Freitag, 31. August 2012

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir...

Wir beten im Monat Elul auf Rosh haShana zu zweimal taeglich zusaetzlich den Psalm 27. 
"G-tt ist mein Licht und meine Hilfe, vor wem sollte ich mich fuerchten?..."

In diesem Psalm, den ich sehr liebe, da er auf besondere Weise Zuversicht und G-ttvertrauen neu erweckt, heisst es spaeter: "Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber G-tt faengt mich auf..."

Vater und Mutter stehen sicher stellvertretend fuer alle anderen Menschen um uns herum. Alle koennen uns verlassen, einer jedoch wird immer an unserer Seite sein. 
Wenn niemand ein offenes Ohr hat, ER hoert unserem Flehen und Schreien immer zu, wenn niemand Zeit hat, ER hat immer Zeit, weicht niemals einen Zentimeter von unserer Seite, und auch wenn wir mit ihm hadern, ihn fragen, warum es bestimmte Steine gibt, die uns in den Weg gelegt werden, er gibt sich nicht beleidigt, sondern versteht unsere Fragen. 
Wenn niemand uns versteht, ER liebt uns auch an Tagen, an denen wir nicht so "pflegeleicht" erscheinen. Solange wir in uns diesen Funken tragen, und ihn zu uns immer wieder einladen, wird er da sein, Tag und Nacht, zu jeder Jahreszeit, in guten und in schlechten Zeiten. 
ER weiss um das Gute in uns, waehrend wir es noch entdecken muessen, ER kennt unsere Faehigkeiten, in Zeiten, in denen wir nach Sinn in unserem Leben suchen und er ist immer schon da, wo wir uns hinbegeben. 
Ist das nicht ein wunderbarer Trost und eine beruhigende Gewissheit?
Shabbat shalom an alle da draussen - und betet fuer Shalom in Israel und in der ganzen Welt!

Dienstag, 28. August 2012

Lerne dich kennen - ungeschminkt

Wer bist du wirklich? Wo treibt es dich hin? Laesst du dich treiben, oder bestimmst du aktiv den Weg, der fuer dich der einzig richtige ist?
Gibt es nur einen Weg, oder mehrere Moeglichkeiten, die "light-version", die mittelschwere und die schwierige Version des Weges?
Ueberforderst du dich in der Regel oder traust du dir zuwenig zu? Hast du Ziele, oder lebst du "vor dich hin", von einem Tag zum anderen?
Gefaellt dir dein Leben und machst du das daraus, was in deinen Moeglichkeiten liegt, um gluecklich zu sein? Kannst du Glueck fuehlen oder hast du dich das ueberhaupt noch nie gefragt?
Kennst du dein wahres Potential und deine eigentliche Aufgabe in dieser Welt?

Vor ein paar Jahren, kurz vor Rosh haShana gaben zwei junge Maenner aus Israel uns in Deutschland in der Dortmunder Gemeinde einen Shiur ueber das, was unser eigentliches Streben ausmachen sollte. 
Sie erzaehlten uns, dass jeder einzelne von uns - wenn er eines Tages vor IHM stehen wird, sicher nicht gefragt werden wird: "Warum warst du nicht wie Moshe?"
Nein, wir werden gefragt werden: "Warum warst du nicht WIRKLICH Noa? Warum warst du nicht Yael, Chaim oder Shoshana?"

Wir muessen nicht unrealistischen Idealen und Idolen hinterherlaufen und etwas erreichen wollen, was gar nicht auf unserem Niveau liegt. 
Was wir herausfinden muessen in diesem Leben, ist welche tiefen Potentiale jeder von uns individuell in sich traegt. Welche Aufgabe koennte unsere ureigene in dieser Welt sein?
Um diese Frage wahrhaftig beantworten zu koennen, und danach zu handeln, brauchen wir Zeit - Zeit fuer uns. Und regelmaessig auch Zeit ganz allein mit uns, ohne Diskussion oder Gespraeche. Das Hineinhoeren braucht Stille, in der auch die Antwort ganz leise in uns hoerbar wird. Wenn wir sie nicht uebertoenen, wird sie unser Herz erreichen und wir werden ploetzlich wissen, in welche Richtung es weitergeht. 


Sonntag, 26. August 2012

Geistige Vorbereitung und Lernen

Es gibt in den naechsten Wochen zu meiner grossen Freude einige interessante Lernangebote. Die Shiurim an den naechsten Montagen bis Rosh HaShana in der Beit Knesset Ramba´ n interessieren mich besonders. Unterschiedliche Themen werden von verschiedenen Rabbinern bearbeitet und angeregt. 
Am kommenden Dienstag ist in der Synagoge Nizanim ein Lernabend und an vielen Ecken gibt es parallele Angebote. 
Ich will die Zeit bis R.H. nutzen und mich daran freuen, im Land zu sein. 
Fuer diesen Jahresabschluss habe ich mir vorgenommen, spirituell ein wenig besser vorbereitet als im letzten Jahr in die hohen Feiertage zu gehen. 
Vergesst nicht, in welch bedeutungsvoller Zeit wir uns befinden und nutzt ein paar Augenblicke des Tages, um euch darueber bewusst zu werden, wer ihr wirklich seid und an was es sich lohnt, zu arbeiten. 
Viel Freude dabei. Es muss nicht immer bitterernst dabei zugehen. 

