Sonntag, 28. Oktober 2012


Spielplatz aus Schutzraeumen


Das juengste Projekt in Sderot: Ein Spielplatz mit bunten Schutzraeumen in Form von grossen Raupen. Auf dem kleinen Schild steht: Beim Ertoenen von Zewa Adom bitte sofort hineinlaufen und sich hinter der dort a
ufgezeichneten orangenen Linie in 
Sicherheit bringen.
Der bunte Bunker ist eine Spende einer christlichen Organisation und ein Vorlaeufer des Spielplatzes.

Sderot - ein ungewoehnlicher Besuch

Zunaechst einmal ein grosses Dankeschoen an Odeliya, die uns durch Sderot gefuehrt und uns vieles vom Alltag der Sderoter Bevoelkerung erklaert hat. 
Diese Raketen und viele mehr (insgesamt 7000 seit 2001) sind in Sderot und Umgebung niedergegangen. 
Diese, wie sie in den Medien oft als "selbstgebastelte" Raketen beschrieben werden, sind alles andere als ein Bastelsatz. Fuer ihre Herstellung wird alles genommen, was man bekommen kann, Leitungen, Rohre usw. Das, was die toedliche "Fuellung" ausmacht, sind Schrauben, Naegel, und andere Materialen, mit denen sie vollgestopft werden. Die meisten Menschen werden verletzt oder getoetet von den umherfliegenden Splittern, die sich in menschliche Koerper bohren. 
Odelyia wusste von einigen Freunden zu berichten, die so zu Tode gekommen waren. 
Das Warnsystem in Sderot heisst "Zewa Adom" (zu deutsch: rote Farbe) und klingt aus allen Lautsprechern der Stadt, um die Bevoelkerung zu warnen. 
Erklingt "Zewa Adom" (ausgeloest durch ein Radarsystem, das erkennt, wenn eine Rakete aus Gaza "abgeschickt" wird) bleibt der Bevoelkerung ein Zeitraum von 15 sek., um sich in Sicherheit zu bringen, bevor die Rakete einschlaegt. 
(Wer moechte, kann sich HIER ein eindrucksvolles Video anschauen, um zu verstehen, wie es ablaeuft in Sderot. Das, was man hier sieht, ist fuer die Bevoelkerung, fuer Maenner, Frauen und Kinder normaler Alltag)
Odeliya erzaehlt, dass sie, falls sie auf dem Weg im Auto mit ihren 5 Kindern von Zewa Adom ueberrascht wird, keine Zeit hat, die 5 Kinder und sich selbst in einen Schutzraum zu bringen, dafuer reichen 15 sek. nicht. 
"Ich drehe dann das Radio und die Musik lauter, um die Kinder nicht in Panik zu bringen und fahre so schnell es geht in Richtung Zuhause..." sagt sie. "Und ich hoffe, dass ich eher ankomme, als die Rakete faellt, und wenn sie faellt, dass sie uns nicht erwischt."
Wir schlucken ein paarmal, als sie davon erzaehlt. 
"Schaut euch die Raketen und die Grads genau an, ihr duerft alles anfassen." Odeliya hat bei der Polizei fuer uns vor ein paar Tagen die Genehmigung eingeholt, uns auf den Innenhof zu fuehren, wo die eindrucksvolle Raketensammlung von Jahren lagert. 
"Jede Rakete, die zu uns heruebergeschossen wird, traegt ihren Absender" erklaert sie, "die Organisation, die hinter dem Abschuss steckt, will dass wir wissen, von wem sie stammt." 
Ein arabischer Absender. 
"Und was steht dort in hebraeisch?" fragt Micha. 
"Unsere Polizei schreibt auf die Rakete das Datum, wann sie bei uns landete und den Ort, wo."

Wir duerfen die Raketen anfassen und tragen, und spueren dabei, wie schwer sie sind, auch ohne die Fuellung. Wer davon voll getroffen wird, ist wohl sofort tot. Es ist ein Wunder, dass so viele Raketen durch Zufall aufs freie Feld fallen. 
Die Reichweiten der Raketen werden immer laenger. Auch das erklaert uns Odeliya und fuegt hinzu, dass dadurch Sderot in der letzten Zeit oft "verschont" wird, weil die Raketen ueber sie hinweg in Richtung Ashdod, Ashkelon oder Beer Sheva fliegen. 
"Aber dort gibt es keine Schutzraeume so wie bei uns, " sagt sie, "einmal waren mein Mann und ich in Beer Sheva, als es Alarm gab. (In Beer Sheva, Ashkelon und Ashdod gibt es eine Sirene, die warnt, kein Zewa Adom). Wir wussten gar nicht wohin, da nirgendwo ein Schutzraum in der Naehe war. Ich sagte zu meinem Mann, komm, lass uns schnell wieder nach Sderot zurueck. Da koennen wir uns wenigstens in Sicherheit bringen."
Makaber. 
"Einer meiner Soehne hat ein kleines Trauma. Jedesmal wenn es Zewa Adom gibt, kreischt er ganz laut und wir koennen ihn kaum beruhigen. Seit er einmal von seinen Freunden allein gelassen wurde, als Zewa Adom kam, und alle sich in Sicherheit brachten, ohne an ihn zu denken, hat er dieses Trauma."
Weiter erklaert sie: "In den Kindergaerten und Schulen wird den Kindern beigebracht, dass Zewa Adom nicht die Bedrohung ist. Zewa Adom ist dein bester Freund, so heisst es dort. Zewa Adom warnt dich und sagt dir:: Bring dich schnell in Sicherheit!"

