Montag, 30. Dezember 2013

Der erste vegane "Schwarma-burger" in Jerusalem

"Hashwarma haZimchonit", (der vegetarische Schwarma) ein neuer Laden, ca. einen Monat alt, hat in Jerusalem geoeffnet. 
Ich hatte den Tipp von Estis Enkelin, die mit Mann und Kleinkind vegan lebt. 
Da ich den Imbiss noch nicht bemerkt hatte, obwohl er nur ein paar Schritte vom Gebaeude entfernt ist, wo unsere Firma sich befindet, in der Hillel Str., musste ich sofort etwas probieren. 
Ich waehlte einen "Cheeseburger" (vegan natuerlich). Und ich muss sagen: "Einfach lecker!"
Als ich den Besitzer fragte, ob viele Leute zum Essen herkommen, sagte er: "Leider nein." und ich fuerchte nun, es kann sein, dass sich der Imbiss nicht lange haelt. Waere schade!

Freitag, 27. Dezember 2013

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Aufgeheizte Lage im Sueden

Die Vorfaelle (Anschlaege) haeufen sich. Vor ein paar Tagen wurde ein Israeli der an der Grenzalage zum Gazastreifen Ausbesserungsarbeiten verrichtete, getoetet. Er wurde aus dem Gazastreifen heraus beschossen. 
Zahal (IDF) bombardierte daraufhin Ziele im Gazastreifen. Es war ja bereits angekuendigt. Herrscht Ruhe aus dem Gazastreifen, so herrscht auch umgekehrt Ruhe. Wird Israel angegriffen, so wird jeder Angriff "beantwortet". Eine klare (und wie ich finde faire) Rechnung oder?
Schiesst nicht, dann werden wir auch nicht schiessen. 
Die Atmosphaere heizt sich langsam wieder auf, so scheint es, und einige sprechen sogar schon von einer kurz bevorstehenden dritten Indifada. Aber davon ist nun schon sehr lange immer mal wieder die Rede. 
Dass Moerder fuer den "Friedensprozess" freigelassen werden sollen, will mir leider immer noch nicht in den Sinn, vor allem verstehe ich die Logik dahinter nicht. 
Wer einen Staat Palaestina will, muss doch auch an Recht und Ordnung interessiert sein, oder was fuer ein Staat soll da sonst entsehen, in dem freigelassene Terroristen jubelnd begruesst werden und weiter dazu aufgefordert wird, in Israel Terroranschlaege zu verueben?
Tut mir leid, das ist mir zu fremd. 
Familien, die ihre Liebsten verloren haben, demonstrieren und protestieren - mit Recht. Sie zahlen diesen Preis, sehen, wie der Moerder ihrer Tochter, ihres Sohnes, ihrer Eltern von einer jubelnden Menge in Ramallah empfangen wird. Die Wunde wird wieder aufgerissen. Aber es wird so sein und niemand wird daran etwas aendern koennen. 

Inzwischen wird erwartet, dass vom Gazastreifen aus eine Reaktion auf die Luftangriffe erfolgen wird und es wurde eine weitere Batterie von Kipat Barsel (Irondome) im Sueden bei Sderot errichtet. In der Nacht flog dann auch eine Rakete aus dem Gazastreifen Richtung Ashdod, landete aber G-tt sei dank auf offenem Feld. 
Man nennt es zurzeit "angespannte Ruhe".

Montag, 23. Dezember 2013

Ein frohes Weihnachtsfest!

Frohe Weihnachten an meine Toechter und alle, die es feiern. 
Wie in jedem Jahr geht auch in diesem ein Gruss an meine beiden wunderbaren Toechter, die morgen abend zusammen sitzen werden und Weihnachten feiern - in Deutschland. 
Jedes Jahr erinnere ich mich gern an unsere gemeinsamen Essen am Heiligen Abend mit unterschiedlicher Besetzung. Manchmal waren Freunde meiner Toechter dabei, manchmal einer meiner Freunde, und oft waren wir drei auch einfach nur allein mit dem Fondue-topf, der auf dem Tisch stand. 
Bis heute weiss ich nicht woher der Brauch mit dem Weihnachtsbaum stammt, aber wir hatten meistens die krummen, kleinen, die keiner haben wollte. 
Wir haben gegessen, gelacht und Bescherung gefeiert. Gemuetlich und familiaer war es immer und wir hatten eine Menge Spass. 
Ich hoffe, ihr zwei werdet auch in diesem Jahr Spass haben, auch wenn ihr allein feiert.
Die Tatsache, dass ihr zwei Toechter seid, die sich so lieben wie Aaron und Moshe, ohne Neid und Missgunst und ohne Boshaftigkeiten, ist mir Genugtuung im Leben und bereitet mir grosse Freude. 
Die andere Seite, dass ich morgen abend hier sein werde und ihr dort in Deutschland am Tisch sitzt, macht mich ein wenig wehmuetig, denn wenn ich in Deutschland waere, wuerde ich gern mit euch einen schoenen Abend verbringen. 
Sicher wuerde ich wieder meine Teller und mein Essen mitbringen, und dafuer ein Aufseufzen ernten, aber all das ist ja nicht boese gemeint und wir wuerden es schaffen, alles unter einen Hut zu bringen. 
Die Geburt des Jesuskindes stand bei uns frueher sicher nicht im Vordergrund, eher das Gemeinsame, was dieser Abend mit sich brachte. 
Danke, dass ihr meine Toechter seid und dass wir in gutem Kontakt sind. Danke auch fuer euren Besuch im Herbst, von dem ich heute noch zehre. Danke, dass ihr mich und meinen Weg, der so anders ist als der eure versteht und mir nicht boese seid. 
Danke fuer die vielen What´s app Nachrichten und die Bilder, die hin und hergeschickt werden. 
Danke vor allem fuer eure Liebe. 
Habt einen wunderbaren gemeinsamen Heiligabend morgen und denkt ein wenig an mich. 

An alle Leser, die Weihnachten feiern geht ein besonderer Gruss. Macht es euch gemuetlich und lasst euch den Abend nicht durch Streitigkeiten verderben. Geniesst das Gemeinsame und macht etwas Besonderes daraus. 
Frohes Fest!

Sonntag, 22. Dezember 2013

Schwerer Anschlag in Bus verhindert durch aufmerksamen Fahrgast!

Heute mittag ca. 14:30 im Bus Nr. 240 von Bnei Brak nach Bat Yam entdeckt ein sehr aufmerksamer Fahrgast einen verdaechtigen Gegenstand, eine Tasche ohne Besitzer. Er untersucht das Gepaeckstueck, oeffnet den Reissverschluss und sieht Strippen und Kabel. 
Sofort informiert er den Fahrer, dieser haelt sofort an, laesst alle aussteigen und noch bevor die Polizei und Fachleute anruecken, um den verdaechtigen Gegenstand gezielt zu sprengen, geht die Bombe hoch. 
Niemand wird verletzt. Baruch haShem!
Geht es also wieder los mit den Terrorattacken in Bussen? Schon lange ist die Rede von einer bevorstehenden dritten Intifada. 

Samstag, 21. Dezember 2013

Sefer Shmot - Divrej Tora und Geschichten aus dem Mund von Rav Mordechai Eliahu (זצוק"ל)

Harav Shmuel Eliahu, der Sohn von Mordechai Eliahu (זצוק"ל) ist Autor dieses Buches, das ich zum Beginn des Buches "Shmot" (2. Buch Moses) erstanden habe. Es enthaelt wunderbare Geschichten ueber den Rav und andere Persoenlichkeiten und vor allem - Worte zum Wochenabschnitt des Buches Shmot, was wir heute begonnen haben. 
In kleinen gut verdaulichen Portionen geschrieben ist dieses Buch sehr inspirierend und ich habe damit den heutigen Shabbat-nachmittag verbracht. 
Ich wuensche allen Lesern eine gute Woche und denen die in Deutschland sind ein schoenes geruhsames Wochenende.

Freitag, 20. Dezember 2013

Shabbat shalom!

Wir koennen den Shabbat schon riechen, schmecken, der Takt wird langsamer, die Sonne neigt sich und wir schaffen die letzten Vorbereitungen, Shabbatkerzen, Wein, Challe. Mit dem Kerzenzuenden bekommen wir die zweite Seele fuer den Shabbat "verliehen" und nicht selten kann ich sie spueren. Vor allem wenn ich lerne und lese, meine ich, mich in einer voellig anderen Ebene zu befinden, und mit dem Ausgang des Shabbat falle ich eine Stufe tiefer. 
Shabbat - ein wunderbares Geschenk an die Menschheit, einen ganzen Tag ohne Verpflichtungen, ohne Telefon und Internet, Fernseher oder Radio, ohne What´s app und sms - Ruhe kehrt ein. Ruhe, die unsere ueberflutete Seele so dringend benoetigt, um sich zu erholen, um aufzutanken, um sich um andere Dinge als das taegliche Ueberleben zu kuemmern. Spiritualitaet steht auf dem Tagesplan und Tora lernen. Sich vertiefen in die hebraeischen Buchstaben, die etwas ganz Besonderes sind, gemeinsam essen und trinken, singen und lachen.
Moegen alle meine Leser einen wunderbar suessen, gesegneten Shabbat erleben und sich bereichert und beseelt fuehlen. 
Shabbat shalom!

