Samstag, 30. Juni 2012

Ramat Rachel - Eine Zeitreise am Shabbat

Heute war ich rund um Kibbutz Ramat Rachel spazieren. Unter anderem war ich im archaeologischen Park, der sich unmittelbar hinter dem Hotel befindet. 
Einer der atemberaubenden Ausblicke auf die Umgebung eroeffnet sich dem Besucher, wenn er sich den drei Olivenbaeumen auf Saeulen naehert, ein Kunstwerk von Ran Morin
Die drei Olivenbaeume symbolisieren u.a. drei Religionen, Judentum, Christentum und Islam. Von dort aus kann man Bethlechem, das Herodion und Har Choma sehen. 
Im archaeologischen Park befinden sich Ausgrabungen von einem grossen Palast, sowie Anlagen zur Wasserversorgung. Einordnen lassen sich die ausgegrabenen Schichten in verschiedene Epochen, babylonisch, hasmonaeisch und roemisch. 
Frueher haben mich Ausgrabungen nie sonderlich interessiert, ich fand immer, dass alles gleich aussieht. Steine, Mauern, Ueberreste... 
Heute lebe ich in einer Stadt mit unzaehligen bedeutungsvollen Schichten. Jede fuer sich hat von freudigen Zeiten und Grausamkeiten zu berichten.  Und wenn ich mich zwischen den Steinen, Eingaengen zu Mikwen aus Tempelzeiten (Beit Sheni) und Oelpressen bewege, wuerde ich zu gern wissen, was damals dort geschah. Ich moechte den Alltag beobachten in einer Zeitreise, das Lachen und Schreien hoeren, um die Noete und Sorgen der Menschen wissen, die in diesen Mauern Tag fuer Tag ihr Leben lebten, ohne zu ahnen, dass sich 2000 Jahre spaeter eine Gioret auf den Ueberresten ihrer wiederentdeckten Gebaeude bewegen wuerde, sehnsuechtig nach einer geistigen Spur suchend.
Wie haben sie ausgesehen, was trugen sie fuer Kleidung und wie waren ihre Kinder erzogen? Was haben sie - im Gegensatz zu mir - gesehen, wenn sie ueber die Stadt schauten? Sie lebten unter demselben Mond, derselben Sonne. 
Ich entferne mich und will nach Hause gehen, kehre aber zweimal zurueck, da ich mich nicht loesen kann von der Geschichte, die hier fuer immer dokumentiert bleibt in jedem Staubkorn - und doch bleiben so viele Fragen, die nie beantwortet werden. 
Ob sich in 2000 Jahren auch jemand auf unseren Mauern bewegen wird, der nach unseren Spuren sucht und sich fragt, wie es damals war, im Jahr 2012?

Freitag, 29. Juni 2012

Wasser

Ich koennte stundenlang dem Geraeusch von Wasser zuhoeren, seinen frischen klaren Duft einatmen und mich dem Gefuehl hingeben, das Wasser koenne meinen Koerper reinigen, ohne dass ich davon koste. 
Es durchspuelt mein Inneres und macht mich froh und ruhig. Ich bin mit mir eins und feine Tropfen springen in die heisse Luft. 
Koennt ich doch ewig dem Wasser zuhoeren, einen Shabbat fuer die Seele zelebrieren. 

Shabbat shalom!

Mittwoch, 27. Juni 2012

Beschneidung (Brit Mila) strafbar in Deutschland - und alle Gojim klatschen laut Beifall!

Das Landgericht Koeln hat Beschneidungen verboten, wie sie im Judentum und Islam ueblich sind. (LG Köln, Urt. v. 07.05.2012, Az. 151 Ns 169/11)
Die Kommentare in den Zeitungen und in Chaims Blog lassen aufhorchen und Worte wie "barbarisches Ritual" schockieren mich. 
Endlich zeigen wir den Juden mal, was fuer Barbaren sie sind und dass das in Deutschland nicht zu tolerieren ist! Dumm nur, dass es auch die muslimische Bevoelkerung trifft, denn vor deren Reaktion (weil sie einfach in der Ueberzahl sind, u.a.) hat man Angst. Dies ist wohl auch der Grund, warum sich die katholische Kirche ploetzlich als Fuersprecher hinstellt und die "Religionsfreiheit" betont! Welch ein Witz! Ausgerechnet die, die mich bei einer meiner christlichen Arbeitsstellen in Deutschland zu einem G-ttesdienst "zwingen" wollten, obwohl sie mich als Juedin eingestellt hatten. 
Keine Befreiung wurde genehmigt, und keinen Tag Urlaub haette ich nehmen duerfen, auch nicht meine Arbeitskraft im Buero zur Verfuegung stellen duerfen. Dieselbe Kirche empoert sich nun dass den Juden und Moslems die Beschneidung verboten werden soll und ruft laut: "Religionsfreiheit!"

Wenn wir einmal davon absehen, dass Frauenaerzte den Frauen mit beschnittenen Maennern gratulieren, da die Beschneidung massgeblich zur Praevention von Gebaermutterhalskrebs beitraegt, muss man feststellen, dass die Ausuebung des Judentums in Deutschland schrittweise unmoeglich gemacht wird (gemacht werden soll?). 
Ich stelle dazu nur eines fest: Es heisst, dass G-tt uns das Leben in der Galut bitter und unmoeglich machen will, damit wir verstehen, wohin wir gehoeren, wo unser Platz ist. 
Auch ohne Verbot der Brit Mila ist ein religioeses juedisches Leben in Deutschland unglaublich schwierig (Stichwort kosheres Essen). 
Mit einem Verbot, die Brit Mila an 8-Tage alten Jungen durchzufuehren, geht Deutschland noch einen Schritt weiter, Juden die Ausuebung ihrer Religion zu erschweren. 
Wieviel Zeichen muessen wir noch ignorieren, bis wir verstehen?


Von der Wiege bis zur Bahre scheint juedisches Leben schwierig bis unmoeglich in Deutschland zu sein. Brit Mila soll eine strafbare Handlung werden, das Schaechten ist nur in Ausnahmefaellen erlaubt, und beerdigt werden darf man in Deutschland auch nur in einem Sarg. (Weil die Kontamination der Umwelt nicht ausgeschlossen werden kann, so gibt man an. Da muss die Umwelt in Israel ganz schoen kontaminiert sein, von all den Leichen ohne Sarg!)

Rimonim - Granataepfel

So sehen unsere Granataepfel schon aus zurzeit. Nun muessen wir noch eine ganze Zeit warten, bis sie dick und rot an den Baeumen haengen und wir sie geniessen koennen! Ich freue mich jetzt schon auf die koestliche gesunde Erfrischung. 
Ca. im Okt. ist es soweit!

Aliya (Einwanderung nach Israel) - FAQ

Obwohl ich schon viel zum Thema Alyia und ihre Freuden, Leiden und Schwierigkeiten geschrieben habe, sehe ich mich gefordert, FAQ aufzufuehren, da sich die Anfragen in letzter Zeit haeufen, und ich schon einige blind in ihr Unglueck rennen sehe. 
Ich moechte euch nicht entmutigen und wuerde den Schritt immer wieder machen. Wie ihr wisst, scheue ich ja auch nicht davor zurueck, noch in "hohem Alter von 54" mehrmals mit Nichts von Vorn anzufangen. 
Planung aber war auch bei mir immer mit im Spiel, auch wenn das manchmal nicht so aussah. Meine Entschluesse sind relativ spontan, aber ohne gute Vorplanung eine Alyia zu machen, ist Selbstmord. Liebe zum Land, Euphorie und Gedanken wie: Das wird schon alles klappen, in allen Ehren, aber bitte gebt euch Zeit, die Alyia vorzubereiten. 
Es werden noch genug gemischte Gefuehle auf euch einstroemen, auch in psychologischer Hinsicht - mal ganz von den technischen Schwierigkeiten abgesehen - ist das eine riesige Veraenderung, vom kuscheligen sicheren Deutschland in den Mittleren Osten zu kommen. Wenn ich erzaehle, mag das alles locker flockig klingen, aber es wird fuer jeden genug Steine geben, die er aus dem Weg raeumen muss. Jeder Stein zieht wieder Energie und Energie ist etwas, was ihr dringend benoetigt und womit ihr moeglichst sparsam umgehen solltet. Wenn ihr ein paar wichtige Tipps nicht in den Wind schlagt, koennt ihr euch viele Schweissperlen ersparen und diese Energie in die Arbeits - und Wohnungssuche stecken, oder in die Streitigkeiten mit den Behoerden. 

Ich moechte hier auf einige wichtige Fragen eingehen, die ich in den letzten Wochen/Monaten gestellt bekam:

1. Eine gute Gelegenheit hat sich ergeben, und ich moechte entgegen meiner Planung moeglichst schnell Alyia machen. Geht das auch schneller als im normalen Antragsverfahren bei der Jewish Agency?


Ich rate jedem dringend von Schnellschuessen ab! Falls ihr etwas laengerfristig geplant hattet, solltet ihr das auch beibehalten, es sei denn ihr habt ein super Angebot fuer Arbeit, was aber kaum sein kann, wenn ihr noch keine T.S. (I.D.) habt, die so etwas ist wie ein Personalausweis in Deutschland. Ohne eine I.D. gibt euch kaum jemand Arbeit. Prueft daher dubiose Angebote genauestens!
Die Jewish Agency braucht ihr zum Einwandern. Ihr koennt auch - wenn ihr Juden sein (gem.der Halacha) - nach Israel fliegen und dortbleiben, ich habe mir aber sagen lassen, dass alles dann etwas schwieriger ist. 
Bei der J.A. (Berlin, Frankfurt) stellt ihr euren Antrag, dort wird man euch sagen, wie lange es in etwa braucht, bis ihr einwandern koennt. Nehmt euch von Entscheidung und Antrag bis zur Einwanderung MINDESTENS ein halbes, besser ein ganzes Jahr Zeit. Es gibt sehr viel zu planen, und auch die innere Planung sollte beruecksichtigt werden. Man wechselt nicht mal so eben von Europa in den Mittleren Osten!!
In der J.A. gibt es Antragsformulare, die ihr ausfuellen muesst. Die Mitarbeiter sind nett und darauf gefasst, dass ihr oft anruft um nachzufragen. Ihr werdet aufgefordert, einige Dokumente einzureichen. Das verlangt das Misrad haPnim (das Innenministerium) in Israel und dieses korrespondiert nicht mit euch persoenlich, sondern ueber die J.A. 
Ich haette mir sehr viel Gerenne ersparen koennen, wenn ich meine Geburtsurkunde haette uebersetzen lassen. Das sagt einem kaum jemand, dass Dokumente wie Heiratsurkunden, Diploma, Examina oder Scheidungsurkunden am allerbesten ins Hebraeische, moeglich aber auch ins Englische uebersetzt werden sollten. Alles was fuer die Jobsuche wichtig ist, ist sowieso zu uebersetzen. 

