Sonntag, 30. September 2012

Chag Sukkot Sameach!

Die letzten Tage wurde fleissig gehaemmert, gebaut, Zweige durch die Gegend gefahren, Arbaat haMinim (die vier Arten) gekauft und Huetten von innen geschmueckt. 
Gestern abend habe ich meinen Freunden noch geholfen, ein paar Stoffbahnen in der Sukka zu befestigen, damit die Enkelkinder heute den letzten Schmuck anbringen koennen. 
Das Laubhuettenfest steht direkt vor der Tuer, heute abend schon bin ich in einer Sukka bei Freunden in Arnona eingeladen. 
Rav Shlomo sprach in seinem Dvar Tora gestern davon, wie abrupt wir doch aus den hoechsten Hoehen des Yom Kippur-feelings nun auf den Boden gezogen werden. Innerhalb von 4 Tagen muessen wir uns auf die Wirklichkeit besinnen. 
Sukkot ist ein bodenstaendiges Fest. Wir sitzen in Huetten und erinnern uns daran, dass die Kinder Israel in der Wueste auch in Huetten sassen, die sie immer wieder neu abreissen und aufbauen mussten, auf Geheiss von Hashem, der ihnen anwies durch Wolke und Feuersaeule, wo sie rasten und wann sie wieder aufbrechen sollten. 
Das Sitzen in der Sukka, ausserhalb des Hauses symbolisiert das Vertrauen, das wir haben in Hashem. Er wird uns versorgen, wir sind ganz in seiner Hand. Und wir sitzen gemeinsam mit Familie und Freunden in der Sukka. Jemand, der keine hat, (so wie ich, da ich keinen Balkon habe), wird eingeladen. 
Sukkot ist ein sehr geselliges Fest und gemeinsam wird gegessen, gesungen und gelacht. 
Ich erinnere immer wieder an die Bedeutung (eine von vielen bei diesem Fest) der Arbaat Haminim (der vier Arten). 
Sowie jede der vier Arten entweder gut schmeckt, aber nicht gut riecht, oder gut riecht, aber kaum Geschmack hat und nur eine sehr gut riecht und auch gut schmeckt, so hat jeder Jude im Volk Israel seine Aufgabe, seine Vor - und auch seine Nachteile. Wenige von uns sind Chachamim, Weise, die Tora lernen UND gute Taten vollbringen. Aber jeder kann sich bemuehen, und fuer jeden ist Platz. Jeder einzelne hat Bedeutung im Volk Israel und das sollten wir in einer Zeit, wo oft mit dem Finger auf den Nachbarn gezeigt wird, nicht vergessen. Vielleicht hat der Nachbar Eigenschaften, von denen wir nichts wissen, eventuell spendet er regelmaessig Geld ohne das an die grosse Glocke zu haengen (was die edelste Art des Spendens ist uebrigens!) und daher plaediert Sukkut auch zu einem grossen Teil an Toleranz und Miteinander. 
Chag Sukkut Samech. Moege jeder Jude und jede Juedin ihren Platz im Am Israel finden. 
Und moege jeder Mensch seinen Platz im grossen Gefuege der Welt finden und nach bestem Wissen und Gewissen ausfuellen. 

Freitag, 28. September 2012

Shabbat Shalom!

Mein Leben wird ein wenig ruhiger und "normaler" zurzeit. Angenehme positive Menschen umgeben mich und ich bin dankbar dafuer, habe erkannt, dass es keineswegs selbstverstaendlich ist, sich  in einer Atmosphaere zu befinden, wo viel gelaechelt wird und ein Laecheln meinerseits geschaetzt und erwuenscht ist. 
Unsere Shabbatkerzen werden heute schon um kurz vor 17h entzuendet, da wir in der letzten Woche die Uhr auf Winterzeit umstellen mussten, und es nun um kurz vor 18h bereits stockdunkel ist. 
Meine Seele geht noch angefuellt mit Yom-Kippur-gefuehlen in den Shabbat. 
"Du kommst mir irgendwie bekannt vor", sagte heute eine Bewohnerin zu mir. Mein Kollege entgegnete ihr: "Vielleicht kennst du sie vom Sinai, wo wir alle zusammen gestanden haben..."
Shabbat shalom!

Donnerstag, 27. September 2012

Kleiner Schreck in der Abendstunde

Gestern abend beim Aufraeumen faellt mir mein israelischer Reisepass entgegen, und mir faellt siedendheiss ein, dass er schon abgelaufen sein koennte. 
Tatsaechlich - schon eine Woche!
Es war naemlich so, dass ich ihn 2010, ein Jahr nach der Einwanderung bekam (mit der Einbuergerungsurkunde). Zunaechst wird dem Neueinwanderer ein Jahr Gueltigkeit gewaehrt. 
Als er ablief, Oktober 2011, befand ich mich in Deutschland und machte mich bereits im September auf den Weg nach Berlin zur israelischen Botschaft, um ihn zu verlaengern. 
Dort erklaerte man mir folgendes: Ein Neueinwanderer muss drei Jahr nach der Einwanderung durchgehend im Land wohnen. Verlaesst er das Land fuer laengere Zeit, bevor 3 Jahre vergangen sind, bekommt er in der Regel keine Verlaengerung. 
In Berlin war man nett, sagte mir, man wuerde mir ein weiteres Jahr Verlaengerung geben, aber falls ich in einem Jahr nicht wieder zurueck in Israel sei, koenne es sein, dass ich ihn verliere. 
Durch das Hin und Her hatte ich ein wenig Angst, vor allem, weil man bisher nicht besonders nett war beim Misrad haPnim (Innenministerium), jedenfalls nicht am Anfang. 
Meine Sorge war aber unnoetig, es lief alles normal und glatt ab. Man stellte, nach einem Blick in den Computer fest, dass ich im April 2011 das Land fuer ein Jahr verlassen habe, und seit Ende Maerz wieder hier in Israel lebe. 
Ich bekam dann heute (ohne Strafgebuehr wegen des Verzuges von einer Woche) eine weitere Verlaengerung bis 2015, also weitere 3 Jahre. 

Dienstag, 25. September 2012

YOM KIPPUR

Um 14h wird der gesamte oeffentliche Verkehr eingestellt, denn heute gegen Abend beginnt Yom Kippur, der Versoehnungstag. 
Alles kommt zum Erliegen, eine derartige Stimmung gibt es nirgends auf der ganzen Welt, ausser in Israel. 
Die Kinder werden auf den Autobahnen Fahrrad fahren und Familien gehen auf der Strasse spazieren. 
Fernseh-und Radiosender stellen komplett ihr Programm ein, derjenige, der den Fernsehe anstellt, wird nur den Sendeton hoeren.
Sogar der Flughafen ist gesperrt fuer jeglichen Flugverkehr, es wird kein einziges Flugzeug landen auf dem Ben Gurion Airport, und natuerlich keines starten.
Wenn heute abend alles zum Stillstand kommt, wird sich die Luft langsam klaeren und morgen frueh koennen wir ganz reine Luft atmen. 
Ein seltsames Gefuehl von Stillstand der Zeit wird sich einstellen, waehrend wir fasten und fast den ganzen Tag in der Synagoge verbringen. 
Einkehr, Busse, Bilanz, Innenschau und gute Vorsaetze kennzeichnen den Versoehnungstag. 
Wir versoehnen uns mit IHM, aber auch mit den Mitmenschen. Sich mit ihnen zu versoehnen erfordert hingegen mehr als ein Gebet von uns. Wir muessen unsere Probleme mit den Mitmenschen persoenlich klaeren. 
Im Laufe des Fastens am morgigen Tag werden wir schwaecher werden und doch innerlich unsere schwindende Kraft zusammenehmen, um zu IHM emporzuschreien, um Vergebung zu flehen und uns moeglichst ehrlich selbst ins Gesicht zu schauen. 
Ich wuensche allen ZOM KAL (leichtes Fasten) und GMAR CHATIMA TOVA. Eine endgueltige "Unterschrift" zum Guten, einen guten Eintrag ins Buch des Lebens fuer das NEUE JAHR. 

