Freitag, 30. November 2012

Shabbat shalom

(gesehen in der Chassidim-Ausstellung, Museum Israel)

Besuch am Morgen!

Er hat mir den Tag gemacht, heute morgen, der kleine Coolibri, der sich auf mein Fenstergitter setzte, in mein offenes Kuechenfenster zu mir hereinschaute und sein unvergleichliches "Tzg tzg"-Schnalzen hoeren liess. 
Zweimal kam er und es war ein Geschenk fuer mich. Ich denke er war angelockt durch die bunte Glaskette im Fenster, dachte bestimmt, da gibt es was zu schlecken. 
Ich liebe Coolibris und freue mich, dass sie gerade vermehrt zu beobachten sind. 
Auch wuerde ich was drum geben, in den naechsten Wochen einmal in die Emek HaChula fahren zu koennen, wo man Voegel ohne Ende beobachten kann, die hier Rast machen auf ihrer Reise nach Afrika, bald ziehen sie weiter und dann wird es erst wieder im Fruehling interessant wenn sie zurueckfliegen nach Europa. 
Ich weiss nur nicht, ob ich es an einem Freitag schaffen koennte, hin und zurueck vor Shabbat?
Es waere ein Traum!
Jedenfalls freue mich heute daran, so freundlichen Besuch gehabt zu haben.

Sonntag, 25. November 2012

Samstag, 24. November 2012

Yahrzeit des Rav Meir (Miki) Rosen

(Foto aus der "Chassidim-ausstellung" im Museum Israel, Jerusalem)


Wir haben uns heute in der Yakar-gemeinde eingefunden, um die Yahrzeit von Rav Miki Rosen  mit Melodien und Lernen zu begehen. 
Vier Jahre ist es her, dass er starb und ich hatte leider nicht die Ehre, ihn kennen zu lernen. Leider - weil er anscheinend ein sehr besonderer Mensch und Rav war, dessen Stempel heute noch auf der Yakar-gemeinde liegt, durch seine Soehne Chananel und Shlomo Dov, die auf ihre eigen Weise sein Werk weiterfuehren. 
Rav Rosen kam aus England und lehrte eine eigene sehr spirituelle Art des Judentums. 

Unter all den Worten, die heute abend ueber ihn gesagt wurden, sprachen einige auf ganz besondere Weise zu mir. 
Rav Rosen - so erzaehlte sein Sohn Chananel - habe immer in "Phasen" gelebt. Stillstand war eines der schrecklichsten Dinge fuer ihn. Zur Weiterentwicklung seines eigenen Judentums gehoerten immer bestimmte Phasen. So habe er auch eine "Chabad-Phase" gehabt, erzaehlte Chananel, die jedoch nicht ganz so lange andauerte. 
Er war vom Chassidismus beeinflusst und lebte sehr spirituell, der Gesang war fuer ihn ein wichtiger Teil des Gebets. Er war "auf dem Weg", wie viele von uns. Er tolerierte das "Auf dem Weg sein" nicht nur, sondern achtete es und hielt es fuer wichtig.

Als ich nach Hause kam, und den Fernseher anstellte, bekam ich noch ein paar Worte der Schriftstellerin "Jochi Brandes" mit. Jochi Brandes wurde in der Sendung "HaBait haYehudi" interviewt und gefragt, ob sie "Datia" sei (religioes). 
Sie antwortete, dass sie eigentlich Definitionen und Schubladen hasst, aber wenn schon, dann sei sie wohl Massorti (traditionell). 
"Das Judentum hat so viele Seiten", bemerkte sie " es bedeutet Halacha, nach der ich nicht religioes bin, da ich mich nicht auf Mitzwot verpflichtet sehe, aber es bedeutet auch Philosophie, Kultur, Musik, Gebet und Spiritualitaet. Zu jedem Menschen spricht ein anderer Teil des Judentums, und ich fuehle mich wie "mein eigener Rabbi, ich meine zu wissen, was gut fuer mich ist in diesem Moment und gebe dem nach. Ich sehe nichts Schlechtes daran, wenn jeder Mensch sich aus dem riesigen Vermaechtnis des Judentums das heraussucht, was zu ihm spricht."

Ich mag diesen Gedanken sehr, auch wenn ich mich fuer das orthodoxe Judentum entschieden habe, und die Mizwot auf mich genommen habe, in vollem Bewusstsein und mit ganzem Herzen. 
Und doch sehe ich viele Menschen um mich herum, die nicht in eine Schublade passen. Da sitzt das junge Maedchen an der Shwarmabude neben mir in der Sonne, mit Top und sehr offenherzig gekleidet, und zueckt nach dem Essen ihren Siddur, betet das Birkat haMason. Solche Augenblicke entlocken mir ein tiefes Laecheln, denn da sehe ich das Judentum! Nicht in einer fest definierten Form, sondern so, wie der Mensch es gewaehlt hat, aus freiem Willen.
Vielleicht ist diese junge Frau in ein paar Jahren ganz woanders, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht bleibt dies die Art, wie sie das Judentum leben kann und will. 
Und es ist in Ordnung nach meinem Dafuerhalten. 
Da ist die Frau, die die Gebote haelt, orthodox lebt, Kerzen zuendet und den Shabbat einhaelt, aber keine Kopfbedeckung traegt, ausser am Shabbat "licvod Shabbat" (zur Ehre des Shabbat), wie ich uebrigens auch, obwohl ich gemaess der Halacha ueberhaupt keine Kopfbedeckung tragen muesste, weil ich zwar geschieden bin, aber nie mit einem juedischen Mann verheiratet war. Und doch habe ich mir angewoehnt, mit Kopfbedeckung die Kerzen zu zuenden und zur Synagoge zu gehen. Dadurch entstehen bei vielen Irritationen. "Hast du inzwischen geheiratet und ich hab es nicht mitbekommen?" oder "Du weisst aber schon, dass du keine Kopfbedeckung tragen musst, oder?" sind Reaktionen von Verunsicherten.

Da gibt es die Gemeinde, die sich orthodox definiert, aber bei Simchat Tora auch eine Torarolle hinueber zum Frauenbereich reicht, wo dann mit ihr getanzt wird. Bei der Seuda Shlishi sitzen Frauen und Maenner in einem Raum und singen gemeinsam, und der Gesang zaehlt fuer sie nicht als "Nacktheit der Frau". 
So in der Yakargemeinde. 
Wer bist du? Bist du orthodox? Religioes? Saekular? Liberal? 
Jochi Brandes mag diese Fragen gar nicht und ich denke, der der fragt, fragt nur, um fuer sich selbst eine Sicherheit zu haben, wer vor ihm steht. ER braucht diese Definition, der Gefragte eher nicht. 
Wenn wir uns ein wenig freier machen von Definitionen und Rahmen koennen wir viel offener wachsen und uns ent-wickeln.

Der, der gerade anfaengt, sich mit dem Judentum zu beschaeftigen, sollte sich zunaechst einmal von der Fuelle ueberraschen lassen, die das Judentum zu bieten hat und sich tatsaechlich das herauspicken, was ihn anspricht und ihn weiterwachsen laesst. Das Judentum laedt zum Wachsen ein, nicht zur Stagnation. 
Es will bereichern, nicht einschraenken. 
Nehmen wir uns von der Fuelle und kosten davon, was immer uns schmeckt!
Die Hauptsache ist, dass das Judentum in welcher Form auch immer von jeder Ecke zu uns herueberlaechelt und seine Strahlen uns beruehren.

Freitag, 23. November 2012

Shabbat Shalom


Unterschwellige oder direkte Propaganda gegen Israel

Lila wies in ihrem Blog auf den Gastbeitrag in "Lizas Welt" von Stefan Frank hin, was ich hiermit auch tun moechte, da dieser Beitrag sehr genau aufzeigt, wie deutsche Propaganda gegen Juden (sorry, gegen Israel und seine Politik) funktioniert und wie man den Zuhoerer und Leser manipuliert. 
Das Schlimme: Es funktioniert bei vielen. 
Das Erfreuliche: Es gibt Menschen, die mitdenken und sich noch andere Quellen suchen fuer ihre Informationen. 

Jesh malachim beTel Aviv - es gibt Engel in Tel Aviv


Jeder Augenblick ist wichtig und heilig

Die Vorkommnisse der letzten Tage mit ihrer Bedrohung zeigen mir persoenlich noch einmal mehr, wie wichtig jede Minute unseres Alltages ist.
Im Judentum bemuehen wir uns, jeden Moment des Alltags zu heiligen, die Heiligkeit zu uns zu holen. Wir koennen sehr bewusst unseren Alltag leben, kleine Gebete zum Himmel schicken, einen Dank, ein Wort, einen Seufzer.
Wir sprechen eine Bracha vor dem Essen und danken so dem, der uns tagtaeglich mit Nahrung versorgt. Indem wir ganz bewusst und mit etwas mehr "Andacht" unsere Nahrung ehren, heiligen wir diese. 
Nichts ist selbstverstaendlich, kein Augenblick. Von einem Moment zum anderen koennen wir in grosser Gefahr oder gar nicht mehr sein.Wir danken vom ersten Augenblick des Aufwachens im Judentum mit dem "Mode ani" und schlafen ein nach dem "Shma Israel" am Abend.
In dieser Bewusstheit zu bleiben, ist eine grosse Aufgabe und ueberhaupt nicht einfach. 
Heute abend kann jeder von uns seine Shabbatkerzen in besonderer Aufmerksamkeit und Andacht anzuenden und ein wenig laenger in diesem Augenblick verharren. Die Zeit fuer das Anzuenden der Kerzen ist "Et Razon", eine Zeit, in der haKadosh Baruch Hu ganz besonders auf unsere Gebete hoert. 
Ich schicke in diesen Augenblicken immer einen Segen zu meinen Toechtern nach Deutschland und halte in Gedanken meine Haende ueber ihren Kopf. 
Moege dieser Shabbat wieder mehr von Tora und Lernen gepraegt sein, als der letzte, wo viel Ablenkung durch Bedrohung in der Luft lag. 

Zusaetzliche Kerzen zum Shabbat - spirituelle Hilfe fuer Israel

Auf den Seiten von Shabbat wird dazu aufgerufen, Israel in diesen schweren Tagen spirituell zu helfen. Abgesehen von Spenden kann man naemlich auch auf andere Weise helfen. 
Eine der vorgeschlagenen emotionalen Hilfen ist das Anzuenden von zusaetzlichen Kerzen am Shabbat. 
Vielleicht - auch wenn wir glauben und hoffen wollen, dass die Waffenruhe haelt - koennt ihr eine zusaetzliche Kerze heute abend anzuenden und dabei Kraft herueberschicken. Vor allem an die Buerger des Suedens, die sehr ausgelaugt sind von diesen Tagen. 
Fuer Maenner wird vorgeschlagen, taeglich Tefillin anzulegen. 
Ich denke, dass das Anzuenden einer Kerze auch von Nichtjuden vorgenommen werden kann, begleitet von staerkenden Gedanken. 
Gute Gedanken von vielen Menschen an bestimmte Orte und Menschen gesandt, erzeugen positive Energie, die wir hier gut brauchen koennen. 
Vielen Dank!

