Sonntag, 11. Januar 2015

Was mich heute beruehrt hat (Mein Eintrag vom 13.10.13)

Es gibt Artikel, die mich so sehr treffen, dass ich fuerchterlich weinen muss. So geschah es heute morgen, als ich in der Beilage "Portraet" der Zeitung Makor Rishon folgenden Artikel las, den ich euch gern uebersetzen moechte. Eventuell spricht er auch den einen oder anderen Leser an, der wie ich auf eine Art innere Stimme gehoert hat und sein Leben auf die eine oder andere Art drastisch veraendert hat. 
Der Beitrag erschien im Zusammenhang mit der heutigen Parasha "Lech Lecha", die von Abraham handelt, der auf G-ttes Stimme hoert. G-tt sagt ihm, er soll gehen, aus seinem Land, aus seiner Heimat, aus seinem Vaterhaus in ein Land was "ich dir zeigen werde". 
Er geht ins absolut Ungewisse, weiss nicht wo der Weg ihn hinfuehren wird, aber er geht, hoert auf die Stimme und folgt ohne Fragen, ohne Zweifel, ohne Angst. Im Grunde genommen sind alle Gerim wie ich dieser Stimme gefolgt, ebenfalls auf unbekanntes Terrain in ein neues Leben, das sich so voellig von dem Leben "davor" unterscheidet.. Und sicher wird sich so mancher, genau wie ich, staunend die Frage stellen: "Wie ist das nur alles gekommen, dass ich da bin, wo ich bin? Wie bin ich hierher gekommen? Warum bin ich eigentlich diesen Weg ins "Ungewisse" so konsequent gegangen, ohne Zweifel, dass das, was ich tat auch richtig ist?
Es passiert mir immer noch sehr oft, dass ich mich das frage, staunend und dankbar ueber all das, was mir auf dem Weg hierher passiert ist. 
Hier fuer euch die Uebersetzung des Artikels "die Stimme" von Avi Baat.

Die Stimme
Er hoerte - und ging. Die anderen verstanden ihn nicht. Verspotteten ihn. "Wohin gehst du?" fragten sie ihn. Nicht etwa, um zu wissen, sondern um ihn wegen seiner naiven Antwort zu verspotten. 
"Ich weiss es nicht." 
"Also, warum gehst du dann?"
"Die Stimme ruft mich. Hoert ihr sie denn nicht?"
Sie lachten. 
"Wie kann es sein, dass sie die Stimme nicht hoeren?"
Er wusste nicht, dass er besonders war, einzigartig. 
Er ging einfach, weil die Stimme ihn rief. Wenn die Stimme ruft, geht man. Ganz einfach. 
"Wenn ich ankomme, werde ich es wissen," sagte er sich. 
Sein Gang mit der Stimme gab ihm Kraft und Sicherheit. Wer die Stimme hoert - und geht, wird niemals allein sein. 
Manchmal bin ich gegangen, ohne zu wissen wohin, und ohne genau zu wissen, warum. Ich packte meine Tasche mit Gaskocher, Kaffee, Zucker und Waffeln, und sagte zu denen es noetig war zu sagen: "Auf Wiedersehen. Ich gehe jetzt, keine Sorge, spaeter komme ich zurueck."
Ich ging - und kam spaeter zurueck. 
Waehrend des Ganges hatte ich ein unklares Gefuehl von Zusammensein. Ausgerechnet da, wo keine Menschenseele in der Naehe war.  Ausgerechnet da war ich nicht allein. 
Daher erschrak ich mich fast, als ich ihn das erste Mal sah. Ich sah ihn von Weitem, er ging allein. 
Das, was meine Augen und mein Herz von der ersten Sekunde an magisch anzog, war merkwuerdig. Der Grund, warum ich meine Augen nicht von ihm lassen konnte, war sein Gang. Wenn er ging, war das kein normaler mechanischer Gang, links, rechts, links, rechts, sondern seine gesamte Erscheinung ging. Sein ganzes Wesen war Gang.
Aber das wusste ich damals noch nicht. Es hat eine Zeit gedauert, bis er mich zu dieser Erkenntnis brachte. Bei den ersten Malen, wo ich ihn sah, sprachen wir nicht, wir schauen uns von Weitem an. Wir naeherten uns und teilten Kaffe. Er liess mir die Zeit, die ich brauchte. 
Als ich die Stimme hoerte, wunderte ich mich. Aber gleichzeitig kam sie mir bekannt vor, so, als ob ich sie schon immer gehoert haette, und sie erst jetzt richtig wahrnahm. So wie das Geraeusch eines Kuehlschranks, das wir auch erst wahrnehmen wenn es aufhoert. Die Stimme die ich hoerte war es, die mich rief, mich ihm zu naehern, mit ihm zu reden. 
Er laechelte mich an und sagte dann:
"Endlich hast du hingehoert, ja?"
Sein Laecheln war so stark, so lebendig, es kam so sehr aus seinem Innern, dass ich zurueck laechelte. 
"Ja, ich habe hingehoert."
Wir schwiegen und hoerten gemeinsam eine Zeitlang. Zeit, die mich beruhigte,  dir mir Raum gab, mich selbst zu fragen und danach ihn:
"Moment mal, WAS habe ich gehoert? Wovon sprechen wir ueberhaupt?"
"Ausgezeichnet!" sagte der Mann. "Du faengst an, hinzuhoeren." So sagte er, stand auf, laechelte und ging. 
"Aber was fange ich an zu hoeren?" Ich wollte ihn fragen, aber er wollte anscheinend - mit Recht - dass ich mir diese Frage selbst stelle. Also fragte ich. 
Bei unserem naechsten Treffen, nach Naechten voller Fragen und ohne Antwort, fragte ich schliesslich ihn. 
Er schuettelte den Kopf, gab mir ein Zeichen. "Das ist nicht der Weg. Frage nicht, hoere!"
Wir schwiegen gemeinsam. Und ich war damit beschaeftigt, zu versuchen, hinzuhoeren. aber diese meine Versuche machten zuviel Laerm. 
Ich konnte absolut nichts hoeren. 
Er stand auf und legte seine Hand auf meine Schulter. "Nun bist du doch bis hierher gekommen. Jetzt brauchst du mich nicht mehr. Nun brauchst du dich selbst."
Ich folgte ihm. "Also, du willst mir sagen, dass die Stimme ich selbst bin?" 
"Du kommst der Sache naeher... " er laechelte. 
"Aus meinem Inneren?" versuchte ich erneut. 
Mein Lehrer laechelte zufrieden. 
"Aus mir selbst - aber das bin nicht ICH. Und auch du hoerst es? ....Moment mal" ich sprang auf, "wir hoeren dieselbe Stimme? Ich aus meinem Inneren und du aus deinem Inneren?"
"Die Stimme ruft die ganze Zeit, immer." sagte mir der Mann mit leuchtenden Augen. "mit allen Stimmen, in allen Sprachen. Sie sucht Hoerende, die hoeren, die zuhoeren, die gehen. Eine klare, reine, starke Stimme aus mir, aus dir, aus den Bergen, aus den Felsen, aus den Baeumen, aus allem, sie ruft dich auf zu gehen - sie spricht eine besondere Sprache, die persoenliche Sprache eines jeden. Die Stimme ruft mit einem Echo dem gesamten Universum zu, und mit dem gleichen Echo nur mir, nur dir, nur uns zu. 
"Geh fort, sie ruft dich. Geh allein vor dich hin. Geh..."
Und der Lehrer ging, und als er mir den Ruecken zukehrte, sich von mir entfernte, sagte er:
"Wer hoert, der geht. Geht, gemeinsam mit den Hoerenden aller Generationen, aller Zeiten, geht mit der Stimme."
Die Hoerenden sind Ritter des Zuhoerens, Ritter des Glaubens, sie hoeren, hoeren hin und gehen.....
(Avi Baat, Makor Rishon 13.Okt.2013)
 Vielleicht spricht der Text nur Menschen an, die gehoert haben, aufgestanden sind und gegangen sind, einen Weg, den sie nicht kannten, den sie gingen, ohne zu wissen warum und ohne gewiss zu sein, wohin der Weg sie fuehrt. 
Es muss eine Stimme sein, die gerufen hat - warum waeren wir sonst gegangen?......

Keine Kommentare: