gewicht und Klarheit), um ihnen dann zu "ermoeglichen", Diamantschmuck zu erwerben. 
Ich werde am Donnerstag von meinen geliebten Freunden wegziehen in ein Zimmer einige Strassen weiter. Eine Frau aus Norwegen, die ebenfalls vor 20 Jahren zum Judentum uebergetreten ist, vermietet dieses Zimmer. 
Dies ist eine kleine Notbremse fuer mich. Ich moechte mindestens einen Monat abwarten, um zu sehen, ob man zufrieden mit mir ist und ich weiter dort arbeiten kann, bevor ich eine kleine Wohnung suche. 
1500 Shekel fuer das Zimmer sind irgendwie immer zu verdienen, aber eine "richtige" Wohnung wird schon um die 2500-2800 Shekel kosten. 
Ich werde heute wieder frueh ins Bett gehen, um Kraft fuer den morgigen Tag zu sammeln. 

Freitag, 25. Mai 2012

Shawuot

Shawuot - ich liebe dieses Fest, das auch und im besonderen "unser" Fest ist, das Fest der Gerim, der zum Volk Israel Uebergetretenen. 
Ich sehe meine Seele in Gedanken an Shawuot immer am Har Sinai stehen, gemeinsam mit dem ganzen Volk Israel, nach Ueberwindung von Raum und Zeit. Dort steht sie und weiss schon damals, dass irgendwann die Zeit gekommen ist, dass ich verstehe und begreife, wo mein wirklicher Platz ist. Sie weiss bereits, dass irgendwann in meinem Leben ein Einschnitt sein wird, ein neuer Lebensabschnitt mit einem Volk, das von Anfang an das Volk meiner Seele war und immer bleiben wird. Ich bin heimgekehrt zu diesem Volk und meine Seele freut sich, fuehlt Genugtuung und kann endlich ruhig sein. 
Ich habe den Weg gefunden und bin ihn mit Freude und Aufregung gegangen. Ich habe einige Opfer dafuer gebracht, aber das Ziel war es wert. 
Und was noch wichtiger ist: dieses Volk, mein Volk, hat mich mit offenen Armen und mit einem Laecheln empfangen, aufgenommen als gleichwertiges Mitglied, als Schwester und Freundin. 
Dafuer danke ich. 
Ich freue mich auf das aufregende Fest, an dem wir auch die Megillat Ruth lesen. 
Ruth ist zum Volk ihrer Schwiegermutter uebergetreten, sie hat die bedeutungsvollen Worte gesprochen: Dein G-tt ist mein G-tt und dein Volk soll mein Volk sein!
Und so sage ich mit vollem Herzen und aufrichtigem Geist: Euer G-tt ist mein G-tt und euer Volk ist nun schon eine ganze Zeit auch mein Volk. Ich werde immer tief verbunden sein mit diesem Volk, bei dem ich wohnen darf!
Chag Sameach! Ein wundervolles Fest!

Arbeit! Mit neuer Hoffnung und Kraft ins Shawuot-wochenende

Dieser Eingang wird ab Montag meine neue Arbeitsstelle sein. Ein Diamantengeschaeft in der "King David-Street" in Jerusalem. 
Heute morgen bekam ich den Anruf von meiner Chefin in spe, die mir mitteilte, dass der Poligraph-test positiv verlaufen ist und ich am Montag (direkt nach Shawuot) anfangen kann. 
Auf meine Initiative hin haben wir einen Arbeitsversuch vereinbart, von ca. einem Monat. In dieser Zeit werden wir gegenseitig sehen, wie ich mich anstelle und ob ich die Arbeit schaffe. 
Ich hoffe sehr, dass es dieses Mal klappt und ich den Stoff schnell aufnehme. Es ist nicht wenig, was man ueber Diamanten wissen muss, und ich habe schon angefangen, im Internet zu suchen, um ein wenig Basis zu bekommen. 
Die Arbeitszeiten sind nicht guenstig. Ich muss von 9 Uhr bis 6.30h arbeiten und Freitags bis 13h. 6 Tage in der Woche also. 
Dafuer hat die Chefin angemerkt, dass sie - falls einmal weniger zu tun ist, uns auch eher nach Hause schickt. 
Das Gehalt ist etwas besser als das Gehalt einer Sozialarbeiterin hier, in etwa 1000 EUR, umgerechnet. 
Weiter gibt es ab einer bestimmten Summe verkaufter Schmuckstuecke Provision, woran ich aber erstmal nicht denke. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ich jemandem ein Schmuckstueck fuer 10.000 EUR verkaufe. Diese Welt der Reichen ist mir noch nicht gelaeufig. 
Ich kann mir dennoch vorstellen, dass es Spass macht, sich mit Diamanten zu beschaeftigen, es ist einfach auch mal etwas Erfreuliches, nach mehr als 14 Jahren mit dem Thema Drogenabhaengigkeit und ihren wirklich furchtbaren toedlichen Begleiterscheinungen. 
Manche werden staunen, dass man als Sozialarbeiterin hier knappe 1000 EUR verdient, in Deutschland hingegen wesentlich mehr. (2-3mal soviel brutto! Zuletzt habe ich mehr als 3000 EUR brutto als Sozialarbeiterin in Deutschland verdient)
Geld ist aber nicht alles, und ich bin gluecklich, nun eine Basis zu haben um in Jerusalem bleiben zu koennen. 
Die Wohnungssuche verschiebe ich noch einen Monat, da ich erst sicher sein will, dass man mit mir zufrieden ist und dass ich bleiben kann in der "Diamantenmine".
Daher werde ich wohl das Angebot einer netten Frau annehmen, die nicht weit von der Geman Colony ein Haus gemietet hat. 
Sie kommt urspruenglich aus Norwegen und ist ebenfalls vor vielen Jahren konvertiert. Es gibt noch ein Zimmer in ihrem Haus, freundlich, hell und mit kleiner Terrasse, das sie vermieten will fuer nicht viel Geld. 
Ich freue mich auf Montag. Dann wird mein erster Arbeitstag bei der neuen Arbeit in der "Diamantenmine" sein!
Der grosse Druck der Suche ist erst einmal weg und ich freue mich, wieder ruhig schlafen zu koennen. 

Morgen ist der letzte, der 49. Omertag - ein Vorgriff

Betrachtungen darueber, wie ich mein Leben beherrsche. 

Schau dir die Liste an, die du waehrend der "spirituellen Reise" erstellt hast. Lese sie noch einmal konzentriert!
Wiederhole sie, und entschliesse dich, von jetzt an spirituell zu wachsen. 
Welchen Weg findest du, dich selbst zu staerken?



Diese Reise kann sicher jedes Jahr neu wiederholt werden, denn nie werden wir aufhoeren mit dem Versuch, geistig zu wachsen und uns spirituell zu veredeln. Es wird immer Rueckfaelle geben und jedes Jahr neu sammeln wir Kraefte, um weiterzumachen. 
Der Kalender wird nie ueberholt oder veraltet sein, denn wir sind nicht perfekt. 
Es ist nicht so furchtbar, nicht perfekt zu sein, aber es waere schade, wenn wir nicht immer wieder versuchen, bessere Menschen zu werden, die Licht und positive Funken in unserer Umgebung verteilen und uns daran erfreuen. 
Ich wuensche allen einen guten Shabbat und direkt danach ein wundervolles Shawuotfest!

Hayom Arbaim veShmone Jamim laOmer - heute ist der 48. Omertag

Betrachtungen meiner sozialen Kontakte
Ich betrachte mich selbst hinsichtlich der sozialen Kontakte, die ich habe, oder die ich nicht habe.
Spirituelle Uebung:
1. Habe ich Freunde?
2. Wie gut ist die Verbindung zu ihnen? Ist es eine oberflaechliche Verbindung, oder ist sie tief und verpflichtend? Bin ich meinen Freunden treu? Sind meine Freunde mir treu?
3. Gibt es gegenseitige Offenheit, weiss der andere ueber vieles, was in meiner Seele vorgeht? Kann ich ehrlich sein und mich oeffnen? Oder muss ich in Gegenwart meiner Freunde eine Rolle spielen, setze ich eine Maske auf?

Eigene Gedanken:
Wenn ich eine Maske aufsetzen muss und mich den Freunden nicht offenbaren kann mit allem was ich bin, und wie ich bin, mit Schmerz, Traurigkeit, Freude und meinen Aengsten, dann bezeichne ich sie nicht als Freunde, sondern als gute Bekannte. Immer wertvoller wird mir jedoch meine wenige Freizeit. Das bedeutet, sich mit Bekannten zu treffen, kann nett sein, erfuellt aber nicht die Seele und gibt nicht das Gefuehl von wahrer Freundschaft. 
Wenn das Gefuehl aufkommt, dass diese Bekannten mich verletzen und ich mich unwohl fuehle in ihrer Gegenwart, ziehe ich mich immer mehr zurueck, verbringe weniger Zeit mit ihnen. 
Wenn wir aelter werden, wird die Zeit kostbarer und wir sollten uns fragen, mit wem wir unsere Zeit verbringen wollen. Kann ich jemandem etwas geben? Kann ich von jemandem etwas lernen? Dann ist die Zeit nicht vertan. 

Donnerstag, 24. Mai 2012

Torarolle bei den Tuerken nebenan

So sieht es aus, wenn die tuerkischen Juden aus der Nachbarschaft einen neue Torarolle einweihen. Es wird auf der Strasse getanzt und ein Auto mit blinkender "Kirmesbeleuchtung" und ohrenbetaeubender Musik faehrt durch die Strassen. 
Ich haenge mich mit meiner Camera dran und freue mich. 
Ploetztlich winkt mich ein orthodoxer Jude zu sich. Ich denke schon, ich habe etwas angestellt, da fragt er mich: "Du warst doch vor zwei Jahren im Shaarei Zedek Hospital oder? Bist am Herzen operiert worden?"
Ich nicke erstaunt. 
Da sagt er: "Der Mann, der dort im Auto sitzt ist mein Vater. Er war damals auch auf der Station und hatte eine Herz-OP. Ich hab dich wiedererkannt..."
Wirklich erstaunlich!