Mittwoch, 18. Dezember 2013

HaRav Mordechai Eliahu (זצוק"ל)

Mit Rav Mordechai Eliahu, der im Jahr 2010 diese Welt verliess, verbindet mich ein besonderes Gefuehl, was man nicht so recht in Worte fassen kann, obwohl ich bisher gar nicht viel von ihm weiss. 
Als ich vor 3 Jahren am 14. Juni 2010 im Shaarej Zedek Hospital am Herzen operiert wurde, kam ich direkt nach der OP auf die Intensivstation. Eine Schwester erzaehlte mir zwei Tage spaeter, als ich etwas mehr zu mir kam: "Weisst du, dass in dem Bett, im dem du liegst, der Rav Mordechai Eliahu vor genau einer Woche gestorben ist, und du die erste bist, die nach ihm in diesem Bett liegt?"
Ich erschrak mich und sagte: "Oh, je, das ist bestimmt ein schlechtes Zeichen."
"Ueberhaupt nicht. Im Gegenteil" ,antwortete sie mir und erklaerte mir, dass es ein "S´chut gedola", eine Art grosse Ehre ist. "Es kann sogar sein, dass du durch seine Verdienste in dieser Welt bessere Heilung erfaehrst und unter einem ganz besonderen Schutz stehst." Weiter erzaehlte sie mir, dass Rav Mordechai Eliahu haeufig Menschen beraten hat, die mit Problemen zu ihm kamen, unter anderem oft Frauen, die kein Glueck zu haben schienen in ihrem Leben. Er gab diesen Frauen oft einen neuen Namen, um das "Schicksal" zu aendern, in eine positive Richtung zu leiten. Oft vergab er dabei den Namen "Noa" und erklaerte: "Noa heisst NISIM VENIFLAOT ASSA HASHEM" (נועה) zu deutsch "Zeichen und Wunder tat Hashem". 
Es wurde ihm sogar zugeschrieben, dass er selbst Wunder wirken konnte. 
Mordechai Eliahu war zutiefst mit Eretz Israel verbunden und unter anderem Dayan beim Beit Din und Oberrabbiner des Staates Israel. Seine Eltern kamen aus Bagdad, er selbst wurde in der Altstadt von Jerusalem geboren. 
Harav Mordechai war ein bedeutener Posek (jemand der die Halacha auslegen darf), Mekubal (jemand der sich mit der verborgenen, mystisch-geheimnisvollen Seite der Tora, der Kabbala beschaeftigt) und Talmid Chacham (jemand, der sich sehr mit heiligen Schriften auskennt, vor allem ein Talmudgelehrter ist).
Lange schon habe ich vor, mir ein Bild von ihm zu kaufen, und heute habe ich es endlich in die Tat umgesetzt. Dieses Bild von Rav Mordechai Eliahu zeigt sein weiches liebevolles Gesicht, wie ich finde und es spricht mich sehr an. 
Ueberhaupt sieht man ihn  sehr oft lachen auf Bildern. 
Ich war schon an seinem Grab, welches sich auf dem Har Menuchot befindet. Dazu sei erwaehnt, dass man nicht etwa am Grab eines bedeutenden Rabbiners oder Zadiks zu diesem betet, denn wir beten nur zu dem einen und einzigen G-tt. Es ist nicht erlaubt, zu einem Menschen zu beten. Jedoch darf man den Zadik um Hilfe bitten, bei Problemen und Herzenswuenschen. Man hofft so, dass man durch seine Verdienste in dieser Welt seine eigenen Wuensche erfuellt bekommt, dass man gewissermassen einen Fuersprecher bei G-tt hat. 
Ich habe hier noch einmal ein schoenes Video gefunden, das zwei Jahre nach seinem Weggang aus dieser Welt entstand. 
"Vater von ganz Israel" wird er darin genannt. 

Montag, 16. Dezember 2013

Ein fast perfekter Tag

Und noch immer kein normaler Alltag in Jerusalem. Heute morgen das gleiche Spielchen. Keine Busse. Der Chef rief jeden von uns persoenlich an, sagte, wir sollen sobald Busse fahren dann ein paar Hausbesuche machen. 
Nicht nur, dass die Busse den ganzen Tag ueber nicht regelmaessig fuhren, nein, sie fuhren auch nicht die ueblichen Strecken, jedenfalls viele der Busse. Das Laufen auf dem Gehweg war so gut wie unmoeglich, da dort nicht geraeumt wurde. Fast alle Menschen liefen auf den Strassen. Alles war mit Eis ueberfroren und es war sehr gefaehrlich sich zu Fuss fortzubewegen. Dennoch habe ich 6 Hausbesuche in Kyriat Moshe geschafft. Ich bin um ca. 12h mit der Linie 18 bis zum zentralen Busbahnhof und von dort aus zu Fuss weiter, da die Rakevet (die Bahn) nicht fuhr wegen vereister Schienen. Bei den Patienten gab es Tee und Gebaeck, fast jeder hatte grosses Erbarmen mit einer armen Sozialarbeiterin, die sich durch die Schneemassen kaempft. 
Dennoch war es ueber mittag wunderschoen. Der strahlend blaue Himmel und die Sonne, gepaart mit Massen an Schnee - wirklich ein Foto wert. Dann aber gegen spaetnachmittag wurde es wieder eisig und ab 18h wurde der gesamte Busverkehr wieder eingestellt.
Warum war das nur ein FAST perfekter Tag? Nun, weil ich kalte Fuesse hatte. Mit warmen Fuessen waere es perfekt gewesen....

Schnee in Jerusalem - Eindruecke vom Tage




































































































































































Einen Tag nach dem Schneesturm

Gestern gab es eigentlich noch mal einen Tag frei. Wir sassen zuhause, schickten Whats app Nachrichten hin und her und warteten auf die Busse - die nicht kamen. 
Irgendwann gegen Mittag - bei wunderschoenem Sonnenschein, aber niedrigen Temperaturen und blauem Himmel habe ich mich dann entschlossen, zur Zomet Pat zu Fuss zu laufen, um dort meine 5 Klienten zu besuchen. Es war relativ o.k. auf dem Hinweg. Auf dem Rueckweg weniger, weil die Sonne verschwand und es schlagartig eisig wurde. 
Auf dem Gehweg Eis und gefaehrlich zu laufen, vor allem mit rutschigen Gummistiefeln. 
Meine Klienten waren durchweg erfreut mich zu sehen und boten Tee und Kekse an. 
Eine alte Dame sagte zu mir: "Du wirst nicht glauben, wer gerade hier geklopft hat. Soldaten! Sie hatten vorher angerufen, ob ich was brauche, und ich sagte ihnen ich habe alles, aber eine Wärmflasche ist mir kaputtgegangen. Sie kamen doch tatsaechlich dann eine Viertelstunde spaeter mit der Waermflasche. Ich habe mich so gefreut. Gute Jungs!"
Und dann sah ich sie von Haus zu Haus gehen zu den alten Leuten die allein wohnen. Einige hatten nichts mehr zu essen und man brachte ihnen Nahrung, Wärmflaschen und Decken. 
Meine Freundin hat immer noch keinen Strom und mehrere tausend Altenheime im Land ebenfalls nicht. Das ist eine Katastrophe 
Es wird Kritik laut daran, wie wenig wir vorbereitet waren auf solch einen Fall. 
Aber gleichzeitig auch warme Worte fuer die Mitarbeiter vor Ort der Stromgesellschaft. Sie ackerten ohne Pause ohne Unterlass und wurden auch teilweise von den Anwohnern mit Tee und Gebaeck versorgt. Schliesslich muessen sie bei der Eiseskaelte auf die Strommasten klettern. 
Heute morgen ist der Vekehr immer noch eingeschraenkt, die Busse fahren noch nicht und werden wohl auch nicht zu haeufig fahren wie gewoehnlich. Immer noch gibt es Strassen die gesperrt sind, aber die Hauptverkehrsader nach Tel Aviv und zurueck scheint frei zu sein. 
Bewohner von Maale Adumim (einige Kollegen wohnen dort) kommen auch heute nicht weg, denn im Tunnel am Har Zofim liegt Eis. Es ist einfach zu gefaehrlich dort zu fahren, daher wurde der Weg nach Jerusalem gesperrt. 

Samstag, 14. Dezember 2013

Nach dem stuermischen kalten Shabbat

Der Shabbat ist vorbei und ich war so gut wie gar nicht vor der Tuer. 
Gestern abend, nach dem Kerzenzuenden hatte ich eigentlich geplant, zur sephardischen kleinen Synagoge nebenan zu gehen und danach zu meiner Freundin zum Essen, ins Warme. Sie haben naemlich eine sehr potente Klimaanlage und kuschelige Waerme. 
Direkt nach dem Kerzenzuenden, ich hatte mich gerade in Mantel und doppelte Pullover gepackt, fing es heftig an zu schneien. Dicke Flocken mit eisigem Wind gepaart empfingen mich, als ich vor die Tuer trat. Ich merkte, dass ich mit meinen duennen Gummistiefelchen sicher nicht sehr gluecklich sein wurde eine Stunde lang in der Synagoge, daher machte ich mich auf den Weg direkt zu meiner Freundin, um ihr abzusagen. Als ich ca. die Haelfte des Weges hinter mir hatte, war ich voellig schneebedeckt und eiskalt. 
Ich entschied, dass ich verrueckt sein muss, wenn ich weitergehe und kehrte um. In die kleine Synagoge ging ich dann trotzdem, hielt es aber dort nur 15 min. aus. Zwischendurch sassen wir im Dunkeln, denn der Strom fiel aus, wenn auch nur fuer kurze Zeit. 
Ich lief schnell nach Hause, und packte mich in meine Decken, und setzte mich vor das Oefchen mit dem Timer. Anschliessend Kiddush und etwas gegessen. Aber danach sehr schnell wieder unter die Decke auf der Couch. Mit einer staendig frisch heissen Waermflasche war es gut auszuhalten und ich konnte lesen. Aber um etwa 21h muss der Strom ausgefallen sein, was ich erst mitbekam als ich ploetzlich weder Geraeusche vom Micham (dem Geraet, das am Shabbat Wasser heiss haelt) noch vom Kuehlschrank vernahm. Ich hoffte dass das Wasser im Micham nicht ganz so schnell abkuehlen wuerde, denn ohne Waermflasche ist es doch ein wenig extrem. 
Nach zwei Stunden war der Strom wieder da und mein Micham nicht sehr abgekuehlt, ich hatte immer noch heisses Wasser fuer Tee und Waermflasche. 
Heute morgen dann - die Baeume waren voellig dick in Schnee gehuellt, so etwas hatte ich hier wirklich noch nie gesehen, obwohl es im letzten Jahr auch geschneit hat, aber nicht in dieser extremen Form und nicht gepaart mit starkem Sturm. 
Der heutige Shabbat war ein Haustag. Ich habe mich nicht vor die Tuer gewagt, sondern auf meiner Couch gebetet und gelesen, gegessen und gelernt, geschlafen und nachgedacht. 