Montag, 24. September 2012

Ptach lanu Shaar - oeffne uns das Tor!

Du gnaediger Herrscher der Welt, der alles lenkt und fuer uns denkt.
Oeffne uns das Tor zu einem Jahr des Lebens, der Gesundheit und des Friedens und lass dein wachendes Auge nimmer von uns weichen, deine schuetzende Hand nimm nicht fort, dass wir in deinem Schatten ruhen koennen und Zuflucht finden. 
Schau nicht so sehr auf unsere Fehler und unser Unvermoegen, erbarme dich ob unserer Schwaeche. 
Gewaehre den Freunden des Boesen keine Chance, das Gute und die Freiheit zu vernichten. Schenk Leben, wo man den Tod liebt, und wo man hasst, schick liebende Menschen. 
Gib uns Kraft, dem Alten zu entsteigen und dem Neuen entgegenzulaufen, es zu Umarmen und willkommen zu heissen. 
Lass das Licht unserer wahren Zadikim ein Licht fuer alle Voelker dieser Erde werden, um zu versoehnen, zu vereinen und zu umarmen, da wo gestritten, entzweit und geschlagen wird. Lass uns nimmer aufhoeren dich zu lieben und nie fuer einen Augenblick vergessen, wer uns in SEINEM Angesicht geschaffen hat. 
Oeffne uns das Tor der Einsicht, der Weisheit und Ehre und lass uns alle hindurchschreiten, in Liebe, Einheit und allumfassender Bruederlichkeit. 


Freitag, 21. September 2012

Noch eine kleine Geschichte

Soeben im Radion gehoert. Eine kleine aber sehr bedeutungsvolle Geschichte. 
Aleph trifft Beit und fragt sie, wie es ihr geht: "Ganz gut. aber ich bin ein wenig traurig ueber verpasste Chancen..". Aleph fragt, was das konkret sei in ihrem Falle. 
"Ach", klagt Beit, "ich haette so gern in meinem Leben Jura studiert."
"Und", fragt Aleph, "warum tust du das nicht jetzt noch?"
"Bist du verrueckt," sagt Beit, "ich bin schon 50. Es ist zu spaet."
Aleph laesst nicht locker: "Wie lange braucht man, um Jura zu studieren?"
"5 Jahre etwa" 
"Und", fragt Aleph, "wie alt wuerdest du sein, wenn du bis zum Schluss studieren wuerdest?"
"55"
"Und wie alt waerest du in 5 Jahren, wenn du nicht studieren wuerdest?"
Niemals sollst du einen Traum wegen des Alters aufgeben!

Shabbat shel Shalom!

und ein kleines musikalisches Geschenk von mir
Gad Elbaz mit Mi Sheberach.

Die zehn Tage der Umkehr, Besinnung und guten Vorsaetze

Ich liebe dieses Bild von Chagall, was Awraham und die drei Engel zeigt, die drei Maenner, die an seinem Zelt vorbeikamen, als es ihm gar nicht gut ging, als er sich noch von seiner Beschneidung erholte. Er rannte ihnen entgegen und erfuellte die Mizwa der Gastfreundschaft (Hachnasat Orchim) in ganz besonderem Masse. 
Mein Bestreben fuer das Neue Jahr, ist es, viel mehr Gastfreundschaft, als bisher in die Tat umzusetzen. Ich habe eine sehr kleine Wohnung, aber es ist moeglich, mit einigen Gaesten hier am Tisch zu sitzen und wuerdige Shabbatot zu gestalten. 
Ich habe inzwischen einen kleinen Plastiktisch (eigentlich fuer den Balkon), an dem man zu viert gut sitzen kann. 
Im Laufe der Zeit moechte ich mir einen weiteren anschaffen, den man daneben stellen kann. Da man die Fuesse abnehmen kann, werde ich ihn gut oben in meiner "Galerie" verstauen koennen im Alltag.
Klappstuehle benoetige ich noch und eine groessere Plata fuer Shabbat, sowie Besteck noch etwas Geschirr. Dann kann ich endlich Gaeste einladen und bewirten und diese Eigenschaft, die ich nie so richtig anerzogen bekam und nicht genug selbst gepflegt habe, entwickeln und ausbauen. 
Darauf freue ich mich schon und in meinem Falle hat es noch eine zusaetzliche Bedeutung. Wieviel Shabbatot habe ich als Gast bei Freunden verbracht und bin "versorgt" worden mit Nahrung auf koerperlicher und auf geistiger Ebene? Nach und nach moechte ich etwas davon zurueckgeben, sie in meinem bescheidenen Heim, in dem ich mich so wohl fuehle, bewirten. 

Tempo, Tempo!!

Das war anscheinend eine sehr gute Idee, den Tag zu "verschlendern", d.h. ein UNSAGBAR langsames Tempo in allem Tun an den Tag zu legen, so, wie es mein Koerper und meine Seele fordern.
Ich habe mich heute mit dem Masseur vom Shuk haIkarim unterhalten, der mir wieder einmal sehr viel Erleichterung verschafft hat.
Unser Thema war das geforderte Tempo, was mich so quaelt im Alltag und das Beduerfnis des Koerpers und der Seele nach Ruhe und Langsamkeit.
Ich muss - was viele vielleicht schon langweilen wird - immer wieder auf meine Herz-OP vor zwei Jahren zurueck kommen, denn seither habe ich eine bemerkenswerte "Zaesur" festgestellt. Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, das Ergebnis bleibt: Ich bin nicht mehr derselbe Mensch wie vorher.
Meine Sensibilitaet ist deutlich gestiegen, ich bin innerlich zerbrechlicher und weniger belastbar geworden und ich sehne mich mehr nach Ruhe als zuvor.
Menschen, die ueber andere hinwegtrampeln tun mir mehr weh als noch vor ein paar Jahren und das Tempo der heutigen Zeit in den meisten Branchen der Berufswelt scheint nicht meines zu sein.
Bin ich vielleicht gar nicht mehr geschaffen fuer diese sich veraendernde und immer schneller werdende Welt "dort draussen", in die ich mich zwecks Lebensunterhalt immer wieder begeben muss und die ich irgendwie aushalten muss?
Je schneller je besser, je mehr desto erfolgreicher, je belastbarer, desto begehrter - der Rhythmus der Zeit scheint jede Woche noch um einiges heftiger zu werden.
Koennen Menschen dies unbegrenzt mitmachen? Kann man Kraft und Energie ohne Grenzen "ausschoepfen", bis ans Ende?
Die Tatsache, dass immer mehr Menschen an einem "Burnout" leiden, spricht meiner Meinung nach fuer sich. Die Tatsache, dass es immer mehr zugeben, sogar Politiker, die an ihrer Vitalitaet gemessen werden, sagt auch etwas aus.
Es ist genug - wir haben genug. Die Menschen scheinen zu rufen: Halt! Bis hierher!
Aber die, die es ausrufen und ihre Grenzen spueren, gehen im besten Falle in Therapie und zaehlen sozusagen nicht mehr als funktionierende Mitarbeiter. Sie sind krank, spielen in diesem Spiel zurzeit nicht mehr mit und werden evtl. sogar belaechelt. Mimosen, Memmen, wer den Takt der Zeit nicht aushaelt.