Polygraph

Es war spannend und aufregend. Der Mann mit dem Polygraph drueckte mir schon wieder einen Fragebogen in die Hand. 
Erst gestern hatte ich einen zehnseitigen Fragebogen ausfuellen muessen, der die Grundlage der Prozedur darstellen sollte. 
Der heutige Fragebogen beschaeftigte sich mit Fragen wie
1. Was erwartest du von dieser Arbeit?
2. Wie bist du darauf gekommen, dich an diese Arbeitsstelle zu wenden?
3. Was sagen fruehre Kollegen ueber dich und wie siehst du dich selbst bei der Arbeit?
4. Was war ein eindrucksvolles negatives Erlebnis mit Arbeitgebern, oder Kollegen? (dreimal duerft ihr raten...)
    und was hast du daraus gelernt?
5. Was koenntest du an dir verbessern und in was bist du gut?
6. Warum sollte die Firma dich ausgerechnet einstellen?

Spaeter sass ich bei ihm im Buero und ich muss sagen, der Mann war wirklich nett, fast freundschaftlich. Er kam aus Raanana und wir sprachen locker ueber die verschiedenen Fragen, die ich beantwortet hatte, ueber fruehere Arbeitsstellen, meine Kinder, meine Wohnorte usw. 
Gelacht wurde natuerlich auch!
Dann kamen wir zum Punkt: Polygraph. 
Der nette Herr bereitete zwei Teile einer Befragung vor, gemeinsam mit mir. Ohne an die Kabel angeschlossen zu sein, stellte er mir c. 10 Fragen. 
Unter anderem
1. Welches Datum haben wir heute? (das sind, wie ich mir denke, die Vergleichsfragen, bei denen wohl jeder einen normalen Pulsschlag und Hautwiderstand haben sollte...)
2. Ist deine Absicht, hier die volle Wahrheit und nur die Wahrheit zu sagen?
3. Heisst du Noa?
4. Warst du jemals in ein Strafverfahren verwickelt?
5. Bist du mit einem Straftaeter befreundet?
6. Hast du jemals bei der Arbeit etwas wertvolles gestohlen? (gemeint ist nicht das Kopierpapier oder ein Radiergummi...)
7. Schuldest du jemandem eine sehr hohe Summe Geld?
8. Ist heute Donnerstag?
9.Bist du von der Konkurrenz in diese Firma geschickt worden, um Firmengeheimnisse auszuspionieren?

Dann kam eine zweite Gruppe an Fragen, aehnlicher Art. 
Nachdem der nette Herr sicher war, dass ich alle Fragen verstanden hatte, schloss er mich an das Blutdruckgeraet an und verband meine Finger mit dem Hautwiderstandmessgeraet (so denke ich...), gleichzeitig bekam ich um den Brustkorb eine Art Kabel. 
Er nahm wieder Platz hinter seinem Laptop und stellte die gleichen Fragen, dieses Mal mit dem Geraet. Anschliessend wiederholte er die Fragen in umgekehrter Reihenfolge. 

Leider durfte er mir nicht das Ergebnis verraten und ich warte nun auf einen Anruf von der Chefin in spe.
Es war ein merkwuerdiges Gefuehl, fast wie bei einem Verhoer, obwohl ich noch nie ein Verhoer mitgemacht habe. Ich spuerte meinen Puls in den Fingern, da wo das Kabel mit Klettverschluss mit den Fingern verbunden war. Ab und zu hatte ich das Gefuehl, mein Herz schlaegt lauter. 
Sicher war das alles eingebildet und doch - so sagte auch der nette Herr - ist das Geraet nicht ein eindeutiger Beweis, daher auch nicht fuer Strafverfahren zugelassen. 
Ich weiss nicht, in welchen Bereichen es in Deutschland verwendet wird. Eigentlich dachte ich, gar nicht, aber Herr X. wusste, dass in bestimmten Situationen auch in Deutschland mit dem Polygraph gearbeitet wird. 
Fuer mich jedenfalls eine ganz neue Erfahrung, und sicher (hoffentlich) einmalig im Leben!
Was man nicht alles im hohen Alter von 54 Jahren noch erleben kann....

Danke an den "Boten am Wegrand" - Ilana

Ilana, die Dame aus dem Souvenierladen hat heute morgen einen kleinen Blumenstrauss von mir bekommen, fuer ihren Tipp, doch einfach einmal in ein Schmuckgeschaeft zu gehen und dort nachzufragen. 
Wir haben oft solche "Boten" (Engel) am Wegrand, die uns eine Richtung zeigen, uns auf etwas aufmerksam machen, was wir bis dahin uebersehen habe. 
Folgen wir diesen Hinweisen, kann es passieren, dass sich Moeglichkeiten auftun. 
So war es auch gestern. 
Ich bin ihr sehr dankbar, und hoffe, dass ich auch heute nachmittag den "Poligraphen" ueberstehe. 
Gestern las ich im Internet, dass es viel Kritik an dieser Methode gibt, die dazu dienen soll, die Ehrlichkeit und Glaubwuerdigkeit eines Menschen herauszufinden. Es scheint einige Fehlerquellen zu geben. 
Aufgeregt bin ich sowieso, aber das wird wohl mit in die Berechnungen einbezogen. 
Gestern habe ich einen zehnseitigen Fragebogen ausfuellen muessen, der als Grundlage fuer den Polygraphen dient. Man wird nach vielen privaten Dingen gefragt, einerseits sehr direkt, ob es jemals Strafanzeigen gegen einen gab, andererseits Fragen nach den Wohnorten der letzten zehn Jahre, sowie den Arbeitsstellen, bei denen man beschaeftigt war. Ein Lebenslauf, handgeschrieben und NICHT in Tabellenform vom 17. Lebensjahr an gehoert dazu, sowie die Frage nach der Bereitschaft, sich einem Drogentest zu unterziehen, falls gewuenscht. 
Ich bin sehr gespannt!

Hayom Arbaim VeSheva Jamim baOmer - heute ist der 47. Omertag

Betrachtungen darueber, ob ich faehig bin, denen zu danken, die mir geholfen haben, oder zu meinem Vorwaertskommen beigetragen haben
 Spirituelle Uebung
1. Betrachte etwas, was du erreicht hast, oder eine Situation, in der du erfolgreich warst.(in deiner Karriere, zuhause usw)
2. Bist du darueber stolz und ueberheblich geworden?
3. Erinnerst du dich an eine Person, die dir auf dem Weg dorthin geholfen hat, wer dir einen Rat gab, Anleitung und sich fuer dich gefreut hat?
4. Hast du diesem Menschen auf irgendeine Weise gedankt dafuer?

Mittwoch, 23. Mai 2012

Endlich Arbeit! Das glaubt mir doch kein Mensch....

Heute war ein Tag der gluecklichen Fuegungen, oder wie ich es nenne: alles geplant von oben. 
Ich war heute morgen in einer "so-kann-das-doch-nicht-lange-weitergehen-stimmung". Schoen, wenn man Freizeit hat, aber arbeitslos ist nicht gleich Freizeit. 
Ich dachte mir, falls ich naechste Woche nicht weitergekommen bin, mit der Suche nach Arbeit, werde ich irgendeine Arbeit annehmen, putzen, Kinder hueten, oder oder... 
Dann suchte ich ein paar Karten fuer die Maedels, Ansichtskarten und betrat ein Souveniergeschaeft in der German Colony. Dort kam ich mit der Verkaeuferin ins Gespraech, die mir irgendwann den Rat gab: "Geh doch einfach mal in die Mamilla-Meile, dort gibt es viele Geschaefte, die Verkaeuferinnen suchen. Versuch mal dein Glueck in einem Schmuckgeschaeft! Dort kriegst du manchmal besseres Gehalt als als Sozialarbeiterin."

Das war eine Idee, einfach mal in die Einkaufsmeile der Touristen, und vielleicht ist mein Deutsch dort sogar was wert. 
Ich stieg in den falschen Bus, Nr. 21, und dachte mir, "nicht schlimm, dann steig ich halt in der Keren Hayesod aus und gehe das Stueck durch die King David Street zur Mamilla. 
Auf dem Weg kam ich am neuen Gebaeude von Rasko vorbei. Ein teures Diamanten - und Schmuckgeschaeft der gehobenen Klasse links neben mir und ich denke: "Sollst du einfach mal hier dein Glueck versuchen?" Ich zoegerte, denn nie im Leben waere ich auf die Idee gekommen in solch einem Geschaeft fuer mich selbst Schmuck zu kaufen. 
Da sah ich das Schild: "Verkaeufer gesucht!"
Und dachte mir, ich hab ja nichts zu verlieren, aber in meinem Jeansrock, nicht geschminkt und .... naja.. so wie ich halt bin, kann ich in DIESEM Geschaeft sicher nichts erwarten. 
Der nette freundliche Verkaeufer fragte mich, was ich moechte und als ich sagte, ich habe das Schild gesehen, und suche gerade Arbeit, fragte er mich, welche Sprachen in spreche: "Ivrit und germanit" sagte ich wahrheitsgemaess. Mein englisch ist noch von der Schule und wirklich schlechter als mein Ivrit. 
"Deutsch??" Er schien wie aufgeweckt und meinte: "Da bringe ich dich gleich zur Chefin."
Die Chefin war sehr nett, pico bello geschminkt und gepflegt, sie bot mir einen Stuhl an und wir sprachen wirklich lange. Ich war ganz angetan davon, etwas ueber Diamanten und Steine zu lernen, sagte ehrlich, dass ich davon nicht so recht Ahnung habe aber das schien sie nicht negativ zu beeindrucken. 
Ob ich gesund sei? Nun - die meisten Menschen um mich herum sagen, "sag bloss nicht, dass du am Herzen operiert bist bei deinem Arbeitgeber..." ich hingegen bevorzuge es, ehrlich zu sein, zumal ich vom medizinischen Standpunkt her trotz Herz-OP uneingeschraenkt arbeiten darf. Mit dem Herzschrittmacher darf ich sogar Marathon laufen. 
Also blieb ich bei der Wahrheit, dachte, wenn sie mich nicht nimmt, auch gut. 
Spaeter stellte sich heraus, dass meine Liebe zur Wahrheit doch vorteilhaft war, denn - ich muss mich morgen einem Luegendetektor-test (Poligraph) unterziehen und einer psychologischen Befragung. 
Die Dinge, mit denen wir umgehen sind derart teuer, dass solch ein Test ueblich ist. 
(Diamanten passen schliesslich in jede Handtasche...)
Ich bin sehr gespannt darauf. 
Am meisten freue ich mich aber, dass es wider jeglicher Erwartung geklappt hat, dass ich endlich Arbeit gefunden habe, die mir als Basisgehalt sogar etwas mehr bringt als als Sozialarbeiterin. 
Mein Ziel, etwas sinnvolles fuer die Menschheit zu tun, ist damit sicher nicht erreicht, aber zumindest meine Existenz gesichert, was ja auch schon etwas ist. 
Ich jedenfalls bin um einen Stein leichter. Ich kann mich etwas zuruecklehnen, nach dem Test morgen, und freue mich sogar auf diese Arbeit. 
Wer haette das heute morgen gedacht?
Meine Tochter schrieb mir: "Du bist wirklich das verrueckteste Lebewesen, das ich kenne und dir passieren die merkwuerdigsten Dinge...."