Alle 300 m gibt es in Sderot einen Schutzraum, an den Bushaltestellen. Kleine Bunker, die innen nach Urin und Abfall stinken, denn sie werden leider von herumstreunenden fuer ihre Notdurft benutzt. 
"So manches mal habe ich schon das Risiko im Freien dem Schutz im stinkenden Schutzraum vorgezogen." sagt Odeliya. 

Ich habe ein merkwuerdiges Gefuehl, waehrend wir durch die Strassen gehen. Erst einen Tag vorher sind hier im Umkreis von Gaza 80 Raketen eingeschlagen. Terror!
Taeglicher Terror, dem die meisten nicht einfach durch einen Umzug entgehen koennen. In erster Linie haben die Menschen kein Geld, um irgendwo anders hinzuziehen, erklaert uns Odeliya. Und manche sagen auch: Ich werde niemals hier wegziehen, egal wie schlimm die Situation wird. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, ich werde Sderot nicht verlassen."

Angst ist es nicht direkt, die ich fuehle, aber ein mulmiges Gefuehl. Ich schaue mich insgeheim nach dem naechsten Schutzraum um und versuche mir vorzustellen, wie es ist, wenn im naechsten Moment der Lautsprecher "Zewa Adom" ausrufen sollte. Ich bin allein auf der Strasse, gehe in Richtung Canyon, um einen Cafe zu trinken. Wenn es Alarm gibt, werde ich dann allein in den naechsten Bunker rennen und dort darauf warten, dass ich den Einschlag hoere? Alleinsein moechte ich nicht. 
Im Canyon vor dem Cafe kann ich mich nicht beherrschen und frage die Bedienung, wo der naechste Schutzraum ist. "Direkt bei uns im Cafe!" sagt sie wie selbstverstaendlich. 
Als ich ein wenig verschaemt erklaere, dass ich aus Jerusalem komme, belaechelt sie mich nicht, zu meinem grossen Erstaunen. 

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Dankbarkeit

Ist es nicht unglaublich? Ich bin gerade mal wieder sieben Monate im Land und habe doch schon wieder alles, was ich zum Leben und zum Gluecklichsein brauche. 
Auch wenn die ersten Monate wie ein kleiner Alptraum waren, zumindest in Bezug auf Arbeit, es es doch im Rueckblick nur eine kleine Zeitspanne gewesen, fuer eine ueber 50 jaehrige, die zum 2. Mal in einem neuen Land mit 0 und einem Koffer anfaengt. 
Es ist nicht selbstverstaendlich, dass ich fast die ganze Zeit ueber Arbeit hatte (wenn ich auch ein wenig gelitten habe, unter Chefs, die ihren Angestellten gegenueber nicht wohlgesonnen waren). 
Immerhin habe ich eine kleine gemuetliche Wohnung gefunden, habe sehr viel an Moebeln, Geschirr und Waesche von Freunden geschenkt bekommen und nun auch seit ein paar Wochen eine Arbeit, die mir Spass macht. 
Bin ich nicht ein Glueckspilz? 
Ich geniesse die geistige Nahrung, jeden Shiur, den ich in Anspruch nehmen darf und die Freunde, die mir Inspiration und Staerkung auf spiritueller Ebene geben. 
Ich fuehle mich unglaublich reich beschenkt und schicke dafuer jeden Tag mehrmals eine Dankesbotschaft zum Himmel. 
Ich darf - wenn ich Lust habe - jede Woche zum Meer fahren und spaziere dort, wo andere nur einmal im Jahr Urlaub machen. 
Die Parasha des kommenden Shabbat ist immer auch irgendwie "meine". 
Lech Lecha (geh vor dich hin, aus deinem Land, deiner Heimat, aus dem Haus deines Vaters in ein Land, das ich dir zeigen werde)
Und ich bin gegangen....

Mein Donnerstag

Der Donnerstagmorgen gehoert mir. Ich muss erst um 15h arbeiten, und geniesse jede Minute  des Vormittags. 
Etwas laenger schlafen, anschliessend bei Musik aus dem Radio in Ruhe fruehstuecken und den Shabbatputz beginnen. 
Da ich gestern noch ein Besteck geschenkt bekam (Dank an Micha und Heidi!) bin ich anschliessend zur Mikwe, um alles unterzutauchen. 
Ein kleiner Einkauf und den Shabbat so gut wie moeglich vorbereiten. 
Morgen frueh werden wir dann nach Sderot aufbrechen und eine Frau treffen, die uns im Namen der Stadt begruessen und herumfuehren wird. Wir werden sehr wahrscheinlich einen Schutzraum fuer Kinder sehen koennen und die gesammelten Raketen in Sderot.
Erst gestern ist die Situation wieder einmal eskaliert. Es flogen am Morgen bis zu 80 Raketen von Gaza auf den Sueden Israels. 
In der Nacht gab es eine Art "Abkommen zur Waffenruhe" mit der Chamas, durch die Vermittlung von Aegypten. 
Da der Shabbat schon um 16:20 beginnt, muss ich bis dahin zurueck sein. 
Ich werde nach Shabbat ausfuehrlich berichten. 

