Montag, 31. Dezember 2012

EIN GUTES GESUNDES JAHR 2013!

Hier sagt man: ein gutes buergerliches Neues Jahr. Ich habe tatsaechlich ein paar Knaller gehoert soeben. Und es wird im TV berichtet, dass es in Tel Aviv mehr Neujahrsfeten gibt. 
Nun - wie es jeder auch haelt, ich wuensche jedenfalls fuer 2013 einen guten positiven Anfang und vor allem Gesundheit. (RAK Briut!!)
Ich werde wohl um 24h schon im Land der Traeume sein, denn ich muss morgen sehr frueh raus!

Sonntag, 30. Dezember 2012

Noch einmal Jacob und seine Soehne

Ein wichtiger Aspekt der letzten Parasha ueber Jacob und seine Soehne ist das letzte Gespraech mit den Kindern. Er segnet seine Soehne vor seinem Tod und spricht zu jedem einzelnen noch einmal "Tachles", sagt, was gesagt werden muss. Das soll uns unter anderem lehren, dass wir nicht von dieser Welt gehen sollen, bevor alles gesagt ist, bevor wir mit unseren Kindern "im Reinen" sind. Nichts soll ungesagt bleiben. 
Viele von uns tragen sicher den Vorsatz in sich, irgendwann einmal den Kindern noch dies und jenes zu sagen, das Wichtigste ist wohl, dass wir sie lieben. (Wann haben wir ihnen das zum letzten Mal gesagt? Und - denken wir, dass sie das schon ohne Worte wissen muessen? Aber warum es nicht aussprechen?)
Woher wissen wir aber so genau, dass wir noch genug Gelegenheit haben werden, Ungesagtes auszusprechen? Woher wissen wir, wann unsere Zeit abgelaufen ist?
Jakob hatte die Gelegenheit, da er krank wurde, er konnte sein Ende kommen sehen, war nicht unvorbereitet. Sollte uns das passieren, werden wir tatsaechlich die Gelegenheit haben. 
Aber es gibt viele Menschen, die von Jetzt auf Gleich aus dem Leben gerissen werden, ein ploetzlicher Herzstillstand, ein toedlicher Unfall - und das Ungesagte bleibt ungesagt. 
Daher sollten wir jeden Tag so leben und so im Reinen sein mit unseren Kindern, dass wir Abschied nehmen koennten, ohne bedauern zu muessen, wichtige Dinge nicht gesagt zu haben. 
Jeden Tag soll alles gesagt sein, was uns wichtig war.

Samstag, 29. Dezember 2012

Informations-ueberflutung oder "Duennhaeutiger im Alter?"

Frueher habe ich ueber meine Mutter gelacht, als sie bei Krimis den Kanal umstellte und sich lieber eine der aufgezeichneten "Ich heirate eine Familie"-Serie zum hundertsten Male anschaute. Ja jaa, Friede Freude, Eierkuchen, das war das, was meine Mutter sehen wollte. Keine Konflikte, keinen Streit, keine Kriege, bloss nichts mitbekommen. 
Nun muss ich gestehen, dass mir das auch immer haeufiger so geht. Ich habe in den letzten Tagen durch Zufall nach langer Zeit wieder einmal in einen "Messerstecher-Mord-Thriller" geschaltet, der mit dem angehaltenen Atem der Zuschauer spielt und ich muss sagen: Ich kann das nicht mehr! Und ich will es auch nicht mehr ertragen muessen. 
In meinem Falle schiebe ich es oft auf meine Herz-OP, (ja, wieder einmal..), weil ich das Gefuehl habe, seitdem viel duennhaeutiger und sensibler zu reagieren. (ob man mir da so eine Art Notbremse eingebaut hat?)
Sind denn die Tatsachen und Ereignisse, die in der Welt geschehen nicht brutal genug, dass wir uns noch etwas Brutaleres ausdenken muessen, um die Zuschauer zu "unterhalten"? 
Was fuer eine Art Unterhaltung ist das eigentlich, wenn wir uns ansehen, wie das dritte Maedel von einem Serienmoerder umgebracht wird und die Polizei immer noch nicht auf seine Faehrte kommt? 
Spannung ist angesagt. Aber muessen wir unbedingt "gespannt" oder "angespannt" sein? Sollten wir nicht lieber Ruhe und Ausgeglichenheit suchen? 
Als Ausgleich gehen wir dann zum Yoga oder zur "Progressiven Muskelentspannung", um uns wieder "runterzubringen". 
Ein bedauerlicherweise wahres Ereignis macht zurzeit Schlagzeilen, jeden Tag neu. Die brutale Vergewaltigung einer Frau in einem Autobus in Indien durch mehrere Maenner zieht Demonstrationen nach sich und Aufschreie der Entruestung. Es geht um die Rechte der Frauen in Indien und den Wert, den dort eine Frau hat und mehr. 
Die Frau indessen ringt mit dem Leben, saemtliche Organe haben versagt und ich frage mich mit Entsetzen, was das fuer eine Tat gewesen sein muss, wenn das Opfer mit dem Leben ringen muss? Ich lese, dass man sie nicht nur vergewaltigt sondern danach auch noch schwer misshandelt hat. 
Und ich muss sagen, ich kann die Bilder nicht aushalten, die in meinem Kopf dazu entstehen, moechte nur noch schreien und auf irgend jemanden einpruegeln. Ich werde mit diesen Informationen hilflos zurueck gelassen und weiss, dass wir uns auch vor zuviel Informationen schuetzen muessen.
Wir erfahren heute alles, was in der Welt vor sich geht, ungefiltert und ich bin die erste, die morgens die Nachrichten anklickt, um zu wissen, was passiert ist. 
(Hier in Israel ist es noch schlimmer. Man hat das Gefuehl, immer up to date sein zu muessen, und doch neigen auch hier immer mehr Menschen dazu, NICHT jede neue Schlagzeile zu lesen, denn morgen ist schon wieder eine neue Meldung an die Stelle der jetzt aktuellen getreten, und sich mit jeder Meldung persoenlich auseinanderzusetzen zieht viel Energie. Falls es uns direkt betrifft, wird es uns schon gesagt werden, wir werden es erfahren...)
Ich denke an die Zeit, in der die Menschen kein Internet, kein Fernsehen oder nicht mal eine Zeitung hatten. Sie werden nur das, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passierte, erfahren haben, mehr nicht. Schlimm genug, zu erfahren, dass beim Nachbarn eingebrochen wurde, aber was auf der anderen Seite der Erde passierte? - man erfuhr es einfach nicht. Und wozu auch? Aendern konnte man ja sowieso nichts und wie wir in Syrien sehen, nimmt der Zeitungsleser taegliches Morden hin, eine Konsequenz aber - etwa eine Einmischung anderer Staaten, Hilfe fuer die, die von ihrer eigenen Regierung abgeschlachtet werden - gibt es nicht. Wozu dann die Information, wenn sie nicht zu einer positiven Reaktion fuehren?
Ich habe das Gefuehl, mehr filtern zu muessen, nur noch zu ueberfliegen und nicht mehr die furchtbaren Schlagzeilen noch zu vertiefen, indem ich den ganzen Artikel lese. 
Ist es ignorant? Nicht sehen, nicht hoeren und nicht fuehlen wollen? Oder einfach ein Selbstschutz, um ein wenig mehr Seelenfrieden zu finden?
Oder ist es das Alter?
Auch in diesem Falle haben religioese Juden es ein klein wenig besser. Wenn wir nicht den Shabbat haetten, der uns einen ganzen Tag lang schuetzt vor zuviel Informationen, vor Spam-mails und vor einer Flut von sms oder nervenden Anrufen und uns in eine Atmosphaere erhebt, die Ruhe und Spiritualitaet bedeutet, so haetten wir ueberhaupt keine Auszeit vor dem normalen hektischen Alltag mit einem Zuviel an Eindruecken. 

