Sonntag, 4. Januar 2015

929 פרק אי Genesis Kap. 11

Worte zu Perek 11 Genesis von Rav Yuval Sherlo (Jeshiwat Orot Shaul)

 "Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte". 
Ist das, was beschrieben wird, nur eine objektive Beschreibung der Wirklichkeit, oder schon eine "Verurteilung" der Situation? 
Viele lesen aus dem Passuk eine Kritik heraus: Die Wurzel allen Uebels ist eine Gesellschaft, in der alle die gleiche Sprache haben und alle einer Meinung sind. Dies kann dazu fuehren, dass man ueber den Einzelnen hinwegtrampelt. Ein System des Zwanges (Gruppenzwang) , das die Freiheit und die freie Wahl des Einzelnen verneint - und am Ende wohl die Existenz des Einzelnen. 
Diese Auslegung findet man in den Worten der Weisen. 
Eine weitere Auslegung in negativer Hinsicht ist die Negierung von G-tt. Der Gedanke, dass eine undifferenzierte Macht es ermoeglicht, eine Stadt zu bauen, und einen Turm inmitten der Stadt als Symbol dafuer dass der Mensch erfolgreich und unabhaengig ist. 
Eine vielseitige Welt aber, beinhaltet auch Begrenztheit und den Mangel (an etwas.) Etwas, was im Anderen existiert, aber nicht in mir. Eigenschaften, die der Andere besitzt, ich jedoch nicht. Eine Welt, in der alle die gleiche Sprache sprechen, ist eine arrogante Welt, ueberheblich und verschlossen. Unser Kapitel lehrt uns, dass wir grundsaetzlich in einer bunten, vielseitigen Welt leben, manchmal ist das schwierig aber so wird vermieden, dass man in sehr negative Stroemungen von falscher Einigkeit abgleitet. 

Meine eigenen Gedanken: 
Wenn ich auf meinen Giur-prozess in Deutschland zurueckblicke, dann muss ich sagen, dass es selbst in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft manchmal schwierig ist, etwas zu tun, was nicht dem "Mainstream" entspricht. Der "Turmbau" in Deutschland sieht vor, dass man christlich orientiert ist, oder besser noch keiner Religion angehoert. Juden kennen viele nicht und was das Judentum beinhaltet auch nicht. Die Juden die man kennt sind "nett und unauffaellig", gehen in keine Synagoge und wollen auch keine "Extrawurst" (punkto Kosher essen, Shabbat halten usw.). Ich hoerte einmal einen Satz: "Ich kennen einen, der Jude ist, das ist der Jakob, aber der ist ganz nett."
Jemand, dem man seine religioese Ausrichtung nicht ansieht ist nett. Er faellt nicht auf. 
Anders aber jemand, der evtl. zu einer Hochzeit am Samstag abend erst um 23 dazustoesst, da dann der Shabbat in Deutschland im Sommer endet. 
All das habe ich erlebt und das in einer toleranten, pluralistischen Gesellschaft. Man nimmt nicht so ohne weiteres das "Andersartige" an und das Hinterfragen ist oft mit einem sehr skeptischen Unterton verbunden. Ein Mensch darf sich schon gar nicht nach 45 Lebensjahren des fast unauffaelligen Lebens eines anderen besinnen und neue Wege einschlagen, die sich sehr von den alten unterscheiden. 
Ich weiss, dass es fuer die unmittelbare Umwelt sicher nicht einfach ist, sich ploetzlich umzustellen. Moechten wir die Menschen doch - und das moeglichst lebenslang - in einer Schublade sehen, in die man sie anfangs hineingesteckt hat.





Gen 11,1 Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte.
Gen 11,2 Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an.
Gen 11,3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel.
Gen 11,4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
Gen 11,5 Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.
Gen 11,6 Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.
Gen 11,7 Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
Gen 11,8 Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen.
Gen 11,9 Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.


Die Vorfahren Abrahams
Gen 11,10 Das ist die Geschlechterfolge nach Sem: Sem zeugte im Alter von hundert Jahren Arpachschad, zwei Jahre nach der Flut.
Gen 11,11 Nach der Geburt Arpachschads lebte Sem noch fünfhundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,12 Arpachschad zeugte mit fünfunddreißig Jahren Schelach.
Gen 11,13 Nach der Geburt Schelachs lebte Arpachschad noch vierhundertdrei Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,14 Schelach zeugte mit dreißig Jahren Eber.
Gen 11,15 Nach der Geburt Ebers lebte Schelach noch vierhundertdrei Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,16 Eber war vierunddreißig Jahre alt, da zeugte er Peleg.
Gen 11,17 Nach der Geburt Pelegs lebte Eber noch vierhundertdreißig Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,18 Peleg war dreißig Jahre alt, da zeugte er Regu.
Gen 11,19 Nach der Geburt Regus lebte Peleg noch zweihundertneun Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,20 Regu war zweiunddreißig Jahre alt, da zeugte er Serug.
Gen 11,21 Nach der Geburt Serugs lebte Regu noch zweihundertsieben Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,22 Serug war dreißig Jahre alt, da zeugte er Nahor.
Gen 11,23 Nach der Geburt Nahors lebte Serug noch zweihundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,24 Nahor war neunundzwanzig Jahre alt, da zeugte er Terach.
Gen 11,25 Nach der Geburt Terachs lebte Nahor noch hundertneunzehn Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
Gen 11,26 Terach war siebzig Jahre alt, da zeugte er Abram, Nahor und Haran.
Gen 11,27 Das ist die Geschlechterfolge nach Terach: Terach zeugte Abram, Nahor und Haran; Haran zeugte Lot.
Gen 11,28 Dann starb Haran, noch vor seinem Vater Terach, in seiner Heimat Ur in Chaldäa.
Gen 11,29 Abram und Nahor nahmen sich Frauen; die Frau Abrams hieß Sarai und die Frau Nahors hieß Milka; sie war die Tochter Harans, des Vaters der Milka und der Jiska.
Gen 11,30 Sarai war unfruchtbar, sie hatte keine Kinder.
Gen 11,31 Terach nahm seinen Sohn Abram, seinen Enkel Lot, den Sohn Harans, und seine Schwiegertochter Sarai, die Frau seines Sohnes Abram, und sie wanderten miteinander aus Ur in Chaldäa aus, um in das Land Kanaan zu ziehen. Als sie aber nach Haran kamen, siedelten sie sich dort an.
Gen 11,32 Die Lebenszeit Terachs betrug zweihundertfünf Jahre, dann starb Terach in Haran.
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