Oder aber ist es vielleicht doch so, dass sie insgeheim ein wenig beneidet werden um ihren Mut, die Fluegel haengen zu lassen und sich Hilfe zu holen, Bestaetigung dafuer, dass sie Raubbau an ihrem Koerper und ihrer Seele getan haben?
Dieser Mut hat seinen Preis. Nicht mehr immer schneller und immer mehr zu koennen, heisst 1. meistens nicht mehr auf der Karriereleiter weiterzuklettern, also tachles weniger Geld!
Und 2. nicht mehr dieselbe Anerkennung. Wer hoert nicht gern, dass er "stark" ist, dass er viel leistet?
Aber falls wir uns nicht NUR ueber Leistung definieren, sondern noch etwas anderes in uns tragen, was uns Genugtuung, und Befriedigung beschert, kann dieser Mut auch belohnt werden.
Trotzdem koennen sich die wenigstens Menschen in der Unter-oder Mittelschicht ueberhaupt leisten, "aufzugeben", sich Hilfe und Ruhe zu holen und eine grosse Pause zu machen.
Die meisten muessen fuer ihren bescheidenen Lebensunterhalt arbeiten und kommen nicht einmal dazu, darueber nachzudenken, wie sie sich fuehlen.

Manchmal kann man in kleinen Grenzen jedoch etwas fuer sich tun. Weniger Geld bedeutet nicht unbedingt den Untergang. Wie weit kann ich mich einschraenken? Was brauche ich unbedingt zum Leben, um mich "am Leben zu halten" und mir darueber hinaus vielleicht noch das eine oder andere Mal einen Kaffee zu leisten?
Aufgeben, und der Gedanke, dass es fuer uns sowieso keine andere Wahl gibt, ist die schlechtere Alternative und auch wenn ich einsehe, dass es nicht viele Nischen auf dieser Welt gibt, in denen man noch in gemaessigtem Tempo leben und arbeiten darf, so glaube ich, dass es sich dennoch lohnt, weiter nach ihnen zu suchen.

Reaktionen

Ich weiss, es ist ueberfluessig, auch noch meinen Senf dazu zu tun, zu den gewalttaetigen, hasserfuellten Reaktionen auf das Mohammed-Video, was die meisten von uns nicht mal gesehen haben. 
Ich bin gegen Beleidigungen jeder Art gegen jede Religion, das steht ausser Frage. 
Mir fallen jedoch bei den heftigen Reaktionen immer die prompten Anschuldigungen der westlichen Welt auf Aktionen Israels ein, das - nach einhelliger Meinung - "staendig ueberreagiert..... Auge um Auge usw...". 
Wir sprechen in diesen Faellen immer von einer Reaktione auf Raketen-angriffe oder Terroranschlaege. 
Israel reagiert nach der Meinung vieler Europaeer in diesen Faellen "unverhaeltnismaessig". 
Ein Terroranschlag, bei dem viele Menschen grausam in der Luft zerfetzt werden, von Naegeln durchloechert, oder Raketenangriffe auf die Zivilbevoelkerung im Sueden Israels, auf Schulen und Kindergaerten, bei denen nur durch "glueckliche Zufaelle" danebengeschossen wird, aber Schrecken und Angst verbreitet wird, sind also kein Grund, so "ueberzureagieren". 
Ein Video hingegen, welches niemanden koerperlich schaedigt, keine Naegel in Koerper bohrt und niemanden umbringt, ein Video scheint Morde an Botschaftern oder Gewaltandrohungen und Ausbrueche zu rechtfertigen? Es scheint ganz so zu sein, denn jeder hat Verstaendnis dafuer, dass Millionen Moslems "angegriffen" wurden. 
Die Welt richtet wieder einmal mit zweierlei Mass und das ist etwas, was mich beunruhigt - immer wieder von Neuem. 

Abschalten?

Ich kann nicht mehr. Das Arbeitstempo der Woche war trotz Feiertagen zu hoch, aber nicht hoch genug, um alles zu schaffen. Ich wollte mir daher heute ein wenig Ruhe am Meer goennen, wollte in Tel Aviv am Meer spazieren gehen. Aber der Koerper kam nicht aus dem Bett, um frueh zum Bus zu gehen. Schade. O.K. ich muss dem nachgeben, was ist. Mehr geht nicht. So werde ich die Zeit jetzt nutzen, um voellig in Ruhe und Frieden zu fruehstuecken, meinen Blick aus dem Fenster geniessen, und evtl. zum Shuk haIkarim (einer Art Agrarmarkt mit vielen kleinen Staenden) um die Ecke gehen. Dort ist auch ein Mann aus Sussia, der Massagen anbietet, was ich oft schon in Anspruch genommen habe, besonders damals, nach der OP, wo mein Schulter-und Armbereich voellig verspannt war uns schmerzte. 
20 Min. kosten 50 Shekel, das ist sehr billig und ich muss mal schauen, ob er Zeit hat. Meist sind schon viele Menschen bei ihm angemeldet. Er hat einen Massagestuhl, wo man den Kopf in eine Art Ring legt, und die Knie entspannt auf Stuetzen liegen. Natuerlich kann man sich nicht wie sonst bei Massagen freimachen, da es in der Oeffentlichkeit stattfindet, aber er ist wirklich sehr professionell, findet Punkte, die nach der Massage noch in der Tiefe nachwirken. Einfach wunderbar befreiend. 
Ich hoffe, ich kann noch ein wenig abschalten am Shabbat, denn mit dem Hintergedanken, dass wir Sonntag und Montag bis zum Umfallen arbeiten muessen, um nachzukommen, faellt auch das Entspannen schwer.
Ja, V., ich weiss, ich hoere dein Entspannunglied ja brav regelmaessig - aber es will so gar nicht in der Tiefe wirken!

Mittwoch, 19. September 2012

Kurzes "Gasmasken-update"

Zur Erinnerung: ich habe vor meiner einjaehrigen Rueckkehr nach Deutschland meine nagelneue Gasmaske Bekannten uebergeben, zur Rueckgabe. 
Diese verschwand dann anscheinend bei ihnen im Haus waehrend Renovierungsarbeiten. Futsch!
Als nun die Gasmaskenverteilungsaktionen begannen in Talpiot in Jerusalem, stand ich 2 Std. brav in einer Schlange, um zu hoeren, dass ich nicht berechtigt sei, eine zu erhalten, da ich ja eine neue bekomme habe, im Jahr 2010. 
Nach einer Erklaerung, dass sie leider verloren gegangen ist, sollte ich Pikud HaOref anrufen (den Zivilschutz), um dort eine Strafgebuehr zu zahlen. 
Nach dem Telefonat wurde ich angewiesen, bei der Post 70 Shekel zu zahlen. Das tat ich und begab mich erneut zur Verteilungsstelle. Dieses Mal nach 3 Stunden wurde nach einem kurzen Blick in den Computer der Kopf geschuettelt. Der Betrag war zu niedrig. Schliesslich sei das eine neue Maske gewesen. Der Betrag muesse um die 200 Shekel sein. 
Ein neuer Anruf bei Pikud haOref - und man wies mich an, 202 Shekel zu zahlen. Ich wuerde aber ein Dokument zugeschickt bekommen, was ich dann nach der Einzahlung ausgefuellt zurueckfaxen moege.
Da ich den Bon ueber die bereits gezahlten 70 Shekel noch hatte, musste ich nur 132 Shekel hinzufuegen. 
Diesen Bon faxte ich zum Pikud haOref - erkundigte mich eine Woche spaeter per Mail, ob alles angekommen sei. 
Man antwortete mir, bei ihnen sei nur vermerkt, dass ich bereits eine neue Maske habe, seit 2010. Von Verlust oder der Zahlung einer Strafgebuehr sei nichts bekannt. 
Ich bekam eine neue Faxnummer. 
Vor ein paar Tagen faxte ich nun den Einzahlungsbeleg an diese Nummer. 
Heute habe ich mich erneut per mail an Pikud haOref gewendet, mit der Frage, ob inzwischen etwas angekommen sei und ich endlich wieder berechtigt bin, mir eine abzuholen. 