Dienstag, 22. Mai 2012

Das letzte Werk des Glaskuenstlers in Arad - "Shoa"

"SHOA" heisst das letzte Werk des Glaskuenstlers in Arad, zu erleben im Glasmuseum der Wuestenstadt.
SHOA, eine riesige Saeule aus Gesichtern mit Blut... der Kuenstler Gidon Fridman berichtet uns, dass er nach diesem seinem letzten Werk nicht mehr faehig war, weiterzumachen. 
Wer denn Raum betritt, in dem die Saeule steht, wird tief betroffen verstehen, was er meint..

Furchtbares Unglueck im Norden

Wieder ein furchtbarer Verkehrsunfall, der das Leben einer kompletten Familie ausloescht. Vater, Mutter und 6 Kinder sterben, als der Vater die Kontrolle ueber das Fahrzeug verliert, in der Naehe von Tiberias, am See Kinneret (Genesareth). Die Bremsen reagieren nicht und das Fahrzeug rast ungebremst mit 130 km/std in den Abgrund, geht in Flammen auf.
Nur die siebenjaehrige Rachel ueberlebt. 
Eine Sozialarbeiterin des Krankenhauses Rambam in Haifa, wo das Maedchen eingeliefert wurde, berichtet, dass Rachel nicht aufhoeren kann zu weinen. 
Die Familie kam von der Einweihung der Tora, in der neuen Synagoge. 
Ein grosses Freudenfest wandelt sich in  Bestuerzung und eine Trauerfeier mit 8 Toten.
Baruch Dayan haEmet.

Hayom Arbaim veShisha jamim laOmer - heute ist der 46. Omertag

Betrachtungen ueber mich selbst, ueber die Art, wie ich mich selbst fuehre.
Spirituelle Uebung: 
1. Lebe ich mein Leben nach meinem Willen? Oder wird mein Leben von jemand anderem "gefuehrt"? (Beispiel: Ich mache das, was meine Eltern fuer gut halten, oder Angst regiert und fuehrt mein Leben...)
2. Habe ich Durchhaltevermoegen, beim Erreichen meiner Lebensziele?

Eigene Gedanken: Ich habe das Gefuehl, im Raum zu schweben. Wichtig ist, ich bin in Israel, wichtig auch, dass ich wieder nach Jerusalem gefunden habe, und dafuer bin ich dankbar. 
In Punkto Arbeit will vieles nicht so recht gelingen. (Arbeit wie privat alte Menschen pflegen, oder putzen bleibt mir in jedem Fall, doch noch moechte ich durchhalten bei der Suche nach "normaler" versicherungspflichtiger Arbeit. 
Ich habe das Gefuehl, nach Sinn zu streben, vor allem in meinem Alltag, d.h. bei der Arbeit. Sicher kann ich im Buero arbeiten, aber es waere einfach wunderbar, einen Sinn in der Arbeit zu finden, etwas zu tun, was Bedeutung auch fuer andere hat. 
Die punktuellen Besuche auf privater Basis bei Miriam geben mir einen Schimmer von Sinn. Doch das reicht nicht aus. Auch in der taeglichen Arbeit moechte ich irgendwann Bedeutung finden, vor allem hier in Israel. Meinen Platz in der religioesen Gesellschaft scheine ich gefunden zu haben. Ich bin von vielen echten Freunden umgeben, die ich schon 2010 gefunden habe, und die mir die Treue halten. Diese Tatsache ist auch so stark gewesen, dass ich unbedingt wieder nach Jerusalem musste. 
Und nun heisst es, mit Geduld und Vertrauen darauf hinzuarbeiten, meinen Platz in der Arbeitswelt zu finden. Dass das mit ueber 50 nicht leicht ist, war mir bewusst, und vielleicht ist es auch erst im Rentenalter moeglich, diesen Platz zu finden, da dann das "sich ernaehren" nicht so sehr im Vordergrund steht. (Vielleicht ja doch, wenn ich zuwenig Rente bekomme... denn dann muss ich noch etwas dazuverdienen)
Ich habe in unserer Strasse ein ganzheitliches Zentrum fuer Krebskranke gefunden, das Yuri Stern Zentrum und bin bei meinem Besuch dort auf eine sehr positive Atmosphaere gestossen. 
Sie haben zurzeit keine Arbeit fuer mich, es gibt aber viele Angebote fuer Krebskranke, fuer wenig Geld. 
Desweiteren gibt es noch ein Zentrum im Shaarei Zedek Hospital. Mit Miriam habe ich schon darueber gesprochen, aber sie ist nicht bereit dafuer. Vielleicht zurzeit nicht. Schade, denn ich vermute, es wuerde ihr gut tun, sich einmal mit leichter Massage, verwoehnen zu lassen. 

Durch diesen Besuch kam ich auf die Idee, mich in der Onkologie des Shaarei Zedek Hospitals zu bewerben, aber dadurch, dass mir das Gesundheitsministerium keine Anerkennung meiner Krankenschwesterausbildung gibt, koennte ich mich nur als Sozialarbeiterin bewerben. Viel mehr Bedarf gibt es aber an Schwestern. 
Es gibt noch eine Ausbildung, die fuer Olim (Neueinwanderer) vom Gesundheitsministerium zu 80% finanziert wird, "Umwandlung einer akademischen Ausbildung zur Krankenschwester" nennt sich das. Die Frage bleibt, ob man sich gleichzeitig von irgend etwas ernaehren kann. 
Schade, dass so vieles von Finanzen abhaengt. 
Dennoch darf man eines nie: den Mut verlieren. 

Montag, 21. Mai 2012

Schoenes weites Land...


Miriam (Name frei erfunden..)

Sie ist zart und zerbrechlich, ganz anders als auf dem Foto, das auf der Anrichte ihrer Eltern steht. Immer noch kann man ihre einstige Schoenheit erkennen. Die riesigen kugelrunden schwarzen Augen tragen graue Ringe unter sich und ihre Haut ist fahl und blass. Sie schaut von ihrem Rollstuhl hoch zu mir und mir ist nicht wohl, bis ich mich zu ihr auf die Terrasse setze und wir auf gleicher Augenhoehe sprechen koennen. 
Ihre Oberschenkel haben den Umfang meiner Arme und in ihrem Hausshirt hat sie mit ihren 40 Jahren fast etwas Kindliches. 
"Eigentlich wollte ich nicht auf die Terrasse," murmelt sie kleinlaut, "deswegen..." sie zieht die duennen Beinchen hoch und zeigt auf ihre Windel. "Muss ja nicht jeder sehen, dass ich...." 
Die Jalousien sind fast unten und die Wohnung strahlt nicht, obwohl die Sonne noch scheint. Es riecht stark nach kaltem Rauch und ich stelle mir vor, wie sie hier ihren Tag verbringt, auf allen Vieren ins Bad robbt und das "Malheur" - wie sie sagt - von der Nacht versucht, in den Griff zu bekommen, allein. 
Sie braucht eine Pflegeperson, aber sie braucht auch das Geld, ist schwierig im Umgang, will Hilfe, aber auch wieder nicht. 
Als sie anfing, durch die Welt zu reisen, neugierig auf alles Fremde und Neue, haben viele in Israel den Kopf geschuettelt. Wozu brauchte sie unbedingt das Ausland? Warum so viele Reisen? Die Tattoos? 
Ihr Oma war die einzige, die damals sagte: "Reise Kind! Erlebe was! Du weisst nicht, ob du nicht eines Tages das alles nicht mehr tun kannst..."
In ihren Augen sammeln sich Traenen und sie schluckt: "Als ob sie das alles geahnt haette, was mir noch bevorsteht..."
Mit Schmerzen in der Wirbelsaeule und einer falschen Diagnose fing es an, im Alter von 25. Sie wusste eigentlich von Anfang an, dass es kein Bandscheibenvorfall sein kann - irgendetwas ging vor sich in ihrem Koerper, das nichts Gutes bedeutete. 
Operieren oder nicht? Manche Aerzte meinten, das sei nicht noetig, sie war anderer Meinung. 
Schliesslich suchte man den Rav Fierer auf. Er ist eine Art medizinischer Ratgeber, auf den selbst nicht Religioese und sogar Aerzte hoeren. 
Rav Fierer gab ihr recht und stimmte ihr zu, dass es angebracht ist, zu operieren. 
Nach der OP war klar - Diagnose Krebs. Mehrfach wurde sie in Deutschland operiert und bekam Chemotherapie und Bestrahlungen. Das war im Alter von 27. Das Reisen, das turbulente aufregende Leben hatte ein bitteres Ende. 
Die ersten Freunde wendeten sich ab, als sie anfing zu humpeln. Spaeter wurde sie wohl zu schwierig im Umgang und auch die wenigen Freundschaften, die noch blieben, hielten nicht mehr Kontakt. 
Hadern mit dem Schicksal, sich fuegen, sogar Gutes in der schweren Krankheit sehen, all diese Zustaende wechseln sich ab. 
Sie erzaehlt mir von der letzten Hilfskraft, die einmal die Woche kam und schliesslich auch aufgab, wie die meisten vor ihr. 
Ihre Version: Ich konnte nicht mehr ertragen, dass sie bei mir ihre Sorgen entlaedt, eigentlich ist sie doch gekommen, um MIR zu helfen, und nicht umgekehrt... 
Es gibt immer mehrere Wahrheiten und sicher war es bisher fuer niemanden leicht, mit ihr umzugehen. 
Es war meine Initiative, den Eltern, die ich gut kenne, vorzuschlagen, sie kennen zu lernen, mein "Glueck" zu versuchen und wenn ich scheitere.... was gibt es zu verlieren?

Sie erzaehlt mir ueber ihre Eltern. 
Ich kenne diese Eltern, die sie beschreibt nicht, und doch weiss ich aus eigener Erfahrung, dass jeder seine eigene Wahrheit zu berichten hat. Und jeder hat recht.

