Samstag, 27. April 2013

Einwanderer jeder Couleur

Einwanderer nach Israel - Olim Chadashim - finden sich in jeder Altersstufe, bis ins hohe Alter von 90. Man wandert aus aller Herren Laender ein, vorausgesetzt man ist Jude, Juedin. 
Ich traf vor 9 Monaten bei meiner Freundin Ayala eine sehr entfernte Verwandte der Familie, 23 Jahre alt, eingewandert aus Amerika und - allein eingewandert!
Sie war von einigen Jahren, vor der Universitaet mit einem zionistischen Jugendprogramm hierher gekommen, um Israel in ein paar Monaten kennen zu lernen. Damals entschloss sie sich, nachdem sie die Uni abgeschlossen haette, einzuwandern. 
Die Eltern dachten, es sei eine voruebergehende Laune, doch nach der Uni hat sie es tatsaechlich umgesetzt, ohne Eltern und Geschwister machte sie Alyia. Die Eltern nahmen es mit grosser Besorgnis. Wie wuerde sie klarkommen und was konnte ihr nicht alles passieren in einem fremden Land? 
Sie beruhigte ihre Eltern, denn - da gab es doch noch die Tante um vier Ecken herum verwandt mit der Familie. Sie wuerde sie als Notanker dienen. 
Nun - ich traf sie heute wieder, nach 9 Monaten im Land. Die Eltern sind auch schon ueberzeugt, dass es das Richtige war, denn ihre Tochter "blueht zusehens auf", so berichtete der Vater Ayalas Mann. Ich bin auch erstaunt, wie ein junges Maedchen von 23 ganz allein hier zurecht kommt. 
Sie spricht bereits ein wunderbares Hebraeisch, was ihr sicher die meisten Tueren oeffnet. Inzwischen arbeitet sie in einer kleinen Galerie im Juedischen Viertel der Altstadt, denn sie hat Kunstgeschichte studiert. Gleichzeitig arbeitet sie saisonabhaengig im Israelmuseum. Dort fuehrt sie Gruppen aus Italien und Amerika durch verschiedenen Ausstellungen. 
Die junge Frau sprueht vor Energie und Lebensfreude und hat auch schon eine kleine Wohnung mitten in Rechavia gefunden, gemeinsam mit einer Kollegin ist es moeglich, die Miete aufzubringen. 
Ich finde es wunderbar, wenn schon so junge Menschen genau wissen, was sie wollen, fuer ihre Ziele vieles aufgeben und die Schwierigkeiten mit positiver Energie meistern. 
Hochachtung, vor den jungen Leuten hier im Land, aber auch vor denen, die sich noch im hohen Alter von ueber 80 trauen, nach Israel einzuwandern, neu anzufangen. Sicher ist es fuer niemanden von uns einfach, Fuss zu fassen, einen  Freundeskreis und ein stabiles soziales Umfeld aufzubauen. Doch die ganz jungen, sowie die sehr alten Menschen haben es sicher noch ein wenig schwerer, vor allem wenn sie ganz allein herkommen. 

Freitag, 26. April 2013

Ein Freitag in Tel Aviv

Ich liebe die Fahrt nach Tel Aviv, die Landschaft, die Vorfreude auf das Meer, die Luft und den Wind. Ich steige aus dem Bus und laufe die Strassen entlang, die so anders sind als die Jerusalems. Weisse Haeuser, positive Stimmung, eine Stadt voller Sonne. Ich freue mich auf den Tag, kaufe mir einen Eiscafe und schluerfe den ersten Schluck in Gedanken an meine Freundin Odeliya, die bald kommen wird und Eiscafe-suechtig ist. Ich schlendere auf die Promenade zu und geniesse die Morgenstimmung am Meer. Vor fast 10 Jahren war ich hier zum ersten Mal, und habe um 5 Uhr im Meer gebadet. Ich vervollstaendige mein Morgengebet am kleinen Hafen und trinke den ersten Schluck aus der Wasserflasche, denn es wird heiss. Weisser Sand, die Wellen auf meinen Fuessen und ich bin gluecklich. Ich darf hier wohnen, was fuer ein Glueckskind bin ich doch!
Ich laufe weiter, Jaffo entgegen beobachte die Kinder und die Sonnenbadenden. Kurz vor Jaffo setze ich mich auf die Felsen und hoere dem Rauschen der Wellen zu, der Wind wird staerker und mildert angenehm die Hitze. In Jaffo steige ich zum Kirchplatz hinauf und schaue von oben auf die Angler, die mit braungebrannter Haut aufs Meer schauen. Meinen roten Hut habe ich schon lange aufgesetzt, denn es ist Sonnenstichgefahr. Ich kaufe mir ein Eis am Kiosk und der Verkaeufer sagt erstaunt: "Oh, ein Rotkaeppchen, das hebraeisch spricht!" Wir lachen und ich setze mich auf den Platz, beobachte die Menschen am Brunnen, die alten Haeuser. Als ich durch die Gassen schlendere, an Galerien entlang zum alten Hafen hinunter fuelle ich die Wasserflasche auf. 
Unten ist Mittelmeer-hafenstimmung, fast ein wenig spanisch. 
Die immer wieder eindrucksvolle Aussicht von Jaffo auf die Silhouette von Tel Aviv erfreut das Herz. "Wie mag es hier ausgesehen haben, vor etwas mehr als 100 Jahren, als nur Duenen hier waren? 
Die Menschen die dann 50 Jahre spaeter ankamen liefen voller Hoffnung einem neuen Leben entgegen, es war viel schwerer als heute, man schlief in Zelten, Notunterkuenften, aber war sich einig, gemeinsam das Land aufzubauen.
Ich mache mich auf den Rueckweg hinueber nach Tel Aviv. Noch ein Schlenker in ein Strassencafe und schon mit Blasen an den Fuessen geht es Richtung Arlozorov, dem Busbahnhof entgegen. Ich stelle mir vor, hier zu wohnen, in einem der weissen Haeuser, mit Blick auf das blaue weiter Meer. 
Als ich zum Busbahnhof komme, sind meine Blasen offen und ich bin froh, mich zu setzen. Kurz vor Shabbat fahren alle 10 Minuten Busse nach Jerusalem. 
Es geht los, der Heimatstadt entgegen und ich lassen das weisse moderne Tel Aviv mit dem blauen Meer hinter mir. Als es in die Berge geht und ich die stolzen Zypressen sehe, muss ich ueber mich laecheln. Nein, um nichts in der Welt moechte ich unser gemuetliches Jerusalem eintauschen. Am Busbahnhof ist schon fast alles zu, jeder hofft, dass noch ein Bus in seine Richtung faehrt - ein Taxi ist teuer. 
Ein paar Blumen noch am Wegrand fuer 20 Shekel, um den Shabbat zu verschoenern - und die letzten melancholischen Lieder in Ladino im Radio - bevor die sinkende Sonne uns schon den Shabbat verspricht. 
Es war ein schoener Tag - und ich bin froh, wieder zuhause zu sein. 
Shabbat shalom!