Ich bin gespannt, ob und wann der Tag kommt, da ich eine in meinen Haenden halte. Dumm, dass ich sie ueberhaupt abgegeben habe. 

Nicht gut vorbereitet? Nicht bereit? ES LEBE DER KOENIG

Die grosse Frage vor Rosh HaShana und ueberhaupt vor den "hohen" Feiertagen, lautet doch stets: Sind wir ausreichend vorbereitet? Sind wir bereit?
Einer der Soehne des verstorbenen Rabbiners Rosen aus der Yakar-gemeinde haelt dazu einen kurzen Shiur am 1. Abend von Rosh Hashana. 
Koennen wir ueberhaupt ausreichend bereit sein? Fragt er uns und sich. Sind wir nicht als Menschen stets und ohne Unterlass in Bewegung? In einer Minute werden wir innerlich schon wieder woanders sein und Gestern waren wir andere Menschen als Heute. 
Es gibt keinen statischen Zustand bei uns Menschen. Nicht einen Augenblick lang. 

Dazu erzaehlte er uns die bekannte Geschichte von einem Mann, der eigens dazu abgestellt wurde, auf der Strasse den Koenig willkommen zu heissen, wenn er mit seiner Kutsche daher kaeme. 
Der Mann hatte nur diese eine Aufgabe. Wenn der Koenig kommt, solle er "es lebe der Koenig" rufen und ihn so ehren. 
Der Mann wartet und wartet und es ist heiss, er schwitzt und der Koenig ist immer noch nicht in Sicht. Neben der Strasse gibt es einen kleinen Teich und das Wasser lockt verfuehrerisch. "Warum soll ich nicht einen kleinen Moment dort hineinspringen? Wenn der Koenig erscheint, werde ich ihn frischer als vorher begruessen koennen..."
Gedacht, getan, er entledigt sich seiner Kleider und springt hinein. Was fuer eine Wohltat. Doch da - oh Graus, wie es meist so ist im Leben - der Koenig erscheint ausgerechnet jetzt an der Strassenecke. 
Dem Mann bleiben zwei Moeglichkeiten. Entweder unterzutauchen bis der Koenig vorbei ist und der Koenig wird niemals wissen, dass es ihn ueberhaupt gibt.
Oder - so wie er ist (nackt!) aus dem Teich springen und mit voller Inbrunst rufen: Es lebe der Koenig!
Der Mann entscheidet sich fuer die zweite Moeglichkeit. 
Und hier zieht S. die Parallele zum Koenig, der zu Rosh HaShana erscheint - niemals sind wir genug vorbereitet, niemals so richtig bereit. Wir haben zwei Moeglichkeiten - uns zu verstecken und uns vor der Gegenueberstellung zu druecken - oder aber - und zwar in dem Zustand, in dem wir gerade sind - emporzuspringen und laut zu rufen: ES LEBE DER KOENIG!

Rosh HaShana - etwas Durcheinander und so gar nicht geordnet

Rosh haShana, Balagan der Gedanken und Gefuehle. 
Beruehrt und tief versunken, die Seele hoch geflogen durch Melodien, die uns tragen. 
Eine Klimaanlage, die mir trotz zwei Schals in den Nacken blaest und mich frieren laesst und mein Husten, der neu aufblueht, genaehrt durch die Kaelte. 
Draussen 33 Grad. 
Schlapp und muede am ersten Abend bis 23h bei Freunden ausgehalten, dann ins Bett gefallen. 
Am naechsten Morgen: der ganze Koerper schmerzt, der Alltag ist nicht aus dem Kopf zu bekommen und meldet sich alle paar Stunden zu Wort. 
Ueberlegungen, ob ich ueberhaupt zur Synagoge gehen soll, in diesem Zustand - am Ende gehe ich doch, benoetige dringend die Seelennahrung, die spirituelle Hilfe der Gemeinschaft mit ihren Melodien, um einzutauchen ins Rosh-Hashana-gefuehl. 
Was habe ich noch nicht bereut? Was noch nicht "zugegeben" an Negativem aus der juengsten und aelteren Vergangenheit?
Wer bin ich ueberhaupt und was masse ich mir an? 
Ich bin ein Nichts, Efes. Klum!
Und ohne IHN erst recht. Alles was ich habe, habe ich durch IHN. Geschenke, und ich bin gar nicht wuerdig, sie zu bekommen. 
Dankbarkeit wechselt mit Schuldgefuehlen ab und mit den Alltagsbitten. Ach bitte hilf! Hilf doch, und hol mich aus Situation X oder Y heraus. Ja, ich weiss, ich habe schon so viel bekommen, ich verlange zuviel, wuensche immer irgend etwas. 
Jeder hat seine kleinen Wuensche, seine Bitten, sein Flehen. 
Und DU - du bist unser Koenig, wir haben keinen ausser DIR. 
Einladung? Ich kann nicht mehr, bin zu schwach. Braeuchte dringend Seelenruhe. Gar nichts tun. 
Die Stimmung in der Synagoge passt nicht zur Einladung, zum Essen, zu den Gespraechen, den vielen Menschen. Ich gehe hin, um abzusagen, fuehle mich muede und gehe ins Bett, rolle mich ein und rufe nur nach IHM. 
Abends: es tut noch alles weh. Aber ich muss gehen, will die Gesaenge spueren und mich tragen lassen. 
Danach wieder eine Einladung zum Abendessen - wieder auf dem Weg abgesagt und nach Hause, Ruhe spueren, nachwirken lassen. 
Beten, flehen, und fragen. Warum? 
Am Morgen Nr. 2 wieder in die Synagoge mit noch einem Schal. Nach 3 Std. "schon" nach Hause, im Schneckentempo durch die Sonne, auf einer Bank gerastet und wieder mit IHM gesprochen, gefragt, und keine Antwort gehoert. 
Zuhause - noch nicht genug geschlafen. Alles tut weh. 
Gedanken an den Alltag mischen sich wieder ein und lassen mich nicht abschalten. 
Am Abend rueckt der Alltag immer naeher. 
Wieder schlafen und noch 2 Tage schaffen bis zum freien Freitag. 
Rosh HaShana ist vorbei. Wir befinden uns in der Schwebe bis Yom Kippur. Ueber uns Durchschnittsmenschen, die nicht vollstaendig boese und nicht vollstaendig gut sind, wird das Urteil erst in den naechsten 10 Tagen gefaellt werden. Bis Yom Kippur haben wir Zeit, durch Gebet, Zdaka (gute Taten) und Tshuva (Rueckkehr und echte Reue) das Urteil abzumildern. 

Samstag, 15. September 2012

Shana tova!

Morgen abend beginnt das zweitaegige Rosh HaShana, der Kopf des Jahres. Unser neues Jahr wird nicht mit Sekt und Boellerschuessen begruesst, sondern hat etwas mit "Cheshbon nefesh" zu tun, der Bilanz der Seele. Wie ein Geschaeftsmann ziehen wir die Bilanz des vergangenen Jahres.
Besitzen wir genug Selbstkritik, um zu erkennen, was wir haetten anders machen koennen? Koennen wir uns bei anderen Menschen aufrichtig entschuldigen? Tut es uns leid, wenn wir spueren, dass wir andere verletzt haben und sind wir in der Lage, uns bei der naechsten Gelegenheit zurueckzuhalten?

Ist unser Selbstbewusstsein so aufgeblasen dass wir uns in allem selbst gefallen und gar nichts finden, was verbesserungswuerdig war?
Rabbiner Benni Lau sagte heute in seinem Shiur, dass die Chassidim G-ttes Gegenwart so besonders spueren, weil es in ihrem Innern Platz fuer G-tt gibt, sie sind vom eigenen Ego haeufig "entleert". Nur wer sein eigenes Ego zur Seite stellen kann, sich nicht so wichtig nimmt, schafft Platz fuer IHN. 