2. Wenn ich in Deutschland alles abschliesse, und mich abmelde, habe ich nichts mehr mit Deutschland zu tun, oder?


Ihr solltet fuer alle Faelle jemandem eine Vollmacht erteilen (beim Rechtsanwalt erhaeltliches Formular, das eine Person eures Vertrauens ermaechtigt fuer einen bestimmten Zeitraum in eurem Namen zu handeln. (ein Jahr) 
Wofuer? 
Ihr werdet euch wundern, wie viele Nachfragen noch kommen koennen, selbst bei sorgfaeltigster Planung, z.B. eine Stromnachzahlung oder Rueckzahlung (Konto angeben, auf welches evtl. Rueckzahlungen ueberwiesen werden koennen), Telefonrechnungen usw. 
Punktgenaue Kuendigungen gibt es selten, am besten ihr koennt vor der Ausreise noch ein paar Wochen bei jemandem zu Gast wohnen, dann muesst ihr nicht punktgenau aus eurer Wohnung. 

3. Was mache ich, wenn ich nicht genug Geld zum Essen habe, gibt es in Israel Essen in einer Art Armenkueche?


Ich moechte euch nicht schockieren, aber wer mir solche Fragen stellt, sollte bitte nicht (oder NOCH nicht) an Einwanderung denken. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, ob ich in der Armenkueche essen muss, denn 1. solltet ihr soviel Geld sparen und mitnehmen, dass ihr ca. (mindestens!) ein halbes Jahr ohne Einkuenfte leben koennt (mit Miete zahlen, Nahrung). 
Eine kleine Wohnung im teuren Jerusalem z.B. kostet ca. 2000 Shekel, wenn es euch egal ist, in welcher Gegend und ob es nur ein Zimmer ist. 
Essen und die Lebenshaltungskosten sind NICHT billiger als in Deutschland, im Gegenteil. 
Alles ist teurer, im Verhaeltnis, nur ein paar Dinge nicht, diese sind Fahrten mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln, Gemuese und Obst. 
Wer mit Familie einwandert, muss noch vorsichtiger sein und mehr Geld einplanen. 

4. Was bekomme ich als Neueinwanderer vom Staat an Unterstuetzung?


In keinem anderen Land bekommt ein Neueinwanderer derartig viel finanzielle Unterstuetzung. 

Sal Klita: der sogen. Einwandererkorb enthaelt u.a. acht Monate lang Zahlungen von ca. 230 EUR monatl. (insgesamt ca. 15000 Shekel, das sind 3000 EUR).Die Zahlungen werden puenktlich jeden Monat auf euer Konto ueberwiesen. 
Um diese Zahlungen zu erhalten, muesst ihr bereits am 2. Tag ein Bankkonto eroeffnen, um dies eroeffnen zu koennen, muesst ihr eine Teudat Sehut habe, die es im Innenministerium gibt. (der Personalausweis, ohne den ABSOLUT gar nichts geht.)
Keine Teudat Sehut = kein Bankkonto = keine Zahlungen aufs Konto!!!

5. Ich bin verwirrt, was muss ich denn alles erledigen in den ersten Tagen?


1. Flughafen: Angeben, in welche Krankenkasse du moechtest. (Maccabi, Meuchedet, Klalit, tun sich alle nicht viel). Du bekommst die Gebuehren mit Sal Klita i.d. ersten 8 Mo bezahlt.
Ihr bekommt eure Teudat Ole (Einwandererausweis) und die erste Rate des Sal Klita (ca. 250 EUR) und werdet auf Kosten des Staates zu eurer ersten Adresse gefahren (mit einem Taxi, NICHT mit dem Sherut, und zwar ueberall hin wo ihr wollte, solltet ihr also in Eilat wohnen wollen, direkt nach der Einwanderung, geht es mit dem teuren Taxi bis nach Eilat! das sind mehr als 300 km)

2. Moeglichst am ersten Tag zum Misrad haPnim mit ALLEN Papieren. Es kann sein, dass du die gleichen Papiere, die du der J.A. einreichen musstest, nochmal alle vorlegen musst. (Original, Kopie mitnehmen!!). Auch wenn man dir in der J.A. sagt, dass alles erledigt ist, stimmt das nicht immer. Ich musste alles noch einmal vorweisen!.
Dazu zaehlen auch Giur-papiere, (Original, Kopie).Eine Bescheinigung vom Rabbiner, dass ihr aktives Gemeindemitglied ward im letzten Jahr vor Einwanderung, muss schon bei der J.A. eingereicht werden, nehmt aber eine Kopie fuers Misrad Hapnim mit. 
Geduld! Nicht aufregen! Ihr werdet dort nicht immer nett behandelt. Wenn ihr das Glueck habt, einen Israeli mitnehmen zu koennen, der die Behoerden kennt, dann tut das!!!
In der Vorbereitungsphase so viel wie moeglich hebraeisch zu lernen, erleichtert den Behoerdengang ungemein. Es schuetzt trotzdem nicht vor Frechheiten seitens der Mitarbeiter. Dickes Fell anschaffen!
Ihr werdet zum Fotografen geschickt (meist in der Naehe des Amtes), dort muesst ihr Fotos machen lassen fuer die T.S. 
Mit der T.S. in der Tasche koennt ihr alles machen, einschliesslich Arbeit annehmen. Ueberall werdet ihr nach dieser Nummer gefragt, fast alles geht in Israel ueber die T.S. (Telefonvertraege, Krankenkasse, Sozialversicherung usw.), weshalb ihr in kuerzester Zeit diese Nr. auswendig wisst. (anders als in Deutschland)

3. Mit der Teudat Sehut geht ihr zur Bank, eroeffnet ein Bankkonto. Waehlt eine Bankfiliale in unmittelbarer Naehe zur Wohnung, oder dem Mercaz Klita. 

4. Mit der Bankkontonummer geht es zum Misrad haKlita. Dort muss man eure Kontonummer wissen, denn sofort gibt es die 2. Rate auf euer Konto. Ohne Konto, kein Geld, und ohne Teudat Sehut keine Kontoeroeffnung, denkt daran!!

Das sind die allerwichtigsten ersten Aemtergaenge. Es gibt noch ein Dokument der Krankenkasse, was ihr bei der Post einreichen muesst, und damit geht es dann zur Krankenkasse,wo ihr eure Magnetkarte bekommt. 

6. Wo kann ich wohnen anfangs?


Ich habe im Internet nach einer Wohnung fuer einige Wochen gesucht, und von einer Studentin angemietet. Falls ihr bis zu 35 Jahren alt seit, koennt ihr im Mercaz Klita wohnen, die Kosten bei der J.A. erfragen. Es ist recht guenstig, garantiert euch aber kein Einzelzimmer!

7. Wie suche ich Arbeit?

Wohnungs-und Arbeitssuche laufen meist ueber das Internet. Es gibt englisch-sprachige Internetseiten, aber ich rate dringend, schon so viel hebraeisch mitzubringen, dass ihr euch ohne Schwierigkeiten auch auf den hebraeisch-sprachigen Seiten zurecht findet. 
Schon in Deutschland koennt ihr so checken, ob ihr alles versteht, was auf diesen Seiten steht. Es gibt bei der Wohnungssuche bestimmte Schlagworte, die immer wieder auftauchen. Gerade diese koennt ihr schon in Dtland lernen. (moebliert, mit Parkplatz, helle Wohnung, keller, Speicher, Balkon, Erdgeschoss, all diese Worte sind leicht zu lernen und werden euch die Suche erleichtern)
Bei der Arbeitssuche (Teamarbeit, selbststaendiges Arbeiten, Erfahrung in diesem Bereich, usw)

8. Wie behalte ich die deutsche Staatsangehoerigkeit?

Deutschland genehmigt in der Regel keine zwei Staatsangehoerigkeiten. D.h. man benoetigt eine Ausnahmegenehmigung zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehoerigkeit im Falle der Annahme einer anderen Staatsangehoerigkeit. 
Das heisst, in erster Linie, die J.A. darueber informieren, dann bekommt ihr ein Dokument zugeschickt, das ihr ausfuellen muesst, in dem ihr offiziell die Annahme der israelischen St. ausschlagt. (nicht erschrecken, das ist nicht schlimm, und hat keine Konsequenzen auf eure Rechte, ausser, dass ihr nicht die Regierung waehlen duerft. Mit der Teudat Sehut duerft ihr in Israel wohnen und arbeiten. Ihr braucht also eigentlich gar keine isr. Staatsangehoerigkeit, und reisen koenntet ihr mit einer Teudat Maavar (das ist eine Bescheinigung die ihr beim Innenministerium bekommt). Ich kenne einige Buerger, die ganz bewusst die israelische St. gar nicht angenommen haben. 
Falls ihr das aber wollt, muesst ihr eben erst die Annahme ausschlagen, und zwar deshalb, weil ihr bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv zunaechst die Beibehaltung der deutschen St. beantragen muesst. (dauert vom Antrag an ca. 2-4 Mo und kostet 250 EUR). Die Deutsche Botschaft hilft euch bei der Formulierung und wird euch beraten, ob eure Begruendungen Aussicht auf Erfolg haben. Ihr muesst naemlich begruenden, warum ihr die deutsche St. behalten wollt. (da zaehlen bleibende Bindungen zu Deutschland wie enge Verwandte (Kontakte muessen genau beschrieben werden, wie haeufig, usw) oder Eigentum in Deutschland. Des weiteren verlangt man eine Begruendung, warum ihr unbedingt die israelische annehmen wollt/muesst. Evtl. habt ihr einen Beruf im Staatsdienst, weshalb es erforderlich sein koennte, usw.
Ueberlegt es euch gut, denn vielleicht koennt ihr auch gut mit der deutschen St. leben ohne eine isr. annehmen zu muessen. 
Die deutsche ganz aufzugeben, im Anflug einer "ich bin jetzt Israeli-Euphorie" ist meiner Ansicht nach leichtsinnig! Es gibt hierzu verschiedenen Meinungen. Die einen sagen "Ich will Israeli sein, und mit allen (auch negativen) Konsequenzen. 
Jeder Israeli jedoch wuerde sich um einen EU-Pass reissen, und falls ihr einmal schwer krank werden solltet, oder aus verschiedenen Gruenden scheitern solltet, wuerde euch in Deutschland als Buerger immer HARTZ IV zustehen. Werft das nicht in den Wind! In Israel zu verarmen oder chronisch krank zu werden ist nicht lustig und von unserer Bituach Leumi (der Sozialversicherung) kann man im Gegensatz zum deutschen Hartz IV NICHT ueberleben!