Ich muss daran denken, wie sehr mich manche Freunde hier schaetzen und wie sehr das von der Wahrheit, die meine Kinder ueber mich zu berichten haetten, abweicht. 
Sie kann die Schmerzen nur mit Morphium aushalten, betont aber, dass man sich mit der Zeit daran gewoehnt, stets mit einem begleitenden Schmerz zu leben. 
"Es ist so, als kneife dich jemand, wenn er aber nicht aufhoert, zu kneifen, wirst du dich wohl oder uebel daran gewoehnen. Du kennst es irgendwann nicht mehr anders."
In ihren Traeumen kommen Monster und Ungeheuer vor, Schlaf ist kein Schlaf und das Ausruhen kein Ruhen, es gibt kein Ruhe finden. 
Shabbat? "Fuer mich ein Tag wie jeder andere. Eben noch ein Tag."
Es ist schwer auszuhalten, sich ihren Alltag vorzustellen und zu sehen, wie gern sie das Leben gespuert hat, getanzt und gelacht hat. 
Als ich gehe, beim ersten Kennenlernen, sagt sie mir zum Abschied, dass sie dankbar ist, mich nun zu kennen. 
Vielleicht kann ich ihr etwas geben? 
Ich weiss es nicht, aber ich kann es versuchen.... 

Hayom Arbayim veChamisha Yom baOmer - heute ist der 45. Omertag

Wie verhalte ich mich mit dem Menschen in meiner Umgebung, mit der Familie, den Freunden und bei der Arbeit?
Spirituelle Uebung:
1. Arbeite ich in einem Team? Oder allein?
2. Druecke ich Anweisungen und Wuensche den Kollegen gegenueber klar und deutlich aus?
3. Bin ich ein persoenliches Beispiel fuer das, was ich von anderen verlange?
4. Fuehlen sich andere (Freunde, Kollegen, Kinder, Untergebene) wohl in meiner Gesellschaft? Ist es ihnen angenehm, mit mir zu reden?

41., 42., 43., 44. Omertag - Nachtrag und Zusammenfassung

Betrachtungen ueber die Art, wie ich mit mir und anderen kommuniziere, Beduerfnis nach der Beziehung, Tiefe der Beziehung, Echtheit der Beziehung. 
Spirituelle Uebung:
1. Bin ich freundlich und faellt es mir leicht, Beziehungen zu knuepfen?
2. Bin ich schnell verletzt und beleidigt?
3. Fuehle ich, dass meine Freunde mich schaetzen und lieben?
4. Schaetze und liebe ich meine Freunde?

Betrachtungen meiner edlen Seiten
Spirituelle Uebung:
1. Bin ich in Gesellschaft "stumm"?
2. Komme ich auf eine Art zum Ausdruck und trage ich zur Gesellschaft bei?
3. Hole ich das "Gute" in mir hervor, wenn ich in Gesellschaft bin?

Herrschaft und Beherrschung
Spirituelle Uebung:
1. Welche Punkte in meinem Leben beherrsche ich?
2. Bei welchen Punkten in meinem Leben beherrscht man mich?

Mein Vermoegen, Autoritaet zu erlangen
Spirituelle Uebung:
1. Erlange ich Autoritaet oder bin ich rebellisch?
2. Ueber wen bekomme ich Autoritaet?
3. Von wem erlange ich keine Autoritaet?

Donnerstag, 17. Mai 2012

54 - "altes Haus"

Ich habe gern Geburtstag, irgendwie ist es ein innerlicher Feiertag, selbst wenn keine Feier stattfindet. 
Mein Paeckchen von Toechterchen Moni hatte ich schon vor 2 Wochen zugeschickt bekommen. Nun lag es in meinem Zimmer und ich "durfte" es nicht oeffnen, was mir mit meiner Neugier sehr schwer faellt. 
Heute morgen oeffnete ich es sofort nach dem Aufwachen und heraus fielen hundert Herzen, die mir anscheinend wohlgesonnen sind, ein wunderbares Kinderbuch und Magnete fuer den Kuehlschrank, die ich so mag. 
Nur - jetzt habe ich Magnete, aber keinen Kuehlschrank.....
Mein Geburtstag juedischen Datums wird am Samstag sein, כ"ז באייר  einen Tag vor Yom Yerushalaiym.
Esst ein Stueck Kuchen fuer mich und wuenscht mir bitte Glueck im neuen Lebensjahr! 
Danke!

Mittwoch, 16. Mai 2012

Hayom Arbaim Yom Baomer, shehem Chamishim Shavuot vechamisha Yamim - heute ist der 40. Omertag

Betrachtungen deiner Ziele und Bestimmungen
Spirituelle Uebung:
1. Was sind deine Ziele im materiellen Bereich, im familiaeren Bereich, im Bereich deiner sozialen Kontakte, deiner Karriere und welche sind deine Ziele im geistigen Bereich?
2. Mach dir eine Prioritaetenliste. Was wird von dir verlangt, um sie in die Tat umzusetzen?
(aus dem Omerkalender von Edna Kadosh, frei uebersetzt)

Eigene Gedanken: Ziele sind wichtig, sie halten uns in Gang, sind unser Motor, zum Weitermachen. Ziele spornen uns an und geben unserem Tun Sinn. 
Aber sie koennen uns auch daran hindern, das Hier und Jetzt zu sehen und zu geniessen. Der Weg ist das Ziel, das lassen wir zu oft aus den Augen, wenn wir auf etwas hinarbeiten. 
Ich persoenlich kann recht gut auf etwas hinarbeiten, was stark genug "zieht". Dann mobilisiere ich Kraefte und Disziplin, die ich vorher nicht spuerte und wundere mich manchmal selbst ueber mich. 
Schwer faellt es mir hingegen, ohne Ziele zu leben, ohne etwas, worauf ich hinarbeiten kann. 
Jeder hat Ziele, wir brauchen sie, um einen Sinn im Leben zu haben. Was uns aber hilft, mehr in der Gegenwart zu bleiben, sind die kleinen Ziele, Teilziele der groesseren. 
Sie sind nicht langfristig und brauchen nicht den langen Atem, der uns manchmal ausgeht, sondern sind schneller zu erreichen, spornen weiter an. 
So koennen wir die Gegenwart noch spueren und achten, und uns erlauben, im Augenblick zu leben.

Dienstag, 15. Mai 2012

Hayom shloshim veTisha jamim laOmer - heute ist der 39. Omertag

Betrachtungen deiner sozialen Kontakte
Kontakte werden daran gemessen, wie lange eine Freundschaft besteht, wie sehr dir daran liegt und an der Tiefe der Verbindung.
Spirituelle Uebung:
1. Was ist das Ziel meiner sozialen Kontakte, welche Funktion haben sie?
2. Habe ich Freundschaften, die ich seit vielen Jahren pflege, oder wechseln meine Freundschaften von Zeit zu Zeit?
3. Pflege ich alte Freundschaften regelmaessig?
4. Kann ich mich auf neue Freundschaften einlassen?
(frei uebersetzt aus dem Omerkalender von Edna Kadosh)

Eigene Gedanken: Freundschaften koennen sehr tief sein, obwohl sie noch nicht lange bestehen und haeufig habe ich bei anderen erlebt, dass sie an Freundschaften nur deshalb festhalten, weil sie doch schon immer bestanden. Laengst aber ist klar, dass diese Freundschaften nicht mehr "gut tun". Da sie sich aber in Gewohnheit verwandelt haben, ist und war es schwer, sich von ihnen zu loesen. 
Manchmal muss man auch Freundschaften neu ueberpruefen, denn wie in einer Ehe, kann es sein, dass das, was einst so gut zusammenpasste, laengst nicht mehr eine fruchtbare Beziehung auf Augenhoehe ist oder gar schadet und nicht gut tut.
Jeder Mensch kann sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln und es ist keine Schande, dies zu erkennen und entsprechend zu handeln. Freundschaften muessen gut tun, sie sollten nicht zu Abhaengigkeiten werden oder einseitig verpflichtend sein. Auch Freundschaften im Ungleichgewicht sind nicht wirklich gesund. 


Montag, 14. Mai 2012

Farbenmeer fuer die Seele


Passiflora


Schutzraum im Altenheim

Heute war ich in dem Altenheim eingeladen, wo ich mich letzte Woche vorgestellt hatte. Auf dem Programm stand ein Symposium mit dem Thema
"Sicherheitsbereich fuer Pflegebeduerftige"
Die ganz neue Ausstattung, ueber die das Altenheim im Falle eines Notfalles verfuegt wurde allen Teilnehmern bei einem Rundgang und einem kleinen Film vorgefuehrt. 
Das Heim verfuegt ueber einen ca. 24 Menschen (incl. Betten!) fassenden Raum, der blitzschnell mit allem ausgestattet werden kann, was diese Menschen fuer mindestens 2 Wochen zum (Ueber-)leben benoetigen. Nicht nur, dass es Eisentore-und Fenster gibt, die im Notfall den Raum sofort hermetisch verriegeln, sondern auch alle Hilfsmittel, einschliesslich riesige Wassertanks, ein grosses Reservoir an Sauerstoff, Essen, Medikamente und anderes. 
Diese Ausruestung steht bereits staendig bereit in den umliegenden Raeumen, und wird in Abstaenden kontrolliert. Auch wird dem Personal ermoeglicht, die Kinder ins Heim zu holen, um zu verhindern, dass Muetter getrennt von ihren Kindern sind. 
Es war eine sehr beeindruckende Fuehrung, auch wenn immer wieder betont wurde, dass wir in Jerusalem wohl doch relativ sicher sind vor (Raketen-)angriffen jeglicher Art. 
Eine Sozialarbeiterin aus dem Heim in Ashkelon sprach ueber ihre Erfahrungen im Notfall. Dort sieht die Lage schon ganz anders und leider sehr aktuell aus. Sie sprach ihren "Neid" aus, dass das Heim in Jerusalem ueber Techniken verfuegt aufgrund von Spenden, von denen man in Ashkelon nur traeumen kann. 
Auch berichtete sie ueber ihre Erfahrungen mit den alten Menschen, im Notfall. Sie betonte, dass die Mitarbeit zwar meist zugesagt wird, aber falls ein Alarm in der Nacht ertoent, doch die meisten "keine Lust" haben, aus ihren Betten in den Schutzraum zu gehen. Weiter erklaerte sie, wie wenig (bzw. gar keine) Hilfe es von Freiwilligen gibt. Freiwillige, die gebraucht wuerden, um die alten Menschen schnell und ohne Panik in den Schutzraum zu begleiten gibt es so gut wie nicht, jeder hat um sein eigenes Leben im Notfall Angst. 
Das was an Solidaritaet bestuende, waeren einzelne Kuenstler, die hier und dort in einem Schutzraum singen oder musizieren. (Ich kann mich erinnern, dass dies 2006 in Haifa auch der Fall war)
Hoffen wir, dass dieser Schutzraum nie benutzt werden muss. 

Hayom Shloshim veShmone Yamim baOmer - heute ist der 38. Omertag

Betrachtungen des Vermoegens, den Anderen fuehlen zu koennen und sich mit ihm zu identifizieren. 
Verbindung mit dem Anderen, durch Verstehen seiner derzeitigen Lage. Das Vermoegen, jemandem in Not seelisch und praktisch helfen zu koennen. 
Spirituelle Uebung:
1. Pruefe dich selbst: bist du ein empfindsamer, einfuehlsamer Partner\Freund\ in Notzeiten oder wenn es dem anderen psychisch schlecht geht?
2. Was geschieht in dir, wenn du beim anderen eine Notlage oder Schmerz entdeckst? Fluechtest du, weil es unangenehm ist?
3. Auf welchem Wege mobilisierst du Hilfe?

Sonntag, 13. Mai 2012

Helfen - oder "wer bestimmt die Spielregeln?"

Ich moechte ein paar Gedanken zur letzten Omeruebung mit euch teilen. 
Das Abhaengigsein von anderen Menschen ist kein angenehmes Gefuehl. Vor allem nicht, je mehr es existenzielle Dinge betrifft. 
Ich bin zurzeit in einer Lage, in der ich ohne das "Obdach" von Freunden, nicht lange ueberleben koennte. Sie geben mir in keiner Weise das Gefuehl, ihnen auf den Wecker zu fallen, oder dass sie sich gestoert fuehlen durch mich. 
Und doch fuehlt es sich fuer mich nicht richtig an, auch nur einen Tag laenger als unbedingt noetig, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. 
Zurzeit bleibt mir nichts anderes uebrig, aber auch das ist eine gute Uebung, sich einmal helfen zu lassen, was ich in der Vergangenheit, - vor allem hier in Israel - schon mehrfach lernen musste, z.B. waehrend meiner Krankheit und unmittelbar danach. 
Es hatte noch einen Effekt, naemlich den, etwas fuer meine Zukunft daraus mitzunehmen. Oft habe ich gedacht, wie schoen es waere, koennte ich etwas "zurueckgeben", aber scheinbar ist diese Zeit noch nicht gekommen. 
Zurzeit muss ich nehmen, dankbar nehmen, und annehmen, akzeptieren, was ist, und mich bemuehen, aus diesem Zustand herauszuwachsen, indem ich nicht untaetig sitze und mich versorgen lasse, sondern alle Moeglichkeiten abklopfe.

Es gab aber auch andere Erfahrungen und dieses Thema war ausgerechnet eines unserer letzten Shiurim. In Hilfsangeboten kann auch eine Gefahr liegen. Und genau diese ist mir einmal vor kurzer Zeit begegnet. 
Es ist moeglich, dass der Helfende, dem Hilfebeduerftigen seine Hilfe anbietet, ihn aber dadurch gewissermassen "kauft". Das drueckt sich dann in der Weise aus, dass der Hilfebeduerftige mit einem Mal das Gefuehl bekommt, er muesse nun nach den Spielregeln des Helfenden spielen, aus Dankbarkeit Dinge tun, die den Vorstellungen des Helfers entspringen. 
Der Helfer bietet Hilfe an, hat aber konkrete Vorstellungen, was der Hilfebeduerftige tun soll. Auch wenn dies mit Geld verbunden ist, sichert der Helfer zu, er werde schon dafuer zahlen. Er laedt ein. 
Er laedt aber auch dazu ein, tiefer in das Spiel einzutauchen. 
Hier ist Vorsicht geboten, und dem Helfer sei gesagt, dass er auch als grosszuegiger Spender die Ehre und die Wuensche des Gegenueber achten soll. Seine Vorstellung davon, was zu tun ist, muss nicht der des Hilfebeduerftigen entsprechen, und falls ich eine Art Gegenleistung erwarte, indem ich vehement Ratschlaege gebe, die fuer mich so logisch erscheinen, sollte ich vielleicht das Geben in diesem Falle ganz lassen, und noch einmal nachdenken. Wofuer ist es mir wichtig, dass der Andere das tut, was fuer MICH sinnvoll erscheint? Warum kann ich dem Gegenueber nicht die volle Entscheidungsfreiheit lassen und sie achten, dem Anderen helfen, aber ihn nicht dadurch zum Sklaven machen?
Ich sollte mich fragen, welche Interessen ich eigentlich verfolge, wenn ich so handele, dass der Andere weniger und weniger meine Hilfe in Anspruch nehmen moechte. 

Hier bei den Freunden erlebe ich das nicht. Sie achten meine eigenen Entscheidungen, auch wenn es nicht ihre waeren. Sie kaufen mich nicht und versuchen nicht, mich in ihre Richtung zu beeinflussen. Rat geben sie nur, wenn ich sie frage. 
Bei ihnen habe ich das Gefuehl, sie helfen, um des helfens willen, aus Liebe dem Naechsten gegenueber, weil er gerade Hilfe braucht. 
Er braucht Hilfe auf SEINEM Weg, was nicht heisst, dass diese Hilfe ihn ploetzlich dazu zwingt,nicht mehr seinen Weg zu gehen. 
Der Preis fuer den, der Hilfe braucht waere zu hoch, als dass er ihn bezahlen sollte. Er wuerde nicht weniger als seine freie Entscheidung verkaufen, sein Selbst. 
Ich moechte trotz der Annahme von Hilfe noch nach meinen eigenen Spielregeln spielen, und mich im Einklang mit meinen Entscheidungen fuehlen. 

Hayom shloshim veShiva jamim laOmer - heute ist der 37. Omertag

Betrachtungen von grossen Taten und dem Erwachsenwerden im Bezug auf die Verbindungen zu Familienangehoerigen, Freunden, Umgebung und Eigentum
Spirituelle Uebung:
1. Bin ich abhaengig von etwas, oder von jemandem?
2. Ist jemand von mir abhaengig?
3. Mit welcher Art von Menschen verbinde ich mich?
4. Was sagt das ueber mich aus?

Warum bin ich, wo ich bin? Und warum erst jetzt?

Bevor ich erschaffen wurde gab es mit Sicherheit in der gesamten unendlichen Zeit, bis ich erschaffen wurde, nichts, wofuer ich gebraucht worden waere. 

oder dass ich fuer irgendeinen Zweck oder eine Vervollstaendigung gefehlt haette..

Und es gab keine Notwendigkeit nach mir, ausser in dieser Zeit, in der ich geschaffen wurde,

denn es ist die Stunde gekommen, in der es eine Sache zu erfuellen gibt, zur Vervollstaendigung der Realitaet.
(HaRav Kuk)

Zu diesen Zeilen, die heute der Onkel des Bar Mizwa einbrachte, hatte ich meine eigenen Gedanken, die sich auf mein Leben bezogen. 
Wie ein Bar Mizwa, nehmen auch wir Gerim das "Ol Malchut Shamaiym" auf uns (das "Joch" der Gebote). Explizit sprechen wir einige Saetze nach und verpflichten uns ganz offiziell, ab diesem Zeitpunkt die Mizwot zu erfuellen, wie jeder Jude, ohne Ausnahme, alle unsere Tage.
Wir haben also etwas gemeinsam mit dem Bar Mizwa, der nun erwachsen und eigenstaendig verantwortlich ist, fuer das, was er als Jude tut.
Wie X. betonte, wird dieser Bar Mizwa nun "gezaehlt", er zaehlt, so wie auch wir Gerim dazugezaehlt werden. Es ist ein schoenes Gefuehl, zu zaehlen, aber auch Verantwortung. 

Die o.a. Worte des Rav Kuk brachten mich zu meiner haeufig wiederkehrenden Frage, warum ich erst so spaet den Weg zum Judentum gezeigt bekam. Mit fast 50, ohne die Moeglichkeit, das Judentum mit seiner Schoenheit und seinen Werten an eigene Kinder weitergeben zu koennen, fragte ich mich beim Uebertritt, wozu das Ganze in einem groesseren Zusammenhang wichtig sein koennte? Mit mir taucht ploetzlich in der Generationenkette das Judentum auf, und nach mir wird es wieder untergehen, als sei es nie dagewesen. Nach ein paar Jahren wird sich niemand mehr erinnern, dass da mal eine Oma oder Uroma war, die zum Judentum uebergetreten ist. Die Kette ist abgerissen und wird nicht weitergegeben. 
Der einzige Mensch, der davon "profitiert", bin ich selber. Das kann doch nicht der Sinn sein, dass nur ich allein den grossen Wert erleben und schaetzen darf, den das Judentum bietet. 
Der Uebertritt zum Judentum ist wie die Erschaffung oder die Geburt eines neuen Lebewesens, so sagt man. Der Ger faengt ein neues Leben an, und in diesem Zusammenhang bekommen die o.a. Worte des Rav Kuk wieder eine Bedeutung. Sowie jedes Lebewesen vor seiner Geburt nicht "wichtig" war, weil keine Notwendigkeit bestand, dass es in dieser Welt einen Platz hatte, so ist auch der Ger in dieser Welt nicht noetig gewesen, bis zu dem Tag, an dem er uebertritt. 
Dann jedoch scheint es eine Aufgabe, einen Sinn zu geben, warum er zu den Juden zaehlt, es ist nicht zufaellig passiert, denn die Stunde ist gekommen. 

Schwer zu verstehen ist das, was fuer uns verborgen ist. Bringt der Ger Kinder zur Welt, ist die Sache offensichtlicher, er gibt etwas weiter, an Traditionen, an Werten und versteht die Bedeutung seines Uebertrittes im grossen Zusammenhang. 
Fehlen diese Punkte, so kann es sein, dass durch diesen Ger irgendjemand positiv durch das Judentum beeinflusst wird, dass etwas in einem anderen Menschen in Bewegung gesetzt wird, was vielleicht erst Jahre spaeter dann zu einer Konsequenz fuehrt, die dieser Ger in Gang gesetzt hat. 
Er selbst muss davon gar nichts mitbekommen. 
Doch das macht es schwieriger, einen Sinn zu erkennen, der ausserhalb dessen liegt, was uns selbst die Wichtigkeit des eigenen Uebertrittes klarer macht, wenn wir nach dem grossen Zusammenhang suchen. 

48 Jahre habe ich ein Leben gefuehrt, was sich nicht grossartig von dem meiner Mitmenschen unterschied. Danach begann ein Prozess, der mein Leben komplett auf den Kopf stellte, und der ihm erst die Bedeutung verlieh, nach der ich unbewusst immer gesucht hatte. 
Welche Bedeutung mein "Ankommen" im juedischen Volk ueber die eigene Zufriedenheit hinaus hat, kann ich nicht abschaetzen, es ist mir verborgen. 
Und doch bin ich davon ueberzeugt, dass es einen tiefen Zusammenhang aller Geschehnisse gibt, geplant und durchdacht von dem, der sprach, und die Welt entstand........