Eine Frage, die heute ein anderer Rabbiner in den Raum warf, hat mich allerdings bis jetzt beschaeftigt:
Was waere das fuer ein Rosch Hashana, wenn du wuesstest, dass es dein letztes waere? Waere es anders?

Freitag, 14. September 2012

Ein Shabbat voller Shalom!

Heute war ich in der gluecklichen Lage, einen Umschlag mit 2000 Shekeln dem ehemaligen Kollegen X. fuer ihn und seine kranke Frau uebergeben zu koennen. 
Hier in Israel etwas geben zu duerfen, von Juden an einen Juden, der gerade in Not ist, ist ein erhebendes Gefuehl. Es loest tiefe Freude aus. 
Und es ist bei den meisten selbstverstaendlich. Heute ist X. in Not und bedarf der Unterstuetzung seines Volkes, von dem er ein Teil ist. Vor zwei Jahren war ich es, die nehmen musste, die in Fuelle Hilfe und Unterstuetzung erhielt. Demnaechst kann X. vielleicht wieder derjenige sein, der einem anderen etwas abgibt, von dem, was er verdient. 
Es sollte so sein, ein Geben und Nehmen, je nach der derzeitigen Situation. Wir sollten uns sorgen um das Wohl des Naechsten, sollten dafuer Sorge tragen, dass auch der Nachbar ein froehliches Rosh HaShana feiern kann. Darueber hinaus ist gerade in diesen Tagen vor Rosh HaShana und Yom Kippur davon die Rede, dass "Tschuva und Tfila und Zdaka" (Umkehr, Gebet und das Geben von Zdaka) die Schwere des Urteils, was ueber uns gesprochen werden wird fuer das Neue Jahr, abmildern kann. 
Aber ein rein mechanisches Geben und der lapidare Satz: Ich habe gesuendigt, werden nicht wirklich helfen und angenommen werden, wenn wir es nicht aus ganzem Herzen so meinen, wirklich zerknirscht ueber unsere schlechten Taten sind und wahrhaftig bereuen oder aus tiefer Liebe bereit sind, etwas von dem zu geben, was uns selbst ja auch gegeben wurde. 
Das, was wir verdienen ist uns gegeben, um damit etwas Gutes zu tun, dem zu geben, der gerade nichts hat, es gewissermassen umzuverteilen. 
Jeder kann in diese Lage kommen, etwas annehmen zu muessen, daher sollte das Geben nicht aus einem Gefuehl von Geringschaetzigkeit geschehen, sondern aus der Gewissheit heraus, dass es dem Nachbarn, dem es gerade schlecht geht, einfach zusteht. Wenn wir nicht geben, wer dann?
Und wenn wir unserem eigenen Volk nicht helfen, wer wird ihm dann Hilfe bieten?
Ich wuensche unserem Volk an diesem Shabbat und so kurz vor Rosh HaShana von ganzem Herzen Frieden, besonders in unserer Region, die zurzeit mehr "brodelt" als sonst, aber auch ueberall auf der ganzen Welt und allen Menschen! 
Lasst eure Herzen zur Ruhe kommen!(vielleicht mit DIESEM Lied)

Mittwoch, 12. September 2012

Hilfe fuer Menschen in Not - Teil 2: das "High", etwas bewirken zu koennen

Ich bin wirklich in einem "High-gefuehl", anders kann ich es nicht beschreiben. 
Ich habe etwas getan, was ich noch nie im Leben vorher getan habe. 54 Jahre alt musste ich werden, um zum ersten Mal eine Spendenaktion anzuschubsen. 
Der Mann, von dem ich im vorletzten Artikel schrieb, liess meinen Gedanken keine Ruhe und vorgestern, als ich ins Bett ging um zu lesen, dachte ich: "Meine Guete, statt zu lesen und "nur" zu beten, sollte ich versuchen, wie ich einem Menschen, den ich kenne und der in Not ist, helfen kann. Mir wurde auf so viele Arten hier in Israel schon geholfen, besonders vor zwei Jahren, als ich meine Herz-OP hatte. Man half, spendete, damit ich nicht sofort wieder arbeiten musste und niemals hatte ich Not zu leiden. 
Von dem Zeitpunkt an, hatte ich den Wunsch, irgendwann einmal etwas zurueckgeben zu koennen, hier in Israel. 

Ich ging an diesem Abend dann nicht sofort ins Bett, sondern fuhr nochmal den Computer hoch, schrieb die Geschichte von J. und seiner schwerkranken Frau in einer mail an alle Freunde, die ich kenne. Und ich kenne einen Menge!
Warum eigentlich nicht mal versuchen, die Menschen um eine Spende zu bitten?

Und siehe da, A. wollte 100 Shekel spenden, B. 200, C. wollte mir ihre Gutscheine geben, die sie vom Arbeitgeber zu Rosh haShana bekam. (diese kann man in Supermaerkten und verschiedenen Geschaeften einloesen). D. setzte noch einen drauf und sagte mir, ich solle ihm am Schluss sagen, wieviel ich zusammen bekomme, er wuerde die Summe verdoppeln. 
Wow, wow, ich glaube, ich bekam mein Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht. 
All das befluegelte mich dann derart, dass ich sogar den Mann in der Waescherei um eine kleine Spende bat. 

Ein ganz neues Gefuehl fuer mich, dass ich so nicht kannte. Und es ist fast besser als selbst etwas zu bekommen. 
Ich freue mich nun darauf, fuer J. einen Umschlag vorzubereiten mit all dem gesammelten Geld, um ihn dann hoffentlich noch vor Rosh HaShana uebergeben zu koennen. 
Wie freue ich mich auf sein Gesicht und darauf, einen kleinen Teil zur Hilfe beitragen zu duerfen. 
Hier in Israel einem anderen Juden etwas beistehen zu koennen, ist eine ganz grosse Sache, und ich haette nicht gedacht, dass der Tag so schnell kommen wuerde, an dem auch ich etwas zurueckgeben kann. 
Baruch HaShem! Was fuer ein schoenes Gefuehl. 

Dienstag, 11. September 2012

"Giur-beratung"

Ich habe zwar schon einige Male zu diesem Thema geschrieben, muss aber aus gegebenem Anlass noch einmal darauf eingehen, naemlich auf Fragen an mich zum Thema Giur oder Einwanderung oder beides. 
Viele schreiben mir und bitten um Tipps, Anregungen und Unterstuetzung und in gewisser Weise sehe ich das auch als meine Aufgabe an. Den Blog schreibe ich unter anderem auch weiter, da es doch einige Leser zu geben scheint, denen er etwas Inspiration bringt oder Hinweise. 
Was mich ehrlich gesagt immer wieder ein wenig traurig macht, ist folgendes:
Man fragt mich zu einem Thema, bekommt nicht genau die Antwort, die man sich erhofft hat und wirft mir vor, ich habe wenig aufbauende Worte, wuerde mich eventuell so verhalten, weil der andere nicht juedisch ist (was ziemlich abwegig ist, denn schliesslich bin ich auch nicht als Juedin geboren) oder sagt mir, ich klinge verbittert. 
Wenn so etwas passiert, muss ich zugeben, mich meist erst einmal selbst zu fragen, ob ich zu "ruppig" war, denn das bin ich wirklich manchmal. 
Schwierig ist es leider sowieso, bei einer Mail den "Tonfall" herauszuhoeren. Oft genug ist mir das schon mit meinen Toechtern passiert, dass ich etwas aus einem innerlichen "Bedenken" heraus schrieb, und meine Toechter es als Anklage verstanden. 
Der Adressat stellt sich eben immer einen Tonfall vor, in dem der Schreiber etwas von sich gibt. Das kann voellig daneben liegen, und laesst sich in einer Mail leider nie vermeiden. Nur der direkte Augenkontakt laesst uns auch die Mimik des anderen erkennen, sein evtl. sorgenvolles, skeptisches Gesicht, oder seine Arroganz. 