Habt ihr die Genehmigung der Beibehaltung der deutschen St. in den Haenden, koennt ihr dann die israelische St. beantragen. Man wird euch fragen warum ihr sie denn erste ausgeschlagen habt und ihr muesst dann erklaeren, dass die Genehmigung, die deutsche zu behalten, kein Telefonanruf ist, sondern ein laengeres Verfahren. dann bekommt ihr die israelische und muesst den deutschen Behoerden mitteilen, wenn ihr sie angenommen habt. Fuer die Annahme der israelischen habt ihr naemlich auch einen gewissen Zeitraum Zeit, dann verfaellt diese Genehmigung (zwei Jahre glaube ich)
Kompliziert? 
Naja.. wie man es nimmt. Immerhin geht es um eine doppelte Staatsbuergerschaft, und die ist es wert, oder?

9. Wie kann ich schon in Deutschland hebraeisch lernen?

Ich habe mir das Buch von Langenscheidt (hebraeisch lernen, gelber Umschlag) mit CD gekauft. Es ist sehr teuer, aber das Geld wert. Falls es in eurer Stadt Kurse gibt, umso besser. (Uni, Volkshochschule, juedische Gemeinde)

10. Sollte ich in Israel einen Ulpan (Hebr.kurs)besuchen?


Unbedingt! Ihr bekommt ihn bezahlt, falls ihr in einem bestimmten Zeitraum nach der Alyia anfangt.Erkundigt euch in der Stadt wo ihr wohnen werdet, wo Kurse angeboten werden, dann geht dorthin, und macht einen Einstufungstest, manchmal stuft man euch schon in Kita B oder Gimmel ein, mit dieser BEscheinigung, in welchen Kurs ihr passt, geht ihr zum Misrad Klita und bekommt eine Bescheinigung, dass der Ulpan bezahlt wird. 
Leider musste ich den Kurs schon nach 2 Monaten wieder verlassen, weil ich mich ernaehren musste, also zugunsten der Arbeit.Bei der Arbeitsstelle habe ich aber nur hebr. sprechen muessen, so dass ich sehr viel praktische Uebung hatte. 
Drueckt euch nicht vor hebr. sprechender Umgebung, sucht das Gespraech, sucht evtl auch Arbeit, bei der ihr hebr. sprechen muesst, und umgebt euch nicht nur mit deutsch-oder englisch-sprechenden Menschen. 

Ich moechte die FAQ erweitern und daher euch bitte, euch weiter an mich zu wenden mit euren Fragen, die ich dann fuer alle - wenn sie interessant sind - hier auffuehren werde. 






Montag, 25. Juni 2012

"Ein Funke" vom Rav Kook

Glueck und die eigentliche Natur

Die Hauptsache am Empfinden von 
Schwierigkeit und mangelnder Genugtuung, 
die den Menschen ereilen
liegt darin, 
dass er sich weit entfernt
von den Dingen, fuer die er auf eigene 
natuerliche Weise begabt ist

(frei uebersetzt aus dem Buch "Nizozot", Gedanken vom Rav Kook)

Alte Menschen und ihr Entscheidungsspielraum

Im Bereich: Betreuung aelterer Menschen stosse ich immer wieder auf den Grenzbereich der eigenen Entscheidungen. 
Gestern durfte ich die aeltere Dame kennen lernen, die ich (laut Tochter) zweimal in der Woche besuchen soll. Die Tochter meinte, da sie urspruenglich aus Deutschland kommt, wuerde das mit uns sicher gut passen. Sofort am Anfang machte sie mir aber klar, dass sie z.B. keinerlei Ambitionen hat, Deutsch zu sprechen, wobei mein Herz gleich huepfte, und ich ihr sagte, da haetten wir etwas gemeinsam. Auch ich springe nicht in die Luft, wenn man mir sagt, man will mir jemanden vorstellen aus Deutschland, damit ich wieder in meiner Muttersprache sprechen kann. Wie ich schon oft erzaehlte, habe ich das Gefuehl, hebraeisch ist die Muttersprache meiner Seele, daher ist das Beduerfnis nicht vorhanden, mit vielen Menschen Deutsch sprechen zu wollen. Auch bringt es nicht sehr viel weiter, man kann in einer Sprache - so meine Meinung - nur tief hineintauchen, wenn man eine lange Zeit die Muttersprache "vernachlaessigt". Natuerlich spreche ich mit meinen Kindern Deutsch und schreibe ja auch Deutsch, aber das soll sich in Grenzen halten. 
Zurueck zur aelteren Dame. 
Es war ganz offensichtlich, dass die Idee, dass ich zweimal in der Woche zu ihr komme, nicht von ihr kam und als wir spaeter allein zusammensassen, aenderte sie die Abmachung zunaechst einmal auf einmal die Woche. 
Ich konnte das irgendwie gut verstehen, da ich mich oft mit dem Thema beschaeftige, wieviel Selbstbestimmung hat ein alter Mensch noch, oder laesst man ihm?
Die Kiner meinen es gut, und wenn sie finanziell nicht schlecht dastehen, ist es wunderbar, ausser einer Philipppinin, die Tag und Nacht anwesend ist, auch noch eine Art Gesellschaft einzustellen, die mit den alten Menschen evtl. spazierengeht, oder einfach mit ihnen spricht. Die Idee ist gut gemeint und wird manchmal, wenn sie mit sanfter Gewalt durchgedrueckt wird, spaeter sehr positiv aufgenommen. 
Nur - immer wieder steht das Thema im Raum, wieviel darf ein Mensch in diesem Alter (Mitte 80) noch selbst bestimmen, wenn er keine demenziellen Symptome aufweist (und auch wenn er dies tut, in welchem Rahmen kann man ihm die Selbstbestimmung lassen, so dass er sich nicht wie ein bevormundetes Kind fuehlen muss?)
Auch wenn ich erst 54 bin, kann ich mich in viele Menschen hineinversetzen und das fuehlen, was sie fuehlen muessen. 
Darf ein alter Mensch bestimmen, dass er einfach keine Lust hat, hinauszugehen? Es reicht ihm am Tisch in der Sonne mit einer atemberaubenden Sicht ueber Jerusalem zu sitzen, den Wind hineinkommen zu lassen und dort Cafe zu trinken. 
Ja, es ist der Gesundheit zutraeglicher, einen Gang pro Tag zu machen und ja, der Arzt raet dazu, um das Herzinfarkt -und Schlaganfallrisiko zu minimieren. 
Aber was, wenn der aeltere Mensch einfach nicht will?
Ich moechte es selbst bestimmen, ob ich hinausgehe, moechte selbst waehlen, wer meine Gesellschaft sein soll, es sei denn, ich gefaehrde mich selbst und kann so nur eingeschraenkt entscheiden. 
Oft sieht es so aus, als sei man in einem bestimmten Alter wieder ein Kleinkind. Da haengt es sehr von den Kindern ab, wie sie damit umgehen. 
Ich weiss um den Zwiespalt, und wie schnell es auch ins umgekehrte Extrem gehen kann, dass die alten Menschen vernachlaessigt werden und sich niemand um ihr Wohl kuemmert. 
In diesem Falle heisst es oft: Wie kann die Tochter (seltener der Sohn, selbst wenn es der eigene Sohn ist, kuemmert sich oft die Schwiegertochter, was ein ganz eigenes Thema waere und was mich auch immer wieder sehr aufregt) das zulassen? Oder: koennen die Kinder nicht dafuer sorgen, dass X. oder Y. einmal am Tag hinausgeht? 
Ich hoere mich eher oft denken: koennen die Kinder die Eltern nicht einfach mal "in Ruhe lassen", nicht im Sinne von Vernachlaessigung, aber in der Hinsicht, die Entscheidungen in gewissem Rahmen zu respektieren, solange sie nicht direkt Schaden anrichten?
Durch meinen Vater weiss ich, wie schwer es ist, einen depressiven Menschen davon zu ueberzeugen, dass die Natur und ein Spaziergang der Besserung seines Zustandes sehr zutraeglich waere. Und er war erst 60. 

Kurz gesagt: ich plaediere dafuer, dass selbst Menschen mit Demenzkrankheiten kleine Entscheidungen selbst treffen sollten (solange das im Rahmen des Nicht-schaedlichen ist) und Menschen, die "nur aelter werden" nicht soviel Energie aufbringen muessen, um ihren Kindern klar zu machen, dass sie selbst wissen, was gut fuer sie ist und was ihnen Spass macht. 
Und noch einmal - mir ist bei der ganzen Sache sehr klar, dass ein leichter Zwang doch spaeter dazu fuehren kann, dass die Eltern dankbar dafuer sind, dass es insgesamt ein positiver Gedanke und Impuls war, ein wenig Druck auszuueben.
Eine schwierige Gratwanderung, aber wenn man sich moeglichst oft in den aelteren Menschen, um den es geht, versucht, hineinzuversetzen, kann das Verstaendnis dafuer wachsen, manchmal auch offensichtlich falsche Entscheidungen so zu respektieren. 

Samstag, 23. Juni 2012

מודה אני


רוח עדינה מלטפת את עורי
את נשמתי
לוחשת לי, שאני בבית
בעיר שהרים סביב לה
והשם סביב לעמו
סביב גם לי
לנשמתי
תפילה אשא אל אל עליון
לצעוק ולבכות אליו "מודה אני 
על כל הפלאים שהענקת לי
שהחזרת אותי
אל ביתי

Ein Nebenjob - ohne Putzen

Anscheinend komme ich doch um´s Putzen herum. Es gibt ein neues Angebot fuer einen Nebenjob, das attraktiv klingt. 
Eine Freundin der Tochter von Sharon (erinnert ihr euch noch? Die aeltere alzheimerkranke Dame, fuer die ich mehr als ein Jahr Gesellschaft war in Jerusalem) sucht nach einer zusaetzlichen Betreuerin fuer ihre Mutter, die Mitte achtzig ist. 
Die Mutter ist urspruenglich Jeckin, d.h. aus Deutschland und wuerde sich ueber jemanden, der mit ihr Deutsch spricht, sehr freuen. 
Morgen treffe ich sie zum ersten Mal. 
Mit meinem Job werde ich zwar relativ gut auskommen, zumal meine Miete nicht unerschwinglich sein wird, jedoch ist die Zeit bis zum ersten Gehalt noch lang (10. Juli) und so langsam wird es eng. 
Zusaetzlich moechte ich mir gern etwas beiseite legen, falls ich einmal von heute auf morgen keine Arbeit mehr habe (alles ist moeglich, wenn man vom Tourismus abhaengig ist) werde ich so nicht so schnell in Panik verfallen und habe ein wenig Zeit zum Suchen. 
Ich bin gespannt auf die alte Dame.

