Sonntag, 29. Juli 2012

Chanukkat haBeit - Wohnungseinweihung

Auch wenn es "nur" eine Mietwohnung ist, werde ich am Mittwoch eine kleine Wohnungseinweihungs"party" machen. Bei solchen Gelegenheiten wird mir immer wieder bewusst, wie viele Freunde ich habe. Es haben schon 13 zugesagt, und auch einige wegen Urlaub abgesagt. Auf ein paar Zu - oder Absagen warte ich noch. 
Es wird ein paar Getraenke geben, Kuchen und Obst, Wein. 
Und das Wichtigste wird sein, dass ich die Mesusa von einem Freund pruefen lassen werde. 
Morgen bekomme ich die Schluessel, und morgen oder uebermorgen werde ich das Schlafsofa von Rachel abholen koennen, das sie fuer mich aufbewahrt hat. Ich muss noch jemanden finden, der es mir transportiert fuer moeglichst nicht so viel Geld. 
Talia wird mir ihren Fernseher ueberlassen und so habe ich das Allernoetigste schon zusammen. 
Eine Couch, die gleichzeitig Bett ist, ein Kuehlschrank befindet sich in der Wohnung. 
Ein Miniklapptisch mit zwei Klappstuehlen ist ebenfalls vorhanden, sowie ein kleiner Kleiderschrank. 
Und irgendwie steht die kleine Feier unter dem Motto von Shai Agnon, den ich bereits zitierte:


לא אשבח את ביתי, כי קטן הוא ולא אתבייש בו בשביל שיש גדולים  וטובים ממנו

ביתי קטן, אבל מקום יש בביתי  לאדם שכמותי, שאינו מבקש גדולות



Ich werde mein Haus nicht loben, weil es klein ist und mich nicht fuer

es schaemen, weil es groessere und bessere gibt.

Mein Haus ist klein, aber es gibt in meinem Haus Platz fuer den, der

wie ich ist, der nicht nach Grossem strebt.

Auch Juden werden in Israel diskriminiert

Wenn sich die Welt ueber Diskriminierung der Palaestinenser in Israel aufregt, so sei erwaehnt, dass auch Juden in Jerusalem diskriminiert werden. 
Jeder christliche Tourist, jeder Moslem, darf auf den Tempelberg gehen, um dort zu beten. 
Doch dort, wo einst der juedische Tempel stand, ist es Juden verboten zu beten. Wir duerfen nicht unsere Gebetbuecher herausholen, um von dort ein Gebet zum Himmel zu schicken.
Ich weiss nicht, ob sich schon jemand darueber Gedanken gemacht hat? 

Stattdessen wird dort massenweise "Schutt" und Geroell abtransportiert, - Archaeologen raufen sich die Haare - nur um Beweise zu entfernen, dass dort wirklich jemals ein Tempel gestanden hat. 
In Jerusalem (und an vielen anderen Orten in Israel) kann man an fast jeder Stelle graben - und findet Relikte aus Tempelzeiten, tausende von Jahren alt. Erst kuerzlich wurden 14 zerbrochene Kruege in Tel Hazor gefunden, in Galilaea, sie sollen ca. 3000 Jahre alt sein. Es wurde darueber sogar auf den Seiten von N-TV berichtet. HIER ist der Bericht in deutscher Sprache. 

Tish´a BeAw

Wir trauern um den ersten um zweiten Tempel, erinnern uns daran, was Sin´at Chinam (der grundlose Hass) anrichten kann, denn es wird davon ausgegangen, dass dies der Grund fuer die Zerstoerung des Tempels war. 
Ein Volk, das geeint zusammenhaelt, und sich nicht von innen heraus "zerfleischt" und zerstreitet, dem kann eine Gefahr von aussen weniger anhaben. 
Sin´at Chinam ist fuer mich das, was immer noch stattfindet, der Fingerzeig auf den, der "weniger religioes" oder "kein richtiger Jude" oder "nicht orthodox genug" ist, ist stets da. 
Es wird ueber die Kleidung der Frauen gesprochen, ob ihre Aermel lang genug, ihr Kleid auch das Knie bedeckt. Wie sie sich in ihrem Kleid verhaelt, ob sie gastfreundlich, bescheiden oder g-ttesfuerchtig ist, ist letztlich egal. Hauptsache, die Verpackung stimmt. 
Ich appeliere immer wieder - so auch heute - dafuer, doch oefter einmal hinter die Verpackung zu schauen. Was fuer ein Mensch steht vor mir? Wieviel Liebe gibt er seiner Familie, anderen Mitmenschen? Vielleicht kann ich ihn dann schnell aus der Schublade, in die ich ihn auf den ersten Blick eingeordnet habe, herausholen. 
Der "Funke Juedischkeit" ist bei vielen zu finden, auch bei denen, die sich als Chillonim oder Saekular bezeichnen. 
Als ich am letzten Shabbat heimkam von meiner Einladung, standen auf dem Tisch Salz und der Kidduschbecher. Die Mitbewohnerin und der Sohn der Hausherrin bezeichnen sich als "nicht so sehr religioes" bis "kaum religioes". 
Sie waren allein zu Hause und als ich sie fragte, ob sie "Kiddush" gemacht haetten, bejahten sie. 
Da war er wieder, der Funke, und es macht viel Freude, ihn bei den Menschen zu entdecken. 
Ahawat Chinam (die "grundlose" Liebe, die Liebe, die auf Vorschuss gegeben wird, sozusagen) ist das, was wir dem entgegensetzen koennen. Mit einem Blick fuer das, was in den Menschen steckt, egal was er aeusserlich darstellt, gelingt es uns, das was uns verbindet, hervorzuholen.

Ich habe meinen  besten Freund - auch saekular, macht keinen Kiddusch fuer sich am Shabbat - nach seiner Meinung zur Beschneidung in Deutschland gefragt. Ich dachte, vielleicht ist ihm das ja unwichtig, da er nicht religioes lebt. 
Seine Antwort: "Ich kann dir nicht sagen, ob es wichtig oder unwichtig ist, es ist einfach so selbstverstaendlich, dass es eine Brit gibt, dass ich darueber ueberhaupt nicht diskutieren koennte. Waere ich noch jung, und meine Frau wuerde einen Jungen in Deutschland gebaeren, so wuerde er beschnitten, am 8. Tag. Es gibt darueber einfach keine Diskussion!"
Auch hier ist der Funke zu finden und ich koennte viele dieser Situationen aufzaehlen, in denen ich erstaunt war, wie viel Juedischkeit doch in vermeintlich nicht religioes lebenden Juden zu finden ist. 
Zom Kal (leichtes Fasten) an alle!

Donnerstag, 26. Juli 2012

Wieder ein kleiner Abschied.... und ein grosser Neuanfang

So langsam kann ich mich innerlich von meiner voruebergehenden Bleibe Nr. 3 verabschieden. Ich habe den Blick von hier ueber die arabischen Doerfer und ueber Ramat Rachel geliebt, und nicht selten freiwillig nach der Arbeit einen Gang mit dem Hund gemacht. 
Arnona, fast direkt vor der Tuer von Ramat Rachel, ist eine wunderschoene Gegend in Jerusalem. Und doch sind meine Freunde fast alle "unten", in Katamon und der Moshava, wo ich - wenn alles klappt - in der naechsten Woche wieder hinziehen werde. Auch meine beiden Lieblinssynagogen, Jakar und Yehuda haLevi sind dort. 
Alles wird ein wenig leichter sein, wenn ich wieder in die unmittelbare Naehe ziehe, die Shabbateinladungen, die ich in den letzten Wochen wegen der grossen Hitze haeufig abgesagt habe, da mir der Fussweg doch zu weit war, die Besuche bei den Freunden und die Moeglichkeit, an Shiurim in der Beit Knesset Ramban teilzunehmen. Das Kulturzentrum ist ganz in der Naehe, wo es immer nette Freizeitangebote gibt und den Shuk haIkarim, eine Art Agrarmarkt, jeden Freitag. Dort kann man Bioobst-und Gemuese kaufen, Kaese, Keramik und Holz, sowie sich eine Massage leisten fuer kleines Geld. 
Insgesamt ist der Markt nicht billig, aber die Erzeugnisse sind gut und schmackhaft. Ganz besonders gern kaufe ich dort Oliven, in Zitrone oder scharf eingelegt. 
Ich freue mich auf meine eigene Kueche, auch wenn es nur eine kleine Zeile ist. Ein eigenes Reich ist ein Geschenk und gibt mir die Moeglichkeit, mich mit schoenen kleinen Dingen zu umgeben, die das Herz erfreuen, und die mir wichtig sind um mich wohl zu fuehlen. Ich denke da an Gruenpflanzen, kleine Regale oder Tischchen und viel Deko, was es heimisch macht. 
Ich freue mich darauf, nicht mehr das Bad teilen zu muessen, auch wenn meines wirklich eine Miniaturausgabe ist. 
Alles ist klein und ueberschaubar, und doch gemuetlich. 

Ich habe eine schoene Zeile von Shai Agnon ueber sein Haus gefunden, welches sich in Jerusalem, ganz in meiner Naehe befindet. 

לא אשבח את ביתי, כי קטן הוא ולא אתבייש בו, בשביל שיש גדולים וטובים ממנו
ביתי קטן, אבל מקום יש בביתי לאדם שכמותי, שאינו מבקש גדולות

Ich werde mein Haus nicht loben, weil es klein ist und mich nicht fuer es schaemen, weil es groessere und bessere gibt.
Mein Haus ist klein, aber es gibt in meinem Haus Platz fuer den, der wie ich ist, der nicht nach Grossem strebt.

Dienstag, 24. Juli 2012

Probealarm?

Ich habe mich nach oben, in mein Zimmer gefluechtet, die Tuer verriegelt, ein nasses Handtuch an die Tuerschwelle gelegt und vorher noch geprueft, ob ich fuer die naechsten Stunden alles bei mir habe, was ich benoetige. 
Ob wir vom Pikud haOref Bombenalarm fuer chemische Waffen erhalten haben?
Nein, nein. Meine Mitbewohnerin verbrennt nur irgendein Kraeuterwundertuetchen, das sie von ihrem Rav bekommen hat und spricht dazu eine geheimnisvolle Formel. 
Jede Woche einmal dieses Ritual - und das, was ihr Glueck seit der Kindheit in Pech transformiert hat, soll verscheucht werden. 
Naja. Um ehrlich zu sein, kann ich solchem Hokuspokus nichts abgewinnen und es faellt mir schwer, daran zu glauben. 
Vielleicht hilft es ihr ja, nun anders an ihren Alltag heranzugehen, und positiv den Dingen, die auf sie zukommen entgegenzusehen. 
Ich jedenfalls ersticke hier fast und glaube ich werde einen laengeren Spaziergang unternehmen, bevor mein Asthmaspray zum Einsatz kommen muss. 
Aber ob ich es schaffe, mit angehaltenem Atem durchs Haus nach draussen zu laufen?

Montag, 23. Juli 2012

Gedankensplitter aus den letzten Tagen...was uns beschaeftigt

Hitze, die uns den Atem raubt
Das Morden in Syrien geht weiter
Chemische Waffen, die in die "falschen" Haende fallen koennten. (aber gibt es "richtige" Haende fuer solch eine perverse Bedrohung?
Kadima, Netanyahu, Wahlen?
Menschen zuenden sich an (aus Verzweiflung ueber ihre aussichtslose Lage?)
In Bulgarien fliegt ein Bus in die Luft - mit Israelis. (erinnert an eine furchtbare Zeit in Israel)
Olympia - sicher genug fuer israelische Sportler?
Olympia - Attentat 1972 - vertuscht, versteckt, verschwiegen... und bitte keine Gedenkminuten mehr!
Euro - was wird aus dir?
Chemiewaffen? - G-tt sei dank nur bei Angriff von "aussen".
Beschneidungsrituale sollen nach jahrzehntelangem Aufstand fuer das Recht auf Unversehrtheit endlich ein Ende finden.
Religion muss sich anpassen.
Denver - er hat Gewehre und Gasmasken

Ich liebe das Abendlicht in Jerusalem

Der Tag war nicht erfreulich. Ich habe viele Fehler bei der Arbeit gemacht und bin immer mehr unter Druck geraten. 
Auf dem Heimweg im Bus konnte ich mit einer netten Kollegin aus der anderen Abteilung sprechen und wurde auf eine angenehme Weise abgelenkt von meiner Frustration.
Die schweren Gedanken wurden immer leiser und entfernten sich schliesslich beim Anblick der Umgebung. Ich wohne noch fuer eine kurze Zeit dort, wo man die Wueste sieht, wo das seidige Abendlicht der Sonne eine schmeichelnde Decke ueber Felder und Haeuser wirft und der Anblick so gut tut, dass es fast schmerzt!

Freitag, 20. Juli 2012

Shabbat shalom mit viel Shalom!

Ich muss zugeben, dass es mir heute schwer faellt, mit friedlichen ruhigen Gefuehlen in den Shabbat zu gehen. Die letzten Ereignisse in Bulgarien - die Bilder im Kopf aus den Nachrichten - sie lassen einen nicht so schnell los. Heute morgen wurden die Menschen genannt, die heute beerdigt werden, Alter: 25, 25, 29, 28, 44. 
Menschen, die gerade erst ihr Leben begannen, vielleicht sogar durch den Urlaub in Bulgarien ein wenig dem schwierigen Alltag in Israel entfliehen wollten, wer weiss?
Ich weiss, dass es nicht immer einfach ist hier in Israel. Unsere Nachbarn Syrien und Aegypten koennen wir zurzeit ueberhaupt nicht einschaetzen und auch (und gerade) wenn das Assad-Regime fallen sollte, ist alles ungewiss. 
Alles scheint zu wackeln und instabil zu sein, in welche Richtung wird uns die Zukunft fuehren? Geht es dem Frieden entgegen oder einem unkalkulierbaren "Showdown"? 
In den Schriften werden uns furchtbare Zeiten prophezeit bevor wir den Mashiach erleben, bevor es einen Frieden fuer immer geben wird. 
In der Galut zu leben, und dort in der Minderheit vielleicht demnaechst wieder seine juedische Identitaet verschweigen zu muessen (diese Zeiten scheinen mir nicht fern zu sein..) hoert sich fuer mich jedoch noch unangenehmer an, als hier, wo ich mich umschaue und genau weiss, dass die Menschen um mich herum fuehlen. 
Dass wir "ein Volk mit einem Herzen sind" (was Juden auf der ganzen Welt meint), spuert man hier in Israel sehr viel deutlicher. 
Ich habe mich oft mit meiner Meinung und meiner Einstellung - meinem Alltag und meiner Art Shabbat zu feiern - in Deutschland sehr einsam gefuehlt und bin auch mit den Menschen, die sich anfangs sehr fuer das Judentum zu interessieren schienen, irgendwann an Grenzen gestossen, die hoeher sind als die Mauern in Bethlehem, die so viele bemaengeln. 
Ich gehe mit Nachdenklichkeit in den Shabbat, in der Hoffnung auf ein Leben in Frieden, fuer alle Voelker der Welt, wo niemand ausgeschlossen wird und sich das Mit-leid niemals durch ein "aber" einschraenken laesst.
Shabbat shalom!

Terroranschlag auf israelische Touristen - "eine graessliche Tat, aber!"

Eigentlich sollte ich mich daran gewoehnt haben, dass deutsche Kommentatoren bei Spiegel, Tagesschau und co. sich nicht gerade dadurch auszeichnen, dass sie ein Terrorattentat scharf verurteilen und ihr Beileid den Opfern und deren Familien aussprechen - falls, ja falls es sich um israelische (juedische) Opfer handelt. 
Und doch bin ich noch nicht so abgestumpft, dass es mich nicht doch jedes Mal neu erschrickt, wie Menschen fuehlen und dies zum Ausdruck bringen. 
Ein Beispiel, was mich sehr nachdenklich macht:


Eine gräßliche Tat, aber !

Wer auch immer der Attentäter war, er hat den Unfrieden im Nahen Osten weiter geschürt. Es tut mir leid um jeden Menschen, der dabei getötet oder schwer verletzt wurde. Aber das ist das Ergebnis einer Haudraufpolitik, was wir Menschen eigentlich nicht wollen. Anstatt sich Israel um den Frieden bemüht, wird meist provuziert. Palästinenser hinter hohen Mauern, Landraub usw. Wofür gab es Friedensnobelpreise für Rabin, Perres und Arafat, wenn der Friedensprozess nicht weiter geführt wurde. Bedauern kann ich den Staat Israel nicht.

Dazu kann ich nur fragen: Lieber Didi57, warst du schon ein einziges Mal in Israel? Hast du dir die Palaestinenser hinter den hohen Mauern angeschaut, oder hast du auch - wie ich - die palaestinensichen Familien beim Ausflug am Toten Meer gesehen, hast ihre Muetter mit den Kindern spielen sehen und dich mit ihnen unterhalten? Hast du auch erlebt, wie juedischen und muslimische und christliche Aerzte GEMEINSAM im Krankenhaus um menschliches Leben kaempfen, Seite an Seite? Kannst du dir das ueberhaupt vorstellen, dass das moeglich ist hier?
Kannst du dir vorstellen, dass der Palaestinenser zum juedischen Arzt geht, weil er zu ihm am meisten Vertrauen hat? 
Und - was hat das alles mit der Ermordung von jungen Menschen zu tun, die heute hier in Israel von ihren Familien beerdigt werden? Unter grossem Entsetzen der ganzen Bevoelkerung. 
Diese Menschen wollten Urlaub machen, hatten sich gerade in den Bus gesetzt, um sich auf einen wunderbaren Urlaub zu freuen.....
Ja, eine graessliche Tat, aber

Beschneidung - die Meinung der deutschen Bevoelkerung

In einem Artikel im "Der Spiegel" wird behauptet, dass nach einer Umfrage ca. die Haelfte der Befragten fuer eine Ausnahmeregelung im Falle der Beschneidung aus religioesen Gruenden bei Jungen ist, die andere Haelfte dagegen. 
In den Kommentaren sieht das erheblich anders aus. 
Und auch einer der Kommentatoren gibt dem Ausdruck. Er schreibt

Das glaube ich nicht. Keiner mit dem ich geredet habe hat Verständnis für diesen religiösen Schwachsinn. Kommentare in Foren zeigen vielleicht 5% dafür und 95% gegen Beschneidung. In gewissen religiösen Schriften steht auch das man Ehebrecher steinigt. Sollen wir das auch im Zuge der Religionsfreiheit erlauben?

ein anderer Kommentator schreibt

Interessant zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit die Gesetze für archaische, vorzeitliche, religiöse Genitalverstümmelungen geändert werden. Auch Religionen müssen sich der Entwicklung der Menschheit anpassen.

auch interessant ist der folgende Beitrag:

Ich achte und schätze selbstverständlich unsere jüdischen und musimischen Mitbürger. Das hält mich jedoch nicht davon ab, die Verstümmelung von Kindern scharf zu bekämpfen. Nur weil das jahrtausende alter (Miß-) Brauch ist, darf nicht zugelassen werden, daß unmündige Menschen physisch und psychisch irreversibel geschädigt werden. Wenn sie sich im Erwachsenenalter aus freiem Willen zu Beschneidung entschließen, ist das zu akzeptieren.

