Sonntag, 11. Januar 2015

929 פרק טז Genesis Kapitel 16

(929 , die Internetseite) 

Saraj versteht, dass sie wohl nicht schwanger werden wird und macht Awra(ha)m den Vorschlag, doch zu ihrer aegyptischen Magd Hagar zu gehen, um vielleicht "durch sie bekindet" zu werden. (bekindet werden, ist die Uebersetzung von Rosenzweig/Buber, anders uebersetzt "aus ihr mich aufbauen moege".) Buber/Rosenzweig erklaeren den Ausdruck so, dass es in frueheren Zeiten so war, dass die Magd auf den Knien der Herrin geboren hat, und dass Kind wie ein eigenes Kind galt.
In dem Moment wo Hagar schwanger wird, wird sie auch ueberheblich und schaut auf Saraj herab. Dies findet Missfallen in den Augen von Saraj, der Herrin und sie beklagt sich bei Awra(ha)m, der sich nicht in die Frauenzwistigkeiten einmischt, aber Saraj "freie Hand" gibt, mit ihr zu machen, was sie will.
Als Saraj dann beginnt, ihre Magd zu demuetigen, zu "(unter-)druecken", flieht Hagar, schwanger in die Wueste.
Bei einem Brunnen stoesst dann der Engel des Herrn auf sie und sie klagt ihr Leid, warum sie geflohen ist. Der Engel weist sie an, wieder zurueckzukehren, und sich wieder "unter die Hand der Herrin zu druecken" Gleichzeitig wird ihr grosser Lohn versprochen, unzaehlige Nachkommen werden ihr vorausgesagt. Und - sie solle ihren Sohn Jishmael nennen, da der HERR ihr Leid gehoert hat.
(ישמעאל= G-tt hat gehoert(wird hoeren)

Aus dem Gespraech von Rav Benni mit Liat Regev
Rav Benni: Hagar, aus dem Hause geschickt, allein in der Wueste - ausgerechnet dieser Zustand fuehrt sie zu einem Erlebnis der Offenbarung (G-ttes). Der Engel des HERRN spricht zu ihr und weist sie an, etwas sehr Schweres zu tun : Geh zurueck zu deiner Herrin und druecke dich unter sie" und er verspricht ihr, dass sie ein Kind bekommen wird und dieses Kind gross wird ... etc.. und ploetzlich erwacht sie aus diesem Erlebnis und nennt den Ort, an dem sie dieses Erlebnis hatte "Beer Lechai Roi" (באר לחי רואי) was sagen soll: Ich befinde mich in einer Art Brunnen wo du, G-tt mich siehst. Was fuer ein Erlebnis! Ein einsamer, verlassener Mensch, allein auf der Welt spuert ploetzlich: "Ich bin nicht allein. Da ist jemand, der mich sieht, der mich hoert." Und dieses Kind wird Jishma-E-l heissen. (G-tt hoert)
Liat Regev: Darin liegt eine unglaubliche Tiefe. Es ist die Rede von einer Geula (einer Erloesung) aus der Einsamkeit heraus. Sozusagen jede Verbindung mit G-tt aus der Einsamkeit heraus kann dich erloesen aus deiner Einsamkeit. Du bist tief verbunden mit etwas, was viel hoeher und groesser als du ist und du bist niemals wirklich allein, einsam. (Eine Idee, die beim Chassidismus sehr zum tragen kommt) Ich habe ueber die Diskrepanz nachgedacht, zwischen dem Brunnen, einem Ort der sehr tief in der Erde liegt, dort gibt es Wasser  - und DEM, der sieht, der sich "in den Hoehen" befindet.
Das Wasser symbolisiert in der Regel die Welt der Gefuehle, die Seele. Es gibt eine sehr tiefgreifende Erklaerung, die besagt: Wenn ich mich an einem sehr sehr tiefen Ort befinde, wenn ich mich dorthin begebe,  wo es meiner Seele schwer ist (und Hagar ist sicherlich sogar in einem Zustand der Depression, von Zuhause vertrieben, schwanger, wobei die Schwangerschaft fuer sich schon ein sehr emotionaler Zustand ist), befinde ich mich in einem tiefen Brunnen, in den Tiefen meiner Seele, von dort, von meinem Bauch, meinem Brunnen der Gefuehle kann ich mich verbinden mit etwas sehr sehr Grossem, Hohem, das mich "erloest" aus meiner Depression.