Freitag, 22. Juni 2012

Shabbat shalom


Es gibt nichts heiligeres als das Leben...

"Es gibt nichts heiligeres als das Leben" wiegeln Miriams Eltern ab, wenn sie ihnen sagt, dass sie eigentlich nichts mehr moechte als den Tod. Sie kennt Dignitas, eine Institution in der Schweiz, die Menschen hilft, auf wuerdige Art und Weise ihrem Leben ein Ende zu setzen. 
Auf wuerdige....
Das Zitat des Monats, auf den Seiten von Dignitas lautet:

«Darauf zu bestehen, dass ein Mensch auf eine Art und Weise stirbt, die nach Meinung anderer richtig ist, für ihn selbst jedoch in einem gravierenden Widerspruch zu seinem Leben steht,
ist eine Form menschenverachtender Tyrannei.»
Ronald M. Dworkin( * 1931)amerikanischer Philosoph


Ja, auch ich weiss, dass es im Judentum nicht erlaubt ist, sich selbst das Leben zu nehmen. Und in der Regel sehe ich das auch so. 
Mein Vater nahm sich das Leben, nach jahrelanger Depression. Da war ich 30. Er hat sein Leben nicht mehr als solches empfunden, obwohl ich denke, es haette einen Ausweg gegeben, statt den Tod. Aber wer von uns mag das einem anderen Menschen schon vorschreiben?
Wer von uns hat das Recht, Miriam ins Gesicht zu sagen, dass ihr Leben kostbar ist, dass sie nicht das Recht hat, es wegzuwerfen. 
Sie steht unter staendigen Schmerzen, bekam Bestrahlungen, die ihren Magen zerstoerten, kann nichts essen ausser Fluessignahrung. Sie robbt morgens zum Rollstuhl und trinkt ein wenig davon. Dann nimmt sie ihre naechste Ration Tabletten, Morphium ist auch darunter, damit sie die Schmerzen aushaelt. Wenn sie zuviel davon nimmt, damit die Schmerzen ertraeglicher werden, hat das zur Folge, dass die Verstopfung dramatischer wird, der Schmerz im Bauch beginnt dann. 
Sie hat keine Kraft rauszugehen, spazierengehen ist kein Genuss, auch im Rollstuhl gefahren werden nicht. Ich darf ihr nicht helfen zu putzen, da jedes Geraeusch, zurzeit sogar jede kleinste Beruehrung die staerksten Schmerzen ausloest. Ein Windhauch ueber ihrer Haut ist wie ein Schlag mit dem Stock. 
"Das heiligste ueberhaupt, ist das Leben!" sagen ihre Eltern ihr als Antwort, wenn sie von Dignitas erzaehlt. Sie glauben, dass irgendwann einmal ein Arzt erscheinen wird, der eine Loesung hat, der sie heilen kann. 
Darauf muss man hoffen, so sagen sie. 
Muss man das?
Sie ist 40 Jahre alt, volljaehrig, hat keine Kinder und keine Freunde. Sie wohnt allein. Wer will ihr verbieten fuer sich selbst diese Entscheidung zu treffen?
Aber sie braucht im Grunde die Unterstuetzung ihrer Eltern, die sie zu den Aerzten fahren muessten, um Bescheinigungen fuer Dignitas einzuholen, um sich untersuchen zu lassen. 
Denn nicht jeder kann einfach dorthin fahren, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Es muss Hand und Fuss haben, muss ohne Aussicht auf eine Besserung sein. 
Das ist es, ohne Zweifel, aber ihr fehlt die Kraft, all das einzureichen, was man benoetigt. 
Ihre Eltern sind meine Freunde. Was kann ich tun? Mit ihnen sprechen? Das wird nicht viel helfen, dennoch werde ich es tun. 
Ja, ich weiss, es hoert sich furchbar an, aber ich kann sie verstehen, moechte am liebsten laut schreien: "Hoert denn niemand ihren stummen Schrei? Sie kann ja nicht einmal mehr schreien, denn dazu fehlt ihr die Kraft."
Ich weiss, das Judentum kennt auch keine Loesung, ausser auszuharren, IHN entscheiden zu lassen, wann es zuende ist. 
Aber was mir immer durch den Kopf geht, wenn es um dieses Thema geht ist folgendes: Warum gehen wir mit all unseren Haustieren zum Tierarzt, wenn sie leiden und sagen, dass wir sie nicht unnoetig leiden lassen wollen, dass wir ihrem Leiden ein Ende bereiten wollen. 
Warum geht uns das leichter ueber die Lippen, als das Verstaendnis, - nicht einmal die aktive Hilfe - fuer Menschen, die ihrem Leiden ein Ende bereiten wollen?


Ich muss ploetzlich weinen, und bin gleichzeitg wuetend. Aber nicht, weil ich durch sie mit dem Tod konfrontiert werde. Das ist traurig und ich wuerde auch weinen, wenn es nicht so kompliziert waere. Was es aber fuer mich persoenlich unertraeglich macht, was mich tief trifft, ist jedes Mal die Enttaeuschung ueber das Unverstaendnis, Menschen in ihren Entscheidungen anzunehmen, sie zu achten, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne moralische Vortraege.
Das ist etwas, was ich schlecht aushalten kann.


Mittwoch, 20. Juni 2012

Gewaltopfer in der religioesen Gesellschaft

Ich hatte ein eindrucksvolles Gespraech mit einer Freundin, die ebenfalls Sozialarbeiterin ist. Sie arbeitet in einem Krankenhaus und muss auch Bereitschafts-Notdienst leisten. 
Gewalt"opfer", in der Regel Frauen und Kinder,  sind es, mit denen sie haeufig konfrontiert ist und in vielen Faellen ist die Gewalt nicht sichtbar und koerperlich, sondern wird auf eine ganz andere, subtile Art und Weise ausgeuebt. Ich kann nicht beurteilen, was schlimmer ist, Schlaege oder diese grausame Art der Demuetigung. 
Schockierenderweise kommen viele der Frauen aus dem ultraorthodoxen Bereich und werden von ihren Maennern auf ganz grausame Art und Weise "kleingemacht" oder koerperlich misshandelt.
Da ist von einer Frau die Rede, die betet, und jedes Mal stoert ihr Mann sie beim Gebet. Er stellt sich neben sie und sagt ihr pausenlos, wie wertlos ihr Gebet ist, wie falsch sie betet und wie wenig ihr Gebet erhoert werden wird. Sie findet keine Ruhe vor ihm und muss den Psychoterror entweder aushalten, oder kann versuchen, sich Hilfe zu holen und sich scheiden lassen. Das ist in der Regel jedoch eine Riesengeschichte und auch in diesem Falle hat der Ehemann die Karten in der Hand. Er kann ihr einfach den Get (den Scheidungsbrief) verweigern. Nicht wenige Frauen werden so daran gehindert, sich neu zu verheiraten, eine neue Familie zu gruenden. Aussichtsloser ist es noch, wenn der Mann einfach verschwindet, unauffindbar ist und so ueberhaupt nicht auf ihn eingewirkt werden kann, in eine Scheidung einzuwilligen. Diese Frauen koennen keine gueltige neue Ehe schliessen auf religioese Art. Jedes Kind, was sie zur Welt bringen wuerden aus einer anderen Verbindung ist ein "Mamser" ( aus einer verbotenen Verbindung geboren). 

Da ist von einer anderen Frau die Rede, die vergewaltigt wird vom eigenen Ehemann. Das, was die Sache dramatischer macht, als sie ohnehin ist, ist die Tatsache, dass sie schwanger ist. Man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sie sich fuehlen muss. Auch hier ist der Ausweg nicht einfach. Wohin soll sie fliehen? In einer geschlossenen ultraorthodoxen Gesellschaft ist oft selbst der Weg zurueck zu den Eltern versperrt. Ganz aus dieser Gesellschaft herauszufliehen schaffen nur wenige, da es keinen Weg zurueck gibt und komplettes Neuland zu betreten, erfordert viel Kraft, Frustration und Traenen.

Und den Fall der Mutter, die den Rat des Rabbiners befolgte, und ihre Kinder mit Gewalt erzog (unter anderem verbrannte sie sie mit der gluehenden Herdplatte auf Geheiss des Gemeinderabbiners) kennen wohl viele aus der Presse. Blindes Befolgen der Weisungen von Authoritaeten, wie Rabbinern fuehrt zu solchen Grausamkeiten. 
Es ist schon furchtbar, dass es ueberhaupt Rabbiner gibt, die solche Ratschlaege erteilen, ebenso aber, dass Menschen blind tun, was andere ihnen gebieten, und kein eigenes Gespuer fuer das was richtig und falsch ist, besitzen. 
Religion kann in diesem Falle dazu fuehren, dass man - einmal an die falschen Menschen geraten - einer Gehirnwaesche unterzogen wird. 
Dies ist natuerlich auch auf anderen Gebieten der Fall und soll keineswegs heissen, dass alle ultraorthodoxen Menschen solche psychischen Probleme haben. 
Fatal ist aber, dass leider gerade in geschlossenen Gesellschaften die Aufdeckung und auch die noetige Hilfeleistung haeufig viel zu spaet kommen, da der Weg an die Oeffentlichkeit versperrt oder viel schwieriger ist. In der saekularen Gesellschaft und auch in offeneren religioesen Gemeinschaften hat man es in dieser Hinsicht leichter, sich Hilfe zu holen. Auch die Aufdeckung durch Nachbarn und Freunde ist in diesem Falle um einiges leichter. 

Nebenjob

Wahrscheinlich habe ich ab Sonntag einen kleinen Nebenjob, der mir helfen wird, die Zeit bis zum ersten Gehalt, (immerhin bis zum 10. Juli!!!) zu ueberbruecken, denn so langsam geht mir das Geld aus. 
Einen Vorschuss gibt es nicht. 
Ich koennte mir von meinen Freunden Geld leihen, es ist schliesslich nur bis zum 10. Juli, aber ich moechte sie nicht noch mehr beanspruchen. Schliesslich haben sie genug fuer mich getan, sind meine Buergen und haben einen "Sicherheitsscheck" ueber 8000 Shekel fuer mich beim Vermieter hinterlegt. 
Der Nebenjob ist eine Putzstelle bei einer WG ganz in der Naehe, in Catamonim. Wir wollen es erst einmal probieren und dann hoffe ich auf jede Woche zwei Stunden, das waeren 80 Shekel pro Woche zusaetzlich. Besonders in den naechsten Wochen werde ich das brauchen, denn ich muss noch einiges anschaffen wie Handtuecher, Geschirrtuecher, Duschvorhang, ein paar Gruenpflanzen usw.
Auch moechte ich wieder einen Yogakurs besuchen. 
Das Gehalt wird das abdecken, aber es ist immer gut, nicht so ganz knapp den Monat zu beenden. Ich wuerde gern etwas beiseite legen, fuer den Fall der Faelle. Man weiss ja nie, wie gut die Geschaefte in unserem Laden laufen, und sollte es einmal von heute auf morgen ein AUS fuer uns geben, ist es sehr beruhigend, etwas auf dem Konto zu haben. 
Ich wuerde auch gern meiner Tochter, falls sie sich in den naechsten Monaten mal anmeldet, den Flug bezahlen, da sie sehr wenig verdient. 
So muss ich mich jetzt bis zum 10. durchhangeln. Heute habe ich noch 15 EUR in meinem Koffer gefunden, die ich gleich gegen 70 Shekel umgetauscht habe. 