Donnerstag, 22. November 2012

Nochmal Shlomo Artzi (kann man den Clip dieses Mal oeffnen?

Einfach mal Shlomo Artzi


Jehi Shalom - moege es Frieden sein (Neshama Carlebach)


Alltag - hoffentlich

So, nun kehrt hoffentlich wieder ein wenig ganz normaler Alltag ein. Niemand hier ist euphorisch, aber vielleicht geniessen wir einfach mal den Tag. 
Meine Leser werden jetzt wieder meine Alltagssorgen anhoeren muessen und sich hoffentlich ein wenig daran freuen, wenn ein Stueck Normalitaet einkehrt. 
Wir werden alle hier die Erleichterung geniessen und versuchen, uns ein wenig zurueck zu lehnen, den Tag zu leben, so wie er ist und die kleinen Dinge des Lebens schaetzen. Oder aber das groesste aller Dinge, dem wir so wenig wirkliche Beachtung schenken im Alltag - dem Leben selbst!
Vielen Dank noch einmal, fuer die staerkenden Kommentare oder auch mails an meine private Mailadresse, in den letzten Tagen bin ich gar nicht mehr dazu gekommen, eine Rueckmeldung an diejenigen zu schicken, die dann letztlich doch ihre Solidaritaet mit uns ausdrueckten. Es gab unschoene Korrespondenz, die mir aber gezeigt hat, wo der andere wirklicht steht. Auch das ist wichtig. 
Aber es gab auch ueberraschende Aufmunterung und Solidaritaet, die nicht von Naivitaet geblendet war. 
Viele haben ausgedrueckt, dass sie mit uns sind, in Gedanken, und dass sie sich um uns sorgen. Das tat gut. Ich werde mich jetzt erstmal etwas erholen, von der staendigen Anspannun, in der wir uns alle in den letzten Tagen wiedergefunden hatten. 
(Ich weiss, dass ist nichts gegenueber der Anspannung, die die Buerger des Suedens empfunden haben, und das ueber Jahre)
Ich schicke einen warmen Gruss an alle Bewohner des Suedens und hoffe fuer uns alle, dass es erstmal ruhig weitergeht in unserem Alltag. 

Vorerst Ruhe

Mein Donnerstagmorgen, den ich immer sehr geniesse, da ich erst um 15:00 arbeiten muss, beginnt mit einem gespannten Blick in die Schlagzeilen. Der Sprecher der Nachrichten erzaehlt mir, dass es noch am abend 3-5 Raketen aus dem Gazastreifen gab, dann war Ruhe.
Die Chamas feiert ihren sogenannten Sieg ueber uns und ich denke, sie haben auch in einer Weise einen Sieg davongetragen. Sie haben uns wirklich, wie sie sagen, "eine Lektion erteilt". Sie haben ihre Waffenarsenale seit 4 Jahren enorm aufgefuellt und auch das Vermoegen, mitten ins Herz der Nation zu treffen, nach Tel Aviv zu feuern.
Und sie machen keinen Hehl daraus, dass dies ein Teilsieg war, auf dem Weg zur Vernichtung des zionistischen Feindes.
Diese Waffenruhe brauchen sie dringend, um in aller Ruhe wieder neue Waffen zu beschaffen, fuer die naechste Runde. Es gibt genug Tunnel, durch die Waffen aus dem Iran ueber Aegypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden und wenn jetzt viel Geld in den "Aufbau des Gazastreifens" gesteckt wird, um den Menschen ein normales angenehmes Leben zu ermoeglichen, dann habe ich nicht nur Zweifel, dass es an die richtige Adresse kommt, sondern bin mir sehr sicher, dass die, die das Sagen dort haben, es nicht ihrem Volk zugute kommen lassen.
Wie ein Kommentator bereits sagte, sie haben genug Zeit gehabt bisher, um sich ein schoenes Leben aufzubauen, niemand aus Israel haette sie daran gehindert. Geld genug war da, von allen Seiten.

O.K. lassen wir das und goennen wir uns die Illusion, aufzuatmen, und wenn es nur fuer eine Zeit ist, Monate, vielleicht ja auch Jahre.
Ich freue mich fuer Esti, dass ihre Soehne und Enkel nicht in Gaza einmarschieren muessen und fuer alle anderen Muetter und Ehefrauen. Fuer unsere Soldaten bin ich erleichtert, dass sie nicht in die Hoelle muessen und dem Hass ins Auge sehen muessen.
Ich kann nur jedem das Buch Ben HaChamas (oder auf englisch Son of Hamas) von Musa Hassan Youssef geschrieben empfehlen.
Wer noch Zweifel hat, dass die Hamas nur ein Ziel hat, naemlich Israel zu vernichten und wer immer noch daran glaubt, dass die einzige Gefahr fuer den Nahen Osten Israel ist, wer denkt, dass Israel es ist, der verhindert, dass das palaestinensiche Volk sich ein schoenes Leben in Gaza aufbauen kann, der sollte sein Buch lesen.
Ich denke, ihm wird man glauben muessen, denn er war dort, er weiss wovon er spricht, er ist der Sohn des Gruenders der Hamas, Scheich Hassan Youssef.
Nachdem er mehr als 10 Jahre fuer den Mossad gearbeitet hat, schreibt er seine Geschichte.
Er kennt die Strukturen der Chamas und wer daran glaubt, dass es Frieden geben koennte mit Chamas, der wird von Mussab eines besseren belehrt. "Die Chamas kann nicht aufbauen", sagt er "was Chamas kann, ist zerstoeren. Statt die Zeit zu nutzen, um ihrem Volk ein schoenes Leben im Gazastreifen aufzubauen, nachdem er von Israel verlassen wurde, haben sie daran "gebaut", wie man Israel ganz zerstoeren kann.

Empfehlenswert ist seine Rede auf dem Israelkongress in Frankfurt.

 

Mittwoch, 21. November 2012

Dank an Barak Obama

Netanyahu spricht gerade und dankt im Besonderen Barak Obama. Ich muss zugeben, das haette ich nun wirklich nicht gedacht, dass er uns doch noch den Ruecken staerkt. Es sah lange Zeit nicht danach aus, als ob er im Ernstfall hinter uns steht. 
Auch wurde uns von Seiten der USA versprochen, sich an der Aufruestung des Raketenabwehrsystems "Kipat Barsel", Irondome (Eisenkuppel), was in den letzten Tagen hervorragende Arbeit geleistet hat, zu beteiligen. Ohne Kipat Barsel waeren wir aufgeschmissen gewesen bei den Salven an Raketen ueber Israels Staedte. Viele viele Opfer haette es gegeben und die Zerstoerung waere enorm gewesen. 
Dank Kipat Barsel konnten die Raketen, die im Normalfall in Wohngebieten gelandet waeren, abgefangen und zerstoert werden. 
Ein Hoch an die Technik und an den Erfinder. 

Waffenstillstand?

Es ist ausgesprochen und verkuendet. Ein Waffenstillstand soll um 21h unserer Zeit in Kraft treten (in Deutschland 20h) und ein paar Tage auf einem Pruefstand stehen.
Letzten Endes konnte man sich mit der Vermittlung von Aegypten auf eines einigen: "Sheket tmurat Sheket", was bedeutet "(Waffen-)Ruhe gegen Ruhe", was eine sehr faire und einfach Geschichte ist.
Ruhe wird mit Ruhe beantwortet und bei Raketen auf Israel gibt es - und zwar sofort - eine Antwort. Es wurde betont, dass nicht eine, zwei Raketen so hingenommen werden, nach dem Motto "Es war nicht die Chamas, sondern eine X oder Y Stroemung, irgeneine extreme Splittergruppe" oder oder..
Das wird es nicht geben. (So sagt man jedenfalls und ich hoffe, dass wir das auch nicht hinnehmen werden, sonst befinden wir uns Ruck Zuck in ein paar Monaten genau da, wo wir vor kurzem waren.
Die Fragen, die alle beschaeftigen, sind nun
1. Was wird bis zur Waffenruhe passieren? (Auch wenn es nur noch knapp 45 min. sind)
2. Wie wird diese Waffenruhe aussehen? Wird wirklich Ruhe herrschen?

Eines ist klar: Sollte die Ruhe  gebrochen werden ist jede Antwort noch moeglich, einschliesslich einer Bodenoffensive.
Man spricht davon, dass Chamas einzig und allein deshalb in eine derart formulierte Waffenruhe eingewilligt hat, - ohne auf der Forderung zu bestehen, dass die Sperre aufgehoben wird - da sie auf Aegypten angewiesen sind. 
Wir werden sehen, wie die naechsten Tage verlaufen. 
Zu dieser Stunde jedenfalls fliegen noch Raketen. Es gibt Alarm in Beer Sheva (5 Raketen auf einmal) und Ashkelon, Netivot, Gan Yavne, Sderot und im uebrigen Umkreis von Gaza. Ausrede wie immer: Es war der Dschihad oder andere Gruppen, auf die wir keinen Einfluss haben. 
Gerade wird ein Haus in Ashdod getroffen, und das alles ca. 45 min. vor der Waffenruhe. 
Die Menschen im Umkreis werden aufgefordert, noch nicht aus den Schutzraeumen zu kommen, sondern sogar noch nach Eintritt der Waffenruhe dort zu bleiben.
Auch Zahal (IDF) nimmt sich noch bis zur letzten Minute Ziele vor, bombardiert Waffenlager und ich hoffe sehr, dass sie moeglichst vieles noch zerstoeren koennen, was uns sonst zerstoert in absehbarer Zeit.

Wird es eine dauerhafte Ruhe fuer die Menschen im Sueden geben?
Ich sage ganz ehrlich - ich bin aeusserst skeptisch und mag nicht daran glauben, dass diese Ruhe auch nur 2 oder 3 Monate komplett ohne Raketen ueber Israels Sueden uebersteht. 
Aber ich werde mich tierisch freuen, wenn ich mich irre.

Suche nach dem Terroristen laeuft noch

Die Suche laueft auf Hochtouren. Der Attentaeter laeuft noch frei herum und koennte andere Ziele auserchoren haben, bzw. seine Hintermaenner und Auftragsgeber. 
Ein vollbesetzter Bus, ein Restaurant oder ein Cafe, wer weiss, was ihnen noch in den Sinn kommt, um sich ausgiebig zu belustigen?
Man sagt, es war nicht die Chamas, sondern jemand aus Jehuda, Shomron. 

Spiegel - ein solides Magazin?

Der Spiegel ist nicht irgendein "Schmutzblatt", sondern im Grunde ein sehr solides Magazin. So dachte ich bisher. 

Nun lese ich zum wiederholten Male Artikel, die so schlecht sind, dass man es mit einer Handbewegung abtun koennte - wenn man nicht wuesste, wie viel Menschen mitlesen. 

Bereits die Schlagzeile des Artikels ueber das Attentat auf einen Tel Aviver Bus zeigt, wie wenig man von Israel und "den" Israelis verstanden hat. 


