Samstag, 29. Juni 2013

Aufruf! Bitte betet fuer......

Avigail macht sich jetzt, kurz nach Shabbat auf den Weg nach Los Angeles, um etwas ganz Besonderes zu tun - sie wird eine ihrer Nieren spenden. 
Waehrend ich schreibe, breitet sich schon wieder die Gaensehaut auf mir aus. 
Es ist wirklich ein kleines Wunder. Wir haben es in der Gemeinde mitbekommen, wie sie zu den Untersuchungen in die USA flog, um zu testen, ob sie eine geeignete Spenderin fuer ihre Schwaegerin (Schwester des Ex-Mannes) sein koennte, die dringend eine Niere benoetigt, um weiter zu leben. 
Und heute sah ich sie in der Synagoge hinter mir sitzen und die ganze Zeit weinen. 
Ich ging zu ihr und sie sagte mit strahlenden Augen: "Ich fliege heute abend!" Wow! Es ist so unglaublich, was da passiert und ueberhaupt - dass sie letzten Endes geeignet ist, obwohl nicht blutsverwandt.
Avigail fliegt heute abend und am Dienstag (Paamayim ci tov!!) wird die Operation stattfinden. 

Die beiden brauchen in der naechsten Zeit eure und meine Gebete - ich hoffe, dass moeglichst viele Menschen fuer sie ihre Gebete zum Himmel schicken. 

Betet fuer die Kranke Malka Jaffa bat Chaya

und ihre grossartige Spenderin Avigail bat Hope Suzanne

Danke an alle.

Freitag, 28. Juni 2013

Shabbat shalom!


Gruener Smoothie von Carsten

Ich haette nie gedacht, dass mir ein Gemuese-smoothie schmecken koennte. 
Nun hab ich Feuer gefangen von gruenen Smoothies. 

Blattsalat
Spinatblaetter
Apfel
Banane
2-3 Walnuesse
Wasser
(ich fuege noch unbedingt Nana-Minzeblaetter frisch hinzu (Marokkaner oder Edeka, so wird es wirklich erfrischend)
Eiswuerfel

Alles in den Mixer! Wohl bekomm´s! Eine echte Vitaminbombe. Ich denke, man wird es auch mit Sojamilch statt Wasser machen koennen. Aber geschmacklich hat auch mit Wasser nix gefehlt. Carsten empfiehlt noch Avocado, dadurch wird es schoen saemig, die hatte ich nur nicht, sie sind zurzeit hier sehr teuer, da keine Saison ist.

Dillgurken, selbstgemacht - Estis Rezept

 Kleine Schlangengurken, gut abwaschen. 
In ein verschiessbares Gefaess geben.
Viel Dill, Knoblauch (mind. 2-3 Zehen) und einen gestr. TL grobes Salz hinzufuegen (oder mehr, wer Salzgurken mag)
Dazu ca. 1 l Wasser. 
Verschliessen und einmal pro Tag auf den Kopf stellen, wenden, damit sich alles gut verteilt. 
Nach etwa 4-5 Tagen verzehrfaehig. 

Ich sterbe fuer saure Gurken und sie sind noch einmal anders im Geschmack, wenn man sie selbst einlegt. Ob mir das allerdings gelingt, weiss ich noch nicht. Es ist mein erster Versuch. 
Guten Appetit!

Mittwoch, 26. Juni 2013

Vegan - erste negative Reaktionen

Meine Freundin hat eine Enkelin, die vegan lebt, der Ehemann auch, das Kind wird weitestgehend vegan grossgezogen (es ist 2 Jahre alt). Daher dachte ich eigentlich, dass sie offener als andere fuer vegane Lebensweise ist.
Heute habe ich auf ihren Kuchen verzichtet, weil Eier drin sind und sie meinte dann zu mir: "Also, wenn du mich fragst, ich denke dass du nicht das Richtige tust. Dass du kein Fleisch mehr essen willst, kann ich nachvollziehen, aber Milch, Fisch, Eier? Und auf jeden Fall wuerde ich in einem halben Jahr einen medizinischen Check machen. Dann werden wir ja sehen!"
Ja, dann werden wir sehen - ich bin sehr gespannt darauf, denn ich fuehle mich pudelwohl und kann mir nicht vorstellen, dass ich irgendeinen Mangel habe durch die neue Ernaehrung. 
Und doch kann ich die Reaktion irgendwie nachvollziehen. Ich dachte vor ein paar Monaten auch noch, dass vegan auf jeden Fall extrem und ungesund ist. 
HIER fuer euch ein interessantes Video, welches mir eine Freundin aus Deutschland zukommen liess.

Dienstag, 25. Juni 2013

Kuehlschrank und Fruehstueck

Ich liebe meinen Kuehlschrank zurzeit (eher den Inhalt). Es ist irgendwie wie eine Befreiung, eine Art Reinigung von all dem Zeugs, was ich sonst in mich hineingestopft habe. 
Ich habe immer eine Schuessel mit gekochtem Chumus dort, wovon ich mir zur Arbeit einige EL mitnehme, mit vorgekochtem Reis oder Kartoffeln mische. 
Weiter gibt es viel Obst (zurzeit Nektarinen, Mangos und Bananen), sowie Trockenfruechte und Nuesse und Soja-oder Hafermilch. Die alten Kaesepackungen von Tnuva habe ich aufgehoben, um darin Haferflocken, oder das Chia-Basis-Gel aufzubewahren. Marmeladenglaeser dienen mir als Behaelter fuer Nuesse und Trockenfruechte.
Es gibt rote Linsen und natuerlich immer Tchina.
Im Freezer wartet portionsweise abgepacktes und dank Monikas Gefrierbeutel eingefrorenes Vollkornroggenbrot.
Es gibt noch ein Gemisch fuer Salatdressing dort, den Tipp bekam ich von einer Freundin, die schon lange vegan lebt. (ca. 6 Zitronen mit 40-50 Knoblauchzehen mischen, Zitronen unbehandelt und mit Schale in den Mixer, alles mit 1 l Wasser auffuellen und als Basis-Salat-dressing in den Kuehlschrank. 
Mein Morgenmuesli sieht so aus:
3 verschiedene Obstsorten (z.B. Apfel-Banane-Nektarine, oder zurzeit Mango-Nektarine-Banane)
2 EL Haferflocken
Trockenfruechte eine Handvoll
einige Nuesse
und die Basismischung von Chia-Gel (zur Erinnerung eine Drittel Tasse Chiasamen+2 Tassen Wasser, umruehren und 10 min. warten. Es entsteht ein Glibbergel, was sich mehrere Tage im Kuehlschrank haelt und als Basismischung dient. (Voll mit Eiweiss, Calcium, Omega 3 und 6 und vielen Vitaminen, HIER nochmal zum nachschlagen )
darueber einen Schuss Soja-oder Hafermilch

Dazu trinke ich eine Tasse Cafe mit Sojamilch. Und ich muss sagen: ich habe nie koestlicher gefruehstueckt. 
Auf meinem Weg zu meinen Familien setze ich mich mindestens zweimal am Tag auf eine Bank und geniesse das, was ich mir in den Rucksack gepackt habe. Einen Behaelter mit Chumus-Kartoffel-oder Reis gemisch und einen anderen Behaelter mit Obst und Haferflocken, oder einen mit Tomaten-Gurke-Paprika-gemisch. 

