Donnerstag, 26. September 2013

Sonntag, 22. September 2013

"Jore" und meine Tochter!

"Jore" heisst der erste Regen. Vor lauter Aufregung habe ich vergessen, darueber zu berichten. Gestern, als wir in der sukka sassen, gegen ca. 18h kamen erst ein paar Tropfen (tiff tuff genannt) aber dann wurde es mehr und mehr und schliesslich regnete es richtig doll, eine Stunde lang, so dass wir die Sukka verlassen mussten. 
Ich geniesse hier sonst den ersten Regen sehr, alles wird so reingewaschen in der Luft und eine Frische stellt sich ein, die ein halbes Jahr lang nicht da war. 
Aber - ich bekam schon einen kleinen Schreck, denn als meine Tochter das letzte Mal hier war, waren ca. 4 Tage von 5 Sturm und Regen, kaum Sonne. Aber es war Anfang Dezember. 
So denke ich, es war nur ein kleines Stelldichein des ersten Regens und es wird auf jeden Fall weiter die Sonne scheinen. Jedenfalls sind zwischen 24 und 27 Grad angesagt fuer diese Woche. 
Ich kann gar nicht sagen wie aufgeregt ich bin, ich habe kaum gechlafen. Wir hatten verabredet, dass ich sie im 3 Uhr MEZ wecke, da sie "nur einen" Wecker hat. Und wenn der ausfaellt - nicht auszudenken. 
Also war ich sowieso schon in Gedanken nur bei ihr und ob alles klappt, am Flughafen, beim Einchecken usw. 
Nun sitzt sie im Wartesaal und wartet auf den Abflug. 
Ich fruehstuecke jetzt gemuetlich und werde mich dann in Ruhe auf den Weg zum Flughafen Ben Gurion machen. 
Dann wird es wohl eher ruhig werden auf meinem Blog - Freizeit mit Tochter. 
Zwar muss ich noch drei Tage arbeiten, aber nur halb, bis 14h, da Halbfeiertage sind zu Sukkot. 
Also - ich sag schon mal bis demnaechst. ICH FREUE MICH SO!!!

Freitag, 20. September 2013

Moadim leSimcha - Chag Sameach und Shabbat shalom

Leider habe ich selbst keine eigene Sukka, da ich weder einen Balkon noch einen Hof habe, aber dies ist sozusagen meine "Heimat-sukka" bei den Freunden.

Donnerstag, 19. September 2013

Aufruf: bitte betet fuer Roni Aharon ben Zila

G-tt, mein G-tt, warum tust du das? Warum laesst du den liebsten Menschen, den ich kenne, so furchtbar leiden?
Der Mann meiner Freundin hat Hautkrebs, schon einige Jahre. Es fing mit einem rot-braunen Fleck auf der Stirn an, der entfernt wurde. Diagnose: Hautkrebs. Es ging weiter mit einem vergroesserten Lymphknoten am Hals. Auch er wurde entfernt und stand wohl in Verbindung mit der Krankheit. 
Bei einem Ganzkoerper-CT wurden einige Miniherde im Koerper entdeckt. Sie wurden seit einigen Monaten mit einer sehr aggressiven Art von Chemotherapie bekaempft, sehr sehr teuer und sehr sehr aggressiv, und noch in der Testphase. Nach der Serie von Therapie liess das Ergebnis des Bluttestes darauf schliessen, dass es wohl doch nicht den erwuenschten Erfolg hatte. 
Eine neue Therapie mit einem anderen starken aggressiven Medikamt wurde begonnen. Nach kurzer Zeit stellten sich Begleiterscheinungen ein, die ihren Gipfel gestern erreichten. Roni ist voller Blasen, vom Kopf bis zu den Fuessen, sie jucken und schmerzen und er kann kaum laufen, hat Fieber und Halsschmerzen, fuehlt sich schwach und liegt im Bett. 