Israelis fordern Rache für Bus-Attentat

Raniah Salloum scheint den Wortschatz aus dem Fundus der Chamas genommen zu haben, denn es geht den meisten Israelis nicht um Rache.Da man aber sowieso meint, "der Jude" ist immer auf Rache aus, steht ja schon in der Tora "Auge um Auge", passt das ganz gut ins Bild. 

Weiter geht es froehlich im Text:

 Zu dem Bombenattentat auf einen Bus in Tel Aviv hat sich noch niemand bekannt. Doch die Bürger in der Stadt denken alle: Es war die Hamas. Der Gaza-Konflikt hat jetzt auch ihre Stadt erreicht. Waffenstillstand? Viele Israelis verlangen, dass die Bombardierung der Palästinenser weitergeht.

Nein, Frau Salloum, wir verlangen nicht, dass die Bombardierung "der Palaestinenser" weitergeht. Wir verlangen, dass die noch vorhandenen Waffenlager zerstoert werden und dass der Terror gegen uns aufhoeren moege. Die Bombardierung der Palaestinenser ist nicht unser Thema, wir kaemen ueberhaupt nicht auf die Idee, die Palaestinenser einfach so zu bombardieren oder dies zu verlangen. Die armen unschuldigen auf der palaestinensischen Seite  bedauern auch wir. Wir sind auch Menschen mit Mitgefuehl und tanzen nicht auf den Daechern, wie es in Gaza heute der Fall ist. Wir spielen keine Festtagsmusik, wenn Zivilisten getroffen werden, weil die Chamas sie grausamerweise als lebendige Schutzschilder missbraucht. Wir jubeln nicht. Wir rufen nicht in unseren Synagogen zum Feiern auf, wie es heute aus den Lautsprechern der Moscheen klang.Wie kommen Sie nur darauf? 

Kann es sein, dass sie sich vertan haben? Waren Sie all die Male taub, wenn die Chamas sagte, dass es ihnen um die Vernichtung der Juden geht, weil in dem Staat, (in EINEM Staat), den sie fuer sich fordern, kein Platz fuer uns ist? Es geht weder um Rache, noch um die Bombardierung des palaestinensischen Volkes und ich wuerde mir wuenschen, wenn sie mit Ihrer Wortwahl da doch etwas genauer sein wuerden.

Terroranschlag in Tel Aviver Autobus - das Herz getroffen

Wieder wurde der Grossteil der Bevoelkerung mitten ins Herz getroffen. 
In Tel Aviv steigt ein Attentaeter in den Bus Nr. 142, legt ein Sprengstoffpaket unter einen Sitz und verschwindet. Kein Selbstmordattentaeter also. 
Unmittelbar spaeter explodiert der Bus auf der King Shaul Street. Inzwischen mehr als 20 Verletzte, die zum grossen Teil im nahen Ichilov-Krankenhaus behandelt werden. 
Nach den Berichten muessen die Menschen in der Naehe des Busses in Panik gefluechtet sein, doch man wusste nicht wohin? Es wurde schnell gewarnt, dass der Taeter noch frei herumlaeuft und vielleicht das naechste Attentat plant oder gerade ausfuehrt. 
Schreie wurden laut: "Bringt uns das in die Zeit der Intifada zurueck?"
Ja, es hat wohl jeden ausnahmslos an eine der schlimmsten Zeiten erinnert, an die Intifada mit ihren explodierenden Autobussen und Cafes und unzaehligen Toten. 
An vielen Ecken Jerusalems kann man Gedenktafeln aus dieser Zeit sehen. 

Indessen wird in Gaza gejubelt, selbst die Nachrichtensender verbreiten Feierstimmung und begruessen das Attentat. 
Das ist eine Mentalitaet, die mir immer verborgen bleiben wird. Der Jubel ueber schwer verletzte Menschen oder gar Tote. Eine zutiefst unmenschliche Eigenschaft, die mir eine Frau heute mit den Worten zu erklaeren versuchte: "Naja, das ist eben eine andere Kultur!"
Kultur?
Das ist irgendwie GAR keine Kultur in meinen Augen. Das normale Mitempfinden, was jeder Mensch haben sollte, scheint ausgeschaltet und durch etwas ersetzt, was an Zerstoerung und Leid gefallen findet. 
Alle, die in den letzten Wochen die Taten der Chamas rechtfertigen, sollten sich einmal ueber diese Mentalitaet Gedanken machen. 
Kann man mit solchen Menschen verhandeln?

Das Polizeiaufgebot war schon in den letzten Tagen unvergleichlich hoch, ich sehe an jeder Ecke Polizei und Militaer. Gestern abend bin ich - als ich vom Shuk kam - an eine Strassensperre gelangt, in der Agrippas, wegen eines verdaechtigen Gegenstandes. 
Es war bereits diese Stimmung "in der Luft", die darauf hindeutet, dass etwas geschehen wird. 

Jeder, den ich spreche ist traumatisiert, und fuehlt sich zurueckversetzt um zehn Jahre und mehr, als man morgens nicht wusste, ob man die Anghoerigen lebendig abends wiedersieht. Jeder weiss noch zu genau, wie furchtbar diese Zeit war. 
G-tt sei dank gab es keine Toten, aber es ist nicht klar, ob das nun alles war. 
Die Polizei und das Militaer kann nicht alles kontrollieren und wir muessen wieder wachsam sein. Jedes unbeaufsichtigte Paket, jeder Einkaufswagen in Bussen, an Haltestellen, in oeffentlichen Gebaeuden- sollte beachtet werden. 
Die israelische Bevoelkerung ist sowieso in dieser Hinsicht sehr wachsam, und doch werden wir noch einmal mehr aufmerksam sein in naher Zukunft. 


Rueckblick auf den Tag

Heute morgen dachte ich noch erstaunt, wie ruhig doch die Nacht war, und wie unruhig ich doch geschlafen habe, in Erwartung von Ereignissen, die geschehen koennen. 
Um kurz vor 8 dann ging es wieder los. Da ich an der Rezeption mein Radio laufen habe, bekam ich jeden Alarm mit, in Ashkelon, Ashdod, Beer Sheva usw usw.
Um 14:10 dann bei uns Alarm und das erst Wort, was mir beim Hoeren der Sirene entfuhr war ein lautes, deutsches: "Scheiiissse!"
Anschliessend bin ich gelaufen, obwohl mir die ganze Zeit klar ist, dass ich Zeit habe. Zeit, die die Bewohner des Suedens nicht haben. Sie MUESSEN laufen. Ich nicht. 
Aber ich bin gelaufen, ohne nachzudenken, einfach automatisch. 
Nach dem Alarm war ich recht unzufrieden mit mir. Das, was mir kognitiv ziemlich klar war, habe ich nicht umgesetzt. Ich bin einfach keine Raketenalarme gewohnt. 
In Deutschland ist das ja auch "selten" passiert. (Sollte ein Witz sein...)
Ich habe keine Panik gespuert, aber dennoch im Rueckblick nicht ruhig und besonnen genug gehandelt. 
Beim naechsten Mal - falls es ein naechstes Mal geben sollte, was ich nicht hoffe - koennte ich mir vornehmen, bevor ich loslaufe, zweimal tief durchzuatmen und das Gehirn einzuschalten. 
Es ist einfach ein so unwirkliches aussergewoehnliches Ereignis, wenn man als Deutsche, die (wie ein israelischer Freund immer sagt) "in Sahne geboren wurde" , einen Raketenalarm erlebt, dass man nur bedingt rational reagiert. 
Ich hoffe auf eine ruhige Nacht - nicht nur fuer mich, sondern vor allem fuer die gebeutelten und gestressten Bewohner des Suedens. 
Eines hat mich heute abend sehr schockiert. 
Meine Freundin E. erzaehlte mir, dass beim heutigen Alarm in Jerusalem, der kleine Sohn ihres Sohnes laut geweint hat, und bis zum Abend immer wieder Weinanfaelle bekam. 
Kann sich jemand vorstellen, wie ein Kind im Sueden das erleben muss, wo der Raketenalarm zum Alltag gehoert? 
Der kleine Sohn hatte nur ein einziges Mal eine Sirene gehoert und ist mit den Eltern in den Schutzraum gegangen. Ganz in der Naehe, wo sie wohnen, ist die Rakete eingeschlagen. In Gush Etzion, wie beim ersten Mal.
Moege es SHALOM geben, fuer uns alle...

Siddur eines Soldaten

Vor zwei Wochen habe ich an einem Ort, wo heilige Buecher, die nicht mehr gebraucht werden, abgelegt werden, diesen Siddur fuer Soldaten gefunden, sowie einen Machsor fuer Rosh haShana und Yom Kippur. 
Er hat eine besondere Anziehungskraft fuer mich.Wer war sein Besitzer? Lebt er noch und wollte den Siddur lediglich abgeben, weil er ihn nicht mehr braucht, oder weil er nie religioes war?
Ist er gestorben, gefallen, und die Angehoerigen haben den Siddur abgegeben?
Wieso haben sie diesen Siddur nicht behalten, als Erinnerung?
Ob der, dem er gehoert hat, daraus gebetet hat? 
Ich stelle mir vor, wie ein Soldat diesen Siddur immer bei sich gehabt hat. 
Unsere Soldaten sind diejenigen, die fuer uns kaempfen, die eventuell ihr Leben lassen muessen, in Erfuellung ihrer Pflicht. Egal wie jung sie sind, die meisten sind dazu bereit, viel zu riskieren. Wir koennen ihnen nicht genug danken, fuer das, was sie fuer uns als Bevoelkerung tun. 
Anders als in Deutschland werden unsere Soldaten sehr geehrt. Wir beten fuer sie und wissen, was sie fuer uns tun. 
Eine Freundin sagte einmal zu mir, als sie ein Bild sah, auf dem ein Soldat mit Tefillin betend in einem Feld stand, das sei fuer sie nicht vereinbar. Sie sagte in einem ganz besonderen Tonfall, fast verachtend :" Das passt fuer mich nicht zusammen. Wie kann man beten, wenn man kaempft?"
Ich spuerte, wie sehr sie die Ehrlichkeit seines Glaubens anzweifelte und es tat mir fast physisch weh, was sie sagte. 
Bei mir ist es umgekehrt. Sehe ich einen Soldaten beten, mit Tefillin oder auch ohne, ruehrt mich das sehr an. Warum soll ein Soldat nicht den um Hilfe bitten, der der oberste Befehlshaber ist? Warum soll er nicht auf G-ttes Hilfe vertrauen und jeden Morgen bitten, dass G-tt ihn beschuetzt und mit ihm ist, wenn er kaempfen muss?
Ich sehe da keinen Widerspruch und habe Hochachtung vor Menschen, die fuer uns alle die Verteidigung ihres Volkes uebernehmen.
Ich bete gern aus diesem Siddur und spuere, dass es eine Vergangenheit hat und eine Geschichte. Wie gern wuerde ich die Geschichte dieses Siddurs kennen...