Sonntag, 21. Oktober 2012

Samstag, 20. Oktober 2012

"Solidaritaetsbesuch" in Sderot

Micha und Heidi, die inzwischen gelandet sein muessten, wollen Sderot einen Solidaritaetsbesuch abstatten und ich bin dabei, ein wenig zu organisieren, damit wir nicht so unkoordiniert dort herumlaufen. Meine Freundin meinte, es sei schon besser, zumindest eine halbe Stunde mit jemandem dort zu sprechen, der uns etwas ueber die taegliche Situation erklaeren kann, der die Bewohner seit Jahren ausgeliefert sind. 
Ein guter Freund gab mir die Nummer eines Bekannten, dessen Sohn in Sderot wohnt. 
Und - als ich ihn anrief stellte sich heraus, dass ich die Ehefrau kenne, sie war einmal mit mir in einem Kurs zusammen. Tja - Jerusalem ist wirklich ein Nest, wenn sogar ich als erst 2009 Eingewanderte staendig auf Bekannte stosse, die ich aus anderen Kontexten her kenne. 
Mal sehen, ob ihr Sohn uns weiterhelfen kann und jemanden in Sderot mobilisieren kann, der uns ein wenig erzaehlen wird. 
So wird es naechste Woche Freitag dann nach Sderot gehen. 
Ich bin sehr gespannt darauf, denn ich war noch nie dort. 

Freitag, 19. Oktober 2012

Dienstag, 16. Oktober 2012

Mein neuer Alltag

Also, was macht man an der Kabbala (Rezeption, von lekabel = empfangen, bekommen) in einem Altenheim?
Falls es euch interessiert, werde ich ein wenig plaudern, von meinem Alltag zurzeit, der mir trotz des hohen Arbeitsaufwandes grossen Spass macht, nicht nur deshalb, weil ich mich in meiner Lieblingssprache nun den ganzen Tag "suhlen" und austoben kann und viel dazu lerne. 