Wovon ich zutiefst ueberzeugt bin ist die Tatsache, dass uns so mal wieder aufgezeigt wird, wo die Proportionen liegen.Wir wurden Schritt fuer Schritt auf das Notwendigste zurueckgefuehrt, auf die Basisbeduerfnisse. Strom haben. Alles andere ist zu haendeln. 
Strom bedeutet nicht nur Licht, wie ein forscher Moderator heute im TV meinte. "Meine Gute, dann sitzt man eben mal bei Kerzenlicht.." sagte er gegen die aufkommende Kritik. 
Nun, so einfach ist es nicht, Strom bedeutet auch Waerme, und wer nicht mit Gas kocht, konnte sich nicht einmal Wasser fuer eine Waermflasche heiss machen oder einen heissen Tee trinken. Ich denke da an all die alten Leute, die allein leben, ich kenne genug davon. Und nicht alle haben sorgende Kinder. 
Dass ich ein wenig friere ist nicht angenehm, aber fuer ein altes Muetterchen kann es Lebensgefahr bedeuten, je weniger sie sich bewegen kann und sich helfen kann. 
Ich hoffe sehr, dass die Nachbarschaftshilfe in diesem Falle griff und dass die Anonymitaet, die doch in vielen Gegenden um sich greift in solche einem Notfall in Sorge umschaltet. 

Eine meiner Freundinnen nur eine Strasse weiter hat immer noch keinen Strom. Sie und ihr Mann werden jetzt gleich zur Tochter zum Duschen gehen. Da sie mit Gas kochen, ist ein heisser Tee auch wieder moeglich. 
Ihre andere Tochter im Jeshuw hat auch wieder Strom, was mit drei kleinen Kindern natuerlich jetzt ein Segen ist. 
Chevrat Chashmal - unsere Elektrizitaetsgesellschaft - steht unter scharfer Kritik. Es sei alles vorhersehbar gewesen und man habe sich sehr schlecht auf solch einen Fall vorbereitet. 
Ich denke man muss ihre Arbeit dennoch schaetzen und bewundern. Die Mitarbeiter vor Ort haben wunderbare Arbeit geleistet und viele Menschen wieder mit Strom beliefern koennen. 
Was ebenfalls kritisiert wurde - und da muss ich vehement zustimmen - ist die Tatsache, dass einfach noch viel zu viele Leitungen NICHT unterirdisch verlegt sind. Vorwiegend in alten Haeusern sieht man abenteuerliche Stromleitungen AUSSEN an den Hauswaenden entlanghaengen. Das war so ziemlich das erste, was mir hier in Israel auffiel. 
Inzwischen wird beraten, ob die Strasse Nr. 1 fuer den Verkehr wieder freigegeben wird. 
Dies wird wohl in den Morgenstunden so sein, zunaechst fuer den Busverkehr, danach Schritt fuer Schritt auch fuer Privatfahrzeuge. 
Jerusalem ist nun mehr als 48 Stunden vom Rest des Landes abgeschnitten. 

Freitag, 13. Dezember 2013

Shabbat shalom!

Auch wenn alles was du G-tt sagen kannst ist "hilf mir!" ist das sehr gut.
Wiederhole das immer wieder und wieder
bis sich deine Lippen oeffnen
und die Worte aus deinem Herzen fliessen..
(Rabbi Nachman von Breslav)

Und es geht gleich noch weiter....

















































Ausnahmezustand in Jerusalem

Es ist fuer jemanden wie mich, die aus Europa kommt sehr strange, was sich hier abspielt. Die Polizei warnt gerade in einer Sondersendung: "Das Autofahren ist im ganzen Land zurzeit lebensgefaehrlich!" Und bittet alle Menschen zuhause zu bleiben, wenn immer sie koennen. 1500 Menschen mussten allein in der letzten Nacht aus ihren Autos gerettet werden, sie steckten in den Strassen von Jerusalem oder um Jerusalem herum fest. Jerusalem ist abgeschnitten vom Rest des Landes, alle Strassen sind zu. 
In einigen Stadtteilen (Pisgat Zeev zum Beispiel) soll der Strom seit 2h nachts ausgefallen sein, und das denke ich ist die Grenze, denn bis zum Stromausfall kann man noch darueber lachen und Witze machen. Aber ohne Strom, das heisst keine Heizmoeglichkeit, viele haben Heizstrahler oder stellen die Klimaanlage auf Warm. 
Keine warmen Getraenke machen koennen ist auch kein Witz. 
Der Magen David Adom (das israelische Rote Kreuz, "roter Davidstern") leistet gute Arbeit rund um die Uhr, Vielen Dank dafuer. Wirklich heilige Arbeit!
Retten Leute aus ihren Autos, bringen ihnen Getraenke und Decken, solange sie noch nicht gerettet werden koennen. Bringen Menschen in Zentren, zum Beispiel in den Binjanej haUma einer grossen Veranstaltungshalle. Wenn ich aus dem Fenster schaue bietet sich ein Bild fast wie ein Fluechtlingsstrom. Menschen mit Einkaufstueten mitten auf der Strasse und kaum ein Auto. 

Die Polizeit dankt gerade den vielen Charedim die auf den Strassen hin und herlaufen und helfen, Tee verteilen und Decken. Super!
Niemand hat dieses Ausmass vermutet. Und es steht uns eine weitere Nacht in dieser Art und der morgige Tag bevor, ohne grosse Aenderung. 
Zusaetzlich soll die Temperatur unter 0 sinken und etwa minus 4 oder 5 erreichen und das wird zur Eisglaette fuehren. 
Ich habe mein kleines Transistorradio und meine Taschenlampe bereit und hoffe aber nicht, dass der Strom ausfaellt. Solange wir noch Strom haben, ist unsere kleine Welt in Ordnung.

Update: Motza, Kyriat yovel, Beit Zayit haben keinen Strom

Da wird die verwoehnte Europaeerin in mir doch gleich wieder zurecht gestutzt. Habe ich mich vor drei Jahren beschwert, dass es im Winter an der Wasserleitung in die Wohnung tropft?
Nun - G-tt schickt uns doch immer wieder eine kleine Warnung, in der wir unsere Proportionen wieder gerade ruecken koennen. Man beginnt kleiner und minimaler zu denken. Was ist wichtig?
Strom fuer Tee und Waermflasche und Heizmoeglichkeit. Und warme Decken, Mantel. Ein trockenes Bett.
Tov Lehodot laShem!


Update: Eine Freundin rief mich an und bot mir an, zu ihr zu kommen, falls ich etwas brauche. Joshua ben Nun str. soll heute nacht Stromausfall gehabt haben.
Sie erzaehlte mir, dass ihre Tochter Noa im Jeshuv nahe Motza keinen Strom haben und jetzt mit 3 kleinen Kindern ohne Heizung zuhause sitzen. Gut, dass sie mit Gas kochen, so koennen sie warme Getraenke bereiten. Das ist wirklich furchtbar.
Sie erzaehlte mir, dass vor 5 Jahren ein aehnlicher Zustand war bei starkem Schneefall, der die Stromleitungen herunterriss. Sie waren damals 5 Tage (!!!!) ohne Strom, haben den Schnee von draussen hereingeholt, um die Lebensmittel zu kuehlen.
Tja... es ist schon ein Wahnsinn, was alles am Strom haengt und wie abhaengig wir von ihm sind


Update 13:50
Estis Tochter in Katamonim - also ganz in der Naehe - ist auch bereits ohne Strom. In der Massaryk Str. - das ist hier gleich nebenan bei mir - ist auch kein Strom mehr, wie mir ein Bekannter im Supermarkt erzaehlte. Ich habe mich eingedeckt mit Ner Neshama, was ich anzuenden wollte zur Sicherheit und Batterien fuer Taschenlampen.
Das Handy mal schnell noch aufladen, damit man so lange wie moeglich telefonieren kann, im Notfall. 

Donnerstag, 12. Dezember 2013

שלג על עירי (Schnee auf meiner Stadt)

Eines meiner absoluten Lieblingslieder ist "Sheleg al Iri" (Schnee auf meiner Stadt), was ja gerade besonders gut passt. Ich hoffe sehr, dass ihr es oeffnen und anhoeren koennt. Es ist sehr melancholisch, wie ich finde.
Viel Spass!