Samstag, 12. Mai 2012

35. und 36. Omertag (Zusammenfassung von gestern u heute)

Betrachtungen meines "echten" Selbstwertes
Nachdem ich das Gute in mir gesehen und erkannt habe, kann ich es meine Lebenswege fuehren lassen. Ich werde mich auf das Gute konzentrieren und ihm einen bedeutsamen Platz in meinem Leben ermoeglichen. 
Spirituelle Uebung:
1. Betrachte noch einmal die Liste, die du erstellt hast ): Das Gute, was in mir ist. Was fuehle ich, wenn ich das Gute betrachte?Bekomme ich dadurch Kraft, Erneuerung, Lebendigkeit und Energie?
2. Entschliesse dich dazu, dem Guten zu erlauben, dein Leben zu leiten, dass alle deine Gedanken, deine Taten und deine Gefuehle von dem Guten, das in dir ist, entstehen moegen. 
3. Sag dir immer wieder, zu jeder moeglichen Stunde, dass du gut bist. 

Betrachtungen der guten Taten, die ich fuer mich selbst tue
Behandele ich mich selbst mit "Erbarmen", oder quaele ich mich?
Spirituelle Uebung:
1. Wo bin ich nicht geduldig mit mir bei der Arbeit? Mache ich zuviele Ueberstunden?
2. Verurteile ich mich und bin hart mit mir, wenn ich Fehler mache oder versagt habe, oder nehme ich mich mit Erbarmen und Liebe so an, wie ich bin?
3. Wenn mein Kind Fehler macht, lehre ich es, das zu verkraften und zu verstehen, oder schimpfe ich es aus? Gehe ich mit mir selbst so um, wie ich mit meinem Kind umgehe?

Freitag, 11. Mai 2012

Shabbat Shalom

Vorerst bin ich in Yerushalayim, (הרים סביב לה, והשם סביב לעמו , Berge umgeben es und der HERR umgibt sein Volk).
Ich fuehle mich gut hier und richtig. 
Und auf eine ganz besondere Art habe ich das Gefuehl, ich musste erst alles loslassen, um nun nach Shabbat in der naechsten Woche neu auf die Suche nach meiner Existenz zu gehen, Arbeit zu suchen, eine Wohnung. 
Wenn wir loslassen, haben wir beide Haende frei, der Geist ist ungebunden und neue Moeglichkeiten tun sich auf, die Energie ist in Richtung Zukunft gebuendelt und ist nicht festgehakt an dem, was ist, und was so sicher scheint. 
Es kann sein, dass ich mich irre mit diesen Gedanken, aber sie scheinen mir logisch und passend zurzeit. 
Ich bin nicht mehr kraftlos und kann neu loslaufen, um mein Leben zu ordnen. In dieser Freiheit ist es moeglich, sich ueberall persoenlich hinzubegeben, was manchmal strategisch wertvoller ist. 
Ich fahre gleich mit den Freunden nach Alon Shwut, wo der Enkel seine Bar Mizwa feiert. Dort werde ich spirituell Kraft tanken und mich fuer die neue Aufgabe wappnen. Ich werde versuchen, so viel und intensiv wie moeglich den Kontakt zu IHM herzustellen, denn wer sonst kann mir helfen, ueber mich wachen und alles zum Guten wenden, wer mir das Man in der Wueste schicken und mir eine Grundlage zum Leben schenken?
Ich vertraue fest auf SEINE helfende Hand, die mir so oft beigestanden hat, in dunkelsten Zeiten. 
Und wider aller vernuenftiger Stimmen, die mir sagen, ich soll nicht ausgerechnet in Jerusalem eine Arbeit suchen, fuehle ich, dass ich einfach hierher gehoere. Ich habe meinen Platz hier, meine Seele wohnt hier und meine Freunde. 
Ob all das, was ich denke richtig ist - ich weiss es nicht. Das einzige was ich sicher weiss, ist die Tatsache, dass jedes Mal, wenn ich meinem Gefuehl gefolgt bin, es gut verlief.
So gehe ich in diesen Shabbat mit Zuversicht und innerer Ruhe, wuensche meinen Lesern einen Shabbat voller Freude und Licht, Hoffnung und Verbindung zum Himmel. 
Shabbat Shalom!

Donnerstag, 10. Mai 2012

Hayom Arbaa ushloshim Yom, shehem Arbaa Shavuot ushisha Yamim baOmer - heute ist der 34. Omertag

Betrachtungen ueber die Beziehung zu dir selbst
Die Grundlage ist die Verbindung. Verbinde dich heute mit dir selbst und suche in dir gute Seiten, fuer die du danken kannst. 
Entdecke in dir einfache gute Dinge, soviel du finden kannst. 
Spirituelle Uebung:
1. Sieh dir das Gute in dir an! (Beispiel: Wie viele Male bist du immer puenktlich zur Arbeit erschienen? Wie viele Butterbrote hast du fuer deine Kinder in Verantwortlichkeit vorbereitet? usw..
2. Schreibe 20 (!) sehr einfache und tagtaegliche Dinge auf, bei denen du gut bist.
3. Danke fuer das Gute in dir!
(aus dem Omerkalender von Edna Kadosh)

Ich moechte ein paar Gedanken hinzufuegen, die mir dazu kamen. Es scheint bescheiden und gesellschaftlich akzeptabel, wenn man sich selbst herunterspielt, seine Faehigkeiten missachtet. Doch was tun wir in Wirklichkeit, wenn wir uns selbst nicht achten koennen? Wir "ver-achten" uns, unseren Wert und unsere Begabungen. 
Woher ist alles was in der Welt besteht? 
Wir sind uns sicher einig darueber, dass alles von G-tt kommt. Also auch mein eigener Wert, meine Begabungen und Faehigkeiten, das worin ich gut bin. 
Das zu miss-oder gar zu verachten wuerde bedeuteten, dass wir den missachten, der dafuer gesorgt hat, dass wir sind, wie wir sind und wer wir sind.
Wir haben einen Wert, wir sind es wert, geachtet zu werden, auch von uns selbst! Bei anderen faellt es nur leichter, sich zu vergegenwaertigen, dass sie durch G-ttes Hand so sind, wie sie sind. 
Das Gleiche gilt aber auch fuer uns selbst. 
Wir duerfen nie vergessen zu danken, fuer das, was wir sind und was wir koennen, fuer das Gute in uns. Denn auf diese Weise achten wir ein grosses Geschenk, das von G-tt kommt, achten ihn selbst.

In den Mishlej (Sprueche Salomos) steht:
"Auch der, der fuer seinen Koerper sorgt, ist ein Ish Chessed (ein Mensch, der Gutes tut) und auch der, der seinen eigenen Koerper schaedigt, ist grausam..."
Jemand, der fuer andere Gutes tut, sich selbst aber vernachlaessigt, handelt nicht richtig. Sich schlecht zu ernaehren, sich nicht zu pflegen, nicht ausreichend zu schlafen und nicht fuer sein Wohl zu sorgen ist keine gute Tat. Sie ist gleichzusetzen mit dem Schaedigen einer anderen Person. Wer sich um sein Wohl kuemmert, kuemmert sich um das Wohl eines Menschen, wer sich schaedigt, schaedigt einen Menschen. Es ist unerheblich, ob man es selbst ist, den man schaedigt.

משלי אי 17
גמל נפשו איש חסד, ועקר שארו אכזרי

Bewege dich.....

Sorge und Druck sind die Strafe, die wir erleben, wenn wir die Flexibilitaet verlieren, uns zu bewegen und uns zu veraendern nach dem Willen des Schoepfers.
(Rav Nachman miBreslav)

Abhaengigkeiten jeglicher Art..

Nun habe ich mich besonnen auf das Gebiet, in dem ich die meisten Erfahrungen sammeln konnte, Abhaengigkeitserkrankungen. 
Ich habe mir vier Entzugszentren in Jerusalem herausgesucht, die ich naechste Woche persoenlich aufsuchen werde. 
Unter anderem ein Zentrum fuer Jugendliche mit Alkohol-und anderen Suchterkrankungen. 
Schliesslich kann ich in diesem Bereich 14 Jahre Berufserfahrung aufweisen. Versuchen kann ich es ja. Obwohl ich weiss, dass auch der Staat Israel spart, besonders in diesen Bereichen. 

Hoffen, beten und weitermachen mit der Suche..

Die Dokumente sind bei einem Notar, zum Uebersetzen und Beglaubigen, anschliessend wird er sie zum Gesundheitsministerium weiterleiten mit der Bitte um Anerkennung fuer Israel. 
Ehrlich gesagt, rechne ich mir keine grossen Chancen aus. Es waere auch zu schoen, nur ein paar Strassen entfernt zu arbeiten, wo ich einst wohnte, und wo alle meine Freunde leben. 
Aber wer weiss... es ist jetzt alles getan, was ich tun konnte dafuer. 
Nun heisst es weitersuchen, nach Arbeit. Es wird noch ein Treffen in einem anderen Altenheim geben mit einer Verantwortlichen, am Sonntag.
Zusaetzlich habe ich gestern in Tel Aviv nicht nur "Touristin" gespielt, sondern mich auch mit einem Menschen getroffen, der Deutschlehrer braucht. Diese Arbeit ist aber nur als ergaenzende geplant, davon leben kann man nicht. 
Shifra, bei der ich wohne, bringt mir taeglich viel bei. Sie ist eine sehr spirituelle Frau und wir schlagen oft im Tanach nach Bedeutungen nach, wenn uns ein Sprichwort, ein Satz ueber den Weg laeuft.
Wenn wir darueber sprechen, merke ich immer wieder, wie sehr ich mich weiter in Tora und Schriften vertiefen moechte, wie sehr ich das Spirituelle in Deutschland vermisst habe. 
Es ist gut, dass ich hier bin. Und ich bin dankbar.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Hayom shloshim veshlosha Yamim laOmer - heute ist der 33. Omertag

Der 33. Omertag. Lag BaOmer. 
Rabbi Shimon Bar Jochai  - von ihm wird angenommen, dass er den "Sohar" geschrieben hat, DAS Werk der Kabbala. Als er sich in einer Hoehle mit seinem Sohn vor den Roemern verstecken musste, vertieften sich beide in hoehere Welten. 
Am Lag BaOmer besuchen viele Menschen das Grab von Rabbi Shimon Bar Yochai in Meron, in Galilaea.
Rabbi Shimon Bar Yochai schrieb das Buch aus einer Innenansicht heraus ueber die Tiefen des uns Verborgenen. 
Wir wollen heute unser eigenes inneres Ich entdecken und anerkennen. 
Habe ich mich sogar vor mir selbst versteckt?
Aus Dankbarkeit heraus, kann ich mein eigenes Geheimnis entdecken. 