Morgens komme ich um 7 Uhr zur Arbeit, meine Schicht geht bis 15h - ausser Donnerstags, an diesem Tag arbeite ich von 15-23 Uhr. 
Nachdem ich den Nachtdienst abgeloest habe und weiss, ob etwas Besonderes vorgefallen ist, finde ich die Zeitungen derer vor, die ein Abbonement haben. Haaretz, (am meisten vertreten, viele politisch linksorientierte Bewohner also) Maariv und Yediot Acharonot. Ich muss dafuer sorgen, dass diese im Haus verteilt werden, anderenfalls kommt bereits nach einer halben Stunde der erste Anruf, wo die Zeitung bleibt. 
In einer Kladde finde ich besondere Vorkommnisse, was die Bewohner betrifft vor, wer ins Krankenhaus kam, wer zu den Kindern fuhr fuer wieviele Tage. 
Dies ist wichtig fuer meine "Guten-Morgen-Liste". 
Die Guten-Morgen-Liste enthaelt alle diejenigen Bewohner, die selbststaendig wohnen, die auch nicht zum Essen in den Speisesaal kommen, wo einem also entgehen koennte, wenn ihnen etwas passiert in ihren Appartements. Diese werden angerufen, zu bestimmten, selbstgewaehlten Zeiten. Manchen ist es egal, wann sie von meiner Stimme in den Tag gerufen werden, manche wollen erst um 8 oder 8:30 angerufen werden, bei einigen steht der Vermerk "nicht am Shabbat", weil sie religioes sind und am Shabbat nicht telefonieren. (diese werden dann am Shabbat von jemandem aufgesucht - persoenlich)
Einige tragen den Vermerk "ruft selbst an", wobei man natuerlich auch jene im Auge halten muss, wenn sie denn bis 10Uhr nicht angerufen haben. 
Die meisten freuen sich, morgens meine Stimme zu hoeren und haben sogar heute gefragt, ob ich wieder gesund bin. 
Gleichzeitig kommen immer wieder Anrufe von aussen an, die weitergeleitet werden muessen, an die Kueche, an die Sozialarbeiterin, an den Chef, an die Station mit den Pflegebeduerftigen, an die Kulturverantworliche usw. 
Die "Intercom" klingelt eigentlich pausenlos, das ist die Klingel an verschiedenen Toren des Heimes, einschliesslich des Parkplatzes. Mitarbeiter kommen zur Arbeit und moechten hineingelassen werden, private Pflegerinnen moechten ins Haus, Lieferanten von Gemuese und anderen Guetern moechten auf den Parkplatz. Alle habe ich durch meine Cameras im Blick, alle Tore sind camera-ueberwacht und auf dem Parkplatz haben eigentlich nur drei Leute etwas zu suchen, evtl. noch Techniker oder Lieferanten. (sonst krieg ich einen drauf, wenn ich den Parkplatz zustelle, viele moechten natuerlich gern die Parkplatzsuche in den umgebenden Strassen umgehen... )
Im Prinzip muesste ich jeden, den ich nicht kenne, fragen durch die Intercom-anlage, was er bei uns sucht. Es koennte ja mal ein Attentaeter sich "Altenheim" zum Ziel machen, und wer ihn dann hereingelassen hat, bin ich. So muss ich doch meist schauen, wer mir nicht verdaechtig aussieht oder wer schon. (Nicht einfach, ehrlich gesagt, jedenfalls noch nicht einfach.... und ich habe schon ein wenig Schiss vor der Verantwortung, wenn etwas passieren sollte...)
Vor mir liegt staendig eine Liste, die das Rausgehen und Zurueckkommen JEDES Bewohners dokumentiert. Jeder muss ueber die Kabbala, wenn er raus geht oder wieder kommt, muss mir Bescheid geben, damit ich weiss, wann er das Haus verlassen hat, im Zweifelsfalle, falls er nicht zurueckkommt. 
Keiner muss mir sagen, wo er hinfaehrt, aber viele tun es doch. "Ich geh nur mal eben ueber die Strasse zum Gemuesehaendler, im Prinzip brauchste mich nicht aufzuschreiben, ich bin sofort wieder hier..."
Natuerlich MUSS ich ihn doch auf schreiben, auch beim Ueber-die-Strasse-gehen kann einem was passieren. 
Dies ist eigentlich zurzeit die schwierigste Aufgabe. Warum? Was ist dabei die Menschen zu dokumentieren?
Eigentlich nichts. 
Nur bei mir laeuft alles parallel. Mein Gehirn, das Multitasking so hasst, meckert schon die ganze Zeit aber es hilft nix, Multitasking MUSS hier sein. Also Meckern hilft ihm nicht viel. 
Da steht ein Bewohner vor mir und erzaehlt mir lang und breit, welche Gluebirne bei ihm im Salon durchgebrannt ist (was ich in einer gesonderten Kladde fuer die Techniker, die Hausbereitschaft notiere), gleichzeitig ruft mir in Wortfetzen eine Frau im Vorbeigehen zu: "Ich geh dann mal, beseder? du weisst schon!"
Nee, Moment, ich weiss gar nichts, ich weiss weder, wer du bist, noch in welchem Zimmer du wohnst, muss also die Frau mit der Gluehbirne einen Moment in ihren Beschreibungen unterbrechen, da ich die andere Dame sonst nicht mehr erwische auf dem Weg nach draussen. 
"Aber ich geh doch IMMER Dienstags raus, und das war noch nie ein Problem."
"Ist auch jetzt kein Problem, nur ich kenne bisher erst einen Bruchteil der Bewohner, geschweige denn ihre Gewohnheiten und deinen Namen habe ich mir auch nicht gemerkt. Sorry!"
Manchmal weiss ich nicht, wer jetzt zur Tuer hinausgeht, ist es ein Bewohner oder eine Pflegerin, oder ein Angehoeriger. "Hey, Moment mal, verlassen Sie das Haus zufaellig, wie ist denn Ihre Zímmernummer" (kommt dann bei einem Verwandten nicht so gut, gell?)

Auch beim Zurueckkommen melden sich viele nicht zurueck, einige merken es im Zimmer und rufen mich an, andere vergessen es ganz - denen telefoniere ich dann spaetestens am Mittag hinterher. 
Wer zurueck kommt ist von den bisherigen Mitarbeitern natuerlich gewohnt, dass ein Handheben im Vorbeigehen genuegt. "Aber ich hab doch gewunken, und Sie haben mich gesehen, ich dachte, sie schreiben mich auf."
Nee, das freundliche Winken hab ich noch nicht mit "Ich melde mich zurueck" in Verbindung gebracht. 
Sorry nochmal. 
Puh. Schwitz - und ich muesste auch mal zur Toilette, aber ich darf die Kabbala nicht verlassen, ich muss schnell jemanden finden, der mich mal abloest. Die "unterstuetzende Abteilung" (Tomech) gleich hinter mir hat ein paar Pflegerinnen, die sich schon mal vorn hinsetzen, waehrend der Rezeptionsmensch zur Toilette geht. Ah, Glueck gehabt, Raja hat Zeit. 
Autsch, hab ganz vergessen, dass der Chef immer Musik im Eingangsbereich moechte, die Menschen moegen das - und ich natuerlich auch. 
Aber dafuer muss ich fuer ein paar Augenblicke meinen Platz verlassen und in den hinteren Bereich der Halle, die Anlage anwerfen - und auch noch angenehme Musik heraussuchen. Vielleicht nehme ich mal morgen was von mir mit. 
In der Zeit wo ich die 10 Schritte zur Anlage unterwegs bin klingelt ein Tor und das Telefon und ich haste schnell zurueck. Ein Mitarbeiter raucht direkt vor der Terrassentuer - dies ist nicht erlaubt und auch darauf muss ich achten. 
Nun klingelt aber ein anderer Ton - der Alarm im Aufzug - genaus gesagt in EINEM der 6 Aufzuege im Haus. Ich renne hinter mir zur Anlage und betaetige den Knopf fuer die Konversation, frage nach, wer drin ist und was passiert ist. Steckengeblieben, oder einfach nur versehentlich den Alarmknopf gedrueckt?
Falscher Alarm - wunderbar. 
Die Gegensprechanlage wird jeden Morgen von einem der Hausbereitschaft mit mir geprueft, er klingelt aus einem der Aufzuege und ich antworte ihm, wenn die Konversation einwandfrei erfolgen kann ist alles in Ordnung. 