Wenn es jemand ueberhaupt nicht verdient hat, grosser G-tt, zu leiden, dann ist es Roni. Er ist ein Mensch, der G-tt dient und in seiner Familie aufgeht, der anderen hilft und niemals klagt. 
Roni ist trotz all der Schmerzen und Schwierigkeiten jeden Tag zum "Daf jomi" gegangen, morgens um 6h. JEDEN Tag seit Jahren, Jahrzehnten steht er so frueh auf und lernt. 
Fuer seine Familie ist er immer da und hat viel an Gefuehlen und Zeit investiert, um aus seinen Kindern wahre Menschen zu machen. Es ist ihm und seiner Frau gelungen. Alle fuenf Kindern sind wunderbare Menschen, die hilfsbereit, intelligent und liebevoll sind. Alle fuenf sind dem Glauben ihres Vaters und ihrer Mutter gefolgt und leben dennoch nicht in anderen Welten, sondern stehen mit beiden Beinen auf der Erde. 

G-tt, warum tust du ihm das an? Warum laesst du das zu? Womit soll er, dieser wunderbare Mensch das verdient haben?
Wenn jemand im Leben viel Mist gebaut hat, dann bin ich es. Warum laesst du ihn leiden? Was hat er getan? Was macht das fuer einen Sinn, dass er in der letzten Phase seines Lebens soviel durchmachen muss? 
Ich kann das alles nicht nachvollziehen und verstehen und auch wenn ich weiss, dass es Zadikim gibt, die leiden muessen und mussten und wir DEINE Wege absolut nicht verstehen koennen, so kann ich dennoch nicht aus voller Seele sagen: Ja, G-tt, DU wirst Recht haben, du wirst deine Gruende haben, die ich zwar nicht verstehe, die aber richtig sein muessen, weil DU so entscheidest. 
Nein, das kann ich nicht. das geht ueber mein Verstehen hinaus und es laesst mich verzweifeln. 
Du bist ein barmherziger G-tt, wir lieben dich und fluechten uns zu dir in der Not aber warum jetzt das?

Ich moechte euch bitten, fuer ihn zu beten, fuer meinen Freund Rav Roni Aharon ben Zila. 
DANKE.

Dienstag, 17. September 2013

Entwarnung - alles in Ordnung

Fuer alle die, die sich netterweise mit mir gesorgt haben - das Echokardiogramm war voellig in Ordnung. Alles o.k. mit mir. 
Nun bin ich noch ein wenig aergerlicher auf die Technikerin, da sie mir gehoerig Angst gemacht hat mit ihren Reaktionen. 
Naja - alles ist in Ordnung, das ist die Hauptsache! Baruch haShem!
Vielen Vielen Dank an alle, die sich bei mir erkundigt haben und sich um mich sorgten. DANKE!

Montag, 16. September 2013

Sukkot steht vor der Tuer!