Dienstag, 20. November 2012

Alarm in Jerusalem - zum zweiten Mal

Heute, ca.14:10, Alarm in Jerusalem. 
Da ich bis 15h arbeiten muss, habe ich den Alarm im Heim erlebt. Schliesslich ist die Rakete in Gush Etzion gelandet, auf offenem Feld. 
Wie leicht doch Chamas in Richtung Jerusalem zielt, in Gush Etzion wohnen nicht nur Siedler, sondern auch Palaestinenser. 
Und was, wenn die Rakete in der Altstadt gelandet waere, oder direkt auf dem Felsendom oder der Al Aqsa? Das kann ihnen doch nicht egal sein?
Falls das der Fall gewesen waere, sehe ich schon die Schlagzeilen: "Mossad lenkt Rakete um auf Felsendom." Ist doch wahr! Bisher waren wir doch noch fuer alles verantwortlich, Haiangriffe in Aegypten oder sonstige peinliche Vorwuerfe. 

Im Laufe des Tages sind wirklich Salven auf Israels Sueden niedergegangen, immer wieder Alarm in Ashkelon, Ashdod, Beer Sheva, und jetzt gerade Rishon leZion, wobei die Rakete dort in einem Gebaeude gelandet ist. Es gab einen Verletzten. 
Auch in Sderot gab es einen Volltreffer auf ein Haus. 
Odeliya, die uns durch Sderot gefuehrt hat, hat mir geschrieben, sie seien gerade nach Jerusalem gekommen (von Sderot), als der Alarm ertoente. Die Armen - da denken sie, in Jerusalem ist es ruhiger und muessen auch hier die Sirenen hoeren. 
Inzwischen haben die Chamas schon ueber Waffenstillstand gesprochen und Ban Ki Moon ist in Jerusalem, sowie Westerwelle, der den Alarm im Jerusalemer King David Hotel erlebt hat. 
Wie er sich wohl gefuehlt hat, als die Sirenen heulten? 
Vielleicht hat er einen kleinen Geschmack davon bekommen, wie die Buerger im Sueden sich tagtaeglich fuehlen? Auch wenn die Rakete ausserhalb von Jerusalem gelandet ist, bringt eine Sirene, die mit Raketenalarm verbunden ist, das Adrenalin ganz schoen auf Hochtouren. 
(Jedenfalls fuer Menschen, die das nicht gewohnt sind)

Es wird von einem Waffenstillstand gesprochen, der um 20:00 verkuendet werden soll, und um 24h in Kraft treten soll. 
Das hoert man von Seiten der Chamas, Netanyahu hat sich dazu noch nicht geaeussert. 

Montag, 19. November 2012

Bodenoffensive - oder ein stabiler andauernder Waffenstillstand?

Die Frage aller Fragen hier in Israel ist jetzt wohl: Wird es eine Bodenoffensive geben, oder nicht? Viele denken, ein Waffenstillstandsabkommen ist zu diesem Zeitpunkt zu frueh, wuerde auf keinen Fall zu einem dauerhaften Frieden fuehren, wie ihn sich die Bewohner des Suedens herbeiwuenschen. 
Sie moechten ein normales Leben fuehren, wie jeder morgens zur Arbeit gehen, in die Schule zum Kindergarten, ohne vom Alarm "Zeva Adom" ueberrascht zu werden und in 15 sek. den naechsten Schutzraum aufsuchen zu muessen. Ein Leben ohne Bunker, ohne Angst, ohne zerstoerte Haeuser oder veraengstigte, traumatisierte Kinder, die Alptraeume haben. 
Wird das jemals wahr werden fuer den Umkreis von Gaza? 
Oder wird die Aufruestungsspirale weitergehen in den naechsten Jahren, bis zur naechsten Eskalation, den naechsten Raketensalven ueber Israel, den noch weiter reichenden Langstreckenraketen?
Es wird von der Chamas offen gesagt, was ihr Ziel ist, und das duerfte sich in den letzten Wochen nicht gerade geaendert haben. Die Vernichtung Israels hat sich die Chamas auf die Fahne geschrieben und die Errichtung eines einzigen palaestinensischen Staates, in dem kein Platz fuer Juden ist.
Was soll das also fuer ein Waffenstillstandsabkommen werden, mit diesem Hintergrund?
Jeder wird froh sein, wenn es keine Bodenoffensive gibt, wenn unsere Soldaten nicht da hineinmuessen, ins Ungewisse. Vor allem, weil die palaestinensische Werbung schon ihre Propagandafilmchen dreht in denen es heisst: Kommt ruhig! Wir warten schon auf euch! 
Keine Mutter moechte ihren Sohn dort hineinschicken, keine Oma ihre Enkel und keine Frau ihren Ehemann. Bei einer Bodenoffensive koennen noch mehr "Fehler" passieren, die uns noch mehr Feinde in der Welt machen wird als wir sowieso schon haben. Es wird zivile Opfer geben, das ist fast unvermeidlich, vor allem wenn man weiss, dass Chamas ihre Hauptquartiere unter Krankenhaeusern und Schulen hat. Feige Verstecke, menschliche Schutzschilde, um spaeter laut ueber das Leid der zivilen Opfer klagen zu koennen. 
Warten wir also die Nacht ab und schauen, ob es unter aegyptischer Vermittlung ein Abkommen geben kann.

Was soll ich sagen?

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos - sagt man so?
Ich weiss nicht, wieviel Hoffnung die Entscheidungstraeger haben, auf einen dauerhaften Frieden, einen "normalen Alltag" fuer den Sueden Israels. 
Nach einer recht ruhigen Nacht in Israel ging der Beschuss weiter, anfangs wurde gesagt, dass wesentlich weniger Raketen abgeschossen wurden, doch bis mittags waren bereits 60 Raketen auf Ashkelon, Ashdod, Beer Sheva, Ofakim, Gan Yavne gefeuert worden. 
Ich sitze im Altenheim an der Rezeption und habe seit heute sogar die Pflicht, Radio zu hoeren. 
Diese Pflicht ist fuer mich eine Erleichterung, denn ich mag es, informiert zu sein ueber das, was im Land vor sich geht. 
Seit einigen Tagen hatte ich eh schon das Radio neben mir und im Internet bin ich staendig. Die Seiten von Galej Zahal und besonders auch Ynet bieten sofortige Information. 

Wir sprachen in der Sitzung des heutigen Tages ueber das, was noch vorbereitet werden muss. Die Schutzraeume im Heim sind vorbereitet, bestens ausgestattet, haben Wasser und sogar eigene Luftversorgung, fuer den Fall, der hoffentlich nie eintreten wird, einen Beschuss mit chemischen Waffen. 
Wir sprachen auch ueber die Moeglichkeit, dass es eine neue Front geben kann, bei der dann Raketen aus der anderen Richtung kommen. Dies ist wichtig zu wissen, um den Bereich zu raeumen, der dem Beschuss direkt ausgeliefert ist. In usnerem Falle erstmal der Sueden. 
Hoffen wir, dass es nicht eine neue Front gibt. 
Ich bin gespannt wie es weitergeht und was ich zurzeit gar nicht kann, ist eine Diskussion mit Menschen aus Deutschland fuehren, die mir erzaehlen wollen, wie unnoetig und ueberfluessig und wenig effektiv die ganze Aktion doch war und ist. 
Diese Gespraeche muss ich einfach von mir fernhalten, denn man spuert doch eine Anspannung - auch nachts, so dass der Koerper seine Erholung fordert und seine Grenzen aufzeigt. 
Ich kann nur mit Menschen kommunizieren, von denen ich weiss, dass sie Israel nicht verurteilen, das kann sich aendern, zurzeit jedenfalls moechte ich mich nicht einer Situation aussetzen, in der ich mich stellvertetend fuer Israel rechtfertigen muss fuer saemtliche Aktionen, die von unserer Regierung beschlossen werden. 
Ich weiss, dass die Menschen im Sueden eine ungleich hoehere Anspannung erleben und es mir recht gut geht hier in Jerusalem. 
Aber auch ich muss mit meinen physischen und psychischen Kraeften haushalten. 

Ruhige Nacht

Gestern abend wurde von 48 Std. gesprochen, in denen darueber entschieden werden soll, ob es eine Bodenoffensive geben wird, oder nicht. 
Es war eine ruhige Nacht fuer uns in Israel, der letzte Angriff war wohl ca. 23:00. 
Ruhig war meine Nacht nicht, ich habe unruhig geschlafen. 
Eine Bodenoffensive waere schrecklich und ich wuerde mich sehr um die Soldaten sorgen, sicher auch um all das, was dann passieren kann, einschliesslich Fehler. 
Mein bester Freund sagte gestern, er habe grosse Angst vor einem Fehler, weil - er hat selbst alle Kriege Israels an vorderster Front miterlebt - nach einer gewissen Zeit immer Fehler passieren. 
Ein einziger grober Fehler aber kann uns jegliche Unterstuetzung der Welt nehmen. 
Das Problem ist, dass Chamas sich unter Krankenhaeusern, und in Schulen versteckt. Das ist unfair und grausam, den armen Zivilisten gegenueber, die sie als menschliche Schutzschilde nutzen.
IDF wird sich bemuehen, keine unschuldigen Zivilisten zu treffen, aber das ist ein Drahtseilakt, der frueher oder spaeter doch zu Vorkommnissen fuehrt, die Menschenleben kosten.

Reaktionen

Nachdem ich in den letzten Tagen wirklich nette Telefongespraeche und Briefwechsel per mail hatte, von Freunden oder alten Kollegen aus Deutschland, ereilte mich dann gestern abend eine "What´s up"-Nachricht einer ehemaligen Kollegin. Sie mache sich ja sooo Sorgen "um die Situation". Es wuerden sich viele dort (wo sie ist) Gedanken machen, und man wisse nicht was man glauben soll (ja, das kann ich mir sogar lebhaft vorstellen)
Sie bekaeme "viele Informationen, da sie sich ueber Facebook gegen den Krieg ausgesprochen hat".

Ach, X. , so einfach ist das alles nicht. Sich mal eben gegen den Krieg aussprechen. Jetzt auf einmal, aus dem Nichts heraus, ohne zu wissen, was vorher all die Jahre Tag fuer Tag gelaufen ist. 
Im weiteren Verlauf des Wortwechsels habe ich sie gefragt, ob sie sich auch vorher all die Jahre gegen einen Beschuss Israels Sueden ausgesprochen hat, bei Facebook, oder gegen das Abschlachten der eigenen Buerger durch Assad in Syrien aufgeschrien hat. 
Nein, habe sie nicht, sie wuerde sich erst in der letzten Zeit "dafuer" interessieren, "seitdem die Lage sich zugespitzt hat" und spaeter erzaehlte sie mir etwas von einem "Verhalten, das kein Schutz fuer die israelische Bevoelkerung sei, sondern eine alte Geschichte von Macht.... 

Ich war nicht sehr nett, und habe die Kommunikation relativ schnell mit den Worten beendet, dass ich fuer solche Diskussionen zurzeit keine Kraft und keinen Kopf habe. 