Gegen Abend

Ach, ich das gemuetlich. Wenn man sich erstmal dazu durchgerungen hat, auf die Stromrechnung zu pfeifen, wird es angenehm in der Wohnung. 
Und dass es noch dazu auf das Wochenende zugeht - das ist geradezu Luxus. 
Heute kann ich sogar in Ruhe zuhause um 16:45h die "Mahadura Rishona" (die "erste Ausgabe) der Nachrichten vom Tage auf Arutz 2 anschauen. Das kann ich sonst nur wenn ich bei meiner alten Dame bin, die ich noch betreue. 
Heute aber werde ich mir ganz festlich Mangold mit Nudeln kochen, gewuerzt nur mit Salz und Knoblauch, und mich vor den Fernseher setzen, eingewickelt in eine Fliesdecke mit der Waermflasche vor dem Bauch. Draussen wird es langsam dunkel und matschig, weil der Schnee schmilzt. 
Morgen frueh - so hat man uns vorhergesagt - werden wir wohl nochmal eine verschneite Hauptstadt erleben. Wir sollen angeblich in einen weissen Morgen aufwachen. 
Was ich wunderbar finde und von Deutschland so nicht kenne - die Menschen sind hier ausgesprochen gut gelaunt bei diesem Schneewetter. 
Einfach weil man es nicht so kennt und Schnee und Regen eben auch Wasser bedeuten. Wasser, was wir dringend benoetigen. 
Einen angenehmen Abend, wo immer ihr auch seid.

Schnee in Jerusalem

Schnee in Jerusalem bedeutet ein freier Tag und schulfrei. Dazu muss man erwähnen, dass wir einfach nicht die Ausstattung haben und nicht vorbereitet sind auf Schnee. Eine Ausrüstung für Autobusse - wie Schneeketten oder Winderreifen) wuerde viel mehr kosten als ein Tag Komplettausfall.
Aber bis die Chefs sich dazu durchringen, das dauert manchmal etwas. Meist gilt: wenn schulfrei ist, und der oeffentliche Verkehr zum Erliegen kommt, keine Busse mehr fahren - dann gibt es das o.k. vom Chef. Aber nicht eher.
Heute morgen als ich aufstand war erst nicht viel zu sehen. Dann um ca. 7h fing es an, ganz leicht, feine Floeckchen. Ich habe es gar nicht ernst genommen aber eine Viertelstunde spaeter wurde es mehr. In den Nachrichten wurde bekannt gegeben, dass der Unterricht fuer alle Schueler in Jerusalem gecancelt ist.
Nur unser Chef hatte sich noch nicht geaeussert.
Da ich etwas krank bin hoffte ich die ganze Zeit auf ein Zeichen, dass ich evtl. zuhause bleiben koennte.
Aber es kam nichts. Um 8:15 stand ich an der Haltestelle, wir Sozialarbeiter wollten ins Buero kommen, denn Hausbesuche bei diesem Wetter - das geht gar nicht.
Der Bus kam und kam nicht. Aber offiziell wurde noch nichts gesagt. Das ist immer die Tuecke, wenn der Chef hoert, dass offiziell Busse fahren, passiert nichts Dass dann je nachdem, wo man steht und wartet, tachles schon gar kein Bus mehr kommt, interessiert dann keinen. Es zaehlt, was in den Nachrichten durchgegeben wird.
Der Bus kam also nicht und meine Eisfuesse in den Gummistiefeln, die zwar dicht sind aber wirklich kalt, wurden immer eisiger. Das ist so gar nicht gut fuer meine Erkaeltung und ich beschloss, in der Firma anzurufen.
Meine Vorgesetzte meinte, es wuerden ja Busse fahren, also muessten wir kommen.
Ich nahm mit 5 anderen Leuten, die an der Haltestelle standen, ein Taxi in die Stadt zum Buero.
Als ich ankam, war unsere Vorgesetzte am Telefon mit X. dem Chef. Der sass in Raanana, und da war von Schnee keine Rede.
Schliesslich liess er sich dann aber doch ueberzeugen, da man durchgab, teilweise sei der Busverkehr schon eingestellt worden.
Nun wurde endlich das Buero geschlossen, eine Viertelstunde nachdem ich gekommen war.
Das, was dann niemanden interessiert ist, wie man letztlich nach Hause kommt.
Kein Bus, Taxi teuer. Also ging ich zu Fuss los.
Es war nicht sehr angenehm aber ich bin jetzt im Warmen, zuhause. Mein kleines Oefchen neben den Fuessen ist an und ich mache mir Tee und wickle mich in eine Fliesdecke ein.

Geht man durch die Strassen, begegnen einem nur froehliche Menschen. Schnee in Jerusalem ist immer ein regelrechter Feiertag. Die Kinder drehen fast durch vor Freude und freuen sich darauf einen Schneeman zu bauen. (das heisst hier Bubat Sheleg = Schneepuppe).
Der Spass wird eh morgen oder uebermorgen vorbei sein fuer dieses Jahr, denke ich.
Aber erstmal ist Wochenende und Shabbat.
Was fuer ein Spass!

Schnee Schnee Schnee



















































































Mittwoch, 11. Dezember 2013

Sturmflut voraus!

7 Grad in Jerusalem fuer heute angesagt, mittags wohlgemerkt. Nachts war es wohl nicht mehr als 2 Grad, aber haben ein paar Wolldecken und die Waermflasche ihren grossen Teil dazu beigetragen, dass es angenehm war. In der Wohnung sitzen ohne Waermestrahler geht nicht mehr. Meine Klimaanlage ist nicht stark genug, um sie auf WARM laufen zu lassen. Ich habe hohe Decken und hier unten kommt nichts an davon. 
Die letzten Tage waren von Regen gepraegt, an einem Tag musste ich zwischendurch nach Hause fahren, um trockene Kleidung und andere Stiefel anzuziehen. 
Heute soll es sturmflutartige Regenfaelle geben, vor allem Richtung Totes Meer, Wueste Judaea ist die Gefahr von Ueberflutungen der Wadis sehr gross. Touristen kennen oft die Tuecke nicht. Wenn es "dort unten", in der Naehe des Toten Meeres noch trocken ist, denkt niemand dass Gefahr droht. 
Sobald es in Jerusalem aber regnet, laeuft das Wasser manchmal in Sekundenschnelle hinunter zur Judaeischen Wueste und fuellt die Wadis bis sie ueberlaufen und auch die Strasse dort ueberfluten. Jerusalem liegt 800 m hoch, das Tote Meer ist 400 m unter dem Meeresspiegel. 

Man kann an einem sonnigen Tag dort unten stehen und einen Spaziergang durch die Wadis geplant haben und nichts merken von der drohenden Gefahr, alle Hinweise der Einwohner werden in den Wind geschlagen, denn "es ist ja nichts zu sehen"
Und dann wird man ploetzlich unfreiwillig Zeuge eines gefaehrlichen Naturschauspiels. Wenn die Wadis sich fuellen, hat man dort unten keine Chance, sollte man sich in einem aufhalten. 
Immer wieder werden aber auch Einheimische Schaulustige dort von Hubschrauber-rettungsdiensten in Sicherheit gebracht, denn viele fahren extra dorthin um das riesige Schauspiel anzusehen. Es muss gigantisch sein. 
Wir jedenfalls ruesten uns fuer einen stuermischen Regen-Gewitter-tag, den man - wenn man die Wahl hat - besser zuhause unter der Decke mit einem Tee verbringt. 
Ich habe keine Wahl, es muessen noch viele Hausbesuche gemacht werden, doch es kann gut sein, dass wir Sozialarbeiter vor Ort, wir einsamen Kaempfer, heute unsere Besuche abbrechen werden muessen. 
Dabei soll es auch morgen und uebermorgen sehr unguenstig sein, sich draussen aufzuhalten. Schneefaelle sind angesagt und auf dem Hermon hat es schon begonnen zu schneien. Dort ist es weiss.
Wenn hier Schnee faellt, dann geht wirklich gar nichts mehr. Die Kosten, den gesamten oeffentlichen Nah-und Fernverkehr fuer Schnee auszustatten sind erheblich hoeher, als 1 oder 2 Tage Komplettausfall mit schulfrei und Menschen, die nicht zur Arbeit kommen. 
Meine Erkaeltung vom Shabbat ist nicht besser, sondern schlimmer geworden, ich kann gar nicht so schnell Nase putzen wie sie laeuft. 
Eine sehr sehr ungemuetliche Jahreszeit wenn man schlechte Heizungen hat oder keine. 
Wir duerfen uns natuerlich nicht beklagen, denn es sind ja im Grunde nur wenige Tage des Jahres, im Gegensatz zu Europa, vor allem Deutschland, wo man oft wochenlang nicht die Sonne zu sehen bekommt. 
Ich jedenfalls bin froh, wenn dieser und der morgige Tag hinter mir liegen. 
Genug Bueroarbeiten haette ich, um einen Tag drinzubleiben, aber ich muss auch noch sehr viele Hausbesuche machen. 
Mal sehen, wie ich mich am Ende entscheide. 
Fuer zuhause habe ich mich jedenfalls schon entschieden, mein Bestreben Strom zu sparen, mal beiseite zu legen und einen kleinen Waermestrahler an die Fuesse zu stellen. 

Freitag, 6. Dezember 2013

Shabbat shalom!