Erkat Magen - Das Ding mit der Atemschutzmaske

Es ist schon merkwuerdig. Jeder, mit dem ich ueber die Atemschutzmasken spreche, die zurzeit im ganzen Land verteilt werden, sagt mit einer wegwerfenden Geste: "Aach, das nuetzt im Ernstfall doch sowieso nichts..." aber jeder, dem ich sage: "Ich gehe morgen in den Canyon Hadar, dort wo sie Atemschutzmasken verteilen und hole mir eine.." erwidert voellig ernsthaft: "Ah, ja, ich war auch dort, und habe mir eine geholt" oder "Ach, da will ich morgen hin."
Erwartet hatte ich, nach den Reaktionen auf das Thema, dass man mich auslacht, oder dass niemand sich grossartig darum kuemmert. 
Aber siehe da - der Andrang ist gross, man muss eine Nummer ziehen und brav die 100 Menschen abwarten,die vor einem dran sind. Ganze Familien decken sich mit den Masken ein. 
Bei mir ist es ein wenig kompliziert. Ich hatte 2010 eine nagelneue vom Pikud haOref (Zivilschutz) bekommen und durch die Post zugestellt bekommen. Als ich dann im Jahr 2011 wieder nach Deutschland zurueckging, bat ich Freunde, sie zurueckzugeben, in meinem Namen, mit meiner Teudat Sehut-Nr. 
Sie vergassen es, vergassen aber auch, wohin sie meine Maske gelegt hatten, sie ist wohl in den Renovierungsarbeiten des Hauses verloren gegangen. 
Als ich also in der letzten Woche in den Canyon Hadar in Talpiot ging, zur Verteilungsstelle fuer Gasmasken von der Post, sagte man mir, es sei vermerkt, dass ich bereits eine nagelneue erhalten haette. Ich erklaerte den Fall, und man riet mir, mich mit Pikud haOref in Verbindung zu setzen, da ich wegen des Verlustes eine Strafgebuehr zahlen muesse. Bis dahin koenne man mir keine aushaendigen. 
Nach einem Telefonat erfuhr ich, dass ich bei der Post 70 Shekel einzahlen muesse, um dann erneut mit dem Einzahlungsabschnitt zur Verteilungsstelle zu gehen. 
Heute - ich habe extra frueher bei der Arbeit Schluss gemacht, um bis 19h im Canyon zu sein, - hoerte man bereits um 17h auf, Nummern zu verteilen, und ohne Nummer gab es keine Masken. 
Tja - das gestaltet sich also schwieriger als es sich anhoert. 
Die Verteilungsaktion laeuft nur noch diese Woche, bis Ende August. Mal sehen, ob ich es schaffe, eine zu erstehen. 
Ob sie im Ernstfall wirklich hilft, wenn wir chemische oder biologische Waffen auf den Kopf kriegen, sei dahingestellt, und trotzdem geht jeder hin und deckt sich ein. 
....nur so zur Sicherheit...

Samstag, 25. August 2012

Veshinantam....."und bringe es deinen Kindern bei"

Der Satz aus dem "Shma Israel" beschaeftigt mich, seitdem ich zum Judentum uebergetreten bin. "...und schaerfe es deinen Kindern ein, und sprich davon..."
Im Grunde ist das ein wesentlicher Bestandteil des Judentums, die ganze Lehre seinen Kindern weiterzugeben. 
Was mich, seit ich im "hohen" Alter von 50 Jahren uebergetreten bin, immer wieder beschaeftigt, ist die Frage, was mein Uebertritt fuer einen "Nutzen" haben koennte, ausser dem, den ich selber daraus ziehe. 
Keine Frage, immer wieder wiederhole ich es gern und mit aufrechtem Herzen: Das Judentum war und ist das groesste Geschenk, was ich in meinem ganzen Leben bekommen habe (ausser meinen Kindern) und es ist ein Geschenk, was nicht an Wert verliert, sondern immer noch wertvoller wird, von Tag zu Tag. 
Mein Leben hat unverhaeltnismaessig an Bedeutung gewonnen und jeden Shabbat, wenn ich aus dem Haus zur Synagoge gehe, danke ich dafuer, dass ich Juedin geworden bin. Ich habe "nach Hause" gefunden, zu mir selbst, zu dem, was fuer mich Wahrheit bedeutet. 
Schoen und gut - aber da ist dann noch die Sache mit dem Nutzen, den mein Uebertritt fuer andere Menschen haben koennte. Meine Kinder sind erwachsen, ich kann sie nicht mehr im juedischen Glauben erziehen, ihnen juedische Tradition beibringen. Der Zug ist abgefahren, da haette ich schon im Alter von 20 Jahren diesen Weg gehen muessen, um dann Kinder zu bekommen, die Juden gewesen waeren von Geburt an. Sie haette ich mit dem Geschmack des Shabbat erziehen koennen, ich haette das Familienleben anders gestalten koennen und vieles geben koennen, wozu ich vor 30 Jahren nicht in der Lage war. 

Aufgrund dieser Tatsache sehe ich es als meine "Pflicht" an, anderen Menschen (gewissermassen stellvertretend fuer meine Kinder) ein wenig juedisches Leben vorzuleben, ihnen Freude daran zu vermitteln. Meine eigene Freude weiterzugeben. 
(das soll sich nicht an Christen oder andersglaeubige richten, denn missionieren ist nicht mein Ding)

Meine Freundin, die zurzeit im Land ist, hat erst mit Mitte 50 erfahren, dass sie halachische Juedin ist.. Ich habe bereits ueber sie geschrieben, ueber ihre unglaubliche Geschichte, wie sie erst nach dem Tod ihrer Mutter erfuhr, dass ihr ihr ganzes Leben die Wahrheit ueber ihre Wurzeln vorenthalten wurde. 
Sie hat einen grossen Teil ihrer Familie in Israel gefunden, religioes lebt davon aber niemand. 
Ein Vorbild an religioesem juedischen Leben findet sie also auch wenn sie jedes Jahr 2 Monate in Israel ist, nicht. 
Auch sie hat eine Freundin, die anscheinend juedische Vorfahren hat, und die zurzeit im Land ist. 

In 10 Tagen wird sie schon wieder nach Deutschland fahren und in irgendeiner deutschen juedischen Gemeinde nach etwas Juedischkeit suchen, die jedoch schwer zu finden ist. 