Ich frage mich langsam, wohin diese Stimmungsmache uns noch fuehren wird? 

Mittwoch, 18. Juli 2012

Anschlag auf Israelis in Bulgarien

Bei einem Anschlag auf einen Reisebus mit israelischen Touristen sind wahrscheinlich 7 Menschen getoetet und mehr als 20 verletzt worden. 
Der Terror gegen Israelis im Ausland geht weiter. 
Natuerlich ist es auch bei uns hier in Israel nicht sicher, dennoch gibt es zurzeit einige Menschen, die es bevorzugen, in der Heimat zu bleiben und nicht im Ausland Urlaub zu machen. 

Dienstag, 17. Juli 2012

Geht es bald zuende...

Wow, in der letzten Zeit macht immer oefter der Bildschirm meines Laptops schlapp. Ploetzlich sind nur noch Streifen zu sehen und ich kann ihn nicht einmal vernuenftig herunterfahren. Dann muss ich ihn wohl oder uebel einfach ausstellen. 
Fahre ich ihn dann nach einer kurzen Wartezeit wieder hoch, geht es wieder. 
Das passiert mir aber immer oefter. 
Geht es schon zuende mit ihm? Ist seine Lebenszeit schon abgelaufen?
Das waere ganz furchtbar fuer mich, denn 1. brauche ich ihn jeden Tag, und das nicht nur zum Blog schreiben.Und 2. habe ich fuer einen neuen Lappi einfach kein Geld uebrig zurzeit.
Ich bin mit ihm auf Wohnungs- und Arbeitssuche ins Internet gegangen, und ich schaue dort die israelischen und deutschen Nachrichten an, schreibe Bewerbungen und Briefe an Aemter und Behoerden und verwalte meine Fotos. 
Es waere furchtbar schade, wenn das ein jaehes Ende finden wuerde. Und einen Blog im Intenetcafe regelmaessig zu schreiben, ist auch nicht denkbar, und letzten Endes viel zu teuer. 
Nun - ich hoffe, dass er noch ein Weilchen vor sich hin "humpelt", bis er den Geist aufgibt. Ansonsten muesste ich mich erkundigen, ob es in meinem Bekanntenkreis irgendwo ein aelteres Modell zu "erben" gibt. 

Ein Gericht fuer die "kleinen Klagen"

Yael schrieb mir zu einem meiner Eintraege folgenden Kommentar:

Es kann natürlich sein, dass sie sich nicht an den Vertrag halten, was eine Schweinerei wäre. Nur in Israel ist das wohl möglich, denn es würde wohl niemand deswegen klagen, obwohl das Recht auf deiner Seite ist.

Dazu sei anzumerken, dass es gerade in Israel eine sehr nuetzliche Einrichtung gibt, das "Beit Mishpat laTviot Ktanot" , das sogenannte "Gericht fuer die kleinen Klagen", dort geht es um Betraege bis zu 32.000 Shekel (das sind ca. 6000 EUR).
Aus genau dem Grund, den Yael hier anfuehrt, dass gerade die kleinen Arbeitnehmer, die um ihr Geld betrogen werden (nicht selten bei Putzstellen in Bueros u.ae.) sich mit kleineren Betraegen nicht ans Gericht wenden wuerden, da sie kein Geld fuer eine Klage haben, noch, sich grosse Hoffnung auf Erfolg machen. 
Fuer diese "armen Seelen" hat man das Gericht fuer kleine Faelle ins Leben gerufen 
Ein guter Freund erzaehlte mir, dass man dort unglaublich schnell handelt, und falls der Arbeitgeber sich einfallen lassen sollte, gar nicht erst bei Gericht zu erscheinen, um alles endlos hinauszuzoegern, wird gleich auf der Stelle fuer den Klaeger entschieden. 
So hat - zumindest in diesen Faellen - auch der kleine Mann in Israel eine Chance auf eine gewisse Gerechtigkeit. 

Montag, 16. Juli 2012

Ich freue mich, dass ich lebe - und darueber, dass ich hier lebe


Die ganz grossen Buehnen Jerusalems..

... sie befinden sich nicht im Jerusalemer Theater, sondern in der Stadt an jeder Ecke. Wir brauchen in Jerusalem nur ein paar Schritte zu gehen, und stehen wieder vor einer anderen eindrucksvollen riesigen Buehne, die Stadt liegt uns zu Fuessen und zeigt ihre ganze Schoenheit. Fotos koennen nur eine winzige Idee davon widergeben, was es bedeutet, an solch einem Aussichtspunkt zu stehen wie hier am Mizpe Yair, direkt neben Ramat Rachel. 
Ein unwirklicher surrealer Ausblick bietet sich dem Besucher und irgendwie fuehle ich mich jedes Mal wie in einem Live-3D-Film, zu dem ich die Eintrittskarten geschenkt bekomme. 
Danke fuer dieses grosse Geschenk!

Wenn Steine sprechen koennten..

Trotz der grossen Hitze zieht es mich wieder auf einen kleinen Spaziergang zur Ausgrabungsstaette bei Ramat Rachel. 
Hier ein Blick in eine uralte Mikwe, (ein Ritualbad) die einige tausend Jahre alt ist und wenn sie sprechen koennte, wuerde sie wohl viele Geschichten von Frauen (und Maennern) erzaehlen. Wie viele Frauen haben hier sehr intime Augenblicke verbracht, mit sich selbst und G-tt, haben sich gereinigt und sind tief versunken untergetaucht, um sich auch spirituell und auf geistiger Ebene zu "heiligen"?
Was haben sie gedacht, gefuehlt und welche Verbindung hatten sie zu ihrem - zu unserem - G-tt, zu dem sie die Bracha schickten? Welche Gebete haben sie gesprochen und was waren ihre innersten Herzenswuensche, ihre Geheimnisse, die sie niemandem mitteilten? 
Waren sie zufrieden und gluecklich, oder befanden sie sich in ausweglosen Situationen? Wurden ihre Gebete und ihr Seufzen erhoert, ihre Traenen getrocknet? Was war die Tora fuer sie, fuer ihre Kinder, ihre Ehemaenner? Und welche Gedanken durchfuhren sie, waehrend sie die Shabbatkerzen entzuendeten? 
Die Steine schweigen, aber sie befinden sich hier, vor uns. Sie sind der Beweis, dass viele Generationen vor uns juedische Menschen denselben Braeuchen nachgingen, denselben G-tt liebten und zu ihm flehten.

Hundehitze - und es wird noch heisser...

Auch Shubaka, unser blinder Hund im Haus, hat keine Lust auf einen Schritt nach draussen. Sie liegt im Eingang, muede und schlapp - und will nur eines: TRINKEN!
Aber der Hoehepunkt der Hitzewelle ist noch nicht erreicht - am Donnerstag soll es dann tatsaechlich fast 40 Grad werden, wobei wir in Jerusalem noch gluecklich sein koennen, da wir nicht 70 % Luftfeuchtigkeit haben, wie in Tel Aviv, Raanana und an der gesamten Kueste. 
Wir haben "nur" 30%. 

Ist Israel das Land der cholerischen Chefs?

Mein gestriger Austausch mit einigen Freunden ueber das Miteinander im Arbeitsleben ergab fuerchterlich ernuechternde Fakten. 
Jeder konnte von einem bruellenden Chef oder einer cholerischen Chefin berichten. 
Meine Erlebnisse, seit ich zum zweiten Mal hier in Israel neu anfing sind ja auch gravierend anders als beim ersten Mal. 
Dass hier - im Mittleren Osten - die Uhren anders ticken als in Europa, erst recht als in Deutschland - das habe ich schon lange begriffen. Die Art miteinander umzugehen ist oft rauh und nicht zimperlich. Es wird bereits beim normalen "Erzaehlen" oft mit Haenden und Fuessen um sich geschlagen, und die Lautstaerke reicht, um den Busnachbarn auch noch zu erheitern und ihm die Fahrt zu versuessen. (Von weitem sieht dann solch ein Gespraech aus wie ein heftiger Streit, vor allem fuer Nicht-Einheimische)
"Man" fragt sich nicht, ob die eigenen Erlebnisse wirklich so interessant sind, dass das Gegenueber unbedingt  auch daran teilhaben muss, sondern geht einfach davon aus, dass man allein auf der Welt ist, jedenfalls fuer einen Augenblick. 
Austeilen, aber sehr empfindlich sein fuer´s Einstecken, auch das ist hier haeufig Devise. 
Und erst recht - so scheint es, wenn man sich umhoert - erteilt man als Boss seine Anweisungen schreiend. Wenn das Telefon geht, wird oft schon geschrien, warum man denn zum Teufel nicht abhebt, - obwohl es gerade erst einmal geklingelt hat, und wenn der Boss einen ruft, dann bedeutet das, SOFORT alle Stifte fallen zu lassen. Wenn man krank ist, wird nicht selten hinter einem her telefoniert, wie lange man denn noch gedenkt, zu hause zu bleiben, und es gibt Vertraege, in denen man explizit unterschreibt, dass man nicht geschuetzt ist durch bestehendes "Arbeitsstunden- und Pausengesetz". 
Unterschreibt man solch einen Passus, so kommt es mir vor, als unterschreibe man seine eigene "Versklavung". Ja, es gibt Gesetze, aber nein, ich unterschreibe hiermit, dass fuer mich persoenlich diese Gesetze, die mich schuetzen sollen, nicht gelten. 
Ich bin mir dessen bewusst, dass ich hiermit keine Rechte mehr habe. 