Der direkteste Weg von unserer materiellen Welt zur Verbundenheit mit G-tt fuehrt ueber eine Melodie und das Singen. Auch wenn du nicht gut singen kannst, brich durch zu einem Lied! Sing vor dich hin, wenn du allein zu Hause bist, die Hauptsache ist, dass du singst. 
(Rabbi Nachman)

In die Tiefe gehen

Ihr werdet euch sicher gefragt haben, was mit mir los ist? Ich war in der letzten Zeit sehr schreibfaul, das muss ich zugeben. Das hatte einen Grund. 
Ich habe mich - trotz viel Arbeit im Job - mehr mit den geistigen Dingen beschaeftigt und in der letzten Zeit das starke Beduerfnis, mehr nach innen zu schauen, in die Tiefe zu gehen. 
Shiur und Tora lernen sind wichtig, aber es gibt noch einen anderen Aspekt im Judentum, im Glauben ueberhaupt, das ist der der spirituellen Ebene, die man ohne Gefuehl nicht mit noch so viel lernen erreicht. Dazu gehoeren das einfache Zwiegespraech mit G-tt, die Hinwendung zu IHM in seine Richtung und NUR in SEINE Richtung, immer wieder von Neuem, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Man braucht Ruhe dazu und Zeit, Zeit fuer sich. 
Und da nichts auf dieser Welt zufaellig geschieht - wovon ich fest ueberzeugt bin - las ich in den letzten Wochen einen Artikel ueber Noa Yaron-Dayan, Choseret beTshuva (Zurueckgekehrt zum juedischen Glauben) und fruehere erfolgreiche absolut saekulare TV-und Radiomoderatorin. Ich erstand ihr Buch "Mekimi", indem sie ihren Prozess des "Zu-sich-findens" beschreibt, der ihr erst gelingt als sie zum Glauben, zum Judentum zurueckfindet. 
Es gibt hier in Israel viele von diesen Menschen, die saekular aufgewachsen sind und ploetzlich erkennen, wo ihre Wurzeln sind und sich entscheiden, auch religioes dementsprechend zu leben. (uebrigens gibt es das auch umgekehrt)
Ich kenne selbst einige von diesen Menschen und ihre interessanten und beruehrenden Werdegaenge und stets hoerte ich den Satz: "Wir haben viel gemeinsam mit euch, den Konvertiten zum Judentum!"
Meist dachte ich dann: Naja, aber ihr musstet euch nicht vor einem Beit Din "beweisen" , bis ihr Jude wurdet, ihr ward es ja von Geburt an. Ihr kennt nicht die Wege, die Schwierigkeiten, das Warten, das Bangen, ob euch Rabbiner aus Fleisch und Blut - anerkennen als wuerdige Konvertitin. Das Problem liegt nicht bei G-tt, er schaut in alle Herzen, er weiss, ob jemand etwas vorspielt oder tief in seinem Herzen diese Verbindung zum Volk Israel spuert und ein juedisches Leben lebt, die Haustuer ist nicht vor IHM verschlossen und nur ER kann sehen, was wir wirklich tun, um ein juedisches Leben zu fuehren. 

Nachdem ich das Buch von Noa regelrecht verschlungen habe und viel weinen musste, ist mir doch klar, dass es sehr viel Gemeinsames gibt zwischen Konvertiten und Chosrim beTshuva. Vor allem die Reaktionen der Umwelt, die Schwierigkeiten, die Blicke, das Unverstaendnis und die unausgesprochene oder ausgesprochene Frage, ob man denn verrueckt geworden ist. Auch manche geborene Juden, die nicht religioes leben, scheinen nicht zu verstehen, wie man diesen Weg gehen kann. 
"Wenn du nicht Shomer Shabbat waerest, haettest du viel mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt!" sagte mir einmal ein befreundeter nicht religioes lebender Mann. Oder "Schoen dass du konvertiert bist, Hochachtung vor diesem Schritt - Aber meinst du nicht es ist langsam die Zeit gekommen, alles etwas "lockerer" zu sehen, und nicht so "verkniffen"?"
Das Buch ist so wunderschoen, zeigt es doch das Leben, was wir "davor" gelebt haben, so fast ohne eine grosse und tiefe Bedeutung, irgendwie leer und ohne Inhalt, selbst wenn wir recht bewusst gelebt haben. Es schien etwas zu fehlen, wonach wir unser Leben lang suchten - und schliesslich mit G-ttes Hilfe auch fanden. 

Durch Noas Weg habe ich erneut an meinen eigenen denken muessen und stehe sehr oft verwundert da, frage mich: wie ist das eigentlich alles gekommen? Wie fing es an und vor allem "warum zu dieser Zeit, in einem Alter von 45? wie bin ich dahin gekommen, wo ich jetzt bin? 
Es ist fuer mich immer noch eine unfassbare Geschichte, was da mit mir passiert ist. Und ich werde nicht aufhoeren, dafuer zu danken. 

Noa Yaron Dayan hat ein extrem nach aussen orientiertes Leben gefuehrt, mit Parties, Alkohol, Clubs und Freunden, die keine waren. Bis sie - inspiriert durch ihren spaeteren Ehemann Ben, der ebenfalls Chozer beTshuva wurde - zur Chassidut Breslev fand. 
Sie lebt heute ein streng orthodoxes Leben in Beit Shemesh und hat 6 Kinder.

Rabbi Nachman miBreslev hat mich schon oefter mit seinen Worten sehr beruehrt und einen Teil in meiner Seele angesprochen, der jenseits von Lernen und Verstand liegt. Der Teil der aufschreit zu G-tt, ohne Worte, der die Haende zum Himmel emporstreckt ohne zu sprechen und der spuert ohne zu formulieren. 
Der Teil, der durch Musik und Gesang einige Stufen hoeher steigen kann und die Verbindung zu haKadosh Baruch Hu wahrhaft empfindet. 
Alle auswendig gelernten Gebete richten uns nicht wirklich aus in SEINE Richtung, wenn das Gefuehl dazu fehlt. 
Jeder kann eine Verbindung spueren, tief in seinem Herzen,wenn er es zulaesst und sich Ruhe und Zeit nimmt dafuer. 
Das Buch von Noa hat mir so gut gefallen und mich so erfuellt, dass ich vorhabe es eventuell ins Deutsche zu uebersetzen. Ob ich die Zeit dafuer finde, weiss ich noch nicht, aber ich werde es versuchen. 

Zum Shabbat moechte ich euch noch ein paar Worte von Rabbi Nachman miBreslav schicken. 

Wenn du gefragt wirst, wie es dir geht, und du trotz deiner Sorgen und Schmerzen sagst: "Gut!" dann sagt der Schoepfer "Das ist Gut in deinen Augen? jetzt werde ich dir mal zeigen, was WIRKLICH gut ist."
Wenn du gefragt wirst, wie es dir geht, stoehne und jammere nicht ueber deine Sorgen und Probleme. Denn wenn du antwortest: "Schlecht geht es mir." sagt der Schoepfer "Was, das ist in deinen Augen schon schlecht? Jetzt werde ich dir mal zeigen, was WIRKLICH schlecht ist."

Habt einen schoenen ruhigen, spirituellen Shabbat mit viel Naehe zu G-tt und sucht auch in euch stets das Gute, wie Rabbi Nachman raet!
Shabbat shalom.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Die achte Kerze Chanukka

Die letzte Kerze brennt und es ist Rosh Chodesh. Ein neuer Monat im juedischen Kalender beginnt und wir hoffen auf Gesundheit, Glueck und Liebe, Erfolg und Sicherheit. 
Es ist ein schoenes Fest, dieses achttaegige Lichterfest. Als ich zum allerersten Mal nach Israel kam, traf ich auf dieses Fest und wusste nicht, warum in der Hotelhalle nur zwei Kerzen am achtarmigen Leuchter entzuendet wurden. Ueberhaupt wusste ich gar nichts, ich sprach kein Wort hebraeisch, wusste nicht einmal so richtig, was das Judentum ausmacht und wie Juden leben. Ich hatte einfach nicht den blassesten Schimmer. Das war vor 9 Jahren genau. Wie viel doch passiert ist seitdem und irgendwie mutet es auch wie ein Wunder an, was mit mir geschehen ist und wo ich mich heute befinde. Ein Wunder von Chanukka. Vielleicht wollte die Kerze mir ja damals schon ein Licht schicken in die Dunkelheit, ein Licht, das mir den Weg wies bis hierher. 
Ich kann nur immer wieder dankbar ein Gebet zum Himmel sprechen.

Mittwoch, 27. November 2013

Keshet levana - white rainbow

Gestern bekam ich einen heissen Tipp von einem Chormitglied. Mein Lieblingslied "keshet levana" (White rainbow) gesungen vom Ulmer Spatzen Chor auf Youtube und ich muss sagen - er hat Recht, es ist eine wunderbare Version.
Wie findet ihr es?

Arik Einstein


Das Licht von Chanukka - die erste Kerze brennt und Ariks Lebenslicht ist verloschen

Heute zuenden wir die erste Kerze von Chanukka, unserem achttaegigem Lichterfest. 
Das Lebenslicht von Arik Einstein ist verloescht, doch sein Licht wird uns weiter durch seine wunderschoenen Lieder das Leben erhellen. Wenn man seine Lieder anhoert, wird einem ein wenig heller um die Seele. 
Arik Einstein, geboren 1939 in Tel Aviv ist in der vergangenen Nacht an einem geplatzten Aneurysma ploetzlich verstorben. 
Obwohl ich nicht in Israel aufgewachsen bin, war Arik Einstein auch fuer mich ein Name der mit zeitloser Musik verbunden ist. Ministerpraesident Netanyahu wuerdigte heute Ariks Musik als "Soundtrack des Staates Israel". 
Zu seiner Beerdigung am heutigen Tage fanden sich Menschenmengen ein, er war ein unglaublich belieber Saenger, bei jung und alt, saekularen und religioesen Menschen im Land. 
Was ihn besonders symphatisch machte, war seine Bescheidenheit, er mochte nicht gern interviewt werden, nahm sich selbst nicht so wichtig, ja sagte sogar Auftritte waren ihm "peinlich". 
Seine Toechter wurden religioes und heirateten die Soehne vom ultraorthodoxen Rabbiner Zohar, der ebenfalls vorher saekular war und Ariks Freund. 
Auch orthodoxe Radiosender spielten heute Musik von Arik Einstein und eine charedische Hochzeit wurde vom Saenger unterbrochen, um Ariks Musik zu spielen. Das ist ungewoehnlich und beweist, wie viele Menschen von seinem Licht in ihrer Seele erhellt wurden.
Moege Ariks Licht uns weiter durch seine Lieder erhalten bleiben. 
Jehi Sichro baruch!
Ich hoffe ihr konnt das Video oeffnen. 