G-tt sei dank hatte ich vorher ein wirklich angenehmes Gespraech mit einem anderen ehemaligen Kollegen, der sich etwas differenzierter aeusserte und durchaus die Gefahr sah, der Israel seit Jahren ausgeliefert ist. Er stellte sich staendig die Frage: Was ist die Alternative? Soll Israel sich das alles weiter gefallen lassen und stillhalten zu allen Angriffen?
Das Problem ist, dass all die, die jetzt so laut mitschreien gegen Israels "brutales Vorgehen", sich  bis vor einer Woche nicht die Bohne fuer den Alltag in den Staedten im Sueden Israels interessiert haben. 


Sonntag, 18. November 2012

Kipat Barsel - Irondome - Eisenkuppel

Wer heute sagt: "Es passiert ja gar nicht viel in Israel, trotz der vielen Raketen alle paar Minuten", der vergisst Kipat Barsel, den Irondome, unser Raketenabwehrsystem. 
Haetten wir dieses nicht, ohweh uns. 
Kipat Barsel hat bis jetzt mehr als 250 Raketen abgefangen und abgeschossen. 
Da der Irondome nur Raketen abschiesst, die anderenfalls in einem Wohngebiet explodiert waeren, bedeutet dies, ohne Kipat Barsel haette es 250 Treffer in Wohngebieten und damit auch viel mehr Opfer und Verletzte gegeben. 
250 Raketen auf Ballungsgebiete. Nehmt euch ein paar Minuten Zeit, um euch den Schaden und die Verletzten (Toten) vorzustellen. 
In deutschen Medien ist zu lesen, dass sich die Israelis viel besser schuetzen koennen als die Palaestinenser. Ja, Israel muss leider Unsummen  in Abwehr und Schutzvorrichtungen stecken, und warum?
Weil auf uns geschossen wird. 
Wuerde nicht geschossen, muessten wir nicht diese Abwehrsysteme und Schutzraeume haben, und koennten uns mit dem Geld anders vergnuegen. 

Der Beschuss geht weiter

Vier Volltreffer auf Gebaeude in Ashkelon - g-tt sei dank keine Verletzten. 
Fuenf Verletzte in Ofakim. 
Ich bekomme gar nicht alles zusammen, es ist aber letztlich auch nicht wichtig, wer oder was alles wo getroffen wurde. Entscheidend ist die Tatsache, dass es immer noch ausreichend Waffen zu geben scheint, um den Sueden mit Raketen zu uebersaeen.

Mal angenommen, es wird in Kuerze einen Waffenstillstand geben, was wird dann sein, bzw. wie wird es weitergehen und wie lange wird es dauern, bis die Chamas sich wieder aufgeruestet hat, um in eine neue Runde zu gehen?
Glaubt jemand, dass ein Waffenstillstand dazu fuehrt, dass der Sueden endlich in Ruhe leben kann?
Ist es der pure Hass, der die Chamas weiter anspornt? Und wenn nicht Hass, was ist es dann? Und vor allem - was wollen sie erreichen?
Will man wirklich zwei Staaten fuer zwei Voelker?
Oder ist es nicht eher so, dass man nur ein Volk in einem Staat sehen will?
Irgendwie scheint alles so sinnlos. Zerstoeren, nachliefern, nachruesten, weiterschiessen, zurueckschiessen. Und dann?
Wie wird das Land in 20 Jahren aussehen oder in 10? Alles beim alten, nur ein paar Jahre spaeter? Oder bessere und toedlichere Waffen und ein ausgeloeschtes Israel (Chas vechallila)?

Alarm in Tel Aviv

Rakete wurde von Irondome abgefangen.

Haus in Ashkelon direkt von Rakete getroffen.

Das sieht alles nicht so sehr nach Frieden oder Waffenruhe aus.

Blauer Himmel

Moege es fuer uns alle ein wunderbarer, friedlicher, sonniger Tag werden, und moegen die Soldaten, die bereits fuer eine Bodenoffensive eingezogen wurden, unverrichteter Dinge nach Hause zurueck kehren. 
Betet fuer einen dauerhaften echten Frieden.

Waffenstillstand oder Einmarsch?

Stehen wir kurz vor einem Waffenstillstand? In der Nacht sind jedenfalls noch Ziele in Gaza bombardiert worden. Waffenstillstand soll es nur gegen andauernden "Frieden" geben, keine Raketen auf Israel. 
Ist das moeglich? Oder wird es nur ein paar Monate dauern, bis die Bewohner im Umkreis von Gaza schlaflose Naechte und gefaehrliche Tage erleben?
Gestern kurz vor Mitternacht flog die letzte Rakete vorerst in Shaar haNegev. 
Meine Zweifel sind gross, dass ein "echter" Waffenstillstand mit der Chamas erreicht werden kann, solange noch Waffen in ihren Arsenalen darauf warten, Schaden anzurichten. 
Warten wir ab, was heute passiert, wenn die Politiker aus dem Ausland eintreffen und uns raten was zu tun ist.
Sollte ein Waffenstillstand unterzeichnet werden, dann wohl mit der Vermittlung von Aegypten, wird eh kein Hahn danach kraehen, wenn in zwei Wochen wieder die erste Rakete auf israelischem Boden landet. Im Laufe der Monate wird die Chamas durch Iran oder Russland ueber die Tunnel zu Aegypten dann wieder bestens aufgeruestet, die Bewohner in Gaza werden weiter leiden, weil das Geld fuer Waffen ausgegeben wird, Israel wird fuer diese Zustaende in Gaza verantwortlich gemacht werden und alles geht von vorn los. 
Aber das ist meine eigene Schwarzmalerei. Vielleicht wird ja alles ganz anders, und ein dauerhafter Frieden kehrt ein. 
Koennt ihr euch das vorstellen?

Samstag, 17. November 2012

Waffenarsenale sind dezimiert? Ist nicht zu spueren hier...

Die Waffenarsenale der Hamas sind dezimiert, vor allem die gefürchteten Raketen aus Iran weitgehend vernichtet: Israels Regierungschef Netanjahu sollte die Offensive gegen den Gaza-Streifen für beendet erklären und als Erfolg verkaufen

So beginnt der Artikel von Ulrike Putz bei Spiegel.de. 
Liebe Ulrike, wenn ich im minutentakt hoere, wie Raketen auf Ashdod, Ashkelon, Beer Sheva, Nizanim und Tel Aviv geschossen werden, ist es mir sehr sehr schwer vorstellbar, dass die Raketen weitgehend vernichtet sind. 
Im Gegenteil, ich wundere mich im Laufe der letzten Tage sehr, ueber was fuer enorme Waffenarsenale die Chamas verfuegen. Das Volk hat nicht genug zu Essen, aber Waffen gegen den Erzfeind Israel gibt es immer ausreichend. 
Israel beschiesst Stellungen, von denen aus auf uns geschossen wird. 
Die Chamas schiesst einfach in unsere Wohngebiete, von wo aus nicht auf Gaza geschossen wird. Welchen Grund kann es geben, Tel Aviv zu bombardieren, wovon keine Gefahr fuer irgendeinen Buerger Gazas ausgeht?
Welchen Grund gibt es, so viele Waffen anzuhaeufen?
Israel hat seit Jahren betont, dass nur dann geschossen wird, wenn wir beschossen werden. Wird nicht auf uns geschossen, so wird auch nicht nach Gaza gefeuert, so einfach ist das. 
 

Reservisten eingezogen

In Gush Etzion, so erzaehlte uns eine Bekannte heute, sind recht viele Reservisten eingezogen worden im Laufe des Shabbat. Sie bekamen eine Anruf mit dem sogenannten "Befehl 8" (Zaw Shmone)
Auch E.s Sohn, Familienvater von 5 Kinder, ist im Alter von 42 Jahren seit Freitag eingezogen. Heute schickte er eine sms: "Alles o.k. wir haben den ganzen Shabbat Uebung gehabt und sind jetzt in der Naehe von X."
Wir werden sehen, ob es eine Bodenoffensive gibt, vielleicht schon morgen, vielleicht im Laufe der Woche oder aber gar nicht. 
 
 

Wir sind nicht bedrueckt

Trotz der Situation - so habe ich bereits meiner Tochter berichtet - sitzen wir hier nicht bedrueckt, voller Sorge und aengstlich in der Ecke, sondern leben weiter, lachen weiter, machen Witze. 
Dies ist eine ganz typische Art, wie Israels Buerger mit der staendigen Bedrohung durch die Nachbarn umgeht. 
In erster Linie gibt es einen unvergleichbaren Zusammenhalt. Wenn Krieg im Norden ist, gibt es Hilfsangebote ohne Ende vom Sueden, und umgekehrt. Fremde Menschen bieten den Alarmgestressten ein paar Stunden oder Tage "Urlaub" an, um durchatmen und sich erholen zu koennen. 
Zum zweiten - und das war in den letzten Tagen besonders in der Stadt zu sehen, die niemals schlaeft (Tel Aviv) gehen die Menschen weiter in Cafes, sitzen nicht nur zuhause, sondern leben weiter ihr Leben, zum trotz, "davka" (jetzt gerade!), wie man sagt. 
Im Gegensatz zu mir, kennen die Bewohner, die hier geboren sind oder schon Jahrzehnte im Land wohnen, Situationen wie diese, wissen, wie es ist, wenn Raketen fallen, wenn es Alarm gibt, wenn man in Schutzraeume laufen muss. 
Aber sie lassen sich nicht den Humor oder gar die Lebensfreude nehmen. 
Ja, wir haben auch ueber die Lage gesprochen am Shabbattisch, aber nicht ausfuehrlich oder gar ausschliesslich. 
Auch bemerkenswert ist die besondere Charakterstaerke der teilweise sehr jungen Soldaten. "Und wenn wir da reingehen muessen, werden wir das fuer unsere Familien tun, dafuer, wieder einen ruhigeren Alltag erleben zu koennen in Zukunft."

"Landen ja eh nur auf freiem Feld"

Immer wieder hoere ich folgenden Satz: "Naja... irgendwie hoert man ja immer nur, dass Raketen im freien Feld landen, das koennen ja keine Raketen sein, die so richtig Schaden anrichten, sie scheinen auch nicht genau zu zielen.."
Ja, und nein. Die Chamas zielt sehr wohl - aber wahllos - in bewohnte Gebiete, es ist ihnen egal, ob sie einen Kindergarten, eine Schule oder wen auch immer treffen. Sie bombardieren nicht gezielt irgendwelche Waffenlager Israels, so wie die IDF das tut, sondern sie wollen die Zivilbevoelkerung treffen. 
Das ist die traurige Wahrheit. 
Bitte nicht vergessen, dass die Raketen, die im freien Feld landen, ganz geplant nicht abgeschossen wurden von Irondome, denn Irondome kann die Flugbahn ausrechnen. Sollte die Rechnung ergeben, dass die Rakete nicht im Wohngebiet niedergehen wird, wird sie nicht abgeschossen, denn ein Abschuss durch Irondome ist wirklich schweineteuer! Das waere pure Verschwendung. 
Ist aber klar, dass die Flugbahn in ein Wohngebiet fuehrt wird Irondome aktiviert, und schiesst die Rakete ab. 
All diese abgeschossenen Raketen waeren also mitten im Wohngebiet gelandet. All diese Raketen nehmen die auslaendischen Medien nicht zur Kenntnis. Das Ergebnis - "alles kann ja nicht so schlimm sein!"
Ich wundere mich ganz im Gegenteil darueber wieviel Waffen bisher seit dem Gazakrieg angesammelt wurden, nur mit dem einen Ziel: Israel mit Raketen zu uebersaehen und zu terrorisieren, zu toeten!
Wir haben es in Kyriat Malachi gesehen, wo vorgestern ein Haus voll getroffen wurde, 3 Menschen sind getoetet worden, das ist kein Witz und war auch kein Spielzeug. 

Die Bewohner Tel Avivs jedenfalls konnten heute nachmittag auch froh und gluecklich sein, dass es eine neue Batterie des Irondomes in ihrer Naehe gibt. 
750 Raketen sind bisher auf Israel niedergegangen, seit den letzten Tagen. 

Erster Raketenalarm in meinem Leben - seltsamer Shabbat

So, nun sind auch wir Yerushalmis am gestrigen Shabbatabend unsanft aus dem "kuscheligen Fernsehsessel" geworfen worden. (dies ist mein Ausdruck fuer unseren besorgten Beobachterstatus, der immer noch im Gegensatz zum Sueden recht sicher schien).
Schlecht konnte ich mich kurz vor Shabbat loesen von den Bildern aus dem Fernseher. 
Als ich zur Synagoge ging, gab es ein paar Gedanken wie "in welchen Hausflur wuerde ich jetzt rennen, wenn es Alarm gaebe in Yerushalyaim?" , wobei wir ja eigentlich nicht so richtig rennen muessen, denn wir haben 1 1/2 min. Zeit vom Alarm bis zum Einschlag der Rakete. Das ist viel, im Gegensatz zu den 15 sek. im Sueden. 
All das war aber irgendwie Fiction. Wer wuerde schon nach Yerushalaiym schiessen? Aber haben wir nicht auch gedacht, dass sie es nicht wagen wuerden, Tel Aviv zu beschiessen?

Wir sassen gerade vielleicht eine halbe Stunde in der Synagoge, ich schaetze es war so gegen 16:30h, als ich meinte, Alarm zu hoeren. "Nach einem ganzen Tag vor dem Fernseher, fange ich schon an zu phantasieren" dachte ich und glaubte, den Alarm mit einer Ambulanz zu verwechseln, bis ich mich umschaute und in erstarrte Gesichter sah. Unser Gesang hoerte auf, wir standen alle langsam auf, wussten nicht so recht, wohin, und unser Rabbiner sagte: "Wer moechte, kann jetzt ins Treppenhaus oder nach unten, wo es einen kleinen Raum ohne Fenster gibt. Aber unten - das ist klar - gibt es nicht genug Platz fuer alle."
Hmm.. ich hielt nach Freda Ausschau, die in ihrer Beweglichkeit sehr eingeschraenkt ist. Moriah rief: "Noa, komm ins Treppenhaus oder nach unten." 
Ich dachte, wenn doch eh nicht genug Platz fuer alle ist.... Der Gedanke, mich jetzt ins Treppenhaus zu draengeln und vielleicht um einen "sicheren" Platz zu "kaempfen" kam mir ekelig vor. 
Ein Teil der Betenden ging zurueck auf ihre Plaetze und ich stellte meinen Stuhl neben Fridas, wollte in ihrer Naehe sein, nahm sie in den Arm. 
Ein junges Maedchen fing an zu weinen. Sie hatte eine Schwester in Beer Sheva und sorgte sich um sie. 
Ich wusste, dass wir uns absolut falsch verhielten. Nach einem ganzen Tag vor dem Fernseher, mit staendigen Hinweisen vom Pikud haOref (vom Zivilschutz), wie man sich im Haus und im Freien verhalten soll, war mir klar, dass wir uns wenigstens auf die Erde haetten setzen muessen und die Haende ueber dem Kopf halten sollen. Wenigstens das, wenn wir schon in einem Raum mit 3 Fenstern sassen!
Aber alle sassen normal auf ihren Stuehlen und genau das tat auch ich. 
Den "Bumm" habe ich nicht gehoert. Andere, die spaeter in die Synagoge kamen und auf dem Weg vom Alarm ueberrascht worden waren, aber schon. 
Wir sangen laut und leidenschaftlich und ich fuehlte mich wie in einem schlechten Film. 
Noch nie in meinem Leben hatte ich solch eine Situation erlebt. Das restliche Gebet war begleitet vom flauen Gefuehl, wann wohl der naechste Alarm ertoent. 
Ich ging anschliessend zu meinen Gastgebern, die in einer anderen Synagoge gebetet hatten. 
Chava erzaehlte mir, dass sie zuhause war, als der Alarm ertoente und dass sie sich in einen Zwischenraum ohne Fenster gestellt hatte. Ihr Mann Gabi war in der Synagoge zu dieser Zeit und als sich dort niemand so recht bewegen wollte (Yerushalmis sind Raketenalarm schon lange nicht mehr gewohnt, und daher etwas schwerfaellig was zu tun ist), ergriff ein Gast aus Ashkelon das Wort und sagte: "Chevre, (Leute), ich weiss wie das ist, also bewegt euch bitte jetzt nach unten. Ihr koennt nicht oben bleiben."
So begab sich dann die ganze Gemeinde nach unten in einen Raum. Dort wurde weiter gebetet. 

Wir assen und lachten und sprachen auch ein wenig darueber, wo wohl die Rakete gelandet sein koennte, aber da wir alle am Shabbat keinen Fernseher anmachen und auch kein Radio hoeren, mussten wir uns in Geduld fassen, bis uns jemand aus der Nachbarschaft, der Radio hoert erzaehlte, sie sei in Gush Etzion niedergegangen, im freien Feld. (G-tt sei dank!).

Meine sogenannten Adoptiveltern (die besten Freunde) waren woanders eingeladen und ich dachte darueber nach ob ich nach dem Essen nicht an ihrer Tuer klopfen sollte, um die Nacht dort zu verbringen. 
Dann ueberlegte ich es mir anders, und plante, mir alles zurechtzulegen, Jogginghose und Mantel, um nicht mitten in der Nacht im Pyjama ins Treppenhaus zu muessen. 
Ich habe - wie viele hier - keinen Schutzraum im Haus, aber ein Treppenhaus mit Fenstern und eines gleich neben mir ohne Fenster, welches zu weitern Wohnungen fuehrt. Dort ist der sicherste Platz im Haus, ohne Aussenwaende. 
So ging ich zu Bett und konnte lange nicht schlafen. Jedes Geraeusch liess mich aufmerksam sein. 
Irgendwann bin ich dann doch wohl eingeschlafen. 

Heute morgen - die Atmosphaere draussen war ruhig aber gespannt, ich ging nach dem Gebet zu den Freunden, wo ich eingeladen war. Sie hatten den Sender "Gal Shaket" (die stille Welle fuer Shabbat) eingeschaltet und waehrend wir beim Essen sassen, im Minutentakt kamen die Meldungen. 
"Alarm in Ashkelon"
"Alarm in Ashdod"
"Alarm in Beer Sheva"
"Alarm in Nizanim"
"Alarm in Ashkelon"
Es nahm kein Ende und da der Shabbatstatus nur angibt, wo gerade Alarm ist, und nicht weiter berichtet, was passiert ist, waren wir gezwungen, geduldig das Ende des Shabbats abzuwarten. 

Heute abend dann die Nachrichten, dass um 14h eine neue Batterie vom Raketenabwehrsystem Kipat Barsel (Irondome) in der Naehe von Tel Aviv installiert wurde - und bereits um 16h eine Rakete, die nach Tel Aviv flog abgefangen wurde. Was fuer ein Glueck! Was haette alles passieren koennen!

Freitag, 16. November 2012

Shabbat shalom und Shaket

Ich muss es zugeben, es faellt schwer, in einer Stunde zum inneren "Shabbatmodus" umzuschalten, denn in den letzten Tagen geht es Schlag auf Schlag, Alarm, Raketen, Alarm, Einschlag. 
In Deutschland wird man sich das kaum vorstellen koenne, es gibt hier alle paar Minuten eine Alarm-meldung und immer wieder dieselben Ziele, Ashkelon, Ashdod, Beer Sheva, und zum 2. Mal vor kurzer Zeit wieder Tel Aviv. 
Es scheint so, als naehere sich die Gefahr, je weiter die Reichweite der Raketen reicht. 
Und doch spueren wir besonders in diesen Tagen dass das Volk Israel ein Volk mit einem Herzen ist. (Am Echad beLev echad) Ich werde mich gleich so gut es geht auf den Shabbat vorbereiten. Shabbat heisst, alles so zu lassen, als sei es bereits "vollendet". Und das kann auch fuer unsere Sorgen gelten, nur ist es ungleich schwerer. Wir werden 25 Std. nicht genau wissen, wie es den Bruedern und Schwestern im Sueden und im Zentrum geht. Wir werden nicht wissen, ob eine Bodenoffensive startet, ausser wenn wir mitbekommen, dass Soldaten oder Reservisten eingezogen werden. 
Wir muessen unseren Glauben staerken und unsere Kommunikation mit unserem religioesen Irondome, dem Schutz von IHM auffrischen und nicht vernachlaessigen. 
Ich habe die weisse Shabbatdecke aufgelegt, die Kerzen vorbereitet und die Blumen auf den Tisch gestellt. Der Micham ist vorbereitet fuer heisses Wasser und die Zeitschaltuhren angeschlossen. 
Ich wuensche mir Ruhe fuer alle Bewohner des Landes und natuerlich auch fuer den Rest der Welt. 
Shabbat Shalom!

Angebot

Eine fruehere Kollegin schrieb mir eine Mail in diesen Stunden und bot mir an, wenn sich die Situation hier verschlimmert, solle ich zurueck nach Deutschland kommen, ich koenne voruebergehend bei ihr wohnen. 
Mein Dank ist mit ihr, fuer das lieb gemeinte Angebot. Doch bin ich weit entfernt von solchen Ueberlegungen.
Ich war in den schweren Stunden Israels meist in Deutschland, umringt von Menschen, mit denen ich nicht reden konnte, die nichts mitbekamen von dem, was sich abspielte und ich selbst hatte Muehe, mir ueber das Internet israelisches Fernsehen zu arrangieren, oft sehr teuer. 
Das Gefuehl, allein unter so vielen Menschen zu sein, die sich entweder nicht interessierten - jedenfalls nicht in dieser Intensitaet - oder ihre Verurteilung ueber Israels "ueberzogene Reaktionen" zum Ausdruck brachten, oder sich morgens bei der Arbeit ueber die Zeitung beugten und mit Kopfschuetteln kommentieren, wie schrecklich es doch ist, dass man sich "dort unten" wieder die Koepfe einschlaegt, war fast unertraeglich. 
Ich brauche hier mit keinem direkt zu sprechen, um zu fuehlen, dass wir alle in "einem Boot" sitzen. Wir wissen wortlos, was der andere denkt und fuehlt. Wir sind nicht allein. 
Alle haben Angst, alle versuchen, mit der Situation irgendwie fertig zu werden. 
Ich habe gestern abend Natan Sharanski von der Jewish Agency im Radio sprechen hoeren. Er befindet sich gerade im Ausland und brachte zum Ausdruck wie schwierig es ist, gerade in diesen Tagen nicht im Land zu sein. 
Es ist merkwuerdig, dass man die Gefahr, der man hier ausgesetzt ist, vorzieht. Aber es zeugt auch vom Bestreben des Menschen, sich verstanden zu fuehlen, nicht allein zu sein mit seinen Gedanken.

