Donnerstag, 1. Januar 2015

Reaktionen auf die Initiative 929

Rav Benni Lau schreibt auf seiner Facebook-seite: 
"Wenn man von den Linken und den Rechten gleichermassen attackiert wird, dann weiss man, dass man alles richtig gemacht hat."
Was damit gemeint ist, ist die traurige Wirklichkeit, dass es schon negative Reaktionen auf die Initiative 929, "gemeinsam Tanach lernen" gibt. 
Wir haben hier in Israel leider ziemlich oft ein heftiges Schubladendenken. Und die eine Schublade ist gegen die andere, laesst keinen Platz fuer Vielseitigkeit. Saekulare gegen Religioese, Orthodoxe gegen nicht orthodoxe, Charedim gegen nationalreligioese usw usw... 
Ich hatte mich gleich zu Anfang dieser wunderbaren Idee des gemeinsamen Tanach-lernens gefragt, wie lange es wohl dauert, bis die ersten "Attacken" kommen?
Dabei hatte ich aber nur an Ultra-orthodoxe, Charedim gedacht, die - wie ich mir vorstellen konnte, sich sicher ein wenig veraechtlich aeussern wuerden, wenn sie mitbekommen, WER dort alles auf den Seiten von 929 kommentiert, wer seine Gedanken zur Verfuegung stellt und wer uns mitteilt, was ihm zum Text der Tora einfaellt, wodurch er inspiriert wird. 
Der Anspruch wird vielen zu niedrig sein, sie werden es als "Bibel fuer das gemeine Volk" ansehen. 
Man kann es so sehen, wenn man in einer ganz anderen Welt lebt, einer Welt, die tagtaegliches Tora -und Talmudlernen beinhaltet. 
Dagegen sind wir alle nur ganz kleine Lichter. 

Aber es kommt auch harsche Kritik von der linken Seite der Politik, "man bekommt etwas uebergestuelpt". 
Nun - wer nicht will, der kann das Ganze ignorieren. Man wird schliesslich nicht mit Macht in einer Synagoge zum Beten gezogen. Genausowenig muss es den, der sich nichts daraus macht, interessieren, ob um 12h Mitternacht das naechste Kapitel des Tanach auf die 929-Seite geladen wird. 

Rav Benni bedauert es sehr, dass Menschen wie ein Rav Aviner sich veraechtlich auessern, zu einer Sache, die sie sich nicht einmal naeher angeschaut haben. Menschen, von denen man erwartet, dass der gegenseitige Respekt ueber allem steht. Heisst es doch 
דרך ארץ קדמה לתורה
Was soviel heisst wie: wer sich nicht respektvoll (seinen Mitmenschen gegenueber), verhaelt, der kann auch keine Tora lernen. Andere Auslegung: Gegenseitiger Respekt wurde gefordert und erwuenscht (Verhalten in der Wueste) noch eher, als die Tora gegeben wurde.

Ich halte von diesem gegenseitigen "Fingerzeig" in der Regel sehr wenig. 
Wir sind alle Juden, ob religioes, nicht religioes, orthodox oder traditionell, spharadi oder ashkenazi, niemand braucht sich ueber den anderen zu erheben, aus welchem Grund auch immer. 
Wir koennen nicht in die Herzen der Menschen schauen - das tut ER, und nur ER weiss, was dort vor sich geht. 
Wir koennen und duerfen uns nicht anmassen, mit dem Finger auf andere zu zeigen, weil sie in unseren Augen nicht die "richtige" Rocklaenge, oder keine Kopfbedeckung tragen. 
Wir haben - wie ich es schon bei meinem wunderbaren Rabbiner lernte - im Grunde genug mit uns selbst zu tun, mit der Verbesserung unserer Eigenschaften, Tag fuer Tag, Woche fuer Woche, ein Leben lang. 
Wir sind nicht vollkommen, aber das sind ander Menschen auch nicht. Unsere Unvollkommenheit ist vielleicht eine andere als die Unvollkommenheit des Naechsten. 
Eine Initiative zu verurteilen und zu belaecheln, die den Menschen - vor allem auch den Menschen, die sich bisher nicht oder wenig damit beschaeftigen - den Tanach, die Bibel naeherbringen will, ist ueberheblich und nicht respektvoll. 
Es gibt viele Wege zum Tanach - dieser ist einer von ihnen. 
Wenn es dazu fuehrt, dass Menschen beginnen, sich mehr mit ihren Wurzeln, mit den Wurzeln des Judentums, mit den aeltesten Schriften zu beschaeftigen, hat es schon hundertmal sein Ziel erreicht. 
Menschen zu vereinen, sie zusammenruecken lassen, sollte unser Ziel sein, nicht aber neue Grenzen und Trennlinien zu schaffen. 

Es ist richtig, dass nicht nur Rabbiner die Kapitel des Textes kommentieren, aber ist das wirklich negativ? Steht nicht schon in den Spruechen der Vaeter " Wer ist weise? Der, der von JEDEM lernt." 

איזהו חכם? הלומד מכל אדם

 

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