So fuehlte ich mich angesprochen, ihr, noch bevor sie zurueckkehrt, einen kleinen Geschmack dessen zu ermoeglichen, was juedisches Leben sein kann. 
Ich fragte meinen Freund Shaaltiel, ob wir nicht den Shabbatabend zusammen mit ein paar Freunden und den beiden Maedels verbringen koennen. 
Und ich muss sagen, es hat mir grosse Genugtuung gegeben, dass die Freundin der Freundin im Laufe des Abends immer entspanntere Gesichtszuege hatte und zusehens aufbluehte. 
Wir hatten noch einen Gast, der chassidische Melodien sang und mein Freund Shaaltiel stimmte jemenitische Klaenge an, da seine Eltern aus dem Jemen stammten. 
Die Maedels haben ein richtiges Shabbatessen mit Kiddusch und G-tteslob in den hoechsten Toenen mitbekommen und gingen - so war jedenfalls mein Eindruck - sehr erfuellt, und auch ein wenig nachdenklich nach Hause. 
Ich glaube, wenn ich ab und zu anderen Menschen einen kleinen Geschmack und eine Idee davon weitergeben kann, was das Judentum sein  kann, ist das ein wuerdiger Ersatz dafuer dass ich diese Chance bei meinen eigenen Kinder nicht bekomme. 
Und schliesslich heisst es ja, dass mit "Kindern" auch Talmidim (Schueler) gemeint sein koennen, andere Menschen, die ihr Interesse aeussern, aber nicht so recht wissen wie. 
In jedem Falle sind nicht nur die zwei bereichert worden, sondern auch ich auf eine ganz besonders erfreuliche Weise. 
Shavua tov!

Freitag, 24. August 2012

Eine Nische fuer den Shabbat

Auch Juden, die nicht religioes leben, fuegen hin und wieder am Shabbat oder an Festtagen heilige Handlungen in ihr Leben ein, ohne das religioes zu definieren. Auf die Frage hin: "Warum machst du das, wenn du nicht religioes bist?" antworten sie haeufig: "Ach, nur so." Oder "weil meine Oma das immer getan hat." 
Aber ein "nur so" gibt es nicht zwischen Himmel und Erde, zwischen IHM und uns, seinem Volk. Kleine Handlungen mit religioesem Hintergrund sind trotzdem wie Funken, die entweder ruhig vor sich hinbrennen koennen, ueber Jahre hinweg, oder aber ein Anfang sein koennen, fuer eine Flamme, die sich im Herzen und in der Seele ausbreitet. Niemand weiss, wann das Feuer - wenn ueberhaupt - mit grosser Kraft ausbrechen wird und sich ausbreitet zu lodernden Flammen. 
Es gibt Menschen in meinem Bekanntenkreis, die Kinder haben, die sich ploetzlich ihrer juedischen Identitaet bewusst wurden und mit einem Male wurde aus dem mechanischen Murmeln des "Schma" ein Weg, der mit tiefer Bedeutung beschritten wurde. 

Wer seinem Leben eine neue "Idee" gebe moechte, wer vielleicht im Hinblick auf die hohen Feiertage etwas aendern moechte, kuerzer treten und bewusster leben, der kann einmal einen Versuch wagen, etwas Heiligkeit in sein Leben zu bringen. 
Zwei Kerzen, eine besondere Ecke im Zimmer und einen Moment Konzentration. 
Am Vorabend des Shabbat, eine Zeitlang vor Sonnenuntergang sich besinnen, dass die naechsten 25 Std. mit mehr Bedeutung gelebt werden sollen, mit mehr Ruhe und Besinnung als der Rest der Woche, das genuegt fuer einen kleinen Anfang oder fuer eine andere Art des Shabbat. 
Das Kerzenzuenden an sich ist eine heilige Handlung und wer moechte, kann dem Kerzenzuenden die Bracha hinzufuegen:

"Baruch ata, Kadonaj, Elokejnu, melech haOlam, asher kidschanu beMizwotaw weziwanu lehadlik ner shel Shabbat"
(Gelobt seist du Herr, unser G-tt,Koenig der Welt, der uns mit seinen Geboten geheiligt hat und uns angewiesen hat, das Shabbatlicht zu zuenden!)

Dieser Augenblick des Kerzenzuendens zaehlt zu den ganz besonderen Augenblicken, wo unsere Gebete erhoert werden, unsere Bitten eine Antwort finden. 
Daher koennen wir uns nach dem Zuenden einen Moment besinnen und IHN um alles bitten, was uns wichtig ist und uns am Herzen liegt. 

Das Kerzenzuenden heisst nicht, dass derjenige, der noch nie Shabbatkerzen gezuendet hat, ploetzlich sein Leben umkrempelt aber es kann eine kleine Nische in der Hektik und der Unruhe der Zeit sein, sowie es auch fuer einige ein Neuanfang einer ganz neuen Lebensart werden kann. 
Alles kann passieren - das Wichtigste ist jedoch, dass wir uns nicht fuer das von vornherein verschliessen, was in uns ausgeloest werden koennte, auch wenn es neu, auch wenn es fremd erscheint. Die Offenheit fuer das was geschehen koennte, verhindert, dass wir sinnlos auf der Stelle treten, ohne Anfaenge, ohne Zaesuren, ohne neue Entscheidungen. 
Das Leben kann dahinplaetschern ohne Auf und Ab. Es kann aber auch immer wieder neu an Bedeutung gewinnen - wenn wir es nur zulassen. 
Shabbat shalom!

Montag, 20. August 2012

Busfahrt fuer die Seele

Heute morgen bin ich zum zweiten Mal um 10 vor 7 in der Emek Refaim in die Linie 18 - Richtung Central Busstation - gestiegen, und dachte, ich lande in einer anderen Welt. 
Der Busfahrer spielt nicht wie alle anderen einen Musik- oder informativen Sender wie Galej Zahal oder Radio Yerushalaiym. 
Nein, er laesst sich selbst und uns Fahrgaeste in den Genuss von "Kol HaMusica" kommen, einen Klassiksender. 
Nach einer langen Zeit mit viel Arbeit und Druck fuehlte ich mich von der beruhigenden Musik so beruehrt und getroestet, dass ich fast weinen musste. 
Ich sagte dem Fahrer, dass das doch wirklich genau das Richtige ist, in der Hetze der Zeit. Und er musste breit grinsen. 
"Kannst immer mit mir fahren, ich hab von morgens bis abends Kol haMusika!" 
Ich frage ihn: "Und - hat sich noch keiner beklagt, weil alle Popmusik wollen?"
"Das Gegenteil ist der Fall" sagte er stolz, "das Gegenteil! Alle freuen sich und haben sich schon daran gewoehnt bei mir."
Wie wunderbar, dass es solch eine Oase gibt, mitten in Yerushalaiym, mitten im Verkehr. 