Zum zweiten Mal Alarm in Tel Aviv

1 1/2 Minuten gibt es im Bezirk Tel Aviv, vom Alarm bis zum Einschlag.

Der Norden umarmt den Sueden

Es gibt eine Welle von Hilfsangeboten in diesen Stunden. Bewohner des Nordens bieten sich als Gastfamilien fuer die Bewohner des Suedens an.
Das war auch 2006 (Libanon II) so - nur umgekehrt. Die grosse Solidaritaet, die gegenseitige Umarmung ist hier unbeschreiblich.

Gal Shaket - die "stille Welle" -

Wer den Shabbat haelt und in den gefaehrdeten Gebieten wohnt, fuer den gibt es eine Einrichtung mit dem Namen "Gal Shaket", die stille Welle, die ihm ermoeglicht, dennoch Anweisungen des Pikud haOref (des Zivilschutzes) zu hoeren und auf dem Laufenden zu sein. 
Die stille Welle wird eingeschaltet vor Shabbateingang und bleibt bis Ende des Shabbat an. Der Sender sendet nichts, nur im Notfall gibt es Anweisungen fuer die Bewohner. 
Dies zur Nachfrage eines Lesers, der wissen moechte, wie religioese Menschen den Shabbat einhalten koennen und gleichzeitig informiert zu sein ueber drohende Gefahr. 
Darueber hinaus noch einmal zur Erinnerung: Der Shabbat wird bei Lebensgefahr selbstverstaendlich gebrochen. Das Leben hat im juedischen Glauben IMMER Vorrang.

Kyrat Malachi - im Urlaub getoetet

Eine der getoeteten in Kyriat Malachi gestern (zur Erinnerung: ein Haus in Kyriat Malachi wurde direkt von einer Rakete getroffen. Drei Menschen, die im Salon sassen wurden getoetet, ein Saeugling verletzt) war die 25 Abgesandte von Chabad in New Delhi, die nur auf Urlaub war. 
Sie war in Kyriat Malachi eingeladen, und wollte nach der Geburt ihres dritten Kindes wieder nach New Delhi zurueck.

Alarm - Wie und wo sucht man Schutz?

Immer wieder weist Pikud haOref (Zivilschutz) die Bevoelkerung an, sich schnell nach Erklingen des Alarms in die Schutzraeume zu begeben. 
Nur - was macht man, wenn es keine gibt?
Im Krankenhaus Barsilai in Ashkelon jedenfalls gibt es nur provisorisch erreichtete Schutzraeume. Fuer Kranke noch beaengstigender als fuer Gesunde, die beweglich sind. 

Die Fernsehpsychologen erklaeren gerade den Kindern, die anrufen und nachfragen, was sie tun sollen, wenn sie keinen Schutzraum im Haus haben. 
Nicht nur fuer Kinder, sondern fuer alle gilt folgende Anweisung. 
Gibt es keinen Schutzraum, begibt man sich moeglichst schnell ins Treppenhaus (Vorsicht! Nicht in der Naehe von Fenstern). Wer in einem mehrstoeckigen Gebaeude wohnt (4 oder mehr Etagen) sollte sich 2 Stockwerke tiefer in das Treppenhaus setzen, an eine Wand, die Haende schuetzend ueber dem Kopf. 
Ist man im Freien, und hoert die Sirenen, schnell nach einem Gebaeude Ausschau halten und sich sofort ins Innere begeben, ins Treppenhaus. 
Ist man auf freiem Feld ohne Gebaeude, die man in einer bestimmten Zeit erreichen kann, so weist Pikud haOref an, lege man sich flach auf den Boden und schuetze den Kopf mit den Haenden. 
Warum flach auf den Boden? 
Die einschlagende Rakete spritzt trichterfoermig nach oben Splitter (sowie eine eventuelle Fuellung mit Naegeln oder Schrauben) in alle Richtungen. Liegt man auf dem Boden koennen die Splitter ueber den Menschen hinweg gestreut werden, und man ist geschuetzter als im Stehen. 
10 min. nach dem Aufprall sollte man in dieser Stellung bleiben oder im Schutzraum. 
Dies faellt den meisten sehr schwer, sie gehen zu frueh aus den Bunkern ins Freie und koennen von weiteren Raketen getroffen werden. 
Auch ein Abschuss der Rakete vom Iron Dome ergibt eine Explosion, die Splitter werden verstreut. Menschen die sehen wollen, wie Iron Dome die Rakete abschiesst, aus dem Schutzraum ins Freie gehen und nach oben schauen, bringen sich ebenfalls in grosse Gefahr. 

Feuerpause?

Waehrend des Besuches von Kandil aus Aegypten hat Israel bereitwillig einer Feuerpause zugestimmt, mit einer Bedingung: Dass vom Gazastreifen keine Raketen auf Israel geschossen werden. 
Seit dem Eintreffen von Kandil: 16 Raketen auf Israels Sueden. 
Man kann gar nicht so schnell nachkommen. Alle paar Minuten gibt es irgendwo im Sueden Alarm, in Askelon, Ashdod, oder woanders... 
So sieht die Feuerpause aus.

Tel Aviv - Solidaritaet - Freunde in Deutschland

Bevor gestern Alarm in Tel Aviv war, und Raketen in der Naehe vom Grossraum Tel Aviv einschlugen, auch in Rishon LeZion, habe ich meiner Tochter geschrieben: "Nicht dass die noch auf die Idee kommen, Tel Aviv zu bombardieren..." 
Innerlich war ich aber gar nicht davon ueberzeugt, dass dies so schnell passieren koennte. 
A - ich hatte Zweifel, dass die Chamas Waffen mit dieser Reichweite ueberhaupt besitzt, obwohl sie es immer wieder behauptet haben.
B - ich dachte, FALLS sie solche haben, werden sie es wohl nicht so schnell wagen, Tel Aviv zu bombardieren, denn das waere wirklich Krieg. (obwohl wir uns ja eigentlich schon lange im Kriege befinden, oder wie nennt man das sonst, wenn Bomben fallen und Menschen sich in Sicherheit bringen muessen?)

In der Regel freue ich mich auf den freien Freitag, da ich dann entweder ans Tote Meer oder nach Tel Aviv fahre, in den letzten Wochen eher nach Tel Aviv. 
Das tue ich dann heute doch nicht. 
Ich habe es gut, ich kann mich entscheiden, wohne in Jerusalem, kann vom kuscheligen Fernsehsessel aus das beobachten, was sich 100 oder 70 km entfernt abspielt. (die Frage ist, wie lange wir auch hier in Jerusalem noch im Fernsehsessel sitzen bleiben koennen?)

Ich werde nicht nach Tel Aviv fahren, ich bleibe zuhause, und die wenigen Nichtjuden, mit denen ich noch in Deutschland in Kontakt bin haben noch in keinem Wort ihre Solidaritaet ausgedrueckt.(von erfreulichen Ausnahmen abgesehen) Fuer mich ist dies ein klares Zeichen. Schliesslich wird keiner die riesigen Schlagzeilen in den deutschen Medien uebersehen haben. 
Vor einigen Monaten hatte ich eine Korrespondenz mit einer Freundin in Deutschland. Mir war aufgefallen, dass wir nie ueber unsere Lage in Israel sprechen, es ist seit Jahren wie ein Schweigegeluebde, wie ein Tabuthema.
Das drueckte ich ihr gegenueber aus, nachdem ein Rabbiner in Deutschland niedergestochen worden war und vorher auch auf den Mord an einer juedischen Schule in Toulouse kein Wort des Bedauerns, des Entsetzens oder der Verurteilung gefallen war. 
Ich auesserte ihr gegenueber, dass mein Eindruck sei, sie ignoriere den Antisemitismus in Deutschland. 
Scheinbar entsetzt schrieb sie mir zurueck, wie absurd meine Unterstellung sei (in der Anrede benutzte sie ploetzlich wieder meinen alten, nichtjuedischen Namen, ob bewusst oder unbewusst, weiss ich nicht) . Meine Unterstellung, sie wuerde Rassismus und Auslaenderfeindlichkeit ignorieren, sei geradezu grotest. Wo sie doch staendig den Aufmarsch der Braunen verurteile!
Wir redeten - meiner Meinung nach - aneinander vorbei. Sie wollte sie nicht auf den von mir angesprochenen Judenhass beziehen, und verurteilte auch jetzt nicht den Mord in Toulouse oder den Angriff auf den Rabbiner. 

Weiter schrieb sie mir aber, dass das keinesfalls ein Tabuthema zwischen uns sei, da sie aber politisch nicht so interessiert und schlecht informiert sei, wuerde sie sich mir gegenueber nicht auessern, zumal sie der Ueberzeugung sei, falls sie dies taete, wuerde sie unsere Freundschaft gefaehrden, da ich immer so "krass" reagiere und alles persoenlich nehme und das sei ihr "die Sache" nicht wert.
Oh ja, inzwischen nehme ich solche Stellungnahmen persoenlich. Ich bin persoenlich getroffen. 
Aber was mich an ihren Ausfuehrungen wieder schockierte, war eine ganz andere Sache. 
Wie kann man sagen, man sei kaum politisch interessiert, und schlecht informiert, wenn man gleichzeitig innerlich scheinbar eine Stellung bezieht, die unsere Freundschaft gefaehrden koennte. Im Klartext: Ihre Stellung bei diesem Thema weicht weit von meiner Einstellung ab und das weiss sie ohne dass wir ein Wort darueber verloren haben. 
Ohne gut informiert zu sein und scheinbar ohne grosses politisches Interesse haben viele Deutsche aber dennoch eine klare Meinung zum sogenannen Nahost-konflikt. Sie beziehen sehr schnell und ohne Zoegern Stellung! Automatisch. 
Allein diese Korrespondenz fuehrte dazu, dass ich wenig Lust habe, meine Gefuehle weiterhin mit ihr zu teilen. Ja, vielleicht bin ich krass oder nehme es persoenlich, aber was ist es denn anderes als eine sehr persoenliche Angelegenheit, wie man in Israel bei den Vorkommnissen fuehlt? 
Meine Angst oder Sorge, mein Mitgefuehl mit den Bewohnern im Sueden, all das kann ich nicht mit Menschen teilen, von denen ich genau weiss, wo sie stehen. 
Im Gegenteil - ich halte mich sehr bedeckt und habe das Gefuehl, wenn ich mich mitteile, mich nackt auszuziehen, vor Menschen, die uns verurteilen, weil wir uns wehren. Nackt auszuziehen, waehrend sie vollstaendig bekleidet vor mir stehen, und mir beim Ausziehen zuschauen. 
Anders kann ich es nicht ausdruecken, auch wenn das seltsam klingen mag. 
Freundschaft heisst fuer mich, Gedanken und Gefuehle zu teilen. Doch das ist zumindest mir nicht so ganz moeglich, ohne eine klare Position des Anderen "fuer mein persoenliches Wohl". 