Es klingelt wieder - erneut ein neuer Ton. FEUERALARM. Die riesige Tafel mit den Zeichen leuchtet auf. Das rote Licht, also nicht nur "Stoerung im System" , was man nicht so sehr beachten muss, da reicht es wenn der Haustechniker Bescheid bekommt, im Laufe des Morgens. Nein die rote Lampe heisst FEUER. 
Das bedeutet, zeitgleich geht dieser Feueralarm zur Feuerwehr in Jerusalem. Ich muss mich beeilen, sie anzurufen, damit sie einen Moment warten, bis wir klaeren, was wirklich dran ist, am Alarm. Auf der grossen Tafel eine Taste gedrueckt, die dann verursacht, dass mir genau beschrieben wird, WO welcher Feuermelder anschlaegt. Beispiel: In der Kueche neben dem Ofen.. oder in der Se´udit Alef im Zimmer 14 im Salon.
Ich rufe dort an oder laufe selbst hin, denn jetzt in diesem Falle darf ich alles Stehen und Liegen lassen, nehme mein Handy mit und verlasse die Rezeption. In den meisten Faellen kann ich aber dort anrufen, jemanden hinschicken vom Personal, der dann klaert, ob es ein angebrannter Toast war, der den Alarm verursacht hat. Entweder rufe ich dann die Feuerwehr an, und gebe Entwarnung, oder sie melden sich und fragen nach: "Na, ist bei euch alles in Ordnung??" 
"Ja, haben alles geklaert. Ihr koennt bleiben!"
Es waere wirklich schweineteuer, wuerden sie jedes Mal angerueckt kommen, bei einem angebrannten Toast. 
So, nun erst, nachdem alles geklart ist, darf ich das System wieder auf RESET (IPUS) setzen. 

"Wann wird meine Waesche abgeholt"
"Wann ist heute Bridge?"
"Ist heute Gymnastik und mit wem?"
"Haben wir heute Aktualia und mit welchem Thema?"
"Ist heute Rikudej Am (Volkstanz)?"
"Koennten Sie mir ein Taxi rufen?"
Sind Fragen, die ich beantworten muss. 
Das ist ein grober Ueberblick ueber meine Aufgaben und nebenbei moechte noch jemand eine Kopie gemacht bekommen, oder ein interessierter Buerger fragt nach, ob es fuer den Vater oder die Mutter noch freie Plaetze bei uns gibt. 

Klingt viel, oder? Trotzdem muss ich sagen, dass die meisten sehr freundlich sind und ich mich in der Atmosphaere gut fuehle bisher. 
Mein Weg zur Arbeit dauert genau 5 min. zu Fuss und fuehrt mich durch die schoensten gruensten Strassen von Jerusalem. Morgens hoere ich die Voegel, geniesse die Sonnenstrahlen, die noch nicht so heiss sind und bin dankbar, dass ich mich nicht in einen Bus quetschen muss. 
Ich kann mich also recht gluecklich schaetzen zurzeit. Baruch HaShem Yom Yom!

Montag, 15. Oktober 2012

"Maami"

Vor einigen Jahren, als ich noch nicht das Ausmass des Gebrauches des Wortes "Maami" in Israel kannte, sagte jemand an der Kasse zu mir: "Kol Tuv, Maami!" (Alles Gute, Mami)
Oops, dachte ich, so alt sehe ich also schon aus!
Ima heisst Mama und was heisst dann "Maami?"
Aus Deutschland kannte ich es, dass man mit "Muetterchen" oder aehnlichem nur tituliert wird von fremden Menschen, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. 
Also gut. Es schien so, dass ich dieses inzwischen erreicht haette. 
Einige Zeit spaeter hoerte ich ein Gespraech zweier Freundinnen im Park, beide waren etwas Mitte 20. Ploetzlich sagte die eine zur anderen: "Aval, Maami, ma at rotza?" (Aber Mami, was willst du denn?)
Oh, das passte so gar nicht zu dem, was ich meinte, ueber "Mami" gelernt zu haben. 
Aha, also scheint es nicht vom Alter abzuhaengen resuemmierte ich. Junge Frauen werden genauso mit Maami angesprochen. 
Monate gingen ins Land und ich hoerte, wie der Freund zu seiner Freundin "Maami" sagt und in vielen anderen Variationen. 
Eine Bekannte sprach ploetzlich ihr zweijaehriges Toechterchen mit "Maami" an und fuer mich der letzte Beweis, dass es furchtbar egal ist, wer da vor einem steht, war die Tatsache, dass auch ein Mann mit "Maami" angesprochen wird. 
Maami ist einfach ein Kosewort fuer alle. Der Gemuesehaendler sagt es zum Kunden, die alte Dame zu ihrem Enkel, es ist einfach universal nett gemeint. 
Wobei meist das "a" etwas in die Laenge gezogen wird, weshalb ich es mit zwei "aa" geschrieben habe. 
Viel Spass in Israel und seid nicht beleidigt, wenn man euch mit "Maami" anspricht. Es ist einfach nett gemeint, so wie "Motek" (Suesse, aber auch Suesser!, nicht mal im deutschen Sinne von suess, oder Chamud, oder Maksim oder Neshama (Seele)