Samstag, 18. August 2012

Chodesh tov - einen guten Monat Elul

Ich moechte gar nicht in die Arbeitswoche uebergehen und es faellt mir schwer, aus meiner Seifenblase des Shabbat auszusteigen. Der Shabbat war intensiv und hat mich mit Gebet, einem wunderbar erhebenden "Hallel" in der Jakargemeinde, einem Kiddusch zu Ehren von zwei "Fast-brautpaaren" und der Diskussion am Shabbattisch der Freunde auf eine ganz andere Ebene erhoben. 
Am Ende des Shabbat dann noch eine Seudat Shlishit in der Jakar. 
Es ist schwierig, aus diesem Gefuehl wieder herunterzusteigen und der Tatsache ins Auge zu sehen, dass morgen ein ganz normaler Tag sein soll. 
Ich wuerde am liebsten in dieser meiner Blase sitzen bleiben und weiter vor mich hintreiben, schwerelos, mit Gesang und spirituellen Gedanken, umgeben von Freunden, die mir helfen, mich in der noetigen Tiefe auf die hohen Feiertage vorzubereiten. 
Ich erinnere mich an Yom Kippur im letzten Jahr in Deutschland. "Beshana haba Birushalaiym" habe ich mit unterdrueckten Traenen gesungen, mit der Unsicherheit in mir, wo ich wohl die naechsten hohen Feiertage verbringen wuerde. 
Und hier bin ich, in Yerushalaiym - es ist kaum zu fassen. 

Freitag, 17. August 2012

Shabbat shalom

Wieder neigt sich die Sonne ueber Yerushalaiym, ich sitze am Tisch, trinke einen Cafe und esse ein Stueck Kuchen, freue mich, dass ich in meiner eigenen Wohnung sitzen darf und den Vorzug habe, in dieser Stadt zu wohnen. 
Meinen Freunden, die aus Beer Sheva zurueck kamen, wo sich X. einer Darmoperation unterziehen musste, habe ich noch einen Besuch abgestattet und habe anschliessend ein paar Bluemchen fuer Shabbat gekauft. 
Der Verkehr auf meiner Strasse wird weniger, fast alle Geschaefte haben bereits geschlossen. Der Geschmack vom Shabbat haengt schon tiefer in der Atmosphaere und ist auf der Zunge zu spueren. In einer anderen Ecke von Yerushalaiym sind Touristen aus Deutschland angekommen, die nichts von diesem Geschmack mitbekommen. Sie bekommen Einblick in ein voellig anderes Leben in Jerusalem. Es hat nichts mit Shabbat zu tun und spielt sich in der Altstadt und im Osten ab. In dieser Stadt ist es moeglich, auf viele Art und Weisen zu leben. 
In dieser Woche las ich in unserer Firma eine Anweisung fuer eine Christengruppe, die auf den Tempelberg wollte. 
"Bitte keine Messer oder Bibeln mitnehmen" 
Es mutete seltsam an, Bibel und Messer in einem Atemzug zu lesen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es mir jemals verboten wurde, meine Bibel,mein Gebetbuch, oder meinen Siddur mitzunehmen. 
Ich lasse die "verrueckte" vergangene Woche in meinem Kopf passieren. 
Iran, Angriff oder nicht, oder wenn, dann wann? Kritik an der "Kriegstreiberei" Israels, die Medien, die uns Angst machen und Praesident Shimon Peres, der an seinem 89. Geburtstag in die Schranken gewiesen wird. 
Gasmaskenangebote und Irans Drohung, dass es bald eine Welt ohne Zionisten geben werde. 
Elul, Rosh haShana und Yom Kippur stehen quasi in der Tuer. Menschen, die auf die Bitte einer Frau, ihr beim Tragen des Kinderwagens in den Bus zu helfen, ein schroffes "Nein" entgegnen, das mich den Atem anhalten laesst, sowie Menschen, die kein Laecheln mit sich tragen. 
Was wird sein? Wie wird es mit uns weitergehen? Wohin treibt der Wind uns und was erwartet uns im Neuen Jahr? 
Die Arbeit vergessen, durchatmen, entspannen und innehalten, Nahrung fuer die Seele herantragen und friedliches Beisammensein, G-tt suchen und begegnen, beten und singen, dass es zum Himmel schallt, all das und viel mehr ist unser Shabbat, der uns geschenkt wurde. 
Ich wuensche allen einen friedvollen, sicheren und ruhigen Shabbat, wo immer ihr auch seid! 
Lasst den Shabbat (oder einen anderen Tag in der Woche) eine Insel werden und macht nicht im Trott der Woche weiter ohne Pause. Goennt euch den Luxus des Auftankens, und streichelt eure Seele, euer inneres Kind, das sich am "Bein" des Vaters festhaelt und dringend seine Naehe braucht. 
Shabbat shalom!

Donnerstag, 16. August 2012

Elul - wie die Zeit vergeht

In wenigen Tagen ist schon Rosh Chodesh Elul. Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht. Im letzten Jahr um diese Zeit, war ich verzweifelt, dachte, ich koenne nie wieder ein Leben in Israel fuehren. Ich fragte mich, wo ich wohl im naechsten Jahr den Elul und die hohen Feiertage erleben wuerde. 
Nun, kurz nach Yom Kippur bereits war ein Gefuehl in mir, das auf irgendeine Weise Hoffnung ausstrahlte, das Gefuehl, dass sich "irgendetwas" tun wuerde, zum Positiven. Ich hatte keinen aeusseren Grund, anzunehmen, dass sich meine Lage aendern wuerde, und doch fuehlte ich Zuversicht. 