צדקה - Wohltaetigkeit Spende

Das hebraeische Wort fuer Wohltaetigkeit, Spende ist Zdaka (צדקה).
Die Wurzel zadik-dalet-kuf bedeutet jedoch genau uebersetzt Gerechtigkeit. 
Und in Wahrheit sehen wir in der Tat in einer Spende dem Beduerftigen (oder dem zurzeit Beduerftigen) gegenueber eine Handlung der Gerechtigkeit, des Ausgleichs. Da ich gerade mehr habe als X. lasse ich X. etwas von meinem "Ueberflus" zukommen. 
Ist das nicht eine voellig andere Sichtweise auf die Dinge?
Ich sorge sozusagen nur dafuer, dass es ein wenig "gerechter" zugeht auf der Welt, im kleinen Rahmen natuerlich, doch falls es jeder tun wuerde, waere damit schon sehr viel getan. 
Auch der Empfaenger duerfte sich bei dieser Sichtweise nicht so klein, oder gedemuetigt fuehlen. Wir werden angehalten, Zdaka zu geben, genau aus diesem Grunde sagte mir eine Nachbarin vor fast 3 Jahren, nach meiner OP: "Wenn du nicht fragst, ob wir dir etwas einkaufen koennen, hinderst du uns daran, eine gute Tat zu tun!"
Als mich eine Freundin fragte, warum wir beten: ".. der alles ernaehrt" wenn das doch gar nicht stimmt aufgrund der Hungersnoete, habe ich behauptet, dass es genug fuer jeden auf der Welt gibt, es ist nur nicht richtig verteilt. 
Nun gab es vor ein paar Wochen einen Beitrag ueber ein Forschungsprojekt, indem genau das zur Sprache kam. Es wurde ausgerechnet, dass jeder auf der Erde genug zu essen haette, nur dass einigen der Zugang zu Nahrung aufgrund fehlender finanzieller Mittel verwehrt ist und auf der anderen Seite sehr viel weg geworfen wird. Die einen leben im Ueberfluss, die anderen hungern nach ein wenig von diesem Ueberfluss. Aber es ist genug auf der Erde, damit jeder satt wird. Jeder!
Auch das bestaetigt, dass wir keine grossen Wohltaeter sind, wenn wir ein wenig von dem abgeben, was wir haben. Wir sorgen nur fuer einen Ausgleich. 

Donnerstag, 25. April 2013

Chemische Waffen und die "rote Linie"

Was unsere Medien zurzeit unter anderem beschaeftigt, ist die Frage der "roten Linie", die bereits ueberschritten oder nicht ueberschritten wurde?
Von welcher roten Linie die Rede ist? 
Obama formuliert es so, dass der Einsatz von chemischen Waffen in Syrien eine klare Ueberschreitung der sogenannten "roten Linie" ist und ein Einschreiten nach sich zieht. 
Nun kam vor ein paar Tagen die Meldung, dass es Tatsache ist, in Syrien wurden von Assad chemische Waffen eingesetzt gegen die eigene Bevoelkerung. 
Zunaechst kam eine zoegerliche Antwort von Obama, es sei nicht ganz sicher und man habe keine klaren Beweise usw usw. 
Heute nun kommt aus den USA die Bestaetigung, man habe Beweise, dass chemische Waffen eingesetzt wurden. 
Nun hoert sich die Reaktion aber nicht sehr entschlossen nach einem Einschreiten an, vielmehr kommt die Botschaft rueber: "wir muessen jetzt schauen, dass nicht NOCH EIn WEITERES MAL chemische Waffen eingesetzt werden, dann dann muesse man doch handeln.". 
All das muss sich fuer Assad wie ein Witz anhoeren, waere ich er, wuerde ich spaetestens jetzt wissen, dass ueberhaupt nichts passieren wird, das der der gedroht hat, nun doch den Schwanz einzieht und sich eigentlich nicht wirklich einmischen will. 
Warum sollte der Einsatz von chemischen Waffen ein Ueberschreiten einer roten Linie sein? 
Es wurde gesagt, wenn es uns schon nicht interessiert, dass dort Menschen auf grausamste Art und Weise von ihrer eigenen Regierung ermordet werden, so sollte uns schon interessieren dass diese chemischen Waffenarsenale nicht in "falsche" Haende kommen. (in die Haende von Terrororganisationen naemlich, die dann die ganze Welt erpressen koennten). 
Weder das eine noch das andere scheint die Welt zu stoeren und auch wenn wir von Obama vor kurzem gehoert haben, er wuerde die Aktionen Israels gegenueber dem Iran unterstuetzen und uns nicht allein lassen im Ernstfall, kommen nun doch erhebliche Zweifel an der Zuverlaessigkeit seiner Aussage auf. 
Der Satz, den man hier immer wieder hoert "wir koennen uns nur auf uns selbst verlassen, und auf sonst niemanden.." gewinnt immer wieder neu an Bedeutung und ich bin inzwischen auch davon ueberzeugt, dass es so ist. 
Leider!