Alles Multitasker - ausser mir!

Wenn ich spuere, wie wenig ich multitasking-faehig bin, erschrickt mich das einerseits, andererseits muss ich mich an eine Zeit erinnern, in der ich genau das aktiv angestrebt habe. Es war die Zeit der Meditation, ich habe mich mit dem Buddhismus beschaeftigt mich un "Awareness" (Bewusstheit) bemueht. 
Wenn ich esse, esse ich, wenn ich koche, dann koche ich. 
Fuer meine Begriffe mache ich also immer noch zuviel gleichzeitig (ich fruehstuecke naemlich morgen, vor dem Computer, lese mails, beantworte sie und lese die Nachrichten. 

Hier allerdings um mich herum sind fast alle Frauen Multitasker. Meine Freundin telefoniert, kocht dabei (mit eingeklemmtem Telefon am Hals... was mir schon Schmerzen beim Hinschauen macht, wegen des schiefen Nackens...) und notiert sich wichtige Dinge. 
Wenn ich den Hoerer abnehme, hoere ich auf zu Kochen, ohne dass ich darueber nachdenke, warum eigentlich. 
Meine Tochter hat mit mir schon oft Situationen im Auto erlebt, bei denen wir uns angeregt unterhielten, und ich immer langsamer fuhr. 
"Du darfst ruhig weiterfahren, koennen ja trotzdem quatschen!" meinte sie dann immer lachend. 
Wenn ich eine Strasse suche, stelle ich das Radio im Auto leiser (voellig unlogisch) und was mir hier in Israel am meisten Schwierigkeiten bereitet, ist, wichtige Telefonate zu fuehren, waehrend um mich herum "der Baer steppt", will sagen Autos fahren, hupen, und ich verzweifelt ein Eckchen suche, wo ich ohne Nebengeraeusche hinhoeren kann. 
Ich sage dann meist "ich rufe zurueck, ist gerade schlecht". Diesen Satz wuerde man von meiner Freundin nie hoeren. Sie sagt zwar, es ist gerade schlecht, wir sind dabei, das Haus zu verlassen, telefoniert aber weiter, denn das Gegenueber hier nimmt das nicht als Aufforderung aufzulegen, sondern spricht weiter. 

Auf eine Art bin ich ganz froh, dass ich nicht faehig bin, diese Reizueberflutung unserer Zeit so mitzumachen, denn ich denke, mein Koerper und Geist zeigt mir so sehr drastig, wo die Grenzen der Aufnahmefaehigkeit sind. 
Andererseits passt diese Eigenart gar nicht in unsere Welt. 
Hier bei den Frauen in Israel kann ich beobachten, dass diese - fuer mich fast uebernatuerliche - Faehigkeit wohl aufgrund eines Haushaltes mit 5 Kindern und 11 kleinen Enkelkindern herruehrt. Wer da nicht Multitasker ist, der ist verloren und hat verloren. 
Mein Luxus ist es, allein zu sein, keine kleinen Kindern zu haben und nur fuer mich Verantwortung zu tragen. 

Gut, dass es den Shabbat gibt, da versuchen auch die Multitasker um mich herum, Ruhe und Abstand zu finden!

Dienstag, 19. Juni 2012

40 Raketen an einem Tag!

Im Umkreis von Gaza im Sueden des Landes sind im Laufe des Tages 40 Raketen gelandet. 5 Menschen wurden verletzt, einer davon mittelschwer. Ist es deshalb weniger schlimm?
Wie wird es dort "unten" weiter gehen, und wird sich die Gewalt ausbreiten?
Kann mir jemand sagen, ob das eine kleine Meldung im deutschen Medienwald wert ist? Ich habe naemlich nichts gefunden zur Sache.

Montag, 18. Juni 2012

Ich habe sie!

Juchhuuu! Ich habe heute den Vertrag unterschrieben, alles scheint o.k. zu sein, und ab Ende Juli/Anfang August ist diese kleine Wohnung meine.Der Vermieter ist sehr nett und ich freue mich wie eine Schneekoenigin!
Danke fuers Daumen halten!




























Sonntag, 17. Juni 2012

Einfach nur heissss.......37 Grad in Jerusalem

An sehr wenigen Tagen im Jahr trinke ich etwas Eiskaltes, direkt aus dem Kuehlschrank. Meist fuehle ich mich gut mit Wasser aus dem Krahn, bei Zimmertemperatur oder sogar mit heissem Tee zum Durstloeschen. Aber das Beduerfnis nach etwas Eiskaltem in der Kehle und im Bauch ist nun bei 34 Grad doch zu gross. Es ist sehr stickig und heiss geworden und ich behaupte seit Jahren, dass man die Grade ab 29,30 doch sehr spuert. 
Traege schleppt sich der erschoepfte Koerper den Berg hoch, und fragt sich wohl, warum der Mensch nicht einfach mal den Bus nehmen kann.
Und gerade in den Nachrichten wurde uns mitgeteilt, dass es in Jerusalem tatsaechlich 37 Grad waren heute.

Samstag, 16. Juni 2012

Ameisen

Winzige Ameisen, ueberall in der Kueche, vor allem, wenn man etwas Essen zubereitet. Meine Freundin dreht durch und hat schon den "Kammerjaeger" bestellt. 
Ich finde es ziemlich laestig, aber sie sind so klein, dass ich sie irgendwie "akzeptiere", vor allem, wenn sie "nur" in der Kueche sind. 
Anderes Gekrieche, u.a. Dschukim (Kakerlaken) loesen dagegen bei mir eine Art Panikanfall aus. Bei der Arbeit hatten wir bereits zwei davon, und es waren keine kleinen Exemplare.
Auch wenn ich gegen "Rissus" bin (das Spruehen von Insektenvertilungsmittel) werde ich jemanden bestellen, vor dem Beziehen meiner neuen Wohnung. 
Das Krabbelgetier ist auch der Grund, warum ich ungern eine Erdgeschosswohnung beziehe.

Gradrakete in Mizpe Ramon

Eine Gradrakete ist anscheinend heute nacht in der Gegend um Mizpe Ramon gelandet. Es wird berichtet, dass sie vom Sinai abgeschossen wurde.
Aegypten streitet dies ab. Wir werden sehen, wie es weiter geht.

Vorsichtige Vorfreude auf das eigene Heim

Vorsichtige Vorfreude! Es scheint zu klappen. 
Roni und Esti, meine besten Freunde und irgendwie "Eltern" fuer mich, haben heute mit dem Vermieter gesprochen. Er hat zugesagt, sich mit ihnen als Buergen zu "begnuegen". Eigentlich wollte er noch zwei weitere Buergen, da die zwei Pensionaere sind. 
Wir haben ausgemacht, am Montag abend den Vertrag zu unterschreiben und ich bin sehr froh. 
Nun kann ich mich ein wenig zuruecklehnen und Ruhe einkehren lassen. Keine hektische Internetsuche mehr und keine Wohnungsbesichtigungen. Ein wenig normaler Alltag kann einkehren. 
Vom letzten Mal habe ich noch ein paar Dinge bei Esti aufbewahrt. Sie hat immer gesagt: "Du kommst sowieso wieder. Also nicht alles weggeben bitte!"
Ihr habe ich zu verdanken, dass ich noch eine Holzkiste habe, die recht teuer war, ein Micham (ein Shabbatwasserkocher), eine kleine Lampe und ein wenig Geschirr. Meine andere Freundin hat mir eine Schlafcouch verwahrt und ein nagelneuer Kuehlschrank ist erst vor einem Jahr vom Vermieter gekauft worden. 
Es ist kaum zu fassen, dass ich noch vor zwei Monaten dachte, meine neue Heimat wuerde Ra´anana werden. Das ist nun so weit weg von mir und auf eine besondere Weise war es doch klar, dass meine Heimat nirgendwo anders sein kann als in Yerushalaiym.
Wie froh kann ich sein, wenn es klappt, dass ich in der Moshava, in der Naehe aller guten Freunde sein werde. 
Der Verkehr auf der belebten Strasse ist nicht wenig und es wird nicht sehr ruhig sein. Aber alles kann man nicht haben. Ich mag sie trotzdem, die Atmosphaere  in der German Colony. 
Wichtiger ist fuer mich, dass die Sonne in meine Fenster scheint und die Wohnung eine helle und positive Ausstrahlung hat. (ja, ich weiss, bei 34 Grad wird das nicht immer so lustig...)

Freitag, 15. Juni 2012

Das gute gute Land, oder das Land, das seine Bewohner "frisst"?

Die heutige Parasha mag ich unter anderem sehr. Es ist die Rede von den Meraglim (den Spionen), die ausgeschickt werden, um eine Mission zu erfuellen. Sie sollen Informationen nach Hause bringen, zum Volk Israel, das noch in der Wueste weilt, ob es sich lohnt ins Land Israel einzuwandern. Ob die Bewohner gut oder boese sind, ob sie klein oder gross oder leicht zu besiegen sind. 
12 Abgesandte werden hinausgeschickt, doch nur zwei kommen mit positiven Meldungen zurueck. 
"Das Land ist sehr gut!" berichten sie, werden aber von den negativen Stimmen anscheinend uebertoent, denn das Volk ist verunsichert und verzweifelt. Das Land soll seine Bewohner auffressen, und Riesen wohnen dort, die man kaum bezwingen kann. 
Joshua bin Nun und Kalev ben Jefunnes sind die einzigen, die einen positiven Blick auf das Land haben. 
Das, was wir daraus lernen koennen, ist die unterschiedliche Sichtweise der Menschen. Einige sehen immer nur das Bedrohliche, das Negative, das Unueberwindliche. Auch mir gegenueber wurde immer wieder betont, dass es zu schwierig ist, noch in meinem Alter in Israel einzuwandern. 
Doch es gab andere Stimmen, die sagten: "Folge deinem Herzen, deiner Vision, und wenn du davon ueberzeugt bist, wird es gelingen, mit G-ttes Hilfe!"
Wichtig ist, sich nicht verunsichern zu lassen, auch wenn es sich um eine Mehrheit handelt, die davon abraet. Nicht immer hat die Mehrzahl recht, das sollten wir bedenken, und auf unsere innere Stimme ist so gut wie immer Verlass.
Ich jedenfalls liebe das gute weite Land und meinen momentanen Blick bis hinunter zur Wueste und zum Kibbutz Ramat Rachel!
Die Sonne sinkt schon, die Luft wird weicher und ein leichter Wind weht durch die Strassen Jerusalems. Alles wird ruhiger und auch ich komme innerlich zur Ruhe.
Shabbat shalom!

Die will ich haben!

Ein sehr kleine, aber suesse und helle Wohnung mitten in der Moshava Germanit! Noch dazu bezahlbar (2400 Shekel all inclusive ausser Strom). Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Vormieterin erst Mitte bis Ende Juli rauswill, was mir noch ein wenig Sparen ermoeglicht. 
Ich bange nun, dass ich sie auch bekomme, denn alle Einzelheiten sind realistisch und passen absolut zu meiner Situation, ohne dass ich schlaflose Naechte haben muss, ob ich die Miete bezahlen kann. 
Ich bitte sehr darum, mir die Daumen zu halten. 
Es waere ein Traum, mitten in der Gegend zu wohnen, wo ich immer war und wo alle meine Freunde wohnen.
Der Vermieter will sich mit mir Motzei Shabbat treffen, ich muss zwei Buergen mitbringen, die eine Gehaltsabrechnung und eine Kopie ihres Personalausweises (Teudat Sehut) mitbringen muessen. 
Ich habe diese Buergen, aber ich muss sagen, dass es fuer mich als in Deutschland aufgewachsene doch immer noch sehr gewoehnungsbeduertig ist, jemanden um eine Buergschaft zu bitten, noch dazu wenn es kein Verwandter ist. 
Es ist in Deutschland so unueblich und niemand den ich kenne, wuerde sich darauf einlassen, eine Buergschaft zu uebernehmen. Hier in Israel ist es viel normaler, schliesslich heisst es: Kol Israel Arevim, ze laze." (Ganz Israel ist Buerge, einer fuer den anderen) Aber das so woertlich zu nehmen, und wahrhaftig in die Tat umzusetzen ist ein anderes Blatt. 
Ich danke denen, die das fuer mich tun, und kann nur sagen, ehe ich den Buergen in Anspruch nehmen wuerde, wuerde ich Tag und Nacht Haeuser putzen, auf den Knien!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Ist unser Koerper wirklich unser Eigentum?

Eine ganz neue Anschauung zum Thema "Organspende" stellt heute Rav Razon Arusi vor, Rabbiner von kyriat Ono und Vertreter des Oberrabbinates. "Der Mensch ist nicht der Eigentuemer seines Koerpers" so seine Ausfuehrungen,"daher kann er auch nicht festlegen, ob er Organe spenden will oder nicht." Er schlaegt vor, eine Abordnung des Rabbinergerichtes in jedem Krankenhaus zu errichten, welches im Falle eines irreversiblen Hirnstammtodes die Entnahme von Organen zum Zweck der Rettung von Leben genehmigen kann, ohne vorherige Erlaubnis der Verwandten oder des Spenders zu seinen Lebzeiten. Das gibt der leidigen jahrelangen Diskussion unter der religioesen Bevoelkerung eine neue Sichtweise. Man fragt sich, ob das die Loesung sein koennte oder aber eine neue Quelle fuer Konfrontationen bietet. Ich tippe eher auf Letzteres,und denke dass es unter der saekularen Bevoelkerung Proteste ausloesen duerfte. Ein merkwuerdiges Gefuehl,nicht ueber den eigenen Koerper bestimmen zu sollen, und doch zumindest eine Ueberlegung wert. Gerecht waere es jedenfalls, falls es klare Kriterien gibt.

Ein "Funke" vom Rav Kook

Inneres und aeusserliches Wissen

Alle Buecher, die es gibt, 
seien es heilige, oder Alltagsbuecher
und jegliche Informationen,
die auf den Menschen von aussen zukommen
sie alle sind nur aeussere Mittel
um den inneren Geist des Menschen
zu erwecken. 
Durch das auessere Wissen 
findet der Mensch
zu allem, was in seinem Herzen verborgen ist.

(aus dem Buch Nizozot, Gedanken vom Rav Koo, frei uebersetzt)


Mittwoch, 13. Juni 2012

Die heutigen "Erlebnisse"

Ja, es geht noch schlimmer! Und es geht noch erfreulicher!
Aber von vorn. 
Der heutige Tag begann mit meinem morgendlichen Gang zur Arbeit, den ich immer sehr geniesse. Bei der knapp bemessenen Freizeit, die ich habe, ist der Gang durch die Natur von Arnona, Baka und Moshava Germanit mein Seelenfutter. Ich danke dann G-tt, hier zu sein und durch die schoenste Gegend von Jerusalem (naja... eine der schoensten Gegenden) gehen zu duerfen. 
Mein Gang fuehrt an der Naftali Str. vorbei, wo meine erste Wohnungsbesichtigung fuer heute stattfinden sollte, um 8.15h. 
Der Vermieter war einfach nicht da, und auch per Telefon nicht zu erreichen. Genau das selbe ist mir mit dieser Adresse vor mehr als einem Jahr passiert. Man verabredete sich mit mir und erschien einfach nicht. Das Haus ist nicht sehr attraktiv, zaehlt zum "Shikun", eine Art Sozialbau, frei uebersetzt.
Trotzdem in einer schoenen Wohngegend ganz nahe der Emek Refaim. 
Nun, irgendwann werde ich es vielleicht doch mal hinbekommen, zumindest eine dieser Wohnungen von innen zu sehen. Neugierig auf den Standard bin ich schon.

Da ich heute morgen noch eine Wohnung im Internet, ganz in der Naehe entdeckt hatte, rief ich kurzerhand auf dem Weg an. Der Vermieter beschrieb mir, wo ich die Avishai Str. finden wuerde, sie war eine Abzweigung der Emek Refaim. Ich solle zum Haus gehen und da die Wohnung KARKA (also ebenerdig) war, was ich normalerweise absolut nicht will - koenne ich ja ins Fenster schauen. Ich wuerde alles sehen, was es zu sehen gibt, und wenn ich unbedingt noch die Wohnung von innen sehen wolle, koenne ich ja mittags anrufen und fuer abends mit ihm einen Termin vereinbaren. 
Nein, ich wollte nicht mehr unbedingt!
So richtig fassen konnte ich nicht, was ich da durchs Fenster sah. Es war einfach eine Ecke (die gesamte Wohnung!) eine Tuer stand offen, und ein Klo war zu sehen, eine Dusche konnte darin kaum Platz haben. In dieser Ecke war eine weitere Ecke, die wohl "Kuechenattrappe" sein sollte. Das war es!
Insgesamt ca. 10 qm? Vielleicht ist das sogar uebertrieben?
Dafuer wollte der Vermieter 500 EUR. 
Schnell vergessen und abhaken. 

Am Mittag dann entdeckte ich noch eine Wohnung in Abu Tor, einem gemischten arabisch-juedischen Viertel jenseits der Hebron-street. Ein guter Freund wohnt dort und fuehlt sich recht wohl, obwohl die Meinungen bzgl. dieser Gegend sehr auseinandergehen. 
Die Wohnung sollte auch ebenerdig sein, aber renoviert. Ich sprach mit einer Frau namens Lea, die mit russischem Akzent antwortete. Sie erzaehlte mir, dass schon zwei Frauen grosses Interesse geaeussert haetten und kurz vor dem Vertragsabschluss waeren. Sollte dieser nicht zustande kommen, wuerde sie mir am spaeten nachmittag Bescheid geben, und ich koenne die Wohnung dann am Abend sehen. 
Als ich schon auf dem Weg nach Hause war, rief Lea an. Das mit den zwei Frauen habe nicht geklappt, aber ein junger Mann wolle die Wohnung. 
"Ich moechte dir aber Gelegenheit geben, sie anzuschauen, kannst du morgen mittag?"
Ich verneinte, da ich arbeiten muss. Ich fragte Lea, ob sie auch um 19h koenne. 
Das wuerde sie gern, die Mieterin die zurzeit dort wohnt, koenne aber nur bis 15h. Lea bat mich, doch am Freitag zu kommen. 
Da ich am Freitag auch arbeite, bis eins, wurde sie immer verzweifelter, und ich hatte keine Ahnung warum. 
"Weisst du, " sagte sie mir, "es aergert mich, dass die Vormieterin so unflexibel ist. Ich habe einen jungen Mann, der die Wohnung will, aber ich will dir helfen, weil du Ola Chadasha bist (Neueinwanderer)! Was soll ich tun?"
Ich war geruehrt und sagte ihr, sie solle sich nicht so grosse Muehen machen, denn im Grunde wolle ich nicht so gern im Erdgeschoss wohnen, und wenn mir die Wohnung nicht gefaellt, wuerde sie vielleicht eine Gelegenheit verpassen. 
"Meinst du?", sagte sie, "meinst du wirklich, ich soll mich nicht nochmal darum bemuehen, dass du sie sehen kannst? Kommst du klar?"
Ich beruhigte sie und sagte ihr, dass G-tt ihr diese Muehen sicher hundertfach zurueckzahlen wuerde, einfach, weil sie ein so gutes Herz habe, und sich Gedanken mache um andere Menschen. 
Sie freute sich und wir verabschiedeten uns. 
Auch das gibt es hier in Israel!

Eine weitere Wohnung in der Kaf Tet beNovember (29.November) konnte ich ansehen. Zwei Zimmer, mit zwei kleinen Balkonen, Hochpaterre, Kueche, Bad und Toilette. Die Teppiche waren ziemlich heruntergekommen, aber sonst war die Wohnung recht o.k. Der Vermieter, der die Wohnung gerade gekauft hatte, liess die Laeden zu und ich holte mir erst einmal die Erlaubnis, alles zu oeffnen, und auch die Rollaeden hochzuziehen. 
Letzten Endes war sie dann doch wieder zu teuer, mit Arnona von 400 Shekel im Monat ueber 600 EUR. Die Strasse zaehlt aber auch zu den teuersten in Jerusalem. 

Ich habe Zeit, bin nicht unter Druck, habe ein Dach ueber dem Kopf und eine Arbeit. Was will ich mehr?
Jeden Abend vor dem Einschlafen danke ich fuer diese Tatsachen. Und dafuer, dass ich gesund bin.