Der Sohn unseres verstorbenen Rabbiners in der Jakargemeinde fragte in der letzten Woche, ob es anderen ebenso geht, dass sie sich ein wenig vor dem Elul fuerchten?
Furcht oder Ehrfurcht - der Elul hat etwas ganz besonderes, etwas Starkes. 
Der Elul fuehrt mit Riesenschritten auf Rosh haShana und Yom Kippur hin, und die meisten von uns erleben ihn spirituell staerker als andere Monate. 
"Der Koenig ist im Feld" sagt man. Der Koenig, - G-tt ist damit gemeint - befindet sich sonst im Palast, wir muessen uns die Muehe machen, zu ihm zu gehen mit unseren Bitten und Anfragen. Ja, er hat IMMER ein Ohr fuer uns, fuer die, die ihn suchen, die ihn aufsuchen. 
Aber wir muessen uns auf den Weg machen, im Palast noch einmal nach dem Weg zum Saal fragen. 

Diese "Muehe" ist im Elul unnoetig. ER befindet sich mitten unter uns, naeher als sonst, erreichbarer als an irgendeinem anderen Monat. Diese Chance koennen wir nutzen, um ein wenig innezuhalten und zu versuchen, seine Gegenwart auch zu spueren. 

Ich bin dankbar, hier zu sein, und dieses Hochgefuehl hier in Israel spueren zu duerfen. Ich bin zurueckgekommen, habe ein wunderbares kleines Heim, eine Arbeit. 
Es gibt ein paar Punkte, bei denen es mir irgendwie schwer gemacht wird, und ich wuenschte mir, ich koennte auch diese bald ueberwinden. Wer weiss, wozu sie mir in den Weg gelegt werden, und was ich daraus lernen soll. 
Ich wuensche allen einen kraftvollen, sinnreichen und spirituell reichen Elul!

Mittwoch, 15. August 2012

Topthema oder "Sommerloch" der Medien?

Heftige politische Diskussion gestern abend im Fernsehen. Das Thema: naja, unser Topthema Nr. 1 zurzeit. Einige meinen: es sei das "Sommerloch" und die Medien spielen mit unserer Angst. "Ein Spiel mit dem Feuer?" wurde gefragt. 
Einig sind sich viele, dass Israel sich einen Alleingang ohne die Unterstuetzung der USA und ohne Rueckendeckung aus Europa nicht leisten kann. Dass es - wenn das passieren wuerde - eine tragische Entscheidung (eventuell von nur zwei Personen, Netanyahu und Barak) sein wuerde und die Bevoelkerung das Ganze ausbaden muesse. Die laecherliche Schaetzung, wieviele Menschen im Falle eines Angriffs auf die iranischen Atomanlagen und einer scharfen Antwort in Form von einem "Regen" an Raketen auf Israel, ihr Leben verlieren wuerden, das Spiel mit den Zahlen, sei dazu da, um Angst zu schueren. 
500, 1000 Opfer auf israelischer Seite - jeder wuerde sich inzwischen fragen, ob es ihn trifft oder nicht. 
Da die israelische Bevoelkerung an Kriegszeiten gewoehnt ist, gibt es auch einen grossen Teil der Bevoelkerung, die sich ueberhaupt nicht mit dieser Moeglichkeit befassen. Sie ignorieren es einfach und das - so ein Sozialpsychologe, der zu Wort kam - sei auch in gewissem Mass gesund. 
Statt in Panik zu verfallen, sollten wir zumindest die Moeglichkeit in Betracht ziehen, dass all das Gerede ueber Krieg eine Methode sein kann, die uebrige Welt aufzuruetteln, dass ein atomar bewaffneter Iran fuer niemanden gut sein kann. 
Trotzdem will das Thema einfach nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden, wie sonst viele andere Themen, die mit Heftigkeit aufkommen, aber genauso schnell wieder nach ein paar Tagen, oder zwei Wochen im Nichts verschwinden. 
Wie es weitergeht, kann man nicht wissen. 

Sonntag, 12. August 2012

Ohrstoepsel - die Loesung?

Die Strasse in der ich wohne ist stark befahren, das bedeutet auch in der Nacht immer durchfahrende Autos. Man kann sich daran gewoehnen mit der Zeit. 
Eine andere Art der Laermbelaestigung geht vom Cafe "Caffit" aus, das einzige auf dieser Strasse, welches sehr spaet schliesst. Puenktlich zwischen 3 und 4 werde ich aufgeweckt durch Musik von Eyal Golan, die durch die Strasse schallt. Nicht, dass ich Eyal Golan nicht mag, aber um diese Zeit?
Die Maedels und Jungs des Cafe Caffit machen Feierabend, muessen aber vorher anscheinend putzen, ruecken alle Tische und Stuehle bei offenen Fenstern und Tueren an die Seite, putzen das grosse Cafe und ruecken anschliessend alle Tische und Stuehle wieder an ihren Platz, waehrend sie riesigen Spass haben und lachen und schreien. Die laute Musik steigert ihre Laune zusehens.
Ich wollte nie eine "Spassbremse" sein, und kann mir vorstellen, wie schoen es sein muss, wenn man zu lauter Musik gemeinsam aufraeumt. Doch einen Haken hat das Ganze, es dauert einfach zu lange, um ruhig weiterschlafen zu koennen, und am Morgen dann ausgeschlafen seiner eigenen Arbeit nachgehen zu koennen. Zwischen 3 und kurz vor 5 spielt sich das Szenario ab, am Schluss sitzt das ganze Team dann auf der Bank vor der Tuer und wartet darauf, dass jemand sie abholt. 
Auf Anraten eines guten Freundes, bin ich gestern erst einmal rueber gegangen, und habe versucht, mit dem Chef zu sprechen. 
Er war sehr nett, hatte (scheinbar) Verstaendnis fuer meine Bitte und versprach mir sogar, beim Tischeruecken sein Team zu weniger Laerm anzuhalten. 
Heute nacht punkt 3 - Eyal Golan, Tischeruecken und Gekreische. 
Auf Anraten des guten Freundes laeutete ich die 2. Stufe ein und rief die Polizei an, die mir versprach, sich wesentlich "effektiver" um die Sache zu kuemmern. 
Nach einer Viertelstunde hatte ich auch das Gefuehl, dass der Ton leiser gestellt wurde - (evtl. rief die Polizei dort an, denn gesehen habe ich niemanden, und ich kann dem Cafe direkt ins Fenster schauen) - jedoch nur fuer kurze Zeit. Anschliessend ging es froehlich weiter und endete ca. gegen 5 mit derselben Abschiedszeremonie. 
Heute nun machte ich mich erneut auf den Weg hinueber zum Chef. Er war - wie am Tag zuvor - sehr nett und meinte dann, es koenne sein, dass der Laerm von der gegenueberliegenden Pizzeria kommt. 
O.k. dann werde ich das also als naechstes pruefen und mich heute nacht - ich gehe davon aus, dass sich nichts aendert - auf den Weg nach drausssen machen. 
Da ich aber ehrlich gesagt wenig Hoffnung auf Besserung habe, habe ich mir in der Zwischenzeit Ohrstoepsel gekauft. 