Ein "Zwischenfall" oder eine Warnung?

Heute nachmittag drang ein unbemanntes Flugzeug (eine Drohne) vom Libanon aus in israelischen Luftraum ein. Es wurde von den israelischen Luftwaffe abgeschossen. (G-tt sein dank). Nicht klar war, ob es bewaffnet ist oder nicht. Auch noch nicht geklaert, wer dahinter steckt. Man nimmt an, dass es die Hisbollah war, die hinter diesem Vorfall steckt. 
Das unbemannte Flugzeug wurde einige km weit von den Straenden von Haifa abgeschossen. 
Was soll uns dieser "Vorfall" nun sagen? Ist es eine Demonstration von Nasrallah, eine Warnung, ein Vorzeichen, fuer das, was dort gerade ausgeheckt wird?

Bilanz des ersten Monats bei der neuen Firma

Insgesamt bin ich sehr zufrieden und froh, ueber meine neue Arbeit. Ich habe meine erforderlichen 65 Hausbesuche hinbekommen, zwei fehlen mir noch, die ich in der naechsten Woche besuchen werde. Im naechsten Monat werden es schon 90 sein und am Ende muss ich 120 schaffen. 
Auch meine Berichte habe ich bis auf zehn schon alle geschrieben. 
Nun kommt es auf die "Abweichungen" an, die im System angezeigt werden, nach Eingabe der Berichte, die uns dann vom Chef in der naechsten Sozialarbeitersitzung praesentiert werden. 
Abweichungen sind etwa, falls ein Folgebesuch mehr als 62 Tage nach dem letzten Besuch erfolgt, oder der Metapel (Pfleger, Haushaltshilfe) nicht bei jedem 2. Besuch gesprochen wird. 
Diese Rueckmeldungen helfen uns, zu wissen, wo wir stehen, was zu verbessern gilt. 
Ich sehe das positiv, denn so wissen wir stets, was jeder persoenlich noch zu verbessern hat. 
Jeder, der neu in der Firma anfaengt hat anfangs recht viele dieser Abweichungen. Ich selbst habe in den ersten Tagen ueberhaupt nicht darauf geachtet, wen ich dringen besuchen muss, bei wem sich die 62 Tage bereits ihrem Ende naehern. 
In vielen Faellen hatte ich aber gar keine Chance, das hinzubekommen, da schon bei Beginn meiner Arbeit mehr als 60-70 Tage vergangen waren. 
Nun - mein Fazit ist bereits, dass ich mir sehr viel Muehe mit dem Ordnen der Listen machen muss, zunaechst nach Datum, dann noch einmal sortieren nach Gebiet, denn von Bar Ilan nach Bait Vagan zu fahren ist kein Pappenstiel, solche Fahrten sollte man wenn es geht vermeiden, und die Gebiete nach Tagen ordnen, oder wenigstens nach vormittag und nachmittag, um nicht mehrfach hin und herzufahren. 
Nach dem Sortieren folgt das Anrufen, terminieren der Hausbesuche. Dies gestaltet sich bei einigen Menschen oder deren Angehoerigen schwierig. Viele wollen sich nicht festlegen, manche moechten die Uhrzeit genau bis auf die Minute wissen (was nicht moeglich ist, wenn man 1. mit Menschen arbeitet, wo man nicht auf die Minute das Haus verlassen kann oder 2. mit oeffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist und 3. nicht von Familie zu Familie rennen will) und einzelne sagen ganz unverbluemt, dass diese nervigen Hausbesuche ihnen wahrhaftig auf die Nerven gehen. Sie koennen nicht verstehen, warum wir alle 2 Monate den Hilfebeduerftigen sehen MUESSEN, da dies das Gesetz vorschreibt. Schliesslich koennen wir nicht eine Hilfskraft schicken, Geld im Namen der Bituach Leumi bezahlen und dann nicht mehr wissen, wie der Hilfebeduerftige mit ihm zurecht kommt, welchen Eindruck der Haushalt und der zu Pflegende macht (gepflegt oder vernachlaessigt) und andere Kriterien. 
Sicher kann man nicht wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt, wie der Pfleger mit dem Hilfsbeduerftigen umgeht, wenn wir nicht dabei sind usw. Doch einen kleinen Eindruck und Einblick bekommt man schon. 