Spirituelle Uebung:
1. Identifiziere dein Verhalten
2. Schau, was es verstecken will und was es ueberdecken soll..
3. Welche versteckte Wahrheit liegt hinter deinem ueblichen Verhalten?
4. Danke und erkenne an, was die Wahrheit ueber dich ist, auch wenn es schmerzt..
5. Danke G-tt fuer diese Entdeckung.

(aus dem Omerkalender von Edna Kadosh)

Unverschaemte Gluecksmomente....

Fuer eine Arbeitslose, die nicht so recht weiss, wie es weitergeht, hatte ich heute einen unverschaemt gluecklichen Tag.
Er war voller Sonne, Sand, Meer und Gefuehlen, endlich Freiheit, Glueck und tiefe Freude, dass ich hier sein darf.

Es gibt Lieder, die andere als profan oder "normal" bezeichnen, die mich aber mit Text und Melodie so ergreifen und mit sich nehmen, in hoechste Hoehen, die Gluecksgefuehle produzieren und Ruehrung, mir ein Strahlen aufs Gesicht zaubern, das ich nicht verbergen kann.
Dann bin ich mit den Menschen (die sicher denken, ich hab sie nicht alle... ) eins und mit dem Himmel ueber mir, koennte die Arme in die Luft werfen und G-tt zurufen, dass ich spuere, dass er mit mir ist, und dass mich das endlos gluecklich macht.

einige Textpassagen

diese Reise, von vielen Jahren..
 fing an, an dem Tag, als mein Vater mich umarmte
und da war Licht, und ich fuehlte mich gut
"wer ist mein G-tt", fragte ich damals meine Schwester
also, kein Wunder, dass nichts einfach ist
und nichts so vollendet wie die Schoepfung der Welt
und als meine Mutter mich rief, zurueckzukommen, 
weil es ihr wichtig war
hoerte ich sie nicht.


und wieder ist Herbst
eine Haltestelle in der Zeit 
und sieh mich, ich rufe dich, mein G-tt!"
und eine Sache ueber ihn ist nicht klar, 
wenn es dich gibt, warum kommst du nicht zu mir?


Eine Reise wie diese, 
...
gib Kraft, noch einen weiteren Tag zu bewaeltigen
allen unseren Hassern gegenueber


und HIER ist das Stueck, von Shlomo Artzi und Awraham Tal aus dem neuen Album von Shlomo Artzi.

LAG BaOMER - heute abd. beginnt der 33. Omertag

Als der Tempel noch stand, wurde zwischen Pessach und Shavuot jeden Tag ein Omer (Masseinheit) Getreide dorthin gebracht. 
Wir bereiten uns auf das grosse Ereignis vor, die Uebergabe der Tora am Berg Sinai.
Nach der Zerstoerung des Tempels wurde diese Zeit eher eine traurige, viele Katastrophen geschahen dem juedischen Volk und dass der Tempel nicht mehr stand, war eine riesige Katastrophe fuer sich. 
Der Bar-Kochba-Aufstand wurde niedergeschlagen, es geschahen zu dieser Zeit Massaker und Pogrome. 
In der Omerzeit gelten daher leichte Trauervorschriften, es werden keine Hochzeiten gefeiert und man erinnert sich - wie so oft.
Der 33. Omertag, der heute abend beginnt (33 ist auf hebraeisch L"g, daher heisst es Lag BaOmer, 33 in der Omerzeit) ist eine Ausnahme, die Trauervorschriften gelten nicht mehr, die Haare duerfen geschnitten werden, die Maenner rasieren sich wieder. 

Simon Bar Jochai, ein Schueler Rabbi Akiwas, soll an diesem Tat auch verstorben sein und der Ueberlieferung nach direkt "in den Himmel aufgestiegen sein". Man feiert am Lag BaOmer also auch seine Yahrzeit in Meron, in Galilaea. Dort gibt es ein froehliches Fest mit Feuern und Tanz. 

Ich moechte einen anderen Aspekt herausgreifen. Man erzaehlt, dass in einer Zeit als 24.000 Schueler von Rabbi Akiwa an einer Seuche starben, das Sterben am 33. Omertag aufhoerte. 
Sie sollen gestorben sein, weil sie sich nicht den gegenseitigen Respekt entgegengebracht haben. 
Immer wieder geht es um Achtung eines jeden Juden, natuerlich eines jeden Menschen. Vorausgesetzt, dass er keine extremistischen Einstellungen hat oder Gewalt ausuebt (Gewalt kann auch in Worten ausgeuebt werden, Worte koennen wie Schlaege schmerzen und eine Wunde hinterlassen!!) sollten wir uns also bemuehen, immer wieder und jeden Tag, dem Anderen Achtung entgegenzubringen. Und das unabhaengig von seiner Einstellung. Ob er ashkenasisch ist, oder gar nicht religioes, eine andere Synagoge besucht, die als "nicht orthodox" gilt, oder nicht so lebt wie ich, es gilt, ihn zu achten und zu lieben. 
Schwer?
Natuerlich ist das unsere groesste Herausforderung. Die schlimmste Suende, so sagt schon der Chafez Chaim ist das Toeten mit der Zunge (wir sagen auch "Rufmord", wenn wir einem anderen Schlimmes nachsagen und er dadurch Schaden an seinem Ruf nimmt). 
Mit Worten koennen wir demuetigen, unsere Abneigung ausdruecken, Menschen das Gefuehl geben, dass sie im Gegensatz zu uns "nichts" sind. 
Wer sind wir, dass wir darueber urteilen, wer der bessre Jude, der bessere Mensch ist? Ich denke, wenn wir uns auf diese Eigenschaft beschraenken und versuchen, sie zu verbessern und zu veredeln, uns von Lashon haRa fernhalten, uns nicht an der "Hetze" und dem Getratsche ueber unsere Mitmenschen beteiligen, haben wir schon sehr viel geschafft. 
Nur gilt es wirklich Tag fuer Tag daran zu arbeiten. 
Denn - wenn wir uns einen ganzen Tag einmal in dieser Hinsicht beobachten und uns der vielen kleinen Situationen bewusst werden, in denen wir - wenn auch vielleicht nicht laut ausgesprochen - so doch in Gedanken urteilen, verurteilen, verachten, beurteilen, kritisieren...... dann spueren wir diese schlechte Eigenschaft und werden und des Ausmasses bewusst. 
An ihr zu arbeiten ist keine kleine Sache, es ist die Grundlage dafuer, den anderen als "Zelem Elokim" zu betrachten. "Im Angesicht G-ttes schuf er sie"... so heisst es und auch wir sind im Angesicht G-ttes geschaffen worden, wir haben den g-ttlichen Funken in uns, aber der Mensch neben uns auch!
Denken wir daran, dass an seiner Geburt G-tt beteiligt war, dass er wie ich von G-tt geschaffen wurden, dann koennen wir eigentlich nicht verachten oder verurteilen, sondern nur grosse Achtung empfinden. 
(Ich will damit uebrigens keinesfalls sagen, dass ich das kann.... aber daran zu arbeiten ist gleichzeitig eine fast nicht zu bewaeltigende Aufgabe, wie auch eine grosse Herausforderung. Und in jedem Falls schwerer als Toralernen!)
Viel Freude beim Ueben. 

Hayom Shneim ushloshim Yom, shehem Arbaa Shavuot veArba Yamim baOmer - heute ist der 32. Omertag

Betrachtungen deiner Staerke und deiner wahren Kraft
Manchmal scheint es uns, als sei "stark sein" gleichzusetzen mit maechtig oder aggressiv. Heute werden wir versuchen, die wahre Kraft zu suchen, die sich tief im Inneren befindet, in Bescheidenheit, in der Ruhe, und in sanftem "Angriff". 
Spirituelle Uebung: 
1. Schau dir die Menschen deiner Umgebung an, die, von denen du fuehlst, dass sie stark sind. Was ist deiner Meinung nach die Quelle ihrer Kraft?
2. Fange an, dich mit dieser Staerke zu verbinden, in Gedanken - und danach in Taten. 

(aus dem Omerkalender, von Edna Kadosh)

Dienstag, 8. Mai 2012

Dokumente und ein neues Treffen morgen..

Nun muss ich alle Dokument heraussuchen, sie zum Uebersetzen und beglaubigen faxen und darauf vertrauen "dass es gut wird..."
Morgen mittag treffe ich mich mit einem Mann in Tel Aviv, um mit ihm ueber Deutschschueler zu sprechen. Dies waere eine zusaetzliche Einnahmequelle. 
Ich freue mich auf den Tag, an dem ich wieder "taegliche Routine" leben darf, an dem ich eine winzige Wohnung mein eigen nennen darf und mich um Yogakurse, Sport und Theater kuemmern kann. 

Einen Monat Hoelle und neue Hoffnung...

Jetzt kann ich es ja erzaehlen. 
Ich habe im letzten Monat die Hoelle durchlaufen, mit einem Chef, der nicht normal spricht, sondern nur schreiend Anweisungen erteilt, dem nichts schnell genug geht, und der darueber hinaus Spass daran zu haben scheint, seine Mitmenschen zu demuetigen. 
Das ging soweit, dass ich nachts aufwachte und regelrechte Panikattacken durchlief im Hinblick auf den naechsten Tag. Angst, Weinen ohne Aufhoeren zu koennen, und die Ungewissheit, wie alles weitergehen soll. 
Ich wollte wenigstens den Monat durchhalten, um ein Gehalt zu bekommen, denn mit soviel Rueckendeckung bin ich nicht hierher zurueck gekommen. 
Ich suche seit 2 Wochen parallel zur Arbeit nach einem anderen Job, was natuerlich muehselig und von Seiten der Vorstellungsgespraeche fast unmoeglich ist. 
Vor 2 Tagen dann fing ich an, darueber nachzudenken, ob ich den Job kuendige, egal ob etwas Neues in Aussicht ist, nach Jerusalem zu den Freunden zu ziehen, um von dort aus weiter zu suchen. 
Gestern abend dann die schwere Entscheidung und die Kuendigung. 
Die koerperliche Reaktion kam prompt. Es fiel ein schwerer Stein von meinen Schultern, der sich seit 4 Wochen darauf eingerichtet hatte, und bei jedem Geschrei und Druck vom Chef schwerer wurde. 