Yad Vashem - Andenken beschmiert und besudelt

Nun haben Wahnsinnige auch vor Yad Vashem nicht halt gemacht. 
Verschiedene Gedenkstaetten im Museum sind mit antisemitischen Graffitis beschmiert und beschaedigt worden. Saetze wie "Danke Hitler, dass du uns die Shoa beschert hast" oder "Waere Hitler nicht gewesen, haetten ihn die Zionisten erfunden." sind nur ein Teil einer wirklich entsetzlichen Tat. 
Shoa-ueberlebende sind schockiert und fuehlen sich doppelt getroffen, dadurch, dass solch eine Tat hier in Israel moeglich ist. 
Man vermutet hinter der Tat Ultraorthodoxe, die gegen den Staat Israel sind. Der Oberrabbiner von Tel Aviv, Rav Israel Meir Lau merkte jedoch an, dass es genauso sein koenne, dass alle Hinweise auf Ultraorthodoxe Gruppierungen gelenkt werden sollen, und eine ganz andere Gesinnung dahinter steckt. 
Eine Stimme aus der Richtung der Shoaueberlebenden: "Wir haben soviel Furchbares erlebt, da ist solch eine Tat nur ein weiterer Schmerz. Es wird sowieso niemand, der nicht dort gewesen ist, wissen, wovon die Rede ist und wie es war."

Dienstag, 12. Juni 2012

Meine heutigen Wohnungserlebnisse

Heute morgen rief ich einen jungen Mann an, den Vormieter eines Wohnungsangebotes in der Gid´on Strasse. Zu dieser Strasse habe ich einen besonderen Bezug, denn dort war die allererste kleine Wohnung, in der ich nach der Alyia gewohnt habe, zwar nur 3 Wochen, da ich dann etwas eigenes fand, aber sie ist in meinem Gedaechtnis geblieben. 
In dieser Strasse also war eine Wohnung frei, 1 1/2 Zimmer, 2. Etage. Ich habe alle wichtigen Fragen gestellt, und wollte schon mit dem Vormieter einen Termin vereinbaren, da sagt er: "Ach, was du noch wissen solltest, man kann keine Waschmaschine stellen, denn der Strom ist zu schwach dafuer...."
?????? Der Strom??? Das klingt tatsaechlich abenteuerlich und meine Freundin fragte mich gleich, ob die Wohnung wohl in die Luft fliegt, wenn man einen Toaster benutzt?

Heute nachmittag dann war ich in der Raschba´g strasse, in Catamonim, eine etwas preiswertere Wohngegend als Katamon haJeschana, und immer noch in Fusslaufnaehe zu meinen Synagogen. 
Der Vermieter, ein in Bagdad geborener Israeli, sehr steif und konvervativ angezogen, aber freundlich, zeigte mir die Wohnung in der ersten Etage. Abgesehen von der Kueche, die irgendwie keine war, gab es noch zwei weitere Zimmer, ein kleineres mit Terrasse ins Gruene, und ein recht geraeumiges, ebenfalls mit Terrasse und 3 Fenstern, alles schien hell und sonnig.
Der erste Knackpunkt waren ein paar Moebel, von denen er sich nicht trennen wollte, denn sie gehoerten einst seinen Eltern, G-tt hab sie selig. Ein Kleiderschrank von 1912 und ein uraltes Bett, bei dem er aber bereit war, es wegzuschaffen, wenn ich es nicht haben will. 
Im Wohnzimmer gab es einen wirklich schoenen alten Tisch mit 4 alten Stuehlen, die durchaus Atmosphaere hatten. Der Wohnzimmerschrank - auch antik - waere nicht so mein Fall gewesen, aber schlimm war er auch nicht. Im Flur vom Schlafzimmer zum Salon hing eine Art ueberdimensionaler Spiegelschrank, der irgendwie merkwuerdig fehl am Platze schien. 
Ich rief schon meine Freunde an, da ich mir wegen der vernachlaessigten Kueche nicht sicher war, ob ich die Wohnung nehmen soll. (Immerhin zwei kleine Balkone und viel Licht..), da zeigte mir Alfred, der Vermieter stolz die Besonderheit der Wohnung, und ich muss sagen, ueber eine solche bin ich tatsaechlich noch nie gestolpert. 
Er erklaerte mir, dass die Wohnung sehr hell sei (was ich selbst schon bemerkt hatte) und dass alle Fenster den ganzen Tag Sonne haben. Daher habe er sich etwas ganz praktisches einfallen lassen, und ich muss sagen, da alle Fenster, so wie die Balkontueren weit offen standen waere mir das gar nicht aufgefallen. 
Kein einziges Fenster war mit normalem durchsichtigem Glas versehen, sondern mit Milchglas, so wie man es in Badezimmern ueblicherweise macht. 
Ich war platt. Man kann tatsaechlich, wenn man die Fenster schliesst, nicht hinausschauen, auf die Strasse, in die Baeume, in die Natur. 
Ich kann nur froh sein, dass Alfred so furchtbar stolz auf diese Errungenschaft war, sonst haette ich das tatsaechlich wohl nicht bemerkt. 
Wie schade! 
Nun, da ich schon bei der Kueche nicht schluessig war, ob ich damit klarkomme, ist die Entscheidung jetzt klar. 

Morgen frueh um 8:15 werde ich in der Naftali-str. eine kleine Wohnung anschauen, und bin gespannt auf mein naechstes Erlebnis. 
Nach Schimmel an den Decken und im Schlafzimmer, Milchglasfenstern und Zimmern ganz ohne Fenster kann mich doch eigentlich nicht mehr viel schockieren. 

Auf Wohnungssuche

Was man alles erlebt, wenn man auf Wohnungssuche ist. Da gibt es die merkwuerdigsten Erscheinungen. Schlafzimmer ohne Fenster, Heizungen, die nicht funktionieren, und die auch nicht instand gesetzt werden, weshalb man gezwungen ist, einen Radiator anzuwerfen, der natuerlich immense Stromkosten verursacht, Wasserabrechnungen, die zur Haelfte mit den Nachbarn geteilt werden, egal ob in der Nachbarwohnung eine oder vier Personen wohnen, und surreale Forderungen, was die Mietbuergschaft angeht. 
Mein gestriges Erlebnis auf dem Weg zur Wohnungsbesichtigung ist es auch wert, mit euch geteilt zu werden. Ich schlendere den Berg hinauf, will eine Wohnung anschauen und komme mit einer Frau auf der Strasse ins Gespraech ueber den aufkommenden herrlichen Wind. Wir sind uns einig, dass das eine Sache ist, die Jerusalem besonders im Sommer sehr attraktiv macht, im Vergleich zum Backofen Tel Aviv. 
Als sie erfaehrt, dass ich eine Wohnung suche, reisst sie die Augen auf: "Was? Das ist ja ein Zufall, in ein paar Monaten wollen mein Mann und ich auch vermieten, hier diese herrliche Wohnung mit Terrasse."
"Toll," sage ich und frage sie, was sie an Miete haben will. 
Da kommt die Gegenfrage: "Bist du datia (religioes)?"
Ich sage: "Ja".
"Also, datia datia??? (so RICHTIG religioes)?"
Da muss ich das erste Mal schmunzeln. "Also was soll das heissen, so richtig?" 
Sie sagt: "Az, at Shomeret?" (Haeltst du die Gebote?)
"Ja, tue ich" antworte ich ihr. 
Und sie hakt nach: "At shomeret tov tov?" (haeltst du die Gebote so richtig gut?"
Ich sage ihr, dass ich nicht weiss, was sie meint, entweder shomeret oder lo shomeret, was soll das heissen "tov tov"?
Ich stelle ihr die Gegenfrage: "Warum willst du das wissen, wegen der kosheren Kueche vielleicht?"
"Nein, "sagt sie, "nur so, wegen Zniut (der zuechtigen Kleidung)"
"Also, wenn du das meinst, ich trage auch weite Hosen...." sage ich.
Da reisst sie wieder entsetzt die Augen auf: "Aber warum???? In der Tora steht...."

Und innerlich muss ich mich schuetteln, denn ich stelle mir vor, wie sie hinter dem Fenster lauert und jeden Tag begutachtet, was ich trage, und wie lang meine Aermel sind, wann ich aus dem Haus gehe und wiederkomme...Nein Kontrolle brauche ich in meinem Alter sicher nicht mehr. 
Da hat doch mein Rabbiner in Dortmund mir nicht ein einziges Mal die Frage gestellt, was ich halte und ob ich tov tov halte, er hat mir einfach immer vertraut und mich nie kontrolliert, er hat immer gesagt, er wuerde genau wissen, wo ich stehe, durch die Fragen, die ich stelle...
Nein, solch eine Vermieterin braucht kein Mensch. 
Schade, dass manche Menschen andere Menschen nur nach ihrer Aermellaenge oder den Roecken beurteilen. Dass man ein guter Mensch, und erst recht ein guter Mieter sein kann, ohne ihren Massstaeben zu entsprechen, kommt ihnen leider gar nicht in den Sinn. 
Was nuetzt ihr wohl eine zuechtige Mieterin, die die Miete nicht zahlt?

Montag, 11. Juni 2012

Ein "Funke" vom Rav Kook

Die wahre Freiheit
ist das Vermoegen des Menschen,
sich selbst treu zu sein
dem Ebenbild G-ttes, das in ihm ist
und sie ist es,
die dem Menschen ermoeglicht
sein Leben
als ein bedeutungsvolles zu empfinden
das seinen Wert hat.

Das, was im Geist eines unfreien Sklaven ist
ist der immer fehlende Lebensinhalt,
der mit dem Inhalt der Seele selbst verbunden ist,
der, der immer beschaeftigt ist
was schoen und gut beim Anderen ist
er wird niemals
Bedeutung in seinem eigenen Leben finden..

(Artikel des Rav Kook, frei uebersetzt aus "Nizozot" (Funken))

Was war denn das?