Es ist nicht wenig, was man am Tag hinbekommen muss, und doch gibt es kleine Pausen, im Bus, auf der Parkbank, beim Fruehstuecken oder einfach ein Durchatmen von Haushalt zu Haushalt. 
Jeder Fall ist anders, bei manchen gibt es nicht viel zu berichten, weil es sich um 9 Std. in der Woche handelt, wo Haushaltsarbeiten erledigt werden und der Hilfebeduerftige noch recht selbststaendig ist. Bei anderen kann man mit den zu Pflegenden nicht sprechen, da eine Demenzerkrankung vorliegt, in diesem Falle ist es der Ehemann, die Ehefrau oder die Familie, die Auskunft geben. 
Manche Hausbesuche beruehren und andere weniger. Meine fruehere Arbeit in Deutschland mit Drogenabhaengigen hat mich doch ein wenig geschult, Grenzen zu setzen und auch persoenlich nicht allzu tief einzutauchen in einzelne Schicksale. (Voellig gefeit davor ist aber keiner)

Ich geniesse es, draussen vor Ort mein eigener Organisator und Chef zu sein, im vorgegebenen Rahmen, wieviele Besuche ich am Ende des Monats erledigt haben muss. 
Ich geniesse die Luft und die Bewegung (wir werden sehen, wie es sich bei Hoellenhitze anfuehlt...), die verschiedenen Menschen, die ich treffe und die Kollegen, wenn ich mal im Buero meine Berichte eingebe. Viel Zeit zum Sprechen haben wir Sozialarbeiter nicht, da jeder sein Pensum schaffen muss, da geht es den Buero-angestellten in diesem Punkt besser. 

Heute gab es auch Zahlen ueber die Firma, wobei mich am meisten beeindruckt hat, dass wir ueber 1200 Hilfsbeduerftige mit Haushaltshilfen "beliefern". Fuer uns arbeiten weit mehr als 1000 PflegerInnen.

Sonntag, 21. April 2013

Manchmal fehlen mir einfach die Worte - oder "die ist doch dement!"

Meine Mutter ist seit etwa 1 1/2 Jahren im Heim. Nach einem Schlaganfall kam sie sprichwoertlich nicht mehr auf die Beine und wurde pflegebeduerftig. 
In den letzten Wochen hatte sie nach den Schilderungen meiner Toechter aufgehoert zu essen und zu trinken. Im Heim wurde ihr dann Fluessigkeit per Infusion zugefuehrt. 
Da sie dennoch ziemlich stark ausgetrocknet war, und zudem ein Verdacht auf eine Pneumonie (Lungenentzuendung) hinzukam, wurde sie vom Heim aus ins Krankenhaus eingeliefert. 
Seither rufe ich fast jeden Tag dort an, um zu erfahren, wie es ihr geht. Selbst mit ihr sprechen, ist nicht moeglich. Selbst als ihr Zustand noch besser war, konnte sie mit Telefongespraechen nicht viel anfangen, man spuerte, dass sie einen schnell "wieder loswerden" wollte. 
Sie hat im Heim immer wieder auch dementielle "Episoden" gehabt, sprach davon, dass sie ja zuhause sei usw. Voellige Demenz konnte ich jedoch nicht so feststellen, denn dazu war sie doch zu orientiert. 
Nun habe ich G-tt sei dank vom Krankenhaus immer Auskunft bekommen, was ja auch nicht selbstverstaendlich ist per Telefon. 
Heute hatte ich eine andere Schwester als sonst am Telefon. Ich fragte, wie es meiner Mutter geht, und gab an, ich haette in den letzten Tagen mit Schwester X. gesprochen. 
"Jooo," meinte die Schwester am Telefon, "also es ist keine Veraenderung, ihr Zustand ist gleichgeblieben."
Dann fragte ich, ob denn meine Mutter ansprechbar sei, und bekam eine (wie ich finde) merkwuerdige Antwort in einem Tonfall, der mir gar nicht behagte. 
"Jooo, also ansprechbar? Sie kennen doch Ihre Mutter, die ist doch dement!!"
Ich bestaetigte, dass ich meine Mutter kenne, und auch weiss, dass sie dement ist, aber meine Frage ging eher in die Richtung, ob meine Mutter auf Ansprache reagiert. (unter ansprechbar, verstehe ich offenbar etwas anderes...). 
"Joo, das ja." meinte die Schwester lapidar. 

Ich konnte mich eines sehr schlechten Geschmacks, der nach dem Telefonat blieb, nicht erwehren. Der Satz "die ist doch dement" hat mir sowas von gar nicht gefallen. Habe ich zuviel "Verachtung" aus ihrem Tonfall gehoert, oder haette ich mir eine andere Wortwahl gewuenscht? Vielleicht habe ich mich auch einfach an dem Wort "die" gestoert. 
Wie dem auch sei, mir fehlen einfach manchmal die Worte fuer die Art, wie man ueber Menschen redet, bzw. wie wenig Gedanken man sich macht, bevor man anderen Menschen eine Auskunft ueber nahestehende Verwandte gibt.
Bin ich kleinlich, oder gar zu empfindlich?

Donnerstag, 18. April 2013

Was mich heute beruehrt hat - oder "I cry for her cry"

Heute morgen war ich in der Umgebung Bait Vagan unterwegs, wo unter anderem die sehr religioese/charedische Bevoelkerung anzutreffen ist. Eine Gegend mit wunderschoener Aussicht auf Jerusalem (eine der vielfaeltigen Aussichten), wenn das Wetter klar ist. 
Ich kam in einen Haushalt, wo beide Partner des englischsprechenden Ehepaares Hilfe benoetigen. Er aus physischen Gruenden, beim Duschen und Ankleiden, und sie beim Einkaufen und Kochen. Darueber hinaus ist ihr seelischer Zustand alles andere als normal. Sie liegt haeufig bis Mittags depressiv im Bett und nichts zieht sie vor die Tuer. 
Herr X. schaute mich flehend an und fragte mich, ob ich nicht wuesste, was man machen kann. Es wuerde ihn furchtbar belasten, dass seine Frau immer so "traurig" waeare. Sie wuerde viel weinen und das wuerde bei ihm ebenfalls Weinen ausloesen. "Es ist so furchtbar, das mit anzusehen, " sagte er. "I cry for her cry!"
Mir blieb ein Kloss im Hals, als ich diesen Satz hoerte und es tat mir leid, dass ich nicht mehr fuer ihn tun kann. Die Tochter, die bei meinem Besuch anwesend war, berichtete mir, dass ihre Mutter bereits in Behandlung ist und seit einer Woche neue Medikamente bekommt. 
Manchmal ist es schwer, sich lediglich auf das zu konzentrieren, weswegen ich diese Hausbesuche mache. Das Ueberpruefen, ob die Haushaltshilfe regelmaessig kommt und auch die Stunden ableistet, die von der Bituach Leumi (Sozialversicherung) bewilligt wurden, ob man zufrieden ist mit der Arbeit der Metapelet oder ob es Beschwerden gibt. 
Alles andere ist Sache der Sozialarbeiterin der Kommune oder der Krankenkasse. 
Was wir dennoch tun koennen, ist zuhoeren, so weit es unsere Zeit erlaubt und eventuell einen Rat geben, an wen man sich wenden kann. 