(Dazu gibt es uebrigens eine schoene Geschichte von einem alten Vater, dessen Sohn auszog in die Welt und nach Jahren ohne einen Pfennig sich verschaemt wieder in einem Brief an den Vater wendet. Der Vater ist inzwischen blind und bittet die Putzfrau, ihm den Brief vorzulesen. Die Putzfrau liest: Vater, ich hab keinen Groschen, also schick mir Geld!"
Enttaeuscht ueber die freche Forderung des Sohnes vergraebt der Vater sich in seinem Bett und nach ein paar Tagen kommt ein alter Nachbar vorbei, der den Brief auf dem Nachtisch sieht, ihn hervorholt und laut vorliest: "Abale, ich hab versagt, hab keinen Grusch mehr, ach bitte hilf mir doch mit etwas Geld aus, noch einmal..."
Das sagt er in liebevollem bittenden Ton und dem Vater wird ploetzlich klar, dass der Sohn es auch so gemeint haben koennte.)

Zurueck zu meinen Leserfragen. Ja, es kann sein, dass ich etwas ruppig war und ja, ich bin der Meinung, dass es nur fair ist, wenn ich den Menschen sage, wie es hier laufen kann. 
Beispielsweise habe ich grosse Bedenken, wenn mir jemand schreibt, dass er demnaechst einwandern will, mit einem israelischen Partner zusammenleben moechte, und dann lieber hier als in Deutschland Giur machen will. 
Ich bin mir sicher, dass diese Leser nicht wissen, wie man hier manchmal mit Konvertierungswilligen umgeht. Das ist leider nicht immer sehr nett. Ein Rabbiner aus Alon Shwut, aus meinem Bekanntenkreis wuerde das jetzt bestaetigen, er wuerde aber hinzufuegen, dass es leider die Behoerden sind, die oft den Plaenen der Giurkandidaten einen Strich durch die Rechnung machen. Diese sagen naemlich nicht freudig: "O.k., du kannst dein Visum verlaengern und hier in Ruhe Giur machen." sondern viele schicken den Kandidaten nach Hause in sein Heimatland oder sagen ihm, er solle erstmal einen Platz finden in einem Kurs. Manchmal wird einem auch ein bestimmter Kurs aufgedrueckt vom Beit Din. 
Das Beit Din sagt auch oft: "Du willst Giur machen? Prima. Dann warte erstmal ein Jahr ab." In diesem Jahr passiert dann gar nichts, aber die Behoerden verlaengern nicht  freudig das Visum. 
Auch das Vorhaben "ich will dann in Israel arbeiten" kann man vergessen. Ich hatte vor einigen Jahren - als bereits in Deutschland Konvertierte - ein Visum als Volontaerin, welches ich gnaedigerweise bis 8 Monate verlaengert bekam. Aber! Darin stand "not permitted to work!"
PUNKT! 
Das heisst, wenn man mich bei irgendeiner Arbeit erwischt haette, haette es sein koennen, dass ich aus dem Land fliege und einige Jahre nicht einreisen darf. 
Es gibt hunderte dieser frustrierenden Geschichten und ich halte es nicht fuer fair, jemandem die rosarote Brille auf der Nase zu lassen, ihn quasi ins offene Messer rennen zu lassen. Dann wuerde ich meine Aufgabe auch verfehlen. 
Ueber meinen "Ton" und meine wenig aufbauenden Worte kann man sich dann noch unterhalten. 

Es handelt sich wirklich nicht um Einzelfaelle, es sind schon viele Menschen, die sich an mich wenden und mein Eindruck ist oft, dass sie die Antwort bereits vorgefertigt haben, ich soll nur noch meine Unterschrift darunter setzen. 
Aber auch ich habe hier sehr abweisende Behoerden erlebt, als Juedin, die nach ihrem Giur ein Jahr lang in Deutschland auf die Alyia-Berechtigung warten musste! (wie gehen sie dann wohl erst mit einem Nichtjuden um, der hier leben und arbeiten und Giur machen will?)

Nein - fragt man mich ehrlich nach meiner Meinung, und will nicht nur die eigene bestaetigt bekommen, so kann ich nur immer wieder betonen: ich glaube NICHT, dass ein Giur hier in Israel einfacher ist und ich wuerde unbedingt dazu raten, ihn als Deutscher in Deutschland zu machen. 
1. Sich eine Gemeinde suchen, in der man sich wohlfuehlt
2. Den Rabbiner ansprechen und um Hilfe bitten und 
3. viel Geduld und Hartnaeckigkeit mitbringen. 
4. Den Prozess nicht nur als unvermeidbares Mittel zum Zweck sehen, denn im Nachhinein wird einem schon klar, dass dieser ganze lange Weg einen Sinn hatte. 

Die meisten die mir schreiben, sind viel juenger als ich und wenn ich mit damals knapp 50 nicht vor Ungeduld platzte, dann wird das mit Mitte 20 oder Mitte 30 doch noch weniger problematisch sein. 

Eines moechte ich mir jedenfalls nicht nachsagen lassen, dass ich ermuntert habe, ohne die Realitaet zu beschreiben. 
In Israel geht man nicht zimperlich mit Menschen um, darauf sollte man sich einstellen und auch ich habe viele Traenen vergossen, weil ich dachte, ich renne vor eine Tuer. 
Ich gebe gern Auskunft und einen Rat, oder erzaehle, wie es bei mir war, aber ich werde niemanden aufmuntern etwas zu tun, was mir bedenklich erscheint. 
Habe ich es dann einmal von mir gegeben, so liegt es bei euch, eure Plaene trotzdem umzusetzen und meine Bedenken in den Wind zu schlagen. 
Mein schlechtes Gewissen waere groesser, haette ich euch nicht gewarnt!
Wegen der Form bitte ich um Verzeihung, es mag manchmal nicht ganz so sanft ausfallen, denn 1. bin auch ich nur ein Mensch und habe hier teilweise schwierige Phasen. 2. trifft es manchmal sicher den Falschen, wenn mir zum 10. Mal jemand von sehr unrealistischen Plaenen erzaehlt. 

Zum Schluss noch eines: Ich achte und bewundere jeden, der diesen Weg gehen moechte, denn er ist nicht einfach und es wird einem in der Regel nichts geschenkt. Ich habe bisher jede Mail - meist sehr prompt - beantwortet und ich werde auch weiterhin gern meine mentale Unterstuetzung anbieten. Und wenn ihr an meine Grenzen stosst - sagt es mir ruhig, aber bitte achtet ihr sie auch, denn so energiegeladen und enthusiastisch wie mit 30 bin ich leider auch nicht mehr.
Die Bereitschaft zu Helfen ist aber da und wird auch weiterhin bleiben.... solange ich gesund genug bin...und mit G-ttes Hilfe natuerlich. 

Hilfe fuer Menschen in Not

Ein ehemaliger Kollege aus dem Diamantengeschaeft, 28 Jahre alt, eingewandert aus Mexiko vor 10 Jahren, ist in grosser Not. 
Seine Frau ist so krank, dass sie staendig im Krankenhaus liegt und da er diese Stunden immer bei ihr war, da sie niemanden ausser ihm in Israel hat, musste er jetzt seine Arbeit aufgeben. 
T. hat Gastroparesis, was eigentlich nur Menschen mit einer Diabetes entwickeln, bei Menschen ohne Zuckerkrankheit soll die Krankheit selten auftreten. 
Sie kann kaum noch essen, ist sehr schwach und wird mit schoener Regelmaessigkeit ins Krankenhaus eingeliefert. 
Mein Kollege hat 2 Jahre in der Jeshiwa Tiferet Shraga studiert vor der Army und mehr als ein Jahr in der Jeshiwa Hesder, danach 3 Jahre Army. 
Seit einem Jahr ist das junge Paar verheiratet.  T. kommt aus England. 
Ich suche einen Keren, eine Stiftung oder Menschen die spenden koennen, denn es geht den beiden jetzt gerade sehr schlecht. 
Nun faellt der Verdienst weg und bis J. wieder Arbeit hat, wird es dauern. Er hat auch den Kopf kaum frei fuer Arbeitssuche, weil er immer im Krankenhaus ist. 
Wer hat eine Idee fuer mich, wohin er sich wenden kann und wie man an Spendengelder kommt?