... der uns mit seinen Geboten geheiligt hat und uns befohlen hat, Geschirr unterzutauchen

Neu gekauftes Geschirr muss im Judentum "gekaschert" werden. Es muss untergetaucht werden in "lebendigem Wasser". (Quellwasser z.B. oder in einem Fluss, in fliessendem Wasser).
Im 4. Buch Mose (31:23) heisst es: "...Ihr muesst das Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei, ueberhaupt alles, was Feuer vertraegt, durchs Feuer gehen lassen. Dann wird es rein. Dazu muss es jedoch noch mit Reinigungswasser entsuendigt werden. Alles aber, was kein Feuer vertraegt, muesst ihr durchs Wasser gehen lassen..."
Ich hatte noch einen Satz Besteck geschenkt bekommen, vor kurzem, womit ich noch nicht in der Mikwe war. Man findet in der Regel Koerbe vor, in die man das Geschirr hineingeben kann, um es unterzutauchen und damit es von allen Seiten umspuelt werden kann. 
Vor dem Untertauchen ist ein Segensspruch zu sagen
Baruch Ata HaShem, Elokejnu, Melech haOlam ascher Kidschanu beMizwotaw veziwanu al Twilat Celim
(Gelobt seist du Ewiger, unser G-tt, Koenig der Welt, der uns mit seinen Geboten geheiligt hat, und uns befohlen hat, Geschirr unterzutauchen)
Oft trifft man dort andere Menschen oder Bekannte, mit denen man dann ein "Schwaetzchen" haelt.
So traf ich dort gerade den ehemaligen Verantwortlichen ueber mehrere Altenheime in Jerusalem, Elieser, der mir vor einiger Zeit helfen wollte einen Job zu finden. er fragte mich nun, wo ich arbeite und war positiv angetan von meiner Arbeitsstelle. "Gutes Haus, sehr gute Leitung!" meinte er. 
Und so machten wir uns beide dann wieder mit unserem Geschirr auf den Weg nach Hause..
(Wer etwas mehr ueber Mikwe lesen moechte, HIER bin ich ueber ein Buch von Pauline Bebe gestolpert. Ob es gut ist und fundiert, weiss ich nicht, aber die Leseprobe hoert sich recht spannend an.)

Mikwe fuer Geschirr

In meiner Naehe, am "Stuebelach" gibt es auch eine Mikwe fuer Celim, fuer Geschirr. 

Ich sag´s ja

Ich sag ja immer, dass ich mich sehr sehr oft schon danach sehne, in Rente zu gehen (vorausgesetzt, von der Rente koennte man in Ruhe und Frieden leben natuerlich). 
Auch krank sein koennte man dann einfach mal ohne sich Sorgen zu machen, ob man noch genug Krankheitstage hat und ob man sich einen weiteren Tag leisten kann. Sich einfach die Zeit nehmen zu koennen, dem Koerper sein Tempo zu lassen, sich genug auszuruhen, der Erschoepfung die das Leben nun einmal so mit sich bringt, nachgeben zu koennen. 
Zum anderen kommen in einer Woche liebe Freunde aus Deutschland, die ich ausgerechnet durch mein Blog kennen gelernt hatte - die Freundschaft ist geblieben, und war kein "Einmal-produkt". 
Sie haben mich bisher immer wenn sie hierwaren irgendwohin mitgenommen, wohin ich allein und ohne Auto eher nicht komme. Wir waren zusammen in Ein Ovdat und in Hebron. Sie haben mich unterstuetzt, wo sie konnten und sogar ein paar Buecher fuer mich nach Deutschland geschleppt, als ich wieder zurueckging (und sich damit am Flughafen in schwierige Befragungen begeben. Nochmal danke dafuer, Micha u Heidi).
Kurz: Immer fragen sie, bevor sie kommen, womit sie mir eine Freude machen koennen. Ich schaetze diese Menschen sehr und freue mich, dass solche Freundschaften moeglich sind zwischen Juden und Christen, ohne Missionierungsgedanken, ohne Versuche, die Meinung des anderen zu aendern. (und das, wo ich ja wirklich in hoechster Alarmbereitschaft bin, wenn ich sehe, wie lang der Atem derer ist, die sich hier in juedische Kreise regelrecht "einschleichen", um dann an irgendeinem Punkt ihre neuen Freunde in eine Richtung zu draengen).
Sie werden also wieder in einer Woche hier sein und Israel geniessen. Ich wuerde zu gern mit ihnen mal sehr viel laenger unterwegs sein, einfach mal einen riesenlangen Tag von morgens bis abends, ohne auf die Uhr schauen zu muessen. 
Auch das geht zurzeit leider wieder nicht. Wir werden uns mit einem Ausflug an einem Freitag begnuegen muessen, wo ich doch schon in dieser Jahreszeit um spaetestens halb 4 wieder hier zu Hause in Jerusalem sein muss, weil Shabbat beginnt. 
Als Rentnerin koennte ich einfach mit ihnen los, von morgens bis abends, nach Tverja, zum Kinneret, nach Rosh HaNikra oder in den tiefsten Sueden. 
Auch Sderot wollte ich mit ihnen einen Solidaritaetsbesuch abstatten, aber in der letzten Zeit ist es "dort unten" so unruhig geworden, teilweise flogen 50 Raketen an einem Tag herueber auf israelischen Boden. Ich bin mir nicht sicher, ob es zurzeit so ratsam ist. 
Nun werde ich mich aber doch auf das freuen,was wir zusammen sehen werden koennen. Vielleicht zu den heissen Quellen in der Naehe von Tiberias? Oder in einen der Nationalparks, Tel Dan oder so? Was meinst du Micha?