Montag, 15. April 2013

Yom Azmaut Sameach! 65 Jahre Staat Israel

Jeder Jude, jede Juedin, auf der ganzen Welt, egal ob in Deutschland, England, Honolulu oder Hawaii, hat seit 65 Jahren eine Zuflucht, eine Heimat. Falls er sich nicht wohl fuehlt, Sehnsucht nach dem Land unserer Vaeter hat, oder sich gar bedroht fuehlt durch Antisemitismus, er darf per Gesetz sofort in Israel einwandern (Rueckkehrgesetz, Chok HaShwut). 
Wie schoen, dass wir einen Staat haben, der uns beschuetzt und uns Zuflucht bietet!
CHAG AZMAUT SAMEACH!!

Sonntag, 14. April 2013

Erev Yom HaSikaron

Heute abend um 20h wird zum ersten Mal eine Sirene an die gefallenen Soldaten und Terroropfer Israels erinnern. Ich kenne einige Familien, die einen Sohn verloren haben, und der Mann meiner Freundin Esti verlor seinen Bruder im Unabhaengigkeitskrieg, 1948, bei Haifa. Er wurde verwundet und ist verblutet. Heute sagte man, haette er nur sofort eine Bluttransfusion erhalten, waere er wohl gerettet worden. 19 Jahre war er alt, als er starb. 
Wir werden in einer Stunden zusammen zum Givat haMivtar fahren um an einer Gedenkzeremonie teilzunehmen. 
Die Haupt-gedenkveranstaltung wird an der Kotel (Westmauer) staffinden mit Praesident Shimon Peres und unserem Generalstabschef Benni Ganz.
Morgen dann wird die Sirene noch einmal um 10h an die gefallenen Soldaten und Terroropfer erinnern, danach wird auf dem Har Herzl (Herzlberg) eine Zeremonie stattfinden. 
Auch wenn schon fast ganz Jerusalem mit Fahnen bestueckt ist, ist die Stimmung eher gedaempft. Eltern und Witwen besuchen die Friedhoefe, legen Blumen oder Kraenze nieder. Sie brauchen keinen besonderen Tag, denn sie erinnern sich sowieso tagtaeglich an die Liebsten, die von ihnen gehen mussten, viel zu frueh. 

Freitag, 12. April 2013

Vorfreude auf den Yom haAzmaut

Heute habe ich mein Fenster neu bestueckt, mit Lavendel und Efeu. In der Naehe gibt es einen Gartenmarkt, wo man auch mal das eine oder andere Bluemchen preiswert kaufen kann. 
Naechste Woche begehen wir zunaechst den Yom Hasikaron leChalelej Maarachot Israel, der an alle gefallenen Soldaten, sowie Terroropfer erinnern soll. Sonntag abend bereits wird es an verschiedenen Stellen Gedenkfeiern oder gemeinsames Erinnern mit Gesang geben. Montag morgen dann die Sirene um 10h. Waehrend des Tages, der besonders fuer "verwaiste Eltern" schwer werden wird, gibt es nochmal Zeremonien. Sobald der Tag sich dem Abend zuneigt, schlaegt die Stimmung langsam um - wer das nicht erlebt hat, kann es kaum nachvollziehen. Es ist ein seltsames Gefuehl zwischen Trauer und Vorfreude, die langsam in einem hochkriecht, auf den Yom HaAzmaut, den Independence Day. Ich mag ihn, diesen frohen, positiven Tag, der an die Hoffnung erinnert, die in vielen hochstieg, als der Staat Israel gegruendet wurde. Hier ist er ein Feiertag. Wir arbeiten nicht und er wird auch der "allgemeine Grilltag der Familien" genannt, da viele in die Parks gehen, um gemeinsam zu essen und zu feiern. 
Fahnen werden wir an jeder Ecke, in jedem Haus, an jeder Terrasse und an jedem Auto sehen (fast an jedem). 
In Museen wird der Eintritt frei sein und viele sind im Land unterwegs. 
Zunaechst einmal  jedoch wartet der Shabbat auf uns. 
Shabbat shalom!!