Die Psychologie in der Tora

Beim Lesen der Kommentare zur heutigen Parasha (vajechi, Genesis 47:28), der letzten Parasha des Buches Genesis (hebr. Bereshit) wurden wir auf die einzigartige Psychologie aufmerksam gemacht, die sich in der Tora immer wieder befindet. 
Beim Segnen seiner Soehne, kurz vor seinem Ableben, spricht Jacob sich gegen die Taten von Shimon und Levi aus (Genesis 49:5 ff)
" ....Maenner mordeten sie im Zorn, laehmten Stiere im Uebermut. Fluch ihrem Zorn, der so heftig, ihrem Grimm, der so grausam...."
Was uns die Tora durch die Verurteilung der Taten Shimons und Levis durch ihren Vater sagen will, ist folgendes. Wenn du deinem Kind sagst, dass du das, was es getan hat, nicht gut heisst, sag ihm nicht "du bist ein boeses Kind!" oder "du bist schlecht!" , sondern verurteile nur das, was es getan hat. 
Das Kind ist nicht schlecht, es hat etwas getan, was nicht in Ordnung war, aber deshalb ist es dennoch nicht angesagt, dem Kind die Botschaft zu vermitteln, dass es schlecht ist. Eine Handlung, die schlecht war, kann man ueberdenken und eventuell beim naechsten Mal anders handeln. Ein Infragestellen der ganzen Person laesst das Kind hilflos zurueck, es kann nichts tun. Noch schlimmer waere die Botschaft: "du bist nicht mehr mein Kind!". Auch das gibt es und wie oft lernen Eltern erst in psychologischen Sitzungen (wenn ueberhaupt!), dass es wichtig ist, zu differenzieren, dem Kind weiterhin das Gefuehl zu vermitteln, dass es immer geliebt sein wird, nur dass seine Handlung nicht Gefallen in den Augen der Eltern fand. 
Erstaunlich, dass bereits in der Tora diese Weisheit zu finden ist, wie so viele andere auch.

Freitag, 28. Dezember 2012

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Ein Kerem















Ein Kerem - ein Tag in der Toscana Israels

Die Toskana Israels liegt direkt 10 Busminuten von Jerusalem, Har Herzl. 
Ein Kerem, das kleine vertraeumte Oertchen mit Dorfatmosphaere, in dem sich mehrere Jahre nichts veraendert hat, ist immer einen Ausflug wert und spendet Ruhe in der Hektik Jerusalems. 
Heute hatte ich keine Verpflichtungen, und obwohl ich wieder einmal mit mir haderte, ob ich nicht die Gelegenheit nutzen und nach Agmon HaChula fahren soll, Pelikane und Kraniche beobachten, habe ich mich dann doch fuer die billigere Variante entschieden, die direkt vor meiner Haustuer liegt, sozusagen. Ich habe den Tag sehr genossen und bin in doerflicher Atmosphaere, fast den ganzen Tag bei angenehmem Wetter und meistens von Sonne begleitet, herumflaniert. 
Fuer christliche Touristen ist der Ort auch wegen seiner Kirchen interessant und der Marienquelle. 
Einen kleinen Rat noch: der Ort ist am ruhigsten um die Mittagszeit, dann sind aber auch die Kirchen leider geschlossen. 
Aber auch die Umgebung kann man fast ohne Touristen mit einem Spaziergang erkunden. 
Ich habe dabei heute einen Weg entdeckt, den ich noch nicht kannte. "Shvil Hadassah" , ein kleiner Pfad zweigt auf dem Weg zur "Besuchskirche" (Visitatiokirche) rechts ab, und fuehrt unterhalb der Kirche hinauf bis zum Hadassah Hospital in Ein Kerem. 
Ich habe mit einem Araber an einem der Verkaufsstaende an der Kirche Johannes des Taeufers gesprochen, der mir bestaetigte, dass der Tourismus zurzeit sehr schwach laeuft. 
Es gaebe viele Stornierungen seit dem Krieg, bedauerte er und man konnte es spueren. 
Sind sonst viele Busse gerade in diesen Ort mit den vielen Kirchen unterwegs, so war es doch deutlich ruhiger heute. 
Es gibt scheinbar nur ein einziges kosheres Cafe, das ist Cafe "Inbal".
 

Moeglichst sehr alt werden?

Wollen wir um jeden Preis alt werden? Oder wer will fuer immer leben? Gibt es eine Muedigkeit vom Leben und wie wird unser eigenes Ende aussehen?
Ich glaube jeder, der mit alten Menschen umgeht, stellt sich diese Fragen. 
M. war bis vor 3 Wochen noch relativ unabhaengig, wohnt in einer kleinen, gemuetlichen Wohnung im Heim. Ja, die Beine tun schon lange weh und die Augen machen nicht mehr mit. 
Aber im Alter von 94 kann man froh sein, wenn man nicht von Altersdemenz oder Alzheimer betroffen ist. M. ist sehr klar und hat erst in den letzten Jahren entdeckt, dass sie malen kann. Nicht irgendwie - nein, richtig gut kann sie malen, sich ausdruecken. 
Sie ist kreativ und macht Schmuck, hat einen guten aussergewoehnlichen Geschmack in Modefragen, kleidet sich ganz und gar nicht wie eine aeltere Dame. 
Vor ein paar Wochen fiel sie mehrfach in ihrer Wohnung. Seitdem hat sie Schmerzen.
Sie wurde am Katarakt operiert und es ist ihr fuer ein paar Wochen verboten, zu lesen, ihre Augen anzustrengen. 
M.s Alltag, Zeitung lesen, kreativ sein, Perlen auffaedeln und malen ist mit einem Male ein anderer. Nichts kann sie tun, nicht einmal ein wenig spazieren gehen, da die Beine schwaecher werden, sie setzt muehevoll einen Fuss vor den anderen. 
Mit Sharon ist die Arbeit eine voellig andere. Sharon leidet an Alzheimer (ihr erinnert euch?) und ihr Alltag sieht immer gleich aus, wenig abwechslungsreich aber das ist auch gar nicht ihr Bestreben. Die tiefe Verunsicherung dadurch, dass sie gar nicht weiss, was um sie herum vor sich geht, verlangt nach Routine, moeglichst in den eigenen vier Waenden. Das jetzt Erlebte ist in ein paar Minuten wieder vergesssen und auch mich kennt sie nach mehr als 2 Jahren nicht. Aber es ist vorrangig, ihr ein stets gleiches ruhiges freundliches Gegenueber zu sein.
M. erlebt ihre Verschlechterung aktiv mit, sie macht sich Gedanken, hofft sehr auf den Tag, an dem man ihr eine Brille anpasst und sie wieder lesen darf. Wenn alles klappt, sollte sie das auch bald wieder koennen. Aber garantieren kann das keiner. 
Sie weiss, dass alles, was sie bisher so gern getan hat, zurzeit (oder endgueltig?) nicht mehr moeglich ist. 
M. klagt nicht, sie beschwert sich nicht, sie hadert nicht mit ihrem Schicksal, und wenn dann so leise, dass ich es nicht hoere. 
Da sie in jedem Falle alles, was nur eben geht, allein tun will, ist es angezeigt, sehr aufmerksam und wachsam mit ihr umzugehen. Es ist sicher viel leichter, ihr die Dinge aus der Hand zu nehmen und fuer sie zu handeln. 
M. versucht, die Tasse im Zeitlupentempo, aber allein, zum Mund zu fuehren, es ist anstrengend, man sieht und spuert es, sie scheitert, die Tasse kippt, ich helfe, versuche aber ihrem Drang, alles selbst auszufuehren, gerecht zu werden, ich frage sie: "Soll ich ein wenig helfen?" und manchmal stimmt sie zu. 
Ihre Anstrengung uebertraegt sich auf mich, ich moechte ihr helfen, "richtig" helfen, irgendwie, aber das ist nicht moeglich. 
Ich kenne Hilflosigkeit, da ich vor zwei Jahren nach einer Herz-OP so ziemlich gar nichts mehr konnte. Meine Hand zu heben, war mit grosser Anstrengung verbunden und ich musste mir gefallen lassen, dass mir eine Hilfskraft im Krankenhaus (die furchtbar nett war) beim Duschen half, waehrend ich auf einem kleinen Stuehlchen im Badezimmer sass, voellig erschlagen vom Weg dorthin. Ich kenne koerperliche Schwaeche und das Entsetzen und die Traurigkeit darueber. 
Meine Schwaeche war aber stets mit dem Gefuehl verbunden, dass alles zeitlich begrenzt sein wuerde, ich war "jung", wuerde mich wohl wieder erholen, mit grosser Wahrscheinlichkeit. 
M. hingegen weiss das nicht, sagt manchmal, dass sie irgendwie auch "genug hat, in einer Warteposition ist". 
Sie moechte anderen nicht zur Last fallen, und doch teilt sie ihre Wohnung nun Tag fuer Tag mit irgendeiner Pflegerin, gezwungenermassen. Sie darf keine Minute mehr allein gelassen werden. 
"Man" plant fuer sie. Es geht nicht anders. Aber sie weiss das und sagt "ich leite das Unternehmen nicht mehr". 
Es passiert nicht selten, dass der Physiotherapeut kommt und sie nach etwas fragt, doch bevor sie muehselig antworten kann, kommt die Antwort schon von anderen Personen. Sicher nicht boese gemeint - aber....
Man braucht sehr sensible Menschen um einen alten Menschen herum, die es leider nicht so haeufig gibt.

