Mittwoch, 31. Dezember 2014

Noachs Schuldgefuehle oder "das Trauma der Ueberlebenden"

Rivka Neeman schildert in ihrem eindrucksvollen Artikel das Trauma aller Ueberlebenden .
Das pastoralische Bild, riesige Arche auf den Wassern, Tierpaare, ein gerechter alter Mann mit Rauschebart, eine Taube mit Oelzweig und ein Regenbogen lassen fast die Schattenseite der Geschichte vergessen.
denn es gibt auch weinende Kinder, alte Menschen, die alle nach und nach begreifen, dass sie in Kuerze ertrinken werden. Grauen und Panik ergreift die Menschen, sie versuchen sich mit letzter Kraft an der Arche festzuhalten, flehen Noach an, sie hereinzulassen, aber Noach hat sich verpflichtet, sein Herz zu verhaerten und ihre Hilferufe zu ignorieren.Schreckliche Schreie, und dann - die grosse Stille.
Waehrend wir es uns aussuchen koennen ob wir uns das grauenvolle Szenario vorstellen oder nicht, muss Noach mit den Erinnerungen leben. Die Bilder werden ihn Zeit seines Lebens verfolgen und begleiten.
Die "Schuld der Ueberlebenden" ist eine bekannte psychologische Erscheinung und man spricht von ihr vor allem in Verbindung mit den Grauen der Shoa..
Ueberlebende fragen sich in den meisten Faellen, ob es gerecht war, dass sie ueberlebt haben, waehrend andere ihr Leben liessen und ob sie wirklich genug getan haben um andere zu retten.
Sogar die naive Freude darueber, gerettet worden zu sein kann umschlagen in ein Schuldgefuehl. Wie kann ich mich freuen, waehrend andere getoetet wurden.
Es gibt weitere wichtige Funktionen dieser Gefuehle, aus psychologischer Sicht.
Sie bewahren das moralische Empfinden des Ueberlebenden. "Wenn es in mir Schuldgefuehle gibt, dann kann  ich ja kein unmoralischer Mensch sein.
Dies fuehrt dazu, dass der Mensch in einer gewissen Weise die Kontrolle behaelt, statt in voelliger Hilflosigkeit zu versinken.
Noach muss sein Leben lang mit diesen Erinnerungen leben.
Vielleicht ist das ja der Grund, warum er sich betrank in besagter Nacht in seinem Zelt. Vielleicht wollte er sich betaeuben, einfach nur vergessen.
Vielleicht wollte er uns aber auch einfach nur die Botschaft uebermitteln, dass auch er nur ein Mensch ist.


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