Montag, 22. Dezember 2014

929 - Perek aleph ( פרק א) Genesis, Kapitel 1

Text gemaess Buber-Rosenzweig

Text von BeReshith 1,1-2,4a nach der Verdeutschung der Schrift von M. Buber u. F. Rosenzweig (auch als Tb: Die Schrift Tb)
Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.
Finsternis über Urwirbels Antlitz.
Braus G'ttes schwingend über dem Antlitz der Wasser.
G'tt sprach: Licht werde! Licht ward.G'tt sah das Licht: daß es gut ist.
G'tt schied zwischen dem Licht und der Finsternis.
G'tt rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!
Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.
G'tt sprach:
Gewölb werde inmitten der Wasser
und sei Scheide von Wasser und Wasser!
G'tt machte das Gewölb
und schied zwischen dem Wasser,
das unterhalb des Gewölbs war
und dem Wasser, das oberhalb des Gewölbs war.
Es ward so.
Dem Gewölb rief G'tt: Himmel!
Abend ward und Morgen ward: zweiter Tag.
G'tt sprach:
Das Wasser unterm Himmel staue sich an einem Ort,
und das Trockne lasse sich sehn!
Es ward so.
Dem Trocknen rief G'tt: Erde!
und der Stauung der Wasser rief er: Meere!
G'tt sah, daß es gut ist.
G'tt sprach:
Sprießen lasse die Erde Gesproß,
Kraut, das Samen samt,
Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist,
auf der Erde!
Es ward so.
Die Erde trieb Gesproß,
Kraut, das nach seiner Art Samen samt,
Baum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist.
G'tt sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: dritter Tag.
G'tt sprach:
Leuchten seien am Gewölb des Himmels,
zwischen dem Tag und der Nacht zu scheiden,
daß sie werden zu Zeichen, so für Gezeiten so für Tage und Jahre,
und seien Leuchten am Gewölb des Himmels, über die Erde zu leuchten!
Es ward so.
G'tt machte die zwei großen Leuchten,
die größre Leuchte zur Waltung des Tags
und die kleinere Leuchte zur Waltung der Nacht,
und die Sterne.
G'tt gab sie ans Gewölb des Himmels,
über die Erde zu leuchten, des Tags und der Nacht zu walten,
zu scheiden zwischen dem Licht und der Finsternis.
G'tt sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: vierter Tag.
G'tt sprach:
Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebender Wesen,
und Vogelflug fliege über der Erde
vorüber dem Antlitz des Himmelgewölbs!
G'tt schuf die großen Ungetüme
und alle lebenden regen Wesen, von denen das Wasser wimmelt,
nach ihren Arten,
und allen befittichten Vogel nach seiner Art.
G'tt sah, daß es gut ist.
G'tt segnete sie, sprechend:
Fruchtet und mehret euch und füllt das Wasser in den Meeren,
und der Vogel mehre sich auf Erden!
Abend ward und Morgen ward: fünfter Tag.
G'tt sprach: Die Erde treibe lebendes Wesen nach seiner Art, Herdentier, Kriechgerege und das Wildlebende des Erdlandesnach seiner Art!
Es ward so.
G'tt machte das Wildlebende des Erdlands nach seiner Art
und das Herdentier nach seiner Art
und alles Gerege des Ackers nach seiner Art.
G'tt sah, daß es gut ist.
G'tt sprach:
Machen wir den Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis!
Sie sollen schalten über das Fischvolk des Meeres,
den Vogel des Himmels, das Getier, die Erde all,
und alles Gerege, das auf Erden sich regt.
G'tt schuf den Menschen in seinem Bilde,
männlich, weiblich schuf er sie.
G'tt segnete sie,
G'tt sprach zu ihnen:
Fruchtet euch und mehret euch und füllet die Erde
und bemächtigt euch ihrer!
schaltet über das Fischvolk des Meers, den Vogel des Himmels
und alles Lebendige, das auf Erden sich regt!
G'tt sprach:
Da gebe ich euch
alles samensäende Kraut, das auf dem Antlitz der Erde all ist,
und alljedem Baum, daran samensäende Baumfrucht ist,
euch sei es zum Essen,
und allem Lebendigen der Erde, allem Vogel des Himmels,
alles, was auf Erden sich regt, darin lebendes Wesen ist,
alles Grün des Krauts zum Essen.
Es ward so.
G'tt sah alles, was er gemacht hatte,
und da, es war sehr gut.
Abend ward und Morgen ward: der sechste Tag.


Etgar Karat, Schriftsteller, laesst uns an seinen Gedanken zum Text teilhaben. 
Er erinnert sich an das erste Mal, dass er das Kapitel aleph, Bereshit las. Damals fragte er sich, "was geschah wohl in Perek Null, bevor es hiess "Am Anfang schuf G-tt...." 
Er fragte sich: Jedem Vorgang, jeder Tat, geht immer eine andere Tat voraus, zu allem gibt es etwas, was "davor" war. Was war wohl vor dem Wort "Am Anfang.." vor dem Himmel, vor der Finsternis und vor dem Licht? Bewahrt der Tanach ein Geheimnis vor uns? Das Geheimnis, was DAVOR war? Ein Mysterium? Einerseits aengstigte ihn diese Vorstellung, dass es etwas DAVOR gegeben haben mag, was nicht mal in Worte auszudruecken ist. Andererseits erfuellte es ihn mit Hoffnung. Hoffnung, dass es fuer jeden moeglich ist, "bis hierher", und nicht weiter" zu sagen, wenn es allzu schrecklich wird, jeder kann im Grunde jeden Tag einen neuen Anfang machen, das Schreckliche, Unaussprechliche hinter sich lassen, so wie er es von den Shoa-ueberlebenden kannte. Jeder kann sich einen neue Welt aufbauen, wenn er sich dazu entschliesst. Jeder, sogar G-tt. 

Meine eigenen Gedanken zum ersten Satz der Bibel ueberhaupt:
ich werde sicher nie vergessen, wie mein bester Freund, nicht religioeser Jude, mir den Text der Tora auf hebr. naeherbrachte. Ausgerechnet er. 
Er kopierte mir aus seinem Tanach die erste Seite und las mir vor: Bereshit bara Elokim et haShamaym veet haAretz" und fuegte hinzu: "Jetzt du! Sprich nach: Bereshit....!"
Ich stammelte unwissend diesen ersten Satz, und Jakob bat mich ihn noch mehrmals zu wiederholen. 
Ich denke, dass ausgerechnet dieser nicht religioese Jakob Werkzeug von G-ttes Fuegung war in diesem Moment. Dann von da an liess mich die Tora, der Tanach, nicht wieder los. Es war ein Funke, der in mir verborgen war, zu einer kleinen Flamme entfacht worden, die nicht mehr verloeschen wollte bis zum heutigen Tag. Ich hatte "angebissen". 
Ich bin unglaublich dankbar dafuer, dass mir jemand ueber den Weg geschickt wurde, der mir die Augen oeffnete, mir etwas zeigte, was ich vorher nicht begriff. 
Von da an war mir auch klar, dass ich mit einer deutschen Uebersetzung auf Dauer niemals hinter all die Wortverbindungen, die durch Wurzelverwandtschaft des hebr. Wortes entstehen, wuerde blicken koennen. 
 

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