Mittwoch, 27. November 2013

Keshet levana - white rainbow

Gestern bekam ich einen heissen Tipp von einem Chormitglied. Mein Lieblingslied "keshet levana" (White rainbow) gesungen vom Ulmer Spatzen Chor auf Youtube und ich muss sagen - er hat Recht, es ist eine wunderbare Version.
Wie findet ihr es?

Arik Einstein


Das Licht von Chanukka - die erste Kerze brennt und Ariks Lebenslicht ist verloschen

Heute zuenden wir die erste Kerze von Chanukka, unserem achttaegigem Lichterfest. 
Das Lebenslicht von Arik Einstein ist verloescht, doch sein Licht wird uns weiter durch seine wunderschoenen Lieder das Leben erhellen. Wenn man seine Lieder anhoert, wird einem ein wenig heller um die Seele. 
Arik Einstein, geboren 1939 in Tel Aviv ist in der vergangenen Nacht an einem geplatzten Aneurysma ploetzlich verstorben. 
Obwohl ich nicht in Israel aufgewachsen bin, war Arik Einstein auch fuer mich ein Name der mit zeitloser Musik verbunden ist. Ministerpraesident Netanyahu wuerdigte heute Ariks Musik als "Soundtrack des Staates Israel". 
Zu seiner Beerdigung am heutigen Tage fanden sich Menschenmengen ein, er war ein unglaublich belieber Saenger, bei jung und alt, saekularen und religioesen Menschen im Land. 
Was ihn besonders symphatisch machte, war seine Bescheidenheit, er mochte nicht gern interviewt werden, nahm sich selbst nicht so wichtig, ja sagte sogar Auftritte waren ihm "peinlich". 
Seine Toechter wurden religioes und heirateten die Soehne vom ultraorthodoxen Rabbiner Zohar, der ebenfalls vorher saekular war und Ariks Freund. 
Auch orthodoxe Radiosender spielten heute Musik von Arik Einstein und eine charedische Hochzeit wurde vom Saenger unterbrochen, um Ariks Musik zu spielen. Das ist ungewoehnlich und beweist, wie viele Menschen von seinem Licht in ihrer Seele erhellt wurden.
Moege Ariks Licht uns weiter durch seine Lieder erhalten bleiben. 
Jehi Sichro baruch!
Ich hoffe ihr konnt das Video oeffnen. 

Chag Chanukka Sameach! Moeget euch immer ein Licht erhellen und moeget ihr ein wenig Licht fuer eure Umwelt sein. 

Dienstag, 19. November 2013

Gefunden - oder "wieder ein Geschenk"

Dieses wunderschoene Bild mit der Silhouette von Jerushalaiym habe ich heute auf dem Nachhauseweg "gefunden". Es lag neben der Muelltonne - zum Wegwerfen bereit. Ich habe es mir sofort geschnappt und da es halbdunkel war, wollte ich zuhause pruefen, ob ich es wirklich mag, wegwerfen konnte ich es dann immer noch. 
Es haengt nun bei mir im Zimmer und ich mag es. 
Toll, dass viele Menschen hier bevor sie etwas endgueltig in die Tiefen der Muelltonne versenken, daran denken, dass es anderen gefallen koennte.

Dienstag, 12. November 2013

Chor

Juchu, ich bin im Chor! Schon einige Zeit spiele ich mit dem Gedanken, mich einem Chor anzuschliessen. Und heute abend war es soweit. Ich bin mit Freundin Rachel zu einer Probestunde ihres Chors gegangen. Was mir wichtig war: Ich will nicht - wie in manchen Choeren ueblich - englisch singen sondern hebraeisch und - wer weiss wie viel Bach oder Levandowski ist mir auch nicht so recht. 
Sehr kritisch ging ich also dorthin und was soll ich sagen: nach dem ersten Lied bereits lief mir eine Gaensehaut ueber den Koerper und ich sagte: Ja, hier bleibe ich. 
Shirej Eretz Israel sind ganz nach meinem Geschmack und davon wird viel gesungen, sowie Lieder aus dem G-ttesdienst, Psalme usw. 
Was ich gar nicht bedacht habe: es ist schon sehr sehr gewoehnungsbeduerftig, ploetzlich hebraeisch von links nach rechts zu lesen, Silbe fuer Silbe. Das will dem Auge so gar nicht passen und ich muss mich erst daran gewoehnen. 
Frueher als Schuelerin war ich auch in einem Chor, sowie mit meiner Klarinette im Orchester, aber lang lang ist´s her. Man verlernt zwar kein Notenlesen, aber muss sich doch erst wieder hineinfinden. 
Auf jeden Fall hat es unheimlich Spass gemacht und irgendwie Koerper und Seele befreit und gereinigt. 
Ich habe mich zur Altstimme gesellt, denn mit steigendem Alter klappen die hohen Toene leider nicht mehr so wie frueher.
Hier eines meiner heutigen Lieblingslieder. Ich bekam es den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.