Wir sind NICHT vorbereitet - aber sowas von gar nicht

Egal was Rosh haMemshala Netanyahu und Barak uns suggerieren wollen, wir sind ganz offenbar NICHT auf einen Krieg vorbereitet, und nicht mal annaehernd!  
Es hat sich herausgestellt, dass 25 % der Bevoelkerung im Ernstfall nicht weiss, wohin, da es fuer sie KEINE Sicherheitsraeume gibt. 
Ich hatte mich vor 2 Jahren schon gefragt, wo denn eigentlich "mein" Ausweg waere, wenn es Alarm gibt? Nicht im Haus und nicht im Nebenhaus gab es Luftschutzraeume. Es bleibt das Treppenhaus. (toller Trost bei chemischen oder biologischen Angriffen...)
Und auch amtlich ist die Tatsache, dass ca. die Haelfte der Bevoelkerung keine Gasmasken besitzt, und selbst wenn alle sich jetzt sofort um eine kuemmern wuerden, sie keine bekaemen, da es ganz einfach nicht ausreichend Masken gibt. Punkt!
Ich hatte damals vom Pikud haOref (Zivilschutz) ein Paket bekommen, mit Maske und Anweisungen fuer den Notfall. Dieses Paket ist in dem Jahr, wo ich in Deutschland war, verschwunden. Ich hatte Bekannte gebeten, es fuer mich zurueck zu geben, da es jemand anderer sicher brauchen kann, wenn ich nicht im Land bin und es zum Ernstfall kommen sollte. 
Pikud haOref hat es nie zurueck erhalten und die Post, die damals fuer die Verschickung zustaendig war, sagt mir: "Sie hatten eine nagelneue Maske erhalten! Falls sie nicht aufzufinden ist, muessten sie nun, falls sie eine neue haben wollen, an Pikud haOref Strafe zahlen."
Tja, die Wahrheit ist jedoch - es sind einfach gar nicht ausreichend Masken da. 
Und die naechste Frage waere, ob sie helfen wuerden. 
Denn ein weiterer Punkt wird zurzeit einfach nicht zur Kenntnis genommen. Die Krankenhaeuser wuerden noch weitere 3 Jahre benoetigen, um vorbereitet zu sein auf den Kriegsfall, vor allem wenn biologische oder chemische Waffen eingesetzt wuerden. 
Das scheint unseren Bibi jedoch nicht zu interessieren, denn "Schwund" ist ja immer und diese Verluste sind - so seine Worte - in keiner Weise mit der Gefahr zu vergleichen, die von einer ganz anderen Seite kommen. 
Ja, das alles wissen wir, und auch wir kleinen Buerger wollen keine Atombombe aus Richtung Iran auf den Kopf kriegen. Aber was tun?
Was nuetzt uns unser Raketenwarnsystem per sms, wenn wir gar nicht wissen, wohin wir fluechten sollen, nach einer solchen sms? 
Es waere aeusserst nett, uns wenigstens ein Mindestmass an Ausweg aufzuzeichnen. Die Politik scheint aber im Moment zu sein - Augen zu und durch! 
Vor allem aber Augen zu.

Bulgur - koestlich, nahrhaft und erfrischend!

Bulgur (Weizenschrot) wird in Israel, sowie in anderen orientalischen Laendern, haeufig in vielen Variationen zubereitet. Ich habe eine Art "Tabouleh" - Rezept einer Freundin "nachgemacht" und freue mich ueber die bei dieser Hitze hervorragend erfrischende leichte Mahlzeit. 
Dazu wird benoetigt:

- Bulgur (Weizenschrot, fein oder grob) einweichen ueber Nacht
  in kaltem, oder ein paar Std. in heissem Wasser.Kochen nicht
  noetig.
- verschiedene Kraeuter (frisch und in grosser Menge!)
  Nanaminze (erzaeltlich in Dtland beim Marokkaner), Dill,
  Petersilie, alles sehr klein schneiden
- unter den Bulgur mischen
- mit Salz, Olivenoel und viel frisch gepr. Zitrone mischen. 
FERTIG!
Durch Zitrone und Nanaminze bekommt das Gericht einen sehr erfrischenden Charakter.! 
Guten Appetit! 

Israel vor einem Krieg?

Seit gestern wird in den Medien (wie in den letzten Monaten auch) wieder von einem bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran berichtet. Sogar der Zeitpunkt scheint festzustehen, will man den Zeitungen glauben. Es soll noch im Oktober sein, in diesem Herbst, da ein Krieg im Winter denkbar unguenstig sei. 
Barak sei der Initiator und derjenige, der draengt, waehrend Netanyahu noch abwaegt zwischen einem Alleingang Israels (denn die USA wuerden sich, so wie es jetzt aussieht, nicht an solch einem Erstschlag beteiligen...) und dem wirklich nicht guenstigen Zeitpunkt in den naechsten Monaten. 
Im Sueden sieht es mehr als instabil aus, vor allem an der aegyptischen Grenze, wie wir in der letzten Woche spaetestens nach dem Vorfall am Grenzuebergang Kerem Shalom sahen, bei dem 13 aegyptische Grenzsoldaten von einer Terrorzelle erschossen wurden und diese dann mit gepanzerten Fahrzeugen nach Israel vordrangen, dort aber von Israel gestoppt wurden. 
An der Grenze zu Syrien wissen wir auch noch nicht, was passieren wird, wenn das Regime Assad endgueltig faellt. Welche der chemischen oder biologischen Waffen werden (was G-tt verhueten moege) in die Haende von Terrororganisationen fallen und was wird dann passieren mit uns?
Allein die Grenze zu Jordanien scheint zurzeit eine relativ ruhige zu sein. 

Dennoch wird ausgerechnet ueber einen Alleingang diskutiert, der uns Kopf und Kragen kosten koennte, darueber sind sich auch Fachleute einig. Viele warnen vor dem "Tag danach", denn der Iran und seine Unterstuetzer werden sich nicht tatenlos die Atomanlagen bombardieren lassen. 
Gleichzeitig sind wir uns alle darueber einig, dass ein atomar bewaffneter Iran (und das wird frueher oder spaeter bittere Tatsache sein, wenn niemand eingreift) nicht nur fuer Israel sondern auch fuer die uebrige westliche Welt untragbar waere. Ein Iran mit Atomwaffen waere unangreifbar, immun. Mit einem wahnsinnigen Herrscher wie Achmadinedschad an der Macht koennte das nicht nur der Untergang Israels sein. Und ich bin mir nicht sicher, dass der Westen dies so ungeschminkt zur Kenntnis nimmt. Zurzeit geht es wie schon lange mehr um die "boesen Israelis", die ja sowieso schon lange den unschuldigen Iran bedrohen. Dem Iran wird abgekauft, dass er Atomenergie produzieren will und gar nicht an atomaren Waffen interessiert ist. Das scheint mir reichlich naiv zu sein. 

Zurueck zum Thema Nr. 1 wieder mal in unseren Medien. Ein Erstschlag und der "Tag danach". 
Beim Interview einiger wichtiger Entscheidungstraeger wird deutlich, dass diese Ankuendigung eines bevorstehenden Angriffs schon im Oktober immer noch zu einer Strategie gehoeren kann, die Druck auf die USA und andere Laender ausueben soll, um weitere, schaerfere und wirkungsvollere Sanktionen zu verhaengen. 
Bei uns jedenfalls wird diese Woche eine "Uebung" ablaufen, in der Pikud haOref (der Zivilschutz im Falle von Krieg, Terror und Ausnahmezustaenden) das Warnsystem ueber die Handys der Buerger testen wird. Bei diesem System sollen gezielt nur diejenigen Buerger gewarnt werden, auf die gerade Gefahr zukommt, z.B. bei einem bevorstehenden Bombenangriff. Bombenalarm in Tel Aviv wuerde z.B. dann nur Tel Aviver Buerger ueber eine Sms auf ihr Handy warnen und nicht alle anderen Buerger im ganzen Land verrueckt machen. 
Donnerstag soll Jerusalem an der Reihe sein und ich bin neugierig, ob das funktioniert, da ich mir zurzeit noch schwer vorstellen kann, wie wirklich alle Buerger einbezogen werden. 
Ganz abgesehen davon, dass es hier in vielen Gebaeuden gar keine Bunker oder Sicherheitsraeume gibt, in die man fliehen koennte. Die neuen Gebaeude hatten bereits die Auflage, dass in jeder Wohnung ein Sicherheitsraum sein muss.
Die Haelfte der Bevoelkerung hat keine Gasmaske und auch die Luftschutzbunker scheinen nicht schnell genug bereit zu sein. In Tel Aviv jedenfalls soll es bis zu 24 Std. dauern, (wenn der Krieg ausbrechen sollte) bis alle Bunker geoeffnet sind). 

Die Bevoelkerung ist nicht begeistert und steht mit zurzeit mehr als der Haelfte nicht hinter einem Angriff auf Iran, wobei gleichzeitig die Angst vor einem atomaren Iran besteht. 
Es ist eben nicht so einfach, sich mal eben fuer einen militaerischen Schlag - und somit fuer den naechsten Krieg - zu entscheiden. 
Was meint ihr?

Freitag, 10. August 2012

Shabbat shalom

Das tote Meer ist nie langweilig. Es aendert seine Farben, seine Klarheit, seine Sicht im Laufe eines Tages, ja, innerhalb einiger Stunden. Manchmal kann man nicht hinueber nach Jordanien schauen, and mit einem Male zeichnen sich die Berge voellig klar ab. 
Das Tote Meer hat mir Ruhe gegeben, und mir geholfen, in ein Shabbatgefuehl zu kommen. 
Shabbat shalom!

Totes Meer

Endlich habe ich es mal geschafft, an einem freien Freitag aus dem Bett zu kommen, um wie frueher ans Tote Meer zu fahren und mir von dort Ruhe, Tiefe und Kraft zu holen. 
Ich freue mich sehr darauf. 
Vor ein paar Jahren war ich fast jeden Freitag dort. 
Ich werde nach Chof Mineral (Mineral Beach) fahren, da ich finde, dass dort der schoenste Strand ist und der meiste Schlamm. 
Der letzte Bus wird mich kurz vor zwei zurueck bringen, und dann geht es langsam in den Shabbat. 

Donnerstag, 9. August 2012

Es wird gemuetlicher

Ich habe von Talia einen Fernseher geschenkt bekommen und gestern war die Firma HOT bei mir und hat mir den Anschluss gemacht. Einen Teppich habe ich fuer 130 Shekel in der Jaffaroad erstanden und von Shunit habe ich heute viele Kleinigkeiten bekommen, unter anderem diesen kleinen suessen Tisch und das Hoeckerchen. 
Ich fuehle mich immer wohler und heimischer und laufe jeden Tag von Fenster zu Fenster, wenn die Sonne hereinscheint. 
Jeden Abend freue ich mich auf mein kleines Heim und morgen versuche ich zum dritten Mal in Folge an einem freien Freitag, frueh aus dem Bett zu kommen um zum Toten Meer zu fahren. 