M. ist eine sehr kleine zierliche Person, die wie ein Voegelchen isst, Miniportionen. 
Ihre Toechter und die Pflegerinnen, die ich kenne, koennen das respektieren, da sie nicht auf einer Pflegestation ist und in ihrer Wohnung individuell betreut wird.
Ich kenne leider nur andere Umgehensweisen. Aus meiner Zeit als Volontaerin in einem Altenheim in Jerusalem und auch aus zwei Heimen in Deutschland kommen Erinnerungen an unschoene Szenen hoch, Pflegerinnen, die aufgrund von Personalmangel (oder Ignoranz, oder beidem..) neben dem alten Menschen stehen (nicht sitzen!) und ihm das Essen in den Mund stopfen, auch gegen seinen Willen, begleitet mit den Worten: "Schlucken! Schlucken!" oder "Mund auf!" 
Auch an Pflegebeduerftige, die mit einer grossen Spritze "gefuettert" werden, in die man das vorher passierte Essen aufgezogen hat, erinner ich mich mit Traurigkeit. Die Kinder hatten dies veranlasst, da sie Angst haben, Mutter oder Vater verhungern sonst. 

Man kann nicht viel falsch machen, wenn man sich wirklich in jeder Minute fragt: "Wuerde ich mich dabei wohl fuehlen? Wuerde ich das so wollen?"
Aber es ist selbstverstaendlich viel anstrengender und erheblich zeitaufwendiger, als dem alten Menschen das "Zepter" aus der Hand zu nehmen, fuer ihn zu handeln. (Auch ich habe mich schon dabei erwischt, wie ich gedankenlos etwas "fuer M." getan habe, ohne zu fragen, ob sie das moechte).
Ein sensibles Umgehen erfordert hohe Aufmerksamkeit zu jeder Minute, Wachsamkeit, Ruecksicht und Einfuehlungsvermoegen, vor allem letzteres. 
Und es erfordert noch etwas, das Bewusstsein darueber, dass jeder von uns in dieser Lage sein kann oder wird, nicht alle haben das grosse Glueck, mitten im Leben einen Herzstillstand zu erleiden und auf diese Art einer meiner Meinung nach schrecklichen Phase des Lebens zu entgehen.
Warum nur, guetiger G-tt, bist du so wenig guetig, wenn wir alt werden? Warum nur muessen wir wieder zu Kindern oder unmuendigen Wesen werden, die anderen Menschen ausgeliefert sind? 
Warum nur gibt es soviel Missbrauch und Misshandlung im Bereich derer, die hilflos sind, Alte, Behinderte und Kinder?
Warum nur nutzen Menschen die Hilflosigkeit anderer schamlos aus?
Und warum beschuetzt du diese hilflosen Menschen nicht vor ihren Peinigern?
 

Montag, 24. Dezember 2012

Sonntag, 23. Dezember 2012

Jonathan Raz´el - Katonti

Jonathan Raz ´el mit einem beruehrenden Lied aus der Schrift (Genesis 32.11), Jacobs Gebet um Hilfe bevor er auf seinen Bruder Esaw trifft. 
"Ich bin nicht wert all der Gnaden und Wahrheit, die du deinem Knecht erwiesen hast. Denn nur mit einem Wanderstab habe ich den Jordan ueberschritten und jetzt bin ich im Besitz von zwei Lagern. Ach, errette mich aus meines Bruders Hand....


Ersatzprogramm

Ich bin ein wenig enttaeuscht wegen meiner "Schlappheit", aber wirklich nur ein wenig. Der Koerper hat es einfach nicht geschafft, sich um 5h aufzuraffen, mit der Aussicht auf zweimal 3 Stunden Busfahrt, hin und zurueck. 
Ich brauche zurzeit irgendwie mehr Schlaf und gebe dem auch nach. Dafuer lasse ich jetzt die Sonne ins Zimmer und fruehstuecke ganz entspannt und in Ruhe, ohne Druck, irgendwo hin zu muessen. Das ist auch etwas wert. 
Die Kraniche muessen bis zum Fruehjahr warten (sie werden sicher nicht warten, sondern weiterziehen, aber zurueckkommen) und vielleicht kann ich ja dann jemanden mobilisieren, der mit mir im Auto hinfaehrt. 
Ein Spaziergang in der Sonne Jerusalems wird es nachher auch tun. 

Samstag, 22. Dezember 2012

Agmon haChula - vielleicht morgen frueh?



Falls ich es schaffen sollte, morgen, an meinem freien Tag, an dem nur eine Deutschstunde um 18:00 auf mich wartet, aus den Federn zu kommen, werde ich um 6:40 von der Tachana Mercazit den Bus in den Norden nehmen, zur Emek haChula, genauer gesagt, zum Agmon haChula, wo sich ein Vogelschutzgebiet befindet, das seines gleichen sucht.
Zurzeit koennte ich noch Glueck haben und die Kraniche erleben, die auf ihrem Weg in den Sueden nach Afrika hier Rast machen und neue Kraft schoepfen fuer den Weiterflug.
Auch Pelikane gibt es zu bewundern, natuerlich nur "unter anderem".
HIER ein wenig Information ueber das Paradies der Voegel.(HIER auf Deutsch eine Beschreibung des Gebietes.)

Freitag, 21. Dezember 2012

Frohe Weihnachten, liebe Toechter!