Mittwoch, 10. April 2013

Arbeitstag in Jerusalem - Gesichter der Stadt

Ich wage es kaum, laut auszusprechen - meine neue Arbeit macht mir Spass und bringt mir Zufriedenheit und Freude. (Ja, ich weiss, das war schon einmal so im Heim, und nach zwei Monaten bekam ich dann einen Daempfer... ich hoffe mal sehr, dass es dieses Mal anders ist)
Ich bin den ganzen Tag unterwegs in Strassen und Gassen, die ich vorher nicht kannte. Wie ich bereits berichtete, bin ich fuer die charedische Bevoelkerung zustaendig und mache gerade angenehme Erfahrungen mit diesen Menschen. Bisher hat jeder Hausbesuch zu einer angeregten Unterhaltung gefuehrt. Entweder mit den Kindern der alten Menschen, oder mit ihnen selbst. Viele der Hilfsbeduerftigen sind auch gar nicht so alt und nur durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr in der Lage, fuer sich selbst zu sorgen oder den Haushalt zu fuehren.
Ein Ehepaar in Makor Baruch habe ich gestern besucht und lange mit ihnen gesprochen. Sie haben ebenfalls eine Schwiegertochter, die Giur gemacht hat und es ist erstaunlich wie sehr sie Gerim achten und lieben. An den Waenden hingen riesige Oelgemaelde mit Motiven aus der Tora, z. B. Jacobs Traum. Die Art zu malen erinnerte mich ein wenig an Chagall, obwohl es ganz andere Engel und ein voellig anders dargestellter Jacob war. Es stellte sich heraus, dass der Hilfsbeduerftige selbst diese Bilder vollbracht hatte. Ich konnte nicht anders, als mit offenem Mund meine Bewunderung ausdruecken. Er sass ohne viele Worte in seinem Sessel und hatte Atemprobleme, aber seine wachen munteren Augen sprachen eine eigene Sprache. 

Frau X. aus Geula, in einem voellig heruntergekommenen Haus, in dem jedoch alles sauber und ordentlich ist, leidet an einer chronischen Krankheit, die ihren Arm immer mehr degenerieren laesst. Sie hat Dauerschmerzen und spricht zu mir ohne Zaehne, dabei ist sie erst 67. Mit leuchtenden Augen und spuerbarem Stolz erzaehlt sie mir vom Shiduch ihrer Tochter und von ihren zahlreichen Enkelkindern. Trotz Schmerzen strahlt sie ansteckende Lebensfreude aus. 

Frau Y. aus Kyriat Mattersdort, demenzkrank mit einer Philippinin im Haus empfaengt mich leicht unsicher und zaghaft laechelnd. Sie sitzt beim Cafe in ihrem bodenlangen Morgenmantel und einer geschmackvollen Kopfbedeckung. Sie ist hoeflich, aber auf meine Fragen antwortet sie nicht in einem sinnvollen Zusammenhang. Ihr Lachen jedoch zeigt eine einzigartige Seele, die auch durch Demenz nicht zum Schweigen gebracht wird. 

Ehepaar Z. hat eine philippinische Haushaltshilfe, die ebenfalls vor einem Jahr hier in Israel Giur gemacht hat. Es ist die erste Philippinin, die kennen lerne, die sich zum Judentum bekennt. Sie strahlt, als sie von ihrem Weg spricht und von den Shabbatot, die sie wie eine Tochter des Hauses beim Ehepaar Z. verbringen durfte. Mir wird dringend geraten, mich doch moeglichst schnell um einen passenden Ehemann zu bemuehen! 

Die Gespraeche sind vielfaeltig und bleiben nie an der Oberflaeche. 
Der Weg von einem Haushalt zum anderen wird entweder per Bus oder zu Fuss von mir zurueckgelegt. Ich geniesse den Aufenthalt im Freien und mein "Pausenbrot" auf der Parkbank in der Sonne. 
Und ich freue mich an der Vielfaeltigkeit Jerusalems, die mir wieder einmal klar wird, durch die Menschen, durch die verschiedenen Winkel der Stadt und durch die Natur. 
Ich bin zutiefst dankbar fuer diese Arbeit und wuensche mir sehr, endlich einmal laenger bleiben zu koennen. Ich habe ein gutes Gefuehl, und glaube, viel von mir geben zu koennen in einem Tagestempo, das zu mir passt und das ich selbst bestimme. 

Montag, 8. April 2013

An Grausamkeit nicht zu uebertreffen - Wahre Geschichten aus der Nazi-zeit

Heute hoeren wir im TV so furchtbare Geschichten aus der Shoa, sie sind an Grausamkeit nicht zu uebertreffen und man will sie gar nicht wissen. 
Frau C. erzaehlt, wie sie als Kind miterlebte, dass eine junge Frau ihr Kind bekam, als ein SS-Mann das Kellerloch betritt, ihr das Kind aus der Hand, es an den Beinen hoch haelt und es mit dem Kopf gegen die Wand schlaegt. Sie sieht, wie das Gehirn des Kindes an der Wand haengen bleibt. Er gibt ihr das Kind zurueck, und fordert sie auf, das Fenster zu oeffnen. Sie oeffnet es. Er befiehlt ihr, das Kind aus dem Fenster zu werfen. Sie wirft es hinaus.
68 Jahre spaeter, kann sie kein Zimmer betreten, in dem ein Fleck an der Wand ist. Immer sieht sie das Gehirn des Kindes vor sich. 

Sie ueberlebt mit ihren Eltern in einem Keller, wo sie zusammengefercht mit hunderten anderen Menschen stehen muessen, Stunden, Tage. Die Menschen sterben, einer nach dem anderen, stehend. 
Irgendwann kommen die SS-Maenner und rufen: "RAUS alle!". Die meisten sind tot und fallen um, als die Tuer aufgeht. 
Sie, ihre Eltern und ihr Bruder leben. Auch andere, die das Glueck hatten mit dem Gesicht zur Wand zu stehen. Sie hatten Nahrung. 
Ueber dem Keller waren Bueros und die Abflussrohre waren geplatzt, der Dreck aus dem Abfluss floss die Waende hinunter und die Menschen hatten diesen Dreck abgeleckt - die ganze Zeit. So blieben sie am Leben. 
Sie wurden hinausgefuehrt und erkannten sich gegenseitig kaum noch - alle ihre Gesichter waren voller Wuermer. 
Man forderte sie auf, draussen ihr eigenes Grab zu schaufeln. Ein SS-Mann, der ihren Vater kannte, fuehrt sie in ein Versteck - sie ueberleben. 

