Dienstag, 27. Januar 2015

929 פרק כח Genesis Kapitel 28

Wir sind bei der wunderbaren Geschichte von Jakobs Traum. Die Leiter Jakobs, deren Spitze an den Himmel stoesst und die auf der Erde steht. 
Engel steigen auf und nieder an dieser Leiter. Wir hoeren haeufig von der Bedeutung, den Himmel mit der Erde zu verbinden, das Spirituelle mit dem Realen, Materiellen. 
Im Gespraech mit Rav Benni Lau erzaehlt Liat Regev, wie Minister Shai Peron die Geschichte sieht:
Im Passuk steht: HaSulam mutzav Artza ( וְהִנֵּה סֻלָּם מֻצָּב אַרְצָה) genau genommen heisst dies "die Leiter ist ZUR ERDE HIN gelegt" . Es stellt sich die Frage, wo sind die Fuesse und wo der Kopf, wo ist oben und unten, all das ist nicht sehr klar. Wo fangen wir an und wo gehen wir weiter? Eine ausgezeichnete Frage...
Rav Benni antwortet: "Shai Peron nimmt die Geschichte zu einem ueberraschenden Ort. Er sagt: Die Ideen, die Inspirationen sozusagen kommen vom Himmel - die Erde ist der Platz der Realisierung, der Umsetzung. Die Leiter soll Jakob eigentlich sagen, "du sollst dein ganzes Leben lang Bewegung erzeugen, die den Himmel mit der Erde verbindet. Es soll niemals ein Zustand der Unterbrechung, der Trennung entstehen."
Liat Regev: "Im Grunde ist das eine Idee, die haeufig im Judentum auftaucht, sie besagt "Du kannst nicht die ganze Zeit in Spiritualitaet leben, nur in hoeheren Sphaeren wandeln, abgeschnitten von der Realitaet um dich herum, alle Fuelle die du vom Himmel bekommst, Ideen, Erfindungen in unterschiedlichen Bereichen, wissenschaftlich oder geistig - du musst staendig alles ins Hier und Jetzt bringen - musst die Dinge erden, etwas fuer die Oeffentlichkeit beitragen."
Rav Benni: "Die Leiter als Ausdruck genau dieser Idee der Verbindung von Himmel und Erde fuehrt alle Welten des Judentums, die der Kabbala, der Chassidut und auch die einfache Auslegung, die besagt, es geht darum, wie wir diese Bewegung erzeugen koennen. Einmal willst du zum Himmel gelangen und  - dann zieht man dich mit Macht zurueck zur Erde. Man lehrt dich, dass du dich nicht vollstaendig trennen kannst und diese Bewegung des Hin und Hers ist in meinen Augen eines der groessten Wunder durch die der Mensch handelt und wirkt."
Liat R.: "Ich finde, dass dieses Hin und Zurueck an den Herzschlag erinnert. Wie der Mensch stroemt, und dann wieder zu sich zurueck kehrt, du stroemst - und kehrst wieder zurueck zu dir... 
Das ist das eigentliche Leben, wie die Verbindung von Mann und Frau, es gibt Annaeherung und dann wieder ein sich entfernen, wieder Annaeherung und wieder ein sich entfernen voneinander - das ist die Bedeutung des Lebens - du gehst zurueck und du kommst wieder, laedtst dich mit neuer Kraft auf und gehst wieder zurueck in die Situation."
Rav Benni: "Das ist eines der interessantesten Phaenomene. Du gehst... und willst eigentlich noch ein wenig weiter gehen. Und ploetzlich zieht dich etwas mit Macht zurueck um dir zu sagen: "Nein! Man steigt auf - aber dann wieder hinab, steigt auf - und wieder hinab. Manchmal ist der Wunsch, sich vollstaendig zu trennen so stark, aber man sagt dir: deine Verpflichtung ist es, hier auf der Erde zu sein. 
Wenn du dich aber ausschliesslich auf der Erde befindest, dann verpasst du etwas. Also lauf, lauf weiter, versuch etwas, wo du ueber dich selbst hinaus gehst - und so lebst du in dieser Spannung zwischen dem Wunsch geerdet zu sein, und dem Streben nach einem hoeheren Ort, einer hoeheren geistigen Ebene - und so sind wir staendig in einem Zustand von Auf und Ab, Spiritualitaet und Geerdet sein."