Sonntag, 9. September 2012

Nigunim

Noch auf dem Weg zur Yakar rief mich ein Freund an und schlug mir vor, nach Talpiot, zur Schule Mekor Chajim zu gehen, dort wuerde es vorbereitende Nigunim und anschliessend Slichot geben. (Nigun heisst Melodie und wird oft im Zusammenhang mit gesungenen Gebeten gebraucht).
Eine Stunde konnte ich stark erkaeltet die erhebenden Gesaenge mit Gitarre, Klarinette und Geige begleitet geniessen, dann klopfte das "schlechte Gewissen" an die Tuer, das mir sagte, ich muss morgen um kurz vor 6 aufstehen und habe 9 Stunden Arbeit vor mir. 
Sicher musste eine Grossteil der dort anwesenden Menschen auch heute arbeiten, aber ich bin immer weniger faehig, solch ein Mammutprogramm durchzuhalten und gleichzeitig am darauffolgenden Morgen keine Spuren davon zu tragen. 
So musste ich mich mit einem Teil begnuegen. 
Eine neue Woche beginnt - mit viel Schnupfen, Husten und schwachen Beinen. 

Samstag, 8. September 2012

Slichot - Verzeihung!

Ab heute abend, nach Shabbatausgang werden auch bei den Ashkenasim "Slichot" gebetet. Die Sfardim haben damit schon seit Anfang des Monats Elul angefangen. 
Ashkenasim fangen damit am Shabbatausgang vor Rosh HaShana an, faellt jedoch, wie dieses Jahr Rosh HaShana auf den Montag, d.h. wuerden dann weniger als 4 Tage Slichot gebetet, so faengt man schon eine Woche vorher damit an. 
So auch in dieser Woche. 
Gleich um 22:15h werden sowohl im sehr grossen Rahmen in der Beit Knesset haGadol (der grossen Synagoge in der King George Street) als auch in den meisten kleineren Gemeinden die ersten Slichot gesprochen, gesungen, gebetet. 
Slicha heisst "entschuldigung!" und Slichot ist die Mehrzahl von Slicha. 
Wir wenden uns gen Himmel und bitten in einer noch tieferen Stufe, vor Rosh Hashana aus vollem Herzen um Verzeihung. 
Oft ist es so, dass ein "Sorry" oder "entschuldigung" bedeutungsleer vor sich hin gemurmelt wird, wenn man jemandem weh tut, ihn verletzt. 
Das Gegenueber spuert so manches Mal sehr wohl, ob derjenige, der sich entschuldigt, dies auch wirklich so meint und aus voller Seele sagt. 
Augenkontakt, Stimmlage und Mimik zeigen sehr deutlich, ob die Seele beteiligt ist, oder es ein mechanisches Muss ist. 
So wird auch G-tt uns an"merken", ob wir selbst beteiligt sind, mit der ganzen Seele, dem ganzen Herzen und unserer gesamten Kraft. 

Ich werde gleich im kleinen intimen Rahmen in der Yakar-Gemeinde an den Slichot teilnehmen, da mir die Kraft fehlt, zur grossen Synagoge zu gehen. Morgen muss ich um zehn vor 6 aufstehen, um zur Arbeit zu fahren und es hat sich seit der letzten Nacht eine starke Erkaeltung breitgemacht, die mir das Durchhaltevermoegen sehr einschraenkt. 
Die Slichot sind ein weiterer Schritt in Richtung Rosh haShana, unsere Vorbereitung gewinnt im besten Fall an Tiefe. 
Wir bedauern, blicken zurueck und erkennen, was nicht haette sein muessen, was falsch gelaufen ist, und woran wir im naechsten Jahr arbeiten wollen. 
Eine gute Woche, Shavua tov!

Freitag, 7. September 2012

Aeusserlich und innerlich rein und frisch - Shabbat schalom!

HaRav Kook schreibt in einem seiner wunderbaren Beitraege ueber das aeussere "sich Waschen" und das innere sich Waschen, vor Shabbat. 
So, wie wir den Koerper vor dem Shabbat waschen, uns unter die Dusche stellen und uns reinigen, so sollten wir uns ebenfalls bemuehen uns innerlich von boesen, giftigen und schaedlichen Gedanken zu waschen, bevor wir in den Shabbat gehen. Dies sei eine der Voraussetzungen dafuer, dass die Seele am Shabbat emporsteigen kann, in hoehere Gefilde. 
Versuchen wir, langsam alles Alltaegliche abzustreifen und ein neues Kleid ueberzuwerfen, ein Shabbatkleid, rein und frei von negativem Ballast. 
Shabbat Shalom!

Jeder hat seine Geschichte..

Wenn man eine Kollegin aus der anderen Abteilung fragt, wie sie sich in Israel eingelebt hat, so wird man eine voellig andere Geschiche hoeren, als meine. 
Ich stelle immer wieder fest, welch grosses Glueck ich hatte, in so kurzer Zeit so viele echte Freunde kennen zu lernen und mir ein Soziales Netz geflochten zu haben. Das ist nicht selbstverstaendlich und dafuer danke ich. 
Besagte Kollegin ist seit ca. fast zwei Jahren im Land, und genau wie ich ist sie nach einem Jahr noch einmal fuer 4 Monate in ihr Heimatland Brasilien zurueck gekehrt. 
Dort stellte sie fest, dass sie doch eigentlich in Brasilien nichts mehr verloren hat, und kam zurueck nach Israel. 
Soweit aehneln sich ihre und meine Geschichte. 
Als ich sie vor ein paar Tagen sprach, war ich fast erschuettert ueber ihre Mutlosigkeit. "Ehrlich?" sagte sie zu mir mit einem enttaeuschten Gesichtsausdruck, "ich spiele mit dem Gedanken, Israel wieder zu verlassen."
Sie sei furchtbar einsam hier, habe weder Freunde, mit denen sie sich trifft, noch kommt sie mit der schwierigen Sprache zurecht. 
Schon beim letzten Mal hatte ich ihr vorgeschlagen, mich doch einmal in die Jakar-Gemeinde zu begleiten, es gibt viele junge Menschen dort und ich weiss, dass neue Fremde Menschen meist am Shabbat Einladungen erhalten. 
Sie sagte "Gern", aber bisher ist es nicht dazu gekommen. Auch fragte sie mich, ob ich nicht das, was ich an Hebraeisch kann, mit ihr teilen koenne, und auch in diesem Falle freute ich mich und lud sie ein, zu mir zu kommen, damit wir etwas Konversation ueben koennen. 
Und auch in diesem Falle kam kein Treffen zustande. 
Sie ist Mitte 40 und moechte auf jeden Fall einen Mann und noch Kinder bekommen, wie sie mir sagte. Ich habe einen sehr guten Freund, wie ich Mitte 50, sportlich, sehr nett und religioes, sucht auch eine Frau und moechte auch unbedingt noch Kinder. 
Ich fragte sie, ob sie Interesse habe, ihn kennen zu lernen, er war sowieso offen fuer ein Treffen. 
Aber auch das hat bisher nicht funktioniert. 
Nun erfuhr ich auch, warum sie sich ein wenig zurueck haelt. 
"Weisst du, ich halte nicht so richtig den Shabbat und irgendwie moechte ich das auch nicht.." sagte sie. 
Wie schon erwaehnt gibt es in Israel alle moeglichen Lebenskonzepte. So glaubt sie an G-tt und ich habe sie im Autobus beten sehen. 
Es kann sein, dass sie auf diese Weise ein wenig durch das Netz faellt. Sie passt nicht so recht zu den Saekularen, aber bei den Datiim fuehlt sie sich auch nicht richtig. 

