Dienstag, 18. November 2014

Der Terroranschlag wie er sich anscheinend ereignet hat

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(foto: kikar hashabbat)
Ein paar Minuten vor 7 Uhr morgens - die 2 Terroristen sitzen seit einer Stunde in der Naehe der Beit Knesset (Synagoge) "Kehilat Jaakov"  in ihrem Auto, sie kommen aus Jabel Mukaber. Einer der Taeter arbeitet im kleinen Laden neben der Synagoge in der Agassi-Street. 
Kurz vor 7h steigen sie aus, bewaffnet mit Axt, einem Schlachtermesser und Pistolen. 
Sie gehen ungehindert die Treppe hoch zum Gebetsraum, dort beten zu dieser Zeit etwa 25 Menschen. Im Moment der hoechsten Konzentration - der absoluten Stille, da man das Shmone Esre-Gebet betet, in dem sich jeder Betende G-tt gegenueber fuehlt, werden die ersten Schuesse abgegeben. Die zwei Taeter laufen Reihe um Reihe ab und stechen auf die Betenden ein. (G-tt, warum tust du nichts in diesem Moment?...)
Einer der Beter kriecht vor Angst unter eine Bank und versteckt sich. Er ueberlebt. 
Sie kehren um und bewegen sich wieder in Richtung Ausgang, weiter schiessend und mit dem Messer zustechend. 
Nach 5-7 Min. kommen zwei Verkehrspolizisten ins Gebaeude und schiessen auf die Terroristen, machen dem Amoklauf ein Ende. 

Vier Betende werden auf bestialische Weise abgeschlachtet, in dem Moment, wo sie vor G-tt stehen, mit IHM sprechen. Ich verstehe G-tt wirklich nicht, warum... warum? Konntest DU sie nicht retten? Was haben sie getan? 

Vier Betende, 
Rav Kalman Levin, 50 Jahre alt
Awraham Goldberg, 68 Jahre alt
Arie Kopinski, 43 Jahre alt und 
Rav Moshe Taverski, 59 Jahre alt. 
Alle vier Opfer wohnen in derselben Strasse. 

Moegen sie ihren Frieden gefunden haben. 

Es gibt zwei leicht Verletzte, die bereits aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, baruch haShem. Und weitere 4 schwerer Verletzte, einer davon schwebt noch in Lebensgefahr. 

Die Beit Knesset ist in dem STadtviertel, in dem der Rav Ovadia Josef wohnte, und auch viele Shas-mitglieder, u.a. Eli Jishai wohnen und nicht selten dort beten.
Eine Mutter in Har Nof sagte: "Ich habe ueberlegt, ob ich meine Kinder in die Schule schicken soll.. man weiss irgendwie inzwischen  nicht, wo der naechste Anschlag sich ereignen wird..."

Har Nof ist ein sehr ruhiger, fast idyllischer Stadtteil, in dem ich haeufig Patientenbesuche mache, ein religioeser Stadtteil, mit einer ueberwaeltigenden Aussicht ueber Mevasseret, bis Kastell, hinueber zum Hadassah-Hospital..
Vor ein paar Wochen stand ich dort und dachte kurz darueber nach, dass in diesem Stadtteil bestimmt nichts Schlimmes passieren wird.
Es ist unheimlich, es passiert leise, keine explodierenden Bomben, keine Sprengstoffguertel - der neue Terror kommt leise angeschlichen, heimtueckisch und hinterhaeltig. Ja, hinterhaeltig und feige.
Mit einem Messer auf arglose ins Gebet versunkene Menschen einzustechen ist keine grossartige Heldentat. Und doch wird sie als solche von Chamas gefeiert. Chamas begruesst die Tat und ermutigt dazu "weiterzumachen", moeglichst viele Juden abschlachten.

Wir haben keinen Schutz, keine noch so verstaerkte Polizeipraesenz, die wir schon ueberall in der Stadt spueren, keine Betonkloetze und keine Kontrollen koennen Einzeltaeter aufhalten, die uns an der naechsten Strassenecke erwarten, uns toeten wollen.
Jeder Schritt und Tritt wird gefaehrlich, jederzeit kann der naechste Anschlag sein, jederzeit der naechste mit seinem Auto bei Rot NICHT anhalten, sondern versuchen moeglichst viele von uns zu ueberfahren.
Es ist ein Gluecksspiel geworden, durch den Tag zu gehen in dieser Stadt.
Traurig, aber wahr.
Und jetzt, 11 Stunden nach dem Anschlag ist der Geist immer noch bemueht, das Ganze zu verdauen, was sich da heute morgen ereignet hat.

Heute sprach eine Frau mit mir an der Haltestelle. Sie sagte: "Meine Tochter rief gerade an, und sagte, Mama ich hoffe nicht, dass du auf dem Shuk bist!!" Ich antwortete ihr, dass ich nicht auf dem Shuk sei. (obwohl ich genau dort war. )
Was sollen wir tun? Wir koennen nicht ahnen, wo sie das naechste Mal zustechen, zuschlagen oder versuchen uns zu ueberfahren. Wir koennen uns einfach nicht in Sicherheit bringen. 

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