In der Stadt ist die Hoelle los. An jeder Ecke werden Arbaat Haminim (die vier Arten) zum Verkauf angeboten, geprueft und begutachtet, in die Hoehe gehalten und kontrolliert. Ein Bild, das man selten im Ausland zu sehen bekommt. 
Und ich muss zugeben, auch wenn ich es hier im Land schon ein paarmal erlebt habe, so ist es dieses Jahr noch einmal intensiver, denn ich komme einfach durch die Arbeit viel mehr rum, fahre mit dem Autobus mitten in die Staus hinein, die durch die Maerkte und die vielen Menschen verursacht werden. Schmuck fuer die Sukkot (die Laubhuetten), glitzert wie zu Weihnachten in den Strassen Deutschlands und an jeder Ecke werden Fertighuetten mit Bauanleitung in allen Groessen und Formen angeboten. 
Es wimmelt nur so vor Menschen in Jerusalem und es werden sicher noch mehr zu den Halbfeiertagen, wenn ganz Israel Richtung Jerusalem faehrt. 
Was mich ein wenig beeintraechtigt sind die Staus, die dadurch entstehen, denn ich bin ein wenig in Druck, meine Hausbesuche moeglichst bis zu den Halbfeiertagen hinter mich zu bringen, da danach mein Urlaub beginnt. Meine aeltere Tochter kommt schon am Sonntag und ich bin ganz aus dem Haeuschen, weil ich sie bald in die Arme schliessen kann, mit ihr durch die Stadt spazieren werden und es mir einfach mit ihr gemuetlich machen moechte. 
Wir werden faulenzen, gemeinsam fruehstuecken, eine Jeepfahrt durch die Jerusalemer Berge mit Begleitung eines Fuehrers machen und nach Tel Aviv fahren. Wir planen, in die Tunnel der Cotel (Westmauer) zu gehen und evtl. zum Toten Meer oder nach Massada zu fahren, sowie meine Freundin zu ueberreden, mit uns zum See Kinneret zu fahren. 
Also muss ich morgen frueh und uebermorgen, der nur ein halber Tag ist, da am Donnerstag schon wieder Feiertag ist, richtig Gas geben und moeglichst viele Hausbesuche hinbekommen. In diesem Monat habe ich mich mal nicht vorher telefonisch angekuendigt, weil es sonst immer heisst: "Nach den Feiertagen bitte!" (Acharej haChagim!) und das geht einfach nicht, da ich ja die Menschen ja nicht zum reinen Vergnuegen aufsuche, sondern es ist meine Pflicht. Fuer viele Familien ist es aber gerade vor den Feiertagen eher eine kleine Belaestigung, wenn die Sozialarbeiterin schon wieder vor der Tuer steht. 
Dennoch gibt es auch viele alleinlebenden Menschen, die ganz froh sind, wenn es eine Abwechslung in ihrem Alltag gibt. Fuer diese habe ich aber wiederum nicht ganz so viel Zeit, wie ich gern haette. 

Sukkotmarkt - Eindruecke

















































Freitag, 13. September 2013

YOM KIPPUR


Yom Kippur

Heute abend, mit dem Kerzenzuenden fuer Shabbat beginnt auch der allerhoechste Feier-Fastentag des Judentums. Es ist der Tag, der selbst fuer saekulare Juden hohe Bedeutung hat und es gibt viele Menschen, die sonst nicht viel mit der Religion am Hut haben, die dennoch fasten. 
Die Autobahnen werden so leer sein, dass dort Familien spazieren gehen, Kinder Dreirad fahren. Radio-und Fernsehstationen senden nicht, der Flughafen ist geschlossen und das Leben steht still. 
Wer das noch nie erlebt hat - es lohnt sich, einmal ueber Yom Kippur nach Israel zu kommen. Das gibt es in dieser Form sonst nirgendwo auf der Welt.
Zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur - die zehn Tage der Umkehr - hatten wir die Gelegenheit, zu IHM umzukehren, unsere schlechten Taten vom Vorjahr ehrlich zu bereuen und uns vorzunehmen, ein besseres Leben zu fuehren. 
Wir haben die Hoffnung, dass G-tt uns ins Buch des Lebens eingeschrieben hat und das Urteil mit seiner Unterschrift besiegelt hat. 
Deshalb wuenschen wir uns auch in diesen Tagen "Gmar Chatima tova" (eine gute endgueltige Unterschrift). Yom Kippur ist das laengste Gebet in der Synagoge, wir werden fast den gesamten Tag dort verbringen, mit Singen, Flehen, Bitten und Beten. 
Eventuell wird fuer eine kleine Pause nach Hause gegangen, um sich etwas hinzulegen und auszuruhen, aber es gibt viele Menschen, die die Synagoge gar nicht verlassen. 
Ich schaffe das nicht, ich werde mich irgendwann morgen nach Hause begeben und mich ein wenig hinlegen. 

Fuer das Fasten gelten die strengsten Regeln, es wird nicht gegessen, nicht getrunken (wir tragen keine Lederschuhe, sondern Turnschuhe oder Stoffschuhe, es wird nicht geduscht oder sich gewaschen, ausser, um sich kurz mit ganz wenig Wasser ueber die Augen zu gehen am Morgen, Geschlechtsverkehr ist an diesem Tag zu unterlassen)
Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass wir an diesem Tag den "Engeln ein wenig naeher sind als den Menschen"
Engel haben keine irdischen Bestrebungen, essen und trinken nicht. So auch wir, wenn wir uns langsam durch das Fasten und tiefe Gebet in immer hoehere Ebenen emporbewegen. Manchmal kann man es deutlich spueren, besonders durch gemeinsamen Gesang, wie wir nicht mehr "geerdet" sind mit einem Male. 