Meine Gedanken:
Ich bin fasziniert von diesen Ausfuehrungen, denn es trifft meine Einstellung auf den Punkt. In dieser Hinsicht bin ich wohl ein wenig "chassidisch" angehaucht, denn es gelingt mir viel eher, G-ttesnaehe zu spueren, wenn ich mich einer gewollten Einsamkeit befinde, in der Natur, ohne Menschen, allein. Vermeintlich allein. Ich spuere ebenfalls, dass ich NIE allein bin. Aber allein ohne andere Menschen und das kann ein wunderbares Erlebnis sein. So lernt man wahrhaftig die Tiefen der eigenen Seele kennen, auch die Abgruende. Sich die Abgruende einzugestehen, ist vielleicht nicht immer ein positives Erlebnis, aber auch meine Abgruende, meine Aengste, sie gehoeren zu mir, zu meiner Identitaet.
Das Verbinden mit der g-ttlichen Gegenwart kann ein sehr spirituelles, intimes Erlebnis sein.
Ein troestliches Erlebnis, denn fast immer fuehrt es zu der Erkenntnis (genauso wie bei Hagar) : Ich bin nicht allein.

Interessante Anmerkung zum Text von Rav Ofer Dover (Dozent fuer Tanach):
Dafuer, dass Saraj sich so schlecht benimmt, Hagar gegenueber (sie demuetigt und unterdrueckt), werden ihre Nachfahren spaeter bestraft werden (Mass fuer Mass, מידה כנגד מידה). 
Weil Sarah die Aegypterin Hagar gequaelt hat, so dass diese gezwungen war, in die Wueste zu fliehen, werden die Aegypter die Nachkommen Sarajs quaelen bis sie gezwungen sind, in die Wueste zu fliehen. 


Der Text:

1. Sarai, Abrams Weib, gebar ihm kein Kind. Sie hatte eine ägyptische Magd, die hieß Hagar.
2. Und sie sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, daß ich nicht gebären kann. Gehe doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht aus ihr mich aufbauen möge. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais.
3. Da nahm Sarai, Abrams Weib, ihre ägyptische Magd, Hagar, und gab sie Abram, ihrem Mann, zum Weibe, nachdem sie zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatten.
4. Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, daß sie schwanger war, achtete sie ihre Frau gering gegen sich.
5. Da sprach Sarai zu Abram: Du tust unrecht an mir. Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, daß sie schwanger geworden ist, muß ich gering sein in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir.
6. Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tue mit ihr, wie dir's gefällt. Da sie nun Sarai wollte demütigen, floh sie von ihr.
7. Aber der Engel des HERRN fand sie bei einem Wasserbrunnen in der Wüste, nämlich bei dem Brunnen am Wege gen Sur.
8. Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her, und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von meiner Frau Sarai geflohen.
9. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Frau, und demütige dich unter ihre Hand.
10. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deinen Samen also mehren, daß er vor großer Menge nicht soll gezählt werden.
11. Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, des namen sollst du Ismael heißen, darum daß der HERR dein Elend erhört hat.
12. Er wird ein wilder Mensch sein: seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und wird gegen alle seine Brüder wohnen.
13. Und sie hieß den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du Gott siehst mich. Denn sie sprach: Gewiß habe ich hier gesehen den, der mich hernach angesehen hat.
14. Darum hieß man den Brunnen einen Brunnen des Lebendigen, der mich ansieht; welcher Brunnen ist zwischen Kades und Bared.
15. Und Hagar gebar einen Sohn; und Abram hieß den Sohn, den ihm Hagar gebar, Ismael.
16. Und Abram war sechsundachtzig Jahre alt, da ihm Hagar den Ismael gebar.
(Genesis 16:1-16)

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