Wer sich das Gespraech auf hebr. anhoeren moechte:

Meine Gedanken dazu: 
Zunaechst einmal muss ich zugeben, dass mich das Gespraech sehr anspricht. Ich nehme diesen Anstoss mit in meine kleine Welt hier vor Ort. Wie oft passiert es, dass durch irgendeinen Anlass (ein Shiur, das Lesen einer Auslegung, Gedankenanstoesse) ich ploetzlich das Gefuehl habe mich zu entfernen von der Erde, ein wenig auf der Leiter emporzusteigen und die Realitaet zu verlassen. 
Wenn dies in einem Shiur passiert, der einen sehr weit "nach oben" traegt, eine Art philosophischer Aufstieg, dann passiert es sehr oft, dass man sich erst einmal wieder "erden" muss, das Gehoerte verdauen muss, evtl sogar fuer sich sein muss, um all das sacken zu lassen, es nachklingen zu lassen. Wenn es einigermassen verdaut ist, kann man sich wieder dem Spirituellen naehern, weiter lernen, weiter "abheben". 
Wisst ihr, was ich meine, oder druecke ich mich wieder zu umstaendlich aus?
Zum Beispiel jetzt in diesem Augenblick. Ich wollte mir mehrere Auslegungen dieses Kapitels anhoeren und durchlesen, aber nach dem Video von Rav Benni hoere ich auf. Es ist genug. Ich bin angesprochen und moechte an diesem Ort bleiben, darueber nachdenken und damit schlafen gehen. Jeder weitere Artikel wuerde mich wieder wegbringen von diesen Gedanken, die mich sehr inspirieren und waere mehr "Konsum" als Lernen.

Der Text

1. Da rief Isaak seinen Sohn Jakob und segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm nicht ein Weib von den Töchtern Kanaans;
2. sondern mache dich auf und ziehe nach Mesopotamien zum Hause Bethuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir ein Weib daselbst von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter.
3. Aber der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, daß du werdest ein Haufe Völker,
4. und gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinem Samen mit dir, daß du besitzest das Land, darin du ein Fremdling bist, das Gott Abraham gegeben hat.
5. Also fertigte Isaak den Jakob ab, daß er nach Mesopotamien zog zu Laban, Bethuels Sohn, in Syrien, dem Bruder Rebekkas, seiner und Esaus Mutter.
6. Als nun Esau sah, daß Isaak Jakob gesegnet hatte und abgefertigt nach Mesopotamien, daß er daselbst ein Weib nähme, und daß er, indem er ihn segnete, ihm gebot und sprach: Du sollst nicht ein Weib nehmen von den Töchtern Kanaans,
7. und daß Jakob seinem Vater und seiner Mutter gehorchte und nach Mesopotamien zog,
8. sah auch, daß Isaak, sein Vater, nicht gerne sah die Töchter Kanaans:
9. ging er hin zu Ismael und nahm zu den Weibern, die er zuvor hatte, Mahalath, die Tochter Ismaels, des Sohnes Abrahams, die Schwester Nebajoths, zum Weibe.
10. Aber Jakob zog aus von Beer-Seba und reiste gen Haran
11. und kam an einen Ort, da blieb er über Nacht; denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein des Orts und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an dem Ort schlafen.
12. Und ihm träumte; und siehe, eine Leiter stand auf der Erde, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder;
13. und der HERR stand obendarauf und sprach: Ich bin der HERR, Abrahams, deines Vaters, Gott und Isaaks Gott; das Land darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben.
14. Und dein Same soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Abend, Morgen, Mitternacht und Mittag; und durch dich und deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.
15. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hin ziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht lassen, bis daß ich tue alles, was ich dir geredet habe.
16. Da nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Gewiß ist der HERR an diesem Ort, und ich wußte es nicht;
17. und fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
18. Und Jakob stand des Morgens früh auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Mal und goß Öl obendarauf
19. und hieß die Stätte Beth-El; zuvor aber hieß die Stadt Lus.
20. Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: So Gott wird mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen
21. und mich in Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein;
22. und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Mal, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.
(Genesis 28:1-22)

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