Der neue Oberrabbiner David Lau hat gestern abend im Fernsehen ueber das Fasten gesprochen und noch einmal ausdruecklich die Prioritaten des hoechsten Feiertages im Judentum aufgelistet. 
1. Das Wichtigste ist das Fasten. Wer fasten darf (Arzt und Rabbiner fragen) der tut dies und isst und trinkt ab heute abend nichts mehr.
(Nach meiner Herz-OP hatte mein Arzt mir angeraten, eine kleine Flasche Wasser mitzunehmen, nur als Notration, falls ich nicht mehr kann. Ich habe sie nicht benoetigt, aber es war gut, sie dabeizuhaben)
2. Wer nur fasten kann, indem er zuhause auf der Couch liegt, - das ist voellig o.k. 
3. Wer darueber hinaus noch Kraft, der betet zuhause. 
4. Wer kann, geht zum Gebet in die Synagoge. (meiner Meinung nach staerkt es eher, als dass es schwaecht, in der Gemeinschaft zu beten, der eigene Koerper wird nicht so sehr beobachtet, wenn man sich im gemeinsamen Gebet und Gesang befindet.)
5. Vorbereiten sollte man sich den heutigen Tag ueber mit viel Trinken (Wasser!) (2 l werden empfohlen bis zum Fastenbeginn) und Kohlenhydraten (Tchina und Chumus ist sehr gut als Vorbereitung, sowie mein Geheimrezept gegen Kopfschmerzen beim Fasten: viele Weintrauben ueber den Tag verteilt heute)

Nach meinem Dafuerhalten solltet ihr also, falls es euch mit dem Fasten nicht gut geht, lieber erstmal nach Hause gehen und euch hinlegen, als das Fasten sofort zu brechen. Wenn ihr euch wohl fuehlt im Liegen, bleibt liegen und vielleicht koennt ihr ein wenig weiterbeten ob aus dem Siddur oder frei gewaehlte Worte.... falls es danach nicht besser wird, ein wenig Wasser trinken und wenn es danach immer noch nicht besser ist, mehr trinken. 
Bis ihr das Fasten auch in punkto Essen brecht, gibt es also noch einige Versuche. 

Wir hier in Israel werden heute sehr schwierige Bedingungen haben, was das Wetter anbelangt, es hat sich gerade eine Hitzewelle breitgemacht und wir werden ein Yom Kippur haben, das so heiss ist wie 15 Jahre lang nicht mehr. 34-36 Grad in Jerusalem. 

Ich wuensche euch, ein wenig "Engel" zu sein, die groesstmoegliche Naehe zu G-tt und seinem Thron zu spueren und diese Annaeherung auch im kommenden Jahr immer wieder zu suchen und zu halten. 
Umkehr ist zu jedem Zeitpunkt moeglich, denn ER ist immer da und wartet auf uns, wie ein Vater, der zuhause sitzt und auf die Kinder wartet, die sich wieder einmal auf ihrem Weg in die Freiheit verirrt haben.
GMAR CHATIMA TOVA (eine gute Unterschrift ins Buch des Lebens)
ZOM KAL (leichtes Fasten an alle, die fasten moechten und duerfen!)

Donnerstag, 12. September 2013

Dumm!

Wie dumm von mir, ein Echokardiogramm so kurz vor Yom Kippur machen zu lassen 
Nach meiner OP vor 3 Jahren, muss ich regelmaessig meine neue Herzklappe so wie meinen Herzschrittmacher ueberpruefen lassen. Als ich heute nachmittag zu einer dieser Routineuntersuchungen kam, und mich wieder einmal waehrend der Untersuchung an den exakten Ultraschallbildern "erfreute", war die Technikerin irgendwie zusehens "anders". Mitten in der Untersuchung kuendigte sie ploetzlich an, es wuerde dieses Mal eine etwas ausfuehrlichere Untersuchung werden und sie hoffe ich habe etwas Geduld mitgebracht. Ich habe mir nichts dabei gedacht, sie nur irgendwann gefragt, ob sie etwas Aussergewoehnliches sieht. Sie gab mir keine Antwort, war aber sehr gruendlich. 
Nach der Untersuchung fragte ich nochmal: "Haben Sie denn etwas Ungewoehnliches gesehen?" und sie meinte, es sei ihr verboten etwas zu sagen, der Doc wuerde sich naechste Woche alles ansehen. "Sei unbesorgt" 
Nun, ein guter Freund von mir sagt immer: "Sobald man mir sagt "Al Tid´ag!" (Sei unbesorgt!) fange ich erst recht an, mir Sorgen zu machen und so ging es mir auch. 
Als sie mich noch einmal zurueckrief um mir den Blutdruck zu messen, war ich endgueltig unruhig. Normalerweise sagen mir die Techniker schon, wenn alles normal aussieht, nur wenn etwas ungewoehnlich ist, sagt man, man duerfe nichts sagen. 
Ich war so unbekuemmert und leicht hergekommen - und ploetzlich wurde ich mit einem Male wieder 3 Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Da war es wieder (und das so schnell!) - das Trauma. Die OP, die Komplikationen, die fuerchterliche Schwaeche, der Pleura-erguss und die schmerzvolle Punktion, um das Wasser abzuziehen, der ungeplante Herzschrittmacher und die nur langsame Erholung, die Reha in Tel Aviv und das erneute Fieber, der Krankenwagen ins Ichilov-Hospital und der Aufenthalt auf dem Flur mit weiteren 9 Patienten - all das kam mit einem Mal wieder hoch und Panik ergriff mich. 
Wie schnell das doch geht, und wie praesent alles im Gehirn abgespeichert ist. Wie wenig doch noetig ist, um mich wieder in eine Zeit zu bringen, die furchtbar schwer war. 
Wie soll ich mich jetzt auf Yom Kippur konzentrieren, da ich ein endgueltiges Ergebnis erst in der naechsten Woche erwarten kann. 
Als die Technikerin sah, dass ich mit den Traenen kaempfte, beeilte sie sich zu sagen, es sei alles soweit in Ordnung, nur da habe ich jetzt meine Zweifel. 
Wie dumm von mir, die Untersuchung vor Yom Kippur zu terminieren und nicht mit einzuplanen, dass etwas von der Norm abweichen koennte. 
Da mein Kardiologe auch ein Bekannter ist, schrieb ich ihm eine sms mit meinen Aengsten und er rief mich sofort zurueck um mir zu sagen ich solle mich nicht sorgen, doch leider koenne er wirklich erst am Dienstag die Untersuchung auswerten. 
Nun - was soll ich tun, ich kann sowieso nichts aendern, selbst wenn etwas sein sollte - ich muss es sowieso in SEINE Haende legen. 
Wieder einmal ist mir bewusst, wie wenig wir doch alles in der Hand haben, alle Funktionen des Koerpers sind ausserhalb unserer Kontrolle. Ausser ein recht gesundes Leben zu fuehren koennen wir rein gar nichts tun. 
Ich hoffe, dass alles in Ordnung ist.

Dienstag, 10. September 2013

"Fuer das unversehrte Bein..." oder kann das wirklich wahr sein?