Dass ich alles hinwerfen konnte, ohne andere Arbeit in Aussicht, ging mal wieder nur aufgrund der Rueckendeckung meiner Freunde, die mir zusicherten, ich koenne dann von Jerusalem aus Arbeit suchen. 
Ra ´anana ist darueber hinaus eine nette Stadt, aber gar nicht "meine". 
Ja, ich habe ihr keine Chance gegeben, und nach 4 Wochen kann man nicht viel beurteilen, aber die Freunde in Jerusalem bedeuten mir viel und ich wollte keinen Shabbat ohne sie verbringen, ohne das Vertraute, das Familiaere. Ich kann es nicht aendern, ich bin mit Jerusalem auf eine starke Weise verbunden. 
Und ja, ich weiss, dass es schwerer ist, in Jerusalem Arbeit zu finden, dass man in Tel Aviv und Umgebung, dem sogenannten Mercaz (dem Zentrum) viel leichter Jobs findet. 
So habe ich mich dann heute, nach dem Befreiungsschlag auf den Weg hinauf in die Berge gemacht, habe alte Kontakte im Hadassa-hospital aufgefrischt und ueberall erzaehlt, dass ich Arbeit suche. 
Als ich mit einer Freundin bei einer Tasse Cafe sass, kam die Antwortmail auf eine meiner Bewerbungen aus dem Beit Moses Elternheim (dem Altenheim der Jeckes, das der Aufsicht des Ergun Jotzei Mercaz Europa untersteht). Ich moege doch mit dem Leiter Verbindung aufnehmen. 
Da wir ganz in der Naehe im Cafe sassen, rief ich den Leiter des Heimes an und fragte, ob es ihm passe, dass ich kurz vorbeikomme. (Solche schnellen spontanten Vorstellungsgespraeche kann man auch nicht machen, wenn man noch einer anderen Arbeit nachgeht...)
Er sagte zu und eine Viertelstunde spaeter sass ich bei ihm. 
Ich bin Sozialarbeiterin, in Israel anerkannt vom Sozialministerium, registriert fuer das Land Israel. Aber ich bin auch examinierte Krankenschwester. 
Ausgerechnet als Krankenschwester wuerde man mich dringend brauchen, so sagte der Leiter mir und als ich ihm erzaehlte, dass ich vor ca. 3 Jahren im Gesundheitsministerium mein Examen anerkennen lassen wollte, man mir aber sagte, das habe keinen Zweck, da ich mehr als 10 Jahre nicht mehr in diesem Beruf gearbeitet habe, meinte er, sie wuerden alles tun, um mir zu helfen, dieses Examen hier anzuerkennen. 

Mein doch etwas angekratztes Selbstbewusstsein (4 Wochen lang zu hoeren, dass man zu langsam lernt, dass man nicht schnell genug ist, usw... geht nicht spurlos an einem vorueber, selbst wenn man vom Kopf her genau weiss, was man kann) faengt also gerade wieder an, ein wenig zu keimen und wird durch grosse Hoffnung genaehrt, und durch die Aussicht, eventuell doch wieder eine Chance in Jerusalem zu bekommen. 
Falls meine Leser ein klein wenig Zeit eruebrigen koennen, wuerde ich mich ueber ein winziges Gebet sehr freuen, dass es gelingen moege, dass ich eine neue Chance in der Stadt bekomme, wo all meine Freunde sind, die mir stets in den schwierigsten Zeiten beigestanden haben. 
Vielen Dank!
Und ein Dank an den Himmel. (es ist wieder Dienstag, Paamayim ki tov, zweimal war es gut... )

Herzliya


Montag, 7. Mai 2012

Fehlende Omertag (29, 30 und 31)

Eine kleine Zusammenfassung der fehlenden Omertage bisher:

Das Vermoegen, Luegen und Schlechtigkeit zu sehen und meine eigene Wahrheit ohne Kompromisse auszudruecken. 

Spirituelle Uebung:
1. Stelle dir ein Ereignis vor, bei dem du nicht zu deinem Wertesystem gestanden hast. Schau dir die Art an, wie du dich verhalten hast. Hast du geschwiegen? Hast du dich geaergert? Warst du neutral?
Stelle dir vor, wie du dein Verhalten verbesserst, stell dir deine Reaktion so vor, wie du dich gern verhalten haettest.

Das Vermoegen, danken zu koennen, entsteht aus Bescheidenheit. 
Bescheidenheit ist keine Wertlosigkeit, sondern die Anerkennung des Hoeheren (als ich). 
Dank - der Sinn und das Ziel des Dankes ist, dass ich nicht aufgeblasen vor Stolz bin, sondern das Gute im anderen anerkenne und das Gute von Hashem. 
Spirituelle Uebung:
1. Kann ich jemand anderem mit ganzem Herzen danken, wenn er mir etwas Gutes getan hat?
2. Wem gegenueber faellt es mir leicht, zu danken?
3. Wem gegenueber hingegen schwer?
4. Was fuehle ich, nachdem ich mich bei jemandem bedankt habe?

Die Betrachtung der Verbindung von Herz und Verstand
Reagierst du aus dem Herzen heraus oder mit dem Verstand?
Gibt es einen Ausgleich zwischen den beiden?
Spirituelle UebungÖ
1. Waehle ein wichtiges Ereignis in deinem Leben. 
2. Achte auf deine natuerlichen (spontanen) Reaktionen. 
3. Hast du auf rationale, verstandesmaessige Weise reagiert? oder emotional?
4. Reagiere jetzt, auf eine dir am wenigsten bekannten und vertrauten Weise...

(aus dem Omerkalender von Edna Kadosh sinngemaess uebersetzt)

Sonntag, 6. Mai 2012

Atempause...

Es gibt Zeiten, da muss man sich eine Pause goennen und tief durchatmen. 
Diese Zeit ist fuer mich gerade gekommen. Leider muss ich den Omerkalender vernachlaessigen. 
Bis bald..

Samstag, 5. Mai 2012

Shabbat Bar Mizwa

Der Shabbat war voller tiefer Eindruecke. Der Enkel meiner Freundin Ayala feierte Bar Mizwa und hat die gesamte Parashat haShavua incl. Haftara bravouroes gelesen! Anschliessend hatte die Familie einen reichhaltigen Kiddush fuer die Gemeinde vorbereitet und der Vater des Bar Mizwa hielt fuer seinen Sohn eine Ansprache, die die gesamte Gemeinde bewegte. Er bezog sich auf Sukkot, das Laubhuettenfest, das in der heutigen parasha erwaehnt wird und erklaerte, dass das "S"chach" (das Dach)meist von gleicher Bauweise ist , waehrend die Waende bei jeder Sukka unterschiedlich sind . Da es nicht sein leiblicher Sohn ist, der Bar Mizwa feierte, sondern der Sohn seiner Frau aus erster Ehe, betonte er, wie schwer es fuer die Kinder gewesen sein musste,sich ploetzlich an ein neues Heim, eine neue Sukka , zu gewoehnen. Dass in jeder Familie die Waende (sprich: die lebensart, die Gepflogenheiten, die Erziehung) unterschiedlich sind, sei ebenso bedeutsam wie die Tatsache, dass ein Wechsel von einer Sukka in eine andere schwierig und oft mit Schmerzen verbunden sei. 
Niemals aber moege der Mensch vergessen, dass das Dach fuer alle gleich sei, ueber uns weilt und wacht immer nur EINER, und das ist unser Trost, unsere Zuversicht und das Dach in der dunklen Nacht ueber uns. Er erinnerte seinen Sohn daran, dass er zwar andere Waende, andere Umstaende erleben musste, dass er aber immer den einen G"tt, das bestaendige "Dach" jeder Sukka, ueber sich wisse. Nach dieser bewegenden Rede war ich zum familiaeren Mittagessen eingeladen, was auch ein besonderes Erlebnis war. Die Frau des Vaters ist naemlich aus einer jemenitischen Großfamilie, was bedeutete, dass diese Feier ein sphardisch-aschkenasisches Ereignis wurde! Ich bin in Jerusalem geblieben und fahre erst morgen in aller Fruehe zurueck nach Raanana! Dort wartet eine neue anstrengende Arbeitswoche auf mich!

Donnerstag, 3. Mai 2012

Die Schoepfung um mich herum - eine Uebung!

Als ich die Gedanken vom Rav Kuk las, fiel mir ein, dass ich ja meine Bewusstheit fuer die Mesnchen um mich herum, fuer die Natur und die gesamte Schoepfung schaerfen und vertiefen wollte. 
Schliesslich bin ich nicht nur zum Arbeiten, nach Hause rennen, Cafe trinken und schlafen nach Israel gekommen, sondern auch und ganz besonders, um meine Midot (meine Eigenschaften) zu verbessern, um einen neuen tieferen Blick auf die Welt und meine Mitmenschen zu bekommen und so die Verbindung mit IHM mehr und mehr zu vertiefen. 
Schade, dass man im taeglichen Einerlei oft vergisst, was wichtig ist. 

So habe ich heute im Bus und auf dem Weg nach Yerushalaiym eine kleine Uebung mit mir selbst vorgenommen, die ich euch nur empfehlen kann. 
Schaut in die Gesichter. Setzt euch moeglichst vorne in den Bus, dann koennt ihr euch die Menschen anschauen, die einsteigen. Was haben sie fuer Hintergruende? Wo kommen sie her, wo wollen sie hin? Haben sie Kummer oder eine schwere Aufgabe zu erledigen? Wie sehen ihre Herzen aus?
Ich erwische mich oft, wie ich den Kopf senke oder gar nicht wahrnehme, was um mich herum passiert. Ich hoere Radio, lese oder bin so tief in Gedanken, dass das HIER und JETZT an mir vorbeilaeuft. 
Ich beschaeftige mich mit meinem Smartphone und freue mich, wie ich ueber Kontinente hinweg mit anderen Menschen in sekundenschnelle Kontakt haben kann, und waehrenddessen sehe ich den Menschen neben mir nicht mehr. 
Macht er ein trauriges Gesicht? Strahlt er Lebensfreude aus?
All das habe ich heute bei dieser bewussten kleinen Uebung gesehen. Ich habe die Gesichter angeschaut, die Muedigkeit gesehen und den Mann entdeckt, fuer den ich aufstehen sollte.
Auf diese Weise ist man seiner eigenen Seele naeher und der der anderen auch. 
Die Uebung ruft ein stilles inneres Laecheln hervor und ich freue mich auf meine naechste Uebung in "bewusstem Leben leben.."