Montag, 24. Juni 2013

Chamas und Islamischer Djihad

Interessant, was Chamas zu den Ereignissen von heute morgen zu sagen hat. Sie sind naemlich zurzeit so gar nicht an einer Verschaerfung der Lage interessiert und sagen oeffentlich, dass der Raketenbeschuss von heute morgen ein Ergebnis von inneren Streitigkeiten zwischen Chamas und Islamischem Djihad seien. Der Islamische Djihad will Chamas so wie es scheint gern in eine Konfrontation hineinziehen, denn sie bekommen ihre Instruktionen aus dem Iran. 
Netanyahu unterdessen gibt bekannt, was es mit der israelischen Reaktion (gezielter Beschuss von Waffenlagern des Islamischen Djihad und deren Abschussrampen(Graeben)) auf sich hat. 
Wir werden keinen Tif-tuf von Raketen mehr zulassen und ignorieren (Tif-tuf wird eigentlich troepfchenweiser Regen genannt, das Wort ist uebernommen worden und wird benutzt um den "Hin-und-wieder-Beschuss" zu beschreiben) sondern auf jeden Angriff auf die Buerger Israels wird eine Reaktion folgen. 
Dies scheint besser verstanden zu werden, als wenn wir monate-oder jahrelangen Beschuss hinnehmen, um dann einen neuen Krieg anzufangen, wenn es endgueltig reicht. 
Nun - ob die Raketen von Chamas, Islamischem Djihad oder sonstwem kommen, wird die enttaeuschten Jugendlichen, die heute morgen zum Ferienanfang im Schutzraum, statt am Meer sassen, wenig interessieren. Sie befuerchten, dass ihre Ferien anders verlaufen werden, als sie sich das vorstellen. 
Auch israelische Jugendliche wollen naemlich gern Spass in den Ferien haben! Spass und Unbekuemmertheit, wie es in Europa ueblich und normal ist.

6 Raketen aus Gaza - keine ruhige Nacht fuer die Bewohner des Suedens

Netter Gruss zum Ferienbeginn und irgendwie traurig. 
6 Raketen aus Gaza - das ist die Bilanz der Nacht. Vier davon wurden in Richtung Ashkelon abgeschossen, (eine wurde von unserem Irondome-System abgeschossen) Zwei gingen auf offenem Feld bei Bnei Shimon nieder.

Gegen morgen flog die Luftwaffe als Reaktion einen Angriff auf Waffenlager in Gaza und auf eine Abschussrampe.


Freitag, 21. Juni 2013

Shabbat shalom!


Auweia

Autsch - mein Laptop macht ja schon laenger Zicken, aber zurzeit wird es immer dramatischer, er geht oft einfach aus waehrend ich schreibe oder im Internet bin. 
Es gibt nicht zufaellig jemanden, der einen alten Laptop hat, der noch funktionstuechtig ist, und den er sowieso ausrangieren will?
Ich denke, ganze Blogeintraege ueber das Iphone einzugeben, wird nicht so funktionieren, aber ich koennte ja auch noch ins Internetcafe. Hmm... muss mir was einfallen lassen, denn Laptops hier sind sehr sehr teuer. 

Chia-samen, energiespendender Begleiter der Laufboten...

Das Wort "Laufbote" loeste in mir gleich den Vergleich mit meiner derzeitigen Arbeit aus. Ich denke, dass ich pro Tag schon auf einige km komme, und manchmal sogar im Laufschritt, wenn ich mich verspaete oder nicht exakt plane.
Meine Freundin bekam von einer Bekannten an einem der letzten Shabbatot ein kleines Beutelchen mit schwarzen undefinierbaren Kuegelchen geschenkt und ich fragte sie, was das sei.
"Irgendwelche Samen.." sagte sie.
Was soll man mit so kleinen Kuegelchen anfangen? Dachte ich. Und was zum Teufel ist das?
Ich machte mich in der letzten Woche schlau und stiess auf die angebliche Wunderwirkung dieser Chia-Samen, wohl schon in der Kultur der Maya bekannt und geschaetzt.
Chia soll doppelt sowie Eiweiss wie andere Samen enthalten
ein gutes Verhaeltnis von Omega3 zu Omega6 Fettsaeuren
den Calciumgehalt von MILCH UM DAS 5FACHE UEBERTREFFEN (!!!!)
Bor enthalten, welches die Aufnahme von Calcium foerdert
der Kaliumgehalt soll doppelt so hoch sein wie der von Bananen
ihr Eisengehalt dreifach so hoch wie in Spinat (wobei die Spinatluege in punkto Eisen ja schon enttarnt wurde)
Antioxidantiengehalt mehr als in Heidelbeeren
und laaaange haltbar.

Auf DIESEN SEITEN koennt ihr mehr ueber diese kleinen Wundersamen lesen , sowie Rezepttipps erhalten. 


Drei Wochen fleisch -und milchfrei

Seit drei Wochen nun ernaehre ich mich im Grunde komplett anders. Zwar hatte ich Fleisch sowieso nur einmal pro Woche gegessen und mich viel von Gemuese und Obst ernaehrt, und doch ist mein Gruenzeug - und Obstkonsum wesentlich gestiegen, gleichzeitig mein Suessigkeiten - und Kuchenkonsum stark eingeschraenkt. 
Meine erste Bilanz nach drei Wochen ohne Milch (was ich noch nie im Leben ausprobiert hatte) ist positiv. Ich fuehle mich gut und frisch (auch wenn mein Laufpensum bei der Arbeit es mit sich bringt, dass ich mich abends muede fuehle und mir furchtbar die Beine und Fuesse schmerzen). 
Ich beschaeftige mich intensiv mit der Umstellung meiner Ernaehrung, lese Berichte und lasse mir Rezeptvorschlaege geben, koche mehr und nehme stets meine Gemuese - und Obstportionen mit zur Arbeit. Mein Speiseplan erscheint mir vielfaeltiger und bunter und ich esse weniger Fertigprodukte. 
Auf die Idee, Chumus selbst zu kochen, bin ich vorher nie gekommen und auch mein S´chug esse ich mit weniger schlechtem Gewissen, wenn ich es selbst mache. (ohne Konservierungsstoffe und chemische Zusaetze).
Viele Menschen schrieben mir, dass ich mir nicht vormachen soll, dass Gemuese und Obst nicht auch belastet sind. Sicher - das ist mir bewusst, und doch kann ich die Schadstoffe zumindest stark eingrenzen und ab und zu auch im Bioladen einkaufen. 
Ein Einkauf im Bioladen ist uebrigens gar nicht SO furchtbar viel teurer, 1. muss ich nur fuer mich selbst sorgen und 2. kauft man bewusster und wirft weniger weg. 
Was habe ich nicht alles wahllos in mich hineingestopft, vor allem in den letzten Monaten war es schlimm, sicher auch aufgrund von Frust wegen meiner sehr unbefriedigenden Arbeitsstellen. Ich hatte einfach weniger Lust und Energie, mich mit neuen und gesunderen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. 
Allen, die mir Tipps, Anregungen und Rezepte schickten danke ich hiermit herzlich, denn Inspiration dieser Art brauche ich dringend auf dem neuen Weg. Vor allem bekam ich Anregungen, wie ich mich auch ohne Fleisch und Milch vollwertig ernaehren kann, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. 
Ich danke auch Monika fuer die Gefrierbeutel, die hier schnell und unversehrt bei mir eintrafen. Ich habe mich sehr darueber gefreut, denn bisher habe ich diese stabile Art von Beuteln nirgends hier gefunden. 
Auch fuer eure Links zu diversen vegetarischen und veganen Seiten, sowie zu erschuetternden Videos ueber Tierquaelerei bedanke ich mich. 
Wie mein Vater schon sagte: "Du kannst so alt werden wie ne Kuh, und du lernst immer noch dazu....."