Mein Freund Jonathan hat eine Bekannte, sie hat in einem KZ in Deutschland ihr Bein verloren im Alter von 17 Jahren - und hat dennoch das Grauen ueberlebt. 
Wie sie das Bein verloren hat? Ein KZ Aufseher hat ein paar "Schiessuebungen" vollzogen, zu sehen, ob er gut und gerade schiessen kann. Dabei hat er unter anderem das Bein des jungen Maedchens als Zielscheibe auserchoren. Er schoss ihr ins Bein, und sie verlor es fast ganz, oberhalb des Knies. 
Nach dem Krieg kam sie nach Israel, und erhielt fortan von Deutschland die sogenannten "Entschaedigungszahlungen". Unter anderem wurde ihr alle 7 Jahre eine neue Prothese angepasst, die von den deutschen Behoerden ebenfalls bezahlt wurde. Es musste eine Spezialprothese sein, die sehr genau angepasst werden musste und dazu gehoerte immer auch eine Art Kniestrumpf, der ueber die Holzprothese gezogen wurde. 
Die deutschen Behoerden - bei denen Prothese und Struempfe regelmaessig in Rechnung gestellt werden mussten, bewilligten ihr die Ausgaben regelmaessig - alle sieben Jahre. 
Mit einer Ausnahme. Jedes Mal kam der Antrag zurueck mit einem Abzug. Die Struempfe kosteten 13 EUR. Man schrieb dazu: Abzueglich EINES STRUMPFES in Hoehe von 6.50, fuer das unversehrte Bein. 
Ich kann schlechter atmen, wenn ich diese Geschichte hoere. 
Ja, so sind sie, die deutschen Behoerden. 6.50 EUR mehr, haetten Deutschland bestimmt in eine finanzielle Krise gestuerzt. Dass man sich nicht schaemt, ist mir unverstaendlich....Ich jedenfalls schaeme mich stellvertretend...

Samstag, 7. September 2013

Trauriges Kapitel Stolperstein

Eine Bekannte aus der Gemeinde hat mir heute ihre Odyssee mit Namen "Stolperstein" erzaehlt. 
Sie steht nun mehr als 2 Jahre in Briefkontakt mit Berlin, um dort einen Stolperstein fuer ihre Grossmutter legen zu lassen. 
Was ist nicht wusste, und was mich unter anderem entstetzt, ist die Tatsache, dass man fuer diesen Stolperstein zahlen muss. Wusstet ihr das?
Wusstet ihr auch, dass es noch unzaehlige mehr geben wuerde, wenn alle Hinterbliebenen sich die Verlegung eines Stolpersteines fuer ihre ermordeten Verwandten leisten koennten? 120 EUR klingt nicht nach viel Geld, aber wer weiss, wieviel 600 Shekel hier in Israel fuer viele Shoaueberlebende ist, der kann sich denken, dass der, der sich ueberlegen muss ob er sich Medikamente oder Essen kauft, keinen Shekel fuer das Andenken an einen lieben Verwandten aufbringen kann. 
Ein Erinnerungsstein vor dem Haus wo die Grossmutter wohnte kostet die Hinterbliebenen also Geld. Ein Stein, der daran erinnern soll, dass in diesem Land Juden systematisch ermordet wurden und dass dieser Jude einer von 6 Millionen war. 
In den zwei Jahren Mailkontakt musste ebenso lange und breit erklaert werden, dass diese Grossmutter auch tatsaechlich ermordet wurde. Dafuer wurden  Papiere angefordert, man macht das nicht einfach, weil jemand behauptet, der Verwandte ist in der Shoa umgekommen. Nein, da ist man schon gruendlich in Deutschland, Dokumente muessen beweisen, dass der Verwandte nicht nur gestorben, sondern auch wirklich ermordet wurde. 
Es reichte z.B. nicht aus, dass es Papiere gab, in denen stand, Frau X. wurde von Berlin nach Chelmno ins Vernichtungslager deportiert, nein, da mussten schon mehr Dokumente gesucht werden, denn falls diese nicht gefunden worden waeren, haette man auf den Schriftzug "Schicksal unbekannt" bestanden, was meine Bekannte verstaendlicherweise nicht wollte. 
Nun, da es zwei Jahre gebraucht hat, bis es endlich zur Stolpersteinlegung kam, wurde ihr eine Einladung zur Verlegung des Stolpersteines geschickt - fuer einen SHABBAT!
Nach Ruecksprache mit dem, der den Stein verlegen soll, und der Bitte um Verschiebung des Termins fuer die Zeremonie, da die Verwandten religioes lebende Juden sind, die am Shabbat nicht zur Zeremonie fahren koennen, wurde gesagt, das ginge nicht, der Termin steht fest und basta. 
Meine Bekannte hofft nun, eine Unterkunft in der unmittelbaren Naehe in Berlin zu finden, um zu Fuss zur Stolpersteinverlegung kommen zu koennen, ansonsten - so sagt sie - muss sie eben am naechsten Tag hin um ihn sich anzusehen. 
Ich finde solch eine Umgehensweise mit den Hinterbliebenen ehrlich gesagt einen Skandal und Ignoranz auf der allerhoechsten Stufe.