Ich wuensche euch, liebe Toechter ein wunderbares Weihnachtsfest und denke immer gern an unsere Weihnachts-fondues zurueck. Oft haben wir in verschiedenen Konstellationen zusammengesessen und gegessen, gelacht und "Krrrrissmessmusik" gehoert. 
Der Weihnachtsbaum war immer ein kleiner krummer vernachlaessigter, den niemand haben wollte und immer gab es Fondue, weil so das Kochen wegfiel und alle lange gemuetlich um den Tisch herum sitzen konnten. 
Geschenke auspacken war immer spannend, auch wenn ich manchmal das Preisschildchen noch vergessen hatte, zu entfernen, oder gar im Januar noch ein zu gut verstecktes Geschenk unter einer Couch oder hinterm Schrank fand. 
Ich werde mich immer in Freude an diese Tage erinnern!
Feiert ausgiebig und mit viel Spass!
Natuerlich auch fuer alle Leser, die Weihnachten feiern ein FROHES FRIEDVOLLES FEST IM KREISE DER LIEBEN!

SHABBAT SHALOM!


Vajigash - Josef gibt sich seinen Bruedern zu erkennen, und was das mit mir zu tun hat

Als Josef sich seinen Bruedern zu erkennen gibt, in Aegypten, fuerchten sie sich. Sicher denken sie sofort daran, dass er sich raechen koennte. Sie wissen, was sie ihm angetan haben und nun steht er hier vor ihnen. Er scheint ihre Furcht zu ahnen, und beruhigt sie sofort. "Ihr muesst nicht denken, ihr habt mich nach Aegypten verkauft, sondern G-tt hat dafuer gesorgt, dass ich hierher komme, er hat mich vor euch hierher geschickt, damit ich jetzt zu diesem Zeitpunkt euch aus der Hungersnot helfen kann."
Josef weist auf den grossen g-ttlichen Plan hin, bei dem alles bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Manchmal fragen wir uns, warum etwas so geschieht und nicht anders? Und oft stellt sich spaeter heraus, im Rueckblick, dass es gut war so, dass es einen Sinn hatte. 
Ich weiss nicht, warum G-tt mich nach Israel fuehrte, im Alter von 46 Jahren. 
Mein Vater starb, als ich 32 Jahre alt war und hinterliess diesen riesigen Bildband ueber Israel und das Volk Israel, sowie ein altes Testament, die Tora, die Christen eher nicht regelmaessig lesen. Er hatte dort viele Saetze unterstrichen, die mit Geboten zu tun haben. Und er wollte Zeit seines Lebens nach Israel. Leider habe ich mich damals nicht dafuer interessiert,warum eigentlich. 
Ich dachte nur, vielleicht irgendwann einmal komme ich ja auch nach Israel, dann mache ich diese Reise auch ein wenig fuer ihn, da er es nicht geschafft hatte.
Es vergingen 13 Jahre, bis ich genau wusste, ich muss jetzt dorthin. Nichts haette mich davon abhalten koennen, es war wie ein Zwang. 
Er hat mich hergefuehrt und ich dachte, es wird eine Reise wie viele andere werden, die ich zu diesen Zeiten unternahm. 
Aber nichts war mehr wie vorher. Ich fuehlte mich auf seltsame Weise "angekommen", wie nach Hause gekommen, obwohl ich weder die Sprache sprach, noch irgendetwas ueber das Judentum wusste. Ich wusste nicht, warum das Volk Israel auch ein Volk ist, und nicht nur eine Religion. Ich kannte keine Feste und vom Shabbat hatte ich auch nur gehoert. 
Ich dachte, es ist die Landschaft, das Meer, die Wueste, aber all das hatte ich auch in anderen Laendern kennen gelernt. 
Hier war es auf kleinstem Raum zusammen und es kam in mir ein Gefuehl auf, dass ich hier ALLES haben konnte, Schnee auf dem Hermon und das Mittelmeer, sowie die Stadt Jerusalem, auf dem Berge, wo es mich immer wieder hinzog und wo ich heute wohnen darf. 
ER hatte einen Plan mit mir, davon bin ich ueberzeugt. Aber dieser Plan hat auch fuer viel Verwirrung und Uneinigkeiten gesorgt, vor allem in meiner Familie. 
Konnte G-tt wollen, dass ich meine Toechter alleinliess? Auch wenn sie schon erwachsen waren, war dies doch in ihren Augen eine Art "Abwendung" von unserem gemeinsamen Glauben, dem Christentum, mit dem sie doch aufgewachsen waren. (Wenn wir auch wenig religioes gelebt haben)
Das Judentum muss in den Augen anderer seltsam anmuten, merkwuerdige Dinge sind es, die religioese Juden tun. Und die Maenner - huellen sich manchmal in Gebetsschals und ziehen diesen ueber den Kopf, sehen aus wie kleine Gespenster, strangulieren ihre Arme mit irgendwelchen Lederbaendern, was soll der Sinn von diesen Dingen sein? Sich zu zwingen, am Shabbat kein Fernseh zu schauen, nicht zu telefonieren und nicht ins Internet zu gehen scheint wie eine grosse Einschraenkung des freien Lebens. 
In Israel gibt es auch Menschen, Juden, die religioese Juden belaecheln. Sie sagen Saetze wie: "Aber wenn du den Shabbat haeltst, dann bringst du dich um viele schoene Dinge! Du kannst nicht im Land umherfahren und kein Picknick im Wald machen mit Freunden"
Viele Dinge sind aber hier selbstverstaendlicher, man kann kosher einkaufen, ohne lange suchen zu muessen, und auch Konzerte am Shabbat fangen nach Shabbatausgang an, damit auch religioese Juden hinkommen koennen. 

Aber warum hat G-tt mich hierhergeschickt? Nur um meiner selbst willen, weil ich mich hier gut fuehle? Was ist mit den Toechtern, hat er das eingeplant? Er wusste doch sicher, dass sie zoegern, mich zu besuchen, Angst haben, in einem Land Urlaub zu machen, was ab und zu mit Raketen beschossen wird. Er weiss, dass eine der Toechter zu wenig Geld hat fuer eine Flugreise. Er wusste auch, dass ich nicht genug Geld und Urlaubstage haben wuerde um umgekehrt sie regelmaessig zu besuchen. 
Was bezweckt er also damit in seinem grossen Plan? 
Und was ist danach, wenn ich nicht mehr bin? 
Diese Frage treibt mich staendig um. In der grossen Generationenkette gibt es dann eine, die ploetzlich Noa heisst, sie taucht auf im Alter von 50 Jahren, als sie in der Mikwe untertaucht, allein, hat Kinder, die keine Juden sind und die Kette wird, wenn sie irgendwann von dieser Welt geht, abreissen. 
Die, die nach ihr kommen sind keine Juden mehr. 
Kann das alles einen Sinn haben? 
Wird irgendwann einmal ein Enkel von mir fragen: "Was hat die Oma eigentlich dazu getrieben, Juedin zu werden und nach Israel zu gehen?" Und werden meine Kinder darauf eine Antwort haben?
Werden sich die Enkel dann vielleicht damit beschaeftigen?
Vielleicht kann dieser Blog und sein Archiv ein wenig auf diese Fragen Antwort geben, denn wer weiss, wie lange das Internet und seine Eintraege "ueberleben" wird. 
Auf all diese Fragen gibt es zurzeit keine Antwort und auch bei Josef wurde eine Familie auseinandergerissen, scheinbar ohne Sinn. 
Erst Jahre spaeter war klar, warum. 
So muessen wir ohne es genau zu wissen auch darauf vertrauen, dass es einen groesseren Sinn haben wird, was geschieht. 
Dieses grenzenlose Vertrauen aufzubringen, ist manchmal furchtbar schwer.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Alles ein grosses Thema - oder "fuerchte dich vor nichts und niemandem!"

Das Thema heisst "Fuerchte dich vor nichts" oder "alles ist moeglich" oder aber, um es mit einem Satz aus der Tora zu sagen: "und waehle das Leben!".

Die Ereignisse der letzten Wochen, sowohl in mir als auch die, die sich in der Realitaet ereigneten, haengen alle auf eine besondere Art und Weise zusammen. 
Auch der beeindruckende Vortrag von Pascal Berkowitch gestern gehoert dazu. 
Waehle das Leben, es lohnt sich zu kaempfen, und du kannst alles erreichen was du willst. 
Vor allem beschaeftigt mich in der letzten Zeit mein Rueckblick auf das Leben, meine "Memoiren" sozusagen. Ja, auch ich habe fast alles erreicht was ich wollte im Leben, da hat Pascal recht, wenn sie sagt, es lohnt sich, zu kaempfen. 
Bei meinem Fazit als Mutter bin ich wieder in mir zusammengesunken, fast verzweifelt an dem, was ich an Schaden verursacht habe. Aber auch in dieser Hinsicht hat sich gezeigt: "es lohnt sich zu kaempfen, nicht locker zu lassen und ALLES zu versuchen..". 
Der Kampf um die Kinder, um ein irgendwie halbwegs normal gestaltetes Verhaeltnis zu ihnen lohnt sich. Auch wenn man zwischendurch denkt, es hat ja doch keinen Sinn, sie haben ihre Meinung von dir, ihre schlechten Erinnerungen, und es scheint so, als wollen sie die auch behalten, dir keine Chance geben. Du kannst tun, was du willst, es ist doch nicht richtig. Also tu besser gar nichts. 
Es lohnt sich, immer wieder "angekrochen" zu kommen, zu versuchen, ins Gespraech zu kommen, ihnen das zu entlocken, um was es "wirklich" geht - und immer wieder zu signalisieren, dass man bereit ist fuer die Auseinandersetzung - auch wenn sie weh tut.
Aber auch hier denke ich, hat  ER sich wieder eingeschaltet. Ich habe oft in der letzten Zeit an der Westmauer gestanden und gebetet fuer eine Annaeherung der Kinder an mich, eine irgendwie geartete konstruktive Auseinandersetzung mit der Moeglichkeit einer neuen Beziehung zu ihnen. 
Ich habe innerlich nicht so ganz daran geglaubt, denn ich sah die Verhaertungen, fuehlte die Abwehr und Distanz immer mal wieder. 
Aber ploetzlich tat sich ein kleines Licht auf, und das ausgerechnet durch meinen Blogeintrag. Am selben Tag, an dem ich mit mir haderte, "veroeffentlichen oder lieber nicht?" verzweifelte eine meiner Toechter gerade fast daran, ob sie denn ernst genommen wird mit ihren Erinnerungen. 
Ja, ich hatte es schon oefter, immer wieder betont, dass sie recht hat, dass ich weiss, was ich getan habe, und dass ich es bereue, aber offenbar war das nicht genug. 
An diesem Tag war sie ganz unten und las meinen Blogeintrag. 
Sie schrieb mir eine Mail und dankte mir fuer meine Worte, dafuer dass ich sie ernst nehme und dass sie das, was sie innerlich belastet einfach loswerden darf - und dass ich es annehme.
Es lohnt sich zu kampfen, das will ich damit sagen, und alle Eltern aufmuntern nicht locker zu lassen, ihren Stolz und ihr Beleidigtsein ueberwinden. Stellt euch der Konfrontation.Und hoert auf, euch selbst zu bemitleiden, denn es geht mal nicht um euch.
Ja, es tut weh, dorthin zu schauen. Aber viel mehr muss es doch wehtun fuer unsere verzweifelten Kinder, wenn sie keine Adresse haben, es sagen zu duerfen, viel mehr schmerzt doch der Gedanke, dass die Kinder vielleicht daran gehindert werden, ihr eigenes Leben zu leben, mit weniger Schatten der Vergangenheit. 
M. erzaehlte mir gestern von einer Freundin, die im Altenheim mit ihr lebt. Sie hat einmal einen grossen Fehler gemacht, und ihrer Tochter gesagt, die Wahl, die sie getroffen hat (in punkto Ehemann) wuerde sie nicht akzeptieren, das Ergebnis, die Tochter wendete sich ab und hat sich nie wieder gemeldet. 
Auf der Beerdigung ihres Vaters war sie auch nicht. 
Nun fragt sich besagte Frau, ob die Tochter wohl zu ihrer Beerdigung kommen wird. 
Ich kann nur sagen, liebe Frau X. , das ist doch furchtbar, wenn du dich das fragst, denn du wirst ja keine Ruhe, keine Antwort in diesem Leben bekommen. Was aber moeglich ist, ist das du alles versuchst, um wieder in Kontakt zu kommen. Sag ihr, dass du es bereust, dass es ein Fehler war, dass du nicht so weitermachen willst. 

Ich habe jedenfalls das leise Gefuehl, dass es sich gelohnt hat, immer wieder wie eine Bloede auf die Kinder zuzugehen, Missverstaendnisse aufzuklaeren und darauf hinzuweisen, dass man sich zur Verfuegung stellt fuer eine Konfrontation. Wenn es konstruktiv ist, wenn nicht nur wahllos Ohrfeigen ausgeteilt werden, wenn es um das geht, was wirklich unter der Decke schlummert - dann ist es das wert. 

Der Vortrag gestern hat mir aber auch in anderer Hinsicht auf meinem Weg eine "Lehre" erteilt. Die Lehre naemlich, dass man sich eigentlich vor nichts und niemandem fuerchten muss. Wenn wir es religioes sehen, so heisst es doch "Wenn G-tt dir eine Krankheit ueber den Weg schickt, so hat er schon die Medizin an dich verteilt."  Du traegst also das in dir, was dich aus dem Sumpf herausholen kann. 
In den letzten Wochen - ja, sogar Monaten - bin ich nicht gerade durch stabile Arbeitsstellen gesegnet gewesen, ich bin von A nach B, in der Hoffnung, nun aber "endlich angekommen" zu sein. Ich habe auf Geld verzichtet, weil ich sah, dass alles Geld der Welt nicht ein harmonisches Arbeitsverhaeltnis ersetzen kann, dass die Gesundheit (vor allem die seelische) mehr wert ist als die Tatsache, sich 3 neue Kleider statt nur einem leisten zu koennen. 
Aber immer habe ich aengstlich an einem Strang festgehalten, der "Einkommen" (Sicherheit) bedeutete. Je mehr Verpflichtungen wir haben, desto bedrohlicher ist ein Arbeitsverlust. 
Menschen in Deutschland muessen sich ja nicht so fuerchten, denn meine Lieben, es gibt Hartz IV und fuer eine ganze Weile wird man sogar mit einer hoeheren Miete aufgefangen. Man kann sich - wenn auch auf ganz niedrigem Niveau - ernaehren und wenn es ganz dicke kommt gibt es Suppenkuechen (diese uebrigens auch hier). 
Ich war immer bestrebt, nicht loszulassen, den kleinsten Strang an Arbeit fest in der Hand zu halten. Miete nicht bezahlen koennen, wohnungslos werden, verhungern, auf der Strasse landen... das sind keine angenehmen Szenarien. 
Und doch bin ich gezwungen worden, loszulassen, zu vertrauen dass es weitergeht. 
Ich habe gekuendigt mit der Gewissheit, dass ich mich 7 Std. um M. kuemmern kann, ein Einkommen habe, bis ich eine "geregelte" Arbeit finde. 
Dann kam M. ins Krankenhaus und ich hatte nichts. 
Was ich jedoch sah, es gibt immer kleine Arbeiten, Menschen, die Begleitung benoetigen oder anderes, zur Not kann man putzen oder Kinder hueten. 
Ich fiel zum ersten Mal nicht in Panik, merkte, auch hier lohnt es sich zu kaempfen, von A nach B zu laufen und zu vertrauen, dass es weitergeht. 
ER, an den ich glaube, hat sich wohl gedacht, dass ich nur auf diese Art mehr Vertrauen lerne, mehr und mehr die Angst verliere, darauf baue, dass ER, der immer dafuer gesorgt hat, dass ich ein Dach ueber dem Kopf und zu essen hatte, schon auf mich aufpasst und dass es sich lohnt, auf IHN zu bauen. 
Meine Freundin sagte mir in dieser wackeligen Zeit, als ich ihr dankte fuer Unterstuetzung "Wieso? Wir sind doch die Abgesandten G-ttes auf dieser Erde, und wir helfen dir."
Lange hat ER mich ja nicht im Ungewissen gelassen, denn schon nach ein paar Tagen hatte ich die Aussicht auf eine neue Arbeitsstelle im Januar.