In Deutschland gibt es gewisse Klauseln, die einfach keine Gueltigkeit haben, selbst wenn beide Parteien sich durch die Unterschrift einig zu sein scheinen. Steht beispielsweise in einem Mietvertrag, man muesse - falls man nach weniger als 12 Monaten die Wohnung verlaesst - eine Strafe von 200 EUR zahlen, so ist dieser Passus einfach nicht gueltig, selbst, wenn man sich selbst mit der eigenen Unterschrift dazu verpflichtet. 
Wie das hier in Israel ist, habe ich noch nicht herausgefunden, aber da ich zwei Rechtswanwaelte persoenlich kenne, und ab und zu etwas fuer sie schreibe, werde ich mich erkundigen. 

Das Problem bei einem Arbeitsvertrag ist, man kann den Arbeitnehmer noch so gut schuetzen, wenn er auf die Arbeit angewiesen ist - und das sind die meisten von uns "Normalbuergern", dann drueckt man sich selbst wohl oder ueber unter diese Klauseln, man versklavt sich, unterschreibt, dass man auch zu ungewoehnlichen Zeiten, z.B. am Shabbat, in der Nacht oder an Feiertagen, gerufen werden kann, je nach Bedarf. (und hofft dann insgeheim, dass dies nie der Fall sein moege...)

Aber zurueck zum Umgang miteinander. 
Ich bin doch erstaunt, nach den Erfahrungen der letzten Monate - dass es so vielen genauso zu gehen scheint, dass es unglaublich viele leitende Persoenlichkeiten zu geben scheint, die keinen normalen Umgangston pflegen, ihren Angestellten gegenueber. 
Und jedes Mal hatte ich das Gefuehl, man ist sich sehr sicher, dass der Angestellte es nirgendwo besser haben kann und dankbar sein kann, Arbeit zu haben. 
Was ja auch zum grossen Teil wirklich Tatsache ist. 
Zedek Chevrati - die soziale Gerechtigkeit, fuer die wir hier in Israel seit mehr als einem Jahr auf die Strasse gehen und in Zelten streiken, - sie ist meiner Meinung nach nicht beschraenkt auf die finanziellen Belastungen, und die schlechte Bezahlung, die hohen Mieten und die finanzielle Benachteiligung der Unterschicht, sondern zieht viel weitere Kreise. Sie betrifft auch das menschliche oder unmenschliche Miteinander und Untereinander, gerade und besonders in den unteren Einkommensklassen. 
Dabei muessen nicht religioes sein, um all unser Handeln und unsere Kommunikation unter einen Satz unterzuordnen, der vieles von selbst verbieten wuerde:
"Was du nicht willst, was man dir tu - das fueg auch keinem anderen zu!"
Nicht mehr - und nicht weniger. 


Sonntag, 15. Juli 2012

Meine Neuigkeiten

Ich versprach, euch bald von neuen Geschehnissen in meinem Alltag zu berichten, und hier sind sie. 
Erinnert ihr euch an den Bericht ueber mein Fernsehinterview im israelischen Fernsehen? Es ging um Giur und um Genetik und man stellte mir zum Schluss die Frage, was meine naechsten Schritte in Israel seien. 
Da ich mich zu diesem Zeitpunkt gerade auf Arbeitssuche befand, drueckte ich meine Hoffnung nach einem Job aus. 
Dieses Fernsehinterview sah die Leiterin der deutschen Abteilung einer grossen Touristikfirma in Mevasseret (ein Vorort von Jerusalem). Da sie von der Sendung beeindruckt war und gerade deutschsprachige Mitarbeiter suchte, versuchte sie meine Mailadresse beim Sender herauszubekommen, mit Erfolg. 
Sie schrieb mir eine Mail, in der sie mir Arbeit anbot in ihrer Abteilung. 
Genau an diesem Morgen, an dem ich die Mail erhielt, wendete ich mich 2 Stunden vorher an diese Firma, die mir von einer Freundin empfohlen wurde. Sie meinte, dort wuerden immer mal deutschsprachige Mitarbeiter gesucht, ich solle doch einfach mal nachfragen. 
Das tat ich, schickte meinen Lebenslauf mit und wunderte mich sehr, als ich zwei Stunden spaeter eine Mail erhielt. "Wow", dachte ich, "die antworten aber schnell. 
Beim Lesen der Mail wurde deutlich, dass dies keine Antwort auf meine Anfrage war, sondern ein Arbeitsangebot unabhaengig von meiner Mail, die, wie sich spaeter herausstellte, noch gar nicht zur deutschen Abteilung weitergeleitet wurde. 
Wir telefonierten und vereinbarten, vor meiner normalen Arbeitszeit gemeinsam einen Cafe zu trinken. Dort besprachen wir Einzelheiten, den Job betreffend und mussten immer wieder den Kopf darueber schuetteln, wie merkwuerdig sich doch manchmal die Wege finden... 
Unterm Strich gab es eigentlich nur Verbesserungen, etwas mehr Gehalt fuer wesentlich weniger Stunden und  an meinem geliebten Freitag muesse ich nur alle drei Wochen arbeiten. 
Der einzige zurzeit sichtbare Nachteil ist die Fahrt nach Mevasseret, aber auch das ist zu verkraften und fuer viele viele freie Freitage bin ich nur gern bereit, wieder Busfahrten auf mich zu nehmen. 
Ein Besuch in der Firma zeigte mir, dass die Arbeit interessant sein wuerde. 
Deutsche Gruppen (vereinzelt auch Alleinreisende oder Paare) wenden sich an ihre Reiseagenturen in Deutschland mit einer Planung. (Es geht um heilige Orte, historische Staetten, um Kultur usw.). Die meisten Gruppen kommen mit einem christlichen Hintergrund oder sind sogenannte "Freunde Israels", die dann sogar - und erst recht - in Krisenzeiten als eine Art Solidaritaetsreise - herkommen. 
Die Planung der Reise in Abstimmung mit den Gruppenleitern, Buchung der Hotels und heiligen Orte zur Besichtigung, Auswahl der Madrichim (israelische Leiter vor Ort mit Spezialausbildung) - all das werden meine Aufgaben sein. 
Dabei planen deutsche Gruppen wohl anders als Gruppen aus Amerika, USA, Asien, naemlich weitaus laenger im Voraus. Heute z.B. wird schon fuer 2014 geplant. 
Bis dann die Reise endgueltig "steht", ist viel Korrespondenz geschehen und genau fuer diese Korrespondenz braucht man deutschsprachige Mitarbeiter. 

Heute nun, 14 Tage vor Ablauf des Juli, habe ich meinen derzeitigen Arbeitgeber darueber hinformiert, dass ich Ende Juli kuendigen moechte, um am 1. August in Mevasseret anzufangen. 
Ich hielt mich genau daran, was im Vertrag vereinbart war, naemlich zwei Wochen vorher die Kuendigung einzureichen. 
Eine Stunde spaeter dann wurde ich darueber informiert, dass es "in unserer Branche" ueblich sei, wenn der Arbeitnehmer gehen moechte, dass er das dann sofort tun muss. 
Somit wurde ich wiederum von meinem Arbeitgeber aufgefordert, nun doch bitte schoen ab heute abend nicht mehr zu erscheinen. 
Alles in allem hatte ich irgendwie damit gerechnet. Fairness zahlt sich leider nicht immer aus, und ich haette also genauso gut den Arbeitgeber erst am letzten Tag informieren koennen. 
Korrekt haette ich das nicht gefunden, aber letztlich waere es mir besser "bekommen", wie man sieht. 

Nun - furchtbar schlimm ist es nicht, denn ich rief meine Chefin in spe an, um nachzufragen, ob ich eher dort anfangen kann und sie hat mit Freuden zugesagt. 
So werde ich morgen noch ein paar Dinge erledigen, um dann uebermorgen bereits einen voellig neuen Arbeitsbereich kennen  zu lernen, der - soweit ich das bisher beurteilen kann - auch sehr interessant zu werden scheint. Ich freue mich auf die neue Arbeit und auf die Freitage, die ich sicher wieder zum grossen Teil am Toten Meer verbringen werde. 