Update - Vorfall an der Kotel

Ein Bekannter des Erschossenen berichtet inzwischen der Presse, dass er nicht verstehen kann, warum der Sicherheitsbeamte geschossen hat. Der Mann sei ein Volontaer von Chabad, helfe dort beim Kochen und beim Essenausteilen, ein etwas merkwuerdiger Kauz, den jeder kennen wuerde, seine Eltern wohnen in Frankreich und im Grunde genommen sei er ein einsamer Mensch.

Jude an der Kotel erschossen von Sicherheitsbeamtem - was ist da passiert?

Sehr viel wissen wir noch nicht ueber den tragischen Vorfall am Morgen. Ein Mann (Jude) ist erschossen worden von den Sicherheitskraeften, die den Bereich der Kotel ueberwachen. 
Der Sicherheitsbeamte, der ihn erschoss, sagte aus, der Mann habe auf dem Weg zu den oeffentlichen Toiletten etwas aus seiner Tasche ziehen wollen und dabei laut "Allah huAkba" gerufen. Er sei von einem bevorstehenden Terroranschlag ausgegangen. 
Tragisch! Und noch tragischer, falls sich die Rufe des Juden im Nachhinein als "Joke" erweisen sollten, denn warum ruft ein Jude "Allah huAkba"? 
Solche "Witze" koennen toedlich enden, wie man sieht und was wohl das Schlimmste ist - der Sicherheitsbeamte muss nun damit leben, einen Menschen umgebracht zu haben, selbst wenn er korrekt gehandelt haben sollte. 
Mal abwarten, was sich herausstellt.
Wenn ich zur Kotel gehe und meinen Schrittmacherausweis vorlege, um nicht durch den Sicherheitsbogen gehen zu muessen, treffe ich stets auf freundliche Menschen, sie beeilen sich mir "Tiji bria!" zu wuenschen (sei gesund!) und machen mir den Weg frei. 
Ich wurde einmal von deutschen Touristen gefragt, ob mich das ewige Tasche vorzeigen nicht enorm belaestigt, und ich das nicht auch etwas uebertrieben finde?
Ich habe geantwortet und das gilt auch in den heutigen Tagen, dass meiner Ansicht nach viel zu lasch kontrolliert wird. Oft wird man durchgewunken, an der Tachana Mercazit (zentralen Busbahnhof) gar sind oft die gesamten Sicherheitsanlagen ausgeschaltet und alle werden durchgewunken (so am letzten Freitag, als ich nach Tel Aviv fuhr). Das ist nicht gerade ein angenehmes Gefuehl, wenn man bedenkt, dass schon viele Terroranschlaege aufgrund der Sicherheitsueberpruefungen verhindert worden sind. 
Sich dann in den Bus zu setzen, mit dem Gefuehl, dass niemand kontrolliert worden ist - kein ganz so angenehmer Gedanke. 
Wir erleben zurzeit keine Zeiten verstaerkter Anschlaege vor allem schon lange nicht mehr in Bussen - aber wer weiss, was sich entwickelt aus den vielen Zusammenstoessen in Yehuda und Shomron in den letzten Monaten zwischen Juden und Arabern, sowie aus den Vorfaellen an unserer Grenze mit Syrien oder den wieder beginnenden einzelnen Raketen aus dem Gazastreifen. 
Wachsamkeit ist immer noch angesagt, besonders hier. Was man auch vom Otto-Normal-buerger (oder eher Shlomo-Normal-Buerger) sagen kann. Ich erlebe diese absolute Aufmerksamkeit immer dann, wenn ein Einkaufswagen oder ein Gepaeckstueck ohne Besitzer herumsteht, dann gibt es sofort jemanden, der die Umstehenden fragt, wem dieses Gepaeckstueck gehoert und der dann sofort die Polizei informiert, falls niemand sich meldet. Alle Achtung, kann ich da nur sagen, ich reagiere da immer noch sehr viel langsamer.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Facharzt-Besuch

Ab 55 sollte man unter anderem eine Vorsorgeuntersuchung namens Koloskopie (Darmspiegelung des Dickdarms) vornehmen, die Vorsorgeuntersuchung wird von den Krankenkassen bezahlt, sowohl hier in Israel, wie auch in Deutschland. (das Ziel: Frueherkennung von Darmkrebs).
Ich hatte mich erkundigt, welcher Arzt auf diesem Gebiet empfohlen wird und ob er mit meiner Krankenkasse zusammenarbeitet. 
Dr. Paz wurde mir gesagt, sei sehr gut auf dem Gebiet. Er fuehrt die Untersuchung unter einer Art Kurznarkose im Shaarej Zedek-Hospital aus. (hier sagt man dazu Tischtush).
Vorher muesse man zur Vorbesprechung zum Wolfsson- Gebaeude, wo sich seine Behandlungsraeume befinden. (Naehe der Narkiss-Str. in Rechavia, genauer Shaarej Chessed, die grossen Gebaeude gegenueber der Strasse, die zur Knesset und zum Israelmuseum fuehrt).
Ich hatte dort angerufen, nach einem Termin fuer diese Untersuchung gefragt und man gab mir den 24. Juni an. Ich habe bereits einen Urlaubs-Krankheitstag angemeldet und die Vorbereitung durch den Arzt sollte gestern um kurz vor 16h sein. 
(Auf diese Termine musste ich etwa zwei Monate warten, aber das scheint die uebliche Wartezeit bei ihm zu sein.).