Montag, 6. August 2012

Wenn du tun koenntest, was du wolltest...

Als ich heute mit einer Freundin ueber meine Arbeit sprach, fragte sie mich, was ich "eigentlich" gern tun wuerde, wenn ich nicht mein Brot verdienen muesste. 
Ich war selbst ueberrascht, als ich mich bei einer Vorstellung erwischte, die so gar nicht zu meinem Alter passt. 
"Manchmal waere ich am liebsten schon Rentnerin", sagte ich ihr. Einerseits will ich noch so viel tun, sehen und kennen lernen, wozu mir andererseits in jedem Fall die Zeit fehlt. 
Ich wuerde liebend gerne das Land kennen lernen, vom noerdlichsten Zipfel bis tief in den Sueden. So neugierig war ich in Deutschland nicht auf meine Heimat. 
Hier ist das ganz anders. 
Ich wuerde gern zum Hermon, nach Rosh haNikra und Naharryia sehen, viel mehr rund um den Kinnerert erleben und die Ruhe der Wueste kosten. 
Ich wuerde gern mit dem Auto an der Kueste entlang fahren und sogar Sderot einen Solidaritaetsbesuch abstatten. Ich traeume davon, in Galilee ausgiebig die Natur zu geniessen und endlose Spaziergaenge bei den Golanhoehen zu unternehmen. 
Ich moechte eine ganze Woche am Toten Meer die Seele fuettern und mich mit Schlamm, Sonne und Salz verwoehnen. 
In der Vogelstation bei Eilat wuerde ich mir gern alles anschauen und auch lernen, was es dort zu lernen gibt. Und da ich schon jahrelang nicht mehr getaucht bin, haette ich das grosse Verlangen, einmal in Eilat mit Delphinen zu schwimmen und zu schnorcheln. 

Das Land kennen zu lernen ist nicht alles. Ich habe zudem ein grosses Verlangen, viel tiefer in die Sprache einzutauchen. Zurzeit besuche ich einen Literaturkreis, der mir mehr Tiefe ermoeglicht und mich weiterbringt und genau das bringt mich zu noch mehr Appetit auf Lesen, Lernen, Eintauchen, mich besser ausdruecken zu koennen, was mir unglaublich viel Freude macht. 
Ich wuerde gern mehr Sport treiben, doch auch dazu fehlt mir einfach die Zeit. 
wenn ich abends nach Hause komme, kann ich noch einen Kurs besuchen, oder eine Stunde Sport machen. Dann muss ich schon wieder schauen, dass ich ins Bett komme, denn ich habe festgestellt, bei zu wenig Schlaf laufe ich Gefahr, dass mir tagsueber bei der Arbeit die Augen zufallen, was einfach nicht tolerierbar ist. 

Ich habe noch soviel zu Lesen und zu lernen, doch nur am Shabbat dazu Zeit. Freitags bin ich so muede von der Woche, dass ich die letzten beiden Wochen nicht einmal ans Tote Meer gefahren bin, wonach ich doch so viele Wochen nun gelechzt habe. 

Das alles habe ich meiner Freundin erzaehlt und sie hat mich mit grossen Augen angeschaut. 
Ich bin erst 54, habe also noch eine ganze Weile zu arbeiten, bis ich mir als Rentnerin evtl. mein Land anschauen kann. 
Ich bin gluecklich und zufrieden, hierzusein, einfach in Israel leben und arbeiten zu duerfen, und keinesfalls soll mein Tagtraum als "Unzufriedenheit" oder "Noergeln auf hohem Niveau" verstanden werden. 
Aber wenn man mich fragt, was ich am liebsten taete...... 

Freitag, 3. August 2012

Vaetchanan - Shabbat Shalom

Fast schaeme ich mich ein wenig. Moshe erzaehlt uns in der Parasha dieser Woche, wie er G-tt anflehte, doch ins Land Israel zu duerfen. Seine Bitte wurde nicht erhoert. Da er so ein hohes geistiges Niveau hatte, als Fuehrer des Volkes Israel und als Prophet, der mit G-tt persoenlich gesprochen hat, erwartete G-tt von ihm mehr als von uns normal "Sterblichen" Durchnittsbuergern. Er hatte nicht genau gehoert, was Gtt von ihm verlangte, und etwas anderes getan, als gefordert. Daher durfte er das Land nicht betreten, sondern es nur von weitem sehen. 
Mir ist es vergoennt, mein Flehen wurde erhoert, und ich bin unendlich gluecklich darueber, dass mein Weg so sehr begleitet und gesegnet wird. Mit diesem ueberwaeltigenden Gefuehl gehe ich in den ersten Shabbat im neuen eigenen Heim und danke, danke danke IHM dafuer. 
Ich wuensche allen einen gesegneten friedvollen Shabbat. Moege es auch im Land und an unseren Grenzen zu den Nachbarn ruhig sein! 

Endlich

Die Sonne scheint in meine Wohnung, ich habe eine Kueche, die nur mir allein gehoert und ich bin ganz nahe bei den Freunden. Was will ich mehr?
Freunde machen sich Gedanken, was mir noch fehlt und spenden mir Kuechentuecher, Handtuecher, Bettwaesche. Es ist so ruehrend, wie man sich um mich sorgt. Aber ich bin gar nicht ungeduldig. Alles was sehr noetig ist zum Leben (ein Bett, ein Kuehlschrank, ein wenig Geschirr..) ist da und alles weitere geht nach und nach. 
Ich danke dem Schoepfer jeden Tag mehrfach dafuer, dass meine Wuensche und mein Bitten erhoert wurden, ich bin zurueck gekehrt nach Jerusalem. 
Ich habe ein Dach ueber dem Kopf und jeden Tag zu Essen. 
Shabbat shalom!