Frau X. berichtet, dass sie als Kind von Shoa-ueberlebenden mit der Zeit eine multiple Persoenlichkeit entwickelt - anders konnte sie die Erziehung nicht ertragen. Ihr Vater schreit im Schlaf jede Nacht, ihre Mutter erzaehlt ihr immer wieder von Dr. Mengele, sie blaeut ihr ein, niemals zu vergessen, niemals zu verzeihen. Ihr Vater war beim Sonnderkommando. Bringt ihr als Kind bei, wie man sich wehren kann. Legt ihr das Messer in die Hand und fordert sie auf, waehrend sie Fleisch zubereiten, zuzustechen, ins Fleisch. "Stich zu. Stich fest zu." 
Er selbst schlaeft nur mit einem Schraubenzieher unter dem Kopfkissen, will gewappnet sein falls ihm jemand etwas antun will. Jede Nacht schlaeft er so. 
Die Tochter entwickelt multiple Persoenlichkeiten, um irgendwie auch "normal" agieren zu koennen. 
Wie kommt es, dass man Juden seit Jahr und Tag so hasst, dass man ihnen mit scheinbarer Leichtigkeit die grausamsten Dinge antun kann?
Was haben Juden den Menschen um sie herum eigentlich angetan, dass sie so gehasst werden? Was sehen die Mitmenschen in Juden? Was provoziert die grosse Abneigung, ohne den Menschen ueberhaupt zu kennen?
Wieder und wieder stelle ich mir dieselben Fragen und weiss keine Antwort.

Sonntag, 7. April 2013

Jizkor - Gedenken an die 6 Millionen - denn jeder von ihnen hatte einen Namen!

Ein schwerer Tag des Erinnerns beginnt fuer 190.000 im Land lebenden Ueberlebenden der Shoa. (und denen, die ausserhalb Israels leben/ueberleben. Hier kann ich leider nicht mit Zahlen aufweisen)
Mit vielen koerperlichen und seelischen Folgeschaeden haben die meisten von ihnen noch immer zu kaempfen, Tag fuer Tag, Nacht fuer Nacht. Es gibt fuer sie kein Vergessen, kein Beiseite-legen, kein Entfliehen. Die koerperlichen Schwierigkeiten, wie Behinderungen, aufgrund von Schlaegen und Folter, sowie die seelischen, wie Schlafstoerungen, Angstzustaende usw. erinnern sie regelmaessig daran, was sie erleben mussten. 
Aber es gibt noch etwas darueber hinaus, was zutiefst beschaemend ist, und das sind die ueblichen Verzoegerungen oder hinausgezogenen Behoerdenprozesse, wenn es um Zahlungen, Renten, Anerkennung von Ghetto-zeiten usw. geht. Ich habe in der letzten Zeit einige dieser traurigen Briefwechsel mit deutschen Behoerden miterleben muessen und muss mich jedes Mal stellvertretend fuer die deutschen Behoerden schaemen. Immer wieder fehlt noch ein Dokument, ein Formular, wovon vorher nie die Rede war. Immer wieder werden sie allein gelassen mit der Regelung ihrer Angelegenheiten. Und immer wieder wird man wohl auf eine "biologische" Loesung des Problems hoffen (zynisch gesagt), denn manches erledigt sich einfach deshalb, weil der Antragssteller verstirbt. 
Ich wuensche mir ein leichteres Vorgehen im Umgang mit den Ueberlebendes des Schrecklichsten was es in der Menschheitsgeschichte zu Erleben gab. 
Ein Hinauszoegern dieser Zahlungen, die fuer manche ueberlebenswichtig sind, bedeutet erneute Demuetigung, erneuten Schmerz, den wir ihnen zufuegen. Vielen - ich denke den meisten - fehlt einfach die Kraft fuer solche zehrenden Kaempfe mit den Behoerden. Nicht nur einmal wurde mir gesagt: "Ich habe aufgegeben, es kostet mich zuviel Energie, die habe ich einfach nicht. Ich brauche sie dringend fuer mein taegliches Ueberleben, und kann mir nicht leisten, mich zusaetzlich zu graemen. In Wirklichkeit interessiert es ja doch keinen, wie wir, die wir alles ueberlebt haben, klarkommen im Leben!"
Fackeln anzuenden, Gedenkveranstaltungen vorbereiten und Betroffenheit zeigen ist leicht, im Vergleich zu wirklichem Handeln, damit es einingen ein klein wenig besser geht und sie nicht ueberlegen muessen, ob sie Essen kaufen oder Medikamente.

Ich habe inzwischen entdeckt, wie man sinnvoll seine Spendenfreude zum Ausdruck bringen kann und ich bitte jeden Leser, jede Leserin, die ein paar Groschen uebrig hat, fuer die Ueberlebenden zu spenden - es ist unglaublich sinnvoll angelegt und wird dringend benoetigt. 

Hier ist die Seite, auf der ihr ganz schnell per Kreditkarte einen Beitrag spenden koennt, der euch nicht weh tut, der aber eine grosse Hilfe ist fuer die, die den Monat nur mit Muehe einigermassen wuerdevoll leben. 

HIER der Link zur Seite "Amutat Jad Eser leChaver" (Hilfe fuer einen Freund!")