Gestern dann hatte ich mir vorgenommen, alle meine Fragen und Befuerchtungen mit ihm zu besprechen. 
Aber es kam anders. 
Ich glaube ich uebertreibe, wenn ich sage, dass ich etwa 2-3 Minuten ihm gegenueber sass. 
"Guten Tag, Noa." hatte mich aufgerufen und setzt sich schnell hinter seinen Computer. 
Ich setze mich vor den Schreibtisch, erwartungsvoll. 
Er schaut auf den Bildschirm schreibt. 
"Alter?"
"55"
"Verheiratet?"
"Ich bin geschieden."
"Kinder?"
"Zwei Toechter."
"In der Familie Darmkrebs?"
"Nein."
"Sie sind gesund ansonsten."
"Ja, ausser vor 3....." unterbricht mich "Welche Medikamente nehmen Sie?
Ich lege ihm meine Ueberweisung vom Hausarzt vor.
"Aspirin, und .....aber ich hatte vor 3 Jahren eine Herz-OP."
"Warum sagen Sie das dann nicht?"
"Ich wollte es sagen, aber.."
Unterbricht mich. "Was wurde gemacht? Klappenreparatur oder Ersatz?"
"Ersatz. Und..." unterbricht mich, nachdem er in die Diagnose vom Hausarzt schaut.
"Auch ein Aortenaneurysma hatten Sie?"
"Ja. Und einen Herzschrittmacher bekam ich aufgrund der OP."
Schreibt die ganze Zeit 
"Nehmen Sie nicht Kumadin? Oder ist das eine biologische Klappe?"
"eine Biologische."
"Gut. Sie sollten ihr Aspirin absetzen, zwei Tage vorher. Hier haben Sie ein Rezept fuer Antibiotika, vorsichtshalber nehmen Sie das 2 Tage vorher und hier ein Rezept fuer das, was Sie einen Tag vorher trinken muessen. Der Darm muss sauber sein. Hier - das lesen Sie. Schicken Sie ein Fax zum Shaarej Zedek Hospital, fuer den Termin."
"Aber ich hab doch schon einen Termin fuer Montag!"
"Nein, das ist ein Termin fuer eine Untersuchung, die gemacht worden waere, wenn ich die Spiegelung nicht fuer sinnvoll angesehen haette. Gut? So, bis dann, auf Wiedersehen."
"Aehhhh, Moment, ich verstehe nicht, wie muss ich das einnehmen vorher, und wann damit anfangen? Ich habe aber etwas Angst davor."
"Steht alles hier, lesen Sie es. Sie werden sich an die Untersuchung nicht erinnern."
Steht schon auf. 
Ich will noch eine Frage stellen, dafuer ist keine Zeit, da ich nicht gehe, geht er schon mal aus dem Raum. 

Bei der ganzen "Vorbereitung" hat er mich nicht ein einziges Mal angeschaut, sondern die meiste Zeit getippt. 
Es ist wie sehr oft hier: die besten Aerzte in ihrem Fach reden eben nicht mit dem Patienten, sondern resummieren die Daten. 
Es ist ein grosses Glueck, wenn man an einen Arzt geraet, der ein wenig Menschlichkeit an den Tag legt und den Menschen in seiner Gesamtheit sieht.
Eine Freundin von mir ging soweit, dass sie den Arzt gewechselt hat, (der wirklich sehr gut und gruendlich war, aber nicht oder kaum mit ihr sprach).Man hat natuerlich die Moeglichkeit sich einen Arzt auf privater Basis zu suchen. (ein weniger als Otto-Normal-Verdiener kann sich das aber nicht leisten)
Aerzte hier stehen unter enormem Druck, die Arbeitsbelastung fuer die Fachleute ist sehr hoch und kaum zu schaffen, das Ergebnis: der Mensch geht unter bei dieser Geschichte. 
Fachaerzte wandern ab ins Ausland, weil sie dort WESENTLICH mehr verdienen koennen.
Mein Hausarzt uebrigens loest in mir stets Sorge aus, er sitzt fast jedes Mal gaehnend mir gegenueber. 

Uebrigens ist es in Deutschland auch nicht VIEL besser. Ich erinnere mich, als ich vor einem Jahr in Deutschland zu einem Asthmaspezialisten ging und ich "zuviel fragte", sagte er: "Dafuer haben wir jetzt keine Zeit, ich habe genau 10 Minuten.Ich rufe Sie heute abend an und schicke Ihnen links zum Thema."
Er rief tatsaechlich an. Auch hier in Israel geschieht es, dass die Aerzte nach Feierabend mit dem Patienten telefonieren, um mehr zu besprechen. (im guenstigsten Fall!)

Montag, 17. Juni 2013

Sonntag, 16. Juni 2013

"Moechten Sie unsere Veganerkarte?"

Meine Freundin lud mich heute abend zum Essen ein und wir fuhren ins kleine Cafe-restaurant "Katamon hajeshana" (das alte Katamon), was frueher das Shosh-Cafe war. 
Ich ueberlegte schon, was ich wohl essen kann und als wir die Karte bekamen suchte ich umstaendlich nach ewas ohne Milchprodukte. Ich fragte die Bedienung, ob ich Menue XY auch ohne Sahne haben kann, oder ob Menue Z auch keine Milch enthaelt?
Das sagt die Bedienung wie selbstverstaendlich:" Sind Sie Veganerin? Wollen Sie da nicht lieber unsere Veganerkarte sehen?"
Ich war so was von platt und sprachlos. Eine Veganerkarte!
Ich konnte dann unter 15 veganen Mahlzeiten aussuchen, von Suppe ueber Salate oder Gemueseteller und habe mich fuer Shakshuka vegan entschieden. 
Wer Shakshuka kennt, weiss, dass es Spiegeleier enthaelt. Die vegane Version jedoch hat stattdessen Tofuwuerfel und war wirklich koestlich gewuerzt. 
Was sind wir doch fuer ein fortschrittliches Volk, oder?

Nachtrag: heute hoerte ich dass in Kuerze in Jerusalem ein veganer Burgerking aufmacht. Ist das nicht einfach toll?

Mittwoch, 12. Juni 2013

Es ist doch nichts anderes als Fleisch!

Heute beim Hausbesuch. Meine Klientin kam irgendwie auf das Thema "fleischlos essen". (ich weiss nicht mehr wie wir darauf kamen, ich jedenfalls habe das Thema nicht angeschnitten). Sie erzaehlte mir, dass sie seit 40 Jahren kein Fleisch isst. 
"Weisst du warum ich damals kein Fleisch mehr essen konnte?" fragte sie mich, "es ist eine furchtbare Geschichte". 
G. war in Suedafrika geboren und fuehrte damals gemeinsam mit ihrem Mann ein Guesthouse. 
"Ich liebte es, den Gaesten neue Menues anzubieten und arbeitete gern in der Kueche. Wir hatten gute Mitarbeiter und eines Tages kroch einer unserer Angestellten halb in die grosse Spuelmaschine hinein, um sie mal von Grund auf zu reinigen. Eine Kollegin machte sich einen Spass und drueckte auf den Einschaltknopf. Er geriet irgendwie in den Motor und ploetzlich war alles voller Blut, er hing in der Maschine und schrie. Ich war mit in der Kueche und begriff gar nicht, was passiert war, rief die Ambulanz. Der Arzt kam und konnte ihn nicht befreien und da er schon so viel Blut verloren hatte, amputierte er ihm den Arm auf der Stelle, so konnte er ins Krankenhaus transportiert werden. Ueberall war Blut und andere Teile seines Armes. Unsere Maschine wurde ganz gruendlich gereinigt, doch irgendwie schaffte ich es nicht, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Irgendwann war es meinem Mann zu bunt und er sagte: "Nun wirklich, die Maschine ist so sauber, es ist keine Spur mehr von dem, was dort passiert ist. Und im Uebrigen - denk dir einfach es waren Fleischreste darin. Es ist doch irgendwie nichts anderes als Fleisch!
Das gab mir den Rest. Ich konnte nie wieder Fleisch essen."
Eine haarstraeubende Geschichte und ein wirklich tragischer Ausloeser, um zum Vegetarier zu werden. 
 

Dienstag, 11. Juni 2013

Apfel - Pfirsich - Soja - Smoothie - gesund und erfrischend

Das brauchst du

Mixer
Apfel
Pfirsich
Sojamilch
Eiswuerfel

Apfel und Pfirsich in Stuecke schneiden
mit Sojamilch in den Mixer
Eiswuerfel dazu
vorsichtig mixen, bis die Eiswuerfel 
grob zerkleinert sind
garnieren mit Nana-minze
furchtbar lecker bei 29 Grad im Schatten. 


Rentenzahlungen in Israel

In Israel beginnen die Renteneinzahlungen erst 3 oder 6 Monate nach dem Arbeitsbeginn bei einer neuen Stelle. Manchmal retroaktiv. 
So bin ich waehrend des ganzen letzten Jahres nicht in den Genuss von Renteneinzahlungen gekommen, da ich so oft die Arbeitsstelle gewechselt habe. Im letzten Altenheim war ich ganze drei Monate. 
Bei meiner jetzigen Arbeit bin ich nun mehr als 2 Monate und fuer Ende des Monats werden die Antragspapiere vorbereitet. Auch hier G-tt sei dank wird retroaktiv eingezahlt, d.h. aber auch fuer mich, dass mein eigener Arbeitnehmeranteil von 5 % fuer 3 Monate abgezogen wird, das sind bei meinem Gehalt ca. 900 Shekel (sehr viel Geld fuer mich). Es gibt die Moeglichkeit, dies in zwei Zahlungen vom Gehalt abziehen zu lassen an zwei aufeinanderfolgenden Monaten. So werde ich es tun. 
Zahlt man das Minimum an Beitrag ein, so hat man nach zehn Jahren einen Anspruch auf 30 % des Gehaltes. Falls ich wirklich - mal ganz theoretisch gesehen - noch bis zum 65. Lebensjahr arbeiten sollte, wuerde ich diese Grenze erreichen. 
In Deutschland bin ich durch Kindererziehungszeiten und ein Studium noch im Alter von 37-40, sowie Halbtagsarbeiten, als die Kinder klein und ich alleinerziehend war, nur auf einen Rentenanspruch von ca. 800 EUR gekommen. Dieser bleibt mir erhalten, denn Deutschland und Israel haben ein Sozialversicherungsabkommen, d.h. egal ob man gerade in Israel lebt oder in Deutschland - die Rente wuerde auch nach Israel gezahlt. 
Zusaetzlich ist man ab einem Alter von 65 bei Frauen (zurzeit! Das soll sich aber schrittweise erhoehen in den naechsten Jahren) berechtigt, Kitzbat Sikna (eine Altersrente, egal ob man gearebeitet hat oder nicht) von der Bituach Leumi zu erhalten (die hiesige Sozialversicherungsanstalt). Vorraussetzung ist, dass man mindestens zehn Jahre Bituach Leumi gezahlt hat. (diese Altersrente ist bei einem Alleinstehenden Menschen 2000 Shekel, d.h. 400 EUR, meine Information war, dass die Summe sich auch nicht aendert, wenn man Rente bezieht, das muss ich aber noch einmal klaeren, denn ich kenne Menschen, die weniger bekommen, von 1200 bis 1600 Shekel. Woran das liegt, weiss ich zurzeit noch nicht).

Bituach Leumi zahlt man vom Tag der Alyia an - zunaechst durch das Misrad Klita (die Einwanderungsbehoerde, die den Sal klita, den sogen. Einwanderungs"korb" zahlt, um die Eingliederung zu erleichtern) spaeter, wenn man arbeitet, durch den Arbeitgeber. Bituach Leumi und der Krankenkassenbeitrag gehen automatisch vom Gehalt ab so wie in Deutschland. Jeder Oleh Chadash ist also vom Tag seiner Landung an auf dem Flughafen Ben Gurion sozialversichert und krankenversichert. (er wird bei seiner Ankunft gefragt, welche Krankenkasse er gewaehlt hat). 

Montag, 10. Juni 2013

Neues Gesetz in Israel - Fortschritt fuer Veganer

In der heutigen Sendung "Wirtschaftsnacht" gab es eine erstaunliche Meldung. Es gibt ein neues Gesetz in Israel, worin es heisst, dass am Arbeitsplatz auch ein veganes Essen angeboten werden MUSS. Ist das nicht erstaunlich fortschrittlich? Und - gibt es das auch in Deutschland?

Freitag, 7. Juni 2013

Gutes Brot zum Shabbat

Es gibt hier in Israel nicht an jeder Ecke - wie in Deutschland - Baeckereien mit einer Riesenauswahl an (guten und vollwertigen) Broten. 
Einzelne jedoch haben ein recht gutes Angebot, das Bewusstsein fuer Vollkornbrote waechst, man isst nicht mehr nur weisse Brote, selbst am Shabbat kaufen doch viele Vollwert-Challa, die wirklich gut schmeckt und dabei noch gesund ist. 
Zu den sehr beliebten Baeckereien gehoeren "Teller", auf der Agrippas-str. gleich neben dem Shuk Machane Yehuda-Markt, und das "Lechem shel Tomer" ("Das Brot von Tomer). HIER ist seine Webside.
Die Baeckerei Toshia versorgt uns mit der europaeischen Art des Brotbackens und hat auch viele gesunde Vollkornbrote. (In Jerusalem auf der Gaza-Street und in der Ben Yehuda, fast oben an der Ecke zur King George)
Ich habe mich mit gutem Brot versorgt, habe S´chuk selbstgemacht (sehr scharf, und lecker), mir Oliven gekauft und Suppe gekocht mit viel Gemuese! Dazu gibt es dann noch Tchina und Chumus (natuerlich auch selbstgemacht. 
Ich werde den Shabbat allein verbringen, die Ruhe geniessen und mich an meinem  neuen vegetarischen Lebensgefuehl erfreuen.
Allen LeserInnen wuensche ich einen erholsamen Shabbat.
(P.S: Wenn mal jemand Lust hat, mir vernuenftige Gefrierbeutel zu schicken - waere ich super erfreut. Ich finde hier keine ausser furchtbar duennen, die schnell reissen, und m.E. auch nicht fuers Einfrieren geeignet sind.) 