Mittwoch, 4. September 2013

Dienstag, 3. September 2013

Shana tova - ein gutes gesundes Jahr 5774

Rosh Hashana - der Kopf des Jahres also - steht vor der Tuer. Morgen abend faengt das juedische Neujahrsfest an und dauert zwei Tage, bis einschliesslich Freitag abend, geht somit sofort in den Shabbat ueber, weshalb wir drei komplette Feiertage haben, an denen religioes lebende Juden irgendwie in einer Blase leben, ohne Fernsehen, Radio, Handy und Telefon. 
Falls hier im Land etwas geschehen sollte in welche Richtung auch immer, spricht sich das aber schnell herum. 
G-tt oeffnet zu Rosh haShana drei Buecher und sitzt Gericht ueber alle Menschen. "Der Tag des Gerichts", an dem beschlossen wird, ob wir im kommenden Jahr leben duerfen oder - was G-tt verhueten moege - sterben muessen, auch wie wir sterben ist festgelegt. 
Die wahren Zadikim, die absolut Gerechten unter uns werden sofort gerichtet und ins Buch des Lebens eingeschrieben. Sie haben nichts zu befuerchten. 
Auch durch und durch schlechte Menschen werden sofort ihr Urteil erhalten. 
Nur fuer die Mittelmaessigen, zu denen wohl die meisten von uns gehoeren, die sich bemuehen, aber auch zwischendurch scheitern, die Fehler machen, aber immer wieder von vorn anfangen, und nicht muede werden zu versuchen, gute Juden, gute Menschen zu sein, fuer die gibt es zehn Tage - bis Yom Kippur, dem Versoehnungstag - Frist, Umkehr zu tun. Das Buch der Mittelmaessigen wird erst zu Yom Kippur geschlossen.
Umkehr, Tschuva, heisst in erster Linie sich zu unserem G-tt wieder zurueckzubesinnen, zurueck zu kehren zu ihm, die Verbindung wieder aufzunehmen. Echte Reue, fuer das was wir nicht richtig gemacht haben, fuer die Gebote, die wir uebertreten oder nicht beachtet haben bringt uns naeher und naeher. 
Was wir G-tt gegenueber nicht richtig gemacht haben, muessen wir mit ihm "besprechen", uns bei ihm reumuetig zeigen. Was wir aber unseren Mitmenschen angetan haben, ob wir sie verletzt oder beleidigt oder schlecht behandelt haben, das bleibt uns nur mit ihnen zu klaeren. G-tt schickt uns mit Absicht zurueck, falls wir von ihm erwarten, uns zu verzeihen. Es gibt keinen Umweg ueber IHN, was wesentlich leichter waere. Aber leicht will ER es uns nicht machen, wir muessen schon selbst den Kontakt zu denen aufnehmen, die wir vor den Kopf gestossen haben, uns entschuldigen und das nicht nur als leere Worthuelse. 
Die zehn Tage der Umkehr sollten wir nutzen um durch Gebete, Zdaka (Wohltaetigkeit, Spenden) und echte Rueckkehr auf den richtigen Weg unser Bedauern auszudruecken und so das Urteil abzuwenden. 
Es ist immer moeglich umzukehren, an jedem Tag, zu jeder Stunde oder Minute. Wir muessen es nur ernsthaft wollen. 
Das ist Hoffnung. Es gibt immer einen Lichtstreif am Horizont, dem wir folgen koennen. Es wird fuer uns immer die Moeglichkeit der Besinnung und des Neuanfangs geben. 