Sonntag, 10. November 2013

Geschenkt!

Heute nachmittag kam ich waehrend meiner Hausbesuche an einem Antikladen vorbei im Stadtteil Makor Baruch. 
Ich sah einige Chanukkiot und betrat den Laden. Laengere Zeit schon moechte ich mir mal eine schoene Chanukkia leisten, denn ich habe bisher nur eine kleine aus Draht. Sie tut ihren Dienst auch, aber ich liebaeugle schon laenger mit einem Geschenk fuer mich selbst. 
Die, die mir gefielen waren gross, alt und wunderschoen, etwa um die 2000 Shekel. Ich kam ins Gespraech mit dem Haendler und er zeigte mir einige schoene Stuecke. Ich warnte ihn, als er auf die Leiter kletterte. Ich sei immer noch eine recht arme Einwanderin, die nicht viel Geld ausgeben kann. (und nach dem Besuch meiner Toechter bin ich sozusagen noch fuer einige Zeit pleite).
"Das macht nichts, du bist zu nichts verpflichtet" sagte er mir. Welche koennte ich mir denn unter Umstaenden leisten, fragte ich mich und zeige auf eine sehr kleine, mit Cinor David.(Davidsharfe) 150 Shekel, meinte der Haendler und waehrend wir weiter ueber unsere Familie sprachen, schuettelte er den Kopf: "Also gut, ich geb sie dir fuer 100."
Als ich immer noch zoegerte, reichte er mir die Chanukkia mit den Worten:"50 und sie ist dein."
Das war ein Wort. Ich sagte ihm ich haette leider kein Geld dabei, wuerde mich aber freuen, wenn er sie mir zuruecklegt bis morgen. 
"Ich mache das immer anders. Du nimmst sie jetzt mit und bringst mir das Geld wenn du wieder in der Gegend bis."
Wow, das gibt es nur in Israel dachte ich, waehrend wir weiter plauderten. 
Irgendwann fragte er mich nach meiner Familie und ich erzaehlte ihm, dass ich Gioret bin. 
Seine Augen wurden riesengross, er sagte: "Ich freue mich, dass du jetzt "bei uns" bist und moechte dir die Chanukkia schenken"
Soll mir noch einer sagen, dass dieses Gespraech woanders genauso haette stattfinden koennen... 
Ein wenig muss ich sie noch blankputzen, aber ich freue mich unglaublich ueber dieses Geschenk.

Schreibfaul - ein Rueckblick auf eine reiche Zeit

Wie man unschwer erkennen konnte, war ich in der letzten Zeit aeusserst schreibfaul. 
Nun ist meine zweite Tochter schon wieder fast 14 Tage in Deutschland und ich zehre bis heute von der Zeit mit den beiden. 
Da N. noch nie vorher in Israel war, war diese Zeit fuer sie - und auch fuer mich - sehr spannend. Wir haben am ersten Tag ihres Besuches von der Tayelet aus das "Buehnenbild der Stadt" betrachtet, wie ich diesen Blick immer nenne, da sich die Stadt mit Altstadtmauern und Tempelberg beeindruckend vor dem "Zuschauer" ausbreitet. Es ist wohl einer der schoensten Blicke auf die wunderbare Stadt. 
Anschliessend sind wir hinueber zur Altstadt ueber die Cinematheque, am Sultanspool und Jemin Moshe vorbei die Steigung Maalot Benni hoch, die zum Zionstor fuehrt. Bevor wir dieses Tor passierten, haben wir uns nach rechts gewendet, um die Dormitio-kirche, das Davidsgrab und den angeblichen Ort des letzten Abendmahls (Abendmahlsaal) zu besichtigen. Ploetzlich fing der Muezzin an zu rufen und N. war schon zu diesem Zeitpunkt beeindruckt, wie nahe alles beisammen liegt, wie viel man hier sehen, erleben und auf sich wirken lassen kann, die unterschiedlichsten - und immer doch tiefen - Eindruecke.
Wir sind ein paar Schritte weiter zum Chamber of the Holocaust. Dieser kleine Ort bietet einen erschreckenden Einblick auf die Toetungsmaschinerie der Nazis. 
Weiter durch das Zionstor ging es zur Kotel (Westmauer, Klagemauer). Dort ist es wohl zu jeder Uhrzeit interessant. Stets begegnet man dort einer Vielzahl von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion. Christen aus Afrika mit ihren typischen Gewaendern, Gruppen, Soldaten, Juden, viele weinen oder stecken kleine Zettel in die Ritzen der grossen Steine der Mauer. 
Meine Tochter wusste nicht zu beschreiben warum, war aber an diesem Ort sehr beruehrt. 
Wir liefen durch die Altstadt zur Grabeskirche und staunten ueber die Menschenmengen, die sich dort einfanden, um einmal am Grab von Jesus zu beten. 
Weiter zum Oesterreichischen Hospiz, das wenn man es betritt wie eine kleine Oase im Gewimmel des muslimischen Viertels scheint. Auf dem Dach hat man einen unvergleichlichen Blick ueber die Daecher der Altstadt sowie den Tempelberg mit dem Felsendom. 
Wir sind durch das schoene Damaskustor aus der Altstadt heraus und gegenueber zum beeindruckenden Gebaeude des Schmidt´s College, das der Deutsche Verein vom heiligen Land unter sich hat, es ist Schule fuer arabische Maedchen (vorwiegend christliche), sowie Pilgerhaus fuer deutsche Pilger. Dort habe ich mein allererstes Volontariat in Jerusalem absolviert im Jahr 2005. Ich habe die Zimmer der Gaeste, sowie die langen Flure geputzt, die Blumen auf dem Dach und im Garten gegossen und in der Kueche das Geschirr gespuelt. Lange ist es her und kurze Zeit spaeter begann eigentlich schon mein Weg zum Judentum. 

Ueber die neue moderne Mamilla-Mall - eine Einkaufsmeile - sind wir dann erschoepft wieder nach Hause gefahren. 
Fuer den naechsten Tag war Tel Aviv geplant, wir wollten zunaechst auf die Azrieli Tower, den Blick ueber die Stadt und das Meer geniessen, um dann am Strand entlang nach Jaffo zu laufen. 
Doch es kam anders. Als wir an der Haltestelle in der Arlozorov-Street ankamen rief mein bester Freund Jacov aus Haifa an, der uns anbot eine Runde in Haifa mit dem Auto zu drehen. 
Zurueck in den Zug, auf nach Haifa!
Dort am Strand liegt die Haltestelle und wir machten zunaechst einen kleinen Spaziergang am Strand mit einem Imbiss am Meer. Anschliessend fuhr uns Jacov zum Stella Maris mit dem atemberaubenden Blick ueber die Hafenbucht, wo man bei schoenem Wetter bis zum Libanon schauen kann und dem Hermon unserem hoechsten Berg, auf dem im Winter Schnee liegt. 
Weiter ging es zur Jafe-Nof-Street, zum oberen Haupteingang der Bahai-Tempel-gartenanlage. 
9 Terrassen fuehren hinunter zum Schrein des Religionsgruenders dieser friedlichen Religion, die unteren 9 Terrassen sieht man von oben nicht, sowie man von unten von der German Colony aus nicht die oberen sieht. 
Am Ende unseres Tripps assen wir noch Chumus und Salat in einem kleinen einheimischen Restaurant. 
Jacov hatte leider keine Zeit mehr, doch meine Tochter wollte noch bis zum Sonnenuntergang am Meer bleiben. So erlebten wir einen wunderbaren Sonnentag im Norden. Mit dem Zug zurueck nach Tel Aviv, dann nach Jerusalem. 