Wenn man keine Gemeinde findet, zu der man auf irgendeine Weise passt, ist es schwer in Israel und man kann sich durchaus einsam fuehlen. 
Ich habe ihr noch einmal gut zugeredet, durchzuhalten und die Anfangsschwierigkeiten zu ueberwinden, sich zu zwingen, soziale Kontakte zu suchen und wirklich einfach mal irgendwohin mitzugehen. 
Mehr kann ich nicht tun obwohl es mir in der Seele wehtut, wenn ich sehe, wie fehl sie sich am Platze fuehlt. 
Am meisten hat mich ihr Grund beruehrt, warum sie ueberhaupt nach Israel kam. 
Auf meine Frage gab sie an: "Aber das steht doch in der Tora! Man soll nach Israel und das Land unterstuetzen. Ich wollte dem Land mit meiner Kraft helfen, als Juedin!"
Was fuer ein edles Motiv! 
Es kann doch nicht sein, dass solch ein Mensch mit so aufrichtigen Motiven hier in Israel scheitert?

Das Ding mit der Gasmaske - Teil 2

Eigentlich schon Teil 3, denn ich war das erste Mal vor einigen Wochen bei der Gasmaskenverteilungsstelle in Talpiot, wurde wieder fortgeschickt, da ich vor 2 Jahren eine nagelneue bekommen hatte, und diese waehrend meines Deutschlandaufenthaltes bei Freunden im Gewuehl verschwunden ist. Man riet mir, Pikud haOref anzurufen, um dann eine Strafgebuehr fuer die verschwundene Maske zu zahlen. Pikud haOref sagte mir am Telefon, ich muesse 70 Shekel zahlen. 
Nachdem ich bei der Post diese 70 Shekel (etwas weniger als 15 EUR) eingezahlt hatte, den Bon mitnahm und erneut 3 Stunden (!!) in der Verteilungsstelle gewartet hatte, schickte man mich wieder fort, mit dem Hinweis, dass 70 Shekel nicht genug seien. Schliesslich waere es eine neue Maske gewesen und in den Computern von Pikud haOref gab es einen Eintrag, dass mir keine zusteht. 
Ich merkte noch an, dass mir Pikud haOref diese Summe genannt hatte, aber es hatte keinen Zweck. 
Nun wendete ich mich erneut telefonisch an Pikud haOref (den israelischen Zivilschutz) und eines muss ich wirklich betonen - sie sind furchtbar nett dort. 
Man erklaerte mir, dass einen neue Maske 202 Shekel kostet (das sind ca. 40 EUR) und ich ein Formular zugeschickt bekaeme, mit dem ich wieder zur Post muesse um den Betrag einzuzahlen. Wenn ich dann den Kassenbon faxen wuerde, wuerde ich automatisch berechtigt sein, eine neue Maske zu bekommen. 
Ein Nachbar meinte noch zu mir, es seien doch eh nicht ausreichend Masken fuer jeden vorhanden und so bin ich gespannt wann ich wohl endlich diese bloede Maske in den Haenden halte. 
Jedenfalls bekam ich gestern das Formular, ging heute damit zur Post und habe den Differenzbetrag von 135 Shekel bezahlt. 
Gefaxt ist die Rechnung auch schon, und nun warte ich auf eine Bestaetigung dass ich mir eine abholen kann. 
Und - wie schon mehrfach erwaehnt - man spricht kaum darueber, und man macht Witzchen, dass solche Masken sowieso im Ernstfall nichts nuetzen werden - aber so gut wie jeder holt sich eine. 

Mittwoch, 5. September 2012

Muede vom Leben = lebensmuede?

Nein, dies ist kein Beitrag ueber selbstmordgefaehrdete Menschen. 
Ob ihr es kennt, manchmal recht "muede vom Leben" zu sein, weiss ich nicht. Ich jedenfalls kann es nicht anders beschreiben, als mit diesem sehr zweideutigen Satz. 
Er spiegelt das Gefuehl einer gewissen Erschoepfung und Muedigkeit wider von dem, was man bereits "hinter sich gebracht" oder erlebt hat.
All die Ereignisse und Lebensabschnitte voller Freude, Enttaeuschungen, Entbehrungen, Aengste, Arbeit und Einsatz in jeglicher Form fordern uns Menschen doch einiges an Anstrengungen ab. 
Und so manches Mal habe ich das starke Beduerfnis, von all diesen Jahren und Jahrzehnten ausruhen zu wollen, einen furchtbar ausgedehnten langen Urlaub zu machen mit endlos viel Ruhe und Naehe zur Natur, Einkehr und Besinnung und eventuell ein wenig Musik ab und zu. 
Ich moechte die Jahre des Einsatzes fuer ein Ziel oder das Ackern um zu "ueberleben" allein mit zwei Kindern, an mir vorbeiziehen lassen und mir sagen koennen: Und jetzt ist genug gerackert. Jetzt darfst du dich hinsetzen, spazieren gehen, lesen und die Landschaft betrachten, jeden Tag die unterschiedlichen Farben des toten Meeres oder der Wueste mit Freude betrachten und einfach Nichts tun muessen, zu keinem Zeitpunkt irgendwo sein muessen und keine Termine einhalten muessen. 
Die einzige Verpflichtung, die ich haette, waere genug gesunde Dinge zu essen, damit ich all das Schoene um ich herum geniessen kann. 
Ich wuerde nur passiv geniessen und die Tora mitnehmen. Die hebraeischen Buchstaben, und der Geist, der mich aus ihnen heraus "umwehen" wuerde, wuerden mir Staerkung und Kraft sein. 
Ich bin nicht lebensmuede, im Sinne von "ich will nicht mehr leben", sondern fuehle einfach eine sehr starke Erschoepfung vom bisher Gelebten. 
Ich bin noch nicht alt, und doch war es schon so viel. Viel Freude und Spass hatte ich bisher, aber auch viel Muehen und Multitasking, was heute gar nicht mehr ohne grosse Anstrengung moeglich ist. 
Ich moechte mehr ohne diese Anstrengung tun und einfach einmal vor mich hin leben. In langsamem Tempo, so, wie ich es gar nicht - oder sehr wenig - kenne.
Da dies natuerlich - wenn ueberhaupt - erst im Rentenalter moeglich sein wird, welches noch mehr als ein Jahrzehnt von mir entfernt ist, wuerde ich mir gern Oasen in den Alltag einbauen, aber das notwendige Geldverdienen fuer den Lebensunterhalt erfordert mehr als nur ein "langsames Leben" - leider. 
Umso mehr Nischen waehle ich mir, in denen ich auch allein sein kann, einfach SEIN kann, ohne Einladungen, ohne Gespraeche, nur ich mit mir allein und unser grosser G-tt mit mir, der mich sowieso so sein laesst, wie ich bin.
Wenige verstehen diese selbstgewaehlten Rueckzuege, und wenn ich nicht arbeiten wuerde, braeuchte ich sie wohl auch viel weniger.
Doch wenn man 9 Std. jeden Tag von Menschen umgeben ist und konzentriert einer Arbeit nachgehen muss, ist der Ausgleich zwingend erforderlich.
Ohne diese Nischen und kleinen Oasen koennte ich nicht mehr sein. Sie zentrieren mich wieder auf das Wesentliche und bringen mir neue Energie um wieder ein Stueck des anstrengenden Weges zuruecklegen zu koennen.