Gast(Fremd-)arbeiter aus den Philippinen - was wuerden wir ohne sie tun?

Sie kommen nach Israel, um zu einem besseren Leben ihrer Familin in der Heimat beizutragen, um eine Zeitlang "viel" Geld zu verdienen, mit dem die Kinder oder die Geschwister zur Schule gehen koennen, eine bessere Bildung erhalten, oder die Eltern ihre Felder behalten. Es geht oft ums Ueberleben oder um bessere Chancen im Leben. 
Sie schicken ihr gesamtes Geld - abgesehen von einem mageren Taschengeld - in die Heimat, Monat fuer Monat und nicht selten verzichten sie auf den einzigen freien Tag, der ihnen in der Woche zusteht, nach 6 Tagen im 24-Stunden-Arbeitsrhytmus, oft ohne oder mit wenig Schlaf in der Nacht. Lieber nehmen sie das Geld, das ihnen dieser zusaetzliche Tag bringt. Und die Familien der alten Menschen sind froh, keinen Ersatz suchen zu muessen. 
Sie leben wie im Gefaengnis, sind - auch wenn man es noch so schoen umschreiben kann - versklavt fuer ein paar Jahre, manchmal den Launen ihrer Arbeitgeber ausgesetzt oder der Familien. 
Es gibt schoene Seiten, Philippininnen, die wie die Tochter des Hauses behandelt werden, frei bekommen, Geschenke bekommen, die geschaetzt und geachtet werden von der Familie der zu Pflegenden. Besonders bei Alzheimerkranken sind die Arbeitsbedinungen furchtbar schwer - eigentlich unmenschlich. Wer will sich schon mehrfach am Tag aus der Wohnung scheuchen lassen, weil der Alzheimerkranke nicht weiss, wer da in seiner Wohnung wohnt? Es bleibt ihnen nichts anderes uebrig, als die Wohnung zu verlassen, und abzuwarten, nach zehn Minuten wieder anzuklopfen und zu hoffen, dass die alte Dame/der alte Herr sie wieder hineinlaesst ohne zu fragen. 
Es gibt die haessliche Seite an der Medaille, Familien, die genau wissen, dass die Philippinin keine Wahl hat, da ihr Visum beim letzten Arbeitgeber bereits fast abgelaufen war, dieser gestorben ist und falls sie die derzeitige Familie verlassen - geht es sofort zurueck in die Heimat. 
Die haessliche Seite - die zutiefst unmenschliche - sieht so aus, dass die Philippinin zu jeder Minute verfuegbar ist, keine Freizeit zugesprochen bekommt, manchmal nicht einmal ein eigenes kleines Zimmer oder eine private "Ecke" hat. Sie schlaeft dann auf derselben Couch, die tagsueber als normales Sofa dient. ihre Habseligkeiten sind in irgendeiner Nische, oder in einem Kleiderschrank verstaut. Mal eben zurueckziehen, Gedanken klaeren, Kraft sammeln - ist nicht!
Diese Seite zeigt verschiedene Moeglichkeiten, einen Menschen auszunutzen. Es gibt Philippininnen, die von den Familien gemeinsam mit der alten Dame bei Tante,Onkel, Cousin, eingeladen werden zum Shabbat, zur Bar Mizwa-Feier usw. Was dann dort auf sie zukommt ist nicht in Ordnung, und auch nicht die Aufgabe der Philippinin, sie muss dort dann die Gaeste bewirten und das komplette Geschirr der Familie spuelen. 
Es ist eine Gratwanderung, und sollte es Bitten oder Fragen von seiten der Philippinin geben, werden diese damit unterdrueckt, dass man sagt, sie sei ja als Begleitung der alten Dame mit eingeladen, wuerde also auch am gemeinsamen Essen teilnehmen. Nicht selten weiss die Philippinin dann nicht, was in Ordnung ist, und was nicht. 
Sie schuetten beim Hausbesuch dann ihr Herz uns Sozialarbeitern aus, fragen, was sie tun koennen, ob das ihre Pflicht ist - wenn es dann aber zum Punkt kommt, dass sie sich durchaus beschweren koennen, ziehen sie sich zurueck - aus Angst vor schlechterer Behandlung, aus Angst vor dem Ende in Israel. Lieber wollen sie noch etwas "abwarten".
Ich habe immer ein gutes Wort fuer diese unsere so wichtigen Arbeitskraefte, klopfe ihnen auf die Schulter und sage ihnen, was fuer eine wichtige, heilige Arbeit sie da tun, und dass Israel ohne sie gar nicht fuer all die alten Menschen sorgen koennte. 
Was wuerden wir tun ohne sie? Keine der israelischen Pflegerinnen ist bereit, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. 
(sie bekommen plus minus ca. 5000 Shekel, die Ovdim Sarim, Fremdarbeiter, meist wird ein grosser Teil von der Bituch Leumi bezahlt, falls die Familie nicht zuviel Geld verdient und die Voraussetzungen vorliegen, aber oft sind es max. nur 3000. den Rest muss die Familie an die Ovdim Sarim direkt zahlen Auch hier gibt es haessliche Erscheinungen, es wird zu spaet gezahlt, hinausgezoegert nicht selten monatelang, manchmal bis zum Schluss...)
Wir helfen ihnen, zu ihrem Recht zu kommen, dazu muessen sie sich aber erstmal an uns wenden. Oft erfahren wir es nur hintenherum. 
In manchen Faellen sieht man ein ruppiges Umgehen der Philippinin, mit muerrischem Gesicht geht sie auf die Wuensche ihrer Arbeitgeberin ein. 
"Wer hat sie gezwungen, herzukommen, unter solchen Bedinungen fern von der Heimat zu arbeiten?" koennte man fragen. 
Nun - es ist komplizierter, als es aussieht. Auf eine Weise sehen sie keinen anderen Ausweg, als fuer eine Zeitlang diese Arbeit zu tun, zum Wohl ihrer Familie. 
Sie sind fuer mich kleine (grosse) Heldinnen. 
"Sie haben mich, damit ich mich um die Mutter kuemmere, denn sie wollen das nicht selbst tun, aber dann sollten sie wenigstens das Essen fuer die Mutter bezahlen, oder?" sagte mir eine Philippinin, die jede Woche ihr eigenes Geld vorstrecken muss, um fuer die zu Pflegende den Kuehlschrank zu fuellen. Sie tun es - natuerlich, sie koennen ja die alte Dame und den alten Herrn nicht hungern lassen. 
Aber sie warten auf ihr Geld, fragen nach, werden vertroestet und muessen nochmals nachfragen. 
"Soll ich mit der Familie sprechen?" fragte ich letzte Woche und bekam die Antwort: "Wuerden sie ein gutes Herz haben, muessten sie das doch selbst wissen, oder?"
Beschaemend. 
In meinem Bekanntenkreis gibt es ein Beispiel der positiven Seite. Eine hochgeschaetzte Philippinin, die sich ruehrend und freundschaftlich um die alte alzheimerkranke Mutter kuemmerte, jahrelang. Sie wurde stets mit eingeladen, musste aber nie die Gaseste bewirten sondern war selbst Gast. 
Sie hatte gute Wohnbedingungen, ein eigenes kleines Zimmer und freie Tage. 
Als die alte Dame vor einer Woche starb schien es so, als wuerde die Philippinin diejenige sein, die den groessten Verlust erlitt. "Oma ist tot! " konnte sie gar nicht oft genug entsetzt wiederholen - sie brach bei der Beerdigung alle paar Minuten erneut in Weinkraempfe aus. 
Die Bindung ist eng, stark, selbst wenn sie oft negativ gepraegt ist, so ist der kranke-alte Mensch doch der einzige, den die Philippininnen ueber Jahre 24 Stunden zu Gesicht bekommen, mit dem sie auf die eine oder andere Weise zu kommunizieren versuchen. Ist es kein demenzkranker Mensch, kann diese Beziehung sehr befruchtend sein und gar freundschlaftlich werden. (Gemeinsame Theaterbesuche, Lesungen, hebraeisch lernen...)
Im Bereich Altenpflege gibt es immer wieder unschoene Szenen, oder Gewalt gegen alte Leute. Was man nicht vergessen sollte - unmenschliche Bedingungen schaffen den Naehrboden fuer Trauer und Enttaeuschung, spaeter schlaegt die Enttaeuschung in Frust um und nicht selten wird daraus Wut oder Hass, je nachdem wie die Persoenlichkeit der Hilfskraft gebaut ist.
 Fuer Gewalt gibt es keine Ausrede und keinerlei Rechtfertigung - und doch schafft, wie ich meine ein gegenseitiger Respekt den besten Naehrboden fuer einen menschlichen Umgang. 
Sie wohnen eine Zeitlang bei uns, machen Arbeit, die kein anderer hier tun moechte - dementsprechend sollten wir sie achten! Wir waren Gerim in Eretz Mizraim (in Aegypten), Fremde in einem anderen Land, und G-tt hat uns geboten, den der bei uns wohnt, pfleglich zu behandeln. 
Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden willst - mit diesem Satz kann man im Grunde fast auf allen Gebieten nichts falsch machen, denn ganz von selbst wird sich eine menschliche Haltung ergeben. 

Wunder der Natur

Aus einer kleinen roten Bluete werden riesige Granataepfel (hebr.: Rimonim, רימונים)
Jedes Jahr erneut stehe ich staunend vor diesen Baeumen, - im Sep./Okt. dann werden riesige Granataepfel daraus geworden sein. 
Hier sind Stufe 1 und Stufe 2 zu sehen. 


















Mittwoch, 5. Juni 2013

Soja-Milchcaffee bei Baermann - Juchhu

Das haette ich doch wahrhaftig nicht erwartet - es gibt Soja-Cappuccino bei Baermann. Ich hatte mich, bevor ich mich mit einer Freundin zum Cafe traf, schon versorgt mit kleinen Tueten Sojamilch aus dem Reformhaus, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass es tatsaechlich irgendwo Soja-Milchcaffe gibt. 
Ich fragte: "Sie haben nicht zufaellig Sojamilch fuer den Caffee, oder?" und mit der selbstverstaendlichsten Selbstverstaendlichkeit sagte mir die Verkaeuferin: "Ja, klar, moechtest du einen grossen oder kleinen?"
Dazu dann eine kleine Suende (Schokoladengebaeck) aber parve (ohne Milch). 
Ist also auch ausserhalb des Hauses was moeglich. Super!
Danke Marianne fuer den Beitrag ueber das vegane Dorf in Galilaea. Wusste ich auch nicht!