Yam Hamelach, das Tote Meer, stand am naechsten Tag auf dem Programm. Dafuer wollten wir sehr frueh aus den Federn, um den ersten Bus um 8h an der Central Bus Station zu bekomme. Eine beeindruckende Fahrt hinunter zum Toten Meer, 420 m unter dem Meeresspiegel. 
Dort angekommen - wir hatten uns Mineral Beach als Badestrand ausgesucht - empfing uns RUHE!
Der krasse Gegensatz zur pulsierenden hektischen Stadt empfaengt den Besucher mit einem wohligen Gefuehl von Entspannung. 
Ruhe und der Geruch von Schwefel. Schlamm-einreibungen gehoeren genauso zu einem Besuch am toten Meer wie das "Sitzen" im Toten Meer, das einen Salzgehalt von 30% hat. (Vergleich: das Mittelmeer hat einen Salzgehalt von 3%)
Erschoepft und erholt kamen wir zuhause an. 
Abends sassen wir immer gemuetlich zu hause, machten uns Pitta, Aubergine, Chumus und Tchina mit Salat. 

Am Freitag stand dann der schwere Besuch in Yad Vashem auf unserer Liste. Wir wollten in Jerusalem bleiben, denn der Shabbat faengt frueh an. 
Yad Vashem - ohne Worte kann man nur sagen, denn jede Beschreibung dessen, was man dort zu sehen und zu fuehlen bekommt trifft es nicht. Zu einem bestimmten Zeitpunkt faengt wohl jeder der dort das Museum besucht an zu weinen. Zu hart und grausam ist das, was sich ereignet hat. 
Wir sind in dieses Volk das den systematischen Massenmord beging hineingeboren. Auch diese Tatsache macht es schwer, sich mit dem was war, zu konfrontieren. 

In der Shabbatnacht waren wir in meiner Yakargemeinde und anschliessend bei Esti und Roni, meinen besten Freunden zum Essen eingeladen. N. erlebte zum allerersten Male einen juedischen G-ttesdienst. 
Die Freude, sie ist es, die dem nicht juedischen Besucher auffaellt. Es wird gesungen und geklatscht und das ist neu fuer den, der es nicht kennt. 
Am Shabbat spazierten wir durch meine Nachbarschaft und gingen ins Israel-museum mit der beeindruckenden Herodes-ausstellung. 

Micha und Heidi aus Deutschland nahmen uns freundlicherweise mit zum See Genezareth am Sonntag. Ich war bestimmt 5 Jahre nicht mehr dort und habe mich riesig gefreut, diese paradiesische Gegend wieder zu sehen. Wir sind die Golanhoehen hochgefahren und haben dort unser Picknick gemacht, hoch ueber dem See, mit einem atemberaubenden Blick. Anschliessend weiter nordwaerts, zu den christlichen Staetten Tabgha, und dem Berg der Seligpreisungen mit der schoenen Kirche und wieder einem wunderbaren Blick auf den See. Gegen Abend besuchten wir noch den Arbel, kurz ueber Tiberias. 
Die Fahrt nach Hause fuehrte durch das Jordantal. 
Danke, Micha und Heidi fuer diesen wunderschoenen Tag mit euch. 

Am Montag war Abflugtag. Nach einer intensiven Zeit zusammen fiel es sehr schwer, Abschied zu nehmen. N. wuenschte sich fuer den Morgen, noch einmal in die Altstadt zu gehen, um die Atmosphaere einzuatmen und an der Kotel zu sitzen. 
Am Mittag ging es dann gemeinsam zum Flughafen und als sie durch die letzte Tuer ging, ging ich irgendwie ein wenig schweren Herzens zu meinem Bus nach Jerusalem. 
Im Alltag wieder angekommen, blicke ich auf eindrucksvolle sehr intime Tage mit beiden Toechtern zurueck und das Schoenste : Sie scheinen mich zu verstehen, sind mir nicht boese, dass ich hier lebe und nicht dort,  bei ihnen. "Dass du dich in diese Stadt verliebt hast, kann ich verstehen!" sagte N. und schrieb mir, zu Hause angekommen: "Es faellt sehr schwer, aus einer so spirituellen Umgebung mit warmen Menschen wieder in einer neutralen Stadt in Deutschland anzukommen"