"בן החמאס" Son of Hamas - Buchtipp, fesselnd und informativ, fuer alle, die glauben, Israel ist der Stoerfaktor fuer den Frieden im Nahen Osten

Ich hatte HIER schon einmal ueber ihn berichtet, den Sohn eines der Gruender der Chamas, Scheich Chassan Youssef.
Mosab Chassan Youssef liebt Israel und unterstuetzt es. Er spielt sicher mit seinem Leben, denn er hat sich von den Idealen der Chamas distanziert, lange Zeit fuer den Shabak gearbeitet, den Innengeheimdienst Israels, und lebt nun in den USA. 
Was er HIER in diesem Video erzaehlt, auf dem Israelkongress in Frankfurt, ist einfach unglaublich. (es lohnt sich und ist in englischer Sprache)
Ich kann mich zurzeit einfach nicht von seinem Buch loesen, in dem er seine Geschichte erzaehlt. Es heisst "Ben HaChamas" und ist auch in englischer Sprache erhaeltlich. (Son of Hamas). 
Mosab Chassan Youssef sagte sich vom Islam los und gibt uns in seinem Buch interessante Einblicke ueber Fundamentalisten und gemaessigte Moslems. 
Er ist heute christlicher Araber und sagt ueber sich selbst, dass er einen hohen Preis zahlen musste. Seine Familie kann er nicht sehen, und es ist ihm bewusst, dass er ihnen dort, wo sie leben, grosse Schande bereitet hat. 
Aber zugunsten seiner Erkenntnis, dass dies der einzige richtige Weg ist zum Frieden, hat er seine Vergangenheit verlassen. 
Mossab sagt unter anderem, auch fuer die, die es nicht hoeren wollen, dass Israel keineswegs der Stoerfaktor ist fuer den Frieden im Nahen Osten, sondern die Loesung!
"Chamas wurde gegruendet, um zu zerstoeren, nicht um aufzubauen..." ist nur ein Zitat aus seiner Rede.

Bank HaZman - -die Zeitbank

Das waere doch auch mal eine Idee fuer Deutschland, oder?
X. sucht Tai Chi - Stunden, Y. moechte Englisch lernen, und Z. hat Lust, Keramik zu erstellen. Das gibt er in die Zeitbank ein und bietet dafuer seine eigene Freizeit an, mit dem, was er anbieten kann dafuer. 
X. ist naemlich Einwanderer aus Deutschland, kann also Deutschstunden anbieten, Y. moechte Shiatsu anbieten und Z. hat Lust, anderen Meditation beizubringen. 
Es geht also nicht um Geld, die solch eine Stunde kosten koennte, sondern um Zeit. Zeit, die man anbietet gegen Zeit, die man von anderen in Anspruch nehmen will. 
Hier gibt es die Zeitbank offenbar nicht nur in Jerusalem, sondern auch in anderen Staedten schon mit grossem Erfolg und enormer Nachfrage.
Dabei spielt es keine Rolle, ob das, was ich anbiete, gerade gesucht wird, ich kann trotzdem die Stunden, die ich gern moechte, in Anspruch nehmen. 
Meine Anfrage und mein Angebot werden in die Zeitbank aufgenommen, diese wird staendig aktualisiert und gut verwaltet. Ich wende mich an das Buero und werde mit dem Menschen zusammengefuehrt, der mein Beduerfnis abdecken kann. 

Freitag, 13. Juli 2012

Jewish Music Stream

Kurz vor Shabbat moechte ich euch noch einen Musicstream fuer Juedische Musik empfehlen.
HIER koennt ihr ihn herunterladen. 
Enjoy!

Parashat Pinchas und Noa - eine der fuenf Toechter Zlofchads

Warum ich mir den Namen Noa ausgesucht habe? Werde ich oft gefragt, denn Noa ist hier in Israel ein sehr junger Name. 
Als ich mir einen Namen aussuchen sollte, gegen Ende des Giur-Prozesses, gefielen mir die Namen Noa und Lea besonders, allein aufgrund ihres Klanges. 
Ich waehlte irgendwann Noa. 
Erst ein wenig spaeter, als ich ueber die Parasha Pinchas stolperte, wurde mir bewusst, dass der Name Noa mehr Bedeutung fuer mich haben sollte, als nur den schoenen Klang. 

Machla, Noa, Chogla, Milka und Tirza, die fuenf Toechter Zlofchads, (Numeri 27:1) vom Stamme Menasche wenden sich in der heutigen Parasha (Numeri 25:10 - 30:1) an Moshe, der dabei ist, das Land Israel unter die Staemme aufzuteilen. Sie beschweren sich, da ihr Vater in der Wueste starb und sie nun leer ausgehen sollen. Es war naemlich nicht vorgesehen, dass Toechter erben, falls es keine maennlichen Nachkommen gibt. Sie - die Toechter Zlofchads - moechten jedoch auch einen Anteil am Land Israel bekommen. 
Moshe traegt diese Bitte vor G-tt und G-tt gibt ihnen Recht. Er sagt: "Ja, sie sollen ihren Anteil bekommen und ab heute soll es so sein, falls der Vater stirbt und es keine maennlichen Nachkommen gibt, sollen die Toechter erben..."

Das ist eine kleine emanzipatorische Sensation in der Tora. Die Toechter Zlofchads fordern "Gleichstellung", bereits in dieser Zeit!
Als ich wusste, worum es bei Noa in der Tora ging, war ich mehr als vorher davon ueberzeugt, dass ich den Namen Noa richtig gewaehlt hatte. 
Ein wenig Emanzipation ist immer foerderlich, zumal es viele sehr intelligente Tora-weise Frauen gibt. Sie kommen nur eher selten zu Wort. 
Und darueber hinaus - natuerlich bin auch ich daran interessiert, einen kleinen Anteil an Eretz Israel zu bekommen. Ich fuehle mich reich beschenkt und irgendwie habe ich auch einen Anteil an Eretz Israel, selbst wenn ich kein Eigentum besitze und wohl auch nie besitzen werde. Ich darf hier leben, habe einen israelischen Pass und alle Buergerrechte. Was will ich mehr?
Es gibt genug Menschen, die liebend gern fuer immer nach Israel kommen wuerden, aber keine Rechte haben, hier zu wohnen. 
Wie gluecklich kann ich mich schaetzen, seit 4 Jahren Noa Bat Awraham Awinu zu sein und zum Volk Israel gleichberechtigt dazuzugehoeren. 
Ich werdet es nicht glauben, aber ich danke taeglich fuer dieses Geschenk. 
Und in den Shabbat gehe ich mit diesen freudigen Gedanken im Herzen, ich bedanke mich fuer Brot und ein Dach ueber dem Kopf, fuer die zahlreichen Freundschaften und die viele Hilfe, die ich bisher hier erhalten habe. Ich bedanke mich fuer die Entdeckung und Operation meiner kaputten Herzklappe und letztlich dafuer, dass mir hier das Leben erhalten und gerettet wurde. 
Ich bedanke mich fuer das Land, das wunderbare kleine Land, und mein Volk, das mich auf eine ganz besonders Weise unendlich bereichert hat. 
Was gibt es in eurem Leben, fuer das ihr dankbar sein koennt?
Shabbat Shalom!

Noch einmal Beschneidung

Der Verband europaeischer Rabbiner hat das Koelner Urteil zum Thema Beschneidung scharf kritisiert. Sollte das Urteil von anderen Gerichten uebernommen werden, so sehe er "keine Zukunft fuer Juden in Deutschland" sagt der Praesident des orthodoxen Verbandes. 
Ich moechte die Leser einmal bitten, einen kleinen Blick auf die zahlreichen Kommentare zu werfen, die HIER zu lesen sind. 
Ich denke, eindeutiger kann sich die deutsche Leserschaft der Tagesschau nicht auessern. Ist das repraesentativ fuer die Bevoelkerung in Deutschland? Ich fuerchte "ja", denn die Wichtigkeit der Beschneidung fuer Juden (ich lasse jetzt hier einmal die Wichtigkeit weg, die sie fuer Moslems hat, weil dazu sich die Moslems selber aeussern werden und ich nicht das Recht habe, darueber zu urteilen) wird niemand in der deutschen Bevoelkerung so recht begreifen. 
Da heisst es : "Man wird zu einer Religion gezwungen" und es wird wieder einmal das Thema "Beschneidung von Frauen in Afrika" und dias Recht der Menschen auf "Unversehrtheit" angefuehrt. 
Das Judentum ist eben nicht nur Religion, sondern auch Volk, und egal ob ein Junge beschnitten ist oder nicht, er ist  - solange er von einer juedischen Frau geboren wurde - ein Jude. Zu einer Religion wird er durch die Beschneidung jedenfalls nicht gezwungen. Er wird zu einer Religion gezwungen (und zu einer Volkszugehoerigkeit!) , weil er von einer juedischen Frau geboren wurde. Das ist Tatsache. 

Ich bin keine Prophetin, aber ich denke nicht, dass dieses Urteil zu einer Abwanderung der Juden aus Deutschland fuehren wird. 
Sehr wenige - orthodoxe - Juden werden sich vielleicht auf den Weg machen nach Israel oder USA, aber der Grossteil wird sich damit abfinden. 
Und doch ist es ein weiterer Stein (vielleicht schon ein Felsen), der Juden in Deutschland in den Weg gelegt wird. Solange sich Juden als "nicht anders als alle anderen" geben, still und leise ihrer Religion nachgehen, kein grosses Aufsehen erregen mit ihren "Ritualen", die aus dem Mittelalter zu kommen scheinen, solange sind sie "brave" Juden. 

