Donnerstag, 15. Januar 2015

929 - das letzte Kapitel fuer diese Woche - erst morgen!

Ich bin ein Jammerlappen, und manchmal schnell ueberlastet. 
Irgendwann habe ich mal ueber all die "Multitasker" hier gesprochen, einschliesslich meine 10 Jahre aeltere Freundin, die irgendwie von Event zu Event hopst, gleichzeitig, kocht, telefoniert ( mit dem Telefonhoerer unter dem Kinn... wo ich schon Nackenschmerzen beim Zuschauen bekomme), mit ihrem Mann spricht und den abendlichen Shiur plant. 
Ich bewundere das und gleichzeitig merke ich, wie wenig ich das hinbekomme. 
Als mich meine Freundin heute abend anschrieb und fragte, ob ich mit zum Shiur zur Ramban-Synagoge gehe, kam ich gerade von meiner Malka wieder, bei der ich nach 8 Std. Arbeit (im stroemenden Regen gelaufen, voellig durchnaesst, nasse Fuesse und Schuhe) auch noch war. Ich hatte noch das Putzen fuer Shabbat vor mir und im Grunde haette ich direkt danach natuerlich "mal eben zum Shiur" gehen koennen. 
Aber - ich kann nicht, wirklich nicht. Der Winter tut ein uebriges, ich bin einfach voellig fertig, nach Stunden im Regen. Jeder Handgriff wird zum Staatsakt, sogar wenn das Telefon klingelt in der Tasche, ist es muehselig, es aus der Tasche zu kramen, waehrend man den Schirm balancieren muss, um nich voellig nass zu werden. Nicht nur das, ich persoenlich muss auch noch nach meiner Lesebrille suchen, falls eine Nachricht eingeht, oder ich mir etwas notieren muss. Die andere "normale" Sehbrille muss dann in die Tasche wandern. 
Das hoert sich alles nicht so dramatisch an, aber bei dem Wetter ist es fuer mich einfach schwer, zumal ich immer noch huste und meine Nase seit einem Monat unaufhoerlich laeuft. (das heisst ebenfalls, alle paar Minuten ein Taschentuch aus der Tasche ziehen, Schirm balancieren, Nase putzen... )
Ja, und dann wenn es endlich voellig durchnaesst nach Hause geht, kann ich mir nicht vorstellen, nach dem Hausputz, der Dusche und dem Klamottenwechsel wieder loszurasen. 
Ich moechte nur noch Ruhe, in aller Ruhe die Wohnung auf Vordermann bringen und dann - auch in aller Ruhe - etwas essen, mit der Waermflasche im Ruecken. 

Heute morgen war ich schon ganz frueh zu einem Termin im Hadassa-hospital in der Schmerzambulanz. Auf diesen Termin hatte ich 3 1/2 Monate gewartet. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich seit meiner Herz-OP vor nun fast 5 Jahren an Ruecken-Schulter-Arm-schmerzen leide, die mal mehr und mal weniger schlimm sind, mich aber stets begleiten. 
Die Aerztin hat mir dann eine Art Akupunktur-Behandlung vorgeschlagen. (es ist keine Akupunktur, wie sie mir erklaerte, die Nadeln bleiben auch nicht fuer eine Zeit in der Haut stecken, sondern werden sofort wieder herausgezogen)
Ich war nach der Behandlung leichter und hatte ein warmes Gefuehl. Das tat gut - nur waere ich danach wirklich gern nach Hause gegangen, statt noch 7 Stunden im Regen von A nach B zu rennen. 
Es sollen insgesamt 3-4 Behandlungen werden, und der naechste Termin ist schon in - jetzt haltet euch fest - 3 Monaten!
Ob das alles wirklich etwas bringt, bei so einem grossen Abstand, ist mir schleierhaft, und wenn ich Privatpatient waere, dann waere auch sicher ein frueherer Termin freigewesen. Naja.. leider bin ich nur ganz normal versichert. 
Mal sehen, wie es weiter geht. 

Jedenfalls frage ich mich nach diesem Abend, an dem ich so schnell unter Druck geriet, wie meine Freunde das machen, immer aktiv, immer unterwegs, von Shiur zum Geburtstag zum Literaturkreis und zur Uni, und das im Alter von ueber 65, also gute 10 Jahre ( manche 20 jahre) aelter als ich. 
Selbstverstaendlich ruhen sich meine Freunde auch nicht am Wochenende aus, sondern laden ein und bereiten dafuer dann schon ab Donnerstag alles vor. Ich habe auch gern Gaeste aber ich brauche Zeit und Energie dafuer
Ich bin eine Memme, ich weiss. Ich bin platt am Wochenende und an den Abenden. 
Und schon heute weiss ich, wenn es weiter so regnet, dann moechte ich auf keinen Fall morgen abend zu meiner Einladung gehen, um dort voellig durchnaesst anzukommen. Da man am Shabbat keinen Schirm benutzt, wuerde es auch um einiges dramatischer sein. 

Jetzt ist es erst kurz vor 22h und ich werde mich mit meiner Waermflasche gleich ins Bett begeben, etwas lesen und - wie ich mich kenne - nach spaetestens ein paar Seiten wird mir das Buch aus der Hand fallen...

Wisst ihr was ich unglaublich vermisse und was mir jetzt so richtig gut tun wuerde? Ein heisses Vollbad. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dieses allseits so verherrlichte "multitasking" empfinde ich persönlich als ein Krankheits-Symptom unserer schnell-lebigen Zeit, in der jeder nur noch gehetzt irgendwelchen Dingen/Tätigkeiten/vermeintlichen Pflichten nachrennt. Ich habe damit begonnen, meinen Alltag - so gut es eben geht - ganz bewusst zu ent-schleunigen um auf diese Weise mehr Achtsamkeit in den Moment zu bringen - durch diese Achtsamkeit entsteht Gelassenheit, innere Ruhe und Frieden. Ich würde nach einem 8-Std. Tag auch nirgends mehr hin wollen sondern es mir zu Hause gemütlich machen und auch das Telefon ausschalten. Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.
"Herr", fragten sie "was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du."
Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."
Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: "Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?"
Es kam die gleiche Antwort: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich."
Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: "Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."

Marianne

NOA hat gesagt…

Ja, Marianne,
das ist es auch.
Ich habe mal vor Jahren viel meditiert und war damals auch bemueht Achtsamkeit zu ueben. Es war damals das Bestreben danach, was ich heute empfinde, auf ganz natuerliche Art. Ich wollte diesen Zustand erreichen.
Und nun? Nun kann ich fast gar nicht anders, ich bin so wenig "Multitasker" dass man mich schon durcheinander bringen kann, wenn ich etwas tue (im Buero) und man fragt mich etwas zwischendurch, dann muss ich erstmal einen Moment nachdenken, um aus dem, was ich gerad tue herauszukommen.
Im Grunde ist es der Zustand den ich haben wollte.
Und im Grunde ist es auch viel gesunder, das ist mir klar. Daher - ich versuche es, wo immer es geht, denn der Alltag ist schnelllebig genug.
Gruss von Noa