Freitag, 12. Oktober 2012

Krank im Bett

Seit vorgestern krank im Bett mit schlimmem Durchfall. Selbst das Aufstehen und zum Computer gehen (2 Schritte) faellt schwer und ich lege mich sofort wieder hin. 
Aber ich MUSS auf die Beine kommen bis Sonntag, denn jeder Krankheitstag wird mir vom Gehalt abgezogen. In Israel sammelt man die zustehenden Krankheitstage (pro Monat einer) erst an, sozusagen. Also nach 2 Monaten stehen einem 2 Tage zu usw.
Wenn man aber wie ich erst 2 Wochen arbeitet....

Dienstag, 9. Oktober 2012

Wieder bei Sharon...

Erinnern sich einige noch an "meine" Sharon? (ich schrieb ueber sie HIER und HIER, oder HIER, und ganz am Anfang auch HIER)
Sharon ist an Demenz vom Typ Alzheimer erkrankt, Mitte achtzig und koerperlich sehr ruestig. Geistig hingegen ist die Alzheimerkrankheit so weit fortgeschritten, dass sie mich auch nach einem Jahr mit taeglichen Besuchen nicht kennt. 
Ich bekomme ploetzlich einen Anruf von der Tochter von Sharon. Sie sucht gerade wieder nach jemandem, der ein paarmal die Woche nach ihr sieht und sich mit ihr unterhaelt. 
Ach Sharon - wie oft habe ich in Deutschland an sie gedacht und mich danach gesehnt, in ihrem Wohnzimmer zu sitzen und mit ihr "Sharti lach Artzi" anzuschauen, die alten Lieder mitzusingen. 
Und nun war ich heute nachmittag zum ersten Mal wieder bei ihr, es war, als habe ich gestern abend erst ihr Haus verlassen und wir haben natuerlich - "Sharti lach Artzi" gesehen und die alten Lieder gesungen. 
Sharon ist kaum gealtert in diesen 1 1/2 Jahren und ich freue mich. 
Der Heimweg katapultierte mich in die alten Zeiten zurueck, zu Fuss durch Rechavia in der Dunkelheit...


Sonntag, 7. Oktober 2012

Ein kleines Lied von mir fuer den Feiertag! Chag Sameach

Haparbarim! Ich mag sie. Sie erinnern mich an Zeiten.... und haben etwas leicht wehmuetiges. Chag Sameach und viel Freude beim Hoeren. (HIER)

Samstag, 6. Oktober 2012

Etrog - haltbar machen fuer die "Ewigkeit"

Wer einen Etrog hat (die zitronen-aehnliche Frucht fuer die "Vier Arten" zu Sukkot), kann ausser ihn trocknen zu lassen oder Marmelade aus ihm zu machen, ihn mit Nelken eng bespicken, um ihn dann in einem wuerdigen Gefaess fuer die Hawdala zu benutzen. 
Man sollte moeglichst sofort nach Sukkot damit anfangen, sonst hat er schon zuviel Fluessigkeit verloren. 
Die Methode soll der Vater von Rabbi Israel Rosen aus Alon Shwut erfunden haben. Rav Israel hat mir das Buch gezeigt, was sein Vater ueber die Methode geschrieben hat. Dort erklaert er genau, wie man den Etrog auf diese Weise fuer eine kleine Ewigkeit erhalten kann. Sein eigener so bespickter Etrog ist mehr als 20 Jahre alt und schon sehr klein eingeschrumpelt. 
Das ist der Vorteil. Der Etrog wird nicht schlecht oder faul, er schrumpelt nur immer kleiner. 
Eine kurze Anleitung, wie ich meinen ersten Etrog in Israel vor zwei Jahren haltbar gemacht habe lautet wie folgt
Man lege sich eine grossen Nagel oder ein anderes Werkzeug zum Loecher stechen bereit und kaufe eine Unmenge an Nelken. 
Wer sich keine schwarzen und wunden Finger einfangen will, ziehe sich Handschuhe an. 
Einige Locher stechen, die Nelken hinein stecken - fertig. Alles moeglichst eng, Nelke an Nelke, so dass vom Etrog selbst nichts mehr zu sehen ist. 
Anschliessend in einem Gefaess Nelken verteilen und den Etrog darauf legen. Deckel zu. 
So bleibt das Aroma jahrelang erhalten. 
Meinen Etrog von 2009 habe ich anschliessend mit nach Deutschland genommen und wieder hierher zurueck. Ich benutze ihn jeden Motzaéi Shabbat zur Hawdala. 