Durch das Beschneidungsurteil wird etwas aufgewuehlt und angestachelt, was ich schlichtweg mit (vorsichtig formuliert) "Intoleranz" bezeichnen moechte und doch kann ich es nicht lassen, anzufuegen, dass mich das ganz stark an etwas erinnert, was ich nur aus Berichten kenne, da ich noch nicht geboren war zu der Zeit, naemlich die Aufwiegelung gegen ein Volk, das immer im Mittelpunkt des Hasses war.
(und: ich bin mir bewusst, dass auch Moslems betroffen sind und sie mit uns in einem Schiff sitzen zurzeit)

"Neues Massaker" in Syrien?

Ich lese heute morgen, dass offenbar ein neues "Massaker" in der Provinz Hama stattgefunden hat. 100 Menschen seien von regierungsnahen Milizen getoetet worden. 
Ich verstehe diese Meldung nicht so ganz, denn seit langer Zeit geschieht in Syrien doch eigentlich taeglich, stuendlich, ein einziges grosses Massaker, oder sehe ich das falsch?
Wie lange wollen die Medien der Welt noch darueber berichten, ohne dass irgendetwas passiert?
Wie lange noch sind wir Zuschauer, waehrend auf der Buehne vor uns gemordet, vergewaltigt, gemetzelt wird von einem Herrscher, der sein eigenes Volk dahinschlachtet?
Letzten Endes ist es doch egal, wie wir es nennen, ob "neues Massaker" oder einfach "weitere 100 Menschen wurden von der Miliz getoetet, Tatsache ist, dass vor den Augen der Weltbevoelkerung ein Massenmord stattfindet. 
Und dieses Mal kann niemand sagen: ich habe von nichts gewusst.

Gleichmaessige Stromversorgung - in Israel zurzeit nicht selbstverstaendlich

Die Gaslieferung, z.B. aus Aegypten, die nicht gleichmaessig weiterlief  und die Tatsache, dass ein neues Stromkarftwerk nicht ans Netz gegangen ist, sowie die anhaltende ungewoehnliche Hitze (was bei uns Omes genannt wird, von "amus" =dicht), hat dazu gefuehrt, dass immer wieder mit Stromausfaellen zu rechnen ist, unser Strom wird zurzeit nicht gleichmaessig geliefert werden koennen. 
Im ganzen Land wird es daher immer wieder fuer kurze Zeit Ausfaelle geben. 
Die Bevoelkerung wird gebeten, waehrend der schlimmsten Stunden des Tages am Mittag keine Waschmaschinen, Geschirrspuelmaschinen oder Masganim (Klimaanlagen!!) zu benutzen, bzw. die Klimaanlage nicht auf hoechste Stufe zu stellen, sondern evtl. nur auf 25 Grad.

Fuer heute, Shabbat und noch am Sonntag ist mit einer Hitze von bis zu 40 Grad in Jerusalem zu rechnen, dabei sehr hohe Luftfeuchtigkeit bis 70 %. (in Jerusalem ist es ein wenig leichter, da die Feuchtigkeit nicht so hoch ist wie am Meer und in den anderen Teilen Israels.
Der SHARAV (ein heisser Wuestenwind, der schwere Hitze mit sich fuehrt, die man nicht gut aushaelt) wird noch bis Montag anhalten, bis er evtl. am Dienstag "bricht", d.h. sich langsam aufloest. Vorausgesagt sind dann bis zum naechsten Wochenende wieder etwas "normalere" Temperaturen, die immer noch hoch sein duerften. Wir naehern uns dem August!

Mittwoch, 11. Juli 2012

Qigong im Freien

Zurzeit bin ich auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschaeftigung im weitesten Sinne im sportlichen Bereich. Meine engere Wahl liegt auf Tai Chi, da ich das aus Deutschland kenne und mir die Bewegungen immer sehr gefallen haben und gut taten. Da mein Hintergrund Taek Won Do, Karate und Ju Jutsu ist, was ich jahrelang praktiziert habe, war irgendwann das Tai Chi eine langsamere Weiterfuehrung der Kampfkuenste. 
Also liegt auch hier nun auf Tai Chi mein Augenmerk. (zweite Wahl waere Yoga und Pilates, was auch hier angeboten wird, aber in Studios, die mir zu teuer sind). 
Mein Problem zurzeit ist, dass alle Tai Chi Angebote in meiner Naehe zu frueh beginnen, meist um 18h, wenn ich noch arbeite. 
So habe ich gestern im Park an den Qigong -.Uebungen teilgenommen. Die Gruppe trifft sich erst um 19:30h und man zahlt auch nur fuer in Anspruch genommene Stunden, was ich sehr sinnvoll finde. (35 Shekel fuer 1 1/2 Stunden sind auch mehr als preiswert!)
Die Bewegung im Freien hat nun einen Vorteil und einen Nachteil fuer mich persoenlich. 
Ja, es ist wundervoll, sich bei Vogelgezwitscher und langsam herueberkriechender Dunkelheit unter Baeumen im Park zu bewegen. 
Nein, es ist kein Genuss, wenn in der Naehe ploetzlich ein Restaurant auf die Idee kommt, ein Trommelfestival zu veranstalten (auch im Freien) oder das Kulturzentrum einen Popsaenger eingeladen hat. 
Die Muecken (wie ihr wisst, sind sie in diesem Sommer ein grosses Problem fuer mich) irritieren mich auch etwas und lenken meinen Geist ab, obwohl ich mir schon zur Arbeit Jogginghose und Socken mitnahm, um meine "von Muecken sehr bevorzugten Knoechel" zu verstecken. 
Es hat auch gut geklappt, kein einziger Mueckenstich, aber der Weg zurueck hinauf nach Arnona (da die Busverbindungen von der Moshava so unguenstig sind) war dann doch etwas zuviel des Guten. ( demnaechst wird es besser, wenn ich wieder in die Moshava umziehe) Ich bin total erschoepft ins Bett gefallen. 
Die Bewegungen taten gut, der Trainer war nett und hat gut erklaert. 
Hat einer meiner Leser Erfahrungen mit Qigong? Ich kann dazu im Moment noch zu wenig sagen, freue mich aber ueber eure Kommentare!
Danke

Dienstag, 10. Juli 2012

Bernd Wollschlaeger - Ger Zedek und Sohn eines Nazi oder "die beruehrende Mail von Harel"

Einer der vielen Menschen hier in Israel, die Gerim alle Ehre geben, ist der Sohn meiner Freunde. Er schickte mir vor einigen Tagen diesen Link zu einem Beitrag ueber "Bernd Wollschlaeger", 1958 in Deutschland geboren, seinen Vater verehrend bis er erfuhr, dass dieser ein Nazi war. Er spricht offen darueber, wie sehr sein Vater Hitler verehrt hat. Er versteckt die Taten seines Vaters nicht und konvertiert schliesslich zum Judentum. "Der Kontrast zu dem, was mein Vater unter Heldentum verstand und was ich ueber den Holocaust lernte, schockte mich.... wie konnte das passieren? Wie konnte mein Volk das tun?"
Bernd Wollschlaeger ist Israeli und lebt heute in Florida als Arzt. (HIER der Link zur Buchbeschreibung)

Unser Mailkontakt ueber die Art, wie Gerim hier in Israel angesehen werden, war fuer mich nicht zum ersten Mal beruehrend und erstaunlich zugleich. Wir korrespondierten ueber das Thema, dass es auch Menschen gibt, die Gerim als "nicht richtige" Juden bezeichמen, vor allem in Deutschland habe ich solche Geschichten gehoert, selber erlebt habe ich sie nicht. 
Hier ein paar Auszuege aus Harels Mails, die ich uebersetzt habe. In unserer Korrespondenz ging es um die Art, wie man mit Gerim seiner Meinung nach umgehen sollte.

"Sicher gibt es auch Gerim, die problematisch sind, aber jeder, der sich nicht Gerim gegenueber ordentlich gemaess der Halacha verhaelt, und sie beleidigt oder verletzt, ueber den wird im Himmel Gericht gehalten, dafuer, dass er einen Juden verletzt hat. Dumme Menschen gibt es auch in Israel, und sogar in Fuelle.
Aber meiner Meinung nach wird auch das voruebergehen. Haben wir doch irgendwie immer schon gern auf andere herabgeschaut, die sich unterscheiden, Olim Chadashim, Aethiopier, Russen, so war es und alle haben es irgendwann ueberwunden.
Das gibt es gar nicht, dass jemand ein "richtiger" Jude ist oder nicht. Jude, oder Goj. Basta.
Und du bist Juedin, nicht halb und nicht "keine echte", sondern du bist Juedin. Ich selbst war einmal mit einer Gioret verlobt, dass es auseinanderging, hatte andere Gruende. Und niemals habe ich daran gedacht, dass sie evtl. keine "richtige" Juedin oder nur halbe sei.
Ja, es gibt Menschen, die denken, dass eine Gioret problematisch sei, aber das ist deren Problem, und meiner Meinung nach sind sie reichlich dumm.
Sollen sie doch mal zu Koenig David gehen und ihm erzaehlen, dass seine Oma "nur" Gioret war und keine "echte" Juedin.
Ich jedenfalls glaube, dass viel Mut dazu gehoert, aufzustehen und sein Volk zu verlassen und ich bin davon ueberzeugt, dass diejenigen, die abfaellig ueber Gerim reden, in ihrem tiefsten Innern wissen, dass sie niemals den Mut aufgebracht haetten, zu konvertieren.
Dies ist aber genau der Grund, warum sie von Geburt an Juden sind, denn haKadosh Baruch Hu wusste genau, wenn sie als Gojim auf diese Welt gekommen waeren, waeren sie nicht zum Judentum konvertiert.
Ich bin mir fast sicher, dass - waere ich vor 90 Jahren als Deutscher auf die Welt gekommen, - die Chancen wesentlich hoeher gewesen waeren, dass ich mich als Offizier der SS wiedergefunden haette, als dass ich das Judentum entdeckt und konvertiert waere.
Am besten sollten diese Menschen, die Gerim nicht ehren, ihren Mund halten.
Im Endeffekt ist, das, was du getan hast, so etwas Besonderes und steht auf einer geistig derart hohen Ebene, dass ein normaler Jude niemals diesen Verdienst gehabt haette.
Du hast gewaehlt, Juedin zu sein. Du haettest Goja bleiben koennen. Niemand hat dich zu diesem Schritt gezwungen und doch hast du zu G-tt gefunden und den Weg zu IHM gewaehlt.
Wer von uns "normalen" Juden haette das getan?
Du bist in meinen Augen unsere Schwester.
Das Buch von Dr. Wollschlaeger, dessen Vater Nazi war, habe ich an einem einzigen Wochenende verschlungen. Ich mochte seine Wahrheit und Aufrichtigkeit und dass er seinen Giurprozess nicht nur oberflaechlich betrachtet hat. Er hat seinen eigenen Vater, der bis zu seinem Tod Nazi-idealen nacheiferte, mit seiner Wahrheit konfrontiert.
Im Endeffekt hat Dr. Wollschlaeger alle Verbindungen zu seiner Familie in Deutschland abgebrochen und gesagt, dass seine Familie in erster Linie das juedische Volk ist.
Er hat seine deutsche Identitaet nicht verleugnet, und obwohl er mit juedischem Namen nun "Dov Ben Awraham" heisst, laesst er sich im Alltagsleben doch mit Dr. Wollschlaeger anreden. Heute lebt er leider nicht in Israel, ist aber mit einer Juedin verheiratet und hat drei Kinder.
"Ich bin Deutscher, der Sohn eines Nazi und ich bin Jude! Und ich bin konvertiert, weil dies die Wahrheit ist." So Dr. Wollschlaeger.
Und ich glaube, dass du nicht anders bist, als die Wahrheit des Dr. Wollschlaegers.
Und ich glaube, dass wenn du Deutschen gegenueber stehst, sie aehnliche Fragen stellen, die deinen Weg betreffen, und dass du die Gelegenheit haben wirst, in deutscher Sprache zu sagen: Ich bin als Deutsche geboren und das Judentum ist Wahrheit
Ich bin wirklich beruehrt, dass in Zeiten kurz vor der Geula (der Erloesung) und nach allem, was das juedische Volk erleiden musste, es Menschen der Wahrheit gibt, aus einem Volk, das uns soviel Leid verursacht hat, die konvertiert sind zum Judentum und mit jedem Schritt ihres Lebens und jeder kleinen Tat mehr als jeder andere Jude beweisen, dass Mosche Wahrheit ist und seine Tora ist Wahrheit. Und mit Menschen wie du - und wie Dr. Wollschlaeger, ist es moeglich, mit erhobenem Haupt zu sagen: Am Israel Chai!
Ich moechte euch umarmen!

(Ich muss anmerken, dass ich nie einen Brief bekommen habe, der beruehrender war...)


Montag, 9. Juli 2012

Ein wenig Luxus vom ersten Gehalt in Jerusalem

Ich habe zwar schon in Raanana ein Gehalt bekommen, aber nachdem ich in Richtung Yerushalayim fluechtete und eine Arbeit fand, war noch kein Geld auf meinem Konto gelandet. 
Heute endlich das erste "hart" verdiente Geld fuer eine 50-Std-Woche einschliesslich 4-Stunden-Freitage.
So konnte ich den Freunden ihren freundlichen Vorschuss zurueckzahlen und habe mir bei "Sabon", dem Kosmetik-laedchen auf der Emek Refaim einen kleinen Luxus geleistet. 
Fusscreme fuer die geschundenen Fuesse, die staendig in Sandalen bei heissem Sommerwetter trockener und hornhautiger werden und ein Body-Scrub. 
Herrlich, sich auch einmal so etwas goennen zu koennen. 
Am 1. August wird umgezogen und auch dafuer brauche ich noch ein paar Kleinigkeiten, z.B. Handtuecher, Geschirrtuecher .....

Die Muecken lieben mich....

...und das ist leider gar nicht lustig. Meist am Shabbat, wenn ich irgendwo eingeladen bin und an nichts Boeses denke, ein Kleid trage und barfuss in Sandalen bin, schlagen sie zu. Sie zeigen sich erst, indem sie zum Fenster hereinfliegen, ein paar Runden ueber dem Tisch - natuerlich in meiner Naehe - drehen, um dann zu verschwinden. Das soll mich wohl in Sicherheit wiegen, doch sie fallen heimtueckisch unter dem Tisch dann ueber meine Knoechel her. Den Stich merke ich meist nicht, nur, dass es ploetzlich brennt und juckt. Schaue ich nach, quillt mein Fuss bereits auf und ich aergere mich, dass ich mich nicht eingeschmiert habe. 
Am letzten Shabbat hat eines der Biester doch direkt meine Vene angezapft, woraufhin die Gegend um den Stich herum prompt um einiges anschwoll. Am selben Abend schlugen sie noch dreimal am selben Bein zu, um dann endlich von mir abzulassen. 
Das beste Mittel fuer nachts, wenn man nur hoert, dass noch jemand im Zimmer ist, aber nie den Uebeltaeter erwischt, ist ein Kaestchen, mit einer Fluessigkeit, das man in die Steckdose steckt. Man kann es entweder mit kleinen Plaettchen kaufen, die dann durch den Strom erhitzt werden und einen merkwuerdigen Geruch verstroemen, den Mueckenfamilien so gar nicht moegen, oder mit einem kleinen Plastikgefaess mit einer Fluessigkeit. Beides nicht zu dicht in Kopfnaehe platzieren!
Und - ja, ich weiss, die Naturfreaks haben natuerlich recht - es ist NICHT gesund!
An einem bestimmten Punkt angekommen ist einem das aber recht egal. 

Das zweite Mittelchen  - sicherlich nicht weniger ungesund - wird direkt mit einem Rollstift auf die Haut aufgetragen, zu empfehlen bei Besuchen oder beim Sitzen im Freien mit nackten Unterbeinen, ab 19h! (zu dieser Zeit machen sie sich besonders gern auf die Suche nach geeigneten Opfern. 

Erst einmal zerstochen hilft nur Fenistil-Gel oder Aloe Vera, was aber den Juckreiz nicht vollstaendig eliminieren kann. 

Freitag, 6. Juli 2012

Shabbat shalom!

Ich wuensche allen Lesern Shabbat shalom. Moeget ihr einen sehr friedlichen Shabbat feiern, mit gutem Essen und guten Freunden. 
Moeget ihr die zusaetzliche Seele spueren und die Energie, die sie spendet nutzen, um euch weiter in eure ganz eigene Spiritualitaet zu vertiefen. 
Und eines kann ich jetzt leider nur andeuten: es gibt bald Bsorot tovot (gute Neuigkeiten) von meiner Seite, die ich leider noch nicht verraten kann. 
(Und: nein! ich heirate nicht!)
Shabbat shalom!

Donnerstag, 5. Juli 2012

Ich bin gluecklich, zufrieden und furchtbar dankbar!

Ueber den Daechern der Stadt kann ich es kaum fassen, dass ich in dieser Stadt leben darf.

Ueber den Daechern
Liebste, dass du mich einwebst in die goldenen Faeden deiner Herrlichkeit,
mich naehrst und beruhigst
an Tagen der Sonne und der Angst
ist schwer zu verstehen,

der Verstand versagt, wo die Seele beginnt,
laut zu laecheln
vor Glueck
mit brennendem Taumel

halt mich fest, du Teure
heilige, unheilige
traurige und tausendfach verwundete
lachende Stadt.
Die keiner begreift
und doch bist du aller Begierde Ziel.

Sei still nur, still
denn nah´ ist die Nacht,
in der ich mich troestend in deine Arme schmiege,
dich liebevoll mit meinen Traenen umarme..

(Noa)



Parashat Balak - Bescheidenheit und Selbstreflexion

Als der Koenig der Moabiter, Balak, Bilam, einen nicht juedischen Propheten beauftragte, das Volk Israel mit einem Fluch zu schwaechen, scheiterte er an ihrer tiefen und ehrlichen Einheit. 