Das Gebet an Rosh haShana wird laenger dauern als der normale G-ttesdienst an einem Shabbat. Es gibt besondere, nur fuer Rosh Hashana vorgesehene Melodien der Gebete und wir werden das Shofar hoeren. Das Shofar ist ein Widderhorn, was zu Rosh Hashana und Yom Kippur (ausser am Shabbat) geblasen wird. Das Shofar will uns aufwecken, aufruetteln, unser Herz "erschuettern", damit wir zur Wahrheit finden und Umkehr stattfinden kann. 
Es ist ein Gebot, das Shofar in voller Laenge mit grosser Andacht zu hoeren. Mir geht es jedes Mal durch Mark und Bein und ich habe das Gefuehl ich spuere den Ton im ganzen Koerper. Es ruehrt meine Seele auf und treibt mir die Traenen ins Gesicht. 
Ein sehr besonderes, bewegendes Ereignis.

Zu beiden Tagen von Rosh haShana bin ich abends eingeladen. Einladungen am Tag wollte ich nicht annehmen, ich brauche auch Ruhe und Besinnungszeit fuer mich allein. 
Auch eine Einladung nach Alon Shwut, von der Tochter meiner Freundin, die fuer mich sogar eine kleine eigene Wohnung haette, habe ich abgesagt. 3 Tage hintereinander in Alon Shwut ist sicher wunderbar und sehr besinnlich, vor allem ruhig, aber ich moechte nicht so lange ohne meine Wohnung, meine gewohnten Dinge um mich herum sein. 
Ich werde abends zu Freunden gehen, am Tag in die Synagoge und mich ausruhen zuhause, so wie evtl. einen kleinen Spaziergang machen, vielleicht ja sogar bis zur Kotel. 
Der morgige Arbeitstag wird nur bis 12 Uhr gehen, und dann ist "Abschalten" angesagt. 3 volle Tage werden die Arbeitsunterlagen zur Seite gepackt und andere Dinge sind wichtig. 

Nach Yom Kippur dann werde ich mich schon auf meine aeltere Tochter freuen koennen. Sie kommt zu Sukkot ueberraschenderweise. Ich freue mich jetzt schon auf die gemeinsame Zeit und bin ziemlich aufgeregt. Nach den Feiertagen wird dann die zweite Tochter herkommen um mich zu besuchen. Sie war im Gegensatz zu ihrer Schwester noch nie in Israel und ich bin sehr gespannt, wie sie das Land erlebt, welchen Eindruck sie bekommt. 
Chag Sameach, frohes Fest, eine gutes Neues Jahr 5774.
SHANA TOVA!
 

Montag, 2. September 2013

Gefuellte Weinblaetter































Heute kam ich bei einer Klientin ins Haus und wurde gleich zu Beginn von einem betoerenden Geruch nach Weinblaettern empfangen. Sie sass in ihrem Sessel und rollte. Das ganze Haus war von diesem herrlichen Geruch erfuellt und ich bekam furchtbaren Hunger. Sie erzaehlte mir, wie sie sie zubereitet und zuhause habe ich "nachgekocht". 
Das braucht ihr dazu:
Weinblaetter
eine Dose puerrierte Tomaten
Reis
Dill
Petersilie
Knoblauch
Zwiebel
Salz
Zitrone und etwas Oel

Die Weinblaetter ca. 15 min. in Wasser einweichen, damit sie rollfaehig werden. 
In der Zwischenzeit die Mischung fuer die Fuellung vorbereiten. Reis mit Dill, Petersiele, Knoblauch, Zwiebel, nach Bedarf eine kleingeschnittene Tomate, Salz mischen. 
Die Weinblaetter abtropfen und etwas trockentupfen. 
Ausbreiten und einen kleinen Klecks der Mischung in die Mitte geben. Dann von beiden Seiten einschlagen und fest rollen. 
Wenn alles gerollt ist, einige grosse Blaetter in einen Topf geben, darauf die Roellchen verteilen, eng zusammen. 
Eine Mischung aus Tomatenpuerree, etwas Oel, Salz, Zitrone und Wasser ueber die Roellchen geben. Einen Deckel oder Alufolie direkt ueber die Weinblaetter geben und nach unten druecken. 
Dann ca. 1 Std. bei kleiner Flamme koecheln lassen. 
Guten Appetit!