Freitag, 5. Oktober 2012

Shabbat Shalom!

Gut, dass ich es geschafft habe, aus den Federn zu kommen, frueh genug, damit es sich lohnt, eine "Erholungsreise" an den Strand von Tel Aviv zu unternehmen. 
Am Strand in Richtung Jaffo spazieren, ein Eis in Jaffo essen, den Blick auf Tel Aviv geniessen und der Rueckweg am Wasser entlang...
Ich habe jede Sekunde in vollen Zuegen genossen und spuere, wie ich mich erhole von den Schwierigkeiten und dem Druck der vergangenen Monate. 
Ich bedanke mich beim IHM, dafuer, dass ich hier sein darf, in diesem schoenen Land, in der schoensten Stadt der Welt wohnen darf, und in meiner Freizeit schnell am Meer bin. Das Rauschen des Meeres, der salzige Geruch und die Sonne auf den nackten Fuessen - all das ist mehr als Meditation und Abschalten. Es ist pures Glueck!
Shabbat shalom!

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Und auf ein neues...

Schon wieder ein neuer Arbeitsplatz, der 4. in einem halben Jahr! Und ich habe die zarte Hoffnung, dass es ein bleibender werden koennte. 
Im Gegensatz zu den letzten Arbeitsplaetzen zaehlt hier ein Laecheln und es wird sogar zurueck gelaechelt. Die Atmosphaere ist positiv und mich umgeben Menschen, die mir wohlgesonnen sind. 
Das war bei den letzten Arbeitsplaetzen bereits in den ersten Tagen ganz und gar anders und es gipfelte darin, dass ich mich vor dem naechsten Morgen fuerchtete und nicht wusste, wie ich den Tag ueberstehen sollte. 
Seit ein paar Tagen arbeite ich an der Rezeption eines sehr idyllisch gelegenen Altenheimes. Wir haben einen wunderbaren Garten vor der Tuer, nette intelligente BewohnerInnen und positive, zugewandte Kollegen. Das sind Vorteile, die mich bereits jetzt ruhiger werden lassen, obwohl es eine Menge zu tun gibt. An der Rezeption trifft einfach alles zusammen. Menschen, die von aussen anrufen, und die Bewohner sprechen moechten, den Chef oder die Sozialarbeiterin, die Krankenschwester und die "Hausmutter", Bewohner, die morgens angerufen werden muessen, um sicherzugehen, dass es ihnen gut geht. Gleichzeitig schellt alle paar Sekunden irgendein Tor, das geoeffnet werden muss. Mit einem Camera-system ist es moeglich, sicherzugehen, wen man hereinlaesst. 
Immer wieder gibt es auch Feueralarm, um den sich auch die Rezeption kuemmern muss, d.h. das System checken, von wo der Alarm kommt, der Sache nachgehen, und erstmal die Feuerwehr informieren, dass sie einen Moment warten moegen, bevor sie losfahren und uns enorme Kosten entstehen. In den meisten Faellen ist es nur ein angebrannter Toast, der den Rauchmelder anschlagen laesst. 

Viele Aufgaben fuer eine ganze Stange weniger Gehalt als bei der letzten Arbeit, und doch lohnt es sich, wie ich spuere, denn meine Gesundheit kann sich erholen. Der hohe Arbeitsaufwand ist nicht das groesste Problem, sondern psychischer Druck und eine wenig positive Atmosphaere.
Ich fuehle mich gut, und hoffe sehr, dass ich nun auch jobmaessig "angekommen" bin, wie ich es wohnungsmaessig schon mehr als 2 Monate bin. 

Ein zusaetzliches "Bonbon" ist fuer mich die Tatsache, dass ich nun sowohl mit den Kollegen als auch mit den ankommenden Anrufen hebraeisch kommunizieren MUSS. 
Ich muss Stoerungsmeldungen an den Haustechniker und Informationen fuer die Kollegen formulieren und ausser ein paar "Jecken" (deutschstaemmigen Bewohnern) findet meine Alltagssprache auf hebraeisch statt. Das gibt mir einen enormen Schub nach vorne und trainiert die Kommunikation. 

Ich freue mich auf Freitag, denn ich plane, an diesem freien Tag nach Tel Aviv zu fahren und ein wenig am Strand zu spazieren. 
An vier Tagen arbeite ich von 7 - 15h und einen Tag nachmittags, von 15 - 23h. 
Zurzeit ist mein Gehirn sehr damit beschaeftigt, Namen zu lernen, von Bewohnern, Kollegen, Angehoerigen und den ein-und ausgehenden Personen. 
Ich spuere, ich bin - trotz des hohen Arbeitspensums - ruhiger geworden innerlich.