Mittwoch, 24. Dezember 2014

929 - פרק ד Genesis Kapitel 4

Die Frau Chava - Eva - ist durch ihre Faehigkeit, ein Kind zu tragen und zu gebaeren, Mitgestalterin an der Schoepfung. Daher sagt sie : Ich habe einen Mann vom (MIT) dem Herrn erworben.(erschaffen).

Wie schlimm muss es sein, wenn ein Bruder vom Vater wohlwollend angenommen wird, waehrend die Taten des anderen abgelehnt werden. Warum wurde das Opfer von Kain von G-tt nicht angenommen? 

HaRav Stav (Vorsitzender Rabanej Zohar) 
"Jemand, der faehig ist zu toeten kann sich nicht G-tt naehern (ein Opfer ist die Annaeherung an G-tt, Korban (Opfer) kommt von karov (nahe), lehakriv (opfern, sich naehern). Ein Opfer ist immer ein Versuch, sich G-tt zu naehern). 
Er kann sich G-tt nicht naehern, selbst wenn er Prophet ist, kreativ und talentiert. 
Kain ist der erste in der Menschheitsgeschichte, der ein Opfer bringt. G-tt spricht zu ihm, was bedeutet, dass er sich auf der geistigen Ebene eines Propheten befindet. Sein Opfer wird abgelehnt. Hevel (Abel) macht es seinem Bruder nach und bringt ebenfalls ein Opfer, ausgerechnet seines wird angenommen. Wie enttaeuschend. Man kann die Frustrierung und Enttaeuschung Kains verstehen. Und doch - jemand, der in der Lage ist, seinen Naechsten, der im Ebenbild G-ttes geschaffen wurde,  zu toeten, kann sich nicht G-tt naehern.

Der Schriftsteller, Mathematiker und Philosoph Chaim Shapira: 
Man kann einen Menschen um vieles beneiden, um seine Faehigkeiten, seinen gesellschaftlichen Stand, um Reichtum, Gesundheit. Kain beneidet seinen Bruder darum, dass G-tt sein Opfer wohlwollend angenommen hat. Wer moechte, kann es mit den Augen Freuds sehen. G-tt ist ein Vater, der einen Sohn auf Kosten des anderen bevorzugt. 
Spinoza sagt: Man beneidet nur jemanden, der einem gleich ist. 
Kein Professor der Philosophie wuerde Spinoza oder Appleton beneiden (es sei denn er ist groessenwahnsinnig geworden), viel sinnvoller ist es, dass er seinen schlaueren erfolgreichen Kollegen beneidet, der ihm ueberlegen ist, aber nur ein wenig. 
Je mehr Gemeinsamkeiten der Mensch mit dem Objekt des Neides fuehlt, desto staerker ist der Neid. Gemaess Spinoza ist der Bruderneid einer der logischsten und staerksten - und daher ist es kein Wunder, dass der erste Mord der Menschheitsgeschichte ein Brudermord war. 
Leszek Kolakowski, polnischer Philosoph, kommentiert die Parasha so: "Wir duerfen nicht in der Erwartung von Gerechtigkeit leben. Eine derartige Erwartung bringt Bitterkeit in unser Leben. Wir zuernen auf die ganze Welt und sind so faehig, selbst unseren Bruder umzubringen."

Eine interessante These, wie ich finde. Denn dieses Thema "Gerechtigkeit" ist genau das, was mich sehr oft beschaeftigt - und, wie ich zugeben muss, oft enttaeuscht. Denn natuerlich gibt es keine Gerechtigkeit. Und wenn mir die Ungerechtigkeit der Welt begegnet, ganz persoenlich im taeglichen Leben, dann ist es tatsaechlich so, dass ich mich hilflos, verzweifelt und verbittert fuehle. 
Ich sollte ueber meine Erwartungen nachdenken..

Gil Koptash, Drehbuchautor:
Kain, der Moerder, wird nicht "normal" bestraft, sondern wird von G-tt mit einem Kainsmal versehen, um ihn zu schuetzen. Wie ist diese Reaktion zu verstehen, und steht hier wirklich der absolut Boese dem absolut Guten gegenueber?
Hevel (Adam) war Roe Zon ( Schafhirte) und Kain Oved Adama (Landwirt). Kain hat geordnete Felder und braucht klare Grenzen, um seinen Acker abzugrenzen, z.B. um das Eindringen der Schafe von Hevel zu verhindern, die ihm seinen Acker zerstoeren koennen. Kain verkoerpert das Materielle, Hevel das Geistliche. Hevel steht fuer das Grenzenlose, das Dynamische, er bewegt sich von Ort zu Ort, seiner Schafherde hinterher. Er "fliesst" sozusagen, waehrend Kain einen ordentlichen Arbeitsplatz hat, und Eigentum, seinen Acker, und spaeter sogar ganze Staedte. Kain toetet Hevel. Menschen mit Macht in der Gesellschaft, mit Finanzkraft und materiellen Guetern, werden immer ueber geistigen Menschen herrschen. 
Aber die "Stimme von Hevel hoert nicht auf, aus der Erde zu schreien....."
Den Geist kann man niemals toeten!

Der Text:


Kain und Abel
Gen 4,1 Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben.
Gen 4,2 Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.
Gen 4,3 Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar;
Gen 4,4 auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer,
Gen 4,5 aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich.
Gen 4,6 Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick?
Gen 4,7 Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, / doch du werde Herr über ihn!
Gen 4,8 Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.
Gen 4,9 Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?
Gen 4,10 Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.
Gen 4,11 So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen.
Gen 4,12 Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.
Gen 4,13 Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.
Gen 4,14 Du hast mich heute vom Ackerland verjagt und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und wer mich findet, wird mich erschlagen.
Gen 4,15 Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.
Gen 4,16 Dann ging Kain vom Herrn weg und ließ sich im Land Nod nieder, östlich von Eden.

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Die Nachkommen Kains
Gen 4,17 Kain erkannte seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Henoch. Kain wurde Gründer einer Stadt und benannte sie nach seinem Sohn Henoch.
Gen 4,18 Dem Henoch wurde Irad geboren; Irad zeugte Mehujaël, Mehujaël zeugte Metuschaël und Metuschaël zeugte Lamech.
Gen 4,19 Lamech nahm sich zwei Frauen; die eine hieß Ada, die andere Zilla.
Gen 4,20 Ada gebar Jabal; er wurde der Stammvater derer, die in Zelten und beim Vieh wohnen.
Gen 4,21 Sein Bruder hieß Jubal; er wurde der Stammvater aller Zither- und Flötenspieler.
Gen 4,22 Auch Zilla gebar, und zwar Tubal-Kajin, der die Geräte aller Erz- und Eisenhandwerker schmiedete. Die Schwester Tubal-Kajins war Naama.
Gen 4,23 Lamech sagte zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört auf meine Stimme, / ihr Frauen Lamechs, lauscht meiner Rede! / Ja, einen Mann erschlage ich für eine Wunde / und einen Knaben für eine Strieme.
Gen 4,24 Wird Kain siebenfach gerächt, / dann Lamech siebenundsiebzigfach.

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Die Nachkommen Sets
Gen 4,25 Adam erkannte noch einmal seine Frau. Sie gebar einen Sohn und nannte ihn Set (Setzling); denn sie sagte: Gott setzte mir anderen Nachwuchs ein / für Abel, weil ihn Kain erschlug.
Gen 4,26 Auch dem Set wurde ein Sohn geboren und er nannte ihn Enosch. Damals begann man den Namen des Herrn anzurufen.
(uebrigens bin ich an euren Gedankengaengen zum Text auch interessiert..... ihr duerft also gern mit philosophieren)

































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