Chag Chanukka Sameach! Moeget euch immer ein Licht erhellen und moeget ihr ein wenig Licht fuer eure Umwelt sein. 

Dienstag, 19. November 2013

Gefunden - oder "wieder ein Geschenk"

Dieses wunderschoene Bild mit der Silhouette von Jerushalaiym habe ich heute auf dem Nachhauseweg "gefunden". Es lag neben der Muelltonne - zum Wegwerfen bereit. Ich habe es mir sofort geschnappt und da es halbdunkel war, wollte ich zuhause pruefen, ob ich es wirklich mag, wegwerfen konnte ich es dann immer noch. 
Es haengt nun bei mir im Zimmer und ich mag es. 
Toll, dass viele Menschen hier bevor sie etwas endgueltig in die Tiefen der Muelltonne versenken, daran denken, dass es anderen gefallen koennte.

Dienstag, 12. November 2013

Chor

Juchu, ich bin im Chor! Schon einige Zeit spiele ich mit dem Gedanken, mich einem Chor anzuschliessen. Und heute abend war es soweit. Ich bin mit Freundin Rachel zu einer Probestunde ihres Chors gegangen. Was mir wichtig war: Ich will nicht - wie in manchen Choeren ueblich - englisch singen sondern hebraeisch und - wer weiss wie viel Bach oder Levandowski ist mir auch nicht so recht. 
Sehr kritisch ging ich also dorthin und was soll ich sagen: nach dem ersten Lied bereits lief mir eine Gaensehaut ueber den Koerper und ich sagte: Ja, hier bleibe ich. 
Shirej Eretz Israel sind ganz nach meinem Geschmack und davon wird viel gesungen, sowie Lieder aus dem G-ttesdienst, Psalme usw. 
Was ich gar nicht bedacht habe: es ist schon sehr sehr gewoehnungsbeduerftig, ploetzlich hebraeisch von links nach rechts zu lesen, Silbe fuer Silbe. Das will dem Auge so gar nicht passen und ich muss mich erst daran gewoehnen. 
Frueher als Schuelerin war ich auch in einem Chor, sowie mit meiner Klarinette im Orchester, aber lang lang ist´s her. Man verlernt zwar kein Notenlesen, aber muss sich doch erst wieder hineinfinden. 
Auf jeden Fall hat es unheimlich Spass gemacht und irgendwie Koerper und Seele befreit und gereinigt. 
Ich habe mich zur Altstimme gesellt, denn mit steigendem Alter klappen die hohen Toene leider nicht mehr so wie frueher.
Hier eines meiner heutigen Lieblingslieder. Ich bekam es den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.





Sonntag, 10. November 2013

Geschenkt!

Heute nachmittag kam ich waehrend meiner Hausbesuche an einem Antikladen vorbei im Stadtteil Makor Baruch. 
Ich sah einige Chanukkiot und betrat den Laden. Laengere Zeit schon moechte ich mir mal eine schoene Chanukkia leisten, denn ich habe bisher nur eine kleine aus Draht. Sie tut ihren Dienst auch, aber ich liebaeugle schon laenger mit einem Geschenk fuer mich selbst. 
Die, die mir gefielen waren gross, alt und wunderschoen, etwa um die 2000 Shekel. Ich kam ins Gespraech mit dem Haendler und er zeigte mir einige schoene Stuecke. Ich warnte ihn, als er auf die Leiter kletterte. Ich sei immer noch eine recht arme Einwanderin, die nicht viel Geld ausgeben kann. (und nach dem Besuch meiner Toechter bin ich sozusagen noch fuer einige Zeit pleite).
"Das macht nichts, du bist zu nichts verpflichtet" sagte er mir. Welche koennte ich mir denn unter Umstaenden leisten, fragte ich mich und zeige auf eine sehr kleine, mit Cinor David.(Davidsharfe) 150 Shekel, meinte der Haendler und waehrend wir weiter ueber unsere Familie sprachen, schuettelte er den Kopf: "Also gut, ich geb sie dir fuer 100."
Als ich immer noch zoegerte, reichte er mir die Chanukkia mit den Worten:"50 und sie ist dein."
Das war ein Wort. Ich sagte ihm ich haette leider kein Geld dabei, wuerde mich aber freuen, wenn er sie mir zuruecklegt bis morgen. 
"Ich mache das immer anders. Du nimmst sie jetzt mit und bringst mir das Geld wenn du wieder in der Gegend bis."
Wow, das gibt es nur in Israel dachte ich, waehrend wir weiter plauderten. 
Irgendwann fragte er mich nach meiner Familie und ich erzaehlte ihm, dass ich Gioret bin. 
Seine Augen wurden riesengross, er sagte: "Ich freue mich, dass du jetzt "bei uns" bist und moechte dir die Chanukkia schenken"
Soll mir noch einer sagen, dass dieses Gespraech woanders genauso haette stattfinden koennen... 
Ein wenig muss ich sie noch blankputzen, aber ich freue mich unglaublich ueber dieses Geschenk.

Schreibfaul - ein Rueckblick auf eine reiche Zeit

Wie man unschwer erkennen konnte, war ich in der letzten Zeit aeusserst schreibfaul. 
Nun ist meine zweite Tochter schon wieder fast 14 Tage in Deutschland und ich zehre bis heute von der Zeit mit den beiden. 
Da N. noch nie vorher in Israel war, war diese Zeit fuer sie - und auch fuer mich - sehr spannend. Wir haben am ersten Tag ihres Besuches von der Tayelet aus das "Buehnenbild der Stadt" betrachtet, wie ich diesen Blick immer nenne, da sich die Stadt mit Altstadtmauern und Tempelberg beeindruckend vor dem "Zuschauer" ausbreitet. Es ist wohl einer der schoensten Blicke auf die wunderbare Stadt. 
Anschliessend sind wir hinueber zur Altstadt ueber die Cinematheque, am Sultanspool und Jemin Moshe vorbei die Steigung Maalot Benni hoch, die zum Zionstor fuehrt. Bevor wir dieses Tor passierten, haben wir uns nach rechts gewendet, um die Dormitio-kirche, das Davidsgrab und den angeblichen Ort des letzten Abendmahls (Abendmahlsaal) zu besichtigen. Ploetzlich fing der Muezzin an zu rufen und N. war schon zu diesem Zeitpunkt beeindruckt, wie nahe alles beisammen liegt, wie viel man hier sehen, erleben und auf sich wirken lassen kann, die unterschiedlichsten - und immer doch tiefen - Eindruecke.
Wir sind ein paar Schritte weiter zum Chamber of the Holocaust. Dieser kleine Ort bietet einen erschreckenden Einblick auf die Toetungsmaschinerie der Nazis. 
Weiter durch das Zionstor ging es zur Kotel (Westmauer, Klagemauer). Dort ist es wohl zu jeder Uhrzeit interessant. Stets begegnet man dort einer Vielzahl von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion. Christen aus Afrika mit ihren typischen Gewaendern, Gruppen, Soldaten, Juden, viele weinen oder stecken kleine Zettel in die Ritzen der grossen Steine der Mauer. 
Meine Tochter wusste nicht zu beschreiben warum, war aber an diesem Ort sehr beruehrt. 
Wir liefen durch die Altstadt zur Grabeskirche und staunten ueber die Menschenmengen, die sich dort einfanden, um einmal am Grab von Jesus zu beten. 
Weiter zum Oesterreichischen Hospiz, das wenn man es betritt wie eine kleine Oase im Gewimmel des muslimischen Viertels scheint. Auf dem Dach hat man einen unvergleichlichen Blick ueber die Daecher der Altstadt sowie den Tempelberg mit dem Felsendom. 
Wir sind durch das schoene Damaskustor aus der Altstadt heraus und gegenueber zum beeindruckenden Gebaeude des Schmidt´s College, das der Deutsche Verein vom heiligen Land unter sich hat, es ist Schule fuer arabische Maedchen (vorwiegend christliche), sowie Pilgerhaus fuer deutsche Pilger. Dort habe ich mein allererstes Volontariat in Jerusalem absolviert im Jahr 2005. Ich habe die Zimmer der Gaeste, sowie die langen Flure geputzt, die Blumen auf dem Dach und im Garten gegossen und in der Kueche das Geschirr gespuelt. Lange ist es her und kurze Zeit spaeter begann eigentlich schon mein Weg zum Judentum. 

Ueber die neue moderne Mamilla-Mall - eine Einkaufsmeile - sind wir dann erschoepft wieder nach Hause gefahren. 
Fuer den naechsten Tag war Tel Aviv geplant, wir wollten zunaechst auf die Azrieli Tower, den Blick ueber die Stadt und das Meer geniessen, um dann am Strand entlang nach Jaffo zu laufen. 
Doch es kam anders. Als wir an der Haltestelle in der Arlozorov-Street ankamen rief mein bester Freund Jacov aus Haifa an, der uns anbot eine Runde in Haifa mit dem Auto zu drehen. 
Zurueck in den Zug, auf nach Haifa!
Dort am Strand liegt die Haltestelle und wir machten zunaechst einen kleinen Spaziergang am Strand mit einem Imbiss am Meer. Anschliessend fuhr uns Jacov zum Stella Maris mit dem atemberaubenden Blick ueber die Hafenbucht, wo man bei schoenem Wetter bis zum Libanon schauen kann und dem Hermon unserem hoechsten Berg, auf dem im Winter Schnee liegt. 
Weiter ging es zur Jafe-Nof-Street, zum oberen Haupteingang der Bahai-Tempel-gartenanlage. 
9 Terrassen fuehren hinunter zum Schrein des Religionsgruenders dieser friedlichen Religion, die unteren 9 Terrassen sieht man von oben nicht, sowie man von unten von der German Colony aus nicht die oberen sieht. 
Am Ende unseres Tripps assen wir noch Chumus und Salat in einem kleinen einheimischen Restaurant. 
Jacov hatte leider keine Zeit mehr, doch meine Tochter wollte noch bis zum Sonnenuntergang am Meer bleiben. So erlebten wir einen wunderbaren Sonnentag im Norden. Mit dem Zug zurueck nach Tel Aviv, dann nach Jerusalem. 