Ja, es gibt auch Menschen hier in Israel, sehr links eingestellte, die teilweise in extremer Weise gebetsmuehlenartig die Schuld der Juden betonen. 
"Wir sind schuld! Das ist alles alles unsere eigene Schuld, was jetzt passiert."

Mit diesen Linken Israels argumentieren Menschen in Deutschland, die Israel verurteilen. Sie sagen: "Selbst Juden in Israel wissen, dass der Frieden in Israel nicht verwirklicht werden kann, weil die israelische Regierung dies verhindert."
Ist dem wirklich so, und welches Angebot wuerden die palaestinensischen Entscheidungstraeger annehmen, um den Frieden zwischen uns herzustellen?

Abschussrampen fuer die Zukunft zerstoert oder "Israel bombt weiter in Gaza"

Der derzeitige aegyptische Praesident Mursi soll in den naechsten Stunden Gaza fuer 3 Std. besuchen, Dies zum Zweck der Vermittlung fuer einen Waffenstillstand zwischen Chamas und Israel. Er hat eine voruebergehende Waffenruhe verlangt, waehrend seines Besuches. 
Dies wurde von Netanyahu zugesagt, mit der Bedingung, dass in diesen Stunden auch von Gaza-seite keine Raketen abgeschossen werden. Sollte dies dennoch passieren, werde Israel nicht zoegern, den Angriff zu beantworten. 
IDF beschiesst immer wieder Ziele auf scheinbar freiem Feld. Bei den Aufnahmen kann man sehen, wie beim Beschuss ploetzlich eine riesige Explosion stattfindet. Sogenannte Abschussgraeben unterirdisch, in jahrelanger Arbeit vorbereitet sind fix und fertig zum Abschuss auf Israel. Das Geschoss wird vorbereitet und in die Richtung gebracht, in die es fliegen soll, Beer Sheva, Ashkelon usw, . Von diesen Abschussgraeben wurden von gestern an ca. 250 erfolgreich vernichtet.

Nachschub kommt selbstverstaendlich immer wieder aus dem Iran ueber Aegypten und wird in den unzaehligen Tunneln nach Gaza geschmuggelt, unter den Augen der aegyptischen Regierung. 
Dazu wurde erwaehnt, dass diese grosse Anzahl an fix und fertig zum Abschuss bereiten Rampen ja nicht erst in den letzten Monaten unter Mursi vorbereitet wurden, sondern dies ist jahrelange Vorarbeitet, die bereits zu Mubaraks Zeiten stattfanden. In den letzten Jahren hat sich die Chamas enorm aufgeruestet, wie sehr, dass sehen wir jetzt an den bombardierten Waffenarsenalen.
 (Wozu brauchen sie diese riesige Anzahl an Raketen, wenn sie doch im Gegensatz zu Israel Frieden wollen?)
Die immer wiederkehrenden Schlagzeilen in Deutschland "Israel bombardiert Gaza" ist daher nicht so ganz korrekt. Es wird ein Bild hervorgerufen, dass IDF wahllos im Gazastreifen herumbombt, und das wird auch so in den Kommentaren ausgedrueckt, obwohl es weit mehr Verstaendnis fuer die Sicherheit der Buerger Israels gibt, als ich in der Vergangenheit gelesen habe. 
Auch darueber - ueber die Verurteilung der internationalen Gemeinschaft von Israels Vorgehen oder dessen Akzeptanz und Unterstuetzung - wurde soeben diskutiert. Die Akzeptanz, bzw. das Verstaendnis der Welt um uns herum, sei auch am Anfang des letzten Gazakrieges (Oferet Jetzuka "gegossenes Blei") gegeben gewesen, habe sich aber im Laufe der Aktion ins Gegenteil gekehrt, je laenger der Einsatz dauerte. 
Wuerde Israel also in den naechsten Stunden oder Tagen eine Bodenoffensive staerten, wird die Unterstuetzung sehr wahrscheinlich deutlich schwinden. 
In den letzten Monate habe ich persoenlich von Freunden aus Deutschland immer wieder den Satz gehoert: "Naja... aber nicht nur die Palaestinenser sind schuld!"
Was sicher stimmt, nur was mich an diesem Satz stets aufs Neue stoert, ist die Tatsache, dass er nicht umgekehrt formuliert wird: " Naja... aber nicht nur Israel ist schuld!"

Raketen auf Israel - "Kindersprechstunde" im Fernsehen

Zurzeit in den Sondersendungen befinden sich auch Kinderpsychologen im Studio, die Fragen der Kinder und Jugendlichen beantworten und dazu aufrufen, Angst auszudruecken, bzw. die Gefuehle mitzuteilen, die ein Kind ergreift, wenn "Zewa Adom" ertoent und man in die Schutzraeume laueft. 
Es ist unglaublich ruehrend, diesen Gespraechen zuzuhoeren und gleichzeitig erschreckend, wenn man sich vorstellt, was diese Kinder tagtaeglich erleben. 
Gestern war ein ca. 8 Jaehriger aus Ashkelon am Telefon. 
Der Psychologe:
"Bist du jetzt im Schutzraum?"
Kind: "Ja"
P.: "Und was machst du gerade?"
K.: "Ich spiele mit Freunden, oder bin am Computer."
P.: "A., was hast du fuer eine Frage an uns?"
K.: "Ich wuerde gerne wissen, was ich mit meiner Angst machen soll? Wenn ich Zewa Adom hoere, dann erschrecke ich mich immer und danach der BUMM, das macht so Angst."
P.: "Zunaechst einmal muss man sagen, deine Angst ist voellig normal. Wenn du keine Angst haettest, das waere unnormal. Und ganz ehrlich? Auch wir Erwachsenen haben Angst. Ich habe heute auf meinem Weg zur Arbeit auch Alarm gehoert, und musste aus dem Auto, um mich in Sicherheit zu bringen. Da hatte ich auch Angst, und der BUMM ist wirklich erschrecken. Sprich mit deinen Freunden darueber und versuche zu akzeptieren, dass deine Angst dazugehoert. Sie gehoert zu dir, besonders in diesen schweren Tagen und hat auch einen Vorteil. Angst soll uns schuetzen. Wenn du Alarm hoerst, und Angst hast, sagt die Angst dir, dass du dich schnell in einen Schutzraum begeben solltest. Das schuetzt dich vor Schaden."


Heute morgen ein Gespraech mit einem Maedchen aus Ashdod
Maedchen: "Ich wollte mal fragen, die Sirene macht mir immer so Angst, sie klingt so unheimlich (in Ashdod und Askelon und in anderen grossen Staedten gibt es kein Zewa Adom, sondern eine Sirene)
Ich hab mir gedacht, koennte man nicht ein Lied spielen, statt der Sirene?"
Alles lacht
P.: "B. das ist wirklich eine tolle Idee von dir. Statt Sirene hoert man ploetzlich in der ganzen Stadt Justin Biber. Was wuerdest du dir denn fuer ein Lied wuenschen?"
B.: "Was von Eyal Golan!"

Und auch das gibt es:
Ein kleines Kind soll angerufen haben,  und um Hilfe gebeten haben. Ihre Mutter war kurz einkaufen gegangen. Die Kinder blieben  zuhause. Als der Alarm erklang, kam die Mutter in Panik nach Hause und war voellig aufgeloest, zitternd und sichtbar nicht handlungsfaehig, versuchten die Kinder sie zu beruhigen und riefen bei der Hotline von Pikud haOref (dem Zivilschutz) an, baten um Hilfe. Man schickte sofort jemanden dorthin. 

Donnerstag, 15. November 2012

Alarm in Rishon leZion und in Tel Aviv

Das haette ich nicht erwartet. Alarm und eine Rakete in Rishon leZion (12 km von T.A.) und vor kurzem sogar in Tel Aviv. Eine Explosion wurde gehoert.
Dass sie wirklich Waffen mit dieser Reichweite haben, hab ich nicht so ganz geglaubt.

Raketen auf Israels Sueden

Seit gestern an die 200 Raketen auf den Sueden Israels und inzwischen ausser den 3 Toten in Kyriat Malachi weitere 11 Verletzte.

So koennt ihr euch relativ gut updaten in Deutschland

 Wir haben den Vorteil, Sondersendungen zu hoeren und zu sehen, in denen wir (leider) sogar Zeugen werden, wenn gerade Alarm ist.
Ich kann den deutschen Lesern und Interessierten nur raten, sich entweder (bei tagesschau oder spiegel) die Artikel GANZ bis zum Schluss durchzulesen, denn oft steht spaeter die gesamte Wahrheit im Artikel und nicht nur die Schlagzeile, die besagt, dass Israel bombardiert und angreift.
Falls ihr der englischen Sprache maechtig seid, ist Ynet in Englisch die beste Informationsquelle, fuer das, was hier passiert. (HIER der link)
Am besten ist natuerlich der informiert, der hebr. lesen kann. HIER der link zu den Seiten von Galej Zahal. Oder aber Ynet in hebr. Sprache.

Schlagzeilen und Nachrichten in Deutschland

Die Schlagzeilen im Spiegel "Israel bombardiert erneut Gaza" oder gestern "Palaestinenser fuerchten sich vor einem neuen Krieg" lassen mich wieder den Kopf schuetteln. 
Israel bombardiert nicht Gaza - einfach so. 
Israel bombardiert gezielt die Stellen, von denen aus Israel beschossen wird. Man kann sehr gut herausfinden, von wo die Raketen abgeschossen werden, und diese Terrozellen, werden auch oft direkt nach dem Abschuss dann beschossen. 
Kein Wort davon im Spiegel, oder wenigstens so, dass es ins Auge faellt, WARUM und WAS IDF da bombardiert. 
Zur Schlagzeile, "Palaestinenser fuerchten sich vor einem neuen Krieg" sei gesagt, dass auch in Israel Menschen aus Fleisch und Blut leben, Kinder, die bei den Sirenen Angst haben und in Panik geraten und wenn sie den Einschlag hoeren sich an ihren Lehrern oder Eltern festklammern. 
Auch in Israel haben diese Menschen aus Fleisch und Blut - obwohl sie Juden sind - Angst vor einem neuen Krieg. 
Meine Freundin Esti hat Angst um ihre Enkel, die bei der Armee sind und die fuer uns diese schrecklich schwere gefaehrliche Arbeit tun muessen. 
Ich verstehe die deutschen Medien nicht. Man kann sich sehr gut informieren was hier passiert, aber dazu muss es erst einmal den Wunsch und das Bestreben geben, sich schlau zu machen. 
Ja, die Palaestinenser in Gaza tun mir leid, all die Kinder, die auch in Panik geraten, die nichts dafuer koennen, dass in ihrem Volk Extremisten leben, die das sagen haben, die tagtaeglich das Leben der Zivilbevoelkerung Israels gefaehrden.