Sonntag, 2. Juni 2013

Umdenken

Eigentlich ist es kein Umdenken, sondern der Anfang, ueberhaupt nachzudenken, muss ich gestehen.
Ich wollte eigentlich "nur" meinen Fleischkonsum noch mehr einschraenken. Ohnehin ass ich nur einmal in der Woche - zum Shabbat, bei Einladungen Fleisch, und das sehr gern.
Aber all die Fleischskandale, das Bewusstsein, dass selbst hier in Israel Hormone, Antibiotika und sonst noch nette Dinge im Fleisch zu finden sind, sowie die Tatsache, dass es den Tieren gar nicht gut geht, vor ihrer Schlachtung/Schaechtung haben den Anstoss gegeben, moeglichst gar kein Fleisch mehr zu essen. Wenn ich in der letzten Zeit bei einer Einladung das Fleisch stehen liess, wurde ich gefragt: "Bist du Vegetarierin?" sagte ich "Nein, ich esse nur sehr selten Fleisch." 
Ich bin nicht fuer Kategorisierungen, sie sind ja doch nur dazu da, damit es den Mitmenschen leichter faellt, uns einzuordnen in eine Schablone. Ah, in diese Schublade gehoert sie also. Das ist nicht so mein Denken.
Im Freundeskreis gibt es immer mehr Menschen (vor allem die Enkel, im Alter von 20 bis 30 Jahren) die vegetarisch, oder sogar vegan leben. Meist sind sie sehr gut informiert ueber das, worauf sie achten muessen, um keine Mangelerscheinungen zu entwickeln. Die Diskussion, ob man denn im Judentum am Shabbat auf Fleisch verzichten "darf", wo es doch heisst, man solle Fleisch essen und Wein trinken um die Freude zu mehren, ist auch bereits ueberfluessig, denn 1. gibt es viele beruehmte orthodoxe Rabbiner, die vegetarisch leben (uebrigens mein Rabbiner aus Deutschland ist auch Vegetarier) und sie argumentieren damit, dass der Talmud sagt, ein Mensch dem es keine Freude macht, Fleisch zu essen, oder der leidet, weil ein Tier fuer seinen Fleischkonsum Qualen erleiden musste, kann seine Shabbatfreude auch ohne Fleisch mehren, mit Dingen die er mag. Ganz zu schweigen jemand, der fuer seine Gesundheit sorgt, (Cholesterin senken). Die Gesundheit - das Leben also - gehen im Judentum immer vor.
Im Rahmen meiner Internetforschungen, auf was zu achten ist, bei fleischloser Ernaehrung stiess ich auf diverse ekelige Tatsachen. Ekelig und grausam. Ja, sicher weiss ich schon lange, dass es Tiertransporte gibt und dass die Angst-"stimmung" vor der Schlachtung und das grausame Umgehen mit den Tieren dazu fuehrt, dass Stresshormone ins Fleisch gelangen, so das wir die Panik, den Stress und die Angst mitessen. Aber ich habe mein Wissen nie vertieft, wohl auch weil ich das gar nicht alles so genau wissen wollte.
Dabei stiess ich auch auf eine interessante Seite gegen Tierquaelerei (PETA).
Ich war sehr sicher, dass ich mich - wenn ueberhaupt - allenfalls zur Vegetarierin entwickeln wuerde, vegan fand ich (ohne zu wissen, wovon ich spreche) drastisch, extrem und ungesund. 
Eine Freundin schrieb mir, dass es in Deutschland erlaubt ist, dass ein Tropfen Eiter in der Milch ist, und ich googelte unglaeubig - konnte das denn der Wahrheit entsprechen?
Tatsaechlich, da war die Rede von viel zu grossen Eutern, von kuenstlicher Befruchtung jedes Jahr, nur damit wir Menschen an unsere Milch kommen (die wir gar nicht mehr brauchen ab einem bestimmten Alter) und von Kaelbchen, die ihrer Mutter viel zu frueh entrissen werden, dann aus Eimern ihre Milch trinken muessen und nicht etwa bei ihrer Mutter. 
Ich las ueber entzuendete Euter, durch den staendigen Maschinenkontakt und darueber, dass die Euter ein zwanzigfaches an Groesse und Gewicht erreichen muessen. (Dafuer muss man dann wohl auch Hormone in Kauf nehmen. Antibiotika gegen die staendigen Entzuendungen und bakteriellen Infektionen). Kuehe, die in ihren eigenen Exkrementen stehen und die unter der Last ihres Gewichtes und des Gewichtes des Euters fast nicht mehr auf den Beinen stehen koennen. 
Der Wunsch, mich nach Milch-Alternativen umzuschauen, kam schneller als der Wunsch wenig oder kein Fleisch zu essen. 
Und heute habe ich dann Hafermilch ausprobiert, als Caffeemilch-Ersatz. Mein Milchkonsum beschraenkt sich naemlich fast nur auf den Zusatz zum Cafe. Sojamilch hatte ich schon mal irgendwann ausprobiert, damit schmeckt mir der Cafe aber zu suess, da ich keinen Zucker hinzufuege. 
Die Hafermilch habe ich gleich ausprobiert, sie faerbt den Cafe kaum, schmeckt aber gut, ohne grossartigen Eigengeschmack. 
Ein Freund schrieb mir gerade ich solle mich nicht unter Druck setzen, aber so fuehle ich mich gar nicht. Ich fuehle mich eher, als ob ich etwas hinzugewonnen haette an Qualitaet, an bewusstem Leben. 
Wobei ich mich auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will, und nicht weiss, wo ich in dieser Hinsicht im naechsten Jahr stehe. Vielleicht habe ich ja dann schon wieder alles ueber den Haufen geschmissen. Das waere dann aber auch nicht schlimm. So lange ich fleisch-und milchlos essen will, tue ich das und es wird mir sicher gut tun. Mich kuenstlich zwingen, etwas durchzuziehen, nur weil ich es angefangen habe - dazu bin ich nicht der Typ. 
In jedem Fall gibt es genug Menschen um mich herum, die ich um Rat bitten kann und von denen ich mir Tipps geben lassen werde. 
Ich wuensche mir zum Thema verstaerkt eure Ideen und Tipps und eure Erfahrungen, falls ihr Vegetarier oder Veganer seid. DANKE!

Samstag, 1. Juni 2013

Sehr intimes Shabbatmahl (leil Shabbat voller Spiritualitaet)

Es war ein wundervoller spiritueller Shabbat insgesamt. 
Am Freitagnachmittag, ich war mitten in den Vorbereitungen fuer das gemeinsame Essen mit Freda, als sie anrief und mir mitteilte, sie koenne evtl. nicht kommen. Sie wohnt sehr nahe, hat aber grosse gesundheitliche Probleme mit der Wirbelsaeule, geht sehr gebeugt mit Gehhilfe oder Stock. An diesem Freitag war es wieder besonders schlimm und sie sagte ab. 
Ich war traurig, überlegte, ob ich ueberhaupt meine Plata anstellen soll nur fuer mich allein, als sie wieder anrief. Sie hatte die gute Idee, kurz vor dem Kerzenzuenden ein Taxi zu mir zu nehmen und dann nur den Rueckweg schaffen zu muessen, aber abends ist es angenehm kuehl und leichter sich fortzubewegen. 
Dass ich nicht selbst auf diese Idee gekommen bin... 
Sie kam um kurz vor sieben, wir zuendeten gemeinsam die Kerzen an und irgendwie stellte sich eine sehr besondere intime Atmosphaere ein, die sich noch verstaerkte, als wir gemeinsam kabbalat shabbat beteten, abwechselnd laut. Wir sangen sogar. 
Wie schoen war das doch!
Anschliessend Kiddush und essen - wir haben es furchtbar genossen, so zu zweit. Um 23 Uhr dann habe ich sie nach Hause begleitet, sehr langsam und mit vielen Pausen. 
Der Abend war wunderbar kuehl und ein frischer angenehmer Wind wehte durch die heilige Stadt. 
Ich musste Freda noch nach oben begleiten und mir die Veraenderungen in ihrer neuen Wohnung anschauen. Anschliessend - es war schon nach 24h - schlenderte ich durch den kuehlen Wind nach Hause. 
Heute morgen dann Yakar, wir hatten einen sehr schoenen G-ttesdienst mit Kiddush und Shiur. 
Das lange Stehen strengt mich immer noch sehr an, mehr als jedes Laufen. Es ermuedet mich so sehr dass ich in der letzten Zeit mittags keine Einladungen annehme, sondern nach Hause gehe und mich hinlege. 
Von 12 bis 14 habe ich dann auch geschlafen, es war heiss draussen, aber der Wind war auch tagsueber da, so dass es ertraeglich war. Nachdem ich gegessen hatte, schlenderte ich sehr langsam und gemuetlich zur Kotel, um dort zu verweilen, zu beten und einfach dort zu sein. 
Wieder zuhause noch einen Cafe und ein Stueck Kuchen - und zum Shiur in die Yakargemeinde. Shlomo Dov, der Sohn vom Rabbiner Rosen leitete die angenehme Stunde mit sehr privater Atmosphaere. Wir waren nur ca. 8 Personen rund um den Tisch mit anschliessendem Mincha-Gebet und Seuda Shlishit mit Gesang. 
Ein wirklich runder Shabbat mit viel geistigem Input. 
Ich wuensche allen a gite Woch!