Dienstag, 9. Dezember 2014

Shiur ueber Torat Rabbi Nachmann - lass los, dann bist du frei und gluecklich und kannst anfangen zu leben

Entschuldigt, wenn die Gedanken zum heutigen Shiur und Widergeben des heutigen Abends - wie immer - etwas chaotisch wird. (Alles selbstverstaendlich ohne Gewaehr).

Geschichte vom Rabbi Nachmann
Hintergrund : Europa Ende des 18.Jhdts, Chaos, aber auch Hoffnung, industrielle Revolution, Umbruch, aber auch fuer die Juden eine schreckliche Zeit mit Pogromen usw. viele Juden werden umgebracht.
Das Judentum befindet sich in einem manisch-depressiven Zustand.
Die Menschen schieben den Glauben an G-tt beiseite und wollen selbst herrschen
In diesem Chaos erzaehlt Rabbi Nachman die folgende Geschichte, voraussehend, wohin das alles fuehren wird.

Ein Koenig hatte einen einzigen Sohn. Und eines Tages uebergab er ihm - noch waehrend er sich des Lebens erfreute - die Herrschaft.
(in den Geschichten von Rabbi Nachman steht der Koenig fuer G-tt, und der Sohn ist entweder das Volk Israel oder ein Weiser, Gerechter, oder einfach der Mensch, egal ob Jude oder nicht Jude, denn Nachmans Geschichten sind universal, nicht unbedingt auf Juden beschraenkt)
Dass in diesem Falle der Koenig selbst die Herrschaft abgibt, und nicht wie in der Realitaet, die Menschen ihn (G-tt) beiseite schieben, ist der Tatsache zu verdanken, dass G-tt die Faehigkeit hat, den Menschen das Feld zu ueberlassen, er koennte sich einmischen aber er tut es nicht, er zieht sich zurueck. Nur so ist es ueberhaupt moeglich, dass der Mensch die Herrschaft an sich reisst und meint es gaebe keinen G-tt, nur mit dem Einverstaendnis G-ttes fuer das was passiert, ist dies moeglich.

Dieser Koenig gibt ein Festmahl zu Ehren des Sohnes und sagt ihm :
"Du hast die Herrschaft, aber wisse, dass alles ein Ende hat, auch deine Herrschaft. Wenn dir das klar ist, dann kannst du dich wirklich der Herrschaft erfreuen und regieren.
Ansonsten bist du staendig damit beschaeftigt, aengstlich an dem festzuhalten was du hast mit grosser und permanenter Angst davor, all das zu verlieren. Ist dir aber klar, dass du nur eine gewisse Phase herrschst, so musst du keine Angst vor dem Verlust haben und kannst jeden Tag neu (und gut) herrschen"

Gtt sagt zu uns: Wisse, dass du auf dieser Erde nur eine begrenzte Zeit bist. Wenn du das weisst, erst dann, kannst du jeden Tag wirklich leben, und haeltst nicht aengstlich an Dingen fest.
Erst wenn du die Dinge, die du hast, loslassen kannst, faengst du an, zu leben, weil du so jeden Tag erneut geschenkt bekommst.
Rav Wilk sagt, dass er bei Hochzeiten gern folgendes sagt: "Wenn das Glas zertreten wird, sagen viele, dies sei die Erinnerung an die Zerstoerung des Tempels, also die Erinnerung an die Vergangenheit. Das Gegenteil ist aber der Fall, es soll euch erinnern an die Zukunft, die Zukunft, die endlich ist, dass alles ein Ende hat." Klingt ernuechternd bei einer Hochzeit? Nun, es soll aber gleichzeitig sagen, dass erst mit diesem Bewusstsein, man sich jeden Tag erneut verheiratet.
Ein Zeichen dafuer ist die Ktuba, die man unterschreibt, bereits am Tag der Hochzeit. In ihr steht geschrieben, wie man sich arrangiert wenn man sich scheiden laesst, welche Summe der Ehemann der Frau auszahlen muss, im Falle der Scheidung.
Wie denkt man schon an Scheidung am Tag der Hochzeit? Auch das zeigt, "Wisse, dass es auch zuende gehen kann..."
Erst mit dem Wissen, dass alles zuende geht (gehen kann), kannst du bewusst jeden Tag leben, in diesem Falle gemeinsam leben.

Der Koenig sagt weiter: Wenn du dich freust, ist die Freude auch bei mir, aber auch wenn du traurig bist, ist die Freude bei mir.
Wenn du traurig bist, weil du nicht loslassen kannst und dich innerlich nicht von den Dingen befreien kannst, regiere ich wieder, es ist also fuer G-tt- fuer den Koenig - eine Win-Win-Situation.

Denk an den Tag deines Todes, dann erst kannst du leben.
(memento mori z.B. im Christentum des Mittelalters, "gedenke des Todes"

Das alles ist absolut genau das, womit ich mich in der letzten Zeit innerlich beschaeftige, im Grunde die Frage: "Was soll das alles, wir leben, jeden Tag aufs Neue, jeden Tag faengt alles wieder neu an, und wir freuen uns wenn der Tag herum ist, die Arbeit beendet, wir nach Hause gehen koennen, aber das bedeutet auch, einen Tag des Lebens wieder gelebt zu haben. Vorbei. That´s it. Warum freuen wir uns also so darauf, dass der Tag endet? Wo ist der Sinn des Ganzen?
Die Zeit rast und heute ist schon wieder Dienstag, morgen Mittwoch, am Donnerstag schon wieder Wochenende.
Dass wir uns Dinge anschaffen, die uns erfreuen ist nicht verwerflich, aber erst wenn wir akzeptieren, dass wir auch auf sie verzichten koennen, sind wir frei, koennen ohne Angst vor dem eventuellen Verlust, richtig leben. Ansonsten bringt uns der Erwerb von Besitztum nur Angst und Sorge darum ein.
Leider haben wir nun 14 Tage Chanukka-Pause vom Rabbi Nachman.

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