Yam Hamelach, das Tote Meer, stand am naechsten Tag auf dem Programm. Dafuer wollten wir sehr frueh aus den Federn, um den ersten Bus um 8h an der Central Bus Station zu bekomme. Eine beeindruckende Fahrt hinunter zum Toten Meer, 420 m unter dem Meeresspiegel. 
Dort angekommen - wir hatten uns Mineral Beach als Badestrand ausgesucht - empfing uns RUHE!
Der krasse Gegensatz zur pulsierenden hektischen Stadt empfaengt den Besucher mit einem wohligen Gefuehl von Entspannung. 
Ruhe und der Geruch von Schwefel. Schlamm-einreibungen gehoeren genauso zu einem Besuch am toten Meer wie das "Sitzen" im Toten Meer, das einen Salzgehalt von 30% hat. (Vergleich: das Mittelmeer hat einen Salzgehalt von 3%)
Erschoepft und erholt kamen wir zuhause an. 
Abends sassen wir immer gemuetlich zu hause, machten uns Pitta, Aubergine, Chumus und Tchina mit Salat. 

Am Freitag stand dann der schwere Besuch in Yad Vashem auf unserer Liste. Wir wollten in Jerusalem bleiben, denn der Shabbat faengt frueh an. 
Yad Vashem - ohne Worte kann man nur sagen, denn jede Beschreibung dessen, was man dort zu sehen und zu fuehlen bekommt trifft es nicht. Zu einem bestimmten Zeitpunkt faengt wohl jeder der dort das Museum besucht an zu weinen. Zu hart und grausam ist das, was sich ereignet hat. 
Wir sind in dieses Volk das den systematischen Massenmord beging hineingeboren. Auch diese Tatsache macht es schwer, sich mit dem was war, zu konfrontieren. 

In der Shabbatnacht waren wir in meiner Yakargemeinde und anschliessend bei Esti und Roni, meinen besten Freunden zum Essen eingeladen. N. erlebte zum allerersten Male einen juedischen G-ttesdienst. 
Die Freude, sie ist es, die dem nicht juedischen Besucher auffaellt. Es wird gesungen und geklatscht und das ist neu fuer den, der es nicht kennt. 
Am Shabbat spazierten wir durch meine Nachbarschaft und gingen ins Israel-museum mit der beeindruckenden Herodes-ausstellung. 

Micha und Heidi aus Deutschland nahmen uns freundlicherweise mit zum See Genezareth am Sonntag. Ich war bestimmt 5 Jahre nicht mehr dort und habe mich riesig gefreut, diese paradiesische Gegend wieder zu sehen. Wir sind die Golanhoehen hochgefahren und haben dort unser Picknick gemacht, hoch ueber dem See, mit einem atemberaubenden Blick. Anschliessend weiter nordwaerts, zu den christlichen Staetten Tabgha, und dem Berg der Seligpreisungen mit der schoenen Kirche und wieder einem wunderbaren Blick auf den See. Gegen Abend besuchten wir noch den Arbel, kurz ueber Tiberias. 
Die Fahrt nach Hause fuehrte durch das Jordantal. 
Danke, Micha und Heidi fuer diesen wunderschoenen Tag mit euch. 

Am Montag war Abflugtag. Nach einer intensiven Zeit zusammen fiel es sehr schwer, Abschied zu nehmen. N. wuenschte sich fuer den Morgen, noch einmal in die Altstadt zu gehen, um die Atmosphaere einzuatmen und an der Kotel zu sitzen. 
Am Mittag ging es dann gemeinsam zum Flughafen und als sie durch die letzte Tuer ging, ging ich irgendwie ein wenig schweren Herzens zu meinem Bus nach Jerusalem. 
Im Alltag wieder angekommen, blicke ich auf eindrucksvolle sehr intime Tage mit beiden Toechtern zurueck und das Schoenste : Sie scheinen mich zu verstehen, sind mir nicht boese, dass ich hier lebe und nicht dort,  bei ihnen. "Dass du dich in diese Stadt verliebt hast, kann ich verstehen!" sagte N. und schrieb mir, zu Hause angekommen: "Es faellt sehr schwer, aus einer so spirituellen Umgebung mit warmen Menschen wieder in einer neutralen Stadt in Deutschland anzukommen"

Sonntag, 27. Oktober 2013

Sonntag, 20. Oktober 2013


Aufregende Wochen

Ich bin ein Glueckspilz - besonders in den letzten Wochen, die aufgrund der Besuche meiner Toechter sehr sehr aufregend fuer mich sind. 
Morgen nacht also wird Tochter Nr. 2 am Flughafen Ben Gurion landen und ich freue mich schon wieder wie eine Schneekoenigin auf sie. Genau wie die andere Tochter, habe ich auch sie mehr als 1 1/2 Jahren nicht gesehen und in die Arme schliessen koennen. 
Ich werde gleich ihr Bett beziehen und die kleine "Galerie" fuer sie bereitmachen. 
Eine riesige Menge Obst habe ich schon auf dem Shuk gekauft, denn auch sie ist Veganerin und wir werden viel Fruechte und Gemuese essen. 
Eine Besonderheit noch - diese Tochter war noch nie in Israel. Das macht die ganze Sache noch spannender. Ich bin sehr neugierig, wie sie sich fuehlen wird hier, in unserem schoenen Land, wie ihr alles gefallen wird, und ob sie sich in meiner kleinen Wohnung wohl fuehlt. 
Die gesamte Woche ihres Aufenthaltes werde ich Urlaub haben, und das macht es besonders schoen. 
Berichten werde ich wohl erst hinterher und ich hoffe sehr, dass ich danach nicht in ein allzu grosses Loch falle....

Vier Erdbeben in einer Woche

Und am heutigen Tag gleich zwei innerhalb von vier Stunden. Die Beben mit einer Staerke von 3.5 auf der "nach oben offenen Richterskala" waren in der Naehe von Ginnosar (Tiberias) am See Genesareth zu verzeichnen. 
Seit Jahren spricht man von einem groesseren Beben in Israel, was auf jeden Fall bevorsteht, es ist sogar schon ueberfaellig. 
Wir leben in der Naehe des syrisch-afrikanischen Grabens, der durch das Tote Meer hinauf durch das Jordantal in den See Kinneret (Genezareth) fuehrt. 
Verschiedene Schreckensszenarios sind schon ausgemalt worden. 
Die kleineren Beben koennen sowohl den Druck herausnehmen und ein groesseres Beben abschwaechen, aber es ist auch heute in den Nachrichten von den Experten die Rede von einem groesseren Beben, das durch diese kleineren in schneller Folge angekuendigt werden kann. 

Mir ist immer etwas flau im Magen, wenn ich an ein grosses Erdbeben denke, denn man ist dem so voellig ausgeliefert. 
Selbst als die Raketen aus Gaza in Richtung Jerusalem flogen im November fuehlten wir uns nicht ganz so ausgeliefert. Es erklang eine Sirene, wir wussten,dass Raketen zu uns unterwegs sind, wir wussten, wieviel Zeit wir von der Warnung bis zum Einschlag haben, und wir wussten, wo und wie wir uns in Sicherheit bringen koennen. 
All das faellt bei Erdbeben weg. Sie erwischen uns voellig ueberraschend und niemand warnt uns vor. 
Diejenigen - wie ich - die kein erdbebensicheres Haus haben, sollten wenn es eben moeglich ist, auf die Strasse laufen, moeglichst auf s freie Feld, was ich bei mir hier nicht so sehe. 
Die Haeuser um mich herum sind aber auch nicht sehr hoch, maximal 2-3 Etagen. 
Haeuser, die in den letzten Jahren neu gebaut wurden, muessen nach der Vorschrift erdbebensicher gebaut werden. 
Andere werden erdbebensicher gemacht, wie ich hier in der Naehe beobachten konnte. 
Ich hoffe immer, dass uns solche Ereignisse NICHT nachts im Schlaf erwischen, obwohl das oft der Fall sein soll. Auch das einzige Beben, was ich in meinem Leben mitbekam, in Deutschland, trat nachts auf. Ich lag mit einer meiner kleinen Toechter in einem Bett und ploetzich fing das Bett an zu huepfen. Im Halbschaf das merkwuerdige Ereignis registriert - und schon war der Spuk auf wieder vorbei. 
Hier raet man den Menschen, zur Vorsicht immer eine kleine Tasche mit kopierten wichtigen Dokumenten zu packen, sowie ein kleines Radio und eine Taschenlampe. 
Letzteres habe ich, wobei ich mir noch ein paar Batterien mehr kaufen sollte. Dokumente wollte ich lange schon kopieren und sollte das vielleicht doch mal in der naechsten Zeit tun. 
 

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Sonntag, 13. Oktober 2013

"Terror-tunnel"

Der groesste Tunnel fuer Waffenschmuggel - mit einer Laenge von 2 km - wurde jetzt zwischen Gaza und Israel entdeckt. G-tt sei dank, kann man nur sagen, denn er sollte dazu dienen, Waffen und Sprengstoff fuer einen sehr grossen Anschlag in Israel zu schmuggeln. Unter anderem stand auf dem Plan die Entfuehrung von Soldaten. Der Tunnel fuehrte in die Eshkol-gegend. 3km vom Kibbutz Ein hashlosha entfernt. 
Dieser TunneDDDst professionell gebaut, mit den Tonnen Beton, die in den Gaza-streifen ganz legal zum Hausbau geliefert wurden. (das an alle, die sich aufregen, wenn Israel die harmlos anmutende Lieferung von Beton skeptisch sieht)
Eine klare Botschaft an Gaza: Jedes Betonwerk, was seinen Teil zu derartigen Aktivitaeten beitraegt  und jeder Bezirk, von dem das Graben von Tunnelschaechten ausgeht wird gewarnt. 
Netanyahu zieht indessen Bilanz: dieses Jahr war das ruhigste in Sachen Sicherheit der Bevoelkerung in den letzten zehn Jahren, andererseits wird ein merklicher Anstieg von Terrortaetigkeiten in den letzten Wochen verzeichnet. 
Wer also glaubt, dass Chamas in Gaza uns gegenueber merklich friedlicher gestimmt sind, der taeuscht sich ganz gewaltig. 
Aber ich sehe schon wieder die Kommentare in den deutschen Zeitungen vor mir, falls es diese Meldung ueberhaupt in die deutschen Medien schafft: Naja, Israel ist selbst schuld, wuerde die Besatzung endlich aufhoeren, haette Israel auch nichts zu befuerchten. Die Palaestinenser bauen ja nur aus Verzeiflung solche Terrortunnel.

"Die Stimme" - was mich zutiefst beruehrt hat heute..

Es gibt Artikel, die mich so sehr treffen, dass ich fuerchterlich weinen muss. So geschah es heute morgen, als ich in der Beilage "Portraet" der Zeitung Makor Rishon folgenden Artikel las, den ich euch gern uebersetzen moechte. Eventuell spricht er auch den einen oder anderen Leser an, der wie ich auf eine Art innere Stimme gehoert hat und sein Leben auf die eine oder andere Art drastisch veraendert hat. 
Der Beitrag erschien im Zusammenhang mit der heutigen Parasha "Lech Lecha", die von Abraham handelt, der auf G-ttes Stimme hoert. G-tt sagt ihm, er soll gehen, aus seinem Land, aus seiner Heimat, aus seinem Vaterhaus in ein Land was "ich dir zeigen werde". 
Er geht ins absolut Ungewisse, weiss nicht wo der Weg ihn hinfuehren wird, aber er geht, hoert auf die Stimme und folgt ohne Fragen, ohne Zweifel, ohne Angst. Im Grunde genommen sind alle Gerim wie ich dieser Stimme gefolgt, ebenfalls auf unbekanntes Terrain in ein neues Leben, das sich so voellig von dem Leben "davor" unterscheidet.. Und sicher wird sich so mancher, genau wie ich, staunend die Frage stellen: "Wie ist das nur alles gekommen, dass ich da bin, wo ich bin? Wie bin ich hierher gekommen? Warum bin ich eigentlich diesen Weg ins "Ungewisse" so konsequent gegangen, ohne Zweifel, dass das, was ich tat auch richtig ist?
Es passiert mir immer noch sehr oft, dass ich mich das frage, staunend und dankbar ueber all das, was mir auf dem Weg hierher passiert ist. 
Hier fuer euch die Uebersetzung des Artikels "die Stimme" von Avi Baat.

Die Stimme
Er hoerte - und ging. Die anderen verstanden ihn nicht. Verspotteten ihn. "Wohin gehst du?" fragten sie ihn. Nicht etwa, um zu wissen, sondern um ihn wegen seiner naiven Antwort zu verspotten. 
"Ich weiss es nicht." 
"Also, warum gehst du dann?"
"Die Stimme ruft mich. Hoert ihr sie denn nicht?"
Sie lachten. 
"Wie kann es sein, dass sie die Stimme nicht hoeren?"
Er wusste nicht, dass er besonders war, einzigartig. 
Er ging einfach, weil die Stimme ihn rief. Wenn die Stimme ruft, geht man. Ganz einfach. 
"Wenn ich ankomme, werde ich es wissen," sagte er sich. 
Sein Gang mit der Stimme gab ihm Kraft und Sicherheit. Wer die Stimme hoert - und geht, wird niemals allein sein. 
Manchmal bin ich gegangen, ohne zu wissen wohin, und ohne genau zu wissen, warum. Ich packte meine Tasche mit Gaskocher, Kaffee, Zucker und Waffeln, und sagte zu denen es noetig war zu sagen: "Auf Wiedersehen. Ich gehe jetzt, keine Sorge, spaeter komme ich zurueck."
Ich ging - und kam spaeter zurueck. 
Waehrend des Ganges hatte ich ein unklares Gefuehl von Zusammensein. Ausgerechnet da, wo keine Menschenseele in der Naehe war.  Ausgerechnet da war ich nicht allein. 
Daher erschrak ich mich fast, als ich ihn das erste Mal sah. Ich sah ihn von Weitem, er ging allein. 
Das, was meine Augen und mein Herz von der ersten Sekunde an magisch anzog, war merkwuerdig. Der Grund, warum ich meine Augen nicht von ihm lassen konnte, war sein Gang. Wenn er ging, war das kein normaler mechanischer Gang, links, rechts, links, rechts, sondern seine gesamte Erscheinung ging. Sein ganzes Wesen war Gang.
Aber das wusste ich damals noch nicht. Es hat eine Zeit gedauert, bis er mich zu dieser Erkenntnis brachte. Bei den ersten Malen, wo ich ihn sah, sprachen wir nicht, wir schauen uns von Weitem an. Wir naeherten uns und teilten Kaffe. Er liess mir die Zeit, die ich brauchte. 
Als ich die Stimme hoerte, wunderte ich mich. Aber gleichzeitig kam sie mir bekannt vor, so, als ob ich sie schon immer gehoert haette, und sie erst jetzt richtig wahrnahm. So wie das Geraeusch eines Kuehlschranks, das wir auch erst wahrnehmen wenn es aufhoert. Die Stimme die ich hoerte war es, die mich rief, mich ihm zu naehern, mit ihm zu reden. 
Er laechelte mich an und sagte dann:
"Endlich hast du hingehoert, ja?"
Sein Laecheln war so stark, so lebendig, es kam so sehr aus seinem Innern, dass ich zurueck laechelte. 
"Ja, ich habe hingehoert."
Wir schwiegen und hoerten gemeinsam eine Zeitlang. Zeit, die mich beruhigte,  dir mir Raum gab, mich selbst zu fragen und danach ihn:
"Moment mal, WAS habe ich gehoert? Wovon sprechen wir ueberhaupt?"
"Ausgezeichnet!" sagte der Mann. "Du faengst an, hinzuhoeren." So sagte er, stand auf, laechelte und ging. 
"Aber was fange ich an zu hoeren?" Ich wollte ihn fragen, aber er wollte anscheinend - mit Recht - dass ich mir diese Frage selbst stelle. Also fragte ich. 
Bei unserem naechsten Treffen, nach Naechten voller Fragen und ohne Antwort, fragte ich schliesslich ihn. 
Er schuettelte den Kopf, gab mir ein Zeichen. "Das ist nicht der Weg. Frage nicht, hoere!"
Wir schwiegen gemeinsam. Und ich war damit beschaeftigt, zu versuchen, hinzuhoeren. aber diese meine Versuche machten zuviel Laerm. 
Ich konnte absolut nichts hoeren. 
Er stand auf und legte seine Hand auf meine Schulter. "Nun bist du doch bis hierher gekommen. Jetzt brauchst du mich nicht mehr. Nun brauchst du dich selbst."
Ich folgte ihm. "Also, du willst mir sagen, dass die Stimme ich selbst bin?" 
"Du kommst der Sache naeher... " er laechelte. 
"Aus meinem Inneren?" versuchte ich erneut. 
Mein Lehrer laechelte zufrieden. 
"Aus mir selbst - aber das bin nicht ICH. Und auch du hoerst es? ....Moment mal" ich sprang auf, "wir hoeren dieselbe Stimme? Ich aus meinem Inneren und du aus deinem Inneren?"
"Die Stimme ruft die ganze Zeit, immer." sagte mir der Mann mit leuchtenden Augen. "mit allen Stimmen, in allen Sprachen. Sie sucht Hoerende, die hoeren, die zuhoeren, die gehen. Eine klare, reine, starke Stimme aus mir, aus dir, aus den Bergen, aus den Felsen, aus den Baeumen, aus allem, sie ruft dich auf zu gehen - sie spricht eine besondere Sprache, die persoenliche Sprache eines jeden. Die Stimme ruft mit einem Echo dem gesamten Universum zu, und mit dem gleichen Echo nur mir, nur dir, nur uns zu. 
"Geh fort, sie ruft dich. Geh allein vor dich hin. Geh..."
Und der Lehrer ging, und als er mir den Ruecken zukehrte, sich von mir entfernte, sagte er:
"Wer hoert, der geht. Geht, gemeinsam mit den Hoerenden aller Generationen, aller Zeiten, geht mit der Stimme."
Die Hoerenden sind Ritter des Zuhoerens, Ritter des Glaubens, sie hoeren, hoeren hin und gehen.....
(Avi Baat, Makor Rishon 13.Okt.2013)
 Vielleicht spricht der Text nur Menschen an, die gehoert haben, aufgestanden sind und gegangen sind, einen Weg, den sie nicht kannten, den sie gingen, ohne zu wissen warum und ohne gewiss zu sein, wohin der Weg sie fuehrt. 
Es muss eine Stimme sein, die gerufen hat - warum waeren wir sonst gegangen?......

Freitag, 11. Oktober 2013