Yom haSHoa uhaGwura - Shoagedenktag in Israel - beginnt heute abend

Es wird der Tag kommen, an dem der letzte Shoa-ueberlebende von dieser Welt geht, die er so grausam erleben musste. Wer wird uns dann aus erster Hand berichten, was war, und wie er es erlebt hat, das Nazi-regime in Deutschland und die systematischen Vernichtungen von Juden in Europa?
Ich habe ein wenig Angst davor, denn zuviele behaupten schon, dass es niemals war. Weitere behaupten, Juden schlagen Profit aus den Zahlungen aus Deutschland. "Wiedergutmachung" leisten einige der jungen Leute bei Aktion Suehnezeichen. Kann man "wieder gut machen?"
Ich denke nein. 
Aber wir koennen uns erinnern, immer wieder erinnern, nicht vergessen. 
Alles ist sehr gut dokumentiert worden von den Nazis, da waren sie gruendlich. Und jeder kann sich das anschauen in Yad Vashem, wo die Daten und Geschehnisse zusammenlaufen. 
Ja es gab auch Gerechte - die die Juden halfen, unter Gefahr, selbst ihr Leben zu riskieren. Es gab sie - und doch waren es zu wenige. 
Wir gedenken und fassen es nicht.
Zahlen die heute bekannt wurden
Es gibt in Israel noch 190.000 Shoa ueberlebende und in jedem Jahr sterben 1000 von ihnen. 

Donnerstag, 4. April 2013

Neuer Job - Bilanz der ersten Tage

Wieder hat ein Wochenende angefangen und ich schaue zurueck auf eine Woche voll neuer Herausforderungen. 
Meinen neuen Job bei einer der vielen Firmen in Israel, die im Auftrag der Sozialversicherung (Bituach Leumi) alten Menschen zu BetreuerInnen verhelfen, habe ich bereits begonnen und blicke zufrieden und interessiert auf das zurueck, was ich bereits gelernt habe. 
Alte Menschen, die ploetzlich Hilfe benoetigen (nach Schlaganfall oder einfach wegen fortschreitender Demenz, wegen koerperlicher Gebrechlichkeit und anderer Schwierigkeiten) wenden sich an uns und bitten um eine(n) BetreuerIn.
Im Pool der Firma gibt es viele israelische BetreuerInnen, sowie FremdarbeiterInnen (Ovdim Sarim), haeufig aus den Philippinen oder aus Indien. Die Firma versucht, einen passenden Betreuer/eine passende Betreuerin zu finden. Hier gilt es zu beachten, welche Sprache der zu Betreuende bevorzugt, denn nicht selten freuen sich Menschen im hohen Alter, wieder in ihrer Muttersprache kommunizieren zu koennen. Man darf nicht vergessen, dass Israel ein Einwandererland ist. 
Im Pool gibt es russichsprachige oder englisch sprechende BetreuerInnen, einige wenige sprechen auch hebraeisch. 
Sozialarbeiter der Firma haben die Aufgabe, Kontrollbesuche zu machen, sowie Erstbesuche, um die Lage vor Ort zu klaeren und den Bedarf zu ermitteln, den der zu Betreuende zurzeit geltend machen kann. 
Der Antrag geht zur Bituach Leumi, die einen Mitarbeiter herausschickt, um den alten Menschen zu pruefen, und - aehnlich wie in Deutschland in Pflegestufen - in eine Betreuungsstufe einzuordnen, in dem ihm eine gewisse Anzahl von Wochenstunden bewilligt werden. 
Sollte der alte Mensch einen Fremdarbeiter beschaeftigen wollen, der dann 24 Stunden bei ihm wohnt und lebt, werden einige Stunden abgezogen. 
Jeder SozialarbeiterIn bekommt einen gewissen Bezirk von Jerusalem zugeteilt, in dem er/sie im Monat bis zu 120 Hausbesuche erledigen muss. Jeder zu Betreuende muss einmal in zwei Monaten aufgesucht werden, und die Lage vor Ort begutachtet werden, anschliessend wird ein Bericaht geschrieben. 
Die meiste Arbeit findet also vor Ort statt, man ist sehr viel unterwegs und auf den Beinen, im Bus oder auf der Parkbank fuer die Mittagspause. 
Einige Stunden werden fuer Bueroarbeiten reserviert, in denen dann alle Berichte eingegeben werden sollten, so dass der naechste den aktuellen Stand der Dinge leicht nachschauen kann. 
HIerfuer gibt es ein bestimmtes Computerprogramm, das die Arbeit erleichtert und alle zu Betreuenden und ihre Besonderheiten enthaelt. 

Diese Woche war ich noch mit einer Kollegin unterwegs, um mich einzuarbeiten. Ab der kommenden Woche werde ich eigene zu Betreuende aufsuchen. 
Ich fand die Arbeit hoechst interessant und belebend. Auch die Bueroarbeit hat Spass gemacht und ich hoffe wirklich sehr, dass ich dieses Mal laneger bleiben kann. 
Einen kleinen Nebeneffekt hat das Ganze auch: Man lernt im zugeordneten Bezirk wirklich jede kleine Gasse kennen. 
Mein Bezirk wird Romema, Beit Vagan und Geula sein, wo die religioese und charedische Bevoelkerung wohnt. 
Ich freue mich auf den Shabbat und habe ein gutes Gefuehl. 
Hoffentlich ist man auf Dauer auch zufrieden mit meiner Arbeit. Es soll jedenfalls nicht daran scheitern, dass ich mir zu wenig Muehe gebe. 
Daumen halten duerft ihr trotzdem, oder aber besser noch, ein kleines Gebet zum Himmel schicken, dass es dieses Mal gelingen moege. 
Ana, HaShem hazlicha na.