Als ich am letzten Freitag die Nachricht bekam, dass ich angenommen werde, dachte ich sofort: "Jetzt muss es aber wirklich klappen. Hoffentlich ist es dieses Mal das Richtige. "
Aber warum eigentlich? 
Ich denke, mit dieser Einstellung setze ich mich doch schon wieder unter den Druck, dass es nun aber ENDGUELTIG sein muss. 
Hier in Israel sagt man immer: "das ist doch keine katholische Ehe", womit gemeint ist, dass nichts fuer die Ewigkeit ist, und alles geaendert werden kann, klappt etwas nicht, ist das nicht schlimm, dann versucht man eben etwas Neues, Anderes. 

Was ist so schlimm daran, dass ich seit April in Raanana, in Jerusalem im Diamantengeschaeft, in Mevasseret in der Tourismusbranche und im Altenheim gearbeitet habe? 
Ich hatte (fast) durchgehend Arbeit und habe unendlich viele neue Dinge und zahllose Menschen kennengelernt, die mein Leben bereichert haben. 
Und sollte es dieses Mal wieder nicht klappen? Wem bin ich Rechenschaft schuldig, ausser mir selbst? Es waere schoen, wenn es klappt, aber wenn nicht, ist das keine Katastrophe, dann suche ich mir mit G-ttes grosser Hilfe etwas Neues. 
Niemals aufgeben und kaempfen, worum es sich zu kaempfen lohnt, das soll meine Parole sein. Vor allem aber: Fuerchte dich vor nichts und niemandem.
Ich persoenlich kann das nur mit G-ttes Hilfe. 



Montag, 17. Dezember 2012

Du musst dich nur entscheiden....

Heute war ich bei meiner baldigen Arbeitsstelle zu einem Personalabend eingeladen. Unter den vortragenden Gaesten war Pascale Noa Bercovitch, Journalistin, Filmdirektorin und Sportlerin - ohne Beine. 

Pascale macht den Menschen mit ihrer Geschichte Mut (es lohnt sich, diese Frau anzuhoeren im youtube) und beschaemt sie gleichzeitig. Was bin ich doch fuer ein Jammerlappen, gegenueber dieser Frau, die alles, was sie wollte, auch erreicht hat - aber eben ohne Beine. 
Pascale (heute 45 Jahre alt) sprueht vor Lebensfreude, strahlt von innen, wenn sie erzaehlt, wie sie jeden Tag ihr Leben geniesst, im Rollstuhl, ohne Beine. 
Sie ist 17 Jahre, Athletin, als sie in Paris die U-Bahn erreichen will, um zum Training zu fahren. Der Zug faehrt schon ab, als sie sich entschliesst, noch in die Tuer zu springen, die sich gerade erst schliesst. Sie vergisst, dass sie keine Turnschuhe anhat, sondern modische Schuhe mit Absatz und dass sie einen Rucksack traegt. Sie springt - und haengt am Zug, da die Tuer sich schliesst. Sie laesst los, faellt in den Schacht auf die Geleise und liegt mit dem Genick direkt auf dem Gleis, hat nicht viel Platz und der naechste Zug naehert sich. Sie muss sich entscheiden und dreht sich um, legt ihre Beine auf die Geleise, statt den Kopf. Der Zug donnert ueber ihre Beine und teilt die Frau in zwei Haelften. Sie sagt, es hat zunaechst nicht weh getan - kein Schmerz, aber sie weiss, dass bald der naechste Zug kommt und niemand hat bemerkt, dass sie dort liegt, wo sie liegt. Sie kann sich nicht bewegen, und wartet auf Hilfe, sieht sich schon in einer anderen Welt. Pascale liegt ganze 47 min. so dort und es kommt noch keine Hilfe, bis sich ihr ein Mensch naehert, der offenbar informiert wurde, dass auf den Geleisen eine Tote liegt. 
Sie sagt, sie musste sich entscheiden - Leben, oder Tod. 
Sie hat sich fuer das Leben entschieden. Sie kaempft. 
Im Tunnel sagt ihr ein Sanitaeter, dass es draussen heftig schneit und sie warten muss - warten, bis es moeglich ist, sie ins naechste Krankenhaus zu bringen. 
Die Geschichte geht weiter, sie erzaehlt von einem jungen Arzt, der sie versorgt im Rettungswagen, der ihr aber nicht ins Gesicht schauen kann. Doch was sie braucht ist Aufmunterung, seelische Unterstuetzung, ein "du schaffst das!". 
Eltern und Schwester kommen sie irgendwann, nach einer OP von vielen Stunden besuchen, mit Trauergesichtern. 
Waehrenddessen aber ist sie durch so viele Phasen gelaufen, dass sie bereits ganz woanders ist, als ihre Liebsten. Sie sagt, in diesen Stunden ist sie bereits mehrere Male zur selbsterchorenen Heldin geworden. 
Seit diesem Ereignis - so berichtet sie - hat sie alles, was sie sich vorgenommen hat, geschafft. Und was sie noch sagt: "Du musst dich entscheiden. In dem Moment, wo du dich entscheidest, schaffst du alles. Du musst dich nur entscheiden."
Irgendwann habe sie morgens die Augen geoeffnet und sich gesagt: " Ich will nach Israel, und dort zur Army." Sie hat dann ein Programm gefunden, wo junge juedische Menschen eine Zeitlang in der Army volontieren koennen. Sie hat mitgeholfen, Panzer zu reparieren.
Ein paar Jahre spaeter ist sie eingewandert, mit einem Koffer, der ein wenig groesser war als ein normaler, und 40 Dollar. Sie hat es geschafft. 
Sie hat die Augen geoeffnet eines morgens und sich gesagt: "Ich will Journalistin werden." Und schreibt heute fuer mehrere Zeitungen. 
Pascale wollte eine Kind haben, und hat es auch bekommen, sowie sie spaeter im Israel Paralympic National Team rudert. 
Sie hat alles geschafft, was sie sich vorgenommen hat und strahlt von innen. "Wer sich heute Gedanken macht, was in 2-3 Jahren ist, der macht was falsch, der verpasst leider den Moment, den er gerade lebt." sagt sie. 
Man nimmt dieser Frau ab, dass sie jeden Moment mit jeder Faser lebt, dass sie sich ganz bewusst fuer das Leben entschieden hat und wer sie erlebt, wie sie vom Rollstuhl gleitet, diesen auf die Buehne hebt und hinterherspringt, der nimmt ihr die Lebenslust ab und fuehlt sich selbst mehrfach behindert, neben dieser starken Frau. 
Ja, was sind wir doch fuer Jammerlappen!

Sonntag, 16. Dezember 2012

Meine Gedanken sind immer bei der Tora

Ein grossartiges sehr beruehrendes Lied von Aharon Razel ueber die uebergrosse Liebe von Am Israel zur Tora. "Immer sind meine Gedanken bei ihr..."
Wenn du dich von der Tora entfernst - chas vechalilia - wird sie sich auch von dir entfernen, aber wenn du dich nach ihr sehnst immer und ueberall, wird sie auch immer bei dir sein und sich dir naehern...

Samstag, 15. Dezember 2012

Rueckblick mit schlechtem Gefuehl

Ich hatte bereits erwaehnt, dass ich im Gespraech mit M. auf meine eigenen Unzulaenglichkeiten und Schwaechen gestossen bin, mit aller Heftigkeit und vor allem, weil es zurzeit ein Thema ist. 
M. hat all die wunderbaren Eigenschaften, die ich nicht habe. Sie ist eine Frau von ueber 90, die - meiner Meinung nach - zufrieden auf ihr Leben zurueckblicken kann und nicht viel falsch gemacht haben kann. 
Am Morgen, als wir zusammensassen, sagte sie mir mit ihrer zarten Stimme: "Ich habe wirklich zwei aussergewoehnliche Toechter."
Ich sagte zu ihr: "Aber ich denke, da hast du eine ganze Menge dazu beigetragen, dass sie dir so zugetan sind."
M.:" Schau mal, ich habe damals darauf verzichtet, mich weiterzubilden, was ich wirklich gern getan haette. Aber ich dachte, zu Gunsten der Familie tue ich das nicht, denn die Familie ist das Wichtigste."
Und da hatte ich schon Traenen in den Augen und sagte ihr: "Und es hat sich tausendfach ausgezahlt, wenn ich sehe, wie ausgewogen und liebevoll deine Toechter sind."

Ich habe auch wunderbare Toechter, aber sie leiden noch heute unter dem, was ich falsch gemacht habe - und das ist nicht wenig. 
Mein Resummé faellt schlecht aus, wenn ich daran denke, wie sehr ich mein eigenes Ding gemacht habe und zusaetzlich werde ich - mit Recht - von beiden Toechtern abwechselnd auf diese Vergangenheit aufmerksam gemacht. Ich kann und will davor nicht fliehen, aber es tut weh. 
Nicht, weil sie mich konfrontieren, sondern weil sie Recht haben. Koennte ich sagen: "Die spinnen doch. Das ist doch alles etwas uebertrieben..." aber es ist leider nichts uebertrieben. 
Ich sehe mich - gerade frisch geschieden - wie ich meine kleine Tochter nicht nur zum ersten Mal in den Kindergarten brachte, sondern auch noch gleich bis 17h, da ich eine Weiterbildung in einer Schule fuer Gestaltung begann, 5 Tage zu einem Werbegestalter zur Arbeit ging und den 6. Tag Theorie in einer Schule. Dass das schief gehen musste war klar. Nach sechs Wochen brach alles zusammen und ich musste aufgeben. Da die Schule mir sehr Spass gemacht hat, weiss ich nicht, ob meine Kinder nicht auch meine Enttaeuschung mitbekamen und sich auf diese Weise schlecht fuehlten. 
Was ich erinnere und was mir bestaetigt wird, ist dass ich nach der Scheidung meine Toechter, die 8 und 3 waren heillos ueberfordert habe, die eine mit viel zu grosser Verantwortung ueberfrachtet, die andere nicht richtig wahrgenommen mit ihren Beduerfnissen. Beide hatten nachdem sie nun ihren Vater "verloren" hatten unter grosser Verunsicherung und Verlustaengsten zu leiden und ihre Mutter tat nicht etwa alles, um diese Sicherheit wieder herzustellen, sondern verstaerkte dies noch, indem sie sich auf alle moegliche Arten verwirklichen musste. 
Was man mir vorwerfen kann ist, dass ich wirklich immer mein Ding "durchgezogen" habe, ohne grosse Ruecksicht auf Verluste und ohne gross nachzudenken, welche wunderbaren Kinder da vor mir standen, denen ich zumutete, sehr oft umzuziehen und meine Spinnereien mitzumachen. Ich habe eigentlich so ziemlich alles falsch gemacht, was man als Mutter falsch machen kann, hatte aber meist wohl das Gefuehl, es ist alles richtig so. Meine eigene Mutter hatte mich erstickt und erdrueckt, ich dachte es sei gut, den Kindern eher eine Freundin, als eine autoritaere Mutter zu sein, ihnen soviel Freiheiten wie moeglich zu geben. 

Ich sehe mich am Strand in Italien, mit Kopfhoerern Musik hoeren, statt mit meinen Kindern zu spielen, sehe mich am Abend ein Glas Wein trinken, waehrend ich von meiner aelteren Tochter erwarte, die "Kleine" mit zu den Freunden zu nehmen, was ihr verstaendlicherweise gar nicht gefiel und laestig war. Ich sehe mich, wie ich ihr deshalb Vorwuerfe mache, bis wir alle im Hotelzimmer weinen. 

Ich habe ihre Not einfach oft nicht gesehen, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschaeftigt war und habe von Meditation bis zum Marathon, Weiterbildungen, Abendschule und Studium so ziemlich alles getan, mich nur nicht ordentlich und stetig um meine Kinder gekuemmert. 
Auch ich war damals in Therapie, wo man mir mein schlechtes Gewissen, was ich dann doch wohl manchmal hatte, mit den Worten genommen hat, die Kinder wuerden eine ausgeglichene Mutter eher ertragen koennen, als eine unzufriedene, die sich zwingt, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und am Herd zu stehen. 
Ach, wie muessen sie sich eine am Herd stehende Mutter gewuenscht haben!
Und wie toll war diese Ausrede doch, um weiterzumachen. 

Das Schlimme zurzeit ist, dass ich genau weiss, dass ich die Vergangenheit nicht aendern kann. Ich kann zugeben, was ich getan oder versaeumt habe, so ehrlich wie es geht, aber ich kann nicht zurueckspringen und es anders machen. Ich kann zum Himmel flehen, dass ER mir vergibt, aber das nuetzt nicht viel, wenn sie mir nicht vergeben. 
Aber koennen sie das alles wirklich vergeben? 
Was ich nicht tun kann, ist den Schaden, den sie dadurch genommen haben, rueckgaengig machen. Den Schaden, der sie eventuell heute noch begleitet in bestimmten Situationen, in denen sie auf eine Weise reagieren, die ich verursacht habe. 
Ich habe Schaden angerichtet, den sie nun ausbaden muessen, den jede versucht - auch eventuell mit Therapie - zu minimieren. Aber ich bin dafuer verantwortlich. 
Und da ich geschieden war, kann ich nicht einmal sagen, ich uebernehme 50 % Veranwortung, da vielleicht der Vater die andere Haelfte traegt. 
Nein, das funktioniert nicht. Denn ich war die Hauptverantwortliche. 
Ich habe Ersatzvaeter gesucht und ihnen vorgesetzt, ohne sie zu fragen und habe mich getrennt ohne dass sie Einspruch erheben konnten. 
Und als I-Tuepfelchen, auch wenn es bereits im Erwachsenenalter war, wende ich mich durch Kashrutgesetze und Judentum noch einmal mehr ab, muss mein eigenes Essen mitbringen und stosse nicht gerade auf Verstaendnis dadurch - mit Recht. 
Meine Auswanderung nach Israel, meine Rueckkehr aus einem Gefuehl heraus, eine schlechte Mutter zu sein und zu erkennen, dass man nichts mehr "reparieren" kann, dass der Zug "abgefahren" ist, und es zu spaet ist... all das sind die Dinge mit denen ich mich zurzeit beschaeftige. 
Nein, ich bin nicht wieder kurz davor, aus schlechtem Gewissen zurueckzugehen, aber ich schaue mit Schrecken zurueck auf meine Fehler. 
M. hat das alles nicht getan, sie war da, sie hat fuer ihre Kinder eine Weiterbildung aufgegeben. 