Gestern schrieb mich jemand an, mit dem ich vor 3 Jahren kurzen Mailkontakt hatte. Damals ging es um Giur und Einwanderung in Israel. 
Dieser Jemand nahm also gestern wieder Kontakt auf, schrieb mir, er sei jetzt in Israel angekommen und die Wohnung, die ihm eigentlich zugesichert worden waere, haette sich in Luft aufgeloest, da der Vermieter nicht auffindbar sei. Er sitze nun in Haifa in einem Guesthouse fest. Ob ich ihm helfen koenne?
Ich dachte an meine nette Dame in Raanana, die eine Studentin sucht, die bei ihr wohnt, und fragte sie. Sie war bereit, sich mit ihm zu treffen. 
Ich uebermittelte ihm die Telefonnummer und fragte ihn, ob er sich nicht mit der Jewish Agency in Verbindung setzen wolle, oder mit dem Misrad haKlita. Des Weiteren habe ich ihm ans Herz gelegt, trotz der Situation unbedingt seine Dinge zu erledigen, zum Innenministerium, die Teudat Sehut erstellen lassen und damit zur Bank, damit er seine Sal-Klita-Zahlungen auch bekaeme. 
Oder ob er gar nicht offiziell eingewandert waere, frage ich nach. 
Auf meine Fragen bekam ich keine direkte Antwort, nur die Nachfrage, ob ich nichts in Jerusalem wuesste, denn Jerusalem waere seine erste Wahl. 
Dennoch begab er sich nach Raanana, um meine Bekannte zu treffen, die ihn ihrerseits nach "Empfehlungen" fragte, Menschen, die er kennt und die etwas ueber ihn sagen koennen. 
Er konnte keine Kontakte aufweisen, noch bekam ich im weiteren Verlauf eine Antwort auf meine Fragen, was in mir den Verdacht aufkommen liess, dass er weder seinen Giur gemacht hat, noch eine offizielle Einwanderung vorlag. 
Meiner Bekannten gegenueber erzaehlte er folgendes: Er sei hier und wolle von hier aus Alyia machen, was man ihm auch zugesichert habe, falls er drei Monate eine Wohnmoeglichkeit faende. Oder so aehnlich.... ????
Meine Bekannte berichtete mir, er habe sich auf den Weg gemacht, um Empfehlungen von Israelis einzuholen. Das passierte logischerweise dann nicht, sondern er meldete sich froehlich wieder per Mail bei mir, um mir zu sagen, ich moege der alten Dame ausrichten, er habe eine tolle Moeglichkeit in Tiberias gefunden, und wuerde ihr Angebot nicht annehmen. 

Da bin ich doch etwas platt, bei soviel Dreistigkeit und anscheinend Unehrlichkeit. Etwas stinkt hier gewaltig und ich habe ihm eine letzte Mail geschrieben, in der ich ihm signalisiere, dass er auf keine meiner Fragen geantwortet hat, und wohl gute Gruende haben wird dafuer. Weiter konnte ich mir nicht verkneifen, dass es nicht sehr hoeflich ist, ein Hilfsangebot ueber mich abzusagen. Soviel Mumm sollte man schon haben, den Anruf selbst zu taetigen. 

Ich habe mir ja auf die Fahne geschrieben, Menschen zu helfen, die Giur machen, und einwandern, sie zu unterstuetzen und ihnen Rat zu geben, wo gewuenscht. Auch vermittle ich gern jemandem eine Bleibe, wenn es in meiner Macht steht. 
Aber in Zukunft werde ich vorher etwas genauer nachfragen, BEVOR ich handle. Schade fuer die, die es ehrlich meinen... 
Mister X moechte ich noch folgendes dazu sagen: Mit Unehrlichkeit kann man sich sicher irgendwie durchmogeln, aber die Reaktion der Menschen, die sich ausgenutzt fuehlen, wird nicht lange auf sich warten lassen und auch in Israel gibt es Grenzen der Hilfsangebote. 
Ich wuensche ihm viel Erfolg, und die Einsicht, in Zukunft einen geraderen Weg zu gehen. 
Ich jedenfalls werde aus diesem Erlebnis meine Konsequenzen ziehen. 

Ein heisser stickiger Tag

Das war wirklich ein heisser Tag. Da ich heute ein paar von den Ueberstunden abfeiern durfte, bin ich stundenlang durch die Strassen gelaufen und habe nach Wohnungsangeboten Ausschau gehalten. Viele der Angebote waren mit Maklergebuehren. Leider!
Abends dann noch einmal eine Ein-Zimmer-Wohnung angeschaut, die aber wirklich zu klein war. Ab und zu kann man damit Glueck haben, wenn das Zimmer geraeumig ist. 
Um sieben Uhr dann kam Wind auf, und das ist das Schoene an Jerusalem. Die Abende und Naechte sind fast immer zu ertragen, selbst im Hochsommer. Herrliche Luft weht dann durch die Strassen und es macht Spass, den Wind zu spueren. 
Mir tun jetzt die Fuesse weh und ich lege mich heute schon frueher als sonst ins Bett.

Samstag, 9. Juni 2012

Ich weiss, dass ich nichts weiss....

Bei der heutigen Haftara, der Lesung aus den Propheten, war mir wieder einmal klar, was ich alles nicht weiss, und was mir wirklich schwer erscheint, beim Tora - und Tanachlernen. 
Ich spuere, dass ich viel mehr lernen und wissen will, und mache demnaechst einen neuen Anlauf, Shiurim zu besuchen. Schliesslich bin ich in Israel unter anderem, um meine Neugier und meinen Wissensdurst in punkto Tora zu stillen. 
Durch Arbeitssuche, Wohnungswechsel und allgemeine Alltagsproblemchen habe ich mich weniger um die spirituellen, geistigen Dinge kuemmern koennen. Die Zeit ist einfach zu knapp. 
Aber das ist keine Ausrede, die uns davon abhalten kann, nicht wenigstens vor dem Schlafengehen ein paar Saetze in der Tora zu lesen. 
So bleibt die Beziehung zu den Worten der Tora immer frisch und es gibt keine Pausen, nach denen man sich wieder "einlesen" muss. 
Meine Empfehlung fuer Zeiten, in denen es "kaum Zeit" gibt: Im Bett statt einen Krimi die Tora zur Hand zu nehmen, einfach irgendwo aufschlagen und lesen. Man kann auch ein kleines Ratespiel daraus machen, indem man sich bemueht, nicht nachzuschauen, welches Buch man gerade liest. Den hebraeischen Text lesen und nach ein paar Saetzen versuchen herauszufinden, um welche Begebenheit es sich handelt. 

Begegnungen

Ich stelle immer mehr fest, wie sehr ich menschliche Begegnungen schaetzen lerne. Sie sind mir immer kostbarer in unserer heutigen, oft schnelllebigen Zeit. 
Zum Thema Begegnungen ziehe ich abends vor dem Schlafengehen oft Bilanz, und danke unserem Schoepfer fuer die eine oder andere erfreuliche Begegnung, die das Leben reicher macht, ganz ohne Diamanten. 
Vor ein paar Tagen, als ich in der Steuerbehoerde sass, wusste die Sachbearbeiterin ueber einen Paragraphen nicht Bescheid und nahm mich mit zu ihrer Kollegin. Dort sass ich und stellte meine Fragen. Ploetzlich schaut mich die Kollegin an und sagt: "Weisst du was? Du bist eine furchtbar nette Frau!"
Sie dreht sich zu ihrer Kollegin um und wiederholt: "Nicht? Ist sie nicht wirklich nett?"
Ich bin platt bei soviel Freundlichkeit und bedanke mich bei beiden fuer das Entgegenkommen auf ihrer Seite. 
Ein freundliches Laecheln, Hilfsbereitschaft und sanfte Worte sind einfach unschlagbar wohltuend. 
Dafuer danke ich. 
Und immer wieder melden sich durch meinen Blog Menschen bei mir, die mit mir sprechen wollen, mich in Jerusalem besuche moechten oder sich mit mir ueber das Thema Giur austauschen wollen. 
Auch solch eine Begegnung hatte ich in der letzten Woche mit einer Frau in meinem Alter aus der Schweiz. 
Wir haben gemeinsam gegessen und uns, obwohl wir uns gar nicht kennen, ueber die privatesten, tiefsten Gedanken und Gefuehle austauschen koennen. Wie bereichernd doch fuer beide Seiten solch ein Gespraech sein kann! 

Donnerstag, 7. Juni 2012

Steuerbehoerde

Heute morgen muss ich zur Steuerbehoerde, um mir ein Schreiben ausstellen zu lassen fuer den Arbeitgeber, dass ich in einem bestimmten Rahmen befreit bin von der Einkommenssteuer. Diese Punkte, die abgezogen werden stehen einem Neueinwanderer bis zu drei Jahren nach der Einwanderung zu. 
Meine Alyia war am 15. Oktober 2009. Somit wird die Verguenstigung erst im Oktober diesen Jahres wegfallen. 

Mittwoch, 6. Juni 2012

Erfreuliches vom Wohnungsministerium

In Israel bekommt man, wenn der Sal Klita fuer Neueinwanderer nicht mehr greift (d.h. nach den ersten 8 Monaten) eine Unterstuetzung fuer die Mietausgaben. Monatlich ca. 45 EUR werden einem Mieter vom Ministerium fuer Wohnraum ueberwiesen. 
Als ich nach Deutschland zurueckging, schrieb ich ans Ministerium, um meine Unterstuetzungszahlungen zu stoppen. 
Im Mai wendete ich mich erneut ans Ministerium, mit der Bitte um Weiterzahlung dieser Unterstuetzung (ich wuerde es fuer Deutsche als eine Art Wohngeld uebersetzen, obwohl es nicht abhaengig vom Gehalt ist, weil es JEDER hier bekommt, der zur Miete wohnt).
In Israel werden mehr Wohnungen gekauft, als in Deutschland. Wenige wohnen zur Miete. 
Als ich in Raanana wohnte, meldete ich mich zurueck in Israel. Bis vor ein paar Tagen habe ich keine Antwort, und auch keine Zahlungen bekommen. (ich war es gewohnt, dass das Ministerium nicht schriftlich antwortet, aber zahlt!). 
Heute erst habe ich mich erneut schriftlich mit einer neuen Anfrage ans Ministerium gewendet und nun sehe ich heute abend auf meinem Konto eine rueckwirkende Zahlung von insgesamt 1100 Shekel (=200 EUR). Ich bin sehr erfreut, denn das hilft mir gerade in meiner derzeitigen Lage enorm weiter. 
Wir bekommen naemlich erst am 15. Juli (Juli!!) unser erstes Gehalt, was mich schon etwas nervoes gemacht hat. (ich weiss, dass ich mich mit einer Anfrage in punkto Darlehen immer an meine Freunde wenden kann, moechte das aber nicht in Anspruch nehmen, wenn es eben geht).
Da ist eine Summe von mehr als 1000 Shekel ein Geschenk des Himmels. 
Toll, dass es diese Zahlungen gibt!

Wohnung in der Beitarstreet..

Soeben habe ich im Internet eine Wohnung entdeckt in der Beitar-Str., die ihre 600 EUR, zumindest von den Fotos her - wert zu sein scheint. Ein Bild des Hauses und der Wohnung zeigen eine freundliche helle moderne Wohnung in einem Neubau. Es waere zu schoen!
Die Wohnung ist frei ab dem 1. August, was wunderbar waere, denn dann kann ich noch einen weiteren Monat sparen. 
Gleich morgen frueh frage ich nach, wann ich die Wohnung ansehen kann.