Das Ziel war gewesen, die grosse spirituelle Kraft des Volkes, ihre Verbundenheit zu zerstoeren, da ein militaerischer Angriff nicht passend und nicht erfolg versprechend erschien. 
Bilam scheitert jedes Mal, wenn er das Volk verfluchen will und aus seinem Mund kommen Worte des Segnens hervor. 
Ein Satz in unserer Parasha heisst: 


Wie schoen sind deine Zelte, Jacob, deine Wohnstaetten, Israel!“ (Num. 24:5)

Nach dem Midrasch hat Bilam die Art, in der die Zelte Israels ausgerichtet waren gemeint. 
Sie waren alle so aufgestellt, dass die Fenster des einen Zeltes keinen Sichtkontakt zum Fenster des Nachbarzeltes hatte. 
Darauf wurde waehrend der gesamten Reise von vierzig Jahren Wert gelegt. 

Feinfuehligkeit fuer die Privatsphaere des Anderen. 
Diese Art der Bescheidenheit und Ruecksichtnahme heisst fuer mich auch, sich weniger um die vermeintlichen "Fehler" des Nachbarn zu kuemmern, als um die Verbesserung und Veredelung der eigenen Midot.(Eigenschaften). 
Ich nahm einmal an einem Shiur in Duesseldorf teil, den Rabbiner Chaim von Chabad abhielt, als jemand lautstark ueber eine Gruppe in Israel schimpfte. 
Der Rabbiner ging nicht darauf ein, sondern sagte nur: "Das soll uns nicht so sehr interessieren, wie das Bestreben, unsere eigenen guten Eigenschaften zu erwecken. Wir haben genug mit uns selbst zu tun, denn wir sind nicht perfekt, sondern weit entfernt davon. Wenn wir alle Ziele dann erreicht haben, koennen wir uns um den anderen und seine Fehler kuemmern, aber bis dahin ist noch viel Zeit."

Auch hier in Israel begegnet man Menschen, die als Tagesthema den Naechsten haben. Er ist nicht fromm genug, kocht nicht kosher genug, seine Aermel sind nicht lang genug und seine Familie nicht wuerdig, einen guten Shiduch abzubekommen. 
Durch diese Feststellungen werden unsere Eigenschaften sicher nicht nur nicht veredelt werden, sondern sinken noch um ein paar Ebenen tiefer. Lashon haRa (die ueble Nachrede, Klatsch und Tratsch) sind immer wieder wichtige Themen fuer mich, nicht etwa, weil ich mit dem erhobenen Zeigefinger darueber berichte, sondern weil ich mich selbst oft genug erwische, wie ich mich mehr um andere, als um mich selbst kuemmere, in einer negativen Bedeutung. 
Jedes Mal faellt mir dann wieder unser Rabbiner ein. 
"Wir haben noch genug zu verbessern an unseren guten Eigenschaften. Erst dann sollten wir uns ueber den Nachbarn aufregen."

Die Fenster der Zelte Israels waren erst gar nicht so ausgerichtet, dass dem Neugierigen eine Moeglichkeit blieb, zu richten, Einsicht in das Privatleben des Nachbarn zu bekommen. 
Wie schoen und edel ist diese Eigenschaft. 

"Wie schoen sind deine Zelte, Jacob, deine Wohnstaetten, Israel!" 

1857


Passiflora (Passionsfrucht) - Bluete und wachsende Frucht

Ich kann zurzeit das Wachstum der wohlschmeckenden, gesunden Passionsfruechte beobachten, da sie mir am Wegesrand begegnen. 
Man loeffelt die reife Frucht - gleich einer pflanzlichen Auster - aus und geniesst die leckeren, leicht glibberigen Kerne. 











Dienstag, 3. Juli 2012

Viele Geschenke - alle unbezahlbar

Immer mehr betrachte ich viele vermeintliche Kleinigkeiten in meinem Leben als Geschenke. 
Und heute hatte ich davon gleich eine Fuelle. 
Am Mittag schickte uns unsere Chefin hinaus, Flyer verteilen und wir sollten in den umliegenden Hotels auch Werbung machen. 
Meine Kollegin und ich mogelten uns also ins David-Citadel-Hotel, und fuhren in die VIP-Longue hinauf. Der Blick von oben hinueber zur Altstadtmauer war mehr als beeindruckend. 
Als wir dann aber ins Mamilla-Hotel kamen und aufs Sonnendeck fuhren, waren wir beide uns einig, dass man vor lauter Sprachlosigkeit verrueckt werden kann. 
Wir konnten uns nicht sattsehen - es war eine Aussicht, die wieder einmal einzigartig ist, wie so viele andere Blickwinkel von den unterschiedlichsten Standpunkten in Jerusalem. 
Wie oft in der letzten Zeit schicke ich ein Dankgebet zum Himmel, dass ich das unverschaemte Glueck haben darf, in dieser wahnsinnig aufregenden, beeindruckenden und in jeder Hinsicht einmaligen Stadt zu wohnen. Was bin ich doch fuer ein Glueckskind! 

Nach der Arbeit habe ich an einer Probestunde Tai Chi teilgenommen. Und noch ein Geschenk, denn wem ist es schon vergoennt, in einem Park hinter dem King David Hotel, mit der Abendsonne auf den Altstadtmauern und dem Davidsturm vor sich, eine Uebungsstunde zu geniessen?

Nach der Stunde bin ich sehr zufrieden den Heimweg angetreten, um wieder an einer besonderen Stelle voller Freude ueber den Vollmond stehenzubleiben, der direkt ueber der Altstadt aufging. 
Eine fremde Frau steht neben mir und spricht mich an: "Was fuer ein Bild!" Wir kommen ueber unsere gemeinsame Liebe zur Stadt ins Gespraech, sie in Israel geboren und ich als Neueinwanderin. 
"Wenn ich nicht sowieso hier leben wuerde, " so sagt sie, " dann wuerde ich mindestens dreimal im Jahr hierher fahren muessen, um zufrieden zu sein!"
Sie freut sich ueber meine Liebe zur Stadt und erzaehlt mir, dass selbst sie als Jerusalemer Kind nichts als selbstverstaendlich nimmt. 
Auch diese Begegnung nehme ich in meine Geschenkbox des heutigen Tages und gehe mit reichem Segen und vollem Herzen nach Hause.
Danke!

Bitte um Hilfe! - Berlin Apt. gesucht

Liebe Leser! Vielleicht koennt ihr meinen besten Freunden helfen! (Ehepaar Ende 60, sehr nett und aktiv) Sie suchen fuer den 18. - 24. Juli ein Apt. (mit Kuechecke, so dass sie sich mit ihrem Plastikgschirr irgendwie ernaehren koennen) vielleicht ja auch sehr zentral und ganz vielleicht auch in Naehe einer Synagoge, die sie zu Fuss erreichen koennen. 
Und  - natuerlich nicht so super teuer! 
Habt ihr eine Idee? Ich waere sehr dankbar. Bisher habe ich Apt. entdeckt in der Naehe des Ku´dammes und Prenzlauer Berg. 
Wenn ich mich nicht irre, war ich damals am Prenzlauer Berg in der Naehe der Rykestr. , wo eine Synagoge ist. Diese durfte ich aber mitten in der Woche nicht besuchen. Am Shabbat duerfte es ja wohl anders sein, oder? 
Bitte um Hilfe und viele Kommentare! Vielleicht habt ihr ja sogar Kontakte????
Danke im Voraus.

Kann auch ein preiswertes Zimmer zentral gelegen sein ohne Kitchenette dann nehmen sie ihre Plata mit!!! Bitte gern an meine mailadresse noahmishan@googlemail.com

Ziegenmilch - aber direkt aus dem Euter

Der kleine Enkel meiner Freundin schreit in den letzten Tage viel. Er ist ein Jahr alt und scheint zu zahnen. Sein Flaeschchen schubst er von sich und verzieht schmerzverzerrt das Gesicht. Als die Erwachsenen endlich entdecken, dass er eine Wunde an der Zunge hat, ist klar, warum er schlecht trinkt. 
Da kommt eine Tante mit einem alten "israelischen Hausmittel" daher. 
Man solle dem Kind frische Ziegenmilch in den Mund geben, und die Wunde wuerde wie von Zauberhand verheilen, innerhalb von einigen Minuten. Wichtig sei aber, dass die Ziegenmilch DIREKT vom Euter in den Mund gelangt und nichts anderes beruehrt. 
Nach Shabbat fahren die Eltern zum Bekannten ins Nachbarjeshuw. Dieser hat ein paar Ziegen. Dort wird der kleine Peer dann von seinen Eltern unter das Euter der Ziege gehalten, der Ziegenbesitzer spritzt ihm die Milch in den Mund und - es ist kaum zu glauben - innerhalb einiger Sekunden hoert der kleine Peer auf zu schreien und eine kurze Nachuntersuchung ergibt - die Wunde ist verschwunden!

Montag, 2. Juli 2012

Von Hackern manipuliert?

Ich bekam gerade auf meinen Laptop den Hinweis dass meine Website evtl von Hackern manipuliert wurde. Beim aufrufen erscheint eine Warnung "malware entdeckt" Mal sehen ob ich morgen wieder reinkann oder wie es weitergeht Zurzeit komme ich nur mit dem iPhone auf meinen Blog Ich hoffe nicht dass Inhalte zerstört wurden