Und meine Eltern, die furchtbar streng waren, und von denen ich immer dachte, ich habe sehr unter ihnen gelitten - sie waren da, zu Hause. Sie haben uns wenigstens eines geboten - Stabilitaet. 

Freitag, 14. Dezember 2012

Nes von Chanukka - grosse Erleichterung fuer mich vor Shabbat

Ein neuer Monat, Shabbat Chanukka - und ein Wunder!! Ich habe Arbeit ab Januar, in einem anderen Altenheim, einem sehr religioesen. Ich freue mich und bin sehr sehr erleichtert. ER hat mich mal wieder gerettet! Wie so viele Male zuvor. DANKE
Shabbat Shalom und Chodesch tov!

Shabbat Shalom!



Donnerstag, 13. Dezember 2012

Jetzt ganz und gar in SEINER Hand

So, nun bin ich ganz und gar "frei" und in SEINER Hand. 
Als ich heute morgen zu M. kam, um mich 7 Std. am Tag um sie zu kuemmern, war sie kurz vor der Einweisung ins Krankenhaus. Leider muss sie wegen schlechter Blutwerte im Krankenhaus  behandelt werden und ich konnte nur eine Stunde mit ihr sprechen. 
Dieses Gespraech war aber so intensiv und hat mein derzeitiges Thema, was ich in mir trage so tief getroffen, dass ich wirklich beruehrt war. Aber zu besagtem Thema ein anderes Mal mehr. 
Ich war merkwuerdigerweise nicht so sehr erschuettert, dass ich nun keine Arbeit habe, sondern, traurig ihretwegen. Sie ist eine wunderbare Frau, so klein und zerbrechlich und doch mit einer inneren Staerke, die ich zutiefst bewundere. Ein wahrer "Mensch", wie man sagt. 
Ich hoffe sehr fuer sie, dass sie schnell wieder nach Hause kann und das ganz unabhaengig von meinem Job bei ihr. 

Ich habe auch im Moment keine Angst, obwohl die Situation dies rechtfertigen wuerde.Vielleicht kommt das noch. 
Morgen gibt es ein Vorstellungsgespraech in einem Heim und gleich werde ich mich mit einer Frau treffen, die fuer ihren Vater eine Begleitung und Betreuung sucht, dreimal die Woche. 
Ein Deutschschueler steht naechste Woche auf dem Programm und ansonsten werde ich weitersehen. 
Alles ist offen - ein merkwuerdiges Gefuehl - aber auch interessant. (Ich sage nicht, dass das nicht in Panik umschlagen kann. Dies ist nur eine Momentaufnahme)

Dienstag, 11. Dezember 2012

4. Kerze mit Sharon

Ich habe heute meine Kerzen mitgenommen und mit Sharon die 4. Kerze angezuendet. Sie hat eine Chanukkia, aber nicht so viel Sinn fuer Chanukka. Das nicht erst seit ihrer Alzheimererkrankung sondern immer schon. 
Trotzdem haben wir ein wenig Freude daran gehabt, zusammen. 

Montag, 10. Dezember 2012

Chanukka - die 3. Kerze

Licht, Licht! Ich habe ein unbaendiges Beduerfnis nach Licht in diesen Tagen. Viel Licht geben mir zurzeit die Freunde, die wieder versuchen, wo sie koennen, mich aus meiner derzeitigen Lage zu befreien. Es gibt Vorschlaege und konkrete Telefonnummern, Einladungen und SMS mit staerkenden Worten.

Sufganiot - das "Leben versuessen an Chanukka"


Samstag, 8. Dezember 2012

Brief an Tante Margret

Ich habe "Tante  Margret" geschrieben. Sie ist gar nicht mit uns verwandt, sondern eine ehemalige Jugendfreundin meiner Mutter. Aber wir Kinder haben immer "Tante" zu ihr gesagt. 
Tante Margret habe ich zum letzten Mal vor fast 20 Jahren gesehen. 
Die ganzen letzten Jahre verbringe ich damit, mich zu fragen, warum wohl mein Vater -s.l., G-tt hab ihn selig - Zeit seines Lebens nach Israel wollte. Als er noch lebte, habe ich kein Interesse gehabt, zu fragen, welche Gruende er hat und als ich nach Israel kam und mich hier zuhause fuehlte, zum Judentum uebertrat und hierher gezogen bin, war es zu spaet zu fragen. Er ist vor mehr als 20 Jahren gestorben, hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Viele Fragen gibt es um seinen freigewaehlten Tod herum, und noch mehr Fragen stellen sich fuer mich persoenlich in Bezug auf Israel. 
Was trieb ihn an und welchen Grund hatte er, nach Israel zu wollen? 
Seine eigene Schwester weiss davon gar nichts und meine Mutter hat stets in grosser Angst vor jeglichen Flugreisen diese Reise zu verhindern gewusst. 
Einmal habe ich gehoert, wie meine Mutter sagte: "Falls du wirklich mal nach Israel fliegen solltest, kannst du mit mir nicht rechnen. Dann musst du mit Margret fahren."
Margret teilte mit ihm den Wunsch, einmal ins Heilige Land zu fliegen. 
All das muss ueberhaupt nichts mit dem Judentum zu tun haben, denn schliesslich ist Israel auch die Wurzel fuer das Christentum. 
Und doch habe ich immer wieder das Verlangen, mehr zu wissen ueber die Beweggruende meines Vaters. Vor ein paar Wochen fiel mir in diesem Zusammenhang Tante Margret ein. Ein Blick ins Telefonbuch von Gevelsberg sagte mir, dass sie noch lebt aber ob sie auch noch kopfmaessig klar ist und ob sie sich ueberhaupt an diese Geschichten erinnern kann - all das weiss ich nicht. 
Ich habe ihr einen langen Brief geschrieben, ihr von meinem Weg erzaehlt sie gefragt, ob sie sich erinnern kann, warum er unbedingt nach Israel wollte, wo ich nun wohne. 
Bisher habe ich noch keine Antwort bekommen.

Chag Chanukka Sameach

Der Shabbatabend war schoen, ich war eingeladen und bin auch hingegangen, was zunaechst nicht so klar war. 
Aber heute morgen kam ich nicht aus dem Bett. Erst gegen Nachmittag habe ich mich aufgemacht, zur Kotel, um das Anzuenden der ersten Chanukka-kerze mitzuerleben. Licht - ja, ich brauche zurzeit dringend Licht in der Dunkelheit. 
Morgen ist ein neuer Tag und ich werde zum ersten Mal in der Kueche arbeiten und wissen, wie mein Dienstplan aussehen wird und ob er mir ermoeglichen wird, weiter mit Sharon zu arbeiten an zwei Nachmittagen in der Woche. Falls nicht, haette ich ein zusaetzliches Problem. 

Freitag, 7. Dezember 2012

Kurz vor Shabbat

Ich war an der Kotel, habe dort gebetet und wieder ein wenig Kraft und Hoffnung gefunden. Mein Gefuehl der Aussichtslosigkeit hat sich gewendet. Ich fuehle mich nicht mehr so klein und bedeutungslos, habe mich innerlich aufgerichtet und bereite den Shabbat vor, habe Blumen gekauft und fuehle ein Flaemmchen in mir, das sagt: Hab keine Angst! ER war immer bei dir, hat dir immer geholfen, So wie ER da war bei Awraham, Jitzchak und Jaacov so wird ER auch weiter bei dir sein, wenn du nur an IHM festhaeltst. Und das tue ich, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele!

SHABBAT SHALOM