Donnerstag, 20. November 2014

Oeffentlichkeit "mehr rechts" als alle Politiker?

Eine Aussage des Buergermeisters von Ashkelon, Itamar Shimoni erregt die Gemueter. 
Auf die grosse Sorge der Eltern hin, gibt er bekannt, alle israelischen Araber von Baustellen an Kindergaerten und Schulen entlassen zu wollen.
Die Eltern laufen Amok und haben Panik um die Unversehrtheit ihrer Kinder in nicht beaufsichtigten Schulen und Kindergaerten, spaetestens nach dem Massaker in einer Synagoge. 
"Wer vor Betenden nicht halt macht, dem sind auch Kinder ein willkommenes Ziel fuer Terroranschlaege.." behaupten sie. 
Itamar Shimonis Aussage erregt die gesamte Bevoelkerung. Die einen bezichtigen ihn des Rassismus, die anderen - und das ist erstaunlicherweise die Mehrheit, laut Umfrage - begruesst sein Vorhaben. 
Ganz unerwartet geht gegen dieses Vorhaben Premierminister Netanyahu vor, sowie der absolut Rechte Naftali Bennet, Zipi Livni sowieso einschliesslich des neuen Staatspraesidenten. 
Naftali Bennt: "Wir zeigen NULL Toleranz gegenueber jeglicher Art von Rassismus und Ungleichbehandlung."
Netanyahu gibt an, dass die meisten der israelischen Araber nicht Terroristen sind und friedlich ihr Leben leben wollen. 
Wer haette das gedacht, Bibi?
Ich finde es erst einmal gut, dass das so klar hier gesagt wird. 

Ob ich mich mit der Entscheidung wohl fuehlen wuerde, wenn ich ein Kind im Kindergarten haette, weiss ich nicht. Schon waehrend des Krieges hatten sich alte Menschen mir gegenueber angstvoll geaeussert in Anbetracht der Tatsache, dass sich neben ihrem Haus eine Baustelle befindet, und somit viele Araber, die manchmal abends aus Bequemlichkeit nicht nach Hause fahren, sondern im Rohbau uebernachten. Alte Menschen allein im Haus haben durchweg Angst, es passieren einfach zuviele Verbrechen gegenueber alten Leuten. 
Ich bin gespalten zwischen "Selbstverstaendlich kann man Arabern nicht ihre Arbeit nehmen. Natuerlich moechte ich jedem arabischen Israeli unvoreingenommen begegnen. Ich laechle ihn an, sie an. Vor mir steht ein Mensch, der im Antlitz G-ttes geschaffen wurde, wie ich, wie du. Ich moechte nicht den Terroristen mit der Putzfrau meiner Freundin gleichsetzen"

Und dann : "Wie muessen sich Eltern fuehlen, wenn sie wissen, dass jeder Araber sich mit einem Mal zum "Killer" entschliessen kann, die Axt, die Pistole, das Schlachtemesser nimmt und los geht. Denn jeder hat die Chance Shahid zu sein. Woher weiss ich als Mutter, dass nicht unter den 30 Bauarbeitern nebenan doch einer ist, der mit dem Gedanken liebaeugelt, Juden zu toeten, egal ob Betende, oder Kinder.."
Einer der Terroristen vom Dienstag, der mit brutaler Grausamkeit Betende abgeschlachtet hat, war jahrelang nebenan im Laden beschaeftigt, man kannte ihn, er kannte die Nachbarn, die dort einkauften. Er war nicht arbeitslos und ohne Hoffnung und Perspektive, sondern verdiente sein Brot. Was hat ihn dazu veranlasst, ploetzlich diese Nachbarn, die er jeden Tag beim Einkauf sieht, mit der Axt zu attackieren? Was um alles in der Welt ist in seinem Gehirn vor sich gegangen, dass er daran Gefallen fand?

Die angsterfuellten Eltern kann ich verstehen. Genauso, wie ich nicht sagen moechte: "Alle Araber sollen entlassen werden, die in der Naehe von Kindern arbeiten."
Was soll man bloss tun?

Eine alte Dame, die ich heute in Har Nof besuchte, erzaehlte mir vom Dienstag morgen. Wie sie aufwachte, spaet am Morgen, weil auf der Strasse so viel Laerm war, Krankenwagen, Polizei, Geschrei, Schuesse. 
Sie ging in den Hausflur um zu fragen, was passiert ist. Dort fand sie zwei Nachbarinnen, die sich gegenseitig im Arm hielten, und weinten. Die alte Dame war entsetzt und fragte, was denn nur los sei. Man sagte ihr, etwas ganz Schlimmes sei passiert, in der Synagoge, gegenueber. 
Meine alte Dame kehrte in ihre Wohnung zurueck und stellte den Fernseher an, musste das Allerschlimmste mit ansehen, was sie seit langem gehoert hatte. 
"Ich fuehlte mich an die Shoa erinnert, an die ersten Jahre hier im Land mit meinen Eltern, es gab ein Massaker in Hebron, aehnlich wie dieses, ich kann mich nicht erinnern, dass das mal aufgehoert haette, immer mussten wir in Angst leben, immer waren wir gehasst und verfolgt, wollte man uns toeten, ausloeschen. Kannst du mir sagen, warum?"
Nein, ich weiss es selbst nicht. 

Weiter sagte sie: "Weisst du was? Ich kann keinen Hass fuehlen, in mir ist so ein Gefuehl einfach nicht. Und ich moechte die Araber nicht hassen.Aber das viele Blut, die unschuldigen Menschen, wieso kann jemand so etwas machen?"

Auch darauf weiss ich keine Antwort. 
In jedem Falle ist das Vorhaben von Itamar Shimoni, keine arabischen Bauarbeiter mehr an Kindergaerten und Schulen zu beschaeftigen, eindeutig nicht mit dem Gesetz vereinbar. PUNKT. 
Aber koennte genau das zum Sicherheitsrisiko werden?
Rami Levi, der vor zwei Tagen ebenfalls angekuendigt hatte, evtl. seine arabischen Mitarbeiter zu entlassen, wird dies nicht tun. So hat er entschieden. Und schon gehen die Proteste in den sozialen Netzwerken gegen ihn los. 
Was soll man tun?
Uebrigens will die Gemeinde, in der das Schreckliche geschah, die arabische Reinigungskraft NICHT entlassen. Der Mann ist schon Jahre in dieser Synagoge taetig.

Itamar Shimoni sagte, er wuerde lieber als Rassist beschimpft, als eine Grabrede auf der Beerdigung eines Kindes sprechen zu muessen. 
Was sollen wir bloss tun?
Was ist richtig? 
Und wie koennen wir uns schuetzen und gleichzeitig Rassismus vermeiden, die unschuldigen Araber nicht treffen mit unseren Vorkehrungen?
Das leichte Miteinander, was es trotz aller Spannungen in der heiligen Stadt immer gab, ist raus. Man schaut erschreckt auf, wenn ein Bagger ein wenig schneller auf einen zukommt, ein Auto nicht frueh genug bremst, ein arabisch aussehender junger Mann neben einem im Bus sitzt. Wir koennen nicht in die Herzen schauen und muessen vorsichtig sein. Und doch wollen die wenigsten von uns hassen. 
Was sollen wir tun?

Keine Kommentare: