Samstag, 13. Dezember 2014

Parashat Vajeshev - וישב

Heute und gestern habe ich viele interessante Gesichtspunkte zur Parasha gehoert und gelesen, die sich alle irgendwie harmonisch ergaenzten. 
Ich versuche wieder einmal, all das zusammenzufassen, was in meinem Kopf ist, garantiere aber nicht fuer Vollstaendigkeit.

Unsere Parasha beginnt mit den Worten
וישב יעקב בארץ מגורי אביו בארץ כנען....
(Jakob blieb in dem Lande wohnen in dem seine Vaeter wohnten, im Lande Kanaan..)
Die Tragik nimmt ihren Lauf. Jakob weiss, dass er vom Vater (Jitzchak oder Isaak) nicht geliebt wurde, sein Liebling war Esau.
Weiter heisst es
אלה תולדות יעקב יוסף בן-שבע-עשרה שנה
(dies ist die Familiengeschichte Jakobs, Josef war 17 Jahre alt, ...)
Sehr merkwuerdig, die Familiengeschichte Jakobs beginnt mit der Tatsache, dass Josef 17 Jahre alt war. Verschiedene Auslegungen interpretieren diesen Einstieg mit der Annahme, dass Jakob all das, was er von seinem eigenen Vater nicht bekommen hat, nun in Josef hineinprojiziert. All seine Liebe stuelpt er ihm ueber, so, dass Josef keinen eigene Identitaet entfalten kann. 
So heisst es weiter
היה רעה את-אחיו בצאן
(er huetet mit seinen Bruedern die Schafe..)
 Das Problem ist, dass dort nicht das Wort "mit" steht (עם), sondern der Akkusativ, was bedeutet, dass er nicht wirklich MIT ihnen war. Josef ist ein Outsider innerhalb der Brueder, er ist ein Fremdling unter ihnen und spuert die Fremdheit (ניכור)
Sein Vater macht aus ihm einen unbeliebten Bruder, er macht ihn zum Star, erhebt ihn ueber seine Brueder, denn er liebt ihn mehr als die anderen Brueder, da Josef der Sohn ist, der ihm im Alter geboren wurde. Die Weisen sagen, dass Jakob auch allein mit Josef Tora lernte. 
Und dann tut er etwas absolut Schreckliches. Er macht ihm ein Hemdchen mit Streifen, nur ihm schenkt er ein solches. 
 וישראל אהב את-יוסף מכל-בניו כי-בן-זקנים היא לו ועשה לו כתנת פסים
(Israel (Jakob) liebte Josef mehr als alle seine Brueder, weil er ihm im Alter geboren worden war, und so machte er ihm ein Hemdchen mit Streifen)
 Die Streifen - so war es heute im Shiur zu hoeren - setzen noch etwas obendrauf, nun ist Josef tatsaechlich wie "hinter Gittern". 
Etwas Eigenes hat er nicht, und das einzige Gespraechsthema mit den Bruedern ist, wie sehr er ihnen doch ueberlegen ist. Das verspricht auf keinen Fall Familienfrieden. 
Sie hassen ihn, die Brueder, fuer das Hemdchen oder Maentelchen, was der Vater ihm schenkte, nur noch mehr. 
Dann erzaehlt Josef von seinem Traum, wirklich nicht sehr feinfuehlig von ihm, aber er sieht eben nur sich selbst und will seine Sonderstellung unterstreichen
ויאמר אליהם שמעו-נא החלום הזה אשר חלמתי: והנה אנחנו מאלמים אלמים בתוך השדה והנה קמה אלמתי וגם-נצבה והנה תסבינה אלמתיכם ותשתחוין לאלמתי
(.....er erzaehlte ihnen. Hoert einmal was ich fuer einen Traum getraeumt habe. Wir waren auf dem Feld beim Garbenbinden. Meine Garbe richtete sich auf und blieb stehen, eure Garben stellten sich rings herum und verneigten sich vor meiner Garbe....)
 Die Brueder reagieren entsprechend, und fragen, ihn, ob er wohl ueber sie Koenig werden will und sie  beherrschen will?

Josef macht weiter und erzaehlt auch seinen naechsten Traum, der davon handelt, dass sich die Sonne und der Mond und 11 Sterne vor ihm verneigen. 
Nachdem der Vater davon hoert, ist auch er ein wenig ungehalten und fragt Josef ob sein Vater und seine Mutter und die 11 Brueder sich nun vor ihm verneigen sollen?
Der Vater Jakob laesst die Brueder allein zum Schafe hueten ziehen, und wie es die Weisen sagen, bleibt er allein mit Josef zu Hause um Tora zu lernen. Das wissen auch die Brueder. Und Jakob macht den naechsten Fehler, er schickt Josef mutterseelenallein hinter den Bruedern her, um nach ihnen zu sehen. 
Josef geht los und verirrt sich. Da erscheint ein Mann, anscheinend ein Engel und dieser fragt ihn, was er sucht. 
Josef antwortet
את-אחי אנכי מבקש הגידה-נא לי איפה הם רעים
(meine Brueder suche ich, sage mir doch bitte, wo sie hueten?)
Der Mann erwidert ihm, dass die Brueder nach Dotan weitergezogen sind und Josef macht sich auf den Weg. Von weitem sehen ihn die Brueder schon, und beschliessen, ihn umzubringen und in eine Grube zu werfen. Ruben ueberzeugt dann die Brueder, dass man ihn in die Grube werfen kann, aber nicht umbringen muss. Als Josef sich naehert, packen sie ihn und ziehen ihm seinen Leibrock aus, werfen ihn anschliessend in die Grube. Als sie sich dann niedersetzen zum Essen, sehen sie eine Karawane von Ismaeliten naeherkommen, ihre Kamele tragen Waren, die sie nach Aegypten transportieren wollen. 
Jehuda bringt dann zum Ausdruck, dass es doch besser ist, den eigenen Bruder nicht umzubringen, sondern ihn evtl. an die Ismaeliten zu verkaufen. 
Nun kommen midianitische Kaufleute vorbei, holen Josef aus der Grube und verkaufen ihn an die Ismaeliten. Als die Brueder zur Grube kommen, ist diese schon leer. 
Ruben ist entsetzt und zerreisst seine Kleider. 
Die Brueder tauchen Josefs Rock in das Blut eines geschlachteten Ziegenbockes und bringen es dem Vater. 
Dieser versinkt in tiefer Trauer.
Josef unterdessen, wird nach Aegypten gebracht und dort dem Potifar, dem Kaemmerer des Pharao verkauft. 
(Nun wird die Geschichte von Juda, seiner Heirat mit der Tochter eines Kanaaniters und der Geburt der drei Soehne erzaehlt. Jehuda verheiratet den ersten Sohn Er mit Tamar. Er stirbt und nun fordert Jehuda Onan, den zweiten Sohn auf, Tamar zu heiraten, um seinem ersten Sohn nach seinem Tode noch Nachkommen zu verschaffen. Aber auch Onan stirbt. Den dritten Sohn, Shela enthaelt Jehuda der Tamar vor, wohl aus Angst, auch dieser koenne sterben. Jehudas Frau stirbt, und als Jehuda zur Schafschur geht, trifft er auf eine Hure am Wegesrand. Sie ist seine verkleidete Schwiegertochter. Er hat mit ihr Geschlechtsverkehr und sie wird schwanger. 
Hier werden wichtige Parallelen gezogen zur Geschichte von Josef. Wie Josef durchlaeuft auch Jehuda eine Transformation. Erst, als er anweist, seine Schwiegertocher zu verbrennen, da sie gehurt hat, und Tamar ihm die drei Dinge schickt, die sie von ihm als Pfand bekam, wird ihm klar, dass er der Vater des Kindes ist, welches sie unter dem Herzen traegt. Seine Worte: צדקה ממני , was soviel heisst wie "sie ist im Recht gegen mich, kennzeichnen den Wendepunkt.)

Weiter geht es in Aegypten. Josef kann sich wieder in Beliebtheit sonnen, wie im Vaterhaus, man ehrt ihn, wieder sieht er nur sich selbst. 
Dann geschieht die Geschichte mit der Frau Potifars, die ein Auge auf ihn geworfen hat. Sie will ihn verfuehren und macht ihm ein sehr eindeutiges Angebot. 
Rav Benni gibt zu bedenken, dass zwar Josef am Ende das Angebot ausschlaegt und der Verfuehrung widersteht, dass er aber zunaechst mit dem Feuer spielt. 
Er weiss genau, dass die Frau Potifars allein zuhause ist, dennoch geht er zu ihr. Zunaechst. Das Wort 
וימאן
(er weigerte sich)
ist mit einem merkwuerdigen Zeichen ueber dem Aleph versehen, (der Baal Kore, der aus der Tora liest am Shabbat, muss das Wort sehr in die Laenge ziehen...)
Dieses Zeichen wird dahingehend interpretiert, dass die Weigerung Josefs nicht so eindeutig und klar von Anfang an war, sondern dass es im Innern Josefs ziemlich hin und her ging. 
Rav Benni: "Was ist in einem Palast vorhanden? Viele Spiegel. Als Josef ploetzlich sein Antlitz in einem der Spiegel sieht, sieht er das Antlitz seines Vaters. Warum? Weil Josef aelter geworden ist und nun dem Vater mehr und mehr aehnelt. In diesem Augenblick weiss er, was er tun muss. Er fluechtet. 
Doch die Gattin Potifars kann ihm im letzten Augenblick das Hemd vom Leib reissen und dieses spaeter als Beweis praesentieren, dass Josef sie verfuehren wollte. 
Das bringt ihn ins Gefaengnis, - das 2. Mal ist er in die Grube geworfen worden. 

Und erst dort geschieht die Transformation Josefs. Das Charisma ist fort, seine Sonderstellung ist zwar auch dort zu spueren, indem er als Aufseher ueber die anderen Gefangenen fungiert, aber zum ersten Mal in seinem Leben dreht er sich nicht nur um sich selbst. 
Zum ersten Mal "hoert er anderen zu". 
Und G-tt ist wirklich mit ihm. 
Wie ich es heute in einem Shiur hoerte : G-tt ist mit denen, die zuhoeren koennen. 

Sowohl mit Josef als auch mit Jehuda hat G-tt grosse Dinge vor. Josef wird spaeter die Familie retten vor der Hungersnot und ebnet den Weg des Volkes Israel. Jehuda ist der Vater von Peretz, der wiederum ein Vorfahre von Koenig David ist. 

Keine Kommentare: